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David Poppen

Animalische Sinnlichkeit

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Inhaltsverzeichnis

Titel

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Impressum neobooks

1

Als Selina den Büstenhalter aufhakte, hielt Aurelius von Bartenstein den Atem an. Nicht, dass er ihre wundervollen Brüste noch nie gesehen hätte, ihre spitzen Brustwarzen mit dem rosafarbenen Hof und die aufreizenden Hautfalten an ihren Achselhöhlen.

Das alles war ihm, nach vier Ehejahren bestens vertraut.

Aber doch war jedes Mal etwas Besonderes, er konnte diese Momente in ihrem Leben nicht erwarten. Er liebte seine Frau so stark, dass es ihn bereits schmerzte.

„Weiter, mein Schatz“, sagte Aurelius heiser. „Mach weiter.“

Selina lächelte.

Sie war so schön. Ihr Körper hatte jenes Ebenmaß, das nur echte Klassefrauen auszeichnete. Ihre Beine waren lang und ohne jeden Fettansatz an den Oberschenkeln, glatte Haut um den zart eingezogenen Nabel, jene Stelle die Aurelius besonders gerne küsste, gleich jetzt, im nächsten Augenblick würde er es wieder tun.

Aber Aurelius von Bartenstein bezwang seine Gier.

Seine rechte Hand tastete zum Whiskyglas auf dem niedrigen Tisch neben seinem tiefen Sessel. Er spürte, wie seine Hand feucht war vor Lust und Gier und prickelnder Erwartung. Keinen Blick konnte er von seiner Frau wenden, die ihn ihrerseits herausfordernd ansah, sehr selbstsicher in der Gewissheit der tiefen Liebe, die beide verband.

Aurelius trank.

„Weiter“, sagte er nochmals.

Aber Selina ließ sich Zeit. Sie hatten einen freien Abend geschenkt bekommen. Ihre sechs Monate alte Tochter Clara war heute über Nacht bei den Großeltern.

Sie wollte, dass der Abend unvergesslich wird. Selina verstand etwas vom Ausziehen, sehr viel sogar, das bedeutete, dass sie ihren Mann noch etwas zappeln ließ. Natürlich wollte er recht schnell alles sehen, obwohl ihm nichts unbekannt war, aber sie wollte es heute besonders genießen.

„Ungeduldig, Lius?“, sie benutzte den Kosenamen immer nur in intimen Momenten. Die Endung seines Vornamens war ihr geheimes Zeichen für beginnende Erotik. Nur in solchen Momenten verwendete sie dieses Kosewort.

Sie ließ den Büstenhalter am Zeigefinger kreisen, dann schleuderte sie ihn mit lässiger Bewegung auf das breite Bett vor der rotseiden bespannten Wand, auf der ein goldgerahmter Liebesakt in Öl prangte.

„Los, verdammt“, keuchte Aurelius und trank einen weiteren Schluck aus dem Whiskyglas.

Noch im Anzug auf dem Sessel sitzend starrte er auf Selinas schwarzen Slip. Er gierte auf die stramme schimmernde Haut zwischen Höschen und Strumpfansatz, über die sich das Band des Strumpfhalters spannte.

Selina lachte wie frisch verliebt.

Langsam kam sie auf ihn zu, mit glänzenden Augen. Kurz vor ihm richtete sie sich auf, die Brust vorgereckt und den Oberkörper zurückgebogen. Ihr Kopf lag im Nacken, das rote Haar fiel in lockigen Kaskaden über ihren nackten Rücken.

Dann hielt sie ihm ihre geöffnete Hand entgegen.

„Erst einen Schluck Whisky“, sagte sie.

Aurelius von Bartenstein suchte mit dem Mund nach ihrer linken Brustwarze. Seine Lippen umschlossen saugend den prallen Nippel, seine Zähne begannen an ihm entlangzubeißen. Gleichzeitig griff seine freie Hand an ihre Hüfte, packte den Slip und riss ihn über die Oberschenkel hinab.

„Nein, Lius“, stieß sie lustvoll grinsend hervor.

