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Eine Geschichte von Frederique La Rouge

Tödlicher Fetisch


Jugendschutzhinweis: Im realen Leben dürfen Erotik und sexuelle Handlungen jeder Art ausschließlich zwischen gleichberechtigten Partnern im gegenseitigen Einvernehmen stattfinden. In diesem E-Book werden fiktive erotische Phantasien geschildert, die in einigen Fällen weder den allgemeinen Moralvorstellungen noch den Gesetzen der Realität folgen. Der Inhalt dieses E-Books ist daher für Minderjährige nicht geeignet und das Lesen nur gestattet, wenn Sie mindestens 18 Jahre alt sind.

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1. digitale Auflage

Copyright © 2021 by Cruz Verlag, Rudolstadt

Cover-Foto: Cruz Verlag

ISBN ePub 978-3-96193-106-4

ISBN Mobi 978-3-96193-105-7

www.cruzverlag.de

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Tödlicher Fetisch
Kapitel 1

In diesem Sommer besuchte Sylvia nach getaner Arbeit gerne noch das kleine Café am Schlossplatz. Auf diese Art und Weise bot sich ihr eine wunderbare Gelegenheit den Tag noch einmal in Ruhe Revue passieren zu lassen. Als Diplom-Verwaltungsfachangestellte im gehobenen Dienst war das Stuttgarter Rathaus ihr Arbeitsplatz und auf dem kurzen Weg Richtung Straßenbahn flanierte Sylvia regelmäßig an dem einladenden Café vorbei. Da bot es sich doch an, noch ein wenig in der Sonne zu verweilen, einen Latte Macchiato zu genießen und das hektische Treiben auf der Haupteinkaufsstraße, der Königsstraße, mit etwas Abstand zu beobachten. Zudem gefiel ihr der junge, gutgebaute, südländische Kellner in dem Café, der zu dieser Zeit hier häufig seinen Dienst verrichtete. Sylvia kam es so vor, als hätte er für sie immer ein besonders charmantes Lächeln parat. Nicht, dass sie daran gedacht hätte, dass sich daraus etwas entwickeln könne. Danach stand ihr nicht der Sinn. Dennoch fühlte sie sich durch seine freundliche und zuvorkommende Art geschmeichelt. Obwohl es vermutlich lediglich professionelle Freundlichkeit und die Aussicht auf ein kleines Trinkgeld waren, die den Kellner motivierten, so gab es doch bestimmt weniger gelungene Methoden ihren Arbeitstag ausklingen zu lassen, als hier im Straßencafé zu sitzen und sich von der späten, schon etwas tiefstehenden Nachmittagssonne kleine Schweiß Tröpfchen auf die Stirn zaubern zu lassen.

Zuhause, in der schick eingerichteten Eigentumswohnung, wurde sie nicht erwartet. Götz erschien meist erst gegen 20:00 Uhr. Mal war es ein geplantes oder auch spontanes Geschäftsessen das ihn aufhielt, montags sowie freitags ging er nach der Arbeit zum Badminton in seinen Sportverein und an anderen Tagen war er häufig von der Arbeit derart geschafft, dass er es gerade noch mit einem Drink vor den Fernseher schaffte.

Für Sylvia war das völlig in Ordnung. In einer Ehe muss man nicht zwangsläufig die gleichen Hobbies haben, ständig gemeinsam Zeit miteinander verbringen und Händchen halten. Das hatte sie frühzeitig gelernt gehabt und auch akzeptiert. Vor bald zehn Jahren hatten Götz und sie geheiratet, und sie war noch immer in ihn verliebt. Zehn Jahre, fast eine Dekade, eine lange Zeit, in der sie erlebt hatte, wie sich die Beziehungen in ihrem gemeinsamen Bekanntenkreis unter den alltäglichen Belastungen bogen, bis sie manchmal brachen. Dies würde ihnen nicht geschehen, davon war Sylvia felsenfest überzeugt. Natürlich, vieles hatte sich verändert, sie unternahmen nicht sonderlich viel gemeinsam. Aber dafür waren es dann besondere Highlights, wenn sie gemeinsam ins Musical, ins Theater oder auch schick Essen gingen. Gelegentlich schliefen sie noch danach miteinander, und die sexuelle Intimität, die sie mit Götz erlebte, war zwar selten geworden, aber noch immer unvergleichlich. Da Treue eines ihrer obersten Prinzipien war, war sie jedoch Mangels Quantität früherer Männer auch nicht in der Position, aussagekräftige Vergleiche ins Feld zu führen.

Zudem standen sie finanziell auf einem sehr soliden gebauten Fundament.

Götz war als Fachanwalt für Strafrecht und Notar bei der angesehenen Anwalts- und Notarkanzlei Schreyer tätig. Sie selbst hatte seinerzeit, nach dem Abitur, die Ausbildung zur Diplom Verwaltungsfachwirtin absolviert und sich durch kontinuierliche Fortbildungen, motivierte Arbeitsweise und Flexibilität zu einer allseits beliebten Vorgesetzten und Kollegin entwickelt, mit der man gerne und erfolgreich zusammenarbeitete.

Götz und Sylvia waren sich bald einig gewesen, keine Kinder bekommen zu wollen. Ihren Focus hatten sie auf Karriere und einem gewissen finanziellen Wohlstand gelegt, den sie sich erarbeiten wollten. Mit Fug und Recht konnte man behaupten, dass es funktioniert hatte, und sie diesbezüglich durchaus stolz auf sich sein durften. Dass die Erotik bei der ganzen Arbeit ein wenig auf der Strecke blieb, war eben der Preis für ihren Lebensstil. Und welches Paar konnte heutzutage schon von sich behaupten, in allen Lebensbereichen ausgewogen glücklich zu sein, dachte Sylvia, erahnte jedoch, damit nicht hundertprozentig ehrlich zu sich selbst zu sein. Problematisch war, dass Götz dieses kleine Defizit in ihrer Beziehung keineswegs zu verspüren schien.

Diese Art von Gedanken trieb Sylvia gelegentlich um, wenn sie abends in ihrem gemeinsamen Bett lagen, und Götz sich bereits in seine übliche Schlafposition begeben hatte. Sie schob sie dann sanft beiseite, redete sich ein, dass sexuelle Erfüllung nicht alles sei, wünschte sich aber, dass Götz etwas häufiger seinen Mann stehen würde. Wenn die Begierde übermächtig wurde, versuchte sie ihn mit erotischen Anspielungen zu verführen, aber es waren unbeholfene Versuche. Wenn er doch nur gelegentlich die Initiative übernehmen und von sich aus das Liebesspiel einläuten würde. Aber das war eben nicht Götz, er war in Sachen Sex so schrecklich zurückhaltend, so wenig fordernd. Als wenn er kein Bedürfnis nach Sex verspürten würde, dabei war es einmal sehr viel anders gewesen. Sie erinnerte sich noch gut an die frischverliebte Phase zu Beginn ihrer Beziehung. Wie die Karnickel waren sie übereinander hergefallen. Doch mittlerweile war alles anders. Oder konnte es an ihr liegen? Fand er sie nicht mehr attraktiv? War es das? Natürlich hatten sie schon darüber geredet, und immer verliefen diese Gespräche ähnlich. Häufig hatten sie ein oder zwei Drinks getrunken, bevor die Sprache auf das Thema kam. Und immer waren sie sich natürlich sofort einig, dass sie, im Verhältnis zu anderen Paaren, recht selten miteinander schliefen. Götz versicherte ihr hingebungsvoll, dass es keinesfalls an ihrer fehlenden Attraktivität läge, im Gegenteil er fände sie noch immer wahnsinnig begehrenswert, aber die Arbeit und der Alltag nähmen ihn eben sehr in Beschlag. Im Internet hatten sie nach Ratgebern gesucht, und dort waren so viele Tipps, dass es einem schwindlig werden konnte. Eine Weile war es dann immer besser gelaufen. Sie hatten neue Stellungen ausprobiert, sich gegenseitig oral befriedigt, Spielzeuge wie Dildos, erotisches Massageöl ausprobiert. Ja sogar dämliche, angeblich luststeigernde Spielchen probiert, die sie unter der Bettdecke mit fluoreszierenden Würfeln gespielt hatten, auf denen banale Anweisungen standen, wo und wie man den Partner zu küssen oder zu stimulieren oder zu verwöhnen hatte. Letztlich waren dies alles hilflose Versuche gewesen, die ihnen selber peinlich gewesen waren. Spätestens nach zwei oder drei Wochen waren die guten Vorsätze regelmäßig dahin gewesen, und sie hatten sich wieder in dem, für Sylvia, buchstäblich unbefriedigenden Rhythmus ihrer selten stattfinden intimen Momente wiedergefunden.

Am Mittwoch dieser Woche, im August 2018, saß Sylvia wieder einmal an einem der Tische im Außenbereich des kleinen Straßencafés und verarbeitete die Eindrücke ihres Arbeitstages. Es hatte heute eine kleine verbale Ausuferung mit der recht neuen Kollegin, Frau Solcher, die ihr unterstellt worden war, gegeben, weil diese in schöner Regelmäßigkeit ihre Mittagspause deutlich überzogen hatte. Sylvia hatte natürlich von ihr gefordert, dass sie zukünftig, nach der Mittagspause pünktlich am Arbeitsplatz erscheinen solle. Die neue Kollegin hatte Sylvias nüchtern, sachlich formuliertem kleinen Tadel, persönlich genommen und beleidigt reagiert. Schließlich hatte Sylvia das Problem nach der Mittagspause erneut angesprochen, aber da sie auf wenig Einsicht stieß; es würde sich ja schließlich nur um ein paar Minuten handeln, und sie solle sich nicht so haben, hatte Sylvia sich anhören müssen, hatte sie keine andere Möglichkeit gesehen, als mahnend die Dienstvorschriften zu erwähnen und Frau Solcher auf die Konsequenzen hinzuweisen, die ihr drohen würden, sollte sich ihr Gebaren nicht sofort und nachhaltig innerhalb der zitierten Vorschrift einpendeln. Sylvia hatte sich bei dieser Maßnahme ausgesprochen unwohl gefühlt. Sie benötigte Harmonie im Umgang mit ihren Kolleginnen und Kollegen um sich im Büro wohlzufühlen. Die hierarchische Mitarbeiterführung lag ihr ganz und gar nicht. Wieso fühlten sich auch immer gleich alle persönlich angegriffen, wenn man ein Problem offen ansprach? Wie auch immer, morgen kommt sie bestimmt pünktlich, dachte Sylvia und genoss den Anblick ihres, mit Kakao bepuderten Latte Macchiato, bevor sie sich den ersten Schluck des heißen Getränkes genehmigte. Am Nachbartisch entdeckte sie ein ausgesprochen attraktives Pärchen, welches sich jedoch wenig zu sagen haben schien. Sylvia meinte, die hübsche Frau schon einmal gesehen zu haben, überlegte angestrengt woher sie sie wohl kennen möge, kam aber nicht darauf. Sie schätzte die beiden auf ein ähnliches Alter wie das ihre, in den späten Dreißigern.

Beide waren auffällig gut gekleidet, sie trug ein teures schwarzweißes Kostüm, das ihre langen, schlanken Beine ausgesprochen gut zur Geltung brachte und sicherlich nicht von der Stange herrührte. Sein dunkelblauer Zweireiher war vermutlich ebenfalls Maßarbeit. Beide hatten einen Kaffee und ein Glas Wasser vor sich stehen und nippten gelegentlich daran. Sylvia hätte den beiden auch vermutlich kaum weiter ihre Aufmerksamkeit geschenkt, hätte der Mann nicht so fürchterlich attraktiv auf sie gewirkt. Er strahlte eine weltmännische Gelassenheit und Souveränität aus, die ihre Sinne aufs Äußerste ansprachen. Hochgewachsen, adrett, braungebrannt als käme er direkt aus dem Urlaub, und unter dem blütenweißen Hemd, das unter dem Jackett blitze, deutete sich leicht eine gut definierte Brustmuskulatur ab. Seine attraktive Begleitung wischte, unverständlicherweise völlig unbeeindruckt des Adonis, der ihr gegenübersaß, auf ihrem Smartphone herum. Den würde ich auch nicht von der Bettkante schubsen, dachte, Sylvia, und erschrak im selben Moment über ihren verwegenen Gedanken, als der hübsche Mann sich ihr zuwandte und ihre Blicke sich für einen etwas zu langen Moment begegneten. Ein faszinierend sympathisches Lächeln huschte über sein Gesicht, vielsagend und geheimnisvoll zugleich. Sylvia spürte, wie es ihr die Röte ins Gesicht trieb und senkte verlegen den Blick.

