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Nährstoff-Kompass aus der Korpulenz-Falle
Mein Speck kommt von eurem Dreck!
Die Zerstörung der Nahrung
Von Dr. med. Jan-Dirk Fauteck, Imre Kusztrich
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IGK-Verlag. 22393Hamburg
Autoren: Dr. med. Jan-Dirk Fauteck, Imre Kusztrich
Copyright © Juli 2020 IGK-Verlag
ISBN: 9783969443996
Fotos: © Engel-Fotolia.com, Whatsapp
Inhaltsverzeichnis
Editorial
Einleitung
Verlierer und profiteure
Wie ein 3D-Drucker im Bauch
Die Anti-Übergewichtseffekte von Tomate, Karotte, Mais & Co.
Noch mehr erstaunliche Hilfen aus der Natur
Triple A Rating für Sekundäres
Das Immunsystem aus neuer Sicht
Silizium – Giftmagnet, Darmretter, Heilwunder
Ein Riesenproblem: Was Menschen nicht essen
Unser Organismus mag Fett
Fettgewebe werden stillgelegt
Verlorene Jahre
Calcium, die früheste Anti-Fett-Substanz
Auch Vitamin D hat Anti-Fett-Kräfte
Vitaminmangel ist mit Übergewicht verknüpft
Dauerkampf gegen Krankheit von außen
Günstige Fettsäuren gegen falsches Fett
Pflanzen drücken das Gewicht
Körpersysteme auf Sparflamme
Stress füttert Fettzellen
Dem Stoffwechsel ausgeliefert
Der allererste Denkfehler
40 Jahre Desinformation
Angst vor ein paar Gramm
Die falsche Story vom Herzinfarkt durch Fett
Der Zeitgeist war gegen Fett
Statt Wissen Beweise minderer Qualität
Zucker problematischer als Fett und Salz zusammen
Die giftige Wahrheit über Zucker
Deutschlands Sonderweg mit Schonfrist
Verwirrung um richtiges Essen
Fünf Jahrzehnte guter Zucker, böses Fett
Gewicht entsteht im Gehirn
Industriemonster Transfett
Die Körner der Wahrheit
„Selbstmord mit dem Löffel“: High Fructose Corn Syrup
Fructose fördert Fettleibigkeit
Jede Diät löst eine Gegenwehr aus
Das Versagen der Wissenschaft
Gegenspieler von Zucker: Schlankmacher Bitterstoffe
Cholesterin-Skeptiker werden aktiv
Fettgewebe ist intelligent
Fettzellen brauchen selbst Mikronährstoffe
Das Gewicht, Spielball der Hormone
Fremde Hormone im Bauch
BPA, BPS, BPF, BPB, BPE, BPAF
Schwierige Bezeichnung für Kohlenhydrate
Festmahl für die falschen Bakterien
Geschmack und Gewicht hängen zusammen
60 Tonnen Nahrung im Laufe des Lebens
Wie kann Joghurt helfen?
Antibiotika und Übergewicht: Das große Risiko ab Geburt
Die Wahrheit über das Ei
Länger leben mit mehr Fett
Schlank mit Torten
Mit Chemie und Baumrinde
Gesunde Öle, ungesunde Rückstände
Wir essen fast pausenlos und die Entzündung gleich mit
Schlank mit den Fetten der Mittelmeerdiät
Weißmehl ist besser als sein Ruf
Erregungsstoffe aus dem Supermarkt
Hochprozessierte Nahrung, hochproblematische Belastung
Nahrung wirkt im Gehirn – leider auch minderwertige
Übergewicht und Krebs: Gefährliche Zusammenhänge
Dick durch die Luft in den eigenen vier Wänden?
Cholesterin verursacht nicht Arteriosklerose
Kritische Worte zu künstlichen Süßstoffen
Warten auf eine Entschuldigung durch die Nahrungsindustrie
Frau Klöckner, dieses Kapitel müssen Sie lesen!
Vor 30 Jahren war es leichter
Ein logischer Umgang mit Fett fehlt
… und ebenfalls gut zu wissen
Empfehlungen: Gewürze, Getränke, Glücks-Food
Nährstoffe, Vitamine und Spurenelemente mit Hoffnungspotenzial
„Wir wissen es seit einem Jahrzehnt, und doch ziehen wir niemanden zur Rechenschaft“
Anhang
Entzündung: Akut genial, chronisch verheerend
Sauerstoff: Unentbehrlich, jedoch höchst gefährlich
Neoliberalismus: Politik verkaufte die Gesundheit
Quellen
„Der Trend geht zu einer Gewichtszunahme aus Profitsucht, vorangetrieben durch die großen Nahrungsmittelkonzerne, durch die Massenmedien und die Pharmaindustrie.“
Dr. med. David L. Katz,
Präsident des American College of Lifestyle Medicine,
Sprecher der Präventionsmedizinbewegung in den U.S.A
Editorial
Drei Marktforscher an der Universität Göttingen, Südniedersachsen, unter Leitung der Wissenschaftlerin Kristin Jürkenbeck veröffentlichten am 18. Februar 2020 in einer ziemlich unbedeutenden Studie auf Englisch alarmierende Informationen. Der vierte und der fünfte Satz ihrer Einleitung lauteten: „Die jährlichen unmittelbaren Kosten für Übergewicht in Deutschland summieren sich auf ungefähr € 29,39 Milliarden und die indirekten Kosten (das sind niedrigere Wirtschaftsleistung, Langzeitpflege und Schmerzen) zu zusätzlichen € 33,65 Milliarden. Die Gesamtzahl von 102.000 Personen stirbt frühzeitig jedes Jahr wegen Übergewicht.“
Diese Toten erzeugten keine einzige Schlagzeile … während Deutschland dem ersten Todesfall durch das Coronavirus entgegenzitterte!
Über die jeweilige Todesursache der Übergewichtsopfer des Jahres 2019 ist nichts bekannt. Keine dicke Person stirbt am Gewicht. Das übernehmen zahlreiche nicht-übertragbare Erkrankungen. Herzleiden, Schlaganfall, Zuckerkrankheit, nichtalkoholische Fettleber, Nierenversagen, Depression, Krebs. Diabetes und Fettleibigkeit gelten in Bezug auf Viruserkrankungen wie COVID-19 als kritische Vorerkrankungen, falls ihr Immunsystem durch eine Herzerkrankung, andere Organschäden oder als Folge früherer Infektionen geschwächt ist.
Drei Vorwürfe an schwer Übergewichtige räumt die aktuelle Wissenschaft aus. Gefräßigkeit. Faulheit. Willensschwäche. Wenn wir jedoch Dicken und ihrem Verhalten nicht die Schuld an ihrem schweren Schicksal geben können, wem sonst? Warum wirklich sterben mitten unter uns jede Woche 1924 Menschen mit falschem Gewicht? 279 jeden Tag.
Antworten stehen in diesem Buch.
Einleitung
Dieses Buch hat eine Schwäche. Selbst wer alle Seiten bis ans Ende liest, wird sich intuitiv immer noch gegen die Hauptaussage sträuben: Nicht Gefräßigkeit macht Menschen dick. Auch nicht Faulheit und Willensschwäche. Aber es stimmt. Es sind nicht die Menschen, die unersättlich werden. Es sind ihre Körper. Sie werden es durch dickmachendes Essen.
Was und wie viel wir verzehren und was unser Stoffwechsel daraus macht, bestimmen nicht hauptsächlich wir. Es ist das Ergebnis unzähliger Faktoren. Einer der unwichtigsten sind Kalorien. Die Folgen können die weit verbreiteten nicht-übertragbaren Krankheiten sein und betreffen sogar die Fettleibigkeit. Darauf kann nicht früh und nicht oft genug hingewiesen werden.
Es ist ein Gebot der Stunde aus einer wissenschaftlichen Studie vom 30. November 2019 zu zitieren, weil sie in doppelter Hinsicht typisch ist: Die Schlussfolgerung ist eine Anklage an die Nahrungsindustrie und an die Gesundheitspolitik … und niemand hat reagiert! Die Untersuchung beschreibt die Folgen von hochprozessierter Nahrung und erschien mit dem ins Deutsche übersetzten Titel „Über die Kalorien hinaus – Liegt das Problem in der Produktion?“
Zitat: „Es gibt eine zunehmende Übergewichtsepidemie, dementsprechende chronische Erkrankungen und Steigerungen im Konsum von ultraprozessiertem Essen.
In jüngsten Studien mit Menschen erwiesen sich hochprozessierte Nahrungsmittel als Beitrag zu verringerter Sattheit, zu erhöhter Essenshäufigkeit, zu verschlechterten biochemischen Messwerten in Bezug auf Fettsucht und zu mehr Gewichtszunahme“ (Quelle: „Beyond the Calories-Is the Problem in the Processing?“ Janese Laster MD, Leigh A. Frame PhD, MHS. „Current Treatment Options in Gastroenterology“ 30 November 2019).
Also: Weniger Sattheit, mehr Mahlzeiten, stärkere Fettsucht, höheres Gewicht. Möglicherweise fällt es Ihnen schwer, das zu glauben. Aber bedenken Sie. Wir sprechen von einem Organismus, der in jeder Sekunde geschätzte 30.000 bis 100.000 biologische Handlungen vollbringt. Am liebsten ohne irgendwelche Schadstoffe von außen.
Bevor Sie jetzt falsche Schlüsse ziehen: Hochprozessierte Nahrung ist ein echtes Problem, aber wahrlich nicht das einzige oder wichtigste. Bequemlichkeit, Geschmack und unschlagbar niedrige Preise machen diese Art von ultraprozessiertem Essen fast unwiderstehlich. Während jedoch immer mehr Menschen zu Fertiggerichten und Snacks zwischendurch greifen, werden auch immer mehr Menschen dicker oder fetter.
Am häufigsten sind es Kartoffelchips, gesüßte Getränke mit Geschmack, Süßigkeiten, Desserts, Backwaren mit weißem Mehl, rotes Fleisch und mariniertes und industriell zubereitetes Fleisch. Langsamere Gewichtszunahme im Laufe des Lebens oder sogar Abnehmen verbinden die Forscher mit Vollkornprodukten, Früchten und Gemüse.
Die in der Studie untersuchten Amerikaner aßen zu wenig Ballaststoffe und nahmen zu viele Nahrungszusätze und appetitfördernde Chemikalien auf. Diese Substanzen veranlassen uns, rascher zu essen, häufiger zu essen. Die gesundheitlichen Folgen sind erheblich. Sie werden hingenommen. Sie werden vertuscht.
Einer der Autoren, der Arzt Dr. med. Leigh A. Frame, sieht die Regierungen in der Pflicht: „Statt hinterher Fettsucht und Stoffwechselkrankheiten mit Medikamenten zu behandeln, brauchen wir ernste Bemühungen, unser Essen als Medizin einzusetzen. Ein Rückgang der Gewichtskrise und damit verbundener Krankheiten wird weniger prozessierte Nahrung erfordern und einen größeren Verzehr von vollwertigem Gemüse, Hülsenfrüchten, Nüssen, Obst und schlicht Wasser statt Softdrinks.“
Eine Gesundheitsbranche als Profitmaschine lässt nichts Gutes erwarten. Sehr viel stärker als wir selbst beeinflussen fremde Kräfte das Verhältnis unseres Körpers mit Essen. Das Dickmacherkartell aus Nahrungsindustrie, Pharmaherstellern, Handel, Werbeagenturen, Medien, Modebranche und Politik hat es sogar geschafft, die krankmachenden Exzesse erfolgreich jenen betroffenen Personen anzuhängen, die dann wegen ihrer korpulenten Figur auch noch erfolgreich diffamiert werden. Unterm Strich sichern diese schlimmen Verhältnisse Gewinne in Milliardenhöhe! Nicht zuletzt auch Trittbrettfahrern, die mit Schlankheitsprojekten in jeder Großstadt riesige Hallen füllen.
Für einen größtmöglichen Geschäftserfolg verringern Unternehmen schamlos die Qualität der Nahrung und maximieren den Umsatz. Unsere Gesundheit hat keinen Stellenwert. Hersteller haben zu oft weder das geringste Interesse an den Lebensvorgängen im Organismus ihrer Kundschaft, noch verfügen sie über die einfachsten Kenntnisse. Einige wischen alle Hemmungen beiseite. Und doch bestimmen ausschließlich sie die Spielregeln. Immer verweisen sie auf das gleiche Schuldprinzip. Übergewicht ist eine Frage der Kalorien. In Wirklichkeit sind Dutzende, wenn nicht Hunderte Faktoren viel gravierender!
Möglich wurden diese Bedingungen durch den fast vollständigen Rückzug der Regierungen von ihrer ureigensten Pflicht, die Bürger zu schützen. Neoliberalismus mit der Devise „mehr privat, weniger Staat“ wurde zur Rechtfertigung für den weitestgehenden Verzicht auf Schutz, auf Regeln, auf Kontrolle. Entfesselte Konzerne vervielfachten ihre Profite, aber auch unseren Bauchspeck und Erkrankungen. Keine Nation der Welt hat es bisher geschafft, den Anstieg der Übergewichtskrise zu stoppen. Zu lange ließ auch die Wissenschaft sich an den Rand drücken. Es ist alarmierend. Schon seit drei Jahrzehnten hat angeblich der Kampf gegen Übergewicht höchste Priorität hat. Wichtigste Erkenntnisse haben jedoch erst die Jahreszahl 2019.
Als Belege zu konkreten und oft verblüffenden Aussagen in diesem Buch wurden mehr als 200 der fundamental elementarsten und aktuellsten Studien über die komplexe Entstehung von Fettleibigkeit ausgewertet. Mehr als ein Drittel stammt aus den letzten zwölf Monaten.
Sie geben eine völlig andere Sicht wieder. Schon Medikamente im Mutterleib können verheerende späte Folgen auf die Bedingungen
im Verdauungstrakt haben. Jedoch wahrlich katastrophal wirken sich Strategien einer Nahrungsindustrie aus, die sich bis heute ihrer Mitverantwortung für die globale Fettleibigkeitsepidemie entzieht. Raffinierte Zuckervarianten, Überdosierung mit Salz und minderwertige Fette sind die Säulen eines obersten Ziels aller Maßnahmen: ausufernder Mehrkonsum, auf Teufel komm raus! Substanzen durchdringen die Blut-Hirn-Schranke. Sie heißen offiziell Exzitotoxine, Erregungsgifte und sind zugelassen. Sie animieren Geschmacksnerven und zerstören Gehirnzellen. Kopfschmerz, Nesselsucht, Unfruchtbarkeit, Schlafstörung, Schlaganfall? Selber schuld.
Hunderte Zusätze mit chemischen Wirkungen trimmen den Stoffwechsel dann endgültig in den roten Bereich. Und das Beschämendste: Kleinkinder werden schon vor dem dritten Lebensjahr raffiniert fast unstoppbar auf dick getrimmt. Hier einige ganz böse Mitspieler in der Übergewichtskrise:
• Antibiotika, noch im Mutterleib und ab Geburt.
• Zuckerversionen mit heimtückischen Wirkungen, allen voran High Fructose Corn Syrup, HFCS.
• Dubiose Zusätze mit chemischen Wirkungen in hochprozessierter Nahrung, Xenobiotika genannt.
• Gehärtete Fette, die auch ungekühlt nicht ranzig werden.
Für Verbraucherinnen und Verbraucher sind Zusammenhänge überhaupt nicht durchschaubar. Nur den wenigsten ist bewusst, dass sie das Recht haben, ihren Frust herauszuschreien: „Mein Speck kommt von eurem Dreck!“
Die Wissenschaft weiß täglich mehr und wird konsequent totgeschwiegen. Davon profitieren alle Partner im Kartell der Übergewichtsindustrie.
Der überwiegende Teil der Seiten in diesem Buch präsentiert einen vielleicht sogar Mut machenden völlig anderen Blick auf das Dicksein, wie Sie es am eigenen Körper möglicherweise selbst erleben oder an anderen sehen. Eindeutig widerlegen alle seriösen Studien jeden Vorwurf von Gefräßigkeit, Faulheit und Willensschwäche. Auf den Punkt gebracht: Alles, was allgemein über das Dicksein unterstellt und behauptet wird, ist grundsätzlich falsch.
Dieses Buch ist von der ersten bis zur letzten Seite eine Materialsammlung, die Besorgnis erregt. Aber zur Belohnung für die Lektüre finden Sie schon innerhalb der ersten 30, 40 Seiten geballte Informationen, die eine erstaunliche These stützen: Eigentlich nur mehr spezielle Mikronährstoffe der Natur selbst können reparieren, was Nahrungsindustrie, Pharmabranche, Medien und Politik mit unserem Körper anstellen. Sie finden sie in den Kapiteln „Die Anti-Übergewichtseffekte von Tomate, Karotte, Mais & Co.“, „Noch mehr erstaunliche Hilfen aus der Natur“ und ziemlich verblüffend in „Calcium, die früheste Anti-Fett-Substanz“ und „Auch Vitamin D hat Anti-Fett-Kräfte“. Hilfreiche wissenschaftliche Erkenntnisse sind über das ganze Buch verteilt und konzentriert in „Empfehlungen: Gewürze, Getränke, Glücks-Food“ sowie „Nährstoffe, Vitamine und Spurenelemente mit Hoffnungspotenzial“.
Es sind Substanzen mit Reset-Effekt, wie bei einem Computer, der abgestürzt ist. Vitamine, Aminosäuren, Spurenelemente, Mineralstoffe, Fettsäuren, Enzyme, sekundäre Pflanzenstoffe. Ihnen gelingt die Wiederherstellung eines Ausgangszustandes.
In diesem Buch wird an vielen Stellen von Entzündung die Rede sein, von entzündlichen Prozessen, von inflammatorischem Stress. Aber auch vom Gegenteil, von anti-entzündlichen Mikronährstoffen. Entzündung ist eine geniale Waffe unserer Krankheitsabwehr. Stets ist sie der Versuch einer Korrektur durch das Immunsystem. Unser Fieber markiert krankmachende Erreger, und Killerzellen und Fresszellen beseitigen sie. Die Körperpolizei bekämpft mit aller Kraft jedoch auch gefährliche Nahrung. Mit negativen Folgen vom Verdauungstrakt bis hinauf in das Gehirn.
Anti-entzündliche Nährstoffe können den gefährlichen Stress beenden. Doch sie kommen in den allermeisten Produkten der Nahrungsindustrie nicht vor.
Nahrungszusätze, Umweltgifte und manche Medikamente können doppelt schädlich sein. Sie jagen auch aggressive Sauerstoffmoleküle wie Brandfackeln durch die Gefäße. Das bewirkt eine Art Rostfraß im Körper. In der Natur lässt der Effekt von Oxidation aufgeschnittene Äpfel braun und Fette ranzig werden. Eisen rostet. Dieser oxidative Stress schafft eine Zellzerstörung mit der Geschwindigkeit eines Kurzschlusses. Im Körper startet er das langsame Erlahmen vieler Organfunktionen durch reaktive Sauerstoffteilchen. Die Folgen sind Alterungsprozesse, Entzündungen, Arteriosklerose, Übergewicht, Fettleber, Bluthochdruck, Bedrohungen für Herz und Gehirn, sowie die Bereitschaft für einige Krebserkrankungen.
Wirksamsten Schutz bietet die anti-oxidative Selbsthilfe des Körpers. Dafür benötigt er ebenfalls bestimmte Mikronährstoffe, die in dem, was am besten schmeckt, nicht vorkommen.
Auf den Punkt gebracht: Moderne Nahrung startet nach Verzehr Belastungen im Körper, erneuert sie immer wieder und stoppt sie nicht. Damit stehen die so genannten nicht-übertragbaren Krankheiten in einem Zusammenhang: Herz-Kreislauf-Leiden, Diabetes, Schlaganfall, Bluthochdruck, nichtalkoholische Fettleber, Nierenfunktionsstörung, sogar Krebs. Ein dadurch gefordertes Immunsystem entwickelt weniger Abwehrkräfte auch gegen Infektionen.
Essen könnte uns so gut tun. Doch diese Rechnung geht mit der Nahrungsindustrie nicht auf.
Verlierer und profiteure
Interessensgruppen diktieren uns eine völlig eingeengte Sicht auf schwere Körper und auf Fettleibigkeit. Dabei sind sie wahnsinnig erfolgreich. Deshalb ist dieses Buch notwendig. Wenigstens ein dünner Hoffnungsschimmer für Dicke gleich in den allerersten Zeilen war für die beiden Autoren eine wirkliche Herzensangelegenheit.
Also beginnen wir so: Karotten, rote Paprika, die Wassermelone, Aprikosen, Kürbis, Papaya, Tomaten, Spinat und Broccoli besitzen magisch wirkende Substanzen. Sie programmieren sowohl die Fettgewebe wie das Gehirn, möglichst mit dem Dickmachen aufzuhören, auch gegen vorhandene biologische Widerstände, und stellen die Weichen auf Gewichtsreduktion. Dutzende andere Lieferanten pflanzlicher Substanzen ebenso. Mit Haferflocken gelingt ein ähnliches Wunder dank ihrer 14 Gruppen wertvoller Mikronährstoffe und der Heilsubstanz Silizium.
Und es geht weiter. Braunalgen sagen ebenfalls im Verdauungstrakt der Kalorienflut den Kampf an. Auch Joghurt schafft dort bessere Verhältnisse mit Geduld. Und wenn wir die neun bis zwölf Stunden mit Nicht-Essen zwischen Abendessen und Frühstück auf vierzehn bis sechzehn Stunden ausdehnen, legt das ebenfalls einen Schalter um, auch wenn wir in den übrigen Stunden unverändert das Gleiche essen.
Lesen Sie also dieses Buch mit Block und Bleistift griffbereit.
