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Robert Bouchal

Gabriele Lukacs

Geheimnisvoller Da Vinci Code in Wien

Verborgene Zeichen &

Versteckte Botschaften



Inhalt

Cover

Titel

Bilder zum Buch

Mystery Tour durch Wien

Gibt es einen Da Vinci Code in Wien?

DAS LETZTE ABENDMAHL und die vier Da Vinci Codes

Leonardo da Vinci - rätselhaftes Universalgenie

Die Minoritenkirche - Tempel der Eingeweihten?

Das Wiener Abendmahl - besser als das Original

Die vier Da Vinci Codes

MARIA MAGDALENA und die Blutlinie

Der Maria Magdalena-Mythos

Magdalenenverehrung in Wien

Die Blutlinie: Merowinger – Lothringer – Habsburger

Ein Habsburger in Rennes-le-Château

DIE SUCHE NACH DEM HEILIGEN GRAL

Der Wiener Gral

Die Reichskrone

Der Speer des Schicksals

Das Wiener Schweißtuch der Veronika

DIE TEMPLER

Templerlegenden

Die Templer in Österreich

Der Baphomet

Zeichen und Symbole der Templer

DIE FREIMAURER

Geschichte der Wiener Logen

Die Kaiserin und ihre Freimaurer

Bruder Mozart

Die Wiener Großloge „Zum Rauhen Stein“

Freimaurer im Kahlenbergerdorf

DIE ILLUMINATEN

MYSTISCHE ORDEN und ihre LOGEN

Die Templaisen – Georgskapelle als geheimer Versammlungsort?

Die Ritter vom Goldenen Vlies

Die Prieuré de Sion

Die Menagerie des Kaisers

GOTISCHE KATHEDRALEN

DER STEPHANSDOM

Symbole und Zahlenmystik

AEIOU – Das mystische Motto Österreichs

Alphabetum Chaldaeorum

05 – Geheimcode des Widerstands

Der Meridian von Wien

VERBORGENE ZEICHEN & VERSTECKTE BOTSCHAFTEN

tacui – Der Code des verschwiegenen Heiligen

Chronogramme: Codes der Barockzeit

Der Davidstern – eine Wiener Erfindung!

ANHANG

Begriffserklärung

Quellen und Literatur

Internet, Lexika, Periodika

Bildnachweis

Danksagung

DIE FÜHRUNG ZUM THEMA

WORT DES FOTOGRAFEN

Impressum




Eine Stadt im Sternzeichen Zwilling: Blick auf die Wiener Innenstadt mit der Minoritenkirche im Vordergrund.


Die Hofburg in Wien, Aufbewahrungsort des Wiener Grals.

MYSTERY TOUR DURCH WIEN

Die Traumstadt Wien, die „Weltstadt mit Herz“, ist bekannt für ihr mondänes Flair und ihre prunkvolle Architektur, ihre stilvollen Kaffeehäuser und gemütlichen Heurigenlokale. Aber kennen Sie auch das mystische Wien hinter den glanzvollen Fassaden? Die rätselhaften Codes, Zeichen und Botschaften, die sich in Wiener Kirchen, Palästen und Häusern verstecken?

Wien war immer schon eine Stadt mit zwei Seiten, einer hellen, weltoffenen und einer dunklen, verborgenen. In der Astro-Geomantie, einem Zweig der Astrologie, die einem Standort mittels intuitiver Methoden ein Sternzeichen zuordnet, gilt Wien als Stadt des Sternzeichens Zwilling, also jenem Zeichen, das die Doppelnatur zum Ausdruck bringt. Wien ist sowohl eine westliche als auch nach Osten orientierte Stadt, am Schnittpunkt zweier großer Kulturen, modern und konservativ zugleich, weltoffen, aber auch provinziell, nicht unüberschaubar groß, aber auch nicht dörflich, scheinbar ewig fröhlich und doch sehr melancholisch, lebenslustig mit einer merkwürdigen Affinität zum Tod. Bei all diesen gegensätzlichen Eigenschaften wundert es nicht, dass es eine helle und auch eine dunkle Seite in dieser Stadt gibt.

 Wussten Sie, dass es in Wien eine originalgetreue Kopie des „Abendmahls“ von Leonardo da Vinci gibt?

 Wussten Sie, dass eine sensationelle neue Entdeckung den wahren Geheimcode im Gemälde entschlüsselt?

 Kennen Sie die Versammlungsräume der Templer in Wien?

 Wird der Heilige Gral vielleicht in Wien aufbewahrt?

 Führen die Habsburger die Blutlinie Jesu fort?

 Kennen Sie die Bauhüttengeheimnisse des Stephansdoms?

 Kennen Sie die Logen und Geheimbünde Wiens?

Seit dem Jahr 2009 veranstaltet die „Arbeitsgruppe Wienfuehrung“ (www.wienfuehrung.com) im Rahmen ihres Programms „Wien für kluge Leute“ einen Stadtspaziergang mit dem Titel „Auf den Spuren des Da Vinci Codes durch Wien. Fiktion und Wahrheit“, ausgearbeitet und durchgeführt von der Historikerin DDr. Anna Ehrlich und der Wiener Stadtführerin Mag. Gabriele Lukacs.

Das große Interesse und die Faszination an diesem Thema bei Einheimischen und Wien-Besuchern veranlasste mich, dieses Buch über den geheimnisvollen Da Vinci Code in Wien zu schreiben. Als Hobby-Historikerin und Stadtführerin begab ich mich auf die Spuren des geheimnisvollen Grals und der Templer in Wien und versuchte die Geheimnisse überlieferter Legenden zu ergründen. Der bekannte Fotograf Robert Bouchal teilte meine Entdeckerfreude und setzte viele unbekannte Details gekonnt in Szene.

Unsere Wanderung durch Wien führt uns durch mittelalterliche Kirchen, zu Logen der Geheimbünde, in Reliquienkammern und zu unterirdischen Versammlungsräumen. Am Ende unserer Tour durch das „Verborgene Wien“ werden auch Sie die Codes und Geheimzeichen entschlüsseln können.

Eine spannende Lektüre und viel Vergnügen bei einem Spaziergang durch das Wien des „Da Vinci Codes“ wünschen

Gabriele Lukacs und Robert Bouchal

GIBT ES EINEN DA VINCI CODE IN WIEN?

Die Romane „Da Vinci Code“ und „Illuminati“ des US-Autors Dan Brown und deren Verfilmungen sind zum Thema Nr. 1 bei Krimi-Fans und unter Verschwörungstheoretikern geworden. „The Da Vinci Code“ (in der deutschen Übersetzung „Sakrileg“) hat Leonardo da Vincis Gemälde „Das Letzte Abendmahl“ und seine vielfältigen Interpretationen zum meist diskutierten Thema der letzten Jahre gemacht.

Der über 80 Millionen Mal verkaufte und in 51 Sprachen übersetzte Roman stellt einige historisch nicht beweisbare Behauptungen auf, die zwar polarisieren, aber scheinbar den Nerv der Zeit getroffen haben, unter anderem:

 Eine eheliche Verbindung und Nachkommenschaft von Jesus und Maria Magdalena. Versteckte Hinweise zu dieser von der katholischen Kirche nicht anerkannten These soll es im Abendmahl-Gemälde von Leonardo da Vinci geben.

 Eine bis zum heutigen Tag in mehreren europäischen Adelsgeschlechtern weitergeführte Blutlinie seit Jesus und Maria Magdalena.

 Der geheimnisumwittere Ritterorden der Templer sei nicht nur der Hüter des Heiligen Grals und des verschwundenen Tempelschatzes, sondern auch der Bewahrer dieses Wissens um Jesus und Maria Magdalena gewesen. Nach der grausamen Ausrottung der Templer soll dieses Geheimwissen von den Rosenkreuzern, Freimaurern und Illuminaten weiter tradiert worden sein – bis zum heutigen Tag.

Der Da Vinci Code – Das Sakrileg

Der Begriff „Da Vinci Code“ wurde von Dan Brown geprägt. Man versteht darunter die Theorie, in Leonardos Abendmahl-Gemälde sei eine codierte, also verschlüsselte Botschaft versteckt. Das Wort Sakrileg leitet sich aus dem lateinischen „sacer“ für „heilig“ und „legere“ in der Bedeutung von „stehlen“ ab. Gemeint ist damit ein Vergehen gegen heilige Objekte oder Personen.

Nach Meinung von Dan Brown ist in Leonardos Gemälde ein Sakrileg verborgen, nämlich die Behauptung, dass Jesus mit Maria Magdalena verheiratet gewesen wäre. Die Tatsache des Fehlens des Abendmahlkelches, des Heiligen Grals, im Gemälde beweise, dass Maria Magdalena der Kelch sei. Sie habe ein Kind von Jesus unter ihrem Herzen getragen, welches sie nach ihrer Flucht in Frankreich geboren hätte. Sie sei der wahre Gral und aus dieser Blutlinie gäbe es angeblich Nachkommen, die heute noch in Frankreich leben.

Diese Annahme steht im Gegensatz zum kirchlichen Dogma, wonach Maria Magdalena nur eine Jüngerin Jesu war. Die katholische Kirche versuche – laut Dan Brown – fieberhaft, dieses Geheimnis zu verschleiern und nur wenige Eingeweihte, unter anderem Leonardo da Vinci, hätten davon gewusst.