Einige Minuten später erhob sich die attraktive Frau, machte einen Schritt auf den Mann zu, hauchte ihm einen flüchtigen Kuss auf die Wange und verließ mit selbstbewussten Schritten das Café. Er würdigte sie dabei keines Blickes.

Sylvia beobachtete ihn verstohlen aus den Augenwinkeln, als er mit einer lässigen Bewegung den hübschen Kellner zu sich beorderte, der neben dem Mann zusehends seine Anziehungskraft auf Sylvia verlor. Als hätte man einem kleinen Mädchen ein feines Bonbon in die Hand gedrückt, dass nun in glücklicher Vorfreude auf den Moment wartet, es endlich aus dem Zellophan Papier herauswickeln zu dürfen um die Leckerei zu genießen, und dann legt der Spender des Bonbons plötzlich eine ganze Pralinenschachtel vor dem Mädchen auf den Tisch.

Der Mann bekam die Rechnung, und klemmte, wie sie es aus Urlauben mit Götz in südlichen Ländern kannte, einen Geldschein unter sein halbleeres Wasserglas, erhob sich und kam mit einem freundlichen Lächeln direkt auf sie zu. Er wird mich doch nicht etwa ansprechen, dachte sie. Was sage ich dann bloß? Prompt verlangsamten sich tatsächlich seine Schritte. Er sah ihr direkt in die Augen, lächelte herzlich und aufmunternd, hielt neben ihr inne und sprach mit wohltönender Bassstimme: “Ich wünsche ihnen noch einen wundervollen Tag. Sie haben ihn sicherlich verdient. Und bitte, genießen sie die wärmenden Sonnenstrahlen dieses schönen Tages, noch ein Weilchen für mich mit.“ Dann beschleunigte er seine Schritte wieder und ging einfach weiter, während Sylvia ihm mit halboffenem Mund nachschaute. Sie wusste nicht, wann sie das letzte Mal ein Mann auf offener Straße angesprochen hatte. Hatte es überhaupt schon jemals ein Mann getan? Jedenfalls war sie zu keiner Antwort fähig gewesen. Dabei war es doch nur die nette Aufmerksamkeit eines äußerst attraktiven Mannes gewesen, der zufällig ihren Weg gekreuzt und sie wahrgenommen hatte. Oder war es doch mehr? Nein, ganz bestimmt nicht. Er hatte sie wahrgenommen, als Frau. Das war alles und gleichzeitig das Besondere an dieser Situation, wurde ihr allmählich bewusst.

„Hey, mach den Mund wieder zu. Und wow! Wer war das denn gerade?“

Sylvia wandte den Kopf in die Richtung, aus der die Worte zu ihr geklungen waren.

Bettina, ihre beste Freundin, war im Begriff sich neben sie zu setzen und schaute sie fragend an.

„Erzähl schon. Wer war das?“, hakte sie nach.

„Ich, ich habe keine Ahnung. Er saß dort drüben, hat einen Kaffee getrunken“, erklärte Sylvia während sie mit der ausgesteckten Hand auf den Nachbartisch wies. „Und im Gehen hat er mich dann angesprochen. Komisch!“

„Und du lässt ihn einfach so abhauen? Na typisch! Der sieht ja von hinten sogar noch supersexy aus. Und ich bin mal wieder zu spät dran.“ Bettina setzte bewusst ein, etwas übertrieben beleidigtes Gesicht auf. „Was hat er denn zu dir gesagt?“, wollte sie wissen.

„Irgendwas von, dass ich die Sonne für ihn mitgenießen solle. Und er hat mir noch einen schönen Tag gewünscht. Das war schon alles.“

„Wie? Echt jetzt? Mehr nicht? Und du? Was hast du gesagt?“, Bettina sprühte vor Neugierde.

„Na nichts. Ich war viel zu überrascht!“, gab sie zu.

„Da kommt so ein Prachtexemplar an deinen Tisch, flirtet dich an. Und du sagst nichts? Manno, wäre ich doch nur ein paar Minuten früher da gewesen“, ereiferte sich Bettina.

„Hast du den Namen Götz schon mal gehört?“, fragte Sylvia, die sich wieder gefasst hatte. „Ich bin verheiratet!“

Bettina schaute sie mit gerunzelter Stirn an. „Stimmt, hast recht. Für einen klitzekleinen Moment habe ich doch tatsächlich diesen handzahmen, zahnlosen Papiertiger, der da so unauffällig neben dir her lebt vergessen. Wie konnte mir das nur passieren?“, versuchte sie ironisch zu sein. Es regte sie manchmal auf. Sylvia war so fürchterlich loyal zu Götz, während sie an seiner Seite zu verblühen drohte, und er sie kaum wahrnahm.

„Er ist mein Mann und Ich liebe ihn! Alles andere zählt nicht!“

„Dann verstehe ich überhaupt nicht, warum dir eben der Unterkiefer runter geklappt ist. Ich glaube manchmal, du verwechselt da was. Liebe ist ein wenig mehr, als gemeinsam unter einem Dach zu wohnen. Und ich habe auch nicht gesagt, dass du den Typen da eben gleich heiraten sollst. Es geht doch nur um ein wenig Spaß. Und wenn dein Göttergatte dazu nicht fähig ist ...“, Bettina vollendete den Satz nicht, was ihn für Sylvia nur noch deutlicher machte.

„Du spinnst. Es kommt überhaupt nicht in Frage, dass ich Götz betrüge. Und nun Schluss mit dem Thema!“, verkündete sie energisch.

Sie bestellten beide noch einen Latte Macchiato und unterhielten sich über belanglosere Dinge, wie ihren gemeinsamen Yogalehrer, der ja eventuell doch homosexuell war, oder den neuen Friseur, der in der Nähe von Bettinas Wohnung seinen Salon eröffnet hatte, und sie sich noch unschlüssig war, ob sie es wagen könne bei ihm einen Termin zu vereinbaren. Das Thema fremdgehen wurde dabei von Bettina wohl bewusst vermieden, wie Sylvia zufrieden registrierte.

Später bereitete sie sich zuhause, in ihrer gut und modern ausgestatteten Einbauküche ihr Abendbrot zu, um es während der Tagesschau vor dem Fernseher zu verzehren und anschließend noch ein wenig in dem Kriminalroman zu lesen, den sie vor zwei Tagen begonnen hatte.

Götz hatte sie per SMS wissen lassen, dass er noch ein Geschäftsessen mit einem Mandanten habe, und sie erwartete ihn nicht so bald. Gegen ihren Willen ging ihr die attraktive Erscheinung des Mannes aus dem Café am Nachmittag, nicht aus dem Kopf. Sie musste sich eingestehen, dass Bettina nicht umsonst ihre beste Freundin war, und dass sie irgendwie schon ein wenig recht gehabt hatte. Was wäre so schlimm daran gewesen mit dem netten Typen ein wenig zu plaudern. Das musste man ihr doch zugestehen, ein bisschen reden, sich nett unterhalten; mehr nicht.

Aber was sollte es? Alles Jammern half nicht. Die Chance war verpasst. Würde sie halt auf den nächsten heißen Typen warten, der sie anspräche. Es konnte sich ja schließlich nur um Jahrzehnte handeln. Sie schmollte mit sich selber, lief unschlüssig durch die Wohnung, um dann im Schlafzimmer vor dem Spiegel ihre Erscheinung zu betrachten. Okay, es gab das eine oder andere Lachfältchen, aber ihr Po war nach wie vor straff. Von Zellulitis kaum eine Spur, wie sie wohlwollend bemerkte. Gut, ihr Haar war ein wenig schwer zu bändigen, ihre Lippen hätte sie gerne ein wenig voller, und ihre Brüste könnten eine Körbchengröße mehr vertragen, befand sie. Dennoch registrierte sie sehr wohl, dass Männer ihr noch immer manchmal nachschauten. Es war nur leider eben nicht die Sorte Mann, wie die heute Nachmittag im Café.

Ganz gegen ihre Natur, beschloss sie, am nächsten Tag den Kellner aus dem Café zu befragen. Womöglich kannte er das Paar, und es bestand eine kleine Aussicht ihn wieder zu sehen.

Als Götz um viertel vor elf heimkam, traf er die gemeinsame Wohnung im Dunkeln an. Er betätigte den Lichtschalter im Flur, legte sein Jackett ab und schaute im Schlafzimmer nach. Sylvia war bereits eingeschlafen. Er betrachtete sie einen Moment wohlwollend im fahlen Licht der Straßenlaterne, die in einiger Entfernung vor dem Haus stand und deren Kraft durch die zugezogenen, dunklen Vorhänge im Schlafzimmer nochmals stark abgemildert wurde. Behutsam zog er ihr die verrutschte Bettdecke zurecht.

Dennoch verkrampfte sich sein Magen, wie unschuldig sie dort lag. Er liebte sie, ja das tat er, noch immer und mit voller Leidenschaft. Und doch betrog er sie. Er wusste das es falsch war, dass er damit möglicherweise alles aufs Spiel setzte, mit dieser Affäre. Und doch. Es war so einfach mit dieser Frau, so unglaublich unkompliziert. Dabei war er gar nicht die treibende Kraft gewesen. Er hatte sie in der Kanzlei getroffen. Nach einem langweiligen Meeting hatte er sich in das Wartezimmer der Mandanten begeben, um sich mit einem Kaffee zu versorgen, und da war sie gestanden. Lässig ans Fenster gelehnt, elegant und unglaublich sexy, hatte sie ihn mit hochgezogener Augenbraue beobachtet, als er sich an der Kaffeemaschine bediente. Ohne Umschweife war sie auf ihn zugegangen, hatte ihre Hand auf seine Schulter gelegt und mit einem neckischen, äußerst verführerischen Gesichtsausdruck gemeint, dass sie einen Geschäftsabschluss zu feiern hätte, und wenn er nicht auf der Stelle mit ihr einen Prosecco tränke, sähe sie sich leider gezwungen, sich hier und jetzt aus dem Fenster zu stürzen. Keine zwei Stunden später hatte er sich in ihrem Bett wiedergefunden. Seit diesem verhängnisvollen Tag, dauerte diese Affäre, oder wie man es auch immer bezeichnen wollte an. Denn es ging ausschließlich um Sex dabei, und Jennifer gab eisern den Takt vor; sie schrieb ihm eine SMS, wenn sie heiß war, und Götz kam; in zweifacher Hinsicht.

Götz schloss die Tür zum Schlafzimmer und besorgte sich in der Küche ein Bier, um auf der Terrasse den Tag mit einer Zigarette ausklingen zu lassen. Es war anstrengend gewesen heute, und er genoss die lauwarme, sommerliche Abendluft. Langsam wich die Anspannung des Tages aus seinen Gliedern. Er würde diese Affäre einfach beenden, und dann wäre alles wieder gut. Zufrieden, mit seinem frisch gefassten Entschluss spazierte er ins Bad, wusch sich, schlüpfte vorsichtig zu Sylvia ins Bett, nahm seine Schlafposition ein und schnarchte sich nur einige Minuten später entspannt ins Reich der Träume.

