Читать книгу: «Indianische Heilpflanzen»
Das Buch
Von allen Heilmethoden aus fremden Kulturen - wie Ajurveda, traditionelle chinesische Medizin oder schamanische Heilweisen- liegen uns die indianischen Heilpflanzentherapien am nächsten und lassen sich von uns deshalb am leichtesten nachvollziehen. Das liegt einmal daran, dass unsere europäische Phytotherapie schon seit Kolumbus' Zeiten viele Anregungen aus der Neuen Welt aufgenommen hat, zum anderen aber daran, dass viele große und bewährte Indianer-Medizinpflanzen auch bei uns zu Lande wachsen und deshalb leicht zu beschaffen sind. Wir können uns also recht einfach uraltes indianisches Heilwissen zu Nutze machen. Dieses Wissen und die dahinter stehende ganzheitliche Philosophie der Naturvölker Nord-, Mittel- und Südamerikas vermittelt dieses Buch.
- Vom ganzheitlichen Heilen der indianischen Medizinmänner und Schamanen -
- Alle wirksamen, hier erhältlichen Heilpflanzen der Indianer kennen und anwenden lernen -
- Übersicht über die wichtigsten indianischen Zauberpflanzen mit psychoaktiven Wirkstoffen -
- Die besten Rezepturen für die erfolgreiche Selbsthilfe zu Hause -
Der Autor
Felix R. Paturi arbeitet seit drei Jahrzehnten als freier Wissenschaftspublizist. Er verfügt über Ausbildungen als Diplom-Ingenieur, Psychologe und Heilpraktiker und lehrt seit vielen Jahren Schamanismus im Rahmen des von ihm gegründeten Schamanenforums. Seine zahlreichen Reisen führten ihn u.a. zu den Stammesvölkern der Tarahumara, Lakandonen, Tuareg und anderen Berber-Ethnien, Haussa, Woluf, Turkana, Massai, Ovahimba, Kaschkai, Toda und Maori.
Felix R. Paturi
Indianische
Heilpflanzen
Mit heimischen und exotischen Pflanzen nach der
indianischen Heiltradition Krankheiten vorbeugen und behandeln

Inhaltsverzeichnis
Umschlag
Das Buch / Der Autor
Titel
Inhaltsverzeichnis
Harmonie des Ganzen
Die Lebensphilosophie der Indianer Wissenschaft und indianisches Denken
Der Erkenntnisweg der Wissenschaft
Der Erkenntnisweg der Schamanen
Der Weiße Mann kann lernen
Rein materielles Denken macht krank
Integrales Denken - integrales Heilen
Die Seele beherrscht den Körper
Der indianische Medizinbegriff
Heilpflanzen sind Brüder und Schwestern
Unser indianisches Erbe Die Tradition der indianischen Medizin
Europa und die Neue Welt
Hilfe für den Weißen Mann
Neugier europäischer Botaniker
Beginn der europäischen Arzneimittellehre
Die Qualität der Heilpflanzenkenntnisse
Pharmazie und Medizin der Indianer Übernahme indianischen Wissens
Lernbereite Spanier
Heilpflanzenwissen in Mittel- und Südamerika
Medizinmänner und Schamanen
Ein gravierender Unterschied
Spirituelle Kräfte
Medizinische Praktiken
Pflanzendrogen für besondere Zwecke
Sonstige Heilmethoden
Zauberdrogen - Pflanzen der Götter Heilpflanze oder Suchtdroge?
Schamanische Heilpflanzennutzung
Zauberpflanzen als Therapeutika
Die Wirkungsweise der Zauberpflanzen
Die wichtigsten indianischen Zauberpflanzen
Große indianische Heilpflanzen Vielfalt der Heilpflanzen
Aloe (Aloe vera)
Boldo (Peumus boldus)
Chinarindenbaum (Cinchona pubescens)
Condurango (Marsdenia cundurango)
Damiana (Turnera diffusa var. aphrodisiaca)
Amerikanischer Faulbaum (Rhamnus purshiana)
Amerikanischer Ginseng (Panax quinquefolius)
Kakao (Theobroma cacao)
Mais (Zea mays)
Papaya (Carica papaya)
Pfeilwurz (Maranta arundinacea)
Quebracho (Aspidosperma quebracho-blanco)
Sabal-Palme (Serenoa serrulata)
Sarsaparille (Smilax regelii)
Sassafras (Sassafras albidum)
Sonnenblume (Helianthus annuus)
Tabak (Nicotiana tabacum)
Zaubernuss (Hamamelis virginiana)
Anwendungen von A bis Z Ganzheitliches Heilen
Allergien
Altersbeschwerden
Anämie (Blutarmut)
Arteriosklerose
Arthritis
Asthma bronchiale
Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis)
Blasenleiden
Blutreinigung
Bronchitis
Diabetes mellitus
Durchfallerkrankungen
Erkältungen, Influenza
Fieber
Frauenleiden
Gallenblasenleiden
Gicht
Grippe
Erkrankungen der Harnwege, Nieren, Blase
Hautleiden
Herz- und Kreislaufbeschwerden
Hämorrhoidalleiden
Immunschwäche
Kopfschmerzen, Migräne
Krebserkrankungen
Lebererkrankungen
Libidomangel
Magen- und Darmbeschwerden
Menstruationsbeschwerden
Müdigkeit
Nebenhöhleninfektionen
Nervosität
Nierenleiden
Rheumatische Erkrankungen
Schwäche, Rekonvaleszenz, Müdigkeit
Nachwort
Impressum

Kürbisse und Mais haben einen hohen Stellenwert unter den indianischen Heilpflanzen.

Schon die Maya wendeten Tee aus den Blütenblättern der Sonnenblume wirkungsvoll gegen hohes Fieber an.

Sowohl Samen wie Blätter des Stechapfels (Datura) waren schon den Indianern als Entkrampfungsmittel bekannt.

Die Wurzeln der "Pusteblume" helfen bei Gallenblasenleiden.

Eine Tinktur aus den Blättern der Nachtkerze hilft gegen Bronchialasthma.

Frische rohe oder getrocknete Erdnüsse sind ein hervorragendes Blutreinigungsmittel.

Herzasthma behandeln Medizinmänner mit Bitterstoffen der Rosskastanie.
Harmonie des Ganzen
Wenn von Heilpflanzen die Rede ist, denkt der durchschnittliche Europäer sofort an die Pflanzenheilkunde, an die Phytotherapie also. Die mag zwar sehr unterschiedliche Gesichter haben - reicht sie doch vom Kräuterteegemisch aus Großmutters Hausrezeptesammlung und vom bitteren alpenländischen Verdauungsschnapserl bis hin zur standardisierten Wirkstoffauszugsdroge der modernen pharmazeutischen Industrie. Dahinter steckt jedoch immer der gleiche Grundgedanke: Bestimmte Pflanzen enthalten bestimmte organisch-chemische Substanzen, die auf irgendeine Weise krankheits- oder organspezifisch wirken, wenn der Mensch sie seinem Körper zuführt. Diese »aufgeklärte« naturwissenschaftliche Betrachtungsweise teilen die meisten Naturvölker nicht.
Ironie der Medizingeschichte: Im 16. Jahrhundert trug ausgerechnet die Begegnung spanischer Eroberer der Neuen Welt mit indianischen Medizinmännern und ihrem riesigen Heilpflanzenschatz maßgeblich zur Entwicklung der Haltung bei, die Europäer heute gegenüber der Pflanzenheilkunde einnehmen.
Heilung des lebendigen Ganzen
Der europäische Geist ist analytischer Natur. Er seziert und untersucht dann - zwangsläufig - Leichen, denn was man erst einmal in Einzelteile zerstückelt hat, ist kein lebendiges Ganzes mehr.
Die Naturkenner der Stammesvölker kümmern sich nicht um derartige einzelne Scherben, sie schenken ihr Augenmerk dem heilen Ganzen, also dem Leben mit all seinen komplexen Erscheinungsformen und Zusammenhängen. So repariert denn der europäische Arzt Schäden und Defekte, der Medizinmann hingegen bringt außer Tritt geratene Harmonien wieder ins Gleichgewicht. Das trifft auf den heilenden Indio ebenso zu wie etwa auf die Medizinmänner Schwarzafrikas, die Kräuterkundigen Zentralasiens oder die Ärzte der traditionellen chinesischen Medizin.
So weiß denn auch der durchschnittliche europäische Arzt nach abgeschlossener Ausbildung in der Regel weit mehr über zahlreiche einzelne Krankheiten als über die integrale Funktion des gesunden Gesamtorganismus. Kein Wunder, dass nicht zuletzt vor diesem Hintergrund in Europa und überall dort, wo heute die europäische Kultur ihren Einzug genommen hat, ein äußerst gestörtes Verhältnis des Menschen zur Natur herrscht. Steht er schon aus traditioneller christlicher Sicht selbst außerhalb dieser - denn er gibt vor, Gott habe ihm befohlen, sich die Natur untertan zu machen -, so trägt die moderne Naturwissenschaft das ihre zu diesem absurden Weltbild bei, indem sie alles, was sie nicht messen und begreifen kann, als »übernatürlich« und damit als Humbug abtut. Diese Denkweise gipfelt in dem Unwort »Umwelt«, das der Europäer arrogant benutzt, um die gesamte Schöpfung außer sich selbst und seiner Technik zu bezeichnen. »Welt« wäre ein treffenderer Ausdruck, doch der würde den zivilisierten Menschen peinlicherweise zwingen, sich selbst wieder als einen integralen Teil des Ganzen zu betrachten und sich nicht elitär darüber zu stellen.
Neben den Spaniern übernahmen auch andere europäische Eroberer indianische Heilpflanzenkenntnisse in ihren Wissensschatz.
Der Mensch in Harmonie mit sich und der Welt
Dieses gravierenden Unterschieds zwischen der europäischen Weltauffassung und dem Weltbild der Stammesvölker muss sich bewusst sein, wer sich mit indianischer Heilkunde befassen will. Sie ist nicht mehr als die schulmedizinische Phytotherapie, sie ist etwas ganz anderes, denn sie hat andere Ziele: Sie will keine lokalen Schäden beheben, sie strebt die Harmonie des Ganzen an. Indianische Heiler stellen auch nicht die Harmonie einer kranken Leber wieder her, sondern die des gesamten Organismus; und nicht nur diese, sondern die Harmonie des gesamten Lebewesens. Dazu gehört nicht allein der Körper, dazu gehören auch Geist und Seele.
Doch auch damit nicht genug. Ein einzelner Mensch kann in sich alleine nicht harmonisch und deshalb gesund leben, wenn er nicht auch in Harmonie mit seinen Mitmenschen und in Harmonie mit der Natur lebt.
Wer also glaubt, in diesem Buch Rezepturen vorzufinden, die ihm sagen, mit welchen indianischen Heilpflanzen er welche Wehwehchen kurieren kann, ohne weiter darüber nachdenken zu müssen, warum sein Körper überhaupt in Disharmonie geraten ist und ohne daraus Konsequenzen für seinen künftigen Alltag zu ziehen, der mag dieses Werk aus der Hand legen und weiterhin vom Arzt verordnete Pillen schlucken. Auch sie werden seine Leiden lindern und manche Krankheit heilen; die Frage ist nur, mit welchen Nebenwirkungen und für wie lange. Denn die kranke Seele heilen sie nicht.
Felix R. Paturi
Die Lebensphilosophie der Indianer
Das Wort »Indianer« birgt etwas Primitives, Atavistisches. Doch schon in unserer Kindheit - beim Indianerspielen - ging gleichzeitig eine starke Faszination davon die Anziehungskraft einer weit verbreiteten und hochkomplexen Kultur. Ob in Süd-, Nord- und Mittelamerika, in Grönland oder Asien - überall sind die Zeugnisse der indianischen Kulturkreise zu finden. Millionen interessierter Europäer besuchen jedes Jahr in Mexiko die Kultstätten der Maya und Azteken. Durch die Tempel der Maya, die Jagdtechniken der nordamerikanischen Indianer und die Mythen der Indios ist die Lebensphilosophie aller indianischen Kulturen auch für uns von Bedeutung. Der Weiße Mann kann lernen - und muss es auch, will er sein Überleben auch in weiterer Zukunft sichern.
