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Elisabeth H. Knoth
Mit Schwung in die zweite Halbzeit Das Partnerschafts-Pflegeprogramm für Ehen in den besten Jahren

Danke
Ein riesengroßes Dankeschön an meinen Mann Matthias, ohne den ich dieses Buch niemals hätte schreiben können.
Danke, dass du damals die Geduld und Hoffnung hattest, dass aus dem jungen Mädchen in Tracht und Haube noch eine Ehefrau werden könnte.
Danke für deine Liebe und Wertschätzung in den letzten 40 Jahren.
Danke für alles Verständnis und Rücken freihalten in den Tagen und Nächten, in denen ich geschrieben habe.
Inhaltsverzeichnis
Vor-Sicht
Ach so … Gut zu wissen
Reden. Muss das sein? Geht es nicht auch ohne?
Beziehungsreich kommunizieren
Abrüstung in der Kommunikation
Die Chance auf ein Ende
Und willst du nicht mein Bruder sein
Vom Umgang mit Erwartungen
Wer bist du für mich und ich für dich? Identität neu definieren
Das Leben genießen
Nutzung der spirituellen Ressourcen – wo gibt der Glaube Halt und Kraft?
Evaluierung der Ergebnisse
Vor-Sicht
Achtung: Bitte überprüfen Sie vor der Lektüre des Buches Ihre Erwartungen! Wer ein hochwissenschaftliches Buch mit vielen Fachtermini erwartet oder komplexe Zusammenhänge staubtrocken und todernst sortiert, dem kann ich jetzt schon versprechen, dass ich ihn haushoch enttäuschen werde.
Wenn wir schon einmal dabei sind, machen wir gleich noch bei den Einschüben, Beispielen und Gedankengängen weiter: Hier ist ganz bestimmt nichts normiert und geschmeidig aufeinander abgestimmt, so wie Sie es wahrscheinlich gewohnt sind. So etwas gibt es zwar bei Büchern, aber nicht in der Ehe. Was Sie hier in der Hand halten, ist aus dem Leben für das Leben. Und wenn Sie, für die ich dieses Buch geschrieben habe, schon ein reichliches Vierteljahrhundert verheiratet sind, dann kennen Sie das. Ihre Ehe und mein Buch haben einige Gemeinsamkeiten: Da geht es überraschend zu, ungewohnt, herausfordernd und sehr persönlich. Da kommen zum Beispiel Dinge öfter vor – nicht aus Versehen, sondern weil sie so wichtig sind, dass ich sie nur durch Wiederholung festige.

Wenn Sie dagegen Freude daran haben, mich auf einem Streifzug durch meine Erfahrungen mit Männlein und Weiblein und ihren Bemühungen, miteinander alt zu werden, begleiten möchten, dann werden Sie auf Ihre Kosten kommen. Sie werden staunen, wie wunderbar vielschichtig die Beziehung zwischen Mann und Frau doch sein kann, und wie faszinierend sich die ganzen Problematiken auf ein paar wenige Punkte herunterbrechen lassen.
Bei manchen Themen ist es völlig egal, auf welchem Kontinent oder in welcher Kultur ich lebe. Bei anderen wieder machen schon dreißig Kilometer1 etwas aus. Bei aller Verschiedenheit konnte ich aber auch feststellen, dass die Paardynamik an sich und allgemein betrachtet auf der anderen Seite des Äquators auch nicht anders ist.
Der Einfachheit halber spreche ich von Partnern- ob dabei die Frau oder der Mann gemeint ist, ergibt sich im Text. Als jemand, der in der DDR geboren wurde, ist Gleichberechtigung für mich keine Frage der Endungen.
In diesem Buch geht es mir auch nicht um normierte Zahlen, denn ich will damit nicht Ihren Verstand, sondern Ihr Gefühl, Ihr Herz ansprechen. Im Gegenteil: Ich werde manches bewusst pointiert darstellen (karikieren), sodass es Sie auf- und anregt, darüber zu diskutieren. Spätestens, wenn ich wieder ein Klischee bemühe, wissen Sie: Jetzt wird’s höchste Zeit zu reden.
Wenn Sie sich selbst hin und wieder erkennen, dann hoffe ich, dass Sie sich entspannt zurücklehnen und denken: Willkommen im Club! Und ich werde mit viel Humor arbeiten, denn das entspannt – wenn schon nicht die Situation, dann wenigstens Ihr Gesicht. Oder meins, wenn ich mir vorstelle, wie Sie es lesen.
Sie werden feststellen, dass die Themen nur manchmal „altersentsprechend“ sind. Die meisten Dinge gelten für Paare unabhängig Ihres Lebens- oder Ehealters. Das ist weder Zufall noch Versehen, und ich sag Ihnen auch warum: Die Paare, die jetzt die Silberhochzeit hinter sich und die Kinder aus dem Haus haben, hatten damals, als sie in ihre Partnerschaft starteten, weder die Zeit und Muße, geschweige denn die Fachliteratur, um sich entsprechend mit diesen Themen auseinanderzusetzen. Nun aber, wo Berufe erlernt, Familien gegründet und Häuser gebaut worden sind, ist auch hierfür Zeit. Inzwischen ist so langsam die Erkenntnis durchgesickert, dass Selbstreflexion nichts zu essen oder eine Krankheit ist. Ja, sogar die Ahnung, dass man nicht erst auf eine Krise warten muss, um sich mit seiner Ehe aktiv auseinanderzusetzen.
Aktiv werden
Im ganzen Buch verteilt finden Sie Schreib- und Denkaufgaben. Es empfiehlt sich, die entsprechenden Seiten zu kopieren oder aber als Vorlage für separate Notizen zu verwenden. Gönnen Sie sich doch ein schönes Notizbuch dafür!
Austausch im Freundeskreis
Vielleicht holen Sie sich aber auch gleich Unterstützung, bevor Sie starten. Überlegen Sie doch mal, ob Sie dieses Buch nicht auch mit guten Freunden oder Menschen, die in einer ähnlichen Situation sind, lesen wollen. Laden Sie Ihre besten Freunde oder die Ehepaare in Ihrem Verein oder Bibelkreis ein, entweder zunächst zu Hause allein oder mit dem Partner einen Abschnitt zu erarbeiten. Wer mag, kann auch gleich in der Gruppe die einzelnen Abschnitte lesen und dann darüber diskutieren.

Sorgen Sie auf alle Fälle für eine ungestörte und gemütliche Atmosphäre, das erleichtert den Austausch. Diskutieren Sie unterschiedliche Ansätze und Sichtweisen und lernen Sie voneinander. Auf diese Weise kann jedes Paar seine Erfahrungen und Einstellungen in der eigenen Partnerschaft reflektieren. Ich erlebe ganz oft, dass die Leute danach ermutigt rausgehen und feststellen: Gott sein Dank, wir sind nicht die Einzigen – anscheinend ist das normal, was wir erleben. Wir haben es uns bisher unnötig schwer gemacht. Oder auch ganz anders: Es kommt vor, dass Paare merken, dass sie sich bereits auf ganz dünnem Eis bewegen. Dann können sie gegebenenfalls neue Erkenntnisse in ihre Ehe und den Umgang miteinander einfließen lassen.

