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Detlef Mix

Manuka-Honig

Ein Naturprodukt mit außergewöhnlicher Heilkraft


Im Gedenken an Barbara Kuhfuß, der Seele des Neuseelandhauses, die Ihr Detlef Mix völlig unerwartet an ihrem 61. Geburtstag am 12. Februar 2014 verstarb. Leider hat sie das Erscheinen dieses Buches nicht mehr erlebt. Sie hatte sich so darauf gefreut.

Vorwort

Wenn es zur Neuauflage eines Buches kommt, kann dies durchaus mit der Qualität des Werkes zusammenhängen. Sicher hat es auch damit zu tun, dass viele Lesende vom Inhalt überzeugt wurden, anschließend in ihrer Begeisterung Freunden und Bekannten davon erzählten und das Buch weiterempfahlen. Dankeschön!

Einige Entwicklungen in der Honigforschung haben sich seit Erscheinen der Erstausgabe ergeben. Diese, sowie interessante und teilweise außergewöhnliche Erfahrungen, will ich Ihnen keinesfalls vorenthalten und habe sie deshalb dieser Neuauflage hinzugefügt. Die neuen Erfahrungsberichte finden Sie am Ende des ursprünglichen Erfahrungskapitels. Im hinteren Teil des Buches habe ich darüber hinaus drei zusätzliche Kapitel eingefügt, die sich mit neueren Forschungsergebnissen, den australischen Verwandten von Manuka und mit Manuka-Honig als Mittel der Krebsbehandlung beschäftigen.

Wenn Sie mögen, können Sie dort natürlich zuerst nachschauen, oder Sie lesen einfach von vorn bis hinten durch, ganz wie es Ihnen gefällt. Der eine oder andere Gedanke wird Ihnen dabei eventuell bekannt vorkommen, weil er in ähnlicher Form bereits an vorheriger Stelle erwähnt wurde. Umso besser sollte er sich einprägen.

Nun wünsche ich Ihnen viel Freude beim Lesen und Erfolg bei der Anwendung des Gelesenen.

Ihr Detlef Mix

Inhalt

Einleitung

Manuka – eine außergewöhnliche Pflanze

Geschichte

Vorkommen

Biologisch-ökologische Besonderheiten

Manuka-Honig – ein Breitbandprobiotikum par excellence

Inhibi(e)ne – Honig hemmt Mikroben

Osmolarität – der Wasserfaktor

Säurebildung – sauer macht nicht unbedingt lustig

Methylglyoxal – Stress and Drugs and Caramel

Ernte und weitergehende Forschung

Unterschiede

Manuka-Honig im klinischen Einsatz – Update eines antiken Therapeutikums

Manuka-Honig bei den Briten

Vom Betroffenen zum Beteiligten

Manuka-Honig – vielseitig und anpassungsfähig

Auf zwei gesunden Beinen zur Bucht der Fülle

Auch Vierbeiner profitieren von der Heilkraft des Manuka-Honigs

Anwendungen im Alltag

Äußerlich – Manuka-Honig in aller Wunde

Wunden

Verbrennungen

Ekzeme / Neurodermitis

Mykosen

Augenerkrankungen

Gerstenkorn

Innerlich – Manuka-Honig in aller Munde

Mundhygiene

Entzündungen in Rachen, Nasennebenhöhlen und Speiseröhre

Special Manuka-Honig als Terminator im Biofilm

Praktische Anwendung bei Nasennebenhöhlenentzündung

Praktische Anwendung bei Magen-Darmbeschwerden

Divertikulitis, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa …

Nieren und Blase

Hefepilze

Erfahrungsberichte

Neues für Erfahrungssammler

Produkte, die die positive Wirkung von Manuka unterstützen

Propolis

Pollen

Gelée Royale

Grüner Tee

Aloe Vera

Zimt

Neuere Honigforschung – Erkenntnis, die Wissen schafft

Helicobacter pylori – eine Enthüllungsgeschichte

Auf dem Harnweg ist der Honig los

Manuka-Honig gegen Biofilme auf Plastik

Ureaplasmen – hüllen- und widerstandslos

Clostridium difficile – ein weiterer Profiteur der Antibiotika-Krise

Der pseudosüße Gegenspieler eines opportunistischen Täuschers

Manuka-Honig zeigt dem Karies die Zähne

Manuka-Wahrheit und Fake-Juice

Aktivitätsangaben UMF, MGO, TA, NPA etc.

Australische Verwandtschaft

Süßer Krebstod

In vivo veritas – keine Laborgeschichte

Zum schnellen Nachschlagen – Anwendungen von A bis Z

Anhang

Schlussbemerkung

Register

Adressen

Impressum


Einleitung


Einleitung

Seit der Recherche für mein Buch »Die Heilkraft des Honigs« weiß ich von der Existenz eines ganz besonderen Vertreters dieses heilkräftigen Lebensmittels. Ich konnte nicht umhin, dem Manuka-Honig ein eigenes Kapitel zu widmen. Eigentlich sind es zwei Kapitel, denn auch beim Honig in der Klinik handelt es sich in aller Regel ebenfalls um dieses Honigjuwel aus Neuseeland. Bereits im Anhang zu besagtem Buch fand sich eine Pressenotiz, die von der Entschlüsselung des »UMF« (Unique Manuka Factor / einzigartiger Manuka-Faktor) durch ein Forschungsteam an der TU Dresden berichtete. Rund zwanzig Jahre lang hatte man bereits in Neuseeland an der Waikato Universität nach diesem »Unknown Mystery Factor« (unbekannter geheimnisvoller Faktor) gesucht, der den großen Unterschied zwischen einem aktiven Manuka-Honig und anderen Honigen ausmacht. Die deutschen Lebensmittelchemiker konnten unzweifelhaft Methylglyoxal (MGO) als den entscheidenden Wirkstoff ermitteln. Dazu später mehr.

Honey im Honeymoon

»Try this, honey!«, titelt ein Artikel in der Times über die erstaunlichen Heilwirkungen des Manuka-Honigs. Eigentlich müsste die Übersetzung lauten: »Probier mal, Liebling!« Gemeint war es aber doppelsinnig buchstäblich, nämlich: »Versuchen Sie es mal mit diesem Honig!« Besonders die Amerikaner führen das Wort Honig ständig im Munde, auch wenn sie dabei nur gelegentlich an das süße und klebrige Bienenprodukt denken. Ja, sie haben dabei schon etwas Süßes, Goldiges im Sinn, aber würden Sie Ihrem Schatz, Ihrer Liebsten, den Kosenamen Honig geben? Gut, das klingt in unserer eher spröden Sprache schon etwas holprig. Aber es zeugt andererseits von einer beachtlichen Wertschätzung, die dem Honig im angelsächsischen Sprachraum gezollt wird, wenn man den Namen dieses erlesenen Geschenks der Natur für die zärtliche Anrede eines geliebten Menschen wählt. Auch wenn bei uns von Flitterwochen die Rede ist, was immer man sich darunter vorzustellen vermag, so lässt das englische Sprachgebilde hierfür das süße Unbekümmertsein erahnen, das den Beginn einer Ehe kennzeichnen kann: »honeymoon«. Der Honigmond, wobei der Mond wohl auf das Zeitmaß deutet – vier Wochen, entsprechend einem ganzen Mondzyklus, oder aber nur 14 Tage wie von Neu- bis Vollmond. Eine manchmal viel zu kurze Naschphase, bevor der oft ernüchternde Alltag erbarmungslos einsetzt. Übrigens gibt es diese gedankliche Verbindung zwischen Hochzeitswonnen und dem Wabengold auch in den romanischen Sprachen. Die Franzosen nennen es »lune de miel« und die Italiener »luna di miele«. Wenn diese ausgewiesenen Gourmets die höchsten Sinnesfreuden mit dem Genuss köstlichen Honigs gleichsetzen, kann das nur für den hohen Wert des Immensaftes sprechen.

Dass Honig eine neuerliche Hochzeit erlebt, liegt wohl daran, dass sein medizinischer Einsatz Hoffnung im Kampf gegen Hospitalkeime liefert. Wie überaus berechtigt dabei die in ihn gesetzten Erwartungen sind, werde ich in diesem Buch ausführlich erörtern.

Manuka – eine außergewöhnliche Pflanze


Manuka – eine außergewöhnliche Pflanze
Geschichte

Die Geschichte des Manukastrauches (Leptospermum scoparium) ist eng verknüpft mit der Geschichte Neuseelands. Zwar gibt es mittlerweile Manuka in öffentlichen Parks und Privatgärten weltweit, jedoch keine größeren natürlichen Vorkommen von nennenswerten Ausmaßen.

Obwohl es widersprüchliche Aussagen dazu gibt, wurde Neuseeland wahrscheinlich erst vor etwa 1000 Jahren von Polynesiern entdeckt, und zwar zunächst durch einen gewissen Kupe. Der kehrte jedoch wieder in sein Heimatland Hawaiki zurück, einen Ort, den man wahlweise in Asien, Südamerika oder im Reich der Legenden ansiedelt. Nach Ansicht von Archäologen fand eine Besiedlung erst um das Jahr 1300 herum statt. Wenn diese eine Reaktion auf Kupes Berichte war, dann erfolgte sie offensichtlich mit einiger Verzögerung. Diese ersten Siedler waren die Vorfahren der Maori, die wir als Ureinwohner Neuseelands kennen. Um sie ranken sich einige düstere Geschichten, die von ihrer Kriegslust und von Kannibalismus erzählen.

