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Diana Jäger
Warum ich?
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Kapitel I
Kapitel II
Kapitel III
Kapitel IV
Kapitel V
Kapitel VI
Kapitel VII
Kapitel VIII
Kapitel IX
Kapitel X
Kapitel XI
Kapitel XII
Kapitel XIII
Kapitel XIV
Kapitel XV
Kapitel XVI
Kapitel XVII
Kapitel XVIII
Kapitel XIX
Kapitel XX
Kapitel XXI
Kapitel XXII
Kapitel XXIII
Kapitel XXIV
Kapitel XXV
Kapitel XXVI
Kapitel XXVII
Kapitel XXVIII
Kapitel XXIV
Kapitel XXX
Kapitel XXXVI
Kapitel XXXVII
Kapitel XXXVIII
Kapitel XXXIV
Kapitel XXXV
Kapitel XXXVI
Kapitel XXXVII
Kapitel XXXVIII
Kapitel XXXIX
Kapitel XL
Kapitel XLI
Kapitel XLII
Kapitel XLIII
Kapitel XLIV
Kapitel XLV
Kapitel XLVI
Kapitel XLVII
Kapitel XLVIII
Kapitel XLIX
Kapitel L
Kapitel LI
Kapitel LII
Kapitel LIII
Kapitel LIV
Kapitel LV
56
Epilog
Impressum neobooks
Kapitel I
Heute war es endlich so weit. Trotz der Aufregung konnte ich gut schlafen, doch jetzt war ich gerade deswegen hellwach. Mein Outfit für den Tag hatte ich mir schon vor zwei Wochen gekauft. Ja, es war teuer und ich hätte nicht so viel Geld dafür ausgeben müssen, aber das war es mir allemal wert.
Schnell hüpfte ich unter die Dusche, wusch mir die Haare und sorgte dafür, dass ich so gut wie möglich aussah. Sogar neue Unterwäsche hatte ich mir gekauft. Vielleicht etwas aufreizender als normal, aber heute würde ich das zusätzliche Selbstbewusstsein gut gebrauchen können. Etwas Make-Up musste auch noch sein, nicht zu viel, ich wollte ja nicht billig wirken.
Als ich so vor dem Spiegel stand war ich zufrieden. Warum sollen wir Frauen uns immer für unsere Körper schämen? Wir sollten darauf stolz sein, was wir haben und uns nicht von anderen abhängig machen.
Bestmöglichst angezogen in meiner neuen, etwas aufreizenden schwarzen Unterwäsche, meinem grauen Hosenanzug, top frisiert und dezent geschminkt, machte ich mich nun auf den Weg zu meinem ersten Arbeitstag in der neuen Firma. Mein Studium hatte ich mit ziemlich guten Noten abgeschlossen, nicht perfekt, aber mit guten Chancen auf einen Job. Ich hatte nie eingesehen, warum ich für unnötige Seminare und Vorlesungen mehr Aufwand betreiben sollte als nötig. Für Dinge, in denen ich einen Sinn sah, investierte ich gerne meine Zeit. Leider war das nicht immer das Studium.
Die Freude war daher riesig, als ich gleich von der ersten Firma angenommen wurde. D&H war eine der renommiertesten Werbeagenturen und weit über die Landesgrenzen bekannt. Wie ich es dort hineingeschafft hatte, war mir bis jetzt nicht klar, aber ich hattee mir inzwischen abgewöhnt alles zu hinterfragen und mich stattdessen einfach zu freuen. Leider befand sich die Firma mitten in Wien. Ich hasse Städte, ich hasse Menschen, ich hasse Autofahrer. So viel zur lebenswertesten Stadt der Welt. Und ich hasse männliche Autofahrer in Städten, die mit ihren viel zu großen Autos, die sie ohnehin nicht fahren können, mir die Parklücke wegschnappen. Natürlich, es stieg irgend so ein Schnösel aus. Gut, nicht ärgern, einfach weiterfahren, die nächste Parklücke ist schon in Sicht. Ich sollte meine schlechten Erfahrungen mit Männern nicht auf meine ganze Lebenswelt übertragen.
Mein Auto versperrte ich und kontrollierte es nochmal. Dieser Tick hatte sich im Laufe der Jahre bei mir eingeschlichen, aber jeder hat seine Verrücktheiten, warum ich also nicht auch? Gerade als ich mich umdrehte und Richtung D&H Hauptgebäude gehen wollte, knallte ich irgendwo dagegen. Nach dem Aufprall nach, war es eine Betonmauer. Ich stellte fest, dass es keine Mauer war, woher denn auch, sondern ein Mann. Natürlich, es musste ja so kommen, es war der Autofahrer, der sich den Parkplatz geschnappt hatte.
„Du solltest aufpassen, wo du hinläufst, Kleines.“
Bitte was hat dieser Affe gerade zu mir gesagt? Kleines? Geht’s noch? Aber ich war so perplex, dass ich kein Wort herausbrachte und das passiert mir wirklich selten. Nach mehrmaligem Blinzeln sah ich mir diesen Gorilla mal genauer an. Ich muss zugeben, er ist ein heißer Gorilla. Das war mir vorhin gar nicht aufgefallen. Meine hohen Schuhe machten aus meinen 1,60m auch nur 1,70m und der Gorilla überragt mich immer noch um 20 cm. „Hoffentlich sind das nicht die einzigen 20 cm“, schoss es mir durch den Kopf. Huch, solche Gedanken hatte ich schon lange nicht mehr, was war jetzt denn los?
„Willst du dich nicht entschuldigen?“
Sein Kommentar riss mich aus den Gedanken. Meine Sprache hatte ich allerdings wiedergefunden.
„Ich wüsste nicht wofür. Ich weiß zwar, dass ich klein bin, aber zu übersehen bin ich nicht.“
„Das bist du ganz bestimmt nicht“, grinste er und ging lässig, als wäre nichts gewesen, einfach weiter.
Ich wusste wieder, woher meine schlechte Einstellung Männern gegenüber kam. Ich bin zwar keine Männerhasserin, aber etwas weniger vom männlichen Stolz in unserer Gesellschaft und das Leben wäre um einiges leichter. Kopfschüttelnd ging ich weiter.
Als ich ihm Bürogebäude ankam, wurde ich am Empfang begrüßt. Die Dame dort fragte nach meinem Namen und reagierte anders als erwartet, nämlich äußerst besorgniserregend. Sie zuckte sofort zusammen und riss gleichzeitig die Augen auf. Sie wirkte total verängstigt, aber nannte mir den Raum 1000, der sich im obersten Stock befand. Dort sollte ich mich einfinden. Beim Weggehen drehte ich mich nochmal zu ihr um, ich hatte noch nie einen so besorgten Gesichtsausdruck bei einem völlig fremden Menschen gesehen.
Im Lift fingen sich meine Gedanken an zu drehen. Wie zum Teufel hatte ich es geschafft nach dem Studium, ohne einen Praktiumsplatz zuvor gehabt zu haben, an so einen Arbeitsplatz zu kommen? Warum ich? D&H hatte eine eigene Personalabteilung, warum wurde ich in die Chefetage geschickt? Der Inhaber von D&H war kurz vor der Pensionierung und sein Sohn war schon seit vielen Jahren in der Firma. Das waren die einzigen Informationen, die ich über die Inhaber der Firma finden konnte.
Überrascht als die Lifttüren sich öffneten, wurde ich aus meinen Gedanken zurückgeholt und sah mich um. Zumindest die Chefetage wirkte sehr freundlich. Alles in hellem Holz gestaltet mit vielen weißen Elementen. Ein bisschen rustikal vielleicht, aber dennoch stilvoll. Im Gegensatz zu der Dame am Empfang, wirke die Sekretärin hier äußerst entspannt und begrüßte mich freundlich. Vielleicht waren meine Ängste nach der Begegnung unten doch unbegründet. Maria, so ihr Namensschild, erklärte mir, dass mich der Chef höchstpersönlich begrüßen wollte und mit mir ein kurzes Gespräch führen wird. Sie bot mir einen Platz auf einem weißen Sofa an, sowie verschiedene Getränke. Dankend lehnte ich ab, wartete und las in der Zwischenzeit eine Zeitschrift.
Nach fünf Minuten ging die Lifttür wieder auf. Ich wollte schon aufstehen und meinen neuen Chef begrüßen. Stattdessen stiegen zwei Männer aus. Man konnte beide mit dem Mann von heute Morgen in eine Reihe stellen. War das hier irgendwie Vorschrift als männliches Alphatier herumzulaufen? Arbeitet dieser Vollpfosten von heute Morgen auch hier? Ich schenkte ihnen keine weitere Beachtung. Wider Erwarten blieb einer neben mir stehen.
„Aufstehen!“, eiskalt und messerscharf erklang seine Stimme.
Ich hatte zwar ein ungutes Gefühl, beschloss aber dennoch ihn zu ignorieren. Was glaubte er eigentlich wer er war, dass er so mit mir reden konnte? Nie im Leben würde ich auf so etwas reagieren.
„Steh auf!“, hörte ich seine Stimme erneut.
Ich entschied mir diesen „Mann“ mal anzusehen. Meiner Meinung nach ist keine männliche Person, die es notwendig hat, so mit einer Frau zu reden ein Mann, sondern einfach nur erbärmlich.
Langsam senkte ich meine Zeitschrift, setzt einen verächtlichen Blick mit einem leichten Grinser auf und sah diesem „Mann“ in die Augen. Ich hatte mit viel gerechnet, aber nicht damit. In meinem Leben hatte ich schon viele Personen kennengelernt, aber noch nie hatte ich solche schwarzen, undurchdringbaren Augen gesehen. Es heißt immer, die Augen sind das Tor zur Seele. Entweder ist sein Tor verschlossen oder er hat schlichtweg keine Seele, denn in seinen Augen war nichts zu erkennen. Passend zu seinen schwarzen Augen, trug er ein komplett schwarzes Outfit. Nur seine Haare passten nicht zu seinem Look. Sie waren auffallend braun, ein braun, dass ich noch nie zuvor gesehen hatte. Irgendetwas zwischen schoko- und karamellbraun. Dieser „Mann“ war allemal eine Erscheinung.
Dennoch konnte ich meinen Gesichtsausdruck wahren, lächelte ihn an und sah ganz langsam wieder provokant in meine Zeitschrift. Gott sei Dank hielt ich diese in der Hand, sonst hätte er bemerkt, dass meine Hände zitterten. Was war denn jetzt mit mir los?
„Ich weiß, dass du nervös bist. Ich weiß, dass du dich gerade fragst, was mit dir los ist. Und ich weiß, dass du jetzt gerade sehr gerne von hier verschwinden würdest. Behandle mich noch ein einziges Mal so und ich werde dafür sorgen, dass du es bereust.“
Noch bevor ich irgendetwas erwidern konnte, drehte sich der Typ um und ging mit den beiden anderen, die ich gar nicht mehr bemerkt hatte, davon. Im gleichen Moment öffnete sich die Tür des Chefbüros.
„Ava, treten Sie bitte ein“, erklang eine männliche Stimme aus dem Büro.
Noch verwirrt von der Begegnung gerade stand ich mechanisch auf und bewegte mich wie von Sinnen zu dem Büro. Beim Vorbeigehen fiel mir auf, dass der Schreibtisch der Sekretärin leer war. Das allein hätte ich ja noch verstanden und es wäre nichts Besonderes gewesen, aber bei einem genaueren Blick Richtung Schreibtisch sah ich, dass sie neben ihrem Schreibtischsessel kniete. Sie suchte dort nichts, sie kniete dort und zwar so, wie man es aus manch einem SM-Roman kannte.
Kapitel II
„Ava, kommen Sie nur rein. Ich hoffe es geht für Sie in Ordnung, wenn ich Sie mit dem Vornamen anspreche. Das ist bei uns in der Firma so üblich. Ich bin übrigens Johann. Ist alles in Ordnung mit Ihnen? Sie sehen ein wenig blass aus. Sie werden doch nicht nervös? Setzen Sie sich doch erst mal.“
Überfordert mit der Situation von draußen und seinem Redeschwall musste ich mich erst mal orientierten. Mein Chef, also Johann, sah mich wartend an. Es wurde Zeit, dass ich auch endlich etwas sage.
„Freut mich Sie kennen zu lernen“, etwas intelligenteres fiel mir momentan nicht ein.
„Setzen Sie sich, kommen Sie, kommen Sie. Eine Frau wie Sie wird doch nicht nervös sein!“
Seine Euphorie hätte ich gerne. Also setzte ich mich auf einen äußerst bequemen weißen Stuhl, während er um seinen gläsernen Schreibtisch herumging. Erst jetzt fiel mir auf, wie klein sein Büro eigentlich war. Für ein Chefbüro sah es ziemlich karg und ehrlich gesagt gewöhnlich aus. Mein zweiter Blick fiel auf meinen neuen Chef. Er war knapp vor der Pension, sah für sein Alter aber immer noch sehr gut aus.
„Also“, begann er, „Willkommen in der neuen Firma. Ich weiß, es ist ungewöhnlich, dass der Chef höchstpersönlich die neuen Mitarbeiter begrüßt, aber Sie wollte ich mir nicht entgehen lassen. Maria, meine Sekretärin, haben Sie ja schon kennen gelernt. Ava, Ihr Büro befindet sich eine Etage unter uns, dort hat übrigens auch mein Sohn sein Büro. Ich sage es Ihnen ganz ehrlich, ich hasse sein Büro. Es ist riesig und viel zu dunkel. Aber es passt zu meinem Sohn. Sie werden entweder mit ihm oder mit einen seiner Lakaien zusammenarbeiten. Ja, ich bezeichne Sie immer als Lakaien, denn so ganz habe ich noch nie verstanden, welche Beziehung sie zueinander haben. Vielleicht können Sie es ja rausfinden, aber dann müssen Sie es mir berichten.“
Er lachte über seinen eigenen Witz. Musste er eigentlich auch mal Luft holen?
„Ich weiß ich rede sehr, sehr viel. Mein Sohn sagt es mir ständig. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum er so wenig redet. Er war bei mir einfach nie zu Wort gekommen und konnte immer nur das Notwendige sagen. Aber sie werden Ihn ja bald kennen lernen. Bevor ich jetzt noch mehr rede, haben Sie irgendwelche Fragen?“
Eine Frage schoss mir durch den Kopf, aber sollte ich sie wirklich stellen? Ich war schon immer ein sehr direkter Mensch gewesen und scheute mich nicht, das zu sagen, was ich mir dachte. Er sollte mich so kennen lernen wie ich bin, also warum nicht.
„Warum ich?“
Verwirrt schaute er mich an. Hatte er meine Frage nicht verstanden? War es eine blöde Frage?
„Ich meine, ich habe nicht die besten Noten aus meinem Studium mitgebracht. Ich hatte zuvor nie einen Praktikumsplatz und bringe auch sonst keine Erfahrung mit. Meine Bewerbung war vielleicht nicht die Schlechteste, aber sicher nicht die Beste. Also, warum ich?“
„Ich habe ihre Frage schon verstanden, keine Sorge. Mein Zögern rührte daher, dass ich erst überlegen musste, ob ich Ihnen die Wahrheit sagen sollte. Aber nachdem Sie ehrlich zu mir sein sollen, will ich auch ehrlich zu Ihnen sein.“
Irgendwie war sein freundlicher Ton nun verschwunden. Er wirkte auch nicht mehr so überschwänglich wie zuvor. Kühl und distanziert war sämtliche Euphorie aus seinen Augen verschwunden.
„Sie wurden aus einem ganz bestimmten Grund ausgewählt. Wer war Ihr bester Professor?“
Ohne zu überlegen antwortete ich: „Dr. Schneller.“
Nickend saß er mir gegenüber. „Dr. Schneller und mich verbindet eine langjährige Freundschaft. Ihr Professor und ich haben so unser jährliches Ritual. Jedes Jahr frage ich ihn, wer sein bester Student sei. Normalerweise erhielt ich einfach einen Namen und diese Person wurde sofort bei uns eingestellt. Dieses Jahr war es anders.“
Johann stand aus seinem Sessel auf und ging zur Glasfront, aus der er halb Wien überblicken konnte. Sein Blick ruhte auf dem Riesenrad, welches gut zu erkennen war.
„Als ich ihn fragte, wer sein bester Student sei, sagte er, er hätte zwei Probleme. Erstens, dieser Student sei nicht der Beste. Zumindest was die Noten anging. Aber er sei einer der klügsten. Dieser Student investierte nur Zeit in Dinge, die wirklich bedeutsam waren. Er scheue sich nicht davor, seine Meinung zu sagen und diese auch hartnäckig zu vertreten. Er sei ein Sturkopf und nur schwer zu kontrollieren.“ Nach diesen Ausführungen drehte er sich wieder zu mir um, lehnte sich lässig gegen das Fensterbrett und blickte mich ernst an.
„Natürlich sagte ich sofort, den Burschen will ich haben. Aber ihr Professor antwortete mir nur, da haben wir das zweite Problem. Es ist kein Mann, sondern eine junge und hübsche Frau.“
Überrascht von seinen Ausführungen brauchte ich ein paar Sekunden, um zu verstehen, dass ich gemeint war. Zu meinem Professor hatte ich immer eine gute Beziehung und in den Jahren ist sogar eine Freundschaft entstanden, aber dass er mich für einen Job empfehlen würde, wusste ich nicht. Er hatte mir auch nichts davon gesagt. Johann setzte sich wieder auf seinen Platz.
„Da haben Sie ihre Antwort, warum gerade Sie. Sie können sich bei ihrem Professor bedanken. Ich hatte noch nie eine Frau als Empfehlung bekommen. Professor Schneller würde schon wissen warum. Aber allein seine Aussage reichte mir noch nicht um Sie einzustellen. Deshalb schickte ich meinen Sohn und seine Lakaien in Ihre Vorlesungen. Am Anfang waren wir sehr enttäuscht. Sie saßen an Ihrem Platz, in ihren Laptop vertieft und shoppten im Internet. Daher dachte ich mir, der Professor wird nun auch schon alt. Eine andere Erklärung hatte ich nicht für Ihre Empfehlung. Aber mein Sohn besuchte noch eine zusätzliche Vorlesung von Ihnen, nämlich bei Dr. Schneller. Danach kam er in mein Büro gestürmt und schrie mich an, dass er Sie haben will. Haben Sie eine Idee, welche Vorlesung das gewesen sein könnte?“
In meinem Kopf fingen sich sofort die Rädchen an zu drehen. Ich bin in so vielen Vorlesungen gesessen. Aber nachdem die Empfehlung noch nicht so lange her sein kann, muss das in den letzten paar Monaten passiert sein. Woher weiß er überhaupt, dass ich im Internet geshoppt habe?
Das einzig aufregende in den letzten Vorlesungen war, dass ich von Dr. Schneller rausgeworfen wurde und das völlig ungerechtfertigt.
Kühl sagte ich: „Sie meinen die Vorlesung, aus der ich rausgeworfen wurde.“
Mir war es nicht peinlich, überhaupt weil ich im Recht war. Irgendeine reiche Tussi, hauptberuflich Tochter, stellte immer wieder absolut peinliche Fragen. An diesem Tag war ich so und so schon schlecht gelaunt und durch ihre dämlichen Fragen kamen wir im Stoff nicht weiter. Auch Dr. Schneller war von ihren Fragen schon genervt, aber er konnte das natürlich nicht so direkt sagen. Also übernahm ich diese Aufgabe und sagte so laut wie möglich, damit es der ganze Saal hörte, wenn sie zu dämlich dafür sei, soll sie bitte nach Hause gehen, aber nicht unsere Zeit mit ihren unnötigen Fragen verschwenden. Das hauptberufliche Töchterchen war es nicht gewohnt, dass jemand so mit ihr sprach und antwortete mir empört, dass ich Bauerntrampel vom Land das wahrscheinlich nicht kenne, aber in einem professionellen Umfeld geht man so nicht miteinander um. Meine Antwort darauf fiel kurz und knapp aus. „Das einzige Umfeld, in dem du professionell wirkst, ist der Praterstern.“
Vielleicht wäre es nicht notwendig gewesen, sie als Prostituierte zu bezeichnen, aber ich hatte einen schlechten Tag. Leider war Dr. Schneller nicht auf meiner Seite.
„Ava, verlassen Sie den Saal. Ich erwarte Sie nach der Vorlesung in meinem Büro.“
Ein Raunen ging durch den ganzen Saal und ich hatte bestimmt 200 Augenpaare auf mir kleben. Diskussionen mit Dr. Schneller hatten noch nie etwas gebracht, also packte ich meine Sachen und ging in der Zwischenzeit in die Bibliothek. Nach dem Ende der Vorlesung klopfte ich an seine Tür.
„Wie ist das Gespräch zwischen Dr. Schneller und Ihnen nach dieser Vorlesung verlaufen?“, mein Chef riss mich aus meinen Gedanken.
Ich blieb bei meiner Ehrlichkeit und die Antwort fiel dementsprechend aus: „Als Gespräch kann man das nicht wirklich bezeichnen. Wie ein kleines Schulmädchen stand ich dort und konnte mir einen Vortrag über Respekt, Geduld und Würde anhören.“
„Was haben Sie daraus gelernt?“
Der freundliche Chef, der so viel redet war mir um einiges lieber.
