Читать книгу: «Ich schlüpfe in deine Haut»
Das Buch
„Wer sich in das Bewusstsein einer andere Gestalt versetzen kann kann, schlüpft sozusagen in die Haut eines Fremden. Er sieht und fühlt und begreift die Welt mit den Augen dieser anderen Form des Lebens. Das sogenannte „Shapeshifting“ ist eine atemberaubende Reise in die Tiefen des Bewusstseins von anderen – und zu uns selbst.“ Um sich mit dem Bewusstsein von Tieren, Pflanzen und anderen Lebens- und Energieformen buchstäblich „hautnah“ zu verbinden, geht Dawn Baumann Brunke neue und zugleich uralte Wege, die schon den Ureinwohnern der Erde wohlvertraut waren. Fesselnd schildert sie, wie wir mit „Shapeshifting“ – Bewusstseinsverlagerung in eine andere Gestalt – am essentiellen Wesen und Wissen anderer Lebensformen, ihrer und unserer Multidimensionalität teilhaben können. Die Reise in das Bewusstsein von anderen schenkt uns neues, ungeahntes Wissen um die Zusammenhänge der Welt, ihrer Lebensformen und der Einheit von Allem, was ist. Nicht zuletzt: Dieses Buch nimmt die Angst vor dem Leben – und unsere Angst vor dem Tod. „Ein ergreifendes, kraftvolles, inspirierendes Werk!“ John Perkins, Autor des New York Times-Bestsellers Bekenntnisse eines Economic Hit Man: Unterwegs im Dienst der Wirtschaftsmafia".
Die Autorin
Dawn Baumann Brunke ist freie Journalistin spezialisiert auf Heilung, Neues Bewusstsein und Körperarbeit. In den letzten Jahren hat sie das Alaska Wellness Magazin in Anchorage, Alaska herausgegeben und viele Artikel und Kurzgeschichten veröffentlicht. Sie wohnt in Wasilla, Alaska.
Dawn Baumann Brunke
Ich schlüpfe in deine Haut
Shapeshifting - Reise in das Bewusstsein von anderen Lebensformen
Übersetzt von Johanna Ellsworth

Inhaltsverzeichnis
Umschlag
Das Buch / Die Autorin
Titel
Inhaltsverzeichnis
Andere Autoren über das Buch
Dank
Teil 1 Lehrling des Übergangs
1 Lektionen des bewussten Sterbens
2 Der Angst ins Auge sehen
3 Neue Augen
4 Endlose Varianten und grenzenlose Perspektiven
5 Offene Türen
6 Ein ganz bewusster Tod
7 Was geschieht als Nächstes
Teil 2 Abenteuer mit Shapeshifting
8 Wir alle sind Shapeshifter
9 Das Mosaik, das sich Erde nennt
10 Grenzenlose Möglichkeiten
11 Vertiefung des Traumbewusstseins
12 Die Überwindung der Angst
13 Die Stimmen anderer ...
14 ... andere Selbste
Teil 3 Die Kunst des erfüllteren Lebens
15 Den Yeti annehmen
16 Der Kreis der Projektionen
17 Sich immer weiter entwickeln
18 Hinter dem Spiegel
19 Neue Ichs
20 Präsent sein
21 Hier und Jetzt
Anmerkungen
Themenbezogene Bücher
Fußnoten
Impressum
Andere Autoren über das Buch
»Dawn Brunke nimmt uns mit auf eine magische und geheimnisvolle Reise durch die grenzenlosen Formen des Bewusstseins. Ich schlüpfe in deine Haut enthüllt faszinierende und frische Perspektiven. Das Buch erforscht das Unermessliche von Leben und Tod aus der Sicht vieler Tiere, mit der fein entwickelten Spiritualität und der klaren Ausdrucksweise der Autorin. Bereiten Sie sich darauf vor, in ein Meer aus multidimensionalen Möglichkeiten einzutauchen.«
Penelope Smith, Autorin von »Gespräche mit Tieren«, »Tiere erzählen vom Tod«
»Dieses tiefsinnige, kluge und visionäre Buch ist eine wahre Schatzkiste voller praktischer Ratschläge für alle, die ihr Wissen darüber vertiefen wollen, dass das Tierreich ein Land der leidenschaftlichen Lehrer und Mentoren ist, die uns die Schlüssel zu den wichtigen Reisen des menschlichen Lebens liefern können. Ein spannender Schatz von Weltklasse.«
Simon Buxton, Autor von »Der Weg des Bienenschamanen«, Edition Spuren
»Von den ersten Seiten an bringt die Autorin uns an jenen Ort im menschlichen Bewusstsein, an dem wir die Sprache aller Lebewesen teilen. Sie bietet die Erneuerung der Weisheit aller Lebensformen, die Eingeborene seit Zehntausenden von Jahren kennen. Unverzichtbare Lektüre für jeden, der das gemeinsame spirituelle Band spürt, das alle Lebensformen auf unserem Planeten verbindet.«
Hal Zina Bennett, Autorin von »Spirit Animals and the Wheel of Life: Earth-Centered Practices for Daily Living«
»Dieses Buch wird Ihre Sicht über das erweitern, was möglich ist und wer Sie sind, erweitern. Die Tiere sprechen zwischen den Zeilen, um uns Dinge beizubringen, ihre Weisheit und Anleitung anzubieten, während sie uns sanft durch unsere Ängste hindurch in ein erhöhtes Bewusstsein dessen, wer wir wirklich sind und wie wir im Innersten unseres Wesens alle miteinander verbinden sind, führen.«
Tera Thomas , Autorin von »Opening My Wings to Fly: What Animals Have Taught Me«
Dank
Allen Wesen aus so vielfältigen Formen und Spezies, die ihre Gedanken, Einsichten, ihr Bewusstsein, ihre Abenteuer und ihre einzigartige Gegenwart mit mir geteilt haben, um mir bei der Umsetzung dieses Buchprojekts zu helfen, bin ich zutiefst dankbar.
Danke auch an meine Mutter Carol Baumann und meinen guten Freund Phil Kotofski für ihre ausgezeichneten Vorschläge und ihre beharrlichen Ermutigungen, als an dem Manuskript noch gefeilt werden musste.
Mein Dank gilt auch all den tollen Mitarbeitern von Inner Traditions Bear & Company, die keine Angst haben, über das Übliche hinauszugehen und Bücher herauszubringen, die uns inspirieren, die außergewöhnlichen Wesen zu werden, die wir eigentlich sind. Ich danke Jon Graham für seine Begeisterung über dieses Projekt und Virginia Scott Bowman für das ansprechende Textdesign und Layout. Mein Dank geht außerdem an Jeanie Levitan, Rob Meadows und Ehud Sperling für ihre unermüdliche Arbeit hinter den Kulissen. Auch bin ich der Lektorin Jamaica Burns und der Korrekturleserin Vickie Trihy für ihre Einfühlsamkeit, Aufmerksamkeit bei den Details und den feinen letzten Schliff des Buchs dankbar.
Ich danke Hal Zina Bennett, Simon Buxton, John Perkins, Rita Reynolds, Penelope Smith und Tera Thomas für ihre freundlichen und unterstützenden Worte.
Und ich danke meinem Mann Bob und meiner Tochter Alyeska – ihr seid beide eine so kostbare Quelle aus Liebe, Freude und Gelächter in meinem Leben! Mein Dank geht auch an Max und Riza, Tau und die Gruppe für ihre reiche Bandbreite an Erfahrungen. Und mein ganz besonderer Dank gilt Barney und Zak, meinen beiden engen Freunden – Lehrern und Kumpels, Vertrauten und Anspornern, klugen Anführern und unerschrockenen Erforscher des Bewusstseins. Ohne euch gäbe es dieses Buch heute nicht.
Teil 1 Lehrling des Übergangs
1
Lektionen des bewussten Sterbens
Es war Hochsommer in Alaska und ich hatte schon seit Monaten keinen sternenklaren Nachthimmel mehr gesehen. Die Sonnenstrahlen blitzten weiß von den verschneiten Spitzen des Gebirges in der Ferne und spiegelten sich in Form eines silbrigen Glanzes auf der lebhaften Wasseroberfläche des Knik Arm, der unten vorbeifloss. In der Nähe flogen die Hummeln summend um den Fliederbusch herum, dessen oberste, grün beblätterte Zweige sich an das Geländer unseres Balkons drückten.
Ich suchte meinen Hund Barney im Garten. Am frühen Morgen hatte ich ihn hinausgelassen, aber er war nicht zurückgekommen, auch wenn es schon fast Abend war.
Ich stieg die Terrassenstufen herunter, ging um den Flieder herum zum wuchernden Weidenröschenbusch am hinteren Ende des Zauns, der jeden Tag ein Stückchen höher stand. Wenn die leuchtend lila Blüten die Spitze des Stamms erreicht haben, ist der Sommer bald vorbei, sagt eine Bauernregel.
»Barney!«, rief ich. »Barney!« Ich zwängte mich am Drahtzaun des Gemüsegartens vorbei und betrat das Gelände voller wild wachsender Bäume und Hecken. Es ist der Auslauf für unsere Hunde. Dort fand ich ihn – auf einer kleinen Lichtung hinter dem mit Ziegeln bedeckten Räucherofen für Fische, den wir im letzten Jahr gebaut hatten. Er lag auf der Seite, mit eingezogenem Kopf und angewinkelten Beinen. Er ruhte friedlich im kühlen Schatten des Räucherofens.
»Steh auf, Barn«, bat ich ihn und stupste mit der Zehenspitze seine Pfote an. Er war so dünn und zerbrechlich geworden. Mir war klar, dass er sich zum Sterben dort verkrochen hatte. Es war typisch für ihn, sich ganz still und ruhig wieder der Erde zu übergeben. Ohne großes Drama und ohne starkes Trauma. Einfach den letzten Atemzug in die Erde zu machen und befreit der Sonne entgegenzuschweben.
Heute ist das leicht zu erkennen – und zu verstehen, wie friedlich ein solcher Tod sein könnte –, doch damals geriet ich in Panik. Trotz aller Gespräche, die wir miteinander geführt hatten, aller Erlebnisse, die wir geteilt hatten, war ich nicht darauf vorbereitet. Daher rannte ich ins Haus und rief meinen Mann. Ich überredete ihn, Barney ins Haus zu tragen.
Als Bob den schlaffen Körper meines guten alten Freunds aufhob und ihn zur Terrassentür brachte, drehte Barney mir den Kopf zu. Seine seelenvollen braunen Augen sahen mich durch sein zotteliges weißes Fell hindurch an und sein Blick drang tief in mein Innerstes, um mit der Stelle in Kontakt zu treten, an der kein Platz für Lügen ist. Ach, bemerkte er, während er an mir vorbei getragen wurde, wir erledigen das also auf deine Weise, wie?
WIE ALLES ANFING
Barney war elf Jahre lang Teil meines Lebens. Ich hatte ihn als zweijährigen Cockerspaniel-Pudel-Terrier-Mischling aus einem Tierasyl in Maryland geholt. Er wurde damals gerade in einen Käfig gesteckt, als ich zur Tür hineinkam. Gebell und Gefiepse und Gewinsel hallte von den nackten grauen Wänden und den Eisengittern. Es war kein friedlicher Ort, doch der mittelgroße weiße Hund mit den Schlappohren saß still da und wartete geduldig. Schon auf den ersten Blick – noch bevor ich die Energie spürte, die zwischen uns floss und mich zu ihm hinzog – wusste ich es. Ich hockte mich neben seinen Käfig, und als er sich umdrehte und mich ansah, war alles klar. Er war der Hund, den ich gesucht hatte.
Barney machte viel mit mir durch. Er stand mir bei mehreren Beziehungen zur Seite und erwies sich auf einer einmonatigen Rundreise durch die raue, wunderschöne Landschaft von Nova Scotia als mein bester Freund. Er lag unter dem Massagetisch, auf dem ich zu Hause in Maryland meine Klienten massierte. Wenn ich nach dem Unterricht, den ich in Anatomie und Kinesiologie gab, spät abends nach Hause kam, wurde ich von seinem freundlichen Gesicht an der Haustür begrüßt, während er stürmisch mit dem kleinen Stummelschwanz wedelte.

Barney
Fast jeder mochte Barney gern, und das Adjektiv, mit dem er am häufigsten beschrieben wurde, war cool. »Das ist aber ein cooler Hund«, sagten die Leute, auch wenn sie ihn kaum kannten. Tatsächlich hatte Barney eine ruhige, doch freundliche Ausstrahlung. Er wusste so vieles, und die Art, wie er seine Weisheit zum Ausdruck brachte, war zweifellos cool. Er war es, der sich einen Menschen aussuchte, neben den er sich auf einer Party hinsetzte. Es dauerte nicht lange, bevor sein Lieblingsgast ihm das Fell streichelte, sich entspannte und seine Mitte fand, und das auf eine Art, dass man sehen konnte, wie tief in seiner Seele etwas ins Gleichgewicht kam.
Als ich zurück in meine Heimat zog, reiste Barney mit mir von Maryland nach Wisconsin. Ein paar Jahre später, nachdem ich geheiratet hatte, zog er mit mir in den hohen Norden des Bundesstaats. Er liebte unser Häuschen im Wald und wanderte oft ans Seeufer in der Nähe, um »fischen« zu gehen. Dort suchte Barney nach dem perfekten Plätzchen und stellte sich so ruhig wie ein versierter Angler hin. Ruhig und konzentriert stand er mit allen vier Beinen im eiskalten Seewasser des Nordens und beobachtete stundenlang die kleinen Fische, die vorbei plätscherten. Von Zeit zu Zeit tauchte er plötzlich mit dem ganzen Kopf unter Wasser, um einen Fisch zu fangen – doch meistens ohne Erfolg.
Das einzige Mal, als Barney und ich uns stritten, war an dem Tag, an dem er meine Gegenwart verleugnete. Eines Samstagvormittags traten ich und mein Mann Bob aus dem Supermarkt heraus. Wir kamen an zwei jungen Mädchen vorbei, die auf dem Parkplatz ein großes Pappschild hüteten. »Hundebabys!«, jauchzte ich und verwandelte mich wieder in ein sechsjähriges Kind, während ich einen der Welpen auf den Arm nahm, die die Mädchen auf dem Parkplatz verkauften. Es war ein winziger, sich windender, rotbrauner Rüde – eine Mischung aus Cockerspaniel, Golden Retriever und australische Samoyans. Sobald ich ihn auf dem Arm hielt, war die Sache gelaufen. Diesen warmen, sich sträubenden Welpen würde ich nicht mehr hergeben. Es geschah so schnell und ohne bewusst nachzudenken, und trotzdem fühlte es sich absolut richtig an …
Das heißt, bis wir in unseren Kleinlaster eingestiegen waren. Barney warf einen Blick auf den Welpen und wandte sich von mir ab. Er hielt sich an Bob (der ihm nie besonders nahegestanden hat) und weigerte sich für den Rest des Tages, mir oder dem Neuankömmling auch nur einen Funken Beachtung zu schenken. Doch der Welpe, den wir Zak tauften, hatte ganz andere Pläne. Er jonglierte wie ein kleines Kind, das einen mürrischen Opa zum Spielen verleiten will, mit seinen Spielsachen vor Barneys Nase. Als das nicht fruchtete, sprang Zak hoch, packte Barney am Halsband und versuchte, so mit ihm durch den Garten zu spazieren. Es dauerte nicht lange, bevor Barney Zak und mir nachgab. Innerhalb weniger Tage waren wir wieder gute Freunde.
Barney und Zak halfen uns dabei, unsere Tochter Alyeska auf der Welt willkommen zu heißen. Beide Hunde waren dem neuen Baby gegenüber sanft und rücksichtsvoll. Sie wurden Alyeskas erste Spielkameraden und gehörten zwei Jahre später zu unserer Familienkarawane, als wir unseren Suburban vollpackten und quer durchs Land in Richtung Nordwesten nach Alaska zogen.
Trotz Umzug und Unsicherheiten (keine Jobs, kein Zuhause) waren Barney und Zak zuverlässige Beschützer und Freunde. Als wir uns schließlich niedergelassen hatten, lernten sie die Hunde aus der Nachbarschaft kennen und legten ihre eigenen Aufgaben in unserem neuen Zuhause fest. Danach fingen sie ihre tiefer schürfende Arbeit gemeinsam mit mir an.
Ich wurde die Herausgeberin einer Zeitschrift für Gesundheit, Wellness und Spiritualität. Eines Tages fiel mir der Artikel einer Autorin aus Anchorage in die Hände, die mit Tieren sprach. Die Vorstellung gefiel mir, und so interviewte ich die Frau und fand heraus, dass es noch mehr dieser »Tierkommunikatoren« gibt, die ihre eigenen Gedanken beiseitelegen und sich dadurch in die Gedanken, Gefühle und das Bewusstsein anderer Lebewesen hineinversetzen und wie bei einer normalen Unterhaltung mit ihnen kommunizieren können.
Verschiedene Wege, die Welt zu sehen und vor allem herauszufinden, wie unterschiedliche Kulturen Sprache, Kunst und Religion nutzen, um über Spirituelles zu reden und es zu verstehen, haben mich schon immer interessiert. Der Gedanke, die Welt aus der Sicht eines Tiers zu sehen, war daher für mich eine faszinierende Vorstellung. Ich nahm Kontakt zu anderen Kommunikatoren auf und schrieb ein paar Artikel darüber, während ich immer wieder Fragen stellte: Über welche Dinge reden Tiere? Welches besondere Wissen oder Weisheiten besitzen sie? Was halten sie von uns Menschen? Wenn sie uns mitteilen könnten, was sie uns wissen lassen wollen, was wäre es?
Einige der Tierkommunikatoren ließen mich durch sie Tiere interviewen. Ich stellte Pferden und Lamas, Hunden und Katzen, Delfinen und Walen Fragen. Auch wenn ich überzeugt war, dass die meisten der Kommunikatoren echt waren und ihre Gespräche aufrichtig führten, fragte ich mich, wie »real« diese Vorstellung, mit Tieren zu sprechen, wohl sein konnte.
Als ich anfing, ein Buch darüber zu schreiben, wurde ich von der Journalistin zur Forscherin, von der Zweiflerin zur faszinierten Reisenden in eine neue Welt. Ich wechselte von Ungläubigkeit zu Staunen zu plötzlicher Erleuchtung – und fiel wieder in die Unsicherheit zurück. Allmählich machte ich bei der Kontaktaufnahme mit Tieren meine eigenen Erfahrungen. Ich konnte nachvollziehen, was die Kommunikatoren mir sagten: Es war, wie wenn man einen inneren Schalter umlegt, und es erinnerte mich an eine andere Lebensweise. Ich fand heraus, dass ich, wenn ich die Augen schloss, oberflächliches Geschnatter im Kopf losließ und mich sanft und mit offenem Herzen konzentrierte, Tiere auf eine Weise kennenlernen konnte, bei der wir unsere Gefühle, Gedanken und Vorstellungen teilten. Es überraschte mich oft, wie verschiedenartig und ungewöhnlich ihre Sichtweisen waren, vor allem im Vergleich zu meinen Erwartungen. Es war ein Prozess, der entspannte und Spaß machte, bei dem ich mich genügend öffnete, um die Welt auf eine neue und andere – und oft auf eine viel lebendigere – Art zu sehen.
Auch hatte ich die Fähigkeit entwickelt, die Gefühle, Bilder und Sinneswahrnehmungen in Worte zu fassen, die durch mein Bewusstsein strömten, während ich auf tieferen Ebenen mit Tieren Verbindung aufnahm. Verstehen Sie mich nicht falsch – manchmal wurde es eine ziemlich mühsame Angelegenheit. Dann kämpfte ich mit Selbstzweifeln, redete mir ein, ich hätte eine blühende Fantasie oder würde Dinge projizieren. Auch wenn die meisten Tierkommunikatoren vor allem in den Anfangsphasen, wenn die Erinnerung an diese Fähigkeit zurückkehrt, die wir alle besitzen, ähnliche Selbstzweifel hegen, fiel es mir schwer, manche der erstaunlichen Informationen zu glauben, die ich in den Gesprächen erhielt.
