Читать книгу: «Zeit für Männlichkeit»

Titel der englischen Ausgabe:
Tantric Sex for Man, Destiny Books
Ebook-Ausgabe 2018
Umschlaggestaltung: Silke Bunda Watermeier, www.watermeier.net
Übersetzung: Mohani Marin Cardenas
Sprachstimmen: Matthias Heinrich, Johanna Dorn, Ulrike Remlein
Copyright© der deutschen Ausgabe, Innenwelt Verlag GmbH, Köln
Alle Rechte vorbehalten
Nachdruck und fotomechanische Wiedergabe, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Verlags
www.innenwelt-verlag.de
eISBN 978-3-947508-09-9
Diana & Michael Richardson
Zeit für Männlichkeit
Mehr Kompetenz in Sachen Sex und Liebe
Mutter Erde gewidmet
Inhalt
Danke
Einleitung von Michael Richardson
Anmerkung der Autoren
Osho über Sex
1.Die Bürde des Mannes: Der Druck, etwas zu beweisen und zu leisten
2.Unfreiwillige Ejakulation durch Erregung und Fantasien
3.Die Ejakulation ist nicht der Orgasmus des Mannes
4.Die weibliche Umgebung: gleichwertige und entgegengesetzte Kraft
5.Der Penis: ein potentes elektromagnetisches Instrument
6.Bewusstheit, Bewegung, „Hineingleiten“ und Erektion
7.Verabredungen, Küssen, Vorspiel und Stellungen
8.Sexuelle Heilung und männliche Autorität
9.Wie wir Meister der Liebe werden und Emotionen hinter uns lassen
10. Persönliche Erfahrungen
Buchempfehlungen
„Selbst nach einem ganzen Leben voller sexueller Erfahrungen kommen wir nicht einmal in die Nähe jener höchsten Stufe, jenes göttlichen Zustands.
Warum?
Der Mensch erreicht ein reifes, hohes Alter, nähert sich dem Ende seines Lebens, doch ist er niemals frei von seiner sexuellen Begierde, von seiner Leidenschaft für den Geschlechtsverkehr. Warum?
Es liegt daran, dass er die Kunst des Sex, die Wissenschaft des Sex noch nie verstanden hat, dass man ihm nie etwas darüber gesagt hat. Er hat nie darüber nachgedacht. Er hat nie mit Erleuchteten darüber gesprochen.“
Osho, Sex – Das missverstandene Geschenk
Danke
Wir möchten hier unsere Dankbarkeit und Wertschätzung gegenüber denjenigen zum Ausdruck bringen, die uns geschrieben und ihre persönlichen Erfahrungen mit uns geteilt haben. Wir danken ihnen besonders dafür, dass sie uns erlauben, ihre Worte hier weiterzugeben und damit andere ermutigen, ihr eigenes sexuelles Potenzial zu erforschen.
Unser Dank gilt auch Matthias Heinrich, Johanna Dorn und Ulrike Remlein, die mit viel Liebe und Engagement die Aufgabe des „Sprachstimmens“ übernommen haben.
Wir betrachten es als besonderes Privileg und freuen uns sehr darüber, dass wir in dieses Buch Auszüge aus den inspirierenden tantrischen Lehren unseres Meisters Osho aufnehmen dürfen, dessen Worte hier in Form von Texten erscheinen, die er ursprünglich als spontane mündliche Vorträge öffentlich vor seinen Schülern und vor einem interessierten Publikum in Indien gehalten hat. Die Vorträge sind später in Buchform veröffentlicht worden.
Die Handvoll Zitate, die wir für dieses Buch ausgesucht haben, repräsentieren in keiner Weise die volle Bandbreite und die außergewöhnliche Vielfalt der spirituellen Einsichten, die Osho über das Menschsein hat. Wir sind uns beide der entscheidenden Bedeutung bewusst, die Osho in unserem Leben hat. Er hat unser Leben in einer Weise geprägt, wie wir es uns zu Beginn nie hätten vorstellen können. Für dieses große Geschenk gilt ihm unsere ewige Liebe und Dankbarkeit.
EINLEITUNG
von Michael Richardson
SEX IST NICHT DAS, WAS ER ZU SEIN SCHEINT. UNSERE VORURteile und Vorstellungen über Sex haben wir alle übernommen. Diese Vorstellungen sind meistens nicht wahr und wirken wie ein Filter oder wie eine Wand, die zwischen uns und der eigentlichen Kraft des Sex steht. Um herauszufinden, was Sex wirklich ist, müssen wir uns diesen Filter von Missverständnissen anschauen, um letztlich zu entdecken, dass Sex etwas ganz anderes ist als das, was wir normalerweise darüber denken.
Durch die Erforschung der Sexualität habe ich persönlich die eigentliche Aufgabe von Sex entdeckt: nämlich mehr Liebe in die Welt zu bringen. Jeder Einzelne kann zu einem Botschafter der Liebe werden, indem er oder sie mehr Liebe erschafft und sie in die Welt trägt.
Unsere Konditionierungen – also jene Erfahrungen und Vorstellungen aus der Vergangenheit –, schränken unser sexuelles Erleben sehr stark ein. Denn was will ein Mann, wenn er Liebe macht? Was ist der tiefste Grund? Es geht ihm nicht um die Ejakulation, es geht ihm darum, von der Frau geliebt zu werden. Die Frau ist die Quelle der Liebe, die Mutter der Liebe.
Als Mann habe ich die Möglichkeit, mich mit dieser Liebe zu verbinden – und mir geht es um diese Liebe. Wenn ich präsent bin, spüre ich diese Stille – selbst in der Bewegung. Und dann kann ich in diesen „Garten der Liebe“ hineingleiten und nichts ist befriedigender, als eine Frau zu erleben, die in Liebe erstrahlt und aufblüht.
Es gibt für mich eine Hoffnung für die Menschheit, und zwar nur diese eine Hoffnung: Dass die Männer einen Weg durch den „Filter ihrer konditionierten Sexualität“ hindurch finden und ihre wahre männlichen Autorität entdecken. Dann können sie mit ihren Frauen in Frieden zusammen sein und mit ihrem Körper, ihrem Herzen und ihrer Seele „Liebe machen“.
„Solange Sex nur ein unbewusster, mechanischer Trieb in dir ist, ist etwas falsch daran. Wohlgemerkt: Nicht der Sex ist falsch, sondern das Mechanische daran ist falsch. Wenn du etwas Licht und Intelligenz in deine Sexualität bringen kannst, wird sie durch dieses Licht verwandelt. Es wird keine Sexualität mehr sein, sondern etwas ganz anderes, so anders, dass dir kein Wort dafür einfallen wird. Im Osten haben wir ein Wort dafür: Tantra. Im Westen gibt es kein Wort dafür. Wenn sich Sex mit Intelligenz paart, mit ihr vereinigt, entsteht eine vollkommen neue Energie – und diese Energie heißt Tantra.“
Osho, Philosophia Perennis
Anmerkung der Autoren
ÜBER SEX SIND ZAHLREICHE BÜCHER GESCHRIEBEN WORDEN, die eine ganze Reihe von Techniken anbieten – allesamt im Rahmen eines Ansatzes, den man vielleicht am besten damit umschreiben kann, dass es dabei darum geht, sich zu „bemühen“ oder etwas zu „tun“. Der „entspannte“ Ansatz oder das „NichtTun“ beim Sex wird dabei kaum erwähnt. Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, ein Buch aus der Perspektive des Mannes zu schreiben. „Zeit für Männlichkeit“ ist außerdem die Ergänzung zu unserem Buch „Zeit für Weiblichkeit“ , das bereits vor einiger Zeit erschienen ist und von dem viele Männer sagen, es sei eigentlich ein Buch für Männer!
Dennoch ist es sinnvoll, den Sex noch einmal speziell aus dem Blickwinkel des Mannes zu erforschen. Der Ansatz des „NichtTuns“ ist keine Technik, sondern eine Chance sich selbst zu verändern, indem man die Art und Weise verändert, wie man seine Sexualität lebt. Dieser Ansatz orientiert sich daran, dass die sexuelle Vereinigung eine Meditation ist, bei der wir auf die Intelligenz unserer Geschlechtsorgane vertrauen und ihnen getrost die Führung überlassen können.
Einiges von dem, was wir in diesem Buch schreiben, steht bereits in unseren früheren Büchern. Es sind zum Teil die gleichen Themen – doch diesmal betrachten wir sie aus der männlichen Perspektive. Wir werden also manches wiederholen – das ist erforderlich, damit jedes in sich vollständig ist. Wir verweisen unsere Leser auf unser erstes Buch „Zeit für Liebe – Sex, Intimität und Ekstase in Beziehungen“, das die „Schlüssel der Liebe“, sowie zahlreiche ausführliche Hinweise enthält, die in diesem Buch nicht unbedingt noch einmal auftauchen. Es ist unsere Absicht, dem Leser ein vollkommen neues Bild von Sexualität zu präsentieren, das die Art und Weise, wie wir über Sex denken und uns daher auch sexuell ausdrücken, auf eine revolutionäre und evolutionäre Weise verwandeln wird. Wenn sich unser Denken bewusst wandelt, kann sich auch der Körper wandeln. Dann kann er sich entspannen und seiner inneren Weisheit folgen – so wie es ursprünglich von der Natur vorgesehen ist.
Unser gesammeltes Wissen basiert auf persönlichen Erfahrungen, die Tausende von Paaren bestätigt haben, die im Laufe der letzten zwanzig Jahre an unserem einwöchigen Seminar „Making Love“ teilgenommen haben. Bei diesem Seminar ist man weder nackt, noch gibt es Partnertausch, und jedes teilnehmende Paar verpflichtet sich, für diese Woche voll zueinander zu stehen. Die Atmosphäre ist respektvoll, professionell und unterstützend für jeden Einzelnen. Manchmal erzählen wir den Paaren, wie glücklich wir uns schätzen, dass wir die schönste Arbeit der Welt haben. Dabei ist es eigentlich keine Arbeit, sondern reines Vergnügen! Das sagen wir, weil es unendliche Freude macht zu sehen, wie Paare aus einem Sumpf der Stagnation heraus „in die Liebe hineinwachsen“ – und das direkt vor unseren Augen und in nur wenigen Tagen! Nicht nur ein Paar, sondern gleichzeitig fünfundzwanzig oder noch mehr Paare. Und es geschieht alles leicht, sanft, natürlich und praktisch ohne jede „Bemühung“ unsererseits.
Mittlerweile wissen wir, dass es wahr ist: Wenn du die Art und Weise änderst, wie du Liebe machst, veränderst du dich. Und dein Leben wird von einer liebevollen, magischen und mystischen Kraft durchdrungen. Allerdings geschieht ein solcher Wandel nur durch die direkte Erfahrung. Nur zu denken, es könnte eine gute Idee sein, reicht nicht. Um an dieses „InsiderWissen“ heranzukommen, muss jeder die Erfahrung selbst machen. Der Wandel unserer sexuellen Grundenergie in eine höhere Schwingungsebene der Liebe, wie wir sie in diesem Buch beschreiben, erhöht die Qualität unserer Liebe sowie unser Bewusstsein auf der persönlichen, der sozialen und auf der kosmischen Ebene.
