Читать книгу: «Ökumene um jeden Preis?»

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Copyright © Claudius Verlag, München 2018

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Umschlaggestaltung: Weiss Werkstatt, München

Layout: Mario Moths, Marl

E-Book-Herstellung: Zeilenwert GmbH 2018

ISBN 978-3-532-60038-2

INHALT

Cover

Titel

Impressum

Vorwort: Krise der Ökumene oder Ökumene der Profile?

1. Probleme der Ökumene aus protestantischer Perspektive

Die Kirchen und die Öffentlichkeit: Anspruch und Wirklichkeit

Kirche der Pluralität, Kirche der Meinungsvielfalt

Ökumene als Komplexitätsreduzierung?

Die Kirchen im Bedeutungsschwund

Christentum und Religion außerhalb der Kirchen

Zwischenbilanz

2. Vier Aspekte eines evangelischen Profils

Zum Verständnis religiöser Gleichheit

Luthers Entdeckung des religiösen Gleichheitsgedankens

Das Amt der Pfarrerin oder des Pfarrers und die religiöse Gleichheit – ein Widerspruch?

Selbstverantworteter Glaube

Religiöse Gleichheit im Blick auf die katholische Kirche

Haupt- und Ehrenamt vor dem Hintergrund religiöser Gleichheit

Zum Verständnis der Kirche

Zum katholischen Kirchenverständnis

Sichtbare und unsichtbare Kirche

Evangelische Kirche als Kirche der Freiheit

Volkskirche

Ortskirchengemeinde

Kirchliches Selbstverständnis und Ökumene

Zum Verständnis des Glaubens

Luthers Entdeckung der religiösen Subjektivität als Ausgangspunkt für ein evangelisches Verständnis des Glaubens

Evangelische Ausdrucksgestalten des Glaubens

Wandlungen der evangelischen Glaubenspraxis seit der Reformation

Zum katholischen Verständnis des Glaubens

Katholische Ausdrucksgestalten des Glaubens

Zum Verständnis der Religion

Religion als Gewissensreligion

Zur Aktualität von Luthers Verständnis des Gewissens

Luthers Verständnis des Gewissens und die katholische Kirche

Luthers Auseinandersetzung mit der katholischen Kirche aus heutiger Sicht

3. Volkskirche mit protestantischem Profil

Die Schwellensituationen des Lebens

Gottesdienst, Andacht und Gebet

Kirche, Kultur und Bildung

Die Kirche und die Stationen des Lebens

4. Plädoyer für eine Ökumene der Profile

Innerevangelische Ökumene

Interreligiöse Ökumene

Konfessionelle Ökumene

Anmerkungen

VORWORT: KRISE DER ÖKUMENE ODER ÖKUMENE DER PROFILE?

Es ist merkwürdig still geworden um das, was noch bis vor kurzem ein mitunter emsiger Motor kirchlichen und religiösen Lebens vor Ort war – die vielfältigen und fleißigen ökumenischen Basisgruppen. Es brummte und summte in den Gesprächskreisen konfessionsverschiedener Ehepaare, in gemeinsamen Lektürekreisen, bei liturgischen Feiern und Wallfahrten. Vom Friedensgebet bis zum gemeinsamen Kochen – in der Ökumene vor Ort pulsierte das kirchengemeindliche Leben. Jedenfalls galt dies für die Ökumene zwischen den beiden großen Konfessionskirchen, der katholischen und der evangelischen. Um sie soll es in dem vorliegenden Band gehen, der sich als ein Traktat versteht und zwar im unmittelbaren Sinn des Wortes als „religiöse Flugschrift“, die als „Streitschrift“ verfasst ist.

In nicht wenigen Fällen hatten die ökumenischen Arbeitskreise vor Ort gar die Funktion von kirchlichen Aufsichtsräten. Alles gemeindliche Leben – hier wie dort – stand mit ihnen in Verbindung. Sie koordinierten und organisierten, sie hoben manches besonders hervor und sorgten auch dafür, dass anderes eher im Hintergrund blieb. Vor allem galt es, das Geschehen zu zertifizieren: Nur das sollte realisiert werden, was ökumenisch veranstaltet werden, was mit dem ökumenischen Geist in Einklang gebracht werden konnte. Die Ökumene vor Ort war das Maß aller Dinge.

In einigen Fällen sind diese ökumenischen Organisationszentralen krachend implodiert. Es kam zu Zerwürfnissen auf beiden Seiten. Im letzten Drittel des vergangenen Jahrhunderts war es katholischerseits mancherorts zu Aufweichungen bei der Praxis der Eucharistiefeier gekommen. Vor allem auf Drängen konfessionsverschiedener Ehepaare wurde hier und da die Teilnahme des konfessionellen Partners der „anderen Seite“ stillschweigend geduldet. Doch dann kam von römischer Seite die harsche Erinnerung an kirchenrechtlich zementierte Ausschlussformeln. Gelegentlich führte diese Entwicklung auch zu einem geräuschlosen Traditionsabbruch – Ökumene und keinen interessiert’s. Enttäuscht wandten sich die Menschen, die gerade über die gemeinsame Feier des Mahles Hoffnung geschöpft hatten, wieder von der Kirche, von den Kirchen ab.

Wo es vor noch nicht allzu langer Zeit schnurrte und tickte, da sind die Menschen heute ziemlich schnell vor allem eines: genervt. Was soll das mit diesem Hickhack, das ohnehin – wenn überhaupt – nur ausgesuchte Spezialisten verstehen? Otto Normalverbraucher kann mit diesen Debatten schon längst nichts mehr anfangen. Und so oder so haben wir heute doch ganz andere Probleme als diese Diskussionen über Ewiggestriges, und dann auch noch in puncto Religion, womit man heute niemanden mehr hinter dem Ofen hervorlockt.

Immer wieder wird in unseren Tagen auch darauf verwiesen, dass sich religiöses Wissen im freien Fall befinde. Erschreckend sind die Ergebnisse der Umfragen, was denn Pfingsten oder gar der Buß- und Bettag bedeuten. Selbst Weihnachten und Ostern sind in Gefahr geraten. So hörte ich unlängst auf einem Weihnachtsmarkt, wie einer eine andere fragte, warum der Adventskranz eigentlich nicht sechs Kerzen haben könne. Das Wissen in Sachen Religion erodiert dramatisch. Trotzdem schätzen wir uns im Vergleich etwa mit dem laizistischen Frankreich noch glücklich. Muss man nicht dankbar sein für das Wenige, das bei uns noch in einer gewissen Selbstverständlichkeit vorhanden ist? Ist angesichts dieser Misere eine kritische Rückfrage nach dem, was die beiden Großkonfessionen voneinander unterscheidet, nicht Frevel?

Unlängst war ich bei der Verabschiedung eines katholischen Kollegen in den Ruhestand. Ohne jemandem zu nahe zu treten: Es war eine ziemlich bombastische Inszenierung. Mehrere Dutzend Ministranten, zahlreiche Ortsvereine (u.a. Feuerwehr, Schützen, Kaninchenzüchter) mit ihren stattlichen Fahnen, der Gemeinderat, die Kirchenverwaltung, die Pfarrer, auch die evangelischen, und was weiß ich noch alles zogen in einem schier endlos scheinenden Tross in weihrauchgeschwängerter Luft in die Kirche ein – eine für die, die so etwas mögen, gewaltige Inszenierung.