„Doch. Komm.“

„Nein.“ Sie schüttelte sich und ihre Brüste tanzten. „Erst Whisky für dein Eheweib.“

„Zum Teufel, Selina!“

Sie legte ihm beide Hände auf die Schultern und drückte ihn in den Sessel zurück. Ihre Brustwarze glitt aus seinem Mund, die Spitze gerötet vom Saugen. Aurelius leckte sich die Lippen, während er ihr das Whiskyglas reichte.

Und Selina trank. Beide tranken zu viel Alkohol!

Ihre Halsmuskeln spielten, als sie schluckte. Die Brüste waren straffe Kugeln vor seinen Augen. Der Nabel und das Grübchen, das ihn immer verrückt machte. Der flache Bauch, die Leisten und das rote Nest ihrer Schamhaare.

Er berührte mit einer Hand die Innenseite ihrer Schenkel. Als er merkte, dass sie die Beine spreizte, bis der herabgezogene Slip sich spannte, ließ er die Finger aufwärtswandern, die glatte Haut entlang. Höher und höher bis an das Ende der Oberschenkel.

Selina trank das Glas Whisky mit einem Zug leer und stellte das Glas auf den Tisch.

Ihr Leib schob sich vor, sie blickte auf seine Hand. Sie lächelte, als sein Mittelfinger ihre Scham berührte, den Kitzler, der längst groß und vor Lust geschwollen war. Ihre Spalte schloss sich heiß und feucht um seine Fingerkuppe, ihr Unterleib begann zu kreisen.

„Gut, Lius, gut“, keuchte sie.

Und sein Mittelfinger stahl sich zurück, feucht von ihrem Inneren, tastete nun ihre Schamlippen entlang bis weit nach hinten zwischen die prallen Backen, krallte sich dort fest, scharf umgebogen und bohrte sich hinein.

„Oh, oh, Lius!“

„Okay?“

„Sehr. Ah ... ohhh ...“

Mit der freien Hand goss Aurelius wieder das Glas voll mit Whisky und trank einen großen Schluck.

Längst spannte sein Glied in der teuren Anzughose, rieb sich bei jeder Bewegung am Stoff. Schmerz und Lust zugleich!

Es war Zeit, dass sein Phallus freikam und doch auch wieder nicht, denn diese Vorspiele, dieses Hinauszögern machten alles so besonders. Seit der Geburt ihrer Tochter waren diese Momente selten geworden.

So lauschte er auf ihr Stöhnen, während er langsam wieder seinen Finger in ihre Vagina schob.

Selina machte sich los und trat zurück.

Atemlos schüttelte sie ihr langes rotes Haar, die Lippen über den ebenmäßigen Zähnen zu einem Lächeln verzerrt. Voller Ungeduld ließ sie den Slip an ihren Beinen entlang zu Boden gleiten. Jetzt war sie nackt bis auf den Strumpfhalter und die Nylonstrümpfe.

Aurelius sprang auf.

Er riss sein Sakko von den Schultern.

Der Mann, der jetzt sein Seidenhemd öffnete, war in diesem Moment nicht mehr der erfolgreiche Architekt mit einer Vielzahl an Angestellten und Bauprojekten. Genau in diesem Moment war er ein liebender Ehemann, der voller Lust und Erregung seine Frau begehrte.

„Nein, lass die Strümpfe an“, zischte er leise und sanft.

Selina nahm das Glas Whisky aus seiner Hand und trank einen großen Schluck. Dann war sie dicht bei ihm und presste sich an seinen Körper. Sie mochte es, wenn ihre nackte Haut am Stoff seiner Hose entlangscheuerte und sie spürte, dass sich dort etwas tat. Sie fühlte gern sein erregtes Glied durch den Stoff an ihrer Scham.

„Er steht bereits“, flüsterte sie.

„Ja, mein Schatz. Ich liebe dich so sehr“, sagte er voller Zärtlichkeit. Seine Arme schlossen sich um ihren Körper und drückten sie an sich.