Wodurch werden diese Empfehlungen so besonders interessant? Alle dicken Körper machen nicht das, was wir eigentlich wollen. Und schon gar nicht, wenn wir schließlich Strategien dagegen starten, weil wir darunter leiden. Mikronährstoffe können da sehr hilfreich sein. Sie schützen Pflanzen vor allen möglichen Risiken. Nach Verzehr haben sie in unserem Körper gewünschte Wirkungen.
Das ist bemerkenswert. Denn Menschen mit schwerem Körper verharren für gewöhnlich in einer Sackgasse, unabhängig davon, aus welchen der möglichen zahlreichen Gründe sie dort gelandet sind. Der Organismus dicker Personen zeigt eine lähmende und scheinbare Teilnahmslosigkeit an den Anstrengungen von Millionen Betroffenen für eine Figur ohne Scham und für ein Leben ohne Mobbing.
Nicht wenige Substanzen aus der grünen Apotheke der Natur können einen übergewichtigen Organismus aus seiner Lethargie reißen. Es handelt sich um verzehrbare Vitamine, um Aminosäuren, Spurenelemente, Mineralstoffe, Fettsäuren und Enzyme. Das ist wirklich beachtlich. Denn unsere Fettgewebe sind ein Organsystem mit eigenem Willen. Sie bestimmen selbständig über ein natürliches Verwerten der Nahrung – das würde unsere Schlankheit bewahren - oder über ein Speichern – das macht uns dick. Diese Hartnäckigkeit der Fettzellen, eigenwillig zu agieren, bildet sich sofort ab dem ersten Atemzug nach unserer Geburt.
Auf welche Weise, hat die Wissenschaft erst spät begriffen.
Während der Entbindung erwirbt das Neugeborene das vollständig ausgebildete Mikrobiom der Mutter, also die für sie typischen Bakterien, und jene des Krankenhauses und der Familie. Kaiserschnittbabys hingegen werden vor allem mit Hautbakterien auf den Weg geschickt. Sie brauchen zehn Jahre, um das Versäumte aufzuholen. In Bezug auf schlank bleiben oder dick werden, ist schon diese Phase die erste allerwichtigste. Jedes Lebewesen bildet seine persönliche Symbiose mit Billionen Mikroorganismen. Sie mischen sofort in allen biologischen Prozessen mit. Dutzende weitere Hauptfaktoren spielen ebenfalls eine Rolle, vielleicht sogar Hunderte. Die Forschung erkennt immer mehr. Wohl der entscheidendste, auch negativ, ist unser Essen.
Der Mensch ist ein komplexer Organismus aus Dutzenden Trillionen Zellen, von denen jede ihre eigene Struktur und Funktion hat. Am Ende spiegelt sich die Flut unserer Darmbakterien nach Schätzungen in der unvorstellbaren Zahl 30 mit 15 Nullen wider, etwa so viele wie unsere Körperzellen (Quelle: „How Many Cells Are in the Human Body? Fast Facts“. Healthline, 2020). Niemand weiß es genauer.
Wer Pech hat und im Laufe des Lebens die falschen Mikroben anhäuft, bei dem holen sie das Letzte aus den verzehrten Kalorien herausholen. Sie pressen außer den möglichst vielen Nährstoffen auch Giftstoffe durch die Darmwände ins Blut! Sie haben eine entscheidende Rolle bei zerstörerischen Entzündungen. Sie fördern das Anlegen von Fettdepots.
Mehr Nährstoffe, der ins Blut gelangen, erhöhen eindeutig die Wahrscheinlichkeit, durch Überernährung fettleibig zu werden. Vielleicht ist es nur ein winziger Unterschied im Grammbereich. Für die meisten ist fast nicht vorstellbar, dass so Dramatisches passieren kann. Aber es ist so. Einige Rechenbeispiele: Täglich 2,5 Gramm Gewicht mehr addieren sich in drei Jahren – also in 1.000 Tagen – zu 2,5 Kilogramm. Fünf Gramm täglich schlagen in zehn Jahren mit 18,25 Kilo zu Buche. Zehn Gramm Tag für Tag bringen in 15 Jahren mehr als 54 Kilo auf die Waage, die eigentlich unerklärlich sind.
Das betrifft nur das Gewicht. Aber falsche Darmmikroben machen auch krank. Bei den Glücklicheren bewirken ganz andere Bakterien das genaue Gegenteil. Im besten Fall erledigen unsere günstigsten Mikroorganismen rund um die Uhr unzählige lebenswichtige Aufgaben. Sie verhindern zum Beispiel entzündliche Prozesse und verbessern unsere Versorgung mit Blut, Sauerstoff, Vitaminen und Spurenelementen. Sie unterstützen im Darm die Krankheitsabwehr. Während sie gewünschte biologische Prozesse initiieren, vernachlässigen sie im Endeffekt ein wenig die Funktion der reinen Energiegewinnung. Alles Maßnahmen gegen ein Dickwerden. Sie verwenden ihr Potenzial auch darauf, jene Hormone wirken zu lassen, die dem Gehirn eine Sättigung verkünden. Nur dann wird der Körper die Verwertung der allerletzten Kalorien unterlassen.
Ein perfekt funktionierender Stoffwechsel ist die allererste Voraussetzung für die Balance zwischen Nahrungsaufnahme und Energieverbrauch. Alles hängt davon ab, welche Mikroben in diesem Mix nach und nach die Oberhand gewinnen, günstige oder ungünstige. So startet sehr früh die lebenslange Gratwanderung zwischen Normalgewicht und Fettleibigkeit. Im Laufe von Jahrzehnten mischen auch noch Abertausende andere Einflüsse mit. Fast der unwichtigste ist die Nahrungsmenge. Nicht aber ihre Qualität.
Mit die schlimmsten Effekte kommen von der Nahrungsindustrie. Nicht wieviel sie essen, grenzt dicke Menschen aus. Was uns als Essen verkauft wird, ist der Skandal. Dieselben Unternehmen, deren Produkte dick machen, sind gleichzeitig die größten Nutznießer vom Diätwahn und vom Mobbingkrieg gegen Übergewichtige. Medien verschaffen sich Vorteile all zu oft mit Ausgrenzung und Versprechen, die an Verdummung grenzen: „Pfunde purzeln“ mit „simplen Alltags-Tricks“, denn „wichtig sind vor allem Disziplin und Wille“. Dauerbrenner ist „8 Ernährungstipps: So bekommen Sie einen flachen Bauch“. Fast jeder dieser Beiträge enthält dann auch den Hinweis, dass es gar nicht möglich ist, das Abnehmen auf ein bestimmtes Körperteil zu lenken. Es zählt immer das Ganze.
Auch die Politik und die Gesundheitssysteme verdienen unseren größten Aufschrei. Alle machen sich mitschuldig. Aus unterschiedlichen Gründen unterlassen sie die Vermittlung existenziell wichtiger Botschaften an Menschen mit Übergewicht und Fettleibigkeit.
Solche Erkenntnisse liegen vor. Aber kaum jemand verbreitet sie. Diese sinnvollen Orientierungen wären auch für Normalgewichtige genauso wertvoll. Wer also im Bus auf eine Person in einem korpulenten Körper trifft, sieht vor sich womöglich einen Menschen, der sich mit 1.000 Kalorien durch den langen Tag quält.
Dieses Buch wurde nicht geschrieben, um schwere Menschen zum Abspecken zu bringen. Aber auch dazu finden Sie lesenswerte Anleitungen. Tatsache bleibt: Illusionen wären fehl am Platz. Höchstes Ziel ist ein endlich zufriedenes und gesundes Leben. Die meisten Betroffenen werden mehr oder weniger mit Übergewicht leben müssen.
Zugrunde liegt eine vielschichtige, viele Faktoren einschließende Problematik. Fettleibigkeit, Fachbegriff Adipositas oder Obesity, ist ein medizinischer Zustand, bei dem übermäßiges Körperfett sich in einem Ausmaß angesammelt hat, dass negative Auswirkungen auf die Gesundheit wahrscheinlicher werden. Bei diesen Menschen ist der Body Mass-Index 30 oder darüber.
Fettleibigkeit ist unter Umständen unlösbar. Lösbar ist das Stigma. Die Diskriminierung des Dickseins muss enden!
Es leben bereits mehr übergewichtige Menschen als hungernde auf den fünf Kontinenten. Sie ernähren sich zunehmend falsch und, was lebenswichtige Mikronährstoffe angeht, absolut unzureichend. Hauptgrund ist das beherrschende Nahrungsmittelsystem. Es ermutigt zum Konsum von hochprozessierten essbaren Substanzen. Sie sind schwer mit Salz, Zucker, gesättigten Fetten und künstlichen Zusätzen beladen. Sie sind preiswert. Sie sind unwiderstehlich schmackhaft. Fast immer sind die wahren Dosierungen der verzehrbaren, aber problematischen Substanzen der Nahrungsmittel nicht eruierbar. Die Nahrungswirtschaft weiß über unser Essen mehr als die Gesundheitsminister. Sie ist der große Sieger. Das wird teuer.
Noch gelingt es der Übergewichtsindustrie mit einer verheerenden Faustregel die Einstellung der Gesellschaft zu diktieren: Jeder Dicke ist ganz allein selber schuld. Zahllose Studien weisen jedoch in eine ganz andere Richtung. Übergewichtige sind keinesfalls gefräßiger, fauler oder willensschwächer. Sie sind jedoch stärker Opfer als andere. Opfer einer Nahrungsindustrie mit einem einzigen schamlosen Ziel: Soviel Produkte zu verkaufen wie nur irgendwie möglich. Und zwar unter allen Umständen und ohne Rücksicht auf den Zustand einer Gesellschaft.
Die Weltgesundheitsorganisation World Health Organisation, W.H.O., erklärt 39 Prozent der Erwachsenen für übergewichtig. 13 Prozent erfüllen die Bedingungen für Fettleibigkeit.
Heute wissen wir, worauf es ankommt. Entscheidend ist, was das Essen entweder zum Gesundbleiben oder zum Krankwerden beiträgt. Unabhängig von irgendeinem Effekt auf das Gewicht. Unabhängig von seinem Energiebeitrag. Dafür gibt es in einem sehr komplexen System schon ganz simple Belege. Ein Beispiel: Menschen, die vier Mal pro Woche Nüsse essen, erkranken seltener an Diabetes, egal wie viele Kilo sie auf die Waage bringen. Auch bestimmte Todesrisiken werden reduziert.
Warum ist das so? Die verschiedensten Nüsse sind reichhaltige Quellen für wertvollste Mikronährstoffe. Darunter sind die oft besonders vernachlässigten Mineralstoffe Selen, Eisen, Zink, Silizium, das Vitamin C, viele Vitamine der B-Gruppe und jede Menge Antioxidanzien gegen freie Sauerstoffradikale ... und schließlich reichlich gesunde Fettsäuren. Das sind sehr energiereiche Moleküle mit mehr als doppelt so vielen Kalorien je Gramm als Kohlenhydrate und Eiweiße. Aber sie besitzen viele günstig wirkende Eigenschaften.
Davon profitieren gleichermaßen sehr viele Pflanzen selbst, wie zum Beispiel die Olive von ihrem eigenen Öl, und wie auch unser Körper, sobald wir es verzehren. Aber 50 Jahre lang wurde den Menschen eingetrichtert, dass Fette für den Herztod verantwortlich sind! Gleichzeitig wurden mehr als 50 unterschiedliche äußerst nützliche Fettsäuren entdeckt. Sie fördern das Wachstum und entwickeln die Nervensysteme. Die Gehirngewebe bestehen größtenteils aus ihren Fettmolekülen.
Und ein negatives Beispiel dafür, wie unwichtig der Energiegehalt von Nahrung ist: Konzentrierte Industriefructose hat pro Gramm die gleichen Kalorien wie jede andere Zuckerart: auch nur vier. Sie ist jedoch einerseits extrem billiger herzustellen als Zucker aus der Zuckerrübe oder aus dem Zuckerrohr, gleichzeitig süßer, so dass sie sparsamer eingesetzt werden kann. Andrerseits aber ist sie für den Organismus erheblich gefährlicher. Denn da wir inzwischen süchtig nach süß sind, setzt die Nahrungsmittelproduktion Fructose ausufernd ein, auch im Brot, im Feigensenf, im Getränk mit Geschmack. So verzehren wir – wären die Produkte mit Haushaltszucker gesüßt – etwas weniger Kalorien, aber einen für die Funktionen vieler Organe verheerende Substanz!
Wie ein 3D-Drucker im Bauch
Die unverständliche Überschrift ist irgendwie gerechtfertigt und wird gegen Ende des Kapitels verständlich. Soviel vorweg: Auf welche Weise sich unser Darm-Mikrobiom entwickelt und aus welchen Komponenten es sich allmählich zusammensetzt, hat mit additivem Aufbau in winzigsten Schritten zu tun ... wie bei einem Produkt aus einem 3D-Drucker.
Stellen wir uns die größte Sportarena des Universums vor. Zu Beginn ist das gigantisch ausgedehnte Spielfeld noch leer. Zwei Großspender geben Tag für Tag Hunderte Millionen Freikarten für Mitspieler aus. In zehn Jahren wollen sie gemeinsam dort friedlich mehr als 100.000 Milliarden Akteure versammeln. 100 Billionen! Schön wäre es, würden sich am Ende zwei ähnlich starke Mannschaften gebildet haben. Rund um die Arena sind Büfetts aufgebaut. Einigen Ankommenden und Anwesenden schmeckt es mehr, anderen weniger. Ganze Gruppen wandern wieder ab, verschwinden, verhungern.
Während sich das riesige Stadion langsam füllt, geht gleichzeitig die Balance verloren. Die Schieflage wird in jeder Sekunde immer krasser. Schließlich ein krasses Endergebnis: Statt im Verhältnis eins zu eins stehen sich die Sportler in einem extremen Missverhältnis gegenüber: Auf je 2.000 der einen Gruppe kommt am Ende nur noch ein einziger Gegenspieler. Fair Play ist unter diesen Umständen nicht zu erwarten.
Was hier beschrieben wird, ist die unvorstellbar riesige Wohngemeinschaft der Mikrolebewesen in unserem Verdauungstrakt. Alle Bakterien, Viren, Pilze und anderen Kleinstlebewesen, Mikrobiom genannt, wiegen zwischen eineinhalb und zwei Kilo. Sie sind überall, außen auf der Haut, freischwebend in unserer Atemluft, auf allen Schleimhäuten. Aber der Großteil lebt in unserem Bauch. Dieses Darm-Mikrobiom setzt sich aus schätzungsweise 1.400 bis 5.000 verschiedenen Arten von Bakterien und Kleinstlebewesen zusammen, die überwiegend zu zwei Großspezies gehören. Sie siedeln in den Wänden der Organe und in deren Inhalt.
Mehr und mehr Funktionen der lebenswichtigen Mikroben-WG im Darm werden entschlüsselt. Klar ist, dass sie nicht nur Hilfe leisten bei der Absorption und Verdauung unserer Nahrung. Sie bilden Hormone und vitaminähnliche Vitalstoffe. Sie kommunizieren mit dem Immunsystem und der Krankheitsabwehr und schulen sie auf diese Weise. Sie wehren im Idealfall Krankheitskeime ab und entschärfen Giftstoffe. Über die im Darm endenden Nervenbahnen kommunizieren sie mit dem Gehirn.
Leider ist es eine störanfällige Gemengelage, die auf der einen Seite schützende Leistungen erbringt und andererseits als Auslöser verschiedener Erkrankungen fungieren kann. Sehr viele Bakterienarten können richtig unangenehm werden. Wenn unser Immunsystem sie als Gefahr einstuft und bekämpft, wehren sich die Mikroben mit Giften und anderen schädlichen Absonderungen. Schützende Darmwände werden löchrig, durchbrochen, und der Kampf gegen gefährliche Darmbakterien verlagert sich in die Blutbahnen und über den ganzen Körper. Die Zusammensetzung startet im Augenblick der Geburt. In jedem menschlichen Verdauungssystem bildet sich ein ganz individuelles Darm-Mikrobiom, unverwechselbar wie ein Fingerabdruck.
Medikamente wie Antibiotika, Umweltgifte, chemisch wirkende Fremdstoffe in der Nahrung hemmen vermutlich günstiger wirkende Mikroben und fördern die Ausbreitung von böseren Mitbewohnern. Die Zusammensetzung startet im Augenblick der Geburt. Ob per Kaiserschnitt oder durch den Geburtskanal bedeutet bereits die erste Weichenstellung. In jedem menschlichen Verdauungssystem bildet sich ein ganz individuelles Darm-Mikrobiom, unverwechselbar wie ein Fingerabdruck. Jede einzelne falsche Mischung wird auf eigene Weise zum Risiko, an einem der gefürchteten chronischen und nicht-übertragbaren Leiden zu erkranken, an Fettleibigkeit, Diabetes, Depression, Rheuma, Multiple Sklerose, Darmentzündung und viele mehr.
Umgekehrt verändern Krankheiten die Leistung der Krankheitsabwehr zum Schlechteren, auch an weit entfernten anderen Organen, und beeinflussen ebenfalls die Zusammensetzung der Darmbakterien.
Die Wissenschaft sucht nach den bösen Darmbewohnern und will sie zu Gunsten der besseren zurückdrängen. Schlechte Ernährung hat eine große Rolle. Das zeigen Veränderungen der Darmflora und eine damit verbundene Häufigkeit spezieller Krankheiten durch Umstellung traditioneller Kost auf westliche Ernährungsgewohnheiten. Beispielsweise wenn asiatische Bevölkerungsgruppen auswandern, etwa zu Verwandten im amerikanischen Hawaii.
Forschungsergebnisse lassen hoffen, dass durch eine intelligente Nahrungswahl das Darm-Mikrobiom von außen moduliert werden kann. Aus der Darmflora als Ursache von Erkrankung soll eine Quelle der Gesundheit werden. In diesem Zusammenhang werden Probiotika und Präbiotika am häufigsten genannt.
Das bringt uns zu dem Stichwort 3D-Drucker. Die damit verbundene Technologie besteht aus dem schichtartigen Aufbau aus flüssigen oder festen Werkstoffen. Einzelne Lagen haben die Dicke eines Hundertstel Millimeters und ergeben am Ende ein konkretes Erzeugnis. Auch unser Darm-Mikrobiom entsteht wie aus einem biologischen 3D-Drucker. Unsichtbar, unmerklich, unaufhörlich. Nicht allein aus jedem einzelnen Bissen, aus jedem Schluck. Viele Dutzende, wenn nicht Hunderte weitere Einflüsse wirken mit. Vermutlich besonders prägend sind die ersten Lebensjahre. Das Ergebnis ist nahezu unumkehrbar! Die Bakterien entwickeln im Laufe der Zeit eine Art Gedächtnis, eine Beharrlichkeit, von der sie sich später nicht so einfach durch ein paar Becher Naturjoghurt abbringen lassen.
Mut machen Erkenntnisse der Anti-Aging-Medizin oder Präventionsmedizin zur Rolle sekundärer Pflanzenstoffe. Viele unserer Mikronährstoffe dienen im Königreich der Natur als chemische Abwehrstoffe gegen Fressfeinde und andere Gefahren und haben nach Verzehr auch für uns Menschen einen hohen Stellenwert. Besondere Unterstützung leisten sie gegen viele Faktoren, die unser Gewicht ansteigen lassen, unabhängig von den Kalorien.
Die Anti-Übergewichtseffekte von Tomate, Karotte, Mais & Co.
Reden wir von Carotinoiden.
Gelbrote Farbstoffe der Pflanzen entstehen in den Ölen und Fetten. Wenn in diesem Zusammenhang jetzt gleich von Karotte, Paprika und Tomate die Rede ist, werden Sie es vielleicht nicht glauben. Öle? Fette? Aber es ist schon so. Eine 60 Gramm schwere Karotte enthält etwa ein Tausendstel ihres Gewichts als Pigmentstoff in Form von Fettsäuren, 0,06 Gramm. Solche Winzigkeiten genügen, um in der grünen Apotheke der Natur Wirkungen zu erzielen.
Zu den bekanntesten fetthaltigen Farbstoffen in der Natur zählen die Carotinoide. Pflanzen inklusive Algen erzeugen an die 750 Versionen davon und 40 bis 50 kommen in unseren Früchten und in Gemüse mit gelborangeroter Farbe vor. Von den Mikronährstoffen Carotinoide ist für uns ein halbes Dutzend am interessantesten, wozu Carotin, Lycopin, Lutein und Zeaxanthin zählen. Alle diese Pigmentstoffe stoppen in Pflanzen sehr wirksam gezielte Entzündungen, nachdem durch sie Bakterien, Viren und Pilze entschärft worden sind. Außerdem fungieren sie als Antioxidanzien.
Genau das Gleiche spielt sich durch Carotinoide nach Verzehr auch in unserem Körper ab. Im menschlichen Organismus beenden diese und weitere anti-entzündliche Mikronährstoffe unter bestimmten Voraussetzungen chronische Entzündungsprozesse des Immunsystems.
Sinnvoll ist ein Blick auf die Zelle und auch hinein. Sie ist in jedem Organismus die kleinste komplette Lebenseinheit. Für die menschliche Zelle bedeutet das in erstere Linie: der Zellkern mit den Erbanlagen, die Kraftwerke zur Erzeugung der speziellen Energieform ATB und die schützenden Zellwände. An den Außenwänden besitzt die Zelle unterschiedliche Andockstationen für Hormone und weitere Substanzen. Entweder empfangen sie Informationen und leiten sie in das Zellinnere weiter. Oder sie lassen den Botenstoff selbst passieren. Rezeptoren zählen zu den wichtigsten Werkzeugen der Kommunikation. Sie sind Knotenpunkte für Mikronährstoffe und leider auch für strukturell ähnliche Schadstoffe.