Diese Aussage zum Maria-Magdalena-Mythos und dem Gral ist nicht neu, sie stammt auch nicht von Dan Brown. Er verpackte in seine Romane jahrhundertealte Überlieferungen, die in ähnlicher Weise bereits 1984 von den englischen Autoren Lincoln, Baigent, Leigh in ihrem Buch „Das heilige Blut und der heilige Gral“ publiziert wurden. Die englischen Autoren stützen sich wiederum auf ältere Quellen, die von den Katharern und Bogomilen, christlichen Sekten aus dem 10.–15. Jahrhundert, stammen. Sie verfolgten die Spur zurück bis zu den Merowingern, dem ersten Königsgeschlecht der Franken aus dem 5. Jahrhundert, die von sich eine göttliche Abstammung behaupteten. Die mündliche und schriftliche Überlieferung all dieser Behauptungen ist bereits zum Mythos geworden und kulminierte in Dan Browns Bestseller „The Da Vinci Code“. Der US-Autor wurde sogar wegen Plagiats geklagt, weil er aus diesem Werk abgeschrieben habe. Kürzlich wurde er freigesprochen und die Gegner zu 4,5 Millionen Euro Strafe verurteilt. Im Freispruch hat der Richter eine Botschaft verschlüsselt …

Des Richters doppelter Da Vinci Code

Der Wiener Zeitungsredakteur Dr. Herbert Kaspar veröffentlichte in der „Wiener Zeitung“ einen humorigen Artikel anlässlich der Filmpremiere von „The Da Vinci Code“. Just am 20.06.2006 – als ob auch er einen Code in seinem Bericht verstecken wollte.

In Wien, schreibt er, habe es einen bekannten Rechtsanwalt gegeben, der seine Eingaben bei Gericht in Versform zu verfassen pflegte. Witzige Richter hätten dann in Reimen geantwortet.

In Großbritannien, im Land der schrulligen Käuze, hat sich eine ähnliche Episode ereignet. Jener Richter, der das Verfahren im Plagiatsprozess gegen Dan Brown führte, hat zum Gaudium der versammelten Presse, die des Richterspruchs gespannt harrte, einen Code im Urteil eingebaut – getreu dem Gegenstand des Verfahrens, dem „Da Vinci Code“.

Der angesehene 54-jährige High Court Judge Sir Peter Smith fällte das Urteil zu Gunsten von Dan Brown mit der Begründung, das Thema wäre schon früher vielfach behandelt worden, und sprach ihn vom Plagiat frei. In seiner Urteilsbegründung versteckte der Richter selber einen Code, den die Presse sehr bald knackte und darüber berichtete.

Es war aufgefallen, dass sich auf den ersten 13 Seiten der Urteilsbegründung im Text verstreut Kursiv-Buchstaben fanden. Die Aneinanderreihung der Buchstaben ergab eine zunächst unverständliche Textmasse, die dann durch Anwendung der „Fibonacci-Folge“ – die wiederum im „Da Vinci Code“ eine wichtige Rolle spielt – gelöst werden konnte.

Die entschlüsselte Botschaft war folgende: „Smithy Code: Jackie Fisher, who are you? Dreadnought“.

Damit spielte der schrullige Richter auf sein Hobby, die britische Militärgeschichte, an. Jackie Fisher ist der nach Horatio Nelson bekannteste Admiral der britischen Marinegeschichte. Er rüstete die Royal Navy im Ersten Weltkrieg auf und revolutionierte den Seekrieg mit den „dreadnoughts“ genannten Schlachtschiffen.

Weil der Prozesstag mit einem Jahrestag der Marinegeschichte zusammenfiel und der Richter sein Idol ehren wollte, versteckte er die Botschaft von den „dreadnoughts“ im Gerichtsurteil.

In einem Interview betonte er: „Ich habe niemals angenommen, dass es jemand bemerken würde. Ich habe die Geschichte zu meinem eigenen Vergnügen erfunden und die Lösung hat nichts mit dem Fall zu tun.“ Die ganze Sache hatte nur 40 Minuten seiner Zeit in Anspruch genommen.

Wie wär’s mit Wien, Dan Brown?

Wäre Wien – nach Paris und Rom – nicht die perfekte Stadt für einen weiteren Thriller über den Gral, die Templer und andere Geheimbünde? Wäre Wien nicht wie geschaffen dafür, in alten Katakomben unter dem Stephansdom nach den Templern oder in den verschlossenen Archiven der Habsburger nach der Blutlinie zu suchen?

Es ließe sich eine packende Story über die Wiener Rosenkreuzer, Alchemisten und Illuminaten inszenieren. Pyramidengräber, Obelisken, Engel und Dämonen – das gibt es alles auch in Wien. Und welche Stadt, außer Valencia, kann mit einem „echten“ Gral aufwarten? Oder mit den „wahren“ Nachfahren der Merowinger?

 In der Wiener Minoritenkirche befindet sich eine 200 Jahre alte originalgetreue Mosaik-Kopie des Abendmahl-Bildes, welche die Apostelszene farblich deutlicher darstellt als das Original selbst.

 Maria Magdalena wurde in Wien mit ihr geweihten Kirchen, Klöstern und Festtagen immer besonders verehrt.

 Die Blutlinie der Habsburger lässt sich bis zu den Merowingern zurückverfolgen, welche behaupteten, Nachkommen Christi zu sein.

 Die Wiener Schatzkammer ist der Hort mehrerer als echt eingeschätzter Christi-Blut-Reliquien.

 Der Heilige Gral wird hier aufbewahrt und verehrt.

 Die Templer als Gralshüter hatten Besitzungen und Versammlungsräume in Wien.

 Die Kathedrale Wiens, der Stephansdom, ist nach geheimer Bauhüttentradition errichtet.

 Die Proportion des Goldenen Schnitts und das Pentagramm wurden, wie in Da Vincis Gemälden, auch in der Wiener Architektur der Romanik bis zum Barock angewendet.

 Kaiser, Adel, Musiker und Literaten Wiens waren Mitglieder der Freimaurer, Rosenkreuzer und Illuminaten.

 Orden und Geheimbünde zelebrieren ihre Initiationsriten bis zum heutigen Tag.

 Opus Dei, eine kirchliche Laienorganisation, ist auch in Wien-St. Peter vertreten.

Begeben wir uns auf Spurensuche durch das geheimnisvolle Wien der Codes und Geheimzeichen. Verfolgen wir die Spuren der Geheimbünde, deren Rituale noch heute lebendig sind. Am Ende unseres „Pfades der Erleuchtung“ werden auch wir uns zu den „Eingeweihten“ zählen dürfen.


Nur wenige kennen die Bedeutung dieses Schatzes: Mosaikbild des „Letzten Abendmahls“ in der Minoritenkirche.

LEONARDO DA VINCI – RÄTSELHAFTES UNIVERSALGENIE

Leonardo wurde am 15. April 1452 in Vinci, einem Dorf 30 Kilometer westlich von Florenz, als unehelicher Sohn eines Notars geboren. Nach neuesten Forschungen, die im Jahr 2008 vom Da Vinci-Institut veröffentlicht wurden, waren Leonardos Eltern der 25-jährige Notar Piero da Vinci und mit hoher Wahrscheinlichkeit die getaufte, damals 22-jährige, arabische Sklavin Caterina, die bei Piero vorübergehend als Magd arbeitete.

Die Mutter heiratete wenig später einen Töpfereibesitzer aus Vinci und bekam fünf weitere Kinder. Der Vater Piero war insgesamt viermal verheiratet und hatte aus den letzten beiden Ehen neun Söhne und zwei Töchter. Leonardo wurde von seinem Vater als leiblicher Sohn anerkannt.


Leonardo da Vinci, Selbstbildnis um 1512 (Rötelzeichnung, Biblioteca Reale, Turin)

Sein Talent zeigte sich früh und so erhielt er schon als Kind Mal- und Zeichenunterricht. Als junger Maler wurde er an den Hof der Medici verpflichtet und war Zeit seines Lebens Hofmaler in Adels- und Königshäusern.

Leonardo starb 68-jährig am 2. Mai 1519 in Frankreich, im Schloss Cloux bei Amboise. Sein Grab befindet sich in der Kirche des Hl. Florentin. Leider wurde es im 16. Jahrhundert zerstört, sodass Leonardos sterbliche Überreste für immer verloren sind.

Heute ist sein Geburtshaus in Vinci ein Museum und Forschungsinstitut. Über einhundert Modelle seiner Erfindungen, Proportionsstudien und Entwürfe zu seinen Bildern sind dort ausgestellt. Die interaktiven Modelle seiner Kriegsmaschinen werden auf Ausstellungen in der ganzen Welt präsentiert. Auch in Wien waren sie bereits mehrmals in den Ausstellungsräumen unter dem Schottenkloster zu sehen.

Malerei – Mathematik – Geometrie

Leonardo da Vinci hat vollkommene Bilder gemalt. Jede Person, jedes Architektur- oder Landschaftsdetail ist räumlich exakt berechnet. In seiner „Proportionsstudie“ hat er die Proportionen des Menschen genau studiert und in Beziehung zur Geometrie, nämlich Kreis, Quadrat und Dreieck, gesetzt. Die italienische 1-Euro-Münze zeigt dieses berühmte Motiv.

In vielen Gemälden Leonardos ist der Nabel des Menschen auch der Bildmittelpunkt. Im „Letzten Abendmahl“ jedoch ist es die Schläfe von Jesus. Diese sensationelle Entdeckung, die natürlich Rätsel über Leonardos Beweggründe aufgibt, hat man erst 1999 anlässlich der letzten Restaurierung des Gemäldes gemacht. Wir berichten darüber im Abschnitt „Code Nr. 3“. Auch die Mona Lisa lächelt streng mathematisch. Leonardo unterteilte das Bild in gleichschenklige Dreiecke in einem festen Verhältnis – immer und immer wieder. Das Verfahren nennen wir heute „Goldener Schnitt“. Diese Proportion wird von unseren Sinnen als äußerst harmonisch empfunden und genau darin liegt das Geheimnis der Mona Lisa.