Ihre Lippen trafen sich, sie küssten sich mit weit offenem Mund. Aurelius Zunge spielte an ihrem Gaumen, Selinas Lippen schlossen sich schnell um sie. Er zog sich zurück und stieß zu, einmal, nochmal. Sie probten die Vereinigung mit dem Mund, atemlos, sehr konzentriert. Sie zeigten sich, wie es nachher sein würde, in wenigen Sekunden oder Minuten, wie zärtlich sie zueinander sein würden. Er, wenn er zustieß und sie, beim Auffangen seiner Stöße.

Aurelius legte die Hände flach auf ihr Kreuz und zog sie gegen seinen Unterleib. Ihre Hände liebkosten seine sonnengebräunten Schultern, tasteten tiefer bis zum Gürtel und schoben sich zwischen Haut und Stoff. Dann machten sie sich auf die Reise, an seinen Hüften entlang bis zu seinem Bauch, den er wie im Reflex einzog.

„Nimm ihn in die Hand“, flüsterte er.

Sie presste ihre Lippen noch fester auf seinen Mund, um ihm zu zeigen, dass sie verstanden hatte, während sie seine Hose öffnete und den Stoff herunterrutschen ließ. Behutsam drückte sie sein hartes Glied durch seine Unterhose.

Er zog scharf die Luft ein.

„Spiel daran“, zischte er.

Sie zog die Unterhose herunter und befreite seinen eingesperrten Penis, dann nahm sie seine bloße Eichel in die Handfläche, warm und schwer. Dann ließ sie ihn los und stand auf. Mit wippenden Hüften schritt sie zum Bett.

„Ich brauche jetzt deine Zunge, Lius, bitte“, flüsterte sie, mittlerweile lang auf das Bett hingestreckt, den Kopf auf die Seite gelegt und die zärtlichen Augen auf Aurelius gerichtet.

„Aber mach es mir langsam, ganz langsam und zärtlich ...“

„Oh ja, mein Schatz.“

Er entkleidete sich komplett. Nackt krabbelte er auf das Bett und spreizte ihre Beine, dann leckte er ihren Oberschenkel entlang. Seine Augen waren halb geschlossen, aber eben nur halb, um an ihrem Bein entlang den Doppelmond ihrer Hinterbacken und die nun erregt klaffende Spalte in ihrem Schoß sehen zu können. Besonders erregte ihn der Anblick des rot gekringelten Schamhaars.

„Höher, komm schon höher, Lius“, flüsterte Selina leise und erregt.

Ihre Rechte griff nach seinen kurzen Haaren und zog lockend daran.

Während seine Zungenspitze die Innenseite ihrer Oberschenkel entlang leckte, berührte seine Hand ihre Vagina.

„Lass mich mit deinem Finger ...ich mache es ...“, bat sie.

Ihre Hand ergriff seinen Mittelfinger und führte ihn in ihren Scheideneingang, stieß ihn tief ins sich hinein um ihn dann wieder heraus zu ziehen. Sie fickte sich mit seinem Finger selbst.

„Das nächste Mal, wenn wir alleine sind“, hauchte Aurelius zärtlich zu seiner Frau, „dann rasiere ich die Form deines Schamhaares zu einem roten Herz, dass unsere Liebe symbolisiert!“

Dann nahm Aurelius die Hand weg.

Ihre Spalte war feucht. Duft schlug ihm entgegen, gemischt aus Parfüm, das prickelnd ihrem Schamhaar entströmte, aus der herben Süße ihrer Haut, Geruch nach Frau und Sex und nahem Orgasmus, ein nervenlähmender Duft.

Aurelius schob seine Arme unter ihren Oberschenkeln hindurch, streichelte an Strumpfhalter und Bauch entlang, legte dann die Handflächen um ihre Brüste. Dann senkte er die Lippen hinab und schlug mit der Zunge zu!

Selina stöhnte auf, bäumte sich hoch, zuckte vor und zurück und rieb sich an seinem Mund. Seine Lippen, weit offen, massierten genüsslich ihre Spalte.

Selina packte seinen Kopf und presste ihn zwischen ihre Schenkel. Ihr rotes Schamhaar kräuselte sich an seinen Wangen. Über den Bauch hinweg sah er, wie sie den Kopf hin und her warf.

„Lius, oh mein Lius!“

Seine Zunge leckte von weit hinten nach vorn, drang ein um sie dann wieder zu verlassen, immer schneller und tiefer.