Kapitel 2

Sie erwachte neben Götz, der erst gegen 10:00 Uhr im Büro sein musste und den Luxus genoss noch weiterschlafen zu können.

Ein wenig mürrisch machte sich Sylvia also im Bad frisch, während der Kaffeeautomat bereits in der Küche rumorte.

Der Gedanke, den Kellner des Cafés zu befragen, hatte seit dem Vorabend erheblich an Überzeugungskraft eingebüßt. Vielleicht sollte sie das Ganze einfach vergessen. Das führte doch zu nichts! Sie würde sich bestenfalls furchtbar blamieren, dachte sie. Selbst wenn der Kellner ihr etwas über den Mann erzählen konnte, was würde sie schon mit diesen Informationen anfangen wollen? Zu ihm nach Hause spazieren, klingeln und wenn er öffnete, fröhlich so etwas sagen wie: „Hallo, ich bin die Frau die sie gestern im Café so verführerisch angelächelt haben. Hier bin ich. Bitte vögeln sie mich mal rasch in den siebten Himmel!“?

Sie lachte gleichzeitig irritiert und belustigt auf. Zum einen, weil ihr derartige Gedanken normalerweise nicht durch den Kopf stoben, zum anderen, weil die Vorstellung, mal eben in den siebten Himmel gevögelt zu werden, schließlich auch etwas für sich hatte, wie ihr Unterleib ihr eindeutig verriet, während sie darüber nachdachte und sich das Bild dieses sexy Mannes partout nicht verflüchtigen wollte.

Woher kam auf einmal diese Sehnsucht, dieser unbändige Wunsch nach prickelndem Sex? Ja genau das war es; sie wollte heiße, sündige Erotik erleben!

Sylvia verstand sich selbst kaum mehr. Es war zum aus der Haut fahren.

Sie musste feststellen, dass über diese seltsam verruchten Gedanken selbst ihr Kaffee lauwarm geworden war. Sie schüttete ihn in der Spüle aus, öffnete kurz den Wasserhahn, damit die hässlichen Kaffeereste weggespült wurden und sah zu, dass sie aus dem Haus kam um ihre U-Bahn noch rechtzeitig zu erreichen. Diesen Triumph wollte sie Frau Solcher unter keinen Umständen gönnen.

Zum Mittagessen ging sie, wie gewöhnlich, mit Kolleginnen aus der Abteilung in die Kantine. Heute fiel es ihr jedoch nicht leicht, sich an dem üblichen Klatsch und Tratsch Geschichten zu beteiligen, mit denen sie normalerweise gemeinsam, die eher schale Kantinenkost würzten. Dennoch erledigte sie ihre Arbeit so routiniert und effektiv, wie man es von ihr gewohnt war.

Gegen 15:00 Uhr tobte ihr Smartphone kurz auf dem Schreibtisch herum, um ihr vibrierend die Ankunft einer Textnachricht von Götz mitzuteilen: Hallo Schatz, bei mir wird es heute später. Tut mir leid. Warte besser nicht auf mich mit dem Abendbrot. Ich liebe dich!

Nicht nur, dass er mal wieder später heimkommen würde; nein, er hatte es schlichtweg vergessen! Dabei hatten sie heute Abend gemeinsam essen gehen wollen. Enttäuscht rief sie beim Italiener an, den sie gelegentlich besuchten und stornierte mit kargen Worten die Tischreservierung.

Die Antwort an Götz bestand nicht in einer SMS, sondern in der Manifestation des Entschlusses, nach Feierabend in das Café zu gehen und sich ratsuchend an den Kellner zu wenden.

Gegen viertel vor fünf, schlenderte Sylvia über den Schlossplatz, am Café vorbei. Aus den Augenwinkeln scannte sie die Sitzplätze des Außenbereichs möglichst unauffällig ab, konnte jedoch niemand Bekanntes entdecken. Schließlich beschloss sie vorzugeben auf die Toilette zu müssen, um sich auch im Inneren des Cafés zu vergewissern. Da sie hier mehr oder weniger regelmäßig zu Gast war, würde ihr schon niemand verwehren die Toilette zu besuchen. Der junge Kellner verrichtete auch heute seinen Dienst. Er hatte sie gleich erkannt und ihr freundlich zugenickt, während er geschickt einige Kuchenteller und Tassen auf einem Tablett durch den Gastraum balancierte. Sie suchte die Toilette auf, wusch sich die Hände und nahm, ein klein wenig enttäuscht, an einem der wenigen noch freien Tische im Außenbereich Platz.

Der Kellner erschien recht zügig, und Sylvia bestellte ihren üblichen Latte Macchiato, ohne es jedoch zu wagen, ihn nach dem Paar von gestern zu fragen. Sie nahm ihren Krimi aus der Handtasche, setzte ihre Sonnenbrille auf und versuchte sich auf die Geschehnisse ihres Romans zu konzentrieren. Mit mäßigem Erfolg. Heute war sie kaum in der Lage, dem innerstädtischen Lärmpegel der Fußgängerzone der Landeshauptstadt zu trotzen. Während sie ihn an anderen Tagen schon als eine seicht dahinfließende Hintergrundmusik wahrgenommen hatte, empfand sie ihn heute lediglich als störende Belastung.

Sie ärgerte sich darüber, dass ihr Mann sie versetzt hatte, aber noch mehr, dass er ihre Verabredung schlicht vergessen zu haben schien. So etwas ist doch ein Merkmal, einer nicht mehr gut funktionierenden Partnerschaft, dachte Sylvia und war ganz in Gedanken, als der Kellner unvermittelt neben ihr erschien, er hatte bemerkt, dass sie ihr Glas mittlerweile geleert hatte.

„Haben sie noch einen weiteren Wunsch?“, erkundigte er sich höflich lächelnd.

Sylvia schaute auf. „Wie bitte? Äh, nein danke. Oder doch. Ich möchte zahlen, bitte.“

Der hübsche Kellner lächelt vielsagend: „Dies ist nicht notwendig. Die Rechnung wurde bereits im Voraus beglichen.“

„Wie bitte?“, fragte Sylvia, sichtlich irritiert.

Er lächelte unbeirrt weiter und meinte verschwörerisch: „Am frühen Nachmittag, sprach mich ein Herr an. Er wusste ihren Namen nicht, konnte sie jedoch beeindruckend gut beschreiben. So gut, dass ich sie gleich wiedererkannt habe. Er hat sich nach ihnen erkundigt. Selbstverständlich habe ich ihm nichts über Sie gesagt, und ich wüsste ja in der Tat auch wenig über sie zu berichten. Dennoch bat er mich eindringlich darum, den nächsten Latte Macchiato bezahlen zu dürfen, den sie bei uns so gerne genießen. Er bestand nahezu darauf.“

Sylvia war schockiert: „Und wie sah er aus? Können sie ihn beschreiben?“

Die Augen des jungen Kellners blickten kurz gen Himmel, gleichzeitig tippte er sich mit dem Zeigefinger an sein Kinn, während er angestrengt nachzudenken schien. „Jaja, natürlich. Ich denke schon. Also er war groß, ziemlich durchtrainiert, würde ich sagen und sehr elegant gekleidet. Vielleicht so um die vierzig Jahre. Wenn ich es mir recht überlege, dann war er gestern schon einmal hier. Aber war er nicht in Begleitung einer Dame? Hm, so ganz genau weiß ich es nicht mehr. Tut mir leid.“

„Hat er sonst etwas gesagt? Hat er ihnen seinen Namen genannt?“, wollte Sylvia wissen.

„Nein, tut mir wirklich leid. Da kann ich ihnen leider nicht weiterhelfen. Sind sie sicher, dass ich ihnen nichts mehr bringen darf?“

Sylvia lehnte dankend ab, und der Kellner verließ ihren Tisch.

Was sollte das alles, diese Geheimniskrämerei? Verwirrt lehnte sie sich in ihrem Stuhl zurück, nur um sich im nächsten Moment wieder vorzubeugen und ihre Umgebung mit den Augen nach ihrem verklemmten Gastgeber abzusuchen.

Er war nicht zu entdecken. Sie war enttäuscht und ein klein wenig verärgert über dieses Verhalten. Als sie sich gerade erhob, um zu gehen, vernahm sie die Stimme, die sie sogleich wiedererkannte.

„Verzeihung, das war nicht meine Absicht!“

Sie wandte sich nach rechts und schaute ihn überrascht an.

„Wie bitte?“

„Sie zu verärgern. Das war nicht meine Absicht, das dürfen sie mir glauben“, sagte er, ein sympathisches Lächeln umspielte dabei seine Lippen.

„Sie haben mich beobachtet!“, sagte sie gedehnt und mit leichtem Vorwurf in der Stimme und vermutete, dass er sich die ganze Zeit irgendwo hinter ihr aufgehalten hatte.

„Ja, das habe ich wohl, während sie ihren Latte Macchiato genossen. Und ich bekenne mich schuldig. Schuldig im Sinne der Anklage, aber mit den lautersten Absichten. Ich hoffe, das wirkt sich ein wenig mildernd auf ihr Urteil über mich aus. Und wenn sie mir erlauben mich vorzustellen; Pascal Mendoza ist mein Name.“ Auch jetzt wich dieses sichere, sympathische Lächeln nicht von seinen Lippen.

„Und wie möchten sie die beweisen, ihre lauteren Absichten?“, lächelte Sylvia ein wenig verschlagen zurück.

„Nun, wenn sie mir ein klein wenig Ihrer kostbaren Zeit opfern möchten, werde ich diese während eines weiteren Getränks gerne nutzen um Ihnen etwas mehr als nur meinen Namen zu nennen. Und vielleicht, erfahre ich ja auch den ihren. Besitzen sie doch diesbezüglich einen Informationsvorsprung mir gegenüber.“

„Vielleicht sollten wir den in der Tat relativieren“, antwortete sie keck.

Zustimmend lächelnd zog er sich den zweiten freien Stuhl des kleinen runden Tisches heran, nahm Platz und schaute ihr die Augen. Noch hielt Sylvia diesem gleichzeitig offenen und tiefgründigen Blick aus dunkelbraunen Pupillen stand.

„Und?“, formulierte er fragend.

„Und was?“, entgegnete sie harmlos, während auch ihre Lippen von einem sanften Lächeln umspielt wurden.

„Sie waren im Begriff mir ihren Namen zu verraten.“

„War ich das?“, provozierte sie ihn. „Ich vermute, sie hingegen sind im Begriff herauszufinden, ob sich ihre kleine Kaffeeinvestition auch amortisiert.“

„Aber das hat sie doch bereits eindeutig. Ich darf hier neben ihnen sitzen.“

Sie erwiderte seinen Blick noch immer, nickte bedächtig.

„Sylvia Behringer. So heiße ich, Herr Mendoza.“

„Nun, Frau Behringer, da wir beide uns nun vorgestellt haben, uns nicht mehr völlig fremd sind, rege ich, anstelle eines Drinks, einen kleinen gemeinsamen Spaziergang durch den Schlosspark an. Denn beim Laufen plaudert es sich doch gleich viel angenehmer.“

„Verraten sie mir, warum ich das wollen sollte.“

Pascal Mendoza war auch heute wieder in einen teuren Anzug gehüllt, und aus der Nähe war zu erkennen, dass Sylvias gestriger Eindruck durchaus in Einklang mit der Realität stand. Er schien eine nahezu athletische Figur zu haben.

Er rückte noch ein klein wenig näher zu ihr heran, suchte den Blickkontakt und sagte schließlich, langsam und beinahe eindringlich: „Nun, Sylvia Behringer, wenn sie es so sehr von mir fordern, werde ich ihnen gerne bestätigen, was sie bereits erahnen. Die gestrigen, verstohlenen Blicken, die wir uns zuwarfen, aus denen bereits heute Lächeln wurde, die Art und Weise, wie wir uns unterhalten, uns abtasten, das ist die Antwort auf ihre Frage. Wir beide sind furchtbar neugierig aufeinander. Gestatten sie uns beiden das harmlose Abenteuer, einander besser kennenzulernen.“

Sylvia verspürte den dringenden Wunsch, ihre Entrüstung über seine Worte offen auszusprechen, die so verkehrt klangen in ihren Ohren und gleichzeitig so präzise ihr Empfinden trafen.