Frauen sind oft eher dazu bereit, ihre sexuellen Verhaltensweisen zu ändern als Männer. Wenn also deine Frau daran interessiert ist, sich mit dir auf diese Abenteuerreise ins Unbekannte einzulassen, dann überlasse ihr die Führung; lass dich von ihr zu neuen Horizonten führen. Probiere es aus – es gibt nichts zu verlieren. Im Gegenteil: Es ist sogar sehr wahrscheinlich, dass du mehr Liebe bekommst und mehr Einsichten gewinnst, als du dir vorstellen kannst.
Seitdem wir auf dem Gebiet der Sexualität arbeiten, haben sich natürlich einige Paare, die an unseren Seminaren teilgenommen haben, getrennt und sind ihre eigenen Wege gegangen. Unser Ansatz ist nicht „narrensicher“, sondern vom Bewusstsein des Einzelnen, von seiner Neugier und seinem vitalen Interesse an einem Wandel abhängig. Zu unserem großen Erstaunen haben wir im Laufe der Jahre festgestellt, dass es viele Männer gibt, die – mit ihrer neuen Freundin an der Hand –, wieder zu unseren Seminaren kamen. Taten sagen ja bekanntlich mehr als Worte, und da diese Männer wiederkommen, haben wir den lebenden Beweis dafür, wie wertvoll es ist, die Art und Weise, wie man sich liebt, zu verändern. Wenn ein Mann das Glück hat erleben zu dürfen, wie seine männliche Potenz in die Frau hineinfließt und sie durchströmt und von ihr auch empfangen wird, dann wünscht er sich solche Erfahrungen auch für die Zukunft.
Obwohl der sexuelle Akt seit Jahrtausenden in eingefahrenen Bahnen abläuft, bedeutet das nicht, dass wir es immer weiter so machen müssen. Vielleicht ist nun auch in Bezug auf Sex ein neues Zeitalter angebrochen, in dem man nicht mehr mit der Kutsche reist. Die Menschen haben in unzähligen Bereichen unglaubliche Fortschritte gemacht, doch der Sex, der uns eigentlich am allernächsten sein sollte, ist ein weitgehend unerforschtes Gelände geblieben. Uns stehen so viele Möglichkeiten offen, wir haben die Gelegenheit uns selbst so zu erforschen und unsere Sexualität auf eine solche Weise zu leben, dass wir in der sexuellen Evolution des Menschen einen großen Schritt nach vorn machen können.
Diana & Michael Richardson, im Sommer 2009
Oshos spirituelle Einsichten über Sex:
„In meinem Namen sind (bisher) etwa 400 Bücher erschienen. Unter diesen vierhundert Büchern gibt es nur ein Buch über Sex, und in diesem geht es auch nicht wirklich um Sex, sondern darum, wie Sex transzendiert werden kann, wie man sexuelle Energie in einen sublimierten Zustand bringen kann, denn sie ist ja unsere Grundenergie. Sie kann Leben hervorbringen… Nur dem Menschen ist es vorbehalten, das Wesen und die Qualität der sexuellen Energie zu verändern. Der Titel des Buches heißt „Vom Sex zum kosmischen Bewusstsein“ – aber keiner verliert ein Wort über das kosmische Bewusstsein. Doch genau darum geht es in dem Buch, um das kosmische Bewusstsein. Sex ist nur der Anfang, wo alle stehen.
Es gibt Methoden, mit denen man beginnen kann, diese Energie zum Aufsteigen zu bringen, und im Osten hat sich dafür seit mindestens zehntausend Jahren eine spezielle Wissenschaft entwickelt: Tantra. Es gibt im Westen nichts, was einer solchen Wissenschaft entspricht. Seit zehntausend Jahren haben Menschen damit experimentiert, wie die sexuelle Energie spirituell werden kann, wie Sexualität zur Spiritualität werden kann. Dass es möglich ist, ist bewiesen; darüber gibt es keinen Zweifel. Tausende von Menschen haben diese Transformation erfahren. Tantra ist offenbar die Wissenschaft, welche früher oder später auf der ganzen Welt Anerkennung finden wird, denn die Menschen leiden unter allen möglichen Perversionen. Deshalb sprechen sie ständig über Sex – als ob darin meine ganze Arbeit bestünde, als würde ich vierundzwanzig Stunden am Tag nur über Sex reden. Das Problem ist ihre verdrängte Sexualität. Mein ganzes Bemühen geht dahin, dass deine Sexualität zu etwas Natürlichem wird, dass du sie akzeptierst, so dass nichts unterdrückt wird. Dann braucht man keine Pornografie mehr. Wenn nichts verdrängt wird, dann brauchst du vom Sex nicht mehr zu träumen. Dann kann die Energie transformiert werden.
Es gibt gute Methoden, mit denen dieselbe Energie, die neues Leben auf die Welt bringt, dir selbst ein neues Leben geben kann. Das war das ganze Thema des Buches. Doch keiner kümmerte sich um das Thema; keiner kümmerte sich darum, warum ich darüber gesprochen habe. Allein das Wörtchen „Sex“ im Titel reichte schon aus.
Dabei ist das Buch nicht einmal für Sex, sondern es ist eigentlich das einzige Buch auf der ganzen Welt, das gegen Sex ist. Doch seltsamerweise… In dem Buch geht es darum, dass es einen Weg gibt, über Sex hinauszugehen. Du kannst Sex transzendieren – und das bedeutet „Vom Sex zum kosmischen Bewusstsein.“
Ihr steht immer noch auf der Stufe des Sex, obwohl ihr die Stufe des kosmischen Bewusstseins erreichen sollt. Und der Weg dorthin ist ganz einfach: Sex sollte einfach zu einem Teil eures religiösen Lebens werden; er sollte euch heilig sein. Sex darf nichts Obszönes, nichts Pornografisches haben, er sollte nicht verurteilt und nicht unterdrückt, sondern voller Ehrfurcht gewürdigt werden, denn wir sind schließlich daraus geboren. Er ist doch die Quelle unseres Lebens. Und die Quelle des Lebens zu verurteilen bedeutet, alles zu verurteilen. Sex sollte zu immer höheren Stufen aufsteigen, bis zu seinem höchsten Gipfel. Und dieser höchste Gipfel ist Samadhi – das kosmische Bewusstsein.
Osho, Sex – Das missverstandene Geschenk
1. Die Bürde des Mannes: Der Druck, etwas zu beweisen und zu leisten
„Und über Sex macht man sich auch sehr große Sorgen. Genau diese Sorgen, diese Bemühung, etwas zu tun – das ist das Problem. Sex geschieht; er ist nicht etwas, das man tun muss. Was ihr also zu lernen habt, ist die östliche Einstellung gegenüber dem Sex, die Sichtweise von Tantra: Diese Sichtweise besteht einfach darin, liebevoll zu der anderen Person zu sein. Es ist nicht nötig, etwas zu planen, es ist nicht nötig, im Kopf etwas einzuüben. Es ist nicht nötig, irgendetwas Besonderes zu tun. Seid einfach liebevoll und zugänglich füreinander. Seid einfach spielerisch mit eurer gegenseitigen Energie. Und wenn ihr mit dem Liebesakt beginnt, braucht ihr ihn nicht zu etwas Großartigem zu machen. Sonst fängt der eine an, der anderen etwas vorzumachen – und umgekehrt. Der andere wird dir vormachen, was für ein toller Liebhaber er ist; und du tust so, als wärst auch du eine wunderbare Geliebte… Dabei sind beide unbefriedigt! Es ist nicht nötig, sich irgendwie in Pose zu werfen. Sex ist ein sehr stilles Gebet. Sich zu lieben ist eine Meditation. Es ist etwas Heiliges – das Allerheiligste! Wenn ihr also Liebe macht, geht ganz langsam vor – kostet es aus, atmet jeden Duft davon ein. Und seid ganz langsam – es gibt keinen Grund zur Eile. Sich zu eilen ist unnötig; es ist genügend Zeit da.“
Osho, The Open Secret
SEX SPIELT EINE ZENTRALE UND WICHTIGE ROLLE IM LEBEN eines Mannes. Und das ist bereits seit seiner frühesten Kindheit so. Und er bleibt immer wichtig – gleichgültig, ob der Mann oft Sex hat, selten Sex hat oder überhaupt keinen Sex hat. Die meisten Männer geben bei einer Befragung offen zu, dass sie gerne öfter Sex hätten.
Sex ist lebenswichtig für uns. Doch gibt es einige wesentliche Gesichtspunkte des Sexualakts, die uns verborgen bleiben. Sie kommen nie ans Tageslicht, sie werden nie überprüft oder in Frage gestellt. Man braucht jedoch nur ein bisschen an der Oberfläche zu kratzen, und erstaunlich bald beginnen Männer von ihren Gefühle zu reden.
In unseren Seminaren erzählen uns Männer immer wieder, dass sie Sex auch als „Last“, als eine Form von Stress empfinden. Zuweilen spüren sie das nur unterschwellig, manchmal auch sehr deutlich. Der mit Sex verbundene „Druck“ kann zu einer Quelle der Angst werden, die ein Gefühl von Unsicherheit und mangelndem Selbstbewusstsein entstehen lässt.
Wenn ein Mann zum ersten Mal mit einer Frau Sex hat, steht er unter dem starken Druck, ein guter Liebhaber sein zu müssen. Er muss viele Erwartungen erfüllen. Und er will der „beste“ Liebhaber sein, den genau diese Frau jemals hatte. Er steht unter dem Druck, etwas zu beweisen; und es steht für ihn viel auf dem Spiel. Zunächst einmal muss eine Erektion da sein. Dafür gibt es selbst in der „günstigsten“ Situation keine Garantie – das wissen die meisten Männer. Wenn die Erektion da ist, muss er sie so lange wie möglich aufrecht erhalten. Und das bedeutet meistens, dass er einen hohen Grad an Stimulation und Erregung dazu braucht. Gleichzeitig schickt er ein Stoßgebet zum Himmel, dass die Ejakulation nicht zu schnell kommt – zumindest nicht, bevor die Frau ihren Orgasmus hat. Und wenn alles gut geht, dann ist es ihm vielleicht sogar möglich, gleichzeitig mit ihr zum Orgasmus zu kommen.
Dabei gibt es so viele Variablen, dass er sich leicht „verheddern“ kann. Vor allem ist er damit beschäftigt, die Situation zu kontrollieren und zu inszenieren, um ein optimales Ergebnis zu erzielen. Meist sind dem Mann zu Beginn einer Liebesaffäre der Stress und die Leistungsängste, unter denen er steht, sehr bewusst. Er ist ganz deutlich mit ihnen konfrontiert. Doch hoffentlich merkt die Frau nichts davon!
Wenn sich jedoch daraus eine Beziehung entwickelt und diese auf die Alltags-Ebene kommt, werden seine Leistungs-Ängste vorübergehend unter einer bequemeren sexuellen Routine begraben. Auch wenn ein Mann dann seine Unsicherheit beim Sex nicht mehr bewusst wahrnimmt, schleppt er diese emotionale Spannung dennoch an jedem Tag seines Lebens mit sich herum.
