Читать книгу: «Heimat-Roadtrips Oberbayern»
GEORG WEINDL

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Inhalt
Einleitung
Route 1
Berühmte Seen und ein heiliger Berg – der Westen
Von München nach Starnberg
Von Seeshaupt nach Possenhofen
Bier und Benediktiner in Andechs
Rund um den Ammersee
Die verkannte Schönheit Landsberg am Lech
Route 2
Von München an die Donau – der Norden
Dachau, mehr als nur Münchner Vorort
Mitten im Spargelparadies in Schrobenhausen
Im Zeichen der Ringe in Ingolstadt
Die Hallertau, eine bierige Gegend
Was für eine fromme Stadt: Freising
Route 3
Seen und Berge im Chiemgau – der Osten
Nicht nur Cops in Rosenheim
Tegern- und Schliersee
Bayerisches Landleben im Inntal
Am Chiemsee, dem Bayerischen Meer
Seen, Kirchen und Wirtshäuser im Chiemgau
Route 4
Durch das Oberland zur Zugspitze – der Süden
Klassisch bayerische Lebensart in Bad Tölz
Geigenbauer und Lüftlmaler in Mittenwald
Im Olympiaort Garmisch-Partenkirchen
Der Passionsspielort in Oberammergau
Schöngeistiges im Blauen Land
Route 5
Bayerische Bierkultur – die besten Brauereien
Rund um Dorfen und Haag
In Altötting kann man nicht nur beten
Bei Herzögen und Raubrittern
In der Biermetropole Traunstein
Bierkult im Berchtesgadener Land
Route 6
Berge, baden, bummeln – die Deutsche Alpenstraße
Passion und Pracht in Oberammergau
Vom Walchen- zum Kochelsee
Brauchtum in Bad Tölz und Lenggries
Am noblen Tegernsee
Bayrischzell und Wendelstein
Reit im Winkl und die Winklmoosalm
Auf königlichen Spuren in Berchtesgaden
Orts- und Sachregister
Impressum
Die Kirche St. Sebastian in Ramsau ist ein beliebtes Fotomotiv entlang der Deutschen Alpenstraße.

Kloster Andechs, der heilige Berg der Bayern zwischen Ammersee und Starnberger See

Liebe Leserin, lieber Leser,
ES MAG SPONTAN etwas verkäuferisch klingen, aber Oberbayern zählt tatsächlich zu den vielseitigsten Regionen Deutschlands. Hier finden Sie alles von steilen Bergen mit Gletschern bei der Zugspitze über malerische Bergseen wie Eibsee oder Königssee, gemütliche Dörfer und historische Städte bis zu unberührten Ecken ganz ohne Trubel. Beste Voraussetzungen also für eine anregende und abwechslungsreiche Entdeckungsreise.
Entspannt drauflosfahren, die Landschaft bewundern und neugierig auf ungewöhnliche Entdeckungen sein – diese Idee steckt hinter diesem Buch. Lassen Sie sich verführen zu einem oder mehreren Ausflügen durch Oberbayern. Fahren Sie ganz stressfrei, denn die Streckenführung, die Sehenswürdigkeiten, Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten, all das liefert dieses Buch. Sie müssen nur aufbrechen, die Region erleben und genießen. Sechs Touren erwarten Sie, allesamt Strecken mit besonderen Qualitäten. Eine im Norden, eine im Süden, eine im Osten und eine im Westen von Oberbayern. Alle starten und enden in München, lassen sich also einfach miteinander kombinieren. Dazu gibt es zwei Themenrouten. Die Erste widmet sich der bayerischen Bierkultur, die Zweite folgt der berühmten Deutschen Alpenstraße und verspricht herrliche Panoramen.
Dieses Buch bietet bekannte und berühmte Höhepunkte wie den Starnberger See, den Ammersee mit dem Kloster Andechs oder den Königssee. Aber Sie werden auch Geheimtipps entdecken, etwa den Hintersee im Berchtesgadener Land oder das Kloster Reutberg im Oberland sowie einen pittoresken Turm im Stil von Friedensreich Hundertwasser mitten in der Hallertau.
Gute Fahrt wünscht
Georg Weindl

Die Deutsche Alpenstraße führt am Sylvensteinstausee entlang.