Wissenschaft und indianisches Denken
Der Erkenntnisweg der Wissenschaft
Kurz vor seinem Tod erklärte der große Naturwissenschaftler Sir Isaac Newton (1643-1727): »Ich weiß nicht, als was ich der Nachwelt erscheinen mag, doch mir scheine ich nur wie ein Knabe gewesen zu sein, der an der Küste spielt und hin und wieder einen glatteren Kiesel oder eine schönere Muschel als gewöhnlich findet, während doch der große Ozean der Wahrheit gänzlich unentdeckt vor mir lag.«
Und als sich 1958 Wolfgang Pauli, einer der bedeutendsten und genialsten Physiker des 20. Jahrhunderts, anschickte, diese Welt zu verlassen, vertraute er seinem wissenschaftlichen Lieblingsassistenten sinngemäß an, er habe jetzt kognitiv eine Gesamtschau der kosmischen Realität erfahren, doch diese sei derart erhaben und beeindruckend, dass sie das Verständnis der Naturwissenschaftler unserer Tage bei weitem überfordere. Er wolle diese Erkenntnis mit ins Grab nehmen, denn er beabsichtige, als renommierter Wissenschaftler zu sterben und nicht als Phantast und Spinner abgetan zu werden. Es muss also wohl noch andere Erkenntniswege geben als jenen lebenslänglicher brillanter wissenschaftlicher Forschung, und vielleicht sind diese Wege sogar die zuverlässigeren.
Ironie des Schicksals
Selbst die von Newton bescheiden als »glattere Kiesel« und »schönere Muscheln« apostrophierten Erkenntnisse erwiesen sich zwei Jahrhunderte später als gar nicht so ungewöhnlich glatt und schön, als Albert Einstein, Max Planck und andere mit neuen Einsichten die bis dahin als Fundament der Naturwissenschaft betrachtete Newtonsche Physik zum Einsturz brachten.
Natürlich protestierten zunächst Hunderte von Wissenschaftlern gegen die Einsteinsche Revolution namens Relativitätstheorie, denn sie forderte Umdenken und das Aufgeben scheinbar sicherer Positionen. Nicht anders verhielt sich später Albert Einstein selbst, als er auf Werner Heisenbergs Entdeckung der Undeterminiertheit subatomarer Teilchen, der er wissenschaftlich nicht widersprechen konnte, 1927 rein emotional mit den Worten reagierte: »Gott würfelt nicht«.
Später forderte dann der bedeutende Quantenphysiker Niels Bohr rigoros eine »endgültige Ablehnung der Idee der Kausalität« und »eine radikale Revision unserer Haltung gegenüber dem Problem der physikalischen Realität«. Heute, wenige Jahrzehnte später, ist er mit dieser Forderung nicht mehr allein, nachdem es 1992 dem Kölner Experimentalphysiker Günter Nimtz unwiderlegbar gelang, Informationen (darunter ein Musikstück) mit mehrfacher Lichtgeschwindigkeit zu übertragen.
Damit wurde nicht nur eines der bisher als ehern angesehenen Postulate der modernen Physik gestürzt, dass es nämlich grundsätzlich keine höhere Geschwindigkeit als die des Lichts im Vakuum gibt. Zugleich erhielt auch Niels Bohrs theoretisch hergeleitete Forderung nach der Abkehr von jeglicher Kausallogik ein praktisch nachprüfbares Fundament: Bei der inzwischen nachgewiesenen Möglichkeit unendlich schneller Informationsübertragung fallen für den äußeren Beobachter Ursache und Wirkung zeitlich zusammen und können miteinander sogar vertauscht erscheinen.
Selbst geniale Naturwissenschaftler müssen sich am Ende ihres Lebens oft die Existenz höherer Erkenntnismöglichkeiten eingestehen.
Die Grenzen der Wissenschaft
Genau an diesem Punkt stößt die wissenschaftliche Erkenntnismethodik an eine prinzipielle Grenze. Das betrifft keineswegs nur die Physik, die diese Grenze lediglich entdeckte, das betrifft ebenso gut alle anderen Naturwissenschaften einschließlich der Biologie und der Medizin.
Das bedeutet aber keineswegs, dass es nicht Erkenntniswege gäbe, die in der Lage sind, diese Grenze zu überschreiten, und zwar genau deshalb, weil sie nicht an die Prämisse der Kausallogik gebunden sind, die jeder naturwissenschaftlichen Methodik zugrunde liegt.
»Das Wesen der wissenschaftlichen Methode ist solcher Art«, sagte der Physiker Adolph Baker 1970, »dass man seine Wünsche und Hoffnungen unterdrücken muss, hin und wieder sogar seine Intuition.« Aber darf man Intuitionen nicht trauen? Gewiss nicht, wenn man dieses Erkenntnisinstrument nicht beherrscht, weil man es zwei Jahrtausende lang - genau genommen seit der Entwicklung wissenschaftlicher Kausallogik im alten Griechenland - sorgfältig unterdrückt hat. »Der Student der Physik findet seine Intuition so wiederholt verletzt, dass er dies schließlich als eine Routineerfahrung akzeptiert«, kommentiert das Adolph Baker.
Und er fährt an anderer Stelle fort: »Es ist üblich geworden, die Schuld an unseren gesellschaftlichen Problemen den technischen Entwicklungen zu geben, die aus der wissenschaftlichen Revolution entstanden sind, doch der wahre Schurkenakt der Wissenschaft war die Vernichtung der Mythen. Schließlich gibt es diesmal keine neuen Mythen mehr, um die alten zu ersetzen. Der Mensch hat jüngst entdeckt, dass das Universum nicht jene wundervoll strukturierte Maschine ist, in welcher sein Vater und sein Großvater zu leben glaubten, und er taumelt noch immer unter diesem Schicksalsschlag.«
Die Einsichten, zu denen der Mensch aufgrund rein naturwissenschaftlicher Erkenntnisse gelangen kann, sind begrenzt.

Nach indianischer Lebensauffassung sind Mensch und Natur untrennbar miteinander verbunden. Licht, Luft, Tiere und Pflanzen geben dem Menschen, was er zum Leben braucht - und halten Körper, Geist und Seele im Gleichgewicht.
Zerstörung alter Mythen
Nur allzu oft erwiesen sich die zum Mythos erhobenen Gesetze der Wissenschaft als falsch. Doch war das insofern belanglos, als sie sich im Zug ihrer Korrektur flugs durch neue Mythen ersetzen ließen.
Seit kurzem gelingt dies nun aber nicht mehr. Das Heer der Naturwissenschaftler unserer Zeit will das zwar noch immer nicht wahrhaben, denn es bedroht ihre Existenz; doch die internationale Forschungselite formuliert es sehr direkt. Als alleiniges Hilfsmittel der Erkenntnis hat die Kausallogik ihre Grenzen erreicht, wenn sie nicht sogar ausgedient hat. Andere Erkenntniswege kennt der Naturwissenschaftler aber nicht. Dennoch: Es gibt sie. Und erstaunlicherweise sind sie sogar zuverlässiger als die Wege naturwissenschaftlicher Erkenntnis. Physik, Chemie, Astronomie, Biologie, Medizin und alle anderen Wissenschaften haben sich zu einem beachtlichen Gebäude entwickelt. Der Weg dahin führte durch Tausende von Irrungen und Wirrungen, und offenbar versteht und akzeptiert der Europäer dieses Vorgehen als einzig mögliches.
So sagte der zweifellos sehr vielseitige Dichterfürst und Philosoph Goethe, der als Neuplatoniker stark vom dualistischen Denken beeinflusst war, in seinem Faust: »Es irrt der Mensch, solang er strebt.«
»Über Jahrhunderte hat die Naturwissenschaft die alten Mythen der Naturvölker systematisch durch neue Mythen ersetzt, nämlich durch ihre eigenen >ehernen Gesetze<.« (Adolph Baker)
Der Erkenntnisweg der Schamanen
Lebenslanges Suchen: Die rein materielle Erkenntnissuche basiert vorwiegend auf dem Prinzip des Arial and error«. Spirituelle Erkenntnisse erweisen sich dagegen oft als von zeitloser Gültigkeit.
Nun lässt sich aber belegen, dass außereuropäische Ethnien über Erkenntniswege verfügen, deren Aussagen niemals irgendwelche grundlegenden Korrekturen erforderlich machten und die sich als zeitlos richtig erwiesen. Die Lehren der alten asiatischen Weisen gehören ebenso dazu wie etwa die Einsichten der Indianer beider amerikanischer Subkontinente. Das betrifft Aussagen über so komplexe Systeme wie das Leben und die Schöpfung als Ganzes, erweist sich aber auch in Detailerkenntnissen als korrekt.
Dies wird allein durch die Tatsache belegt, dass Naturvölker, die nicht den Versuch unternehmen, sich zu einer von materiellem Denken dominierten Hochkultur zu entwickeln, in der Lage sind, jahrtausendelang in voller Harmonie mit ihrem natürlichen Lebensraum zu überdauern, während bisher alle rein intellektuell errichteten Hochkulturen nur mehr oder weniger kurze Gastspiele in der Geschichte gaben.
Zudem vermögen es Naturvölker auch, souverän mit so komplexen Strukturen wie Ökosystemen oder Sozialgefügen umzugehen, die selbst die kompliziertesten EDV-Programme der modernen europäischen Wissenschaft nicht hinreichend analysieren können, um somit ihr vielfältig vernetztes Zusammenspiel zu verstehen.
Es lassen sich noch weitere Detailbeispiele anführen, die untermauern, dass etwa die spirituellen Erkenntnissysteme der Indianer in vielen Punkten den europäischen Wissenschaftlern voraus sind. Nach der Entdeckung der Askorbinsäure (Vitamin C) und der chemischen Enträtselung ihrer Molekularstruktur behaupteten indianische Mediziner, natürliche organische Substanzen besäßen auch dann eine weit größere und zugleich andersartige Heilkraft, wenn sie chemisch absolut gleich aufgebaut wären wie synthetische.
Amerikanische Ärzte europäischer Prägung hielten das für Aberglauben, bis schließlich am 6. Mai 1972 der Biochemiker Justa Smith im Rahmen einer Expertentagung an der University of California vortrug, er habe mit gaschromatografischen Untersuchungen nachgewiesen, dass es sehr wohl gravierende Unterschiede zwischen dem Vitamin C aus Pflanzen und jenem aus der Retorte gibt.
Die »lebende« Askorbinsäure zeigte sich im Chromatografen wie eine »von stark vibrierenden Strahlenkränzen umgebene plastische Orange«; die synthetische Askorbinsäure dagegen zeigte sich als »flache, farblose, zweidimensionale konzentrische Kreisstruktur ohne Kraftlinien« - sie glich einer toten geometrischen Zeichnung!
Die chemische Struktur kann trügen: Der molekulare Aufbau allein bestimmt nicht immer die Wirksamkeit einer Substanz. Das Heilvermögen eines Mittels speist sich auch aus Strukturen, die sich dem europäischen Wissenschaftler auf den ersten Blick entziehen.
Indianische Heiler und die Homöopathie
Noch heute lehnt die Schulmedizin homöopathische Heilverfahren rigoros ab. Ihr wichtigstes Argument: »In den verabreichten Arzneien befinden sich keinerlei pharmazeutisch wirksame Substanzen.« Chemisch gesehen ist das durchaus korrekt. Eine homöopathische D 200-Potenz stellt eine weitaus stärkere »Verdünnung« dar, als wollte man ein einziges Zuckermolekül mit der gesamten Materie des Universums vermischen.