Die ersten Europäer, die in Neuseeland an der heutigen Golden Bay landeten, waren Holländer auf der »Heemskerck« und der »Zerhaen« unter dem Expeditionsleiter Abel Tasman. Die Maori zeigten sich wenig gastfreundlich und prügelten einige der Seeleute sogar zu Tode. Das bremste den Forschungsdrang Tasmans deutlich aus. Er belegte die idyllische Bucht mit dem verächtlichen Namen »Mörderbucht« und verließ neuseeländische Gewässer ohne weitere Erkundungen am 6. Januar 1643. Die Abschreckungsmaßnahmen durch die Maori waren offensichtlich recht wirkungsvoll und nachhaltig, denn erst am 9. Oktober 1769 landete der Engländer James Cook, von Tahiti kommend, an der Ostküste Neuseelands. Sein Schiff, die »Endeavour«, war für diese Expedition ausgesprochen gut ausgerüstet. Von besonderem Interesse für uns ist die Tatsache, dass Kapitän Cook auch Botaniker wie den Naturforscher Sir Joseph Banks an Bord hatte. Auch in Australien lernten Cook und Banks einen Teebaum (Mela-leuca alternifolia) kennen und schätzen. Banks nahm einige Exemplare davon mit nach Hause, und das daraus gewonnene Teebaumöl soll sie fortan auf ihren Reisen begleitet haben. Bei einer späteren Expedition hatte Cook den Botaniker Reinhold Forster und dessen Sohn Georg mit an Bord. Da Kapitän Cook dieses Mal auf einen längeren Aufenthalt eingerichtet war, konnte Forster sich entsprechend ausgiebig mit der Manukapflanze beschäftigten. Während Cook ihr den überaus originellen Namen »tea tree« (Teebaum) gab, verpasste Forster ihr einen ordentlichen botanischen, also lateinischen Namen: Leptospermum scoparium. Scoparium heißt übrigens besenartig, und wer das Gestrüpp in seiner typischen Wuchsform gesehen hat, wird das verstehen. Ebenfalls Leptospermum wurde zunächst auch der Kanukastrauch getauft, nämlich Leptospermum ericoides. Später stellte sich wohl heraus, dass die Verwandtschaft doch nicht so eng ist, und heute trägt Kanuka den botanischen Namen Kunzea ericoides. Die beiden sehen sich schon ziemlich ähnlich und werden dementsprechend häufig verwechselt. Kanuka wird ebenfalls als Teepflanze und Öllieferant genutzt. Dass der Engländer Cook einen Ersatz für seinen geliebten indisch-ceylonesischen Tee zu schätzen wusste, spiegelt sich in folgender Aussage wider, die er selbst niederschrieb: »[…] die Blätter gebrauchten viele von uns als Tee, der einen sehr angenehmen bitteren Geschmack und aromatischen Duft hat, wenn er aus frischen Blättern zubereitet wurde, jedoch etwas von beidem verliert, wenn die Blätter getrocknet wurden. Wenn der Aufguss stark gemacht wurde, erwies er sich für einige als Brechmittel, in gleicher Weise wie grüner Tee.« Mittlerweile hat man wohl schon ein Verfahren gefunden, um Geschmack und Duft für längere Zeit zu konservieren.


Schnitzkunst der Ureinwohner


Manuka ist eine sogenannte Pionierpflanze

Sie haben sicher bereits gemerkt, dass ich vorzugsweise vom Manukastrauch und nicht so sehr vom Manukabaum spreche. Die Manukapflanze gibt es jedoch vom fünf Zentimeter hohen Bodendecker bis zum 15 Meter hohen Baum, meistens als Buschwerk von zwei bis fünf Metern Höhe. Manuka ist eine sogenannte Pionierpflanze, vergleichbar mit unserer Brombeere. Das bedeutet, dass sie am Start ist, wenn Flächen brachliegen. Sobald die Konkurrenz das Feld geräumt hat, beginnt Manuka sich auszubreiten und festzusetzen. Landwirte, die versuchen, dieses zähe »Unkraut« loszuwerden, können ein Lied von seiner schier unausrottbaren Vitalität singen. Ach, was sag ich – seufzen trifft es wohl eher, denn das kleinste im Boden verbliebene Wurzelstück wird erneut austreiben und wuchern. Besonders auf der Nordinsel finden sich ausgedehnte hügelige Flächen, die von einem besenartigen Gestrüpp aus Manuka überzogen sind. Sie verströmen einen angenehm aromatischen Geruch, und während der lang andauernden Blütezeit verwandeln sie die Hügel in ein Meer aus weiß-rosa Blüten. Entscheidend für die Farbintensität der Blüten soll der Chromgehalt des Bodens sein.

Die Maori brachten als frühe Siedler Pflanzen und Tiere aus ihrer polynesischen Heimat mit. Schließlich will man in der Fremde nicht auf lieb gewonnene Ernährungsgewohnheiten verzichten. Dummerweise standen auch Ratten auf ihrem Speiseplan, die leider eine ziemliche Verwüstung unter der einheimischen Tierwelt anrichteten. Zur Urbarmachung von Ackerland wurde Brandrodung betrieben, und auch nach der späteren Besiedlung durch Europäer wurden beispielsweise die mächtigen Kauriwälder stark gelichtet, da das Kauriholz sehr begehrt für Schiffs- und Hausbau war. Manuka und anderes Buschwerk übernahmen das kahl geschlagene Terrain, das heute einer Vielzahl von Tieren einen adäquaten Lebensraum bietet. Dazu gesellen sich nun auch die Honigbienen, die aus dem Nektar des Manukastrauches einen außergewöhnlich guten Honig produzieren. Die Imker stellen zu diesem Zweck ihre Bienenstöcke in der Nähe der Manukabüsche inmitten einer weitgehend unberührten Natur ab.

Von den Maori, insbesondere von deren Heilern, den Tohungas, erfuhren die Siedler, die im Gefolge von Cook und Co. nach Neuseeland kamen, von den vielfältigen Möglichkeiten, Manuka zu Heilzwecken zu nutzen. Blätter und auch Samenkapseln wurden als Umschläge bei Verbrennungen, Entzündungen und Insektenstichen angewendet. Als praktisch erwies sich auch die Verfügbarkeit dieser Medizin an vielen Orten, besonders wenn die Maori bei ihren kriegerischen Auseinandersetzungen Verletzungen davon trugen, die an Ort und Stelle aus der Manuka-Apotheke versorgt werden konnten. Aufbereitungen aus der Rinde, den Blättern oder den Samenkapseln finden in Form von Abkochungen und Aufgüssen, zur Inhalation und in Dampfbädern, sowie als Saft oder als Pflanzenasche zur Behandlung von diversen Verdauungsbeschwerden, Erkältungen mit Rachenentzündung und Fieber, Harnwegsinfekten, Rückenbeschwerden und als Beruhigungsmittel Verwendung. Eventuell haben die Ureinwohner sich manches von der einheimischen Fauna abgeschaut. Kakariki (Ziegensittiche) benutzen zum Beispiel die Blätter und Rinde von Manuka und Kanuka, um Parasiten loszuwerden, indem sie diese kauen und verschlucken oder die gekauten Pflanzenteile mit dem Öl ihrer Putzdrüsen vermengen und mit dieser Mischung dann ihr Gefieder behandeln.

Die Gewinnung des kostbaren ätherischen Öls aus den Manukablättern durch Destillation und die Nutzung des ebenso kostbaren Manuka-Honigs haben die Maori wiederum erst in der Neuzeit dazu gelernt.

Vorkommen

Neuseeland bietet trotz seiner überschaubaren Gesamtfläche, die in etwa der von Japan oder Großbritannien entspricht, ganz unterschiedliche klimatische Bedingungen von gemäßigt bis subtropisch.

Schneebedeckte Gebirgsketten bilden eine Klimascheide mit ergiebigen Niederschlägen und üppiger Vegetation im Westen und trockenen, weitgehend unbewaldeten Gebieten im Osten.

Manuka wächst zum einen sehr rasch und zeigt sich zum anderen keinesfalls wählerisch, was die Bodenbeschaffenheit angeht. Die Pflanze gedeiht sowohl auf morastigem Grund als auch auf Geröll und auf trockenen Hügeln. Sie zeigt sich genügsam auf kargem Boden und kann auch Staunässe verkraften. Sie verträgt Schatten genauso wie direkte Sonne. Wenn sie dem zarten Jugendalter entrückt ist, verträgt sie anhaltende Trockenheit genauso wie starke Winde und Frost. Kein Wunder also, dass wir Manuka praktisch überall auf der Nord- und Südinsel wie auch auf Stewart Island antreffen – im Flachland genauso wie bis an die Vegetationsgrenze in knapp 1400 Metern Höhe.