Pascal Mendoza schien ihre Bedenken wahrzunehmen. Er erhob sich und reichte ihr auffordernd seine starke, rechte Hand. „Komm!“, sagte er und Sylvia konnte nur schwer einordnen, ob es eine Bitte oder ein Befehl war.

Sie ergriff marionettenartig seine dargebotene Hand ging wortlos, keines klaren Gedanken fähig, neben ihm her in Richtung Schlosspark.

In dieser Jahreszeit stand der Park in voller Blüte, und Pascal begann den Smalltalk, als er sein Wissen über die verschiedensten Blumen, die hier angepflanzt worden waren, auf unterhaltsame Weise kundtat. Dieser große, starke Mann wusste, mit seiner Bassstimme, Geschichten über das Rosenzüchten so zu erzählen, dass es eine Freude war ihm zuzuhören. Nach wenigen Minuten, die ausreichten um Sylvia in seinen Bann zu ziehen, hatte er beim Durchschlendern des Parks bereits seinen Arm um ihre Schultern gelegt.

Sylvia spürte, dass dieser Mann mit keinem anderen vergleichbar war, der jemals ihren Weg gekreuzt hatte. Pascal besaß eine enorme Selbstsicherheit, ohne dabei überheblich zu wirken, er war ohne jeden Zweifel gebildet, gewandt im Auftreten, besaß eine ordentliche Portion Charisma und diese ganze Kombination war in einem wahnsinnig attraktiven Körper verpackt. Der Mann war gefährlich für sie. Er war ein Jäger. Und für Sylvia bestanden kaum Zweifel, dass er ein Meister seines Faches wäre.

Sie nahmen auf einer der Parkbänke Platz und plauderten über Belanglosigkeiten. Pascal brachte sie zum Lachen, und sie fühlte sich wohl in seiner Nähe. Dieser kräftige, muskulöse Arm um ihre Schultern, er signalisierte ihr in Sicherheit zu sein. Dann nahm er ihre Hand in die seine und küsste sie. Im nächsten Moment war Pascal ganz dicht bei ihr, dann fanden sich ihre Lippen. Nur für einen kurzen, verspielten Moment, unbeobachtet von den anderen Parkbesuchern, die ihnen keinerlei Aufmerksamkeit zu schenken schienen, denn was war schon Besonderes daran, dass sich an einem Sommernachmittag im Stuttgarter Schlosspark, zwei Menschen küssten.

Sylvia wich leicht zurück. Sie benahm sich wie ein Schulmädchen, dass nur zu gern bereit war, sich von dem süßen Typen, hinter dem alle her waren, verführen zu lassen. Doch noch immer hielt Pascal sie fest in seinen starken Armen, noch immer nahm niemand Notiz von ihnen. Sie konnte nicht mehr klar denken. Dieser Kuss eben, es war, als hätte er eine Tür aufgestoßen, die Tür zur verbotenen Leidenschaft. Ihre Lippen fanden sich erneut, und Sylvia geriet in einen Strudel heftiger Empfindungen.

Fast widerwillig lösten sie sich voneinander, lediglich das Bewusstsein, in der Öffentlichkeit etwas Ungebührliches zu treiben, vielleicht sogar erkannt zu werden, ließ sie zur Räson kommen. Pascals verheißungsvoller Blick ruhte jedoch weiterhin auf ihr, und sie erkannte die wilden, unbändigen Flammen, die darin loderten. Sie wollte dieses Feuer unbedingt erleben, und wenn es sie verschlingen würde.

Kapitel 3

Sylvia hatte der lockenden Versuchung widerstanden, sie war an diesem Spätnachmittag nicht mit zu Pascal gegangen. Sie war sich und Götz treu geblieben und empfand deswegen Stolz. Natürlich hatte sie anfangs auch ein schlechtes Gewissen gehabt. Denn es war nicht nur ein banaler Kuss gewesen, dass wusste sie ganz genau. Wann immer sie in den folgenden Tagen an Pascal gedachte hatte, und es geschah immer häufiger, verspürte sie ein wohliges Ziehen im Unterleib. Sie wusste, dass sie ihn wollte, dass es falsch wäre, sich ihm hinzugeben. Aber wie lange wäre sie noch fähig diesem unbändigen Verlangen zu widerstehen?

Pascal hatte ihr die Entscheidung überlassen, ob sie sich wiedersehen würden. Er hatte ihr seine Telefonnummer gegeben, die sie mittlerweile so oft gelesen hatte, dass sie sie auswendig kannte. Sie war hin und hergerissen. Sie wollte gar keine Affäre. Götz hatte, genau wie sie selbst, seine Macken, aber sie hatten sich immer aufeinander verlassen können, ihre Beziehung war stabil. Dennoch, Pascals Duft hatte sich wie klebriger Sirup in ihrer Nase festgesetzt, und sein Bild war Tag und Nacht vor ihrem geistigen Auge. Sollte sie sich auf dieses gefährliche Abenteuer einlassen? Götz schien, bislang zumindest, nicht den blassesten Schimmer zu haben, welchen verruchten Gedanken sie in der letzten Zeit nachhing. Er benahm sich wie immer.

Heute Abend, nach dem Yogaunterricht, wollte sie mit Bettina reden. Sie war schließlich ihre beste Freundin. Bei Bettina wäre ihr Geheimnis gut aufgehoben, und reden musste sie mit jemandem.

„Wow! Der geht ja richtig ran. Warum hat der nicht bei mir angebissen? Jammerschade! Aber im Ernst, was willst du nun machen?“, erkundigte sich Bettina, nachdem Sylvia sie ins Bild gesetzt hatte und die beiden sich an einem Ecktisch ihres Stammlokales einen Prosecco genehmigten.

„Ich weiß es doch nicht! Ich bin, ehrlich gesagt, ziemlich verwirrt und hatte gehofft, du könntest mir einen Rat geben!“ Sylvia klang verzweifelt, und sie tat Bettina leid. Dummerweise war sie es gewesen, die ihre beste Freundin noch zu einem Seitensprung animiert hatte. Das hatte sie so nicht beabsichtigt. Im Grunde beneidete sie Sylvia um ihre Beziehung zu Götz. Letztendlich schienen sich die beiden doch zu lieben, und trotz ihrer Probleme waren die beiden ein grandioses Team. Ihr selber war das Glück einer harmonischen und beständigen Beziehung bislang nicht zuteilgeworden. Ständig war sie auf der Suche nach Mr. Perfect, und ständig geriet sie an die falschen Männer. Wenn Sylvia, bloß weil sie so leichtfertig dahergeredet hatte, nun ihre eigentlich gut funktionierende Beziehung aufs Spiel setzen würde? Nein, das wäre nicht gut.

„Ich schätze, du solltest ihn vergessen, das bringt doch nichts. Und mal ehrlich, ein Mann, der eine Frau gleich nach ein paar Minuten küsst? Das ist doch ein Hallodri!“, meinte Bettina schließlich.

Sylvia blickte sie aus ihren großen Augen unverständig an. „Ja, vielleicht hast du recht. Aber ich kann dir sagen, allein bei dem Gedanken an seinen Kuss, werden mir schon wieder die Knie weich. Und außerdem, du hast doch selbst gesagt, dass er eine Sünde wert wäre. Und nun rätst du mir davon ab? Ich verstehe dich nicht!“

„Vielleicht wollte ich dich nur ein wenig necken. Ich weiß nicht. Aber der scheint doch auch in einer ganz anderen Liga zu spielen, meinst du nicht auch?“

Sylvia verstand ihre Freundin nicht mehr. Erst riet sie ihr, bei jeder sich bietenden Gelegenheit dazu, sich auch mal anderweitig zu orientieren, und wenn dann tatsächlich so ein Leckerbissen an die Tür klopfte, sollte sie ihn abwimmeln? War sie vielleicht am Ende einfach nur eifersüchtig?

Als sie gegen 22:00 Uhr zuhause eintraf, die drei Prosecco in ihrem Kopf ihre Runden drehten, und Sylvia ebenfalls eine durch ihre verwaiste Wohnung, musste sie feststellen, dass Götz noch immer unterwegs war. Im Kühlschrank entdeckte sie eine weitere, bereits angebrochene Flasche Prosecco, klemmte sich ihre Beute unter den Arm, schnappte sich ein Glas und sie fläzten sich zu dritt auf die Couch im Wohnzimmer. Normalerweise trank Sylvia so gut wie garkeinen Alkohol. Er tat ihr nicht gut, und am nächsten Morgen bekam sie immer fürchterliche Kopfschmerzen, doch heute war es ihr gleichgültig. Gedankenversunken starrte sie auf den Fernseher, ohne dass die flirrenden Bilder sie erreichten. Pascal Mendoza, dachte sie, wer bist du? Während ihre Hände über den Bauch der Flasche streichelten, und sie an seine männliche, muskulöse Erscheinung dachte, glitt ihr Blick über das vor ihr liegende Smartphone auf dem Couchtisch.

Fünf Minuten später wusste Pascal Mendoza, dass sein Auftreten den gewünschten Erfolg gehabt hatte. Sylvia Behringer wollte ihn unbedingt wiedersehen. Die drei Rechtschreibfehler, die sich in ihre SMS eingeschlichen hatten, verrieten ihm, wie sehr Sylvia mit sich gerungen haben musste. Aber letztlich hatte sie der Verlockung nicht widerstehen können, und dies war momentan das einzig Wichtige. Zufrieden lächelnd, betrat er seinen Kraftraum, um diesen erfolgreichen Tag mit seinem täglichen Bodybuilding Programm abzuschließen.

„Guten Morgen, Schatz, Was ist mit dir? Dein Wecker hat schon vor einer halben Stunde geklingelt. Musst du nicht bald zur Arbeit?“, erkundigte sich Götz, der am gemeinsamen Bett stand und sich zu ihr heruntergebeugt hatte.

Ihr Ehemann schaute sie voll echter Besorgnis an, während Sylvia entsetzliche Kopfschmerzen plagten. Sie beruhigte Götz, indem sie ihm mitteilte, dass sie heute Vormittag ein paar Überstunden abfeiere und erst mittags zur Arbeit gehen würde. Sie habe bloß versäumt, ihren Wecker abzuschalten. Damit schien er vorerst zufrieden. In seiner fürsorglichen Art, brachte er ihr einen Kaffee ans Bett und verließ bald darauf die gemeinsame Wohnung. Sylvia hatte ein ziemlich schlechtes Gewissen. Wann hatte sie Götz zuletzt angeschwindelt? Sie konnte sich nicht einmal mehr daran erinnern. Aus dem Arzneischrank im Bad besorgte sie sich eine starke Kopfschmerztablette, die sie mit einem Glas Wasser herunterspülte, dann fühlte sie sich bald kräftig genug, um im Büro anzurufen und sich für den Tag krank zu melden. Ihr Arbeitgeber verlangte erst ab dem dritten Krankheitstag ein ärztliches Arbeitsunfähigkeitsattest, also hatte sie spontan und gegen sonstige Gewohnheiten beschlossen, diesen luxuriösen Umstand heute einmal für sich in Anspruch zu nehmen.