Durch Maßnahmen gegen inflammatorischen und auch gegen oxidativen Stress können ausgewählte Pflanzensubstanzen der Entstehung vieler Krankheiten vorbeugen, nämlich Arteriosklerose, Krebs, Alzheimer, Parkinson, Grauer Star, Parkinson, Rheuma und sogar Krebs. Seit erst ein, zwei Jahrzehnten ist der Wissenschaft bewusst, dass Carotinoide mit den für sie typischen Eigenschaften auch einen Anti-Übergewichtseffekt bewirken.
Die Zusammenhänge sind erforscht. Wenn ein Organismus von chronischen Entzündungen verschont wird oder wenn sie durch Carotinoide eingedämmt werden, wirkt auch das Hormon Insulin besser. Und der Austausch über die aktuelle Lage zwischen Fettgeweben und Gehirn funktioniert ungestört. Das macht die Entstehung einer Zuckerkrankheit weniger wahrscheinlich. Diabetes, Dicksein und Depression bilden gemeinsam eine dreifache Bedrohung für den Stoffwechsel.
Außer diesen Vorteilen werden einige Carotinoide im Körper zu dem lebensnotwendigen Vitamin A umgewandelt.
Das alles müsste genügen, so dass wir uns täglich bewusst für Karotten und für mit vergleichbaren Mikronährstoffen ausgestattete Tomaten, Paprika, Mais, Kohl, Spinat, Kürbis, Bohnen, Orangen, Nektarinen, Wassermelonen, Avocado und Eigelb und mehr entscheiden! Sie alle sind reich an Carotinoiden. Dazu kommt es im Alltag von Millionen Menschen aber nicht, weil in allen entscheidenden Schichten der Konzerne und Eliten zu wenig Interesse besteht, über solche Potenziale zu informieren und die Gesellschaft zu mehr Gesundheit zu leiten.
Schon gar nicht interessiert daran ist die Nahrungsmittelindustrie. Sie tritt nicht gerade als Freund von Karotten, Tomaten und Mais in Erscheinung.
Aber auch die Gesundheitspolitik bleibt unbeachtet ihres Auftrags, für das Wohl der Bevölkerung zu sorgen, untätig, obwohl schon im Jahr 2006 eine Nachricht im „British Journal of Nutrition“ einen Zusammenhang von Übergewicht und einem Mangel an Carotinoiden aufdeckte: Je niedriger der Spiegel dieser pflanzlichen Farbstoffe im Blut sinkt, desto höher steigt der Body Mass-Index [1].
Eine mitreißende Aufklärung von Übergewichtigen wäre übrigens doppelt notwendig gewesen. Ein Mangel wird nämlich umso wahrscheinlicher und größer, wenn Frauen und Männer aus Angst um ihr Gewicht fetthaltige Lebensmittel verbannen. Denn die Carotinoide können Entzündungen und Zerstörung durch freie Sauerstoffradikale besser entgegenwirken bei gleichzeitig verzehrtem Fett. Sie wandern nämlich in Fett ein und verbinden sich damit, während die meisten übrigen Nährstoffe sich in Wasser auflösen. Deshalb ist eine extrem fettarme Kost für Übergewichtige kontraproduktiv.
Der kluge Körper häuft die mit den Fetten kooperierenden Mikronährstoffe logischerweise genau dort an, wo er auch Fett in großen Mengen bereithält: in den Fettgeweben und in der Leber. Auch deshalb hätte der typische Mangel an Carotinoiden bei Übergewicht längst als wichtiger Hinweis begriffen werden müssen. Fettgewebe sind der bedeutendste Speicherplatz für diese überaus wichtigen Carotinoide aus Tomaten, Mais & Co. Umgekehrt ist bei einem derartigen Mangel jede einzelne Fettzelle der entscheidende Tatort in der Entwicklung von Fettleibigkeit.
Eine Gruppe von Biologen in Marseille, Frankreich, hat am 11. Juli 2019 die Versäumnisse der Vergangenheit durch eine äußerst aufschlussreiche Veröffentlichung mit der Überschrift „Anti-Übergewicht Effekt von Carotinoiden: Direkter Einfluss auf Fettgewebe und vom Fettgewebe ausgehende Wirkungen“ wettgemacht [2]. Die wichtigsten Aussagen: Fettgewebe informieren über ihren Zustand mit der Freisetzung von etwa 50 stark chemisch wirkenden Hormonen und Wachstumsfaktoren das Gehirn. Gleichzeitig werden zu prall gefüllte Fettzellen vom Immunsystem mit gut gemeinten Entzündungen angegriffen. Dieser inflammatorische Stress unterbricht den Dialog zwischen Fettgewebe und Kopf über Hunger, Appetit und Sattheit. Sie geben jetzt noch mehr Botenstoffe ab und lösen noch heftigere Entzündungen aus.
Genau hier setzt die gesundheitsfördernde Wirkung von Carotinoiden an. Es ist vor allem ihr anti-entzündlicher Effekt. Sie ermöglichen, dass das hochintelligente Kontrollsystem des Körpers in Bezug auf Energiebedarf und Energievorrat von den inneren Organen richtig informiert wird und richtig entscheiden kann: Hunger nur, wenn Energie tatsächlich fehlt.
Von schwerem Gewicht geplagte Frauen und Männer denken an ihre unerwünschten Pfunde in erster Linie schuldbewusst. Die Anti-Aging-Industrie sieht als Ursache eine Störung in diesem Sattheits-System.
Es gibt nicht wegzudiskutierende Zusammenhänge, die problematische hochprozessierte Nahrungsmittel durch ihren entzündungsfördernden Beitrag mit den modernen Volkskrankheiten in Verbindung bringen … mit chronischen Entzündungen, Insulinresistenz, nicht-alkoholischer Fettleber, Bluthochdruck, zu hohen Blutfettspiegeln in Bezug auf Cholesterine und Triglyzeride, mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall, einigen Krebserkrankungen, sowie mit Diabetes, Depression und Fettleibigkeit.
Die Autoren der Studie aus Marseille über den Anti-Gewicht-Effekt von Carotinoiden stützen sich sowohl auf positive Effekte nach Verfütterung dieser Pflanzenstoffe an fette Mäuse, als auch auf ermutigende Erfahrungen mit übergewichtigen Schulkindern. Die Mikronährstoffe reduzierten verschiedene Fettbereiche, auch unter der Haut, aber am stärksten schrumpften sie in der Bauchregion, weil sie hormonell am aktivsten ist. Auch der Body Mass-Index generell wurde ebenfalls verringert.
Die Faustregel stimmte: Je mehr Carotinoide im Blut landeten, umso geringer ausgeprägt waren nach etlichen Wochen die Fettanlagen. An der Schlussfolgerung ist nicht zu rütteln: Das Fehlen von Carotinoiden und ein krankhaft erhöhter Appetit mit daraus entstehender krankhaft gesteigerter Nahrungsaufnahme hängen zusammen.
Ein weiterer Hinweis unterstreicht alle mit diesen Farbstoffen verbundenen Erwartungen. Carotinoide dringen direkt bis in das Gehirn vor, während viele Substanzen die schützende Blut-Gehirnschranke nicht überwinden können und abgehalten werden. Das wurde für Lutein, Carotin, Zeaxanthin und Lycopin sehr eindrucksvoll nachgewiesen. Vermutlich üben sie dort direkt weitere Schlankmacher-Impulse aus.
Die meisten Carotinoide sind sehr fest mit den Pflanzeneiweißen verbunden. Zerkleinern, kochen und dünsten bricht diese biologische Einheit auf und erleichtert die Absorbierung.
Fast jede Pflanze mit hohem Carotinanteil ist für die eine oder andere Weise der Zubereitung besonders geeignet. Das gilt auch für Konservenware und Säfte. Typisches Beispiel ist die Tomate. Ihr Lycopin wird erfolgreich befreit, wenn sie in Olivenöl erhitzt wird. Tomatensaft hat die Erhitzung ebenfalls schon hinter sich und wird gut und leicht aufgenommen. Grundsätzlich werden Carotinoide am besten absorbiert während einer Mahlzeit mit Fettanteil.
Übrigens: Kardiologen interessieren sich für die Frage, ob Carotinoide möglicherweise Herzrisiken miniminieren. Carotinoide erschweren vermutlich eine Plaquebildung.
Noch mehr erstaunliche Hilfen aus der Natur
Das Verlangen nach Nahrung einerseits und das Empfinden von Sattheit andrerseits sind Prozesse, die heute durch chemisch wirkende Substanzen von außen nachhaltig gestört werden, wobei als massive Unterbrecher Arzneistoffe, Nahrungszusätze, Fremdstoffe in der Nahrungsmittelproduktion, Pestizide und Schwermetalle identifiziert wurden.
Eine Wiederherstellung der richtigen Zustände kann nur mit wertvollen Wirkstoffen erzielt werden, die wir verzehren müssen. Dutzende weitere pflanzliche Substanzen würden ebenfalls ein eigenes Kapitel verdienen wie die Carotinoide. In tatsächlich Tausenden medizinischen Universitäten und Forschungsteams weltweit steht die wissenschaftliche betriebene Suche nach essbaren pflanzlichen Substanzen mit der Fähigkeit, das Körpergewicht auf gesunde Weise günstig zu beeinflussen, im Mittelpunkt. Und sie ist erfolgreich.
Kleie: Bereits in den 1970er Jahren entwickelte der amerikanische Sachbuchautor Dr. David Reuben („The Save Your Life Diet High-Fiber Cookbook“) unter Verwendung von Kleie die nach ihm benannte Diät, von der nur das Reuben Sandwich mit einem gegrillten Grahambrot aus Vollkornmehl mit Sauerkraut und Pastrami bis heute überlebte. Kleie ist ein Sammelbegriff für Ballaststoffe der besten Qualität, nämlich Rückstände aus den Schalen und dem Keimling von Getreidekörnern und ist reichlich im Müsli und im Knäckebrot enthalten. Als Mühlennachprodukt ist es käuflich zu erwerben, so dass sie Speisen zugesetzt werden kann. Haferkleie wird im 500-Gramm-Karton angeboten, Weizenkleie gibt es im 200-Gramm-Päckchen. Je 100 Gramm Weizenkleie enthalten fünf Gramm wertvoll wirkende pflanzliche Fette und Öle, sowie vor allem die Mineralstoffe und Spurenelemente Kalium, Magnesium und Calcium.
Pfiffige Hobbyköche verwenden Kleie an Stelle von Mehl, zum Beispiel für ein Kilo Kleiebrot 240 Gramm Haferkleie, 60 Gramm Weizenkleie, sowie weitere Zutaten wie Leinsamen, Mandeln, getrocknete Tomaten. Dazu 150 Gramm Magerquark und 150 Gramm Hüttenkäse. Die Hamburger Veranstaltungskauffrau Güldane Dana Altekrüger setzte auf Kleie beim Abspecken und landete schließlich mit eigenen Rezepten in „Abnehmen mit Brot & Kuchen“ einen gigantischen Bestseller.
Ballaststoffe: Wählen Sie ballaststoffreiche pflanzliche Nahrung: Bohnen, Spargel, Rosenkohl, Orangen, Leinsamen. Ihre faserigen Substanzen erleichtern das Sattwerden. Ballaststoffe sind unverdauliche Kohlenhydrate und bringen Null Kalorien ein. Nichtauflösbare vermehren nur das Stuhlvolumen. Andere lösen sich in Wasser und werden zu einem Gel, mit günstigen Wirkungen auf eine verlangsamte Absorption. Ballaststoffe sind Nahrung für unsere etwa 100 Billionen Darmbakterien, viele davon im Dickdarm. Zellulosefasern und resistente Stärke ernähren vor allem günstige Bakterien und werden deshalb Präbiotika genannt. Zahlreiche Beobachtungsanwendungen belegen durch Ballaststoffe eine Verminderung von Entzündungsprozessen im Verdauungs-Trakt. Umgekehrt sind solche Entzündungen Mitfaktor von Gewichtszunahme.
Probiotika: Wissenschaftler an der Université catholique de Louvain, Belgien, ermittelten, dass bei Fettleibigkeit die Wahrnehmung von Geschmack im Mund reduziert ist. Man spricht von einem ernährungsbedingt erworbenen sensorischen Mangel. Einfach gesagt, Betroffene benötigen mehr Impulse, um mit ihrem Essen ähnlich Genuss zu empfinden, wie es Normalgewichtigen gegönnt ist. Auch deshalb essen Menschen in einem großen Körper vielleicht mehr, und zwar vor allem Nahrungsmittel mit hohem Belohnungseffekt durch Fette, Zucker und Salz. Die Forscher in Belgien ermöglichten Mäusen freien Zugang zu Trinkwasser mit unterschiedlichen, stets geringen Zuckerzusätzen. Sie beobachteten, ob überhaupt und wenn wie rasch und intensiv fette Mäuse sich nach dem Trinken das Mäulchen leckten, und bewerteten auf diese Weise, ob Tiere die Süße herausschmecken konnten. Dann veränderten die Wissenschaftler mit der Gabe von Probiotika die Zusammensetzung der Darmbakterien bei ihren dicken Versuchsmäusen. Probiotika sind lebensfähige Mikroorganismen, die einen gesundheitsfördernden Effekt im Verdauungstrakt haben können. Es zeigte sich im Verlauf von zwölf Wochen, dass die Tiere je nach Probiotikazufuhr jetzt viel schneller mehr Freude an ihrem Trinken verspürten. Das hatte Auswirkungen. Sie fraßen weniger und reduzierten ihr Gewicht [6].
Probiotika sind sehr zahlreich in fermentierten Nahrungsmitteln und auch als Nahrungsergänzung in Apotheken und Drogerien erhältlich. Das Probiotikum Inulin aus der Chicoréewurzel gilt aktuell als gesündester und wohlschmeckender Ersatzstoff, wenn der Anteil von Zucker und Fett verringert werden soll. Inulin wurde 2018 von der U.S. Food and Drug Administration als neunter Ballaststoff mit Gesundheitsnutzen anerkannt. Für 2020 wurde die Zulassung von Glucomannan versprochen, aus der runden Konjakknolle einer südostasiatischen Pflanze namens Teufelszunge. Konjakmehl wird für Nudeln und mit Reisgerichten verwendet und stoppt natürlich den Appetit.
Polyphenole: Polyphenole sind neben Carotinoiden die nächste große Gruppe von hochwirksamen biologischen Substanzen. Pflanzliche Mikronährstoffe aus der Gruppe der Polyphenole finden wir reichlich in Früchten, Gemüsen, Getreiden und natürlichen Getränken. Trauben, Birnen, Kirschen und Beeren enthalten 200 bis 300 Milligramm je 100 Gramm Frischgewicht. Polyphenole schützen Stängel, Blätter, Frucht, Blüte, Samen und Kerne vor UV-Strahlung und Krankheitserregern und sorgen nebenbei für Farbe, Geruch, Geschmack von bitter bis süß und Widerstandsfähigkeit gegen Sauerstoff. Erst ein geschnittener Getreidehalm wird zu Stroh. Die wichtigsten Untergruppen sind Flavonoide, Isoflavone, Catechine, Lignane, Stilbene, Coumarine und Säuren. Die namhaftesten heißen Resveratrol und Quercetin. Nach Verzehr verbessern Polyphenole in unserem Körper die biologischen Bedingungen im Verdauungstrakt. Darüber hinaus wirken sie anti-oxidativ, denn sie neutralisieren freie Sauerstoff-Radikale. Ein Glas Rotwein, die Tasse Kaffee oder Tee enthalten noch 100 Milligramm Polyphenole. Besonders reich an Polyphenolen sind ungesüßtes Kakaopulver, Chilli, Ingwer, Leinsamen, Curry, Oregano, Rosmarin, schwarze Oliven, rote Zwiebel, Spinat, Broccoli, Gewürznelken, die rote Apfelbeere und die Artischocke. Das am meisten geschätzte Catechin findet sich im Grünen Tee [7]. Selbst unscheinbare Bohnen sind reich an Antioxidanzien und entschärfen aggressiven Sauerstoff im Blut, sowie vor Diabetes und Krebs.
Kaffee: Kaffee enthält an die 1.000 pflanzliche Substanzen, darunter fünf B-Vitamine, sieben Mineralstoffe, fünf Spurenelemente und mehr als ein Dutzend Aminosäuren. Auch jene anti-oxidativ wirkenden Polyphenole zählen dazu, die ebenfalls im Rotwein, in Früchten, Gemüse, im Tee und in dunkler Schokolade für zahlreiche Gesundwirkungen sorgen. Eine Studie in Korea sieht einen direkten Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und einem geringeren Risiko, an Diabetes zu erkranken. Im Auftrag der dänischen Diabetesgesellschaft wurde diese These von der Universität Odense, Dänemark, an zuckerkranken Ratten überprüft. Dabei erwies sich die Sorte Robusta der Arabica als überlegen. Vor allem die Chlorogensäure und die Nikotinsäure im Kaffee verlangsamen nach einer Mahlzeit die Freisetzung von Glukose und unterstützen die Leber dabei, Fettsäuren zu verbrauchen.
Soja: Japanische Ernährungsberater, die sich mit den Ursachen von Übergewicht befassen, widmeten sich kürzlich erst dem Umstand, dass von 1975 an in Japan das Auftreten von Fettleibigkeit umgekehrt verlief zum Konsum der Sojapaste namens Miso. Je weniger Miso, desto mehr Fettanhäufung. Sie übertrugen ihre Neugier in einen Versuch mit dick gemästeten Mäusen. Eine Gruppe bekam Futter, in das fast drei Prozent gefriergetrocknetes Miso untergemischt war, wie es vor fast fünf Jahrzehnten in jedem japanischen Haushalt üblich war. Eine Kontrollgruppe verzehrte, was der japanischen Durchschnittskost von heute entspricht, sehr wenig Miso. Alle Mäuse absolvierten auch ein Fitnessprogramm. Nach acht Wochen wurden die Tiere untersucht. In der Misogruppe hatte sich mehr Fettauflösung ergeben, was zu einer Reduktion des weißen Fettgewebes führte. Erklärung: Sojaeiweiß ist hochwertiges Protein, ähnlich wie Vollmilch, mit weniger Kalorien und hohem Sättigungspotenzial, und intensiviert gekoppelt mit Aktivität für den Muskelaufbau [8].
Kakao: Pflanzliche Antioxidanzien können Sauerstoffradikale neutralisieren und auch Entzündungsprozesse eindämmen. Ein sehr sympathischer Vertreter ist fast vollständig aus unseren Küchen verschwunden: Kakaopulver aus den fermentierten, gerösteten, von der Schale befreiten und gemahlenen Samen des Kakaobaumes. Es ist sehr reich an Polyphenolen und Flavanoiden. In einer Studie an fett gefütterten Mäusen wurde mit Kakaopulver eine nennenswerte Reduzierung der erhöhten stoffwechselbedingten Giftstoffe und Entzündungsmarker im Blut erzielt [96]. In Beobachtungsstudien an Menschen wurden ähnliche Verbesserungen mit Bio-Orangensaft erzielt, der ebenfalls Polyphenole mit wertvollen Ballaststoffen verbindet.
Buffalo-Mozzarella-Käse: Unter gesunden Umständen bildet der Dünndarm über seine Rolle in der Verdauung hinaus auch die wichtigste Schutzbarriere gegenüber krankmachenden Bakterien und anderen Agenten. Sobald chronische Entzündungsprozesse, die fast immer unbemerkt unterhalb der Schmerzwahrnehmung verlaufen, eine gewisse Intensität überschreiten, gefährden und zerstören sie die inneren Schleimhäute an den Darmwänden. Eiweiße aus Original-Buffalo-Mozzarella-Käse reduzieren den Entzündungsstress auf Darmwände und verbessern ihre Fähigkeit, nur gewünschte Nährstoffe in den Blutkreislauf durchzulassen [13].
Bohnen: Die Gartenbohne (Phaseolus vulgaris), die italienische Borlotti-Bohne und die südamerikanische Pinto-Bohne sind wertvolle Eiweißquellen. Außerdem liefern sie gesunde Kohlenhydratstärke, Ballaststoffe, Beta-Carotin, B-Vitamine, Magnesium, Calcium, Phosphor, Eisen; Zink, Kupfer, Selen und Mangan. Sie besitzen ein günstiges Verhältnis der gesunden Omega3-Fettsäure zu der entzündungsfördernden Fettsäure Omega6. Wesentlich sind auch ihre Effekte durch Polyphenole und Flavonoide, sogar gegen Krebszellen. Ihre Kohlenhydrate gehen nur langsam ins Blut über, das hält den Blutzuckerspiegel im günstigen Bereich. Einzelne Studien belegen cholesterinsenkende Wirkungen, denn Bohnen-Antioxidanzien neutralisieren freie Radikale, ehe sie Cholesterine durch Oxidation gefährlich klebrig machen. Bohnen dürfen nur gekocht konsumiert werden. Frisch geerntete werden sofort gekocht. Getrocknete Bohnen über Nacht in wenig Wasser einweichen, am Morgen das Wasser abgießen, spülen, in frischem Wasser ohne Salz weich garen, das Kochwasser ebenfalls abgießen.
Isomaltulose: Wirklich verblüffend: Mit einer speziellen Zuckerart können sogar Gewicht reduziert und Fettgewebe abgebaut werden! Die natürliche Isomaltulose wird deutlich besser vertragen und verändert wegen des niedrigen glykämischen Indexwertes von 32 den Blutzuckerspiegel nur langsam. Isomaltulose ist Bestandteil von Honig und Zuckerrohr und kann durch Fermentation auch aus der Zuckerrübe hergestellt werden. Der feinkörnige Süßstoff kann wie herkömmlicher Haushaltszucker verwendet werden. In einer gemeinsamen Studie von Universitäten in Oxford, Großbritannien, und Singapur mit 50 übergewichtigen Gesunden, Alter im Durchschnitt 40,7 Jahre, Body Mass-Index: 29,4, wurde in einer Zwölf-Wochen-Diät mit reduzierten Kalorien bis zu sechs Kilogramm Gewichtsverlust von jenen erzielt, die täglich 40 Gramm Isomaltulose einnahmen. Ein großer Teil wurde durch Fettabbau beigesteuert. Eine Vergleichsgruppe mit der gleichen Menge Haushaltszucker speckte durchschnittlich nur 2,1 Kilo ab [14].
