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Frauke Ion
30 Minuten
Perspektivenwechsel
© 2017 SAT.1 www.sat1.de Lizenz durch ProSiebenSat.1 Licensing GmbH, www.prosiebensat1licensing.com
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Umschlaggestaltung: die imprimatur, Hainburg
Umschlagkonzept: Martin Zech Design, Bremen
Lektorat: Eva Gößwein, Berlin
Grafiken: Timo Wuerz, Hamburg
Foto der Autorin: Nils Fasel, Köln
© 2017 GABAL Verlag GmbH, Offenbach
Das E-Book basiert auf dem 2017 erschienenen Buchtitel »30 Minuten Perspektivenwechsel« von Frauke Ion, ©2017 GABAL Verlag GmbH, Offenbach
Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags.
Hinweis:
Das Buch ist sorgfältig erarbeitet worden. Dennoch erfolgen alle Angaben ohne Gewähr. Weder Autorin noch Verlag können für eventuelle Nachteile oder Schäden, die aus den im Buch gemachten Hinweisen resultieren, eine Haftung übernehmen.
ISBN Buchausgabe: 978-3-86936-813-9
ISBN epub: 978-3-95623-553-5
In 30 Minuten wissen Sie mehr!
Dieses Buch ist so konzipiert, dass Sie in kurzer Zeit prägnante und fundierte Informationen aufnehmen können. Mithilfe eines Leitsystems werden Sie durch das Buch geführt. Es erlaubt Ihnen, innerhalb Ihres persönlichen Zeitkontingents (von 10 bis 30 Minuten) das Wesentliche zu erfassen.
Kurze Lesezeit
In 30 Minuten können Sie das ganze Buch lesen. Wenn Sie weniger Zeit haben, lesen Sie gezielt nur die Stellen, die für Sie wichtige Informationen beinhalten.
Alle wichtigen Informationen sind blau gedruckt.
Zahlreiche Zusammenfassungen innerhalb der Kapitel erlauben das schnelle Querlesen. | |
Ein Fast Reader am Ende des Buches fasst alle wichtigen Aspekte zusammen.
Inhalt
Vorwort
1. Das 5-Sterne-Prinzip
Die Facetten der Persönlichkeit
Wie die Facetten zusammenhängen
Erfolgsfaktor Perspektivenwechsel
2. Erster Stern: Bedürfnisse
Wie Bedürfnisse unsere Sichtweisen beeinflussen
Bedürfnisse erkennen und nutzen
3. Zweiter Stern: Sichtweisen
Wie unsere Sichtweisen entstehen
Sichtweisen beeinflussen Beziehungen
4. Dritter Stern: Gehirn
Wie Automatismen funktionieren
Reflexion und mentales Üben
5. Vierter Stern: Verhalten
Wie Rollen unser Verhalten beeinflussen
Verhaltenstypen erkennen und sich auf sie einstellen
6. Fünfter Stern: Ergebnisse
Wie wir gemeinsam Ergebnisse erzielen
Durch Perspektivenwechsel zu 5-Sterne-Ergebnissen
Fast Reader
Die Autorin
Weiterführende Literatur
Vorwort
„Ich sehe was, was du nicht siehst!“ – mit diesem Spiel haben wir uns als Kinder auf langen Autofahrten die Zeit vertrieben. Heute, als Erwachsene, finden wir es mindestens genauso spannend, zu beobachten, dass Gegenstände, die eigentlich rot sind, als grün bezeichnet werden. In solchen Situationen wird uns dann bewusst, wie sehr die Welt im Auge des Betrachters liegt. Es ist alles eine Frage der Perspektive.
Fakt ist, dass Menschen Dinge unterschiedlich sehen. Es gibt offenbar bestimmte Parameter, die dafür sorgen, dass Menschen kein einheitliches Bild von einer Sache haben. Was dann passiert, kennen wir alle: Lautstark wird protestiert und gezetert. Das Ergebnis dieser unterschiedlichen Sichtweisen sind häufig Missverständnisse, Konflikte und Streitereien.