Zum Glück halfen Barney und Zak mir gern. Meistens griffen sie dann ein, wenn ich es am wenigsten erwartete – ein guter Plan, um die Fesseln meiner überholten und einengenden Überzeugungen zu sprengen und mich hinaus aufs freie Feld des erweiterten Bewusstseins zu zerren. Heimliche Zweiflerin, die ich immer noch war, bat ich sie um Beweise dafür, dass das, was ich von den Tieren hörte, »wahr« war. Mir wurden immer wieder Dinge erzählt, die ich nicht von mir aus wissen konnte, Details, die die Besitzer der Tiere hinterher bestätigten. Es ist schon ein merkwürdiges Spielchen, was wir Menschen treiben – wir trauen unseren eigenen Erfahrungen erst dann, wenn andere sie uns bestätigt haben.
Allmählich lernte ich jedoch, den Vorgang zu akzeptieren. Es war Barney, der mein größter Lehrer und Führer wurde, mein Freund, der mir Mut machte, und mein Vertrauter, der mich unterstützte. Er drängte mich oft – so sanft, wie nur ein liebevoller, kluger, unvoreingenommener Hund es kann –, die selbst auferlegten Überzeugungen und gesellschaftlichen Muster abzulegen, die mir von der Sprache, Kultur, Erziehung, Familie und Freunden aufgezwungen worden waren. Barney forderte mich auf, in der Tiefe zu graben und nach Verknotungen zu suchen, die mich fesselten oder für bestimmte Dinge blind machten. Und er wies mich immer wieder an, mich »für Erfahrungen – den großen Lehrer – offen zu sein«, wie er es gern ausdrückte.
Barney zeigte mir auch meine Ängste auf. Er forderte mich auf, bewusst in der Gegenwart zu leben und die tieferen Wurzeln der Ursachen, warum ich so gern vor bestimmten Vorstellungen oder Erlebnissen davonlief, zu ergründen. Ich habe Barney nie als scheues oder ausweichendes Wesen erlebt. Stattdessen legte er die Karten auf den Tisch und ermutigte andere, sich auf dieselbe Weise kennenzulernen – mit klarem Blick, wachem Geist, offenem Herzen – mutig und liebevoll im Spiegel ihres Selbst.
DIE ERSTAUNLICHSTE REISE VON ALLEN
Lass uns mit einer kurzen Einführung in das Thema Sterben anfangen, sagte Barney eines frühen Morgens, während er sich unter meinen Schreibtisch legte und mit der Schnauze meinen Fuß wegschob. Barney und ich hatten eine Abmachung getroffen: Wenn er sich unter meinem Schreibtisch niederließ, war das das Zeichen für eine Unterhaltung.
Am besten wäre es, sich dieses Thema als einen Übergang oder eine Reise vorzustellen, statt als etwas Endgültiges oder ein Ende, fuhr er fort. Die Reise ist wie ein Schütteln, wie wenn ein nasser Hund sich schüttelt, um das Wasser aus dem Fell zu entfernen.
Es gibt viele Wege, die wir nehmen können. Ich möchte von Anfang an betonen, dass es eine Hauptstraße zum Tod – oder Umwandlung der körperlichen Gestalt – gibt, aber auch zahlreiche Nebenstraßen, die man stattdessen nehmen kann.
Ich bereite mich nun auf mein Ende im irdischen Körper des Hundes Barney vor. Es ist, wie wenn ich eine Seite umblättere, ein Buch schließe, von einem Zimmer ins andere gehe, meine Aufmerksamkeit kurz von Barney dem Hund abwende, um mich auf einen anderen Aspekt des Seins zu konzentrieren.
Ach, es gibt so viel darüber zu sagen! Deswegen würde ich dich jetzt gern mit dem Bild einer Straße, die zum Tod führt, allein lassen. Das ist der Hauptweg ans Ziel dieser bestimmten Konstellation von Raum/Zeit/Sein. Aber während wir uns auf dieser Straße befinden, nehmen wir zahlreiche Nebenstraßen, um diese erstaunlichste Reise von allen vollständiger zu besprechen und zu würdigen.
An jenem Morgen beendeten wir das Gespräch an diesem Punkt. Es waren nur sechs Wochen, bevor ich ihn hinter dem Räucherofen fand, wo er sich zum Sterben hingelegt hatte, nur wenige Tage vor seinem Tod. Auch wenn Barney und ich über die Jahre viele tiefsinnige Unterhaltungen geführt hatten (und ich in dieser Zeit herausfand, dass Tiere nicht nur Gefühle haben, sondern sogar weise, humorvolle und talentierte Wesen mit einzigartigen Aufgaben auf dem Planeten Erde sind), waren diese Gespräche, die ich mit der Zeit Todesgespräche taufte, etwas Besonderes. An den folgenden Tagen unterhielten wir uns fast jeden Vormittag über viele verschiedene Themen: den Übergang vom Leben zum Tod, Reinkarnation, karmische Projektionen und Illusionen und – eins von Barneys Lieblingsthemen – den Wert und das Wunder des Shapeshiftings.
Es war nicht einfach, in so vielen Bereichen so tief zu schürfen, obwohl uns nur noch so wenig kostbare Zeit blieb. Barneys Augen wurden schwächer, er nahm immer mehr ab, und er entwickelte eine beunruhigende Angewohnheit, gelegentlich mehrere Sekunden lang in die Ferne zu starren und dabei zu zittern. Doch ansonsten wirkte er so fröhlich und gesund wie immer. Er rannte immer noch wie ein Welpe umher, wenn ich ihn mit in die Berge nahm, und verschmähte nie sein Futter.
Unsere erste Aufgabe war also, an der Stelle, an der wir uns befanden, tief hinunter zu tauchen. Und wie Barney mir sagte, war das der Tod, dem wir ins Auge blicken sollten.
WAS IST AM TOD SO SCHLIMM?
Das Wort Tod hat uralte Wurzeln. Soweit die ältesten Anteile unseres Selbst sich zurückerinnern können, sind wir mit dem Tod längst vertraut. Meistens wird das Wort mit der dauerhaften Einstellung sämtlicher Körperfunktionen gleichgesetzt. Unser Herz hört auf zu schlagen, unsere Lunge hört auf zu atmen, unser Gehirn hört auf zu denken: Wir sterben. Kurz gesagt, der Tod ist das Ende des Lebens, wie wir es kennen. Eine beängstigende Vorstellung für uns Menschen, die alles planen und wissen wollen und die jedes kleinste Detail unter Kontrolle haben möchten.
Manche Menschen verwenden das Wort Tod nur ungern. Sie sagen lieber von uns gehen, hinübergehen, Abschied nehmen. Auch wenn diese Formulierungen ihre Berechtigung haben, ist es merkwürdig menschlich, Euphemismen zu schaffen, als würde uns das irgendwie helfen, den Vorgang zu umgehen. Dennoch verrät gerade das Erschaffen und Verwenden von Euphemismen, wie stark dieses Thema für so viele Menschen mit einem Tabu behaftet ist – und ihnen daher Angst einjagt.
Manche mögen sagen, der Tod klinge so endgültig, als würden wir vollkommen aufhören zu existieren, wenn wir sterben. Was aber ist mit der Seele? Was ist mit der Essenz unseres Lebens? Wir hören mit dem Tod doch nicht wirklich auf zu existieren, oder?
Teile von uns – die Zellen unseres Bluts, der Haut und des ganzen Körpers – befinden sich in einem ständigen Sterbeprozess, genauso wie andere Zellen ständig neu erschaffen werden. In diesem Sinne ist der Tod ein natürlicher Teil des Lebensprozesses. Selbst wenn wir nach dem Tod in eine andere Welt übergehen – ein anderes Universum, einen Himmel, eine Hölle, ein ständiges Kontinuum des Bewusstseins –, so bleibt der physische Tod dennoch ein Teil unseres Lebenszyklus auf dieser Erde. Wir können ihm zwar andere Namen geben, doch der Tod ist in unsere jetzige Version des Lebens genauso integriert wie die Geburt. Was ist am Tod also so schlimm?
Ich möchte für den Anfang über meinen eigenen Tod sprechen, über meinen persönlichen Weg, fing Barney am nächsten Morgen an.
Andere haben es kommen gesehen und dir mitgeteilt, aber du willst es immer noch nicht sehen. Das verstehe ich. So geht es sehr vielen Lebewesen. Den Tod aus dem Bewusstsein zu verdrängen ist ein eingebauter Schutzmechanismus, der ein gewisses Maß an Barmherzigkeit oder Trost bietet. Aus diesem Grund bleibt der Tod für viele Lebewesen etwas Geheimnisvolles. Er ist zwar da, aber man kann ihn nicht sehen, da er im Bewusstsein tief verborgen liegt.
Mein eigener Tod ist nicht mehr weit weg, auch wenn ich noch ein wenig Zeit habe. Ich habe meinen Tod schon vor vielen Lebenszeiten angenommen, und er hat nichts Traumatisches mehr für mich. Ich will diesem Thema etwas Zeit widmen, weil es dich interessiert und weil ich bereit bin, dieses Wissen mit anderen zu teilen, da es auch sie interessieren und ihnen helfen könnte.
Eines der ersten Dinge, die dabei zu beachten sind, ist dein Verhältnis zum Tod. Wie denkst du über den Tod und wie fühlst du den Gedanken an ihn in deinem Körper? Hältst du dabei vor Angst den Atem an oder lachst du, um ihn nicht an dich heranzulassen? Hältst du ihn voller Anspannung oder liebevoll an der Hand?
Wie du über den Tod denkst, fühlst, beeinflusst stark die Art und Weise, wie der Tod auftreten wird, auch wenn ich nicht sagen will, dass es immer so ist. Das ist das Problem bei euch Menschen – euer Verstand lässt sich so entwickeln, dass er eure Emotionen überdeckt. Manchmal funktioniert das zu euren Gunsten, manchmal aber auch nicht. Ich will von Anfang an klarstellen, dass, während ich später Informationen offenbare, es wichtig ist, sich bewusst zu sein, dass diese aus meiner eigenen Perspektive und meinen vielen Lebenszeiten des Lernens, der Erfahrungen und meiner Lehren über den Tod stammen. Ich möchte nicht, dass irgendein Satz als feste Regel angesehen wird. Es ist besser, wenn euer inneres Ohr zuhört, um die Ganzheit dessen, was ich sage, zu begreifen und das zu nutzen, was für euch zu diesem Zeitpunkt gerade am besten passt.
Vielleicht willst du wissen, was ich sehe oder fühle, wenn ich dem Tod ins Auge sehe?
Für meinen Teil ist es nur ein Übergang in eine andere Lebensform. Das haben schon viele vor mir gesagt. Es könnte dir guttun, wenn du das in die tiefste Ebene deines Bewusstseins dringen lässt: Der Tod ist bloß die Bewegung hin zu einer anderen Wesensform – ähnlich wie man sich zu Hause von einem Zimmer in ein anderes Zimmer bewegt oder von einem Land ins nächste umzieht. Mehr als ein Umzug ist es eigentlich nicht.
Diese ganze Angst, die mit dem Tod verbunden ist, macht mir das Herz schwer. Ich bin längst vertraut mit dem Tod und den Wesen, die den Übergang in viele Leben vollzogen haben, und deswegen kenne ich das Syndrom der ›schweren Tür‹ nur allzu gut. Spürst du es in deinem Herzen, Dawn?
»Ja«, gab ich zu. »Ich kann die Schwere fühlen. Und ich spüre auch, dass ich die Tür nicht aufmachen will. Ich weiß nicht einmal warum.«
Das ist, weil du Angst vor dem Unbekannten hast. Das ist nichts Ungewöhnliches. Es ist ganz normal – und wird in eurer Gesellschaft sogar noch ermutigt –, sich vor allem Ungewohnten zu fürchten. In gewisser Weise ist es sogar gesund. Es schützt dich davor, Plätze aufzusuchen, vor denen du dich fernhalten solltest. Manchmal ist es jedoch eher eine große Hürde. Du weißt, dass Zak oft von Türen spricht – seine bevorzugte Metapher ist die Schiebetür aus Glas. Der Grund dafür ist, dass er einen erweiterten Blickwinkel hat und immer schon den nächsten Raum sieht. Für ihn hat ein Umzug nichts Geheimnisvolles, und deswegen hat er auch eine ziemlich furchtlose Persönlichkeit, nicht wahr?
Ja, unser intelligenter Zak war tatsächlich ein furchtloser Abenteurer und Forscher. »Er ist in dieser Hinsicht witzig«, musste ich zugeben, dankbar über den Humor.
WAS PASSIERT EIGENTLICH?
Also, wie sollen wir fortfahren?, fragte Barney nach einer Pause.
»Warum fangen wir nicht mit dem an, was du uns unbedingt vermitteln willst?«
Hmm. Manchmal verwendest du diese Frage als ein Schutzschild. Ist dir das eigentlich klar?
Ich spürte, dass ich rot wurde. Wie konnte der Hund mich so leicht durchschauen? »Ja, ich weiß, was du meinst«, gab ich schließlich zu. »Manchmal habe ich das Gefühl, es ist leichter, Informationen zu bekommen, als sie mir selbst zusammenzusuchen.«
Also lass uns bei dir anfangen. Was ist das Wichtigste, was du über den Tod erfahren möchtest?
»Das ist eine gute Frage.« Jetzt war meine Neugier geweckt. »Ich glaube, am meisten Angst habe ich davor, die Leute zurückzulassen, die ich liebe. Ich frage mich auch, ob es im sogenannten Jenseits schöner sein wird als auf dieser Welt oder ob ich sie dann wirklich vermissen werde. Aber hauptsächlich sind es die emotionalen Bande zu meiner Familie, die an meinem Herzen reißen und mich dazu bringen, nicht gehen zu wollen.«
Und wie lautet deine Frage?
Ich musste lachen. Barney schaffte es immer wieder, mich aus meinen Träumereien zu reißen, indem er mich dazu brachte, über die tieferen Fragen von Leben und Tod nachzudenken.
»Was passiert eigentlich? Das ist wohl die Frage, die jeder hat, oder? Wohin gehen wir, wenn wir diese Welt verlassen? Haben wir dann immer noch ein Bewusstsein? Vergessen wir die anderen auf der Erde oder sind wir ihnen immer noch verbunden? Was passiert nach dem Tod?«
Die meisten wissen in ihrem Herzen und in ihrer Seele die Antworten auf diese Fragen. Die meisten Wesen haben schon viele Male die Reise in den Tod gemacht.
Lass uns zu dem Bild des Übergangs von einem Zimmer ins nächste zurückkehren. Nur weil man ein Zimmer verlässt, bedeutet das noch lange nicht, dass man es vergisst. Man ist bloß mit dem beschäftigt, was man jetzt gerade sieht und fühlt, auch wenn die Realität des verlassenen Raums und die Erinnerung daran weiter bestehen. So ist es in gewisser Weise auch mit dem Tod, zumindest in bestimmten Phasen.
Es gibt Menschen, die den Raum der Lebenden nicht verlassen wollen. Ihre emotionalen Bande sind zu stark, und sie haben das Gefühl – was meistens auf falschen Vorstellungen beruht –, dass sie nicht gehen können oder sollten. Das führt zu einem langsamen Übergang und ist oft nicht sehr produktiv. Die meisten Wesen verlassen ihren Körper jedoch relativ schnell und gehen weiter.
Es gibt viele außerkörperliche Wunder, viele verschiedene Dimensionen zu erforschen. Man könnte es mit einem Umzug ins Ausland vergleichen – sobald man dort ist, findet man das Neue und die Andersartigkeit der Menschen, ihre Marktplätze, ihre Kunst, Sprache und Kultur aufregend. Der Tod ist eine Reise in ein anderes Land – und dort gibt es vieles zu entdecken!
Es gibt ›Schulen‹, die man besuchen kann. Manche Wesen lernen dort, wie sie emotionale Verstrickungen heilen und alte Eigenschaften loslassen können. Andere schließen sich persönlichen Führern an – fast so wie bei einer Stadtbesichtigung oder Bergtour. In Wahrheit gibt es so viele Varianten der Erfahrung, wie es Wesen gibt – das heißt, eine unendliche Vielzahl. Deswegen will ich dir klarmachen, dass deine Beziehung zum Tod überaus wichtig ist. Schließlich ist es dein Film des Lebens!
Ich lächelte, während ich Barneys Worte aufschrieb. Seine Gedanken glitten durch mich hindurch, wie Wildvögel über einen wolkenfreien blauen Himmel schweben.
Hilft dir das, deine Frage zu beantworten?, erkundigte sich Barney.
»Ja, es passt zu dem, was ich selbst spüre.«
Du brauchst keine Angst zu haben, dass es sich nur um eine ›Projektion‹ von dir handelt. Du hattest schon viele Leben, in denen du anderen beim Sterbeprozess beigestanden hast, und deswegen ist es recht leicht, diese Informationen durch dich zu übermitteln. Wir werden aber nochmals auf Projektionen zu sprechen kommen und darauf, welche Rolle sie nicht nur in diesem Leben, sondern auch im Sterben spielen.
Am Ende unseres Gesprächs an diesem Vormittag kamen Barney und ich auf seine körperliche Gestalt zu sprechen, die weitere Symptome von Abbau aufwies. Seine Sehkraft wurde immer schwächer und seine Gelenke wurden gebrechlich, auch wenn er mir versicherte, dass er immer noch sehen konnte und die Massagen und Kräuteressenzen, mit denen ich sein Futter anreicherte, zu schätzen wusste.
Unter der Oberfläche spürte ich, dass wir in einen heiligen Ort des Lernens vordrangen. Ich konnte ihn fühlen. Unser Gedankenaustausch hatte eine tiefere Dimension erreicht, ein deutliches Gefühl, dass das hier der Hauptgrund dafür war, warum Barney und ich in diesem Leben zusammengefunden hatten – damit ich seine Worte hörte, diese Gefühle spürte und für diese Erfahrungen offen wurde. Und so fragte ich mich wieder einmal: »Wer ist dieses erstaunliche Geschöpf, das im flauschigen weißen Fell meines Hunds Barney steckt?«
2
Der Angst ins Auge sehen
Als ich für die Vorstellung, mit Tieren zu sprechen, offen wurde, tat ich dies angstfrei. Schließlich machten andere Leute es auch – ich war nur eine Zuschauerin, eine Reporterin. Doch als ich immer mehr Fragen stellte und mir Gedanken darüber machte, wie dieses Ding mit der Tierkommunikation eigentlich funktioniert, spürte ich, wie mein Inneres darauf reagierte. Etwas in mir geriet in Bewegung und ich wurde nervös und zugleich aufgeregt. Irgendwas ganz tief in meiner Seele wurde angesprochen – eine uralte Erinnerung? Eine verschüttete Fähigkeit? – und dieses Etwas rief leise, doch beharrlich und verlockend nach mir. Na ja, das überrascht nicht weiter: Genauso beginnt meistens ein tieferes Erwachen. Denn wenn wir erkennen – und allmählich akzeptieren –, dass unsere Gedanken und Gefühle, Träume und unser Bewusstsein sich auf tieferen Ebenen abspielen, fängt unser oberflächliches Bewusstsein an aufzuwachen und sich für etwas zu öffnen, das wir zwar schon immer wussten, das uns jedoch irgendwie aus dem Gedächtnis verschwunden ist.
Das allererste Mal, als ich ein Tier in Gedanken reden hörte, lief ein Schauer durch meinen Körper. In einem seltsamen und ganz stillen, zeitlosen Moment spürte ich ein Kribbeln im Körper – eine Beschleunigung der Energie, die Auflösung meiner Gedanken. Draußen vor meinem Fenster versammelten sich Vögel auf einem Busch. Fenster, Vogel, Busch – es sind nicht so sehr die Dinge an der Oberfläche, die uns rufen, sondern die tiefere Energie der Lebenskraft, der tiefere Ruf der Verbundenheit. Es ist, als hätte man endlich die Einladung entdeckt, die schon immer da war. Und die man eines Tages annimmt.
An jenem Tag spürte ich, wie sich mir die tiefere Präsenz der Vögel erschloss. Und ich mich ihnen. Es war ganz einfach und erstaunlich offensichtlich: Das Zusammentreffen von Welten, die nie wirklich getrennt gewesen waren – die plötzliche klare Erkenntnis, dass wir nicht nur eine Frau und ein Schwarm Vögel waren, sondern Wesen, die in der Tiefe miteinander verbunden sind. Ein leiser Schauer lief durch meinen Körper, als ein Selbst, das zu lange zum Schweigen gebracht worden war, an die Oberfläche meines Bewusstseins tauchte. Ein Teil von mir war wieder da.