Willkommen in Oberbayern!
Oberbayern ist ein ideales Gebiet für abwechslungsreiche und genussvolle Exkursionen. Für viele Besucher ist Oberbayern der Inbegriff von Bayern. Einerseits ist dies ungerecht, denn mit 17 500 Quadratkilometern macht Oberbayern nur ein Viertel von ganz Bayern aus. Andererseits besitzt Oberbayern zahlreiche Attraktionen, die für das Image von Bayern sehr wichtig sind, hier gibt es die höchsten Berge und einige der schönsten Seen Deutschlands. Es ist keinesfalls ein Zufall, wenn man das Klischee des Eingeborenen mit Lederhose und Tracht sowie einem etwas rustikalen Auftreten mit einem Bayern und nicht unbedingt mit einem Oberbayern verbindet. Wenn jemand sagt, er fährt nach Bayern in den Urlaub, dann landet er selten in der Rhön oder im Oberpfälzer Wald. So schön diese Regionen auch sind, das angepeilte Ziel befindet sich meistens in München, in der Nähe der Zugspitze, des Tegern- oder Chiemsees oder im Berchtesgadener Land.
Die Tracht ist in Oberbayern Teil der eigenen Tradition, hier in Bad Wiessee.
Berge, Seen und Dörfer
Oberbayern deckt den südöstlichen Winkel Bayerns und damit Deutschlands ab, hat als einzigen Nachbarn die Österreicher. Bekannt sind, wie eben schon angedeutet, vor allem die Orte in den Bergregionen und rund um die bekannten Seen – vom Ammersee und Starnberger See im Westen über den Tegern- und Chiemsee bis zum Königssee. Die Kombination aus Bergen und Seen übt auf Besucher offensichtlich eine besondere Faszination aus. Und das spielt auch bei unseren Touren eine wichtige Rolle. Aber man sollte nicht vergessen, dass Oberbayern noch deutlich mehr ist. Vor allem die Gegenden im nordöstlichen und nördlichen Bereich besitzen einen speziellen Reiz, auch wenn die Berge hier eher sanfte Hügel sind. Dafür trifft man noch oft auf authentische Lebensart, auf traditionelle Dörfer und auf Landstraßen mit geringem Verkehr, wo es auch an den Wochenenden ruhig zugeht. Diese Gegensätzlichkeit – hier die Millionenmetropole München mit einem reichhaltigen Kulturangebot und eleganten Einkaufsstraßen, nur ein paar Kilometer entfernt ländliche Idylle im Dachauer Moos oder in der Hallertau, dem großen Hopfenanbaugebiet südlich der Donau – macht Oberbayern besonders reizvoll.
Offizielle Eckdaten
Oberbayern ist konkret und politisch korrekt ein Regierungsbezirk mit klaren Grenzen. Nach Süden und nach Osten hin zu den Österreichern sind sie offenkundig. Die wenigsten wissen jedoch, wo die Grenzlinie etwa zu Niederbayern im Norden und zu den Schwaben im Westen verläuft. Man merkt es Richtung Schwabenland an dezenten sprachlichen Veränderungen, wenn der Dialekt alemannische Anklänge bekommt. Zu den Niederbayern hin wird es schon schwieriger, das spielt aber auch keine große Rolle, denn kulturell sind die Unterschiede zwischen dem Nieder- und Oberbayerischen zumindest für Außenstehende eher marginal.
Geschichte und Entwicklung
Historisch betrachtet besteht Oberbayern in seiner aktuellen Form seit dem Jahr 1816, von kleinen Detailänderungen abgesehen, als der Vertrag von München abgeschlossen wurde. Dabei verzichteten die Bayern unter anderem auf das Innviertel und Herzogtum Salzburg und bekamen dafür Berchtesgaden und den Rupertiwinkel. Bayern und Salzburger pflegen wohl auch deshalb heutzutage gute nachbarschaftliche Beziehungen, zumindest deutlich bessere als Bayern und Tiroler derzeit.
Oberbayern ist auch eine sehr vielseitige Gegend, hat sich in den vergangenen 50 Jahren von einer Agrarregion in eine leistungsfähige Industrie- und Handelsregion verwandelt, in der auch der Tourismus eine wichtige Rolle spielt. In Oberbayern gibt es 133 Naturschutzgebiete und 248 Landschaftsschutzgebiete.
Unsere Routen durch Oberbayern
Zentraler Ausgangspunkt der verschiedenen Touren ist München. Während Süden, Westen und Osten bekannte und etablierte Urlaubsregionen sind, repräsentiert der Norden das weniger bekannte und gerade deshalb reizvolle Oberbayern.
Der Westen
Starnberger See und Ammersee sind die Hauptdarsteller dieses Ausflugs. Und das hat viele gute Gründe. Zuerst führt der Weg durch das idyllische Würmtal aus München hinaus, bevor es nach Starnberg am Ostufer des Starnberger Sees mit seinen vielen Nobelvillen und Schlössern entlanggeht. Schon vor über 100 Jahren haben sich reiche Münchner zum See hingezogen gefühlt. Nachdem wir Seeshaupt einen Besuch abgestattet haben, fahren wir am Westufer Richtung Norden. Hier ist man mit dem Auto näher am Wasser als am Ostufer. Bei Possenhofen biegen wir links Richtung Ammersee ab. Früher hatte dieser den Beinamen Bauernsee, während der Starnberger See der Herrensee war. Kurz vor Herrsching wartet eine oberbayerische Institution. Das Kloster Andechs residiert auf dem Heiligen Berg, wobei die Frage ist, ob dieser wegen des Klosters so heißt oder wegen des berühmten Bieres und der Gastronomie. Beide sind einen Besuch wert. Danach umrunden wir den Ammersee, meist nah am Seeufer, bevor wir in Landsberg am Lech mit seiner bezaubernden Altstadt, der letzten Station, ankommen.
In Oberbayern gibt es auf dem Land viele Kühe.
Der Nostalgiedampfer Ludwig Fessler auf dem Chiemsee
Der Norden
Das nördliche Oberbayern ist nicht gerade eine klassische Urlaubsregion. Aber gerade das macht die Erkundung reizvoll. Die Gegend zwischen München und der Donau rechts und links von Ingolstadt verfügt über viele besondere Reize. Dazu gehört das naturbelassene Dachauer Moos genauso wie die Hallertau, das größte zusammenhängende Hopfenanbaugebiet der Welt mit einer Fläche von 2400 Quadratkilometern. Hier wächst etwa ein Drittel der weltweiten Hopfenproduktion. Apropos Anbaugebiet: Etwas weiter westlich ist die Heimat des berühmten und begehrten Schrobenhausener Spargels. Es gibt also viel zu entdecken bei der Rundfahrt von München über Dachau und Schrobenhausen bis Ingolstadt und zurück durch die Hallertau nach Freising, das als Universitätsstadt und ehemaliger Bischofssitz viel Historie hat. Auch kulturell ist hier viel geboten.
Der Osten
Tegernsee, Schliersee und der Chiemgau sind absolute Klassiker, wenn es um schöne Ausflüge in Oberbayern geht. Diese Runde macht einen Schlenker über Rosenheim, dann einen Bogen über Miesbach zum Tegernsee mit seinen eleganten Uferpromenaden und streift als Nächstes den Schliersee. Einige eindrucksvollen Bergpassagen vorbei am Wendelstein und hinunter ins Inntal folgen. Herrliche Aussichten sind natürlich inklusive. Danach wird es deutlich gemütlicher: Wir passieren den sanften Samerberg, von dem aus man einen idealen Ausblick auf die Gegend bis zum Chiemsee hat. Dieser ist das nächste Ziel mit dem großzügigen Strandbad in Felden, bevor es über Prien zur Chiemgauer Seenplatte geht. Hier gibt es zahlreiche kleine und nicht ganz so kleine Naturbadeseen. Das letzte Stück nach Rosenheim und weiter Richtung München gleicht einer entspannten Landpartie.