In meiner Praxis erlebe ich immer wieder Menschen, die nicht verstehen können, warum Ehetherapie keine Kassenleistung ist. Sie haben zwar weder Arzt, Apotheker noch Krankenkasse gefragt, wen sie heiraten sollen, erwarten aber dann, dass Ehe als „Krankheit“ anerkannt wird und deshalb auch andere die Kosten übernehmen, wenn es Schwierigkeiten gibt. Das hängt zum einen sicher mit der mangelnden Erkenntnis zusammen, dass ganz allein ich für mein Leben verantwortlich bin. Kaum jemand sagt: Ja, das liegt in meiner Verantwortung! Zum anderen aber auch mit der traurigen Tatsache, dass wir uns in Deutschland sehr schwer damit tun, dass Scheitern nun einmal zum Leben dazugehört. Fehler werden als Katastrophe anstatt als Lernquelle betrachtet, deshalb wird damit so diskret umgegangen, dass fast jedes Paar glaubt: Wir sind die Einzigen, denen es so geht. Viele scheitern also an den gleichen Fehlern, denn wie kann ich das vermeiden, wenn keiner darüber spricht?
Ich ermutige die Paare, im geeigneten Rahmen über Ihre Erfahrungen im Umgang mit Schwierigkeiten zu sprechen. Anderen zu berichten, wie sie Konflikte lösen konnten und welche Ansätze sie als eher hinderlich erlebt haben. So können sie in ihrem engeren Umfeld Multiplikatoren werden und andere Paare ermutigen. Gleichzeitig tröstet es natürlich auch, wenn ich feststelle, dass ich nicht allein in dieser Thematik bin. Sie wissen ja: „Willkommen im Club“
Im Rahmen unserer Seminare, die wir zu diesem Thema seit vielen Jahren halten, haben sich schon einige Paare miteinander befreundet und unterstützen sich nun gegenseitig. So macht lernen viel mehr Spaß und verhindert selbstgemachten Druck!

1 Entfernung Plauen – Hof, einstmals in zwei, wenn auch deutschen, Staaten.

Ach so … Gut zu wissen
Wenn ich für 99 Cent einen Wecker kaufe, dann bekomme ich mindestens anderthalb Meter Gebrauchsanweisung in allen möglichen und unmöglichen Sprachen dazu. Natürlich ist darin auch zu lesen, wie der Wecker zu bedienen sei und was ich tunlichst zu unterlassen habe. Will ich einmalig gar eine Kettensäge bedienen, so brauche ich einen „Schein“ und vorher einen Lehrgang.
Für jede noch so kleine Kleinigkeit gibt es Kurse und Anleitungen ohne Ende – nur nicht für die wichtigsten Dinge des Lebens. Wir lernen in der Schule unbekannte Künstler zu interpretieren, erstaunliche Dinge zu berechnen, aber vom Leben in all seiner Komplexität steht wenig im Stundenplan. Immer seltener können Menschen von ihren Eltern oder Großeltern zum Beispiel lernen, wie echte Partnerschaft und Ehe gelingen, wie Konflikte miteinander ausgetragen und Kompromisse gefunden werden.
Hin und wieder gibt es Ehevorbereitungskurse, einige Elternprogramme und später dann Angebote für Senioren. Was ist aber mit der Zeit zwischendrin? Wer spricht schon drüber, wie es Eltern nach ihrem Erziehungsmarathon geht, darüber, was nach vielen Jahren Ehe an Liebe und Träumen übrig geblieben ist? Wenn Sie sich inmitten des Alltagsgetriebes auseinandergelebt haben, wenn es eben keinen „Großgruppenrabatt“ mehr gibt und stattdessen die völlig ungewohnte Zweisamkeit fast Angst macht? Ohne lebende Beispiele innerhalb von Familie oder Freundeskreis bleibt uns nur, das Leben in Echtzeit zu erforschen. Frei nach dem Motto: „Am besten Sie testen!“
In meiner Beratungspraxis begleite ich seit Jahren Menschen in ganz unterschiedlichen Herausforderungen des Lebens. In fast 80 Prozent geht es um Beziehungsfragen: Wie kann Partnerschaft gelingen? Bei genauerem Hinsehen stellt sich heraus, dass in der Regel Missverständnisse und Unwissenheit die Auslöser für Unverständnis, Streit und Auseinandersetzungen sind. Mit wertschätzender und rechtzeitiger Unterstützung wären die meisten Ehekrisen und -scheidungen vermeidbar. Bleiben die verletzten Partner allerdings in ihrem Schmerz allein, dann reihen sich eine unerfüllte Hoffnung an die nächste und ein verbaler Fehltritt an den anderen. Dann gibt es keine Sieger mehr, sondern nur noch Verlierer.
Helfen anfangs noch gemeinsame Gespräche, so verhärten sich mit der Zeit die Fronten. Nur sehr wenige Paare sind mit so guten Freunden gesegnet, dass man sie jetzt um Hilfe bittet. Gar jemand Fremdes in die eigenen Probleme hineinschauen zu lassen, ist für viele kaum denkbar. So kommt es, dass die Inanspruchnahme von professioneller Hilfe oft die allerletzte Option vor einer Trennung beziehungsweise Scheidung ist.
Sitzen dann die Paare bei mir in der Praxis und wir arbeiten gemeinsam an der erwünschten Veränderung, so höre ich immer wieder: „Hätten wir das doch früher gewusst – was hätten wir uns alles ersparen können! Warum sagt einem das niemand? Nicht viel und unsere Wege hätten sich getrennt – unnötigerweise.“
Zu beobachten, wie Paare, die mittlerweile bestenfalls noch eine Wohn-, Erziehungs- oder Wirtschaftsgemeinschaft waren, langsam aber wieder anfangen, sich anzusehen, sich zuzuhören und wieder ernst zu nehmen, ist der schönste Teil meiner Arbeit. Es sind faszinierende und berührende Momente, wenn sich ein Paar zum ersten Mal seit Jahren oder Jahrzehnten wieder in die Augen schaut, sein Gegenüber wieder richtig wahrnimmt. Damit dies öfters geschieht und viele Paare wieder Hoffnung für ihre Beziehung bekommen, habe ich dieses Buch geschrieben. Allen Paaren, die sich noch lieben, soll es Unterstützung und Ermutigung sein, dies auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten noch zu tun, frei nach dem Motto: „Vor dem Schaden klug sein!“
Im Vorfeld habe ich viel überlegt: Wie soll es werden? Am liebsten kompakt, vielfältig und umfassend … Aber so ein Buch, in dem alles ausreichend behandelt wird, ist genauso gut möglich beziehungsweise unmöglich, wie sich an einem Nachmittag ein gründliches Bild von den Alpen zu machen. Klar könnten Sie einem Piloten ausreichend Geld in die Hand drücken und mit einem Hubschrauber oder Kleinflugzeug zu einem Rundflug starten. Aber wer halbwegs in Heimatkunde aufgepasst hat, der weiß, dass er nur von einem Gipfel zum anderen fliegen und zwischendrin eventuell zu einem kleinen Picknick an einer Hütte landen wird. Zeit, Land und Leute der Alpenländer kennenzulernen, eine Wanderung zu unternehmen oder etwas über Flora und Fauna zu lernen, bleibt nicht. Kein Mensch würde danach sagen: Wunderbar, vielen Dank, jetzt kenne ich mich aus und find mich prima zurecht!
Ähnlich ist es auch mit der Ehe. Auch wenn ich viele von außen schon beobachtet und manche Berichte gehört habe, so lohnt es sich doch, an manchen Stellen genauer hinzuschauen. Deshalb möchte ich mit Ihnen genau dort anfangen, wo es am schnellsten in der Beziehung hakt, aber wo ich dankenswerter Weise auch am schnellsten Fortschritte sehen kann.