Erst der Gedanke an das Experiment machte mir Angst. Mein Verstand fing an, Widerspruch einzulegen, Zweifel zu erheben, sich Sorgen zu machen und Misstrauen zu schüren. Meine Gedanken wollten das ursprüngliche Gefühl der Einheit, der Verbindung, die mir das Herz aufgehen ließ, verdrängen. Eine Seite von mir versuchte, es wieder unwirklich zu machen. Aber warum? (Weil das sicherer ist.) Und wer war für die beunruhigten Gedanken zuständig? (Das schlaue Ich!).
Wie ich mit der Zeit feststellte, war eine meiner Lieblingsangewohnheiten, mich mit Äußerlichkeiten zu beschäftigen, um mich davon abzuhalten, für neue Vorstellungen und tiefere Schichten des Verstehens offen zu werden. Für viele von uns scheint das leichter zu sein: Es ist viel weniger anstrengend, Vorkommnisse und Begegnungen weg zu erklären, die nicht in die Wirklichkeit passen, wie wir sie kennen. Fast können wir nicht anders, denn wir sind dazu erzogen, uns auf logische, lineare Gedanken und Erklärungen zu verlassen, statt das Mysterium des Lebens hinter den Grenzen des Alltäglichen in seinem ganzen Reichtum zu erleben. Die Gesellschaft unterstützt dies sogar noch und drängt uns zum »Machen« (und zwar schnell!), statt uns die Zeit zum »Sein« zu lassen. Durch meine Gespräche mit Tieren (die eher Experten im Sein sind), fing ich an, immer klarer zu erkennen, dass der gesellschaftliche Druck zum Schnell-Schnell nichts als der überall verbreitete Zwang ist, der uns davon abhalten soll, tief in uns selbst hineinzusehen. (Wovor haben wir eigentlich so viel Angst?)
Wie Barney einmal bemerkte, ist das Verlangen, sich zu beeilen und etwas anderes zu machen, ein Selbstschutz, eine verzweifelte Methode, das tiefere Wesen des Selbst zu vermeiden, indem man sich an die Oberfläche klammert. Oder, wie er es ausdrückte: Es ist, als würdet ihr in tiefen Gewässern schwimmen, aber dauernd nach noch mehr Rettungsringen greifen, obwohl die eigentliche Lösung für euer Dilemma wäre, tief unterzutauchen und die majestätische Größe der Unterwasserwelt wahrzunehmen. Ihr deckt euch mit Listen ein, was alles ›zu erledigen‹ ist, während alles, was ihr in Wahrheit tun müsst, nur loslassen, in euch und in die größere Wirklichkeit eintauchen, auf das Universum, die Schönheit und den Humor der Beziehungen untereinander vertrauen und euch den Luxus erlauben müsst, alles in einem tieferen Fluss der Zeit kennenzulernen.
Klingt ganz einfach, nicht wahr? Doch es umzusetzen bedeutet, zuerst dem ins Auge zu sehen, vor was wir am meisten Angst haben: die vielen dunklen Schichten unseres Selbst.
DIE ANGST VOR HASEN
Als Barney und ich unser Gespräch am nächsten Morgen fortsetzten, begann er es mit einer kurzen Zusammenfassung:
Eine einfache Metapher, die Menschen verwenden, ist die, dass die Welt der Lebenden wie der Teil eines Hauses ist, der durch eine Tür vom Rest des Hauses abgetrennt ist. Diese Tür ist der Tod. Ihr fürchtet euch vor der Tür, weil nur sehr wenige, die durch die Tür hindurchgehen, zurückkommen und den anderen berichten, was dahinter liegt. Was also hinter dieser Tür liegt, ist sicher zum Fürchten. Es gibt zahllose Fantasiegespinste. Um diese Tür und das, was sich dahinter verbirgt, ranken sich alle möglichen Mythen, Geschichten und Erzählungen.
Manchmal sagen die Menschen, das sei normal. Es mag zwar für die heutige menschliche Entwicklung normal sein, doch es ist nicht der einzige Weg, wie ihr die Tür und all das, was hinter ihr liegt, betrachten könnt. Es gibt außer Geschichten und Fantasigespinsten noch viele andere Wege, wie man herausfindet, was diese Tür tatsächlich ist und was sich dahinter verbirgt.
Nach meinen Erfahrungen besteht die Tür in Wirklichkeit aus euren eigenen Projektionen. Viele Zivilisationen, Kulturen und Gesellschaften haben es sich zur Gewohnheit gemacht, diesen Durchgang nicht als Tür zu sehen, sondern als eine Brücke, einen Tunnel oder eine Passage. Diese Sichtweise erlaubt es, vor- und zurückzugehen. Eine Passage ist offen und klar erkennbar; sie bedarf keiner Tür. Das ist also die erste Projektion. Verstehst du, was ich meine?
»Du willst sagen, dass es eine menschliche Projektion der westlichen Welt ist, den Tod als Einbahnstraße zu betrachten, und dass wir es sind, die der Kommunikation und Beziehung zu den Verstorbenen ›die Tür zuschlagen‹. Ist das richtig?«
Ja, das kommt der Sache schon näher. Du bist zwar relativ offen, Dawn, aber du bist zu sehr davon überzeugt, der Tod sei etwas, das vom Leben getrennt ist. Doch das ist er nicht.
Kannst du dich an unser Leben als Menschen erinnern, die sehr bodenständig waren? Es gab damals einen kleinen weißen Hasen, den du sehr gemocht hast – weißt du noch? Kannst du dich daran erinnern, wie ich dir damals beigebracht habe, wie man mit den Seelen der Verstorbenen spricht? Du trägst immer noch die Todesangst in dir, und sie zeigt sich jetzt zum Beispiel an deiner Angst vor Hasen.
Es sind Momente wie dieser, in denen ich bis in den Kern getroffen werde. Ich zuckte zusammen, während ich am PC saß, und schauderte vor Überraschung. Was Barney da sagte, stimmte genau, auch wenn es eine Wahrheit war, die mir bis zu diesem Augenblick nicht bewusst gewesen war. Es war außerdem eine merkwürdige Angst, mir selbst unbegreiflich, und weil sie so albern war, hatte ich das Gefühl oft verdrängt. Auch wenn ich an der Oberfläche keine Angst vor Hasen wahrnahm, zuckte ich meistens zurück, wenn ich einen Hasen auf den Arm nehmen sollte.
Diese Angst stammt aus einem ›früheren Leben‹, in dem du als kleines Mädchen sehr an einem weißen Hasen gehangen hast, beharrte Barney. Er wurde geschlachtet, und als du das gesehen hast, konntest du dich nicht dazu bringen, den Hasen anzufassen. (Erkennst du das Muster, das sich hier bildet?) Du hattest das Gefühl, dass der Hase sich verändert hatte, weil sein Körper auf brutale Weise getötet worden war. Also fingst du an zu glauben, der Tod sei etwas, das einen unwiderruflich verändert. Dieses Erlebnis führte zu deinem Rückzug – zu einem emotionalen Strudel der Trauer, der dich dazu brachte, sich auf den Körper statt auf die Seele zu konzentrieren. Sogar als du geistige Verbindung zu dem Hasen aufnahmst, hast du hinterfragt, ob sie ›real‹ war. Das ist noch so ein Muster, das dich in der Gegenwart beeinträchtigt. Beharrlich hältst du an deinen Zweifeln fest, ob deine Verbindung und Kommunikation echt sind. Auf der mentalen Ebene verstehst du zwar die Hintergründe, doch auf der emotionalen Ebene besteht immer noch diese Blockade. Spürst du sie in deinem Körper?
»Ja«, gab ich zu. Mir war bewusst, dass dies ein typisches Beispiel für Barneys Überzeugungskraft war, mich dazu zu bringen, meiner Angst ins Auge zu sehen. Um das zu schaffen, muss man ehrlich zu sich sein. Warum sollte man Schattenmaterial hinterherjagen, wenn man nicht ehrlich zu sich ist?1
»Ich spüre sie im Bereich des Oberbauchs«, bestätigte ich. »Es ist eine Verkrampfung, so als würde ich etwas zurückhalten. Und wenn ich hineinhorche, spüre ich eine Menge Trauer und Ärger, Verbitterung und Wut.«
Deshalb werden wir sie hinaus atmen und deiner Trauer Ausdruck verleihen und sie zu Wort kommen lassen.
Barney hielt inne, um mir eine kurze Erholungspause zu gönnen.
Lass uns für die Transformation offen werden. Wir wollen zu dem damaligen Zeitpunkt zurückkehren – das heißt, unsere Vision nach innen kehren, um den Augenblick, der so wichtig war, noch einmal zu sehen und umzuformen.
Fange damit an, indem du die Szene beschreibst und dich an die Persönlichkeit des Hasen und die Essenz deiner damaligen Gefühle erinnerst. Der Sinn ist es, sich das Ende noch einmal so vorzustellen, dass dadurch deine Verbindung mit der spirituellen Welt intakt bleibt. Sieh es als eine Mission an, bei der du es reparieren musst – und das meine ich in jeder Beziehung. Es soll das, was damals zerbrochen ist, zusammensetzen und auch dich mit anderen Aspekten deiner selbst wieder verbinden. Lass uns nun damit beginnen.
Als ich die Augen schloss und nach diesem vergessenen Selbst tastete, fand ich mich in einer anderen Zeit wieder: Das bin ich, aber nicht ich. Es ist eine seltsame Mischung aus zwei Teilen des Bewusstseins, denn ich bin gleichzeitig ich, die die Erinnerung betrachtet, und sie – ein junges Mädchen allein im Wald. Als das Mädchen suche ich meine Häsin und finde sie an einen Baum gehängt. Dort baumelt ihr schlaffer Körper, der mit einem Messer an den Baumstamm genagelt wurde. Das Messer wurde ihr in die Kehle gerammt. Aus ihrem Hals sickert dunkelrotes Blut durch das Fell. Ich will nicht glauben, dass es mein Hase ist, aber ich weiß es trotzdem. Wer würde so etwas tun? Ich fühle mich vollkommen verraten.
Lass uns mit deiner Häsin reden. Setz dich, beruhige dich und frage sie, wie das geschehen ist.
Während ich sehe, wie das Mädchen auf den Boden sinkt und sich hinhockt, höre ich ihre Stimme, die sich mit meiner eigenen vermischt. »Bun, was ist passiert? Was hat man mit dir gemacht, meine Süße?« Es entsteht eine Pause. Dann sehe ich – durch die Gedanken des Mädchens, die sich auf mich übertragen – den Hasen im Wald Gras fressen. Es ist eine friedliche Szene, in der die Häsin still unter den Bäumen sitzt, die das Sonnenlicht filtern, und Gras knabbert, als plötzlich jemand aus dem Nichts heraus auftaucht und ihr einen Schlag gegen den Hals versetzt. Ein Mann mit dunklen Stiefeln marschiert durch den Wald. Er sieht sie nicht, und sie hört ihn erst, als es schon zu spät ist. Mit einem dumpfen Geräusch tritt sein Stiefel hart auf sie – bricht ihr den Hals. Kurz darauf rollt eine Kutsche über sie hinweg und zermalmt ihren Körper. Es sind mehrere Leute, die da durch den Wald kommen. Erst der Mann, dann die Kutsche und hinter ihr noch ein Mann. Er bemerkt den leblosen Hasen, hebt ihn auf und nagelt ihn mit einem Messer an den Baum. Dann geht er weiter. Die Häsin sagt, sie weiß nicht genau, warum er das getan hat, aber er hätte aus Mitgefühl gehandelt.
Vielleicht hat er das getan, damit du sie findest?
»Das könnte sein«, antworten das Mädchen und ich gleichzeitig. Während wir diese Möglichkeit in Betracht ziehen, ist unser Bewusstsein immer noch vermischt.
Frag sie, ob es ein schmerzhafter Tod war. War sie bereit zu gehen?
»Es hat mich wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen«, sagt die Häsin. »Ich war hier – und eh ich mich versah, schlüpfte ich aus meinem Körper … und hoppelte quer über den Himmel.« Sie spürte keine Schmerzen und außerdem hatte sie nicht mehr viel, was sie auf der Erde noch erledigen musste. Wie sie uns sagt, wird sie nach Hause zurückkehren, was nicht unbedingt der Himmel, sondern eher ein anderer Planet ist. Sie sagt, sie sei gekommen, um uns eine Verbindung zu geben, eine Erinnerung, weil wir uns vorher gekannt hatten. Sie sagt, sie sei »nur ein kleiner Gast« gewesen, und jetzt erinnert sie uns daran. Sie zeigt, wer sie in Wirklichkeit ist: ein silbernes Licht, das über den Nachthimmel springt – wie ein Hase!
Ich spürte eine dumpfe Erinnerung am Rande meines Bewusstseins, die jedoch vage und verschwommen blieb. »Mir ist es immer noch nicht ganz klar, Barney«, sagte ich schließlich.
Solche Geschichten bieten den Energieschlüssel für alle, die emotionale Erleichterung suchen. Das heißt, du wirst von den Geschichten, die dich immer noch ›fesseln‹, angezogen – oder vielmehr in sie hineingezogen. Du hast das, was dich an diese Geschichte aus der ›Vergangenheit‹ fesselt, noch nicht völlig losgelassen; du hast den kostbaren Schatz, den deine Geschichte birgt, noch nicht vollständig aufgedeckt.
Bevor ich mich allzu sehr darüber wundern konnte, wie dieses Loslassen – oder Aufdecken – umgesetzt werden kann, fuhr Barney fort: Verbinde das Bild des getöteten Hasen mit dem des Hasen am Sternhimmel. Das ist ein Teil des Reparaturprozesses. Schaffst du das?
Die beiden Bilder verschmolzen: der kleine weiße Hase im Wald, der von den Sonnenstrahlen gesprenkelt war – eine Vision, die einer winzigen wunderschönen Blase glich –, und der Hase am Nachthimmel – eine riesige silbrige Essenz, die von der Erde hinauf an den Himmel sprang und die Sterne umhüllte. Auch wenn der spirituelle Hase viel mehr Energie offenbarte als der winzige Hasenkörper auf der Erde, unterschieden sie sich nicht. Beide waren miteinander verbunden. »Ahh!«, stieß ich erleichtert aus.
Warum hast du diese Verbindung aus den Augen verloren? Wenn sie dir damals tatsächlich bewusst war, warum hat die getötete Häsin dich dann so aus der Fassung gebracht?
»Vielleicht war es die Art und Weise, wie sie an den Baum genagelt worden war. Vielleicht der Mann hinter der Kutsche?«
Ja. Die äußere Gewalt. Das ist ein weiterer Faden für dich, und auch er knüpft an das Erlebnis dieser Geschichte aus der Vergangenheit an. Wer ist der Mann hinter der Kutsche? Warum bist du auf ihn wütend statt auf den ersten Mann, der aus Versehen auf den Hasen getreten ist?
»Eine gute Frage«, dachte ich. »Warum sollte der Mann, der die Häsin aufgehoben hat, von Bedeutung sein, wenn er mit ihrem Tod nichts zu tun hatte?« Aber sobald ich mir die Frage gestellt hatte, wurde es mir klar.
»Ich bin wütend auf ihn, weil er sie an den Baum genagelt hat. Das ist so brutal und merkwürdig und … Ach so!« Wie so oft, wenn wir von der logischen, linearen weltlichen Sichtweise, in der wir uns meistens bewegen, auf eine tiefere, reichere Ebene der synchronen Bezüge und vielschichtigen Bedeutungen begeben, wurde ich von einem plötzlichen Wissensstrom überflutet. »Der Mann kam von woanders her. Und auch wenn er sich kaum daran erinnern konnte, hatte er das Bedürfnis, den Hasen zu ehren – was bedeutete, ihn dem spirituellen Geist zu offerieren, so wie es in seiner Heimat Tradition war. Normalerweise nicht mit einem Messer in der Kehle, aber er hatte sonst nichts dabei. Und ich kannte den Mann von früher!«
Und es gab noch mehr: eine weitere Lawine von Assoziationen, visionären Puzzlestücken, Erinnerungsfetzen, Gefühlen – ein zweites Abtauchen in das riesige Universum eleganter, unerwarteter Verbindungen.
Wie eine Geschichte in einer Geschichte in einer Geschichte erkannte ich, dass der Mann zu einer kriegerischen Gesellschaft gehörte, einem Volk mit starren Vorstellungen über das, was richtig und was falsch ist, doch auch voller Leidenschaft. Ich sah noch eine weitere Version von uns (dem Mädchen und mir) an einen Pfahl gefesselt: Eine Frau neben zwei anderen, die auch festgebunden waren. Wir drei waren von zornigen Kriegern umringt. »Sie bewerfen uns mit Speeren; so töten sie ihre Angehörigen, die die Gesellschaft verraten hatten. In diesem Leben war ich die Frau des Mannes, der die Häsin an den Baum genagelt hatte. Ich sehe ihn. Er ist dabei. Er wirft zwar keinen Speer und empfindet noch Liebe zu mir, aber er verhindert meinen Tod auch nicht.«
Die Vision war so vielschichtig, dass meine Worte wie spitze Steine klangen, die das Gesamtbild, das ich fühlte, nicht annähernd ausdrücken konnten.
»Der Hase war also eine Erinnerung daran?«, fragte ich schließlich. »Der Mann hat den Hasen an den Baum genagelt, weil mich das an das noch frühere Leben erinnern würde?« Auch wenn ich darüber staunte, wie gut die Bezüge interagierten – wie Bausteine aufeinanderpassten –, sträubte sich irgendwas in mir dagegen. »Ich glaube nicht, dass ihm das bewusst war«, sagte ich zu Barney.
Interessant, wie alles miteinander verbunden ist, nicht wahr?
Bevor ich widersprechen konnte, wurde ich von einer neuen Erkenntnis gepackt, die mich noch einmal in die Geschichte zurückholte. »Die Kehle hat auch eine Bedeutung: das Messer in der Kehle der Häsin – nicht in ihrem Herzen oder Körper, sondern ausgerechnet in der Kehle. Warum hat der Mann das gemacht? Es bedeutet ›die Wahrheit sagen‹. Ich habe in der kriegerischen Gesellschaft die Wahrheit geäußert und deswegen wurde ich hingerichtet. Und sogar im Sterben war ich eher wütend als ängstlich, weil ich mit dem Mann noch länger zusammenleben wollte. Ich hatte gewisse Vorstellungen darüber, wie unser Leben hätte aussehen können, aber er war zu sehr auf die Traditionen unseres Volkes fixiert. Und ich fühle, dass dieses Leben als Krieger nur eine von vielen Wahrheiten war, die ich ausgesprochen habe.«
Hmm. Ich saß da und überlegte laut. »Es geht also um versteckte Zeichen? Um verborgene Erinnerungen, die ein Wesen mit dem anderen verbinden – ein Selbst mit dem nächsten und zurück? Schicken wir uns etwa codierte Botschaften über die Leben hinaus? Ist es das, was du mir sagen willst? Dass wir Teile von uns selbst in den Geschichten unserer Leben aufbewahren? Dass unser Leben eine Art verborgene Geheimsprache enthält? Wir versehen einander mit Codes, erzählen Geschichten in anderen Geschichten, um uns an unser früheres Selbst zu erinnern?«
Doch Barney gab darauf keine Antwort. Hast du immer noch Angst vor dem Hasen?, wollte er stattdessen wissen.
»Ich kann ihren Körper jetzt herunter nehmen und sauber machen. Ich kann sie im Arm halten. Ich könnte mir vorstellen, ihr Fleisch für die Tiere im Wald auszulegen und ihr Fell als Erinnerung zu behalten, das Hasenfell als einen Tribut zu tragen. Vielleicht hilft es mir ja, mich an den Hasen am Nachthimmel zu erinnern – wie ein Maskottchen, ein wirksamer Zugang zu dieser Erinnerung?«
Was ist mit dem Mann?