„Endlich habe ich einmal Kirche erlebt, wie sie sein soll!“, meinte eine Bekannte nach dem Spektakel zu mir. Endlich war Kirche einmal richtig zeitgemäß, so diese Einschätzung. Nichts war mehr zu sehen von diesen völlig überflüssigen konfessionellen Unterschieden – eine große Inszenierung, die allen gleichermaßen ans Herz ging. Die konfessionellen Spezifika, die das Salz in der Suppe sind, wurden einem konturlosen Einheitsgetue geopfert. Als das Lied „Großer Gott, wir loben Dich“ – mit Pauken unterlegt – gesungen wurde, habe ich gestandene Mannsbilder weinen sehen. „Grad schee war’s!“ Der Kabarettist Christian Springer hat unlängst gesagt, dass man in Bayern katholisch sei, „weil’s grad schee is“.

Mir persönlich war ehrlich gesagt ziemlich unwohl – eine große Inszenierung, am katholischen Ritus orientiert. Aber durch die Anwesenheit zweier evangelischer Pfarrer und durch mehr oder weniger frei formulierte liturgische Texte war es dann doch nicht so wirklich katholisch, sondern irgendwie von beidem etwas und damit nicht das eine und letztlich auch nicht das andere. Mir war nicht wohl bei der Sache.

Ich glaube, es gibt einen Trend: Was soll das noch mit den Konfessionen? Bereits vor Jahren forderte der damalige bayerische Landesbischof Johannes Friedrich (evangelisch), dass sich die evangelische Kirche mit der katholischen zusammentun und den Papst als Sprecher der gesamten Christenheit akzeptieren solle. Männer wie Roman Herzog und Herbert Riehl-Heyse stimmten mit ein. Ich erinnere mich dunkel, dass später auch ein so bezeichnetes „Ökumenepapier“ lanciert wurde, das selbst der damalige Bundestagspräsident Norbert Lammert – und ich glaube sogar Richard von Weizäcker – unterschrieben haben sollen.

Heinrich Bedford-Strohm und Reinhard Marx auf Kuschelkurs am Tempelberg: Übertreiben wir es nicht mit der „GroKo“, mit der großen Koalition in Sachen Religion und Kirche? Die Stimmen mehren sich, hier wie dort: Können wir angesichts nach wie vor vorhandener Grundunterschiede so tun, als könnte zusammenwachsen, was zusammengehört? Und umgekehrt: Gehört tatsächlich zusammen, was zusammenwachsen soll? Können wir Evangelischen etwa von Luthers Entdeckung des Priestertums aller Gläubigen einfach so absehen und uns einem hierarchischen Kirchenverständnis anschließen, in dem der Priester Mittler zwischen der Sphäre des Heiligen und der des Profanen ist?

Die Lage wird auch dadurch nicht einfacher, dass – ebenfalls hier wie dort – nicht wenige Religionsprofessionelle der Großkonfessionen geradezu neidisch auf „die Anderen“ schielen. Kirchenleitende Funktionäre werden ganz blass, wie widerstandslos bei der konfessionellen Schwesterkirche Anweisungen durchzusetzen sind, weil die straffe Hierarchie keine problematisierenden und vor allem ermüdenden Diskussionsschleifen vorsieht. Und allzu gerne würde sich manche evangelische Kollegin, mancher evangelischer Kollege mit einer Aura priesterlicher Würde umgeben. Stola und Albe sollen dabei mithelfen. Und umgekehrt lässt der lockere, plurale und erfahrungsoffene Umgang mit den ehrwürdigen Beständen einer eindrucksvollen zweitausendjährigen Religion durchaus Neid aufkommen.

Anders gefragt: Ist uns das Profil, dass der Protestantismus in pointierter Weise die Religion der Freiheit ist, gleichgültig geworden? Können wir auf die These von der unsichtbaren Kirche als wahrer Kirche und damit auf die Einsicht eines Christentums außerhalb der Kirche verzichten? Wie ist das mit der Entdeckung, dass jeder seinem Gewissen verantwortlich ist? Vieles mehr ließe sich hier anführen, selbstverständlich auch für die Schwesterkirche.

Oder sehen wir das Christentum so sehr in die Defensive geraten, dass wir von Unterschieden nichts mehr wissen wollen? Veranlasst uns das Minderheitenbewusstsein dazu, die Grenze zwischen den Konfessionen beflissentlich zu übersehen, um sie umso dramatischer zwischen Christen und Atheisten zu verifizieren? Und geraten uns bei diesem Schubladendenken nicht diejenigen aus dem Blick, die ihr Christentum in einer gewissen Distanz zur verfassten Kirche leben, sich aber sehr wohl als evangelisch oder katholisch verstehen? Werden sie nicht unter Generalverdacht gestellt, so richtig jedenfalls nicht dazuzugehören? Verengen wir die Perspektive nicht Zug um Zug auf das, was man Kerngemeinde nennt? Doch nicht die Kerngemeinde, sondern ganz bestimmte Grundeinsichten sind es, die die jeweiligen Konfessionen prägen und unverwechselbar sein lassen.

Wenn überhaupt, dann scheint gegenwärtig eine Ökumene der Profile Sinn zu machen. Das Wissen um die Profile der jeweiligen Konfessionen nenne ich Hintergrundwissen. Es weiß etwa um die Unterschiede beim Verständnis des Abendmahles. Es weiß um die Entwicklung, die zur Lehre von der Unfehlbarkeit des Papstes führte. Es weiß um die Unterschiede, die Gegensätze und auch das Verbindende.

Wer Hintergrundwissen für bedeutungslos erklärt, der verwischt das Profil, und wer Profile unkenntlich macht, der egalisiert, der vergleichgültigt, der rührt eine fade Einheitssoße zurecht, die niemandem Nahrung bietet. Doch wir brauchen dieses Hintergrundwissen, um zu verstehen, warum etwas ist, wie es ist, und warum etwas geworden ist, wie es ist.

Um Heil und Segen in Anspruch zu nehmen, brauche ich dieses Hintergrundwissen nicht. Das ist wie mit der Technik: Um Strom zu nutzen, muss ich nicht um die unterschiedlichsten Weisen der Stromerzeugung wissen. Der Strom kommt aus der Steckdose. Um Auto fahren zu können, muss mir der Unterschied zwischen Diesel und Benziner nicht bis in die letzten Details klar sein. Aber wenn ich verstehen will, kann ich nicht sagen: Hauptsache Autofahren.

Menschen mit Hintergrundwissen sind Menschen, die eher keinen Mehrheiten angehören. Es sind die Minderheiten, die über Hintergrundwissen verfügen. Das kann auch als unangenehm empfunden werden, denn in der Regel wollen wir zu den Mehrheiten gehören. Und so kann es geschehen, dass wir meinen, mit denen auftreten zu müssen, die Hintergrundwissen für unwichtig halten.