Aber warum ist das so? Wieso ticken und verhalten sich die anderen oft so anders, als wir es tun oder erwarten? Diese Frage stelle ich mir schon, seit ich denken kann. Die Erklärung fand ich erst während meiner Arbeit als Führungskraft und Personalentwicklerin, Trainerin und Coach: Jeder Mensch hat eine individuelle Persönlichkeit, die so einzigartig ist wie ein Fingerabdruck; und diese wird durch seine persönlichen Bedürfnisse, Sicht- und Verhaltensweisen bestimmt – eine kausale Kette, die uns zu dem Menschen macht, der wir sind. Doch was bringt es uns, diese drei Aspekte der menschlichen Persönlichkeit zu kennen?
Nach einigen Jahren als Führungskraft habe ich schließlich die Antwort auf diese Frage gefunden: Wenn wir die individuellen Persönlichkeitsmerkmale unserer Mitmenschen kennen, können wir sie individuell behandeln. Das Ergebnis ist eine reibungslosere Kommunikation, individuelle Motivation, gegenseitiges Verständnis und letztlich auch das Erreichen unserer Ziele. Eine Erkenntnis, die mich so fasziniert hat, dass ich noch mehr über die Persönlichkeit des Menschen erfahren wollte. Ich habe weiter geforscht, nachgedacht, mit meinen Mitmenschen diskutiert – und daraus schließlich das 5-Sterne-Prinzip entwickelt. Mit diesem Modell konnte ich meinen Kunden in Seminaren und Coachings nun noch gezielter dabei helfen, die Perspektive zu wechseln, die Welt des anderen besser zu verstehen und letztlich 5-Sterne-Ergebnisse zu erreichen – denn wir wollen doch alle Ergebnisse mit 5-Sterne-Prädikat, oder?
Mithilfe dieses Buches werden Sie erkennen, welche großartigen Chancen der Perspektivenwechsel bietet. In 30 Minuten werden Sie verstehen, welchen Einfluss Motive, Sicht- und Verhaltensweisen auf die Ergebnisse Ihres Handelns haben und wie Ihnen dieses Wissen dabei hilft, Ihre Wunsch-Ergebnisse zu erzielen.
Ich wünsche Ihnen viel Spaß und erstklassige 5-Sterne-Ergebnisse beim Perspektivenwechsel mithilfe des 5-Sterne-Prinzips.
Ihre
Frauke Ion
1.Das 5-Sterne-Prinzip
Um besonders gute Ergebnisse, also 5-Sterne-Ergebnisse, erzielen zu können, ist es notwendig, sowohl die eigene Persönlichkeit als auch die der anderen zu verstehen und zu akzeptieren. Ein Perspektivenwechsel hilft dabei, die einzelnen Persönlichkeitsaspekte genauer kennenzulernen und in der Interaktion zu nutzen. Das 5-Sterne-Prinzip ist dafür eine Art Anleitung. Die fünf Sterne des Prinzips stehen dabei für die drei Facetten der menschlichen Persönlichkeit, also für die Bedürfnisse, die Verhaltens- und die Sichtweisen, für das Gehirn als Übertragungsorgan und für die Ergebnisse unseres Handelns.

1.1Die Facetten der Persönlichkeit
Nachfolgend erfahren Sie, wie die Persönlichkeitsaspekte, für die die fünf Sterne stehen, definiert sind und wie sie sich gegenseitig bedingen.
Bedürfnisse

Der erste Stern symbolisiert die Bedürfnisse eines Menschen – insbesondere die existenziellen Grundbedürfnisse wie Essen, Trinken, Schlafen und Fortpflanzung, aber auch soziale Zugehörigkeit und Sicherheit. Egal, was wir tun, wir versuchen immer, diese Bedürfnisse zu befriedigen – allerdings nicht immer bewusst. Wenn wir beispielsweise Hunger verspüren, essen wir. Wenn wir durstig sind, trinken wir etwas. Wenn wir uns einsam fühlen, gehen wir unter Menschen, wenn wir müde sind, schlafen wir, usw. Der Mensch strebt unbewusst danach, sich wohlzufühlen.