„Mit den Zähnen, Lius ... fester. Tu mir weh ... ah. Ja. Gut. Gut so!“

Ihre Beine waren wie eine Schere, schnappten zu, hielten seinen Kopf umklammert, klafften wieder weit auf und dehnten sich, während ihre Hände ihn an den Haaren zurückrissen.

Mit Zeigefinger und Daumen zog sie ihre Schamlippen auseinander, um seiner Zunge Raum zu schaffen. Ganz weit gespreizt lag sie da. Dann wand sich der Orgasmus durch ihren Körper wie ein wildes Tier.

„Oh, mein Lius, wie ich dich liebe“, hauchte sie schwer atmend.

Noch einen Augenblick leckte er ihre Vagina entlang, dann zog sie ihn hoch und küsste gierig die Feuchtigkeit.

„Komm, komm. Komm in mich“

Sie ergriff sein hartes Glied, schob es zwischen ihre Schamlippen, nur leicht, sodass sich der mächtige Schwanz gleich selbst auf den Weg machen konnte.

„Los. Er ist groß und hart, stoß zu!“

Und er rammelte sie, immer schneller und tiefer. Rein und raus, immer härter und fester. Sie klammert ihre Beine um seinen Rücken und presste ihren Unterleib noch fester um ihn.

Beide erreichten gleichzeitig ihren Höhepunkt.

Es kam als rasch wachsender Strom aus seinen Lenden, hart, heiß und gewaltig. Es schoss aus seinem Glied zwischen ihre Beine, während er fest auf sie gepresst dalag. Mal um Mal von einem zuckenden Beben erschüttert, das er mit langen Stößen begleitete. Verebbend noch drängte er seinen Phallus bis zur Wurzel in sie hinein, als gäbe es noch einen Tropfen in ihm, der ihr gehörte und den sie haben musste.

Aus. Oh Gott, leer und aus.

„Ich liebe dich, mein Schatz.“

„Ich liebe dich auch, mein Lius“, antwortete sie mit zärtlicher Stimme.

Aber sie wurden unterbrochen!

Das Telefon klingelte.

Es war seine Mutter, die den Liebenden mitteilte, dass deren Tochter Clara hohes Fieber hatte. Aurelius versprach, unverzüglich das kranke Kind abzuholen zu kommen.

Dann geschah es!

Nur wenige Fahrminuten, nachdem sie das Haus seiner Eltern mit der kranken Clara verlassen hatten, verlor Aurelius die Kontrolle über den Wagen!

Eine schrille Stimme schrie vor Schmerz laut auf!

Er lag im Auto und blickte sich um. Ein Unfall!

Aurelius richtete sich auf und versuchte die Autotür zu öffnen.

Überall Scherben. Die Tür klemmte.

„Selina, bekommst du deine Tür auf?“, fragte er seine Frau.

Keine Reaktion!

„Selina!“, diesmal rief er etwas lauter.

Endlich reagierte sie, aber nur durch ein gequältes Stöhnen.

„Alles wird gut“, flüsterte er gequält und versuchte die Fensterscheibe herunter zu kurbeln, bis er bemerkte, dass gar keine Scheibe mehr vorhanden war. Er quetschte sich durch die Öffnung.

Von außen versuchte er die Beifahrertür zu öffnen um seine Frau zu befreien.

Die Tür war verklemmt.

Seine Tochter auf dem Rücksitz konnte er durch das Fenster aus dem Auto holen. Sie war völlig unverletzt.

Ganz entfernt hörte er gedämpfte Geräusche. Immer mehr Leute standen in der Nähe der Unfallstelle und starrten den Mercedes an, der frontal an einem Baum klebte.

Wie im Film, dachte Aurelius, lauter Gaffer. Er wartete darauf, dass ihn jemand in den Arm kneifen würde, damit er wieder aufwachte.

Panik kroch seinen Rücken hinauf.

Wo blieb die Feuerwehr? Wo der Krankenwagen?

Dann ertönte das Signal der kommenden Rettung.

Aurelius nahm seine Tochter in den Arm und lehnte sich gegen einen Baum.