Eine Frau kann einen Mann in vielen Dingen kritisieren: Er ist ein miserabler Koch, er ist ein schlechter Fahrer, er hat keinen Erfolg bei der Arbeit oder er ist ein jämmerlicher Vater. Diese Kritik anzunehmen ist nicht einfach, aber er kann meist einigermassen damit umgehen. Wenn eine Frau es wagen sollte, sein sexuelles Verhalten zu kritisieren, wenn sie seine Leistung auf diesem Gebiet in Frage stellt, treffen ihn ihre Worte bis ins Mark. Sie treffen ihn an seiner empfindlichsten Stelle. Es ist der wahrscheinlich härteste Schlag für das „männliche“ Ego. Wenn ein Mann als Liebhaber nicht anerkannt und geschätzt wird, ist das für ihn sehr schwer zu verkraften.
Entspannung statt Leistung
Große Teile unserer Persönlichkeit, unserer Identität und Selbstwahrnehmung sind aufs Engste mit dem Sex verknüpft – und damit, wie wir uns selbst beim Sex sehen. Das kann uns bewusst sein – oder auch nicht. Sex dient außerdem dazu, uns in unserer Kraft und Potenz zu bestätigen. Und deshalb ist Sex auch mit einem großen Leistungsdruck verbunden. Denn wir versuchen damit, unseren wahren Wert zu beweisen. Auch das kann uns bewusst sein – oder auch nicht. Doch selbst wenn es uns bewusst ist, ist das noch kein Gewinn.
In den folgenden Kapiteln beschreiben wir deshalb eine neue Art und Weise, ganz entspannten Sex zu haben. Männer, die beginnen mit dieser Art von Sex zu experimentieren, berichten uns vor allem eines: Es ist so unglaublich erleichternd, wenn der Stress aus dem Sex verschwindet.
Das ganze großartige Getue beim Sex haben wir immer als selbstverständlich angesehen und angenommen. Wir haben es nie in Frage gestellt. Und jetzt können wir es einfach weglassen. Wir brauchen es nicht mehr.
Um sich beim Sex zu entspannen, braucht ein Mann zu allererst die Ermutigung: „Löse dich von der Vorstellung, dass du als Mann grundsätzlich zu hundert Prozent dafür verantwortlich bist, wie es läuft.“ Bisher musste er die ganze „Beweislast“ tragen. Er hatte die alleinige Verantwortung dafür, ob der Sex sehr gut, gut oder überhaupt nicht gut war. Das bewirkte meist eine ziemlich große Anstrengung beim Mann. Jetzt kann er entdecken, wie es sich anfühlt, beim Sex einfach zu „sein“. Er kann die Fähigkeit entwickeln, ganz präsent im Hier und Jetzt zu sein. Er kann eine Sexualität entdecken, die entspannend ist – sie hat nichts mit Leistung und Anstrengung zu tun.
Zielorientierter Sex bewirkt innere Abwesenheit
Um eine entspannte Sexualität zu erleben, brauchen wir einen Wandel in der Art und Weise, wie wir Sex sehen und begreifen. Wir achten beim Sex bewusst darauf zu „sein“ anstatt etwas zu „tun“. Der erste Schritt, um den Leistungsdruck – das „Tun“ – aus dem Sex herauszunehmen, besteht darin, beim Sex kein Ziel zu haben.
Das Ziel beim Sex ist für die meisten Menschen der Orgasmus. Sie wollen normalerweise vor allem deshalb Sex, weil sie einen Orgasmus erleben wollen. Wenn sie dann Sex haben, beginnen sie den Akt mit diesem Ziel. Sie richten fast ihre ganze Anstrengung darauf, dieses Hauptziel zu erreichen. Es ist ein Höhepunkt. Ein Punkt erhöhter, intensiver Lust, der ein paar kurze Sekunden dauert. Doch genau dieses Ziel, einen Orgasmus zu haben, bewirkt auch den Druck.
Es gibt noch einige bedeutsame „Nebenwirkungen“, wenn wir den Orgasmus zum Hauptziel des sexuellen Akts machen. Es ist hilfreich, zu erkennen, dass wir schon allein bei dem Versuch, die Sache „zum Ende zu bringen“, uns selbst zwangsläufig ein ganzes Stück voraus sind. Wenn wir genau hinschauen, merken wir, dass unsere Aufmerksamkeit schon mehr auf die nächste Penetration gerichtet ist als auf diejenige, welche genau in diesem Moment stattfindet. Dies gilt für Männer ebenso wie für Frauen. Wir interessieren uns im Allgemeinen mehr für das, was als Nächstes kommt.
Und wir interessieren uns kaum für das, was jetzt gerade geschieht. Die nächste Penetration ist viel verlockender, weil sie uns dem „Großen Finale“ einen Schritt näher bringt. Unbewusst richten wir unseren Fokus mehr auf die Zukunft. Wir sind also buchstäblich im anwesenden Moment abwesend. Wir folgen unserem Verstand, der bestimmte – ererbte und erlernte – Vorstellungen darüber hat, wie Sex sein sollte. Und wir richten wenig oder keine Aufmerksamkeit darauf, uns auf die Weisheit unseres Körpers zu besinnen und ihr zu trauen.
Männer sagen oft, dass sie häufiger Sex haben wollen. Aber wie soll das gehen? Viele haben das Vertrauen verloren, dass sie an eine Frau überhaupt herankommen. Und sie haben wenig Ahnung davon, was eine Frau braucht, damit sie gerne Sex hat.
Bei den Paaren, die an unseren Gruppen teilnehmen, beginnen sich solche uralten Probleme innerhalb kürzester Zeit aufzulösen. Meistens können wir innerhalb von zwei bis fünf Tagen bei den Einzelnen und zwischen den Paaren ermutigende Anzeichen von Entspannung wahrnehmen. Das geschieht einfach durch bewusstes Erleben von Sex ohne jede Zielorientierung, so wie wir es anregen.
Es ist für uns eine Ehre, dass wir immer wieder zu Zeugen dieses Wunders werden dürfen. Es ist wie der Schritt aus der Dunkelheit ins Licht. Es ist der Schritt von der Angst zur Liebe, den wir bei den Paaren während unserer Seminare beobachten. Und dieser Schritt ist so einfach!
Das ist die erstaunliche und beruhigende Neuigkeit. Hindernisse und Probleme, mit denen die Menschen kommen, beginnen sich zu lösen. Die Paare finden einen neuen, erfrischenden Liebespfad, der sie in andere sexuelle Dimensionen führt, in ein noch unerforschtes Gebiet – die Liebe ohne Grenzen!
Ein Sinneswandel, der den Körper wandelt
Ein solcher Wandel ist jedoch nur möglich, wenn du deine Vorstellungen grundlegend wandelst und Sex und Liebe aus einer vollkommen neuen Perspektive betrachtest. Ohne große Anstrengung „machst“ du dann wirklich Liebe. Und die Bezeichnung „Liebemachen“ („making love“) erhält dadurch ihre wahre Bedeutung: Wenn wir mit Präsenz „Liebe machen“, erschaffen
Wir sind uns sicher: Je mehr Menschen bei diesem Sinneswandel im Hinblick auf Sex mitmachen, um so weniger Probleme wird es geben, die mit Sex, Liebe und Beziehungen zu tun haben. Viele unglückliche Menschen weltweit haben sich mit diesen Problemen abgefunden.
Wir haben eine wirklich gute Nachricht: Es gibt eine ganz einfache Lösung! Es geht nur darum, sich von seinen alten Vorstellungen zu lösen.
Die Menschen brauchen mehr Sex
Männer wie Frauen haben gleichermaßen sexuelle Schwierigkeiten. Das unvermeidliche, tragische Ergebnis ist, dass die meisten Menschen nicht genug Sex haben. In den meisten Partnerschaften gibt es zu wenig Sex – oft sogar viel zu wenig. Und wenn die Menschen dann endlich Sex haben, ist es meist nur eine sehr kurze Angelegenheit. Unsere Erfahrung bei der Arbeit mit Paaren hat uns über die Jahre gezeigt, dass viele Paare monatelang keinen Sex haben. Manchmal zieht sich das sogar über Jahre hin.
Sex ist für unseren Körper, für unser Herz, für unsere Seele, für unsere Intelligenz und für unsere Kreativität da. Und zu allererst ist er dafür da, dass wir Liebe erleben können – dass wir uns selbst und andere lieben. Sex ist nicht der einzige Weg, der uns das Erleben der Liebe ermöglicht. Doch wenn du Sex hast oder Sex haben willst – und die meisten Männer wollen das –, dann kannst du den Sex auch bis zu seinem höchsten Potenzial nutzen!
Vor einiger Zeit hat ein Fernsehsender in Großbritannien eine Studie darüber durchgeführt, was Menschen auf ihrem Totenbett am meisten bereuen. Die Ergebnisse haben gezeigt, dass sieben von zehn britischen Rentnern und Rentnerinnen es bereuen, dass sie nicht mehr „herumgevögelt“ haben. Also wünschen sich Menschen, die im Sterben liegen, sie hätten in ihrem Leben mehr Sex gehabt. Unglaublich!
Diese Studie macht deutlich, dass sehr viele Menschen sexuell unerfüllt sind, wenn sie diese Welt verlassen. Es ist also dringend notwendig, dass die Menschen mehr Sex haben. Wir Menschen haben die Aufgabe, eine Art von Sexualität zu entwickeln, die wir ein Leben lang bis ins hohe Alter, ja bis zu unserem letzten Tag leben können. Wir brauchen eine Sexualität, die auch dann das (Er)leben von Liebe ermöglicht, wenn die Beziehung nicht mehr neu ist, wenn sich Desinteresse und Gleichgültigkeit eingeschlichen haben. Eine Sexualität, die wir auch bei Impotenz, im mittleren Alter (Wechseljahre) oder bei körperlichen Einschränkungen im Alter leben können.
Erforschung und Verletzlichkeit
Wenn du mehr vom Sex haben willst – und mehr Sex haben willst, bedeutet das einen abenteuerlichen Schritt für dich. Du brauchst dafür Neugier und Intelligenz. Erforsche und prüfe für dich selbst die in den folgenden Kapiteln angebotenen Informationen und Anregungen. Lass dich davon leiten und lass alles geschehen, was sich dabei entfaltet.
Im Kern geht es darum, häufig Sex zu haben. Vielleicht bemerkst du schon bald einen Wandel in deiner Lebensqualität und einen Unterschied darin, wie du dich selbst als Mann fühlst. Und wahrscheinlich beginnst du, Frauen aus einer anderen Perspektive wahrzunehmen. Wenn du deinen Sex erforschst, können verborgene Dinge an die Oberfläche kommen: alte Wunden, Erinnerungen, Unsicherheiten und Erlebnisse aus deiner Kindheit.
Es ist sehr hilfreich, wenn du als Mann deine Schwierigkeiten und Unsicherheiten beim Sex wahrnimmst und sie auch zeigst. Erlaube dir, alles zu fühlen – was auch immer zum Vorschein kommt. Sei offen für dich selbst – zeige deine Gefühle und gib ihnen Raum: den Tränen, der Verletzlichkeit, alle Gefühle von Nichtwissen, der Unsicherheit und der Verwirrung. Spüre alle deine bislang verborgenen Seiten. Dieses Anerkennen ist ein Teil des Heilungsprozesses und der Integration.