„Meine Konflikte nicht vor Obrigkeiten auszutragen.“
„Falsche Antwort, Ava, falsche Antwort“, seufzte er. „Ich hoffe, das war die einzige Enttäuschung, die ich von Ihnen erleben werde. Ich erwarte viel von Ihnen.“
Stumm und regungslos blieb ich sitzen. Was sollte ich sagen? Ich hatte meinen Chef schon am ersten Tag enttäuscht. Super Leistung. Johann fokussierte mich mit seinen Augen und die Wärme kehrte wieder zurück.
„Ich bringe Sie jetzt in ihr Büro, Ihr Kollege erwartet Sie bereits. Sie werden sicher toll zusammenarbeiten. Bei Fragen können Sie sich jederzeit an ihn wenden, ansonsten steht mein Sohn Ihnen natürlich gerne zur Verfügung. Er wollte Sie haben, jetzt soll er die Suppe auch auslöffeln“, wieder lachte er über seinen eigenen Witz.
Gemeinsam gingen wir aus seinem Büro und an Marias Schreibtisch vorbei. Sie saß gut gelaunt auf ihrem Sessel und tippte etwas in den Computer. Hatte ich mir das vorhin nur eingebildet? Sie lächelte mir zu und wünschte mir viel Glück für meinen ersten Arbeitstag.
Ein Stockwerk weiter unten stiegen wir aus dem Lift aus. Von der rustikalen Gemütlichkeit aus der Chefetage war nicht mehr viel vorhanden. Jetzt wusste ich, was Johann vorhin mit riesig und dunkel gemeint hatte. Alles war schwarz und aus Glas. Die armen Angestellten, die hier putzen mussten. Man würde jedes Staubkorn sehen.
Johann führt mich an vielen Büros vorbei. Mitten im Raum befanden sich einige freistehende Schreibtische. An der Wand entlang konnte man einzelne Büros erkennen. In einige konnte man hineinsehen, andere waren verdunkelt. Perplex blieb ich stehen, als sich neben mir plötzlich eine der Scheiben des Büros verdunkelte. Wie es aussieht konnte man das manuell steuern. Das musste ja ein Vermögen gekostet haben.
Zu meiner Überraschung erhielt ich keinen Platz im Raum, sondern ein einzelnes Büro. Noch größer war die Überraschung, als wir den Raum betraten. Es standen zwei Schreibtische im Raum. Einer davon sollte offensichtlich mir gehören, der andere war bereits besetzt.
Lieber Gott, was habe ich verbrochen, dass du mich so bestrafen musst?
Kapitel III
In dem Raum saß kein anderer, als der Mann, den ich heute früh vor dem Gebäude getroffen hatte. Ich schwöre, wenn er mich noch einmal Kleines nennt, bring ich ihn um. Natürlich übernahm Johann gleich das Wort:
„Ava, darf ich vorstellen, das ist ihr Kollege Markus. Er wird sie einarbeiten und Ihnen alles zeigen. Mein Sohn steht auch jederzeit zur Verfügung falls sie Probleme haben. Ach ja und wenn Sie Probleme mit diesen beiden haben, dann kommen Sie einfach zu mir“, wenigstens er fand seine Aussage lustig.
Ich wollte gerade in irgendeinem Loch verschwinden. Warum fielen mir gerade jetzt die 20 cm von heute morgen ein. Ich hoffte nur, ich lief nicht rot an.
Der Kerl stand auf und reichte mir die Hand: „Schön Sie kennen zu lernen, Ava. Ich freue mich auf unsere Zusammenarbeit.“
Ich fand meine Fassung wieder und ergriff selbstbewusst seine Hand: „Ebenfalls.“
Warum sollte ich unnötige Worte verschwenden. Aber jetzt hatte ich Zeit mir diesen Mark, Matt, äh ach ja Markus mal genauer anzusehen. Mit den 1,90 m lag ich ziemlich richtig. Seine Schultern waren sehr breit und nach dem Zusammenprall wusste ich schon, dass er hauptsächlich aus Muskeln bestand. Seine etwas längeren blonden Haare waren perfekt gestylt. Sein dunkelblauer Anzug war wahrscheinlich maßgeschneidert. Am faszinierendsten waren seine blauen Augen. Sie leuchteten in einem intensiven Blau, das einen sofort gefangen hielt und sein Gesicht war von einem leichten Drei-Tage-Bart umrahmt. Verdammt, sah der gut aus.
Johann mischte sich wieder ein: „Ava, so wortkarg wie Sie sind, übertreffen Sie ja schon fast meinen Sohn. Ihr neuer Kollege wird sicher einiges über Sie wissen wollen. Ich hoffe, ich kann mich auf Sie verlassen.“
„Natürlich, Chef.“, war meine Antwort, unterstrichen mit einem freundlichen Lächeln.
Darauf strahlte er gleich noch mehr: „Sehen Sie, es geht ja. So lächelnd will ich Sie immer sehen, aber Markus hat sicher ein Auge auf Sie.“
Kann der eigentlich einmal nicht über sine Aussagen lachen?
„Also dann, ich lasse Sie sich nun mal gegenseitig beschnuppern. Ava, wenn Sie etwas brauchen, scheuen Sie sich nicht zu fragen. Sie haben einen sehr kompetenten Kollegen. Er wird das Beste aus Ihnen hervorholen. Viel Spaß!“
Noch während er redete, verließ er das Büro und schloss die Tür. Während ich ihm nachblickte und hoffte, dass es vielleicht doch nicht so schlimm werden würde, verdunkelten sich die Scheiben des Büros. Verwirrt drehte ich mich um. Markus stand vor mir, also wirklich VOR mir. Er hatte sich zu seiner vollen Größe aufgebaut und blickte herablassend in meine Augen. Ich hatte nicht einmal mitbekommen, dass er sich bewegt hatte. Was will er so nah bei mir?
„Ich warte noch immer auf eine Entschuldigung, Kleines“, dieselbe amüsierte Stimme wie am Morgen.
Waren wir jetzt doch per Du?
„Nenn mich nicht Kleines, Arschloch“, ich ging von ihm weg und verdrehte nebenbei noch demonstrativ die Augen.
Sofort war er hinter mir und drängte mich Richtung Fensterscheibe. Reflexartig drehte ich mich um und wollte ihn von mir weg stoßen. Links und rechts von mir, waren seine Hände auf dem Fenster. Ich war eingesperrt. Sein Gesicht war nur wenige Zentimeter von meinem entfernt. Seine Stimme schnitt durch die Luft:
„Kleines, wenn du noch einmal die Augen verdrehst und mich beschimpfst, wirst du das bitterböse bereuen.“
Schön langsam kroch mir die Angst den Rücken hinauf. Das war jetzt schon der zweite Mann, der mir hier in der Firma drohte. Kann ich schon nach fünf Minuten im neuen Job zu meinem Vorgesetzen laufen und mich beschweren? Kann ich ihm sagen, dass sein ach so kompetenter Markus ein sexistisches Arschloch ist? Oder weiß er davon? Johann sagte, Markus werde das Beste aus mir herausholen? Gehört das zu Firmenphilosophie? Wenn das so ist, werde ich noch heute kündigen. Egal wie lange ich dann auf einen Job warten muss. Dr. Schneller hat mir einmal eine Stelle verschafft, dann kann er das ein zweites Mal auch noch machen.
Markus starrte mich weiterhin an. Ich spürte wie ich Zentimeter für Zentimeter schrumpfte und ihm immer mehr Macht überließ. Verdammt noch mal, was war hier denn los?
Lachend ließ er plötzlich von mir, ging um die Schreibtische herum und setzt sich in seinen Sessel. Lässig schmiss er seine Füße überkreuzt auf den Tisch. Sein Blick blieb aber auf mir kleben und beobachtete jede noch so kleine Bewegung, die ich machte.
Ich atmete tief durch und wartete. Was sollte ich auch sonst machen mit einem Verrückten allein im Büro? Wenn man die Scheiben verdunkeln kann, sind sie wahrscheinlich schalldicht auch noch.
„Willst du nicht davonlaufen?“, fragte er süffisant.
„Ich bezweifle, dass du so dämlich bist und die Tür offen lässt“, und wie ich ihn weiterhin beschimpfen werde.
„Hör auf damit!“, seine Stimme wurde lauter.
Ich bemühte mich um meine beste Engelsstimme: „Womit?“
„Stell dich nicht dümmer als du wirklich bist. Du hast es nicht notwendig, dich unter deinem Wert zu verkaufen“, sein Ärger stieg.
„Soll das gerade ein Kompliment gewesen sein?“, das Spiel kann man auch zu zweit spielen. Grinsend wartete ich auf seine Reaktion.
Aber es kam keine. Er starrte mich weiterhin mit seinen leuchtend blauen Augen an, wie ein Löwe das Lamm. Ich wusste nicht, wie viel Zeit verging. Ich verlor mich in seinen blauen Augen. Menschen halten normalerweise keine Stille aus und wollen sie immer mit sinnlosen Wörtern füllen. Aber Markus blieb wie eine Statue sitzen und starrte mich weiter an.
„Knie dich hin.“, als hätte er mich gefragt, ob er einen Kugelschreiber haben kann, kamen die Worte über seine Lippen.
Verwundert sah ich ihn an. „Bitte was?!“, schrie ich.
„Knie. Dich. Hin.“, nach seinen Worten stand er auf und kam wieder zu mir rüber,
„Such es dir aus Kleines. Ich muss dir einiges erzählen. Entweder du kniest dich freiwillig vor mich hin oder ich bringe dich dazu. Entscheide klug.“
„Ich weiß ja nicht, was für ein sexistisches Arschloch du bist und welche perversen Vorstellungen ich dir befriedigen soll, aber niemals, nie und auf gar keinen Fall werde ich mich vor dir hinknien. Geht’s eigentlich noch? Was glaubst du verdammt noch mal wer du eigentlich bist? Glaubst du, nur weil du in einer angesehenen Firma bist, kannst du machen was du willst? Vergiss es, Arschloch!“
Schneller als ich schauen konnte, war er hinter mich getreten, hatte meine Arme geschnappt und diese auf meinen Rücken gedreht. Er zog meine Arme nach oben. Mir blieb nichts anderes übrig, als mich auf meine Knie fallen zu lassen. Sobald ich unten war, ließ er meine Arme los und ich fiel auf alle vier vor ihm nieder. Markus war wieder vor mich getreten. Vorsichtig blickte ich zu ihm auf und sah in seine eiskalten blauen Augen.
„Falsche Entscheidung, Kleines. Ich bekomme immer was ich will, merk dir das.“
Toll, mein neuer Arbeitskollege ist ein Psychopath. Und was mache ich jetzt? Wenn ich aufstehe wird er wieder dafür sorgen, dass ich auf meinen Knien lande. Also blieb ich wohl oder übel unten und setzt mich auf meine Fersen. Was will der Typ von mir?
„Gute Entscheidung Kleines,“ selbstgefällig nickend stand er vor mir. „Da ich jetzt deine volle Aufmerksamkeit habe, werde ich dir erklären wie es bei uns so abläuft. Johann hat dir schon gesagt, dass ich für dich verantwortlich bin. In allen außer Johanns Stockwerk interpretieren wir das ein wenig anders als normal. Dass ich für dich verantwortlich bin, bedeutet auch, dass ich nicht nur für deine Leistung verantwortlich bin, sondern auch für dein Benehmen. Und das lässt ordentlich zu wünschen über.“
Markus ging einmal um mich herum und blieb schließlich hinter mir stehen. Ich wagte es nicht mich umzudrehen. Zufrieden mit meiner Reaktion redete er weiter.
„Es gibt Regeln. Regeln, die du zu befolgen hast. Ohne wenn und aber und ohne Diskussion,“ er redete langsamer als zuvor.
„Ich werde dir die Regeln einmal sagen. Hör gut zu, denn du sollst sie auswendig wissen. Wenn du die Regeln nicht befolgst, mich beschämst, nicht die geforderte Leistung bringst oder auch nur sonst irgendein unangebrachtes Verhalten zeigst, wirst du bestraft.“
Ungläubig drehte ich mich zu ihm um und starrte ihn an. Was ist mit dem los?!
Sofort stand ich auf und stürmte zur Tür. Das lasse ich mir nicht gefallen. Ist der Typ wahnsinnig? Was ist das hier für eine bescheuerte Firma? Das kann doch verdammt noch mal nicht wahr sein. Niemals würde ich mich solchen Regeln beugen. Der spinnte doch.
Bei der Tür angekommen, riss ich an der Schnalle. Diese gottverdammte Tür bewegte sich keinen Zentimeter. Vorhin fragte ich ihn noch, ob er zu dämlich sei um abzusperren. Er war es eindeutig nicht.
Kapitel IV
Verdammt noch mal, was sollte ich jetzt machen? Warten? Kämpfen? Schreien? Mit geschlossenen Augen wartete ich einfach. Ich wüsste einfach nicht was ich machen sollte. Der Typ kann mit mir machen, was er will. Keine Chance.
Ich hörte seine Schritte hinter mir. Er würde mich wieder packen, mich wieder auf die Knie zwingen und mich weiter demütigen. Komm ich hier jemals wieder raus?
Markus war wenige Zentimeter hinter mir. Ich spürte seinen Atem in meinem Nacken. Er atmete ruhig, sein heißer Atem kitzelte. Seine Hände griffen zu meinen Oberarmen. Aber er packte mich nicht. Er fuhr an meinen Oberarmen auf und ab, als wolle er mich wärmen. Seine großen Hände wanderten weiter zu meiner Taille. Langsam zog er mich zu sich in eine Umarmung und hielt mich. Er hielt mich einfach fest.
Was war jetzt denn schon wieder los? Zuerst ist er freundlich, dann droht er mir, er zwingt mich vor ihm zu knien, sperrt mich ein Büro ein und jetzt umarmt er mich? Wie krank ist dieser Typ bitte?
Das allein machte mich ja schon fertig. Aber zu allem Überdruss genoss ich seine Umarmung. Ich genoss die Wärme und die Sicherheit. Was ist los mit mir? Mein Tag war bis zu diesem Zeitpunkt eine einzige Achterbahn der Gefühle gewesen. Ich hatte heute schon mehr empfunden als in meinen ganzen Studienjahren und es war noch nicht mal mittags. Kann mir jemand diese Hölle erklären? Warum macht er das? Ich verstehe das alles nicht mehr. Am liebsten würde ich einfach weinen oder schreien oder aufgeben oder kämpfen oder am besten einfach verzweifeln.
„Ich weiß, es ist viel für dich,“ er streichelte mit der Hand meine Wange, „keine Sorge, ich werde dir bei allem helfen. Wir kriegen das zusammen hin.“
Ich hörte seine Worte, aber ich verstand sie nicht. Sie halfen mir auch nicht aus meinem Dilemma. Aber ich musste diesen Psychopaten nur für kurze Zeit davon überzeugen, dass er mich hat. Dann konnte ich irgendwie entkommen und müsste nie wieder einen Fuß in diese Firma setzen. Also blieb ich jetzt in seiner Umarmung, bis er etwas machte? Die Umarmung war auf jeden Fall besser als vor ihm zu knien und mir irgendwelchen dämlichen Regeln anhören zu müssen.
Ich hatte keine Ahnung wie ich hier rauskommen würde, aber es musste einen Weg geben. Wenn ich genug Anlauf nehmen könnte, würde es vielleicht reichen die Glasscheibe mit dem Schreibtischsessel zu durchbrechen. Nur wie kam ich dort hin? Und das ohne, dass er mich aufhielt? Wenn mein Fluchtversuch misslang, wird er wahrscheinlich noch wütender als zuvor. Ich hatte eine einzige Chance und die musste ich nutzen.
Noch während meine Gedanken weiter und weiter kreisten, wie ich aus diesem verdammten Büro rauskommen konnte, hörte ich hinter mir ein Geräusch. Das klang fast wie eine Türschnalle, die nach unten gedrückt wurde. Das war meine Chance. Ich konnte einfach hinauslaufen und diesem Psychopaten entkommen.
Jetzt durfte ich nur nichts übereilen. Die Tür musste offen sein, damit ich schnell genug hinauslaufen konnte. Seine Umarmung war fest, aber nicht so fest um mich an der Flucht zu hindern. Überhaupt wenn er nicht damit rechnete. Er glaubte er hat mich. Ich werde ihm beweisen, dass man mich nicht bekommen kann. Niemals würde ich mich einem Mann unterwerfen.
Ich nahm meine ganze Kraft zusammen und warf mich zurück. Wie ich es mir gedacht hatte, er rechnete nicht damit und ich war außerhalb seiner Reichweite. Ich drehte mich gerade um und rannte los. Mein Blick fiel aber noch mal auf sein Gesicht. Warum wirkte er nicht überrascht?
Der Blick nach vorne wäre wichtiger gewesen, als sein hübsches Gesicht näher zu studieren. Die Tür war nur noch einen Spalt offen und ich musste sie einfach erwischen. Leider dachte ich in diesem Moment nicht, dass sich eine Tür meistens dann öffnet, wenn jemand einen Raum betreten oder verlassen will. Nachdem niemand hinaus konnte, musste jemand den Raum betreten haben. Leider habe ich genau diesen jemand nicht gesehen.
Ich war so richtig am Arsch.
Kurz bevor ich die Türschnalle erreicht hat, griff mich eine Hand. Und zwar fest. Sie zog mich zurück in den Raum und schleuderte mich in den hinteren Bereich des Büros. Ich hatte Mühe nicht zu stolpern, aber dann knallte ich gegen den Kasten und war kurze Zeit benommen. Nach ein paar Sekunden war ich wieder einigermaßen bei mir und sah mich in diesem verfluchten Büro um. Wer war diese Person und wie war sie verdammt noch mal herein gekommen, wenn diese scheiß Tür zugesperrt war?
„Ich sehe sie hält dich auf Touren, Markus“, dunkel erklang eine fremde Männerstimme.
Markus fügte lachend hinzu:
„Sie hält was du versprochen hast. Leider bin ich mit ihr noch nicht weit gekommen.“
Die Person kam auf mich zu und ging einmal um mich herum. Immer noch benommen sah ich nicht wirklich wer diese Person war oder wie sie aussah oder wer verdammt noch mal sie war. Jetzt konnte ich meine Flucht verdammt noch mal vergessen. Ich saß hier fest. Wahrscheinlich nicht nur mit einem Psychopaten, sondern mit zwei von der Sorte. Kann man die Fenster des Büros öffnen und hinaus springen? Wie stehen die Chancen aus dem 9 Stock zu überleben?
„Hinknien!“, die Stimme des Mannes hallte durch das Büro.
Meine Kraft war weg. Also völlig weg. Ich hatte nicht die Kraft mich zu widersetzen, aber mir fehlte auch die Kraft zu gehorchen. Ich resignierte. Ich stand da und tat nichts. Ich blickte auf den Boden und wartete.
Der Mann kam auf mich zu, griff sich mein Gesicht und zwang mich ihn anzusehen. Jetzt erst erkannte ich ihn. Es war Johanns Sohn. Er hatte definitiv das gute Aussehen seines Vaters geerbt. Seine Augen hatten eine eigenartige gold-braune Farbe, genau die gleiche Farbe wie seine Haare. Markus war vielleicht nur 1,2 Zentimeter größer als er, aber die Kraft dieses Mannes hatte ich ja schon am eigenen Leib gespürt.
Ich war verloren. Was würden die beiden mit mir anstellen? Mich misshandeln? Mich vergewaltigen? Am liebsten würde ich zu weinen beginnen und ich schwor, ich war knapp davor.
Johanns Sohn zog mein Gesicht näher zu ihm. Leider kannte ich seinen Namen nicht.
„Ich sage es nicht noch einmal“, seine eiskalte Stimme jagte mir einen Schauer über den Rücken.
Widerstand brachte hier nichts mehr. Ich schlug meine Augen nieder. Das war für ihn wohl das Signal mein Gesicht loszulassen und einen Schritt zurück zu treten. Langsam ließ ich mich auf meine Knie nieder. Ich verharrte in dieser Position und sah wieder zu Boden. Noch nie in meinem Leben war ich so beschämt worden, noch nie so gedemütigt. Noch nie war ich so verloren oder hatte solche Angst. Was hatte ich verbrochen?
Markus Stimme erklang:
„Jetzt haben wir sie soweit. Oder was meinst du?“
„Du hast mich ja noch gar nicht vorgestellt, Markus.“
„Was bin ich denn für ein unhöflicher Mensch. Ava, das ist dein Chef. Dominik. Du weißt ja, wir sind hier in der Firma alle per Du. Er ist der Leiter dieser Abteilung und wird in ein paar Jahren die ganze Agentur übernehmen.“
Wollten die mich verarschen? War das hier so ein Initiationsritus für alle neuen? Waren meine Ängste von gerade eben völlig unbegründet? Ungläubig hob ich den Kopf und blickte sowohl Markus, als auch Dominik an.