Die Kopfschmerzen waren glücklicherweise nicht allzu hartnäckig und klangen schon recht bald ab. Sylvia saß in der Küche und genehmigte sich ein leckeres Frühstück, dass aus einem Müsli mit frischem Obst bestand, als ihr Smartphone vibrierte. Pascal wünschte ihr einen wunderschönen guten Morgen und erkundigte sich, ob sie nach der Arbeit Lust habe, ihn zu sehen. Die hatte sie! Oh ja, wie sehr sie Lust dazu verspürte! Parallel fühlte sie sich, als sei sie die Figur in einem Zeichentrickfilm. Auf ihren beiden Schultern saßen jeweils ein kleiner Engel und ein kleiner Teufel, die ihr völlig gegensätzlichen Ratschläge, ungefragt und vehement in die Ohren flüsterten. Du bist im Begriff, deine Ehe aufs Spiel zu setzen, ermahnte sie sich selber. Außerdem kennst du diesen Mann kaum. Aber alles gute Zureden würde nicht helfen, dass wusste sie. Sylvia wollte diesen geheimnisvollen Gentlemen unbedingt wiedersehen. Sie sendete ihm eine SMS, in der sie ihn informierte, dass sie heute frei genommen habe und nachdem Pascal sich versichert hatte, dass Sylvia alleine zu Hause war, rief er sie an. Nach einigen Minuten Smalltalk, die Sylvia als äußerst angenehm empfunden hatte, verkündete Pascal: „Sylvia, ich muss dich einfach sehen. Ich will dich treffen, jetzt.“ Ihr stockte der Atem. Obwohl sie nur telefonierten, sie lediglich seiner Stimme lauschte, erging es ihr ebenso. Jede Pore von ihr verzehrte sich nach seiner Nähe.

Sie verabredeten sich in einem Messehotel. Hier bestand für Sylvia kaum die Gefahr erkannt zu werden. Aber während sie am Telefon noch wild und zu allem entschlossen gewesen war, schossen ihr auf der Autofahrt zum Hotel nun doch erhebliche Zweifel durch den Kopf.

Pascal Mendozas Zweifel hingegen waren schlichtweg nicht existent. Er war sich seiner Sache absolut sicher. Sylvia Behringer passte perfekt in sein Beuteschema. Sie war eine unscheinbare Lady, von denen es so unendlich viele gab. Verheiratet, frustriert und voll unbändiger Lust, die es zu wecken galt; na gut, das war ausgesprochen vereinfacht dargestellt, aber es traf den Kern der Sache doch recht gut. Denn letztlich war es genau diese Art Frauen, die ihm immer wieder verfiel. Einige hatten sich anfangs zu widersetzen versucht, aber bis auf sehr wenige Ausnahmen, waren sie ihm allesamt zu gehorsamen Dienerinnen und Sklavinnen geworden. Er hatte sich mittlerweile eine ausgesprochen wirksame und perfide Technik angeeignet, um die Frauen gefügig zu machen, notfalls gegen ihren Willen. Zumindest so lange, bis er ihrer überdrüssig geworden war. Mit leuchtenden Augen packte er seine Utensilien, in die dafür eigens angeschaffte, kleine Reisetasche.

Sylvia hatte im Foyer das Hotels Platz genommen und beobachte angespannt die übrigen Gäste; vermutlich Geschäftsleute, die eine der zahlreichen Stuttgarter Messen besuchten.

Als Pascal das Foyer betrat, begann es für Sylvia von innen her zu leuchten. So sehr begehrte sie ihn. Und Pascal erkannte im Glanz ihrer Augen, dass die kleine graue Maus, die er aus ihrem Loch gelockt hatte, bereits lichterloh für ihn brannte. Er lächelte, bot ihr souverän seine Hand an, die sie nur zu bereitwillig nahm und sie besorgten sich an der Rezeption die Schlüsselkarte für das von Pascal vorbestellte Doppelzimmer. Sobald die Aufzugtür sich hinter ihnen geschlossen hatte, sie das erste Mal alleine waren, fielen sie übereinander her. Ein erster leidenschaftlicher Kuss, und Sylvia spürte, wie sehr er auf sie reagierte, als sie sich im Lift aneinander rieben. Auch jetzt wieder bemerkte Sylvia, dass Pascals Persönlichkeit so gänzlich anders war, als die von Götz. Pascal war zielstrebig, keine Spur von Zurückhaltung, seine Bewegungen und Küsse waren bestimmt. Da war kein Zaudern oder Zögern zu spüren. Dieser große, starke Mann nahm sich was er wollte, und er wollte sie. Sylvia bebte vor Lust.

Als sich die Aufzugtüre öffnete, lösten sie sich nur widerwillig voneinander. Dann huschten sie, sich bei den Händen haltend über den Hotelflur, bis Pascal vor einem Zimmer innehielt und die Tür aufsperrte.

Als er die Tür hinter ihnen geschlossen hatte, entbrannte das Feuerwerk. Leidenschaftlich zog Pascal sie an sich, küsste sie heftig und nestelte ungeduldig an den Knöpfen ihrer Bluse herum. Es war Sylvias erster Seitensprung in ihrer Ehe. Entsprechend unbeholfen wirkte sie auf ihn. Pascal war ihr nur zu gerne behilflich, schließlich trat er einen Schritt zurück, um sich seiner Anzughose zu entledigen, bevor er Sylvia an den Schultern ergriff und mit ihr ekstatisch auf das große Bett sank. Sie küssten sich überschwänglich, rieben ihre nackte Haut in tiefer Wollust aneinander. Pascal nahm ihre Hand führte sie, bis sie ihn massierte. Er war groß, es fühlte sich gut und richtig an, ihm die Eichel zu streicheln, zu massieren. Jedes Zögern, jedwede Zweifel fielen in diesem Moment ab von Sylvia, und sie ergab sich wimmernd vor Lust seinen großen starken Händen, die sie schützend hielten und überall gleichzeitig zu streicheln schienen. Ohne Vorwarnung drang er hart und heftig in sie ein. Aber genau das war es, was sie gebraucht hatte. In feuchter Vorfreude hatte sie seinen mächtigen Penis bereits erwartet. Spitze Schreie der Lust entfuhren ihr, als er wieder und wieder, tief und heftig in sie eindrang, während er ihre linke Brust hielt, an ihrer Brustwarze zwirbelte und einen süßen Schmerz in ihr hervorrief. Dann kam sie! Wie ein brodelnder Vulkan hatte sich dieser großartige Orgasmus seinen Weg gebahnt. Tief aus ihrem Inneren hatte er sich emporgearbeitet. In diesem Moment verlangsamt Pascal seine Bewegungen, aber er sollte nicht aufhören. Nicht jetzt. Niemals.

„Mach weiter. Tiefer. Nimm mich“, röchelte sie fast, vor brennender Gier nach seinen rhythmischen Stößen. Und als Pascal seine Bewegungen erneut und hart vorantrieb, schloss sie die Augen vor Ekstase und Erregung, konnte das wissende Lächeln nicht erkennen, als er sie erneut zum Höhepunkt trieb, Sylvia sich ein letztes Mal aufbäumte und schreiend vor Lust erneut kam. Dann ergoss er sich in sie.

Erschöpft und verträumt lag Sylvia neben Pascal, der versonnen zur Zimmerdecke blickte, während sie seine mächtige Brust streichelte. Mit einem Male erhob er sich aus dem Bett, stand nackt vor ihr, und erst jetzt wurde Sylvia gewahr, dass dieser herrliche Körper das Resultat jahrelangen hartem Fitnesstrainings sein musste. Kein Gramm Fett entdeckte sie an ihm, nur pure animalische Männlichkeit. Was für ein Körper, dachte sie lächelnd. Sein Blick ruhte weich auf ihr. „Vertraust du mir?“, fragte er geheimnisvoll lächelnd.

Obwohl sie nichts von diesem Mann wusste, und ihre gemeinsamen Erfahrungen sich bislang auf einen Kaffee, einen Spaziergang und eben dieses außereheliche Schäferstündchen beschränkten, nickte sie.

„Ja, ich vertraue dir!“, bestätigte sie dann.

„Das ist gut! Dann lass uns in die zweite Runde starten.“ Sylvia erkannte ein wildes Feuer in seinen Augen, und für einen kurzen Moment beschlich sie so etwas wie Unruhe, aber dann entspannte sich ihr Körper, der sich bereits nach einer zweiten Runde zügellosem Sex verzehrte.

Aber anstatt sich zu ihr in das Bett zu begeben, griff er nach der kleinen Reisetasche, die ihr schon vorher aufgefallen war. Gerade als Sylvia sich im Bett aufrichten wollte, um einen Blick auf den Inhalt zu erhaschen, ermahnte Pascal sie mit scheinbar gespieltem Vorwurf in der Stimme. „Leg dich auf den Bauch. Vertrau mir. Na los, mach schon, Sylvia!“

Seine Stimme klang gleichzeitig verführerisch und hart. Ihr Unterleib begann erneut erwartungsfroh zu zucken und sie gehorchte. Dann hörte sie, dass die Reisetasche geöffnet wurde. Die Geräusche, die beim Entnehmen der Gegenstände erklungen, wusste sie nicht einzuordnen, vernahm jedoch auch so etwas wie ein metallenes Klirren. Dann war Pascal mit einem Mal neben ihr, wirbelte sie mit beängstigender Leichtigkeit herum und schwang sich rittlings auf sie. Unter seinem Gewicht war Sylvia fast bewegungsunfähig. Mit flinken, geübten Bewegungen, ergriff er ihre Handgelenke. Erst als es zu spät war, wurde ihr klar, was sie da eben gehört hatte. Dann hatte er sie mit den metallenen Handschellen auch schon an den Bettrahmen gefesselt.

„Hey, was soll das? Was tust du?“, entrüstete sich Sylvia und spürte, wie ihr der Schrecken durch die Glieder rann.

„Pst, ganz ruhig. Sonst muss ich dich knebeln!“, drohte Pascal, noch immer lächelnd und hielt sich den ausgestreckten Zeigefinger vor die Lippen, um ihr zu signalisieren, dass sie still sein solle.

Sichtlich erschreckt schaute sie ihn an. Ihre Hände waren gefesselt und Pascal saß auf ihr. Dabei konnte sich so schon kaum rühren unter seinem enormen Gewicht. Sie bekam es mit der Angst zu tun und ihre Lippen öffneten sich schon zu einem Schrei, als Pascal ihr einen samtenen Schal in den Mund stopfte, der sie daran hinderte loszuschreien.

„Vertrau mir Sylvia. Alles ist gut. Gib dich hin. Entspann dich und genieß das Kommende.“

Sylvia glaubte sich verhört zu haben. Dieser große, starke Mann, von dem sie im Grunde nichts wirklich wusste, hatte sie nackt ans Bett gefesselt, sie geknebelt und saß nun ebenfalls nackt und irgendwie ziemlich bedrohlich auf ihr, und sie sollte sich entspannen und genießen? Wovon träumt der eigentlich nachts?

Pascal erhob sich von ihr und stand nun neben dem Bett. Wild tritt sie um sich und zerrte an ihren Fesseln. Lächelnd und nahezu mühelos, ergriff Pascal ihre schlanken Füße und band sie gespreizt an der Bettunterseite fest. Sylvia befand sich kurz davor panisch zu werden. Sie hatte eine Mordsangst.

Pascal stand nackt und breitbeinig vor dem Bett, auf dem sein neuestes Opfer lag. Sichtlich zufrieden, betrachtete er sie mit gebieterischer Mine, und fühlte dabei, wie seine Erregung wuchs. Früher hatte er mit anderen Frauen endlose, zeitraubende Verführungsspielchen gespielt. Sie über Wochen hinweg becirct, bis sie ihm endlich verfallen waren, und er ihnen sein wahres Gesicht präsentieren konnte. Bei einigen von Sylvias Vorgängerinnen, und bei ihr selber, hatte er seine Taktik erfolgreich geändert. Warum sollte er diese ganze Mühe an Verführungskünsten aufwenden, wenn er doch auch viel schneller an sein Ziel kommen konnte. Letztlich war es Pascal herzlich gleichgültig, ob sich Frauen ihm aus tiefer Zuneigung oder sogar Liebe unterordneten, oder ob er zu drastischen Maßnahmen greifen musste. Das heißt, bei genauerer Betrachtung war ihm Letzteres gar nicht mal zuwider; das Gegenteil war der Fall. Seine Lust nährte sich aus dem Leid seiner Sklavinnen, die er sich gefügig machte.