Aminosäuren: Zwei Aminosäuren sind laut dem Fachblatt „Circulation Research“ fähig, die Wirksamkeit von Fresszellen zu verstärken, indem sie Material von zerstörten Fettzellen zur Leber transportieren. Die orale Gabe der Aminosäure Glutamin (nicht identisch mit dem Exzitotoxin Glutamat!) verbesserte bei 39 Freiwilligen mit schwerem Übergewicht mehrere Stoffwechselvoraussetzungen positiv, auch die Verringerung von Entzündungsprozessen im Verdauungstrakt. Beobachtet wurden eine verbesserte Aufnahme von Zuckermolekülen aus dem Blut durch Muskelgewebe und als Resultat eine verringerte Einspeicherung von Nahrungsüberschuss in Fettzellen [15].
Zimtsäure: Erfolgsversprechend erscheint die Behandlung von schwerem Übergewicht mit der Aktivierung des braunen Fettgewebes. Seine Zellen können sehr viel Energie verbrauchen, denn sie haben die Fähigkeit, Wärme zu erzeugen. Bei den meisten Erwachsenen sind diese Fettzellen weitgehend inaktiv. Bei der Suche nach Natursubstanzen, die braunes Fettgewebe zum Leben erwecken, stießen Wissenschaftler auf die Zimtsäure aus der Rinde des Zimtbaums. Sie kommt auch im gelblichen Pflanzenfett des Shea-Nussbaums und im Balsam vor. Zimt wird weltweit von Millionen Menschen als tägliches Gewürz verwendet. Hauptsubstanz ist das ätherische Zimtöl. Zimt-Mikronährstoffe werden therapeutisch gegen Diabetes, gegen chronische Entzündungen und sogar gegen Krebsprozesse eingesetzt. Wissenschaftler aus Korea haben den Großteil der verfügbaren medizinischen Studien über Zimt unter dem Aspekt Übergewicht ausgewertet. Sie kamen zu dem Schluss: Zimtsäure hemmt die Entstehung von weiteren Fettzellen und regt die Oxidation, also eine Art Auflösung des Inhalts von Fettzellen an [17].
Wassermelone: Wenn Übergewichtige die Gelegenheit haben, täglich eine Portion Wassermelone zu verzehren, erzielen sie ein besseres Gefühl von Sättigung als etwa durch den Konsum von gleich viel Kalorien in Form von Keksen. Die meisten Melonen sind reich an Vitamin C, Kalium und Kupfer. Wissenschaftler aus San Diego, Kalifornien, haben das an 33 Übergewichtigen kontrolliert getestet und empfehlen sehr überzeugt die Wassermelone als idealen Schlankmacher [18].Wissenschaftler der Keio University in Kanagawa, Japan, meldeten zusätzlich im August 2019: Substanzen der Melone hemmen die Entstehung einer nicht-alkoholischen Fettleber, da sie in diesem Organ die Fettspeicherung bremsen.
Avocado: Das Lorbeergewächs Avocado hat in einer Bevölkerungsgruppe von 55.407 Menschen in einem Zeitraum von rund elf Jahren jene vor Übergewicht bewahrt, die durchschnittlich mehr als 32 Gramm Avocado pro Tag verzehrten. Avocado-Anhänger um Mitte 50 wogen mit 78 Kilo drei Kilo weniger als Nicht-Esser. Gleichzeitig wurde andrerseits bei älteren Menschen, die generell von Gewichtsverlust bedroht sind, die natürliche Gewichtsabnahme reduziert, ein für sie gewünschter Effekt. Die Avocado ist eine Frucht sehr reich an Mikronährstoffen. Offensichtlich wirken sie positiv verändernd auf jene Gene, also auf Träger der Erbeigenschaften, ein, die den Fettstoffwechsel prägen. Bekannt ist die zuckrige Substanz Mannoheptulose. Wissenschaftler aus Loma Linda, Kalifornien, sind überzeugt: Der regelmäßige Verzehr von Avocado trägt zur Kontrolle des Gewichts bei. Und die University of Guelph, Kanada, ergänzte am 31. Oktober 2019: Die Avocado verhindert nach Verzehr die Oxidation von Fettsäuren, aus der sich in aller Regel Diabetes und Insulinresistenz entwickeln.
Haferflocken: Und gerade die besonders nährstoffreichen Haferflocken eignen sich ebenfalls als Schlankmacher. Lediglich die nicht-essbaren Teile des Haferkorns werden entfernt, und da die wertvollen Randschichten prall gefüllt mit Vitalstoffen und Schutzstoffen dranbleiben, enthalten Haferflocken unter allen Getreidearten am meisten Vitamin B1 und Vitamin B6, auch üppig Silizium, Biotin, Kupfer, Mangan und Zink. Alle B-Vitamine können nur begrenzt gespeichert werden und müssen regelmäßig aufgenommen werden. Hafer ist der Spitzenlieferant für die chemischen Elemente Silizium und Magnesium. Silizium ist dank seiner elektrischen Leitfähigkeit eine Art Dirigent unter den Mineralstoffen und Spurenelementen. Einen besonders wichtigen Beitrag erfüllt es mit anti-entzündlichen Potenzialen gegen chronische Entzündungen, die gerade bei schwerem Übergewicht fast unvermeidlich sind. Magnesium wird gebraucht, wenn ein Stresszustand beendet werden muss. Hochprozessierte Nahrung ist in der Regel magnesiumarm, kann jedoch mit Zucker und Salz die Nervensysteme strapazieren. Auch Abwertung wegen seines Körpers zu erleben, kann zur schweren Belastung werden. Während der Gegenmaßnahmen droht dem Organismus ein Magnesiummangel. Das trägt speziell bei Jugendlichen zu Überaktivität und zum Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom bei.
Hafer liefert dem Muskelaufbau auch tolles Eiweiß. Weizenmehl und Zucker gehen rasch ins Blut über und treiben den Blutzuckerspiegel rasant hoch … und ebenso rasch sackt er wieder ab. Das erzeugt Heißhunger. Beim kompletten und komplex verzweigten Haferkorn verläuft das wesentlich langsamer. So versorgt Hafer den Körper auch längere Zeit mit Energie. Am Ende wird dem Gehirn zuverlässig eine „Ich bin satt"-Botschaft übermittelt.
Die unverdaulichen Pflanzenfasern der Haferflocken sind ebenfalls Sattmacher, weil sie die Verdauung ordentlich erleichtern, im Magen-Darm-Trakt aufquellen und das Stuhlvolumen vergrößern. Dabei bildet sich auf der Schleimhaut ein Schutzfilm, der vor Säure und Darmgiften schützt. So lindert Hafer sogar auftretende Darmbeschwerden. Der Nichtinformierte denkt mit Schrecken nur an die Kalorien und verbannt Haferflocken aus seinem Blickfeld.
Algen: Die rote Algenart Gelidium elegans hat mit einem Extrakt ihrer Inhaltsstoffe in zwei vom Yonsei University Health System in Seoul, Südkorea, kontrollierten getrennten Versuchen mit 94 und mit 78 Teilnehmern den Body Mass-Index und das Übergewicht reduziert. Dabei mussten die Testpersonen nicht ihren Alltag oder besondere Verhaltensweisen ihres Lebensstils verändern. Die Frauen und Männer starteten mit einem sehr hohen BMI von rund 30. In zwei Gruppen aufgeteilt, erhielt jeweils eine Hälfte der Testpersonen zwölf Wochen lang täglich 1.000 Milligramm Gelidium elegans-Extrakt. Die Kontrollgruppe schluckte nur eine wirkungslose Placebopille. Es war ein Doppelt-Blindversuch. Weder die Frauen und Männer, noch das medizinische Personal konnten wissen, wer wirklich behandelt wurde. Substanzen von Algen der Familie Gelidium, die in den Ozeanen um Korea und Japan beheimatet sind, enthalten Polysaccharide mit interessanten Eigenschaften. Sie heißen Agar-Agar und werden von der Nahrungsindustrie statt Gelatine als Bindemittel und Verdickungsmittel verwendet. Sie quellen nach Verzehr auf und binden Wasser, das beseitigt das Hungergefühl. Auch die Flavonoide Rutin und Hesperidin bilden sich in dieser Wasserpflanze. Gemeinsam mit Sterolen dringen sie in Fettzellen ein und verhindern eine neue Fetteinlagerung.
Die Forscher beobachteten diese Wirkungen im Labor an Tieren und starteten den ersten Versuch mit Menschen 2018. Das Ergebnis, laut schriftlicher Aussage in der Studie: „Körpergewicht und Fettmasse wurden signifikant verringert durch Gelidium elegans-Extrakt und erhöhten sich in der unbehandelten Kontrollgruppe.“ Ihre guten Ergebnisse wiederholten sie ein Jahr später [19].
Ananas: Tropische Früchte sind trotz ihrer überzeugenden Süße in aller Regel kalorienarm, jedoch bis unter die wasserdichte Haut vollgepackt mit wertvollen Wirkstoffen. Ihre Vitamine, Enzyme, Mineralstoffe und Antioxidanzien stärken die Immunkräfte, unterstützen den gesamten Prozessverlauf des Stoffwechsels, versorgen mit Faserstoffen und halten begründete niedrigschwellige Entzündungen im Verdauungsbereich unter Kontrolle. Außerdem schmecken sie köstlich. Von all dem kann eine Person in einem schweren Körper nur träumen.
Ein Expertentipp ist die Ananas. Die weltgrößte Sammlung medizinischer Veröffentlichung, die U.S. National Library of Medicine mit rund sieben Millionen Studien und Büchern, bekräftigt, dass die Ananas beim Abbau von Bauchfett hilft. Da ihre Ballaststoffe den Appetit zügeln, ist sie die wünschenswerte Alternative zu ungesunden Zwischengerichten. Empfohlen wird die frische Frucht. Eine Tasse Ananaswürfel enthält 78 Milligramm Vitamin C, das ist schon die gesamte Tagesempfehlung für diesen anti-entzündlichen Vitalstoff. Die Ananas ist mit einem chemisch wirkenden Enzym versehen, das bei der Aufspaltung von Fett hilft – am stärksten morgens auf leerem Magen. So kann auch die weitere Einlagerung im Fettgewebe gehemmt werden. Das Gleiche bewirkt Ananastee. Die Frucht versorgt ihre Freunde auch mit dem gegen freie Sauerstoffradikale wirkenden Spurenelement Mangan. Weitere Mikronährstoffe reinigen den Verdauungstrakt. Das „Journal of Nutrition and Metabolism“ rät zu zwei bis drei Tassen Ananaswürfel pur oder mit Joghurt pro Woche, und die gewünschten Effekte werden bereits eingeleitet.
Kaktuspflanze: Fündig werden Wissenschaftler häufig, wo der Laie sie nicht vermutet. Ein Beispiel vom Mai 2019: Ein Extrakt aus Blättern der Kaktuspflanze Opuntia ficus indica cladodes bindet im Verdauungstrakt 28 Prozent von Fettmolekülen, die sich dort befinden, und befördert sie nach draußen, ohne dass sie absorbiert und ins Blut weitergeleitet werden. Wenn mehr als Viertel des Fettanteils einer Nahrung nicht mitzählt, macht das einen Unterschied. Jedes Gramm Fett würde neun Kalorien in die Energiebilanz einschleusen. Also: Ein Effekt, als hätte die Versuchsperson dieses Fett gar nicht gegessen, und noch ein paar Gesundwirkungen dazu. Günstigere Blutfettwerte, erhöhter HDL-Cholesterinspiegel, verbesserter Blutzuckerspiegel. Jetzt wird erforscht, auf welche Weise Moleküle der Kaktuspflanze im medizinischen Alltag zum Einsatz kommen könnten. Ehe es diese Erkenntnisse in Bezug zum Abnehmen gab, wurden die Moleküle der Kaktuspflanze bloß als anti-oxidativ eingestuft, die unsere Haut vor UV-Strahlen schützen.
Resveratrol, Sirtfood: Und eine weitere hochinteressante Information. Knallhartes Hungern verlängert die Lebensspanne bei einer Reihe von Tieren, und auch Hefezellen expandieren ihre Existenz. In Notzeiten konzentriert sich ein Organismus voll auf das Wesentlichste, und das Wichtigste ist die Reparatur der Erbanlagen, um der nächsten Generation von Zellen auch unter schwierigsten Bedingungen einen besseren Start zu sichern. Das Eliminieren beschädigter Strukturen hilft der Gesamtgesundheit, zu der ein längeres Leben gehört. Zu verdanken sind solche Effekte speziellen Eiweißen im Organismus. Sie werden durch Nahrungsentzug oder durch starke körperliche Anstrengung aktiviert und heißen Sirtuine.
Hungern ist mit Menschen nicht einmal für die Belohnung durch ein längeres Leben zu machen. Wissenschaftler haben jedoch zum Glück erkannt, dass wir sieben Gattungen von Sirtuinen besitzen und dass ihre Effekte nicht nur durch extremes Hungern, sondern auch durch den Mikronährstoff Resveratrol eingeschaltet werden können. Resveratrol kommt in verschiedenen Pflanzen vor, am intensivsten jedoch in bestimmten Traubensorten, die unter widrigen Naturbedingungen existieren müssen. Diese Erkenntnis machte den Mikronährstoff zur Zentralsubstanz der Rotweinmedizin. Als weiterer Schritt wurden die speziellen Sirtuin-Eiweiße in einer kleinen Gruppe von etwa 20 Lebensmitteln ebenfalls entdeckt. Als Sirtfood bilden sie den Kern eines umstrittenen Versprechens, bei einer Gewichtsreduktion zu helfen. Die am häufigsten genannten Beispiele sind: Grünkohl, Petersilie, Buchweizen, rote Zwiebeln, Sellerie, Kapern, Soja, Apfel, Orange, Blaubeeren, Erdbeeren, Walnüsse, Chilli, Kurkuma, wertvolles Olivenöl, Grüner Tee, Kaffee und Rotwein.
Schon zeitweiliges Aussetzen der Nahrungsaufnahme kann die gleichen Reaktionen im Organismus starten.
Buttersäure: Die Zellen der Darmwände ernähren sich vorrangig von der Fettsäure Butyrat, auch Buttersäure genannt. Sie wird genial praktisch direkt im Verdauungs-Trakt von etwa 20 biochemisch vielfältigen Bakterienstämmen erzeugt, vor allem Firmicutes. Nur eine große Artenvielfalt hält das Darm-Mikrobiom stabil und ist besonders wichtig bei Störungen wie eine Antibiotikabehandlung. Pflanzliche Kost erhöht die Präsenz der Butyrat-bildenden Bakterien, während sie bei hohem Fleischverzehr abnimmt. Butyrat programmiert die Abwehrkräfte mit günstigen Effekten auch außerhalb des Darms, beispielsweise in der Leber und im Gehirn. Ein chronischer Mangel erhöht sofort das Risiko von Darminfektionen und langfristig Erkrankungen wie Diabetes, Fettsucht, Herz-Kreislauf-Leiden (Quelle: „Mikrobiom: Butyrat-bildende Darmbakterien identifiziert“. Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, Ärztezeitung, 16. Januar 2018).
Mineralwasser? Vorsicht! Forscher der University of Copenhagen haben im Zusammenhang mit Übergewicht Mineralwasser mit prickelnder Kohlensäure seiner Unschuld beraubt. Sie erzeugt nämlich Appetit. Diese Säure entsteht bei einer Verbindung von Wasser mit dem fossilen Treibhausgas Kohlenstoffdioxid, CO2. Überall, wo dieser Treibgasanteil in der Luft sehr hoch ist, ist auch der durchschnittliche Body Mass-Index erhöht. Möglicherweise ist Kohlensäure im Mineralwasser ebenfalls ein versteckter Dickmacher, weil sie durch das appetitfördernde Hormon Ghrelin den Körper dazu drängt, neue Nahrung aufzunehmen.
Brottrunk, ähnlich dem russischen Kwass, aus dem Reformhaus und Bioladen schafft mit Brotsäurebakterien, Vitaminen, Aminosäuren und Mineralstoffen probiotische, entgiftende, entschlackende und fastende Wirkungen.
Übrigens: Wer die Darstellung von Lebensmitteln digital abruft, läuft Gefahr, dass die Portionsgrößen unterschätzt werden [20].
Triple A Rating für Sekundäres
Pflanzen bestehen aus zwei Arten von Substanzen. Eine Gruppe wird unbedingt für ihr Wachstum, ihre Entwicklung und ihre Vermehrung gebraucht und kommt in jedem Gewächs vor. Deshalb heißen sie primäre Pflanzenstoffe. Zum Beispiel gibt Cellulose den festen Halt und mit Chlorophyll wird Sonnenergie absorbiert. Kohlenhydrate, Eiweiße, Fette und Aminosäuren gehören ebenfalls zu dieser Auswahl.
Zusätzlich existieren zwischen 60.000 und 100.000 Pflanzenstoffe mit sehr unterschiedlichen Aufgaben. Jede einzelne Substanz wird von bestimmten Pflanzen mit speziellen Eigenschaften ausgestattet, davon einige schwerpunktmäßig im Winter in den Wurzeln, andere im Sommer in den Blättern und Blüten. Sie heißen sekundäre Pflanzenstoffe, nicht weil sie zweitrangig sind, sondern weil sie nicht unmittelbar für den Aufbau von Zellen oder die Gewinnung von Energie nötig sind. Gleichzeitig sind sie für jede existierende Pflanze eminent wichtig, und wie wir heute wissen, für uns selbst ganz besonders wertvoll.
In den Pflanzen sind sie verantwortlich für den umfassenden Schutz vor allen Gefahren, vor denen nicht geflüchtet werden kann, vor Nachtfrost, Hitzschlag, Bakterien, Pilzen und Viren. Insekten werden mit duftenden Ölen und leuchtenden Farbstoffen zur Vermehrung angelockt. Fressfeinde werden mit Bitterstoffen und Säuren vertrieben. Mit chemischen Molekülen im Erdreich werden fremde Gewächse auf Distanz gehalten, denn die Schätze des Bodens, Luft und Sonnenlicht sind begrenzt. Und höchste Priorität hat der Schutz der Zellregulation vor bösartigen Ausreißern. Obwohl nicht eine Drüse existiert, die einen Botenstoff abgeben könnte, erkennen wir auch eine Vielzahl von chemischen Eigenschaften wie von unseren Hormonen. Sie informieren, sie steuern, sie treiben an, sie hemmen. Bitterstoffe, Säuren, Süßsäfte, Fette und Alkohole verleihen jeder Pflanze das typische Profil. Je fordernder die Umweltbedingungen, mit desto mehr Wirkstoffen aus ihrer grünen Apotheke muss die Pflanze gegenhalten. Die Mehrzahl ist antioxidativ. Sie hemmen Entzündungen und stärken die Abwehrkräfte.
Vor etwa 10.000 Jahren begriffen die ersten menschlichen Hochkulturen, dass durch den Verzehr bestimmter Pflanzen für uns gewünschte Wirkungen zu erzielen sind.
Phytostoffe besitzen nach Verzehr im menschlichen Körper regulierende Eigenschaften, die einen Organismus wieder in einen gesunden Bereich bringen können. Heute können diese Unterstützungen genauestens erklärt werden. Die wichtigsten betreffen den Stoffwechsel und das kontrollierte Zellwachstum, mit dem auch die Erneuerung von Bindegewebe und Knochen, von Nervenreizleitungen und Blutkörperchen verbunden ist. Eine besondere Rolle spielen pflanzliche Fette und fettähnliche Substanzen, so genannte Lipide. Wir empfinden sie, zum Beispiel in der Avocado oder im Olivenöl, als besonders schmackhaft.
Spezielle Funktionen helfen im menschlichen Körper bei Enzymreaktionen, gegen oxidativen und inflammatorischen Stress und bei der Weiterleitung von elektrischem Strom. Ein Beispiel: Die Verteilung von Kalium und Magnesium ist erforderlich für die Bildung von elektrischen Impulsen in den Sinusknoten, den Schrittmacherzellen des Herzens. Träge ablaufende Reaktionen werden durch Pflanzenstoffe verbessert oder wiederhergestellt. Heute können die Effekte von Mikronährsubstanzen in den Prozessen unseres Körpers genauestens erklärt werden. Sie gehören zu den schönen Seiten der Ernährung.
Studien belegen, dass einzelne Phytosubstanzen die Aktivitäten in etwa einem Dutzend zur Gesunderhaltung gehörender Bereiche unterstützen können. Darunter sind: der Schutz vor toxischen Schäden an der Erbsubstanz der Zellen, die Verstärkung der Abwehrkräfte, die Aufnahme von Hormonen durch eine Zelle, die Verhinderung von Herzerkrankungen, von Osteoporose und Makula-Degeneration im Auge und immer wieder das Gegensteuern bei chronischen Entzündungen und oxidativem Stress. Derartige Impulse verbessern die Fähigkeiten eines durch Krankheit geschwächten Menschen, seine Systeme der Immunabwehr, der Nervenkommunikation und der Drüsen zu stärken und sich störenden Belastungen anzupassen.
Eine hohe Zahl der Menschen lebt mit Störungen des Stoffwechsels. Das sind die komplexen Vorgänge der Umwandlung von Nahrungsmitteln und Sauerstoff, sowie der Erneuerung von Zellen, und zwar grob geschätzte 50 Millionen in jeder Sekunde.