Sei dir sicher: Die meisten Frauen lieben die weiche Seite eines Mannes mehr als seine harte Seite. Das Erforschen von Sex ist eine Reise der menschlichen Selbstentdeckung. Du kannst uralte Muster, die dich immer eingeschränkt haben, transformieren. Indem du das tust, erschaffst du mehr Liebe und Glück. Es geht nicht darum, ein besserer Liebhaber zu werden oder seine Technik zu verbessern. Nur wenige Menschen erleben jemals diese transformierten Zustände von orgastischer Seligkeit, Liebe und Freude sowie jenen Frieden, den der Verstand nicht begreifen kann. Es ist eine Erfahrung von Energetisierung und strahlender Lebendigkeit auf der Zellebene, die lange in uns nachschwingt.
Da uns dieses höher entwickelte Verständnis von Sexualität fehlt, leidet die menschliche Rasse unter furchtbaren Folgen. Unbewusste Kräfte verfälschen und beeinträchtigen unsere wahre Natur. Das heißt, Männer sind nicht wirklich Männer, und Frauen sind nicht wirklich Frauen. Wenn wir als Mann und Frau so eine Beziehung miteinander eingehen, dann stehen die Zerrbilder unserer Persönlichkeiten und unsere sexuellen Identifikationen zwischen uns. Wenn wir uns auf der Grundlage dieser Zerrbilder miteinander verbinden, sind früher oder später unweigerlich Spannungen und Leid die Folge.
Unsere sexuelle Konditionierung prägt uns
Auf der übernächsten Seite findest du eine Liste mit Eigenschaften. In der linken Spalte sind die wahren männlichen Eigenschaften aufgeführt, in der rechten Spalte stehen die Begriffe, die dieselben Eigenschaften beschreiben, nachdem sie durch die falsche sexuelle Konditionierung verzerrt sind.
Jeder von uns ist unbewusst durch die Gesellschaft und Religion konditioniert und geprägt worden, ob wir das mögen oder nicht. Manche Menschen sind stärker konditioniert als andere – das hat mit vielen Faktoren zu tun. Die Mehrheit der Männer hat Sex auf konventionelle Weise. Diese Männer neigen dazu, die verzerrte Version ihrer wahren männlichen Qualitäten zu leben. Der Spruch der Hippies aus den Sechziger Jahren „Make Love not War“ (Macht Liebe statt Krieg) ist tatsächlich eine Wahrheit.
Wut und Aggression sind der Normalzustand bei einem Mann, der zu wenig erfüllenden, nährenden Sex hat. Wenn ein Mann sein Verständnis von Sexualität wandelt und dadurch andere sexuelle Erfahrungen macht, weckt er auf natürliche Weise seine ursprünglichen „männlichen“ Qualitäten.
| Wahre männliche Qualitäten | Männliche Konditionierungen bzw. verzerrte Formen |
| Macht | Missbrauch, Beherrschen |
| Präsenz | Abwesenheit |
| Kraft | Härte |
| Klarheit | Verurteilen |
| Durchsetzungsfähigkeit | Aggression |
| Kreativität | Leistungsorientierung, Ehrgeiz |
| Meditation | Rückzug |
| Wille | Eigensinn |
| Mut | Macho-Gehabe, Kompensation |
| Führung | Kontrolle, Politik, |
| Beschützer, Autorität | Recht & Ordnung Autoritäres Verhalten |
| Wildheit | Brutalität |
| Spontaneität | Show/Performance |
| Weisheit | Arroganz |
| Charisma | sexuelle Manipulation |
| Sonne, Leben spendend | Sonnenbrand, ökologische Zerstörung |
| Ausdruck, Artikulation | Wichtigtuerei, Rüpelhaftigkeit |
| Handeln | Aktionismus, Sturheit |
| Unabhängigkeit | Isolation |
| herzlich, liebevoll, mitfühlend | selbstsüchtig, egoistisch |
2. Unfreiwillige Ejakulation durch Erregung und Fantasien
„Wir leben für Sinneseindrücke, wir sind gierig nach Reizen. Wir suchen ständig nach immer neuen Sinneseindrücken. Unser ganzes Leben lang bemühen wir uns, neue Sinnesreize zu bekommen. Doch was geschieht? Je mehr wir nach Reizen suchen, desto weniger empfindsam werden wir. Die Empfindsamkeit geht dabei verloren.
Es sieht paradox aus: Bei Sensationen geht die Sensibilität verloren. Dann verlangst du nach immer mehr sinnlichen Reizen, und dieses „Mehr“ tötet deine Empfindsamkeit immer mehr ab. Dann verlangst du nach noch mehr und schließlich kommt ein Moment, in dem alle deine Sinne abgestumpft und abgestorben sind. Der Mensch war noch nie so abgestumpft und tot wie heute. Er war früher sehr viel lebendiger, weil es nicht so viele Möglichkeiten gab, so viele Sinneseindrücke zu haben. Doch heute haben die Wissenschaft, der Fortschritt, die Zivilisation und Bildung so viele Gelegenheiten geschaffen, sich immer weiter in die Welt der Sinnesreize zu begeben. Letztendlich wirst du zu einem toten Menschen: deine Empfindsamkeit ist verloren gegangen. Koste immer mehr unterschiedliche und stärkere Speisen mit stärkerem Geschmack, und dein Geschmackssinn geht verloren. Wenn du um die ganze Welt reist und ständig noch mehr und noch Schöneres siehst, wird du irgendwann blind – die Empfindsamkeit deiner Augen geht verloren.
Wenn du das Göttliche willst – und das Göttliche ist das, was am lebendigsten ist, was ewig jung, was immergrün ist – wenn du dem Göttlichen begegnen willst, musst du lebendiger sein. Wie kannst du das machen? Gib deiner Sensationslust keinerlei Nahrung mehr! Suche nicht Sinnesreize, sondern Empfindsamkeit, werde empfindsamer.
Das sind zwei unterschiedliche Dinge: Wenn du nach Sinnesreizen verlangst, dann verlangst du nach Dingen. Du wirst Dinge anhäufen. Wenn du aber nach Empfindsamkeit suchst, musst du etwas mit deinen Sinnen tun, nicht mit den Dingen. Es geht nicht darum, Dinge anzuhäufen. Vielmehr bist du aufgefordert, dein Fühlen zu vertiefen, dein Herz, deine Augen, deine Ohren, deine Nase zu sensibilisieren. Jeder deiner Sinne sollte so geschärft werden, dass du fähig wirst, das Feine und Zarte wahrzunehmen.“
Osho, New Alchemy to Turn You On
Die Kürze des sexuellen Akts
DAS VIELLEICHT HÄUFIGSTE PROBLEM MIT DEM MÄNNER BEIM Liebesakt konfrontiert sind, ist, dass sie ihre Ejakulation nicht kontrollieren können. Das bedeutet, dass die vorzeitige Ejakulation eine weitverbreitete Erscheinung ist. Wir alle wissen – und viele wissen es nur zu gut – dass die Ejakulation normalerweise das Ende des sexuellen Akts bedeutet. Wenn wir kommen, ist Schluss. Zumindest erst einmal.
Weltweite Forschungen haben gezeigt, dass der sexuelle Akt durchschnittlich zwischen zwei und zweieinhalb Minuten dauert. Manche Männer sind in der Lage, die Zeit auf fünfzehn Minuten auszudehnen, einige bis auf eine halbe Stunde und wenige vielleicht sogar auf eine dreiviertel Stunde.
Diese zusätzlichen Minuten sind sicherlich genussvoll. Sie reichen jedoch nicht dafür aus, dass der Mann seine volle Vitalität wirklich in die Frau hineinströmen lassen kann. Und für die Frau reichen sie nicht aus, um seine volle Vitalität wirklich zu empfangen und an ihn zurückgeben zu können. Die höchste Erfüllung des Mannes besteht darin, in der Liebe der Frau zu „baden“. Es ist ihre überfließende, strahlende Antwort auf die Liebe, die er in ihr erweckt hat. Der Mann gibt der Frau – und sie empfängt. Dann gibt die Frau dem Mann – und er empfängt nun seinerseits. Ein Reigen gegenseitigen Gebens und Empfangens kommt so ins Fließen.
Was kann ein Mann tun, um das Liebesspiel zu verlängern, und um die wahren Wonnen der sexuellen Vereinigung wirklich genießen zu können?
Er kann den Grad der Erregung verringern. Dann braucht er wenig oder gar keine Aufmerksamkeit für die Kontrolle der Ejakulation. Seine Aufmerksamkeit ist frei, um das Fließen der Liebe wahrzunehmen und einfach zu genießen. Und er kann dieses Fließen der Liebe dann lange gemeinsam mit der Frau genießen – stundenlang! Er ist nicht ständig an der Grenze zur Ejakulation. Denn sie ist weit genug entfernt, so dass er sich vollkommen entspannen kann.
Zu starke Erregung bewirkt vorzeitige Ejakulation
Stimulation und Erregung lösen fast immer die Ejakulation aus. Es ist eine Herausforderung, uns „Sex ohne Erregung“ vorzustellen. Wie soll das denn aussehen? Was soll man denn stattdessen „tun“? Sex ohne Erregung klingt wie ein Widerspruch in sich.
Wir laden dich ein, einmal etwas tiefer zu schauen und ganz ehrlich mit dir zu sein. Dann wirst du erkennen, dass ein Hauptgrund, warum du Sex willst, genau diese reizvolle Empfindung und Intensität ist. Darum geht es dir doch beim Sex. Stimmt’s?
Prüfe einfach, ob das für dich stimmt oder nicht. So oder so – ist es lohnenswert, zu untersuchen, welche Rolle die Erregung für dich normalerweise beim Sex spielt. Du kommst vielleicht zu dem Ergebnis, dass dir die Erregung großen Spaß macht. Und dass zu viel davon einfach den Kurzschluss im System herbeiführt. Was schade ist.
Was kannst du also tun?
Das Grundproblem ist nicht die Erregung als solche. Es liegt vielmehr in unseren sexuellen Zielen begründet und darin, wie wir mit der Erregung umgehen. Meist gehen wir mit einer Absicht an den Geschlechtsakt heran. Wir stimulieren in voller Absicht die Körper und die Geschlechtsteile und erhöhen den Grad der Intensität solange, bis es zum Höhepunkt – zum Überlaufen – kommt. Diese Taktik erzeugt grundsätzlich sehr viel Hitze – gewöhnlich mehr als ein Mann beherrschen kann. Also kocht er über, entlädt seine Lebenskraft.
Sexuelle Fantasie zur Verstärkung der Erregung
Sexuelle Fantasien gelten als wesentlicher Bestandteil der Sexualität, da sie die Erregung verstärken; solche Fantasien sind beim konventionellen Sex tatsächlich hilfreich. Doch dann spielt sich der Sex in unserem Kopf ab – und nicht in unserem Körper. Wir „benutzen“ unsere Körper lediglich. Doch begreifen wir unseren Körper wirklich? Und begreifen wir, wozu er ursprünglich bestimmt ist? Fantasien sind ein unmittelbares Produkt der Vorstellungskraft unseres Verstandes. Und wir zwingen unseren Körper dazu, diesen Forderungen unseres Verstandes nachzukommen und sie zu erfüllen. Und der Verstand ist unersättlich.