Dennoch haben Doppelblindversuche - auch an Universitäten - immer wieder die Wirksamkeit dieser homöopathischen Präparate bewiesen. Indianische Heiler, die man nach einer Begründung für dieses Phänomen befragte, sagten, der Weiße Mann, der rein materiell denke, könne das nicht verstehen. Die Ursache für die Wirkung dieser Medikamente liege in so genannten Energiemustern.
Diese Energiemuster »sähen aus« wie Planetensysteme, bei denen Himmelskörper, die um ein zentrales Gestirn kreisen, in einer Art veränderter Schwingung aus ihrer Bahn geraten seien. Genau Gleiches entdeckten viele Jahre später kanadische Quantenphysiker. Sie untersuchten hoch potenzierte homöopathische Substanzen und stellten dabei ähnliche Strukturen fest wie die von den indianischen Heilern beschriebenen.
Der Pulsschlag der Erde
Doch nicht nur in der Heilkunde machten Indianer zuverlässige Aussagen, die die Naturwissenschaft erst weitaus später bestätigen konnte. So sprachen sie schon von einer dynamischen Erde mit einem ruhelosen, ja turbulenten Inneren und darauf bewegten Kontinenten, lange bevor die Geophysik unseres Jahrhunderts zum gleichen Resultat gelangte. So berichteten indianische Schamanen und auch die Schamanen vieler anderer Stammesvölker über einen »Pulsschlag von Mutter Erde« in einem Rhythmus, der dem ihrer Trommeln gleicht; doch erst in allerjüngster Vergangenheit entdeckten Seismologen mit hoch sensiblen Instrumenten, dass die Erde in der Tat als Ganzes in diesem Rhythmus »atmet«, sich also in raschem Wechsel minimal zusammenzieht und wieder ausdehnt.
Heinz Stammel, Autor des leider vergriffenen, exzellenten Kompendiums »Die Apotheke Manitous«, wies in diesem Werk sehr deutlich auf das Faktum indianischer Erkenntnisse hin: »Vergleicht man die überlieferten Aussagen indianischer Heilkundiger aus etwa drei Jahrhunderten, so fällt auf, dass sie alle bis in die jüngste Zeit exakt übereinstimmen.« Und mehr noch: Keine einzige davon lässt sich in irgendeiner Weise wissenschaftlich widerlegen. Viele aber sind wissenschaftlich auch heute noch generell unverstanden.«
Die Indianer betrachten die Erde als ihre Mutter. Sie verehren sie und preisen ihre Gaben - seien es Nahrung, Heilpflanzen, die Luft zum Atmen oder das Licht zum Sehen.
Der Weiße Mann kann lernen
Stammel fügt hinzu, dass uns der indianische Weg der Erkenntnis völlig unbekannt sei. Nun, genau das trifft aber nicht zu. Die Zeit ist vorbei, in der gnostische schamanische Naturerkenntnis allein von Ethnologen, Missionaren und anderen rein äußeren Beobachtern mit einer gewissen Befremdung oder gar mit kompletter Ablehnung lediglich als exotischer Aberglaube primitiver Wilder dokumentiert wurde.
Schon Zehntausende moderne US-Amerikaner und Europäer arbeiten seit rund zwei Jahrzehnten selbst schamanisch, und nicht wenige davon haben dabei in der Tat Erkenntniswege gefunden, die denen der Indianer gleichen.
Als ehemals energischer Verfechter eines rein naturwissenschaftlichen Weltbildes weiß ich, wovon ich rede, denn ich betrachte auch diese neoschamanische Arbeit durchaus kritisch und habe nicht wenig an ihren oft nur allzu gutgläubigen und naiven »Jüngern« auszusetzen. Sie haben es auch nicht gerade leicht, denn ihnen fehlt noch völlig das traditionelle Instrumentarium, über das die Indianer seit Jahrtausenden verfügen. So können sie auf diesem Gebiet oft Richtig von Falsch noch nicht unterscheiden. Damit ergeht es ihnen nicht viel anders als den Naturwissenschaftlern der Renaissance. Auch diese hatten neue Wege entdeckt, vermochten aber noch nicht, deren Ergebnisse kritisch zu beurteilen.
Nach indianischer Auffassung kann Schamane werden, wer die Begabung vererbt bekommen hat oder sich spontan - etwa durch einen Traum - dazu berufen fühlt. Auch eine rein willensgesteuerte Entscheidung für das Erlernen des Schamanentums ist möglich.
Schamanische Heilkunst im Versuchsverfahren
Immerhin ist es äußerst erstaunlich zu sehen, wie rasch selbst Europäer, die noch niemals Kontakt mit schamanischer Arbeit hatten, zu guten Erfolgen geführt werden können. Ich selbst habe 1998 ein Experiment mit zehn Personen unternommen, die alle erst kurz zuvor einige Grundlagen schamanischer Arbeit erlernt hatten. Aufgabe war es, in einem kleinen Wald- und Auwiesengebiet mit reichhaltiger Flora innerhalb von zwei Stunden pro Person zehn Pflanzen zu sammeln, wobei jeder Teilnehmer der Gruppe eigene Wege ging.
Mit schamanischen Methoden (Rasseln über den Pflanzen, Berühren mit den Händen im schamanischen Bewusstseinszustand, Reden mit den Pflanzen usw.) sollten die Versuchspersonen in Erfahrung bringen, ob die jeweilige Pflanze pharmazeutische Qualitäten besitzt und welcher Natur diese sind. Gefragt wurde auch nach möglichen giftigen Inhaltsstoffen. Nur eine Teilnehmerin besaß laienhafte botanische Grundkenntnisse und wusste auch einiges über die Anwendung verschiedener Heilkräuter; alle anderen waren kaum in der Lage, einen Löwenzahn von einem Huflattich zu unterscheiden oder den letzteren gar anhand seiner Blätter zu identifizieren. Phytotherapeutische Vorkenntnisse besaßen sie durchweg nicht.
Überraschende Ergebnisse
Umso überraschender war das Resultat. Ich ließ die in Erfahrung gebrachten Eigenschaften der Pflanzen zu Papier bringen, wobei manche Teilnehmer des Experiments pro Pflanze bis zu fünf mögliche therapeutische Indikationen notierten, andere eher große Wirkungsbereiche (Magen-Darm-Relevanz, Kreislauf tonisierende Eigenschaften usw.) dokumentierten. Danach bestimmten wir die gesammelten Pflanzenproben - soweit ich sie nicht selbst kannte - mit botanischen Handbüchern und verglichen die notierten Indikationen mit der phytotherapeutischen Fachliteratur.
Die Dame mit einschlägigen Vorkenntnissen erwies sich dabei durch eben diese Kenntnisse als präjudiziert. Sie hatte im Wesentlichen nicht mehr protokolliert, als sie schon wusste. Drei der übrigen Teilnehmer verblüfften durch eine Trefferquote von sage und schreibe 100 Prozent, wobei sie auch Gefahren durch pflanzliche Gifte korrekt erkannten. Die übrigen Testpersonen lagen zu etwa 50 bis 70 Prozent richtig. Zwei davon machten allerdings relativ unpräzise Angaben, die sich schwer bewerten ließen.
Aufbau eines schamanischen Heilpflanzenwissens
Ich bin überzeugt, dass bei wiederholten Übungen dieser Art das Gros der Teilnehmer früher oder später das Interesse daran verlieren würde. Die durch ihre überragenden Ergebnisse Beflügelten könnten sich aber durchaus zu Experten auf dem Gebiet der schamanisch-gnostischen Bewertung von Heilpflanzen entwickeln. Hätten sie dann noch die Gelegenheit - was unsere Gesundheitsgesetzgebung verbietet - mit Patienten einschlägige Heilversuche zu unternehmen, dann ließe sich auf diese Weise binnen weniger Jahrzehnte ein beachtliches Heilpflanzenwissen aufbauen, das völlig ohne gigantische pharmazeutische Forschungslaboratorien und jahrelange klinische Tests auskäme und zugleich weitaus zuverlässiger wäre.
Da wir heute auf indianisches Wissen zurückgreifen können, brauchen wir kein eigenes Heilpflanzenwissen aufzubauen. Nur sollten wir jene akademische Arroganz ablegen, die uns davon abhält, das auch wirklich zu tun.

Im Gegensatz zum Schamanen ist der Medizinmann - hier im Amazonaswald - traditionell ein hervorragender Kenner von Heilpflanzen.
Die Lebenskraft Manitou
Das ganze Dilemma der naturwissenschaftlich arbeitenden Forscher beschreibt eindringlich der Oneida-Irokese Bruce Elijah: »Sie messen, was sie sehen. Sie wissen gleichzeitig aus Erfahrung, wie wenig sie zu sehen vermögen. Aber dennoch sind sie absolut fest davon überzeugt, dass es nur geben kann, was sie sehen, und das, was sie nicht sehen, nicht existiert. Sie wissen ganz genau bis aufs letzte Molekül, woraus eine Pflanze, ein Tier oder ein Mensch besteht. Aber legt all diese Substanzen mal nebeneinander. Was macht aus diesen Häufchen Chemie eine lebende Pflanze, ein lebendes Tier, einen lebenden Menschen? Sie können diese Lebenskraft, die wir Manitou nennen, nicht sehen, nicht messen. Und deshalb ignorieren sie sie. Kann man wirklich stupider sein?« Bruce Elijah fährt fort: »Sie bewegen sich in einer Welt, die nur und allein durch diese Lebenskraft existiert. Sie selbst existieren durch sie bis ins letzte ihrer Haare hinein. Und sie ignorieren sie, weil sie zu blind sind, sie zu sehen, zu gefühllos, sie zu spüren, zu taub, sie zu hören. Und sie glauben, dass sie die klügsten und weisesten Exemplare des Homo sapiens sind! Die Stupidität dieser Wissenschaft ist grenzenloser als der gesamte kosmische Raum!«
Den Weißen ist die Verbindung mit der alles durchströmenden Lebenskraft Manitou verloren gegangen. Sie nehmen die verborgenen Wesen und Kräfte nicht mehr wahr.
Füreinander offen sein und voneinander lernen
Sicher ist diese Kritik nicht unbegründet. Die Geisteshaltung, alles zu ignorieren, was nicht rein analytisch-wissenschaftlich zu beweisen ist, hat gewiss großen Schaden angerichtet. Andererseits hat die moderne Naturwissenschaft durch ihre analytische Vorgehensweise eine gewaltige Vielzahl von Erkenntnissen gesammelt, die der Menschheit zum Segen wurde. Auch das wissen die indianischen Medizinmänner unserer Zeit, und viele indianische Ärzte haben deshalb an amerikanischen Universitäten studiert.
Der berühmte Indianerheiler und Traditionsbewahrer der chirokesischen Kultur, Rolling Thunder, brachte das auf einem Kongress vor mehr als 3000 Wissenschaftlern auf den Punkt, als er forderte, beide Kulturkreise sollten zusammenarbeiten statt gegeneinander.
In ihren sehr unterschiedlichen Wegen der Erkenntnis könnten beide Kulturkreise einander hervorragend ergänzen. Man solle in Zukunft füreinander offen sein und voneinander lernen.
Rein materielles Denken macht krank
Nun greift die Diskrepanz zwischen beiden Kulturkreisen, dem der Europäer und europäisch ausgerichteten Amerikaner und dem der Indianer und anderer Stammesvölker allerdings weit tiefer, als es beim bloßen Vergleich naturwissenschaftlicher Erkenntnis und schamanischer Gnostik scheinen mag. Die gesamten Lebensphilosophien unterscheiden sich gründlich voneinander. Die Daseinsziele des europäischen Kulturkreises heißen Streben nach Macht, Einfluss, materiellem Besitz und Ansehen sowie die ständige Vermehrung dieser so genannten Werte. Die Indianer und anderen Stammesvölker streben nach Harmonie mit der gesamten Schöpfung.
Beides ist grundsätzlich unvereinbar miteinander; denn wer Macht und materiellen Reichtum sucht, muss in einer Gesellschaft Gleichdenkender ständig darum kämpfen, während dem Harmoniestreben der Aggressionskampf fremd ist. Hier gibt es nur die - allerdings mitunter sehr entschiedene - Verteidigung tradierter Werte vor dem Versuch anderer, diese aus ihrem harmonischen Gleichgewicht zu bringen.