Hat Leonardo in seinen Bildern Geheimwissen verschlüsselt?

Leonardo war ein Universalgenie; Künstler, Wissenschaftler und Ingenieur zugleich, der das gesamte Wissen seiner Zeit besaß, welches damals nicht jedermann zugänglich und vielfach Geheimwissen war. Auch soll er der Kirche gegenüber kritisch eingestellt gewesen sein. Sein Biograph Vasari berichtet uns ziemlich eindeutig: „ Er [Leonardo] schätzte freies Denken mehr als die christlichen Dogmen.“ Vielleicht war Leonardo sogar Mitglied eines Geheimbundes, der sein Wissen nur Eingeweihten preisgab. Dan Brown und andere behaupten, dass Leonardo Großmeister der Bruderschaft vom Berg Zion war und von dort sein Wissen über die Geheimnisse um Jesus und Maria Magdalena bezogen habe. Die Autoren bleiben allerdings die Beweise schuldig. Woher Leonardo sein Wissen tatsächlich bezog, ist bis heute ein Rätsel geblieben. Vieles davon konnte und durfte er nur heimlich preisgeben, codiert in seinen Bildern, als allegorische Darstellung oder Wortspiel im Bild. Aus seinen Entwürfen und Studien werden wir nicht schlau. Seine Aufzeichnungen sind ein schwer zu knackender Code. Er schrieb in Spiegelschrift und fasste zusätzlich sämtliche Zahlenangaben in Worte und Gleichnisse. Leonardo ist uns bis heute rätselhaft geblieben. Viele haben sich an der Entschlüsselung versucht, den Code knacken aber konnte noch niemand.

DIE „ITALIENISCHE“ MINORITENKIRCHE – TEMPEL DER EINGEWEIHTEN?

Eine der ältesten Kirchen Wiens, die Minoritenkirche in der Nähe der Hofburg, hält einen Schatz von Weltruf verborgen: Eine dem Original getreu nachgebildete Kopie von Leonardo da Vincis „Letztem Abendmahl“. Seinetwegen reisen Kunsthistoriker aus der ganzen Welt nach Wien und studieren das Mosaik. Den Wienern ist ihr Schatz zum Großteil unbekannt, von seiner Bedeutung wissen nur wenige.

Über ihre Baugeschichte berichtet die Kirchenchronik der Minoritenkirche Folgendes:

Der Babenberger Herzog Leopold VI. (1176–1230) befand sich 1219 auf dem Rückweg vom Jerusalemer Kreuzzug nach Wien. In Assisi begegnete er dem Hl. Franziskus und seinen „Minderen Brüdern“. Er bat sie, nach Wien zu kommen und ein Kloster zu errichten. Im Jahr 1224 trafen vier Minoritenbrüder in Wien ein. Der Herzog schenkte ihnen nahe der Stadtmauer ein Grundstück, auf dem sie mit dem Bau einer Kirche begannen.

Diese und der Konvent der Minoriten wurden im Jahr 1250 fertig gestellt. Sie ist eine der ältesten gotischen Kirchen Ostösterreichs. Der Baumeister ist unbekannt, allerdings wird in einer barocken Chronik der Name Hans Schimpffenpfeil erwähnt. Vielleicht hat er sich als Figur an der Südfassade neben dem Turm selbst dargestellt? In der Bauhüttentradition der Gotik war es üblich, dass der Baumeister sein Zeichen und manchmal auch sein Portrait am Bauwerk anbrachte.

Bis 1783 versahen die Minoriten ihren seelsorgerischen Dienst. Dann verfügte Kaiser Joseph II. die Schließung des Konvents und die Übersiedlung der Ordensbrüder in das Wiener Trinitarierkloster. Die Kirche selbst schenkte er der „Italienischen Nation“.

Während der französischen Besatzungszeit 1809 diente die Kirche den Soldaten Napoleons als Lagerraum und Stall. Das Klostergebäude wurde Ende des 19. Jahrhunderts abgebrochen. Erst im Jahr 1957 bekamen die Minoriten die Kirche wieder zurück und so blieb sie bis heute die italienische Nationalkirche in Wien.

Der Hochaltar „Maria Schnee“ des Freimaurers und Rosenkreuzers Hohenberg

In den Jahren 1784–88 regotisierte der Wiener Architekt Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg (1733–1816) die Minoritenkirche. Wie aus Dokumenten der Zeit hervorgeht, war Hohenberg Freimaurer und Rosenkreuzer und wurde vom Staatskanzler Maria Theresias, Wenzel Anton Graf Kaunitz, einem hochrangigen Logenbruder, protegiert, sodass er 1765 die baukünstlerische Leitung von Schloss- und Gartenanlage Schönbrunn übertragen bekam. Dort vollbrachte er sein „opus magnum“, den Ausbau des Barockgartens zu einem Freimaurer-Landschaftstempel. Die sogenannte römische Ruine, die Gloriette und der Obelisk tragen verschlüsselt oder unter Hieroglyphen versteckt Freimaurer- und sogar Illuminatenzeichen. Hohenberg war hauptsächlich für seine Logenbrüder tätig. So gestaltete er mehrere Gartenlandschaften der Fürsten im Umkreis von Wien nach Freimaurer-, Rosenkreuzer- und Illumiaten-Gedankengut; unter anderem den Park des Seifenfabrikanten Friedrich von Braun in Schönau bei Baden, der als Freimaurer einen ägyptisierenden Tempel für die „Königin der Nacht“ – angeregt von Wolfgang Amadeus Mozarts „Zauberflöte“ – bauen ließ. Von seinem dankbaren Mäzen soll Hohenberg dafür einen goldenen Zirkel (ein typisches Freimaurersymbol) erhalten haben, wie uns die Chronik von Schloss Schönau erzählt.


Das Metastasio-Denkmal in der Minoritenkirche mit Salieri, Mozart und Haydn – alle drei Komponisten waren Mitglieder der Wiener Freimaurerlogen.


Ein „Tempel der Eingeweihten“: die „italienische“ Minoritenkirche in Wien.

Ein Freimaurer-Denkmal für die Musiker der Wiener Klassik

Ein weiteres Kunstwerk im Kircheninneren sollte Beachtung finden: das Denkmal für den italienischen Dichter, Komponisten und Librettisten Pietro Metastasio. Es wurde 1855 zur Erinnerung an den römischen Dichter errichtet, der es in Wien zum „Kaiserlichen Hof-Poeten“ – so sein offizieller Titel – brachte. Er selbst ist nicht in der Minoritenkirche, sondern in der Michaelergruft bestattet. Metastasio wohnte viele Jahre bis zu seinem Tod im Michaelerhaus am Kohlmarkt.

Im Mittelrelief des Denkmals dargestellt, segnet Papst Pius IV. 1782 den sterbenden Dichter; hinter ihm stehen die Komponisten Antonio Salieri und Wolfgang Amadeus Mozart, daneben Joseph Haydn. Sämtliche hier aufgereihten Musiker waren Mitglieder der Wiener Freimaurerlogen.

Tipp

MINORITENKIRCHE (Wien 1, Minoritenplatz, U3 Station Herrengasse)

Öffnungszeiten Winterzeit tägl. 8–16 Uhr, SA bis 17 Uhr,

Sommerzeit 8–18 Uhr, SA bis 17 Uhr.

Messe: SA 17–18 Uhr, SO 8–9 + 11–12 Uhr

Schönste Krippe Wiens mit mechanisch bewegten Figuren und Wasserspiel: Advent bis 6. Januar.

Abendmahlmosaik – originalgetreue Kopie des Mailänder Kunstwerks von Leonardo da Vinci

DAS WIENER „ABENDMAHL“ – BESSER ALS DAS ORIGINAL

Kaum ein Gemälde hat die Menschheit so beschäftigt, kein anderes – abgesehen von Leonardos „Mona Lisa“ – ist so oft Gegenstand von Deutungen und Interpretationen geworden wie „Das letzte Abendmahl“. „Il Cenacolo“, so der eigentliche Name, gilt als Höhepunkt in Leonardos malerischem Schaffen und als Meilenstein der Renaissancemalerei. Dieses Meisterwerk aus den Jahren 1495–97 malte er für das Refektorium des Dominikanerklosters Santa Maria delle Grazie in Mailand. Das Bild zeigt Jesus mit den zwölf Aposteln in jenem Augenblick, als er ihnen offenbart: „Einer von euch wird mich verraten.“ Auf Grund seiner korrekt wiedergegebenen perspektivischen Tiefe übte es bahnbrechenden Einfluss auf die gesamte Malerei Europas aus. Leider ist das Original stark verblasst und im Zweiten Weltkrieg beschädigt worden. Das Gemälde wurde bereits mehrfach restauriert und ist seit seiner jüngsten Restaurierung 1999 unter strengste Bewachung und Schutz gestellt. So dürfen nur 100 Besucher pro Stunde etappenweise in einem Glastunnel am Gemälde vorbeiziehen und es für ungefähr zehn Minuten betrachten.