„Wollt ihr mich eigentlich komplett verarschen?“, ich schrie die beiden an und stand gleichzeitig auf, „Was seid ihr für kranke Arschlöcher? Ihr jagt mir hier den Schreck meines Lebens ein.“
Mein Blick ruhte auf Dominik.
„Du schleuderst mich gegen einen Kasten, sodass ich mich fast verletzt hätte. Was ist mit euch?“
Die beiden starrten mich an, wechselten dann kurz einen Blick und sahen wieder mich an. Ihre Gesichter waren nicht zu entziffern. Sie wirkten nicht so, als wäre das alles hier ein Scherz, aber ernst gemeint KANN das hier alles nicht sein. Markus reagierte als erster. Er ging zu mir und trat hinter mich. Er schnappte sich meine Arme, wie er heute schon einmal getan hatte, drehte sie mir auf den Rücken und zwang mich auf die Knie zu gehen.
Diesmal versuchte ich mich zu wehren. Mit aller Kraft stemmte ich mich gegen ihn, aber er verstärkte seinen Griff und bereitete mir damit immense Schmerzen. Zum dritten Mal an diesem Vormittag fiel ich vor jemanden auf die Knie.
Dominik hatte sich einen halben Meter vor mir positioniert. Er sprach über mich hinweg mit Markus.
„Bist du dir sicher, dass du sie im Griff hast?“
Markus lachte wieder nur:
„Sie wäre die erste, die ich nicht in den Griff bekommen hätte.“
Jetzt lachte auch Dominik:
„Da hast du allerdings Recht mein Freund. Hast du ihr schon die Regeln erklärt?“
„Wann hätte ich sollen? Glaubst du, sie würde einmal ihren Mund halten oder das machen, was man ihr sagt?“
„Na dann, ich will nicht weiter bei deiner Arbeit stören. Wenn du eine Pause brauchst, schick sie zu mir.“
„Ich befürchte auf den Weg in dein Büro würde sie entweder versuchen abzuhauen oder mich umzubringen. Ich behalte sie vorerst hier drin.“
Die beiden Vollidioten reden einfach über mich hinweg, als wäre ich nicht anwesend. Dominiks Schuhe verschwanden aus meinem Blick und ich sah ihm nach wie er aus der Tür hinausging.
Ich starrte diese scheiß Türe noch lange an. Warum verdammt noch mal ging sie bei mir nicht auf? Warum kann Dominik raus und rein wie er will?
Markus ging um mich herum, bis er vor mir stand.
„Sieh mich an!“
Ich hob meinen Kopf an und blickte in Markus Augen. Ich sah eine gewisse Strenge darin, die ich heute schon ein paar Mal gesehen hatte. Aber auch Genugtuung. Dieses Blau faszinierte mich weiterhin.
„Nach diesem Theater kann ich dir jetzt endlich erklären, was ich schon die ganze Zeit versuche. Die Regeln, die du befolgen wirst – ich werde sie dir jetzt erklären und du WIRST dich daran halten.“
Kapitel V
Das Beste war jetzt, glaubte ich, einfach mal still zu sein und mir diese dämlichen Regeln anzuhören. Ich kann mir meinen Teil dazu ja denken.
Markus startete sofort:
„Regel 1: Du gehorchst, immer und jeder Zeit. Ohne zu hinterfragen oder zu diskutieren.“
Diese Regel werde ich jeden Tag mindestens dreimal brechen. Was glaubt der, wer er war?
„Regel 2: Du respektierst mich und alle anderen Männer in dieser Firma immer. Keine frechen Antworten, kein Zurückreden. Du bist immer und zu allen höflich.“
Wenn sie mich auch so behandeln, können wir darüber reden. Ansonsten sicher nicht!
„Regel 3: Du bist immer ehrlich. Damit meine ich nicht nur, nicht zu lügen, sondern immer alles zu sagen. Verheimliche nichts.“
Mit dieser Regel kann ich leben. Ich war schon immer ein ehrlicher und direkter Mensch.
„Regel 4: Keine Schimpfwörter. Niemals.“
Das wird verdammt noch mal nichts werden. Ich spreche wie ich will.
„Regel 5: Gewöhn es dir ab die Augen zu verdrehen. Es nervt mich.“
Und du glaubst wirklich, dass du mich nicht nervst? Innerlich verdrehte ich die Augen.
„Regel 6: Du hast mir ab sofort mitzuteilen, was du in deiner Freizeit machst. Egal, wohin du gehst oder mit wem du dich treffen willst. Du sagst mir vorher bescheid und fragst um Erlaubnis. Verstanden?“
Wie jetzt? Ich bin ihm auch noch Rechenschaft über mein Privatleben schuldig? Ich konnte nicht mehr still sein:
„Sicher nicht. Du kannst nicht über mein Privatleben bestimmen. Das geht dich nichts an.“
„Verstanden?“, das war Markus einzige tonlose Reaktion.
„Ich habe es gehört, aber ich werde mich sicher nicht daran halten.
Er reagierte nicht auf meinen Kommentar, sondern redete einfach weiter.
„Regel 7: Du ziehst dich immer gepflegt an. Du gehst nicht in einer Jogginghose mit ungepflegten Haaren vor die Tür. Du repräsentierst die Firma und genauso sollst du auch aussehen.“
Mit dieser Regel konnte ich leben. Das wäre zu schaffen.
„Regel 8 – du wirst sie lieben“, hörte ich da ein wenig Sarkasmus von Markus?
„Sobald du eine Regel brichst, wirst du bestraft.“
Mein Psychopath sah mich an und wartete auf meine Reaktion. Dass ich bestraft werde, wenn ich Regeln breche, hatte er mir schon mitgeteilt. Aber was meint er mit bestraft? Verliere ich meinen Job, den ich sowieso nicht mehr will? Nimmt er mir mein Handy weg?
„Hast du Fragen, Ava?“
„Was meinst du mit bestraft?“, fragte ich aufgeregt.
„Du brichst Regeln, ich bestrafe dich. So schwer ist das nicht zu verstehen.“
„Was du nicht sagst, Klugscheißer. Ich meine, welche Art von Strafe? Willst du mir den Job wegnehmen? Bitte, mach nur. Ich will ihn sowieso nicht mehr.“
„Pass auf, was du sagst, ansonsten kannst du es gleich ausprobieren, was ich mit Strafe meine.“
„Wieso glaubst du, so mit mir umgehen zu können? Warum soll ich diesen Job weiterhin behalten wollen? Ich sollte zur Polizei gehen und euch Wahnsinnige alle anzeigen.“
Er ging zur Tür und öffnete sie. Wieso ging diese verdammte Tür jetzt auf? Warum vorhin nicht?
Er ging zur Tür und öffnete sie. Wieso ging diese verdammte Tür jetzt auf? Warum vorhin nicht?
„Bitte geh. Du kannst gerne zur Polizei gehen. Ein Posten ist direkt gegenüber. Sie werden dir nicht helfen. Dominik schmiert die Polizei seit Jahren, sagen wir, wegen ein paar Kleinigkeiten."
Er grinste.
„Außerdem hast du bereits den Vertrag unterschrieben. Du kannst nicht gehen.", stellte er trocken fest.
„Im Vertrag stand nichts dergleichen", entgegnete ich diesem Monster verwirrt.
Unbeeindruckt ging er zu seinem Schreibtisch und warf mir ein paar Blätter Papier auf den Boden. Den Vertrag, den ich unterschrieben hatte, bestand aus zwei Zetteln, hier lagen auf einmal vier. Verwundert studierte ich die beiden neuen Seiten und stellte mir Entsetzen fest, dass darin ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass es kein Probemonat gibt und man hohe Strafzahlungen zu machen hat, falls man das Arbeitsverhältnis vorzeitig beendet. Auf dem letzten Zettel befand sich unten meine Unterschrift. Darunter befand sich die Seitenzahl. 7.
„Diese Seiten sehe ich heute zum ersten Mal", sagte ich und begriff schön langsam in welcher misslichen Lage ich war. Warum war mir die Seitenzahl beim Unterschreiben nicht aufgefallen?
"Beweiß es!", forderte mich der blonde Riese auf.
Er wusste, dass er mich hatte. Ich konnte es nicht beweisen. Ich hatte den Vertrag mit der Post zugesandt bekommen, unterschrieben und wieder zurück gesandt. Ich saß fest.
„Also entscheide dich, du hast die Möglichkeit zu gehen und zu zahlen. Ansonsten bleibst du hier in der Firma und akzeptierst die Regeln."
Ich blieb regungslos am Boden knien. Ich konnte nicht gehen, aber bleiben konnte ich auch nicht. Die Summe lag weit der Lebensverdienstsumme eines Menschen. War so ein Vertrag nicht sittenwidrig? Aber dann war da noch die Polizei. Ich glaubte ihm jedes Wort, dass sie mir nicht helfen würden. Ich wollte gehen, aber dennoch brauche ich diesen Job. Mein Entschluss stand. Ob ich wollte oder nicht.
Ich blieb knien und senkte meinen Blick.
Markus schloss die Tür:
„Gutes Mädchen. Steh auf!“
Dieser Bitte kam ich gerne nach. Meine Knie taten schon weh.
„Also, Kleines, hast du sonst noch Fragen?“, seine Lässigkeit war wieder da.
Ja, eine einzige Frage hatte ich noch:
„Wie wirst du mich bestrafen, wenn ich Regeln breche?“
Er grinste: „Also bin nicht nur ich mir sicher, dass du sie brechen wirst?“
Ich verdrehte die Augen.
„Ich werde dich übers Knie legen, so wie man es früher mit kleinen unartigen Mädchen gemacht hat und nach deinem Benehmen heute wird es Zeit dafür. Wie lautet Regel 5?“
In meinem Kopf suchte ich nach der Antwort. Ich hatte keine Ahnung. Warum will er das jetzt überhaupt wissen? Oh, verdammt ich hatte gerade die Augen verdreht. Das wollte er also wissen.
„Ich darf die Augen nicht verdrehen.“
„Richtig, Kleines. Und was hast du gerade eben gemacht?“
Genervt antwortete ich: „Müssen wir dieses Spiel spielen. Wir wissen beide, worauf du hinaus willst.“
Dein Blick wurde ärgerlicher.
„Pass auf, was du sagst. Was hast du gerade gemacht?“
„Die Augen verdreht“, ich wollte es gleich nochmal tun.
„Braves Mädchen. Was wird jetzt passieren?“, er hätte Lehrer werden sollen. Er wäre der perfekte Klugscheißer vor 25 Kindern, die eh nicht zuhörten.
„Wir beginnen endlich mit unserer Arbeit, weswegen wir auch eigentlich hier sind?“ Klugscheißen kann ich auch.
Er war kurz vorm explodieren. Ein Funke und ich hätte ein riesen Problem. Er richtete sich wieder vor mir auf, zwang mich ihn anzusehen und starrte auf mich herab.
„Ich werde dich bestrafen, damit du endlich deine vorlaute Klappe hältst. Ich werde dich bestrafen, damit du endlich damit aufhörst die Augen zu verdrehen. Ich werde dich bestrafen, damit du mich mit Respekt behandelst. Gnade dir Gott, wenn du mir die Regeln nicht mehr aufzählen kannst.“
Kapitel VI
Ich stand vor ihm und fühlte mich kleiner als jemals zuvor in meinem Leben. In meiner Brust machte sich ein Gefühl breit, dass ich so noch nicht kannte. Es war eine Mischung aus Verzweiflung, Angst und Ohnmacht. Ich wusste nicht was ich sagen sollte, ich wusste nicht was ich tun sollte, ich wusste nicht wie ich in so eine Situation geraten konnte.
Markus starrte mich noch immer an. Das hypnotisierende Blau seiner Augen alleine reichte schon um mich gefangen zu halten. Mir kam es vor, als würde er etwas in meinen Augen suchen. Die Angst und die Verzweiflung waren es sicher nicht, die waren offensichtlich.
„Woran denkst du?“, seine Stimme war absolut ruhig und passte nicht zu seiner Ansage gerade eben. Sollte ich ehrlich antworten? Würde er es wissen, wenn ich lüge? Ich will meiner Ehrlichkeit treu bleiben.
„Ich überlege, was du in meinen Augen zu sehen versuchst“, antwortete ich.
„Ich kenne nicht viele Blondinen mit grünen Augen. Das Grün fasziniert mich“, er war genauso ehrlich wie ich, „wie geht es dir, Kleines?“
War seine Frage ernst gemeint? Wie soll es mir schon gehen? Ich überlegte, aber ich fand nicht mal für mich eine Antwort. Meine Gefühle fuhren weiterhin Achterbahn, ich bin heute mehrmals aufs Äußerste gedemütigt worden, ich wurde mehrfach bedroht und gegen einen Kasten geschleudert, mir wurden gerade Regeln erklärt, an die ich mich nie im Leben halten kontte und das alles an meinem ersten Arbeitstag, wobei es noch nicht mal Mittag war.
Ohne zu überlegen drückte ich mich an seine Brust. Er legte die Arme um mich und umarmte mich. Seine Umarmung fühlte sich gut an, so gerne würde ich mich darin verlieren. Zum ersten Mal roch ich sein Parfum. Ich kannte es. Sauvage von Dior. Der süßliche Geruch hüllte mich ein und entspannte mich. Markus strich mir über den Rücken. Nach mehreren tiefen Atemzügen fühlte ich mich besser, auch wenn ich die ganze Situation noch immer nicht verstand.
„Ich bekomme noch eine Antwort von dir!“, Markus holte mich wieder zurück.
Verzweifelt suche ich seine Augen und sagte ihm die Wahrheit:
„Ich weiß es nicht, ich weiß es wirklich nicht.“
Die Niedergeschlagenheit in meiner Stimme hörte ich sogar selbst.
„Alles wird gut, Kleines“, er zog mich wieder fester an sich, „ich passe auf dich auf.“
Wir standen noch lange Zeit so, zumindest kam es mir so vor. Mein Kopf war leer, keine Gedanken, keine Ängste, keine Sorgen. Ich konzentrierte mich wieder auf Markus Parfum und hörte sein Herz in seiner Brust schlagen.
„Jetzt können wir über dein Benehmen von heute sprechen. Die Konsequenzen wirst du tragen müssen“, seine warme Stimme von vorhin war verschwunden. Er war wieder das kaltherzige Arschloch.
Ich stieß ihn von mir und sah ihn mit weit aufgerissenen Augen an.
„Das kann nicht dein verdammter Ernst sein!“, schrie ich ihn ungläubig an.
Sofort verspannt er sich und warf mir einen zornigen Blick zu. Er schloss die Lücke zwischen uns wieder und stand knapp vor mir. Ich musste wieder zu ihm aufsehen.
„Pass auf, was du sagst, Kleines. Mach es nicht noch schlimmer als es schon ist“, der kalte Schauer auf meinem Rücken war wieder da.
„Normalerweise würde ich dich gleich hier im Büro bestrafen, aber nach deinen Aktionen heute werde ich dir einen ganz besonderen Raum zeigen. Du wirst ihn genauso lieben wie unserer Regeln. Komm!“
Markus öffnete die Tür und ging hinaus. Wieso geht diese Tür jetzt schon wieder auf?
Nachdem ich durch die Tür getreten war, schloss er sie hinter mir.
Als wäre es das Natürlichste auf der Welt legte Markus seinen Arm um meine Taille und führte mich an allen Schreibtischen vorbei. Die Menschen hier sahen nicht einmal auf, als wir vorbei gingen. Erst als wir vor einer schwarzen Glastür angekommen waren, sah ich hinter mir einige besorgte Gesichter.
In diesem Raum kam die Obsession der Farbe schwarz noch deutlicher zum Vorschein. Wahrscheinlich hat Dominik einen Fetisch dafür. Neben der Tür, durch die wir gerade gekommen sind, befand sich noch eine weitere, keine Ahnung, wo diese hinführte. Im Eck standen zwei schwarze Ledersofas. Auf der gegenüberliegenden Wand befand sich noch eine Tür, allerdings viel größer als eine normale und ebenfalls in schwarz. Mitten im Raum befand sich ein Besprechungstisch mit einigen Sessel drum herum. Der Boden bestand aus schwarzen Fliesen. Die Wände waren weiß, mit in sich verschlungenen schwarzen Linien, die ein kunstvolles Muster bilden und dem Raum den Schrecken und die Dunkelheit nahmen. Ansonsten würde es aussehen wie ein schwarzes Loch.
Nachdem Markus hinter uns die Tür geschlossen hatte, fragte ich ihn:
„Was ist das für ein Raum?“
„Unser Sozialraum“, antwortete er freundlich.
„Sozialraum? Für Bestrafungen?“, fragte ich etwas verstört, „die Ironie hierbei sehe nicht nur ich, oder?“
Markus trat wieder vor mich und nahm mit seiner Präsenz den ganzen Raum ein. Allein durch seine Körpersprache bekam ich Angst. Der Typ war einfach unberechenbar. In einem Moment nett und freundlich, im nächsten Moment schaffte er es, dass mir ein Schauer über den Rücken lief. Ich sollte eindeutig meinen Mund halten.
„Wie gesagt, hier bringe ich dich hin, wenn du nicht weißt, wie man sich benimmt. Dominik weiß, dass wir hier sind, sobald wir den Raum betreten. Vielleicht möchte er ja bei deiner Strafe dabei sein“, Markus erklärte das alles, als wäre es absolut gewöhnlich.
„Damit das ganze ein wenig spannender wird, wirst du selbst für die Anzahl der Schläge verantwortlich sein. Ich werde dir immer vier Schläge verpassen, danach nennst du mir eine Regel. Weißt du eine Regel nicht, nur teilweise oder musst zu lange überlegen, kommen zehn Schläge hinzu. Verstanden?“
Meine Angst war wieder weg, aber die Wut war da und wurde immer größer. Ich schrie, wie noch nie zuvor in meinem Leben:
„Das kannst du verdammt noch mal nicht machen, das ist Missbrauch und Körperverletzung noch dazu. Du und diese kranke Firma seit nichts als perverse Sexisten. Ihr besitzt einen eigenen Raum um eure Mitarbeiter zu bestrafen, merkst du selbst wie abnormal das ist? Euch sollte man alle zusammen einliefern und nie wieder herauslassen“
Voller Wut und außer Atem starrte ich Markus an und wartete auf eine Reaktion. Es kam wieder keine. Lässig ging er zur Tür, durch die wir gekommen sind und machte sie auf. Die Kälte in seinen Augen hatte zugenommen. Er war wütend, sehr wütend:
„Ich lasse dir nochmal die Entscheidung. Geh und du bist entlassen. Oder bleibe und akzeptier die Regeln. Deine Entscheidung. Wenn du dich dafür entscheidest zu bleiben, legst du dich ohne Widerworte auf meinen Schoß und ich werde dich bestrafen. Für die Aktion gerade eben auch. So sprichst du nicht mit mir. Also?“
Verdammt noch mal, ich habe keine Wahl. Ich brauche diesen Job. Soll ich mich wirklich beugen? Der Schmerz ist eine Sache, die Demütigung eine anderer. Allerdings war ich heute schon so oft gedemütigt geworden, dass es jetzt auch nicht mehr viel Unterschied machte, oder? Ich bezweifelte aber, dass Markus mich davonkommen ließ, ohne mir wirklich eine Lektion zu erteilen und Dominik könnte jederzeit in den Raum kommen. Markus allein machte mir schon Angst. Mit Dominik gemeinsam hatte ich Todesangst. Wenn ich mich jetzt entschied zu bleiben, dann änderte sich mein ganzes Leben. Aber mir blieb keine andere Wahl…
Markus starrte weiterhin auf mein Gesicht. Die Eiseskälte in seinen Augen machte mir noch mehr Angst, ich konnte ihn nicht ansehen. Deshalb sah ich zu Boden.
„Ich bleibe“, murmelte ich.
„Sprich laut, klar und deutlich.“, Markus klang immer noch wütend.
„Ich bleibe“, sagte ich nun lauter.
Es kam keine Antwort von Markus. Er schloss die Tür in einem Ruck und ging zu einem der Sofas. Er setzte sich in die Mitte, sah mich an und wartete.
Mit gesenktem Kopf ging ich langsam auf ihn zu. Das kann einfach nicht wahr sein. Es muss ein Albtraum sein. Ich hoffte, dass ich bald aufwachte.
Nach einem kleinen Seufzer legte ich mich über seinen Schoß. Dabei roch ich wieder sein Parfum und nutzte den Duft, um mich zu entspannen.
„Bereit?“, seine Stimme erklang.
„Dafür, niemals!“, die Verzweiflung war klar und deutlich zu hören.
„Bereit?“, er ließ mir kein bisschen Stolz.
„Ja“, antwortete ich resigniert.
Markus Hand legte die Hand auf meinen Hintern. Sie fühlte sich riesig an. Er rieb mehrmals darüber. Ich sollte mich aufregen, ich sollte mich wehren, aber es fühlte sich so gut an. Auch wenn ich wusste, dass es sich gleich ändern wird. Und ich hatte recht.