Das Stadtmuseum befindet sich im historischen Rathaus im Zentrum von Bad Tölz.
Der Süden
Von München in den Süden – das ist auch für die Bewohner der bayerischen Hauptstadt ein Klassiker. Dafür gibt es viele gute Gründe, etwa das idyllische Isartal zwischen Bad Tölz und dem Karwendel sowie Garmisch-Partenkirchen mit der Zugspitze. Neben den Klassikern locken auch weniger bekannte Täler wie die ursprüngliche Jachenau oder das Graswangtal hinein in den dunklen Ammerwald. Natur und Kultur bieten hier ein außergewöhnliches Arrangement: die weltberühmten Passionsspiele in Oberammergau umgeben von stolzen Berggipfeln, das feudale Schloss Linderhof von König Ludwig II. im romantischen Graswangtal oder auf den Spuren von Gabriele Münter, Wassily Kandinsky und Franz Marc im Blauen Land rund um Murnau und den Kochelsee.
Dieses Buch enthält zwei weitere für Oberbayern typische Themen: Die fünfte Tour führt zu Brauereien und Biergärten, auf der sechsten sind wir auf der Deutschen Alpenstraße unterwegs.
Brauereien und Biergärten
Sie gehören zu Oberbayern wie der Chiemsee und die Zugspitze. Brauereien und Biergärten sind Kulturgut und ein Stück Lebensqualität. Heute mehr denn je, denn gerade die kleinen Landbrauereien erleben seit einigen Jahren eine bemerkenswerte Renaissance. Das hat viel mit der stark gewachsenen Nachfrage nach authentischen regionalen Produkten zu tun. Diese Route hat einige bekannte, aber auch einige wenig bekannte Brauereien und Biergärten zum Ziel, die echte bayerische Tradition repräsentieren. Als Fahrer oder Fahrerin kann man unterwegs alkoholfreie Biere genießen oder sich Produkte für zu Hause mitnehmen. Von München geht es ostwärts bis in die Gegend von Dorfen und Haag, dann weiter entlang der Bundesstraße B12 bis zum bekannten Wallfahrtsort Altötting. Von dort führt die Route südwärts bis Traunstein und nach Osten bis in die Gegend von Teisendorf und dem Waginger See, bevor es auf der letzten Etappe nach Berchtesgaden geht. Ein Tipp: Für die kleinen Brauereien und die idyllischen Biergärten sollten Sie sich Zeit nehmen, denn zu ihnen gehören viel Historie und interessante Geschichten. Und heutzutage sind viele Bierbrauer ausgesprochen kreativ unterwegs.
Die Deutsche Alpenstraße
Die Deutsche Alpenstraße quert die bayerischen Berge vom Bodensee bis zum Königssee. Und sie ist die Straße der Prominenz. Und zwar der berühmten Kultur- und Natursehenswürdigkeiten. Ein beträchtlicher Teil verläuft in West-Ost-Richtung durch Oberbayern. Wir starten unsere Tour im Passionsspielort Oberammergau, dann folgt das altehrwürdige Kloster Ettal, bevor es an der Zugspitze vorbei durch das Karwendel bis zum Walchensee und Kochelsee weitergeht. Bad Tölz mit dem oberen Isartal ist die nächste Etappe, bevor wir über den malerischen Sylvensteinstausee zum Tegernsee gelangen. Über den Schliersee kommt man ins Inntal, dann folgt ein Abstecher hinein in die Berge nach Reit im Winkl und Ruhpolding. Zuletzt schlängelt sich die Deutsche Alpenstraße in etlichen Kurven über Ramsau zum Königssee, ein wahrlich standesgemäßes Ziel.
Unterwegs mit dem eigenen Fahrzeug
Oberbayern ist eine beliebte Ausflugs- und Urlaubsregion. Viele schöne Strecken sind daher vor allem an den Wochenenden gut frequentiert. Das gilt vor allem für Routen, die von München aus Richtung Berge oder zu den bekannten Seen führen. Ein typisches Beispiel: der Weg von München über Holzkirchen und Weyarn zum Tegernsee, weiter zum Schliersee und nach Bayrischzell. Oder die Autobahn Richtung Garmisch im südlichsten Bereich vor Oberau. Man kann diese Flaschenhälse aber auch umgehen, indem man entweder unter der Woche fährt oder kleine Nebenstraßen bevorzugt. Die ausgewählten Routen sind so geplant, dass man überwiegend auf Nebenstraßen unterwegs ist. Die Strecke im Norden spielt sich größtenteils auf weniger befahrenen Straßen ab. Nur bei der Deutschen Alpenstraße ist man auf einem Klassiker unterwegs.
Wer mit einem Wohnmobil unterwegs ist, sollte sich darauf einstellen, dass es in den Bergen streckenweise etwas kurvig und eng werden kann. Das gilt vor allem für die Deutsche Alpenstraße, genau genommen für den Bereich zwischen Bayrischzell und Inntal. Bei Reisen mit einem E-Auto sollte man bedenken, dass in den Bergen die Reichweite wegen der Anstiege deutlich schrumpft, auch wenn die Rekuperation beim Bergabfahren wieder zusätzliche Kilometer beschert. Eine Liste mit öffentlichen Ladestationen findet man auf www.bayern-innovativ.de/seite/ladeatlas. Hotels mit Ladestationen listet die Webseite www.emobilhotels.com auf.
Die Deutsche Alpenstraße führt idyllisch durch das Werdenfelser Land.
Typisch Oberbayern
Dialekt
Kaum eine andere Region in Deutschland wird so sehr mit ihrem Dialekt verbunden wie Oberbayern. Damit verbindet man gemeinhin den klassischen bayerischen Dialekt. Genau genommen gibt es drei verschiedene bayerische Dialekte: das Nordbayerische, das Mittelbayerische und das Südbayerische. In Oberbayern dominiert das Mittelbayerische, das Südbayerische findet sich nur im grenznahen Bereich und ist stärker in Österreich vertreten. Die Grenzen sind dabei meist fließend. Im Westen changiert das Bayerische langsam zu schwäbischen Einflüssen und im Osten haben die Oberbayern durchaus Gemeinsamkeiten mit dem Oberösterreichischen, teils auch mit dem Salzburgischen. Deutlich ist der Unterschied zu den Tirolern, die wiederum eigene Begriffe und Aussprachen haben und das auch bewusst pflegen. In München hingegen ist es schon fast ein schwierig, jemanden mit einem echten bayerischen Dialekt zu finden.
Kommunikation
Der klassische Oberbayer und natürlich auch die Oberbayerin pflegen traditionell einen offenen und eher entspannten Umgang mit Fremden. In Gegenden, die wenig oder gar nicht touristisch erschlossen sind, ist das Du auch mit Fremden durchaus üblich. Gegrüßt wird mit »Griasdi« (Ich grüße dich), zum Abschied sagt man »Pfiati«, die Kurzform für »Behüt dich Gott«. Auch »Servus« ist sehr verbreitet, sowohl zur Begrüßung als auch zum Abschied. In den noch weitgehend authentischen Dörfern auf dem Land ist es übrigens üblich, dass man sich grundsätzlich auf der Straße grüßt, egal ob man sich kennt oder nicht. In den Städten ist das ganz anders. Und auch in touristischen Orten sind solche Bräuche weitgehend ausgestorben.
In einem Chiemgauer Wirtshaus