Eine Freundin erzählte uns, dass sie über Monate eine Verletzung im unteren Rückgrat hatte, die Taubheit und mangelnde Empfindsamkeit in ihren Genitalien bewirkte.
Sie konnte „dort unten“ gar nichts mehr fühlen. Dennoch hatte sie in dieser Zeit den extrem starken Wunsch nach Sex. Sie musste schließlich erkennen, dass der Ursprung dieses Wunsches ihr Verstand war – und nicht ihr Körper. Unser Verstand hat wirklich sehr große Macht.
Doch es hat Konsequenzen, wenn wir unsere Fantasien als sexuelle Strategie einsetzen. Fantasien lösen meistens starke Erregung aus, und die bewirkt die vorzeitige Ejakulation. Diese drei Dinge hängen untrennbar zusammen. Fantasien verstärken die Stimulation und die Stufen der Erregung. Das gleiche gilt für alle möglichen sexuellen Hilfsmittel, die heutzutage benutzt werden. Das wiederum führt zu chronischer vorzeitiger Ejakulation. Und das beeinträchtigt Männer und Frauen gleichermaßen – wenn auch in unterschiedlicher Weise.
Viele Menschen brauchen heute eine Menge Fantasien und Erregung, um überhaupt sexuell zu reagieren und einen Orgasmus zu erreichen. Und so ist es nicht verwunderlich, dass die pornografische Filmindustrie ein viel größerer Zweig ist als die konventionelle Filmindustrie.
Eine Fantasie ist eine Situation, die du dir vorstellst. Sie steht – bildlich gesprochen – zwischen dir und dem anderen. Du bist mit dem anderen Menschen nicht wirklich innerlich verbunden und du teilst nicht wirklich eine gemeinsame Erfahrung mit ihm. Du bist abwesend – und nicht anwesend. Du bist nicht präsent.
Fantasien haben dieselben Folgen wie das Ziel Orgasmus: du bist dir selbst ein Stück voraus oder du bist aus dir selbst hinausgegangen. So oder so: deine Fantasie ist im Zentrum deiner Aufmerksamkeit – und nicht das gemeinsame Erleben mit dem anderen Menschen. Dein Verstand ist der Schauplatz des Geschehens – und nicht die Begegnung mit dem anderen Menschen. Der Verstand will den Orgasmus und erschafft die Fantasie, um diesen Wunsch zu befriedigen.
Wie wir beim Sex „cool“ bleiben
Wenn wir keinen schnellen und kurzen Sex mehr wollen, ist es hilfreich, folgendes Sprichwort zu beherzigen: „Ein wenig ist gut, doch mehr ist nicht besser.“ Das heißt: Ein bisschen Erregung ist gut, doch mehr Erregung ist nicht besser. Vielleicht bringt sie mehr Lust und mehr Intensität. Doch wenn wir erfüllenderen Sex wollen, ist es hilfreich, unsere Verhaltensmuster und deren Folgen zu erkennen. Wenn wir den Geschlechtsakt abkühlen, können wir einen längeren Austausch erleben. Ein bisschen Erregung ist herrlich. Daran ist nichts falsch, doch dann ist es hilfreich sich zu entspannen und es ruhig anzugehen.
Während eines unserer Seminare erzählte uns ein Mann, dass er dreißig Jahre lang ein Problem mit vorzeitiger Ejakulation gehabt hatte. Es war über Nacht verschwunden. Der Schlüssel dazu war: er erregte sich weniger und blieb damit einfach im „kühleren“ Bereich.
Viele Reize vermindern die Empfindsamkeit
Es ist eine bemerkenswerte Begleiterscheinung von übermäßiger Stimulation, dass der Penis seine Sensibilität verliert. Je mehr Reizen er ausgesetzt ist, desto weniger empfindsam wird er. Das Gleiche gilt für die Vagina.
Das ständige Reiben des Penis in der Vagina (oder in der Hand beim Masturbieren) desensibilisiert den Penis. Und es wirkt sich auch auf die Vagina negativ aus. Die wiederholten Rein- und Rausbewegungen erzeugen Reibung zwischen den Geweben. Dadurch entsteht „Hitze“, und es kommt zu einer „Aufladung“.
Nach dem Sex bleibt ein Rest von Spannung im Körper. Diese sammelt sich nach und nach im Penis an. Irgendwann ist er völlig „überladen“ und wird immer empfindungsärmer.
Er nimmt nicht mehr richtig wahr, was um ihn herum vorgeht. Ziemlich oft fühlt sich der Penis bei Berührung unnatürlich dicht, hart oder „metallisch“ an. Diese Härte spiegelt die Spannungen wider, die sich im Gewebe des Penis angesammelt haben. Seine Empfindsamkeit verringert sich. Und so verliert der Mann die Fähigkeit, die Kompetenz und die Kraft, sich in das Gewebe seines Penis hinein zu fühlen. Das alles geschieht schleichend und kaum wahrnehmbar. Das bedeutet: es ist für den Mann dann schwierig oder unmöglich, mit seinem Bewusstsein in seinem ganzen Penis anwesend zu sein – von der Wurzel bis ganz hinauf in die strahlende Spitze. Ursprünglich ist der Penis ein schlangenartiges, geschmeidiges und biegsames „Geschöpf“. Es ist in der Lage, sich innerhalb der Vagina hinauf und hinab zu winden – tatsächlich wie eine Schlange!
Ein Wissenschaftler, der vor einigen Jahren an unserem Seminar teilnahm, erzählte uns etwas Interessantes: die beiden Wissenschaftler Weber und Fechner wiesen bereits in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts den Verlust der Sensibilität durch intensive Stimulation nach. Im sogenannten Weber-Fechner-Gesetz formulierten sie die Ergebnisse ihrer Versuche mit Menschen – das sollte die Geburtsstunde für Biophysik und Biokybernetik sein. Sie betrachteten einen Reiz von außen im Verhältnis zur Empfindung des Reizes, und sie bewiesen damit Folgendes: Die Veränderung einer Empfindung ist proportional zur relativen Veränderung des Reizes.
Heute weiß man, dass dies für jede Sinneswahrnehmung gilt. Ein Beispiel dafür ist das Sehen: Wenn man im Dunkeln ein Streichholz anzündet – nachdem man sich an die Dunkelheit gewöhnt hat – wirkt es wie eine Explosion. Wenn man dasselbe im hellen Sonnenlicht tut, ist es kaum wahrnehmbar. Je stärker der Reiz, desto geringer ist die Empfindsamkeit für scheinbar Unbedeutendes. Das bedeutet für uns: statt endlos nach immer neuen Sinneseindrücken und Reizen zu suchen, können wir damit beginnen, unsere Sinne zu schulen. Damit erlangen wir die Fähigkeit wieder, in jedem Augenblick des Tages zu spüren, wie die Lebenskraft in uns fließt.
Erregung führt zu Erschöpfung
Wenn Sex „kühl“ und einfach ist, können wir lange Sex haben. Er dauert länger, gewinnt an Tiefe, dehnt sich aus und unsere Anziehungskraft wird größer. Heute haben die Menschen meistens die Vorstellung, dass Sex so ,heiß‘ wie möglich sein sollte. Das bedeutet, dass durch unsere Herangehensweise an Sex die baldige Ejakulation schon garantiert ist. Früher oder später erschöpft sich die Erregung, wir betrachten uns gegenseitig als selbstverständlich und Langeweile kommt auf. Langeweile ist dann ganz „natürlich“ – denn alles, was sich ständig wiederholt, wird zu einer langweiligen Erfahrung. Immer wenn das Neue vorbei ist, entsteht Langeweile. Aufregung oder Erregung wird durch das Unbekannte, durch das Neue in einer Situation ausgelöst. Nach einer Weile ist das Neue dann abgenutzt. Und die anfängliche Anziehung ist in den Flammen der Erregung verbrannt. Paare berichten uns oft, dass sie nach einer Zeit mit heftigem Sex eine Art von körperlicher Abscheu voreinander hatten und dass sie für eine Weile überhaupt nicht mehr an Sex interessiert waren.
Mechanisches Verhalten vermindert die Sensibilität
Um die Intensität einer Empfindung zu erhöhen, ist es notwendig, das Tempo und die Frequenz der Bewegungen zu erhöhen. Dabei werden wir mechanisch. Immer wenn Bewegungen mechanisch werden oder sich ständig wiederholen, entsteht ein entsprechender Mangel an Bewusstheit bei jeder einzelnen Bewegung. Die einzelnen Schritte, die die Reise interessant machen, gehen in der Anstrengung unter. Wir werden wie Maschinen. Und wir spannen uns an, um dorthin zu kommen, wo wir hin wollen – zum Orgasmus! Wir sind in Eile und verlieren die Fähigkeit, uns selbst bewusst wahrzunehmen. Was geschieht in jeder einzelnen Sekunde im Körper? Was geschieht im Penis? Und was geschieht um den Penis herum? Was geschieht zwischen Penis und Vagina?
Wenn wir in jedem Augenblick, bei jeder Bewegung bewusst sind, kann sich der Liebesakt erst wirklich entfalten. Und am Ende sind wir in einem Zustand staunender Ehrfurcht, der über Stunden anhalten kann. Wir begeben uns in einen Zustand der Zeitlosigkeit, in dem sich jeder Augenblick neu entfaltet und dann in den nächsten Augenblick übergeht. Und dabei spielen Fantasien, Ziele und der Verstand keine Rolle; denn der Körper wird von seiner inneren Weisheit geleitet und schafft einen weiten Raum für das Erleben von Liebe. Es ist im wörtlichen Sinn eine „No Mind“-Erfahrung – eine Erfahrung ohne Denken.
Die Erregung der Frau kann die Ejakulation des Mannes auslösen
Die meisten Männer haben es sicher schon erlebt, dass sie sehr schnell kommen, wenn die Frau sehr erregt ist oder richtig heiß wird – besonders wenn sie auf den Höhepunkt zusteuert. Die Ejakulation ist dann ein hilfloser, lustvoller Blitz. Und man(n) kann nichts tun, um sie zu verhindern. Viele Männer bestätigen diese Erfahrung. Sie sagen, dass die Ejakulation „aus heiterem Himmel“ kommt und sogar regelrecht aus ihnen „herausgezogen“ wird. Sie fühlen sich überrumpelt, da sie noch nicht einmal annähernd bereit waren zu ejakulieren. Eine solche Situation scheint unkontrollierbar zu sein. Doch der Mann kann daran etwas ändern! Er kann aufhören, die Frau zu sehr zu erregen – auf diese Weise kann er länger Liebe machen. Halte die Temperatur beim Sex einfach „kühl bis sanft köchelnd“!
Die sexuelle Unlust der Frauen
Lasst uns den nackten Tatsachen ins Auge sehen: Männer wollen im Allgemeinen öfter Sex als ihre Partnerin. Hast du dich schon einmal gefragt, woran das liegt? Die Wahrheit ist, dass für die Frau die paar Minuten der sexuellen Vereinigung nicht wirklich befriedigend sind. Das liegt daran, dass sie nicht genügend Zeit hat, um ihren Körper aufzuwärmen und das Zusammenspiel wirklich zu genießen.