Er holte aus und der erste Schlag landete auf meiner rechten Backe. Ich zuckte kurz zusammen, aber es war zu verkraften. Der nächste Schlag folgte auf die andere Seite. Ebenfalls noch verkraftbar. Der dritte und der vierte Schlag folgten schnell und ich spürte sie deutlich.
„Die erste Regel!“, Markus fragte nicht, er verlangte danach.
Es kostete mich Überwindung, aber ich antwortete, wenn auch zögerlich.
„Ich muss Gehorsam sein. Ohne Diskussion, ohne Widerrede und ohne zu hinterfragen.“
Markus sagte nichts dazu, sondern machte mit der Strafe weiter. Er schlug härter zu als zuvor und ich hatte Mühe, ruhig liegen zu bleiben und mich nicht zu wehren.
„Die nächste!“, er blieb unnachgiebig.
„Respekt“, antwortete ich gequält, „Kein Zurückreden, keine Unverschämtheiten.“
Wieder machte er weiter, ohne zu antworten. Allerdings landeten die nächsten zwei Schläge genau auf derselben Stelle und diese brannte wie verrückt. Als auch noch der dritte Schlag dort landete, schrie ich kurz auf und legte meine Hände schützend davor. Markus stoppte kurz, nahm aber dann einfach meine Hände und hielt sie mit seiner freien Hand auf meinen Rücken fest und machte kommentarlos weiter. Er traf genau dieselbe Stelle nochmal und ich spürte, wie mir die Tränen in die Augen stiegen.
„Nummer drei!“, die Wut war ein fester Bestandteil seiner Stimme.
Was war Regel drei? Ich habe Schmerzen, wie soll ich mich konzentrieren? Sie muss mir einfallen, sie muss es einfach. Dann kam der Geistesblitz.
„Ehrlichkeit“, mehr brachte ich nicht heraus, ohne dass meine Stimme meine Tränen verriet.
„Überlege nochmal solange und du bekommst zehn Schläge mehr“, sein Ton lies keine Zweifel aufkommen.
Wenn er mir vorher vier Schläge auf die eine Seite verpasst hat, folgt jetzt sicherlich die andere Seite. Ich hatte Recht und es sammelten sich immer mehr Tränen in meinen Augen. Solange es ging, blieben sie dort.
„Vier!“
Ich suchte in meinem Hirn, aber ich fand nichts. Es war leer, absolut leer. Keine Ahnung welche die vierte Regel war. Ich musste es zugeben.
„Ich weiß es nicht“, meine Stimme durfte mich einfach nicht verraten.
„Nachdem wir fertig sind, bekommst du noch zehn. Die Regel lautet, keine Schimpfworte. Gerade die solltest du dir eigentlich gut merken.“
Ich hasse ihn, ich hasse ihn so sehr. Es folgten wieder vier Schläge, diesmal verteilt auch meinen Hintern. Das bedeutet aber nicht, dass es weniger weh tat. Ich schrie bei jedem einzelnen Schlag.
„Die fünfte!“
Woher soll ich die fünfte wissen, wenn mir vorher schon nichts mehr eingefallen ist? Ich verdrehte die Augen. Das ging auch in dieser Gefühlslage noch. Warte, genau das ist die Regel.
„Ich darf die Augen nicht verdrehen“, rief ich, erfreuter als ich eigentlich sein sollte.
Er holte wieder aus und der Schlag landete diesmal auf meinem Oberschenkel. Er hatte nicht so fest zugeschlagen wie zuvor, aber es brannte wie verrückt. Ich fing an zu zappeln, als er zum nächsten Schlag ansetzte. Er zog meine Hände auf meinen Rücken weiter hinauf. Es tat so weh, dass ich sofort still liegen blieb. Daraufhin lockerte sich sein Griff wieder und ich ertrug die nächsten drei Schläge stillschweigend und absolut ruhig.
„Sechs!“
Drei fehlten noch, die letzte Regel waren die Strafen. Die anderen waren wegen meiner Freizeit und meiner Kleidung. Nur welche war jetzt die sechste? Meine Chancen standen 50:50. Hoffentlich war das Glück auf meiner Seite.
„Ich muss dir mitteilen, was ich in meiner Freizeit mache und dich um Erlaubnis bitten?“, es klang eindeutig nach einer Frage.
„Hast du geraten?“, die strenge in seiner Stimme war unüberhörbar.
„Ich wusste nicht, ob das ist sechste oder siebente ist.“, er hätte es gewusst, wenn ich gelogen hätte.
„Damit sind es nachher nochmal 20.“, er klang nicht erfreut darüber. Machte er das nicht gerne?
Es folgten vier schnelle Schläge auf meinen Hintern. Harte Schläge. Die ersten Tränen lösten sich aus meinen Augen und rollten über meine Wangen.
„Die siebente wirst du ja jetzt wohl wissen“, verärgert verlangte er nach der nächsten Regel.
„Ich muss mich immer angemessen kleiden. Ich repräsentiere die Firma“, meine Stimme klang gebrochen. Man konnte jede einzelne Träne hören.
„Lass es zu, Kleines. Die Tränen helfen dir“, er streichelte meinen Hintern und auch meinen Rücken, „bald hast du es geschafft.“
Ich wartete auf die nächsten Schläge und sie kamen. Genauso hart, wie die zuvor. Trotz seiner Streicheleinheit zwischendurch. Er ist und bleibt eiskalt und durchtrieben.
„Die letzte!“, seine Stimme war wieder eiskalt.
„Wenn ich die Regeln breche, werde ich bestraft“, meine Stimme klang tonlos und die Tränen fanden unaufhaltsam ihren Weg nach unten.
„Ich denke“, der erste Schlag kam, „diese Regel“, und der zweite Schlag, „wirst du dir am besten merken.“ Drei und vier landeten wieder auf meinen Oberschenkeln und ich schrie und weinte und zappelte.
Markus Griff verfestigte sich wieder auf meinem Rücken. Erst als ich wieder still lag, ließ er locker. Ohne ein Wort machte er weiter. Ich ließ es über mich ergehen. 20 Schläge, nach jedem einzelnen dachte ich mir, ich würde nicht noch einen aushalten. Mein ganzer Hintern stand in Flammen. Ich weinte unaufhaltsam, sobald ich mich bewegte, wurde sein Griff wieder fester, aber die Schläge setzte er unbarmherzig fort. Sie landeten überall. Auf meinem ganzen Hinterteil und auf meinen Oberschenkeln. Ich zählte nicht mit, ich hoffte nur, dass es bald vorbei sein würde.
Ich hörte weiter ein Klatschen, aber ich spürte keine Schläge mehr. Was war jetzt denn los? War mein Hintern schon taub? Verwirrt blickte ich mich um.
Dominik stand auf einmal da. Arrogant lehnte er am Besprechungstisch und klatschte in die Hände. Ich hasste Markus schon, aber Dominik war nochmal ein anderes Kaliber. Am liebsten würde ich ihm die Augen auskratzen.
Sobald ich ihn erkannt hatte, fing er an zu sprechen:
Kapitel VII
„So gefällst du mir gleich viel, viel besser“, seine Stimme triefte nur so vor Arroganz.
Markus bewegte sich unter mir und schob mich von seinem Schoß. Ich nahm das als Anlass aufzustehen. Verdammt, tat mein Hintern weh. Ich würde das heute noch ganzen Nachmittag spüren, falls ich mich endlich hinsetzen und etwas arbeiten dürfte.
Dominik bewegte sich auf mich zu und positionierte sich vor mir. Seine gold-braunen Augen leuchteten. War das Genugtuung? Befriedigung? Dieses kranke Arschloch geilt sich wahrscheinlich gerade daran auf, dass ich verheult über Markus Schoß gelegen bin. Die Angst und die Wut vermischten sich in meiner Brust. Dieser Perverse wartet wahrscheinlich nur darauf, dass ich wieder einen Fehler mache und er mich dann auch bestrafen kann. Verrückter Sadist.
„Was denkst du meine Kleine?“, Dominik starrte mich immer noch an. Waren meine Gedanken in meinem Gesicht zu erkennen? Der Ekel, die Abneigung, der Hass? Wenn ich ihm jetzt die Wahrheit sage, gebe ich ihm Anlass dafür mich zu bestrafen. Lüge ich ihn an, hat er ebenfalls einen Grund dafür. War das Absicht von ihm? Kann er wirklich so durchtrieben sein?
„Sprich!“, Dominiks Stimme war ein Flüstern, das keinen Widerspruch zuließ.
Gut, wenn er es so will:
„Sage ich dir die Wahrheit, bestrafst du mich. Lüge ich, bestrafst du mich. Was soll ich also sagen?“ Ein süffisantes Lächeln konnte ich mir einfach nicht verkneifen.
Dominiks Augen wurden dunkler, das Gold darin verschwand völlig. Er war sauer:
„Sag mir die Wahrheit. Ich werde dich nicht bestrafen.“
„Ich habe mir gedacht, dass du ein kranker Mistkerl bist, der nur darauf wartet, dass ich den nächsten Fehler begehe. Nur damit du mich auch bestrafen und dich daran aufgeilen kannst, wie ein perverser Sadist, der du bist.“
In Dominiks Augen sah ich, dass er kurz davor war mich zu schlagen. Es brauchte seine ganze Willenskraft es nicht zu tun. Er war heute schon einmal gewalttätig mir gegenüber. Sein Blick löste sich kurz von mir und er blickte zu Markus. Ich machte es ihm nach und sah bei Markus einen ähnlichen, aber nicht den gleichen Blick. Markus Gesicht zeigte noch etwas anderes. Es war keine Verachtung oder Wut, sondern vielmehr, ich weiß es nicht, ich glaube Enttäuschung. Wieso war er enttäuscht? Die beiden spielten das kranke Spiel hier. Was erwartete er von mir?
Mein Chef blickte wieder zu mir und die Wut war immer noch in seinem Gesicht. Schneller als ich reagieren konnte, schnappte er sich meine Handgelenke und drehte sie mir auf den Rücken. Er schob mich in Richtung des Besprechungstisches und riss mit einer Hand die Sessel auf die Seite. Grob drückte er meinen Oberkörper auf die Tischplatte und nagelte mich mit meinen eigenen Händen, die immer noch auf meinen Rücken verdreht waren, darauf fest.
Ich hörte noch weitere Schritte hinter mir. Ich schaffte es meinen Kopf ein wenig auf die Seite zu drehen und sah, dass sich Markus hinter mir positioniert hatte. Dominik stand leicht seitlich, sodass ich Markus gut sehen konnte.
„Hat dir das gerade eben nicht gereicht? Damit du nicht auf die Idee kommst, solche Aussagen nochmal zu machen oder auch nur zu denken, werde ich dir zeigen was passiert, wenn du meinst du musst es übertreiben. Ich kann dir gratulieren, dass hat am ersten Tag noch niemand geschafft“, die Strenge und die Enttäuschung in Markus Stimme ließen mir eine Gänsehaut kommen.
„Zieh deine Hose aus.“
Ich wollte aufstehen, doch Dominik fixierte mich am Tisch und drückte mich noch fester auf die Tischplatte. Bevor ich etwas sagen konnte, sprach Markus weiter:
„Überlege dir gut, welchen Kampf du austragen willst.“
Dominik ließ mich los und ich konnte es selbst nicht glauben, was ich dann machte. Ich öffnete den Knopf meiner Hose und ließ sie hinunter rutschen. Sobald sie bei meinen Knien hing, drückte mich Dominik wieder auf die Tischplatte.
„Aber er hat gesagt, ich werde nicht bestraft“, ich kämpfte um meine letzte Würde.
Dominik lachte verächtlich neben mir:
„Ich habe gesagt, ich werde dich nicht bestrafen. Von ihm war nie die Rede.“
Die zwei betrieben ein abgekartetes Spiel. Sie ließen mich volle Wucht auflaufen. Das war alles beabsichtigt. Sie wussten, welche Knöpfe sie drücken mussten, damit alles nach ihrem Plan lief.
Hinter mir erklang auf einmal ein metallisches Geräusch. Ich versuchte wieder meinen Kopf zu drehen, kam dieses Mal aber nicht so weit. Ich sah nur im Augenwinkel, dass Markus an seinem Gürtel herumnestelte. DAS. KANN. NICHT. SEIN.
„Bitte, bitte nicht. Es tut mir leid. Ich hätte das alles nicht sagen dürfen. Von mir aus, auch nicht denken dürfen. Bitte nicht. Ich werde mich ab jetzt benehmen. Ich verspreche es. Aber bitte nicht mit dem Gürtel. Es wird nie wieder vorkommen. Bitte lasst mich aus. Lasst mich einfach gehen“, ich bettele als würde mein Leben davon abhängen.
„Das hättest du dir vorher überlegen sollen“, Markus Stimme war gleichgültig, „du bekommst zwei Schläge, einen auf jede Seite. Tritt mich und wir beginnen noch mal von vorne.“
Ich wollte widersprechen, ich wollte betteln, ich wollte weinen, ich wollte schreien, ich wollte davonlaufen und ich wollte verdammt noch mal nicht geschlagen werden. Aber noch bevor ich irgendetwas tun konnte, zischte der Gürtel durch die Luft und landete mit einem lauten Knall auf meinem Hintern. Und es tat weh, so verdammt weh. Augenblicklich schossen mir die Tränen in die Augen. Der Schmerz biss sich in meine Haut und wollte dort einfach nicht weg. Als ich mich einigermaßen wieder beruhigt hatte, hörte ich, wie der Gürtel wieder durch die Luft sauste. Der zweite Schlag war genauso grausam wie der erste. Es brannte wie verrückt und hörte einfach nicht auf. Ich war in meinem Leben schon geschlagen worden. Aber dieser Schmerz war anders. Ich heulte wie ein Schlosshund und vergoss heute zum zweiten Mal dicke Schmerzenstränen.
Dominik ließ meine Hände los, nur um sie im nächsten Moment gleich wieder zu ergreifen und mich aufzuziehen. Erst jetzt sah ich, dass Markus mich aufgezogen hatte und mich nun in seine Arme zog.
„Kleines, ich bin stolz auf dich. Du hast es gut verkraftet“, Markus sprach ruhig und sanft mit mir. Dieser Mensch hatte schlimmere Stimmungswechsel als jede schwangere Frau.
Eigentlich sollte ich ihn von mir stoßen, ich schlagen, beschimpfen, treten oder am besten gleich erwürgen. Aber ich konnte es nicht. Seine Wärme und seine Umarmung fühlten sich so gut an. Sie waren wirklich ein Trost, auch wenn mein Hintern immer noch brannte wie verrückt.
Erst jetzt fiel mir ein, dass sich meine Hose noch bei meinen Knien befand. Ich bückte mich, um sie wieder anzuziehen und Markus ließ es zu. Er sagte:
„Dort hinten ist ein kleines Badezimmer. Mach dich frisch, wir gehen Mittagessen.“
Ohne großartig darüber nachzudenken, taumelte ich zu der Tür, auf die er gezeigt hatte und ging hinein. Klein ist gut. Das Bad war riesig und was für eine Überraschung, schwarz. Diesmal alles und zwar wirklich alles. Zuerst ging ich zum Spiegel und ja, ich sah schrecklich aus. Total verheult und meine Haare standen irgendwie. In den Spiegelkästen befand sich alles was sich frau so wünscht. Ich griff einfach zu und stellte mein Make-Up wieder her. Meine Haare bändigte ich mit meinen Fingern. Zum ersten Mal seit ich hier bin, meldete sich auch meine Blase. Ich setzte mich auf die Toilette. Keine gute Idee. Mein Hintern meldete sich sofort und protestierte. Leider musste ich schon zu dringend und ignorierte den Schmerz.
Entsetzt sah ich mein Höschen an. Nicht nur, dass ich bis jetzt nicht daran gedacht hatte, welche Unterwäsche ich trug. Die beiden Wahnsinnigen da draußen haben mich also in Reizwäsche gesehen. Nein, etwas viel schlimmeres war noch passiert. Mein Höschen war nicht nur feucht, es war nass, klitschnass.
Kapitel VIII
Es kann nicht sein, dass mein Höschen patschnass ist. Nachdem ich auf der Toilette fertig war, griff ich noch zwischen meine Beine. Ich war nicht nur feucht, ich rann förmlich aus. Hoffentlich hatten die beiden Psychopathen das nicht gesehen. Wenn sie das auch noch mitbekommen würden, kann ich mir ein Loch suchen, in das ich hineinspringe und nie wieder herauskomme.
Ich warf noch einmal einen überprüfenden Blick in den Spiegel. Äußerlich sah man mir nichts mehr an. Mein Hintern brannte wie Feuer, aber das sieht man von außen ja nicht. Ich verließ das Badezimmer und suchte meine beiden Peiniger, fand aber nur Markus.
„Geht es dir gut?“
Ich zog beide Augenbrauen hinauf und bedachte ihn mit einem verächtlichen Blick, hielt mir aber die entsprechende Antwort zurück.
„Antworte mir.“
„Wie soll es mir gehen? Mein Hintern brennt wie Feuer.“
„Du bist selbst daran schuld. Ich hätte gedacht du bist klüger und läufst nicht in eine offene Klinge.“
„Warum ist Dominik so ein Ar..?“, ich konnte mir den Rest gerade noch verkneifen. Markus Blick wurde wieder strenger.
„Aufpassen, Kleines“, die Warnung war unüberhörbar, „er ist nur so, solange du dich nicht benimmst. Halte dich an die Regeln und du wirst keine Probleme mit ihm haben. Er ist einer meiner besten Freunde und das nicht ohne Grund.“
„Ihr habe eindeutig dieselben Interessen“, mein Mund war meistens schneller als mein Hirn.
Bevor Markus antworten konnte, öffneten sich die riesigen schwarzen Türen und Dominik kam herein. „Bereit fürs Mittagessen?“ Wo war der grausame Psychopath hingekommen, der bis jetzt mein Chef war? Wer war dieser normale Mensch?
Markus ging zu mir, griff sich wieder meine Taille und führte mich in Richtung der schwarzen Riesentüren.
„Ich brauche noch meine Handtasche aus dem Büro“, ich wollte schon Richtung der anderen Tür gehen, als sich Markus Griff verfestigte. Er ermahnte mich:
„Die brauchst du nicht!“
Hilflos sah ich ihn an, sagte aber nichts. Gut, dann bezahle ich mein Essen eben nicht selbst. Hinter den schwarzen Türen, sie kamen mir vor wie das Tor zur Hölle, befand sich Dominiks Büro. Ich musste herausfinden, woher sein Fetisch für die Farbe schwarz stammt. Dominik drücke auf einen Knopf an der Wand und die Lifttüren öffneten sich. Natürlich er hat seinen eigenen Aufzug, direkt in seinem Büro und den durfte wahrscheinlich auch nur er benutzen. Da hatte er Papas Geld aber gut angelegt.
„Wohin gehen wir eigentlich essen?“, fragte ich während der Fahrt nach unten.
„Worauf hast du Lust?“, fragte Dominik ungewohnt freundlich.
„Ich hatte heute ehrlich gesagt noch nicht die Zeit mir darüber Gedanken zu machen, was ich essen will.“
Meine beiden Wahnsinnigen lachten und ich sah sie an als wären sie die ersten Menschen, die ich jemals gesehen habe. War das so witzig?
Markus machte einen Vorschlag: „Wie wäre es mit etwas Italienischem?“
„Pizza geht immer“, ich mochte seinen Vorschlag.
Jetzt sahen mich die beiden an, als wäre ich der erste Mensch.
„Was?!“, fragte ich verwirrt.
Dominik antwortete mir: „Ich wusste, warum ich dich haben wollte.“
Wir gingen nur fünf Minuten. Gott sei Dank, sonst hätten meine Schuhe mich wahrscheinlich umgebracht. Leider war vor dem Restaurant eine lange Schlange. Das geht sich nie aus, in der Mittagspause hier zu essen. Ich fluchte innerlich und mir kam ein kleiner Seufzer über die Lippen. Markus schaute mich sofort besorgt an:
„Was ist los, Kleines?“
„Meine Schuhe bringen mich jetzt schon um und jetzt sollen wir uns hier anstellen auch noch?“
Markus und Dominik lachten und ich verstand schon wieder nicht warum. Ich wollte schon am Ende der Schlange stehen bleiben, als Markus mich einfach weiterführte. Die Blicke der Leute, an denen wir vorbei gingen, waren alles andere als freundlich. Dominik begrüßte den Portier, oder wie auch immer man den nennt, und ging in das Restaurant. Wir bekamen sofort einen Tisch am Fenster. Markus führte mich zu meinem Sessel und zog ich für mich heraus. Wow, das hatte ich schon lange nicht mehr von einem Mann erlebt. Wenn ich heute noch nicht von ihm geschlagen und gedemütigt worden wäre, würde ich mein Männerbild echt überdenken. Dennoch war es der Platz, der am weitesten von der Tür entfernt war. Hatten sie Angst, dass ich weglaufen würde?
Ich lies mich auf den Sessel fallen und bereute es im selben Augenblick. Mein Hintern meldete sich sofort und beschwerte sich. Ich verzog das Gesicht, bemühte mich aber keinen Laut von mir zu geben.
Meine beiden Begleiter lachten sich eins ins Fäustchen.