Das Wiener Mosaik –
die weltweit einzige originalgetreue Kopie

In Wien befindet sich eine Sensation, die größtenteils unbekannt ist: eine Mosaik-Kopie von Leonardo da Vincis Meisterwerk „Das Letzte Abendmahl“ – in den Originaldimensionen. Mit Rahmen misst das Bild 4,47 x 9,18 Meter, besteht aus zwölf Platten mit jeweils 10.000 Mosaiksteinchen und wiegt zwanzig Tonnen. Es ist die weltweit einzige Abendmahl-Kopie in Originalgröße und ziert die Nordwand der Wiener Minoritenkirche.

Napoleon soll 1805 das Bild in Mailand gesehen haben und seine Demontage zum Zweck des Transfers nach Paris befohlen haben. Da sich aber ein Fresco nicht so leicht ablösen lässt, gab er eine Kopie in Auftrag, die dann nach Paris gebracht werden sollte.

Der renommierte römische Künstler Giacomo Raffaelli übernahm 1806 die Aufgabe. Hunderttausende Glas-Mosaiksteinchen, die nur ein paar Millimeter groß sind, baute er ohne Zwischenräume aneinander. Als das Meisterwerk 1814 vollendet war, befand sich der Kaiser der Franzosen in der Verbannung und konnte das Bild nicht mehr in Besitz nehmen. Sein Schwiegersohn Kaiser Franz I. von Österreich (1768–1835) erwarb das gigantische Mosaik und wollte es im Schloss Belvedere anbringen lassen. Aber dafür erwies es sich als zu groß. So schenkte er es den Minoriten, in deren Kirche das Monumentalmosaik seither zu bewundern ist.

Nicht nur, dass es eine Original-Kopie in Größe, Darstellung und Farbe ist, es wurde auch genauso aufgehängt wie das Original in Mailand: mit dem tatsächlichen Lichteinfall durch die Kirchenfenster von links. Das deckt sich mit dem Lichteinfall, den Leonardo im Original genauso dargestellt hat: Jesus und die Apostel von vorne beleuchtend, den Lichtstrahl auf Jesus Kopf zentriert.

Die Farben sind besser erhalten als auf dem Mailänder Original

Leonardo hat mit den Farben für die Seccotechnik experimentiert, aber leider einen Fehlgriff getan. Bereits wenige Jahre nach Vollendung des Gemäldes verblassten die Farben. Aus diesem Grund hat man es seit dem 17. Jahrhundert mehrmals restauriert, aber vielfach mehr geschadet als genützt. Laut dem Wiener Kunsthistoriker Artur Rosenauer halten Da Vinci-Kenner das Wiener Mosaik für einmalig: Es sei besser erhalten und leuchtender in den Farben als inzwischen das Original.


Das Original: Leonardo da Vincis „Letztes Abendmahl“. (Foto Chris Norman)

Jesu Füße nur in Wien

Noch eine Sensation kann das Wiener Mosaik bieten, ein Detail, welches auf Leonardos Original nicht mehr zu sehen ist: die Füße von Jesus Christus unter dem Abendmahltisch. Im Refektorium des Mailänder Klosters Santa Maria delle Grazie wurde genau an dieser Stelle eine Tür eingebaut. Somit ist die 200 Jahre alte Wiener Kopie dem Original näher als das Original selbst, nach all den Veränderungen und Beschädigungen, denen es im Lauf der Zeit ausgesetzt war.

DIE VIER DA VINCI CODES

Ob Leonardo – wissentlich oder unwissentlich – geheime oder sogar häretische Inhalte in seinem Werk verarbeitet hat, ist nicht bekannt. Aufzeichnungen darüber hat er uns nicht hinterlassen, allerdings seine Überlegungen zur Darstellung der Charaktere der zwölf Apostel und der Abendmahlszene. Warum dann aber der berühmte Abendmahlkelch fehlt, ist wiederum ein Rätsel. Vier Codes, also verschlüsselte Botschaften, sollen nach Ansicht vieler Forscher in diesem Gemälde versteckt sein:

1 Der vermeintliche Jünger Johannes ist in Wahrheit Maria Magdalena und diese sei der personifizierte Gral.

2 Die zwölf Apostel symbolisieren die zwölf Sternzeichen. Leonardo selbst sei Thaddäus als Sternzeichen Stier.

3 Die Brotlaibe auf dem Abendmahltisch und die Hände der Apostel stellen vermutlich Musiknoten dar, deren Melodie eine feierliche Hymne ergibt.

4 Die Zentral-Perspektive des Bildes fokussiert in der Schläfe von Jesus. Darin könnte Leonardo ein Wortspiel versteckt haben.

Versteckte Hinweise im „Abendmahl“?

Leonardo da Vinci stellt Jesus und die zwölf Apostel beim letzten Abendmahl dar, in jener Szene, in der dieser ihnen den späteren Verrat an ihm offenbart. Die Apostel sind entsetzt, sie gestikulieren heftig, außer einem, der neben Jesus sitzende Johannes. Er scheint still und in sich gekehrt zu trauern.

Der Tisch und die Apostel sind im Bildvordergrund angeordnet. Dahinter verengt sich der Raum zu dem dreiteiligen Fenster, welches die scheinbare Lichtquelle darstellt. Das Licht, das die Szene ausleuchtet, kommt jedoch nicht aus dem gemalten Fenster, sondern schräg von links wie das wirkliche Licht, das durch Fenster an der linken Wand einfällt, in der Minoritenkirche wie auch im Mailänder Kloster-Refektorium.


Weltweit die einzige Kopie in Originalgröße: das „Letzte Abendmahl“ als Mosaikbild von Raffaelli in der Minoritenkirche, 1814.

In Leonardos eigenen Aufzeichnungen findet sich die Beschreibung über die unterschiedliche Haltung der Jünger. Im berühmten Forster-II-Kodex – heute im Londoner Victoria and Albert Museum – beschreibt Leonardo die Szene: „Einer, der gerade getrunken hat, setzt seinen Becher ab und dreht seinen Kopf zum Sprecher. Ein anderer verschränkt die Finger und wendet sich stirnrunzelnd seinem Kumpan zu … “ So versammelt Leonardo die Apostel in Dreiergruppen, die auf unterschiedliche Weise auf Jesu Enthüllung „Einer von euch wird mich verraten“ reagieren.

Der Heilige Gral im „Abendmahl“

In Leonardos Gemälde fehlt der Kelch, den Jesus anlässlich des letzten Abendmahls mit den Aposteln benützt hat. Dieses Fehlen des Kelches interpretieren einige Autoren, darunter Dan Brown oder Lincoln/Baigent/Leigh, als bewusste Weglassung. Wollte Leonardo damit ein Geheimnis andeuten?

Um dieses Gefäß, den Gral, ranken sich viele Legenden. Sowohl seine Herkunft als auch sein Verbleib sind unbekannt. Niemand weiß, ob er ein Trinkgefäß, eine Schale oder etwas ganz anderes gewesen ist. Er soll von der Abendmahltafel gestohlen, zu Pilatus gebracht und von diesem an Josef von Arimathea weiter gegeben worden sein. Diese Version der Legende verfolgt den Weg des Grals bis nach Glastonbury in England. Die erwähnten Autoren vertreten eine ganz andere, gewagtere These. Sie entschlüsseln die erstmals in Frankreich des 12. Jahrhunderts auftauchende Bezeichnung für den Abendmahlkelch „San Gral“ als „Sang real“, also als „sanguis regalis“ (königliches Blut). In diesem Begriff sehen sie einen Hinweis auf das königliche Geblüt Jesu und seiner Nachfahren aus der Verbindung mit der Frau, „die er am meisten liebte“, wie es im Evangelium heißt, mit Maria Magdalena.

Code Nr. 1:
Johannes oder Maria Magdalena?
Wo ist der Gral?

Wäre es möglich, dass Leonardo in seinem Gemälde diese Bedeutung des Begriffs „San Gral“ als „Sang real – königliches Blut“ dargestellt hat? Zwischen Jesus und der rechts von ihm sitzenden Person klafft ein auffälliger V-Spalt, einem Dreieck gleich. Das mit der Spitze nach unten zeigende Dreieck gilt als Mutterschoß des Göttlich-Weiblichen. Ein Dreieck mit der Spitze nach oben steht für das männliche Prinzip. Leonardo stellt Jesus mit den ausgestreckten Armen als symbolisches Dreieck dar. In der Ikonographie der Renaissance wurde das Männliche heraldisch rechts und das Weibliche links dargestellt. Der Jünger Johannes zeigt – entgegen seiner Sitzrichtung – seine weibliche Seite. Auch die gegengleichen Farben der Kleidung ergeben einen Hinweis. Sie ergänzen einander wie das Männliche und das Weibliche. Der Apostel Johannes wäre dann in Wirklichkeit die schwangere Maria Magdalena, der Heilige Gral, das Gefäß, welches das Blut Jesu in sich trägt!

So habe Leonardo da Vinci „codiert“ dieses Geheimnis der Nachwelt mitgeteilt – daher der englische Originaltitel „The Da Vinci Code“.

Wo ist Johannes?

Wenn also die Person rechts von Jesus tatsächlich Maria Magdalena sein sollte, wo ist dann der Jünger Johannes?

Bibelforscher können weder in der Bibel noch in den außerbiblischen Schriften einen klaren Hinweis auf eine Ehefrau Jesu bzw. die Anwesenheit von Maria Magdalena beim letzten Abendmahl finden. Auch Leonardo selbst schreibt angeblich nichts in seinen Aufzeichnungen darüber, warum er den Lieblingsjünger Johannes allzu weiblich aussehen lässt.