Das bedeutet, dass sich die Frau nach einer sexuellen Begegnung oft unerfüllt fühlt. Es bleibt ein Gefühl, dass sich für das bisschen Vergnügen am Sex die ganze Anstrengung nicht lohnt. Solche Gefühle können sich mit der Zeit in ihr festsetzen. Und deshalb gehen viele Frauen unbewusst dazu über, Sex teilweise oder auch ganz zu vermeiden.
Es gibt Untersuchungen, wonach achtzig Prozent der Frauen den Partner lieber küssen und mit ihm schmusen, als mit ihm Sex zu haben. Für sie ist dieser zärtliche Austausch befriedigender als Sex. Und wenn eine Frau lieber schmust, als Sex zu haben, ist das ein klares Zeichen, dass sie es nicht wirklich genießt, wenn der Penis in ihrer Vagina ist.
Die sexuelle Unlust der Frauen ist kein mentaler oder bewusster Vorgang in der Frau. Sie beschließt nicht plötzlich, dass sie keinen Sex mehr haben will. Da können Männer ganz sicher sein. (Im 7. Kapitel kommen wir auf das Thema Verhütung zu sprechen, das einem „Ja“ der Frau zum Sex auch oft im Weg steht.)
Wenn sich der Körper einer Frau verschließt, ist das normalerweise ein langsamer, allmählicher Vorgang – es sei denn sie hat ein Trauma erlebt. Dann kann sie sich auch sehr schnell verschließen. Der Rückzug ist ein sehr körperlicher und gleichzeitig ein sehr unterschwelliger Vorgang, über den die Frau wenig bewusste Kontrolle hat. Oft fühlt sich eine Frau sehr allein mit ihrer unerwarteten und ungewollten sexuellen Unlust. Und das, obwohl dieses Phänomen alltäglich und weit verbreitet ist. Die immer wiederkehrende Erfahrung von fehlender Erfüllung ist der wesentliche Grund, warum viele Frauen das Interesse an Sex verlieren. Frauen sind von Natur aus empfänglich und ganz sicher nicht frigide. Doch ihr Körper beginnt innerlich zu erstarren und friert ein, wenn der Sex heiß, hart und schnell ist!
Was kann der Mann nun tun? Warum genießen die Frauen den Sex nicht – den Sex, den du mit ihnen hast? Warum will deine Frau nicht so oft Sex wie du?
Vor einiger Zeit hat eine Umfrage der amerikanischen Frauenzeitschrift Redbook gezeigt, dass zweiundfünfzig Prozent der Frauen regelmäßig den Orgasmus vortäuschen. Und wahrscheinlich haben nur siebzehn Prozent der Frauen während des Geschlechtsverkehrs überhaupt einen Orgasmus. Das zeigte die internationale Sex-Studie Durex Global Sex Survey. Dreiundvierzig Prozent der Frauen berichten von „irgendeinem sexuellen Problem“ – wie zum Beispiel Orgasmusunfähigkeit, Langeweile beim Sex oder völligem Desinteresse am Sex.
Im Wesentlichen bekommen Frauen beim Sex körperlich nicht das, was sie vom Mann brauchen. Das liegt am mangelnden Wissen über den weiblichen und männlichen Körper und an den unbewusst übernommenen Vorstellungen von Sexualität. Die Folge davon ist der Rückzug der Frau und ihre Schwierigkeit sexuelle Erfüllung oder gar einen Orgasmus zu erleben. Sie genießt den Sex nicht, weil sie sich dabei nicht wohl fühlt.
Wie oft würdest du Sex haben wollen, wenn du dich dabei nicht wohlfühlst, es sogar schmerzhaft ist oder du nie einen Orgasmus hast?
Wenn du mehr Sex mit deiner Frau haben willst, dann finde heraus, wie du euer Zusammensein so gestalten kannst, dass sie sich öffnen und es richtig genießen kann. Wenn du das herausfindest, wirst du sie nicht mehr um Sex bitten müssen. Du wirst erleben, dass sie noch mehr davon haben will! Vertraue uns: Sie wird dich darum bitten, mit ihr Liebe zu machen. Und wenn du es nicht glaubst, dann probiere es einfach aus!
Der erste, wesentliche Schritt ist dabei, die Dauer des Liebesspiels zu verlängern. Es ist nämlich tatsächlich die Länge der Zeit bedeutsam, in der dein Penis in ihrer Vagina ist. Erst dann kann die Frau wirkliche sexuelle Erfüllung erleben – und du auch. Denn wie Mann und Frau den Sex erleben, ist untrennbar miteinander verflochten. Erfüllender Sex ist eine gemeinsame Erfahrung – und nicht etwas, was dem einen gefällt und dem anderen nicht.
Das wäre auch absurd – unsere Natur ist viel intelligenter. Wenn die Frau sich nicht ganz für den Mann öffnen kann, dann ist auch sein sexuelles Erleben begrenzt. Es wird eindimensional, eintönig und letztendlich langweilig. Und dann entsteht das Bedürfnis, immer aufregendere und stimulierendere Situationen herbeizuführen – mit Pornos, Sex-Spielzeug, Partyspielen und Ähnlichem, um wieder Bewegung in die Geschichte zu bringen.
Wenn ein Mann mit einer Frau bewusst und ausgiebig Liebe macht, wandelt sich die Erfahrung des Mannes. Sie ist nicht mehr „von dieser Welt“, sie wird zu einem vielschichtigen Erlebnis. Wenn der Mann tatsächlich länger mit seinem Penis in der Vagina der Frau ist, denkt er automatisch weniger an Sex. Er hat ihn ja! Ausgiebig lange sexuelle Erfahrungen im Zustand der Entspannung bringen ihm Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen. Dadurch verringert sich seine Anspannung und Erregung vor und während des Liebemachens.
Und das führt dazu, dass der Ejakulationsdruck deutlich abnimmt. Ein Mann kann unendlich lange Sex ohne Ejakulation haben, wenn er den Schlüssel dazu einmal in der Hand hat. Wir wissen, dass viele Menschen viel zu wenig Liebe machen. Da ist es ein gutes Heilmittel, einfach wesentlich länger Liebe zu machen!
Wir Menschen können mit unserer sexuellen Energie auf zwei ganz unterschiedliche – ja entgegengesetzte – Arten umgehen: entweder emotional und oberflächlich oder reif und kraftspendend. Wir können uns entweder stimulieren und entladen oder entspannen und die Energie in uns zirkulieren lassen. Und wir können entweder biologisch oder spirituell, Leben zeugend oder Leben spendend, unbewusst oder bewusst damit umgehen.
Ein Mann hat uns berichtet, dass er nach stundenlangem Sex meistens keinerlei Lust auf einen Orgasmus spürt. Und er hat danach ein Gefühl vollkommener Zufriedenheit und Glückseligkeit. Er spürt nicht den Hauch einer Frustration. Es hat für ihn nichts mehr mit Verzicht zu tun, keinen Orgasmus zu haben. Noch vor einem Jahr hätte er sich das nicht vorstellen können.
Erfahrungsbericht eines Mannes:
„In den letzten sechs Monaten haben wir den Liebesakt „in Stille“ vollzogen – ohne uns äußerlich viel zu bewegen. Allerdings erlebten wir viel innere Bewegung – und das ist das gewisse Etwas, wonach ich früher immer gesucht hatte. Diese Art des Liebemachens gibt mir Raum für bewusste Begegnung, tiefe Liebe, grenzenlose Abwechslung, sprühende Lebendigkeit, kraftvolle Männlichkeit und tiefe Erfüllung. Es ist ein wunderbarer Weg, der mich zu dem hinführt, der ich wirklich bin. Andererseits gibt es auch den heißen Liebesakt mit sexueller Erregung. Ich erlebe die Erregung als etwas, das mich immer wieder in mich hinein zieht. Manchmal zieht sie mich an, weil ich sie einfach nicht loslassen kann. Oder sie kommt als Welle, die mich überfordert und überwältigt. Diese Erfahrung ist etwas ganz anderes als der stille Liebesakt. Beim Vergleich zeigen sich die Unterschiede. Ihr beide habt als unsere Lehrer zu uns gesagt: „Das Danach ist euer Lehrer.“ Nach dem stillen Liebemachen fühlte ich mich innerlich meistens erfüllt und lebendig. Nach der Liebe mit Erregung, oder mit anderen Worten, nach dem Orgasmus, fühlte ich mich müde, und ich brauchte eine Pause. In meiner persönlichen Erfahrung gibt es noch einen weiteren wichtigen Unterschied: Bei der erregten Liebe „klebe“ ich energetisch an meiner Partnerin. Bei der stillen Liebe entsteht ein Raum, in dem sich die Liebe zwischen uns entfalten kann. Was die Qualität und Nachhaltigkeit anbelangt, hat die stille Liebe für mich eindeutig den Vorrang, aber dennoch kann ich mich im Moment noch nicht endgültig von der Liebe mit Erregung verabschieden. Ich würde sonst einige Teile in mir verleugnen, die sich immer noch nach der Erregung sehnen. Und das will ich nicht tun. Ich denke, dass mir die weitere Übung mit Tantra den Weg zeigen wird. Ich lasse mich immer weiter und immer wieder davon überraschen, wohin mich dieser Weg führt.“
3. Die Ejakulation ist nicht der Orgasmus des Mannes
„Gewöhnlich geht die Energie nach außen und nach unten. Ihr müsst sie zurückbringen, nach innen – und „nach innen“ ist gleichbedeutend mit „nach oben“. Sobald sie zu dir zurückkommt und du zu einem Energiekreislauf wirst, wirst du staunen: Ein neue Dimension hat sich aufgetan, du beginnst dich nach oben zu bewegen. Dein Leben ist nicht mehr nur horizontal; es hat eine neue Richtung genommen: die Vertikale.”
Osho, Secret of Secrets
ALLGEMEIN WIRD ANGENOMMEN, DIE EJAKULATION SEI DIE männliche Version des Orgasmus. Einige Männer haben jedoch bereits entdeckt, dass die Ejakulation ganz eindeutig nicht der „wahre“ Orgasmus ist. Sie haben erlebt, dass die Natur die Genitalien für höhere, „höher entwickelte“ Erfahrungen vorgesehen hat. Natürlich sind sich auch diese Männer einig, dass die Ejakulation ein intensives Lustgefühl bedeutet. Doch diese wenigen Sekunden sind für sie nicht vergleichbar mit der zeitlosen, entspannenden Glückseligkeit der orgastischen Vereinigung. Du erlebst deinen Körper in seiner vollen Kraft, fühlst dich verjüngt und erfrischt.
Es ist für einen Mann physiologisch möglich, einen Orgasmus ohne Ejakulation zu haben. Es kann andererseits auch vorkommen, dass ein Mann ganz ohne irgendwelche lustvollen Empfindungen ejakuliert. Orgasmus und Ejakulation sind Funktionen, die von unterschiedlichen Teilen des Nervensystems aktiviert werden. Sie können sich gleichzeitig ereignen – und sie können unabhängig voneinander geschehen. Für den Mann bedeutet dies, dass er fähig ist, einen verlängerten „Talorgasmus“ zu erleben oder sogar mehrfache Orgasmen ohne zu ejakulieren.