Wir können das über Konfessionsgrenzen hinaus ausweiten. Wenn wir die These aufnehmen, dass es den Religionen im Wesentlichen darum geht, das Heil für die Menschen zu befördern und so Humanität realisieren, wahren und sichern zu wollen, dann kann vor allem hinsichtlich der Verantwortung für das Humane ein religionsübergreifender Konsens festgehalten werden. Leider werden Religionen aber auch immer wieder missbraucht, vorzugsweise von politischen Ideologien, wie der Islam etwa vom sogenannten Islamischen Staat. Wer verstehen will, wer Hintergrundwissen haben will, der muss also in die Tiefe gehen, differenzieren und analysieren, und darf nicht bei ideologischen Verkürzungen stehenbleiben.

Viele, viele Menschen sind müde geworden an der Komplexität unserer Wirklichkeit. Sie sind es leid, sich immer und immer wieder neu an der Unübersichtlichkeit unserer Lebenswirklichkeiten abarbeiten zu müssen. Sie wollen, dass die Wirklichkeit einfach und überschaubar ist. Am Rande bemerkt: Daher wählen sie dann auch Parteien, die behaupten, es sei eigentlich alles ganz einfach. Komplexität soll reduziert werden. In Sachen Religion heißt das dann: Die Unterschiede zwischen den Konfessionen und auch zwischen den Religionen sind bedeutungslos.

Komplexitätsreduzierung ist eine Sehnsucht aktueller gesellschaftlicher Wirklichkeit. Sie ist ein Trend, und nicht wenige – wieder: hier wie dort – finden auch das bedenklich, dass nämlich ihre Kirchen sich vielen der Strömungen oder Trends, die unsere Gegenwart bestimmen, regelrecht anbiedern. Man will ja mit der Zeit gehen, will „in“ sein. Auch Fusionen sind „in“. So verwundert es nicht, dass vor allem aus Wirtschaft und Politik Unverständnis für konfessionelle Differenzen kundgetan wird. „Da sieht man mal wieder, wie unprofessionell die Kirchen sind. Hätten wir das Sagen, wären die längst fusioniert.“ Die Reduktion kirchlicher Angebote auf eine hippe Eventkultur, die Forderung der Wiedereinführung der lateinischen Messe als Verlängerung einer larmoyanten Modernitätskritik und eine völlig überzogene Genderpolitik, wie sie in der „Bibel in gerechter Sprache“ ihren Niederschlag findet und die dort zu sinnentstellenden Texten führt, wären weitere Beispiele für eine solche Anbiederung.

Vor solcher Anbiederung bewahrt in erster Linie differenziertes Hintergrundwissen. Wer die Hintergründe kennt, aus denen heraus plausibel wird, warum zentrale Inhalte der großen Konfessionen so geworden sind, wie sie sind, dem erschließen sich diese Inhalte in ihrer je eigenen Bedeutung. Selbstverständlich sichtet solches Verstehen diese Inhalte auch kritisch. Und damit ist natürlich ebenfalls klar, dass solches Verstehen Wesentliches von Unwesentlichem unterscheidet. Nicht nur das: Solches Verstehen ermöglicht auch die Ausscheidung von Inhalten, die für eine gegenwärtige Religionspraxis irrelevant geworden sind. Der Streit, der in den letzten Jahrzehnten etwa um das Verständnis des Todes Jesu geführt worden ist, ist eine Auseinandersetzung, die zwischen Menschen mit Hintergrundwissen geführt wurde. Um sich an solchen Debatten beteiligen zu können, muss man schon über Wissen, über Hintergrundwissen, verfügen.

Träger von Hintergrundwissen sind Religionsprofessionelle, also Menschen, die zur Ausübung ihres Berufes professionell ausgebildet werden. Das sind zunächst Pfarrerinnen, Pfarrer und Priester. Mit Sorge sind in diesem Zusammenhang jüngste Entwicklungen zu beobachten, die den Stand des Berufes der Pfarrerin bzw. des Pfarrers untergraben. Das hat vor allem nach der Einführung des sogenannten Bologna-Prozesses im Theologiestudium begonnen. Was auf eine europaweite Harmonisierung von Studiengängen und -abschlüssen abzielte und so die internationale Mobilität der Studierenden und die Schaffung eines einheitlichen Europäischen Hochschulraumes befördern sollte, bewirkte vor allem eine Verschulung geisteswissenschaftlicher Studiengänge, die letztlich mit einem beträchtlichen Niveauverlust einherging. Den Studierenden ist ein eigenständiger Erwerb geistiger Bildung erschwert worden. An dessen Stelle tritt die schulische Aneignung von Kompendienwissen.

Schon während des Studiums, vor allem aber im Anschluss daran melden die Kirchen ihre Interessen an. Eine von ihnen verordnete „geistliche Begleitung“ droht den freien Bildungsprozess kirchlicher Reglementierung zu unterwerfen. Doch die Studierenden müssen in Ruhe gelassen werden. Es geht darum, die Möglichkeitsbedingungen zur Ausformung eines freien gebildeten Berufsstandes bereitzustellen, der in seiner Bildung zu eigenständigen begründeten Positionen fähig ist, die sich gleichwohl im kommunikativen Austausch bewähren können. Auch hier gilt die Struktur pluraler Vielfalt.

Mit dem Problem einer Verkirchlichung stoßen wir innerhalb dieser Lageskizze möglicherweise an die Hauptbedrohung gegenwärtiger Religionspraxis. Hier wie dort bedrohen institutionelle Hegemonieansprüche die freie Lebendigkeit pulsierenden religiösen Lebens, indem sie diesem das Korsett kirchlicher Vorstellungen von Religion aufzwängen. So erlahmt und versiegt religiöses Leben in den letzten Jahren immer wieder, und in solchem Erlahmen religiösen Lebens kann selbst wohl wieder ein Grund für das Absterben ökumenischer Interessen ausgemacht werden. Denn das konfessionell geprägte religiöse Leben findet ja keineswegs zwangsläufig innerhalb der vorgegebenen kirchlichen Rahmenbedingungen statt. Beim Katholizismus noch eher als im Protestantismus. Daher dürfte der Blick in die religiösen Profile der Konfessionen lohnen. Er öffnet die Augen für konfessionelle religiöse Lebendigkeit. Evangelischerseits wird solches Leben etwa durch den religiösen Gleichheitsgedanken, die unsichtbare Kirche, die Bedeutung der einzelnen religiösen Individualität und deren Gewissenserfahrung befeuert. Von katholischer Seite wird u.a. die Bedeutung der Kirche und ihrer Ordnung für religiöses Leben entscheidende Impulse freisetzen.

1. PROBLEME DER ÖKUMENE AUS
PROTESTANTISCHER PERSPEKTIVE

Zunächst ist der Frage nachzugehen, was eigentlich einen Zwischenruf in Sachen Ökumene aus protestantischer Perspektive veranlasst. Wo und wie können Probleme gegenwärtiger ökumenischer Praxis festgestellt werden, die solch einen Zwischenruf erforderlich machen? Wie lässt sich in grundsätzlicher Weise die gegenwärtige kirchliche Praxis in unserer Gesellschaft beschreiben, und wie wird diese Praxis in der Ökumene aufgenommen und weitergeführt? Antworten auf diese Fragen lassen sich in unterschiedlichen Zusammenhängen ausmachen. Beginnen wir mit der aktuellen Stellung der konfessionellen Großkirchen in unserer Gesellschaft.