Johannes sitzt an Jesu rechter Seite. Der Lieblingsjünger Jesu, immer als bartloser Knabe dargestellt, nimmt eine neutrale Haltung ein. Johannes‘ Gesichtszüge sind feminin, seine Haare, sein weiches, bartloses Gesicht, seine Haltung gibt durchaus Anlass zu einer Deutung als weiblicher Apostel. Nur, wo wäre dann Johannes? War er beim Abendmahl nicht zugegen? Hat Leonardo ihn gar vergessen?

„Gewisse weiche und weibliche“ Züge sieht Artur Rosenauer, Professor am Wiener Institut für Kunstgeschichte, sehr wohl an Leonardos Johannes-Figur. „Da Vinci war homosexuell – da gibt es kaum einen Zweifel“, erklärt er in einem Interview anlässlich der Filmpremiere von „The Da Vinci Code“. Um eine Frau könne es sich aber unmöglich handeln: „Das wäre an der Wand eines Klosters völlig unangebracht gewesen. Man darf ja nicht vergessen: Es war eine Auftragsarbeit, für die er bezahlt wurde.“ Leonardos homoerotische Neigung könnte durchaus in seinen Gemälden Niederschlag gefunden haben. Immer wieder engagierte er Knaben als Modelle und einige davon wurden seine Schüler, Diener und Liebhaber. Zur Zeit der Entstehung des Abendmahlbildes 1495–97 war sein damaliger „Schüler“ Salai 15 bis 17 Jahre alt. Ihn hat Leonardo jedoch nicht im Apostel Johannes verewigt. Das Rätsel bleibt ungelöst: ist nun Johannes oder doch Maria Magdalena dargestellt?


Der auffällige V-Spalt.

Wo ist der Kelch?

Auf Leonardos Gemälde fehlt der Kelch. Eine merkwürdige Darstellung der Tafelszene, ist doch der Kelch eines der zentralen Elemente des Abendmahls. Gibt Leonardo damit einen Hinweis, dass mit dem Gral kein Gefäß, sondern ein Mensch gemeint sein könnte?

Ist der auffällig große V-Spalt zwischen Johannes und Jesus ein Gralszeichen? Der Oberteil eines Kelches? Da ein Kelch aber nicht vollständig ist ohne Fuß, so müsse Jesus, den man in der geometrischen Figur eines spitz nach oben weisenden Dreiecks sehen kann, der Kelchfuß sein. Jesus stützt in dieser Auslegung Maria Magdalena. Beide zusammen bilden den Gral, Maria Magdalena den Kelch und Jesus den Fuß.

Der Leipziger Kunsthistoriker und Leonardo-Forscher Franz Zöllner hat in der „Zeit“ entgegnet, dass sich die ungewöhnlichen Lücken des Gemäldes „aus dem simplen Umstand erklären, dass Leonardo die emotionsgeladene Reaktion der Jünger auf die Verrats-Ankündigung Christi möglichst expressiv darzustellen versuchte: ,Einer von euch wird mich verraten.‘ Dadurch zerfallen die Jünger in Gruppen, und so entstehen Lücken zwischen den Figuren.“ Der Leipziger Professor unterstreicht weiter, dass zu Leonardos Zeiten im „Abendmahl“ eine Maria Magdalena nicht unterzubringen war – die künstlerische Freiheit war nicht gegeben. „Der feminin wirkende Johannes hingegen ist nicht ungewöhnlich, er wurde oft als besonders junger, bartloser und daher weiblich anmutender Typ dargestellt.“

Wessen Hand hält das Messer?

Es könnte Petrus Hand sein, die als Drohgebärde ein Messer zückt. Eine Drohung? Gegen wen gerichtet? Gegen Johannes sicher nicht, der frei von jedem Verdacht als Verräter ausscheidet. Gegen einen möglicherweise weiblichen Apostel, gegen die Frau an Jesu Seite?


Wessen Hand hält das Messer? Gegen wen richtet sich die Drohung? – Fragen, die offen bleiben.

Diese in ihrer Größe und Perspektive falsch gemalte Hand ist Gegenstand von Interpretationen, weil ein Fehler Leonardos auszuschließen ist.

Aus der Bibel lässt sich herauslesen, dass Petrus Maria Magdalena nicht eben wohlwollend gesinnt war. Er tadelt Jesus wegen der offensichtlichen Bevorzugung dieser Frau, die dem Heiland offenbar näher stand als die Apostel, insbesondere Petrus selbst.

Absicht oder Zufall? Was steckt dahinter?

Code Nr. 2:
Die zwölf Apostel und ihre Sternzeichen

Die Astrologie könnte weitere Indizien zur Aufklärung der Frage „Johannes oder Maria Magdalena“ liefern. Mehrere Autoren haben sich mit einer astrologischen Zuordnung der zwölf Apostel befasst und kommen zu durchaus unterschiedlichen Ergebnissen.

Der österreichische Mythenforscher Erich von Beckerath (1891–1981) analysiert in seinem Werk „Geheimsprache der Bilder“ Leonardos Abendmahl ebenfalls nach astrologischen Gesichtspunkten. Für ihn besteht kein Zweifel, dass Leonardo nicht nur Maler, Ingenieur und Erfinder, sondern auch Astrologe war. Es wäre sogar undenkbar, dass ein Universalgelehrter wie Leonardo nicht Astronomie und Astrologie studiert hätte. Leonardos Einteilung der Apostel entspricht der Elementelehre und die zwölf Apostel sind eindeutig den zwölf Tierkreiszeichen zugeordnet.

Welcher Apostel steht für welches Tierkreiszeichen? Wo beginnt die Zählung?

Nach Beckerath beginnt die Zählung rechts vom Betrachter aus gesehen und geht nach links, weil die Sprache der Apostel Hebräisch/Aramäisch war und diese von rechts nach links gelesen wird. Das astronomische Jahr beginnt im Frühlingspunkt mit dem Sternzeichen Widder. Demnach wäre der erste Apostel ganz rechts dem Widder zugeordnet und der letzte Apostel ganz links dem Sternzeichen Fische.

Von rechts nach links gelesen ergibt sich folgende Anordnung: Simon (Widder), Thaddäus (Stier), Matthäus (Zwillinge); Philippus (Krebs), Jakobus d. Ältere (Löwe), Thomas (Jungfrau); Johannes (Waage), Judas (Skorpion), Petrus (Schütze); Andreas (Steinbock), Jakobus d. Jüngere (Wassermann), Bartholomäus (Fische).

Im Zentrum des Bildes, zwischen Jungfrau und Waage, sitzt Christus, auf den alle Perspektivlinien im Gemälde hinführen. Er verkörpert die Sonne, das Zentrum unseres Kosmos. In diesem Sinne ist das Abendmahlbild eine astrologische Darstellung. Die Charaktereigenschaften der zwölf Sternzeichen sind in den zwölf Aposteln dargestellt, wobei der Code aber erst über Leonardos Selbstportrait entschlüsselt werden kann.

Mit dieser Zuordnung kann dreierlei erklärt werden:

1 Warum ist der Jünger Johannes auffallend weiblich dargestellt? Er ist dem Zeichen Waage zugeordnet, das vom weiblichsten aller Planeten beherrscht wird, von der Venus. Johannes als Waage wirkt ausgeglichen, in Harmonie. Oder ist es doch eine Frau, Maria Magdalena, die als Venus dargestellt wird?

2 Neben Johannes sitzt Judas, der folgerichtig dem Zeichen Skorpion zugeordnet ist. Dieses Zeichen steht für Leben und Tod, für Mystik und Geheimnistuerei, für Idealismus, aber auch für Verrat – zum Charakter des Judas passend.

3 Hat sich Leonardo selbst im Abendmahl verewigt? Das wäre nicht ungewöhnlich für einen Maler der Renaissance. Er wäre demnach der zweite von rechts, der Apostel Thaddäus, neben dem Widder, also Stier.

Leonardo wurde am 15. April 1452 im Sternzeichen Stier geboren. Heute fällt der 15. April jedoch in das Sternzeichen Widder (21.3.–20.4.), wie Astrologen sofort anmerken würden. Aus der immer größer werdenden Abweichung des Kalenders vom tatsächlichen Sonnenjahr erwuchs die Notwendigkeit einer Kalenderreform, die im Jahr 1582 durchgeführt wurde. Man addierte die zehn fehlenden Tage, wodurch der 15. April zum 25. April wird und somit auch in unserem heutigen Kalender in das Sternzeichen Stier (21.4.–21.5.) fällt. Im Apostel Thaddäus, der nach Beckerath das Sternzeichen Stier darstellt, sehen manche Leonardoexperten ein Selbstportrait des greisen Malers. Er sieht ihm in der Tat verblüffend ähnlich.


Die 12 Apostel und ihre Sternzeichen.

Beckerath führt weiter aus, dass Leonardo die Apostel nicht nur den Tierkreiszeichen zuordnet, sondern auch den Elementen und Temperamenten. Angeordnet werden sie in vier Dreiergruppen. Das entspricht den vier Trigonen, den vier Temperamenten (cholerisch, melancholisch, phlegmatisch, sanguinisch) und den vier Jahreszeiten.

Leonardo selbst schreibt über die Darstellung der Apostel: „Also hier in zwölf ganzen Figuren wird dir die Kosmographie der kleinen Welt (Mikrokosmos) vorgeführt, nach derselben Ordnung, die vor mir Ptolemäus in seiner Kosmographie verwendet hat. Und so werde ich dann jene in Glieder teilen, so wie er das (Erd-)Ganze in Provinzen teilte. Dann werde ich die Verrichtung aller Teile in jeder Hinsicht zeigen, indem ich dir die Aufnotierung der ganzen Gestalt und das Vermögen des Menschen in Bezug auf Ortsbewegung vermittels seiner Teile vor Augen stelle. Und so gefalle es unserem Schöpfer, dass ich die Natur der Menschen in der Art darzustellen vermöge, wie ich ihre Figur beschreibe.“

Code Nr. 3:
Ein hintergründiges Wortspiel?