Wandmalerei beim Auzinger am Hintersee
Eine herzhafte bayerische Brotzeit
Als peinlich wird es angesehen, wenn Besucher, die des Dialektes nicht mächtig sind, versuchen, selbigen nachzusprechen. Das kann nicht gut gehen und wird oft als billige Anbiederung verstanden. Außerdem ist es wichtig, zu wissen, dass es in klassischen Wirtshäusern auf dem Land einen Stammtisch gibt. Dort sitzen nur bestimmte Stammgäste. Sich als Fremder dort ungefragt zu platzieren, damit macht man sich nicht unbedingt beliebt. Wenn man die gerade genannten Punkte berücksichtigt und den Oberbayern mit freundlicher Gelassenheit begegnet, dann ist es auch nicht schwer, mit ihnen in Kontakt zu kommen. Und was man auch wissen sollte: Nicht in jedem Dirndl und in jeder Lederhose steckt auch ein echter Eingeborener. Die Tracht hat in den letzten Jahren enorm an Popularität gewonnen und wird vor allem in München als Fashion und Statussymbol gesehen, wenn es denn ein Exemplar der richtigen und exklusiven Trachtenschneiderei ist.
Essen und Trinken
Das Essen und Trinken spielt bei Reisen in Oberbayern naturgemäß eine wichtige Rolle. Hier geht es nicht etwa um die bayerische, sondern genauer genommen um die altbayerische Küche. In schwäbischen und fränkischen Regionen ist die Küche doch deutlich anders. In Oberbayern wie auch in Niederbayern und Teilen der Oberpfalz ist die Küche traditionell sehr bäuerlich geprägt. Gerade in Oberbayern sind auch deutliche Einflüsse der österreichischen Küche erkennbar. Grundsätzlich ist die traditionelle Küche recht deftig und fleischlastig. Schweinsbraten, Schweinshaxen, Weißwürste, Leberkäse und Schnitzel sind die Hauptdarsteller. Auch die Beilagen, etwa Knödel oder Kartoffelsalat, zählen nicht gerade zur leichten Küche. Nachvollziehen kann man das, wenn man berücksichtigt, dass Oberbayern früher sehr landwirtschaftlich geprägt war und die Menschen körperlich hart arbeiten mussten. Es sollte also immer herzhaft sein.
Das gilt auch für die Brotzeiten, übrigens eine bayerische Spezialität. Aber nicht nur hier. Die meist kalten Zwischenmahlzeiten kennt man auch in Österreich als Jause, in Südtirol als Marende und bei den Schwaben als Vesper. Bei den Brotzeiten speist der traditionsbewusste Oberbayer Semmeln, Brezen oder Brot mit Wurst und Käse, im Sommer auch Radi (Rettich). Beliebte Brotzeiten sind auch der Wurstsalat in der bayerischen Version mit Wurst, Marinade und reichlich Zwiebeln, die Schweizer Variante enthält zusätzlich schmale Käsestreifen.
Getrunken wurde dazu gewöhnlich Bier oder Radler, eine Mischung aus Bier und Limonade. Auf Autotouren sind natürlich alkoholfreie Getränke die bessere Alternative. Zum Glück gibt es mittlerweile ein umfangreiches Angebot an alkoholfreien Bieren. Bei den Nachspeisen ist der Einfluss der österreichischen Nachbarn unübersehbar. Der Kaiserschmarrn ist da ein Haupdarsteller, der allerdings von den Portionen her oft eine Hauptspeise abgeben dürfte. In Qualitätslokalen wird er frisch zubereitet, was eine gewisse Wartezeit bedingt. Darauf wird meist extra hingewiesen.
Die Ernährungsgewohnheiten sind auch in Oberbayern gesünder und bewusster geworden. Auch in klassischen Wirtshäusern werden leichte Gerichte, Vegetarisches und andere gut verdauliche Speisen angeboten. Mit einer Schweinshaxe im Bauch wird das Autofahren schon mal zu einer Tortur. In Biergärten war es früher üblich, dass sich die Gäste ihr Essen mitbringen konnten. Sie sind vor den unterirdischen Lagern und Höhlen entstanden, in denen das Bier mangels technischer Möglichkeiten kühl deponiert und direkt vor dem Eingang ausgeschenkt wurde. Heute sind Biergärten in der Regel in einen Bedien- und einen Selbstbedienbereich aufgeteilt. Nur in Letzterem darf man selbst Mitgebrachtes essen, die Getränke werden beim Wirt gekauft, da gibt’s keine Ausnahme.
Bräuche und Feste
Bayerische Bräuche und Festivitäten sind ein weites Feld und bieten genug Material für dicke Bücher. Zu den für Besucher besonders augenfälligen und beliebten Bräuchen gehören das Aufstellen der Maibäume Anfang Mai und der Almabtrieb zum Ende der Sommersaison, wenn die Kühe von der Alm mit feierlichem Schmuck zurück ins Tal und in den heimischen Hof gebracht werden. Anfang November spielt auch noch der Leonhardiritt eine wichtige Rolle, der ebenfalls landwirtschaftliche Hintergründe hat. Die Segnung der Tiere, die für die bäuerliche Arbeit gebraucht werden, wird mit dem entsprechenden Schutzpatron, dem Leonhard von Limoges, verbunden. Im Winter haben auch die Perchten und Buttnmandl Hochsaison, die vermummten Gestalten sollen böse Geister vertreiben.
Und dann spielen natürlich im Sommer und Spätsommer die großen und kleinen Bierfeste eine wichtige Rolle. Das Angebot reicht vom riesigen Münchner Oktoberfest bis zu vielen kleinen Festen, Seefesten und Waldfesten. Zu den populärsten Festen zählen das Dachauer Volksfest, das für seine günstigen Bierpreise bekannt ist, und das im Vergleich zum Oktoberfest recht überschaubare Rosenheimer Herbstfest.