Die Kirchen und die Öffentlichkeit: Anspruch und Wirklichkeit

Debatten über die Aufgaben der großen Konfessionskirchen finden in unserer Gesellschaft eher am Rande statt. „Kirche“ – da hält sich das öffentliche Interesse in Grenzen. Wenn es darum geht, ob unser Kind einen Kindergartenplatz bekommt, dann erscheinen solche Fragen von allerdings fast veritablem Interesse. Menschen, die sich nicht als kirchennah verstehen, stehen den konfessionellen Großkirchen in manchen Fällen durchaus wohlwollend, in der Regel aber wohl eher gleichgültig bis ablehnend gegenüber. Die Tendenz dürfte in Richtung Ablehnung gehen.

Schon die Frage danach, wie und vor allem von wem gesamtgesellschaftliche Anliegen auf den Begriff zu bringen sind, wird höchst unterschiedlich beantwortet. Während die Großkirchen selbst zu der Einschätzung neigen, dass ihr Votum hier selbstredend gefragt sei, hält die Mehrheit der Bevölkerung solche Generalstatements eher für verzichtbar. Die gegenwärtige ökumenische Praxis ist auch immer wieder ein Aufbegehren gegen dieses Desinteresse nach dem Motto „Erinnern wir das öffentliche Bewusstsein mit unseren Äußerungen zur gesellschaftlichen Lage daran, dass es uns auch noch gibt!“

Doch die vorzugsweise zu den kirchlichen Hochfesten wie Weihnachten oder Ostern zu Protokoll gegebenen Verlautbarungen sind oft nachgerade peinlich. Wenn der Ratsvorsitzende der EKD meint, dass Weihnachten die beste Medizin in der Zuwanderungsfrage sei, dann wird man mit einigem Recht konstatieren können, dass diese Meinung außer von ihm nur noch von einigen wenigen innerkirchlichen Mitstreiterinnen und Mitstreitern geteilt wird. Die meisten jedenfalls interessieren solche Deutungsofferten kaum oder gar nicht, zumal sie sich oftmals auch noch einer kirchlichen Binnensprache bedienen, die unverständlich bleibt – Weihnachten als Medizin?

In dieser Knappheit nicht verständlich, so allgemein wie richtig, an Floskelhaftem nicht mehr überbietbar … Die Liste ließe sich fortschreiben. Die zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit verlautbarten ökumenischen Stellungnahmen befördern offensichtlich den gesamtgesellschaftlichen Diskurs wenig bis überhaupt nicht. Das lässt sich für alle ökumenischen Akteure sagen, eben auch über Leitsätze des Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, ja selbst über die Weihnachts- oder Osterbotschaften des Heiligen Vaters.

Aus dem Alten Testament wissen die Kirchenrepräsentanten über das Prophetentum im alten Israel. Eine der Aufgaben dieses Berufstandes bestand darin, das Wort Jahwes an sein Volk weiterzugeben. Und dieses Wort enthielt nicht selten klare Direktiven, wie nämlich in dieser und jener Angelegenheit im Sinne Jahwes zu verfahren sei. Schon damals stand hinter dieser Botschaft allerdings keineswegs eins zu eins die Meinung der Gottheit. Zu Recht wird man daher schon für die damalige Zeit argwöhnen dürfen, ob die Absicht Jahwes in diesen Kontexten überhaupt so eindeutig vorlag, wie von den Protagonisten behauptet. Bestimmte politische Interessen, Überzeugungen von Meinungsführern und manches mehr hatte Eingang gefunden in das Wort des Propheten, dessen Amt als Wächteramt gebraucht und auch missbraucht wurde.

Unsere gesellschaftliche Wirklichkeit ist gegenüber der Zeit der Propheten um ein Vielfaches komplexer geworden. So gibt es heute so gut wie keine Situation, in der mit eindeutiger Klarheit in knappster Form Wegweisendes gesagt werden könnte. Die Dinge liegen in der Regel vielschichtiger, sind komplexer. Stammtischparolen – als welche man solche groben Vereinfachungen ja auch bezeichnen könnte – helfen da nicht weiter, auch wenn sie im Gewand einer in Anspruch genommenen höheren Weihe feilgeboten werden.

Verbale Kraftmeiereien sind sowohl von kirchlicher Seite als auch von politischen, ökonomischen, gewerkschaftlichen und anderen gesellschaftlichen Playern wenig hilfreich. Sie bedienen einen die Sachdiskussion beschädigenden Populismus. Begegnet solcher Populismus etwa von politischer Seite, so entzündet sich – wie man sagen muss auch zu Recht – Kritik, die vor allem darauf hinweist, dass Differenzierung gegenüber unsachlicher Vereinfachung Not tue. Gerade die Kirchen tun sich bei solcher Kritik gerne besonders hervor. Umso unverständlicher ist der leider auch bei ihnen immer wieder zu beobachtende Hang zur Simplifizierung, oftmals dann noch dazu in der Sprache Kanaans, die – wie gesagt – ohnehin keiner versteht.

Hinzu kommt, dass sich die Moderne, in der wir nach der Aufklärung leben, auch dadurch auszeichnet, dass die einzelnen Bereiche der gesellschaftlichen Wirklichkeit eigenständig geworden sind. Sie funktionieren sozusagen nach ihrer jeweils eigenen Logik. So darf für den Teilbereich der Wirtschaft etwa vermutet werden, dass Vorstände von Banken sich über die Allmachtsphantasien nur wundern konnten, die so manche kirchliche Verlautbarung etwa zur Diskussion um den Grexit deutlich werden ließ. Hier muss die Devise lauten: „Schuster, bleib bei deinen Leisten.“

Auch sind Geschichten aus der Religion jedenfalls nicht geeignet, Probleme etwa der nordamerikanischen Steuerpolitik zu lösen. Aber ausgerechnet dort können Fundamentalisten ausgemacht werden, die in besonderer Weise in der Gefahr stehen, hier Grenzen zu verwischen. Gerade sie sind häufig der Meinung, die Bibel enthalte direkte Handlungsanweisungen, die unmittelbar in politische Münze übersetzt werden können. Von solchen Fundamentalismen sind die konfessionellen Großkirchen – Gott sei Dank! – (in der Regel jedenfalls) weit entfernt.

Zu Recht gilt jenen Fundamentalismen unsere Kritik. Fruchtbringend bleibt demgegenüber nach wie vor die häufig mühsame Auseinandersetzung mit den in der Regel komplexen Problemlagen und den daraus generierten Diskussionsbeiträgen, die sich weniger in Direktiven ausdrücken, als sich mit der Entfaltung von Alternativen an die Diskussionspartner wenden. Leider – und auch das gehört zu den Ausgangsproblemen gegenwärtiger ökumenischer Praxis – beteiligen sich die Großkirchen selten an solcher Ausdifferenzierungsarbeit. Eine Ausleuchtung von Tiefenbezügen bestimmter Debattenlagen kann jedenfalls sachdienlicher und hilfreicher sein als simplifizierte Direktiven.