Ungefähr zwanzig Feuerwehrleute hantierten herum. Lautes Gekreische von einer Rettungsschere war zu hören, mit der versucht wurde, seine Frau Selina aus dem Auto freizubekommen.

Das ausgelaufene Öl auf der Straße war schon mit Pulver abgedeckt.

Aurelius drängelte sich an den Feuerwehrleuten vorbei und wollte helfen.

Da zog ihn ein Mann in Uniform weg, um ihn mit überflüssigen Fragen zu belästigen.

Eine Frau, die sich zwischenzeitlich um seine Tochter Clara gekümmert hatte, zog Aurelius am Arm. Sie drückte ihm ein Mobiltelefon in die Hand und sagte ihm, dass er irgendwo anrufen sollte.

Er schaute sie verständnislos an.

Dann entstand Bewegung an seinem Mercedes. Das Dach war abgesägt und wurde angehoben.

Die Ärzte wurden hektisch und rannten zu seiner Frau.

Eine Weile später waren die Hubschrauberrotoren zu hören.

Es wurde wieder hektisch.

Aurelius lag mittlerweile in einem Krankenwagen. Einem der Ärzte war es mittlerweile gelungen, ihn auf die Pritsche zu zwingen.

Das Martinshorn jaulte laut. Dann wurde er wieder ausgeladen. Viele Ärzte wuselten um ihn herum. Alle taten nur ihre Pflicht.

Dies war der letzte gemeinsame Tag gewesen.

Die letzte Liebeserklärung, der letzte Orgasmus in ihrem Leben.

Selina von Bartenstein verstarb noch an der Unfallstelle.

Gestorben durch einen Autounfall den Aurelius von Bartenstein verursacht hatte.

Er hatte eindeutig zu viel Whisky getrunken!

Er gab sich die Schuld an ihrem Tod und hatte damit Recht!

2

25 Jahre später

Aurelius von Bartenstein inspizierte die Baustellen, für die er als Architekt verantwortlich war, am liebsten nach Feierabend. Tagsüber verbrachte er lieber seine Zeit im Büro vor dem Computer. Außerdem konnte er auf diese Weise den oft langwierigen und sinnlosen Erklärungen der mit dem Bau Beschäftigten entgehen. In aller Ruhe konnte er die Baumängel selbst herausfinden.

Auch der Büroneubau in der Landsberger Straße, zwischen den Münchner Stadtteilen Pasing und Laim gelegen, gehörte zu seinen Projekten.

Der Architekt parkte seinen Wagen am Straßenrand und näherte sich dem Rohbau. Kein Mensch war mehr auf der Baustelle zu sehen. Leer und bizarr ragte das Gerüst in den abendlichen Himmel.

Das Licht über München reichte noch aus, um auch in den oberen Stockwerken Details erkennen zu lassen. Der Architekt runzelte die Stirn, als er den Schaft eines Werkzeugs über die Laufplanke in Höhe des dritten Stockwerks herausragen sah.

Eine bodenlose Schlamperei, für die er am nächsten Tag den Bauleiter zur Rechenschaft ziehen würde!

Vorsichtshalber wollte Aurelius, der letzten Monat achtundvierzig Jahre alt geworden war, einen Bogen um die Gefahrenstelle machen, doch da geschah plötzlich etwas Seltsames mit ihm!

So sehr er sich auch bemühte, von dem noch nicht fertigen Bürgersteig hinunter auf die Straße zu gelangen, er schaffte es nicht! Unaufhaltsam näherte er sich dem Gerüst. Schon erreichte er die ersten senkrechten Pfosten.

Nur mehr wenige Schritte trennten ihn von der Stelle, über welcher der Werkzeugstiel wie eine stumme Drohung in die Luft ragte. Aurelius biss die Lippen zusammen und stemmte sich gegen den rauen Untergrund, der aus festgestampfter Erde bestand. Er strebte zur Straßenmitte, aber eine unsichtbare Kraft drängte ihn vorwärts, der tödlichen Gefahr entgegen.

Es ging so rasend schnell, dass der Architekt verstandesgemäß nicht mehr erfassen konnte, was mit ihm geschah!