Defizite an sekundären Pflanzenstoffen, Mineralstoffen und Spurenelementen sind weit verbreitet. Eine Ursache ist Armut. Organisch wertvolle Lebensmittel sind teurer. Gedankenlosigkeit und Unwissenheit sind Erklärungen dafür, dass auch Gutsituierte mit Mangelzuständen leben.
Eine Vernachlässigung der Zufuhr von pflanzlichen Mikronährstoffen kann verschiedene Erkrankungen auslösen. Ein dramatisches Beispiel: Für die Entstehung einer ernährungsbedingten nicht-alkoholischen Fettleber, NAFLD, muss vor allem die typische Kost in der westlichen Welt verantwortlich gemacht werden, bestehend aus in Fertigkost hinzugefügtem Zucker, Fructose, Sucrose, aus Getränken mit künstlichem Geschmack, aus gesättigten Fettsäuren schlechter Qualität, aus rotem Fleisch, raffiniertem Mehl und nahrhaften Milchprodukten [10].
Während es empfehlenswert sein kann, sekundäre Pflanzenstoffe in höherer Dosis aufzunehmen, als sie in der Natur vorkommen, ist es gleichzeitig vorteilhaft, sie direkt aus Pflanzen zu beziehen oder aus Tieren, die ihrerseits wertvolle Pflanzenstoffe verzehrt haben, beispielsweise fettreiche Fische oder Rinder auf Weideflächen. Die grüne Apotheke stattet manche Pflanzen mit Hunderten, ja Tausenden sekundären Pflanzenstoffen aus, so dass ihre Wirkungen für uns im Idealfall auf einem Gesamteffekt beruhen.
Hinweis: Verschiedene Blattgemüse und andere Pflanzen entwickeln Antinährstoffe gegen Fressfeinde, darunter die Phytinsäure und Tannine. Im menschlichen Verdauungstrakt wirken sie ebenfalls, indem die Absorption bestimmter Mineralstoffe geblockt wird. Das Spurenelement Silizium ermöglicht deren Aufnahme dennoch.
Das Immunsystem aus neuer Sicht
In unserem Körper werden in jeder Sekunde etwa 50 Millionen neue Zellen gebildet. Dafür wird Baumaterial benötigt werden, und auch Vitalstoffe müssen bereit sein, um alle Funktionen in die gewünschte Richtung zu steuern. Aus einem Großteil der neuen Zellen entstehen Soldaten des Immunsystems. Gleichzeitig müssen ebenso viele Zellen, die untergehen, aufgespalten und entsorgt werden. Diesen riesigen Aufwand, der die Basis einer funktionierender Krankheitsabwehr bildet, schafft der Organismus nur bei einer ständigen Versorgung mit intelligent gewählten Makronährstoffen und Mikronährstoffen. Bei dieser schicksalshaften Aufgabe erhalten Millionen Menschen durch die auf ihre eigenen Vorteile konzentrierte Nahrungsindustrie nicht die geringste Unterstützung.
Die Panik der Coronakrise lenkte den Blick auf die intelligent gewählte Ernährung als Grundlage unserer Gesundheit. Wertvolle Lebensmittel waren unseren Vorfahren stärker vertraut, als sie es uns heute sind. Aus gutem Grund verzehrten die Generationen vor uns einige hundert der in die Tausende gehenden Pflanzenarten. Nicht allein der Geschmack hat sie geleitet, ganz im Sinne des berühmtesten Arztes des Altertums, des Griechen Hippokrates von Kos. Ihm wird die Erkenntnis zugeschrieben: „Was auch immer wir verzehren, hat Wirkungen im Körper und verändert ihn in gewisser Weise, und diese Effekte bestimmen das ganze Leben, egal ob einer gesund ist, krank oder rekonvaleszent.“ Vernünftige Ernährung ist die bewährteste Gesundheitsvorsorge. Am besten ist es, selbst zu kochen mit Lebensmitteln vom Wochenmarkt.
Wissenschaft und Medizin haben aus der COVID-19-Krise viel gelernt über die unterschiedlichen Stufen der Immunantworten unseres Abwehrsystems … und warum nicht alle Menschen, die dem Virus ausgesetzt sind, infiziert werden und nicht alle erkrankten schwere Atembeschwerden entwickeln. 30 Mikronährstoffe haben in der Phase der Abwehr eine große Rolle der Stärkung und im Falle einer Erkrankung bei den Rettungsmaßnahmen eines angegriffenen Organismus.
In aller Regel wird höchstens auf 18 Mikronährstoffe verwiesen, sobald über die Notwendigkeit der Versorgung mit Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelemente, Enzymen, Fettsäuren und Aminosäuren aufgeklärt wird.Allerdings geschieht dies viel zu selten. Vermutlich jede dritte betroffene Person ist ahnungslos in Bezug auf ihre eklatanten Ernährungsdefizite.
Das sind 18 klassische Immunstoffe:
• Calcium
• Chrom
• Eisen
• Jod
• Magnesium
• Selen
• Zink
• Vitamin A
• Vitamin B1 mit der wissenschaftlichen Bezeichnung Thiamin
• Vitamin B2 mit der wissenschaftlichen Bezeichnung Riboflavin
• Vitamin B6 mit der wissenschaftlichen Bezeichnung
• Vitamin B12 mit der wissenschaftlichen Bezeichnung
• Vitamin C
• Vitamin D
• Vitamin E
• Vitamin B9 mit dem Eigennamen Folsäure
• Vitamin H, bekannt als Biotin
• Vitamin B5, dessen Bezeichnung Pantothensäure mit der griechischen Silbe pan in seinem Namen für ganz, umfassend.
Seit zwei Jahrzehnten belegen Studien von vor allem Befürwortern der Anti-Aging-Medizin, dass sechs weitere Mikronährstoffe völlig unverzichtbar sind, wenn ein Organismus fit bleiben soll. Es sind
• Betain
• Cholin
• Glutathion
• Kalium
• Kupfer
• und die Hauptsubstanz der Rotweinmedizin Resveratrol.
Aktuell im Krisenjahr 2020 meldeten sich engagierte Präventivmediziner in ihrem Bestreben, den Eintritt von schweren Erkrankungen gerade während der Bedrohung durch ein Coronavirus möglichst zu vermeiden, mit weiteren Empfehlungen. Hier sind sie: • Spermidin • Silizium • Melatonin • Maca.
Eine Sonderrolle nimmt das Vitamin D ein. Es ist wie alle anderen eine verzehrbare Substanz, entsteht aber unter freiem Himmel jedoch auch in der Haut. Das rückt es in die Nähe unserer Hormone. Jede Quarantänephase in den eigenen vier Wänden erhöht jedoch die Wahrscheinlichkeit eines Mangels. Unabhängig von seiner Quelle ist es ein besonders potenter Mitstreiter im Immunsystem. Wissenschaftliche Studien aus den letzten zehn Jahren unterstreichen sehr zahlreiche Wirkungen zur Krankheitsabwehr. Diese Substanz verstärkt die uns angeborenen Immunkräfte und hemmt andrerseits Überreaktionen unserer individuell erlernten Abwehrreaktionen. Das ist eine eminent wichtige Schutzleistung. Sobald eine Körperpolizei eigene Organe attackiert, sind leider schwerere Folgen als sie von der ursprünglichen Erkrankung zu befürchten.
Das sind die bedeutendsten Quellen:
Algen, Ananas, Apfel, Artischocke, Austern, Avocado, Banane, Bärlauch, Beeren, Rote Bete, Bier, Bierhefe, Birne, Blumenkohl, Bohnen, Brennnesseln, Brokkoli, Butter aus Weidemilch, Champignons, Chilli, Chinakohl, dunkle Schokolade, Eier, Erbsen, getrocknete Feigen, Fenchel, rotes Fleisch, fermentierte Speisen Kimchi, Sauerkraut, Joghurt, Tempeh, die meisten Früchte, Geflügel, Gelée Royal, Gemüse, Grapefruit, Grünkohl, Hartkäse, Hefe, Heilbutt, Ingwer, Joghurt, Kabeljau, Kakaopulver, Kalbfleisch, Kalbsleber, kalt gepresste Pflanzenöle mit ungesättigten Fettsäuren, Karotte, Kartoffeln, Kirschen, Kiwi, Knoblauch, Kohl, Kümmel, Kürbiskerne, Leber, Lebertran, Leinsamen, Linsen, Löwenzahn, Mais, Makrelen, Mandeln, Mangold, Milch, Miso, Meerrettich, Mohnsamen, Molke, Naturreis, Nieren, Nüsse, Orangen, Paprika, Petersilie, Pflaumen, Pilze, Quinoa, Rettich, Rinderleber, Rosinen, rotes Fleisch, Sanddorn, Sardinen, Sauerkraut, Schwarzwurzeln, Sellerie, Senfkörner, Shrimps, Sojabohne, Sojabohnen, Sonnenblumenkerne, Spargel, Spinat, Sprossen, Tofu, Tomate, Trauben, Trockenfrüchte, Vollkorngetreide, Wasserkresse, Wassermelone, Wildlachs und Zitrusfrüchte.
Auch in Kaffee, Tee, Rotwein und Bier. Maca und Kurkumin kommen in eigenen Pflanzen vor. Wenige Substanzen werden von günstigen Darmbakterien produziert.
Alle hier genannten Substanzen müssen dem Organismus entweder mit der Nahrung zugeführt werden, oder unser Essen muss jene Substanzen erhalten, aus denen im Körper Vitamine, Aminosäuren, Enzyme mit gewünschten biochemischen Wirkungen im Körper und Hormone gebildet werden können. Das gelingt nur unter günstigen Bedingungen, für die wiederum andere Mikronährstoffe die Voraussetzung sein können.
Auf die Krankheitsabwehr trifft der Begriff Teamplay stärker zu als auf eine Fußballmannschaft. Substanzen interagieren.
Mikronährstoffe interagieren und beeinflussen sich untereinander. Sie verstärken die Effekte anderer Stoffe und machen sie vielleicht überhaupt erst möglich. Das ist die vorrangige Rolle der essenziellen Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Oder sie haben einen eher bremsenden Effekt, weshalb Chronobiologen es für richtig halten können, bestimmte Stoffe etwa acht Stunden voneinander zu distanzieren. Fällt eine Funktionsgruppe aus, sind die anderen oder Teile davon nicht unberührt.
Silizium – Giftmagnet, Darmretter, Heilwunder
Dass die Nahrungsindustrie sich verpflichtet fühlt, Verbraucherinnen und Verbraucher verlässlich mit den 13 unverzichtbaren Vitaminen und allen notwendigen sekundären Pflanzenstoffen zu versorgen, das kann niemand ernsthaft glauben. Noch kritischer steht es um die Zufuhr von etwa 20 Mineralstoffen und Spurenelementen. Sie sind genauso essenziell, lebensnotwendig. Wieviel Magnesium, Zink, Eisen, Selen oder Jod in den von uns verzehrten Nahrungsmitteln wirklich stecken, ist bestenfalls Glückssache, schlimmstenfalls eine gesundheitliche Zeitbombe. Jede zu geringe Dosis verursacht vergleichbare Mangelzustände wie fehlendes Vitamin C, E oder D.
Das Grundwissen ist beschränkt. Die Schilddrüse ist abhängig von Jod. Blut braucht Eisen. Magnesium zündet Nervenimpulse. Immer sind es Kettenreaktionen, die unterbleiben, sobald ein Kettenglied nicht mitzieht. Dass die mit Abstand wichtigste Substanz eine ganz andere ist, könnte heute jedoch nicht einmal die Mehrheit der Ärztinnen und Ärzte bestätigen: Silizium. Zu Zeiten des Chemieprofessors und Mikrobiologen Louis Pasteur galt dieses chemische Element als Heilwunder. Der Siegeszug der Apparatemedizin und die Abwertung des persönlichen Kontaktes zwischen Arzt und Patient hatte generell die Geringschätzung der Naturmedizin zur Folge. Erst die Anti-Aging-Medizin des 21. Jahrhunderts warnt zunehmend vor der Bagatellisierung von Substanzen, nur weil sie aus der grünen Apotheke stammen. Das Virus SARS-CoV-2 leitete womöglich ein Umdenken ein. Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Standort Kiel, versorgte 650 Infizierte von April 2020 an täglich mit Silizium-Kapseln und beobachtete 30 Tage lang die Entwicklung der Erkrankung im Vergleich zu einer Kontrollgruppe ohne spezielle Nahrungsergänzung mit diesem Mineral.
Silizium ist halb chemisches Element, halb Metall mit außergewöhnlicher elektromagnetischer Leitfähigkeit. Auf dieser Eigenschaft basiert der Erfolg von Silicon – englisch für Silizium - Valley. Silizium tauscht aus. Es zieht Schadstoffe, Umweltgifte, hormonähnliche Moleküle aus einer Zelle ab und füllt die Lücken mit Magnesium, Zink, Kalium und weiteren Mineralstoffen auf. Damit hat dieses Spurenelement gerade im Körper von Übergewichtigen sehr viel zu tun.
Neben seinen elektrischen Fähigkeiten bringt Silizium dabei seine einzigartige Struktur aus verzweigten Röhren und Hohlräumen ein. Seine Oberfläche findet sich im Inneren hundertfach wieder. Da Gifte oder chemische Substanzen an Oberflächen anhaften, kann ein einziges Siliziummolekül außen und auch im Inneren sehr große Mengen Schadstoffe binden. Es ist verblüffend. Während Silizium im Kieselstein, lateinisch silex, in der Kieselerde, lateinisch silicia, in Granit und im Bergkristall für Härte sorgt, schenkt es der Tonerde eine poröse Beschaffenheit durch seine unverwechselbare Struktur.
Im Alter sinkt der Siliziumbestand im Körper. Hautrunzeln durch Spannungsverlust gehen darauf zurück. Das gleiche Defizit schwächt die Leistung innerer Organe, der Immunkräfte und des Verdauungstraktes.
Die klassische Medizin missachtet diese Bedeutung weitgehend. Dabei hat die amerikanische Ernährungswissenschaftlerin Professor Dr. Edith Muriel Carlisle an der University of California, Los Angeles, in den 1970er und 1980er Jahren in zahlreichen Studien gezeigt, dass Silizium für uns Menschen ein essenzielles Element ist. Seitdem haben zwei Dutzend überwiegend europäische Wissenschaftler ebenfalls mit Silizium geforscht. Ihrer Meinung nach ist dieses elektrisch leitfähige Spurenelement der Taktgeber für die biologischen Prozesse in unserem Körper. Demnach sind menschliche Zellen mit Magnetsensoren ausgestattet, über die als Grundlage jeder Gesundheit eine Art Zellgeflüster stattfindet. Nur durch diese Kommunikation ist der Schutz des Gehirns, der Nervensysteme, des Verdauungstraktes, der Leber, Nieren und des Bindegewebes – Basis unserer Krankheitsabwehr – vor Krankheitserregern, vor Giften, vor hormonell wirkenden Weichmachern und vor inflammatorischem und oxidativem Stress möglich.
Silizium ist Treibstoff und Arbeitstier in diesen Aufgaben: Stoffwechsel, Zellerneuerung, Elastizität des Bindegewebes und der Blutgefäße, Steuerung der Immunkräfte und Hemmung der altersbedinten Veränderungen. Eine immense Wirksamkeit geht vom großen Potenzial des Siliziums aus, giftige, virale und bakterielle Schadstoffe zu binden, zu neutralisieren und auszuscheiden. Gehirngewebe werden von Schwermetallen wie Aluminium und anderen Schadstoffen befreit – aktiver Schutz vor Demenz!
Nur wenige Lebensmittel - Hafer, Hirse, Mais – enthalten nennenswerte Spuren von Silizium aus dem Grundwasser und Erdreich. Unser Organismus kann auch unter günstigsten Bedingungen von dieser winzigen Menge nur einen Bruchteil absorbieren. Abhilfe schafft seit einigen Jahren die Mikronisierung von Siliziummolekülen aus reinem Quarzkristall. Durch das Mahlen und Zerreiben in einer Schlagkreuzmühle entstehen Nanopartikel von feinstverteiltem, bioaktiven amorphen Silizium leicht wie Luft, so dass es die Darmwände passieren und den Blutstrom erreichen darf. Die typischen Gittereigenschaften für die großzügige Aufnahme von Schadstoffen bleiben erhalten. Zur praktischen Anwendung wird Silizium mit den wichtigsten Partnermineralstoffen kombiniert.
Ein Riesenproblem: Was Menschen nicht essen
In den zurückliegenden Jahrzehnten wurde Übergewicht zum Gegenstand heftiger verbitterter Diskussionen weltweit in zwei Drittel aller Nationen. Zunehmend wurde kritisch nur bewertet, WIE VIEL Menschen essen und erst viel zu spät WAS. Gleichzeitig vermehrte sich das Wissen um besonders gesunde Nahrungsmittelgruppen und um einzelne Nährstoffe, die von unseren Tellern verdrängt worden sind. In aller Welt wächst jetzt die gleiche Einsicht. Bauchspeck ist auch eine Folge dessen, WAS Menschen NICHT essen.
Aus den Universitäten vieler Länder belegen Studien immer wieder das Gleiche: Weil die eine oder andere Nahrungsgruppe an Wertschätzung verloren hat oder weil uns diese oder jene Pflanzenstoffe chronisch fehlten verzehren wir umso mehr das Falsche! Dicksein ist nur eine Konsequenz. Fast alle nicht-übertragbaren Krankheiten starten im Darm.
Eine ganze Reihe von Vitaminen, Aminosäuren, Mineralstoffen und Enzymen kann den menschlichen Organismus bei der Kontrolle seines Gewichts unterstützen. Dafür müssen wir jedoch regelmäßig hochwertige, ganz bestimmte Lebensmittel verzehren. Wir wissen aber auch: Die viel gerühmte Mittelmeerdiät funktioniert nur für Reiche und Gebildete.
97 Prozent aller Befragten kaufen im Supermarkt, was ihnen schmeckt. Kein anderes Kriterium berücksichtigen sie auch nur annähernd ähnlich stark. Zehn Fehlentscheidungen bei der Wahl unserer Nahrung stehen in enger Verbindung mit Todesursachen wegen des Herz-Kreislauf-Systems und des Stoffwechsels. Die Rede ist von schwerem Übergewicht, Diabetes, Schlaganfall und Herzerkrankung. Durch sie droht, was die Wissenschaft als kardiometabolische Sterblichkeit bezeichnet. Und das sind nach einer Einschätzung durch Forscher an der Tufts Friedman School of Nutrition Science and Policy in Boston, U.S.A., in dieser Reihenfolge die größten Ernährungssünden:
• zu viel Salz,
• zu viel Süßungsmittel,
• zu viele ultraprozessierte Nahrung,
• zu wenig Nüsse, Samen und Körner,
• zu viel industriell zubereitetes Fleisch,
• zu wenig Omega3-Fettsäuren,
• zu wenig Gemüse,
• zu wenig Obst,
• zu viel Süßgetränke,
• zu wenig Ballaststoffe [3].
Einige Fakten zur Ernährungssünde Nummer 1: Salz wird in vielen Nahrungsmitteln zusätzlich zum verführerischen Geschmackseffekt üppig als Konservierungsmittelstoff eingesetzt, in Milchbrötchen, Toastbrot, Panini, Ketchup, Wurst und Brühwürfeln. Eine einzige Portion industriell hergestelltes Fertiggericht enthält in aller Regel schon mehr als die Hälfte des empfohlenen Tagesbedarfs an Salz. Keine Überraschung ist, dass viele Mitmenschen drei Mal so viel zu sich nehmen, wie für sie günstig wäre. Im „Journal of Clinical Hypertension“ forderten Mediziner am 30. September 2019 für Salzspender in Gaststätten Warnaufkleber im Stil der Anti-Rauch-Kampagnen auf Zigarettenpackungen: „Übermäßiger Salzkonsum kann Bluthochdruck verursachen und fördert Magenkrebs. Verbrauch einschränken.“ [4]. Hinweis: Salzmangel ist ebenso ein Risiko.
Objektive Anleitungen zum richtigen Essen sind Mangelware. Die wirksamsten Botschaften werden von der Nahrungsindustrie gesendet. Meistens sind sie verhängnisvoll. Zum Beispiel Hinweise auf Schnäppchen im Supermarkt. Ein Großteil der so genannten energiedichten Schokoladen, Chips, Süßigkeiten und herzhaften Snacks mit reichlich Zucker, Salz und Fett ist abwechselnd im Sonderangebot zu haben. Das hat Folgen. Die emsigsten Schnäppchenjäger – die sich also vom Handel am erfolgreichsten verführen lassen - kaufen umgekehrt im Monat vier Kilogramm Obst und Gemüse weniger als der Kundendurchschnitt. Das wissen die Branchenprofis und das wollen sie so.
Viele Konsumenten verlassen sich darauf, dass die Regierung ungesundes Essen aussortiert. In Wirklichkeit ist das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft wichtigster Partner von Big Food und nicht Schutzmacht der Verbraucher. Zur Erinnerung: Ende November 2017 hat der Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft Christian Schmidt angeblich ohne Abstimmung mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel in Brüssel für die weitere Zulassung des Unkrautgiftes Glyphosat gestimmt. Wissenschaftler warnten vor einem tödlichen Krebsrisiko. Pestizide hebeln das gesunde Verhältnis der beiden größten Gattungen von Darmbakterien aus, mit verheerenden Folgen.