Die großen Konfessionskirchen haben also kein Wächteramt in unserer Gesellschaft, so gerne sie dies hier wie dort in Anspruch nehmen mögen, und zwar nicht nur, um bei jeder passenden und eben auch unpassenden Gelegenheit ihren ungefragten Kommentar abzugeben. Solche Kritik am leider immer wieder missbräuchlich ausgeübten, falsch verstandenen Wächteramt muss selbst allerdings auch Maß halten. Denn es darf natürlich nicht übersehen werden, dass sich die Konfessionskirchen in diesen Zusammenhängen in einem Dilemma befinden, das sie mit anderen gesellschaftlichen Akteuren teilen. Die Medialisierung unserer Gesellschaft fordert regelrecht eine Unkultur der kraftmeierischen Ansage. Sie fordert das eindeutige, richtungsweisende Votum.

Gewerkschaften, Parteien, Kirchen und Sozialverbände sind deshalb geradezu dazu gezwungen, „klare Ansagen“ zu machen. Wer sich an solchen Direktiven nicht beteiligt, wie redundant und damit wie wenig sachlich und hilfreich diese auch immer sein mögen, begibt sich in die Gefahr, sich aus dem gesamtgesellschaftlichen Diskurs zu verabschieden und so unkenntlich zu werden. Trotz dieses Mechanismus kann mit einiger Mühe Maß, Ausgewogenheit und vor allem Angemessenheit sichergestellt werden. Vor allem unter dem Gesichtspunkt der Ausgewogenheit wird darauf zu achten sein, dass ein gebotenes Maß an Differenzierung eingehalten wird.

Kirche der Pluralität, Kirche der Meinungsvielfalt

Dass Kurzbeiträge zu den jeweiligen gesellschaftlichen Debatten durchaus hilfreich sein können, zeigen etwa die Weihnachtsansprachen des Bundespräsidenten oder das Wort der Bundeskanzlerin zum Neuen Jahr. Beiden gelingt es weit überwiegend über Partei- und Personengrenzen hinaus die Gefahren von Komplexitätsreduzierung und Populismus zu umgehen. Was in diesen Beiträgen zum gesamtgesellschaftlichen Diskurs anderen Akteuren zum Vorbild gereichen könnte, ist, dass sie es vermögen, gewissermaßen „mehrheitsfähig“ zu formulieren. Wohltuend ist hier die Vermeidung simplifizierender Direktiven und populistischer Vereinfachungen.

Gerade für die evangelische Kirche – in welcher der über das Modell des Priestertums aller Gläubigen gewonnene religiöse Gleichheitsgedanke gilt – ist eine Positionierung, die keine Einzelmeinung repräsentieren soll, natürlich besonders schwierig. Kein Bischof, kein Oberkirchenrat oder wer auch immer hat das Recht, „protestantische Positionen“ aufgrund seiner Stellung qua Amt zu legitimieren. Aufgrund des religiösen Gleichheitsgedankens gilt zudem, dass eine Position immer nur eine Position neben anderen – ebenso legitimen – Positionen ist. Was zählt, ist der sachliche Gehalt, nicht der hierarchische Ort, von dem aus ein Votum ergeht.

Damit gilt zumindest für den Protestantismus Pluralität als Grundmuster kirchlicher Wirklichkeit. Und damit ist – wie sich leicht zeigen lässt – natürlich ein Grundproblem hinsichtlich des Auftritts von Kirche in der Gesellschaft verbunden. Bezüglich eines strittigen Sachverhaltes kann es kirchlicherseits niemals nur ein Votum geben. Es gibt immer ein Bündel von sachlich hinreichend begründeten Standpunkten, die sich mitunter durchaus widersprechen können.

Darin ist denn auch das Problem enthalten, dass mit einer eindeutigen Verlautbarung von kirchenleitender Seite stets legitime, inhaltlich anderslautende Standpunkte verunglimpft werden. Diese gelten dann interessanterweise plötzlich als einzelne „Privatmeinungen“. Aufgabe kirchenleitenden Handelns wäre es also, auf diesen „Chor“ an Überzeugungen hinzuweisen bzw. ihn zum Klingen zu bringen. Der Vorzug solchen Handelns bestünde auch darin, deutlich werden zu lassen, dass die Meinungsvielfalt innerhalb des Protestantismus die Meinungsvielfalt der gesamtgesellschaftlichen Wirklichkeit spiegelt.

Nebenbei bemerkt liegt außerdem auf der Hand, dass gerade bei evangelischen kirchenleitenden Vertreterinnen und Vertretern in diesem Zusammenhang aus dem Unterschied zur katholischen Schwesterkirche, die den religiösen Gleichheitsgedanken so nicht kennt, Neidgefühle erwachsen können. Wir sind darauf bereits zu sprechen gekommen. Natürlich ist die Durchsetzungsfähigkeit in einem strikt hierarchischen System – um nicht zu sagen: in einem strikt autoritär verfassten System – um vieles größer als in einer Institution, deren Grundstruktur Pluralität ist.

Ökumene als Komplexitätsreduzierung?

Mit dem bisher Entfalteten ist noch ein Problem verwoben, das eine eigenständige Würdigung verdient: das Problem der Eindeutigkeit. Direktiven bringen die Gefahr mit sich, dass der Eindruck entsteht, die Dinge wären eigentlich ganz einfach, sozusagen schwarz-weiß. Dass dem in den allermeisten Fällen nicht so ist, haben wir bereits angesprochen. Um diese Eindeutigkeit einleuchtend darzulegen, wird in vielen Fällen tatsächlich vorhandene Vielschichtigkeit reduziert. Wir können auch sagen, dass die Dinge in der Regel komplex sind. Jede kernige Direktive verlangt daher nach einer Reduzierung von Komplexität.

Für unsere gesamtgesellschaftliche Wirklichkeit können wir diesen Zusammenhang auch aus anderer Perspektive plausibilisieren: Das Leben an sich ist unter den Bedingungen der Moderne kompliziert geworden. Wir können auch von einer Unübersichtlichkeit des Lebens sprechen. Solche Unübersichtlichkeit sehnt sich – wie wir gerade angesprochen haben – nach Eindeutigkeit. Vermutlich liegt in dieser Sehnsucht auch ein Grund für die großen Erfolge, die die unterschiedlichen Populismen gegenwärtig haben.

Und obwohl solche Populismen eine Versuchung für kirchliches Auftreten in unserer Zeit enthalten könnten, wären die Kirchen sicherlich gut beraten, sich solcher Vereinfachungen nicht zu bedienen. Solche Vorsicht walten zu lassen, gilt auch angesichts des kirchlichen Hinweises, dass Verlautbarungen immer in ihrem Kontext, etwa einer Predigt, verstanden werden müssen. Und natürlich ist einzuräumen, dass hier auch Missbrauch möglich ist, ob versehentlich oder mit Absicht. Immer wieder besteht die Gefahr, dass Einzelnes aus dem Zusammenhang gerissen und dann in seinem Gehalt verzerrt oder gar verfälscht wird. Unabhängig davon ist aber auch die angesprochene Ausgabe von Direktiven kritisch wahrzunehmen.

Ökumene ist selbst gewissermaßen ein Instrument zur Komplexitätsreduzierung. Wenn das Miteinander der Kirchen etwa auf den Begriff der Freundschaft unter Ausblendung der jeweiligen Profile reduziert wird, dann ist damit alles beiseite gewischt, was die großen Konfessionskirchen inhaltlich auszeichnet. Wenn jemand auf die Idee käme, beispielsweise von der katholischen zur evangelischen Konfession wechseln zu wollen und dem Ratsvorsitzenden der EKD die Frage stellte, was ein solcher Wechsel denn bedeuten würde, müsste der mit seiner Vorstellung der Ökumene als Freundschaft eigentlich konsequent antworten: Nichts.