„Selbst schuld“, Dominik lachte immer noch.
„Wie soll ich dann heute den Nachmittag überstehen?“, fragte ich mit hochgezogenen Augenbrauen.
„Glaub mir, wir haben genügend Pölster in der Firma.“
Ich hatte nicht gewusst, dass Dominik eine menschliche Seite auch hatte. Beim Mittagessen entwickelte sich ein nettes Gespräch über mein Studium und Dr. Schneller. Es stellte sich heraus, dass er auch Markus vor ein paar Jahren empfohlen hatte. Als er mich dieses Jahr empfohlen hatte, standen sie das erste Mal vor einem Problem. Ich war die erste Frau, die jemals eine Empfehlung erhielt. Das stellte die Firma vor eine neue Herausforderung und ich bin so zu sagen ein Experiment. Den Sexismus hinter der ganzen Situation muss ich wohl nicht extra erwähnen. Eigentlich ist die ganze Situation Wahnsinn. In einem schönen Restaurant sitze ich mit zwei Psychopathen, führe ein nettes Gespräch und esse nebenbei eine echt gute Pizza. Eigentlich sollte ich mein Messer nehmen und alle zwei abstechen oder zumindest weglaufen. Aber ich fühlte mich momentan echt wohl bei den beiden und das machte mir ziemlich große Angst.
Nachdem wir das Essen beendet hatten, standen beide auf und warteten darauf, dass ich es ihnen gleich tat. Verwirrst schaute ich sie an:
„Wie wäre es mit bezahlen?“
Wieder lachten beide und ich verstand zum dritten Mal nicht wieso.
Dominik sagte: „Steh auf, wir gehen.“ Freundlich, aber bestimmt. Ohne weiter zu hinterfragen, stand ich auf. Markus und Dominik grüßten beim Hinausgehen und wir machten uns auf den Weg zurück zur Agentur.
Im Büro angekommen freute ich mich auf meinen Schreibtischsessel. Meine Füße brachten mich um und ich nahm mir vor, morgen flache Schuhe mitzunehmen, falls wir wieder irgendwo hingingen. Oder ich nehme mir einfach Essen mit, dann brauche ich nirgends hinzugehen. Ich steuerte auf meinen Sessel zu und zog ihn heraus.
„Warte!“, Markus Warnung kam zu spät.
Ich ließ mich auf meinen Hintern fallen. Derselbe Fehler wie zuvor im Restaurant. Ich verzog wieder das Gesicht und Markus lachte mich einfach nur aus:
„Ich hab´ dich ja gewarnt.“
Als ich ihn wieder anblickte, hatte er schon einen Polster in der Hand und reichte ihn mir.
„Danke“
Den restlichen Nachmittag über erklärte mir Markus endlich, was meine Aufgaben sind. Ich bin sozusagen eine Mischung aus seiner Sekretärin und seiner Assistentin, aber damit kann ich gut leben. Das Gehalt stimmt auch, also keine weiteren Beschwerden. Abgesehen davon habe ich eh keine andere Wahl.
Die Zeit am Nachmittag verging wie im Flug, als plötzlich die Tür aufging und Johann hereinkam.
„Hallo meine zwei Lieben. Wie geht es euch? Alles gut? Ich hoffe ihr kommt gut miteinander aus. Markus, wie sieht es aus? Können wir zufrieden sein mit Dominiks Auswahl?“, wie kann ein Mensch so schnell reden?
Markus stand auf und begrüßte Johann.
„Hallo Chef! Alles in bester Ordnung. Ich kann mich nicht über sie beschweren. Dominik hat eine gute Wahl getroffen.“
Johann wandte sich an mich:
„Ava, was meinen Sie? Sind sie zufrieden mit ihren Vorgesetzten?“
Was soll ich jetzt sagen? Weiß er was in seiner Firma vorgeht? Oder hat Dominik das alles etabliert ohne, dass Johann etwas davon mitbekommen hat?
„Ich kann mich da nur anschließen. Keine Beschwerden, Chef.“
„Sehr gut, sehr gut. Ich hoffe, dass geht so weiter. Ich verlasse mich auf Sie beide.“ So schnell wie Johann gekommen war, war er auch schon wieder weg. Mein Blick ruhte noch weiter auf der Tür. Würde sie jetzt aufgehen, wenn ich es versuchen würde?
Markus dürfte meinen Blick beobachtet haben:
„Du kannst ja probieren, ob du sie jetzt aufbekommst“, wer wird denn hier verspielt werden?
„Das bisschen Stolz, das ihr mir noch gelassen habt, hindert mich gerade daran.“
Markus lachte und ging wieder an die Arbeit. So schlecht war es gar nicht mit ihm, solange er sich so wie jetzt verhielt. Blieb das so, solange ich die Regeln nicht brach?
In meine Arbeit vertieft, ging ich meinen Gedanken nicht weiter nach und konzentrierte mich auf meinen Bildschirm.
Wenige Minuten später stürmte Dominik herein. Seinem Gesichtsausdruck nach, war der freundliche Mensch vom Mittagessen wieder verschwunden und sein inneres Arschloch war wieder anwesend. Seine Augen wirkten fast schwarz, ohne den goldenen Unterton. Er schrie förmlich:
„Was wollte mein Vater hier? Was hat sie ihm gesagt?“
Markus stand auf und ging zu ihm:
„Beruhig dich. Sie hat nichts Falsches gesagt. Ich war auch überrascht als er hereinkam, aber kein Grund zur Sorge.“
Dominik entspannte sich sichtlich. Aber jetzt hatte ich Gewissheit. Johann hatte keine Ahnung, was in seiner Firma so vor sich ging und nach Dominiks Verhalten gerade sollte das seiner Meinung nach auch so bleiben. Ich hatte gerade seinen Schwachpunkt gefunden. Sein Vater. Ein wohlwissendes Grinsen erschien auf meinem Gesicht.
Auch Dominik erkannte in diesem Moment, dass er seinen wunden Punkt preisgegeben hat. Die Erleichterung von eben war verschwunden. Er stürmte auf mich zu, packte meinen Schreibtischsessel bei den beiden Armlehnen und schob mich inklusive Sessel gegen das Fenster.
Seine Stimme war nur ein leises Zischen.
„Ein einziges Wort zu meinem Vater und ich mache dich fertig. Sag einen falschen Ton und ich schwöre dir, die Prozedur von vorhin war eine Streicheleinheit.“
Das Blut zischte in meinen Ohren, mein Herz hämmerte in meiner Brust. Ich glaube ihm jedes einzelne Wort. Meine Atmung ging stoßweise. Mit weitaufgerissenen Augen starrte ich Dominik an, brachte aber kein Wort heraus. Ich hatte vorher schon Angst vor ihm, jetzt waren wir knapp vor der Todesangst.
Ohne eine Antwort von mir abzuwarten, zog er meinen Schreibtischsessel wieder an seinen Ausgangsort, gab ihm noch Schwung, sodass ich mich einmal im Kreis drehte und war im selben Moment schon wieder bei der Tür draußen.
Nach ein paar Sekunden war ich wieder bei mir und suchte Markus Blick.
„Habe ich etwas falsch gemacht?“, fragte ich vorsichtig.
„Du hättest nicht grinsen sollen. Aber weil du Johann die richtige Antwort gegeben hast, werde ich das einmal durchgehen lassen. Gewöhn dich nicht daran“, Markus versuchte zwar streng zu klingen, aber der leicht amüsierte Unterton war nicht zu überhören.
Der restliche Tag verlief ohne Zwischenfälle und kurz vor 17 Uhr packte ich meine Sachen und wollte mich gerade von Markus verabschieden, als er ebenfalls aufstand und sich mir in den Weg stellte.
„Was machst du?“, er klang nicht gerade begeistert.
„Ähm, nach Hause gehen? Es ist 17 Uhr.“
„So läuft das hier nicht, Kleines.“
„Und wie dann?“, jetzt kam sicher die nächste dämliche Regel. Innerlich verdrehte ich die Augen.
Markus lies mich nicht lange warten: „Ich entscheide, wann du nach Hause gehst. Meistens wird es 17 Uhr sein. Dennoch möchte ich, dass du mich darum bittest.“
„Damit mein letztes bisschen Würde auch noch weg ist oder wie?“, ich sollte diese Dinge denken und nicht sagen. Markus sah zornig auf mich herab.
„Aufpassen.“ Eine andere Antwort bekam ich nicht. „Du spielst dich schon wieder. Ich bin für dich verantwortlich, daher entscheide ich auch, wann du nach Hause gehst. Verstanden?“
„Verstanden“, seufzte ich, „Darf ich jetzt nach Hause gehen?“
„Aber sicher doch.“ Markus kam mir näher, drückte mich an seine Brust und gab mir einen Kuss in meine Haare. Danach öffnete er mir die Tür und entließ mich. Was war das denn jetzt wieder?
Kapitel IX
Endlich zu Hause angekommen, wollte ich mich gerade auf meine Couch fallen lassen, als es mir gerade noch besser einfiel. Ich legte mich vorsichtig auf den Bauch und ließ den Tag nochmal Revue passieren.
Ich war so richtig am Arsch.
Damit meine Verzweiflung nicht noch größer wurde, beschloss ich eine Runde laufen zu gehen. Ich schmiss mich in meine Lieblingssportkleindung. Eine alte, graue, zerschlissene Jogginghose. Sie hatte sogar ein Loch am Knie, aber ich werde sie nie hergeben. Dazu ein weites, viel zu großen schwarzes T-Shirt. Meine Haare band ich zu einem schnellen Dutt und schminkte mich auch noch ab. Sport und Make-Up passten für mich einfach nicht zusammen. Ich schnappte mir mein Handy und die Ohrstöpsel und machte mich auf den Weg, in einen nahe gelegenen Park. Ich lief und lief und lief und vergaß die Welt um mich herum. Leider auch die Zeit, denn ich musste noch einkaufen gehen. Duschen und umziehen ging sich nicht mehr aus, also musste ich wohl oder übel so in den Supermarkt gehen. Ich griff mir meine Geldbörse und ein Stoffsackerl und ging zum nächsten Supermarkt. Dort angekommen nahm ich einen Einkaufswagen und versorgte mich mit den Lebensmittel für die nächsten Tage. Als ich vor den Frühstückscerealien ankam, sah ich am Ende des Ganges zwei Silhouetten. Jetzt sah ich schon Geister. Aber die eine Silhouette sah fast aus wie Dominik. Litt ich jetzt schon unter Verfolgungswahn?
Erst jetzt fiel mir auf, dass ich eigentlich aussah wie eine Obdachlose. Eine zerrissene Hose, ein viel zu großes T-Shirt und meine Haare standen in alle Richtungen. Ich roch nach dem Sport wahrscheinlich auch wie eine Obdachlose. Verdammt, wenn das wirklich Dominik war und er mich gesehen hatte, hatte ich ein großes Problem. Ich hätte damit gegen eine Regel verstoßen und er würde mich sicher daran erinnern. Der nächste Gedanke schoss durch meinen Kopf. Nicht nur gegen eine Regel hatte ich verstoßen, ich hatte Markus auch nicht gesagt, dass ich laufen gehen würde oder einkaufen. Ich konnte nur hoffen, dass es nicht Dominik war. Und wer war der zweite gewesen?
Schnell sammelte ich die restlichen Lebensmittel ein und ging zur Kasse. Nur unbekannte Menschen kreuzten meinen Weg und ich bezahlte meine Einkäufe. Kurze Zeit später waren eben diese im Kühlschrank verschwunden und ich ging duschen. In dem Moment blinkte mein Handy auf. Ich hatte den ganzen Tag keinen Blick darauf geworfen. Meine Mädels schrieben in unserer WhatsApp-Gruppe.
Sarah: Wie wars Ava?
Miranda: Lebst du noch?
Sarah: Hallo Ava?
Ava: Alles gut Mädels. Ich habe den ersten Tag überstanden.
Nachdem Dominik schon so drauf erpicht war, dass sein Vater nichts erfährt, gilt das wahrscheinlich auch für alle anderen Menschen.
Ella: Hast du hübsche Arbeitskollegen?
Sarah: Egal ob sie hübsch sind, sie müssen nur blond sein für Ava. ��
Miranda: Wenn sie nicht blond sind, gehört einer mir.
Ava: Ja sie sind heiß, ja einer ist blond. Sonst noch Fragen?
Ella: Uh, da ist jemand empfindlich!!
Miranda: Ich nehm einen!
Ava: Ich geh duschen!
Sollten sie sich nur weiter unterhalten. Nachdem ganzen Chaos heute brauchte ich eine warme Dusche und die würde ich mir jetzt gönnen. Danach machte ich mir noch schnell ein Butterbrot mit Schnittlauf, mehr geben meine Kochkünste heute leider nicht mehr her.
Mein Abendprogram für heute bestand aus mir, meinem Sofa und dem Fernseher. Gegen 22 Uhr wurden meine Augen schwer und ich ging ins Bett. Zum Glück war ich sowieso eine Seitenschläferin, ansonsten wäre diese Nacht schmerzhaft verlaufen. Ich stellte mir meinen Wecker für 6 Uhr. Als ich so im Bett lag, schlich sich dieses erdrückende Gefühl in meine Brust und die Dunkelheit kam wieder in meine Gedanken. Eigentlich war es klar, dass nach so einem Tag etwas passieren musste. Meine Vergangenheit war nicht rosarot oder schön oder gerecht. Aber ich hatte mich damit abgefunden. Nur nach manchen Ereignissen holten mich die alten Bilder wieder ein. Ich werde diese Nacht schlafen, aber die Albträume werden sie besitzen. Umso schläfriger ich wurde, umso stärker übernahm die Dunkelheit meine Gedanken und ich erlebte die Situationen von damals. Ich hasste diese Nächte.
Pünktlich um 6 klingelte mein Wecker und ich stand auf. Ich war schon immer ein Frühaufsteher, deswegen machte es mir nichts aus. Mein Kaffee und mein Müsli machten mich dann so richtig munter und ich überlegte was ich heute anziehen soll. Draußen war es ziemlich warm, also zog ich ein Kleid an und heute keine aufreizende Unterwäsche. Heute beschloss ich zu Fuß in die Agentur zu gehen. Es dauerte lediglich 15 Minuten, also zog ich flache Schuhe an und schmiss die High Heels in meine Tasche. Unterwegs kaufte ich mir noch ein Sandwich für zu Mittag und war pünktlich um halb acht in der Agentur.
Markus saß schon im Büro und arbeitete. Er würdigte mich keines Blickes als ich das Büro betrat. Wusste er von gestern? War das wirklich Dominik? Wenn ich in drauf anspreche und er es noch nicht wusste, würde ich mir ins eigene Knie schießen. Sage ich aber nichts und er weiß es, hätte ich ein noch viel größeres Problem. Ich musste das Ganze anders angehen.
Als ich auf meinen Sessel saß, heute war es schon erträglicher, sagte ich vorsichtig:
„Markus, darf ich dich etwas fragen?“
„Immer, was brauchst du?“
„Wie soll ich dich eigentlich erreichen, wenn ich in meiner Freizeit etwas machen will?“
„Entweder du sagst es mir noch während der Arbeit und ICH ENTSCHEIDE DANN, ob du es machst oder du rufst mich an oder schreibst mir.“
Wie kann man um diese Uhrzeit schon so streng sein? Außerdem habe ich keine Nummer von ihm.
„Ich habe deine Nummer nicht.“
„Gib mir dein Handy.“
Ich zögerte kurz, griff aber dann in meine Tasche und zog das Handy heraus. Markus nahm es mir sofort ab und tippte drauf herum.
„Woher weißt du meinen Code?“, ich hatte extra so ein Muster eingestellt, damit man nicht so leicht an meine Daten kam.
„War nicht schwer zu erraten.“
Er gab mir mein Handy wieder und ich ließ es in meiner Tasche verschwinden. Markus schaute mich noch kurz an und sah dann wieder auf seinen Bildschirm. Wusste er es? Verdammt was sollte ich machen? Wie ein kleines Mädchen, dass dem Herrn Lehrer beichten muss, dass es die Hausübung vergessen hat, fing ich an zu stottern:
„Du, ähm, äh, Markus…“
Er fiel mir ins Wort:
„Überleg dir was du sagen willst und dann sprich deutlich!“
Ich atmete tief durch und sprach wie verlangt deutlich:
„Ich glaube, ich habe gestern gegen zwei Regeln verstoßen. Ich war nach der Arbeit noch eine Runde laufen. Dabei vergaß ich die Zeit und hatte keine Zeit mehr vor dem Einkaufen zu duschen, also ging ich gleich so wie ich war. Das mit dem Laufengehen war ganz spontan, ich hatte nicht daran gedacht es dir zu sagen, aber ich hätte es ja auch nicht können und…“
Markus unterbrach mich wieder.
„Dominik hat mir schon erzählt, dass du so eine hübsche Jogginghose besitzt.“ Seine Stimme war fest und die Drohung schwang mit.
Der Verfolgungswahn verschonte mich also noch. Es war tatsächlich Dominik gewesen. Still blieb ich sitzen und wartete auf Markus nächste Handlung.
„Dennoch ich bin froh, dass du mir es freiwillig gesagt hast. Vielleicht fällt deine Strafe dann nicht ganz so schlimm aus“, die strenge in seiner Stimme war wieder da.
„Aber ich hätte es dir doch gestern gar nicht sagen können!“, ich wollte nicht kampflos aufgeben.
In einem Ruck stand er auf und ging langsam um die Schreibtische herum. Er baute sich neben mir auf, griff zu meinem Kinn und zwang mich ihn anzusehen.
„Willst du mit mir jetzt auch noch diskutieren?“, die Drohung lag in der Luft.
„Ich diskutiere nicht, ich sage dir, wie es war.“ Meine Stimme war Gott sei Dank wieder fest. Markus sah wenig begeistert aus. Sein Griff wurde fester:
„Noch ein einziges Widerwort und ich leg´ dich übers Knie.“
„Das machst du ja sowieso! Was hätte ich deiner Meinung nach den sonst tun sollen?“ Klug war meine Aussage nicht, aber es fühlte sich so gut an.
Wortlos, aber mit einer beängstigenden Körperhaltung holte er einen Sessel aus der Ecke, nahm mich bei meinem Handgelenk und zog mich auf seinen Schoß. Im Gegensatz zum letzten Mal versuchte ich mich zu wehren. Aber ich mit meinen 1,60 m Körpergröße und 60 kg Kampfgewicht habe gegen 1,90 m reine Muskeln eher geringe Erfolgschancen. Markus drehte einfach wieder meine Hände auf meinen Rücken und ich lag da wie ein Fisch am Land. Völlig hilflos.
„Weißt du warum ich das mache?“, Markus fragte mit strenger Stimme.
Weil du ein perverses Arschloch bist? Weil du dich daran aufgeilst? Weil du irgendetwas kompensieren musst? Weil du einfach krank bist? Ich hätte viele Antworten für ihn, aber keine davon würde ihm gefallen.
Ich antwortete so, wie es ihm gefällt: „Weil ich gegen Regeln verstoßen habe.“
„Was wird jetzt passieren?“, seine Tonlage blieb gleich.
Musste ich es wirklich noch aussprechen?
„Ich werde bestraft.“
„Braves Mädchen!“
Der erste Schlag folgte, sobald er fertig gesprochen hatte. Es folgte Schlag für Schlag für Schlag. Monoton im selben Rhythmus. Monoton in derselben Stärke. Ich spürte noch die Striemen von gestern. Wenn er die traf, wollte ich am liebsten schreien. Aber diese Genugtuung würde ich ihm nicht gönnen.
„Wie viele Schläge werden es?“, fragte ich zwischendurch.
„Bis du genug hast“.
Markus machte erbarmungslos weiter. Durch mein Kleid hatte ich heute weniger Schutz als gestern, aber zum Glück blieb es an Ort und Stelle. Die Schmerzen wurden aber immer größer und ich konnte nicht mehr still liegen. Meine Beine zappelten, aber das störte Markus nicht. Seine Hand verfolgte weiter den gleichen Rhythmus. Sollte ich etwas sagen, um ihn zu besänftigen? Der Versuch schadet nie. Aber betteln werde ich nicht.
„Markus, ich habe es verstanden. Au, hör bitte auf. Es, au, wird nicht wieder passieren.“ Die Schmerzenslaute zwischendurch konnte ich nicht zurückhalten. Eine Antwort erhielt ich nicht. Stumm machte er weiter und das einzige Geräusch im Raum war das Klatschen.
Oh Gott, hatte er die Scheiben des Büros eigentlich verdunkelt oder sah mich gerade die ganze Etage? Mein Kopf zeigte Richtung Fenster und weg von der Tür. Ich versuchte meinen Kopf zu drehen, aber ich war chancenlos. Ich würde es erst erfahren, wenn Markus irgendwann aufhörte.
Die ersten Tränen sammelten sich in meinen Augen. Ich zuckte bei jedem Schlag zusammen. Wie es aussieht, musste ich doch betteln:
„Bitte Markus hör auf. Ich weiß, dass ich, aua, einen Fehler gemacht habe. Au“, ich zog zwischendurch Luft ein, so groß war der Schmerz.