Der amerikanische Psychologe Prof. Steven Reiss hat diese Bedürfnisse erforscht. Er definierte insgesamt 16 Lebensmotive, innere Antreiber menschlichen Handels. Sie sind in unseren Genen in individuellen Konstellationen angelegt und motivieren uns zu bestimmten Handlungen oder auch Nicht-Handlungen.
Sichtweisen

Der zweite Stern steht für die Sichtweisen, Überzeugungen, Glaubenssätze, Paradigmen eines Menschen und somit für seine individuelle Sicht auf die Welt. Anders als die Motive werden Sichtweisen nicht durch die Gene bestimmt, sondern durch die Kultur, in der wir aufwachsen, durch Erfahrungen, die wir machen, und die Erziehung, die wir erfahren. Stellen Sie sich die menschliche Sichtweise wie eine Brille vor: Die Gläser sind speziell für den Menschen geschliffen worden, der sie trägt. Die Dioptrien sind perfekt berechnet, daher sieht er die Welt klar und deutlich. Setzt ein anderer Mensch diese Brille auf, sieht er die Welt anders, vielleicht sogar verschwommen. Andere Sichtweisen ziehen entsprechend andere Verhaltensweisen nach sich.
Gehirn

Der dritte Stern symbolisiert das Gehirn. Es ist als „Übertragungsorgan“ zu verstehen, das die Impulse, die durch die Bedürfnisse und Sichtweisen ausgelöst werden, in ein bestimmtes Verhalten übersetzt. Im 5-Sterne-Prinzip steht es an dritter Stelle, es könnte aber überall platziert werden. Denn ohne Gehirn wären wir nicht in der Lage, Bedürfnisse zu erkennen, Sichtweisen wahrzunehmen, unser Verhalten zu erklären oder Ergebnisse zu hinterfragen. Ohne dieses Gehirn gäbe es die anderen Sterne nicht.
Verhalten

Bedürfnisse lenken uns zusammen mit Sichtweisen in eine bestimmte Richtung. Das Gehirn löst, oft unbewusst und automatisiert, eine Handlung oder auch Nicht-Handlung aus. So werden wir häufig zu Verhalten verleitet, das nicht immer zielfördernd ist. Trotz der Automatismen sind wir unserem Gehirn aber nicht völlig unterworfen. Wir sind in der Lage, Verhalten kognitiv zu reflektieren, es zu beeinflussen. Und dann können wir uns bewusst anders, möglicherweise sogar ziel- und ergebnisfördernd verhalten. Wir alle unterliegen bestimmten präferierten, also typischen Verhaltensweisen: erprobte Verhaltensmuster, die uns guttun und uns schon oft geholfen haben, den gesellschaftlichen Ansprüchen und Erwartungen zu genügen.
Ergebnisse

Wenn wir etwas tun, aber auch, wenn wir etwas lassen, führt es letztlich zu einem Ergebnis. Das wird im 5-Sterne-Prinzip durch den fünften Stern symbolisiert. Auf die Folgen des Ergebnisses haben wir keinen unmittelbaren Einfluss mehr. Überspitzt ausgedrückt: Sie können sich nicht aus Situationen herausreden, in die Sie sich „hineinverhalten“ haben. Wenn Sie also nach anderen und besseren Ergebnissen streben, dann müssen Sie sich im Klaren darüber sein, welche Verhaltensweisen diese Ergebnisse unterstützen und welche nicht. Aber damit noch nicht genug – eine Verhaltensänderung reicht häufig nicht aus. Wollen Sie langfristig und dauerhaft Verhaltensweisen verändern, müssen Sie an Ihren Sichtweisen arbeiten. Nur dann lassen sich mittel- und langfristig Bedürfnisse befriedigen.