»Ich kann ihm dafür danken, dass er mich auf den Hasen aufmerksam gemacht hat – dass er mich dadurch dazu gebracht hat, mich zu erinnern. Und ich sehe jetzt, dass der Hase Recht hatte: Der Mann hat es aus Liebe getan.«
Empfindest du genug Liebe, um auch ihm Zeichen zu setzen?, wollte Barney wissen. Viele Wesen haben dir Zeichen hinterlassen, so wie auch du anderen Zeichen hinterlassen hast. Jetzt ist die Zeit gekommen, um sich dessen bewusster zu werden – ihre Zeichen klarer zu erkennen, Erinnerungen, die von und für andere Aspekte des Selbst hinterlassen wurden, von und für andere Beziehungen aus der ›Vergangenheit‹ und der ›Zukunft‹. Es ist wahrhaftig an der Zeit, sich auf einer bewussteren Ebene zu ›ent-sinnen‹.
Wie so oft bei unseren gemeinsamen Erlebnissen war mein Verstand verwirrt, doch mein Selbst erweitert.
Und aus diesem Grund, sagte Barney voller Zufriedenheit und Begeisterung, wollen wir mit dem Tod beginnen. Lass uns die Passagen säubern, die Durchgänge auskehren, die Brücke herunterlassen – und die Türen aufmachen!
Zu meiner eigenen Verwunderung musste ich lächeln.
Das reicht für den Augenblick, meinte Barney. Eine lange Sitzung, aber du hast dieses Puzzlestück der Erfahrung gebraucht, um zu sehen, wie es funktioniert. In gewisser Weise sind wir immer noch dabei, deine Sehkraft zu schärfen. Je schärfer sie wird, umso leichter wird es für dich, in die Haut anderer Wesen zu schlüpfen und andere Sichtweisen zu erleben. Und wenn du das kontinuierlich auf allen Ebenen tust, werden wir für noch mehr interessante Reisen bereit sein.
DURCH SHAPESHIFTING ANGST ÜBERWINDEN
Je mehr ich über die Geschichte mit der Häsin und die damit verbundenen Puzzleteile nachdachte, umso mehr Hasen kamen mir in den Sinn. Ich sah Hasen im Fernsehen, in Zeitschriften, als schwebende Wolken am Himmel. Die Energie der Hasen neckte mich, während mein Verstand sich bemühte, die Dinge zu begreifen.
Die Vorstellung, anderen Wesen Zeichen zu senden, gefiel mir. Vielleicht spielen wir ja Verstecken mit unseren vielen Teilen des Selbst. Vielleicht speichern wir unsere Geschichten in einem Kontinuum aus verschiedenen Leben, hinterlassen zu verschiedenen Zeitpunkten Erinnerungen für uns und andere, hinterlegen Spuren in verschiedenen Ländern und Kulturen?
Und könnte es nicht auch sein, dass unsere alte Freundin, die Angst, diese Schätze hütet? Sie prüft uns ständig, vergewissert sich, dass wir bereit sind, Schlosser unseres eigenen Bewusstseins zu werden, fordert uns heraus, uns zu ›reparieren‹ – uns mit all den vielen vergessenen Formen des Selbst zu ›re-paaren‹ –, den Formen des Selbst, die wir noch nicht vollständig in unser größeres Gesamtwesen entsinnt haben.
Eines Nachts träumte ich, durch ein sehr großes und ungewöhnliches Haus zu gehen. Es machte mir Spaß, die vielen Zimmer zu erkunden. Da hörte ich, dass in der Küche im ersten Stock eine Party stattfand. Als die Partygäste mich riefen und ich über die Türschwelle ging, spürte ich ein Knacken unter den Füßen. Auf dem Boden lag die lebensgroße Skulptur eines Hasen, die aus Eis geformt war. Der Hals des Hasen war zerbrochen.

Dawn und Zak
Als ich aufwachte, gaben die tieferen Bedeutungen des Traums und des Hasen mir ein unbehagliches Gefühl. Auch wenn ich nicht wusste, was der Traum mir sagen wollte, spürte ich eine erneute Welle des Widerstands.
Es war Zak, der einen anderen Weg vorschlug, wie ich der Angst ins Auge sehen könnte. Statt mir anzusehen, wovor ich mich zu fürchten glaubte, schlug er vor, ich sollte das eigentliche Gefühl der Angst beschreiben.
»Im Augenblick kann ich es im Mund fühlen, fast so, als würde ich ersticken oder müsste mich übergeben«, schilderte ich. »Es ist so, als wolle ich etwas zurückhalten und es nicht aufgeben.«
Könnte es sich womöglich um dein altes Festklammern an die Realität handeln?, fragte er auf eine Weise, die mich zum Lachen brachte – nicht nur vor Vergnügen über Zaks Gesellschaft, sondern auch über die offensichtliche Antwort auf seine Frage.
»Laut lachen hilft«, stellte ich kurz darauf fest. Zak lachte mit, wie es gute alte Hundefreunde so oft tun.
Ja, bestätigte er. Es ist eine Bewegung nach außen und nach vorne – eine Welle der sich ausdehnenden Energie. Lachen ist für dich ein Schlüssel zum Loslassen. Für andere können Tränen oder körperliche Bewegungen besser funktionieren. Es gibt viele verschiedene Wege, um loszulassen und sich zu öffnen. Für dich sind es jedoch meistens Gelächter und Humor, vor allem, wenn du gleichzeitig über dich und die Situation lachst. Spürst du, wie die alte Angst – oder das alte Du – sich umwandelt?
»Tatsächlich!«, stieß ich überrascht aus. »Es ist, als würde die innere Schwere zu etwas Leichtem werden – als wäre die Angst eine Mauer aus Stein, und als würde das Lachen sie in etwas Leichtes, Schmales und Weiches verwandeln, wie ein Leintuch, das man im Wind trocknet. Es ist, wie wenn man verfaulte Eier in sich trägt und dann eine luftige Meringue hinaus lacht!«
Ich blieb eine ganze Weile bei diesem Bild. Dann kam mir ein Gedanke: »Vielleicht hat die Eigenschaft der Angst – oder welche Überzeugung oder Meinung sich wie die Steinmauer gehalten hat – sich auch verwandelt?«
Eine gute Frage, sagte Zak. Hat sich die tatsächliche Eigenschaft verwandelt – oder deine Wahrnehmung?
»Eigentlich fühlt es sich so an, als hätte sich beides verändert.«
Genau, und das zu erkennen ist wichtig. Auf der Verstandesebene hättest du antworten können, dass alles eine Frage der Wahrnehmung ist. Und aus einem bestimmten Sichtwinkel stimmt das auch: Es ist nur die Perspektive, die ändert, wie wir die Realität sehen. Doch in Wirklichkeit – in der Wirklichkeit, in der wir uns in dieser Zeit und diesem Raum befinden – hat sich beides verwandelt. Was du festgehalten hast, war alt und schwer und wahrscheinlich verfault. Was du losgelassen hast, hat sich verwandelt, weil ›du‹ die Gestalt des ›Du‹ verändert hast. Und damit kommen wir zu einer anderen Lehre über das Shapeshifting.
Für manche ist das nicht einfach zu verstehen, weil es beim Shapeshifting auf einem Level darum geht, die Form in einer bestimmten Realität zu verändern. Doch der tatsächliche Akt der Umwandlung der Form verändert auch die eigene Realität. Daher verwandelt sich nicht nur die Form, sondern auch die Realität, wenn das geschieht.
Wir wollen uns einmal vorstellen, du würdest an der alten Realität festhalten – der Angst und Schwere der nervösen Energie. In diesem Moment würdest du die Form und die Realität auf eine bestimmte Weise festhalten. Doch indem du deine Form verwandelst – was du durch das Lachen erreicht hast –, hast du auch die Realität an sich verändert. Es ist, als wärst du durch eine Türöffnung hindurchgegangen. Für dich war der Schlüssel dazu wiederholtes Gelächter. Das hat dir die Tür geöffnet. Und so bist du in eine neue Version der Realität auf einer anderen Ebene des Seins gegangen. In ein neues Du.
Egal ob ein neues Ich oder nicht – ein Teil von mir war immer noch verwirrt. »Ich weiß nicht, wohin uns das bringt, Zak«, sagte ich nach einer Weile.
Nur dahin, dass jede Verwandlung der Form auch eine Verwandlung der Realität bewirkt. Das ist Grundwissen, selbst wenn du es vielleicht erst dann verstehen wirst, nachdem du es ein paar Mal erlebt hast. Viele Tiere sind bereit, dich in eine immer tiefere Erfahrung der Verwandlung von Formen zu begleiten. Von dort aus wirst du möglicherweise andere Realitäten kennenlernen wollen. Doch lass uns mit dem beginnen, was du schon kennst. Sei einfach offen dafür. Atme. Und vergiss nicht, in deiner Mitte zu bleiben. Wenn du das beherzigst, wird dir nichts passieren.
3
Neue Augen
Während Barney und ich unsere täglichen Gespräche fortsetzten, ermutigten er und Zak mich, mit anderen Tieren Zeit zu verbringen, ihnen Fragen zu stellen und mich in das gemeinsame Bewusstsein zu vertiefen. Es war ein Anfang, sagten sie, ein Sammeln von ersten empirischen Schlüssellöchern zu den unterschiedlichen Wegen, wie man die Welt sehen kann. Wir arbeiteten schon an dem Shapeshifting-Konzept, und Barney nutzte eine Vielzahl von Erfahrungen, um mich Dinge zu lehren und mich gleichzeitig aufzumuntern.
So machten wir weiter, bis ich krank wurde. Ich konnte nicht mehr schlafen und bekam immer wieder Fieber. Es war eine jener unwichtigeren, seltenen Krankheiten, bei der einem kein Arzt helfen kann, weil die Symptome sich dauernd ändern: Symptome an Kopf, Lunge, Nebenhöhlen, Rücken. Außerdem vermutete ich, dass mir hauptsächlich die starke Integrierung, die in mir stattfand, Unbehagen bereitete. Nach außen hin gab es nichts zu ›reparieren‹. Stattdessen brauchte ich nur langsamer zu treten, mich auszuruhen und die Verwandlung zuzulassen.
Während ich mich eines Tages auf der Couch ausruhte, machte ich für ein paar Minuten die Augen zu und spürte, dass Barney sich neben mich setzte. Als ich meine Hand auf seinen Kopf legte, tauchte ein Bild aus horizontalen Linien vor meinem geistigen Auge auf und mir kam das Wort Bandbreite. In diesem Moment bellte Barney. Es war ein einziger Beller; daraufhin schwieg er wieder. Dann bellte ein Hund draußen. Stille. Wieder bellte Barney. Eine Pause, dann bellte der Hund draußen, und so ging es weiter. Bemerkenswert daran war die Tatsache, dass beide Hunde jeweils nur einmal kurz bellten – statt dass Barney wie sonst aufgeregt ans Fenster rannte und sich mit Vierbeinern, die draußen vorbeigingen, kläffend austauschte. Noch bemerkenswerter war, dass ich gleichzeitig jeden Beller auf der Bandbreite der horizontalen Linien im Geist »sehen« konnte.

Barneys Bellen
Auf die wunderbare Weise, die ein Fieber hervorbringen kann, kam mir, dass der einzigartige Klang und die Energie eines jeden Bellers ein Portal zu einer anderen Sichtweise öffnete, wenn ich in jeden Beller hineinschlüpfen und dadurch etwas über den jeweiligen Hund erkennen könnte. Auch merkte ich, dass diese Vision eine zutreffende Metapher für Shapeshifting war.
Ganz richtig, sagte Barney. Bei einem großen Teil des Lernens aus Erfahrung über Shapeshifting geht es darum, die Geschwindigkeit zu verwandeln, um sie der ›Bandbreite‹ eines anderen anzupassen. Du konzentrierst dich zu sehr auf die von dir bevorzugte Methode der Vision und des Sehens. Um in die Haut eines anderen zu schlüpfen, braucht man ein neues Augenpaar, eine neue Methode der Wahrnehmung. Doch zuerst muss das Alte losgelassen werden. Das geht Hand in Hand mit den Veränderungen deines Körpers, wenn er alte Dinge, alte Blockaden und Muster, alte Gewohnheiten und Eigenarten loslässt. Diese müssen zuerst aus dem Weg geräumt werden, damit du die neuen übernehmen kannst.
Wenn du die überholten Dinge loslässt, wirst du von der gewohnten Wahrnehmung der Welt weniger abhängig. Um eine bewusstere Form des Sterbens – und des Shapeshiftings – zu erreichen, musst du einige Gewohnheiten deines Körpers, wie er die Welt wahrnimmt, ›verlernen‹. Es geht beim Shapeshifting darum, andere Bandbreiten, andere Dimensionen, Perspektiven und Existenzformen zu erleben.
Schlafmangel ist hierbei nützlich, da er es leichter macht, die Kontrolle aufzugeben und diese Form des Verschmelzens einfach zu spüren und zu erleben. Die ersten Erfahrungen im Shapeshifting können sich tatsächlich wie eine Art Verschmelzung anfühlen – ein allmähliches Hineinversetzen in das Wesen der Pflanze oder des Tiers, so dass du die Bandbreite dieses Wesens fühlen kannst. Das vollständigere und fortgeschrittenere Shapeshifting geht dann noch bewusster vor sich, doch Anfänger beginnen meistens damit, indem sie die Grundmuster anderer Wesen ertasten, während sie am schwingenden Kontinuum entlang springen. Hilft dir das, die richtige Perspektive zu bekommen?
Ich machte die Augen auf und lächelte. »Ja, es hilft mir. Welchen Rat gibst du mir also, wie ich das Alte loslassen und Platz für eine klarere Wahrnehmung des Neuen schaffen kann?«
Achte auf die Fußnoten des Lebens – die Symbole, Zeichen und inneren Bedeutungen, die zu dir sprechen. Sei offen für die Bandbreite der gleichen Schwingungen und erfreue dich an der Erfahrung, andere Wesensformen kennenzulernen. Natürlich sind sie alle eine Vielfalt von kreativen Ausdrücken unserer grundlegenden Einheit.
IN METAPHERN BLÄTTERN
Sein Rat klang simpel. Und er passte zu dem, was Barney mir schon so oft geraten hatte: Sei einfach offen für Erfahrungen. Doch manchmal lässt sich eine Erfahrung nicht so einfach erfahren.
Mit der Zeit ging es mir körperlich wieder besser. Aber irgendwas stimmte nicht. Die Welt schien sich verändert zu haben, verzerrt zu sein. Ich war reizbar und geistesabwesend. Es war, als würde ich mich in einem Land voller strahlender neuer Farben und Formen befinden, ohne sie wirklich wahrnehmen zu können. Wie ich ahnte, war auch das eine Art Widerstand, eine geschickte Methode, um mich gegen Erfahrung an sich zu sträuben.
Eines Morgens klagte ich Zak mein Leid. »Was soll ich tun?«, fragte ich seufzend.
Es stimmt, dass Erfahrung und Bewusstseinserweiterung hierzu notwendig sind, erklärte er. Es ist, als würdest du mit einem Fluglehrer, der dir die Wunder der Vision aus einer neuen Perspektive zeigt, in einem kleinen Flieger sitzen. Aber wenn du dir nicht die Mühe machst, in der Maschine (oder deinem Bewusstsein) fliegen zu lernen, bleibst du von dem Fluglehrer abhängig, um dich erneut in die Höhen zu schwingen.
Vielleicht brauchst du jetzt ein bisschen Zeit auf dem Boden – um dir aus einer sicheren und bodenständigen Position in deinem Inneren heraus mehr Grundkenntnisse anzueignen. Auch wenn deine Ziele experimentell sind, ist es vielleicht das Beste, wenn du klein anfängst – ein Schritt nach dem anderen.
Eine weitere Methode, in die Haut anderer Wesen zu schlüpfen, ist durch die Verringerung der wahrgenommenen Energiegrenzen. Vielleicht ist das sogar die beste Technik für den Anfang: Eine kleine Beziehung zu Tieren aufbauen, denen du begegnest. Sie zu begrüßen und anfangen, für sie offen zu werden, ohne irgendwelche Erwartungen und Forderungen. Wenn die Tiere für diesen Austausch offen sind, wirst du ihre Bereitwilligkeit spüren, und eure Energien werden sich berühren. Das entspricht einem Händeschütteln auf der Energieebene. Fang mit kleinen Erlebnissen an. Darauf kannst du dann andere Erfahrungen aufbauen.
Die Energie, die du als Gereiztheit und Überwältigung empfindest, entsteht, weil du dich mit den vielen Möglichkeiten aufhältst, statt dich auf deine innere Mitte zu konzentrieren und echte Erfahrungen zu sammeln. Das ist der Schutzmechanismus des Ichs. Am besten ist es, wenn du dir das als Erstes vornimmst: Dich der Angst des Ichs zu stellen und anzufangen, mit ihr zusammenzuarbeiten.
Das Gefühl der Angst ist Teil der Aufgaben des Ichs – um dich zu schützen. Dein Ich wird immer raffinierter in seinem Plan, dich zu ›retten‹. Ich rate dir, mit dem Ich in dieser Sache zusammenzuarbeiten und es in den Dingen, die es gerne mag, mit einzubeziehen: Verstand, Denken, Beschreiben. Dein Ich liebt das. Also füttere es eine Weile mit diesen Informationen. Vielleicht wird es dann offener dafür, mit dir zusammenzuarbeiten, wenn du anfängst, andere Formen der Wahrnehmung zu erforschen.
Das klang nach einem interessanten Plan: Statt das Ich zu unterdrücken oder auszuhungern, würde ich ihm etwas Gedankennahrung geben, mich hinsetzen und mich mit ihm unterhalten – sozusagen über Kaffee und Kuchen Freunde werden.
Zak schlug auch praktische Dinge vor, wie die einzigartigen Signaturen der Energie erkannt werden könnten, nicht nur aus den verschiedenen Chakren (den Energiezentren im Körper), sondern auch aus jedem einzelnen Chakra. Zak wies mich zum Beispiel an, mich vom Hara (der Stelle in der Bauchgegend, die etwas über dem dritten Chakra oder Willenszentrum liegt) aus zu öffnen und mich auf dieser Ebene darauf zu konzentrieren, mit ihm zu verschmelzen. Als ich mein Bewusstsein auf diese Ebene richtete, spürte ich einen raschen Energiefluss, der wie ein schimmernder runder Schlauch aussah, durch den wir miteinander verbunden waren. Diesen »Schlauch« nannten wir später das »Verbindungsportal«.
Zak bat mich, das Portal zu beschreiben. Es wirkte dunkel, doch zugleich lebendig. Er ermutigte mich dazu, mich den anderen Möglichkeiten des Portals zu öffnen, mir zu erlauben, seine verschiedenen Aspekte zu erkennen. War es immer dunkel? Oder nahm es unterschiedliche Farben und Texturen an: durchsichtig, blau, glitzernd, glatt? Wie klang es? Wie klang die Energie? Wie fühlte es sich in meinem Körper an? Wenn ich die Energie mit einbezog – indem ich ihr begegnete und mir ihrer bewusst wurde –, konnte ich mich dann auch mit ihr bewegen? Konnte ich den Fluss ihres einzigartigen Tanzes spüren? Dehnte sie sich aus? Wurde sie breiter? Stärker? Während ich das tat und es mir Spaß machte, in verschiedene Farbtöne, Muster und Bewegungen einzutauchen, erinnerte Zak mich daran, dass das eine metaphorische Interpretation von Energie war. Andere würden sie vielleicht auf verschiedene Weisen erleben, und wir alle erleben die Energie unserer Chakren zu verschiedenen Zeiten, je nach Situation, unterschiedlich (und auch, wie die Energie sich anfühlt, wenn sie auf die Energie anderer trifft).
Blättere in deinen Metaphern, riet Zak mir. Fange an, die Energie auf so viele verschiedene Weisen zu sehen, zu fühlen und kennenzulernen. Wenn du in einer Metapher stecken bleibst, bleibst du in der Form stecken. Das ist, was wir versuchen, zu verlernen. Fahre damit fort, das mit jedem Wesen zu üben, das für einen solchen Austausch offen ist. Diese Übung dient dazu, sich mit dem Gefühl von Energie vertraut zu machen, deine Fähigkeiten zu entwickeln und mehr darüber zu lernen. Lasse dich von der Energie führen.