Dann aber stellt sich in der Tat die Frage, was Konfessionalität eigentlich noch soll. Die Konfession zu wechseln würde jedenfalls keinen Sinn machen. Auch wären die Gründe für den Konfessionsunterschied, über welche jahrhundertelang gerungen wurde und über die sich nicht gerade die Dümmsten beider Konfessionen die Köpfe zerbrochen haben, wie weggeblasen. Hinter beiden Großkonfessionen stehen viele Hundert Jahre Geistesgeschichte, die zu würdigen der Respekt vor dem dort Geleisteten geradezu gebietet.

Die Kirchen im Bedeutungsschwund

Was die Verkündung von richtungsweisenden Direktiven aus kirchenpolitischer Perspektive anbetrifft, wird man den konfessionellen Großkirchen wahrscheinlich sogar bescheinigen können, was sie eigentlich wirklich das Fürchten lehren sollte; nämlich dass sie durch ungeschicktes Agieren in diesen Zusammenhängen ihre eigene Marginalisierung vorantreiben. Diese wird auch dadurch befördert, dass es solche Direktiven verhindern, wesentliche Aspekte zur Geltung zu bringen, die die Konfessionsunterschiede anschaulich werden lassen könnten.

Zu Beginn des Festjahres zum Reformationsjubiläum wurde der Ratsvorsitzende der EKD in den Tagesthemen zu Luther und zur Reformation befragt. Nicht an einer Stelle wurde deutlich, was mit der Reformation Neues entstanden ist. Stattdessen kam etwa auf die Frage, welche Thesen Luther heute veröffentlichen würde, die Antwort, dass er wohl die Liebe ins Zentrum stellen würde. Es war die Rede von Empathie, von Flüchtlingen und wie viele ehrenamtliche Protestanten sich hier engagiert hätten. Das alles ist im höchsten Maße löblich, hat aber mit einem spezifisch evangelischen Profil nichts zu tun. Zu Recht lautet die Frage: Wenn sich die Frage nach einem protestantischen Profil damals und heute in solchen Allgemeinplätzen erschöpft, wozu brauchen wir den Protestantismus dann überhaupt noch? Was ist der spezifische Beitrag dieser Konfession innerhalb der religiösen Landschaft in unserem Land und in unserem Kulturkreis?

Die Kirchen leiden in unseren Tagen unter dem Schwund ihrer Bedeutung. Die Menschen wollen weder ein Votum von selbsternannten gesellschaftlichen Wächtern noch ein wie auch immer näher zu verstehendes transzendentes Engagement, sondern sie wollen, dass die großen Konfessionskirchen soziale Verantwortung übernehmen. Die Kirchen sollen nicht am Transzendenten haften, sondern sie sollen im Sozialen Flagge zeigen: der erwähnte Kindergartenplatz, der Platz im Seniorenheim, das scheint wichtig; sich in der Nachbarschaftshilfe einbringen, die Jugend von der Straße holen, für Seniorinnen und Senioren Ausflüge organisieren. Angelegenheiten des Transzendenten, Fragen nach Sinn und anderes mehr sind heute – wie kaum jemals zuvor – in die Zuständigkeit der oder des Einzelnen gestellt. Glaube ist Privatsache, eine Angelegenheit der Privat-, wenn nicht gar der Intimsphäre. Wir werden darauf noch näher zu sprechen kommen.

Auch was die Marginalisierung betrifft, befinden sich die Kirchen in einem Dilemma. Für nicht wenige Menschen ist letztlich nicht recht einzusehen, warum es die Konfessionskirchen immer noch gibt. Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass diese es offensichtlich nicht vermögen, ihre Wesensunterschiede so zur Darstellung zu bringen, dass das jeweilige Eigenrecht der Konfessionen ihren Kritikerinnen und Kritikern einleuchtet. So werden – wie bereits angesprochen – immer wieder Forderungen nach so etwas wie einer Fusion laut, was immer man sich darunter dann konkret vorzustellen haben mag. Dadurch könne nicht nur Geld gespart werden, sondern es ließen sich auch eine Reihe von Synergieeffekten erzielen, die die komplexe Angebotsstruktur der Kirche für die Gesellschaft vereinfachen würde und damit den Dienst der Kirche an der Gesellschaft befördern könnte. Wir kamen darauf zu sprechen, wie unsinnig solche Mutmaßungen sind, und wir werden dafür im Folgenden weiteren Gründen begegnen.

Christentum und Religion außerhalb der Kirchen

Gegenüber der beschriebenen Marginalisierung der Kirchen als Institutionen kann allerdings festgehalten werden, dass es bezüglich der Inhalte, um welche es in den Konfessionskirchen geht, genau gegenläufig bestellt ist. Sinn ist „in“. Der Sinnmarkt boomt. Religion ist keineswegs ein ewiggestriger Ladenhüter. Im Gegenteil, Religion gehört – und zwar in zunehmendem Maße – zu den attraktiven Themen eines über sich selbst aufgeklärten Lebens; eines Lebens, das auch nach seinen Tiefen und nach seinen Geheimnissen fragt.

Das Problem scheint zu sein, dass die Menschen den großen Konfessionskirchen das Thema Religion in vielen Fällen nicht mehr zutrauen. Dabei muss man aber auch eine konfessionelle Differenz in den Blick nehmen. Das abnehmende Zutrauen in die Religionsfähigkeit der Kirche dürfte auf protestantischer Seite nämlich noch stärker ausgeprägt sein als auf katholischer. Dem Protestantismus ist mit dem Verständnis von Kirche, wie es Martin Luther ausgebildet hat, gewissermaßen bereits ein Grundmisstrauen gegenüber der Institution, gegenüber der eigenen Kirche eingeschrieben. Wir werden auch darauf zurückkommen.

Dass die Kirche selbst Sachwalter der Religion, mithin des Heiligen ist, bringt die katholische Kirche in eine Position, die dazu führt, dass die Gläubigen ihre eigene Kirche gewissermaßen wie selbstverständlich für religionskompetent halten. Die Kirche ist sozusagen selbst das Heil. Oder anders gesagt, nur über die Kirche und durch die Kirche ist Heil gegenwärtig. Auch das jeweilige Verständnis dessen, was Kirche ist, wird uns noch eingehender beschäftigen. Auf dieses Misstrauen der Gläubigen gegenüber der Religionsfähigkeit ihrer Kirche reagieren die Kirchen – im Sinne des gerade Entfalteten vor allem die evangelischen Kirchenleitungen – mit einer Verkirchlichung der Religion. Auch das wird uns noch weiter beschäftigen.