Reden. Muss das sein? Geht es nicht auch ohne?
Bevor ich das kläre, möchte ich zunächst eine andere Frage ganz nach vorn schieben: Ein Ehebuch – muss das sein? Geht es nicht auch ohne? Zumindest bei uns? Bringt das überhaupt etwas? Das sind gute und berechtigte Fragen, die Ihnen wahrscheinlich die wenigsten Ärzte und noch weniger Apotheker beantworten werden. Dazu ist es zunächst wichtig, eine andere, viel zentralere Frage zu beantworten: Was will ich?

Sehr treffend hat es einmal ein Ehemann formuliert, der in einer heftigen Ehekrise um ein Gespräch bat: „Frau Knoth, mir stellt sich nicht die Frage ob, sondern wie ich mit meiner Frau alt werden kann. Die Frage ‚ob‘ habe ich bereits vor dem Altar beantwortet, jetzt kümmre ich mich nur noch um den Rest, also: wie?“
Sehr pragmatisch veranlagt, versuchte er, seine Kräfte zu bündeln und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Für alles andere wollte er weder Zeit noch Kraft aufwenden. Wohl dem, der seine Werte kennt und nicht täglich neu suchen und definieren muss.
Aus meiner Erfahrung heraus kann ich sagen, dass ein/mein Ehebuch garantiert kein Allheilmittel ist und keinen Kausalitätsanspruch hat, frei nach dem Motto: „Wenn … – dann …“ Und doch glaube ich fest daran, dass es eine Bereicherung und Ermutigung für fröhliche, glückliche, sowohl auch Paare der ersten Stufe (Beziehungsirritation) und gegebenenfalls auch zweiten Stufe (Beziehungsstörung) von Beziehungsschwierigkeiten ist.
Wenn sich die Kommunikationsstörung bereits zur Beziehungsstörung entwickelt hat, dann wird es wirklich allerhöchste Eisenbahn, daran zu arbeiten, damit es nicht noch zur Beziehungszerstörung kommt.
Gerade wenn die Worte und Emotionen etwas ins Stocken geraten sind, kann man sich leichter über etwas als miteinander unterhalten. Spätestens wenn Sie in Ihrer Ehe bei Stufe 3, der Beziehungserkrankung, angekommen sind, sollten Sie allerdings zunächst ein anderes Buch lesen – nämlich das Telefonbuch! Suchen Sie sich so schnell wie möglich einen professionellen Gesprächspartner, der die Abwärtsspirale zunächst bremst und im besten Fall mit Ihnen zusammen umkehrt.
Hier brauchen Sie wirklich professionelle Hilfe zur Unterstützung. Das schafft in der Regel kein Paar mehr allein.

Eine Orientierung, ähnlich wie die Wasserstandsmeldungen bei Hochwasser, kann Ihnen die folgende Übersicht geben:
Beziehungsirritationen:
Hervorgerufen durch Kommunikationsstörungen entstehen Missverständnisse oder Konflikte, die es in jedem Alltag nun einmal gibt. Diese Probleme kann das Paar aber selbst oder im Gespräch mit vertrauten Personen zeitnah lösen. Die beiden lieben sich nach wie vor, und es tut ihnen leid, wenn etwas schiefging.
Beziehungsstörungen:
Die Paarbeziehung ist sehr angespannt. Oft reichen kleinste Auslöser, um einen Streit vom Zaun zu brechen. Die Missverständnisse und Probleme häufen sich, eine befriedigende Klärung bleibt aus. Trotz Gesprächen setzt keine Besserung ein. An dieser Stelle sind die meisten Freunde überfordert, und das Ehepaar braucht Hilfe von außen. Das kann ein Seelsorger, Berater oder Ehetherapeut sein. Für mindestens einen ist von Liebe keine Rede mehr. Dafür gibt es Gedanken an Vergeltung.
Beziehungserkrankung:
Paare, die Hilfe ablehnen und ihre Situation verdrängen, leben seit Jahren mit ungelösten Konflikten. Die Verletzungen sind bereits chronisch geworden und führen zu Verbitterung. Gemeinsame Gespräche fallen unheimlich schwer und Konflikte werden nur durch Kämpfe oder überhaupt nicht mehr gelöst. Destruktive Gefühle machen sich breit. Die Beziehung droht zu zerbrechen; fachliche Hilfe von außen ist unverzichtbar.
Beziehungszerstörung:
Nach kraftzehrenden, jahrelangen Konflikten ist die Fehlinterpretation von Worten und Verhalten des Partners an der Tagesordnung. Die wiederholten Verletzungen liegen so tief, dass keinerlei Vertrauen in den Partner oder Gefühl für ihn mehr da ist. Es fehlen Kraft, Motivation und Bereitschaft, sich in den anderen hineinzuversetzen und seine Perspektive zu übernehmen. Voller Hoffnungslosigkeit wird nur noch das schnelle Ende herbeigesehnt – egal, zu welchem Preis und mit welchen Konsequenzen auch für andere.

Von der fachlichen und therapeutischen Seite her heißt es spätestens an dieser Stelle: „Rien ne va plus.“ Aber genau solche Situationen, in denen nach menschlichem Ermessen gar nichts mehr geht, sind Gottes Sternstunden. Es ist seine ureigene Identität, zu retten, zu helfen und zu heilen – wenn wir ihn lassen!
Ich frage die Paare dann, ob sie Gott eine Chance geben, ihnen zu helfen. Darf er sie dabei unterstützen, ihr Trümmerfeld der Verletzungen zu beräumen und auf dem Weg der Vergebung begleiten? Auch wenn dieser Weg sehr beschwerlich, lang und auch schmerzhaft ist – Gott kann das Wunder schenken! Ich durfte es schon einige Male miterleben. Aber auch die andere Seite der Medaille will ich nicht verschweigen: Ich habe genauso schon Ehen auseinanderbrechen gesehen – auch bei Christen, meist den „Vorzeigepaaren“.

„Es ist zu spät – nicht wahr?“, fragte mich vor Kurzem eine Frau.
„Ja, leider – ich wünschte, Sie wären zehn Jahre eher gekommen!“

Kommen wir auf die in der Überschrift formulierten Frage zurück: „Reden. Muss das sein? Geht es nicht auch ohne?“
Doch, geht es auch. Es hat nur Konsequenzen, so wie alles, was ich auf dieser Erde tue oder eben auch nicht tue. Es geht fast alles – nur werden Sie mit dem Ergebnis nicht zufrieden sein! Jedenfalls nicht auf die Dauer. Halten es die meisten Menschen nicht für normal, mit einer Pflanze zu sprechen, so ahnen doch einige, dass es zumindest gut wäre, mit dem eigenen Haustier zu reden. Wer das eine Weile versäumt, wird es recht schnell an dessen Reaktionen merken. Möglicherweise wird die Katze Ihnen auf den Teppich pinkeln, der Hund die Schuhe zerlegen und eine Kuh weniger Milch geben. Nur von der eigenen Frau oder dem Ehemann erwartet man, dass sie es klaglos hinnehmen. Wieso eigentlich?
Diese Erfahrung ist an sich so alt wie die Menschheit. Wer allerdings dem Schöpfer des Himmels und der Erde nicht glauben will, dem fällt es auch schwer, an die Schöpfungsordnungen zu glauben. Die göttlichen Naturgesetze. Und damit geht der ganze Schlamassel regelmäßig los.