DEN WEG BESCHREITEN
Und so kam es, dass ich anfing, ein Muster darin zu erkennen, wie verschiedene Teile des Wissens durch Erfahrungen zum Tragen kommen und miteinander verbunden sind. Tiefsinniges Lernen ist nur selten eine logische 1-2-3-Übung. Stattdessen ist es eine Infusion des Bewusstseins, während tiefere Aspekte des Selbst an die Oberfläche aufsteigen und oberflächliche Aspekte des Selbst in die Tiefe hinabsinken. Welten prallen aufeinander, wenn unterschiedliche Schichten der Wahrnehmung und Einsichten aufeinandertreffen und miteinander verschmelzen. Es ist ein Erdbeben sich ändernder Wahrnehmungen, eine Kollision des Bewusstseins – die frühe Prägung eines ganz anderen Wesens als das, das wir einmal waren.
Während ich anderen Tieren begegnete und mit ihnen verschmolz, lernte ich auch eine Katze namens Queen kennen, die sich gerade bewusst aufs Sterben vorbereitete. Sie hatte viel Energie und tiefe Einsichten. In einem meiner morgendlichen Gespräche mit Barney erzählte ich ihm von Queens Erfahrungen »auf dem Sterbeweg«. Queen zeigte ihn mir in Form eines richtigen Pfads durch grünes Laub, hohe Bäume und dichte Hecken hindurch. Ich spürte, dass dies der Ort war, den sie während ihrer vielen Nickerchen tagsüber aufsuchte. Ich spürte ihre Pfoten auf dem Erdboden, die warmen Sonnenstrahlen auf ihrem Fell, den Geruch der schweren lehmigen Erde, der Pflanzen, der Luft.
Wie Queen mir erklärte, ging sie Schritt für Schritt diesen Weg entlang, um dem Tod zu begegnen. Wie ich es verstand, ging sie immer nur ein Stück des Weges und kehrte dann wieder in ihren Körper zurück, um die »Begegnung« jeweils auf eine körperlich bewusstere Weise zu verarbeiten. Später ging sie den Weg eine kleine Strecke weiter und kam dann zurück, um die Erfahrung körperlich aufzunehmen. Queen sagte mir, sie habe in der Vergangenheit Angst vor dem Tod gehabt. Nun wandte sie diese Methode des Sterbepfads an, um daran zu reifen.
Es gibt heutzutage viele Wesen, die auf eine bewusstere Weise mit dem Tod umgehen, bemerkte Barney. Natürlich ist in dem, was du als ›Vergangenheit‹ ansiehst, schon jeder bewusst mit dem Tod umgegangen. Und dieser Kreis des Bewusstwerdens kommt nun wieder.
Queens Arbeit am Bewusstsein des Übergangs vom ›Leben‹ zum ›Tod‹ ist eine meditative Übung, die man nachmachen kann, egal ob man dem Tod nahe ist oder nicht. Erinnerst du dich noch daran, als ich einmal von den vielen Seitenwegen auf der Straße zum Tod sprach?
»Ja, als Queen den Pfad erwähnte, fiel mir deine Metapher wieder ein.«
In Wahrheit gibt es viele Stellen oder Gelegenheiten im Leben, bei denen der Tod eintreten könnte. In manchen Leben gibt es mehr als in anderen. Und genauso gibt es andere Stellen, an denen sich andere Chancen auftun. Wenn du dir die Landkarte der Möglichkeiten in deinem Leben ansehen könntest, würdest du erkennen, dass manche Orte ein Stopp darstellen, während andere einen Ausflug bieten – eine Erfahrung, die du vielleicht mitnimmst, vielleicht auch nicht. Das ist aber nur eine Dimension der Landkarte. Eine andere Dimension zeigt, dass es für jede Straße auch eine Alternativstrecke – oder sogar mehrere Alternativen – gibt. Einige von ihnen bieten Todeserlebnisse oder Abenteuer, bei denen man aus seinem Körper schlüpft; das sind Shapeshifting und andere Arten des so genannten übersinnlichen Bewusstseins.
Das meditative Todeserlebnis ist ein Nebenausflug, den man jederzeit unternehmen kann. In diesem Sinne ist er ›zeitlos‹, da er auf der inneren Landkarte als eine Lernoption eingezeichnet ist. Wie Queen dir erklärt hat, bietet er eine visionäre Reise, die einem den bewussten Übergang vom irdischen Körper in einen anderen spirituellen Körper näherbringen kann.
Die Landschaft hängt davon ab, wie man die Welt sieht. Viele Wesen suchen sich einen Waldweg aus – vor allem viele kleine Tiere, weil wir uns im Wald wohl fühlen. Andere nehmen das Gebirge oder die Wüste oder ein außerkörperliches Abenteuer – alles, was für die Seele als Muster, wie du den Tod wahrnimmst, passt.
Für diejenigen, die an der bewussten Akzeptanz des Todes arbeiten und vor allem an einem bewussten Übergang, ist diese Übung sehr hilfreich. Man beginnt seine Reise einfach vorzeitig und macht sich mit der Landschaft und den Wegzeigern auf seinem Pfad zum Tod vertraut. Man kann nur so weit und nicht weiter gehen, obwohl die meisten feststellen, dass es eine ganz schön lange Strecke ist und dass sich unterwegs viel lernen lässt.
Ich empfehle diese Übung auch den Leuten, die Interesse daran haben, etwas über das Shapeshifting zu lernen. Denn das Shapeshifting bedarf eines gewissen Neuerlernens des Körpers und vieler kleiner Tode. Du wirst viel über deine innere Landkarte erfahren und dir bestimmter Fähigkeiten bewusst werden, die für dich wertvoll sind – vor allem beim Shapeshifting.
DER ÜBERGANG
Heute fangen wir an, indem wir ein paar Lücken füllen, begann Barney ein paar Tage später. Mir wurde schlagartig klar, dass wir uns nicht hier und da ein bisschen in Fetzen und Bruchstücken unterhielten, sondern in Wirklichkeit ein langes, vielschichtiges Gespräch führten. Dieses Phänomen erlebte ich nicht nur mit Barney, sondern auch mit vielen anderen Tieren und Wesen. Kurz gesagt: Ich wurde mir einer tieferen Kontinuität bewusst, die nicht von der Zeit abhing, wie wir sie kennen. Man kann es eine wachsende Vertrautheit nennen, die einen zeitlosen Bewusstseinsstrom anzapft, in dem man kommen und gehen kann und dieselbe Unterhaltung immer wieder aufnehmen kann, als wäre dazwischen keine Zeit vergangen.
Wir wollen uns erst einmal die Vorstellung der Wiedergeburt ansehen, schlug Barney vor. Sie ist im weiteren Sinne eine Form des Shapeshiftings. Aus dieser Sicht wird die Verbindung zwischen den physischen Gestalten durch das spirituelle Bewusstsein hergestellt – was eine andere Vibrationsebene als die des Alltagsbewusstseins ist. Wir können sie daher Seele oder Atman oder sogar Buddha-Wesen nennen, auch wenn jeder dieser Begriffe das Konzept auf eine etwas andere Weise umschreibt.
Lass uns dieses seelische Bewusstsein die Essenz nennen. Sämtliche Essenzen sind eine, auch wenn sich die Art und Weise, wie jede Essenz die Realität auf langsameren Vibrationsebenen erfährt und erlebt, voneinander unterscheidet. Wenn man das im Sinne der Dualität erklärt, verschieben wir die Bedeutung natürlich schon – ein weiterer Grund, warum eigene Erfahrungen in dieser Beziehung weitaus einprägsamer sind.
Nach dem Tod ›wacht‹ eine individuelle Essenz (ein bisschen) in einer anderen Realitätsform ›auf‹ und ›erinnert sich‹ (bis zu einem gewissen Grad) an seine anderen Gestaltmöglichkeiten. Manche glauben, der Tod sei das absolute Erwachen, als wäre einem dann alles, was ist, auf einen Schlag bewusst. Nach meinen Erfahrungen ist das nicht der Fall. Es ist eher so, als würde jede Essenz gemäß ihrer eigenen Bewusstseinsebene ›aufwachen‹. Es stimmt zwar, dass der formlose Zustand es einem Wesen generell ermöglicht, schneller zu lernen, da es dann schon den Vorteil genießt, die Essenz zu sehen/spüren/sein, und nicht mehr so in den Illusionen der Gestalt gefangen ist. Doch diese Illusionen bleiben bestehen.
Viele Essenzen bevorzugen, sich in Form eines leichten Körpers auszudrücken. In gewissem Maße ist das auch nützlich, da die Essenz sich im irdischen Körper wohl fühlt und sich einen neuen sucht, doch das hat auch mit Eitelkeit zu tun, da eine Gestalt nicht wirklich notwendig ist. Man kann sich genauso gut als Licht oder Klang oder eine andere energetische Vibration fortbewegen. Es ist viel einfacher, die Form auf dieser Ebene zu verändern, aber sicher überrascht es dich, zu erfahren, dass diese Ebene nicht besonders häufig gewählt wird – dass die Essenz so oft bevorzugt, seine frühere Gestalt nachzuahmen. Man kann sagen, dass alte Gewohnheiten der irdischen Form sich nur schwer ablegen lassen.
Nach einer Phase des Lernens, des Lösens alter Bindungen, des Loslassens dessen, was losgelassen werden kann, und so weiter fängt man vielleicht damit an, ein neues Leben zu planen und sich daher nach einer neuen Gestalt umzusehen. Was ist die beste (physische) Form, in der man wieder in die physikalische Welt eintauchen kann? Es stehen viele Formen zur Auswahl, die jedoch von der eigenen Bewusstseinsebene abhängen. Manche bevorzugen es, nicht über den Tellerrand des eigenen ›Stammes‹ zu schauen. Andere werden richtig kreativ.
Letztendlich hat die eigene Wahl der Form einen direkten Bezug zur eigenen Wahl dessen, was man lehren und lernen will. Oft besteht eine Dualnatur des Bewusstseins, das inkarniert, da die Erde ein Planet voller Dualität ist, und so geht ein Teil auf die Erde, um zu lehren, und der andere, um zu lernen. Häufig arbeiten beide Teile zusammen, und diese Schnittstelle vom einen zum anderen ist ein hochinteressanter Raum, in dem man den direkten Zugang zur multidimensionalen spirituellen Welt bekommt. An dieser Stelle spürt man seine eigene Essenz. An dieser Stelle kann das physikalische Shapeshifting erfolgen und Wunder werden möglich.
Barney machte eine Pause. Hast du eine Frage hierzu?
»Nur eine?«, dachte ich verwundert. »Willst du damit sagen, dass man nur an der Schnittstelle, an der Lehren und Lernen ineinander übergehen, Zugang dazu hat? Oder ist der Zugang auch an allen anderen Punkten, an denen man zwei Dinge gleichzeitig tut, möglich?«
Der Schlüssel dazu ist der Wille. Wenn du zum Beispiel telefonierst und gleichzeitig am Computer arbeitest, dann hast du nicht die Willenskraft, von der ich spreche. In gewisser Weise verausgabst du dich dann nur zum Teil am Telefon und zum anderen Teil am Computer. Aber du bist dir keiner tieferen Bezüge bewusst.
Was ich meine, wenn ich von dieser Kreuzung des Lehrens und Lernens spreche, ist ein Zustand, in dem du dir darüber bewusst bist, dass du anderen dienst und sie gleichzeitig dir dienen. Oft ist das der Anfang, an dem man beginnt, sich der vielseitigen Natur der Inkarnation bewusst zu öffnen. Es ist, als wäre man sich der Essenz bewusst, die durch einen selbst kommuniziert, sowie der Essenz, die mit einem selbst kommuniziert. Aus einer allgemeineren Perspektive bist es natürlich immer du, die mit dir kommuniziert, auch wenn das auf der physikalischen Ebene schwer zu erkennen ist. Verstehst du, was ich meine?
»Na ja, vielleicht geschieht das ja gerade jetzt. Während ich mich auf das konzentriere, was wir hier tun, bin ich mir einer tieferen Kraft bewusst, die durch mich kommuniziert – und ich bin mir auch eines Teils von mir bewusst, der zuhört, genauso wie ich deinen Worten zuhöre und sie in den Computer eingebe.«
Genauso ist es. Es ist eine Schnittstelle, an der du dir der Schnittstelle bewusst bist. Du bist dir für einen Augenblick nicht nur deiner selbst bewusst, sondern auch meiner und der tieferen Kraft oder Energie oder Essenz, die durch uns beide fließt. Wenn du daran festhältst – wenn du dich da hinein sinken lässt – wirst du diese Energie des ›du‹ und ›ich‹ und der ›tieferen Kraft‹ nicht getrennt, sondern als eine ständig fließende Bewegung wahrnehmen. Indem du diesen Bewegungsfluss spürst, öffnest du dich der Verbindung unserer Kommunikation. Und noch mehr: Du wirst es. Dann fängst du an, dich als diese Bewegung zu fühlen; du lernst dich als Teil des Flusses kennen und du wirst der Fluss – der natürlich nichts anderes als du selbst ist!
Langsam tat mir der Kopf weh.
Es ist oft leichter, das mit Tieren zu machen, da wir uns dieser essenziellen Verbindung bewusster sind. Doch es ist eine Herausforderung, es mit Wesen deiner eigenen Spezies zu tun. Aus diesem Grund ist ›Form‹ nichts als eine menschliche Illusion. Sieh dir eure Gesellschaft an und schau, wie ihr die Form zu einer so wichtigen Illusion aufgebaut habt: Wie ihr ausseht, in was für Häusern ihr lebt, wie viel Geld ihr verdient, was ihr beruflich macht und so weiter und weiter – jedes kleine Detail wird so unglaublich wichtig … So viel Energie steckt in diesen illusionären Formen!
»Es klingt so, als würdest du dich darüber lustig machen, Barney«, sagte ich.
Auf eine gute Art schon. Denn der Fokus auf Illusion kann auch kreativ sein. Ich habe schon ein paar Leben als Mensch hinter mir, auch wenn meistens in einem Naturvolk, in dem die Form nicht so wichtig ist. Aber glaube ja nicht, den Naturstämmen wäre Form gleichgültig! Sie verwenden sie nur auf andere Weise. Daher kenne ich die Anziehungskraft der Form und weiß, wie sie einen so ablenken kann, dass man durch sie von Wissen abgehalten wird und davon, die tieferen Schätze zu bergen.
Warum glaubst du wohl, sind alle Schätze vergraben oder versteckt? Sie sollen einen daran erinnern, tief zu graben, den Schlüssel zu finden. Sieh dir die alten Märchen und Mythen an, wenn du erfahren willst, wie man auf Schatzsuche geht. Der Schatz ist immer ein Symbol des Reichtums – und das ist wieder einmal die Kraft der illusionären Form! Wahrer Reichtum hat mehr mit Bezügen zu tun als damit, allein in einem Raum voller Gold zu sitzen. Sogar Geld funktioniert so: Es hat nur den Tauschwert, auch wenn viele Menschen es für sich selbst behalten wollen und es horten. Und warum? Wieder einmal aus Angst! Aus Angst vor dem Tod, aus Angst, die Form loszulassen – obwohl man in Wahrheit nur lernen und wachsen und Freude erfahren kann, wenn man die Form loslässt, viele Formen erlebt und die Freude, Schönheit und den Spaß an der Form genießt, bis sie einem schließlich über wird und man auf eine andere Weise mit der Form spielt – mit der Nichtform spielt –, aber das ist ein anderes Thema.
Und mit diesen Worten schickte Barney mich weg, um wieder einmal der großen Lehrerin – der Erfahrung – zu begegnen.
4
Endlose Varianten und grenzenlose Perspektiven
Während ich mich mit dem Gedanken der Schnittstelle und allem, was damit verbunden war, beschäftigte, hatte ich eine Reihe von Erlebnissen, die heftig und kurz hintereinander passierten.
Als ich einmal in einem Schlauchboot saß und eine schmale Buchteinfahrt hinunterfuhr, entspannte ich mich und wurde in einen sehr ruhigen Zustand versetzt. Zum Glück steuerte ich das Boot nicht selbst, sondern fuhr nur mit. Über uns erstreckte sich ein strahlend blauer Himmel, und hauchzarte Wolkenschleier hüllten die Berge in der Ferne ein. Die Sonne glitzerte auf der gekräuselten Wasseroberfläche, die in silbernen Streifen an den dunklen, schlammigen Strand spülte. Es war ein herrlicher Tag, und ich erfreute mich an den wilden, flatternden Tänzen der Vögel – den Adlern, die sich in die Lüfte schwangen, den Möwen, die Sturzflüge veranstalteten, und den Kranichen mit den langen Beinen, die grazil übers Wasser segelten.
Schwindlig von der Sonne und dem Wind, den Seevögeln und dem Himmel erweiterten sich die Grenzen meines Selbst und verschwammen. Als ein großer Entenschwarm in der Nähe aufstob, fühlte ich, wie ich mich mit ihnen erhob und mich auf einem dichten, doch elastischen und sich ständig verändernden Vibrationsfeld niederließ. Da war ich nun: inmitten des größeren Körpers dieses Vogelschwarms – eines Körpers, der nicht aus Fleisch und Federn bestand, sondern aus einem Bewusstsein, das uns miteinander verband. Es war etwas völlig Neues für mich, doch in diesem Augenblick nahm ich es einfach nur wahr, genoss das ungewohnte Gefühl, von diesem Feld eingehüllt und durchdrungen zu werden. Es war ein Bewusstsein, in dem der Wind und die Federn, die Luft und der Flug sich vermischten. Einen Moment lang spürte ich mich nicht nur als Teil des Entenschwarms, sondern als er selbst, so als hätte ich einen direkten Zugang zum »Wissen« der Enten. Ich war mir gleichzeitig des Einzelnen und der Gruppe bewusst, spürte den Fluss, ritt auf dem Strom – erkannte ihn – die Gedanken des Entenschwarms. Und in diesem glasklaren und überwältigenden Augenblick verstand ich zum ersten Mal, wie jede Ente sich selbst aussuchen konnte, ob sie sich in diesen größeren Körper einklinken wollte oder nicht – eine Entscheidung, die eindeutig über die Grenzen des Instinkts hinausging.
Ohne Vorwarnung kehrte ich wieder zurück. Langsam wurde diese Erfahrung vertrauter – diese unvorhersehbare und noch ungeschickte Weise, andere Formen des Bewusstseins aufzusuchen. Für einen Moment hatte ich mich bei vollem Bewusstsein mitten im Wissen der Vögel befunden. Trotzdem war dieses Verschmelzen für mich immer noch eine Sache, bei der ich hinein- und wieder hinausschlüpfte – weg vom »Ich« und über seine Grenzen hinaus und wieder zurück, wobei ich die Informationen mitbrachte, um sie in und durch meine eigene Denkweise zu übersetzen. Es erinnerte mich an Queens Sterbeweg, auch wenn es sich hier eher um einen Weg durchs Leben handelte.
An diesem Abend fragte ich zu Hause Barney danach, was es mit dem Wort shift (bewegen, verlagern) in Shapeshifting auf sich hat. Mir war zwar klar, dass es darum ging, eine Vielzahl von Perspektiven auszuprobieren, um andere Versionen der Welt zu erleben, doch wie weit – oder tief – lässt sich tatsächlich in das Bewusstsein eines anderen Wesens eindringen, um es zu erfahren? Und wo genau ist diese Schnittstelle, an der sich die verschiedenen Perspektiven treffen und miteinander verschmelzen?
Perspektive ist eine Kombination aus unserer eigenen Software – das heißt, unserer einzigartigen Sinne wie Sehen, Fühlen, Schmecken und so weiter sowie unserer Denkweise, wie wir die Welt wahrnehmen und interpretieren – und der Existenz der Natur, so wie sie ist und wie sie wahrgenommen wird, antwortete Barney nüchtern wie ein Wissenschaftler. Das enthält zwar viele Schattierungen, aber grundsätzlich darf man nicht vergessen, dass die menschliche Wahrnehmung der Natur sich von der eines Tieres sehr unterscheidet. In mancher Beziehung kann es jedoch Übereinstimmungen geben – einen Treffpunkt der Erfahrungen, die du in deiner Welt machst, und der Erfahrungen, die ein Tier in seiner Erlebniswelt macht – ich zum Beispiel.