| Das 5-Sterne-Prinzip liefert einen Leitfaden für den erfolgreichen Perspektivenwechsel. Es geht darum, zu reflektieren, zu verstehen und sich intensiver als bisher mit den eigenen Persönlichkeits-Facetten und denen der anderen zu beschäftigen. | |
1.2Wie die Facetten zusammenhängen
Als Modell der Kausalität der menschlichen Persönlichkeitselemente liefert das 5-Sterne-Prinzip die Basis, um sich und andere besser zu verstehen. „Kausalität“ bedeutet, dass der eine Stern den nächsten bedingt und beeinflusst: Unsere Bedürfnisse, die befriedigt werden wollen, bestimmen unsere Sichtweisen. Und so, wie wir die Welt sehen, so verhalten wir uns. Da wir uns nicht nicht verhalten können, führt alles zu einem Ergebnis. Entscheidend ist, dass die Ergebnisse mittel- und langfristig unsere Bedürfnisse befriedigen.
Die grundlegenden Bedürfnisse befinden sich im „Kern“ der Persönlichkeit (erster Stern). Diese intrinsischen Antreiber, die Motive, nach deren Erfüllung wir streben, sind bei jedem Menschen unterschiedlich ausgeprägt. Diese individuelle Motivkonstellation nimmt – neben Faktoren wie Kultur, Erziehung und Erfahrungen – Einfluss auf die individuelle Sichtweise des Menschen (zweiter Stern). Unser Gehirn (dritter Stern) überträgt diese Sichtweise – bewusst oder unbewusst – in konkretes Verhalten (vierter Stern). So wie der Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick so schön festgestellt hat: „Wir können nicht nicht kommunizieren“, genauso können wir uns auch nicht nicht verhalten. Schließlich führt alles, was wir tun oder auch nicht tun, zu einem Ergebnis (fünfter Stern).
Sichtweisen – der Schlüssel zum Perspektivenwechsel
Dauerhaft erstklassige Ergebnisse erzielen, die mittelund langfristig unsere Bedürfnisse befriedigen – das wäre schön, doch leider lässt sich das nicht so einfach umsetzen. Damit wir 5-Sterne-Ergebnisse erzielen können, müssen wir zunächst verstehen, dass unsere Bedürfnisse in Kombination mit unseren Sichtweisen ein bestimmtes Verhalten auslösen, das wiederum gute oder weniger gute Ergebnisse nach sich zieht. Wollen wir also andere Ergebnisse erzielen, müssen wir unsere Sichtweisen und unser Verhalten hinterfragen, erkennen, verstehen und entsprechend anpassen. Das ist nicht immer einfach, denn nicht selten werden wir „Opfer“ unserer Sichtweisen – wie das folgende Beispiel zeigt.
Beispiel – Szenario 1
Sie gehen die Straße entlang. Sie ahnen nichts Böses, als Ihnen plötzlich ein Dobermann entgegenkommt. Ein hüfthoher Dobermann mit spitzen Ohren und spitzen Zähnen – und was die Situation nicht besser macht: Er ist nicht angeleint und sein Besitzer weit und breit nicht zu sehen. Was denken Sie in dieser Situation? „Der könnte vielleicht gefährlich sein“ – wenn das Ihr Gedanke ist, wie werden Sie sich wohl verhalten? Wahrscheinlich werden Sie nicht versuchen, Kontakt mit dem Hund aufzunehmen. Stattdessen sind Sie vorsichtig und lassen ihn nicht aus den Augen. Das Ergebnis: Mit dem nötigen Sicherheitsabstand gehen Sie an dem Hund vorbei und vermeiden jedes Verhalten, das die Situation außer Kontrolle bringen könnte.
Beispiel – Szenario 2
Bleiben wir bei der Ausgangssituation, ändern aber Sichtweise und Verhalten: Sie gehen die Straße entlang, da kommt Ihnen ein Dobermann entgegen. Ihre Sichtweise ist: „Dobermänner, das sind richtig tolle Tiere: Charakterhunde, viel besser als diese kleinen Kläffer, die einem unvermittelt ins Bein beißen.“ Wie werden Sie sich nun wohl verhalten? Richtig, Sie haben keine Angst. Sie kennen sich möglicherweise mit Hunden aus und lassen ihn erst einmal an Ihrer Hand schnuppern. Dann streicheln Sie ihn sogar. Die Besitzer kommen um die Ecke – Freunde fürs Leben gefunden. Das Ergebnis ist ein völlig anderes.