Interessanterweise gelten diese Ordnungen immer und für alle – universell sozusagen. Völlig egal, ob Sie an Gott glauben oder nicht. Ob Sie ihn mögen, ihm etwas zutrauen oder nicht. Genauso wie die Erdanziehungskraft funktioniert, unabhängig davon, ob ich an sie glaube oder überhaupt von ihr weiß. Sie funktioniert von Anfang an und für alle- völlig gleichgültig, ob Sie je verstehen werden wieso, ob Sie es toll finden oder nicht. Sie gilt für alle Völker, alle Kontinente und Zeiten hindurch. Und so ist es auch mit den Schöpfungsordnungen Gottes.
Mit der Erdanziehungskraft haben sich die meisten schon angefreundet und ihr Leben darauf eingerichtet. Das spart eine Menge Ärger, Zeit und Kraft und gibt uns eine gewisse Sicherheit. Meine Logik sagt mir: Wenn es also ähnlich den Naturgesetzen so eine stabile Schöpfungsordnung gibt, dann lohnt es sich, dass ich mich damit auseinandersetze. Wenn ich weiß, wie etwas funktioniert oder eben auch nicht, dann kann ich mich darauf einstellen, es für mich nutzen oder mich vor Misserfolg schützen.
Jetzt sind wir wieder bei der Sache mit den Bedienungsanleitungen, Stichwort „Wecker“. Bei jedem popeligen Teil schauen wir nach und ackern uns durch die seitenlangen Beschreibungen. Je größer das Gerät, desto länger die Anleitung. Warum schauen wir bei dem Kompliziertesten von allem, dem Menschen, nicht auch ins Handbuch für das Leben?
Dort steht ziemlich genau beschrieben, wozu der Mensch bei guter Wartung und Pflege sowie sachgerechtem Gebrauch alles in der Lage ist. Da steht auch etliches zum Aufspüren von Fehlerquellen, deshalb lese ich täglich drin und finde immer wieder neue „Life Hacks“ für alle möglichen Situationen im Alltag.
Doch das Beste von allem ist: Unser Hersteller, Gott der Schöpfer des Menschen, will, dass es uns gut geht und unser Leben gelingt! Das belegen etliche Stellen in diesem Handbuch – der Bibel.
Und weil er weiß, dass es mit Handbüchern so eine Sache ist und die allerwenigsten auf Anhieb damit klarkommen und auch verstehen, was damit gemeint ist, hat er uns sogar noch einen persönlichen Ansprechpartner mit einer kostenfreien 24-Stunden-Hotline (die übrigens nie mit Bandansagen arbeitet) dazugegeben.
Ganz anders, als wir es sonst gewohnt sind, ist dieser Ansprechpartner nicht einfach irgendein Angestellter, einer, der sich bei Bedarf mehr oder weniger in die Materie einarbeitet, kurz darauf alles vergisst, aber leider auch nichts entscheiden darf. Nein, sondern direkt in flacher Hierarchie der Sohn Gottes, unseres Schöpfers, JESUS CHRISTUS.

Er ist der einzige Weg direkt in die Chefetage, zu unserem Hersteller, Pardon, Schöpfer. Zu dem, der weiß, wie wir funktionieren und was bei Schwierigkeiten zu tun ist.
Parallel dazu hat uns Gott noch ein persönliches Navi gegeben: den heiligen Geist. Der kann uns lenken beziehungsweise leiten in unserem Leben. Ähnlich wie im Auto kann ich die Stimme natürlich auch ignorieren oder mit anderen Dingen übertönen. Anderes als im normalen Leben, lässt er uns aber nicht in den Fluss fahren oder benutzt veraltete Angaben. Wenn Gott uns auf einen vermeintlichen Umweg schickt, dann hat das so seinen Grund, wie ich im Laufe des Lebens gemerkt habe.
Das klingt gut, werden Sie jetzt vielleicht sagen. Manche wissen das theoretisch auch. Doch wie kommt dieses Wissen vom Kopf ins Herz, oder besser: Wie krieg ich die PS auf die Straße?
Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Natürlich wissen Sie, dass es kein Patentrezept gibt, so nach dem Motto: Im Falle A, lesen Sie bitte Seite 97, Absatz 3 folgende ...
Eine Bedienungsanleitung erspart dem Leser das Selberdenken, Tüfteln und Ausprobieren meistens nicht. Trotzdem finde ich viele Hinweise in der Bibel, wie Leben gelingen kann.
Mein Buch hier ist weder eine Betriebsanleitung, noch ein Rezeptbuch. Denn ich kenne weder Sie noch Ihre Biografie, geschweige denn die Umstände, in denen Sie momentan leben. Und ich werde Ihr Leben auch nicht leben, zu Ihnen an den Abendbrottisch kommen und Ihnen Ihre Verantwortung für das Gelingen Ihrer Partnerschaft abnehmen. Insofern würden Ratschläge Sie im wahrsten Sinne des Wortes schlagen; einfach nicht guttun und grandios am Ziel vorbeitreffen.
Sehen Sie es eher als Ideensammlung und Erfahrungsschatz. Ein Impulsgeber, den ich mir bei Bedarf holen kann und auch gleich wieder weglegen, wenn mir danach zumute ist. Vielleicht ist es manchmal auch einfach nur Trost, wenn Sie feststellen, dass es anderen Paaren ähnlich geht, Sie manche Baustelle in der Partnerschaft wiedererkennen und beruhigt merken, dass andere exakt an der gleichen Stelle falsch abgebogen sind wie Sie. Wahrscheinlich werden Sie zwischendrin auch stolz sagen können: Das ist uns zum Glück nicht passiert – das haben wir besser gemeistert.

Und zwischendrin, so hoffe ich, werden Sie einfach nur lachen. Lachen ist einfach genial: Es verbraucht eine Menge Kalorien, entspannt und kostet keinen Pfennig. Wer lacht, kann gerade nicht nörgeln. Das Beste aber ist: Lachen hilft mir beim Lernen. Je mehr Emotionen beteiligt sind, desto besser erinnere ich mich an eine Sache. Je positiver diese Emotionen sind, desto leichter fällt es mir, das Gelernte in meinen Alltag einzubauen, es immer wieder zu machen. Lachen hilft uns, eine schwere Aufgabe in Angriff zu nehmen und dranzubleiben, auch wenn‘s nicht gleich funktioniert.
Eine erfahrene Kollegin gab mir als blutjunge Berufsanfängerin einen wichtigen Hinweis: „Elisabeth, in jeder guten Therapiesitzung muss wenigsten einmal gelacht werden, und wenn es eine Trauerbegleitung ist!“ Dazu habe ich nie eine Statistik geführt, aber ich glaube, dass ich diesen Rat gut umgesetzt habe, sowohl bei den einzelnen Sitzungen als auch in den Vorträgen und Seminaren. Manche Kursteilnehmer sagen es mir ganz direkt: „Wir wüssten nicht, wann wir das letzte Mal so gelacht haben. So aus tiefster Seele und so anhaltend, das tut uns unendlich gut.“