Der Leonhardiritt in Bad Tölz gehört zu den großen Brauchtumsveranstaltungen im Oberland.

Die Skyline von Andechs mit dem Turm der Klosterkirche
Route 1
Berühmte Seen und ein heiliger Berg – der Westen
Starnberger See und Ammersee, die beiden großen Seen südlich von München und auf halbem Weg Richtung Berge, bestimmen das Programm dieser Tour.

Sie erwartet eine Rundfahrt mit vielen Naturschönheiten, reichlich Glamour und Kultur. Zuerst geht es von München in südwestlicher Richtung durch das idyllische Würmtal und vorbei am Schloss Leutstetten nach
Starnberg. Ein guter Anlass für eine Pause wäre ein Spaziergang durch die Fußgängerzone und an der Seepromenade. Weiter geht es dann aus der Stadt heraus am Ostufer entlang bis nach Berg und zum gleichnamigen Schloss. Die Straße hält zunächst etwas Abstand zum See, aber das ändert sich bald. Vorbei an vielen feudalen Villen und urigen Wirtshäusern führt die Tour zur Votivkapelle St. Ludwig in Berg, wo Ludwig II. ganz in der Nähe verstarb. Später begleitet die Straße das Seeufer, führt vorbei an etlichen Badeplätzen bis
Seeshaupt, dem südlichsten Ort am Starnberger See. Von dort fahren wir am Westufer entlang nordwärts, streifen das altehrwürdige Kloster Bernried. Es folgen noch allerhand spektakuläre Sehenswürdigkeiten wie das Buchheim Museum der Phantasie oder die romantische Roseninsel direkt bei Feldafing. Danach verlassen wir den Starnberger See Richtung Westen, es geht weiter zum »Heiligen Berg« Oberbayerns in
Andechs. Sowohl Kloster als auch Bräustüberl sind berühmte Ausflugsziele. Von dort sind es nur wenige Kilometer nach Herrsching und zum Ufer des
Ammersees. Ob man rechts am Ufer entlang flaniert oder links Richtung Süden, bleibt jedem selbst überlassen. Zu sehen gibt es mehr als genug. Zum Abschluss lockt dann noch das »Rothenburg Oberbayerns«,
Landsberg am Lech mit seinem eindrucksvollen historischen Zentrum. Hier sollte man sich Zeit für einen ausgiebigen Spaziergang nehmen. Es lohnt sich. Auch für Wohnmobile eine entspannte Tour ohne problematische Passagen.
Die Votivkapelle am Ostufer des Starnberger Sees erinnert an Ludwig II.
Von München nach Starnberg
Eine stilgerechte, aber auch etwas zeitaufwendigere Anreise von München zum Starnberger See führt durch das Würmtal über Gauting, vorbei an dem nostalgischen Forsthaus Mühlthal und am bekannten Biergarten der Schlossgaststätte Leutstetten, dann streift man das Leutstettener Moos kurz vor Starnberg. Für Autofahrer ist Starnberg auf den ersten Blick kein pures Vergnügen. Zu viel Verkehr zwängt sich durch die Stadt, in der es keine Umgehungsstraße gibt. Am besten parkt man in Bahnhofsnähe, wo auch das Seeufer nicht weit ist, und beginnt einen Spaziergang durch das Zentrum und an der Seepromenade entlang. Über die Wittelsbacher Straße kommt man zur Fußgängerzone rund um den Kirchplatz und die stattliche und recht moderne Kirche St. Maria. Reizvoll ist auch ein Abstecher in die Possenhofener Straße zum Museum Starnberger See. Dort befindet sich in dem historischen Lochmannhaus samt modernem Zubau eine Ausstellung über die Geschichte und Kultur von Starnberg. Eine wichtige Rolle spielt auch die Schifffahrt auf dem See. Eröffnet wurde das Museum bereits 1914 von Ludwig III., dem letzten bayerischen König.
DER BUCHSCHARNER SEEWIRT ist ein schöner Landgasthof in einem historischen Bauernhof mit guter bayerischer Küche und einem typischen Biergarten nur wenige Meter vom See entfernt. Buchscharnstraße 1, 82541 Münsing, Tel. 08801/2409, www.buchscharner-seewirt.com, tgl. ab 11.30 Uhr