Manukasträucher wachsen überall auf der Nord- und Südinsel

In wissenschaftlichen Veröffentlichungen wurde eine besondere Variante des Manuka-Teebaums beschrieben, die fast ausschließlich in der Ostkap-Region der Nordinsel wächst, und deren Öl beachtliche antibakterielle und antimykotische Eigenschaften besitzt. Genauso gibt es Überlegungen bezüglich der antimikrobiellen Eigenschaften von Manuka-Honig. Da der Hauptwirkstoff von der Pflanze und nicht von der Biene gebildet wird, liegt die Vermutung nahe, dass die Sorte und die Standortbeschaffenheit darüber entscheiden, ob die Bienen daraus einen »aktiven« oder nur einen wohlschmeckenden Honig herstellen. Schon in den 1990er-Jahren gab es Bestrebungen der neuseeländischen Regierung, den Anbau von Manuka durch Fördergelder anzukurbeln. Aufgrund der ständig steigenden weltweiten Nachfrage gibt es mittlerweile erste Plantagen.

Biologisch-ökologische Besonderheiten

Selbst wenn Manuka in großem Stil angebaut werden sollte, könnte man auf konventionellen Pflanzenschutz verzichten, da die Pflanze die Stoffe, die auch wir zur Bekämpfung von Bakterien, Viren oder Pilzen nutzen, ja zu ihrem eigenen Schutz produziert. Der bei der Ölgewinnung anfallende Trester wird, als Mulch verwendet, wieder in den natürlichen Kreislauf eingebracht und dient so zusätzlich als Dünger. Eventuell standortabhängig können Manukasträucher von einem spezifischen Mehltau befallen werden, den man an einem rußigen Belag erkennt und der die Pflanze erheblich schädigen kann.

Neuseeland hat knapp 5 Millionen Einwohner, von denen allein 1,5 Millionen im Großraum Auckland leben. Verteilt auf eine Gesamtfläche von circa 270 000 Quadratkilometern, ergibt das eine ausgesprochen dünne Besiedlung. Obwohl riesige Flächen für Ackerbau, Schaf- und Rinderzucht verwendet werden, bleiben noch viele ausgedehnte Gebiete, in denen Manuka völlig unbeeinflusst und somit natürlich biologisch wächst. Wenn die Imker auch noch in der Bienenhaltung ökologisch arbeiten, dann handelt es sich bei dem so gewonnen Manuka-Honig um ein reines Bio-Produkt. Doch auch ohne das Bio-Siegel erhalten Sie ein hervorragendes, natürliches Lebensmittel. Welche Faktoren dazu beitragen, dass daraus ein »aktiver« Manuka-Honig wird, wird derzeit noch eifrig untersucht. Der dafür verantwortliche Wirkstoff im Honig und eine offensichtliche Vorstufe im Nektar sind bereits entdeckt. Welche Standortbedingungen, genetischen Besonderheiten oder klimatischen Stressfaktoren den Manukastrauch zur Anreicherung dieser Stoffe in seinem Blütennektar veranlassen, ist noch nicht vollends geklärt. Besonders interessant scheint für unternehmerisch denkende Wissenschaftler, wie man dies gewinnbringend gezielt beeinflussen kann.

Auf jeden Fall ist Manuka-Honig ein kolossaler Gewinn für die Gesundheit unzähliger Menschen, wie wir noch in den nachfolgenden Kapiteln sehen werden.


Geöffnete Manukablüte – Einladung an fleißige Nektarsammlerinnen

Manuka-Honig – ein Breitbandprobiotikum par excellence


Manuka-Honig – ein Breitbandprobiotikum par excellence

Beim Begriff »Breitband« denken Sie vielleicht zuerst an Ihren Internetanschluss und die Surfgeschwindigkeit, die bei entsprechender Verkabelung erfrischend schnell sein kann. Als »probiotisch« werden Ihnen Joghurtdrinks mit Designerbakterien verkauft, die angeblich Ihr Immunsystem flott machen sollen. Der Ausdruck ist somit durchaus positiv besetzt und wird gern als Gegenpol zu »antibiotisch« benutzt. Als »Breitband-antibiotika« bezeichnet man diejenigen antibakteriellen Arzneimittel, die sich unspezifisch gegen eine Vielzahl verschiedener Krankheitserreger wenden. Dabei müssen Totalausfälle unserer physiologischen Darmflora mit den Nützlingen unter den Bakterien wohl oder übel in Kauf genommen werden.

Ganz anders verhält sich da unser Manuka-Honig. Er erweist sich auf breiter Front als lebensfördernd, also probiotisch. Dabei unterstützt er körpereigene Prozesse, die für einen gesunden Zellaufbau und ein starkes Immunsystem sorgen. Er hemmt oder beseitigt Schadbakterien, bereinigt das Einsatzgebiet und bremst überschießende Entzündungsreaktionen ab. Seine antimikrobielle Breitbandwirkung richtet sich zwar gegen einige Spezies besonders gründlich, dezimiert andere krankmachende Bakterien aber ebenfalls ausreichend. Dafür, dass ich hierbei eher den Begriff »antimikrobiell«, also gegen Mikroben (Kleinstlebewesen) gerichtet, anstatt »antibakteriell« verwende, gibt es einen guten Grund. Im Gegensatz zu üblichen Antibiotika wirkt Manuka-Honig sogar artenübergreifend, nämlich auch gegen Pilze und Viren. Bei letzterer Aufgabe ist eine Wirkungsverstärkung durch Propolis-beimengung hilfreich.

Inhibi(e)ne – Honig hemmt Mikroben

Honig wird nachweislich seit Jahrtausenden erfolgreich als Medizin eingesetzt. Das Wissen um seine antimikrobiellen Eigenschaften ist ansatzweise erst etwa hundert Jahre alt. Bakterien, Pilze oder Viren, als Auslöser von Infektionskrankheiten, sind ebenfalls erst seit dem späten neunzehnten Jahrhundert bekannt. 1847 beschrieb Ignaz Semmelweis den Zusammenhang zwischen mangelnder ärztlicher Hygiene und dem Kindbettfieber (Puerperalsepsis), an dem viele Wöchnerinnen erkrankten und verstarben. Semmelweis begrün-dete die Aseptik, eine klinische Vorsichtsmaßnahme, die heute absolut selbstverständlich ist. Er wusch sich vor dem Betreten des Krankenzimmers die Hände mit einer Chlorkalklösung. Semmelweis hatte lediglich eine ungefähre Ahnung von den Ursachen der Wundinfektion, seine Maßnahmen zu deren Vermeidung waren allerdings ein epochaler Fortschritt in der Medizin. Es sollte jedoch noch einige Jahrzehnte dauern, bis sich seine Erkenntnisse auch unter seinen Kollegen durchsetzten. Selbst ein medizinischer Titan wie Rudolf Virchow stellte sich noch 1879 gegen die Lehre Semmelweis. Dessen Auffassung wurde jedoch letztendlich durch die Arbeiten von so großen Forschern wie Robert Koch bestätigt. Für Semmelweis selbst reichte seine Prophylaxe offensichtlich nicht aus. Er verstarb bereits 1865 an einer Sepsis (Blutvergiftung).

»Seeing is believing« ist ein Paradoxon, von dem auch ernsthafte Wissenschaftler nicht verschont bleiben. Vielleicht hat für sie die Aussage, dass sie nur glauben, was sie auch sehen, sogar besondere Gültigkeit. Bereits der niederländische Naturforscher Antony Leeuwenhoek, der als Pionier der Mikroskopie gilt, fand in seiner Zeit (1632–1723) Hinweise auf das Vorhandensein von Mikroben. Louis Pasteur gelang erst 1857 der Nachweis, dass Fermentationsprozesse durch Mikroorganismen verursacht werden, welche durch Hitzeanwendung (Pasteurisierung) abgetötet werden können.

Was Medizinkundige oder unsere Vorfahren allgemein schon vor vielen Jahrhunderten veranlasste, Honig auf Wunden zu schmieren, können wir nur erahnen. Wir wissen, dass man beispielsweise im alten Ägypten manchmal recht eigenartige Mixturen aus Schlamm und sogar Exkrementen verwendete, über die wir heute zumindest die Nase rümpfen, wenn uns nicht gar das schiere Entsetzen packt. Irgendwer muss dann wohl seinem Forscherdrang gefolgt sein und einfach mal Honig statt Schlamm benutzt haben. Und siehe da, die Heilung erfolgte offensichtlich ungehindert und erstaunlich schnell. Die Entdecker der heilenden Wirkung von Honig haben zum Glück ihre Erkenntnis nicht für sich behalten, und deren Anwendung kam unzähligen Menschen und vielleicht auch Tieren im Laufe der Jahrtausende zugute, ohne dass man erst eingehende wissenschaftliche Studien abgewartet hätte. Davon profitieren wir noch heute. »Verachtet keine empirischen Wahrheiten«, ermahnte der berühmte Wissenschaftler Martin H. Fischer seine Kollegen, »vieles funktioniert in der Praxis, für das es keinen Laborbeweis gibt.« Doch wenn unsere Wissenschaftsgläubigkeit schon so weit geht, dass wir alle Praxisbeweise ignorieren, solange sie nicht durch endlose Laboruntersuchungen und Doppelblindstudien belegt wurden, dann haben wir, wenn es um die Heilkraft des Honigs geht, keine Entschuldigung mehr. Das, was seit ewigen Zeiten empirisch bewiesen ist, wurde durch die Honigforschung eindrucksvoll bestätigt. Wahrscheinlich sind heute die meisten antimikrobiellen Wirkmechanismen von Honigen entschlüsselt. Die dafür maßgeblich verantwortlichen Wirkstoffe werden Inhibine (Hemmstoffe) genannt. Auf einige werde ich im Folgenden näher eingehen. Als Erstes wäre da der osmotische Effekt zu nennen.