Die Ejakulation ist ein Energieverlust
Männer haben durch die Ejakulation immer einen „Energieverlust“; dieser zeigt sich meist in Form von Müdigkeit. Viele Männer glauben, das sei ein Zeichen von Entspannung. Es ist jedoch nur scheinbar Entspannung – tatsächlich ist die Müdigkeit ein Zeichen von Erschöpfung. Im Gegensatz dazu hat der Orgasmus ohne Ejakulation eine sehr belebende Wirkung.
Beim konventionellen Orgasmus mit Ejakulation geschieht folgendes: Zuerst werden die Stimulation und die Bewegungen immer intensiver. Das Spannungsniveau steigt an, der Atem wird schneller. Die Energie und die Spannungen erreichen den Höhepunkt. Und dann kommt eine blitzartige Entladung, bei der der Mann den Leben spendenden Samen hinausschleudert.
Die nachfolgende Erschöpfung hat zwei Gründe: zum einen sammeln sich bei dieser Art von Sex im Körper des Mannes mehr Spannungen an, als er bei der Entladung abgeben kann. Der andere Grund hat mit dem Verlust des Samens zu tun; es ist zwar nur eine sehr geringe Menge an Flüssigkeit – sie hat jedoch einen äußerst hohen Energiegehalt.
Die Macht des Samens
Die Mehrheit der Männer (und der Frauen) stellen die Ejakulation nie in Frage. Sie ist das Ziel von Sex. Deshalb machen wir ihn ja. Außerdem kann Sex ohne Ejakulation kaum richtiger Sex sein! Also spricht man der Ejakulation eine zentrale Rolle zu, ohne den damit verbundenen Energieverlust zu bedenken. Der Körper ersetzt ejakulierten Samen nämlich sofort. Dafür zieht er Energie von seinen Reserven ab. Er zieht sogar enorm große Energiemengen ab – und zwar von anderen lebenswichtigen Funktionen. Er verwendet sie, um den verlorenen Samen zu ersetzen. Und das geschieht bei jeder Ejakulation – immer wieder und wieder.
Im Leben eines Mannes addiert sich dieser Verlust und fordert allmählich seinen Tribut. Ständig zweigt der Körper Energie ab, um das Samendepot aufzufüllen. Wenn diese Energie noch zur Verfügung stünde, könnte der Körper sie dafür nutzen, die wesentlichen Körperfunktionen leichter aufrecht zu erhalten. Besonders sinnvoll ist das, wenn ein Mann älter wird.
Ein Teelöffel männlichen Samens ist eine unglaublich potente Flüssigkeit: Sie enthält riesige Mengen an Eiweiß, Vitaminen, Mineralien und Aminosäuren sowie Lebensenergie. Der Samen ist vergleichbar mit flüssigem Gold. Bei jeder Ejakulation setzt ein Mann dreihunderttausend bis fünfhunderttausend männliche Samenzellen frei. Mit diesem Potenzial könnte er bis zu einer halben Million Menschen zeugen. Eine wahrhaftig erstaunliche Kraft! Unwissentlich und gewohnheitsmäßig schleudert der Mann jedes Mal, wenn er Sex hat, sein immenses Zeugungspotenzial hinaus. Und das nur, weil nach der allgemeinen Vorstellung Sex hauptsächlich für die Lust an der Ejakulation da ist.
Ja, die Ejakulation ist natürlich lebenswichtig – für die Fortpflanzung des Menschen und das Überleben der Spezies. Wir können den Beweis und den Erfolg des fruchtbaren Potenzials und Ausdrucks von Sex überall sehen. Die Erdbevölkerung ist auf fast sieben Milliarden Menschen angewachsen. Das zeigt, dass die Menschen das biologisch reproduktive Potenzial von Sex hier auf der Erde intensiv und ausgiebig leben.
Spiritueller Sex bewahrt den Samen
Beim Menschen ist das sexuelle Fortpflanzungspotenzial der „oberflächlichere“ Aspekt von Sex, auch wenn die Erschaffung eines Menschen immer ein unbegreifliches Wunder ist und bleibt. Sex hat jedoch einen höheren spirituellen Aspekt, der weit über die Fortpflanzungsfunktion hinausgeht. In dieser Hinsicht unterscheidet sich der Mensch wesentlich von seinen Freunden aus dem Tierreich.
Die Fortpflanzung der Tiere ist normalerweise auf sehr kurze Paarungszeiten begrenzt. Sie findet nur wenige Male im Jahr statt. Die Männchen der jeweiligen Spezies werden dabei meist von speziellen Gerüchen angezogen, die das Weibchen ausströmt. In den Phasen zwischen den Paarungszeiten spielt Sex bei den meisten Tieren kaum eine Rolle.
Wir Menschen können jedoch den ganzen Tag lang Liebe machen. Und wir können jeden Tag Liebe machen – wenn wir das wollen. Es muss also mehr am Sex dran sein, als die reine Fortpflanzungsfunktion. Der Mensch ist in der Lage, durch Bewusstsein seine sexuelle Energie auf eine höhere Ebene zu heben. Das ist ein evolutionärer Fortschritt in der menschlichen Entwicklung.
Wenn wir Sex auf der spirituellen Ebene erleben, bleiben der Samen und die Lebenskraft im Körper. Sie werden nicht wie gewohnt hinausgeschleudert. Wenn die biologische Fortpflanzungsenergie im Körper bleibt, begeben wir uns auf eine höhere Ebene der Selbsterfahrung. Wir erleben, dass sich unser Sein wandelt und transformiert. Diese Erfahrungen bereichern uns – sie berühren uns tief im Innersten und nähren uns.
Bereits vor Jahrtausenden empfahlen und praktizierten die Taoisten Sex auf eine Weise, bei der der Samen im Körper bleibt. Sie betrachteten Sex ohne Ejakulation als zentrale Voraussetzung für ein langes, gesundes, schöpferisches und glückliches Leben.
Nur wenn der Samen im Körper des Mannes bleibt, können sich die Qualitäten von wahrer männlicher Autorität und Präsenz entfalten. Wir erwähnten das bereits im 2. Kapitel. Nach unserer Erfahrung sind diese Qualitäten heute bei vielen Männern nur schwach ausgeprägt. Auf dieses Thema gehen wir in 8. Kapitel noch näher ein.
Die sexuelle Erfahrung des Mannes ist beschränkt, da er der Rolle der Ejakulation viel zu viel Bedeutung beimisst. Bedauerlicherweise ist der biologische Fortpflanzungswille überhaupt nicht daran interessiert, dass der Mensch Zustände der Ekstase erlebt oder sein von Gott gegebenes orgastisches Potenzial lebt. Die Ejakulation erfüllt den Zweck der Natur perfekt. Und sie bewirkt bereits eine „Bruchlandung“, bevor die Menschen abheben und zu fliegen beginnen. Die Dauer des sexuellen Akts ist üblicherweise nur sehr kurz. Das bedeutet, dass die meisten Männer noch nie erlebt haben, wie wertvoll und nährend es ist, wenn der Penis lange in der Vagina ist. Die Vagina ist für den Penis und auch für den Mann selbst das wahre Zuhause – und sein Ruheplatz.
Ein Mann blockiert im Laufe seines Lebens eine unschätzbare Menge an Zeit und Energie mit sexuellen Fantasien und sexuellen Sehnsüchten. Die Zeit, in der er tatsächlich Liebe macht und mit seinem Penis in der Vagina ist, ist gemessen daran verschwindend gering. Diese Art von „oberflächlichem“ und an der Fortpflanzung orientiertem Sex ist langfristig niemals wirklich befriedigend. Denn immer wieder kommt die Sehnsucht auf, dieselbe Erfahrung zu wiederholen. Der Mann ist gefangen in einem Teufelskreis von Begierde und Entladung. Mit der Wiederholung kommt dann leicht Langeweile auf. Und dann wechselt er die Partnerin, damit sein Sexleben wieder lebendig wird. Wenn die Erfahrung der Ejakulation wirklich erfüllend wäre, hätte er danach ein Gefühl von tiefer Befriedigung und Erfüllung. Doch die meisten Männer fühlen sich danach, wie bereits erwähnt, ziemlich erschöpft und es mangelt ihnen an Kreativität im Leben. Der Höhepunkt ist nicht wirklich allumfassend und berührt den Mann nicht bis ins Innerste. Das führt dazu, dass der Mann fast zwanghaft oder wie besessen nach Sex verlangt. Das kann sich für einen Mann dann so anfühlen, dass sein sexueller Trieb ihn vollständig unter Kontrolle hat.
Wenn ein Mann lernt, seine höhere orgastische Natur zu erfahren und dadurch tiefere Erfüllung im Sex zu finden, wird seine sexuelle Besessenheit entsprechend nachlassen. Mit der Gewohnheit zu ejakulieren übergeht ein Mann die feine, kostbare und köstliche Ebene der sexuellen Erfahrung. Denn die Lebenskraft bekommt gar keine Gelegenheit, im Körper zu zirkulieren. Die Ejakulation unterbricht den Kreislauf, bevor er richtig begonnen hat. Und damit bleibt das höhere Potenzial von Sex ungenutzt. Es ist gleich um die Ecke… du brauchst dich nur umzudrehen und du kannst eine göttliche Erfahrung machen!
Entscheide bewusst über deine Ejakulation
Wenn du beim Sex eine höhere Oktave erreichen willst, dann verlängere einfach das Liebesspiel. Das erreichst du, indem du dich weniger bewegst und indem du dich entspannst und beruhigst. Dann ist die Ejakulation so weit entfernt, dass du dich bewusst entscheiden kannst, ob und wann du sie haben willst. Erst wenn Mann und Frau über eine längere Zeit Liebe machen, können sie in den Zustand von sexueller Ekstase kommen. Die Natur hat den menschlichen Körper so geschaffen, dass er diese höhere Ebenen erreichen kann. Doch damit dies geschehen kann, ist Sensibilität und Bewusstheit erforderlich.
Du kannst ganz bewusst entscheiden, ob du eine Ejakulation haben willst oder nicht. Sie passiert dann nicht wie ein „Unfall“ oder aus Gewohnheit. Dazu brauchst du nur wissen, dass zu starke Erregung die vorzeitige Ejakulation bewirkt – wie schon im vorigen Kapitel erwähnt.
Tantra-Meister sagen, dass vor der Ejakulation immer schon der Gedanke an eine Ejakulation da ist. Die Ejakulation kommt ursprünglich aus dem Kopf! Ohne den Gedanken daran kommt es selten zur einer Ejakulation. Es sei denn, die Frau ist zu stark erregt und zieht die Ejakulation aus dem Mann heraus. Das haben wir im vorigen Kapitel bereits angesprochen.
Die Kontrolle der Ejakulation bringt dich in Spannung
Wenn du wählen kannst, ob du eine Ejakulation haben willst oder nicht, ist das etwas vollkommen anderes als sie zu kontrollieren. Es ist ein sehr großer Unterschied, ob du einfach nicht ejakulierst, weil du es so gewählt hast – oder ob du die Ejakulation zurückhältst.