„Bitte hör auf, es tut mir leid. Es wird nicht wieder passieren. Das ist alles so ungewohnt und neu für mich. Ich versuche es ab jetzt wirklich!“
Als hätte ich nichts gesagt, machte Markus einfach weiter und weiter. Die Tränen konnte ich nun nicht mehr zurückhalten und ließ los. Es war noch keine halbe Stunde an meinem zweiten Arbeitstag vergangen und ich heulte wie ein kleines Kind.
Markus unterbrach den monotonen Rhythmus: „Gegen welche Regeln hast du verstoßen?“
Unter Tränen antwortete ich: „Ich habe dir nicht Bescheid gesagt und sah nicht gerade gepflegt aus.“
„Und?“, fragte er immer noch mit eiskalter Stimme.
In meinem Kopf drehten sich die Gedanken. Was hatte ich gemacht? Welche Regel war denn noch? Während ich überlegte, fing Markus wieder an mich zu schlagen. Wenn mir nicht bald etwas einfällt, habe ich echt ein Problem.
Markus ermahnte mich: „Wenn du die Regeln nicht weißt, haben wir gleich noch ein anderes Problem miteinander.“
Regeln? Verdammt, welche Regeln gab es denn noch? War ich nicht respektvoll zu ihm? Ich habe ihn nur so behandelt, wie er es verdient hat. Soll ich mich dafür entschuldigen?
„Ich habe dich nicht respektvoll behandelt“, ich weinte durchgehen. Die Schmerzen wurden immer schlimmer, fast schon unerträglich. Ich wand mich unter seinem Griff, aber es gibt einfach kein Entkommen.
„Tut es dir leid?“, fragte Markus.
„Dass ich gestern draußen war, ohne dir Bescheid zu geben, ja. Dass ich ausgesehen habe, wie eine Obdachlose, ja. Wie ich vorher mit dir gesprochen habe, nein“, ich wollte ihn einfach nicht anlügen. Das wäre nicht mehr ich, egal in welcher Situation ich bin.
Markus stoppte. Mein Hintern brannte. Tränen flossen immer noch über mein Gesicht.
„Steh auf!“
Markus hätte zum Bundesheer gehen sollen, den Befehlston hat er drauf.
Orientierungslos stand ich auf und sah, dass zumindest die Büroscheibe abgedunkelt war. Wenigstens hatte nicht das ganze Stockwerk davon mitbekommen. Obwohl ich außer den beiden Psychopathen noch keinen meiner Kollegen kannte. Markus stellte den Sessel zurück in die Ecke und kam mir wieder gefährlich nahe. Mit großen Augen sah ich zu ihm auf und suche in seinem Gesicht irgendeine Gefühlsregung. Seine blauen Augen wirkten verschlossen.
„Wieso glaubst du, Kleines, ist es in Ordnung mich respektlos zu behandeln?“, in der Stimme war ein drohender Unterton zu hören. Die Angst kroch von meinem schmerzenden Hintern über meinen Rücken hinauf. Ich blieb aber bei der Wahrheit:
„Respekt bekommt man nicht einfach so, Respekt muss man sich verdienen.“
Sein Blick blieb ausdruckslos. Er drehte sich von mir weg und ging zu meinem Schreibtisch. Dort schnappte er sich den Polster, den er mir gestern gegeben hatte und verstaute ihn im Kasten. Dann schob er meinen Schreibtischsessel auf die Seite und holte den Sessel aus der Ecke. Es war ein einfacher Plastiksessel ohne jegliche Polsterung.
„Pölster muss man sich auch verdienen“, süffisant schlich sich ein Lächeln in sein Gesicht und er ging zu seinem Schreibtisch, „geh an die Arbeit.“
Er setzte sich an seinen Computer und begann mit seiner Arbeit. Ich stand da wie ein begossener Pudel, völlig verheult und mein Hintern brannte wie Feuer. Sein Ernst jetzt? Aber zwischen meinen Beinen regte sich etwas. Nicht schon wieder. Ich spürte ein bekanntes Ziehen im Unterleib, das ich nur von anderen Situationen kenne. Warum zu Teufel bin ich geil?
Markus Konzentration haftete am Bildschirm und ich würde keines Blickes gewürdigt. Was blieb mir anderes über als mich hinzusetzen und zu arbeiten?
Mit schmerzverzerrtem Gesicht ließ ich mich auf dem Plastiksessel nieder und wusste, dass es ein verdammt langer Tag werden würde.
Kapitel X
Irgendwann im Laufe des Vormittages klingelte mein Handy in der Tasche. Es war nur ein kurzes Ploppen von WhatsApp, aber es erregte sofort Markus Aufmerksamkeit. Sein Kopf drehte sich sofort in meine Richtung und er starrte mich an, als ob er mich fressen möchte.
„Schalt es aus!“ Er klang immer noch nicht freundlicher als zuvor.
Ich nuschelte irgendetwas mit Entschuldigung und suchte mein Handy in meiner Tasche. Ein kurzer Blick auf die Nachricht musste sein.
Ella: Mädels, ich will heute Abend fortgehen. Wer ist dabei?
Gerade als ich mit der Nachricht fertig war, wurde mir mein Handy aus der Hand gerissen.
„Ausschalten habe ich gesagt, nicht lesen“, Markus war um den Tisch herum gegangen und stand neben mir.
Trotzig antwortete ich: „Tut mir leid, es hätte auch was Wichtiges ein können.“
Er warf mir einen strengen Blick von oben herab zu, sagte aber nichts weiters. Mein Handy behielt er einfach und legte es neben seine Maus. Als wäre nie etwas passiert, ging er wieder an die Arbeit. Ich tat es ihm gleich, eine Diskussion würde nichts bringen.
Mein Handy hatte er aber nur auf lautlos geschalten und ich sah, wie das Display immer wieder aufleuchtete. Markus nahm das Handy, drehte es schlichtweg um, warf mir noch einen ermahnenden Blick zu und machte weiter.
Trotz der Schmerzen verging der Vormittag, zumindest der restliche Vormittag, ziemlich schnell und ohne Zwischenfälle. Um kurz nach 12 Uhr stand Markus auf und sagte:
„Mittagessen. Komm!“
„Danke, aber ich habe mir etwas mitgenommen.“, meine Antwort fiel geschäftsmäßig aus.
„Das war keine Frage, komm!“, Markus Stimme wurde lauter und es schwang eine Warnung mit.
„Wieso muss ich Mittagessen gehen?“ Ich bemühte mich freundlich zu bleiben.
„Damit ich dich im Blick habe“, seine Antwort war zumindest ehrlich.
Seufzend stand ich auf und befand gegenüber von meinem wahnsinnigen Vorgesetzen. Sein Blick schweifte an mir herab und blieb auf meinen Schuhen hängen. Ich hatte immer noch meine flachen Schuhe von heute morgen an. Bei dem ganzen Theater hatte ich vergessen sie umzuziehen. Mit einem fragenden Blick starrte Markus mich an. Ich versuchte mich zu erklären.
„Ich wollte nicht mit dem Auto herfahren, weil ich es nicht mag in der Stadt zu fahren und zu Fuß dauert es nur 15 Minuten. Meine Füße sind es nicht gewohnt, ganzen Tag in hohen Schuhen herum zu laufen, deshalb habe ich mir für den Weg flache Schuhe angezogen und die hohen in meine Tasche geworfen. Nur bei der Aufregung von heute, habe ich vergessen sie umzuziehen.“
„Dann mach es jetzt“, er klang wirklich angepisst.
„Aber wir laufen bestimmt wieder weit, warum kann ich nicht die flachen anbehalten und nachher die hohen anziehen?“, ich sollte nicht mit ihm diskutieren, aber ich will nicht in hohen Schuhen durch halb Wien laufen.
Markus ignorierte mich, ging zur Tür, öffnete diese und wartete dort. In diesem Moment erschien Dominik in der Tür.
„Bereit?“, er war wieder der freundlichste Mensch, so wie gestern beim Mittagessen.
Markus antwortete immer noch ärgerlich: „Sie muss sich nur mehr die richtigen Schuhe anziehen.“
Dominiks Blick fiel auf mich, dann auf meine Schuhe, dann auf mein Gesicht, dann auf den Plastiksessel, dann nochmal auf mich und schließlich zu Markus.
„Die Jogginghose?“, er fragte leicht amüsiert.
Markus seufzte: „Gestern dürfte nicht viel bewirkt haben, so viel, wie sie heute mit mir diskutiert.“ Sein Blick fiel auf mich und auf meine immer noch flachen Schuhe.
Ich gab mich geschlagen und zog mir die 10 Zentimeter Schuhe an.
„Stopp“, sagte Dominik, „so können wir nicht mit ihr raus.
Was war jetzt schon wieder das Problem? Dominik hielt mir sein Handy mit der Innenkamera vors Gesicht. Mein Mascara war in meinem kompletten Gesicht. Ich sah aus wie ein Pandabär.
Markus griff ein:
„Ich hätte sie noch ins Badezimmer geschickt.“
Mit einem Nicken deutete mir Dominik, dass ich ins Bad gehen sollte. Ich folgte wortlos seinem stummen Befehl und lief als Panda durchs Büro. Keiner meiner Kollegen würdigte mich eines Blickes, obwohl die Hälfte der Schreibtische sowieso leer war. Mittagspause eben.
Die Mittagspause selbst verlief so wie die gestrige. Freundliche, fast freundschaftliche Gespräche. Markus war wie ausgewechselt und gut drauf. Eigentlich sollte mein Kopf rauschen durch das ganze Durcheinander, aber ich fühlte mich bei den beiden wirklich wohl.
Zurück im Büro gab mir Markus mein Handy wieder.
„Du hast noch fünf Minuten. Jetzt kannst du antworten. Danach liegt es wieder hier.“
Ich nahm mir mein Handy und las die letzten paar Nachrichten von meinen Mädels.
Sarah: Es ist Dienstag. Normale Menschen arbeiten morgen.
Ella: Du beaufsichtigst kleine Kinder. Das ist keine Arbeit.
Miranda: Keinen Bock.
Sarah: Stell du dich in den Kindergarten und dann sprechen wir weiter…
Ella: Ava, was ist mit dir? Oder hast du schon ein Date mit deinem Kollegen?
Miranda: Wenn du eins hast, er soll einen Freund mitnehmen…
Sarah: Beine zusammen lassen, Mädchen!!
Ava: Ich bleib zu Hause. Bin müde.
Ella: Jetzt seid ihr alle alt!
Miranda: Erwachsen, du meintest erwachsen.
Ich legte das Handy wieder zurück und ging an meine Arbeit. Mein Hintern erinnerte mich beim Hinsetzen an meine Vergehen. Markus grinste nur, als er das sah und nahm sich mein Handy.
„Was machst du da?“, fragte ich ihn nervös.
„Dein Handy kontrollieren.“
„Geht´s eigentlich noch?“, entfuhr es mir.
Er hob eine Augenbraue und es folgte ein ermahnender Blick.
„Entschuldigung“, sagte ich kleinlaut und erhielt ein bestätigendes Nicken.
Er scrollte durch irgendetwas. Las er meine Nachrichten?
„Erzähl mir was über deine Freundinnen“, forderte er mich auf.
Ich begann zu erzählen: „Sarah kenne ich am längsten. Wir waren schon gemeinsam im Kindergarten. Ella und Miranda sind in Wien dazu gestoßen. Sarah ist Kindergärtnerin, Ella studiert noch und Miranda ist Sekretärin.“
„Wie sind sie so?“
„Sarah und ich sind eher ruhiger und direkt. Miranda liebt da Singleleben und Ella ist immer überdreht.“
Markus lehnte sich nickend in seinem Sessel zurück.
„Du stehst also auf blond, Kleines?“
„Warum immer Kleines?“ Ich ging nicht auf seine Frage ein. Da konnte nichts Gutes dabei raus kommen.
„Du bist klein“, er grinste.
„Durch deine Zwangsbeglückung mit den Schuhen um zehn Zentimeter größer“, jetzt grinste ich auch.
„An die Arbeit, Kleines!“, er lächelte immer noch.
„Jawohl, Chef“, antwortete ich pflichtbewusst.
„Dein Handy liegt in Zukunft immer auf meinem Schreibtisch.“ Er fragte nicht, es war eine Feststellung.
Gedankenlos verdrehte ich die Augen, stoppte aber in der halben Bewegung und blickte ängstlich zu Markus. Sein Blick war wieder versteinert und von der Lockerheit gerade eben keine Spur mehr. Seine Augen verengten sich. Nickend widmete er sich wieder seinem Bildschirm. Wie schafft dieser Mann es nur mit einem Blick mir so eine Angst einzujagen? Bevor ich in dieser Irrenanstalt war, hatte ich mir von niemanden etwas gefallen lassen. Jetzt bin ich den zweiten Tag hier und ein Blick reicht, damit ich zögere.
Der Nachmittag verlief genauso ereignislos wie der Vormittag. Kurz vor 17 Uhr packte ich meine Sachen. Musste ich wirklich Fragen, ob ich gehen darf? Außerdem wollte ich heute noch ins Fitnessstudio. Als ich aufstand fragte ich:
„Kann ich jetzt ins Fitnessstudio gehen?“ Das war zumindest nicht ganz so demütigend.
Markus drehte sich mit seinem Sessel in meine Richtung und schüttelte ärgerlich den Kopf.
„Du weißt, wie du Fragen sollst.“
Zögerlich seufzte ich. Diskussionen bringen nichts bei ihm.
„Darf ich nach Hause gehen?“, es war so demütigend.
Wie gestern stand er auf, drückte mich an seine Brust und einen Kuss in meine Haare.
„Bis morgen, Kleines.“
Markus öffnete die Tür.
Mitten in der Nacht läutete mein Handy sturm. Nachricht um Nachricht traf ein. Ich sah auf die Uhr. 05:02. Es war nicht mitten in der Nacht, in einer Stunde würde mein Wecker klingeln, aber mir kam es zumindest so vor. Ella bombardierte uns mit Nachrichten.
Ella: Oh Gott, ihr glaubt nicht was passiert ist.
Ella: Morgen Abend, Pizzaabend bei mir.
Ella: Also heute Abend.
Ella: Ihr werdet es nicht glauben.
Ella: Er war so verdammt heiß!!
Ella: Er war der Beste, den ich jemals hatte!!
Es hörte sich so an, als hätte sie heute Nacht Sex gehabt. Ich antwortete nicht und versuchte noch ein bisschen zu schlafen. Um 6 Uhr klingelte mein Wecker und ich fühlt mich, als wäre es erneut mitten in der Nacht. Auf geht’s in einen neuen grauenvollen Arbeitstag. High Heels nicht vergessen.
Im Büro legte mich mein Handy auf Markus Schreibtisch und wechselte die Schuhe. Er war heute noch nicht im Büro, aber ich dachte mir nichts dabei. Als er um 08:00 Uhr immer noch nicht da war, begann ich mich zu wundern. Erstens darüber, dass er nicht da war, zweitens über das, was ich jetzt machte. Eigentlich sollte ich froh sein, dass ich meine Ruhe hatte. Ich ging zur Tür und versuchte sie zu öffnen. Erstaunlicherweise gelang es. Ganz sicher war ich mir nicht, aber die große schwarze Tür sah aus wie das Tor zur Hölle im Sozialraum. Dahinter musste wohl Dominiks Büro liegen. Gerade als ich nach der Klinke greifen wollte, hörte ich hinter mir jemanden.
„Ich würde es nicht tun.“
Verwirrt drehte ich mich um und suchte nach dem Sprecher, aber niemand sah von seinem Computer auf und offenbarte sich. Was soll das?
Anklopfen könnte nicht schaden, dachte ich mir und setzt es gleich in die Tat um.
Von drinnen hörte man ein „herein“. Also ging ich hinein und wieder einmal fragte ich mich, warum ich?
Kapitel XI
Im Büro befanden sich nicht nur Markus und Dominik, sondern auch der Mann vom ersten Tag, der mich ach so freundlich gebeten hatte, aufzustehen.
Dominik fragte: „Was ist?“
Für seine Verhältnisse klang es schon fast freundlich. Zwei Wörter reichten, damit sich meine Nackenhaare aufstellen und mir ein kalter Schauer über den Rücken lief.
Vorsichtig antwortete ich: „Ich habe mich nur gewundert, wo Markus bleibt. Deswegen wollte ich nachfragen.“
Der Mann, den ich noch nicht wirklich kannte, studierte mich von oben bis unten. Er war ungefähr im selben Alter wie die beiden Wahnsinnigen. Jetzt waren es wahrscheinlich schon drei davon. Der Mann nickte anerkennend und sagte:
„In zwei Tagen habt ihr sie gut hinbekommen.“
„Lass dich nicht täuschen“, antwortete Markus mit einem Schmunzeln im Gesicht.
Der Mann kam auf mich zu und streckte die Hand aus. Ich ergriff sie.
„Daniel, freut mich.“
„Ebenfalls“, ich hielt mich kurz und knapp.
Er hielt meine Hand fest, drehte den Kopf aber zu Dominik und Markus.
„Gehorcht sie schon?“
„Ich bin kein Hund,“ antwortete ich leicht verärgert.
Der Händedruck wurde fester und ließ mich nicht entkommen. Daniel schrie mich augenblicklich an:
„Kleine Mädchen sprechen nur, wenn sie gefragt werden!“
Was glaubt der wer er ist? Kokett antwortete ich:
„Gut, dass ich kein kleines Mädchen bin.“
„Da hast du deine Antwort“, sagte Dominik lachend, „aber heute wollen wir nicht so streng sein.“
Nanu? Was war denn los? Beide Psychopathen sind so gut drauf. Verdutzt schaute ich die drei an und wartete. Markus antwortete meinem Blick:
„Geh ins Büro, ich komm gleich.“
Nichts wie weg von den Wahnsinnigen. Am Weg zurück ins Büro sah ich jede Menge Köpfe in die Höhe schnellen. Alle blickten mich verwirrt an. Hatte ich etwas falsch gemacht?
Im Büro war ich der Versuchung nahe, meinen Plastiksessel wieder gegen den Schreibtischsessel auszutauschen, aber Markus hatte bestimmt etwas dagegen. Außerdem wollte ich heute Abend zu Ella gehen, deswegen durften mir heute keine Fehler passieren. Nach wenigen Minuten kam Markus durch die Tür und ließ sich in seinen Sessel fallen.
„Handy auf meinem Tisch, hohe Schuhe an den Füßen, keine blöden Kommentare und die Sessel hast du auch nicht getauscht. Was willst du?“, Markus kam gleich auf den Punkt.
„Heute Abend zu Ella gehen. Pizza essen.“
„Wann gehst du? Wer kommt aller? Geht ihr nachher noch wohin? Wie kommst du nach Hause, wenn es später wird? Wenn du etwas willst, brauche ich mehr Infos.“
War das jetzt ein Verhör? Ich schaute ihn verwundert an und sagte nichts.
„Antworte mir oder du bleibst du zu Hause“, die Schroffheit war wieder da.
Ich seufzte: „Sarah, Miranda, Ella und ich. Wir sind nur bei ihr zu Hause und sie macht selbstgemachte Pizza. Dazu trinken wir ein paar Gläser Wein. Normalerweise fahre ich mit der U-Bahn heim. Zufrieden?“
„Nein“, antwortete er streng, „erstens so sprichst du nicht mit mir. Zweitens fährst du in der Nacht sicher nicht betrunken mit der U-Bahn. Wenn du nach Hause willst, ruf mich an, ich hole dich.“
Ich musste mehrfach blinzeln, um zu verstehen, was er gerade gesagt hat. Vorsichtig fragte ich:
„Und wenn ich ein Ta..“
Weiter kam ich nicht. Sein Blick brachte mich zum Schweigen und die Angst kroch wieder meinen Rücken hinauf.
„Du weißt was passiert, wenn du mit mir diskutierst?“
Ich senkte den Blick und war versucht nicht zu antworten. Aber er würde es wieder nur einfordern. Gerade eben noch in Dominiks Büro lachte er und jetzt war er wieder gnadenlos. Wie macht der das?
„Ich werde bestraft“, sagte ich beschämt, „aber darf ich etwas einbringen?“
Markus wartete nur, reagierte aber nicht. Soll ich jetzt was sagen?
„Ich fahre sonst immer gemeinsam mit Miranda in der U-Bahn. Sie steigt eine Station vor mir aus, also bin ich nicht allein. Falls wir ein Taxi nehmen, könnten wir uns das auch teilen. Außerdem bin ich von zwei Gläsern Wein noch nicht betrunken.“
Markus war jetzt nicht nur wütend, er war kurz vorm Explodieren:
„Du fährst weder mit der U-Bahn, noch mit dem Taxi. Wenn du nach Hause willst, rufst du mich an. Miranda fährt mit uns mit!“, er schrie nicht, aber seine Stimme war lauter als sonst.
Ich sollte einfach meinen Mund halten, aber es geht nicht:
„Und wie soll ich ihr das bitte erklären?“, fragte ich leicht angepisst.