Osmolarität – Der Wasserfaktor

Honig besteht zum überwiegenden Teil aus Zucker, und zwar hauptsächlich aus Glukose (Traubenzucker) und Fruktose (Fruchtzucker) sowie aus diversen anderen Zuckern. Honige mit hohem Glukoseanteil sind cremig bis fest, Honige mit hohem Fruktosegehalt bleiben dagegen lange flüssig. Honig enthält zudem Wasser. Im reifen Honig ist der Wasseranteil unter 20 Prozent. Wir haben es also hier mit einer extrem gesättigten Zuckerlösung zu tun. Bakterien benötigen Wasser, um sich zu vermehren und zu überleben. In reifem Honig können sich keine Mikroorganismen vermehren. Honig entzieht ihnen dieses Überlebenselixier. Nur in stark wasserhaltigem Honig können sich beispielsweise Hefepilze halten, die zu einer Fermentation führen können, was lediglich im Fall der Metproduktion wünschenswert wäre.

Osmose bewirkt auch, dass Lymphflüssigkeit zu den Zellen in einem Wundareal gezogen wird. Dies unterstützt die Wundtoilette und die rasche Entsorgung der anfallenden Zelltrümmer. Ein feuchtes Wundklima hat zudem den Vorteil, dass eine Verletzung sich nicht lediglich oberflächlich verschließt, während darunter weiter ein entzündlicher Prozess schwelt. Darüber hinaus verklebt der Verband nicht mit dem Granulationsgewebe, so dass ein Verbandswechsel kaum Schmerzen und keine Verzögerung des Heilungsprozesses verursacht.

Osmolarität ist ein Faktor, der zu den antibakteriellen Eigenschaften des Honigs beiträgt, jedoch erklärt sie nicht, wieso Honig dabei anderem Zucker deutlich überlegen ist.

Die Eigenschaft des Honigs, Wasser zu ziehen, zum Beispiel aus Wundflüssigkeit (Wundexsudat), bewirkt bei den meisten Honigen, dass das in ihnen enthaltene Enzym Glucose-Oxidase eine chemische Reaktion auslöst.

Säurebildung – sauer macht nicht unbedingt lustig

Auf diese Strategie der Bienen, ihren Honig lager-fähig zu machen, reagieren insbesondere Bakterien und Pilze ausgesprochen sauer. Das Enzym Glucose-Oxidase löst eine Reaktion zwischen Traubenzucker, Sauerstoff und Wasser aus. Daraus entsteht neben Gluconsäure Wasserstoffperoxid (H2O2), welches für seine antiseptischen Eigenschaften hinreichend bekannt ist. H2O2 ist jedoch auch potenziell zelltoxisch; so ist es sehr hilfreich, dass ein paar Sicherheitselemente gleich mitgeliefert werden. Zum einen gibt es so etwas wie eine Retardwirkung. Das Gewebe wird nicht mit H2O2 überschüttet, sondern dieses Bleichmittel wird kontinuierlich in kleinen Mengen freigesetzt. Freies Wasserstoffperoxid kommt lediglich in unreifem Honig vor und beugt darin der Ansiedelung und Vermehrung von pathologischen Keimen vor, die in dem sauren Milieu nicht gedeihen können. In reifem Honig, das heißt in Honig, der weniger als circa 20 Prozent Wasseranteil aufweist, schlummert diese antibakterielle Kettenreaktion, bis sie durch den Trigger Wasser, zum Beispiel aus Speichel oder Wundsekret, am medizinischen Einsatzort des Honigs erneut ausgelöst wird. Ein ebenfalls im Honig sowie im Gewebe vorkommendes Enzym, die Katalase, neutralisiert das Wasserstoffperoxid in tieferen Wundregionen, was einerseits eine Gewebeschädigung verhindert, andererseits jedoch auch die antimikrobielle Wirkung beendet. Dies trifft zumindest auf die meisten Honige zu. Deutlich anders verhält sich hier der neuseeländische Manuka-Honig. Entfernt man mittels Katalasebeimengung seine ohnehin sehr geringe peroxide Aktivität, so erweisen sich einige Chargen dieses Honigs als außerordentlich aktiv gegen diverse Keime, insbesondere auch solche, bei denen sich viele Antibiotika mittlerweile die Zähne ausbeißen.

Etwa zwanzig Jahre lang konnte man den verantwortlichen Wirkstoff weder benennen noch isolieren. Man einigte sich darauf, ihn als »Unique Manuka Factor« (einzigartiger Manuka-Faktor), kurz UMF, zu bezeichnen. Seine individuelle Stärke fand man jeweils in Labortests heraus, bei denen seine Wirksamkeit gegenüber verschiedenen Bakterien mit der antibakteriellen Effektivität einer Phenollösung (Karbolsäure) verglichen wurde. Erwies sich der Honig als genauso wirksam wie etwa eine 10-prozentige Phenollösung, so stufte man ihn als UMF10 ein. Ein Pluszeichen hinter der Zahl, etwa 10+ beziehungsweise 20+, besagt dabei, dass der ermittelte Faktor nicht nur erreicht, sondern sogar übertroffen wird. Diese Klassifizierung erwies sich in mancher Hinsicht als unbefriedigend. Einerseits sind die Testverfahren nicht einwandfrei reproduzierbar und vor allem nicht quantifizierbar, das heißt, eine eindeutige Aussage über die genaue Wirkstoffmenge ist nicht möglich. Andererseits war es wissenschaftlich äußerst ungenau, es mit einem »Unknown Mystery Factor« zu tun zu haben, von dem man zwar weiß, dass er vorhanden ist, ihn aber nicht beim Namen nennen kann. Die letale (tödliche) Dosis von Phenol ist bei unterschiedlichen Bakterien durchaus variabel, und das trifft dann auch auf die vergleichbare Honigwirkung zu.

Die Situation hat sich grundlegend verändert, nachdem ein Team von Lebensmittelchemikern an der TU Dresden den verantwortlichen Stoff enttarnen konnte. Darauf werde ich an anderer Stelle noch gebührend eingehen. In unserer wissenschaftsgläubigen Welt, in der Ursache und Wirkung gern als simple mechanische Vorgänge gedeutet werden, verspricht man sich rasch von der Isolierung und möglichen Synthetisierung eines Einzelwirkstoffes die gleiche Wirkung, wie sie zuvor in einem komplexen natürlichen Wirkstoffcocktail beobachtet wurde. Anhänger einer ganzheitlichen Betrachtungsweise zitieren in diesem Zusammenhang gern den griechischen Denker Aristoteles, der bereits im 4. Jahrhundert v. Chr. bemerkte: »Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile!« Heutzutage fasst man diesen sinnigen Ausspruch in einem Wort zusammen: Synergie. Sie beschreibt die überragende Wirkung eines Zusammenspiels aus Einzelkomponenten, bei denen zwar jede für sich recht beachtliche Erfolge verzeichnen kann, die jedoch nur gemeinsam unschlagbar sind. Auch wenn Methylglyoxal nun beim Orchester Manuka-Honig die erste Geige spielt, so wird nur durch das harmonische Arrangement aller Instrumente eine Symphonie daraus.

Der Säurefaktor wird auch deutlich, wenn man den niedrigen pH-Wert vieler Honige betrachtet. Er liegt häufig zwischen 3 und 4. Bei Kastanien- oder Waldhonig beispielsweise jedoch auch schon mal zwischen 5 und 6. Die antibakterielle Wirkung mancher Honige ist zudem noch bei sehr hoher Verdünnung vorhanden, während sie bei anderen stark eingeschränkt ist. Ein starker, aktiver Manuka-Honig wirkt selbst dann noch sicher, wenn eine wässrige Lösung nur zwei Prozent Manuka-Honig enthält.