Ich will damit sagen, dass zahlreiche Versionen der Natur gleichzeitig existieren. Manche gibt es für mich nicht so, wie es sie für dich gibt, und umgekehrt. Das wirst du noch deutlicher merken, wenn du anfängst, mit anderen Wesen zusammenzuarbeiten, und die Dinge aus ihrer Sicht siehst. Vergiss jedoch niemals, dich zu vertiefen und zu zentrieren. Das kannst du jederzeit tun, in jedem Augenblick.
Es sollte zu einer Art von Mandat werden, denn in den darauf folgenden Tagen nahmen meine Gespräche mit Tieren eine Qualität an, die deutlich verschiedene Perspektiven aufwies. Fetzen von Visionen aus der Sicht der Tiere verwoben sich mit Erinnerungen und Bildern, die aus meinem eigenen Repertoire hochstiegen; ich begann, die Übersetzung meiner Worte zu fühlen, die mit ihren Gedanken, Gefühlen und Wahrnehmungen getränkt war. Und es geschah noch mehr – der Treffpunkt des Bewusstseins war nicht nur die telepathische Verbindung, an die ich bei der Kontaktaufnahme mit Tieren gewöhnt war, sondern etwas Tieferes, etwas, was viel mehr mit einer Beziehung zu tun hatte. Die ersten Adern der Schnittstelle drangen durch mein Bewusstsein.
Auch war es amüsant, den tiefer liegenden Fokus des Shapeshiftings im Kern der Gespräche zu entdecken, unabhängig davon, ob ich es erwähnte oder nicht. Irgendwie ergab das einen Sinn für mich, denn sobald man sich auf einer tieferen Ebene befindet, muss nichts mehr »gesagt« werden, da die Gedanken zu Wellen werden und unsere Neugier und Fragen wie kleine bunte Flöße auf dem Meer des geteilten Bewusstseins tanzen.
Die folgenden drei Unterhaltungen ereigneten sich an mehreren Tagen hintereinander. Sie flogen mir morgens zu, während ich am Schreibtisch vor meinem PC saß. Ich fragte nicht, mit wem ich die Ehre hatte. Stattdessen öffnete ich nur mein Bewusstsein und der geheimnisvolle Besucher war da. Wie ich später feststellte, offenbarten diese Gesprächserlebnisse nicht nur drei verschiedene Weltsichten – drei verschiedene Arten, die eigene Position beim Shapeshiften zu verlagern –, sondern auch wesentliche Lernerfahrungen, die mir helfen sollten, eine weitere Sicht des Seins zu erreichen.
DIE PERSPEKTIVEN DER PINGUINE
Wir sind der Geist der Pinguine, begann die Stimme, die die Gruppe vertrat, und schmückte die Worte mit den Schwarzweißschattierungen der Pinguine, wenn sie sich bewegen. Wir zeigen dir Bilder von Pinguinen, die vom Land ins offene Meer springen. Und wir werden dir zeigen, wie wir ganz schnell durch die Gewässer reisen – was für uns eine Art von Fliegen bedeutet.
Diese Bilder haben mit Transformationen und der Fähigkeit aller Wesen zu tun, mit ihrer Umgebung zu verschmelzen, eine Seinsform anzunehmen, die mit dem übereinstimmt, wer sie sind und was sie erreichen wollen. Wir zeigen, wie wir durch das Wasser fliegen, als Metapher für die Verwandlung in eine andere Wesensform, um aus einer anderen Perspektive zu sehen und durch die Verlagerung der Sichtweise flexibler zu werden. Um sich nicht in einer Perspektive zu verlieren, sondern aus diesem Sichtwinkel zu sehen und die Vision in die eigene zu integrieren. Wir wollen auf diese Weise über Shapeshifting oder die Kunst der Transformation kommunizieren.
Wir sprechen an dieser Stelle für die Meeressäugetiere und Seevögel des Südens, da wir uns alle auf einen gemeinsamen Fokus verlagert haben. Die Erdpole sind verbogen, und viele Tiere haben die Gelegenheit ergriffen, mithilfe ihres Körpers und Bewusstseins die Magnete zu verlagern (und mehr darüber zu lernen). Wir sprechen von einem Gittermuster, das verschoben ist. Es muss eine neue Ausrichtung erfolgen, und diese Tiere arbeiten daran, beide Versionen klarer zu machen.
»Meinst du zwei Erden?« Ich fragte mich, ob das mit der Vorstellung mancher Menschen zu tun hatte, die davon ausgehen, dass zwei oder mehrere Versionen der Erde zum selben Zeitpunkt bestehen.
Genau das meinen wir, sagte das Pinguinvolk. Wir sehen, dass aus der Erde zwei werden, oder dass sie sich auf eine Weise manifestiert, in der unterschiedliche Aspekte der Erde für eine kurze Phase der menschlichen Zeitrechnung bewusst werden. Ihr werdet selbst entscheiden können, welche Vibrationsebene der Erde / des Bewusstseins ihr wählt. Diese Verlagerung wird mit verschiedenen astronomischen Vorgängen und bestimmten Experimenten unter der Erde sowie dem Wachstum des Bewusstseins derer, die auf diesem Planeten leben, zeitlich übereinstimmen (oder von ihnen unterstützt werden). Kurz gesagt: Die Erde und all ihre Bewohner befinden sich in dem Prozess, ihr Bewusstsein weiterzuentwickeln. Wir wissen, dass das für dich und viele andere nichts Neues ist, doch wir wollen uns nun auf dieses wachsende Bewusstsein konzentrieren.
Um zum Bildnis der Pinguine zurückzukehren, die durchs Wasser fliegen: Das ist die Metapher dafür, wie das Leben für viele irdische Bewohner aussehen wird. Es wird darum gehen, zu lernen, wie sie in ›neuen Gewässern‹ leben, arbeiten und existieren können (obwohl wir damit nicht wirklich Wasser meinen). Sie werden lernen, sich an neue Situationen anzupassen, während sie das Land, die Eisberge ihrer Heimat, im Blick behalten. Für einen gewissen Zeitraum wird es eine Bewegung vor und zurück geben. Tiere, die in zwei Habitaten (Land und Wasser, Luft und Wasser oder Luft und Land) gleichzeitig leben, werden dabei eine große Hilfe sein – entweder, um die Menschen anzuleiten, oder als Tiere, die man beobachten und von denen man lernen kann.
Über den Bezug der Dualität zur Einheit lässt sich noch viel erforschen und erklären. Dualität stellt kein Problem dar, wenn man versucht, die Einheit zu erreichen, denn Dualität ist das Tor zur Einheit. Wir Pinguine leben im Wasser und ›an Land‹ (auf dem Eis). Das eine ist nicht besser als das andere. Wir haben gelernt, beides als Teile des Kontinuums des Einsseins anzusehen. Das ist ein physisches Beispiel dafür, auf welche Weise beide das Tor dazu sind, wie man in den Fluss des Einen kommt und in diesem Fluss bleibt.
Wir raten dir, dies im täglichen Leben auf den tieferen Schichten zu sehen – und zu fühlen. Es wird dir beim Shapeshifting helfen, wenn du das Einssein in allem wahrnimmst, vor allem, wenn du versuchst, ein anderes Wesen zu werden oder dich mit ihm zu bewegen.
Versuche, dich mit einer Vielzahl an Perspektiven vertrauter zu machen. Das ist die Aufgabe, die wir dir heute mit auf den Weg geben: Aus der Sicht anderer – Menschen und Tiere – zu sehen. Wenn du auf diese Weise für das Lernen offen wirst, wirst du noch viel mehr erfahren, als wir dir in einem einfachen Gespräch vermitteln können.
DIE EIGENSTÄNDIGE WEISHEIT
Mir war tatsächlich, als würde ich die Perspektive der Pinguine und die tiefe Einsicht, die sie mir anboten, klar erkennen. Und so verspürte ich das wachsende Verlangen, ihnen lieber zuzuhören, als Fragen zu stellen, lieber zu fühlen, als zu bewerten, einfach nur bewusst wahrzunehmen und zu sehen, was mir offenbart würde. Daher geschah es, dass wir am nächsten Morgen wieder ins Wasser sprangen.
Wir sind die Seelen der Fische an Land, fingen sie an. Damit meinen wir die Fische, die in Seen und Flüssen schwimmen. Unsere Spezies ist mit unseren Brüdern und Schwestern im Ozean verwandt, auch wenn wir unsere Erinnerungen ans Meer auf eine andere Weise bewahren. Für unsere Beziehungen zu Mensch und Tier an Land nutzen wir auch eine andere Vibration.
Wir sind heute kurz erschienen, um dich daran zu erinnern, dass ihr Zugang zum Gedächtnis unserer Anfänge im Wasser bekommt, wenn ihr Fisch esst. Die Oberfläche der Erde bestand zum größten Teil aus Wasser, und wir sind alle dem Meer entsprungen. Unsere Tierart liefert euch nicht nur Nahrung, sondern auch Erinnerungen. Manche unserer Spezies sterben, um euch bewusst zu machen, dass das, was ihr esst, einen direkten Bezug zu euch hat. Wenn ihr die Gewässer vergiftet, dann vergiftet ihr euch buchstäblich selbst. Andere Spezies bieten euch wiederum bestimmte Erinnerungen an ein gemeinsames Verständnis und Erwachen.
Unsere Spezies ist durch den Austausch von Wissen und Nahrung mit euch Menschen und Tieren verbunden. Wenn ihr uns esst, macht ihr uns zu einem Teil von euch (und andersherum betrachtet, macht ihr euch auch zu einem Teil von uns), und ein Teil unseres Wissens und unserer Wahrheit wird in euch wach. Wir meinen das nicht nur metaphorisch (auch wenn es diese Ebene ebenfalls gibt), sondern auch körperlich – biologisch und physiologisch.
Wenn ihr Fisch esst, teilt ihr unsere Weisheit und unser Wissen. Achtet darauf, wie ihr uns aus dem Wasser holt, wie ihr uns zubereitet und mit welcher Absicht ihr an uns teilnehmt. Je tiefer ihr euch mit der Vorstellung der Verbindung auseinandersetzt, umso deutlicher werdet ihr die großen Kreise und Entwürfe innerhalb des Lebensnetzes erkennen.
Wir zeigen euch nun zum Beispiel unsere Schuppen. In eurer Sprache benutzt ihr sie als eine Metapher: ›Wie Schuppen von den Augen fallen.‹ Schuppen sind eine Art Schutzmantel, eine Abdeckung – unsere ›Haut‹, obwohl Schuppen auch eurer impressionistischen Punktmalerei ähneln, bei denen jeder Punkt oder jede Schuppe ein Teil des Ganzen ausmacht. Bei Fischen geht es mehr um eigenständige Weisheit und Wissen – und vor allem darum, wie dieses Wissen den Menschen zugetragen wird –, als euch bisher bewusst war.
Das heißt, es geht uns nicht nur darum, uns mit Menschen zu verbinden, sondern auch, unsere wichtige Rolle im Netz des Lebens umzusetzen, vor allem in Bezug auf den Austausch – zum Beispiel durch Essen. Manchmal nehmen wir andere Fische oder auch Pflanzen oder andere Lebensformen zu uns, und wir wissen, dass andere uns verzehren werden. Manche Menschen verwenden den Ausdruck ›kalt wie ein Fisch‹ und meinen damit Emotionen. Erkennst du, dass das eure eigene Projektion ist – der Widerstand gegen die Tiefe unseres Lebensverständnisses, das ihr euch als ganz anders als euer eigenes vorstellt?
Wir sind bereit, den Menschen dabei zu helfen, mehr über Zwischenbeziehungen zu erfahren, und vielleicht gibt es auch Dinge, die ihr mit uns teilen wollt. Es mögen Dinge sein, die ihr nicht als Lehren anseht, aber schon allein das Teilen von Informationen bringt oft interessante Bezüge, neue Vorstellungen und dadurch andere Wege des kreativen Ausdrucks hervor – vom Persönlichen bis hin zum Evolutionären.
Als die Gruppe der Fische sich verabschiedete, spürte ich einen sanften Anstoß, die abschließende Einladung, meine »Unterwasseraugen« zu öffnen. Auch wenn ich nicht sicher war, was das zu bedeuten hatte, folgte ich der Aufforderung und machte bei geschlossenen Augen meine Unterwasseraugen auf. Sobald ich das tat, erblickte ich eine überraschende Vielfalt an Fischen. Alle möglichen Fische schwammen umher, und ihre Augen leuchteten, meist mit einer tiefschwarzen Pupille und einem vollkommen runden Ring aus Farbe drum herum. Manche Augen waren klein und leuchteten dunkel, andere waren flach und schimmerten, wiederum andere quollen rund hervor, hatten einen Goldrand oder waren mit einer milchigen silbernen Schicht bedeckt, in der sich das Licht von oben spiegelte. Alle Augen standen weit offen, ohne zu blinzeln.
Ich lachte voller Bewunderung für das Fischvolk, für seine gutmütige Ermutigung und Bestätigung. Und ich fragte mich, wie es weitergehen würde.
URALTE WEGE
Am nächsten Tag bekam ich die Antwort. Wieder einmal schloss ich die Augen, um die Verbindung zu vertiefen, und spürte ein leichtes Gefühl des Fliegens. Wie ich später feststellte, war es nicht nur ein Schweben durch die Luft, sondern auch durch die Zeit.
Heute kommen wir aus der Luft zu dir: Vögel mit breiten weißen Flügeln. Wir sind in deiner Zeit nicht besonders bekannt, denn wir kommen aus einer uralten Welt. Wir möchten über die Wiederauferstehung des Herzens der Welt sprechen. In gewisser Weise ist es das Öffnen der Vergangenheit, um besser auf die Zukunft vorbereitet zu sein. Lass uns das näher erklären.
Bei unserer Tierart geht es darum, sich hinaufzuschwingen und die Flügel zu öffnen, alte Muster aufzugeben, um für das Herausfiltern neuer Muster offen zu sein. Unsere Energie setzt sich in dieser Zeit der Veränderung auf der Erde ab. Wir schweben übers Land und bieten unser Wissen an – denen, die für unsere ›neu-alte‹ Perspektive offen sind und davon erfüllt sein wollen. Unsere Energie ist leicht und kaum sichtbar, wie Feenstaub, der herum flirrt und sich auf alles setzt, alles in einen Schleier aus weißem Licht einhüllt. Unsere Energie lässt sich leicht auflösen und durch Haut und Haare aufnehmen. Versteht, dass es sich um eine sehr feine, doch physikalische Substanz handelt, die vom Himmel fällt (von unseren Flügeln und Wesen) und die daraufhin von euren Wesen absorbiert werden kann. Sie ist wie der spirituelle Staub der Nachtfalter. Und gleichzeitig geht es um Weisheit und Ewigkeit.
Ich wusste nur zu gut, worauf sich die Vögel der weiten weißen Flügel bezogen, denn ihre Botschaft brachte eine vielschichtige Sammlung an Bildern, Vorstellungen und Eindrücken mit sich. Mit dem »Schleier aus weißem Licht« meinten sie eine Art von ätherischem Schnee – etwas, das sichtbar und zugleich unsichtbar ist, abhängig von der jeweiligen Perspektive. Der »spirituelle Staub der Nachtfalter« bezog sich auf einen Nachtfalter, der mehrere Tage lang vor dem Fenster meines Arbeitszimmers aufgetaucht war, während ich an meinem ersten Buch schrieb. Der Nachtfalter hatte mir einen Augenblick der Synchronizität geschenkt. Währenddessen holte ich eine alte Ausgabe von Carlos Castanedas Der Ring der Kraft aus dem Bücherregal und betrachtete die Zeichnung eines großen Nachtfalters, der von seinem eigenen schimmernden Lichtkörper umhüllt war. Danach klappte ich das Buch genau auf der Seite auf, auf der Juan Carlos sagt, dass es an der Zeit sei, über Nachtfalter zu reden. »Die Nachtfalter sind Boten oder gar Hüter der Ewigkeit«, sagt Juan zu Carlos. »Die Nachtfalter tragen auf ihren Flügeln Staub … dieser Staub ist der Staub des Wissens.« Als Carlos fragt, was Wissen mit Staub auf den Flügeln von Nachtfaltern zu tun hat, erklärt Juan: »Wissen fliegt wie Goldstaub herbei, derselbe Staub, der die Flügel von Nachtfaltern bedeckt.« – »Aber wie kann der Staub auf ihren Flügeln Wissen sein?«, fragt Carlos. »Das wirst du schon noch sehen«, antwortet Juan rätselhaft.¹
Die Erinnerung daran brachte mich zum Lachen, denn »Das wirst du schon noch sehen« klang für ein solches Abenteuer des Bewusstseins ziemlich alltäglich. Bruchstücke von Dingen, die ich früher nicht richtig verstanden hatte, tauchten wieder auf – heute, viele Jahre später, in Unterhaltungen oder Ereignissen – mit einer tiefsinnigeren Symbolik und tieferen Bedeutung. Wie der Staub der Nachtfalter wurde nun eine »alte« Verbindung als eine »neue« Inspiration oder – wie die Vögel es nannten – eine »neu-alte« Perspektive präsentiert.
Die Vögel fuhren fort: Als Bezug zur Wiederauferstehung ermöglicht die Aufnahme unserer ›Essenz‹ oder unseres ›Staubs‹ die Wiedergeburt eines abgestorbenen, trägen oder eingeschlafenen Geistes. Sie verjüngt, erfrischt und lässt alle sich an andere Zeiten und andere Wesen erinnern. Auf dieser Erde wird eine gemeinsame Aufgabe gebraucht und wir adressieren diesen Zugang zu der Aufgabe.
Dies ist eine leichte Abweichung von deiner Vorstellung des Shapeshiftings, doch wir steuern diese Informationen bei, um aufzuzeigen, auf wie viele verschiedene Weisen der Geist funktioniert. Eigentlich ist unser ›Staub‹ eine Form von Shapeshifting, da es sich um die Umwandlung von spiritueller Essenz in eine Form handelt, die von allen aufgenommen werden kann. Andere Tiere haben dir schon davon berichtet, wie diese gemeinsame Energie oder dieser universelle Geist durch den Verzehr ihrer Körper aufgenommen werden kann. Unsere Methode ist eine andere: Du nimmst die Essenz durch die Haut, Haare und dein Wesen in dich auf. Wie wir schon sagten, ist das eine ältere Weise, eine, die in der Gegenwart auf der Erde nicht häufig angetroffen wird, so wie auch unsere Spezies nicht sehr bekannt ist.
Wir ähneln einem Engelsorden, auch wenn das nicht unsere Bezeichnung ist. Wir stammen aus einem alten Tierorden, der in Zeiten der Veränderung mit der Erde zusammenarbeitet. Wir reagieren auf den Ruf, wenn Veränderung notwendig ist, um mit den Wegen der Natur im Einklang zu fließen. Wir reagieren auf den Ruf aufgrund des Bedarfs nach besonderen Umständen, die für die Entfaltung der irdischen Evolution notwendig sind.
Und damit verschwanden die Vögel der weiten weißen Flügel.
AUSWAHL UND CHANCEN DER INKARNATION
Lass uns weitermachen, schlug Barney am Morgen nach meinen Gesprächen vor. Was hast du aus deinem Kontakt zu den Pinguinen und Fischen und Vögeln gelernt?
»Dass es viele Weisen gibt, wie wir Wissen, tiefere Weisheiten oder ›verschlüsselte Informationen‹ erhalten können: Indem wir sie wahrnehmen, mit anderen teilen oder sie in Form von Nahrung oder über die Haut, das Wasser oder die Luft aufnehmen und so weiter.«
Ja, und es gibt noch mehr.
Ich hielt inne und überlegte. Ich ließ die Energie der Gespräche ein größeres Bild formen. »Den Wert der Vielfältigkeit?«, riet ich. »Vor allem im Rahmen der Multidimensionalität?« Während ich sprach, spürte ich das Fließen eines tieferen Fadens, der sich durch alles hindurchzog. »Die dahinter steckende Energie manifestiert sich also auf bestimmte Weisen – oder auf bestimmten Ebenen –, weil diese jeweilige Weise die beste in unserer Situation ist und am besten passt?«
Jetzt bist du etwas Wesentlichem auf der Spur! Wir wollen es einmal detaillierter aus der Sicht des Geistes betrachten.