Das Heil des Einzelnen und das Heil der Erde bedingen sich wechselseitig. Krankt der Einzelne, so ist zwangsläufig auch sein Verhältnis zur Natur gestört. Die Disharmonie mit der Natur kann aber auch Ursache der Krankheit sein.
Parallelen zur Lehre Christi
Eine der meistzitierten Bibelpassagen ist die Bergpredigt Christi. In ihr fordert jener Prophet, den das Abendland als Gottes Sohn verehrt: »Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, da sie die Motten und der Rost fressen. - Sorgt nicht für euer Leben, was ihr essen und trinken werdet, auch nicht für euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr denn die Speise und der Leib mehr denn die Kleidung? Sehet die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater nähret sie doch.« Und in derselben Predigt sagt Jesus: »Liebet eure Feinde; segnet, die euch fluchen; tut wohl denen, die euch hassen; betet für die, die euch beleidigen und verfolgen.«
Wie weit hat sich doch der christliche Kulturkreis von diesen Grundweisheiten allen Lebens entfernt. Es ist beschämend für das christliche Abendland, dass die Indianer ausgerechnet nach diesen christlichen Grundgesetzen leben, nachdem Missionare sich anmaßten, ihnen die Lehre von Gott bringen zu wollen, und zugleich eifrig bemüht waren, die indianische Kultur beider amerikanischer Subkontinente zu vernichten.
Die Botschaft der universellen Nächstenliebe
Dazu der große Medizinmann Mad Bear in einer Rede an die Weißen: »Wenn du in dir ein Gefühl von Gegnerschaft entdeckst, das heißt, wenn du anderen gegenüber negative Gefühle hast, bist du genau in der Situation, wo du empfänglich wirst für deren negative Gefühle. Das Grundprinzip ist, dafür nicht empfänglich zu sein. Ihr begegnet euren so genannten Kriminellen mit so viel Angst und Hass und Verachtung, dass eure Verbrechensrate immer mehr steigt. Eure Gesellschaft hat eine so hohe Verbrechensquote, weil sie mehr als empfänglich dafür ist. Ihr solltet mit diesen Leuten arbeiten und nicht gegen sie. Ihr solltet Verachtung für die Kriminalität als solche, aber nicht für die Menschen empfinden. Es ist ein großer Fehler, irgendeine Gruppe oder irgendwelche Menschen als Gegner zu betrachten. Wenn du dies nämlich tust, drängst du sie genau in diese Rolle. Es ist nützlicher, jeden anderen Menschen als ein anderes Ich, jedes einzelne Individuum als einen Vertreter dieses Universums zu betrachten.« - Liebet eure Feinde.
Wo die Harmonie der Seele fehlt, kann es weder einen gesunden Geist noch einen gesunden Körper geben. Das ganze Leben ist zutiefst aus dem Gleichgewicht geraten und krank.
Kein Gefühl für das Leben
Die Tatsache, dass sich der europäisch orientierte Mensch in seinem gesamten Denken und Handeln, von der Naturwissenschaft bis hin zu Machtpolitik und Wirtschaftswachstum, ausschließlich an materiellen Komponenten wie Profitstreben, Kosten-Nutzen-Analysen, mechanischer Funktionsanalytik u.Ä. orientiert, halten indianische Lehrer für eine schwere Krankheit des Geistes.
Sie betonen, dass dieses Vorgehen zwangsläufig zu Disharmonien und Katastrophen jeglicher Art und schließlich globalen Umfangs führen muss: zu Machtkriegen, Raub und anderen Verbrechen, zu hemmungslosem Ausbeuten und Zerstören der Natur und selbstverständlich auch zu jeglicher Art von Zivilisationskrankheiten. »Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden«, sagte Christus und begründete das auch damit, dass sie Diebe auf den Plan rufen. Damit ist die Saat der Gewalt gesät. Auch das indianische Verständnis vom Wesen der Krankheiten und deren Heilungsmöglichkeiten basiert auf dieser Grundphilosophie. Sie wird bei den Indianern dadurch untermauert, dass sie zutiefst davon überzeugt sind, alles stünde ständig mit allem in Verbindung. Oberstes Ziel indianischen Heilens ist es, gestörte Harmonien wiederherzustellen.
Indianer über Mensch, Natur und das Heilen
»Jeder Mensch ist ein Teil des Ganzen, keiner kann sich dem entziehen, keiner steht außerhalb oder hat weniger damit zu tun als ein anderer. Jeder Mensch ist eine Lebensform. Und deshalb ist das wahre Wesen des Menschen auch das Wesen des Lebens. Egal, wie tief du fällst oder wie hoch du hinaufsteigst - ob wirtschaftlich oder akademisch oder sonst wie -, du bist und bleibst ein Teil des Ganzen; selbst der schlimmste Verbrecher, der lebenslang in einer Zelle sitzt - sein Zentrum, sein Wesenskern ist derselbe Same, der Same der ganzen Schöpfung.«
Mad Bear
»Nichts ist umsonst, alles hat seinen Preis. Mich interessiert es, wie man mit solchen Dingen umgehen kann. Jede Krankheit und jeder Schmerz hat seinen Ursprung, und das ist meistens der Preis, den man entweder für etwas in der Vergangenheit oder aber in der Zukunft bezahlen muss. Das Wichtigste ist es, die Zusammenhänge zu erkennen. Moderne Ärzte scheinen das nicht zu begreifen. Es ist die Aufgabe des Medizinmannes, sich in diese Zusammenhänge Einblick zu verschaffen. Wir wissen, dass alles Folge des Einen und Ursache von etwas Neuem ist, also eine sich fortsetzende Kette von Ereignissen. Man kann sich nicht einfach dieser ganzen Kette entziehen. Manchmal muss eine Krankheit oder ein Schmerz entstehen, um den bestmöglichen Preis für etwas bezahlen zu können. Wenn man sich nun einfach der Krankheit entledigt, wird der Preis steigen. Die betroffene Person wird das vielleicht selbst nicht erkennen, aber ihr geistiges Ich weiß darum. Das ist auch der Grund, warum wir uns drei Tage lang mit einem Fall beschäftigen, bevor wir ihn übernehmen, und warum wir uns auch manchmal weigern, ihn zu übernehmen ...
Physische Beschwerden können alle möglichen Ursachen haben, gute und schlechte, wie wir sagen würden, aber sie setzen alle auf der spirituellen Ebene an. Eine Infektion kann man auch als eine spirituelle Verunreinigung bezeichnen. Was sich im Körper abspielt, ist nicht das Wesentliche, deshalb verlangt die Fähigkeit zu heilen mehr als nur das bloße Wissen um den Körper. Wenn der moderne Arzt einen Kranken behandelt, sieht er nur die Krankheit und nicht den Menschen. Wenn also der Arzt nicht wirklich erkennt, was in seinem Patienten abläuft, wo das wirkliche Problem liegt, wenn er dem Patienten dann irgendwelche schmerzlindernden Medikamente verschreibt oder ein krankes Organ oder Glied einfach wegschneidet und in den Müll wirft, dann ist das nur vertane Mühe und hat ganz gewiss nichts mit Heilen zu tun ...
Jede Materie innerhalb der Natur ist gleichzeitig ein spirituelles Wesen in einer spirituellen Natur. Deshalb können diese Dinge auch als spirituelle Helfer eingesetzt werden. Es gibt Wege, diese Helfer herauszufinden und zu begreifen, wie sie zusammengesetzt sind - und zwar nicht nur in ihrer chemischen Zusammensetzung. Ich kann zum Beispiel eine bestimmte Pflanze in die Hand nehmen, auch eine, die ich noch nie vorher gesehen habe, und ihr Wesen, ihre äußere und innere Zusammensetzung verstehen.«
Rolling Thunder
Integrales Denken - integrales Heilen
Die Seele beherrscht den Körper
Ausgehend von dem Bewusstsein, dass die gestörte Harmonie eines ganzen Systems sich stets auch negativ auf dessen einzelne Komponenten auswirkt und dort dann oft besonders auffällt, begreift der Indianer die körperlichen Leiden nicht als isolierte Fehlfunktionen oder Störungen einzelner Organe. Die Seele ist es, deren Harmonie verloren ging und eben das wird in Gestalt körperlicher Auswirkungen sichtbar.
Dem mechanistischen Weltbild der europäischen Schulmedizin war der Gedanke psychosomatischer Wechselwirkungen bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts weitestgehend fremd. Erst neuerlich beginnen wir zu verstehen, dass genau dieses Zusammenspiel von Ursache und Wirkung zutrifft; noch akzeptieren es die europäischen Ärzte jedoch nicht als generelles Konzept. Sie haben zwar erkannt, dass Stress krank machen kann, aber die seelischen Ursachen von Erkrankungen wie z.B. Krebs oder der manifesten Immunschwäche AIDS werden hierzulande noch weitgehend geleugnet, ganz zu schweigen von den seelischen Ursachen äußerer körperlicher Verletzungen.
Kranker Körper - kranke Seele
Es gibt erst wenige Pioniere, die solche Zusammenhänge erkennen. Unter ihnen ist der Heilpraktiker Jens J. Schlegel, der sich um schwerstkranke Krebspatienten kümmert. Weil er ganzheitlich vorgeht, erforscht er immer auch den psychischen Hintergrund seiner Patienten. Dabei fand er heraus, dass so gut wie allen Fällen von Brustkrebs bei Frauen ein gestörtes Mutter- Tochter-Verhältnis zugrunde liegt.
Andererseits erkannten schwedische Ärzte, dass sich Krebs generell allein dadurch positiv beeinflussen und oft sogar heilen lässt, indem die Patienten durch gezielte Meditation die Zahl ihrer Makrophagen, also der Abwehrzellen des Immunsystems, erhöhen. Auch darin zeigt sich die Wechselwirkung zwischen Seele und Körper eindrücklich.
Die Grundphilosophie der indianischen Medizin ist es, nicht nur Krankheitssymptome zu bekämpfen, sondern vor allem die Ursachen zu beseitigen. Diese hängen meist mit Körper und Seele zusammen.
Gestörte Sozialgefüge begünstigen Krankheiten
Ähnlich wie bei Krebserkrankungen verhält es sich bei AIDS. Wir wissen, dass allein die Infektion mit dem HI-Virus bei weitem nicht immer zum manifesten Erscheinungsbild dieser Immunschwächekrankheit führt.
Viele Patienten sind infiziert, zeigen aber keinerlei pathologische Symptome. Nun belegen erste statistische Erhebungen, dass die entscheidende Rolle, ob die tödliche Krankheit zum Ausbruch kommt oder nicht, ganz offenbar die seelische Verfassung des Patienten spielt.
So wird beispielsweise in Schwarzafrika die AIDS-Erkrankung besonders häufig dort manifest, wo das Sozialgefüge gestört ist, nämlich in den - zumeist überbevölkerten - Großstädten, während im sozial gesunden Lebensverband im Busch zahlreiche Menschen keine Symptome zeigen, obwohl sie mit dem HI-Virus infiziert sind.
Die jüngste medizinische Forschung in Deutschland und in den USA kennt das Arbeitsgebiet der so genannten Psychoneuroimmunologie. In Deutschland wurde dieser Begriff zuerst geprägt, als sich herausstellte, dass im Nervensystem hochkomplexe Boteneiweiße (insbesondere die Interleukine 1 und 6) freigesetzt werden.
Die Freisetzung dieser Boteneiweiße erfolgt vor allem in dem so genannten limbischen System des Gehirns, das als Sitz der Gefühle gilt. Als Folge positiver Emotionen - allen voran Liebe und Lebensfreude - werden Boteneiweiße freigesetzt, die unmittelbar stimulierend auf das Immunsystem wirken.
Andererseits zeigte sich, dass negative Gefühle wie Wut, Hass, Trauer, Angst oder Verzweiflung einen direkt organisch schädigenden Einfluss auf den Körper ausüben.