Er legte sich neben Sylvia auf das Bett, begann verträumt ihre bebenden Brüste zu streicheln, schlug ihr mit der flachen Hand sanft auf das Geschlecht oder streichelte sie dort, bis er seinen Mittelfinger hineinschob, ihn gefühlvoll auf und ab bewegte.

Trotz der auflodernden Angst stöhnte sie auf, und er lächelte wissend auf sie herab.

„Du gehörst nun mir!“, raunte Pascal ihr fast zärtlich ins Ohr und küsste ihre Wange. „Wehre dich nicht. Nimm den süßen Schmerz der Ohnmacht hin. Du wirst lernen, mich als deinen Herrn und Meister zu akzeptieren. Aus dir wird eine ganz besondere Dienerin meiner Lust, glaube mir. Ich werde dich erziehen, erfüllen und ausfüllen.“ Pascal schmunzelte über sein eigenes Wortspiel. Noch immer verwöhnte er sie mit seinem Mittelfinger, ihr Becken wand sich im Takt, den er ihr vorgab. Bis ihr Widerstand merklich nachließ, er war lediglich noch die Kaschierung ihrer Hingabe. Er griff nach den bereit gelegten Brustwarzenklammern, um sie Sylvia anzulegen. Als die spitzen Klammern schließlich ihre zarten Nippel quetschten, weiteten sich ihre Augen. Es entfuhr ihr ein schmerzverzerrter Schrei, den der Schal in ihrem Mund in ein leises Grunzen verwandelte. Pascal genoss ihr Leid. Es war jedes Mal ein ganz besonderes Moment, wenn er Frauen aus ihrer Blümchensexwelt in die seine einführte. Das ungläubige Staunen in ihren Augen, dem manchmal ein entsetzter Ausdruck folgte. Solange sie aufbegehrten, sich wehrten gegen seine ständigen Demütigungen, harten Bestrafungen mit der Gerte, oder sonstigen Quälereien, befriedigten sie damit seine gemeine Lust. Hatte er sie erst gebrochen, oder schlimmer noch, eine fand Gefallen an seiner machtgierigen Art der Sexualität, wurde er ihrer rasch überdrüssig. Doch bis dies bei Sylvia geschehen würde, wäre noch viel Zeit für jede Menge Spaß mit ihr.

Mit einer nahezu sanften Berührung fasste Pascal an Sylvias Kinn, er überlegte kurz, ob er ihren Blick auf das Objektiv lenken sollte, dass er oben an der Zimmerdecke befestigt hatte. Nach ihrem Telefonat, war er direkt in das Hotel gefahren, hatte eingecheckt, das kleine Gerät montiert und die Schlüsselkarte des Hotelzimmers wieder an der Rezeption hinterlegt. Aber dann entschied er sich, aus einer plötzlichen Laune heraus, doch dagegen. Stattdessen begann er Sylvias Gesicht zu streicheln, er redete leise und beschwörend auf sie ein während er ihr sanfte Küsse auf den schlanken Hals hauchte. Er spürte, wie ihr Widerstand weiter abnahm. Es geschah sehr langsam aber stetig, ihr Winden verringerte sich unter seinen zärtlichen Berührungen, bis sie sich ihm entgegen reckte, ihm sehnsüchtig ihre Lippen zum Kuss darbot. Seine Finger streichelten ihren Kitzler, und ihr Becken erbebte. Diese kleine graue Maus steckt doch voller Überraschungen, dachte Pascal mit Genugtuung.

Sylvia fühlte den stechenden Schmerz der Brustwarzenklammern, der sich mit Pascals Küssen und seinen zärtlichen Berührungen fast unwirklich anmutete. Sie war buchstäblich von diesem Mann gefesselt, der so charmant, so zärtlich und gleichzeitig so dominant war. Diese Hilflosigkeit, in der sie sich befand, war abstoßend und elektrisierend zugleich, und, ob sie es wollte oder nicht, unendlich erregend. Als Pascal die Brustwarzenklammern entfernte, beobachtete er fasziniert ihr Gesicht. Er wusste, dass der Moment, in dem sie gelöst wurden, der schmerzhafteste war. Und er benutzte die Eiswürfel aus dem Eisfach des Kühlschrankes, mit denen er ihre Nippel kühlte, um den Moment für Sylvia etwas erträglicher zu gestalten. Ein wohliges Stöhnen entrang ihrem Mund, als das Eis die geschundenen Nippel vom Schmerz zu erlösen begann.

Pascal nannte sie seine Dienerin und sprach leise auf sie ein. Niemals bisher hatte ein Mann sie so behandelt; herablassend, demütigend, und niemals zuvor hatte sie einen intensiveren Orgasmus gehabt. Was geschah mit ihr? Es wurde höchste Zeit, dass sie wieder klar denken konnte.

Am späten Nachmittag lag Sylvia im Bikini auf dem Balkon ihrer Wohnung. Die Sonne wärmte sie angenehm. Aber ihre Entspanntheit war nur oberflächlich. In Wahrheit herrschte in ihr das blanke Gefühlschaos. Nach den Erlebnissen im Hotelzimmer hatte Pascal sie zu ihrem Fahrzeug begleitet. Er war genauso höflich und charmant gewesen, wie sie es von ihm kannte. Am Auto hatte er ihr schließlich gesagt, dass dies seine Art der Sexualität sei, in die sie, Sylvia, nun einen kleinen Einblick bekommen habe. Sollte sie sich weiter mit ihm treffen wollen, dann würde dies der Grundstein ihrer Beziehung sein. Pascal hatte keinen Zweifel daran gelassen, dass er sie wollte; sie als seine Sklavin wollte. Für Sylvia waren seine Worte abstrakt und nur schwer verständlich. Sadomasochistische Praktiken waren ihr so fern wie die Gebirgszüge des Himalaya. Und dennoch; allein der Gedanke an die erlebten Orgasmen, ließ ihren Unterleib aufs Neue erbeben. Wollte sie das alles? Konnte sie das? Vor allem: konnte sie Götz wirklich auf diese Art und Weise hintergehen? Und wer war Pascal eigentlich? Bis jetzt wusste sie kaum etwas über ihn, außer dass er eine mehr als betörende Wirkung auf sie ausübte und gefährliche, sexuelle Vorlieben hatte. Sie hatte keine Antworten parat und traute sich nicht einmal Bettina einzuweihen, obwohl sie sich sicher war, dass Bettina bereits vor Neugier brennen würde, ob sich ihre beste Freundin nicht doch mit diesem geheimnisvollen Typen getroffen hatte.

Von derlei Skrupeln war Pascal meilenweit entfernt. Er hatte den Anfang gemacht und sein Spiel begonnen. Er ahnte sehr gut, in welchem Gefühlschaos Sylvia sich befinden musste. Dennoch war es ihm gleichgültig, solange sie nur sein Spiel mitspielte. Und er würde schon geeignete Mittel und Wege finden, Sylvia zu steuern, zu manipulieren, notfalls mit dem Videomaterial, wenn es nötig wäre. Aber für den Moment, das wusste er nur zu genau, war sie noch immer völlig überwältigt von der Intensität des Erlebten. So sehr, dass er sich nur ein oder zwei Tage gedulden müsste, dann würde sie ihm sicherlich erneut per SMS kontaktieren. Äußerst zufrieden mit sich, saß er auf der Couch und blickte auf das Glas Bourbon, das er in seiner Hand drehte, als er bemerkte, dass Jennifer nach Hause kam. Seine Mine verfinsterte sich augenblicklich. Am liebsten hätte er sich seiner lästigen Frau entledigt, so sehr verabscheute er sie. Jennifer war das Gegenteil von dem, was er sich von einer Frau wünschte. Sie war selbstsicher, optimistisch und auf ihre Art erhaben. Zudem war sie äußerst attraktiv und sich dessen absolut bewusst. Ihre Ehe hatte nur noch Bestand, weil sie beide voneinander profitierten. Jennifer war als äußerst erfolgreiche Immobilienmaklerin tätig, und der Erfolg war nicht zuletzt ein Verdienst von Pascal, der aufgrund seiner guten Kontakte in einflussreiche Kreise, die vielversprechendsten Immobilienprojekte an Land gezogen hatte. Dies war eindeutig Pascals Kapital, er verfügte über eine absolut beeindruckende Portion Charisma, Eleganz, Witz und Charme. Man schmückte sich gerne mit ihm, da er ein Meister darin war, alle in seinen Bann zu ziehen. Er war einer der wenigen Menschen, denen es gelang, einen dunklen Raum zu erleuchten, nur dadurch, dass er ihn betrat. Niemand, bis auf Jennifer, ahnte, dass er ein ausgesprochener Soziopath war, der sein Blendwerk jedoch perfekt beherrschte. Der größte Teil ihres Wohlstandes war Jennifers erster Ehe entsprungen. Da sie seinerzeit auf einen Ehevertrag bestanden hatte, befand Pascal sich nun jedoch in einer Zwickmühle. Sollte er Jennifer verlassen, wäre auch sein luxuriöser Lebensstil dahin. Dennoch hatten sich beide mit dieser Situation arrangiert. Im Grunde war es eine sogenannte Win-win-Situation.

Sie hatten seit geraumer Zeit getrennte Schlafzimmer und jeder von ihnen lebte seine eigene Sexualität in Form von zahlreichen Affären aus, die sie in stillem Einvernehmen tolerierten. In Wahrheit hatte Jennifer nie etwas für Pascals Fetisch übriggehabt, und dennoch hatte sie es zugelassen, dass er im Keller des gemeinsamen Hauses ein üppig ausgestattetes Sado-Maso Zimmer hatte einrichten lassen, indem er immer wieder Frauen behandelte, oder misshandelte und quälte, wie Jennifer es auszudrücken pflegte. Sie selbst betrat diesen Raum niemals, er war ihr zutiefst zuwider. Sie bevorzugte kurze, manchmal sogar parallele Affären, die sie selbst begann und meist auch wieder beendete, wenn sie des jeweiligen Partners überdrüssig wurde. Häufig hatte sie kaum tiefergehende Information, über die jeweiligen Typen, mit denen sie gerade das Bett teilte, und sie legte auch keinen übermäßigen Wert darauf. Das Exemplar, mit dem sie sich gestern Abend noch in einem Hotelbett vergnügt hatte, verfügte ganz offensichtlich über einen recht vernünftig bezahlten Job in irgendeinem Büro, zumindest ließen seine Garderobe und der Mercedes darauf schließen. Mehr wollte sie gar nicht von ihm wissen. Tiefe Emotionen oder gar Liebe spielten bei Jennifer nur eine untergeordnete Rolle. Es ging um die Befriedigung ihres Sexualtriebes, und zumindest in dieser Hinsicht nahmen sich Pascal und Jennifer nicht das Geringste. Ihre Affären waren vom Egoismus geprägte Intermezzos. Vielleicht war es gerade das fehlende soziale Gewissen, dass ihnen beiden eigen war, dass dafür Sorge trug, dass sie einander nicht verließen. Einzig die unleugbare Tatsache, dass Jennifer ihn finanziell aushielt, war für Pascal nur schwer auszuhalten. Natürlich, eine geregelte Arbeit gehörte schlicht und ergreifend nicht in seine Lebensphilosophie. Und die fünftausend Euro, die Jennifer ihm monatlich für seinen Lebensunterhalt überließ, betrachtete er nur als angemessen. Lediglich die Art und Weise, mit der sie ihm den Betrag an jedem Monatsersten zukommen ließ, empfand er als ungeheure Demütigung. Sie könnte ihm das Geld einfach überweisen. Aber nein; Jennifer hatte es sich zur lieben Angewohnheit gemacht, es regelmäßig, fast nachlässig mit einer Büroklammer zusammengesteckt, auf dem Küchentisch zu drapieren. Er wusste nur zu gut, dass Jennifer ihm mit dieser Art der Geldübergabe ihre Machtposition demonstrierte, und es genoss, ihn damit an seinem wundesten Punkt zu treffen. An jedem Monatsersten, in dem Moment, wenn er nach dem Geldbündel griff, und Jennifer ließ es sich selten nehmen, ihn dabei süffisant anzulächeln, war er von finsteren Gedanken beseelt, die allesamt damit beschäftigt waren, Jennifer auf schmerzhafte, unauffällige aber auf jeden Fall nachhaltige Weise aus seinem Leben zu katapultieren. Der persönlich überreichte Obolus, war für Pascal eine monatlich wiederkehrende, grausame Niederlage und Demütigung die Jennifer in eine Machtposition gerückt hatten, die er nur für sich in Anspruch nehmen wollte und niemandem sonst gönnte.