Von Starnberg folgt die Tour dem Ostufer bis zum Schloss Berg, wo König Ludwig II. 1886 seine letzten Tage verbrachte. Heute ist es Privatbesitz des ehemaligen Königshauses der Wittelsbacher und kann nicht besichtigt werden. Nur ein paar Hundert Meter weiter südlich befindet sich eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten am See. Ein Kreuz im See, wenige Meter vom Ufer entfernt, erinnert an die Stelle, wo Ludwig gestorben sein soll. Zehn Jahre nach seinem Tod wurde in Gedenken an ihn die Votivkapelle St. Ludwig direkt am Hochufer gebaut. Entlang des Ostufers gibt es schöne Badestrände und vor allem zahllose Nobelvillen mit Seeblick. Typisch für diese Gegend sind die kleinen Fischerbetriebe, die ihre Produkte samt kleinen Imbissen verkaufen. Besonders exklusiv ist dann die Südliche Seestraße, die bei Ammerland beginnt, aber Richtung Ambach nur eingeschränkt befahrbar ist. Der letzte Abschnitt vorbei an Waldpassagen und schönen Badestränden, dann am Campingplatz Seeshaupt und einem neuen Luxushotel führt bis nach Seeshaupt.
Von Seeshaupt nach Possenhofen
Das Westufer des Starnberger Sees ist abgesehen von den Hauptorten Tutzing und Feldafing deutlich weniger besiedelt als das Ostufer, dafür aber reich an kulturellen Sehenswürdigkeiten. Bereits kurz nach Seeshaupt fährt man vorbei an weiten grünen Wiesen, die nur selten von Häusern unterbrochen werden. Eine stattliche Ausnahme ist das majestätische Schloss Seeseiten im Besitz des Milliardärs Baron von Finck. Knapp zehn Minuten später erreicht man das Kloster Bernried, das Ende des 19. Jahrhunderts von den Missions-Benediktinerinnen erbaut worden ist. Die Lage am See direkt neben einem Strandbad ist sehr reizvoll. Im Bildungshaus St. Martin kann man sich für Ruhetage im Kloster, Qi-Gong-Kurse und andere Aktivitäten einmieten. Kurz nach Bernried zweigt rechts die Zufahrt zur Parkanlage des Buchheim Museums der Phantasie ab. Das 1999 eröffnete Museum enthält die Kunstsammlung des verstorbenen Lothar-Günther Buchheim mit zahlreichen Werken bedeutender Expressionisten und eigenen Arbeiten. Dass hier viele ungewöhnliche Objekte zu Hause sind, erkennt man bereits auf dem Gelände vor dem Eingang mit einem bunten Helikopter und einem von Kraken umspannten alten BMW. Direkter Nachbar ist die Klinik Höhenried mit dem Schloss Höhenried. Letzteres hatte die einstige Besitzerin Wilhelmina Busch von der Anheuser-Busch Brauerei in den 1930er-Jahren bauen lassen. Später erwarb die LVA das Areal und errichtete eine Klinik. Das Schloss kann für Feiern und Firmenveranstaltungen gebucht werden.
Die romantische Roseninsel liegt direkt vor Feldafing.
Am Eingang zum Buchheim Museum der Phantasie
Im Schloss Possenhofen wuchs Kaiserin Elisabeth auf.
Tutzing ist der größte Ort am Westufer des Starnberger Sees. Bekannt ist der Ort auch für die Evangelische Akademie Tutzing, die in den Bereichen Politik und Kultur sehr aktiv ist. Ihr Sitz befindet sich im stattlichen Schloss Tutzing, das früher auch zum Familienbesitz des Oetker-Konzerns gehörte. Ein guter Platz zum Flanieren ist die Brahmspromenade am See, die man leicht vom Stadtzentrum aus zu Fuß erreichen kann. Sie führt bis zum Midgardhaus. In der eleganten Villa direkt am See ist ein Restaurant mit internationaler Küche untergebracht, auch ein schöner Biergarten vor dem Haus gehört dazu. Über Feldafing geht es vorbei am Golfplatz weiter nordwärts bis Possenhofen. Im noblen Schloss Possenhofen, einst Elternhaus der Kaiserin Sisi, befinden sich heute private Luxuswohnungen. In Possenhofen auf der Westseite der Hauptstraße gibt es auch für Wohnmobile gute Parkmöglichkeiten.