Wenn sich dein spirituelles Wesen auf die Inkarnation vorbereitet, hat es eine breite Auswahl. Wenn man will, kann man mit nur wenigen grundsätzlichen Dingen anfangen: dem Verlangen zu lernen, zu erleben, sich zu entwickeln, zu erschaffen und so weiter. Diese Wünsche können als treibende Kräfte oder energetische Variablen angesehen werden.
Aus diesen Variablen bildest du ein Szenario: die Spezies, das Körpersystem, die passende Umgebung, Zugriff und Offenheit für lenkende Informationen (von spirituellen Führern, Engeln und anderen Lehrern) und so fort. Schicht um Schicht legt man so die Grundlagen für einen Lebensplan. Dabei wählst du – in deiner Form als spirituelles Wesen –, welche Situation, Gestalt und Umgebung deine Bedürfnisse am besten erfüllen werden.
Gleich nach der Inkarnation bieten sich sogar noch mehr Auswahlmöglichkeiten und Chancen. Es gibt in Wirklichkeit keine ›richtige‹ oder ›falsche‹ Entscheidung. Stattdessen gibt es eine Vielzahl an Wegen sowie die Wahl, einen Weg oder Gedanken dem anderen vorzuziehen – oder auch mehrere Wege auszuwählen. Die Kreativeren unter uns fügen vielleicht auch noch Subpläne für alternative Bewusstseinsformen oder interdimensionale Begegnungen innerhalb einer Gruppe von mehreren Formen des Selbst hinzu.
Manche spirituelle Wesen inkarnieren zum Beispiel mehrfach – als alternative Versionen desselben Selbst –, um alle Wege gleichzeitig auswählen zu können. Diese spezielle Form der Inkarnation ist nur eine andere Variante oder Wahl zu leben. In solchen Inkarnationen wird Wert auf Synthese gelegt. Manchmal scheint es diesen Individuen egal zu sein, wohin ihre Wahlmöglichkeiten sie führen. Warum das so ist? Weil ihnen auf einer Ebene bewusst ist, dass sie eine Multiplizität sind, und dass sämtliche Wege gegangen werden. Dies ermöglicht ihnen eine reichhaltige Vielfältigkeit an Erfahrungen.
Ein weiteres Beispiel ist, gleichzeitig in einer Vielzahl von Formen des Selbst zu inkarnieren. Das bedeutet, dass das spirituelle Wesen mehrere Selbst in verschiedenen Gestalten gleichzeitig sein könnte – zum Beispiel verschiedene Spezies. Oft konzentriert sich dies auf eine Begegnung oder ›Gleichzeitigkeit‹, bei der zwei oder mehr Formen des Selbst in einer Realität im Hier und Jetzt interagieren. Das kann zu einer Gestalt führen, in der jedes Selbst zu seinem höheren Bewusstsein erwacht und so ein bewussteres Leben möglich macht.
Dies ist eine vielschichtige Sitzung; lass uns also die Fragen klären, bevor wir fortfahren.
»Bisher hast du mir zwei Beispiele genannt. In dem einen wählt ein spirituelles Wesen viele Versionen desselben Selbst aus. Ist das richtig? Diese alternativen Formen des Selbst fangen alle gleichzeitig mit demselben Lebensstart an und gehen dann getrennte Lebenswege, um zu sehen, wohin jeder Weg führt?«
So kann man es sehen. Man kann es auch als multiple Ebenen der Realität betrachten, die gleichzeitig stattfinden. Wie du schon sagtest, wird bei der Geburt dieselbe Anfangsposition eingenommen, auch wenn das Wo und Wie jedes persönlichen Selbst auf jedem der Lebenswege voneinander abweichen wird.
»Ach so.« Ich stellte mir eine Vielzahl von Ebenen des Lebens vor, die alle aufeinandergeschichtet waren – jede von ihnen eine mögliche Version desselben Lebens. »Bei deinem zweiten Beispiel geht es eher darum, dass das spirituelle Wesen mehrere Formen annimmt – verschiedene Spezies oder vielleicht sogar unterschiedliche Ebenen der Existenz –, die sich dann auf irgendeine Art begegnen, richtig?«
Richtig. Und du denkst an vergangene und zukünftige Leben – das ist eine weitere Variante, bei der alternative Leben in verschiedenen Abschnitten eines Kontinuums stattfinden, das auf Zeit basiert. Schwierig zu begreifen, wenn man an dem festen Begriff von Zeit und Raum festhält, an den ihr gewöhnt seid.
Sogar bei Menschen, die auf der Erde leben, lässt sich nach einer langen Zeit des anspruchsvollen oder komplexen Programmierens einer Reihe von Leben am Ende dieser Art von Planung die Rückkehr zu den Grundsätzen, zur Einfachheit erkennen. Es gibt sogar spirituelle Wesen, die sich die ›automatische Programmierung‹ aussuchen. Meister, die bewusst bleiben wollen, ohne zu wissen, was die Lebenssituationen ihnen bieten werden, entscheiden sich häufig dafür. Auch sie ist eine einzigartige Programmierung.
Die alte Wahrheit ›alles, was es gibt, ist das Hier und Jetzt‹ ist der Schlüssel zum Verständnis des Ganzen. Die von mir genannten Beispiele sind Muster der Variationen, Wege, verschiedene Aspekte des spirituellen Wesens auszuleben. Sogar die Individuation als ein ›spirituelles Wesen‹ bedeutet, an einer Ebene der Illusion festzuhalten, da es in Wahrheit nur eine Essenz gibt. Sich abzutrennen und an Spielvarianten irgendwelcher Art teilzunehmen, bedeutet trotzdem das Feiern der Form und manchmal auch die Vertiefung der Essenz.
Ich teile diese Informationen, um ein paar alte Denkweisen zu hinterfragen und euch daran zu erinnern, dass es im Leben unendlich viele Perspektiven gibt. Je mehr du über Shapeshifting und Wege der Verbindung mit anderen Lebensformen und Spezies lernst, umso mehr wirst du die grenzenlose Vielfalt an Formen, Gedanken, Schöpfungen, Inkarnationen und Erfahrungen erkennen – und vielleicht auch schätzen.
Wenn man sich zum Shapeshifting entschließt, ist es so, als würde man sich in eine Blase aus Zeit-Raum-Form begeben. Und wie gesagt: Es gibt endlose Varianten davon. Wenn man will, kann man mit einem anderen Wesen ›mitgehen‹, oder aber man kann dieses Wesen oder ein neues Wesen werden. Ich werde dir viele Wege beschreiben. Wenn du einige von ihnen näher untersuchst, wirst du anfangen zu ahnen, wie das große Muster des Ganzen ineinanderfließt.
5
Offene Türen
Auch wenn wir unsere Gespräche fast jeden Tag fortsetzten und ich gleichzeitig eine Reihe von tiefgründigen Erfahrungen machte, wurde Barney immer müder. Er fraß weniger und schlief mehr. »Gibt es noch irgendetwas, was ich für dich tun kann?«, fragte ich ihn eines Frühmorgens. »Hast du vor, bald von uns zu gehen? Wie kann ich dir helfen?«
So viele Fragen!, antwortete Barney mit einem heiteren Unterton. Es ist richtig, dass ich meine Schwingungen auf einer Ebene verlangsame, aber das lässt sie auf einem anderen Level zunehmen. Mein Bedarf an ›Schlaf‹ ist in Wirklichkeit eine Form der Meditation oder des Zentrierens in einem anderen Raum. Ich arbeite jetzt nicht nur auf unserer realen Ebene, sondern auch noch auf anderen Ebenen.
Es stimmt, dass ich daran denke, meinen Körper zurückzulassen, aber wir haben noch genug Zeit, um unsere Diskussionen zu vollenden. Dir kommt jetzt kurz der Gedanke, zu fragen, warum ich ›bis auf den letzten Drücker‹ mit diesen Gesprächen gewartet habe, doch ein anderer Teil von dir weiß, dass dies die Eigenschaft des richtigen Timings und der Entfaltung der Dinge in dieser Dimension ist. Wenn ich dir diese Informationen früher gegeben hätte, hättest du sie dann überhaupt hören können? Und wenn ja – warum sollte ich dann noch auf der Erde verweilen? Ich will damit nicht sagen, dass ich nur wegen dir hier bin, aber vielleicht begreifst du nun das Wesen unserer Beziehung: Ein Großteil der Zeit, die wir miteinander verbracht haben, hat zu diesen Gesprächen geführt.
Barney hielt inne und sah intensiv in eine Ferne, die ich nicht sehen konnte. Nach einer Weile hörte ich sein vertrautes Seufzen. Er drehte mir den Kopf zu, warf mir einen Blick unter dem Schreibtisch zu und sprach weiter.
Was mich betrifft, so bin ich ein alter Hund. Außerdem bin ich eine alte Seele auf der Erde. Ich habe schon viele Leben auf Erden verbracht und kenne mich mit der irdischen Lebensweise bestens aus. Um das richtig zu verstehen, könnte es helfen, die Türen ein bisschen aufzumachen, in eine frühere Zeit zurückzugehen und sich anzusehen, wie die Erde codiert ist.
Die Erde wurde ursprünglich als ein polares System errichtet. In der Definition der Dualität bedeutet das, die Manifestierung ist so aufgebaut, dass sie sich von den ›niedrigeren‹ physikalischen Organismen in ›höhere‹ und komplexere Organismen entwickelt und umgekehrt von ›höheren‹ oder feinstofflicheren Aspekten des Geists in ›niedrigere‹ dichtere, physikalische Formen umwandelt.
Aus diesem Grund ist die Manifestation auf der Erde ein gleichzeitiges Zusammentreffen von hoch und tief, links und rechts, männlich und weiblich, hell und dunkel. Der Nexus der beiden ist der Kern der Manifestierung auf dieser Dimensionsebene.
In vielerlei Hinsicht bedeutet der Tod nur das Verlassen dieses Nexus, dieses Rahmens, und der Übergang zu einer anderen Ebene des Seins – auf der dieser Rahmen der Polarität oder Gegensätze nicht besteht.
Doch unzählige Menschen empfinden den Rahmen der Polarität als hilfreich und anschaulich. Gut und Böse, Himmel und Hölle bieten für viele immer noch einen starken Halt, und das ist auch der Grund, weshalb der Tod in zahlreichen Religionen vom Christentum bis hin zum tibetischen Buddhismus über diese polarisierenden Begriffe definiert wird. Anhand solcher Lehren lässt sich mit der vordergründigen Erfahrung mit dem Tod umgehen.
KARMISCHE PROJEKTIONEN
Ein paar Minuten, nachdem wir unser Gespräch an jenem Vormittag beendet hatten, warf ich einen Blick auf mein Bücherregal. Spontan kam mir in den Sinn, eine alte Ausgabe des Werks Das tibetanische Totenbuch oder Die Nach-Tod-Erfahrung auf der Bardo-Stufe. Ein Weisheitsbuch der Menschheit¹ (Artemis und Winkler Verlag, 2003) von W. Y. Evans-Wentz aufzuschlagen. Ich hatte das Buch seit dem College vor zwanzig Jahren nicht mehr angerührt. Doch sobald ich es in der Hand hielt, spürte ich, dass es einen Grund für mich gab, es noch einmal zu lesen.
Einige Stunden später hatte ich zahlreiche Bestätigungen, Momente der Erregung und des wachsenden Bewusstseins erlebt. Dieses faszinierende Werk ist nicht nur eine Anleitung für die Toten mit detaillierten Anweisungen, wie man sich durch die sich wandelnden Phänomene des Bardo (des Reichs zwischen dem Tod und der Wiedergeburt) bewegen sollte, sondern auch für die Lebenden. Es enthält viele Formulierungen, die Barneys Worte wiedergaben, wie zum Beispiel »Die Kunst des Sterbens«, und ein Abschnitt im Buch zog mich besonders an.
»Reden wir heute über Projektionen?«, fragte ich am nächsten Morgen.
Sag mir in Einzelheiten, was du herausgefunden hast und wie deine Frage lautet.
Wie so oft, wenn Barney und ich uns für unsere Gespräche zusammensetzten, waren wir schon am selben Punkt. Es war daher nicht nötig, ihm zu erklären, dass ich das Buch gefunden hatte, oder auch nur, um welches Buch es sich handelte – er wusste es längst. Und trotzdem: Indem Barney mich bat, spezifischer zu werden, ermutigte er mich, mir über mein Vorhaben und meinen Fokus klarer zu werden.
»Zuerst fand ich die unterschiedlichen Ebenen des bewussten Sterbens heraus. Eine dieser Ebenen wird das Sehen der karmischen Illusionen genannt. Sie interessiert mich, weil sie sich darauf bezieht, unsere persönlichen Überzeugungen, kulturellen Vorstellungen und emotionalen Zwänge zu erkennen und dahinterzuschauen. Daher glaube ich, karmische Illusionen könnte eine Umschreibung für Projektionen sein.«
Auf einer weiteren Ebene sind sie es. Und wie Zak einmal angedeutet hat, ist das Karma ein Glaubenssystem. Ich bin zwar kein Experte auf dem Gebiet des Karmas, aber was ich dir darüber sagen kann, ist, dass ich durch das Shapeshifting etwas anderes über Projektionen gelernt habe.
Das meine ich, wenn ich sage, dass es eine Hauptstraße und viele Umwege zum Tod gibt. Wenn der Tod als eine bewusste Initiierung betrachtet wird, fängt man an, ein besseres Gefühl für die Straßenkarte des Todes zu bekommen. Aus eben diesem Grund ist es klug, sich mit dem Tod auseinanderzusetzen. Man wird dadurch mit der Straßenkarte und auch mit dem Terrain vertrauter. Obwohl, wie du weißt, diese Art von Wissen niemals die Erfahrung an sich ersetzen kann.
Ein großer Teil der Angst vor dem Tod hat mit Verwirrung zu tun. Wenn man anfängt, die Wege derer, die vor uns gegangen sind, näher zu betrachten, erhält man eine gewisse Sicherheit. Man wird vielleicht etwas vertrauter mit dem, was einen erwarten könnte – Fallen, sinnlose Umwege und so weiter. Es geht darum, gut vorbereitet zu sein. Wissen hilft dir, besser gewappnet zu sein. In dieser Phase ist es gut, zu kategorisieren, da sich dadurch ein Sinn ins Chaos bringen lässt.
Zum Beispiel ist das Bild, das du in letzter Zeit mit dir herumträgst, eine runde Schlaufe, die endlos ist, das heißt, ein ›Ende‹ wird zum nächsten Ende.
Barney meinte eine chinesische Vorstellung, von der ich vor kurzem gelesen hatte. Es ging dabei um einen tieferen Aspekt der Yin/Yang-Symbolik, nämlich, dass der alte Yang (das Überwiegende der älteren männlichen Energie) sich beim Sterben als die junge Yin (junge weibliche Energie) neu entwickelt. Diese wiederum reift in die alte Yin (ältere weibliche Energie), die irgendwann auch wieder stirbt und sich in den jungen Yang (junge männliche Energie) entwickelt, der sich zum alten Yang entwickelt. Und so fängt der Kreis von neuem an.
Als Ganzes gesehen stellt jede Ebene des Kreises einen angemessenen Teil unseres Weges dar – obwohl wir auch an einen Punkt kommen, an dem der nächste Schritt bedeutet, über den eigentlichen Kreis hinauszugehen. Für manche bedeutet der Schritt eine Inversion der Schlaufe; für andere bedeutet er das Durchdringen des Kreises. Dies lässt sich durch viele Metaphern beschreiben.
Aber lass uns zu den Projektionen zurückkommen. Ich kann die Erfahrungen, die ich in meinen vielen Leben als Lehrmeister des Shapeshiftings gemacht habe, mit dir teilen, und auch, wie das zu meinen Lehren über den Tod geführt hat. In mancherlei Hinsicht ist das Shapeshifting eine Studie zahlreicher Projektionen entlang des Kreises sowie die Methode, wie man diesen Kreis aus Projektionen durchdringen kann.
Ganz zu Anfang gab es auf der Erde nur ein paar Formen, die eine Seele annehmen konnte. Bei den Anfangsstadien des Lebens ging es um Angleichung und neue Schöpfungen. Das heißt, die Seele nahm eine Gestalt an und passte sich ihr an. Sie machte sich mit der Form vertraut. Manche Seelen wandten dann diesen Anpassungsmechanismus an, um neue Formen zu erschaffen. Deswegen besteht eine Evolution der Arten. Immer mehr Formen wurden geboren. Sie wurden immer spezieller und innerhalb dieser speziellen Form sogar noch spezieller. Ein visuelles Symbol dessen sind zum Beispiel die Wurzeln (unter der Oberfläche) oder die Äste (über der Oberfläche) eines Baums. Er hat ein paar Hauptwurzeln oder ‑äste, die aus dem Stamm wachsen und sich dann in weitere Wurzeln oder Äste verzweigen, die sich wiederum verzweigen. Diese Metapher des ›Familienstammbaums‹ lässt sich auch auf die Evolution der Spezies anwenden.
Wenn nun eine Methode der spezialisierten Evolution ihren Höhepunkt erreicht hat, entsteht oft Apathie – eine Rastlosigkeit, das Verlangen nach etwas Neuem. Und so beginnt eine neue Form der Evolution (ein neuer Ast!). Vergiss nicht, dass ich in allgemeinen Begriffen spreche. Wenn also eine Evolutionsphase zu Ende geht, gibt es Äste, die schon abgestorben sind, während andere noch wachsen. Generell ebnet die Phase des Höhepunkts jedoch einen weiteren Weg oder eine neue Ebene der Evolution.
Manchmal finden auf einem Planet Kreuzungen von Spezies statt, bei denen Geschöpfe gepaart und vermischt werden, um etwas Neues hervorzubringen. Eine weitere Variante ist die Reinkarnation/Transmigration, bei der die Seele umherspringt und in verschiedene Arten schlüpft, um in zahlreichen Leben mehr über unterschiedliche Formen und Muster des Bewusstseins zu erfahren. Und eine weitere Variante davon ist das Shapeshifting, bei dem es sich eher um einen bewussten Transmigrationsprozess ›mitten im Leben‹ handelt. Ich selbst fing an, mich schon vor vielen, vielen Lebenszeiten dafür zu interessieren.
Wieder einmal verwende ich Lebenszeiten als bildhafte Ausdrucksweise. Wenn wir uns diesen Abschnitt des Kreises ansehen würden, der die Mysterien von Zeit und Raum durchdringt, würden wir es als ein multidimensionales Ganzes erkennen. Doch zum Zweck der linearen Entwicklung wollen wir das praktische fiktive Bild der verschiedenen Leben verwenden.
Meine ersten Erfahrungen mit Shapeshifting waren seltsam, auch wenn ich einen sehr guten Lehrmeister hatte und durch seine Fähigkeiten ›eingewiesen‹ wurde. Doch beim ersten Mal, als ich es allein ausprobierte, war das Element der Angst noch vorhanden.
Du musst verstehen, dass es verschiedene Ebenen des Shapeshiftings gibt. Auf der einen Ebene kann man sich mit dem Bewusstsein eines anderen Wesens verbinden und in seinen Geist oder Körper ›schlüpfen‹, um mehr über seine spezifische Form mit ihren einzigartigen Gedanken, Perspektiven und so weiter zu erfahren.
Es gibt jedoch noch eine weitere Ebene des Shapeshiftings, auf der du körperlich eine andere Gestalt als deine eigene annimmst. Das Ganze ist ziemlich komplex, doch grundsätzlich passt du deinen Körper der Matrix oder Schablone der fremden Spezies an. Es ist eine Art Minitod, weil deine Gedanken – genauer gesagt, die Art und Weise, wie du denkst – während des vollständigen Prozesses des Shapeshiftings in die bestimmte Denkweise dieser spezifischen Spezies umgewandelt werden.
In gewisser Weise passiert dasselbe, wenn wir uns unterhalten, Dawn. Du ›hörst‹ mich mit deinen Denkmustern, auch wenn das, was ich kommuniziere, meine Gedanken sind. Unsere Kommunikation ist die Begegnung zweier Gedankenformen. Sie werden zu einem bestimmten Grad übersetzt. So wie auch ein bestimmtes Maß an Projektion erfolgt.