Die letzte Renovierung des Abendmahl-Gemäldes in Mailand im Jahr 1988 förderte eine Überraschung zu Tage. Man fand das Nagelloch in der Schläfe von Jesus, von wo aus Leonardo die Schnüre für den perspektivisch-kompositorischen Bildaufbau spannte.

Damit war bewiesen, was man schon länger vermutet hatte, nämlich dass Leonardo eine exakt berechnete Zentralperspektive anwandte. Allerdings ist der Bildmittelpunkt nicht, wie bei seiner „Proportionsstudie nach Vitruv“, der Nabel des Menschen, auch nicht Jesu Stirn, sondern dessen rechte Schläfe. Diese Wahl ist ungewöhnlich. Bei keinem seiner Bilder hat Leonardo die Schläfe einer Person als Bildmittelpunkt genommen. Warum er dies ausgerechnet im „Abendmahl“ tat, gibt den Kunsthistorikern Rätsel auf.


Der rätselhafte Mittelpunkt des Gemäldes: die Schläfe von Jesus Christus.


Der Buchstabe M in der Bildmitte – ein Zeichen für Maria Magdalena?

Die Zentralperspektive –
ein Versuchsaufbau in Wien

In Wien haben David Sayn und Christoph Rahofer während ihrer Leonardo-Ausstellung in der Minoritenkirche im Jahr 2006 den Versuch gemacht, den sogenannten „Augpunkt“ zu errechnen und mittels Leiterpodest nachzustellen, d. h. jene Distanz zum Mittelpunkt des Bildes zu finden, von wo aus man alles richtig perspektivisch sieht. Der Augpunkt ist tatsächlich die Schläfe von Jesus, wie der Versuchsaufbau bewiesen hat. Damit ist belegt, dass Leonardo sie ganz bewusst als zentralen Punkt des Bildes und der Handlung festgelegt hat.


Leonardos Spiegelschrift im Codex Trivulzianus, Castello Sforza.


Leonardo da Vinci: Proportionsstudie nach Vitruv 1492 (Feder und Tinte, Galleria dell’ Accademia, Venedig).

Die Bedeutung? Sie bleibt uns leider verborgen.

Könnte es sein, dass auch darin eine versteckte Botschaft zu finden ist? Soll hier ein Wortspiel, nämlich der phonetische Gleichklang der beiden Ausdrücke für Schläfe und Tempel – im Italienischen tempia und tempio – bildlich dargestellt werden? Steckt eine tiefere Bedeutung dahinter? Wenn ja, welche? Im Lateinischen hat tempus sogar eine Doppelbedeutung, sowohl „Schläfe“ als auch „Zeit“. Auch im Englischen gibt es eine Doppelbedeutung, Schläfe und Tempel. Vielleicht hat Leonardo ein Wortspiel verschlüsselt, in dem es nicht um Christis Schläfe geht, sondern Christus als heiliger Tempel gemeint ist? Wenn Jesus der Tempel ist, könnte die neben ihm sitzendende Person Maria Magdalena, der Heilige Gral sein? Leonardo erfand Rätsel, schrieb in Spiegelschrift, codierte Zahl- und Maßangaben in Worte. Er lernte sogar Vokabel aus dem Lateinischen und übersetzte sie ins Italienische unter Erfindung neuer Wortbedeutungen. Leonardos Vokabeltraining und seine Wortspiele in Spiegelschrift sind noch nach 520 Jahren in seinen eigenen Aufzeichnungen zu lesen. 8000 lateinische Vokabel und ihre italienische Bedeutung sind auf etlichen Seiten des 55 Blatt umfassenden „Codex Trivulzianus“ erhalten. Dieses Dokument ist in der Bibliothek des Castello Sforzesco in Mailand aufbewahrt und normalerweise nicht öffentlich ausgestellt. Der Erfolg des Romans und Films „The Da Vinci Code“ hat allerdings dazu beigetragen, dass der Codex jetzt zu besichtigen ist.

Code Nr. 4:
Der musikalische Code im „Letzten Abendmahl“

Leonardos Abendmahl enthält eine Geheimmusik, im Bild versteckte Noten, die eine himmlische Melodie ergeben. Diese völlig überraschende Entdeckung machte der italienische Musiker und Computerfachmann Giovanni Maria Pala im Jahr 2007 und publizierte sie in seinem Buch „La musica celata“ („Die verborgene Musik“).

Gemeinsam mit seiner Frau, einer Kunstexpertin, meint er hinter Leonardos Geheimnis gekommen zu sein und den wirklichen Da Vinci Code geknackt zu haben.

Er entdeckte die Musiknoten in den runden Brotlaiben und den Händen der Apostel. Das Tischtuch der Abendmahltafel ergibt sozusagen ein Notenblatt. Pala spiegelte es, da Leonardo ja in Spiegelschrift schrieb, und spielte die Noten auf der Orgel, dem bevorzugten Instrument für sakrale Musik.


Der musikalische Code im „Letzten Abendmahl“ (Zeichnung G. Lukacs nach G. M. Pala, „La musica celata“).

Was er zu hören bekam, war eine 40 Sekunden andauernde Sequenz einer himmlischen Melodie, ein feierliches Adagio, ähnlich einer Hymne – zur Stimmung des letzten Abendmahls passend. Es sind Moll-Akkorde und neun Terzen, welche die als Noten gelesenen Brotlaibe und Hände ergeben. Eine Melodie zu erkennen, gelang Pala erst nach vielen Versuchen. Vier Jahre lang tüftelte er an der Entschlüsselung, bis er mit seiner Entdeckung an die Öffentlichkeit trat. Heute ist er fest davon überzeugt, dass Leonardo Noten, ja sogar eine göttliche Melodie im Abendmahl verborgen hat.

Die Fachwelt hat Palas Entdeckung natürlich mit Skepsis aufgenommen, musste aber mittlerweile anerkennen, dass die theoretische Möglichkeit einer im Abendmahl-Gemälde versteckten Melodie durchaus realistisch ist. Einzelne Renaissance-Komponisten haben bereits im heutigen Notensystem geschrieben. Der Kunsthistoriker Alessandro Vezzosi hält Palas Erkenntnisse für plausibel. Vezzosi verwies darauf, dass Leonardo Musikinstrumente entworfen und in seinen Schriften musikalische Rätsel versteckt hatte, die von rechts nach links gelesen werden mussten.

Pala machte noch eine weitere Entdeckung. Die Verbindung der Noten ergibt – wieder von rechts nach links geschrieben – aramäische Buchstaben. Luigi Orlando, ein italienischer Bibelwissenschaftler, erkennt darin eine durchaus sinnvolle Konsonantenreihe. Übersetzt würde sie heißen: „Weihe und Ruhm durch Ihn“, eine „Hymne an Gott“, die auf Leonardos Religiosität ein neues Licht werfen könnte.

Pala hat tatsächlich einen neuen Da Vinci Code entdeckt. Seine Erkenntnisse hat er in einem Buch veröffentlicht, welches seit seinem Erscheinen 2007 in mehrere Sprachen übersetzt worden ist. Die Zugriffe auf seine Webseite gehen in die Hunderttausende. Dort kann man auch die von Pala entschlüsselte Musiksequenz hören.

Tipp

Giovanni Maria Pala: La musica celata. 2007 Buch und CD


Die Umrisse der Maria-Magdalena-Kirche auf dem Stephansplatz.

DER MARIA-MAGDALENA-MYTHOS

Der Festtag der Maria Magdalena ist der 22. Juli. Eine Bauernregel für diesen Tag besagt: „An Magdalena regnet’s gern, denn sie weinte um den Herrn.“

Die Maria-Magdalena-Attribute sind:

 roter Mantel – blaues Kleid,

 lange Haare, weil sie Christus Füße mit ihren Tränen benetzte und mit ihren Haaren trocknete,

 Salbgefäß, weil sie Christus salbte (Christos, griech. „der Gesalbte“)

 Schädel als Symbol für Golgatha, die Schädelstätte, wo Christus gekreuzigt wurde.

Sie ist die Patronin der Frauen, der reuigen Sünderinnen, der Verführten und zahlreicher Berufe wie Salbenhersteller oder Prostituierte.

Wer war Maria Magdalena?

Die urchristlichen Überlieferungen über Maria Magdalena sind spärlich. Biografische Daten zu ihrer Person lassen sich kaum noch rekonstruieren. Trotzdem lässt sich noch einiges über ihre Stellung in der Jesusbewegung und in den frühchristlichen Gemeinden aus den Quellen herauslesen. In den Evangelien nimmt sie eine Sonderstellung in der Urgemeinde ein. Sie muss verstanden werden als Jüngerin Jesu, die ihn auf seinem Weg begleitete, als Auferstehungszeugin und als apostolische Autorität. In den gnostischen und apokryphen Quellen (das sind solche, die nicht der offiziellen Bibel angehören) nimmt Maria Magdalena ebenfalls eine Sonderstellung ein.

Der Anhängerkreis Jesu war größer als die uns bekannten zwölf Apostel. Er umfasste auch Frauen, unter denen Maria Magdalena offenbar eine besondere Stellung hatte. Sie sorgte zusammen mit anderen Frauen für Jesu Lebensunterhalt (Lk 8,3). Mit Jesus und den Jüngern zog auch Maria Magdalena nach Jerusalem. Sie war bei der Kreuzigung und dem Sterben Jesu dabei (Mt 27, 55–56). Anschließend salbte sie seinen Leichnam, weshalb sie oft mit dem Salbgefäß unter dem Kreuz stehend dargestellt wird.