Noch ungeklärt sind allerdings die Bedingungen, unter denen die Freisetzungsmechanismen der Interleukine ausgelöst werden. Hier steht die Forschung offenbar direkt an der »Schnittstelle« zwischen Seele und Körper, wenn man beide denn überhaupt getrennt voneinander betrachten kann.
Die Indianer Südamerikas nennen den Regenwald die Apotheke Gottes. In ihr wachsen zahlreiche Pflanzen, die vermutlich sogar gegen so schwere Erkrankungen wie AIDS oder Krebs wirksam sind.
Gefühle beeinflussen körperliche Prozesse
In den USA war es keine Zufallsentdeckung, die zum Fachgebiet Psychoneuroimmunologie führte; es waren gezielte Hinweise durch indianische Ärzte, die erklärten, dass und wie Stressfaktoren den Körper schädigen.
Heute haben Forscher an US-Kliniken nachgewiesen, dass Emotionen immer unmittelbar Veränderungen in der Konzentration der Botenstoffe im Nervensystem, der so genannten Neurotransmitter, zur Folge haben. Zu ihnen gehören z.B. das Adrenalin oder Epinephrin, das Serotonin, das Norepinephrin, das Azetylcholin und das Dopamin. Auch schmerzlindernde morphinartige Substanzen, die Endorphine, erzeugt der Körper in bestimmten Emotionslagen selbst.
Mit der Abholzung des Regenwaldes beraubt sich der Mensch selbst eines der größten Heilpflanzenschätze überhaupt. Noch ist ihm nicht bewusst, dass in ihm wahrscheinlich der Schlüssel zur Heilung der schwersten Krankheiten des 20. Jahrhunderts verborgen liegt.
Schwächung des Immunsystems
Je nach psychischer Verfassung und Gesamtzustand des Patienten stören diese Substanzen das chemische Gleichgewicht, also die Harmonie im Körper, oder sie arbeiten in Richtung einer Wiederherstellung der gestörten Harmonie. Ganz generell bewirken negative Gefühle das Erstere, positive das Letztere.
So wiesen Neurochemiker der Stanford University nach, dass Panik, Angst, Trauer und ähnliche sehr negative Emotionen das Immunsystem massiv schwächen, indem sie die Produktion von Antikörpern herabsetzen. Die Auswirkungen liegen auf der Hand, wenn man sich vor Augen hält, dass in jedem gesunden menschlichen Körper bei der normalen Zellteilung pro Tag im Durchschnitt auch etwa 20000 entartete Zellen (Krebszellen) entstehen, die aber normalerweise problemlos durch die T-Lymphozyten aufgespürt und vernichtet werden. Gelingt das mangels dieser wichtigen Zellen des Immunsystems nicht, dann ist eine Krebserkrankung kaum noch aufzuhalten.

Ein indianisches Pueblo in New Mexico: Das Dorf liegt mitten in der Natur. Damit haben Geist und Seele eine feste Verbindung mit den Wurzeln der Schöpfung
Die heilende Meditation
Noch immer aber sprechen europäische Ärzte von Wunderheilungen, wenn ein ihrer Meinung nach unheilbarer Krebspatient plötzlich wieder gesund wird. Solche »Wunder« sind die natürliche Folge einer wiedererlangten seelischen Harmonie. Das kann durch die bloße Erkenntnis geschehen, dass angesichts des drohenden Todes alle irdischen Stressfaktoren lächerlich unbedeutend werden. Das lässt sich aber auch durch die Aktivierung eines energischen Lebenswillens erreichen. Und es geht besonders gut durch Beten. Denn innige Gebete führen zu Gottvertrauen und Gottvertrauen zu jener tiefen inneren Sicherheit, die für Ängste und für andere negative Gefühle keinen Platz mehr lässt.
Doch hier liegt eine Fußangel für europäische Denker: Ihnen droht die Gefahr, vor dem Hintergrund ihres rein materiellen Weltbildes so etwas wie einen »Wirkungsmechanismus des Betens« konstruieren zu wollen und es auf einen Akt der Autosuggestion mit kausalen organischen Folgen zu reduzieren. So einfach ist das keineswegs. Aber wer niemals selbst ein tiefes Gotteserlebnis hatte - und das dürften heute leider die weitaus meisten »aufgeklärten« und naturfern lebenden Europäer sein - dem ist die tiefe Bedeutung des Betens rein verbal gewiss nicht zu erklären.
Gebete dienen im Heilprozess der indianischen Medizin nicht der Projektion der eigenen Wünsche, sondern der Wiederherstellung der verloren gegangenen Harmonie.
Jede Krankheit hat eine seelische Ursache
Es bleiben jene körperlichen Erkrankungen, die augenscheinlich nicht seelisch verursacht sind. Allen voran Infektionen im Zuge von Epidemien, Mangelerkrankungen und Verletzungen bei Unfällen.
Zum einen sind diese jedoch im Vergleich zu Herz-Kreislauf-Leiden, Magen-Darm-Beschwerden, Krebs, Steinleiden an Nieren, Blase und Gallenblase, asthmatischem oder epileptischem Geschehen, Schilddrüsenfehlfunktionen und vielen anderen »Zivilisationskrankheiten« deutlich in der Minderheit. Zum anderen betrachten viele indianische Heiler auch solche Leiden weitgehend als seelisch verursacht.
Es lässt sich nicht leugnen, dass stressgeplagte und deshalb nervöse oder auch depressive Menschen, Menschen in Angst oder voller Hass, eine erheblich größere Unfallbereitschaft zeigen als ausgeglichene, harmonische Menschen, deren intakte Instinkte sie zuverlässig vor drohenden Gefahren warnen.
Mangelerkrankungen, wie sie z.B. bei Unterernährung auftreten, sind in den weitaus meisten Fällen ebenfalls selbst verschuldet. Sie sind die unmittelbaren Folgen einer unnatürlichen Ernährungsweise, und diese wiederum basiert entweder auf verloren gegangenen natürlichen Instinkten, d. h. auf einer gestörten seelischen Harmonie, oder auf Versorgungsengpässen in den Ballungszentren der Dritten Welt, die künstlich geschaffene, menschenunwürdige Lebensräume sind.
Ähnliches gilt meist auch für grassierende Seuchen. Sie breiten sich vor allem dort aus, wo unnatürlich viele Menschen unter psychisch belastenden Verhältnissen auf engstem Raum zusammenleben müssen. Diese Art der Not und Armut geht meist auch mit mangelhaften hygienischen Umständen einher, die das Auftreten von Seuchen natürlich noch fördern.
Aber auch unerträglicher Luxus und übermäßiger beruflicher Erfolg begünstigen das Auftreten von Seuchen. Bevor die weißen Eroberer nach Amerika kamen, waren Seuchen unter der dort angestammten Bevölkerung völlig unbekannt.
Von dem Indianerschamanen und Heiler Rolling Thunder, der ein rasanter Autofahrer war, wird berichtet, dass er vor unübersichtlichen Kurven immer dann scharf abbremste, wenn hinter der Straßenbiegung etwa ein Tier auf der Straße saß. Er wusste das einfach.
Nicht jeder ist allein seines Glückes Schmied
Nach indianischer Auffassung stehen Körper und Seele in einem wechselseitigen Verhältnis zueinander. Dennoch ist nicht jeder allein für sein Glück und seine Gesundheit verantwortlich. Der Mensch steht auch immer in einem Zusammenhang mit anderen Menschen.
Der moderne Indianermediziner Mad Bear sagt: »Das Prinzip von Ursache und Wirkung gilt überall, und es muss immer jemand die Auswirkungen der Machenschaften anderer tragen. Wenn jemand einen destruktiven Gedanken oder Wunsch hegt, muss jemand anderer (oder müssen viele andere) darunter leiden. Wenn dieser sich verweigert, fällt der destruktive Gedanke auf den Urheber zurück.
Natürlich bekommt im Endeffekt jeder das, was er verdient, jeder muss für sein eigenes Verschulden bezahlen. Aber, wie es eben auch mit Geld geht, geht es zunächst einmal herum und erfasst viele Leute, und es kann ganz schön vertraut werden. Der Zweck der guten Medizin ist es, alles einfacher zu machen. Es gibt keinen Grund, gegnerische Kräfte zu erzeugen - es erzeugt nur wieder negative Energie und Gefühle.«
Der indianische Medizinbegriff
Der indianische Heiler begegnet einer Krankheit, die er als Harmoniestörung im vernetzten Ganzen aus Seele, Geist und Körper versteht, denn auch nicht mit Flickwerk am Detail. Dementsprechend hat er einen völlig anderen Medizinbegriff als europäisch orientierte Menschen.
Unsere Ärzte und Pharmazeuten verstehen Medizin als Agens, als Wirkstoff, der gezielt chemische Veränderungen im Organismus auslöst. Diese Veränderungen sind geeignet, körperliche Krankheitssymptome zu beheben oder wenigstens zu lindern. Die seelischen Ursachen werden dabei nicht berücksichtigt. Selbst dort, wo die Medizin neuerdings auch diese Faktoren erkannt hat und als solche akzeptiert, ist das kaum jemals anders. Ein europäischer Arzt, der weiß, dass Stress den Kreislauf schädigt, versucht, seine Patienten nicht etwa dadurch zu heilen, dass er ihnen hilft, den Stress loszuwerden, sondern indem er ihnen z.B. Betablocker verschreibt. Betablocker bewirken lediglich, dass die durch den Stress ausgelösten Botenstoffe nicht mehr in vollem Umfang aktiv werden können. Die Krankheitsursachen hat er damit keinesfalls beseitigt.
Auch bei der modernen Apparatemedizin lässt sich beobachten, dass Körper, Seele und Geist nicht als Ganzes begriffen werden. Sie nimmt auf die seelische Komponente kaum Rücksicht. Einzig und allein die Homöopathie zielt in der westlichen Medizin darauf ab, gestörte Regelkreise als ganze wieder zu harmonisieren und damit den Körper nicht symptomatisch zu kurieren, sondern ihn zur Selbstheilung anzuregen.
Grundzüge der Homöopathie
Die Indianer arbeiteten schon jahrhundertelang homöopathisch, bevor der deutsche Arzt Samuel Hahnemann im 19. Jahrhundert die Homöopathie für Europa entdeckte.
In diesem Zusammenhang ist es interessant zu wissen, wie Hahnemann zur Homöopathie fand. Er wusste, dass der Chinarindentee, mit dem indianische Heiler erfolgreich die Malaria bekämpften und auch Abertausenden weißen Siedlern geholfen hatten, große Heilkräfte besitzt. Bei Selbstexperimenten mit diesem Tee als Gesunder bekam Hahnemann Fieber und infektionsähnliche Symptome. Er schloss daraus verallgemeinernd: »Jedes wirksame Arzneimittel erregt im menschlichen Körper eine Art von eigener Krankheit. Man ahme die Natur nach, welche zuweilen eine chronische Krankheit durch eine andere hinzukommende heilt und wende in der zu heilenden (vorzüglich chronischen Krankheit) dasjenige Arzneimittel an, welches eine andere, möglichst ähnliche, künstliche Krankheit zu erregen imstande ist, und jene wird geheilt werden: Similia similibus (Ähnliches mit Ähnlichem).«
Sich mit der Disharmonie auseinander setzen
Hahnemann hatte damit im Prinzip Recht, aber wie alle europäischen Ärzte dachte auch er zu sehr krankheitsspezifisch. Ein indianischer Heiler würde dieses Wirkungsprinzip vermutlich so erklären: Ich führe dem Körper eine Medizin zu, die Leib und Seele dazu anregt, sich selbst mit der Art seiner Disharmonie auseinander zu setzen, weil sie ähnliche Disharmonien bewirkt. Dann kann sich der Körper selbst heilen.