Also lassen Sie uns starten. Dazu möchte ich Sie ermutigen, nicht einfach alles als gegeben hinzunehmen, sondern sich selbst ein Bild zu machen. Schon die Kaffeewerbung wusste: „Am besten, Sie testen!“ Oder wie schon in der Literatur des 1. Jahrhunderts beschrieben ist: „Prüfet aber alles und das Gute behaltet!“2 Um eine Sache wirklich gut zu verstehen, lohnt es sich, an die Wurzeln zu gehen. Schlagen Sie im Handbuch zum Leben doch mal nach – vielleicht besitzen Sie oder Ihre Eltern sogar eins. Wenn nicht, dann gibt es das Handbuch, die Bibel, in jedem Buchladen oder auch als App.
Ganz vorn im 1. Buch Mose, Kapitel 1 geht es ab Vers 26 sofort mit der Produktbeschreibung los: „Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei … Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde … lasst uns ein Gegenüber …“ Hammer! Aber was bedeutet das für uns? Wir sind als Beziehungswesen geschaffen. Der Mensch braucht ein Gegenüber, eine Resonanz. Erst dann kann er zur vollen Geltung kommen. Wenn Jesus sagt, ich bin das Wort (die Sprache, Information) und Gott von sich sagt, dass er die Liebe ist, dann bedeutet das, dass auch wir zum Reden und Lieben geschaffen worden sind.
Was ich bis heute noch unglaublich finde: Dieser gewaltige Gott, Schöpfer des Universums, hat Interesse an mir, Elisabeth H. Knoth. Und übrigens auch an Ihnen! In Jesaja 43, 1b lese ich: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein!“ – Der redet mit mir! Und er will, dass ich mit ihm rede. Warum? Weil er mir angeboten hat, ein – mein – liebender Vater zu sein. Damit ich weiß, was ihm wichtig ist und damit er weiß, wie es mir geht, wäre es gut, miteinander in Kontakt zu sein, und das geht nun mal am besten mit Reden.
Das ist der Grund, warum ich jedem, der von sich behauptet: „Ich kann nicht reden“, hundertprozentig versichern kann, dass es nicht so ist. Es mag eine Beschreibung des momentanen (und möglicherweise jahrzehntelangen) Zustandes sein, aber in unserer Grundausstattung sind wir anders angelegt; vom Hersteller quasi „werksseitig“ anderes ausgeliefert. Nur ist dann irgendwann mal was dazwischengekommen, etwas kaputt oder verloren gegangen. Und das wiederzufinden, dazu soll das Buch Sie unter anderem ermutigen.
Vielleicht können sich einige daran erinnern, einmal etwas von Friedrich II., dem Stauferkaiser, gelesen zu haben. Der hat bereits im 13. Jahrhundert erkannt, dass es einige ungeklärte Fragen gibt (die im Übrigen zum Teil bis heute offen sind): Ihn interessierte beispielsweise brennend, welches die Ursprache der Menschheit sei. Er wollte nicht trefflich darüber streiten, sondern es selbst herausfinden. Deshalb gründete er das wahrscheinlich erste urkundlich erwähnte Sprachlabor.
Kraft seiner Autorität ging es ganz ohne Antragsformulare und Bürokratie. Er schickte seine Herolde aus, und die sollten ihm Neugeborene bringen. Parallel ließ er eine Kemenate herrichten, bestellte seinen Innenarchitekten und ließ die Voraussetzungen für eine optimale Versorgung der Säuglinge schaffen. Höchstpersönlich nahm er die Einstellungsgespräche mit den Ammen vor. Die Stellenbeschreibung war klar: trocken, satt und sauber – Punkt. Mehr nicht! Bei drastischen Strafen wurde ihnen verboten, auch nur ein unnötiges Geräusch zu verursachen, geschweige denn zu reden. Keine wiegende Bewegung, keine unnötige Berührung, keine Miene verziehen, nichts. Sobald eines der Babys den ersten als Wort deutbaren Ton von sich gab, wollte er sofort informiert werden, um herauszufinden, was die Ursprache der Menschheit sei.
Man braucht kein Wissenschaftler zu sein, um zu wissen, wie es ausging: Keines dieser Kinder erlebte seinen ersten Geburtstag, die meisten starben schon nach wenigen Wochen. Warum? Sie hatten doch mehr als die meisten Babys der damaligen Zeit, waren gut ernährt, sicher und sauber. Aber das entscheidende hatten Sie nicht: Sie hatten keine Resonanz. Keine Ansprache. Keine Liebe. Ihnen fehlte die wirkliche Lebensgrundlage, deshalb starben sie eines nach dem anderen.
Auch heute noch führt mangelnde Kommunikation zum Tod. Zum Beziehungstod in erster Linie und auf Dauer auch zum physischen. Lange Zeit wurde das weder wahr, noch ernst genommen. Anfang 2018 wurde in Großbritannien eine Ministerin für Einsamkeit berufen (wobei ich „gegen“ besser fände). Den Verantwortlichen wurde klar, dass es für dieses Problem noch keine Anlaufstelle gibt, aber die Bevölkerung darunter massiv leidet.
Einzelhaft gilt bis heute als besonders erschwerte Haftbedingung. Aber noch häufiger leiden Menschen in ihrem „normalen“ Wohnumfeld darunter. Ich erinnere mich an eine Frau, die ich vor vielen Jahren bei einem therapeutischen Seminar kennengelernt habe. Sie war etwa Ende 30 und bereits seit Jahren Invalide. Als Laie hätte man sich fragen können warum. Als Fachkraft war es völlig klar, wenn auch erschütternd: Sie wuchs in einem Haushalt auf, in dem so gut wie nie gesprochen wurde. Weder am Tisch noch bei der Hausarbeit oder in der Freizeit. Nur wenn es überhaupt nicht anders ging, bellte einer der Eltern den anderen im Telegrammstil an. Danach herrschte wieder eisiges Schweigen. So wie die Eltern nicht miteinander redeten, so taten sie es auch nicht mit ihrer Tochter, die in der Folge völlig verunsichert und reizarm aufwuchs. Das hat sie zunächst psychisch und später körperlich schwer krank werden lassen. Sie konnte sich nicht erklären, warum ihre Eltern weder mit ihr noch miteinander sprachen. Gleichzeitig machte sie sich schwere Vorwürfe, dass es an ihr liegen müsste, denn alle anderen Kinder in der Schule erlebten Familie anders. Sie unternahm die verrücktesten Dinge, nur um ihre Eltern zufriedenzustellen, beziehungweise um ihre Liebe endlich zu erringen. Ein vergeblicher Kampf.

Ich erinnere mich, wie ich als junge Therapeutin damals von der Aussage des alten Chefarztes und tiefgläubigen Christen überrascht war. Zu der Zeit war von fachlicher Seite her für so frühe, enorme und nachhaltige (jahrzehntelange!) emotionale Vernachlässigung keinerlei Hoffnung auf Heilung. Nur durch den sofortigen, dauerhaften Abbruch der vergifteten Beziehung zu ihren Eltern könne etwas Linderung eintreten. Sie galt als bereits austherapiert.

Die Patientin war ebenfalls irritiert. „Wie soll ich als Christin dann das Vierte Gebot3 halten?“
„Genau dadurch“, sagte er ihr. „Nachdem Sie jetzt erkannt haben, dass es nicht an Ihnen liegt, sondern Ihnen die Eltern von der Schwangerschaft an das Elementarste schuldig geblieben sind, nämlich die persönliche Beziehung, bedingungslose Liebe und ihre Verantwortung als Eltern, ist es an Ihnen, nun als Erwachsenen selbst Verantwortung zu übernehmen. Indem Sie jeglichen Kontakt dauerhaft abbrechen, bieten Sie Ihren Eltern nicht mehr die Bühne, sich täglich – 24/7 – an Ihnen zu versündigen. Hier gilt: Gelobt sei jeder Kilometer!“
Schon nach den ersten Monaten von der Corona Krise wurde eins deutlich: Nicht nur das Virus selbst bringt den Tod. Ich habe mit einigen Leitern von Pflegeeinrichtungen darüber gesprochen, wie sie diese Zeit erleben und meistern. Sie alle beschreiben durch die Bank, dass das Schlimmste für ihre Bewohner der Kontaktverlust war. Keinen Besuch mehr zu bekommen, keine Gemeinschaft mit anderen mehr zu erleben oder als Gegenüber wahrgenommen zu werden. Unter diesen isolierten Bedingungen fehlte ihnen der Sinn weiterzuleben, und der Körper folgte der Seele.
Die Isolation aufgrund der Pandemie haben viele mit einem Verlust ihrer Lebendigkeit beschrieben. Wenn ich nicht angesprochen werde, fehlt mir die Resonanz. Ich spüre mich nicht mehr.
Stellen Sie sich immer noch die Frage: Weshalb reden? Weshalb zuhören? Reden ist einfach die beste Art zu kommunizieren, über die wir verfügen. Allein schon das Reden über Kummer bringt bereits die erste Linderung, während Gedanken, die ein Mensch verdrängt, ihm mit der Zeit schaden.
2 Die Bibel, 1. Thessalonicher 5,21.
3 2. Mose 20,12: Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lange lebest in dem Lande, das dir der HERR, dein Gott, geben wird.