Religion ist dann zunächst und vor allem Religion in ihrer kirchlichen Gestalt. Das zeigt sich bei der Aufwertung der Gottesdienste und der Kasualien. Letzteren kommt etwa mit der Frage nach der Zulassung zum Patenamt und der Ausstellung eines Patenscheines nachgerade Rechtsqualität zu. So ist zum Patenamt zugelassen, wer einer Konfessionskirche zugehört. Das ist Vereinsdenken, das die Frage, ob jemand Religion hat, mithin religiös ist, außen vor lässt und diese Fragen auf blutleere und trockene Vereinsstatuten reduziert. Beim Protestantismus scheint dies durch Impulse der katholischen Schwesterkirche noch verstärkt zu werden, was sich bei allen Formen hierarchischen Denkens in der Kirchenleitung, aber auch in der gemeindlichen Praxis zeigt.

Der Bedeutungsschwund und manches mehr führt wohl auch dazu, dass die Kirchen ihr eigenes Profil gegenwärtig eher wie das sprichwörtliche Licht unter dem Scheffel stellen. Auch dies wird man vor allem für den Protestantismus sagen müssen. Wenn nicht alles täuscht, dann hat daran auch und vor allem die gegenwärtige ökumenische Diskussion wesentlichen Anteil. Wie in der modernen Soziologie formuliert: Werden Singularitäten (in diesem Fall die Konfessionskirchen) miteinander verglichen, kann das nur unter Ausblendung ihrer sie auszeichnenden Wesensmerkmale geschehen. Denn die Eigenkomplexitäten der Singularitäten machen regelrechte Vergleichstechnologien erforderlich. Und diese reduzieren Komplexitäten. „Notre-Dame in Paris und der Dogenpalast in Venedig sind dann zwei Exemplare des gotischen Baustiles, das Christentum und der Islam sind beides monotheistische Religionen…“1 Wir könnten auch sagen, Komplexitätszuwachs führt zur Komplexitätsreduktion. Daher ist bei den gegenwärtigen ökumenischen Gesprächen in der Regel, wie wir jetzt mehrfach gesehen haben, auch keine Rede mehr von den spezifischen Inhalten – mithin dem Profil –, die die jeweilige Konfessionskirche auszeichnen. Dem gilt es gegenzusteuern. Erforderlich wäre es, das Eigene, das Besondere, das, was die eigene Unverwechselbarkeit ausmacht, wieder in den Blick zu nehmen.

Motor in der Ökumene waren seit den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts vor allem die konfessionsverschiedenen Ehepaare. Sie bewegte in erster Linie die Frage, ob sie Gemeinschaft bei der Feier des Abendmahles haben können oder nicht. Auch andere theologische Grundfragen wurden hier gewissermaßen stellvertretend für die gesamte ökumenische Landschaft diskutiert: die Bedeutung der Kirche, das Verständnis des Amtes eines Priesters bzw. eines Pfarrers, die Frage nach der Stellvertretung Christi in der Person des Papstes und vieles mehr. Die Debatte um die gemeinsame Mahlfeier führte dazu, dass in nicht wenigen Gemeinden eine gemeinsame Eucharistie- bzw. Abendmahlsfeier Praxis wurde. Die Frage nach der Zulassung zum Abendmahl wurde sozusagen aufgeweicht.

Dem setzte die katholische Kirchenleitung spätestens zum ökumenischen Kirchentag 2003 ein Ende, indem die Unmöglichkeit der Mahlgemeinschaft erneut unterstrichen wurde. Zur jüngsten Initiative, die durch den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, im Frühsommer 2018 erfolgte, wird man festhalten müssen, dass sie wiederum merkwürdig halbherzig ausfiel. Warum – so fragt man sich – soll die Gemeinschaft nur für konfessionsverschiedene Ehepaare und nicht für alle Anderskonfessionellen diskutiert werden? Andererseits wäre dies ein erster Schritt und es stünde dem Protestantismus gut an, den deutschen Reformkatholizismus nicht bei nächstbester Gelegenheit im Regen stehen zu lassen. Bei der letzten größeren Initiative im Umfeld von Donum Vitae unter dem damaligen Vorsitzenden Kardinal Karl Lehmann war der deutsche Reformkatholizismus gegenüber Rom leider wenig erfolgreich.

Hinzu kommt allgemein gesehen jene Entwicklung, die wir eben bereits gestreift haben. In jüngerer Zeit verlagerte sich der Glaube des Einzelnen in zunehmendem Maße in die Privat- bzw. gar in die Intimsphäre. Bereits bei Jesus von Nazareth findet sich der Satz, dass diejenige oder derjenige, der beten wolle, in sein Kämmerlein gehen, sich also zurückziehen solle. Von Jesus selbst ist uns eine solche Frömmigkeitspraxis überliefert. Er ging in die Einsamkeit, wenn er mit seinem Vater allein sein wollte. Durch die Entdeckung der religiösen Individualität und vor allem durch die Bedeutungszunahme des Einzelnen innerhalb der Moderne wurde diese Entwicklung enorm verstärkt. Wie wir noch genauer sehen werden: Vor der Klammer, in der steht, was ein Mensch glaubt, steht immer dieses Ich: „Ich“ glaube … Mit der Verschiebung des Glaubens in die Privat- und Intimsphäre schwand aber auch der Gesprächsbedarf konfessionsverschiedener Ehepaare.

Schließlich wird man sagen können, dass durch die beschriebenen Entwicklungen ein Prozess befördert wurde, den gewiss auch anderweitige Motivlagen begünstigt haben, nämlich der Exodus der Religion aus den großen Konfessionskirchen. Es gehört zu den spannenden Aufgaben der Zeitdiagnostik zu ermitteln, wo Religion außerhalb der Kirchen verifiziert werden kann.

Hier ist zunächst und als Erstes an den großen Markt des Kulturellen zu denken, der sich derzeit ohnehin in einem nicht unerheblichen Wandel befindet. Diese Veränderungen bringen es auch mit sich, dass Menschen Religion in Zusammenhängen leben, die in deutlicher Entfernung zu kirchlichen Wirklichkeiten stehen. Zu denken wäre hier etwa an den großen Markt des Filmes, in dem etwa Schuld und Vergebung, Erlösung und Heil thematisiert werden, an Musik und Konzerte, an Events aller Art, aber auch an eine blühende Freizeitindustrie, die sich in Sport und Natur, in Literatur und zahlreichen Formen der Selbstfindung und in der Kombination vieler dieser Elemente miteinander auslebt.

Sprach man im ausgehenden vergangenen Jahrhundert von einem Christentum außerhalb der Kirchen und räumte diesem hohe Bedeutung und ein selbstverständliches Recht ein, so gilt heute das Gleiche für eine Religion außerhalb der Kirchen. Das Christentum außerhalb der Kirche war ein mündiges, ein selbstverantwortetes Christentum, das sozusagen für seine Praxis auf die Kirche verzichten konnte. Im Unterschied zu einem Christentum außerhalb der Kirche ist eine Religion außerhalb der Kirche allerdings schwerer zu identifizieren.

Jedenfalls bedarf eine entsprechende Diagnostik noch mehr an Sensibilität und Anstrengung, als es für ein Christentum außerhalb der Kirche der Fall war. Doch es lohnt sich, hier genauer hinzuschauen. Denn auch für eine Religion außerhalb der Kirche könnte es bezeichnend sein, dass sie für ihre Praxis auf die Kirchen verzichten kann. Und es könnte für eine solche Religion außerhalb der Kirchen möglicherweise auch gelten, dass sie Religion in einem ganz eigentlichen Sinn sind, dass wir es hier im besonderen Maße mit lebendiger Religion zu tun haben.