Methylglyoxal – Stress and Drugs and Caramel

Der einzigartige Manuka-Faktor wurde von einem Team von Lebensmittelchemikern um Prof. Thomas Henle an der Technischen Universität Dresden eindeutig als das Zuckerabbauprodukt Methylglyoxal (MGO) identifiziert. Die entsprechenden Forschungsergebnisse wurden auch im Rahmen der Doktorarbeit von Elvira Mavric dokumentiert und veröffentlicht sowie in einer weiteren Studie von Christopher J. Adams und Kollegen an der Waikato Universität in Neuseeland, Abteilung Chemie, bestätigt. An dieser Universität wird überdies schon mehr als zwei Jahrzehnte über Manuka-Honig geforscht, vor allem durch Prof. Peter Molan, der sicher so etwas wie der Honigpapst ist. Molan hat wohl wie kein anderer die Honigforschung und den medizinischen Einsatz von Honig in der Neuzeit vorangetrieben, und niemand, der sich heute ernsthaft mit diesem Thema auseinandersetzt, kommt an diesem Namen vorbei. Trotzdem war nicht er es, der das lange Mysterium um den nicht-peroxiden Wirkmechanismus in aktivem Manuka-Honig entschleierte. Er entwickelte zwar eine Methode, mit der eine annähernde Quantifizierung des Wirkstoffgehalts möglich ist, die aber nicht vollständig reproduzierbar ist und deren Ergebnis nicht absolut und nur in Relation zur antibakteriellen Effektivität einer Phenollösung wiedergegeben werden kann. UMF10+ entspricht mindestens der Wirkung einer 10-prozentigen Karbolsäure. Die Bestimmung des Methylglyoxalgehaltes dagegen erfolgt mengenmäßig absolut, das heißt, man kann den tatsächlichen Anteil an einer Menge Honig genau bestimmen, zum Beispiel 100 Milligramm MGO auf ein Kilogramm Honig.


Professor Thomas Henle, TU Dresden, identifizierte den einzigartigen Manuka-Faktor UMF

Bei anderen Honigen ist der MGO-Gehalt mit ein bis zwei Milligramm und manchmal vielleicht bis zu 20 Milligramm meist sehr gering. Auch in anderen Lebensmitteln einschließlich Bier und Wein, ja sogar in Tabakrauch lässt sich MGO nachweisen. In Brot oder Röstkaffee erscheint ein gewisser Gehalt an Methylglyoxal einleuchtend, da dies bei der Maillard-Reaktion entsteht. Bei der Zubereitung von Speisen ist diese oft beabsichtigt, weil dabei durch Karamellisierung der gewünschte Brat- oder Röstgeschmack sowie der typische Geruch und die braune Farbe entstehen.

Dass nun der Methylglyoxalgehalt im Honig durch eine unsachgemäße Handhabung bei Lagerung und Transport entstehen könnte, zum Beispiel durch Abstellen der Behälter in praller Sonne oder durch anderweitiges starkes Erhitzen des Honigs, ist in aller Regel auszuschließen, da dies einen gleichzeitigen Anstieg des HMF-Wertes bewirken würde. HMF steht für Hydroxymethylfurfural. Kalt geschleuderter Honig darf gemäß der Honigverordnung keinen höheren HMF-Gehalt aufweisen als 40 mg / kg. Jeder erhöhte Wert würde auf eine zu hohe Erhitzung hindeuten, durch die wertvolle Honigenzyme zerstört worden wären. Das bedeutet im Fall von Manuka-Honig, dass ein hoher MGO-Aktivitätsnachweis, bei gleichzeitig niedrigem HMF, auf den pflanzlichen Ursprung des Methylglyoxals hinweist.

Die Methylglyoxal-Stoffwechselwege werden offensichtlich durch Stressfaktoren in den Zellen eingeleitet. Denkbare Auslöser beim Manukastrauch sind salzhaltige Böden, Hitze, Kälte und anhaltende Trockenheit. Typischerweise wächst Manuka dort, wo Landwirtschaft nur unter erschwerten Bedingungen möglich ist. Die stressinduzierten, hohen Methylglyoxalgehalte finden ihren Weg über den Blütennektar direkt in den Honig, und zwar ohne jegliche Enzym-beimengung seitens der Bienen. Es gibt anscheinend auch Hinweise darauf, dass es sich bei Manuka-Honig, ähnlich wie beim Lindenhonig, nicht um einen reinen Blütenhonig handelt. Vielmehr könnte es auch ein Gemisch aus Honigtau und Nektar sein. Honigtau- oder Waldhonig stellen die Bienen aus den klebrig-süßen Ausscheidungen von Blatt- oder Schildläusen her. Manukapflanzen werden von verschieden Vertretern der Gattung Schildläuse, vor allem Eriococcus orariensis und Coelostomidia sp., heimgesucht und ausgesaugt. Bienen lassen sich normalerweise nicht lange bitten, wenn ihnen solches Naschwerk geboten wird. Als weitere mögliche Quelle für das Methylglyoxal wurden Mikroorganismen gehandelt. Doch die aktuelle Forschung bietet eine recht plausible Erklärung, die mit einer Vorstufe zum MGO zusammenhängt.

Ernte und weitergehende Forschung

Beim Manukaöl erfolgt die Ernte immer noch weitgehend von Hand, da in unwegsamem Terrain der Maschineneinsatz zu schwierig wäre. Die Blätter werden meist von flinken Maorihänden in atemberaubender Geschwindigkeit gesammelt. Die Sammlerinnen von Manuka-Honig haben dagegen sechs Beine und scheren sich nicht um die Beschaffenheit des Geländes, da sie das weite Blütenmeer mit riesigen Geschwadern aus der Luft ansteuern. Natürlich sammeln die Bienen keinen fertigen Honig, sondern vor allem den süßen Nektar der Manukablüten, aus dem sie in einem komplizierten Fertigungsprozess den einzigartigen Manuka-Honig gewinnen. Was diesen Honig so einzigartig macht, haben wir ja bereits besprochen: der besondere Wirkstoff, der selbst unter erschwerten Bedingungen seine antibakteriellen Eigenschaften nicht einbüßt, das Methylglyoxal.

Den Forschern hat es keine Ruhe gelassen, sie wollten Antworten auf Fragen wie die nach dem Grund für den unterschiedlichen Aktivitätsgrad der Manuka-Honige. Man fand schließlich heraus, dass dieser während der Lagerung offenbar zunimmt. Die Erklärung dafür lieferte ein bereits im Nektar nachweisbarer Stoff, der so etwas wie eine Vorstufe zum Methylglyoxal darstellt. Dabei handelt es sich um Dihydroxyaceton (DHA, Glyceron), ein einfaches Kohlenhydrat, das jedoch enorm wichtig für bestimmte Stoffwechselprozesse sein soll. Mit ihren Kollegen Christopher J. Adams und dem berühmten Prof. Peter Molan veröffentlichte Prof. Merilyn Manley-Harris das Ergebnis einer entsprechenden Studie an der Waikato Universität. Sie berichtet: »Seit einiger Zeit wissen wir, dass die einzigartige antibakterielle Aktivität des Manuka-Honigs mit dem Vorhandensein von Methylglyoxal oder MGO zu tun hat, aber bis jetzt war der Ursprung des Methylglyoxals nicht bekannt. Unter Imkern ist es sehr wohl aufgefallen, dass der MGO-Gehalt mit der Lagerung zunimmt, aber es gab keine Forschungen, die diese Beobachtung gestützt hätten.«

Pflanze oder Biene – woher stammen die nicht-peroxiden Inhibine?

Der Gehalt an antimikrobiellen Wirkstoffen kann je nach Trachtpflanze recht unterschiedlich ausfallen. Häufig kann eine spezifische Heilwirkung des Honigs analog zu den Heileigenschaften der Pflanze beobachtet werden. Doch erstens variieren die Werte selbst bei Proben innerhalb der gleichen Sorten, und zweitens weisen sogar Honige, die von den Bienen aus Zuckerwasser hergestellt wurden, eher geringfügig niedrigere Werte als Honige aus Blütennektar auf. Das legt nahe, dass die Bienen den größeren Anteil an der Produktion dieser Stoffe haben. Sicher scheint indes, dass bei unserem Sonderfall Manuka-Honig die pflanzliche Herkunft den entscheidenden Beitrag zu seinen antimikrobiellen Eigenschaften leistet.

Die Untersuchungen der chemischen Fakultät der Waikato Universität ergaben, dass Dihydroxyaceton oder DHA in unreifem Honig, bereits kurz nachdem die Bienen ihn in die Waben eingebracht haben, vorhanden ist. Mit fortschreitender Reifung des Honigs wird DHA in MGO umgewandelt, den Stoff, dem der Manuka-Honig seine außergewöhnliche antibakterielle Wirkung verdankt.


Honigernte

Im Rahmen der Studie zeigte sich während des Lagerungszeitraums von 120 Tagen ein deutlicher Zusammenhang zwischen der Abnahme von DHA und der gleichzeitigen Zunahme von MGO. Da DHA nicht wie MGO antibakteriell wirkt, nimmt die antibakterielle Aktivität während des Reifeprozesses des Honigs zu.

Der Honig wurde ähnlich warm gelagert, wie dies bei den Bienen geschieht, nämlich bei 37°C, aber die Lagerung bei höheren Temperaturen erwies sich als nicht vorteilhaft, wie Dr. Manley-Harris erklärt. Die Forscher versuchten, den Umwandlungsvorgang von DHA zu MGO zu beschleunigen, indem sie den Manuka-Honig erhitzten. Das klappte nicht, da dadurch nicht nur DHA und MGO verschwanden, sondern stattdessen übermäßig viel HMF (Hydroxymethylfurfural) entstand, ein im Honig unerwünschtes und nur begrenzt zulässiges Zuckerabbauprodukt.

Dr. Manley-Harris erklärt, dass die Forscher, sobald sie erkannt hatten, dass DHA die Vorstufe zum MGO darstellt, sich daran machten, herauszufinden, wo das DHA herkommt. Fündig wurden sie, als sie den Nektar der Manukablüten von verschiedenen Bäumen um Hamilton und am Waikato River untersuchten.