Hahnemann, der behauptete, das homöopathische Präparat als solches würde die Krankheit beheben, irrte damit. Seine Lehre wurde auf diese Weise für die Schulmediziner angreifbar, und sie stehen der Homöopathie seitdem grundsätzlich skeptisch gegenüber. Nein, das Homöopathikum ist keine Medizin im chemotherapeutischen Sinn, und kein Indianer wird das je behaupten. Es gibt »lediglich« dem Gesamtsystem aus Seele, Geist und Körper entscheidende Anregungen zur Selbstheilung.
Die Indianer wussten lange vor Hahnemann um das Prinzip des »Similia similibus«, der konträren Wirkungsweise, die ein und dasselbe Heilmittel haben kann. Sie wussten, dass z.B. die Datura (Stechapfel) einen gesunden Menschen in den Wahnsinn treiben, einen Geisteskranken aber heilen kann. Sie wussten, dass die Wurzel des Ipecacuanha-Strauchs bei Gesunden heftige Durchfälle erregt, schwer an Ruhr erkrankte Patienten aber genesen lässt.
Es kommt nicht von ungefähr, dass die Einführung der Homöopathie durch Hahnemann in Europa in der Alten Welt ein spontanes lebhaftes Interesse an indianischen Heilpflanzen nach sich zog.
Indianische Medizin und das Unbegreifliche
Generell ist der indianische Medizinbegriff nicht identisch mit der chemotherapeutischen Auffassung von einem Medikament. Aber auch das homöopathische Konzept beschreibt nur einen verschwindend kleinen Teil dessen, was ein Indianer unter Medizin versteht. Als Medizin bezeichnet er nämlich nicht primär ein Heilmittel, sondern ganz generell das Wunderbare, das Rätselhafte, das Unbegreifliche.
Das steht in krassem Widerspruch zum europäischen Medizinbegriff, denn der weiße Arzt will wissen, wie ein Chemotherapeutikum wirkt, bevor er es seinen Patienten verordnet. Beim direkten Beeinflussen chemischer Prozesse im Körper ist das auch möglich.
Richtete man hingegen sein Augenmerk auf das Wiederherbeiführen außer Tritt geratener Harmonien, dann lassen sich derart simple Kausalzusammenhänge klinisch kaum entschlüsseln. Ein solches Wirken von Medizin bleibt geheimnisvoll.
Gute und schlechte Medizin
Der Indianer differenziert in seinem Medizinbegriff das Geheimnisvolle aber nicht hinsichtlich klinischer Applikationen oder irgendeiner anderen Anwendung. So nennt er schlechthin alles, das etwas bewirkt, ohne dass er versteht wie, geheimnisvoll und deshalb Medizin. Beispielsweise bezeichnet er den Whisky des Weißen Mannes als Medizinwasser, denn Whisky zeitigt für den Indianer in ihrer Ursache unverständliche Wirkungen. Manche Stämme nennen das Gewehr Medizineisen oder das Pferd Medizinhund. Auch von Medizinpfeifen, Medizinrädern, Medizinhüten, Medizinseen, Medizintrommeln u.Ä. ist bei verschiedenen Indianerstämmen die Rede.
Natürlich gibt es in diesem Konzept nicht nur gute, sondern auch schlechte Medizin, und dieser Begriff bezeichnet keineswegs in erster Linie Medikamente mit schädlichen Nebenwirkungen. Wird jemand erschossen, dann war das Gewehr für ihn eine schlechte Medizin. Und das Missouridampfboot, das die am großen Strom ansässigen Indianerstämme nicht selten als große Medizin bezeichnen, hat gute und schlechte Qualitäten, je nachdem, wofür man es benutzt.
Zu den traditionellen indianischen Heilweisen gehören verschiedene Reinigungsverfahren, schamanische Heilungsrituale oder auch Opferzeremonien.
Differenziertes medizinisches Wissen
Vor diesem Hintergrund wird verständlich, warum die weißen Missionare und Ärzte den Indianern immer wieder ein äußerst primitives Medizinverständnis bescheinigten und deshalb das Fehlen jeglicher ärztlicher Befähigung unterstellten. Diese Missdeutung ist ein ähnlicher sprachlicher Irrtum, als würde ein Börsianer einen Anthropologen nach dem Kurswert des Neandertalers« befragen und ihn mangels einer für ihn verständlichen Antwort als primitiv einstufen.
Die tatsächlichen Fakten liegen anders. Sowohl die nord- als auch die mittel- und südamerikanischen Indianer verfügten schon lange vor der europäischen Invasion über äußerst detailreiche und verfeinerte Kenntnisse der gesamten Heilkunde. Doch davon wird später noch die Rede sein.
Zunächst möchte ich verdeutlichen, was ein Indianer unter Heilpflanzen versteht, denn um diese soll es im vorliegenden Buch in allererster Linie gehen. Auf andere indianische Heilmittel und Heilmethoden, wie Mineralstoffgaben, chirurgische Maßnahmen, Quarantäne, Desinfektions- und Hygienepraktiken, Geburtshilfe und ähnliche Dinge brauchen wir deshalb hier nicht näher einzugehen. Nur so viel sei gesagt: Von alledem hatten die Indianer schon solide Kenntnisse, bevor sie in der europäischen Medizin Allgemeingut wurden.
Heilpflanzen sind Brüder und Schwestern
Die Indianer betrachten ihre Heilpflanzen - und sie kennen deren Tausende - seit jeher nicht als tote Arsenale therapeutisch wirksamer chemischer Substanzen, sondern als Geschenke des Großen Geistes an die Menschen. Doch als solche sind sie keine bloßen beliebig verfügbaren Objekte, sondern lebende, beseelte Wesen, denen der Mensch Achtung und Ehrfurcht zollt.
Kein indianischer Heiler käme deshalb auf die Idee, Heilpflanzen in riesigen Monokulturen industriell und unter dem Einsatz von Kunstdünger, Genmanipulation usw. zu züchten.
Er setzt auf das harmonische Zusammenwirken mit seinen pflanzlichen Helfern. Er fragt sie, ob sie ihm beistehen möchten und wie, ob er sie pflücken darf und zu welchen Tages- und Jahreszeiten sie für ihn am wirksamsten sind. Er erfährt, welche Pflanzenteile er verwenden soll und darf und welche nicht.
Wer das alles vor dem Hintergrund rein chemotherapeutischen Denkens für überflüssigen, naiven Aberglauben hält, der weiß nichts über die seelischen Voraussetzungen des Heilens, und der hat auch keine Ahnung von den biologischen Rhythmen der Natur. Er sieht nur leblose Details, nicht aber die großen Zusammenhänge des Lebens selbst.
Neben den Pflanzen sind es auch die Tiere, die in der indianischen Medizin eine große Rolle spielen. Als Schutztiere beeinflussen sie das harmonische Verhältnis zwischen Mensch und Natur.
Chemotherapeutische Eigenschaften
Hätten die indianischen Heilpflanzen keinerlei chemotherapeutisch nachweisbare Qualitäten, dann fiele europäischen Denkern ihre Akzeptanz vermutlich sogar leichter. Was man nicht begreift, kann man schließlich unvoreingenommen untersuchen und erforschen. Aber dem ist nicht so. Viele, ja die meisten indianischen Heilpflanzen besitzen sogar sehr ausgeprägte chemotherapeutische Eigenschaften, und aufgrund dieser bewertet sie der europäische Pharmazeut und Arzt grundsätzlich falsch, da aus einer falschen Perspektive heraus.
Hat er nämlich erst einmal analysiert, dass z.B. die Rinde des südamerikanischen Condurango-Strauchs glykosidische Bitterstoffe, Flavonoide und Kumarinderivate, Chlorogen- und Kaffeesäure enthält, dann kann er sich aufgrund dieses chemotherapeutischen Wissens sofort erklären, dass die Rinde die Magensaftsekretion anregt und deshalb ein »brauchbares Stomachikum« ist. Aber er wird sie nicht wie die Indianer erfolgreich bei inoperablem Magenkrebs einsetzen, denn für ihre Wirksamkeit in dieser Hinsicht kann er sich aufgrund der ihm bekannten einzelnen Inhaltsstoffe keinen Reim machen. Er weiß nicht einmal etwas über deren Zusammenspiel und schon gar nichts über mögliche seelische Reaktionen eines Krebskranken auf die Condurango- Rinde.
Die Krebs heilende Wirkung der Mistel
Genau aus diesem Grund wurde z.B. auch die große Heilwirkung der Mistel bis vor wenigen Jahren von den Schulmedizinern bestritten. Erst jetzt kennen Wissenschaftler in der Mistel die so genannten Interleukine 1 und 6 und andere Zytokinine, und erst jetzt glauben auch sie, was die europäische Volksmedizin schon seit Jahrtausenden wusste: Misteln können Krebs heilen. Allerdings verfallen die Wissenschaftler umgehend wieder in den alten Fehler: Sie versuchen, die Interleukine zu isolieren, zu standardisieren und damit aus dem natürlichen Lebensverbund der Mistel herauszureißen. Das Ganze, sagen sie, verstehen sie nicht; und deshalb sei ihnen das Ganze zutiefst suspekt. Mit diesem Ansatz lassen sich zwar gute Teilerfolge erzielen, aber er erlaubt niemals den Zugang zu einem integralen Krankheits- und einem integralen Heilungsverständnis.
Die bis dahin in Europa gänzlich unbekannte Pflanze des Krallendorns wurde weißen Forschern bei einer Expedition in den Anden von einem indianischen Heiler überreicht. Auf diese Weise gelangten die Pflanze und das Wissen um ihre Krebs heilenden Eigenschaften in die europäische Medizin.
Das Verständnis indianischer Heilpflanzen
Kein Wunder, dass deshalb eine der wirkungsvollsten peruanischen Heilpflanzen gegen Krebs, der Krallendorn Uncaria tomentosa, mit dem sich nachweislich zahlreiche als unheilbar geltende Krebserkrankungen beheben ließen, in kaum einem modernen Phytotherapielexikon überhaupt nur dem Namen nach erwähnt wird. Man weiß schließlich noch zu wenig über die Inhaltsstoffe und deren Wirkungs»mechanismen«.
Vor diesem Hintergrund ist es gewiss keine leichte Aufgabe, dem europäischen Leser in einem Buch wie dem vorliegenden indianische Heilpflanzen zu präsentieren. Verzichtet der Autor auf die Angabe bekannter Inhaltsstoffe und auf die mit ihnen zusammenhängenden, schulmedizinisch anerkannten phytopharmazeutischen Befunde, dann wird der altweltliche Arzt das Buch leichtfertig als »unwissenschaftlich« abtun. Führt er aber heute klinisch akzeptierte Fakten auf, dann könnte nur allzu leicht ein scheinbares Gefälle zwischen »gesicherten Erkenntnissen« und möglicherweise zweifelhaften oder gar auf Aberglauben beruhenden Anwendungen indianischer Heilpflanzen entstehen.
Eine solche Differenzierung wäre durch nichts, aber auch gar nichts gerechtfertigt. Hätte es nicht die überwältigende Flut von Berichten früher europäischer Siedler und Missionare in Amerika über die spektakulären phytotherapeutischen Heilerfolge der Indianer gegeben, dann wäre niemals ein europäischer Arzt auf die Idee gekommen, diese Pflanzen auf ihre Inhaltsstoffe hin zu untersuchen. Und die Tatsache, dass er auch heute noch weit davon entfernt ist, die Mehrzahl dieser Inhaltsstoffe zu kennen und ihre Wirkungsweisen zu verstehen, bedeutet keineswegs, dass es sie nicht gibt und dass sie dem Menschen nicht ebenso helfen können wie die wenigen heute bekannten Substanzen schon vor ihrer Entdeckung.
Lebenskräfte akzeptieren und aktivieren
Vor allem aber sind jene Faktoren von überragender Bedeutung, um die sich die pharmazeutische und klinische Forschung überhaupt nicht kümmert, weil sie nicht in ihr Weltbild und ihre Vorgehensweise passen: seelische Komponenten und Lebenskräfte generell. Vergisst man Letztere, dann wird man niemals begreifen, dass natürliches, lebendes Vitamin C eben doch etwas völlig anderes ist als chemisch »baugleiches« synthetisches.