Das Evangelium der Maria (manchmal auch Evangelium der Maria Magdalena genannt) gehört zu den Apokryphen des Neuen Testaments. Dieses Schriftstück soll etwa 160 n. Chr. entstanden sein. Bei der Maria, die dem Evangelium den Namen gegeben hat, handelt es sich vermutlich um Maria Magdalena. Da im Text jedoch nur allgemein von „Maria“ die Rede ist, bleibt diese Zuordnung unsicher.

Das Evangelium besteht im ersten Teil aus Dialogen zwischen dem auferstandenen Jesus und seinen Jüngern und Jüngerinnen. Es enthält außerdem im zweiten Teil eine Vision Maria Magdalenas. Das Evangelium ist nicht vollständig erhalten. Ungefähr die Hälfte der insgesamt 18 Seiten umfassenden Schrift ist verloren.


Die Vision der Maria Magdalena. Altarbild in der Augustinerkirche.

Jüngerin oder Ehefrau Jesu?

In den Schriften der Rosenkreuzer-Mystik, einer Geheimgesellschaft aus dem 16. Jahrhundert, wird überliefert, dass Maria Magdalena die Gefährtin Jesu gewesen sei. In Südfrankreich glaubt man, dass sie Jesu Ehefrau und Mutter eines Kindes war. Alten Erzählungen nach sei sie dort in Begleitung von Martha, Lazarus und ihrer schwarzen Dienerin Sarah, nach abenteuerlicher Überfahrt von Jerusalem übers Meer, gelandet. Im Fischerdorf Saintes-Maries-de-la-Mer wird seit Jahrhunderten ihr Festtag mit Umzügen und Prozessionen begangen. Seit dem Jahr 790 wird sie ebendort verehrt und soll in der Kathedrale von Vezelay begraben sein.

Als Beweis, dass Maria Magdalena Jesus sehr nahe gestanden, ja eine Liebesbeziehung gehabt haben muss, wird das Philippusevangelium gerne herangezogen. Darin wird berichtet: „Und die Gefährtin des Erlösers war Maria Magdalena. Christus liebte sie mehr als seine Jünger und küsste sie oft auf den Mund. Die Jünger waren darüber erzürnt und verliehen ihrer Enttäuschung Ausdruck. Sie sprachen zu ihm: Warum liebst du sie mehr als uns?“


Wappen von Saintes-Maries-de-la-Mer in Südfrankreich. Die beiden Marien kamen, alten Legenden zufolge, von Jerusalem übers Meer nach Frankreich, wo Maria Magdalena das Kind Jesu geboren haben soll.

In der Bibel wird nirgends erwähnt, ob Jesus verheiratet war oder Nachkommen hatte. Diese Frage kann nicht eindeutig geklärt werden, solange nicht weitere Schriften auftauchen. Von Bibelexperten erfahren wir, dass die Ehelosigkeit für Propheten oder Rabbiner zurzeit Jesu unter den Juden nicht üblich war. Im Gegenteil, zum gottgefälligen Leben zählten Ehe und Kinder. Sie zitieren dazu Paulus: „Wegen der Gefahr der Unzucht soll aber jeder seine Frau haben und jede soll ihren Mann haben. […] Was die Frage der Ehelosigkeit angeht, so habe ich kein Gebot vom Herrn. Ich gebe euch nur einen Rat als einer, den der Herr durch sein Erbarmen vertrauenswürdig gemacht hat. Ich meine, es ist gut wegen der bevorstehenden Not, ja, es ist gut für den Menschen, so zu sein.“ (1 Kor. 7,25 f)

Maria Magdalena – eine Sünderin, Schutzpatronin der Prostituierten?

Maria Magdalena wurde in der katholischen Tradition als Sündern dargestellt. Sie wird mit der „Sünderin, die zu viel geliebt hat“ (Lk 7,36–50) identifiziert. Im Jahr 591 bestätigte Papst Gregor I., einer der vier großen Kirchenlehrer und Begründer der nach ihm benannten Sakralmusik, den Gregorianischen Chorälen, die Ansicht, dass alle drei biblischen Frauen mit dem Salbgefäß, nämlich Maria Magdalena, Maria von Bethanien und die reuige Sünderin, ein und dieselbe Person seien, nämlich Maria Magdalena, die er peccatrix, Sünderin, nannte. Die byzantinische Ostkirche und die Protestanten haben sich dieser Meinung nicht angeschlossen. Und auch die katholische Kirche scheint davon langsam abzurücken. Sie hat dieser Gleichsetzung 1969 offiziell widersprochen. Seither wird jene Textstelle, die Maria Magdalena als Sünderin bezeichnet, bei der Messfeier nicht mehr gelesen.

Maria Magdalena und die Zahl 11

Ein weiterer Aspekt bei der Betrachtung der Figur der Maria Magdalena ist interessant: die gematrische Aufschlüsselung ihres Namens und des Datums ihres Festtages.

Gematria, aus dem Hebräischen, ist die Kunst, Wörter als Zahlen zu lesen. Dabei werden Buchstaben nach unterschiedlichen Schlüsseln in ihre entsprechenden Zahlenwerte überführt. Aus den (addierten) Zahlwerten liest man neue Bedeutungen und Beziehungen heraus. Je nach Herkunft und Verwendung der Worte wird das hebräische oder das griechische Alphabet herangezogen.

Maria Magdalam:

 hat im hebräischen Alphabet den Zahlwert 371, Ziffernsumme 11 (Maria=40+1+200+9+1=251 und Magdalam=40+1+3+4+1+30+1+40=120)

 im griechischen Alphabet den Zahlwert 272, Ziffernsumme 11

Der Name der Maria Magdalena als Ziffernsumme 11 findet sich in der Ziffernsumme ihres Festtages, dem 22. 7. = 11, wieder. Wie auch in der Ziffernsumme des ehemaligen Namensfestes am 19. 1., bevor es auf den 22. 7. verlegt wurde (lt. Kirchenkalender).

Die Zahl 11 bedeutet in der Zahlensymbolik die Überschreitung der 10, die Überhöhung, die Ausschweifung, die „Sünde“.

In unserem Brauchtum ist die 11 als die Zahl der Sünde noch verankert: Der Karneval, die Zeit der Ausschweifungen, beginnt am 11.11. um 11.11 Uhr.

Die Zahl 11 wurde auch als symbolisches Datum für das Ende der Sünde gewählt: Das Ende des Ersten Weltkriegs wurde auf den 11. 11. 11 Uhr festgelegt. Ab 11. November 1918 11 Uhr schwiegen die Waffen.

Mit dem Datum ihres Festtages, dem 22.7. und der daraus resultierenden 11 als Zahl der Sünde, ist Maria Magdalena als Sünderin für ewige Zeiten festgeschrieben.

Maria Magdalena und die Templer

Aus authentischen historischen Dokumenten konnten Experten die Ordensregel rekonstruieren, die der Zisterzienserabt Bernhard von Clairvaux für den Templerorden schuf. Darin empfahl er „den Gehorsam gegenüber Bethanien, der Burg von Maria und Martha“, wie Karen Ralls schreibt. Bethanien war die Heimat der Geschwister Maria, Martha und Lazarus. Eine Maria aus Bethanien salbte Jesu Füße, wie wir aus der Bibel wissen. Ob es sich um Maria Magdalena handelt, darüber spekulieren die Theologen.

Die historischen Quellen belegen jedenfalls, dass die Templer Maria von Bethanien als Maria Magdalena hoch verehrten. Denn die Ordensregel verweist eindeutig auf den 22. Juli, den Festtag der Maria Magdalena, der in allen Ordenshäusern gefeiert werden sollte. Nach dem Ende der Templer erbten die Johanniter deren Güter und Besitz und behaupteten, eine Reliquie der Maria Magdalena zu besitzen – einen Finger.

MAGDALENENVEREHRUNG IN WIEN

In Wien entstand die Magdalenenverehrung im Mittelalter und dauerte bis in die Barockzeit. Mehrere Magdalenenklöster, -kirchen und -kapellen befanden sich auf Wiener Boden. Ihr Patrozinium am 22. Juli wurde mit feierlichen Prozessionen begangen.

Sowohl das Magdalenenkloster als auch die Magdalenenkirche gibt es nicht mehr, ja sogar das Magdalenenpatrozinium der Schönbrunner Schlosskapelle wurde geändert. Gerade so, als ob jede Erinnerung ausgelöscht werden sollte.

Das Maria-Magdalena-Kloster vor dem Schottentor befand sich außerhalb der mittelalterlichen Stadtmauer an der heutigen Ecke Währinger Straße/Kolingasse. Eine genaue Beschreibung finden wir in dem Buch „Die mittelalterlichen Kirchen und Klöster Wiens“ der Wien-Chronisten Richard Perger und Walther Brauneis.

Das Kloster wurde 1529 bei der Türkenbelagerung zerstört und aus verteidigungstechnischen Gründen vor den Mauern Wiens nicht mehr wieder aufgebaut.