Beziehungsreich kommunizieren
Nach all den Ehejahren, muss da noch über Kommunikation gesprochen werden? Man sollte meinen, nein – und schon sind wir wieder in der Falle: „‚Man‘ vielleicht nicht, aber wir schon!“ Wir alle – denn die meisten Beziehungsprobleme entstehen nun mal aus Missverständnissen! Dabei ist das Alter oder die bisherige Ehedauer nicht entscheidend. Hier heißt es bis zum Schluss: lernen, lernen und nochmals lernen. In der Art, wie wir uns miteinander verständigen, gibt es immer wieder Neues zu entdecken. Deshalb widme ich den Großteil des Buches auch diesem faszinierenden Gebiet. Wer nicht gut und verständlich miteinander reden kann, wird auch seine Meinungsverschiedenheiten und Probleme nicht zufriedenstellend miteinander klären können. Wir werden uns Bereiche anschauen, die nicht explizit nur für reifere Paare gelten, sondern die auch bereits jüngere im Sinne der Vorsorge mit Gewinn lesen können. Der Unterschied ist: Wir Älteren haben nun etwas mehr Zeit, uns damit auseinanderzusetzen, weil wir in eine andere Lebensphase kommen. Somit ändern sich auch manche Prioritäten. Die jüngeren Paare hingegen haben den Vorteil, nicht alle alten Fehler selbst machen zu müssen. Sie können von uns lernen und sich ein paar schicke neue aussuchen. Keine Angst – es gibt genug!
In meiner Praxis begegnen mir immer wieder Menschen, die zwar schon viele Jahre zusammenleben, aber denen es entweder nicht mehr oder bisher noch nicht möglich ist, gut miteinander zu reden. Oft höre ich dann: „Wir sprechen einfach nicht die gleiche Sprache!“ Dabei haben beide die gleiche Nationalität, oft sogar noch die gleiche Mundart – egal, ob jetzt Vogtländisch oder Sächsisch oder anders. Trotzdem scheint Sprache sie mehr zu trennen als zu einen. Oder beide sprechen zwar miteinander, aber aneinander vorbei. Warum ist das so? Um das zu verstehen, müssen wir ein Stück zurückschauen: Wie begann Kommunikation?
Ursprünglich ist der Mensch auf Beziehung hin geschaffen. Ich würde nicht unbedingt „Herdentier“ dazu sagen, aber der Mensch braucht definitiv ein Gegenüber. Überhaupt ist für Kommunikation eine Resonanz nötig, sonst nennt sich das Selbstgespräch.
Wie kann also Kommunikation gelingen – wie ist sie vom ursprünglichen Wesen her?
Am Anfang war es ganz einfach: Einer redet und einer hört zu, dann antwortet er. Doch diese klare Art des Gesprächs finden wir fast nur noch bei Kleinkindern. Ihnen gelingt es anfangs noch, ganz klar und deutlich auszudrücken, was sie denken, wie es ihnen geht bzw. was sie wollen. Doch recht bald werden sie von ihren Eltern und später auch von ihrem Umfeld dazu gedrängt, nicht mehr ihre Meinung bzw. ihre Sichtweise der Dinge zu nennen. Einfacher wäre es, so wird uns weisgemacht, die offizielle Meinung zu vertreten, sich anzupassen. Viele beherrschen das bereits in so einer großen Perfektion, dass sie schon gar nicht mehr wissen, was eigentlich ihre eigene Meinung ist.
Dieser Meinung auf die Spur zu kommen, geht am besten mit einem Gegenüber. Gerade bei Frauen ist das besonders stark ausgeprägt. Vielleicht haben Sie schon mal den Satz gehört: „Jetzt, wo ich es dir erzähle, verstehe ich es auch selbst!“ Das hat einfach mit den Unterschieden im Gehirn zu tun. Vereinfacht könnte man sagen: Bei Frauen sind die beiden Gehirnhälften mit einer Autobahn verbunden; im Gespräch sausen die Informationen blitzschnell zwischen den beiden Seiten hin und her. Bei Männern, so könnte man sagen, herrscht eine andere Struktur: Entweder liegt der Hauptfokus in der rechten oder aber in der linken Gehirnhälfte. Verbunden sind die beiden eher mit einem Feldweg, das heißt die Informationen brauchen eine Weile, ehe sie durch das Nadelöhr kommen. Frauen werfen den Männern oft vor, dass sie erst lange nachdenken, bevor sie dann das Ergebnis im Telegrammstil präsentieren, während die Frauen erst einmal munter drauflosreden und beim Reden die scheinbar wirren Puzzleteile zu einem Bild zusammensetzen.
Beides hat seine Vorteile, beides hat seine Nachteile. Wie wäre es, wenn jeder den anderen in seiner Andersartigkeit akzeptiert? Sich an seinen Fähigkeiten freut? Entscheidend ist, dass der Gesprächsfaden nie abreist, dass Sie, wie auch immer, im Gespräch bleiben.

Ursprüngliche Kommunikation und was daraus geworden ist
Ganz am Anfang war es noch einfach. Das Reden. Das Miteinander. Sogar das Verstehen. Da wusste sogar Adam sofort die Antwort, wenn Eva ihn fragte: „Adam, liebst du mich?“ – „Klar, wen denn sonst?“
Es gab weder statistische Erhebungen darüber, wie viel jemand sprechen sollte, noch gesellschaftliche Erwartungen, wie ein Ehepaar sich zu verhalten hätte. Nirgends war irgendwelche Konkurrenz oder Ablenkung in Sicht. Die ersten Menschen haben einfach drauflosgeredet, so wie wir es von unseren Kindern kennen. Heute scheint nahezu die komplette Erwachsenenwelt meilenweit davon entfernt zu sein. Aber warum? Was ist passiert?
Auch das hat wie alles andere seine Ursprünge weit in der Vergangenheit. Lassen Sie uns noch einmal zu den Kindern zurückschauen.
Kinder nutzen die Sprache, um Gedanken und Gefühlen Ausdruck zu geben. Dabei sind sie von dieser Möglichkeit, sich mitteilen zu können, so fasziniert, dass sie es ganz direkt und so klar wie möglich tun. Während das anfangs so gut wie jeden freut, ändert sich das ganz schnell. Die Erwachsenen, anfangs meist die Eltern, also wir, trainieren es ihnen nämlich Stück für Stück wieder weg. Das glauben Sie nicht? Na dann kommen Sie mal mit!