Osho sagt: „Es geht nicht um Kontrolle. Kontrolle ist etwas anderes. Und Entspannung ist etwas vollkommen anderes als Kontrolle. Du entspannst dich in den Sex, anstatt ihn zu kontrollieren. Wenn du ihn kontrollierst, wirst du dich nicht entspannen. Wenn du ihn kontrollierst, wirst du es früher oder später eilig haben, zum Ende zu kommen, denn Kontrolle ist anstrengend. Und jede Anstrengung erzeugt Spannung, und Spannung bewirkt die Notwendigkeit und das Bedürfnis sie loszuwerden. Es ist nicht gleichbedeutend mit Kontrolle – du leistest keinen Widerstand gegen etwas. Du bist einfach nicht in Eile, denn der Sex geschieht nicht, um irgendwohin zu gelangen. Du gehst nirgendwohin. Es ist einfach ein Spiel; es gibt kein Ziel. Es gibt nichts zu erreichen – wozu solltest du dich also beeilen?“
Bei manchen sexuellen Übungen wird empfohlen, dass der Mann für eine gewisse Zeit „auf der Schwelle zur Ejakulation tanzen“ soll, ohne jemals wirklich zum Punkt der Ejakulation zu gelangen. Das bedeutet, dass ein Mann willentlich die Erregung und den Spannungspegel steigen lässt. Und dann – kurz bevor die Ejakulation kommt und er den Punkt erreicht, an dem es kein Zurück mehr gibt – hört er auf und entspannt sich. So hat er keine Ejakulation. Nach einer Weile baut er den Energiepegel wieder auf, dann entspannt er sich wieder. Und dieses „Auf und Ab“ macht er immer wieder. Das Ergebnis ist, dass er dadurch die Ejakulation für eine längere Zeit kontrollieren kann. (Es gibt auch spezielle Techniken, um die Ejakulation zu unterdrücken, zum Beispiel indem der Mann mit dem Finger in den ProstataBereich drückt).
Körperliche Schmerzen nach heißem Sex
Wenn der Mann die Ejakulation nun auf die oben beschriebene Weise kontrolliert, kann das bewirken, dass er kurzfristig mehr Energie spürt. Doch durch die willentliche Erhöhung und Abkühlung der sexuellen Temperatur werden Spannungen in der Prostata und in den Genitalien gespeichert. Und das kann zu einer Blockade führen, die er dann nach dem Sex spürt. Wenn ein Mann willentlich mit seiner Erregung spielt und seine Ejakulation kontrolliert, sollte er sich nicht wundern, wenn er hinterher Schmerzen in den Hoden oder in der Leistengegend hat. Dieser Schmerz ist Ausdruck der Spannung, die durch die ständige Unterdrückung der Energie entstanden ist. Auch auf lange Sicht ist das nicht besonders gesund.
Wenn ein Mann sich entscheidet zu ejakulieren, empfehlen wir, es einfach zu tun! Und zwar ohne in irgendeiner Weise in den Fluss des Geschehens einzugreifen. Sag deiner Frau, dass du jetzt „kommst“, schau ihr dabei in die Augen, bleibe präsent in der Situation – und genieße es! Wenn du Sex ohne Ejakulation haben willst – oder sie erst nach längerer Zeit haben willst – ist es am besten, wenn du dich von Anfang an nur wenig stimulierst und erregst. Sei einfach ruhig, entspanne dich und bleibe bewusst. Das wird dir ermöglichen, stundenlang Liebe zu machen.
Schmerz nach entspanntem Sex ist ein Zeichen von Heilung
Auch nach entspanntem Sex kann es überraschenderweise geschehen, dass du Schmerzen hast. Du kannst sie möglicherweise im Penis, in den Hoden, in der Leistengegend oder im Unterbauch spüren. Wenn die sexuelle Atmosphäre wirklich entspannt war, dann sagen uns die Schmerzen, dass zuvor angesammelte Spannungen gerade aus dem Gewebe hinausgehen. Der Körper heilt und regeneriert sich selbst durch Entspannung. Wenn sich emotionale und körperliche Spannungen auflösen, kehrt die Empfindsamkeit in den Körper zurück und nimmt allmählich wieder zu.
Sex ohne Ejakulation hat keine „Nebenwirkungen“
Wir hören oft, dass Ärzte Männern empfehlen, regelmäßig zu ejakulieren, um „die Rohre durchzuspülen“ – wie ein Do-it-yourself-Klempner. Was auch immer der Grund dafür sein mag – mangelnde Information oder mangelnde persönliche Erfahrung–auch die medizinischen Berufe stehen unter der „Ejakulations-Hypnose“. Sie geben sie an ihre Patienten weiter und tragen so dazu bei, dass dieser Irrglaube weiterhin bestehen bleibt.
Persönliche Erfahrungen haben gezeigt, dass es möglich ist, jahrelang häufig Liebe zu machen – ohne Ejakulation. Es ist nicht so, als würde ein Mann wie ein Ballon anschwellen und schließlich platzen, weil er seinen Samen nicht losgeworden ist! Der Körper ersetzt nur die Samen, die verloren gehen. Er stellt nicht ununterbrochen Samen her. Warum sollte er das auch tun? Es besteht keinerlei körperliche Gefahr für einen Mann, der sehr lange Zeit keine Ejakulation hat. Vielleicht kommt es dann manchmal nachts zu spontanen Samenergüssen. Doch diese werden im Laufe der Zeit immer seltener.
Setze deinen Samen nur für die Empfängnis ein
Ein Mann kann, wenn er es wählt, nur bei einer gewollten Zeugung ejakulieren. Natürlich ist das keine strikte und allgemeingültige Regel, die wir hier anregen. Ein Mann sollte sich einfach dessen bewusst sein, dass er entscheiden kann, nur dann zu ejakulieren, wenn er und die Frau ein Kind wollen. Sie wählen die Zeit des Eisprungs der Frau und er entscheidet sich, zu ejakulieren. Durch diese bewusste Ejakulation wird auch die Empfängnis zu einem ebenso bewussten Ereignis. Wenn ein Mann auf diese Weise ejakuliert, kann er seinen Samen mit einem bestimmten Wunsch oder einer Vision „einpflanzen“. Das ist ein ganz anderes Erlebnis, als die zufällige Empfängnis, die normalerweise stattfindet. Es gibt mehrere verschiedene Methoden, den Eisprung ganz einfach zu bestimmen.
Die Identifikation der Frau mit der männlichen Ejakulation
Männer sollten sich darüber im Klaren sein, dass Frauen sich häufig mit dem Orgasmus und der Ejakulation ihres Mannes identifizieren. In diesen paar Momenten hat die Frau das Gefühl, dass sich der Mann ihr hingibt. Und das ist für die Frau eine Art Bestätigung. Die Ironie liegt darin, dass sie in Wirklichkeit beim Mann die oben beschriebenen Symptome hervorruft, zu denen es nach einer Ejakulation kommt. Sie nimmt ihm – und ohne es zu wissen auch sich selbst – die Kraft. Der Fluss von Intimität und Liebe wird stark beeeinträchtigt oder unterbrochen.
Meistens kommt uns dieser „Bruch“ in der Verbindung zwischen Mann und Frau ganz normal vor. Wir kommen gar nicht auf die Idee, dass es etwas mit der Art und Weise zu tun hat, wie wir Liebe machen. Wir denken: Das ist ganz normal – so ist es eben.
Ein Mann kann damit beginnen, die Zeugungsenergie in seinem Körper zu lassen und damit experimentieren. Dann wird er erleben, dass sich etwas wandelt. Er wird sich selbst als ganz anderen Menschen erleben – auch im Alltag. Männer berichten von freudigen Gefühlen, die in ihr Herz aufsteigen. Sie berichten auch von Leichtigkeit und Wärme, die ihren ganzen Körper und ihr Wesen zum Strahlen bringen.
Auch die Männer ihrerseits identifizieren sich meist mit dem Orgasmus ihrer Frau. Er gibt dem Mann die Bestätigung, dass er ein guter Liebhaber ist. Das baut sein männliches Ego auf. Doch Männer, bedenkt dabei, dass viele Frauen den Orgasmus nur vortäuschen. Das ist also nicht unbedingt ein verlässliches Feedback! Wenn der Mann die Frau zum Orgasmus gebracht hat, hat das einen großen Nachteil: Aufgrund der erhöhten Erregung und Spannung ejakuliert er fast immer ein paar Sekunden zu früh und schwächt sich damit selbst. Zum einen schwächt er sich durch den Energieverlust beim Samenerguss und dadurch, dass er die Ejakulation nicht genießen kann. Und zum anderen schwächt er sich dadurch, dass das Liebesspiel dann meist zu Ende ist und er den Fluss der Liebe nicht länger erleben kann.
Symptome nach der Ejakulation
Der Energieverlust nach der Ejakulation zeigt sich auf unterschiedliche Weise. Vielleicht kennst du das – du fühlst dich abgetrennt, verlierst das Interesse an der Partnerin, bist reizbar, müde und willst einfach nur noch „abschalten“ oder schlafen. Die Energie hat sich erschöpft und löst eine Art von negativer Entspannung aus.
Ein junger, fünfundzwanzigjähriger Mann nahm an unserem einwöchigen Seminar für Paare teil. Er begann gleich während des Seminars damit, einige Tage lang zwei oder drei Mal täglich Liebe zu machen – dabei ejakulierte er nicht und behielt so die Energie bei sich. Er bemerkte, dass sich in seinem Körper und seinem Wesen eine deutlich andere Qualität zeigte: Er fühlte sich, als sei er im Paradies der Liebe angekommen. Er war „high“ wie ein Drachenflieger. Am zweitletzten Tag entschied er sich dann, eine Ejakulation zu haben. Er wollte einfach ausprobieren, wie es sich anfühlte. Er erzählte uns, dass er von einer Sekunde zur anderen das Gefühl hatte, vom Himmel in die Hölle zu fallen. Die positive, inspirierende, belebende Kraft, die er in den Tagen zuvor in sich gespürt hatte, war auf der Stelle verschwunden. Seit dieser erschütternden Erfahrung weiß er um die emotionalen und körperlichen Zustände bei und nach der Ejakulation, er kann sie nun beobachten und erkennen. Seinen interessanten und präzise beobachteten Erfahrungsbericht findet ihr am Ende vom 9. Kapitel.
Die Vorteile von „kühlerem Sex“
Durch den Wandel des sexuellen Umgangs miteinander lösen sich viele persönliche Schwierigkeiten oder Beziehungsprobleme zwischen den Partnern. Beide Partner sind in einer Atmosphäre der Liebe, und aus ihren Augen strahlt Liebe. Bei Männern wandelt sich der Gesichtsausdruck völlig, wenn sie regelmäßig auf entspannte Weise und ohne Fokus auf den Orgasmus Liebe machen. Dieser Wandel ist wirklich bemerkenswert und sicher viel wirkungsvoller als jedes Lifting. Die rauen, kantigen und etwas missmutigen Furchen und Falten wandeln sich so, dass das Gesicht offener und voller wird. Das Gewebe erhält eine Infusion von Chi, Prana oder Lebenskraft. Diese Energiezufuhr lässt die Haut jünger, rosiger und strahlender erscheinen. Sein Körper steht mit beiden Beinen fest auf der Erde, das Herz ist weit offen, und die Augen strahlen.
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