»In letzter Zeit sehe ich Projektion nicht unbedingt als etwas Negatives an. Wie du sagst, gibt es in dem Kreis oder Zyklus Punkte, an denen Projektionen unserer eigenen unterdrückten Erfahrungen eine Hürde sind – insofern, als dass wir unsere Projektionen für ›real‹ halten, während wir an einem anderen Punkt erkennen, dass selbst Gedanken und Wahrnehmungen Projektionen sind. Sie sind nicht so sehr ›wirklich‹ oder ›unwirklich‹ als vielmehr Methoden, die uns helfen, verschiedene Aspekte von uns zu verstehen und darüber zu reden.«
Ganz richtig. Und um Shapeshifting sowie die Kunst, diese karmischen Illusionen zu durchschauen, begreifen zu können, ist das auch notwendig. Solange ein Glaubenssystem als ›real‹ angesehen wird, wird die Realität von den Regeln dieses Glaubenssystems kontrolliert. Stimmt’s?
»Ja, das ergibt einen Sinn.«
Es reicht nicht, zu sagen ›Das ergibt einen Sinn‹ oder ›Ja, das glaube ich‹. Denn um weiterzukommen, muss man es auf bestimmten Ebenen wirklich empfinden oder erleben. Diese Erfahrung hast du vor kurzem selbst gemacht.
Ich lachte und schauderte gleichzeitig. Barney bezog sich auf eine Reihe von Träumen, die ich hatte, in der ein »Teufelsjunge« mich beobachtete. Zuerst fürchtete ich mich vor seinem schmutzigen Äußeren und seiner neckenden Art, doch in späteren Träumen versuchte ich, mich mit ihm zu unterhalten. Aber jedes Mal rannte er weg und versteckte sich in meinen Rückenmuskeln. Erst vor ein paar Tagen, während mir der Rücken massiert worden war, war mir plötzlich der Teufelsjunge in diesen Träumen wieder eingefallen. Ich hatte ihn lebhaft vor Augen, während die Masseurin die Muskeln meines Rückens mit den Daumen knetete. Er lächelte mich an – doch ich erkannte sein Lächeln als mein eigenes. Als Resultat wurde mir spontan bewusst, dass der Junge von meinen eigenen Überzeugungen erschaffen worden war. Das war keine intellektuelle Erkenntnis, sondern das Wissen – durch ein tiefes Bauchgefühl –, dass der Teufelsjunge aus einem Netzwerk von Überzeugungen geformt war. Als meine Muskeln sich entspannten, lief mir ein starker Schauer über den Rücken.
»Richtig«, erinnerte ich mich. »Als mir klar wurde, dass der ›Teufelsjunge‹ mein eigenes Glaubenssystem war, wurde mir leichter, so als würde eine schwere Schicht aus Gedanken und Überzeugungen von mir abfallen und weg schweben.«
Ja, das beschreibt es gut. Denn Überzeugungen bilden eine Art Decke oder Himmel über einem und um einen herum. Dieses Konstrukt ist deine ›Welt‹, dein Weltbild. Dies wurde schon öfters von anderen diskutiert und es gibt viele gute Werke über dieses Thema, doch solange es vom Körper nicht real erlebt wird, lässt es sich mit allen Worten der Welt nicht vollständig erklären.
»Ich glaube, du hast Recht. Erst seit ich es selbst gefühlt habe, kenne ich es wirklich.«
Lass uns hier für heute enden, sagte Barney und seufzte leise unter dem Schreibtisch. Der Faden, den wir das nächste Mal aufgreifen, ist, wie die Entwicklung des Shapeshiftings einen auf eine bewusstere Weise zur Auflösung der bewussten Form führen kann.
Darauf war ich gespannt.
EINE UNTERSUCHUNG
Wir wollen die Kunst des Shapeshiftings näher untersuchen, begann Barney am nächsten Tag. Unter der breitgefächerten Kategorie der sich verändernden Formen gibt es viele Varianten und viele Ebenen, wie sich ein stärkeres Bewusstsein dieser Kunst erreichen lässt.
Von der Oberfläche bis zum Kern bedeutet dies, durch eine Unterhaltung der miteinander geteilten Gedanken mehr über ein Tier (oder ein anderes Wesen) zu erfahren – ähnlich, wie wir es gerade tun – und das eigene Bewusstsein zu verändern, um mit dem Tier ›mitzugehen‹ und die Dinge durch seine Augen zu sehen. Auf tieferen Ebenen heißt das, das eigene Bewusstsein mit dem des Tieres zu verschmelzen, während man das eigene Bewusstsein (das Körperbewusstsein) beibehält, um ein vollständigeres Gefühl der Vereinigung zu erhalten, bei der man zum Tier selbst wird.
»Was geschieht an diesem Punkt mit dem Bewusstsein des Tieres?«
Als Erstes musst du wissen, dass dies meistens im beiderseitigen Einverständnis erfolgt, um einen Lernerfolg zu erzielen, und es daher für beide von Nutzen ist. Schließlich ist das ein Teil der Freude an der Vielfalt: dass so viele Geschöpfe die Wirklichkeit auf so unterschiedliche Weise sehen, hören, wahrnehmen, denken und erleben. Wenn du ein größeres Bewusstsein für viele ›verschiedene‹ Sichtweisen entwickelst, wirst du das Ganze erfüllter erleben.
Doch zurück zu deiner Frage. In einer Situation der Bewusstseinsverschmelzung kann es passieren, dass das Bewusstsein des anderen Wesens für eine gewisse Zeitspanne ›stillgelegt‹ wird. Häufig ist es parallel zu deinem eigenen Bewusstsein vorhanden, wenn auch in einem eher ruhenden Zustand. (In extremen Fällen kann das Bewusstsein verloren gehen, auch wenn das sehr selten geschieht, und das beiderseitige Einverständnis beinhaltet, dass du die Rückkehr des Bewusstseins deines Gastgebers sicherstellst, bevor dein eigenes Bewusstsein ihn verlässt).
Je mehr man mit Shapeshifting arbeitet, desto stärker wird häufig das Verlangen, Form auf sogar noch tiefere Weise zu erleben. Es ist ein Muster, das ich beobachtet habe: Wenn man sich auf einer bestimmten Ebene erweitert, folgt die Sehnsucht nach mehr Tiefe. An diesem Punkt wünscht man sich vielleicht, nicht nur im Bewusstsein, sondern auch körperlich eine andere Form anzunehmen. Es gibt verschiedene Methoden, von denen jede ihre eigenen subtilen Varianten besitzt.
Ein Weg dahin ist, den Körper physisch in eine schon vertraute Gestalt umzuformen. Auf der Ebene der zellularen Matrix gibt es eine Vielzahl von bekannten Gestalten, die man sich aussuchen kann. Dann nimmt dein physischer Körper tatsächlich eine andere Form innerhalb dieser Matrix an. Denk an den Mythos vom Werwolf – die Fähigkeit, sich körperlich in einen Wolf oder eine andere Kreatur zu verwandeln. Man verändert nicht nur sein Bewusstsein, sondern bringt auch den umgewandelten Körper mit. Dadurch wird die Realität nicht nur durch das Bewusstsein, sondern auch emotional und physikalisch erlebt. Eine Variante davon ist die Möglichkeit, in eine ausgestorbene Spezies oder gar eine unbekannte Spezies zu schlüpfen. Dieser Prozess ist komplizierter, auch wenn er unter gewissen Umständen nützlich sein kann. Auf der Erde wird dies jedoch derzeitig eher als eine ›dunkle‹ Form des Shapeshiftings angesehen.
»Und aus welchem Grund?«
Es ist eine uralte Form des Shapeshiftings, die ursprünglich angewandt wurde, um an der Manipulierung des Evolutionskurses oder dem Wachstum des Bewusstseins auf einem bestimmten Gebiet mitzuarbeiten. Auch wurde sie von dunkleren Kräften als eine Methode genutzt, um Chaos zu verbreiten. Allgemein gilt, dass diese Art der ›kreativen Transformation‹ mit Manipulierung – und zwar körperlich und mental – zu tun hat. Aber zu gewissen Zeiten war das auf der Erde sehr nützlich und im Grunde haftet dieser Form nichts ›Dunkles‹ an.
Eine weitere Form des Shapeshiftings ist, den eigenen Körper in einem ruhenden oder schlafenden Zustand zu belassen, während man das Bewusstsein anwendet, um einen zweiten ›Körper‹ zu manifestieren und zu animieren. Das bedeutet, dass der Körper seine gewöhnliche Gestalt beibehält, während das Bewusstsein in eine temporäre Gestalt – wie ein Double – schlüpft, um die Welt anders zu erleben. Auch hier ist die Tendenz zu Kontrolle und Manipulation zum jetzigen Zeitpunkt der Evolution der Erde stärker; deswegen bleiben die letzteren Arten von Shapeshifting hauptsächlich in Form von Geschichten, Legenden und Mythen verborgen.
Auch der ›Aufstieg‹ ist eine Form von Shapeshifting, wenn auch wiederum in einer anderen Richtung. Man kann es sich als die Umkehrung der letzteren Formen vorstellen, denn das Aufsteigen ist die Aktivierung des Lichtkörpers auf der physikalischen Ebene. Das heißt, es ist die Spiritualisierung des Physischen – eine Verlagerung der Trennung von physikalisch und spirituell in eine Art Verschmelzung.
Siehst du, wie das in das Shapeshifting hineinpasst?
»Ich habe es nicht als solches erkannt, bis du es erwähnt hast. Aber es stimmt – es ist eine Verlagerung der alten Dualität in eine neue Form des physikalisch-spirituellen Bewusstseins.«
Richtig. Beim Aufstieg geht es darum, den Fluss der Verbundenheit zu aktivieren, während man gleichzeitig sein Bewusstsein und seinen Körper zu einer anderen Form erweitert. Die äußere Gestalt mag zwar unverändert aussehen, aber die innere Form entspricht einer anderen Schwingungsebene. Sie hält das Licht anders fest und ermöglicht dadurch das Erleben der Welt und Wirklichkeit auf eine andere Weise. Auch das ist eine Form von Shapeshifting.
Dieselbe Metapher trifft auf den Tod zu – er bedeutet Shapeshifting in eine größere, erweiterte Perspektive von ›Zeit‹. Die Herausforderung des Aufstiegs zu diesem Zeitpunkt ist, es auf eine bewusste Art zu tun, die im Körperlichen basiert. In gewisser Weise verkürzt man dadurch den Tod – denn statt von Form zur Nichtform und wieder in Form überzugehen, lernt man, bewusst von Form zu Form zu schlüpfen. Es geht hier mehr um eine Veränderung der Schwingungen als um das körperliche Shapeshifting, auch wenn es dasselbe Kernmuster ist.
Zum jetzigen Zeitpunkt solltest du tiefer mit Tieren arbeiten, sie fragen, ob sie dir gestatten, ›mitzukommen‹ und das Leben aus ihrem Blickwinkel zu erleben. Es kann sein, dass einige von ihnen auch das Leben aus deiner Perspektive kennenlernen wollen, und auch das wäre nützlich.
Eine Phase des empirischen Experimentierens ist nun angebracht. Ich werde in deiner Nähe sein. Ich werde dich beobachten und dich in die richtige Richtung lenken. Das habe ich schon viele Male gemacht, und ich freue mich und fühle mich geehrt, diese Rolle in deinem Leben spielen zu können.
»Danke, Barney«, sagte ich. »Auch mir ist es eine Ehre, deine Hilfe und Führung in Anspruch nehmen zu dürfen.«
DER GROßE BILDSCHIRM
Barney hielt sein Wort. Er half mir, mit dem Bewusstsein anderer »mitzugehen«, während er gleichzeitig seinen eigenen Weg weiterging. Er schlief immer mehr und fraß immer weniger, und es war deutlich zu erkennen, dass er langsam losließ. Auch wenn ich ihn fast täglich aufsuchte, hatten wir unsere Gespräche vorübergehend unterbrochen, um mir die Zeit zu geben, die Perspektiven anderer Tiere kennenzulernen.
Eines Morgens, als ich mir besonders große Sorgen um ihn machte, humpelte Barney unter meinen Schreibtisch und verkündete, dass er keine Schmerzen habe und wohl noch ein paar Tage länger bei mir bleiben würde. Du brauchst mich noch nicht auf die Wiese zu bringen, sagte er mit dem Anflug eines Lächelns.
Dann erklärte er mir: Ich erinnere mich an ein Leben als Pferd, ein weißes Pferd. Du hast es schon einmal gesehen.
»Ja«, sagte ich, als mir das Pferd aus einem anderen Traum wieder einfiel. »Und jetzt sehe ich dich als weißes Pferd mit Flügeln.« Dieses Bild legte sich plötzlich auf mein Traumbild.
Ach! Das ist eine andere Form!, stieß Barney aus. Meistens habe ich lange Leben geführt – lange im Vergleich zur Länge der Tage, die eine bestimmte Spezies gewöhnlich lebt. Jetzt, in diesem Leben, komme ich ans Ende meiner Tage. Wir haben gestern Abend kurz über das Ende gesprochen, weißt du noch?
Ich erinnerte mich an unsere flüchtige Unterhaltung beim Einschlafen. »Du hast gesagt, es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, wie man gehen kann, wie man aus dem Leben treten kann.«
Genau. Ich ziehe meistens die älteren Möglichkeiten vor: einen Spaziergang in die Natur, ein Plätzchen finden, wo ich mich hinlegen und mich der Erde, den Tieren übergeben kann. Oder aufhören zu fressen. Oder eine ganz alte Methode: einfach aufhören zu atmen. Das ist ein eleganter Weg.
Du fragst mich, was ich in den letzten Tagen gemacht habe, während ich so viel schlief und mich ausruhte. Und ich habe dir gesagt, dass ich Pläne machen muss. Das werde ich noch näher erklären, damit du verstehen kannst, wie sich diese Reise bewusster erleben lässt.
Barney machte eine lange Pause. Vielleicht wollte er mich sanft daran erinnern, mein Bewusstsein über die Pausen des Lebens zu vertiefen. Und über die des Todes.
Ein großer Teil meiner Energie hat sich in letzter Zeit auf andere Seinsformen verlagert. Ich sehe es als ein Verlagern des Bewusstseins an – das Licht meines inneren Wesens auf einen anderen Aspekt meiner selbst zu richten, auf den ich mich näher konzentrieren möchte. Vieles von dem, was du vielleicht mein bewusstes Erleben nennst, verlagert sich in andere Schichten, andere Formen oder Aspekte meiner selbst, so dass die Kenntnisse genutzt werden können. Sie werden nicht ›erinnert‹, so wie du Erinnerung begreifst, sondern vielmehr auf einer anderen Ebene mittels Synthese verbunden. Ich spreche hier von reinen Grundgefühlen, Emotionen und Verständnis.
Ohne einen empirischen Bezug lässt es sich nur schwer erklären. Lass es uns zusammen als Reise machen – wie eine Geschichte, die sich entfaltet, in Ordnung?
»Aber ja, natürlich!« Als ich die Augen zumachte, bat Barney mich, das, was ich erlebte, bewusst zu schildern. Das erste Bild, das mir kam, war Barney als das weiße Kaninchen und ich als Alice im Wunderland. Was für ein Häschentraum ist das denn?, wunderte ich mich.
»Wir stehen vor einem großen schwarzen Loch«, berichtete ich Barney, während ich zusah, wie sich die Szene entfaltete. »Und du sagst zu mir: Erinnere dich, erinnere dich! Du stößt mich ins Loch und dann springst du hinterher. Wir gehen das Loch hinunter, aber in Wirklichkeit fühlt es sich eher so an, als würden wir ins Loch gehen. Und jetzt gelangen wir in ein gemütliches Zimmer unter der Erde, in der ein riesengroßer Holzschrank steht. Du bereitest den Tee vor, während ich mir den Schrank ansehe. Er ist verwirrend für mich, weil ich immer nur einen kleinen Ausschnitt betrachten kann und nicht das ganze Möbelstück. Du sagst, ich soll einen Schritt zurücktreten, weil manchmal der Blick verschleiert, wenn man etwas aus zu großer Nähe betrachtet.
Also trete ich zurück und setze mich zu dir an den Tisch. Wir trinken Tee. Als ich wieder auf den Schrank schaue, springt ein großer Bildschirm wie der eines Fernsehers heraus. Er ist hellblau – ein wunderschönes Blau, das zugleich Licht ausstrahlt. Du reichst mir die Fernbedienung und sagst, ich solle zappen. Das Erste, was ich sehe, ist eine Kriegshow, doch dann taucht plötzlich eine Comicversion des weißen Kaninchens in der Show auf, und du sagst: Siehst du – das ist die wirklichere Wirklichkeit! Achte auf das Kaninchen! Und dann merke ich, dass du wieder Barney der Hund bist, aber jetzt trägst du eine Brille.
Du sagst mir, ich solle Geduld haben, dass es hier etwas gibt, was ich sehen soll, aber ich traue dieser Bildschirmmetapher nicht so ganz. Du forderst mich immer wieder auf, das Kaninchen zu beobachten, und ich sehe, wie es in den Bildschirm springt und verschiedene Szenen in verschiedenen Shows spielt. Und jetzt ist es so, als würden sich alle im Bildschirm übereinanderlegen, und sie lassen sich wie Buchseiten umblättern. Vermische die Metaphern, sagt das Kaninchen. Vermische die Metaphern!
Und jetzt zeigst du mir, dass es immer dasselbe ist, auch wenn ich auf einen anderen Kanal umschalte. Du sagst: Siehst du, es ist alles dasselbe – immer dasselbe! Und endlich verstehe ich, was du meinst, denn das weiße Kaninchen ist immer dasselbe, ganz egal, welche Szene es spielt. Das ist das Erwachte!, sagst du zu mir. Unabhängig vom Szenario tut das weiße Kaninchen, was es will, weil es zu sich selbst erwacht ist. Es fällt nicht auf die Szene herein, denn es weiß, dass sie nur wie in einer Fernsehsendung zaubert. Das ist eine gute Metapher für dich.
Jetzt sagst du mir, die Zeit sei gekommen, um ins Fernsehen zu steigen. Du sagst, wir müssten rennen, und deswegen renne ich mit dir, und wir springen ins blaue Licht hinein. Und es verwandelt sich ins Meer! Herrlich! Und du sagst: Die große Rückkehr! So ist es, wenn man stirbt. Man erwacht in die Vorstellung, dass dies alles nur eine Illusion ist; alles ist ein Szenario, um dich dazu zu bringen, dich zu erinnern. Das ist der Zweck des Spiels – nicht, um Sachen oder Liebe oder Wissen anzusammeln. Sondern nur, um sich zu erinnern. Denn wenn man sich erinnert, erwacht man zu seinem wahren Selbst – oder zumindest zu einer bewussteren Version seines wahren Selbst als das, wofür man sich gehalten hat.
»Wahnsinn!«, sagte ich und riss die Augen auf, als wir zurückkehrten. Ich sah auf Barney herab und rieb sein Hinterbein sanft mit den Zehen.
»Was hatte das Zweite zu bedeuten?«, fragte ich ihn vorsichtig. »Was ist mit der Liebe?«
Liebe, so wie sie von vielen Menschen verstanden wird, ist die Liebe zu Sachen. Sogar wenn du das Gefühl hast, eine Person zu lieben, liebst du meistens eine Sache: eine stilisierte oder idealisierte Version einer Reflexion deiner selbst, die du auf jemand anderen projiziert hast. Die Emotion Liebe besitzt viel Macht, da sie sich als Mündung zum großen Ozean der Erinnerungen eignet. Doch es ist unproduktiv, sich auf die Liebe auf dem Bildschirm zu konzentrieren, statt in den Bildschirm hineinzuspringen.
Wenn du mir sagst, dass du mich lieb hast, klammerst du dich manchmal an einer bestimmten Art von Beziehung fest. Auch ich habe das Zusammensein mit dir genossen. Aber lass uns dies auf eine höhere Ebene des Verstehens bringen, Dawn. Wir wollen nicht in den alten Bindungen der Vergangenheit herumwühlen. Lass es uns auf eine bewusstere und realere Beziehungsebene bringen, auf der es den Fluss und die Bewegung und das Jetzt des Werdens gibt.
Бесплатный фрагмент закончился.