Lassen Sie uns in Gedanken auf einen Spielplatz gehen. Dort ist bereits eine Mutter mit ihrem kleinen Sohn, der ein riesiges Lastauto mit in den Sandkasten gebracht hat, fast so lang, wie er selbst hoch ist. Er spielt mit größter Zufriedenheit, und seine Mutter liest derweil etwas. Nun kommt wieder eine Mutter, diesmal mit einem kleinen Mädchen, und auch sie hat was für den Sandkasten mit: ein kleines rosa Eimerchen mit Schäufelchen und Förmchen, alles nicht viel größer als die Fahrerkabine des bereits vorhandenen Lasters. Und dann beginnt, was sie noch ihr Leben lang begleiten wird: Sie schaut kurz, vergleicht und stellt fest, dass ihr Spielzeug kleiner und bei weitem nicht so attraktiv wie das ist, was jemand anderes, nämlich der Junge, hat. Da sie ja bereits die ersten Erziehungsversuche ihrer Eltern genossen hat, weiß sie sogar, dass sie das begehrte Objekt nicht einfach wegnehmen darf und fragt: „Kann ich deinen Kipper haben?“
Der Junge hat sich ebenfalls bereits ein Bild gemacht und ist zum gleichen Ergebnis gekommen: So ein filigraner Sandeimer verblasst eindeutig gegen sein wunderschönes Auto. Folgerichtig gibt es nur eine, männlich prägnante, Antwort: „Nein!“
So sicher und eindeutig wie das kam, hätte es das Mädchen verstanden, und beide hätten einfach weitergespielt – wenn da nicht die Mütter wären. Da braucht wirklich keine Sozialpädagogin dabei zu sein, denn für beide ist klar: So geht das nicht! Also startet eine Vorlesung zum Thema Sozialverhalten im Allgemeinen und Erziehung im Besonderen. „Das kannst du doch so nicht sagen …, wenigstens nur mal kurz, auch wenn du nicht willst …, denk nicht immer nur an dich …“
Und während sich die Mütter richtig warmlaufen, verläuft der kurze Disput der Kinder wortwörtlich im Sande. Die spielen voller Unschuld weiter.
Die nächste Lektion zum Thema: „Sag nicht, was du denkst!“ lässt nicht lange auf sich warten. Mutter und Tochter stehen mit dem halben Dorf beim Landfleischer an. Die Kleine beginnt zu quengeln und Mutti tröstet: Nur noch drei Leute – das geht ganz flink! Und tatsächlich, die Dame vor ihnen bekommt eben ihr Wurstpaket auf den Glastresen gehievt. Jetzt, jetzt, jetzt sind wir dran – aber nein, sie gibt die nächste Bestellung auf. So geht das Ganze dreimal. Als sie wieder ihren Zeigefinger erhebt, um noch mehr zu kaufen, reißt dem Töchterlein der Geduldsfaden. Voller Vorwurf empört sie sich: „Aber Mama, warum kauft die Tante gleich ein halbes Schwein? So dick wie die jetzt schon ist, platzt die doch schon nach drei Würstchen!“
Betretenes Schweigen im Laden. Die Mutter wechselt ihre Gesichtsfarbe und flötet: „Aber Liebling, sowas sagt man doch nicht! Du schätzt das völlig falsch ein! Sie kauft doch nicht bloß für sich ein, sondern auch für ihre Mutter, die Großmutter, die kranke Nachbarin, und, und, und …“
So manifestiert sich auch bei dem Mädchen die Erkenntnis: „Wer sagt, was er denkt, muss sich hinterher nur entschuldigen. Das gibt echt Ärger! Am besten, du verkleidest deine Gedanken und umschreibst großzügig, was du meinst.“
Was ich hier so lustig beschrieben habe und was wohl jeder von Ihnen in der einen oder anderen Form schon selbst erlebt hat, nennen die Fachleute „Kodierte Kommunikation“. Die Menschen basteln sich jeder für sich ihre Geheimsprache zusammen, und wer die nicht entziffern kann, hat einfach Pech. Oder es kommt der gleiche Blödsinn raus wie im Kalten Krieg, wenn ein Deutscher die abgefangene Nachricht eines Russen mit einem amerikanischen Dechiffriergerät entschlüsseln wollte. Solche Missverständnisse können schlimmstenfalls tödlich enden. Das ist nichts Neues unter der Sonne.

Auch dies wird in der Bibel beschrieben; gleich am Anfang, im 1. Mose, Kapitel 3,1-6, können Sie nachlesen, wie sich die ersten Menschen dazu verführen ließen, von der direkten Kommunikation abzuweichen. Was ihnen vermeintlich einen Vorteil verschaffen sollte, ist zum größten Nachteil nicht nur für sie allein, sondern der gesamten Menschheitsgeschichte geworden. Werden Sie hellhörig, wenn der Konjunktiv eingesetzt wird! „Sollte, würde, könnte…“ ist ganz oft ein Zeichen, dass es hier um keine klaren Aussagen geht, sondern versucht wird, alles in der Schwebe zu halten. Dass sich ihr Gesprächspartner ein Hintertürchen offenhält oder etwas verschweigt, bzw. verdreht.
Heute ist es gang und gäbe. Wir kennen diese verschleierten Botschaften aus der Werbung, aus Arbeitszeugnissen und Gesprächen mit Kollegen oder Bekannten. Wer in der DDR aufgewachsen ist, der weiß, dass man daraus eine komplette Gesprächskultur entwickeln kann. Da gab es zu Weihnachten eben „Jahresendkarussells mit Flügelpüppchen“ anstatt Weihnachtspyramiden. Und „Feststellung eines Sachverhaltes“ klingt auch viel netter als Verhör.

Im Laufe unseres Lebens wurde uns gelehrt (und wir haben uns in der Regel nicht dagegen gewehrt), selten genau das zu sagen, um was es uns wirklich geht.
Zu dem „Das sagt man nicht!“ kam sehr oft noch ein „Fühl nicht!“ dazu. Oder wer von Ihnen hat regelmäßig erlebt, dass die Eltern, Erzieher oder Verwandten Sie in der Wahrnehmung Ihrer Gefühle geschult und bestätigt hat? Das wird in unserer Generation wohl eher einem Sechser im Lotto gleichgekommen sein. Damit meine ich Sätze wie:
„Jetzt bist du traurig – was vermisst du denn so sehr?“
„Ah, du spürst Angst – das ist gut, sie will dir was sagen“ oder
„Aha, jetzt kommt die Wut – das gibt viel Kraft, damit du ändern kannst, was dich gerade stört!“
Nein, es waren eher die Relikte aus der braunen Erziehung, mit der unsere Eltern groß wurden:
„Hart wie Kruppstahl, zäh wie Leder.“
„Ein Junge weint nicht.“
„Was uns nicht umbringt, macht uns härter.“
„Indianerherz kennt keinen Schmerz …“
Wenn ich in meiner Praxis Menschen begegne, denen Reden schwerfällt, dann handelt es sich dabei weniger um kurzfristig aufgetretene Phänomene, sondern hat seine Gründe in den Jahren beziehungsweise Jahrzehnten vorher. Manchmal lohnt sogar ein Blick zurück in die Zeit der Groß- oder Urgroßeltern.
Inzwischen ist die Wissenschaft auch schon so weit wie die Bibel. Darin wurde damals schon festgehalten, dass Böses sich bis in die dritte oder vierte Generation weiterverbreitet. Das ist nicht viel, gemessen daran, dass Segen bis ins tausendste Glied weitergegeben wird. Trotzdem ist es für die belastend, in deren Familien dem Bösen Raum gegeben wurde. Auch heute noch sind die Folgen erlebbar, wenn sich jemand dem Nazigeist, einem Geist des Todes, untergeordnet hat.
Gleiches habe ich bei Menschen erlebt, die sich dem Geist des Sozialismus oder Kommunismus verschrieben und ihm mit Hingabe gedient haben. In diesen Familien wurde nicht nur häufig verschwiegen, wie sie wirklich mit anders Denkenden umgegangen sind, sondern es waren auch kaum entspannte, wertschätzende Gespräche möglich. Ich habe öfters gehört: „Bei uns spricht man nicht – da wird einfach der Mund gehalten!“ Am Schweigen, vorwiegend dem der Männer, sind schon viele Ehen zerbrochen.
Auch in Familien, in deren Geschichte Flucht, Umsiedlung oder Inhaftierung eine Rolle gespielt haben, halten viele – auch Frauen – den Mund. Unter ihnen finden sich überdimensional viele spätere Mobbingopfer. Dabei wurde das selten klar kommuniziert, sondern eher emotional weitervererbt.