BEI FELDAFING AM SEEUFER direkt beim Golfplatz kann man sich mit historischen Booten zur nahen Roseninsel fahren lassen. Die kleine Insel mit der historischen Villa, auf der sich einst Sisi und Ludwig II. trafen, bietet viel Romantik und einen schönen Blick über den See (Infos zur Fähre: www.roseninsel.bayern, Mai, Mitte Sept.–Mitte Okt. tgl. 11–18, Juni–Mitte Sept. tgl. 10–18 Uhr).

EIN FALL FÜR ROMANTIKER ist das Hotel Kaiserin Elisabeth am Südrand von Feldafing. Dort logierte einst Sisi auf Heimaturlaub. Auf der großen Terrasse kann man stilvoll tafeln. Gute, klassische Küche. Tutzinger Straße 2, 82340 Feldafing, Tel. 08157/93090, www.kaiserin-elisabeth.de, tgl. 12–14, 18–12 Uhr

Was für eine Lage! Feine Küche und der Tutzinger Biergarten direkt am See beim Midgardhaus.
Bier und Benediktiner in Andechs
Andechs ist für viele Einheimische, aber auch für zahlreiche Gäste nicht nur irgendein, sondern der Wallfahrtsort schlechthin. Das mag mit seinen religiösen oder spirituellen Qualitäten zu tun haben. Aber natürlich spielen auch die gastronomischen Angebote eine wichtige Rolle. Dass das Kloster Andechs samt Kirche und Gasthof auf einem Hügel nicht weit vom Ostufer des Ammersees thront, macht es zur perfekten bayerischen Alltagsflucht. Doch der Reihe nach: Angefangen hat die Geschichte von Andechs mit der Gründung des Benediktinerklosters im Jahr 1455. Vorher residierten hier die Grafen von Andechs. Nach der Auflösung im Jahr der Säkularisation 1803 wurde das Kloster 1850 unter der Regie von König Ludwig I. von Bayern neu gegründet. Benediktiner sind bekanntermaßen weltlichen Dingen nicht ganz abgeneigt, weshalb sie früh verstanden, sich mit der Bierproduktion etwas dazu zu verdienen. Heute ist die Brauerei Andechs vor allem für ihren kräftigen Doppelbock berühmt. Ausgeschenkt wird es im Bräustüberl, das ebenso wie die benachbarte Klosterkirche ein gefragtes Ziel der Wallfahrer ist. Im Lokal ist man sehr traditionsbewusst, was sich auch auf die Öffnungszeiten auswirkt. Da hält man sich an den Tagesrhythmus der Mönche und beendet die Schankzeit mit dem Nachtgebet, also um 20 Uhr. Danach dürfen die Gäste noch eine Stunde bis zum Kehraus sitzen bleiben. Die Küche ist herzhaft, die Preise für eine so bekannte Lokalität zivil. Und es gibt selbstverständlich auch alkoholfreie Getränke. Außerdem kann man sich im Kaffeehaus mit süßen Köstlichkeiten versorgen lassen und im Klosterladen erhält man sakrale Utensilien, aber auch Andechser Bier und Schnaps. Von dort sind es nur wenige Schritte zur Wallfahrtskirche, die im frühen 15. Jahrhundert im spätgotischen Stil erbaut wurde. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde das Innenleben von Johann Baptist Zimmermann ganz im Stil des Rokoko umgestaltet.
Atemberaubender Blick vom Kloster Andechs Richtung Alpen

Der heilige Berg mit dem Kloster Andechs ist ein beliebtes Ausflugsziel.