In Deutschland wurde 1224 ein Orden der Hl. Maria Magdalena zur Bekehrung „sündiger“ Frauen gegründet. Auch in Frankreich gab es ähnliche religiöse Gemeinschaften. In Irland gab es Magdalenenheime für „gefallene“ Mädchen. Ein jüngst erschienener Zeitungsbericht in der „Zeit“ informierte die Öffentlichkeit über Schadenersatzzahlungen an diese ehemaligen Heimbewohnerinnen. Die Heime wurden von katholischen Orden geführt und zwangen den Mädchen die jeweiligen Ordensregeln auf. Mit Hilfe der jugendlichen Arbeitskraft betrieben die Klöster Wäschereien, die „Magdalene laundries“. Dort mussten die „Sünderinnen“ schwere körperliche Arbeit verrichten, Gehorsam leisten, Buße tun und dabei strenge Fastenregeln und Kasteiungen einhalten. Sehr oft schreckten die Oberinnen nicht vor Züchtigungen und körperlicher Misshandlung der Mädchen zurück. Diese Praktiken kamen in den letzten Jahren ans Licht der Öffentlichkeit. Im Laufe der 150-jährigen Geschichte dieser Heime sollen bis zu 30.000 Frauen interniert und misshandelt worden sein. Das letzte Magdalenenheim in Irland schloss am 25. September 1996. Bis heute dauern die Wiedergutmachungsverhandlungen an. Man schätzt, dass eine Milliarde Euro von der irischen katholischen Kirche an Zahlungen zu leisten sind.

Über die Maria-Magdalena-Kirche auf dem Wiener Stephansplatz erfahren wir bei Perger/Brauneis, dass sie ab 1301 nachweisbar ist. Eine bereits bestehende Kapelle wurde damals mit einem Choranbau nach Osten erweitert. Wann sie tatsächlich erbaut wurde, ist nicht bekannt. Und so rätseln die Historiker über ihre Entstehung und vor allem auch ihre Verbindung mit der Unterkirche, der sogenannten Virgilkapelle. Ein Schacht verband vermutlich beide Räume, Treppen wurden keine gefunden. In diesen fensterlosen und zugangslosen Raum muss man wohl über die Magdalenakirche gekommen sein, durch ein Loch im Fußboden, vermuten Perger und Brauneis.

Ein kreisrundes Loch in der Decke der Unterkirche ist von den Wiener Stadtarchäologen gefunden worden, welches den Templern zur Himmelsbeobachtung gedient haben soll. Wäre es möglich, dass ein bestimmter Sonneneinfallswinkel durch ein Fenster der Kirche und durch das Guckloch bis in die Krypta zwölf Meter unter der Erde zu beobachten war? Ob Abstiegsluke oder Guckloch, wir werden es nie erfahren.

Die Umrisse der Magdalenakirche sind als rote Pflastersteine auf dem Stephansplatzes zu sehen, besonders deutlich aus der Vogelperspektive vom Südturm des Domes. Jeder Wiener hat wohl schon des Öfteren beim Überqueren des Stephansplatzes diese Kirche buchstäblich „betreten“ und auch ihre Krypta, die Virgilkapelle, in der U-Bahnstation gesehen. Leider ist diese geheimnisvolle Unterkirche nicht zu besichtigen, da schon seit etlichen Jahren wegen Renovierung geschlossen.

Die Magdalenakirche wurde unter anderem als Friedhofskapelle bis 1781 benützt und nach einem Brand abgerissen. Ob sie als solche errichtet wurde, glaubt man nicht. Ihre Erbauung als eigenständige Kirche neben dem Dom überrascht allerdings. Und so diskutieren die Kunsthistoriker und Archäologen weiterhin über ihren Ursprung und Zweck. Auch über der noch vorhandenen Krypta liegt der Schleier des Geheimnisvollen. Ihr Ursprung und Verwendungszweck wird den Templern zugeschrieben. Sie ist erst seit 1973 beim U-Bahnbau wieder entdeckt worden. Bis dahin war sie verschüttet und vergessen. Heute informiert ein Schaukasten mit Detail- und Grundriss Plänen über beide Kirchenräume.

Die Schönbrunner Schlosskapelle war ursprünglich ein Magdalenenpatrozinium und besaß ein Hochaltarbild der Maria Magdalena. Dieses Bild wurde schon im Kircheninventar von 1728 verzeichnet und ist laut Kirchenchronik ein um 1707 geschaffenes Werk von Johann Michael Rottmayr (1652–1730), dem bedeutendsten Maler des österreichischen Frühbarocks. Der Künstler war seit 1696 kaiserlicher Hofmaler. Das Altarbild zeigt eine Vision der Hl. Magdalena. Dieses Gemälde ließ Maria Theresia im Jahr 1741 in die Augustinerkirche, die Hofkirche der Habsburger in der Winterresidenz Hofburg, bringen. Soweit die Fakten, wie sie in der Chronik der Schönbrunner Schlosskapelle verzeichnet sind.

Warum Maria Theresia das Hochaltargemälde in der Kapelle durch ein Maria Vermählungsbild ersetzen ließ, verzeichnet die Kirchenchronik nicht. Noch mehr verwundert die Änderung des Patroziniums. War doch Maria Magdalena in Wien hoch verehrt und ihr Festtag, der 22. Juli, wurde alljährlich groß gefeiert. Das Feiern ließen sich die Wiener nicht nehmen. Trotz Patronatsänderung wurde das Fest der Maria Magdalena am 22. Juli weiterhin alljährlich mit einer Prozession von der Schönbrunner Schlosskapelle zur Kirche Maria Hietzing begangen und anschließend zum Festmahl geladen. 100 Gulden genehmigten die Habsburger aus der Staatskasse dafür. Sollte nur die Aussicht auf ein üppiges Essen die Wiener zur Prozession gelockt haben? Oder war es nicht vielmehr so, dass alte Bräuche einfach nicht auszurotten sind?


Die „Casa Santa“ für die Madonna von Loreto, Augustinerkirche Wien.

In der Augustinerkirche befindet sich nicht nur das Altarbild der Maria Magdalena von J. M. Rottmayr, sondern auch eine außergewöhnliche Madonnenfigur, eine schwarze Madonna. Sie ist eine Kopie der schwarzen Madonna von Loreto/Italien. Die Statue wurde auf Wunsch der Kaiserin Eleonora von Mantua, der Gemahlin Kaiser Ferdinands II., hierher gebracht. Die Kaiserin ließ im Mittelschiff der Augustinerkirche eine Loretokapelle errichten, die der „Casa Santa“, dem heiligen Haus, in Loreto gleichen sollte. Dieses Haus war der Legende nach das Geburtshaus der Gottesmutter aus Nazareth und wurde von einer italienischen Kaufmannsfamilie im 13. Jahrhundert nach Loreto gebracht. Am 12. September 1627 konnte die Wiener Loretokapelle geweiht werden und wurde zum wichtigsten Wallfahrtsziel der Wiener und des Adels. Sie war so bedeutend, dass die Habsburger ihre Herzen zu Füßen der schwarzen Madonna, in einer kleinen Gruft der Casa Santa, zur letzten Ruhe legten. Ein neu geborener Prinz wurde mit einem bemerkenswerten Ritual begrüßt: Das Kind der schwarzen Madonna wogen die Habsburgerkaiser in Gold auf und spendeten dieses als Dank für die glückliche Geburt der Augustinerkirche.


Die geheimnisvolle schwarze Madonna in der Augustinerkirche – eine verkappte Maria Magdalena?

Als die Loretokapelle 1784 abgetragen wurde, protestierten die Wiener, sodass sie neben der Georgskapelle wieder errichtet werden musste. In einer mit Silber beschlagenen Altarnische der neuen Loretokapelle steht heute die Figur der schwarzen Madonna. Sie trägt einen roten Mantel und ein blaues Kleid. Schwarze Madonnen, wie z. B. jene von Einsiedeln, Altötting oder Loreto, haben ebendiese Kleidung, werden aber mit einem silbernen Umhang geschmückt, sodass sie, ikonographisch richtig, die Himmelskönigin darstellen. Aus dieser „Verkleidung“ und anderen Merkmalen folgern die „Magdalenenforscher“, dass es sich bei den schwarzen Madonnen generell um Maria Magdalena handelt und nicht um Maria, zu der sie mittels „Verkleidung“ gemacht wird. Das Jesuskind auf ihrem Arm wäre nach dieser Auslegung Jesu Kind.

Die Wiener schwarze Madonna trägt genau diese typischen Attribute der Maria Magdalena, den roten Mantel und das blaue Kleid. Sie sieht der originalen Loreto-Madonna nicht ähnlich, weder in Gesichtsausdruck noch in der Haltung, ist also keine Kopie, sondern eine sehr originelle Darstellung. Eine Darstellung wessen? Der Maria Magdalena? Legten die Habsburger ihre Herzen ihr zu Füßen? Wurde ihr Kind in Gold aufgewogen, jedesmal, wenn sich die Blutlinie fortgesetzt hatte?

Schwarze Madonnen sind ein „konstantes Dilemma“ der katholischen Kirche, schreibt Laurence Gardner in „Vermächtnis des Heiligen Gral“. Sie repräsentieren die weise Göttin, die schwarz dargestellt wird, weil sophia, griechisch für „Weisheit“, farbsymbolisch schwarz ist, denn sie existierte im dunklen Chaos bereits vor der Schöpfung. Das Problem ist der Erklärungsnotstand, wenn es um die Hautfarbe von Mutter und Kind geht. Mancherorts hat man sich so beholfen, dass Gesicht und Hände einfach rosa übermalt wurden. Nun, so einfach macht man es sich in der Augustinerkirche nicht. Man erklärt vielmehr die Schwarzfärbung mit dem Hohelied Salomos aus dem Alten Testament, worin es heißt: „Schwarz bin ich, doch schön … “

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23 декабря 2023
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9783990402085
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