Das ist der Kern des Problems: Keine 70 Jahre nach der Geschäftsidee „Speedee Service System“ der Brüder Richard und Maurice McDonalds bieten Supermärkte überwiegend hochprozessierte, gebrauchsfertige Lebensmittel, Tiefkühlmenüs, Süßwaren an. Was wir heute zu uns nehmen, sind kaum mehr natürliche Lebensmittel. Überwiegend verzehren wir von der Nahrungsindustrie mit Tausenden chemischen Zusatzstoffen erzeugte Substanzen. Mit Exzitotoxinen, den gesetzlich zugelassenen Zerstörern von Nervenzellen. Mit hinzugefügtem Zucker selbst dort, wo niemand ihn vermutet oder vermissen würde. Speziell für die Industrie entwickelte Süßstoffe wie der High Fructose Corn Syrup, HFCS, starten offensichtlich eine Kaskade von Erkrankungen, darunter schweres Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes und Leberschäden.
Kritische Erkenntnisse bleiben wirkungslos. Ein aus den Cochenilleschildläusen gewonnenes Rot ist mit der Kennzeichnung E 120 als Lebensmittelfarbstoff zugelassen und kommt in Fleischprodukten, Wurst, Geflügelwaren, bei Marinaden, Backwaren, Gebäck, Desserts, Glasuren, Tortenfüllungen, Marmeladen, Konserven, Surimi, Getränken, Fruchtsäften, Sorten von Cheddar-Käse und anderen Milchprodukten, Soßen und Süßigkeiten zum Einsatz. Es kann beim Einatmen Asthma verursachen. Fleisch für Hack kann mit Ammoniakgas behandelt sein. Eine Scheibe Käse kann an die 300 Milligramm Salz enthalten. Von Sulfiten in jeder Kombination kann ebenfalls eine Asthmareaktion ausgehen, während sich MSG, Mononatriumglutamat, vielleicht durch ein Brennen im Nacken meldet. Mit Lachgas, Distickstoffoxid, wird geschlagene Sahne luftiger. Der als bedenklich und gefährlich eingestufte gelbe-orange Farbstoff Tartrazin aus Steinkohleteer war schon 1991 verboten, ist im Zuge der EU-Angleichung wieder erlaubt, und obwohl Kindern Hyperaktivität droht, wird diese Substanz mit der Kennnummer E102 in Pudding, Senf und Käserinde verwendet.
Niemand kann alle Belastungen im Blick haben. Nur der Gesetzgeber könnte wirksam helfen, doch er bewegt sich nicht. Allein bei der Herstellung von einer einfachen Alltagsnahrung wie Brot dürfen Hunderte Enzyme mit chemischen Wirkungen zum Einsatz kommen. Sie bestimmen Eigenschaften wie die Größe der Luftblasen oder den Grad der Bräunung. Manche Brote sind Süßwaren. Auf ihren Etiketten stehen hintereinander Invertzuckersirup, Karamellsirup.
Welche Effekte sie in unserem Körper haben, wo in jeder Millisekunde in jeder einzelnen Zelle Abertausende eigene chemische Prozesse laufen, wurde nie geprüft. Auch sie müssen nicht einmal deklariert und über sie muss nicht informiert werden.
Die Nahrungsproduzenten lassen sich nicht in die Karten schauen. Was hinter dem Rücken ahnungsloser Konsumenten wahrscheinlich mit unserem Essen geschieht, lässt aber ein Beispiel aus der Textilbranche erahnen. Sie hat keine Geheimnisse. Raten Sie einmal, wie viele Chemikalien bei der einfachen Umwandlung von Fasern der Baumwollpflanze in gebrauchsfertige Fäden eingesetzt werden. 50? 200? Nein, 7.000 Substanzen! Und bei raffiniert-komplexen Nahrungsmitteln sollen es weniger sein?
Im Februar 2019 warnte die „American Medical Association“ in ihrem Journal „JAMA“: Hochprozessierte Fertiggerichte erhöhen die Sterblichkeit aus allen Gründen um 14 Prozent, ebenso Fettleibigkeit und Krebs. Es geht um legales Essen in jedem Supermarkt. Und die Politik in Deutschland? Sie räumt der Wirtschaft eine Schonfrist bis 2025 ein, freiwillig Salz, Zucker und Fette zu reduzieren.
Nahrungsproduzenten und Medikamentenhersteller kassieren doppelt, während Millionen Menschen immer dicker werden. Auch mit Nahrungsmitteln für Menschen unter Abnehmdruck lassen sich Milliardenumsätze erzielen. Ebenso mit Medikamenten. Je mehr Diskriminierung, umso mehr Profit. Gleich dahinter kommen die Medieninhaber und Buchautoren.Die Gewinner werden keinen Millimeter weichen.
Dicke sind auch Gefangene der Evolution. Unser Körper ist Jäger und Sammler. Wir verfügen über eine unbegrenzte Speichervorrichtung für Treibstoff. Für die Aufnahme von Energieüberschuss kann sich jede einzelne Fettzelle um mehr als das Hundertfache ihrer Größe ausdehnen. Gleichzeitig fehlt, was jedes moderne Auto hat: eine Füllstandsanzeige für den Energievorrat und eine aktuelle Verbrauchsmessung.
Mit fünf biologischen Prozessen wehrt sich der Organismus, einmal gespeichertes Fett abzugeben. Beispielsweise wird der Ruheenergiebedarf für Atmung, Blutkreislauf und Wärmeregulierung verringert. Umso mehr verzehrte Kalorien verbleiben unverwendet und können im Fettgewebe gespeichert werden [5]. Auch ein Hungergefühl wirkt gewichtsfördernd, weil es für Nachschub sorgt.
Unser Organismus mag Fett
Wir sehen eine paradoxe Situation. Unser Körper mag Fett, kein Zweifel. Unsere Fettzellen dürfen sich bis zum Platzen füllen. Und unsere Fettgewebe dürfen sich ausdehnen bis zum Geht-nicht-mehr. Dem steht eine dem Bauchspeck sehr kritisch eingestellte Gesellschaft gegenüber. Körperfett wird seit 50 Jahren verteufelt. Fettleibige werden als Mitmenschen gesehen, die ihr Dicksein selbst herbeiführen, ohne Gegenwehr zulassen und schicksalshaft hinnehmen.
Diese Einstellung ist ein Produkt aus Missverständnis, Lüge und Unkenntnis. Die Mehrzahl der Menschen glaubt zum Beispiel tatsächlich, die Nahrungsfette auf dem Kuchenteller, auf der Scheibe Brot oder im Schweinebraten sind identisch mit dem Inhalt unserer Fettzellen.
Das ist ein Trugschluss. Körperfett ist stets ein bewusst im Organismus verarbeiteter Überschuss, der unabhängig von der Nahrungsquelle, aus der er stammt, stets in Form von Fett gespeichert wird. Es ist jene Reserve, die unser auf Vermeidung von Verschwendung getrimmter Organismus aus unverbrauchten Kalorien selbst herstellt. Egal ob eine Portion Pizza zu viel, ein Glas Bier über dem Bedarf oder ein harmloser überflüssiger Apfel zu einem Zeitpunkt, in dem der Körper weitere Energien nicht braucht … was am Ende des Tages übrig bleibt, wird umformatiert und in den Fettgeweben und in der Leber in Form von Fettmolekülen aufbewahrt.
Ja, wir erzeugen ein bisschen Fett ebenfalls aus verzehrtem Fett. Aber wir erzeugen sehr viel mehr Fett aus Nicht-Fett. Wer sich das nicht vorstellen kann, muss sich nur fragen, wie ein Mastschwein zu seiner Fettschicht kommt. Bestimmt nicht, weil es mit Fett gefüttert wird. Oder wie gewinnt eine Avocado ihren Ölgehalt? Eine Olive? Pflanzen ziehen ihre Fettsubstanzen nicht durch die Wurzeln aus dem Erdreich. Auch sie produzieren ihr Öl maßgeschneidert selbst. Alle legen auch Speicher an. Der krautige Raps beispielsweise sammelt es in den Samenkörnern.
Übergewicht ist das Gesundheitsproblem Nummer 1. Ernährungsberater berichten von Kunden, die den ganzen Tag hungern und abends über den Kühlschrank herfallen. Oder sich nur 1.000 Kalorien gönnen, fünf Mal in der Woche im Fitnessstudio rackern und von ihrem Umfeld dennoch als willensschwach abgestempelt werden.
Kluge Menschen haben über die Rolle von Dicksein im Schicksal von Frauen nachgedacht. Das Ratgeberbuch „Fett ist ein Anliegen von Feministinnen“ (Fat Is A Feminist Issue) der britischen Psychoanalytikerin Susie Orbach lenkte 1978 das Interesse auf sehr komplexe Thesen. Eine lautet: Zwanghaftes Essen ist ein Werkzeug der Frau zur Vermeidung, sich als attraktive Frau zu vermarkten. Eine Frau, die sich schlank hungern würde, so wie sie von den männlichen Kollegen gesehen werden möchte, erlebte womöglich mehr freche Schlüpfrigkeit. Deshalb lässt sie es intuitiv sein. Andere wollen sich durch Übergewicht vielleicht desexualiseren. Sie weichen der Konkurrenz mit anderen Frauen aus.
Je mehr Rechte Frauen sich erkämpften, umso kritischer wurde der Blick auf den weiblichen Körper. Die Ungleichheit der Geschlechter führt zur hohen Zahl auf der Waage. „Fett drückt die Rebellion gegen die Wehrlosigkeit einer Frau aus“, urteilte die Autorin Susie Orbach 40 Jahre vor der #metoo-Bewegung. Vier von zehn Dicken, weibliche wie männliche, erleben im Alltag Ablehnung in krasser Form – der größte Wert unter allen Minderheiten. Das ist ein Ergebnis aus den U.S.A.
Bei uns ist das Stigma der Korpulenz noch größer. 71 Prozent der Erwachsenen finden Fettleibige sogar unästhetisch. Schon bei Mitmenschen, die ganz einfach nur dick sind, denken 38 Prozent ebenfalls so (Quelle: DAK-Gesundheit). Die große deutsche Krankenkasse DAK drängt mit Plakaten ihre 5,9 Millionen Mitglieder zur Vernunft: „Der Shaming-Quatsch macht krank“.
Beim Phänomen Body Shaming werden Menschen wegen ihres Aussehens beschämt. Fat Shaming richtet sich gegen die sichtbaren Fettpartien. Fettscham hat viele Gesichter. Eines beschrieb „BILD“ am 6. Juni 2020 so: „Hotel lässt keine dicken Gäste rein“. Es ging um die umstrittene Entscheidung eines Beachhotels in Cuxhaven, Niedersachsen. „Aus Haftungsgründen weisen wir darauf hin, dass das Interieur für Menschen mit einem Körpergewicht von mehr als 130 kg nicht geeignet ist.“ Designermöbel wichtiger als Menschen mit einem schweren Körper.
Eine Diskriminierung wegen des Gewichts beschädigt das Selbstbild vom eigenen Körper, verringert das Wohlgefühl und erhöht das Risiko für Depression. Auch ein gestörtes Essverhalten und ein Rückzug in die eigene Welt sind typisch. Eine Kettenreaktion. Dass die veröffentlichte Meinung Fettleibigkeit verunglimpft und verurteilt, wird sozial akzeptiert. Aber auch Institutionen des Gesundheitswesens, die Politik, Ärztinnen und Ärzte verstärken die Stigmatisierung. Laut diversen Umfragen halten ebenso 20 bis 50 Prozent Angehörige der Heilberufe stark Übergewichtige ohne Ansehen der Person für faul, gefräßig und willensschwach.
Jedem Übergewicht liegt eine Stoffwechselstörung zu Grunde. Die Gesellschaft ist alarmiert. Vermutlich bereits neun Millionen Deutsche sind im Jahr 2020 wegen Zuckerkrankheit in Behandlung – es gibt immer noch nicht ein bundesweites Register. Bei ihnen wurde die Störung zum Leiden. Die Dunkelziffer noch Ahnungsloser und Unbehandelter ist groß. Die Kosten sind kaum noch finanzierbar. Herz-Kreislauf-Leiden fordern jedes Jahr mehr Opfer als jede andere Todesursache. Sogar Krebs entsteht, weil Menschen nicht nur zu viel, sondern auch das Falsche essen.
Das alles geschieht vor einem Hintergrund, der uns alarmieren müsste. Das passiert aber nicht. Seit den 1960er Jahren wird die Ernährungswissenschaft von zwei gegensätzlichen Auffassungen dominiert. Auf der einen Seite glauben die Fachleute zu wissen, wie man sich gesund ernährt und ein vernünftiges Gewicht behält. Auf der anderen Seite zeigen die immens ansteigenden Zahlen zu Übergewicht und zu Diabetes, zu nicht-alkoholischer Fettleber und weiteren Stoffwechselerkrankungen, dass unser Denken gravierende Fehler enthält.
Von 1980 bis heute hat sich die Zahl der Übergewichtigen in 73 Ländern verdoppelt. In 113 weiteren ist sie angestiegen. Keine einzige Regierung kann bisher dieses Problem lösen. Aus 13 Prozent Bevölkerungsanteil korpulenter Menschen wurden innerhalb von drei Generationen 40 Prozent. Statt einem von 100 Menschen mit Zuckerkrankheit sind es heute nahezu zehn.
So viel ist klar: Abermillionen Menschen wurden 50 Jahre lang falsche Botschaften vermittelt. Von der Zuckerindustrie. Von den Medien. Von der Politik. Auch von der Wissenschaft. Immer wieder: Der Konsum von Fett macht fett und herzkrank. Vermeidet Fett, esst fettarm.
Sogar die Politik ließ sich instrumentalisieren. Heute wissen wir: Die Ernährungspyramide der 1990er Jahre wurde von Lobbyisten der Getreidefarmer mitentworfen. Die Angaben waren wie in Stein gemeißelt. Nein zu Butter und fettem Fleisch. Ja zu Brot und Backwaren und damit unausgesprochen ja zu Süßigkeiten. Optisch sah es so aus: An der Spitze Fette, Öle … möglichst sehr wenig. Direkt darunter Milch, Käse, Eier … möglichst wenig. Ganz unten Brot, Nudeln, Reis, Kekse … erlaubt. Inzwischen wird die Pyramide durch einen Kreis ersetzt. Aber sie steckt heute noch in unseren Köpfen. Die Nahrungsindustrie kassierte vom ersten Augenblick mit angepassten Produkten ab. Margarine. Magerquark. Low Fat-Wurst. Fruchtjoghurt. Marmelade. Fruchtsäfte. Backwaren. Und vor allem jede Menge Süßes als Ersatz für ein saftiges Stück Fleisch.
Pharmakonzerne steuerten Medikamente gegen Blutfette und Appetitzügler bei. Welche langfristigen Folgen diese Eingriffe haben, ist übrigens noch nicht abzusehen. Der Körper lässt sich nicht ohne Gegenwehr bei Blutdruck, bei Cholesterin und Triglyceriden oder beim Speichern von Stoffwechselüberschuss dazwischenfunken.
Mehr als die Hälfte unserer Energie wird aus industriell hergestellten Nahrungsmitteln mit einem hohen Anteil an speziell verarbeiteten Kohlenhydraten bezogen. Gerade diese denaturierten Kohlenhydrate sind der kritischste Faktor in der Entwicklung der chronischen Volkskrankheiten. Diabetes, Metabolisches Syndrom, Bluthochdruck, Fettleibigkeit, Herzkrankheiten, Gefäßerkrankung, Schlaganfall. Womöglich auch Krebs.
Fettgewebe werden stillgelegt
Unsere Billionen Körperzellen brauchen Kohlenhydrate aus dem Blut zur Herstellung ihrer eigenen Energie. Alle werden als Zucker oder Glukose bezeichnet, Mehl zum Beispiel, auch Stärke und Cellulose, obwohl der Großteil ohne Süßgeschmack ist. Das Wort Zucker wurde aus der altindischen Bezeichnung für Grieß, Geröll, Kies abgeleitet.
Zur Unterstützung dieses Prozesses mobilisiert der Organismus das Hormon Insulin. Dieser Botenstoff aus der Bauchspeicheldrüse erleichtert Kohlenhydraten den Übergang in die Zellen … und übermittelt gleichzeitig den Fettgeweben eine logische Botschaft. Und zwar: Es wird aktuell im Blut genügend Energie angeboten, weshalb eure gespeicherten Reserven im Augenblick nicht gebraucht werden. Kohlenhydrate und Insulin stoppen jeden Abbau von als Fett gespeicherter Energiereserve in den Fettgeweben! Der Betrieb unserer Prozesse durch Umwandlung von Speicherfett wäre auch wesentlich aufwändiger. Die Information des Botenstoffs Insulin an die Fettgewebe, ihr Fett zu behalten, wäre ganz unproblematisch, würde sie nicht andauernd erfolgen. Bis zu 21 Stunden am Tag. Die Fettgewebe als Energiespender kommen nicht mehr vor.
Denn im Körper von vielen Millionen Menschen sind die Verhältnisse im Stoffwechsel grundsätzlich gestört. Sie nehmen wiederholt Nahrung auf, so dass sie inklusive Verweildauer von früh am Morgen bis weit nach Mitternacht das System beschäftigt. Immer ist Insulin dabei. Das verursacht eine Reihe von Problemen. Die Bereitschaft der Körperzellen, auf die Empfehlung dieses Hormons zu reagieren und Nahrung zu verarbeiten, erlahmt. Man spricht von abnehmender Insulinsensibilität. Am Ende wird sie zur Insulinresistenz. Zum Widerstand der Körperzellen gegen die Aufnahme der angebotenen Nahrungsmoleküle aus dem Blut. So verbleibt noch mehr unverbrauchte Nahrung im Blut. Sie wird vom System als Überschuss eingestuft, während einzelne Zellen in Wahrheit unter diesen Verhältnissen sogar hungern. Der Spiegel dieser Zuckermoleküle im Blut bleibt hoch. Am Ende werden sie aufwändig in Fettmoleküle umgewandelt und weggespeichert.
Das hat dramatische Konsequenzen, prinzipiell auch schon für schlanke Menschen, jedoch schwerwiegender in einem schweren Körper. Zum Beispiel: Organe oder Körperbereiche gehen bei der Nahrungsversorgung leer aus. Am Ende sterben sie ab, während Fettzellen sich ausdehnen. Man spricht vom diabetischen Fuß, dem als lebenserhaltende Maßnahme die Amputation droht, und vom Verlust des Sehvermögens, weil die Netzhaut degeneriert. Viele Zusammenhänge wurden erst allmählich durchschaut.
Beginnen wir mit Diabetes. Die Zuckerkrankheit mit hohem Blutzuckerspiegel wurde lange Zeit als Krankheit mit geringer Bedeutung eingestuft. In den letzten vier Jahrzehnten ist die Zunahme an Patientinnen und Patienten mit dieser Diagnose explodiert. Heute wird sie als eine Hauptbedrohung der Gesundheit in aller Welt eingeschätzt. Ursachen sind zu viel Kohlenhydrate und die verminderte Wirkung des Hormons Insulin, die Insulinresistenz, sowie als Kompensation die abnorm höher werdende Freisetzung dieses Botenstoffes aus der Bauchspeicheldrüse. Dadurch wird der Insulinspiegel im Blut dramatisch erhöht. Insulin hat Signalwirkung auf weitere Hormone. Dieser Einfluss kippt ins Negative, wenn zu viel Insulin den Ton angibt. Auch der Blutdruck steigt.
Je höher der Insulinspiegel, desto schwächer werden im Gehirn die Botschaften des Sattsein-Hormons Leptin empfangen. Gerade die Verarbeitung von Industriefructose ist nicht mit einem Gefühl der Sättigung verknüpft. Das Gehirn hat wie bei Beginn des Essens weiterhin den Wissensstand, dass die Nahrungsaufnahme noch nicht gereicht hat – während in Wahrheit die Fettgewebe noch von der letzten Mahlzeit prall gefüllt sind. Es ist der Beginn einer Kettenreaktion an Fehlern. Die Aktivitäten der Systeme für Energieaufnahme und Energiespeicherung spiegeln nicht die tatsächlichen Verhältnisse wider. Sie bleiben hochaktiv. Jeder weitere Bissen sendet kontinuierlich an die grauen und weißen Zellen Belohnungssignale, die den Appetit wachhalten. Mehr Kohlenhydrate, mehr Industriefructose erzeugen mehr Insulinresistenz … ein Kreislauf von Verzehr und Krankheit: zu hoher Insulinspiegel, gestörter Fettstoffwechsel, Gefäßschädigungen, Fettleibigkeit.
Gleichzeitig nimmt die Wahrscheinlichkeit einer starken Nierenbelastung zu. Es werden mehr Eiweiße ausgeschieden, die jedoch im Blut dringend für den Transport von Hormonen, Vitamin D, Fettsäuren, Enzymen, Magnesium, Calcium, Kupfer und Medikamentenstoffen gebraucht werden. Über diese Kettenreaktion – mehr Insulin, mehr Fette, mehr Zucker, höherer Eiweißverlust – steigen dauerhaft die Risiken der Entstehung von Arteriosklerose, sowie Diabetes. Das setzt die Insulinresistenz als Bedrohung auf eine Stufe mit Bluthochdruck, Blutfetten und Blutzucker bei Schädigungen der Blutgefäße. Insulin ist nicht die Ursache, aber mitentscheidend bei krankhaften Veränderungen der Gefäßwände, bei ihrer Verhärtung, Verdickung und beim Elastizitätsverlust, einem Zustand, der als Arterienverkalkung und Arteriosklerose bezeichnet wird.
Es gäbe Auswege. Die Situation ist sehr bekömmlicher, wenn Zuckermoleküle aus verzehrten Kohlenhydraten nur langsam das Blut erreichen. Dann hat die Bauchspeicheldrüse ausreichend Zeit, Insulin viel langsamer und kontinuierlicher zu produzieren. Das ist gegeben, wenn die Verdauungsorgane mit komplexen Kohlenhydraten aus langen Ketten beschäftigt werden. Also besser mit einem vollen Getreidekorn und nicht mit Mehl. Dann müssen die festen Verbindungen erst gelöst werden. Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe belegen gleichzeitig eigene Zeitkapazitäten in der Verdauung.