EINEN GUTEN KILOMETER südlich des Klosterbergs befindet sich eine weitere Andechser Spezialität. »Andechser Natur« ist der Markenname der Molkerei Scheitz, die früh auf Bioprodukte gesetzt hat und landesweit erfolgreich ist. Es gibt zwar keinen Fabrikverkauf, dafür aber in der Nähe einen Hofladen. Biomilchstraße 1, 82346 Andechs, Tel. 08152/3790, www.andechser-natur.de
Das Kloster Andechs ist auch ein Veranstaltungsort. Bis 2015 fanden hier die Carl-Orff-Festspiele statt. Carl Orffs Asche wurde in der Schmerzhaften Kapelle der Wallfahrtskirche beigesetzt. Mit dem repräsentativen Fürstentrakt, dem Florian-Stadl und dem ehemaligen Pferdestall gibt es drei attraktive Räumlichkeiten auch für große Gesellschaften. Zum Programm gehören klassische Feiern und Exerzitien, Konzerte, das Symposium »Kunst und Bier« sowie Flohmärkte.
Rund um den Ammersee
Von Andechs sind es nur gute fünf Kilometer bis nach Herrsching am Ufer des Ammersees. Dieser ist mit 47 Quadratkilometern Fläche der drittgrößte See in Bayern, nach dem Chiemsee und seinem Nachbarn, dem Starnberger See. Erstaunlich und heute nur noch bedingt nachvollziehbar ist, dass der Ammersee früher den Beinamen Bauernsee bekam, während der Starnberger See als Herren- oder Fürstensee tituliert wurde. Tatsächlich war es vor 100 Jahren so, dass es bei betuchten Münchnern als schick galt, sich stattliche Villen am Starnberger See zu leisten. So viele Schlösser wie am Starnberger See gibt es hier nicht, aber der Ammersee hat mächtig aufgeholt, was vor allem in Herrsching gut nachvollziehbar ist. Seit 1903 existiert eine Bahnverbindung nach München und seit dem Ausbau der S-Bahn 1972 bis nach Herrsching ist der Ammersee für Münchner Besucher noch einfacher erreichbar. Hier gibt es elegante Villen und gediegene Hotels und die längste Strandpromenade Deutschlands mit gut zehn Kilometern. Auf der Seepromenade am Kurpark kommt man am Kurparkschlösschen vorbei. Der Kunstmaler Ludwig Scheuermann ließ es Ende des 19. Jahrhunderts nach dem Vorbild italienischer Palazzi erbauen. Heute gehört das Schlösschen der Gemeinde Herrsching und wird für Veranstaltungen genutzt. In Herrsching kann man nicht nur schön flanieren und baden. Vom Hafen aus ist es auch möglich, den Ammersee vom Wasser aus kennenzulernen: mit der Bayerischen Seeschifffahrt. Weitere Anlegestellen gibt es unter anderem in Dießen, Utting, Schondorf, Stegen und Breitbrunn. Wer den Ammersee mit dem Auto umrundet, ist dabei fast immer in Ufernähe unterwegs. Fährt man im Uhrzeigersinn um den See, so kommt man im Süden am Ammer-Zufluss und an einem Vogelschutzgebiet direkt vor Dießen vorbei. Der Ort hat auch wegen seiner zahlreichen Töpfereien den Ruf, ein Handwerkerdorf zu sein. Dabei hat Dießen eine lange touristische Tradition: Schon 1898 gab es einen ersten Bahnanschluss und zur Jahrhundertwende einen regen Kurtourismus. Das Wahrzeichen ist das Marienmünster, das bis zur Säkularisation Teil eines Augustiner Chorherrenstifts war. Ein weiterer interessanter Ort ist die Benediktinerinnenabtei von St. Alban direkt am See. Zu dem Kloster haben auch Gäste Zugang, die für eine bestimmte Zeit am Klosterleben teilnehmen wollen. In Holzhausen, etwa mittig am Westufer gelegen, bietet sich zudem ein Besuch des Künstlerhauses Gasteiger an. Die schöne Jugendstilvilla und ehemaliger Wohnsitz des Künstlerpaares Matthias und Johanna Gasteiger ist heute ein Museum und Veranstaltungsort. Direkt daneben befindet sich übrigens das alte Polizeibad, heute ein beliebtes Strandbad.
Dampferausflug auf dem Ammersee
Jeder größere Ort am Ammersee hat eine Schiffsanlegestelle.
Das Kurparkschlösschen in Herrsching

Das Deckengemälde im Marienmünster Mariä Himmelfahrt in Dießen am Ammersee

GUT EINKEHREN KANN MAN speziell am Nordufer. Beste Aussichten auf den See Richtung Berge bieten das Restaurant Fischer in Stegen (Landsberger Straße 80, 82266 Stegen, Tel. 08143/992800, www.fischer-ammersee.com) und das benachbarte Seehaus Schreyegg (Landsberger Straße 78, 82266 Stegen, Tel. 08143/992537, www.seehaus-schreyegg.com).
Die Benediktinerinnenabteil im Dießener Ortsteil St. Alban
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