Aber auch moderne europäische Mediziner, die den Einfluss der Seele auf den Körper erkannt haben, machen gravierende Denkfehler. Sie versuchen flugs, sogar die kranke Seele chemotherapeutisch zu behandeln und forschen deshalb in psychoaktiven indianischen Heilpflanzen lediglich nach Alkaloiden und anderen Psychopharmaka, ganz so, als ob es eine unmittelbare Interaktion zwischen pflanzlicher und menschlicher Seele überhaupt nicht gäbe.
So kann nur ein seelisch selbst defekter Mensch vorgehen. Ein seelisch intakter Mensch weiß, dass ihn und die Heilpflanzen weit mehr verbindet als nur Chemie, denn er und die Heilpflanze sind Teile eines weit größeren lebenden Ganzen. Ihre Verbindung ist unendlich vielschichtig. Vor diesem Hintergrund will indianische Pflanzenheilkunde verstanden werden.
Übersieht man die Seele, dann wird Heilung auf Dauer ein akademisches Stümperwerk bleiben. Der Arzt beseitigt ein Leiden, um es durch ein anderes zu ersetzen.
Unser indianisches Erbe
Das Interesse der Europäer an der indianischen Kultur und an indianischen Heilverfahren ist keine neuere Entwicklung, die mit einem generellen Interesse an anderen Kulturen und an deren Integration in den eigenen Kulturkreis einhergeht. Spätestens seit Kolumbus und der Entdeckung der Neuen Welt im 15. Jahrhundert waren auch europäische Botaniker und Pharmazeuten am Heilpflanzenschatz der Indianer interessiert. Die Erforschung - und allzu oft leider auch die Zerstörung - der neuen Kulturen wurde zunächst vom spanischen Königshof und Adel getragen, der sowohl die Zeit als auch das Geld hatte, seiner Neugier zu frönen. Später verselbstständigte sich das Interesse an indianischen Pflanzen und deren Heilwirkungen; bereits gegen Ende des 16. Jahrhunderts waren Teile der indianischen Heilpflanzenkenntnisse Gemeingut der europäischen Arzneimittellehre.
Die Tradition der indianischen Medizin
Europa und die Neue Welt
Ende des 15. Jahrhunderts hatte Christoph Kolumbus die Neue Welt entdeckt und damit den Beginn der neuen Zeit in Europa eingeleitet. Die abendländische Pharmazie und Heilkunst befanden sich zu dieser Zeit noch auf mittelalterlichem Niveau und fußten hauptsächlich auf der alten Säftelehre des griechisch- römischen Arztes Galen (129-199 n.Chr.). Seit weit mehr als einem Jahrtausend hatte es in Europa kaum irgendwelche medizinischen Fortschritte gegeben, wenn man von den Einflüssen arabischer Ärzte einmal absieht, die aber ihrerseits ebenfalls zum großen Teil aus altgriechischen Quellen schöpften und speziell zur Pflanzenheilkunde nur wenig beitrugen.
Die berühmte Pharmacopoeia Londinensis von 1618 nennt als wirksame Arzneimittel noch so obskure Pharmaka wie Mumienstaub, die Exkremente von Tauben und Menschen und Hirschbullenpenisse. Und sogar im 18. Jahrhundert lobt Herman Boerhaaves »Materia Media« noch die Heilkräfte von Drachenblut, Skorpionöl und Krabbenaugen, exotische Dinge also, mit denen ein Pharmazeut Aufsehen erregen, aber kaum Kranke kurieren konnte.
Die Säftelehre Galens, der neben Hippokrates der bedeutendste Arzt der Antike war, beruhte auf dem Prinzip der Einteilung des Körpers in bestimmte Flüssigkeiten. Nur bei einem gesunden Menschen standen die Körpersäfte im Gleichgewicht.
Vorbeugende Maßnahmen als oberstes Gebot
Die Indianer beider amerikanischer Subkontinente waren indes bereits zu Napoleons Zeiten intime Kenner Tausender pflanzlicher Arzneimittel und verfügten über ein hoch entwickeltes Gesundheitswesen. Das indianische Gesundheitswesen baute in erster Linie auf vorbeugende Maßnahmen und versuchte damit, Krankenbehandlungen auf ein Minimum zu beschränken. In dieser Blütezeit indianischen Medizinwissens, das erst durch die europäischen Invasoren zurückgedrängt wurde, lag die durchschnittliche Lebenserwartung der Indios bei über 100 Jahren.
Sie wussten nicht nur über phytotherapeutische Wirkstoffe Bescheid, sie hatten auch vielfältige gezielte Applikationsformen entwickelt, darunter das Abbrennen von Kräutern zur Raumdesinfektion und Infektionsverhütung, die Inhalation und das Schnupfen von Arzneimitteln (also deren Aufnahme über die Schleimhäute), aseptische und zahnfleischpflegende Kaugummis und Zahncremerezepturen, Heilbäder, Injektionen durch feine Hautritzungen, die antiseptische Wundbehandlung, Heilbäder, eine umfangreiche phytotherapeutische Vorsorge in der Frauenheilkunde, den Einsatz verschiedener pflanzlicher Alkaloide zur Behandlung psychischer Krankheiten u.v.m.
Sie verfügten über ambulante Sanitätsstationen und Krankenhäuser, ein pharmazeutisches Versorgungssystem mit einer erstaunlich guten Infrastruktur, die sogar Drogenfernhandelswege und einen Drogengroßhandel umfassten.
Bei der Tetanie kommt es durch zu viel Kalzium im Blut zu Sensibilitätsstörungen und zu krampfartigen Störungen in der Motorik, insbesondere in der Bewegungsfähigkeit der Hände.
Hilfe für den Weißen Mann
Als der Weiße Mann die Neue Welt eroberte und deren einheimische Bevölkerung umgehend zu unterjochen begann, waren es sowohl in Nord- als auch in Südamerika die Indianer, die die Invasoren von Seuchen und lebensbedrohlichen Mangelerkrankungen kurierten. Sie behandelten weiße Siedler gezielt und erfolgreich gegen Skorbut, Ruhr, Diphtherie und Malaria. Sie versorgten eiternde Verletzungen und bewahrten damit so manchen vor Amputationen, und sie kannten sogar Mittel gegen Tetanie.
Dennoch lernten lediglich die Trapper, die als Einzelgänger und Abenteurer in die Wildnis der Neuen Welt aufbrachen, gerne von den Indianern. Das europäische Militär, allen voran die europäischen Militärärzte, verweigerten sich hartnäckig allem Neuen, auch wenn der Erfolg der indianischen Therapien auf der Hand lag. Sie selbst standen den Kranken meist hilflos gegenüber.
So lehrten die Sioux um 1860 den Armeearzt F. W. Johns in Fort Laramie, dass sich aus dem mit Wasser vermischten Saft geschmorter Glieder des Feigenkaktus (Opuntia vulgaris) eine haltbare Flüssigkeit herstellen lässt, von der ein Teelöffel pro Tag zuverlässig Skorbut heilt. Als einer von wenigen Militärärzten erprobte Johns das Indianerrezept, mit dem Erfolg, dass ab diesem Zeitpunkt in Fort Laramie Skorbut ein Fremdwort war. Seine Berichte darüber ernteten unter den Kollegen jedoch nur Hohn und Spott.

Von den Indianern lernten die Europäer das Rauchen. Was dabei zählt, ist aber nicht allein das Ritual. Auch heilkräftige Tabakpflanzen haben Bedeutung.
Begegnungen der Weißen mit indianischer Heilkunst
In Fort Assiniboine in Montana grassierte im Winter des Jahres 1885/86 die Diphtherie. Die einzige Maßnahme des Generalarztes war dessen Anordnung, Wasch- und Schmutzwasser nicht mehr an die Baracken zu gießen und die Schlafsäcke nicht mehr mit feuchtem Heu zu füllen. Hilfe kam durch einen Medizinmann der benachbart zeltenden Assiniboine. Er heilte selbst schwerst erkrankte Patienten mit einer Mischung aus Kräutern und Schimmelpilzen, die antibiotische Wirkung besaß.
Rund 40 Jahre zuvor, 1848, hätte auch den an Cholera erkrankten Patienten Daniel Drakes mit indianischen Antibiotikamixturen geholfen werden können, wie Trapper versicherten. Doch der medizinische Berater der US-Regierung lehnte jegliche »Wildenzauberei« energisch ab und ordnete stattdessen an, der erste Freitag im August solle zum nationalen Gebetstag erklärt werden, »um den Allmächtigen inständigst anzuflehen, seine zerstörerische Hand, die er gegen uns erhoben hat, zurückzuziehen.«
Die Weißen lehnten viele Heilmethoden der Indianer als Zauberei ab; dennoch reagierten sie ihrerseits auf Krankheiten, die ihnen unbekannt waren, lediglich mit Gebeten, anstatt die Hilfe der Indianer in Anspruch zu nehmen.
Skepsis und Ablehnung
Diese Erfahrungen aus dem 19. Jahrhundert waren keineswegs die ersten Begegnungen der weißen Invasoren mit der indianischen Pflanzenheilkunst. Leider war jedoch auch die Reaktion darauf immer annähernd gleich. Schon während des eisigen Winters 1535/36, als die drei Schiffe von Jacques Cartier im tiefen Eis des St.-Lawrence-Stroms festgefroren waren und der Besatzung der Tod durch Skorbut drohte, erschien als rettender Engel der örtliche Indianerhäuptling Domagaia und heilte die Seefahrer mit einem Dekokt aus einem »gewissen Baum«. Niemand lernte dauerhaft daraus. Nicht einmal die Rezeptur wurde überliefert.
Die ursprünglich nur in Südamerika wachsende Ananas wird in Europa schon lange wegen ihrer zahlreichen Wirkstoffe geschätzt. U.a. enthält sie das eiweißspaltende Enzym Bromelain, das vor allem bei Darmstörungen sehr hilfreich ist.
Neugier europäischer Botaniker
Zeigten die europäischen Pioniere in der Neuen Welt nur wenig Interesse an der indianischen Pflanzenheilkunde, weil sie die Indianer generell als Wilde verachteten, so verhielt es sich in den europäischen Stammländern anders. Hier waren es einerseits die Königshäuser, für die spannende Berichte aus der Neuen Welt stets eine willkommene Unterhaltung darstellten und die gegenüber exotischen neuen Medizinen für den Hochadel aufgeschlossen waren. Andererseits waren besonders die Botaniker - unabhängig von pharmazeutischen Inhaltsstoffen - begierig nach noch unbekannten Pflanzen. Sie waren es denn auch, die die zahlreichen, von Neuweltreisenden mitgebrachten amerikanischen Pflanzen als erste systematisch bearbeiteten. Mitglieder ihrer Zunft unternahmen auch eigene Pflanzenexkursionen nach Amerika. Damit schlug die Geburtsstunde der systematischen Botanik.
Weil die Pioniere auf diesem Gebiet im frühen 16. Jahrhundert, allen voran Leonhart Fuchs (1501-1566) und Tabernaemontanus (1520-1590), ihre Arbeit gründlich machten und nicht nur die ihnen neuen Pflanzen in bekannte Familien einordneten, sondern diese auch umfassend beschrieben, erwähnten sie auch deren phytotherapeutische Qualitäten.
Autoren wie Adamus Lonicerus (1528-1586) in seinem berühmten Kräuterbuch legten sogar den Schwerpunkt auf die pharmazeutische Applikation und gaben vielfältige Rezepturen an.
Beginn der europäischen Arzneimittellehre
Auf die europäische Arzneimittellehre hatte das neue Wissen eine revolutionäre Wirkung, hatte sie doch seit dem klassischen Altertum praktisch keine Bereicherung mehr erfahren. Aus der Neuen Welt kamen nun mit einem Schlag Dutzende, ja Hunderte neuer Heilpflanzen. Schon als 1589 das erste offizielle staatliche Arzneimittelbuch der Welt, die Pharmakopöe des Valerius Cordus gedruckt erschien, enthielt diese 16 indianische Heilpflanzen, von denen der Autor forderte, dass sie in jeder Apotheke vorrätig sein müssen (siehe Kasten). Die meisten davon sind uns heute noch geläufig, wenn auch nicht alle in erster Linie als Phytotherapeutika.