Als ich von diesen Forschungen erfuhr, versuchte ich selbst mehr über Dihydroxyaceton herauszufinden. Die spärlichen Informationen, die ich darüber im Internet finden konnte, wiesen auf seine Verwendung in Bräunungsmitteln hin, wo DHA den wesentlichen Inhaltsstoff darstellt, der mit Eiweißen in der oberen Hautschicht reagiert und sie dabei bräunlich einfärbt. Damit wären wir wieder beim Karamellisieren angelangt.

Nun gibt es anscheinend verstärkte Bemühungen, mit patentierten Schnellverfahren die voraussichtliche Aktivität des fertigen Honigs bereits aus der jeweiligen Nektarquelle zu testen. Möglicherweise zeichnet sich dabei auch die Überlegenheit einer Manuka-Variante gegenüber einer anderen ab, und man könnte gegebenenfalls durch entsprechende Auswahl besonders vielversprechende Sorten in ansonsten agrarwirtschaftlich wenig erschlossenen Randlagen kultivieren. Doch vorerst ist das noch Zukunftsmusik. Dabei hoffe ich sehr, dass das zerbrechliche ökologische Gleichgewicht, zu dem auch die wildwachsende Manukapflanze ihren Beitrag leistet, nicht durch kurzsichtige ökonomische Interessen zerstört wird.

Unterschiede

Die Unterschiede zwischen Manuka-Honigen können gravierend sein, wobei sie sich in Aussehen, Konsistenz, Geruch und Geschmack durchaus sehr ähnlich sein können. Eine sensorische Prüfung, also die Wahrnehmung typischer Eigenschaften über unsere Sinne, unsere Nase oder unsere Geschmacksknospen, reicht nicht aus, um die medizinischen Eigenschaften zu erkennen. Dazu bedarf es einer chemischen Analyse, wobei natürlich nicht jedes Honigglas einzeln untersucht werden kann. Die Werte, die für eine Probe ermittelt werden, können aber in der Regel auf die entsprechende Charge hochgerechnet werden. Die Imker werden es begrüßen, wenn in ihrem Manuka-Honig möglichst hohe MGO-Werte ermittelt werden, da sie so einen deutlich höheren Preis erzielen können.

Sie, liebe Leser, können durchaus Manuka-Honig erwerben, der keinen Aktivitätsnachweis mitbekommen hat, also weder UMF- noch MGO-gekennzeichnet ist. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass dieser Honig nicht aktiv ist. Er enthält sicherlich die meisten der guten Honigeigenschaften, nur wahrscheinlich kaum Methylglyoxal. Schätzen Sie ihn lediglich als bekömmlichen und wohlschmeckenden Brotaufstrich oder nur so zum Naschen, dann reicht ein einfacher Manuka-Honig ohne Frage. Sollten Sie ihn jedoch medizinisch einsetzen wollen, dann würde ich einen aktiven Manuka-Honig mit mindestens 100 Milligramm Methylglyoxal, also einen MGO100+ beziehungsweise UMF10+ auswählen. Das ist auch die Empfehlung, die von den Honigforschern und Medizinern gegeben wird. Prof. Molan geht davon aus, dass echter Manuka-Honig immer eine gewisse Aktivität aufweist und dass es sich bestenfalls um eine Honigmischung handeln kann, wenn auf dem Glas zwar Manuka-Honig draufsteht, aber kein Aktivitätsnachweis geführt werden kann. Auch bei sogenanntem Manuka-Waldhonig, wie er in Reformhäusern oder Bioläden angeboten wird, handelt es sich wahrscheinlich um einen Blend. Eine beliebte Mischung ist die von Manuka- und Rewarewa-Honig. Hierbei gibt es zuweilen eine nachweisbare Aktivität von zum Beispiel MGO30+, also mindestens 30 Milligramm Methylglyoxal pro Kilogramm Honig.

MGO100+ sollte man also generell wählen, wenn man sich und seiner Gesundheit etwas Gutes tun möchte. Auch für den Außeneinsatz ist diese Stärke generell ausreichend. Im Innendienst können Sie die Faustregel anwenden: »Je weiter drinnen, desto stärker«. Also MGO250+ für Mund, Nase, Nebenhöhlen und Rachen, MGO400+ für die tieferen Regionen, wo vermehrt mit Verdünnung zu rechnen ist, wie im Magen-Darm-Trakt. Einen Manuka-Honig MGO550+, den stärksten und teuersten, der auch schon einmal 700 Milligramm und mehr Methylglyoxal enthalten kann, brauchen Sie in aller Regel überhaupt nicht. Bei hartnäckigen Infektionen, wie etwa Wunden, die mit antibiotikaresistenten Keimen besiedelt sind, oder bei Magen- oder Darmleiden, die durch Helicobacter pylori verursacht wurden, könnte man kurzfristig eine höhere Stärke auswählen. Manche Anwender berichten allerdings davon, dass sie vorübergehend Schmerzen im Wundbereich empfinden, nachdem sie einen ganz starken Manuka-Honig aufgetragen hatten. Zuweilen soll dieser unangenehme Zustand sogar mehrere Stunden anhalten. Der eine oder andere Therapeut wird das vielleicht als Beweis für die Wirkung werten, Sie müssen sich jedoch nicht grundlos quälen. Finden Sie die Stärke heraus, die Ihnen keine unangenehmen Nebenwirkungen bereitet. Wenn Sie sich nicht gleich die gesamte Palette der verschiedenen Stärken zulegen wollen, dann hat sich das Mischen mit einem schwächeren Honig als sinnvolle Alternative erwiesen.


Biene auf einer Manukablüte

Die Forschung geht weiter, da längst noch nicht alle Fragen geklärt sind und wie so oft mit jeder gefundenen Antwort weitere Fragen auftauchen. Trotzdem gibt es keine Entschuldigung, auf den medizinischen Einsatz von aktivem Manuka-Honig zu verzichten, und vielleicht schon bald kaum eine Alternative dazu. Die Aufmerksamkeit, die Honig im Allgemeinen und Manuka-Honig im Besonderen weltweit erfahren hat, ist letztendlich darauf zurückzuführen, dass einige Mediziner an wenigen Kliniken es einfach ausprobiert haben und dabei zu verblüffenden Resultaten gelangten. Darüber will ich im folgenden Kapitel berichten.

Manuka-Honig im klinischen Einsatz – Update eines antiken Therapeutikums


Manuka-Honig im klinischen Einsatz – Update eines antiken Therapeutikums

Wenn Sie Krankenhäuser eher aus Arztserien im Fernsehen kennen, haben Sie vielleicht eine etwas romantisch verklärte Sicht auf den Klinikalltag. Tatsächlich stehen Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger permanent unter Druck. Kein geregelter Achtstundentag. Oft sind im Wettlauf gegen die Uhr Entscheidungen zu treffen, die nicht mehr korrigiert werden können, aber sowohl gegenüber den Patienten als auch vor deren Angehörigen und den Krankenkassen zu rechtfertigen und sehr zeitaufwendig zu dokumentieren sind. Derart gestresstes Krankenhauspersonal ist dankbar für jede verlässliche Routine, auf die es immer wieder zurückgreifen kann.

Antibiotika waren jahrzehntelang das Mittel der Wahl bei Infektionen, und man konnte sich auf sie verlassen. Wenn eines nicht mehr anschlug, konnte man das nächste ausprobieren. Doch die zu bekämpfenden Erreger entwickelten zunehmend eigene Verteidigungsstrategien, die sie gegenüber den medizinischen Kampfstoffen völlig unempfindlich machten. Manche von ihnen fühlen sich gerade dort besonders wohl und sicher, wo man sie am allerwenigsten gebrauchen kann – in den Hospitälern, denen sie nicht nur ihren Spitznamen »Hospitalkeime«, sondern auch unendlich viele ihrer Opfer verdanken. Da wird ganz schnell aus einem Routineeingriff, der normalerweise nur wenige Tage Krankenhausaufenthalt nach sich zieht, ein Albtraum mit monate- oder gar jahrelangem Martyrium, falls der Patient ihn überhaupt überlebt.

Bereits in meinem Buch »Die Heilkraft des Honigs« konnte ich vom Honigeinsatz in Kliniken berichten. In Deutschland war es besonders die Uniklinik in Bonn mit Dr. Arne Simon und Wundspezialist Kai Santos, die durch den Einsatz eines Medizinproduktes auf Basis von Manuka-Honig die Leiden immunsupprimierter Kinder in der Abteilung Hämatologie / Onkologie deutlich verringern konnte. In den spärlichen Berichten darüber war damals meist davon die Rede, dass an etwa zwei Dutzend Kliniken in Deutschland medizinischer Honig in der Wundversorgung eingesetzt würde. Konkrete Hinweise, um welche Krankenhäuser es sich dabei handelte, fand ich leider nicht. Vielfach entscheiden nicht das Wohl des Patienten oder die erwiesene Wirksamkeit, sondern recht fragwürdige Erstattungskriterien der Krankenkassen über den Einsatz der Mittel. Bis man sich schließlich zur Behandlung mit Honig entschließt, vergeht oft sehr viel Zeit, die mit vergeblichen Versuchen vergeudet wird, Bakterien mit teuren Antibiotika zu bekämpfen, gegen die diese längst resistent sind.