Anstatt dem Gefahrenpunkt ausweichen zu können, drängte ihn etwas, dass er weder sehen noch fühlen konnte, immer weiter vorwärts.

Er riss den Kopf in den Nacken und starrte entsetzt zu dem dicken Holzstiel hinauf, der in Höhe des dritten Stockwerks wie ein Bleistift aussah. Für einen Sekundenbruchteil schoss es Aurelius durch den Kopf, welches Werkzeug wohl an diesem Stiel hängen mochte, dann geschah es auch schon!

Niemand stand da oben im dritten Stock. Die Laufplanken waren so schmal, dass der Architekt jeden Menschen hätte sehen müssen, der darauf ging oder lag.

Dennoch kippte der Werkzeugstiel, wie von unsichtbarer Hand gestoßen und sauste in die Tiefe. In den wenigen Zehntelsekunden, die bis zum Aufprall blieben, erkannte Aurelius mit Grauen, dass es ein mächtiger Vorschlaghammer war, dessen massiver Metallkopf vor allem aus dieser Höhe durchaus in der Lage war, einen menschlichen Schädel zu Brei zu schlagen.

Seinen Schädel!

Denn Aurelius stand genau unterhalb des abstürzenden Hammers. Dieses unerklärliche Etwas hielt ihn fest, verhinderte, dass er sich in Sicherheit brachte.

Mit einem letzten Aufflackern seines Lebenswillen schnellte seine rechte Hand vor. Er bekam einen Holm des Gerüsts zu fassen. Alle Muskeln anspannend, riss er sich selbst ein Stück vorwärts. Es gelang ihm, die unsichtbare Macht zu überwinden.

Der Architekt glaubte, den Luftzug zu spüren, als der schwere Hammer haarscharf an seinem Gesicht vorbeisauste. Im nächsten Augenblick bohrte sich der Metallkopf mit einem dumpfen Schlag in die festgestampfte Erde des noch nicht vollendeten Bürgersteigs.

Der Hammer verschwand bis zur Hälfte im Untergrund.

Taumelnd machte Aurelius einige Schritte hinaus auf die Straße und schaute an dem Gerüst empor. Sosehr er auch suchte, er konnte keine Anzeichen dafür entdecken, dass sich jemand dort oben befand, weder auf dem Gerüst selbst, noch irgendwo in dem Neubau, an dem noch sämtliche Außenwände fehlten. Der Schall eines Schrittes hätte auf jeden Fall bis hinab auf die Straße dringen müssen.

Der Architekt musterte auch prüfend die Bürgersteige und die benachbarten Häuser. Es war eine typische Münchner Gewerbestraße, tagsüber von Verkehrstaus gequält, abends und vor allem nachts jedoch ausgestorben wie ein Friedhof. Niemand hatte den Unfall beobachtet, niemand konnte bezeugen, dass der Hammer tatsächlich aus dem dritten Stock heruntergestürzt war.

Der Hammer!

Aurelius erinnerte sich an das Instrument, das ihm beinahe den Tod gebracht hätte. Er musste diesen sicherstellen, um am nächsten Tag mit den Nachforschungen beginnen zu können, wer für diesen Leichtsinn verantwortlich war.

Der Architekt senkte seinen Blick und fuhr mit einem überraschten und erschrockenen Aufschrei zurück.

Ächzend griff er zu seinem Herz.

Die Aufregung war fast zu viel für seine angegriffene Gesundheit. Der Anblick, der sich seinen Augen bot, traf ihn wie ein Schock. Deutlich zeichnete sich in dem nachgiebigen Erdreich der Abdruck des schweren Metallkopfes des Hammers ab. Das Werkzeug selbst aber war, obwohl sich kein Mensch der Unglücksstelle genähert hatte, verschwunden!

Sein Blick irrte nach oben.

Er kniff die Augen zu schmalen Schlitzen zusammen. Nein! Es war kein Irrtum möglich! Das war keine optische Täuschung.

Über den Rand des Bretts im dritten Stock ragte der Stiel des massigen Vorschlaghammers heraus!