Beispiel – Szenario 3
Sie gehen die Straße entlang, plötzlich kommt Ihnen ein Dobermann entgegen. Er hat spitze Ohren, spitze Zähne und ist nicht angeleint. Herrchen oder Frauchen ist weit und breit nicht zu sehen. Ihre Sichtweise: „Achtung! Kampfhund! Dobermänner beißen Kindern in den Kopf!“ Wie werden Sie sich unter diesen Bedingungen verhalten? Genau, Ihr Instinkt sagt: Lauf! Sie nehmen die Beine in die Hand, wechseln die Straßenseite, suchen nach Abwehrgegenständen – am liebsten würden Sie auf den nächsten Baum flüchten. Sie werden alles dafür tun, dem Dobermann bloß nicht zu begegnen. Warum? Weil es Ihr Bedürfnis ist, Risiko zu vermeiden, und Ihre Sichtweise Ihnen sagt, dass Dobermänner tödliche Kampfmaschinen sind. Vielleicht wurden Sie schon einmal gebissen oder Sie kennen jemanden, der schon einmal gebissen worden ist, oder Sie haben in den Nachrichten gesehen, dass ein Kind von einem Dobermann gebissen wurde.
Unsere Paradigmen und Überzeugungen bzw. Sichtweisen sind sehr tief in uns verankert und daher besonders schwierig zu ändern. Wir schauen durch unterschiedliche Brillen, dir wir permanent, aber für andere unsichtbar auf der Nase tragen. Wir schauen auf die Welt aus unserer Perspektive heraus, die wir meistens für die einzig richtige halten. Sichtweisen sind nicht schlecht. Sie helfen uns in vielen Situationen des Lebens weiter, denn sie geben uns Orientierung. Wenn aber eine Sichtweise nicht „korrekt“, für unsere Mitmenschen nicht nachvollziehbar, vollständig oder schlicht inadäquat ist, dann kommt es häufig zu Streitereien und Konflikten. Wenn andere Menschen andere Sichtweisen haben als wir, dann ist es oft schwierig, die Ergebnisse zu erzielen, die wir uns wünschen.
| Unsere Bedürfnisse bestimmen unsere Sichtweisen, diese bestimmen unser Verhalten und unser Verhalten führt zu Ergebnissen, die im Idealfall unsere Bedürfnisse befriedigen. Die Sichtweisen sind der Schlüssel, um langfristig das Verhalten und damit auch die Ergebnisse zu ändern. | |
1.3Erfolgsfaktor Perspektivenwechsel
Wir alle wollen erfolgreich sein und 5-Sterne-Ergebnisse erzielen. Doch was macht 5-Sterne-Ergebnisse aus? Warum sind sie so erstrebenswert? Ganz einfach: Sie befriedigen unsere Bedürfnisse und verschaffen uns so gute Gefühle. Das 5-Sterne-Prinzip zeigt Ihnen, wie Sie gezielt an den einzelnen „Rädchen“ Ihrer Persönlichkeit drehen und eine andere Sichtweise einnehmen können. Sie blicken nicht nur aus einer anderen Perspektive auf Ihre eigenen Bedürfnisse, Sicht- und Verhaltensweisen, sondern auch auf die Ihrer Mitmenschen. Denn unsere Ergebnisse sind meistens abhängig von anderen Menschen. Umso wichtiger ist es, dass alle Beteiligten die angestrebten Ergebnisse kennen:
Welches Ergebnis streben Sie und der andere an?
Welche unterschiedlichen Erwartungen liegen vor und wie lassen sich daraus entstehende Herausforderungen lösen?
Welche Motive, Verhaltens- und Sichtweisen fördern das gewünschte Ergebnis?
Was müssen Sie verändern, um das gewünschte Ergebnis erzielen zu können?