Weißbrot und andere Produkte aus raffiniert gemahlenem Mehl erinnern nicht mehr daran, dass sie in Wirklichkeit aus Vollwertkörnern mit zahlreichen wertvollen Mikronährstoffen und Randschichten stammen. Die Verdauung von Weißmehl muss sich nicht erst mit dem Aufspalten von Nährstoffketten abgeben, und der darin enthaltene Zucker erreicht überfallsartig das Blut.
Die Mahnung, weniger Kohlenhydrate zu sich zu nehmen, macht heute vielen ein schlechtes Gewissen, weil ihnen wichtige Informationen fehlen. Es gibt kaum ein von der Natur produziertes Lebensmittel ohne Kohlenhydrate. Sie bilden eine der drei Makronährstoffgruppen neben Fetten und Eiweißen. Auch das steht fest: Vollwertige Nahrung ist immer überaus gesund, auch wenn sie diesen für uns wichtigsten Energielieferanten Kohlenhydrate enthält. Für die Versorgung der Gehirnzellen ist Zucker, ist Glukose fast nicht zu ersetzen.
Nicht gesund sind Kohlenhydrate, die raffiniert, verarbeitet, leer sind. Sie begegnen uns außer im Weißmehl in Süßigkeiten, im Industriezucker. Der hohe Verzehr dieser denaturierten Nahrung ist mit einem deutlich erhöhten Erkrankungsrisiko verbunden. Aus raffinierten Getreiden wurden beispielsweise sämtliche Ballaststoffe und Mikronährstoffe entfernt. Ausgemahlenes Weißmehl aus Weizen ist inzwischen in sehr vielen industriell gefertigten Nahrungsprodukten versteckt. Gerade dieses Getreide darf nicht gedankenlos und in Unmengen gegessen werden.
Raffination in der Nahrungsindustrie bedeutet im Wesentlichen Trennung von Rohstoffen. Bei Zucker, dessen Ausgangssubstanz braun aus der Zuckerrübe oder dem Zuckerrohr gewonnen wird, steht dieser Begriff für das Entfärben durch Auflösen, Filtrieren, Auskristallisieren und Zentrifugieren. Am Ende liegt weißer Kristallzucker vor und es ist nicht mehr nachweisbar, aus welcher Quelle er stammt. Welchen unmittelbaren Effekt ein einzeln verzehrtes Nahrungsmittel auf den Blutzuckeranstieg hat, spiegelt der glykämische Index wider. Je höher der Wert, desto mehr Zucker im Blut muss verarbeitet werden. Und umso größer die Wahrscheinlichkeit, dass nicht genutzte Nahrung in den Fettgeweben landet.
Gerade die Gesundheitsbewussten und Gebildeten wichen seit den 1960er und 1970er Jahren den Nahrungsfetten aus. Ihre Alternativen waren fettarm, Kohlenhydrate, häufig süß. Jahre später waren viele dick. Diese Gängelung der Menschen erfolgte ohne einen wasserdichten Beweis. Experten testeten ihre Vermutungen nur an Versuchstieren, die noch dazu völlig ungeeignet waren.
Aber nicht die Nutznießer dieser Praktiken werden heute gemobbt, beschimpft, an den Pranger gestellt. Sondern die Opfer. Diskriminierung ist ein größeres Gesundheitsrisiko als das Übergewicht selbst.
Verlorene Jahre
Übergewicht im Kindesalter erreicht in der Welt epidemische Ausmaße. Dennoch werden Kinder erst ab sechs bis sieben Jahren statistisch erforscht. Dann sind 19,3 Prozent übergewichtig oder schon sehr dick.
Jugendliche Fettleibigkeit kann die Lebenserwartung verringern. Die Kontrolle und Beeinflussung des Körpergewichts in den ersten Lebensjahren und womöglich schon während der Schwangerschaft müsste deshalb höchste Priorität haben. Das ist aber nicht der Fall. Aus Kindern mit zu viel Pfunden werden Erwachsene mit noch mehr Pfunden zu viel.
Eine Forschergruppe unter Führung von Ärzten an der Universität Castilla-La Mancha, Cuenca, Spanien, blickte jetzt erstmals seit zehn Jahren auf Kinder im frühesten Vorschulalter und deckte alarmierende Umstände auf. Sie können schon sehr, sehr früh ein junges Menschenleben auf Fettleibigkeit programmieren [22]. Ausgewertet wurden Daten von mehr als 67.000 Kindern zwischen zwei und sieben Jahren aus 27 europäischen Nationen im Zeitraum von 2006 bis 2016. Die Ergebnisse: Im Durchschnitt waren 5,3 Prozent übergewichtig, jedoch die wenigsten in Estland mit 8,3 Prozent, in Frankreich und den Niederlanden. Am höchsten war das Auftreten des kindlichen Übergewichts in Italien mit 32,4 Prozent sowie in Griechenland, in Portugal, gefolgt von Großbritannien und Irland. Mädchen waren in den meisten Ländern in höherer Zahl betroffen, was zum Teil mit ihrer hormonellen Grundausstattung und mit äußeren Faktoren erklärt werden kann, die sie nach Meinung der Wissenschaftler eher zu Übergewicht vorherbestimmen.
Das große Auftreten von frühem Übergewicht in bestimmten Ländern wird mit dem Übergang von gesunder traditioneller Ernährung in den letzten beiden Jahrzehnten zu einer mehr westlichen Diät erklärt, die heute vor allem aus Eiweiß tierischer Herkunft, Fetten und gesüßten Nahrungsmitteln besteht und weniger Mikronährstoffe und Ballaststoffe enthält. Wo mehr Milch und Milchprodukte verzehrt werden, sind Kinder weniger dick.
Calcium, die früheste Anti-Fett-Substanz
In der Wissenschaft herrscht weitgehende Übereinstimmung darin, dass einzelne Mikronährstoffe im menschlichen Stoffwechsel eine große Rolle spielen. Nicht zuletzt in Bezug auf das Gewicht sind im positiven Sinne Calcium und Vitamin D zu allererst zu nennen [16]. Für alle Erwachsenen mit einem zu schweren Körper kommt leider der Hinweis zu spät, worauf in ihrer Jugend besonders hätte geachtet werden müssen … am besten schon ihre Eltern. Die verblüffende Antwort ist für Jungen jedoch sehr eindeutig und für Mädchen zumindest ebenso richtungsweisend: Die Aufnahme von Calcium in der Kindheit steht in umgekehrtem Verhältnis zur Ausdehnung von Fettgeweben generell und von Bauchfett speziell.
99 Prozent dieses chemischen Elements in unserem Körper sind in den Knochen und Zähnen eingelagert. Dass dieser Stoff irgendetwas mit der Verhinderung von Fettleibigkeit zu tun haben soll, ist für Nichtbiologen schlicht unbegreiflich. Aber es gibt keinen Zweifel. Die Wahrscheinlichkeit, zum Drittel mit dem höchsten Körperfettanteil zu gehören, war in verschiedenen Studien für jene Teilnehmer mit dem geringsten Verzehr von Milchprodukten, Nüssen, Kohlgemüse, Sonnenblumenkernen, getrockneten Feigen oder Broccoli um das Dreifache bis Vierfache größer. Ihnen fehlte schlicht Calcium. Oder Silizium als Unterstützer der Absorption dieses chemischen Elementes.
Auch für Erwachsene und da besonders für Frauen nach der Menopause wird der günstige Calciumeffekt auf das Körpergewicht bestätigt. Das chemische Element Calcium erleichtert und verstärkt das Abnehmen in dieser Altersgruppe jedenfalls in Kombination mit einer verringerten Kalorienaufnahme und mit körperlicher Aktivität. Während das etwas enttäuschend klingt, muss daran erinnert werden, dass der Organismus einer übergewichtigen Person dazu tendiert, auch auf reduziertes Essen nicht zu reagieren. Hier hilft Calcium, die Lethargie aufzubrechen.
Ein Artikel in der Fachzeitschrift „Nutrition, Metabolism & Cardiovascular Diseases“ machte am 23. September 2018 alles klar. Wissenschaftler blickten auf 16.229 Kinder zwischen zwei und neun Jahren aus Belgien, Zypern, Estland, Deutschland, Ungarn, Italien, Spanien und Schweden. Ihre Zahl wurde im Laufe der Jahre zwischen 2007 und 2014 um 2.555 erweitert. Alle Untersuchungen belegten das Gleiche. Eine geringe Calciumaufnahme war mit höheren Messwerten für Körperfett verbunden.
Auch Ärzte in einer Kinderklinik in Tartu, Estland, überprüften diese Resultate mit 123 gesunden Jungen zwischen 13 und 15 Jahren und veröffentlichten im Sommer 2019 ihre eigenen Studien. Die in der Vergangenheit täglich verzehrte Calciummenge schwankte an einzelnen Tagen extrem von 123 bis 2.460 Milligramm. Ein Hinweis: Ein Glas Milch liefert etwa 240 Milligramm, unabhängig vom Fettgehalt.
Nur 18 Jugendliche erreichten fast die empfohlene Mindestversorgung von 1.100 Milligramm Calcium. Genau diese Teenager hatten die geringste Fettanhäufung, weitgehend unabhängig von ihrer Kalorienaufnahme.
Calcium ist eindeutig ein Mikronährstoff mit der ausgeprägten Fähigkeit, natürlich auch nach der Kindheit beim Gewichtsmanagement zu helfen. Calcium wird innerhalb von Fettzellen gespeichert und bestimmt mit, wie mit Fett umgegangen wird. Als Faustregel gilt: Je mehr Calcium, desto mehr Fett wird in Energie umgesetzt. Calcium unterstützt gemeinsam mit Vitamin D und Phosphor die Stoffwechselfunktionen der Schilddrüse. Es ist ein vitaler Partner unserer Nervensysteme, die dem Gehirn ständig Informationen zu Sättigung und Hunger liefern.
Hier noch einmal sehr empfehlenswerte Calciumquellen: Milchprodukte, Nüsse, Sonnenblumenkerne, Sesamsamen, Broccoli, Feigen, Kohl und grüne Blattgemüse.
Die University of Tennessee in Knoxville hat das unter dem Wissenschaftler Dr. Michael Zemel bekräftigt. In Versuchen mit übergewichtigen Mäusen erwies sich Calcium als Schlankmacher trotz fettem Futter.
Auch Vitamin D hat Anti-Fett-Kräfte
Bei den 123 Jungen aus Estland wurde auch Vitamin D gemessen. Nur insgesamt 19 Jungen erreichten annähernd wenigstens durchschnittliches Calcium und Vitamin D und wiesen in der Regel nur 18 Prozent Fettgewebe auf, während die 104 sehr schlecht Versorgten an die 24 Prozent des Gewichts als Fett mit sich schleppten. Verblüffend war: Jene mit weniger Fett hatten in der Vergangenheit deutlich mehr gegessen, etwa 2.300 Kalorien, und jene mit viel Fett bloß rund 1.700!
Dieses Paradoxon kann erklärt werden. Wer eine Diät startet, erspart dem Organismus keineswegs Arbeit, sondern verlangt einen gewaltigen Kraftakt. Durch gesteigerten Stoffwechsel sollen die Reserven in den Fettgeweben und in der Leber aufgebraucht werden. Dafür benötigt der Körper verschiedene Vitamine und Mineralstoffe. Eine Substanz ragt jedoch als unverzichtbar heraus: das Sonnenvitamin D. Es unterstützt den Abbau von Fettgewebe. Studien belegen eine starke Übereinstimmung von prall ausgedehntem Bauchfett und niedrigen Spiegel Vitamin D im Blut. Die Insulinsensibilität war reduziert. Erhöhte Vitaminzufuhr verstärkte Wirkungen einer kalorienreduzierten Ernährung. Mehr Vitamin D ging mit einer Erhöhung des Sexualhormons Testosteron einher. Auch das verbessert die Fettverteilung und die Bildung von Muskelmasse.
Im Gehirn fördert es die Entstehung des Botenstoffs Serotonin, der auch als Glückshormon bezeichnet wird. Serotonin drosselt den Appetit und erhöht das Gefühl von Sättigung. Die natürlichste Quelle von Vitamin D ist seine Produktion im eigenen Körper durch Sonnenlicht in Maßen. Es gibt jedoch auch eine Reihe von Nahrungsmitteln reich an Vitamin D. Dazu zählen in Freiheit gefangener Wildlachs, Eigelb, Joghurt, Thunfisch, verschiedene Pilze und Lebertran.
In einer Erwachsenenstudie mit übergewichtigen Frauen produzierte die Verabreichung des Duos Calcium und Vitamin D innerhalb von 15 Wochen ein sensationelles Minus von fünf Kilogramm, das entsprach einem Abbau von 32.000 Kalorien im Vergleich zu einer Kontrollgruppe mit der gleichen Ernährung, aber nur mit Plazebopillen ohne Effekte, also ohne die beiden Mikronährstoffe. Sobald es um die Aufnahme von Calcium geht, wird ausschließlich der Weg über ausgewogene Nahrung empfohlen, denn eine Nahrungsergänzung mit Calciumtabletten kann die Entstehung von Nierensteinen und weiteren Problemen fördern.
Die beiden Mikronährstoffe kooperieren sehr gut, denn das Sonnenvitamin D dirigiert zum Beispiel Calcium in die Knochen und nicht in Gefäßwände, was Arteriosklerose bedeuten könnte.
Ganz wichtig: Geringe Werte für Calcium sind bei jedem Körpergewicht bedenklich, da Calcium neben der Bedeutung für die Gesundheit der Knochen auch für Muskeln und für die Funktion der Botenstoffe innerhalb der Nervensysteme eminent wichtig ist. Es spielt auch beim Blutdruck eine günstige Rolle, wovon in späteren Jahren das Herz profitiert.
Die Kinderärzte in der Hauptstadt von Estland, Tallin, wurden sehr präzise. Mehr Calcium steigert die Fettverwertung in den Fettzellen und hemmt sie logischerweise gleichzeitig, neues Fett zu speichern. Schon im Verdauungstrakt verstärkt dieses chemische Element die Weiterbeförderung von Fettmolekülen aus dem Dünndarm in den Dickdarm und ihre Ausscheidung, noch ehe sie zur Gänze absorbiert und verarbeitet werden können. Zweifelsfrei war bewiesen: Je mehr von diesem chemischen Element verzehrt wurde, umso weniger Übergewicht entstand in aller Regel [23].
Vitaminmangel ist mit Übergewicht verknüpft
Wir sollten, falls noch nicht geschehen, auch im Erwachsenenalter einer Versorgung mit dem Vitamin D allerhöchste Priorität einräumen. Diese Empfehlung basiert auf vielen Erkenntnissen. Eine der für uns interessantesten wurde bereits 2009 als Ergebnis einer Studie „Vitamin D und Gewichtsabnahme“ der University of Minnesota, Minneapolis und Saint Paul, U.S.A., publiziert: Der Vitamin D-Spiegel im Blut von Übergewichtigen ist ein Voraussagewert darüber, ob sie überhaupt Fett abbauen können und wie erfolgreich sie dabei sein werden [24].
Auch das war dadurch bestätigt. Schon das Hinzufügen von Vitamin D verbessert die Erfolgsaussichten einer Abmagerungskur! Vitamin D wird als eines der klassischen Vitamine geführt, agiert aber in Wahrheit wie ein Chefhormon, das andere Hormone verstärkt und freisetzt, und es kann im Körper selbst produziert werden, durch Sonnenlicht.
Diverse Nahrungsmittel tierischer Herkunft enthalten Vitamin D, sind jedoch häufig auch sehr kalorienreich: Wildlachs, Thunfisch, Schinken und Schweinekotelett, Ei, Sojamilch sowie mit diesem Vitamin angereicherte Milch, Joghurt, Sojamilch, Mandelmilch und Orangensaft.
Ein Vitamin D-Defizit wird auch mit Parkinson, mit der Entstehung von Diabetes, mit erhöhter Sturzgefahr, mit Schlafstörungen, mit Depression und Ängsten verbunden. Sobald ein möglicher Zusammenhang zwischen diesem speziellen Vitaminmangel und Übergewicht aufgefallen war, meldeten Wissenschaftler aus aller Welt weitere Beobachtungen dazu. Bei einer Untersuchung an mehr als 4.600 Frauen älter als 65 Jahre über einen Zeitraum von viereinhalb Jahren wurde auf der Basis der angegebenen Ernährungsinformationen herausgerechnet, dass jene mit einem niedrigeren Vitamin D-Spiegel im Blut um zwei Kilo mehr zunahmen als der Durchschnitt. Unter Anwärtern auf bariatrische Chirurgie chirurgische Eingriffe zur Verringerung des Körpergewichts hatten ebenfalls sehr viele einen zu niedrigen Vitamin D-Spiegel. Auf Medscape fasste die Absolventin der Louisiana State University, Dr. Erin LeBlanc für „Exact Science“ zusammen: „80 Prozent der Frauen in unseren Studien hatten weniger als 30 Nanogramm Vitamin D pro Milliliter Blut. Wir glauben, es könnte mitwirken, ob Fettzellen schrumpfen oder sich vergrößern.“ Festzuhalten ist: Vitamin D dringt in Fettmoleküle ein, ebenso wie die Vitamine A, E und K, und dafür ist eine Mindestmenge notwendig.
In allen Epochen der menschlichen Geschichte wurde Vitamin D aus den UVB-Strahlen des Sonnenlichts auf nackter Haut absorbiert und natürlich zum Teil mit der Nahrung aufgenommen, wie erwähnt in Fisch, Schweinefleisch, Sojamilch und anderen Nahrungsmitteln. Fachleute empfehlen zwischen 200 und 1.200 internationale Einheiten, IU, Vitamin D3, im Extremfall 70 IU pro Kilo Körpergewicht. Ein einzelnes Ei enthält etwa 41 IU.
Die Anreicherung von Weißmehl mit Vitamin D würde nach Berechnungen der University of Birmingham in den kommenden 90 Jahren in England und Wales zehn Millionen Fälle von Vitaminmangel in Bezug auf diesen Vitalstoff vermeiden. Die Kosten pro Person und Jahr würden weniger als 15 Cent betragen. Doch es geschieht nicht [25].
Es geht nicht nur um Gewicht. Ein ausgeprägter Vitaminmangel könnte mit 16 verschiedenen Krebserkrankungen, mit schwerer Immunschwäche, mit rheumatischer Arthritis, mit multipler Sklerose zusammenhängen. Vor allem drohen chronische Erkrankungen durch die ausgeprägte Immunschwäche.
Wer darauf wartet, dass die Pharmaindustrie zu mehr Vitamin D rät, wäre naiv. Wer das Gleiche von der Gesundheitspolitik oder den Krankenkassen fordert, ist gutgläubig.
Dauerkampf gegen Krankheit von außen
Alle Lebewesen verfügen über Schutzsysteme. Ergänzend zum ab der ersten Lebensminute arbeitenden Schutzprogramm entwickelt sich ein lernendes System mit der Fähigkeit, speziell in den Flüssigkeiten der Blutgefäße und Lymphbahnen durch Kampfzellen, Fresszellen und Merkzellen eingedrungene Pathogene zu attackieren und zu vernichten. Beide Abwehrorganisationen kämpfen gemeinsam. Ihre Zellen zirkulieren in den Flüssigkeiten und wechseln in Gewebe über, nehmen Erreger entweder selbst auf, starten Entzündungen oder steuern weitere Helfer hinzu. Sogar Knochenmarkszellen werden aktiviert, um in befallenen Geweben Bakterien aufzuspüren und zu zersetzen.
Ursächliches Ziel ist es, Gewebe vor Schädigungen zu schützen. Das drückt sich in der Bezeichnung Immunsystem aus, lateinisch immunis, rein, unberührt, frei. Das komplexe Netzwerk der Krankheitsabwehr sieht sich ständig Einflüssen der belebten Umwelt ausgesetzt. Nahrung kann eine große Zahl Mikroorganismen der Kategorien Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten einerseits und Schadstoffe andrerseits einschleusen. Wichtigste Soldaten sind fast ein Dutzend Gruppen von Eiweißen mit Sonderfunktionen, vor allem so genannte Antikörper. Das funktionierende Immunsystem identifiziert Bedrohungen und entfernt die verursachenden Faktoren.
Auch außerhalb des Verdauungstraktes ist das Erkennen bedrohlicher Veränderungen Bestandteil der Krankheitsabwehr. In erster Linie geht es um fehlerhaft gewordene körpereigene Zellen. Wenn sie ihre gesunden Funktionen verlieren, sterben sie ab oder müssen durch die Abwehrsysteme beseitigt werden.
Mechanische und biochemische Barrieren können das Eindringen von Krankheitserregern verhindern. Werkzeuge sind die Haut, bindende Schleimhäute, tränende Augen, der Harntrakt, die Mundhöhle durch Speichel mit Enzymen und die bakterientötende Magensäure.
Schicksalshaft ist das Potenzial, zwischen eigenen und fremden Strukturen unterscheiden zu können. Die Zusammensetzung der Darmbakterien hat wesentlichen Einfluss auf die Intelligenz des lernenden Abwehrsystems.
Da auch Pflanzen ein funktionelles Abwehrsystem gegen Erkrankungen und Schädlinge entwickeln, kann uns intelligent gewählte pflanzliche Nahrung mit natürlichen Abwehrstoffen ausstatten. Wirkungsvolle Substanzen werden direkt in den Verdauungstrakt platziert, wo sie außerdem bestimmte Arten körpereigener Mikroorganismen entweder unterstützen oder hemmen. Auf diese Weise kann die pflanzliche Wirkung doppelt effektiv sein.