„Wenn du heute noch gegen eine Regel verstößt, bleibst du zu Hause und wenn ich selbst dafür sorge. Verstanden?“
Irgendeine Ausrede wird mir für Miranda schon einfallen. Nur wie besänftige ich den Verrückten mir gegenüber?
„Es tut mir leid. Ich ruf´ dich an, wenn ich nach Hause will und für Miranda lasse ich mir eine Ausrede einfallen. Ich wollte dich nicht so aufregen.“
Immer noch ärgerlich antwortete Markus:
„Es geht nicht um mich, es geht um die Regeln, die du brichst. Eigentlich sollte ich dich für jeden einzelnen Regelbruch bestrafen, aber dann kämen wir zu gar keiner Arbeit mehr. Letzte Chance für heute. Ein Regelbruch und du bleibst du Hause.“
Okay, ich habe es verstanden. Wie soll ich den Tag heute noch überstehen? Am besten ich sage gar nichts mehr und tue alles, damit er sich nicht aufregt. Ellas Erzählungen heute Abend will ich auf keinen Fall verpassen. Zwar gehe ich am Freitag mit meinen Mädels aus um meinen neuen Job zu feiern, das war zumindest der Plan. So wie es aussieht, gehe ich aus um Frust zu trinken, wegen meines neuen Jobs.
„Verstanden?“, Markus würde immer eine Antwort einfordern.
Also soll er seine Antwort bekommen: „Ja, verstanden. Es tut mir leid.“
Kurz vor Mittag erklärte mir Markus, dass Daniel heute mit uns essen gehen würde und ich mich benehmen sollte, da er um einiges beharrlicher auf die Regeln achtet, als er. Ich nutzte die Chance, um etwas mehr über Daniel in Erfahrung zu bringen. Daniel war der Leiter der Abteilung, in der die meisten neuen Mitarbeiterinnen angelernt wurden. Deswegen besteht er auch auf sämtliche Regeln und erwartet absoluten Gehorsam. Daniel hatte mit Markus studiert und war ebenfalls von Dr. Schneller empfohlen worden. Es war das einzige Jahr, in dem Dr. Schneller zwei Studenten empfohlen hatte. Ich fragte Markus weiter, warum ich dann bei ihm bin und nicht in Daniels Abteilung. Aber Markus lachte nur und sagte, dass Daniel bereits genug zu tun hätte und sich nicht mit mir extra befassen konnte. Normalerweise kämen nur Frauen zu Markus, die sich bei Daniel ausgezeichnet hätten und eine Sonderbehandlung bräuchten. Markus erklärte stolz, dass allein die Androhung normalerweise reicht, damit es keine Probleme mehr gibt.
„Dann bist du also der Obersklaventreiber?“, fragte ich schließlich.
Jetzt verdrehte Markus zum ersten Mal die Augen.
„Wenn du es so nennen willst, dann ja.“
„Wieso darfst du die Augen verdrehen und ich nicht?“, fragte ich weiter.
„Weil ich dein Chef bin und jetzt komm, wir gehen essen. Ach ja, ich warne dich, Daniel hat kein Problem dich mitten im Restaurant übers Knie zu legen. Es wäre nicht das erste Mal, dass es passierte und er steht auf nackte Hintern“, Markus warf mir einen alarmierenden Blick zu. Ich glaube, er will genauso wenig, dass ich von Daniel bestraft werde, wie ich.
Dieser Daniel wird mir immer unsympathischer. Was muss das für eine Demütigung gewesen sein? Was muss das für ein Restaurant gewesen sein, damit sie nicht gleich rausgeworfen wurden? Nach meinen beiden letzten Mittagessen mit Dominik und Markus wundert mich aber auch nichts mehr.
Daher beschloss ich, mich von meiner besten Seite zu zeigen und ging die Regeln noch mal in meinem Kopf durch. Wie auch die Tage zuvor nahm mich Markus an der Taille und führte mich. Er machte das, obwohl ich nicht wegrennen würde, also muss es auch noch einen anderen Grund haben. In Dominiks Büro trafen wir auf eben diesen und Daniel.
Daniel warf mir sofort einen verächtlichen Blick zu und sagte zu Markus:
„Hast du ihr inzwischen erklärt, wie sie sich mir gegenüber benehmen muss?“
Markus ließ sich nicht provozieren und antwortete:
„Ich kann sie dir gerne für einen Tag überlassen, glaub mir, du freust dich, wenn ich sie wieder abhole.“
Ich finde es ja ganz großartig, wie über mich gesprochen wird, aber ich hielt meinen Mund. Vielleicht überstehe ich diesen Tag ohne Bestrafung.
Gemeinsam mit jetzt schon drei Psychopathen machte ich mich auf den Weg in die Mittagspause. In einem Lokal um die Ecke nahmen wir Platz. Komischerweise war sonst niemand in diesem Lokal. Ich hoffe, das liegt nicht am Essen. Markus dürfte meine Verwunderung bemerkt haben und flüsterte mir ins Ohr: „Keine Sorge, das Essen ist gut. Dominik hat dafür gesorgt, dass wir unter uns sind.“
Nach zweieinhalb Tagen mit Verrückten hinterfragte ich nichts mehr und bestellte mir eine Ofenkartoffel mit Lachs. Daniel eröffnete als erster ein Gespräch und ich erhielt vorher noch einen rügenden Blick.
„Nachdem du unser Gespräch ja heute morgen unterbrochen hast, können wir jetzt weiter reden.“
Dominik lachte nur: „Sei nicht so streng zu ihr. Im Gegensatz zu vorgestern kannst du sie schon als Engel verkaufen. Markus hat sie im Griff.“
Nur schwer konnte ich mich an meinen Vorsatz halten, die Regeln nicht zu brechen, aber ich hielt einfach meinen Mund. Nicht, dass sie mich wieder in eine Falle locken und mich Daniel gleich hier bestraft.
Markus klärte mich auf: „Nur damit du dich auskennst, Daniel und Dominik hatten gestern ein Abenteuer und wollten mir das heute morgen erzählen. Dabei haben wir die Zeit vergessen, deshalb war ich noch nicht im Büro. Da ich dich noch nicht allein lassen will, haben wir das Gespräch dann abgebrochen und beschlossen es jetzt fortzusetzen.“
Ich kann mir jetzt also anhören, wie zwei von meinen, sagen wir einmal Chefs, gestern Sex hatten? Sie hatten es geschafft, ich war aufs Neue geschockt.
Daniel begann wieder zu sprechen:
„Wir waren gestern nach der Arbeit noch in einer Bar und mir fiel ein Mädchen auf. Schlank, lange braune Haare, braune Augen. Sie war nicht nur hübsch, sie war echt klug und witzig. Und ziemlich betrunken. Sie wollte eindeutig Sex, also haben wir ihr das übliche Angebot gemacht.“
Markus unterbrach ihn wieder: „Das Angebot ist, wenn sie Sex mit einen von den beiden haben will, muss sie beide nehmen.“
„Und sie hat sich einfach so drauf eingelassen?“, fragte ich.
„Wieso redet sie immer unaufgefordert?“, fauchte Daniel Markus an.
Markus antwortete verärgert: „Sie darf das. Ich habe nur sie zu beaufsichtigen und keinen ganzen Haufen zu befehligen wie du. Da ist es mühsam, wenn sie nur nach Aufforderung spricht, also reg dich ab.“
„Von mir aus“, Daniel war jetzt auch genervt, erzählte aber weiter, „Am Anfang war sie skeptisch, um deine Frage zu beantworten, aber sie ließ sich darauf ein. Auch als wir ihr von unseren Vorlieben erzählt hatten.“
Ich musste nicht fragen. Es handelt sich eindeutig um Dominanzspielchen, wenn nicht sogar Sadismus.
„Die Maus war echt gut im Bett und für alles zu haben. Ich glaube, die muss ich mir merken. Zumindest für eine weitere Runde. Was sagst du Dominik?“
Dominik war bis jetzt ruhig gewesen: „Nimm sie. Ich will jede nur einmal.“
Das restliche Mittagessen, inklusive die gesamte Mittagspause, sowie 15 Minuten mehr, verbrachten wir in dem Lokal, wobei die Drei ausführlich diskutierten, was sie im Bett mögen. Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass ich so ein Mittagessen noch nie hatte und hoffentlich auch nie wieder haben werde. Ich bin nicht prüde, aber das war eindeutig zu viel.
Ich überstand den restlichen Tag ohne eine weitere Regel zu brechen. Pünktlich um 17 Uhr bat ich um Erlaubnis gehen zu dürfen. Markus Abschiedsritual wurde heute durch eine Warnung ergänzt. Ich sollte nicht vergessen ihn anzurufen.
Zehn Minuten vor 19 Uhr traf ich bei Ella ein. Sarah war schon da, Miranda kam zu spät. Also alles wie immer. Die Pizza konnte man schon durch die ganze Wohnung riechen und sie roch echt gut. Zwei Flaschen Wein hatte ich mitgebracht. Miranda würde auch noch zwei bringen. Vielleicht hätte ich Markus sagen sollen, dass es eher eine Flasche pro Person und nicht ein Glas pro Person ist, aber er hätte sich nur wieder beschwert.
Nachdem Miranda eingetroffen war, aßen wir zwei Blech mit Pizza und tranken zwei Flaschen Wein dazu. Danach kamen wir zu Ellas Bericht. Zu aller erst bekam sie von mir ein High-Five. Ich verurteile keine Frauen, die One-Night-Stands haben, ich feiere sie. Meine Freundinnen kennen meine Vergangenheit und verstehen, warum ich es nicht mache. Das heißt aber nicht, dass ich sie nicht immer unterstützen würde. Zurück zu Ella: Sie war gestern Abend in einer Bar gewesen und hatte dort einen Mann namens Dan getroffen. Sie meinte, es war der Sex ihres Lebens. Der Mann sei so um die 30 gewesen und verdammt scharf. Leider hatte sie von ihm weder die Telefonnummer, noch den Nachnamen.
Nach insgesamt sechs Flaschen Wein, weil Ella auch noch zwei zu Hause hatte, beschlossen wir den Abend zu beenden und nach Hause zu gehen. Ich konnte mich trotz der 1 ½ Flaschen Wein noch daran erinnern, Markus anzurufen. Jetzt brauchte ich nur noch eine Ausrede für Miranda.
Kapitel XII
Um es nicht so auffällig zu machen, beschloss ich, Markus eine Nachricht zu schreiben. Innerhalb von wenigen Sekunden schrieb er zurück und meinte er sei in ein paar Minuten da. Miranda erklärte ich, dass mein Arbeitskollege gerade zufällig in der Nähe ist und uns mit nach Hause nehmen würde. Vielleicht nicht die beste Erklärung, aber da sie noch mehr getrunken hatte als ich, nahm sie es einfach so hin.
Ella fiel praktisch von selbst in ihr Bett. Sarah schlief gleich bei ihr auf der Couch. Die armen Kinder morgen im Kindergarten. Obwohl, Sarah sollte mir mehr Leid tun, sie musste den ganzen Lärm aushalten.
Miranda und ich standen vor Ellas Wohnhaus und warteten. Dabei verhielten wir uns genau wie die betrunkenen Mädchen aus Filmen, die ich sonst immer beschimpfe. Wir kicherten und alberten rum, fanden Dinge lustig, die nicht lustig waren und fielen fast auf die Nase.
Plötzlich hielt ein ziemlich teuer aussehendes Auto neben uns an. Ich glaubte das war Markus und ich glaubte er fährt einen Audi RS6. Ich musste mit Dominik mal über mein Gehalt sprechen. So etwas wollte ich auch.
Immer noch lachend stieg ich auf der Beifahrerseite ein, Miranda hinter mir. Markus beäugte mich von oben bis unten. Sagte aber nichts. Als er losfuhr, fragte er Miranda nach der Adresse. Nach mehreren Anläufen konnte sie ihm diese nennen, obwohl ich mir nicht sicher war, ob es die richtige Hausnummer war. Aber sie wird ihre Wohnung schon finden. Im Auto erzählte Miranda Markus, dass Ella gestern Abend den Sex ihres Lebens hatte. Miranda kannte Markus zwar nicht, aber sie redete mit ihm, als würden sie sich schon ewig kennen. Zumindest gab es kein peinliches Schweigen, denn seinem Gesichtsausdruck nach war er fuchsteufelswild. Er hielt das Lenkrad so fest, dass seine Knöchel schon weiß wurden. Miranda erzählte sämtliche Details, sogar Ellas Zentimeterangabe.
Nachdem sie ausgestiegen war und die richtige Hausnummer gefunden hatte, fuhr Markus nicht los, sondern blieb am Parkplatz stehen. Langsam drehte sich sein Kopf zu mir und er sah aus, als wolle er mich fressen.
„Wenn du mir jetzt erklären willst, dass ihr nach ein, zwei Gläser Wein so betrunken seid, dann lügst du mich entweder an oder hältst mich für komplett bescheuert“, er schrie nicht, es war mehr ein flüstern oder eher ein zischen. Ja, er war verdammt sauer.
Zögerlich antwortete ich: „Es waren vielleicht ein paar Gläser mehr, aber das war nicht geplant.“
Als hätte ich nichts gesagt, machte er einfach weiter.
„Wie naiv bist du bitte, wenn du in so einem Zustand mit der U-Bahn fahren willst? Auch wenn ihr zu zweit seid, das würde euch nicht viel nützen. Wie kommst du eigentlich auf die Idee so viel zu trinken? Und sag´ mit jetzt ja nichts von einem Taxi. Ich kenne genug Taxifahrer, die würden euch genauso ausnutzen. Vom Autofahren fang ich jetzt gar nicht erst an…“
Hilflos sah ich ihn mit großen Augen an. Was sollte ich sagen? Eigentlich hat er ja Recht, nur zugeben wollte ich das wirklich nicht. Es war ja wirklich nicht geplant, dass der Abend so ausartet. Nur mit Ausreden komme ich bei ihm nicht weit, dass wusste ich inzwischen schon. Markus hat aber nie gesagt, dass ich nichts trinken darf oder nicht ausgehen darf, warum macht er jetzt so ein Theater? Ich habe nichts falsch gemacht. Wie ausgemacht, habe ich ihn benachrichtigt, als ich nach Hause wollte.
Anstatt auf meine Antwort zu warten, fuhr er einfach los und schwieg. Meine Adresse hatte ich ihm nie verraten, aber er fuhr in die richtige Richtung. Nach einer kurzen Fahrt, fuhr er vor meinem Wohnhaus in eine Parklücke.
„Danke, dass du mi…“, und schon war er vom Auto ausgestiegen. Er ging um das Auto herum und öffnete mir die Tür. Er schnappte mich so immer bei der Taille und führte mich zur Tür.
„Ich finde allein in meine Wohnung.“
„Diskutier nicht mit mir“, antwortete er zornig.
Meine Antwort war genauso zornig: „Du hast in meiner Wohnung nichts zu suchen.“
Anstatt eine Antwort zu erhalten, drückte er mich gegen die Hauswand. Seine blauen Augen glühten vor Zorn.
„Halt jetzt, verdammt noch mal, deinen vorlauten Mund“, seine Stimme war ein Flüstern, dass keinen Widerspruch zuließ. Er hatte noch nie so mit mir gesprochen. Auch wenn er bis jetzt immer streng war und keinen Regelbruch unbeachtet ließ, er war immer höflich gewesen.
Er ließ, genauso schnell das alles passiert war, wieder von mir ab und wartete bis ich die Tür aufsperrte. Ich traute mich nicht auch nur ein einziges Wort zu sagen und ging wortlos die Treppen hinauf und in meine Wohnung. Markus folgte mir auf Schritt und Tritt und ließ mich nicht aus den Augen.
Trotz der paar Gläser Wein fühlte ich mich jetzt wieder nüchtern. Angst half wohl besser als alles andere.
In der Wohnung angekommen ging Markus sofort in die Küche und suchte irgendetwas. Hat er Durst? Oder Hunger? Er kramte durch sämtliche Laden und durchsuchte alles. Als er fündig geworden war, fielen mir fast die Augen aus dem Kopf. Er hatte den Holzkochlöffel in der Hand, den mir meine Mama zum Einzug in die neue Wohnung geschenkt hat. Ich habe ihn noch nie benutzt, weil er mir so gut gefällt und wahrscheinlich auch nicht wirklich nützlich war, weil in der Mitte des Löffels ein Herz ausgeschnitten ist. Was will er jetzt mit einem Kochlöffel? Wenn er Hunger hat, kann ich ihm gerne etwas machen. Meine Naivität sollte ich bald bereuen.
„Hast du Nachbarn?“, Markus riss mich aus meiner Verwunderung.
Immer noch von meiner Naivität geblendet antwortete ich wahrheitsgemäß:
„Die Wohnung über mir steht leer, die Nachbarn neben an sind ein junges Pärchen, ich glaube Studenten. Wieso?“
Markus ignorierte mich und ging zur Couch, suchte die Fernbedienung und drehte auf dem Fernseher Musik auf. Ziemlich laut für diese Uhrzeit, allerdings hatte ich keine Ahnung wie spät es war. Ich versuchte einen Blick auf die Küchenuhr zu erhaschen. 02:16. Ich muss in nicht mal vier Stunden aufstehen. Langsam verstand ich, warum er so wütend ist. Aus meiner Tasche fischte ich mein Handy und kontrollierte sicherheitshalber den Wecker. Er würde pünktlich läuten, ich hoffte nur, ich würde ihn dann auch hören.
„Komm her!“, Markus Stimme war immer noch wütend.
Wortlos kam ich seiner Aufforderung nach.
„Ausziehen!“
Er war schon fuchsteufelswild, also kam ich auch dieser Aufforderung nach. Als ich meine Hose ausgezogen hatte, wurde mir auch klar was er mit dem Kochlöffel vorhat. Würde ich jetzt diskutieren, wird alles nur noch schlimmer.
„Das auch“, Markus zeigte mit dem Kochlöffel auf mein Höschen. Es war nichts besonders. Nur ein grünes Spitzenhöschen, welches an Ort und Stelle bleiben würde.
„Sicher nicht!“, kreischte ich schon fast.
„Willst du schon wieder debattieren? Du weißt, was bis jetzt immer passiert ist. Ich bekomme was ich will, egal wie. Also entweder ziehst du es jetzt freiwillig aus oder ich reiß es dir herunter. Mach dir keine Sorgen, du hast sicher nichts, was ich nicht bei anderen Frauen auch schon gesehen hätte“, seine Wut war wieder da.
Sein Gesicht war nur wenige Zentimeter von meinem entfernt. Zum ersten Mal sah ich mir seine Lippen genauer an. Sie waren wunderschön, perfekt geformt und weich. Mir schoss der Gedanke durch den Kopf ihn zu küssen. Genauso schnell wie er da war, war er auch wieder fort. Ich hatte gerade andere Probleme. Vorsichtig hob ich meinen Blick und sah in seine Augen. Das Blau glühte wieder, aber es war dunkler als zuvor. In seinem Blick war nicht nur Wut und Verärgerung, irgendetwas anderes war auch noch darin. Nur was?
Ohne noch länger abzuwarten, griff er zu meinem Höschen und riss es hinunter. Es war auf der Seite durchgerissen und wurde achtlos auf den Boden geworfen. Markus griff nach meinem Handgelenk und zog mich zur Couch. Er setzte sich sofort hin und zog mich dann über seinen Schoss. Der Kochlöffel lag schon auf dem Couchtisch. Das würde schmerzhaft werden.
Zu meiner Überraschung ließ er den Kochlöffel noch an Ort und Stelle und setzte zuerst nur seine Hand ein. Die ersten Schläge waren noch erträglich, bis mir etwas einfiel. Bis jetzt war ich bei jeder Behandlung feucht geworden, jedoch hatte ich da noch eine Unterhose an. Verdammt, wenn er das sah, wusste ich wirklich nicht, was ich machen sollte. Ich verstand es ja nicht einmal selbst. Überhaupt bei meiner Vergangenheit. Geschlagen zu werden müsste eigentlich das letzte sein, was mich erregt. Ich presste meine Beine zusammen, vielleicht kann ich es so verhindern, dass er es mitbekommt.
Die Schläge gingen unaufhörlich weiter und weiter. Schön langsam wurde es schmerzhaft und ich spürte, wie mein Hintern immer wärmer wurde. Ich weiß nicht mehr wann, aber irgendwann stoppte er. Die Tränen hatten sich jetzt schon in meinen Augen gesammelt und bis jetzt war ich vom Kochlöffel noch verschont geblieben.