Jennifer betrat das geräumige Wohnzimmer. „Hallo Schatz.“, sagte sie und warf ihm einen kurzen prüfenden Blick zu. Sie hatten sich dieses Kosewort als persönliche Anrede erhalten. Wenn auch aus rein pragmatischen Gründen, um es auf Banketten oder bei sonstigen offiziellen Anlässen wie selbstverständlich benutzen zu können. In der Öffentlichkeit als harmonisches Paar aufzutreten, war ein Teil ihres gut strukturierten Erfolgskonzeptes. Pascal sah dennoch nur kurz in ihre Richtung, und reckte ihr dann zur Begrüßung lediglich das nahezu leere Bourbon Glas entgegen. Sie griff nach der Flasche an der Bar, goss sich selbst einen ordentlichen Drink ein, und mischte etwas Eis hinzu. Während sie sich mit ihrem Glas auf die große Terrasse aufmachte, stellte sie beiläufig die Whiskyflasche vor ihm auf den runden Designercouchtisch ab. Man kannte sich eben gut, und Jennifer wusste, dass dies nicht der geeignete Moment für belanglosen Smalltalk war. Pascal war in Gedanken und wollte nicht gestört werden, und Jennifer hatte nicht das Geringste daran auszusetzen, wenn er sie nicht mit seinen privaten Geschichten behelligte.

Versonnen blickte Pascal durch die lichtoffenen Gardinen zu ihr hinaus. Er betrachtete ihre langen schlanken Beine und die verheißungsvollen Konturen ihres Körpers, die sich durch das strenge Kostüm, das sie trug erregend abzeichneten. Wenn sie sich ihm damals doch nur untergeordnet hätte. Sie wären das perfekte Paar geworden, ein unschlagbares Team sozusagen. Mein Gott, wie sehr er sie dafür hasste, in diesem Moment. Ein einziges Mal hatte er versucht, sie für seine Sexualität zu begeistern. Er hatte sie geschnappt, gefesselt, sie nach allen Regeln der Kunst gevögelt, und sie hatte vor unbändiger Lust geschrien. Danach hatte er den Flogger benutzt, eine mehrstriemige Peitsche, die er besonders gerne einsetzte, und ihr heftig den sexy Arsch versohlt, bis sich zahlreiche, dicke, rote Striemen abgezeichnet hatten. Während er immer geiler geworden war, war Jennifer bei dieser Behandlung irgendwann verstummt. Ihr war nicht mehr zu entlocken gewesen, als kurze schmerzverzerrte Laute. Als er sich an diesem Abend in ihr gemeinsames Bett legen wollte, dass sie damals noch teilten, hatte Jennifer ihn mit einem geladenen Revolver empfangen. Sie hatte ihm unmissverständlich klargemacht, was sie von seiner Aktion mit dem Flogger gehalten hatte, und dass sie ihn ohne zu zögern erschießen würde, falls er auch nur auf die Idee käme, sich neben sie zu legen. Pascal war klug genug gewesen, ihren Worten Glauben zu schenken, und hatte die Nacht auf der Couch verbracht. Am nächsten Morgen hatte sie sich verhalten, als ob nichts geschehen sei. Erst beim gemeinsamen Frühstück hatte sie ihm einen Zettel zugeschoben, auf dem detailliert beschrieben war, wie sie sich ihr zukünftiges Zusammenleben mit ihm vorstellte. Er solle es lesen und rückhaltlos akzeptieren, hatte sie von ihm gefordert, während sie ihn mit eiskalten Blick aus ihren hübschen Augen taxiert hatte. Andernfalls könne er noch am selben Tag ausziehen.

Pascal war geblieben. Letzten Endes hatte er es noch ganz gut getroffen, fand er. Das Arrangement, das Jennifer ihn genötigt hatte zu akzeptieren, war letztlich nicht zu seinem Schaden: er hatte ein vernünftiges Auskommen, und konnte im Grunde tun und lassen was er wollte. Jennifer hatte lediglich verlangt, dass sie die Fassade einer Vorzeigeehe weiterhin bedingungslos aufrechterhielten. Und als etwas Gras über die ganze Sache gewachsen war, war es ihnen sogar möglich gewesen, sich innerhalb ihrer eigenen vier Wände relativ normal zu begegnen. Einzig die unglaubliche Demütigung, die sie ihm damit versetzt hatte, nagte noch immer schwer an ihm. Und wer weiß, dachte er bitter, vielleicht lasse ich dich irgendwann dafür büßen.

Kapitel 4

Am nächsten Morgen erwachte Sylvia noch bevor der Wecker ihr den Anbruch des neuen Tages vermitteln konnte. Sie hatte am Abend nur schwer einschlafen können, und zu allem Überfluss auch noch schlecht geträumt. Götz lag neben ihr und schnarchte seine altbekannte Symphonie. Sylvia stieg aus dem Bett und huschte unter die Dusche. Sie hatte ständig das Gefühl schmutzig zu sein. Da sie keine großartige Lust verspürte, sich mit Götz gemeinsam an den Frühstückstisch zu setzen, sich gar noch mit ihm zu unterhalten, vielleicht liefe sie ja Gefahr sich zu verraten, verließ sie hastig das Haus. Viel früher als üblich erreichte sie ihr Büro, und machte sich daran, die versäumte Arbeit vom Vortag aufzuholen. Aber es war ihr unmöglich Pascal aus ihren Gedanken zu verbannen. Abscheu und Faszination begannen, sich miteinander zu vermischen. Die Erinnerung an das Erlebte, ließ sie erbeben und weckte gleichzeitig in ihr den Wunsch vor diesen besonderen Empfindungen fortzulaufen. Wie war das nur möglich, innerhalb von wenigen Tagen wurde ihr komplettes Leben auf den Kopf gestellt. Ich will alles, sagte sie sich, aber mit Sicherheit nicht Pascals Sexsklavin sein. Gleich einem Mantra begann sie, diese Erkenntnis gedanklich vor sich herzubeten. Während sie spürte, dass sich ihre erotische Fantasie auf wundersame Weise verselbstständigte. Sie sah sich nackt, gefesselt und mit verbunden Augen, auf einem großen Bett liegen, während Pascals tiefe Bassstimme beruhigend auf sie einsprach. Dann spreizte er ihre Beine, fuhr sanft über ihren Kitzler. Sie jaulte vor Lust und flehte ihn an, es ihr endlich zu besorgen. Kurz war es ihr, als ob sie sein Lächeln sehen könnte, ein warmer Lufthauch streifte sanft ihren Schenkel, dann begann er sie mit seinem Mittelfinger zu verwöhnen. Langsame rhythmische Bewegungen, die er geschickt intensivierte. Kurz bevor sie zu kommen glaubte, hielt er inne. „Du gehörst mir, Sklavin!“, sagte er, und sie erwachte aus ihrem Tagtraum. Hektisch blickte sie sich um, aber beruhigt registrierte sie, dass keine ihrer Kolleginnen bemerkt hatte, dass sie gerade in Gedanken Sex gehabt hatte, und noch dazu ziemlich heißen, für ihre Verhältnisse.

Inzwischen waren bald zwei Tage vergangen, Pascal hat sich zuhause die Aufnahmen der Videokamera angeschaut, die er im Hotelzimmer installiert gehabt hatte, und mit einem zufriedenen Grunzen die ausgezeichnete Qualität des Filmchens kommentiert. Wie die Spinne im Netz, aber völlig entspannt, wartete er darauf, dass Sylvia Kontakt aufnehmen würde. Und das würde sie. Er war sich seiner Sache absolut sicher. Seine gute Menschenkenntnis trog ihn ausgesprochen selten. Und wirklich; an diesem Nachmittag war die erhoffte, elektronische Nachricht auf seinem Smartphone eingetrudelt. Sylvia hatte ihm anfangs natürlich Vorwürfe gemacht. Wie er sie nur dermaßen hatte bloßstellen können und so weiter. Aber dann hatte sie ihm gestanden, dass er sie wirklich interessieren würde, was eine fürchterliche Untertreibung war, wie Pascal nur zu gut wusste, und ihn schließlich um ein Treffen gebeten, indem er ihr erklären sollte, was er denn genau unter Sklavin oder Dienerin verstehen würde. Na, du wirst dich wundern, dachte er lächelnd, während er ihr ein weiteres neutrales Treffen in ihrem Café vorschlug. Es sollte noch am gleichen Spätnachmittag stattfinden, und Sylvia willigte gerne ein.

Als Sylvia an diesem Tag gegen 16:00 Uhr ihren Computer herunter fuhr, ihr Büro verlies und den bekannten Weg zum Café spazierte, verspürte sie einen fürchterlichen Kloß im Magen. Du bist doch kein kleines Mädchen mehr, also reiß dich nun endlich mal zusammen, ermahnte sie sich. Schon von Weiten erkannte sie ihn. Er hatte einen etwas abseits liegenden Tisch gewählt, und blätterte, scheinbar desinteressiert, in einem Magazin. Mit weichen Knien bewältigte sie die letzten Meter, und als Pascal sie bemerkte hatte, war er sofort aufgestanden. Er begrüßte sie mit einem fröhlichen Lächeln, hauchte ihr einen Kuss auf die Wange und rückte ihr den Stuhl neben sich zurecht. Wie üblich, trug er sein charmantes Lächeln zur Schau, dem sie kaum etwas entgegen zu setzen hatte. Dieses Lächeln übte eine faszinierende Anziehungskraft auf sie aus. Sie versuchte sich mit aller Kraft gegen diesen Sog zu stemmen. Sie wollte Antworten bekommen, deshalb war sie hier.

„Hallo Sylvia, wie schön. Du ahnst nicht, wie sehr ich mich freue, dass du etwas Zeit für mich hast. Du hast mir so wahnsinnig gefehlt! Ich hoffe, du hattest einen angenehmen Arbeitstag?“

„Ja danke“, antwortete sie eine Spur mechanischer, als sie beabsichtigt hatte, während sie in sein Gesicht blickte, und versuchte seine Gedanken zu erraten. Aber außer der offen zur Schau getragenen Freundlichkeit, fand sie keinerlei Hinweise. In diesem Moment brannte kein loderndes Feuer in seinen Augen, dass sie zu verzehren gedachte. Die Sonne schien warm auf sie herab, sein sympathischer Blick ruhte auf ihr, und doch ahnte sie, dass es da irgendwo war, dieses animalische Feuer, die Gier nach wilden Sex, indem sie seine Dienerin wäre. Die Gefahr, die von ihm ausging, war fast greifbar. Sie fühlte sich wie eine Motte, die vor dem flirrenden Laternenlicht flatterte, und im Begriff war, in ihr Verderben zu fliegen.

Eine Weile hielt Sylvia den belanglosen Smalltalk durch, den sie führten, dann nahm sie all ihren Mut zusammen, versteifte sich auf ihrem Stuhl und blickte Pascal in die Augen: „Warum willst du mich?“, wagte sie sich vor.