Zwischenbilanz

Eine erste Diagnose kann daher lauten, dass die großen Konfessionskirchen erheblich unter dem Schwund ihrer gesellschaftlichen Bedeutung leiden. Unsere moderne ausdifferenzierte Gesellschaft bedarf keines Wächteramtes kraft höherer Ordnung. Die ökumenischen Anstrengungen können dem wenig oder gar nichts entgegensetzen. Im Gegenteil, sie verstärken diesen Bedeutungsschwund eher noch! Wenn nicht mehr recht einzusehen ist, welche Bedeutung den Kirchen in unserer Gesellschaft zukommt, dann ist auch nicht einzusehen, welcher Gewinn mit einem gemeinsamen Auftritt verbunden sein könnte. Es handelt sich dann bei einer intensivierten Ökumene nicht mehr um zwei sinkende Schiffe, sondern um zwei oder mehrere Konfessionskirchen – je nachdem, wie viele in den Blick genommen werden – in einem sinkenden Schiff.

Der Protestantismus diskreditiert sich selbst, indem er den ihn kennzeichnenden Grundgedanken der religiösen Gleichheit nicht konsequent in die Praxis umsetzt. Anders gesagt: Die ihm wesensgemäß aufgegebene Struktur der Pluralität wird letztlich nicht wirklich und nicht konsequent gelebt. Die mit dem Drang zur Eindeutigkeit einhergehende Gefahr der Komplexitätsreduzierung trifft für alle Konfessionskirchen zu und zu solcher Reduktion von Komplexität kommt es insbesondere in aktuellen ökumenischen Diskursen, die geradezu davon leben, die Eigenheiten einer Konfessionskirche zu nivellieren oder auszublenden. Der Katholizismus etwa ist ohne sein spezifisches Kirchenverständnis als Katholizismus gar nicht zu verstehen. Und wer dem Protestantismus sein Wesensmerkmal nimmt, dass er sich als Gewissensreligion versteht, der ignoriert eine seiner wesentlichen Grundbestimmungen.

Daher hatte auch der Theologe Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher im vorletzten Jahrhundert zu Recht darauf hingewiesen, dass es in der Auseinandersetzung zwischen den großen Konfessionen nicht um „wahr“ oder „falsch“ gehen kann. Die Anwendung dieser Prädikate, der Prädikate „wahr“ oder „falsch“, ist im Diskurs der Konfessionen unzulässig, weil sie eben auf ihre je eigene Weise Individualisierungen der christlichen Religion sind. Mit ihrem jeweiligen immanenten Recht verkörpern die Konfessionen, was unter christlicher Religion verstanden werden kann. Und diese jeweilige Individualisierungsgestalt lässt sich nur verstehen, wenn die Aspekte ihres Wesens erkannt und verstanden werden.

Wer die profilbestimmenden Momente einer Konfession nicht versteht, versteht nicht, warum es sich bei ihr um eine Individualisierungsgestalt der christlichen Religion handelt, denn er oder sie versteht dann gerade nicht, was diese Gestalt individuiert und als besondere kennzeichnet. Nur wer ermessen kann, warum dies so und jenes anders ist, kann je eigene Weisen verstehen, in denen das Eine – nämlich die christliche Religion – einmal so und einmal eben auch anders auftreten kann. Genau darin aber dürfte ein wahrhaft ökumenisches Interesse bestehen, sich angesichts der sich voneinander unterscheidenden Profile in Respekt zueinander zu verhalten, verbunden in der Überzeugung, dass es sich je um eigene Individualisierungsgestalten der einen christlichen Religion handelt. Anders gesagt gilt wohl umgekehrt auch, nur wer die Individualisierungsgestalten der christlichen Religion erkennt, entdeckt, was Religion in dieser spezifischen christlichen Form ist.

Dabei sind vereinnahmende und egalisierende Verhaltensweisen ebenso fehl am Platze wie etwa das ausgrenzende Votum von Dominus Jesus, mit dem der damalige Präfekt der Glaubenskongregation Joseph Ratzinger auf die gemeinsame Feststellung zur Rechtfertigungslehre reagierte, indem dort nämlich formuliert wurde, dass „die evangelische Kirche nicht Kirche im eigentlichen Sinne“ sei. Die evangelischen Kirchen (wie es aufgrund der historischen Genese genauer heißen muss, da hat Joseph Ratzinger Recht) sind Kirchen nicht im Sinne des katholischen Verständnisses von Kirche und wollen dies auch gar nicht sein, aber sie sind Kirchen im Sinne eines evangelischen Verständnisses einer Individualisierungsgestalt der christlichen Religion. Bereits hier zeichnet sich ab, wie ein argumentativ ausweisbares Verständnis von Ökumene heute lauten könnte; wir können es mit der tradierten Formel der versöhnten Verschiedenheit zusammenfassen. Darauf werden wir zurückkommen. Jedoch zeichnet sich auch jetzt schon ab, dass hinter solche Verschiedenheit kein Weg zurückführt.

Bevor wir damit beginnen, ist allerdings auf den möglichen Einwand zu diesen unterschiedlichen Gesichtspunkten hinzuweisen, dass diese ja gar nicht den jeweiligen Standpunkt adäquat wiedergäben. Als ich kürzlich bei einer Podiumsdiskussion darauf aufmerksam machte, dass der religiöse Gleichheitsgedanke etwas typisch Protestantisches sei, wurde eingewandt, dass dieser Gedanke auch im Zweiten Vatikanum eine entscheidende Rolle spiele. Und es mag durchaus sein, dass Vergleichbares in den entsprechenden Texten gefunden werden kann. Selbstverständlich kann hier nicht der Anspruch erhoben werden, die Textgrundlagen zu den jeweiligen Gesichtspunkten vollständig zu überschauen. Das mag anderen überlassen bleiben. Jedoch denke ich, dass – um beim Beispiel zu bleiben – der religiöse Gleichheitsgedanke bei der konfessionellen Schwesterkirche nicht das spezifische Profil hat, das ihn bei uns Evangelischen auszeichnet.

In der breiten Überlieferungsgeschichte des Katholizismus lassen sich vermutlich zu so gut wie jeder Problemkonstellation Textstellen finden, mit denen unterschiedlichste – ich denke in manchen Fällen sogar widersprüchliche – Positionen belegt werden können. Ich orientiere mich neben den anderen zurate gezogenen Texten daher immer wieder am Katechismus der katholischen Kirche 2. Diese Orientierung hat jedenfalls den Vorzug, dass mit ihr keine „Sondermeinung“ innerhalb des Katholizismus bemüht wird, sondern dass über ihn so etwas wie ein common sense katholischer Überzeugungen in den Blick genommen wird. Umgekehrt gilt natürlich auch, dass hier vorgetragene evangelische Positionen Standpunkte darstellen, zu denen es Alternativen gibt. Ausschlaggebend sollten daher die Begründungszusammenhänge sein. Letztlich geht es aus evangelischer Sicht doch auch immer darum, was der Einzelnen oder dem Einzelnen einleuchtet.

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22 декабря 2023
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172 стр. 4 иллюстрации
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9783532600382
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