Manuka-Honig bei den Briten

Unser Gesundheitssystem, das wohl eher ein Krankheitssystem ist, funktioniert bedauerlicherweise nicht so, wie es von dem im alten China berichtet wird. Dort, heißt es, wurden Ärzte nur dann bezahlt, wenn sie ihre Patienten gesund erhielten. In Großbritannien wird das gesamte Gesundheitswesen vom mächtigen National Health System (NHS) geregelt. Erfreulicherweise wurden dort bereits 2004 Medizinprodukte auf Basis von Manuka-Honig zugelassen. Die Zulassungen stützten sich einerseits auf die unermüdlichen Forschungen von Prof. Rose Cooper und ihren Kollegen an der Universität Cardiff in Wales und andererseits auf Anwendungen in der Klinik. Das Christie Hospital in Manchester, die führende Krebsklinik des Landes, setzte Manuka-Honig schon damals erfolgreich zur Versorgung von Operationswunden ein. Des Weiteren verwendet man dort Manuka-Honig bei Patienten mit Mund- oder Kehlkopfkrebs, aber auch als Mittel gegen Mukositis allgemein, da seine antiinflammatorische Eigenschaft Schleimhautentzündungen, wie sie eine Chemotherapie regelmäßig mit sich bringt, vorbeugt beziehungsweise rasch besänftigt.

Als weiteres Krankenhaus ist das Aintree Hospital in Liverpool hervorzuheben. Hier hat sich besonders Dr. Val Robson in der Honiganwendung verdient gemacht. Im Rahmen ihres Doktorats leitete sie einen Versuch, der vom klinischen Direktor der HNO-Abteilung, Prof. Simon Rogers, unterstützt und von der Forschungs- und Entwicklungsabteilung der Klinik genehmigt wurde. 49 Patienten erklärten sich bereit, an dem Versuch teilzunehmen. Besonderes Augenmerk wurde auf die Reduzierung von MRSA-Infektionen gelegt. Tatsächlich konnte in der Gruppe der Honigbehandelten ein Rückgang um 36 Prozent verzeichnet werden. Das scheint noch ausbaufähig, zusammen mit einem um 25 Prozent kürzeren Krankenhausaufenthalt jedoch sehr ermutigend. Schließlich geht es bei derartigen Forschungsprojekten immer auch um Geld, wobei der Faktor Zeit ja bekanntlich eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt.

Val Robson ist ausgebildete Krankenschwester mit Schwerpunkt im Wundmanagement. Ihren Doktorgrad erwarb sie sich im Professional Studies Doktorat. Die Möglichkeit dazu besteht im Vereinigten Königreich seit den 1980er-Jahren und zwar explizit nicht für Universitätstheoretiker, sondern für Praktiker, die ihr diesbezügliches Wissen im täglichen Einsatz am Patienten und nicht nur an der Petrischale im Labor erworben haben. Wobei ich absolut nichts gegen all die Forscher sagen möchte, die die Rätsel der Wissenschaft in endlosen Versuchsanordnungen entschlüsselt haben. Immerhin waren es bislang nicht unbedingt die Mediziner, die die Honigforschung zum Wohle der Patienten vorangetrieben haben, sondern Mikrobiologen und Lebensmittelchemiker wie Rose Cooper, Peter Molan und Thomas Henle. Es ist noch sehr viel Überzeugungsarbeit notwendig, damit es zu einer selbstverständlichen interdisziplinären Zusammenarbeit kommen kann.

Auch dafür liefert Manuka-Honig ein Paradebeispiel. Da arbeiten in einem Einsatzgebiet sämtliche Abteilungen, sprich Inhaltsstoffe, Hand in Hand. Antimikrobiell wirkende Stoffe beseitigen krankmachende Keime und hindern sie daran, weiteren Schaden anzurichten. Antientzündliche Substanzen wirken überschießenden Reaktionen des Organismus entgegen. Die von manchen Patienten berichteten Schmerzen nach dem Honigeintrag in die Wunden gehen nicht ursächlich vom Honig aus, sondern rühren daher, dass die Nervenendigungen durch die entzündlichen Prozesse hypersensibilisiert sind und quasi blank liegen. Erhält der Honig ausreichend Gelegenheit, die Entzündung zu beseitigen, verschwinden auch die Schmerzen und es entstehen kaum Narben, da auch die starke Keloidbildung durch entzündliche Prozesse gefördert wird, die die Heilung und somit gesunde Bildung neuen Gewebes verzögern. Der Heilungsprozess wird schließlich von weiteren Inhaltsstoffen des Honigs nachhaltig unterstützt. Die hyperosmotische Wirkung leistet ihrerseits ihren Beitrag zu diesen Vorgängen, damit An- und Abtransport reibungslos funktionieren. Da greift eins ins andere ohne sich gegenseitig zu behindern.

Honig als Medizinprodukt

Viele Ärzte arbeiten ausschließlich mit sogenanntem »Medizinischen Honig«, das heißt mit Manuka-Honigen beziehungsweise Honigmischungen oder Honiggels, die als Medizinprodukt zugelassen sind. Das tun sie aus rein forensischen Überlegungen, also wegen der vermeintlichen Rechtssicherheit, die sie mit der Verwendung zertifizierter Produkte verbinden. Medizinprodukte sind keine Arzneimittel. Sie schließen Hilfsmittel ein wie Verbandstoffe, Geh-hilfen, Einmalspritzen, Instrumente und Gerätschaften. Medizinischer Honig wurde aufgrund der osmotischen Funktion und der Gammabestrahlung als Medizinprodukt zugelassen, nicht etwa wegen seiner antibakteriellen oder antientzündlichen Wirkung.

Solange jedoch ein sogenannter Sachverständiger mit einseitigem Fokus auf den Schmerzaspekt die Erstattungsfähigkeit einer Honigbehandlung bei den Kostenträgern beeinflussen kann, ohne dass weder er noch die Entscheidungsträger der Krankenkassen sich mit den komplexen Zusammenhängen wirklich beschäftigt hätten, bedarf es mutiger Pioniere, die trotzdem unbeirrt den einmal beschrittenen Weg fortsetzen. Solche Mut machenden Wegfreimacher gibt es auch in Deutschland.

Vom Betroffenen zum Beteiligten

»Wir verstehen Krankheit nicht als Defekt oder Normabweichung, sondern als ein Ungleichgewicht gegensätzlich wirkender Kräfte.

Anliegen der Anthroposophischen Medizin ist es, bei der Behandlung nicht nur die krankmachenden Kräfte zu unterdrücken beziehungweise zu verhindern, sondern auch die gesundenden Gegenkräfte anzuregen und zu stärken, um im Organismus wieder einen Ausgleich herzustellen. Daher lässt sich die Anthroposophische Medizin im Sinne einer komplementären Therapiemethode zur konventionellen Schulmedizin anwenden.«

So steht es in einer Informationsschrift, die die Klinik Havelhöhe in Berlin vorstellt, die sich als »Klinik für anthroposophisch erweiterte Heilkunst« versteht.

»Der kranke Mensch steht im Zentrum der Bemühungen aller Mitarbeiter. Als mündigen und mitverantwortlichen Partner beziehen wir ihn in den Behandlungsund Pflegeprozess ein.« Manuka-Honig mit seinen harmonisch abgestimmten Pro- und Contrakräften liefert sicherlich eine herrliche Metapher für die Philosophie dieses Hospitals.

Beeindruckende Erfahrungen wurden hier insbesondere bei der Behandlung des »diabetischen Fußsyndroms« gesammelt. Oft handelt es sich dabei um einen Zustand, der bereits sehr lange besteht und dessen Problematik ziemlich vielschichtig ist. Die gesamte Infrastruktur in der betroffenen Gegend ist heruntergekommen, die Versorgung ist äußerst mangelhaft, sämtliche Leitungen sind schadhaft oder unterbrochen und es werden auch keine neuen Stränge verlegt. Die Müllabfuhr streikt oder kann zumindest das zu entsorgende Gebiet nicht anfahren. Schmarotzendes Ungeziefer macht sich breit und vermehrt sich ungehindert.

Was sich wie die Beschreibung eines Elendsviertels liest, soll hier lediglich veranschaulichen, wie dringend notwendig ein umfassendes Sanierungskonzept auch in solchen medizinischen Notstandsgebieten ist.

Manuka-Honig hilft nicht nur bei der Reinigung der Wunde, sondern fördert unter anderem auch die Gefäßneubildung, wodurch das ausgehungerte Gewebe wieder normal von innen heraus ernährt werden kann. Zwischenzeitlich erfolgt allerdings überbrückend eine direkte Ernährung durch den Honig, die die Heilungsbestrebungen des Körpers unterstützt.