Pascal sah sie an, freundlich, fast aufreizend. „Weil uns etwas verbindet. Die Neugier aufeinander. Die unbändige Lust, die wir verspürten, als unsere Körper beieinander lagen. Das Verlangen dich zu spüren, dass auch dir zu eigen ist, denn deshalb bist du hier. Es hat uns beide nicht losgelassen. Lass mich dir Dinge zeigen, die dir ungeahnte Dimensionen der Lust offenbaren.“

Sylvia war nahezu sprachlos. Nach allem was vorgefallen war, hatte Pascal nur zwei oder drei Sätze gesprochen, um dann direkt, und ohne Umschweife, das Thema Sexualität anzusprechen. Kein weiterer Smalltalk, keine übertriebenen Schmeicheleien, er kam direkt zur Sache. Er hatte nicht einmal versucht, ihr irgendwelchen Honig um den Mund zu schmieren. Doch letztlich wollte sie das ja auch gar nicht. Wenn sie ehrlich zu sich war, dann war es ihr doch ebenfalls so ergangen, sie hatte ebenso empfunden. Der Sex mit Pascal hatte alles bisher erlebte in den Schatten gestellt. Und sie begehrte ihn, seinen maskulinen Körper, seinen Duft, all das wollte sie. Nervös, wie ein pubertierendes Schulmädchen, rutschte sie auf ihrem Stuhl herum, bis sie ausreichend Mut gefasst hatte:

„Was hast du damit gemeint, als du sagtest, dass ich deine Dienerin werden soll?“

Sie hatte mit Absicht den Begriff „Dienerin“ gewählt, Sklavin erschien ihr zu abwertend. Aber damit war es wenigstens heraus. Erwartungsvoll schaute sie ihn an.

Pascal lächelte gewinnend. „Nenne es einen Fetisch“, begann er. „Es ist meine Art der Sexualität, schon seit jeher. Doch habe keine Angst. Es geht mir nicht darum, dir Schmerzen zuzufügen, um dich leiden zu sehen und daraus meinen Orgasmus abzuleiten. Es ist das Spiel der Macht, indem der Herr die Frau zu seiner Dienerin erzieht. Am Ende sollte die Frau ihre Erfüllung darin finden, dem Mann Untertan, Dienerin, zu sein. Für ihre Dienste wird die Frau belohnt, denn der Herr erkennt die Unterwürfigkeit, mit der sie zu ihm aufblickt. Versuche dich fallen zu lassen. Gib mir die Kontrolle, und du wirst erfahren, welche süße Erfüllungen auf dich warten. Das in passende Worte zu kleiden ist sehr schwer. Sei mutig, Sylvia. Lasse dich auf dieses fantastische Spiel ein, denn ich erkenne dich darin wieder!“

Sylvia erwischte sich dabei, wie sie an seinen Lippen hing, seinen Worten gebannt lauschte, und doch verfügte sie noch immer über einen klaren Kopf. „Erzähle mir von dir. Wer bist du, Pascal Mendoza?“

In diesem Moment wusste er, dass ihr Widerstand gebrochen war. Er erzählte ihr bereitwillig von sich, was sie wissen musste, damit sie zufrieden war. Er sprach von Jennifer, seiner unbefriedigend verlaufenden, offenen Ehe, der Immobilienfirma, die Jennifer betrieb und bei der er ihr assistierte. Am Ende gelang es ihm sogar über seinen Hobbyraum der sexuellen Gelüste im Keller ihres Hauses zu berichten, und Sylvia hörte ihm fasziniert zu.

„Ich will ihn sehen!“, verlangte sie mit einer Vehemenz, die sie selber erschrak.

„Bist du sicher? Ich meine, bist du sicher, dass du schon soweit bist?“, fragte Pascal. „Ich will dich schließlich nicht gleich überfordern!“, lächelte er sie herausfordernd an. „Lass dir etwas Zeit. Schlafe eine Nacht darüber, bitte. Wenn du es morgen noch möchtest, dann werde ich ihn dir zeigen.“

Sylvia war fast etwas enttäuscht. Erst hatte er es so wahnsinnig wichtig, mit dieser; Herr und Sklavin Geschichte, und wenn sie bereit war sich darauf einzulassen, machte Pascal einen Rückzieher. Aber sie versuchte, sich nichts anmerken zu lassen, und willigte ein. Sie vereinbarten den nächsten Tag. Also morgen, Freitag, am späten Nachmittag, würde Sylvia zu Pascal fahren und ihn besuchen. Das traf sich gut, denn Freitag abends besuchte Götz seinen Badmintonverein, wie Sylvia wusste, und Pascal mittlerweile auch, obwohl sie es ihm nicht gesagt hatte. Sie verabschiedeten sich mit einem leidenschaftlichen Kuss, bei dem Sylvia sogar einen Augenblick vergaß, dass sie sich in der Öffentlichkeit befanden. Der Moment war zu intensiv.

Sylvia fieberte dem Feierabend entgegen, so aufgeregt war sie. Um 14:00 Uhr hielt sie es nicht mehr aus. Kurzerhand verkündete sie ihren Kolleginnen, dass sie nun ihr Wochenende begänne, und fuhr schleunigst heim. Duschen, eine Kleinigkeit essen, einen Kaffee trinken und sich hübsch machen, so lautete ihr Plan, und um 15:30 Uhr saß sie bereits aufgestylt im Auto und steuerte zielstrebig Pascals Adresse in Stuttgart-Sillenbuch an. Sillenbuch ist ein Ortsteil, dem man nachsagt, dass er potentiell gut situierte Stuttgarter Bürger beherberge, und das eine oder andere Haus erweckte den Eindruck, als wolle es dieses landläufige Gerücht nur zu gerne bestätigen. Die besagte Adresse fand sich ein wenig abseits des alten Dorfkerns und war schlichtweg nicht zu übersehen. Eine mannshohe, aus Natursteinen bestehende Mauer umgab das Anwesen, vor dessen schmiedeeisernen Tor sie mit ihrem Wagen angehalten hatte, um den Klingelknopf zu betätigen, der unter einem großen Messingschild angebracht war, auf dem in verschlungenen, eingravierten Lettern „Mendoza“ stand. Noch bevor sie aussteigen konnte, öffnete sich das große Tor wie von Geisterhand und gab ihr die Zufahrt frei. Sie steuerte ihren Wagen über den sanft geschwungenen Kiesweg. Was hatte Bettina noch gesagt? Der Mann spielt doch in einer ganz anderen Liga. Bettina, ich glaube, du hast keine Ahnung wie Recht du hast, dachte Sylvia, als sie mit ehrfürchtigem Blick auf die Villa aus ihrem Passat stieg, der hier vermutlich so deplatziert wirken musste, wie ein VW Käfer zwischen Formel-Eins Boliden.

Pascal stand in der Eingangstür und erwartete sie bereits. Sofort schloss er sie in seine starken Arme und küsste sie leidenschaftlich. Sylvia wusste nicht, ob Jennifer anwesend war, und reagierte dementsprechend zurückhaltend. Er bemerkte, dass sie sich suchend umschaute. „Komm“, meinte er gelassen. „Ich führe dich herum. Und mach dir keine Sorgen. Jennifer ist über das Wochenende in Frankfurt. Ich erwarte sie nicht vor Sonntagabend. Du wirst ihr also nicht begegnen.“

Sylvia entspannte sich ein wenig, und begann die vielen, neuen Eindrücke in sich aufzunehmen. Das Haus verfügte bald über zehn Zimmer, mehrere Badezimmer. Die Einrichtung war hochwertig, aber nicht protzig. Bewohnt war allerdings bestenfalls die Hälfte der Zimmer, die restlichen schienen ungenutzt zu sein, und machten einen geradezu verlassenen Eindruck. Im Erdgeschoß befand sich eine riesige Küche. Pascal bereitete ihnen ungefragt zwei Latte Macchiato zu.

Sylvia blickte in das ebenso riesige, angrenzende Wohnzimmer durch die Terrassentür in den weitläufigen Garten, der eher wie ein Park anmutete. In einigen Metern Entfernung spazierte ein grobschlächtiger Mann durch den Garten, der ähnlich kräftig gebaut schien wie Pascal. Ein Hüne von einem Mann, mit einem leicht schleppenden Gang, was sich aber erst bei genauerem Hinsehen offenbarte. Er blieb abrupt stehen, und für einen Moment erschien es ihr, als würde er sie direkt anstarren, was durch die Reflektion der Sonnenstrahlen an der gläsernen Terrassentür jedoch eigentlich unmöglich sein musste. Dennoch war sie zusammengezuckt. Pascal hatte ihre Bewegung, wohl aus dem Augenwinkel, wahrgenommen. Er war ihrem Blick gefolgt, reichte ihr das zubereitete Getränk und meinte: „Keine Bange, das ist nur Walter, unser Gärtner. Er wohnt in dem Gebäude hinter der kleinen Baumschonung dort.“ Dabei zeigte er mit ausgestrecktem Arm in die ungefähre Richtung. „Er lebt hier nahezu wie ein Eremit. Er pflegt, soweit ich weiß, keinerlei soziale Kontakte. Pflanzen scheinen seine einzige Passion zu sein. Zugegeben, ein etwas komischer Kauz, aber absolut harmlos, und dazu ein begnadeter Gärtner. Komm, wir trinken den Kaffee im Wohnzimmer. Danach zeige ich dir meinen Lieblingsraum in diesem Haus.“ Bei diesem letzten Satz hatte er ein Raubtierlächeln auf den Lippen, das auf sie animalisch anziehend wirkte, und ihr gleichzeitig einen heftigen Schauer über den Rücken jagte. Du machst jetzt keinen Rückzieher, Sylvia Behringer, dachte sie sich. Reiß dich gefälligst zusammen. So manche Frau würde weiß Gott was tun, um hier neben diesem Mann zu sitzen.

Einige Minuten später stiegen sie gemeinsam die Stufen zum Untergeschoß des Hauses hinab. Dies hier war kein übliches Untergeschoß, nein. Es war eine eigene, ausgebaute Etage, zwar meist ohne die Fenster, aber sauber, hell und mit eisenbeschlagenen Vollholzmöbeln eingerichtet, von denen Sylvia wusste, dass sie dem Kolonialstil zuzuordnen waren. Alles in allem erzeugten sie eine sehr angenehme Atmosphäre, empfand Sylvia. Pascal ging vor, öffnete eine Tür und ließ sie hinein. Es war ein etwa sechs Quadratmeter großer, rechteckiger Raum, der wie ein Umkleidezimmer anmutete. Außer der Tür, durch die sie hineingekommen waren, schien er in drei weitere Räume zu führen.

„Das hier rechts ist die Dusche“, erklärte Pascal und öffnete eine der drei Türen, damit sie sich einen Überblick verschaffen konnte. Er gewährte ihr jedoch nur einen kurzen Blick, auf das luxuriös eingerichtete Bad. Sie spürte seine unglaubliche Anspannung, seine sexuelle Erregung. Er will dich, sagte sie sich. Und auch in ihr regte sich etwas, wie entfernte Begierde. Sie sehnte sich nach seinen starken Armen, seinen Berührungen.

Tatsächlich schlang er seine Arme um sie, als hätte er ihre Gedanken erraten. Ernst schaute er ihr in die Augen, doch sie erkannte die Glut darin.

„Vertraust du mir?“, flüsterte er fast. Sylvia nickte zaghaft aber doch entschlossen.

„Dann zieh dich hier im Umkleidezimmer aus. Du kannst deine Sachen hierlassen. Danach gehst du durch diese Tür.“ Er zeigte mit dem Finger auf die zweite Türe. „Sieh dich in aller Ruhe um. Hab keine Angst. Ich bin bei dir. Wenn du dir einen Eindruck verschafft hast, möchte ich, dass du in der hinteren rechten Ecke des Raumes auf einer Decke niederkniest. So möchte ich dich sehen, wenn ich den Raum betrete. Hast du mich verstanden?“

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23 декабря 2023
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211 стр. 3 иллюстрации
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9783961931064
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