Toleranz ist ein wichtiges Merkmal eines funktionierenden Immunsystems – denn es besteht die immense Gefahr, dass Abwehrzellen körpereigenes Gewebe attackieren. Verschiedene Faktoren erhöhen oder erniedrigen die Funktionsfähigkeit der Krankheitsabwehr. Auch die Psyche mischt mit. Dauerstress reduziert die Durchschlagskraft des Immunsystems.
Günstige Fettsäuren gegen falsches Fett
Schließlich muss auf die lebensrettenden Eigenschaften von Fettsäuren der Kategorie Omega3 hingewiesen werden. Sie stoppen gefährliche Entzündungsprozesse. Ihr Mangel wird als das ursächlichste Ernährungsproblem in der westlichen Welt angesehen. Unser Körper kann Fettsäuren nicht erzeugen. Wir müssen sie zuführen. Drei Arten Omega3-Fettsäuren sind von größter Bedeutung: aus pflanzlichen Quellen, beispielsweise in Nüssen, essbaren Samenkörnern, Algenöl, Leinsamen und Hanföl; aus Fischen die so genannten Fischöle, Eier von biologisch gefütterten Hühnern, sowie Milchprodukte und Fleisch von Weidetieren.
In hochprozessierten Nahrungsmitteln sind Omega3-Fettsäuren Mangelware. Vermutlich sind die Entstehung und das Voranschreiten aller Zivilisationskrankheiten im Wesentlichen auf ein Omega3-Defizit zurückzuführen. Denn sie alle beginnen als chronisch verlaufende entzündliche Prozesse bei zu geringer Gegenwehr des Körpers mit Omega3-Fettsäuren.
Weltweit sind Kapseln mit dem so genannten Fischöl die erfolgreichsten Nahrungsergänzungsmittel überhaupt. Das lässt sich mit den positiven Wirkungen, mit denen sie verbunden werden, rechtfertigen, und mit den Krankheitsrisiken, die mit ihrer Einnahme vielleicht reduziert werden. Hochwertige Omega3-Fettsäuren verhindern stille, schmerzlose Entzündungen. Vor allem in den Wandschichten der großen Blutgefäße und in den Zellen der Nervenbahnen und der Gehirngewebe. Omega3-Fettsäuren sind nicht nur entzündungshemmend, sondern die effektivsten Antioxidanzien. Ganz wesentlich für die Gesunderhaltung der Gefäße ist nämlich auch eine Versorgung mit jenen Nährstoffen, die freien Sauerstoffradikale im Blutstrom rasch den Schrecken nehmen und sie neutralisieren, bevor sie ein Oxidieren der Blutfette bewirken können.
Ihr Fehlen in der Mehrzahl der modernen Nahrungsmittel setzt Verbraucherinnen und Verbraucher einer doppelten Gefährdung aus.
Das Bewusstwerden ihrer Bedeutung ist erst nach den 1980er Jahren stark gewachsen. Ihre Sonderstellung beruht auf ihrer Position als Gegenspieler zu gefährlichen verzehrbaren anderen Fetten, die unserem Körper entzündungsfördernde Substanzen liefern. 2004 hat die amerikanische Lebensmittelbehörde konkret zwei Gruppen von Omega3-Fettsäuren, EPA und DHA, den Status „qualifizierte Gesundheitswirkung“ zuerkannt.
Omega3-Fettsäuren sind gehirngängig und verbessern zahlreiche mentale Fähigkeiten. Aus einer einzelnen Omega3-Fettsäuregruppe besteht etwa ein Viertel unserer Gehirnzellen. Von Störungen der mentalen Gesundheit sind direkt und indirekt alle weiteren Belange eines Organismus ebenfalls berührt. Auch die Einstellung zur Nahrung und der Umgang damit. Depression ist ein Begleiter im Schicksal von Übergewichtigen. Ebenso Diabetes. Alles könnte seinen Ursprung in einem Mangel an Omega3-Fettsäuren haben.
Pflanzen drücken das Gewicht
Langzeitbeobachtungen belegen, dass bei einem hohen Body Mass-Index der Verzehr pflanzlicher Eiweiße von Obst, Früchten, Gemüse, Kräutern und naturbelassenen Gewürzen unter dem Durchschnitt liegt. Auf der Basis solcher Erkenntnisse entwickelte sich eine moderne Unterstützung der grundsätzlich angestrebten Veränderungen bei Übergewicht durch eine Mikronährstofftherapie. Eine klug gewählte Mischung versorgt alle Zellen gleichmäßig mit den zu erzielenden Vorteilen durch Vitamin D & Co. Am besten in Absprache mit einer Ärztin oder einem Arzt, die sich unter diesem Aspekt über Vitamine, Aminosäuren, Enzyme und Spurenelemente weitergebildet haben. Die Bagatellisierung von Mikronährstoffen wäre ein Gesundheitsrisiko. Aber bereits eine mangelhafte Verdauung und ein problematischer Fettstoffwechsel können Ursachen von Schwierigkeiten sein, sich mit genügend pflanzlichen Sekundärstoffen, Mineralstoffen und Spurenelementen aus der Nahrung zu versorgen. Sie sind es, die jene Hormone freisetzen helfen, die unseren Stoffwechsel dirigieren, auch über die Empfindungen Hunger und Sättigung.
Eine Ernährung hauptsächlich auf pflanzlicher Basis kann wesentlich zu einem Gewichtsverlust beitragen. Unabhängig von den Kalorien. Zu dieser Aussage veröffentlichte die Fachzeitschrift „Journal of the Academy of Nutrition and Dietetics“ am 23. Januar 2015 die Auswertung der Effekte von 15 verschiedenen Diäten, vegan, vegetarisch, Rohkost und flexitarisch. Im Durchschnitt verloren die Untersuchten innerhalb von vier Wochen fünf Kilo, unabhängig von besonderen Fitnessprogrammen oder einer Einschränkung beim Essen. Die meisten Untersuchten waren älter, schwer übergewichtig, und sobald sie die Diät mit dem festen Willen verbanden, abzuspecken, waren sie auch besonders erfolgreich.
Während Früchte und Gemüse grundsätzlich wertvolle Effekte auslösen, ragen einige pflanzliche Vertreter heraus:
• Spinat, mit nur sechs Kalorien pro Tasse, bei immens hoher Versorgung mit Eisen, Magnesium, Silizium, Kalium und Vitaminen;
• Blumenkohl mit immunstärkenden und krebsbekämpfenden Mikronährstoffen;
• Spargel mit nur vier Kalorien pro Stange, aber reich an Mikronährstoffen;
• Broccoli und Rosenkohl mit nur 2,6 Gramm Eiweiß je 100 Gramm, und dennoch sättigend;
• Karotten, Knoblauch und Zwiebel sind ebenfalls bis unter die Haut prall mit gesunden Substanzen gefüllt;
• die noch etwas vernachlässigten Algen verdienen mit ihrem Reichtum an Vitaminen und Jod mehr Beachtung;
• bunte Paprika und grüne Bohnen enthalten weniger Kalorien als andere Feldfrüchte und sind dennoch ausgesprochen gesund.
Keimlinge sind unter der Bezeichnung Microgreens das neue Superfood, denn sie enthalten vier bis 40 Mal mehr Vitamine und Spurenelemente als die ausgewachsenen Abkömmlinge aus dem Königsreich der Natur.
Ein Medical Team von mehr als 100 amerikanischen Ärztinnen und Ärzten empfahl am 9. April 2020 Abnehminteressierten mehr Bohnen. Die Vorzüge: Ballaststoffe, gesundes Eiweiß, Ausgangsstoffe für unsere Hormone, sowie Eisen. Magnesium, Kalium, Zink und Folsäure.
Noch etwas. Die von uns verzehrte Pflanzenmenge hat offensichtlich direkten Einfluss auf die Lebenserwartung. Das ergab eine Studie des Japan Public Health Center vom 19. August 2019 mit 70.696 Erwachsenen. In einem Zeitraum von fast 20 Jahren verstarben 12.381 Teilnehmer. Ein höherer Anteil an pflanzlicher Kost war mit niedrigeren Todesraten verbunden. Die Ursache blieb unklar: War es die Abnahme von Fleischeiweiß oder die Zunahme von Pflanzeneiweiß? Oder beides?
Körpersysteme auf Sparflamme
Die Allgemeinheit glaubt heute noch an ein einfaches Rezept gegen Korpulenz: Es braucht nur ein Kaloriendefizit, um Gewicht zu reduzieren, und anschließend eine Beherrschung der künftigen Kalorienmenge. Der Mensch als Sparschwein. Endokrinologen, Spezialisten auf dem Gebiet der inneren Organe und Drüsen, wussten schon lange, dass die Wissenschaft vom Körpergewicht komplex ist und über Kalorienaufnahme und Energieaufwand weit hinausgeht. Aber eine im Jahre 2016 abgeschlossene Studie mit 14 amerikanischen Kandidaten der Abnehmshow „The Biggest Loser“ öffnete ihnen erst richtig die Augen. Von den durchschnittlich verlorenen 58 Kilo kehrten in sechs Jahren 41 zurück.
Das war noch nicht alles. Es gab eine weitere, viel größere Überraschung. Die Testpersonen hatten einen viel schwächeren Stoffwechsel als die meisten Menschen ihrer Größe. Ihre Körpersysteme arbeiteten auf Sparflamme.
Jede unserer Abermilliarden Zellen benötigt eine winzige Menge Energie nur zum Überleben ohne weitere Aktivität, und diese Summe ergibt den Grundumsatz. Das ist der Aufwand für Funktionen wie Kreislauf, Atmung, Stoffwechsel und Temperatur, würden wir einen ganzen Tag in völliger Ruhe verbringen. Zentral ist dabei die Frage, wie viel Kalorien ein Organismus braucht und verbraucht. In verschiedenen Prozessen werden die verfügbaren verzehrten Stoffe zerlegt, absorbiert und entweder in Energie umgewandelt – das hält schlank – oder für später gespeichert – das macht dick. Jeweils eigene Stoffwechselprogramme befassen sich mit Fetten, Kohlenhydraten, Eiweißen und Mikronährstoffen. Auch Vitalstoffe wie Hormone und Enzyme entstehen aus unserem Essen.
Die wissenschaftliche Bezeichnung für Stoffwechsel ist Metabolismus. Es ist das System der Aufnahme, des Transports und der Verarbeitung von Stoffen durch chemische Umwandlung. Während wir Substanzen auch über die Haut – denken Sie an Kosmetika und Medikamente – und die Atmung aufnehmen, ist bei Gewicht Ernährung der dominierende Faktor. Verzehrte Substanzen füttern den Baustoffwechsel, beispielsweise für die Erneuerung von Zellen, und den Energiestoffwechsel für alle Funktionen des Körpers. Der Organismus sorgt rund um die Uhr, auch nachts, für sich selbst und verwendet dabei entweder neue Nährstoffe, Vitamine, Spurenelemente und andere Vitalstoffe oder er greift auf Reserven zurück. Die passenden Entscheidungen werden von Hormonen und den Nervensystemen gefällt, und die Leber ist ihr wichtigstes Instrument.
Als Richtlinie gilt ein Verbrauch von 1.800 Kalorien für die Frau und von 2.000 bis 2.200 Kalorien für den Mann bei moderat aktivem Lebensstil, was zum Beispiel täglich zweieinhalb bis fünf Kilometer Gehen einschließt. Muskeln in Ruhe verbrauchen mehr Energie als Fettgewebe. Muskelaufbau erhöht deshalb langfristig den Grundumsatz. Er steigt auch durch körperliche und geistige Produktivität, bei hohen oder niedrigen Temperaturen und bei großer Anstrengung etwa Schwangerschaft, Stillen oder durch Krankheit. Die Glücklicheren erben einen fleißigen Stoffwechsel, und Männer verbrauchen mehr Energie als Frauen, auch im Ruhezustand. Für die meisten schwächt sich der Grundumsatz ab dem 40. Geburtstag ab.
• Jedes halbe Kilo mehr Muskeln verbrennt sechs Kalorien am Tag;
• Der Stoffwechsel benötigt Wasser und bremst sich ab, wenn wir ihm Wasser entziehen. Acht Glas Wasser am Tag lieferten bessere Ergebnisse als nur vier Glas. Auch die Flüssigkeit in Obst und Gemüse zählt.
• Gewürze schalten den Stoffwechsel einen Gang höher. Tipp: Speisen öfter mit einem Esslöffel Chilli pfeffern.
• Eiweiß fordert den Stoffwechsel. Beste Quellen: mageres Rindfleisch, Geflügel, Tofu, Nüsse, Bohnen, Eier und Milchprodukte.
• Kaffee steigert kurzfristig den Energieumsatz. Grüner Tee und Oolong-Tee versorgen zusätzlich zu Koffein auch mit Catechinen. In Kombination mit leichtem Fitnesstraining wurde der Kalorienverbrauch um 17 Prozent gesteigert. Koffein und Taurin in Energiedrinks regen ebenfalls an. Manche erleben durch sie jedoch Bluthochdruck, Angstzustände, Schlafstörung.
Zusätzlich zum Aufwand für die Basisversorgung ist der Leistungsumsatz oder Arbeitsumsatz erforderlich. Er kann durch mehr Bewegung und mehr Sport nach oben getrieben werden. Dabei ist Verblüffendes nachgewiesen. Für alle Aufwände zusammen verbrauchen Menschen fast unerklärlich unterschiedlich viel Sprit. Schon der Grundumsatz im Ruhezustand variiert erheblich. In weit mehr als 1.000 Untersuchungsreihen wurde im Tagesverbrauch nur zur Energiegewinnung und für den Erhaltungsmetabolismus eine extreme Schwankungsbreite von 800 bis 4.700 Kalorien täglich ermittelt. Wer an überflüssiges Gewicht heran geht, muss durch Grundumsatz und Leistungsumsatz mehr verbrauchen, als er in Form von Nahrung verzehrt. Nach acht bis zehn Tagen negativer Kalorienbilanz passt der Organismus den Grundumsatz und den Leistungsumsatz an den Nährstoffmangel an. Kohlenhydrate, Fett und vor allem in den Muskeln Eiweiße werden abgebaut.
Überschüssige Kohlenhydrate werden überwiegend in den Fettgeweben und in der Leber als Energiereserve gespeichert. Das so genannte Leberglykogen versorgt das Gehirn und die Nervenzellen mit Zucker. In der Regel kann ein Grundumsatz halbiert werden. Ein solcher nennenswerter Hungerstoffwechsel, auch Hungeradaption genannt, leitet jedoch umfassende Veränderungen ein. Alle sind schlecht in Bezug auf eine Gewichtsreduktion. Einmal wird als Ersatz jede Muskelart zur Versorgung herangezogen und verstoffwechselt, also reduziert, auch lebenswichtige wie im Herzen. Auch die Herzfrequenz, der Blutdruck und die Körpertemperatur sinken. Die Abwehrkräfte werden schwächer. Gewichtsabnahme wird etwa zu einem Viertel durch abgebaute Muskeln erzielt. Damit gehen Zellen verloren, die relativ hungrig sind, und der benötigte Grundumsatz nimmt ab.
Auch die Hormonsysteme werden durch Hunger gestört. Frauen merken das besonders deutlich. Weitere Faktoren, die unbewusst den Stoffwechsel mitbestimmen, können ihn ebenfalls verlangsamen, etwa eine Insulinresistenz, eine Unterfunktion der Schilddrüse und eine ganze Reihe von häufig verschriebenen hormonwirksamen Medikamenten wie Steroide bei Herzproblemen, Antidepressiva und die Antibabypille.
Etwa jeder fünfte Deutsche leidet unter einer Stoffwechselerkrankung. Jede beginnt mit einer Störung. Gewisse Prozesse der Aufbereitung, Verarbeitung und Umwandlung von Nahrung sowohl in Energie, als auch in lebenswichtige Substanzen wie Vitamine und Hormone funktionieren nicht so, wie sie sollten. Sie verlangsamen oder sie laufen beschleunigt ab. Diabetes, Fehlfunktionen der Schilddrüse oder Gicht gelten als unheilbar. Die Anti-Aging-Medizin oder Präventionsmedizin jedoch eruiert auch bei ihnen die Voraussetzungen und befasst sich intensiv mit ihnen.
Das häufigste Stoffwechselleiden ist Diabetes mellitus mit Umständen, unter denen der Blutzuckerspiegel nicht mehr reguliert werden kann. Auch Fehlfunktionen der Schilddrüse sind zahlreich. Bei einer Überfunktion setzt sie zu viele von ihr produzierte Hormone frei. Bei einer Unterfunktion werden zu wenige Botenstoffe gebildet, beispielsweise wegen Jodmangel.
Die Prozesse des Stoffwechsels begründen viele der wichtigsten Funktionen im Organismus. Jede einzelne hat Auswirkungen auf unser Wohlbefinden, körperlich und mental. Wie sich Milliarden Zellen ernähren, wie sie sich erneuen und absterben, was die Organe tagsüber und was sie nachts erledigen, wird vom Metabolismus geprägt. Gesteuert werden die einzelnen Maßnahmen durch Hormone, die überwiegend in der Bauchspeicheldrüse, in der Schilddrüse, in der Nebennierenrinde und im Gehirn entstehen. Appetit, Sattheit und das Schlafbedürfnis fallen ebenfalls unter die Aufgaben des Stoffwechsels. Auch und gerade beim Abnehmen darf der Organismus nicht durch unsere einschränkenden Maßnahmen verunsichert werden. Stets sollte durch genügend Energiezufuhr der Grundumsatz zur Gänze gedeckt sein.
Gerade bei einer Abmagerungskur sollten die Frau nicht 1.200 Kalorien und der Mann nicht 1.500 Kalorien unterschreiten. Der Körper würde sich rächen. Als Regel gilt: 500 bis 1.000 Gramm Körpersubstanz pro Woche lässt sich ein Organismus noch auf friedliche Weise abringen. Mehr wohl nicht. Das entspräche 3.500 bis 7.000 Kalorien, die ihm in einem solchen Zeitraum vorenthalten werden.
Stress füttert Fettzellen
Stress, sollte man glauben, erhöht unterm Strich durch Steigerung bestimmter Organleistungen den Verbrauch und fördert eine Gewichtsabnahme … das ist aber nicht der Fall. Zwei Hormone, Adrenalin und Cortisol, versetzen zwar den Organismus in einen Zustand ständiger Alarmbereitschaft mit erhöhter Wachsamkeit. Er schwankt jetzt zwischen Kampf und Flucht. Die Stresshormone verengen Blutgefäße und halten Salz in den Geweben zurück. Die Atmung, der Herzschlag und der Blutdruck werden gesteigert.
Diese Maßnahmen sind kurzfristig sinnvoll, auf lange Sicht jedoch gefährlich. Verstärkte Adaption an Stressbedingungen führt zu erhöhtem Verschleiß. Auf lange Sicht verdicken und verhärten sich beispielsweise die Gefäßwände. Das ergibt eine weitere Notwendigkeit, den Blutdruck zu forcieren. Für Flucht oder Kampf hält der Organismus in seinem Blut einen überdurchschnittlich hohen Spiegel von Zucker bereit. Ein drittes Hormon, Insulin, schließt sich an, um die Zellen bei Bedarf ausreichend mit dieser Power zu versorgen.
Von normalem Stoffwechsel in einem gestressten Körper kann jetzt jedoch keine Rede mehr sein. Bleibt die Entwarnung aus, muss der unverbrauchte Zucker abgezogen werden. Die Evolution hasst Verschwendung. Statt Entsorgung kommt es zur Umwandlung in Fett und zur Speicherung in den Fettgeweben. Stress macht dick. Entspannung macht schlank. In der Regel nehmen Stressereignisse im Laufe des Lebens zu, und ihre negativen Effekte auf das Gewicht ebenso. Es ist schon deshalb schwierig, während des Älterwerdens das Gewicht zu halten. Der unerwünschte Trend setzt überraschend früh ein. Beginnend in den späten Zwanzigerjahren verbrennt der Körper um etwa 150 Kalorien weniger, was durch eine Verschiebung erklärt wird: weniger gierige Muskelzellen, mehr träge Fettzellen. Auch der Stoffwechsel selbst arbeitet langsamer. Das Empfinden für Geschmack und Geruch schwächelt ebenfalls, so dass zum Teil der Appetit verloren geht.
Frauen verbinden die Menopause mit Gewichtszunahme, doch es sind nicht hormonelle Veränderungen, die sich auswirken, es sind die Jahre.
Ausgewählte Nahrungsmittel kurbeln den Stoffwechsel zuverlässig an: jodhaltiges Essen wie Eigelb und Fische, faserreiche Hülsenfrüchte, Ingwer, Nahrung mit geringerem glykämischen Index, beispielsweise Milchprodukte, Broccoli, Sardinen und Lachs, Früchte und Haferflocken, sowie eisgekühltes Wasser.
Das augenscheinlichste Merkmal eines jeden Stoffwechsels, ob langsam oder hochaktiv, ist die Tatsache, dass er sich in letzter Konsequenz zu nichts zwingen lässt. Schon gar nicht durch unseren Willen.
Das augenscheinlichste Merkmal eines langsamen Stoffwechsels ist die Schwierigkeit, so viele Kalorien zu verbrennen, dass schließlich auch die Fettspeicher Federn lassen müssen. Nur so gelingt abnehmen. Das bitterste Zeichen ist die unerklärliche Gewichtszunahme.
Aber auch sie hat logische Ursachen. Viele Reaktionen sind ein Erbe der Evolution. Ihre Prozesse sind tief im Organismus verankert. Sie garantierten in Hungerszeiten das Überleben. Bei fehlender Nahrungszufuhr werden nicht nötige Aktivitäten vernachlässigt. Auch Gehirnleistungen werden nicht ausgespart. Dann kommt der Körper mit weniger aus. Und jedes bisschen Mehr wird für Notzeiten weggespeichert.
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