Gesprächshaltung
Nach einem Vierteljahrhundert Ehe oder noch mehr sollte eigentlich alles klar sein. Eigentlich – das sagt schon, dass es eben nicht so ist. Leider.
Von den Ehepaaren mit so großer Erfahrung im Miteinander höre ich oft: „Es könnte so schön sein, wenn wir uns besser verstehen würden.“ Auch wenn sie schon viel zusammen gemacht und gelernt haben – die wenigsten haben maßgeblich Zeit investiert, ihre gemeinsame Kommunikation zu verbessern. Sie glauben, dass es reicht, wenn sie die Worte aussprechen können und ihre Bedeutung gelernt haben. Woher dann die Missverständnisse und Streitigkeiten kommen, ist ganz klar: vom anderen! Der hört nicht richtig zu oder vergisst, was auszurichten. Das ist übrigens der Klassiker und wird schon seit Anbeginn der Menschheit genutzt. „Der war‘s!“ und „Die war‘s!“ (siehe 1. Mose 10,12+13). Ich kann mir gut vorstellen, dass Gott die ewig gleiche Ausrede bereits unendlich langweilt. Wenn wir ehrlich sind, bringt uns das ja auch nicht weiter, sondern womöglich nur noch mehr Streit und Frust. Davon haben die meisten Menschen bereits mehr als genug. Für eine Veränderung ist es jetzt nicht zu früh!
Veränderung – jetzt komm ich noch mit dem „bösen“ Wort. Damit können Sie Menschen auf der ganzen Welt erschrecken. Das Wort impliziert Wechsel, Neuerung und Unbekanntes – Risiko und runter vom Sofa. Und genau deshalb vermeiden es viele Menschen wie die Pest. Lieber das bekannte Unglück als das unbekannte Glück. Lieber still (oder lauthals meckernd) vor sich hinleiden, als etwas Neues zu lernen. Kann man machen, muss man aber nicht. Deshalb mein Angebot an Sie: Schauen Sie sich die Kurzfassung einiger Kommunikationsregeln an und versuchen Sie, diese stückweise in Ihrem Alltag umzusetzen. Ich verspreche Ihnen, dass das nicht ohne Wirkung bleiben wird!
Versuchen Sie, sich vor wichtigen Gesprächen bewusst zu machen, welches Ziel Sie damit verfolgen. Wie soll sich ihr Gesprächspartner im Vorfeld, während und danach fühlen? Welchen Eindruck wollen Sie hinterlassen, und welche Konsequenzen soll der Austausch haben? Werfen Sie alles dazu in die Waagschale, was Sie zum Gelingen beitragen können: ein gutes Maß an wohlwollendem Entgegenkommen ebenso wie Ihre Erfahrung und Kompetenz zu dem entsprechenden Thema.
Können Sie sich vorstellen, dass Sie gemeinsam zu einem guten Ergebnis kommen? Versuchen Sie, sich die beste Variante vorzustellen und nehmen Sie sich diese als Startpunkt vor. Das wirkt sich positiv auf Ihre Mimik und Gestik aus. Sogar Ihre Stimme profitiert davon! Wenn Ihr ganzer Körper spricht, dann prägt sich das viel stärker ein als ein tonlos vorgetragener Satz. Wenn zu Ihrer positiven Ausstrahlung dann noch ein ermutigender Zuspruch, eine dankbare Bemerkung oder ein fröhlicher Satz kommt, dann lösen Sie bei Ihrem Gesprächspartner den sogenannten Priming-Effekt aus, er kann die Reize, die da auf ihn einströmen, damit also leichter verarbeiten. Mit diesen Zutaten prägen Sie also nicht nur Ihr Denken und Verhalten, sondern auch das Ihres Gegenübers. (Früher hieß das mal: „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus!“)
Wer anderen Gutes zutraut und das Beste von ihnen erwartet, trägt maßgeblich dazu bei, dass sie sich den aufkommenden Situationen gewachsen zeigen und Sie erfolgreich meistern.

1. Die Würde des Menschen ist unantastbar
Es beginnt schon damit, wie ich an ein Gespräch herangehe. Fangen Sie einfach wie im Grundgesetz (dem göttlichen und dem deutschen) an: Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Wenn ich mir das vor Augen halte, dann ist klar, dass es ohne Respekt und Wertschätzung nicht geht. Mein Gesprächspartner ist zwar anders, aber das darf er auch sein! Achtung: Selbst wenn der zweite Teil des Satzes schwerer ist, ist er nicht weniger wichtig.
An der Stelle höre ich schon die ersten murren: „Och, muss das sein?“
Das ist keine Schnapsidee von mir, um es Ihnen bisschen schwerer zu machen, sondern hat seine Wurzeln in der Bibel. In Galater 5,14 können Sie es nachlesen: „Denn das ganze Gesetz ist in dem einen Wort erfüllt: ‚Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!‘“
Das ist keine Empfehlung, so nach dem Motto: Schaut mal, wenn ihr Lust habt oder der andere nett ist, ihr was von ihm wollt oder so, sondern das ist das Doppelgebot der Liebe.
An der Stelle sind die meisten Menschen gehorsamer als man erwarten würde: Sie tun es tatsächlich! Und so benehmen Sie sich dann auch. Das glauben Sie nicht? Dann schauen Sie doch mal genau hin: Wer sich selbst liebt, mit sich, Gott und der Welt im Reinen ist, behandelt seine Mitmenschen auch so. Wer nicht, der nicht. Wenn ich mich selbst nicht lieben und annehmen kann, lasse ich das auch an anderen aus.
Behandeln Sie Ihren Gesprächspartner bitte so, wie Sie es sich selbst auch wünschen, behandelt zu werden. Begegnen Sie einander auf Augenhöhe, anstatt von oben herab. Niemand will belehrt oder gar für dumm gehalten werden. Nehmen Sie Ihren Partner und das, was er sagt, ernst, auch wenn Sie es im Moment noch nicht nachvollziehen können. Gehen Sie auf ihn ein, denn ihm scheint das Thema wichtig zu sein, sonst hätte er nicht damit angefangen. Machen Sie sich niemals über eine Entscheidung Ihres Partners lustig. Sie waren eine davon!
Zu einem Gespräch in Würde gehört auch die Art, wie ich spreche. Ist meine Laustärke angemessen? Weder zu laut, noch zu leise. Ist es klar und deutlich oder nuschele ich bzw. spreche im Telegrammstil? Es dürfen schon ganze Sätze sein. Dem Partner einfach nur Brocken hinzuwerfen, die er dann zusammenpuzzeln soll, ist einfach unwürdig. Wenn Sie ein Fan von „Rate mal mit Rosenthal“ sind, dann deklarieren Sie Ihre Unterhaltung bitte auch als Quizshow!

Last but not least noch: Der Ton macht die Musik! Eine Stimme mit der Beweglichkeit der Nulllinie eines EKG wird kaum etwas in Bewegung setzen. Wenn mir dagegen die Aggressivität fast ins Gesicht springt, werde ich überhaupt nicht mehr auf den Text achten, sondern nur noch denken oder besser sagen: „Du kannst mich mal …“
Vergessen Sie bitte nicht: Sie sind verheiratet – Sie dürfen miteinander flirten!

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