Der Nutzen des Perspektivenwechsels
Um ein 5-Sterne-Ergebnis zu erzielen, ist ein Perspektivenwechsel essenziell – egal, ob es um unterschiedliche Motive, Sicht- und Verhaltensweisen oder um unterschiedliche Definitionen von Ergebnissen geht. Nur wenn wir die Perspektive wechseln und erkennen, was wir und was die anderen brauchen, wird ein (gemeinsames) 5-Sterne-Ergebnis möglich, denn:
Nur wer weiß, wer er ist, erkennt sein Potenzial und lernt es auszuschöpfen.
Nur wer reflektiert, was ihn und andere im Innersten antreibt, kann mehr Zufriedenheit erreichen.
Nur wer die Welt auch einmal aus einer anderen Perspektive betrachtet, wird erfolgreich und individuell mit sich und anderen umgehen können.
Bevor Sie sich also voller Aktionismus auf den Weg machen, sollten Sie sich erst einmal Klarheit darüber verschaffen, wo der Weg überhaupt hingehen soll: Was ist Ihr persönliches 5-Sterne-Ergebnis? Die folgenden Fragen können Ihnen bei der Definition helfen:
Inwieweit befriedigt das angestrebte Ergebnis mittel- und langfristig Ihre Bedürfnisse?
Welche Sichtweisen auf das Thema oder die Situation hindern Sie daran, sich zielführend zu verhalten?
Welche Art von Perspektivenwechsel könnte Ihnen zu ergebnisfördernden Verhaltensweisen verhelfen?
Verhaltensweisen oder auch -muster sind tief in unserer Persönlichkeit verankert und ebenso schwierig veränderbar wie Sichtweisen. Vieles passiert unreflektiert und instinktiv – wie eine Art „Programm“, das automatisch abläuft. Das folgende Beispiel zeigt die Konsequenzen.
Es ist Freitagnachmittag. Ihre Woche verlief nicht wirklich rund, dementsprechend angespannt sind Sie. Am Wochenende bekommen Sie Besuch und dafür müssen Sie noch einiges einkaufen. Eigentlich kein guter Plan, denn um diese Uhrzeit treffen sich viele gestresste Menschen in den Supermärkten. Aber Sie haben keine andere Wahl. Sie hasten also zielstrebig durch die Gänge. Schnell haben Sie Ihren Einkaufszettel abgearbeitet, doch an jeder Kasse erwartet Sie eine meterlange Schlange! Das bessert Ihre Stimmung nicht gerade. Sie entscheiden sich für die Schlange mit den weniger vollen Einkaufswagen und schauen der Kassiererin ungeduldig beim Scannen zu. Dann legt der Rentner vor Ihnen seine Sachen aufs Band. Teil für Teil und gefühlt in Zeitlupe. Nachdem die Kassiererin alles gescannt hat, packt er seinen Einkauf – Teil für Teil und ebenso in Zeitlupe – wieder zurück in seinen Wagen. Sie merken, wie sich das Gefühl des Genervtseins immer weiter in Ihnen breitmacht. Sie denken: „Müssen diese Rentner denn unbedingt am Freitagnachmittag einkaufen gehen? Die haben doch den ganzen Tag Zeit.“ Sie beobachten die Kassiererin und stellen fest, dass sie viel länger für das Einscannen der Produkte braucht als ihre Kollegen an den anderen Kassen. Ihr nächster Gedanke: „Typisch, da habe ich ja mal wieder genau die richtige Kasse erwischt.“ Oder: „Ist die neu oder einfach nur unfähig?“ Während Sie so dastehen und sich Ihren negativen Gedanken hingeben, spüren Sie plötzlich, wie Ihnen die Räder eines Einkaufswagens schmerzhaft in die Hacken gerammt werden.
Wie verhalten Sie sich in diesem Moment? Mal ganz ehrlich, eigentlich würde ein Teil von Ihnen gerne ausrasten, denn Sie sind vollgepumpt mit schlechten Gefühlen. Doch der gesellschaftliche Verhaltenskodex, der uns anerzogen wurde, hindert uns daran.