„Du wirst jetzt auf jeder Seite zehn Schläge auf die gleiche Stelle erhalten. Es ist genau die Stelle, auf der man gewöhnlich sitzt. Das heißt du wirst das noch die nächsten Tage spüren. Ich hoffe, dass ist dir eine Lehre“, Markus sprach wieder ganz ruhig. Nur ich konnte meinen Mund halten:
„Warum eine Lehre? Ich habe nichts falsch gemacht. Es war nie eine Regel, dass ich nichts trinken darf und ich habe dich angerufen, als ich nach Hause wollte. Was ist jetzt dein Problem?“
Ich spürte wie sich Markus Oberkörper bewegte. Er holte tief Luft und stieß einen langen Seufzer aus. Dann antwortete er:
„Das Problem ist, dass du dich komplett unverantwortlich verhältst und die ganze Zeit versuchst, mit mir zu diskutieren. Ich habe dir das viel zu oft durchgehen lassen. Wenn ich dich nach jedem Widerspruch bestraft hätte, wären wir bis jetzt zu keiner Arbeit gekommen. Aber jetzt reicht es. Du debattierst schon wieder mit mir. Das werde ich dir jetzt ein für alle Mal auftreiben. Du läufst so betrunken nicht durch die Stadt. Du blamierst die Firma. Du blamierst mich. Du blamierst dich. So etwas will ich nie wieder erleben. Ich bin für dich verantwortlich. Glaubst du, ich mache mir keine Sorgen um dich? Mir ist schon klar, dass das alles viel für dich ist und dass du überfordert bist. Aber das ist kein akzeptables Verhalten. Ich möchte nicht, dass dir irgendetwas passiert. Verstanden?“
So hatte ich es noch nicht gesehen. Irgendwie kam ich mir jetzt ziemlich lächerlich vor, bloßgestellt. Ich richtete mich auf und Markus ließ es zu. Wir sahen uns einige Augenblicke lang an. Bis er mich schließlich in den Arm nahm und ich kuschelte mich an seine Brust. Er begann durch meine Haare zu streichen, mir sie aus dem Gesicht zu streichen. Markus begann zu sprechen:
„Ich weiß, dass alles ich viel für dich. Ich bin da für dich.“
Die Tränen, die sich vorher in meinen Augen versammelt hatte, suchten jetzt ihren Weg Richtung Boden. Ich weinte und schluchzte hemmungslos an seiner Brust. Zum ersten Mal kamen die ganzen Gefühle der letzten Tage an die Oberfläche. Bis jetzt hatte ich die Angst, die Wut, die Erniedrigung, den Schmerz unterdrückt und ignoriert. Jetzt kam die geballte Wucht. Ich war völlig überfordert mit dem Ganzen. Hilflos. Ich war allein in einer riesigen Stadt, weit weg von meiner Familie. Ich hatte bereits drei Jahre für mein Studium dort verbracht und fühlte mich immer noch allein. Die neue Arbeitsstelle sollte ein Neuanfang für mich werden. Jetzt sollte sich endlich alles zum Guten wenden. Stattdessen bin ich in einer Firma mit lauter Verrückten gelandet, die nichts besseres zu tun haben, als Frauen zu diskriminieren und zu verletzen. Ich bin absolut verloren in dieser Situation. Ich kann das alles nicht mehr.
Markus drückte mich noch fester an seine Brust und sprach weiter:
„Glaub mir, es ist nicht nur für dich schwer.“
Ich versuchte meine Stimmte wieder zu finden. Wieso nicht nur für mich? Es vertritt dieses absurde System doch genauso wie Dominik und Daniel und weiß Gott, wie viele, dass noch mitmachen. Wenn er dagegen ist, dann kann er ja einfach damit aufhören.
„Wieso machst du es dann?“, fragte ich zittrig.
Wieder seufzte er:
„Am Anfang war ich gegen das ganze System. Ich konnte mir weder vorstellen Frauen zu unterdrücken und schon gar nicht sie zu schlagen. Aber als ich gesehen habe, zu welchen Leistungen Menschen damit fähig sind, hat sich meine Meinung grundlegend geändert. Sie arbeiten viel besser und konzentrierter. Zu Beginn hatte ich Dominik dabei zugesehen, wie er mit neuen Mitarbeiterinnen umging und sie erzog. Sie wurden nie ernsthaft verletzt. Außerdem werden Frauen in der ganzen Wirtschaft unterdrückt. Im Gegensatz zu den anderen machen wir es offensichtlich, bieten aber im Gegenzug dafür ehrliche Aufstiegschancen, die nichts damit zu tun haben, ob man die Beine breit macht oder nicht. Alle Frauen, die bei uns in Führungspositionen sind, haben sich das durch harte Arbeit verdient.“
„Wo sind bitte in der Agentur Frauen die Chefs? Und wie soll das mit den Regeln zu vereinbaren sein?“
„Wir haben insgesamt 10 Stockwerke und Abteilungen. In vier davon haben Frauen die Leitung. Die Frauen, die dort arbeiten, haben die Regeln verinnerlicht. Falls es Probleme gibt, war ich bis jetzt auch zuständig dafür, einzugreifen. Bis du zu unserem Experiment wurdest.“
„Warum Experiment?“, fragte ich. Er sagte das jetzt schon zum zweiten Mal.
„Dr. Schneller hat uns gesagt, dass du keine leichte Vergangenheit hast.“
Erschrocken wich ich von ihm zurück und stieß ihn von mir. Wie konnte mich Dr. Schneller so verraten? Er hatte mir versprochen nie jemanden davon erzählen. Es fühlte sich an, als würde sich ein riesen Loch in meiner Brust öffnen und alles verschlingen. Am liebsten wollte ich wegrennen. Die Tränen schossen mir wieder in die Augen. Es kann nicht sein, dass ich verraten wurde.
Entsetzt fragte ich: „Was weißt du?“
Markus zog mich wieder zu sich und strich mir über den Rücken. Er versuchte mich zu beruhigen:
„Keine Sorge, er hat uns nur gesagt, dass du schon einiges durchgemacht hast. Was es genau ist, hat er uns nicht erzählt. Nur von dieser einen Situation mit einem alten Freund von dir.“
Ich wusste sofort welche Situation er meinte. Ich war damals 17 und stand ein Jahr vor der Matura. Es waren so viele Schicksalsschläge auf einmal, dass ich völlig überfordert war und alle mit denen ich sprach, sagten mir, es sei ja nicht so schlimm und dass alles wieder werden würde. Damit fühlte ich mich noch verlorener als zuvor. Bis ich diesen einen alten Freund davon erzählte. Martin sagte mir damals unverblümt ins Gesicht, dass er sich schon lange umgebracht hätte, wenn ihm das alles passiert wäre. Mit diesem Satz allein hat er mir mehr geholfen, als viele andere in stundenlangen Gesprächen. Er war der erste, der mich ernst genommen hatte und mir zeigte, dass ich nicht übertrieb. Ab dann ging es langsam wieder bergauf.
Markus redete weiter:
„Dr. Schneller hat uns gewarnt, wir sollen es nicht übertreiben. Deswegen bist du auch nicht in Daniels Abteilung, sondern bei mir.“
„Warum habt ihr mich dann trotzdem genommen?“, wollte ich wissen. Wahrscheinlich kommt sich Markus vor wie bei einem Verhör.
„Dominik hat darauf bestanden. Er wollte dich unbedingt. Johann war nach Dr. Schnellers Ausführungen zuerst auch dagegen. Dominik hat so lange auf ihn eingeredet, bis er nachgegeben hat.“
„Aber Johann weiß ja gar nicht, was Dominik in seiner Firma fabriziert.“ Ich bin verwirrt.
Markus klärte mich auf:
„Das nicht, aber Johann glaubt, dass Menschen mit emotionalem Ballast nicht so gut arbeiten.“
„Aber Dr. Schneller weiß von Dominik Machenschaften, oder?“
„Ja.“, antwortete Markus, „er hat Dominik sogar dabei unterstützt. Er dürfte diese Überzeugung schon länger vertreten.“
Mein Kopf rauschte und alles drehte sich. Die ganzen Informationen gemeinsam mit dem Wein sind keine gute Mischung. Wir verfielen in Schweigen, obwohl die Situation an Absurdität nicht zu übertreffen ist. Ich sitze halb nackt mit meinem Arbeitskollegen in meinem Wohnzimmer, weil er mich eigentlich dafür bestrafen wollte, dass ich zu viel getrunken hatte, dabei kenne ich ihn seit drei Tagen und er kennt meine halbe Lebensgeschichte. Dennoch fühlte ich mich wohl in seinen Armen, geborgen und beschützt. Sämtliches Böses auf dieser Welt schien verdammt weit weg zu sein. Langsam wurden meine Augen schwer. Irgendwann musste ich eingeschlafen sein.
Kapitel XIII
Irgendwo hörte ich ein Piepen, aber weit entfernt. Träume ich? Mühsam öffnete ich meine Augen und bereute es im selben Moment wieder. Es war viel zu hell. Mein Kopf tat weh und mir war schwindlig. Und warum zum Teufel hörte ich die Kaffeemaschine aus der Küche? Ich rappelte mich auf und tapste, so wie ich war, langsam in die Küche. Schlagartig war ich wach.
Markus stand im Anzug in meiner Küche mit einem Kaffee in der Hand und starrte mich amüsiert an. Jetzt wusste ich wieder was gestern Abend passiert war. Am liebsten würde ich im Boden versinken. Erst jetzt sah ich an mir hinunter. Verdammt, ich war immer noch halb nackt. Ohne ein Wort zu sagen, zischte ich zurück ins Schlafzimmer und hörte Markus hinter mir nur lachen. Ich zog mich an und machte mich fertig. Heute war ein bisschen mehr Make-Up notwendig als gewöhnlich. Zurück in der Küche drückte mir Markus kommentarlos ebenfalls einen Kaffee in der Hand. War er ganze Nacht hier gewesen? Wie war ich ins Bett gekommen? Warum sah er so verdammt gut aus, obwohl er wahrscheinlich auch nicht länger geschlafen hat als ich? Markus durchbrach das Schweigen:
„Guten Morgen, Kleines. Gut geschlafen?“, er grinste immer noch. So lustig fand ich es nicht.
„Ja, ja, lach du nur. Mein Kopf explodiert demnächst“, ich war schlecht drauf und das ließ ich ihn auch spüren.
Augenblicklich änderte sich sein Gesichtsausdruck, seine Haltung und die ganze Atmosphäre im Raum. Ohne ein einziges Wort schaffte er es, dass ich mich fürchtete. Bevor ich wieder eine Moralpredigt bekam, übernahm ich das Wort:
„Tut mir leid, ich wollte nicht zickig sein. Ich bin nur gerade mit der Situation überfordert.“
„Besser“, Markus nickte langsam, „du warst betrunken, ich habe dich nach Hause gebracht, wollte dich bestrafen, du wurdest emotional und bist an meiner Brust eingeschlafen. Ich habe dich ins Bett gelegt und selbst auf der Couch geschlafen, weil ich sicher gehen wollte, dass du heute pünktlich in der Arbeit bist. Sonst noch Fragen?“
Nicht nur ich war emotional geworden, er genauso. Wo war diese Seite von ihm geblieben?
„Nein, keine Fragen“, gab ich resigniert zu.
Markus sprach weiter:
„Wir werden jetzt in die Agentur fahren und deine Strafe von gestern nachholen.“
Geschockt fixierte ich sein Gesicht. Das kann nicht sein Ernst sein. Er hat mich gestern schon bestraft.
„Warum nochmal?“, fragte ich entrüstet.
„Weil ich es gestern nicht beendet habe. Wir werden das genauso, wie es gestern war, im Sozialraum fortsetzen. Vergiss den Kochlöffel nicht.“
Ich wurde sofort laut, bettelte aber schon fast:
„Nicht der Kochlöffel. Der bleibt hier. Nimm irgendetwas anderes, aber der Löffel bleibt.“
Die Verzweiflung in meiner Stimme war unüberhörbar. Falls in seiner Brust irgendwo ein Herz vergraben war, dann musste es spätestens jetzt etwas spüren.
„Warum ist er dir so wichtig?“, fragte Markus besorgt.
„Ich will nicht darüber reden.“
Die Besorgnis wich aus Markus Blick und die Strenge kam zurück.
„Wenn du mir keinen Grund nennst, dann kommt der Löffel mit.“
Ich schloss die Augen und wäre jetzt am liebsten woanders. Er würde mich nicht davon kommen lassen, wenn ich ihm nicht die Wahrheit sagte. Ich kann es ja umschreiben.
„Er ist ein kleines Stück Heimat für mich“, sagte ich leise und schaute zu Boden.
Markus trat auf mich zu, griff zu meinem Kinn und zwang mich ihn anzusehen. Sein Blick war intensiv, mit einem Hauch von Mitleid. Seine Augen wurden weicher.
„Ich weiß nicht was dir passiert ist, aber es tut mir wirklich leid. Von mir aus bleibt der Kochlöffel hier, aber das bedeutet nicht, dass du verschont bleibst. Dein Verhalten gestern war absolut inakzeptabel. Hol dir deine Sachen, wir müssen zur Arbeit.“
In Stille packte ich meine Sachen und folgte Markus zu seinem Auto. Sollte ich es wagen?
„Markus, fragte ich vorsichtig, „darf ich vielleicht damit fahren?“
Belustigt schaute er mich an und sagte:
„Hättest du gestern nichts getrunken, ja. Aber nachdem ich mir nicht sicher bin, ob du schon nüchtern bist, greifst du mein Auto sicher nicht an. Selbst schuld Kleines.“
Schmollend stieg ich auf der Beifahrerseite ein und wartete auf Markus. Wenige Augenblicke später fuhren wir los. In der Firma angekommen, wollte ich ins Büro gehen. Doch Markus hielt mich auf und steuerte auf die Tore zur Hölle zu. Was sollen wir in Dominiks Büro?
Markus ging ohne anzuklopfen hinein und sah etwas überrascht aus als das Büro leer war. Ich nutzte die Chance und fragte Markus etwas, dass mich seit gestern beschäftigt:
„Als ich dich gestern suchen gegangen bin und in Dominiks Büro betreten wollte, hat jemand hinter mir gesagt, dass ich es nicht tun sollte und als ich zurück in unser Büro ging, sahen mich alle an, als wäre ich der erste Mensch. Was war da los?“
Markus sah mich kurz an und es wirkte, als müsse er überlegen, was er jetzt sagen soll. Nach ein paar Sekunden sprach er:
„Niemand betritt normalerweise unaufgefordert und freiwillig Dominiks Büro. Man wird nur hierher bestellt, wenn man große Probleme hat. Als du wieder hinaus gegangen bist, waren sie wahrscheinlich überrascht, dass du heil davongekommen bist. Wer hat gesagt, du sollst nicht hineingehen?“
„Ich weiß es nicht. Als ich mich umgedreht hatte, hat sich niemand zu erkennen gegeben“, gab ich zu.
Markus fragte weiter:
„War es eine Frau oder ein Mann?“
Ich zögerte mit der Antwort. Es war eine Frau, aber wenn ich das verriet, dann fand er sicher einen Weg sie zu identifizieren. Ich schwieg, was Markus gar nicht passte. Seine Augen wurden wieder dunkler und verengten sich. Bevor er etwas sagen konnte, sahen wir, dass sich der Lift in Bewegung setzt und herauffuhr. Dominik musste auf den Weg hierher sein. Das machte es nicht unbedingt besser für mich. Wahrscheinlich war Dominik noch erpichter darauf, diese Person zu finden. Als die Lifttüren aufgingen, wusste ich, dass das Leben irgendetwas gegen mich hatte. Ich wusste nicht, was ich verbrochen hatte, warum ich immer Pech hatte, aber jetzt war es wieder mal so weit.
Nicht nur Dominik stieg aus dem Lift aus, sondern auch Daniel. Beide waren komplett schwarz angezogen und sahen aus wie ein Todeskommando. Dominik ging mit breiter Brust voraus und machte mir Angst, ohne dass ich wusste warum. Seine Macht war fast greifbar im Raum. Genauso angsteinflößend, aber weit weniger berechenbar folgte Daniel.
„Seit wann haben wir ein Begrüßungskomitee im Büro?“, Daniel grinste.
„Was hat sie schon wieder gemacht?“, fragte Dominik verärgert und verdrehte die Augen.
Markus entgegnete ihnen: „Ich bin grundsätzlich nicht wegen ihr hier. Aber wir brauchen ein neues Instrument.“
„Ich höre“, Daniel wartete, offensichtlich wirklich gespannt.
Markus erklärte ihnen: „Es gibt Kochlöffel, die in der Mitte verschiedenen Dinge ausgeschnitten haben, zum Beispiel Herzen oder so. Damit erhält man sicher ein hübsches Muster.“
Ich wusste gar nicht, dass Markus so diabolisch sein konnte. Die drei Verrückten waren in ihrem Element und ich stand daneben und hoffte ihre Aufmerksamkeit nicht auf mich zu ziehen.
Dominik schien ebenfalls begeistert: „Ich werde gleich jemanden schicken.“ Danach fixierte er mich mit seinem Blick und sagte: „So wie ich dich kenne, bist du die erste bei der wir es ausprobieren können.“ Das Gold in seinen Augen funkelte. Ihm machte das deutlich Spaß. Perverser Sadist.
„Aber wir haben noch ein anderes Problem“, zog Markus die Aufmerksamkeit auf sich und sprach weiter:
„Als sie gestern in dein Büro gehen wollte, hat sie irgendjemand gewarnt, es nicht zu tun…“ Markus wollte noch weiterreden, doch Daniel unterbrach ihn, indem er auf mich zu stürmte, mich bei den Schultern packte und gegen die Wand drückte. Völlig perplex reagierte ich nur, anstatt mich zu wehren. Ich stolperte zurück, bis die Wand mich stützte. Gegen die Wand gedrückt war Daniel nur wenige Zentimeter von mir entfernt. Er fixierte mich mit seinen schwarzen, gefühllosen Augen und ich hatte das Gefühl Zentimeter für Zentimeter zu schrumpfen. Er drehte langsam den Kopf seitlich und kam mir noch näher. Dann sprach er, langsam und ruhig:
„Sag mir, Mäuschen, wer wollte dich da warnen?“
Daniel war eindeutig der größte Psychopath von den dreien und das ist wirklich eine Leistung.
Stotternd antwortete ich:
„Ich, ich, w… weiß es nicht.“
„Was heißt da, du weißt es nicht?“, er schrie mich an. Im selben Moment drehte er sich weg von mir und tigerte im Büro auf und ab. Völlig verängstigt blieb ich an Ort und Stelle stehen und wartete darauf, dass Markus oder Dominik die Situation übernahmen. Die beiden wirkten aber nicht sonderlich überrascht. Vielleicht hatte Daniel öfters solche Ausbrüche. Unsicher suchte ich Markus Blick. Er kam sofort zu mir und nahm mich in den Arm. Dabei flüsterte er mir zu, dass ich jetzt einfach still sein sollte. Dieser Bitte kam ich gerne nach.
Dominik versuchte Daniel zu beruhigen:
„Reiß dich zusammen und mach sie nicht grundlos fertig. Das ganze Büro ist videoüberwacht. Wir werden gleich herausfinden, wer es war. Außerdem hat sie ja noch nicht mal gesagt, ob es ein Mann oder eine Frau war und schon gar nicht ob es eine von deinen war. Also komm runter. In meinem Büro behandelst du sie nicht so.“
Wow, Dominik war menschlicher als ich erwartet hatte. Er verteidigte mich sogar. Vielleicht war er doch kein Unmensch. Daniel blieb stehen und fixierte mich wieder:
„War es ein Mann oder eine Frau?“, wollte er sofort wissen.
Unsicher was ich machen sollte, blickte ich zu Markus. Aber seine Augen waren wieder dunkel. Er wollte es genauso wissen wie Daniel und würde mir jetzt nicht helfen. Mein nächster Blick ging zu Dominik. Ebenfalls Fehlanzeige. Alle drei wollten wissen, wer es war. Dominik übernahm wieder:
„Entweder du sagst es uns jetzt oder ich lasse Daniel auf dich los. Deine Entscheidung.“
So viel zum Thema Unmensch. Daniel grinste diabolisch. Er hätte viel Spaß daran mir seine Regeln beizubringen. Also musste ich mir der Sprache rausrücken.
„Es war eine Frau.“
Daniel fuhr sich durch die Haare und tigerte wieder auf und ab. Dominik ging zu seinem Computer und sagte zu Markus: „Bring sie in dein Büro, gib ihr etwas zu tun und sperr sie ein. Ich brauche dich dann hier.“
Markus nickte nur und führte mich aus dem Büro. Draußen erhielten wir neugierige Blicke. Allerdings sahen alle sofort wieder auf ihren Bildschirm, als Markus sich räusperte. In unserem Büro setzte ich mich auf meinen Plastiksessel und sah Markus schmollend an. Er sagte nur:
„Du hast ihn dir jetzt noch nicht verdient. Versuch es, ihn dir zu nehmen und du wirst sehen was passiert.“
Ich akzeptierte seine Antwort, fragte ihn aber, was da drüben jetzt los sei. Er kramte irgendetwas bei seinem Schreibtisch herum und antwortete dann:
„Erklär ich dir nachher. Wir haben jetzt andere Probleme. Benimm dich, während ich weg bin.“
Schon war er durch die Tür verschwunden. Nachdem ich eingesperrt war, blieb mir eh nichts anderes übrig als an die Arbeit zu gehen. Dennoch wird die Frau, die mich gewarnt hat, wahrscheinlich großen Ärger bekommen. Auch wenn ich nicht verstand, was da das riesen Problem war und warum Daniel gar so durchdrehte. Aber Antworten würde ich, wie es aussah, erst später bekommen.
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