Als weiterer prominenter Kräuterbuchautor bearbeitete im 17. Jahrhundert Bauhinius das Kräuterbuch von Tabernaemontanus und erweiterte es um zahlreiche neuweltliche Phytotherapeutika.
1750 bis 1775 veröffentlichte dann Christoph Jakob Trew seine »Plantae Selectae«, ein Werk, das den Europäern wiederum neue Indianerheilpflanzen vorstellte. Viele davon erreichten bald einen hohen Bekanntheitsgrad, darunter der Amerikanische Ginseng, die Papaya, der Kaktus Königin der Nacht, der Maiapfel, der Indigostrauch und der Kakaobaum. Die meisten hielten zu dieser Zeit ihren Einzug in die europäische Volksmedizin.
Anfang des 19. Jahrhunderts gesellten sich dann unter vielen anderen das Bitterholz, die Chilischoten, die Ipecacuanha-Wurzeln, die Maisgriffel, der Perubalsam, die Sonnenblumenkerne und der Tabak dazu.
Die Papaya verbessert ebenso wie die Ananas den Eiweißstatus im Körper. Das in ihr enthaltene Enzym Papain sorgt seinerseits wiederum für die Bildung von Verdauungsenzymen.
Indianische Phytotherapeutika in Europa um 1589
| Aloe (Ligni Aloes)Ananas (Pinea)Balsampappel (Tacamahacæ)Chia-Salbei (Mastiches Chiæ)Chinarinde (Cortex Chinæ)Guajakholz (Ligni Guaiaci)Jalape (Mechoacanæ)Kürbissamen (Semini Cucurbitæ) | Papaya (Caricæ)Piment (Spicae Indicæ)Sarsaparillenwurzel (Sarsaparillæ)Sassafrasrinde (Sassafras)Stechapfel (Hyoscyamus Peruvianus)Styraxharz (Styrax)Tabakblätter (Foliae Peti)Winde, Blaue (Scammonii) |
Geburt der europäischen Phytotherapeutik
Mit der systematischen Untersuchung der neuweltlichen Heilpflanzen durch Ärzte und Pharmazeuten erlebte zugleich die eigentliche europäische Phytotherapeutik ihre Geburt. Chemiker erforschten die Inhaltsstoffe und versuchten mehr oder weniger erfolgreich, sie zu isolieren.
Eine der ersten Entdeckungen dieser Art gelang 1820 mit dem Chinin. Später fand man u.a. weitere pharmazeutisch äußerst wichtige Alkaloide, darunter das Kokain und das Meskalin.
Im 20. Jahrhundert erlebten die indianischen Heilpflanzen im Pharmazieschatz Europas eine wechselvolle Geschichte. Noch im Deutschen Arzneibuch von 1926 (DAB 6) waren sie sehr zahlreich vertreten. Dann, im DAB 8 (1978), schlug sich die Furcht der pharmazeutischen Forschung nieder, sie dürfe nur Drogenpflanzen mit exakt analysierten und in ihrer Wirkungsweise bekannten Inhaltsstoffen publizieren. Mehr als drei Viertel der indianischen Medizinkräuter, -rinden, -wurzeln usw. wurden verdrängt.
Heute wandelt sich das Bild aus zwei Gründen erneut. Zum einen fordert die Öffentlichkeit in immer stärkerem Maß sanftere Heilmittel als die rein chemotherapeutischen. Zum anderen hat sogar die klinische Forschung selbst zumindest ansatzweise begriffen, welche unheilvollen Nebenwirkungen bis hin zu Todesfällen sie mit ihren vollsynthetischen Wirkstoffen oftmals auslöst. Und schließlich kennt die Forschung heute mehr und mehr Inhaltsstoffe zuvor nicht untersuchter Pflanzen. Im DAB 1998 und im ersten europäischen Arzneimittelbuch (EAB 1997) wurden bereits wieder rund zwei Drittel des indianischen Heilpflanzenbestandes des DAB 6 erreicht.
Das Chinin ist das wichtigste Alkaloid der Chinarinde. Es wirkt sowohl fiebersenkend als auch Wehen fördernd und allgemein entzündungshemmend.
Die Qualität der Heilpflanzenkenntnisse
Interessant ist, dass die zunehmenden wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Inhaltsstoffe der indianischen Heilpflanzen exakt das alte Wissen der Indios widerspiegeln. Die moderne Medizin bestätigt somit ein seit Jahrhunderten existierendes und tradiertes Wissen.
Hierzu schreibt der Pharmakologe Dr. Joachim Exner: Im höchsten Grade erstaunlich ist, dass ganz deutlich wird, »wie sehr sich indianische empirische Indikationen und wissenschaftlich erprobte Indikationen gleichen, ja sehr häufig sogar identisch sind. Mehr noch: Es zeigt sich auch, dass in vielen Fällen die indianischen Indikationen zahlreicher, differenzierter und spezifischer sind.«
An anderer Stelle fährt Exner fort: »Andererseits stellt sich auch beim Vergleich der Indikationen von Heilpflanzen, die in beiden Kulturkreisen gleichermaßen traditionell verwendet werden, heraus, dass unser einheimischer Arzneischatz und seine Erforschung durch die Schulmedizin, Homöopathie und Volksmedizin starke Parallelen zu indianischen Indikationen aufweist. Andererseits kann aber nicht verschwiegen werden, dass sich unser Wissen insgesamt über die Anwendungsmöglichkeiten der vorliegenden Heilpflanzen gegenüber den sehr ausführlichen Beschreibungen der indianischen Medizin eher bescheiden darstellt.«
Samuel Hahnemann wurde 1755 in Meißen geboren und starb 1843 in Paris. Er besaß als Begründer der klassischen Homöopathie nicht nur pharmazeutisches Wissen, sondern war auch Hygieniker und Psychiater.
Klassische indianische Pflanzen in der Homöopathie
Von der großen Bedeutung vieler indianischer Heilpflanzen in der Homöopathie war bereits kurz die Rede. Es kann nicht verwundern, dass sich im Schatz der heute in Europa gängigen homöopathischen Medikamente zahlreiche klassische indianische Pflanzen wiederfinden, wenn man weiß, dass Samuel Hahnemann im Grunde erst durch indianische Applikationen auf das Gebiet der Homöopathie aufmerksam wurde und durch sie seine Prämisse des Similia similibus (»Ähnliches mit Ähnlichem«) aufstellte.

Die indianische Medizin ist gewissermaßen der Urahn der klassischen Homöopathie. Bereits die Indianer nutzten zum Beispiel das Immunstimulanz Echinacea in Potenzierungen.
Indianische Heilpflanzen in der europäischen Homöopathie - Homöopathikum
| Pflanze | Homöo-pathikum |
|---|---|
| Cephaelis ipecacuanha, Uragoga ipecacuanha (Brechwurzel) | Ipecacuanha D3, D4, D6; bis D3 verschreibungspflichtig |
| Datura stramonium (Stechapfel) | Datura D3, D4, D6 und höher; verschreibungspflichtig bis D3 |
| Echinacea angustifolia (Schmalblättrige Kegelblume) | Echinacea ∅ (= Urtinktur), D1, D2, D4, D6 |
| Eupatorium perfoliatum (Wasserhanf) | Eupatorium perfoliatum; ∅, D1, D2, D3, D4 |
| Gelsemium sempervirens (Falscher Jasmin) | Gelsemium D2, D3, D4, D6, D10 und höher |
| Hamamelis virginiana (Virginische Zaubernuss) | Hamamelis ∅, D3, D4, D6 |
| Iris versicolor (Buntfarbige Schwertlilie) | Iris versicolor D2, D3, D4 |
| Luffa operculata, Luffa purgans (Luffaschwämmchen) | Luffa D3, D4, D6, D12 und höher |
| Passiflora incarnata (Fleischfarbene Passionsblume) | Passiflora incarnata ∅, D2 |
| Phytolacca americana (Kermesbeere) | Phytolacca D2, D3, D6 |
| Podophyllum peltatum (Maiapfel, Entenfuß) | Podophyllum D2, D3, D4, D6; bis D3 verschreibungspflichtig |
| Quassia amara, Quassia excelsea (Quassia-Baum) | Quassia D2, D3, D4 |
| Rhus toxicodendron (Giftsumach) | Robinia D2, D3, D4 |
| Sanguinaria canadensis (Kanadische Blutwurzel) | Sanguinaria D2, D3, D4, D6 |
| Serenoa repens (Zwergpalme) | Sabal serrulata ∅, D3, D4, D6 |
| Smilax utilis (Smilax) | Sarsaparilla D2, D3, D4 |
Indianische Heilpflanzen in der europäischen Homöopathie - Hauptindikationen
| Pflanze | Hauptindi-kationen |
|---|---|
| Cephaelis ipecacuanha, Uragoga ipecacuanha (Brechwurzel) | Bronchitis, Keuchhusten, Bronchialasthma, Heuschnupfen, Migräne, Gastritis, Durchfall, Bindehautentzündung |
| Datura stramonium (Stechapfel) | Manische Zustände, Delirien, Halluzinationen, schwere Infekte mit Hirnhautentzündung, Krämpfe, Epilepsie |
| Echinacea angustifolia (Schmalblättrige Kegelblume) | Septische Prozesse, Furunkel, Karbunkel, Mastitis, Eiterungen nach Verletzungen, langwieriges Unterschenkelgeschwür, Immunschwäche |
| Eupatorium perfoliatum (Wasserhanf) | Grippe, Erkältungskrankheiten, Reizblase, akute Gastritis bei fiebrigen Infekten |
| Gelsemium sempervirens (Falscher Jasmin) | Grippe mit Hirnhautreizung, Migräne, Gesichtsneuralgien, Augenmuskellähmung, Herzmuskelentzündung, schmerzhafte Menstruation |
| Hamamelis virginiana (Virginische Zaubernuss) | Venöse Blutungen, Krampfadern, Hämorrhoidalleiden, schmerzhafte Menstruation, Lungentuberkulose, Venenentzündung |
| Iris versicolor (Buntfarbige Schwertlilie) | Migräne, Trigeminusneuralgie, Magenübersäuerung, Lebererkrankung |
| Luffa operculata, Luffa purgans (Luffaschwämmchen) | Entzündung der oberen Atemwege, Heuschnupfen, Brechdurchfall |
| Passiflora incarnata (Fleischfarbene Passionsblume) | Schlaflosigkeit, Folgezustände von Morphinismus, nervöse Erschöpfung, vegetative Nervosität |
| Phytolacca americana (Kermesbeere) | Muskel- und Gelenkrheumatismus, grippale Infekte, chronische Mandelentzündung, Milchstau |
| Podophyllum peltatum (Maiapfel, Entenfuß) | Leber- und Gallenblasenerkrank., Gelbsucht, Dickdarmentzündung, akuter Brechdurchfall, Hämorrhoidalleiden |
| Quassia amara, Quassia excelsea (Quassia-Baum) | Leber- und Gallenwegsentzündung, Gelbsucht, Leberzirrhose, Pfortaderstau, Bauchwasser |
| Rhus toxicodendron (Giftsumach) | Magenübersäuerung, Sodbrennen, Migräne |
| Sanguinaria canadensis (Kanadische Blutwurzel) | Klimakterium, Hitzewallungen, Migräne, Erkältungskrankheiten, Kehlkopfentzündung mit Krampfhusten, Rheumatismus der Muskeln und Gelenke |
| Serenoa repens (Zwergpalme) | Prostatavergrößerung, -entzündung, Hoden-, Blasenentzündung |
| Smilax utilis (Smilax) | Milchschorf, Ekzeme, Eiterausschlag, Skrofulose, Nierensteine, Nieren- und Blasenentzündung, rheumatische Erkrankungen |
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