Die Gründe von Verhalten erkennen
Verhaltensweisen bzw. Verhaltenspräferenzen (die präferierte Art und Weise, sich zu verhalten) zeigen sich insbesondere dann, wenn Menschen gestresst sind oder auch in Alltagssituationen kommen, in denen sie nicht die nötige Zeit haben (oder zu haben meinen), sich über das Ergebnis ihres Handelns bewusst zu werden. Uns begegnen tagtäglich viele Menschen, zu denen wir keine nähere Beziehung haben, und deshalb setzen wir uns mit ihnen auch nicht auseinander. Auch wenn manchmal ein Perspektivenwechsel nötig wäre, so halten wir ihn für „vergebliche Liebesmüh“. Warum sollten wir so viel Energie für fremde Personen aufbringen?
Ein verständlicher Gedanke. Dennoch können und sollten wir auch in solchen Situationen die Chance nutzen, sensibler für die Wahrnehmung von Verhalten und seiner Wirkung zu werden. Kommen wir auf das Supermarkt-Beispiel zurück und gehen einfach davon aus, dass die Person hinter Ihnen nicht gemerkt hat, dass sie Ihnen den Einkaufswagen in die Hacken gerammt hat. Vielleicht war sie in Gedanken, durch ein Kind oder einen anderen Menschen abgelenkt. Oder sie war selbst gestresst und müde. Bestimmten Verhaltensweisen gehen bestimmte Situationen voraus – seien diese nun bewusst oder unbewusst. Wenn wir uns unser Verhalten und die daraus resultierenden Ergebnisse auch in Alltagssituationen immer wieder bewusst machen, dann können wir lernen, beides zu steuern – und vermeiden, dass schlechte Gefühle daraus entstehen.
Also: Atmen Sie tief ein und aus, zählen Sie langsam bis fünf, machen Sie sich die Situation bewusst, in der Sie sich gerade befinden, und stellen Sie sich die folgenden Fragen:
Welches Ergebnis möchte ich erreichen?
Lohnt es sich in der aktuellen Situation, sich emotional von dem Verhalten der anderen aufwühlen zu lassen?
Durch welches Verhalten erreiche ich mein angestrebtes Ergebnis?
Welche Gründe könnte der andere haben, sich so zu verhalten?
Dadurch werden Sie mit dem zunächst so unverständlichen Verhalten anderer besser umgehen können. Denn die Schlange an der Kasse wird nicht kürzer, die Kassiererin nicht schneller und der Rentner nicht jünger, wenn Sie sich aufregen.
Schon Henry Ford hat den Nutzen des Perspektivenwechsels erkannt: „Um Erfolg zu haben, musst du den Standpunkt des anderen einnehmen und die Dinge mit seinen Augen betrachten.“
Tipp: Lassen Sie nicht zu, dass das Verhalten anderer negative Gefühle bei Ihnen weckt, sondern machen Sie sich das Ergebnis bewusst, das Sie erreichen wollen.
Ich weiß, das klingt einfacher, als es ist. Unsere Emotionen haben uns stark im Griff. Sich in Stresssituationen nicht von seinen Emotionen übermannen zu lassen, ist harte Arbeit. Doch man kann das trainieren – wie einen Muskel, der sich nach und nach aufbaut: Durch das mehrfache Wiederholen des zielführenden Verhaltens wird es sich automatisieren – und sich irgendwann sogar auf Ihre Sichtweise auswirken.
| Das 5-Sterne-Prinzip basiert auf folgenden fünf Aspekten der Persönlichkeit: Bedürfnisse, Sichtweisen, Gehirn, Verhalten, Ergebnisse. Sie bilden eine kausale Kette, wobei die Ergebnisse am Ende im Idealfall unsere Bedürfnisse befriedigen. Die Qualität unserer Ergebnisse wird dadurch beeinflusst, wie gut oder schlecht wir die Perspektive wechseln können. Jedes Mal, wenn wir unsere Motive, Sicht- und Verhaltensweisen reflektieren, haben wir die Chance, durch einen Perspektivenwechsel bessere Ergebnisse zu erzielen – ob beruflich oder privat, ob in einer unserer Beziehungen oder ganz für uns allein. | |
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