Auch in Kombination mit anderen Naturheilmitteln werden in der Berliner Klinik gute Ergebnisse erzielt. So benutzt man zum Beispiel eine 10-prozentige Calendula-Essenz-Lösung zur Wundspülung, ähnlich wie man an der Bonner Universitätsklinik Calendulasalbe für die Randbereiche der honigversorgten Wunden verwendet. Die häufig bei chronischen Wunden auftretenden Mazerationen (Gewebeaufweichungen) werden durch die osmotische Wirkung des Honigs verhindert, wobei allerdings auf regelmäßige Verbandswechsel zu achten ist. Die Hyperkeratosen (übermäßige Hornhautbildung) an den Wundrändern werden regelmäßig abgetragen. Einer ganzheitlichen Sichtweise entsprechend wird in der Klinik Havelhöhe ein Geschwür, eine Wunde nicht nur als lokales Geschehen betrachtet und der Patient nicht bloß als Betroffener, sondern vielmehr als Beteiligter, der in alle Behandlungen aktiv einbezogen wird. Maßnahmen zur inneren Stärkung gehören genauso zum Konzept wie solche zur äußeren Entlastung.

Dr. Roland Zerm, Dr. Matthias Girke und ihre Kollegen arbeiten dabei eng mit anderen klinischen Fakultäten zusammen. So kann man auf der Internetseite der Klinik Havelhöhe folgenden ermutigenden Eintrag unter dem Stichwort »Diabetisches Fußsyndrom« finden:

»Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit des Teams in Verbindung von gängigen Wundversorgungsstrategien mit komplementären Methoden, zu denen zum Beispiel die Wundversorgung mit Manuka-Honig-Auflagen zählt, konnten eine Vielzahl von komplizierten Wunden zur Heilung gebracht werden.

Durch unsere Erfahrung und unsere Zusammenarbeit mit der chirurgischen Abteilung unseres Hauses, der interventionellen Radiologie (Prof. Duda), dem Gefäßzentrum am Hubertus Krankenhaus, einer Podologin (medizinischen Fußpflegerin) und einem orthopädischen Schuhmachermeister konnte bei zahlreichen Patienten mit Diabetes eine Amputation im Unterschenkel- oder Oberschenkelbereich (Majoramputation) verhindert werden.«

Einige Fälle wurden fotodokumentiert, und man kann sich beim Betrachten der Bilder lebhaft vorstellen, welche große Erleichterung und Freude die Menschen erfuhren, wenn ihnen nicht nur der Verlust ihrer Gliedmaßen erspart blieb, sondern darüber hinaus die Wundkrater, die in manchen Fällen einen freien Blick auf die Sehnen ermöglicht hatten, wieder vollständig geschlossen waren.

Bemerkenswert ist zudem, dass in dieser anthroposophischen Klinik nicht, wie in den meisten Krankenhäusern, die mit Honig arbeiten, mit einem Medizinprodukt vom Typ »Medihoney« behandelt wird, sondern mit einem handelsüblichen Manuka-Speisehonig MGO100+. Die Ethikkommission der Klinik hat sich dies genehmigt, und die bisherige Praxiserfahrung hat diese Vorgehensweise absolut gerechtfertigt. Das Argument, dass durch eine Gammabestrahlung die Wirkung nicht gemindert, die Gefahr einer Clostridieninfektion durch eventuell im Rohhonig verborgene Sporen jedoch verhindert wird, könne man getrost vernachlässigen, da es offenbar weltweit keine dokumentierten Fälle von Botulismus oder Wundbrand durch Honig zu geben scheint. Selbst solche gefährlichen Erreger können die antibakteriellen Mechanismen von aktivem Manuka-Honig kaum überwinden. Der wirtschaftliche Aspekt hierbei ist ebenfalls nicht unerheblich, wenn wegen eines quasi nicht vorhandenen Risikos mehr als das Zehnfache gezahlt werden soll.

Alginate als Helfer des Manuka-Honigs

Alginate, zum Beispiel Calciumalginat aus Braunalgen, eignen sich in Kombination mit Manuka-Honig sehr gut für Wundverbände, da sie mit dem Wundsekret reagieren und durch Ionenaustausch aufquellen. Natrium-Ionen aus dem Wundexsudat werden gegen Calcium-Ionen ausgetauscht, sodass ein Gel gebildet wird, welches, wie der Honig, sowohl die Wunde feucht hält als auch ein Verkleben des Verbandsmaterials mit der Wunde verhindert.

Kurzfristig kam in der Berliner Klinik ein Manuka-Honig MGO400+ zum Einsatz, jedoch konnte damit keine wesentliche Verbesserung oder Beschleunigung des Heilungsprozesses bewirkt werden. Allerdings verursachte der höhere Methylglyoxalgehalt bei einigen Patienten stärkere Schmerzen. Das waren klare Argumente, wieder den bewährten Manuka-Honig MGO100+ einzusetzen. Sicher, wirkungsvoll und preiswert zugleich.

Manuka-Honig – vielseitig und anpassungsfähig

Neben seinem Einsatz in chronisch infizierten Wunden verblüfft Honig immer wieder durch seine Vielseitigkeit. Die vorgenannte Wundspezialistin Val Robson konnte mit medizinischem Honig zum Beispiel ziemlich vielversprechende Ergebnisse bei strahlengeschädigtem Gewebe erzielen. Eine Studie aus Ottawa, Kanada, die durch ähnliche Ergebnisse aus Sydney, Australien, gestützt wird, belegt, dass Manuka-Honig geeignet ist, selbst eine chronische Rhinosinusitis, die durch einen sogenannten Biofilm unterhalten wird, zu beseitigen. Während der Honig Staphylococcus aureus sowohl in der antibiotikaempfindlichen (MSSA) als auch in der antibiotikaresistenten Version (MRSA) und Pseudomonas aeruginosa (PA) im planktonischen (frei schwimmenden) Zustand in vitro zu 100 Prozent abtötet, waren es bei den im Biofilm eingebundenen Bakterien immerhin noch 82 Prozent bei MSSA, 63 Prozent bei MRSA und erstaunliche 91 Prozent bei PA.

Wie der Honig das schafft, ist nach wie vor nicht endgültig entschlüsselt. Ein beobachtetes Phänomen ist ein Verhindern der Anhaftung von Bakterien- an Wirtszellenproteine. Dies macht sowohl ein Eindringen von Infektionserregern als auch deren Zusammenrottung in Biofilmen schwierig bis unmöglich. Ebenso wurde beobachtet, dass die Zellteilung der Bakterien offensichtlich vereitelt wurde, denn man fand übergroße Zellen, die zwar bereits ein Septum enthielten, sich aber nicht mehr zu teilen vermochten, was auf eine genetische Wirkung des Honigs schließen lässt. Die Forscher sind allerdings davon überzeugt, dass weder der Zucker noch das Methylglyoxal dafür verantwortlich sind. Ich persönlich finde das wunderbar, denn ich bin ohnehin der Meinung, dass wir keine Einzelwirkstoffe isolieren sollten, womöglich um sie dann synthetisch nachzubauen und zu patentieren.

Bereits im Jahr 2002 hallte eine Meldung durch die britischen Medien, die versprach, dass Manuka-Honig den gefürchteten Hospitalkeimen, die allein in Großbritannien jährlich bis zu 20 000 Todesopfer fordern, den Stachel zu nehmen vermag. Während Forscher wie Rose Cooper und Kollegen in der Zurückgezogenheit ihrer Labore weiterforschen, stellen antibiotika-resistente Erreger eine tickende Zeitbombe dar, die Millionen von Menschen bedroht. Seit 1980 wurde keine neue Klasse von Antibiotika entdeckt, und die zur Verfügung stehenden Antibiotika werden zusehends wirkungslos. Zuweilen werden die Stimmen wieder lauter, die eine zurückhaltendere Verordnungspraxis bei diesen Mitteln fordern. Prof. Liz Harry von der University of Technology in Sydney bescheinigt Manuka-Honig nicht nur eine hervorragende antimikrobielle Wirkung, sondern darüber hinaus die Fähigkeit, Bakterien einschließlich MRSA empfänglich für Antibiotika zu machen, bei gleichzeitiger Gabe eine Resistenzbildung zu verhindern und sogar bereits resistente Bakterien wieder für das Antibiotikum empfindlich zu machen.

Prof. Harry führt dazu aus: »Wir konnten im Labor zeigen, dass Bakterien keine Resistenzen gegenüber Honig bilden. Andererseits fanden wir ebenso heraus, dass MRSA, dieser Superkeim, wenn wir ihn lediglich mit dem Antibiotikum Rifampicin behandelten, sehr schnell resistent dagegen wurde. Benutzten wir jedoch eine Kombination aus Rifampicin und Manuka-Honig, traten keine rifampicinresistenten MRSA auf. In anderen Worten, der Honig verhinderte auf irgendeine Weise das Auftreten von rifampicinresistenten MRSA – eine ungeheuer wichtige Entdeckung.« Dr. Harry fügte hinzu: »Mit der Existenz von Bakterien, die gegen alle verfügbaren Antibiotika resistent sind, und der Nicht-existenz neuer Antibiotika auf dem Markt, sollte Manuka-Honig das Mittel der ersten Wahl sein und nicht wie so oft erst der letzte Versuch.«

Das kann ich nur dick unterstreichen, und wenn Ihr Arzt nicht von selbst darauf kommen sollte, geben Sie ihm ruhig die nötigen Hinweise.

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23 декабря 2023
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232 стр. 37 иллюстраций
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9783948097554
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