3

Er war mittlerweile sehr gerne Privatdetektiv. Aber doch brauchte er von Zeit zu Zeit Abstand von seinem Beruf. Sein hervorragender Ruf in Fachreisen gestattete es David Buchmann, auch einmal für mehrere Monate zu verreisen, ohne dadurch Aufträge einzubüßen.

Er war früher ein bekannter Theaterregisseur gewesen. Bei einem blutigen Überfall auf das Theater44 hatte David als einziger überlebt. Die grausamen Augenblicke erschienen immer wieder wie ein Film vor seinem geistigen Auge.

Warum habe ich überlebt und alle anderen sind tot?

Immer wieder stellte er sich diese Frage. In der Presse wurde von einem Wunder geschrieben. David konnte nach diesem Erlebnis kein Theater mehr betreten. Er hatte sein Leben komplett verändert und wollte Menschen, die unschuldig in Not geraten waren, helfen.

Daher machte er sich als Privatdetektiv selbständig. Er mietete in der Nymphenburger Straße ein kleines Büro und lebte zu Beginn von seinen Ersparnissen. Aber schnell wurden seine außergewöhnlichen Erfolge bekannt und er konnte sich vor Aufträgen nicht mehr retten.

Viele Leute, insbesondere die Münchner High Society, baten um seine Hilfe, sodass er ständig eine große Auswahl an Aufträgen vorliegen hatte.

David Buchmann hatte es sich auf der kleinen Ledercouch in seinem Büro bequem gemacht, die Schuhe ausgezogen, sich ein Kissen unter den Kopf gestopft und die Beine hochgelegt. Neben ihm stand eine Flasche mit Wodka, Zigaretten und Salzgebäck. Der CD Player verströmte gedämpfte Klänge. Das ewig nervende Handy schwieg. Der Privatdetektiv dachte an seine ehemaligen Freunde, an Linda Mucia, die berühmte Schauspielern, oder an Valentina Burgmeister, das junge attraktive Mädchen. Beide waren tot, zerfetzt von zwei unheimlichen Kreaturen.

Sein Gesicht verdüsterte sich mehr und mehr. Hätte er seine Freunde retten können? Warum hatte er als Einziger überlebt?

Mitten in seinen Überlegungen hinein schrillte die Türklingel. Mit einer eleganten Rolle sprang David hoch und lief zur Tür. Eine Ablenkung von seinen negativen Gedanken war ihm jetzt willkommen.

Durch den Türspion sah er einen Unbekannten mit dunkel getönter Sonnenbrille und gepflegten, schwarzen Haaren draußen stehen. Der Mann mochte etwas vierzig Jahre alt sein und hatte ein intelligentes Gesicht, das zumindest in diesem Moment angespannt und gehetzt wirkte.

David öffnete die Tür, stellte sich vor und ließ den Fremden eintreten.

„Ja, ich erkenne sie von Fotos aus den Zeitungen“, nickte der Unbekannte. „Ich bin Aurelius von Bartenstein, Architekt.“

„Sie sind mir auch nicht unbekannt, wenigstens dem Namen nach“, nickte David lächelnd. Er führte seinen Besucher in den Wohnraum und bot ihm etwas zu trinken an.

„Sie sind meine letzte Hoffnung, Herr Buchmann“, sagte Aurelius mit bebender Stimme. „Auf mich wurde ein Attentat verübt. Ein Vorschlaghammer sollte mich erschlagen.“

Ziemlich hastig und verworren berichtete er von seinem Erlebnis auf der Baustelle. David Buchmann hörte skeptisch zu, dann schüttelte er den Kopf, als Aurelius geendet hatte.

„Wenn der Hammer von allein herunterfiel, war es kein Mordanschlag, Herr Bartenstein“, sagte er geduldig. „Wenn jemand danach wieder den Hammer nach oben brachte, hätten sie diesen Menschen sehen müssen. Irgendetwas stimmt da nicht.“

„Eben“, nickte Aurelius heftig. „Deshalb war ich auch nicht bei der Polizei. Man würde mir nicht glauben und mich höchstens in eine Heilanstalt einweisen. Man würde behaupten, ich wäre geisteskrank. Ich kann ihnen die Stelle zeigen, an welcher sich der Hammer in die Ecke drückte! Und es war niemand in der Nähe, das kann ich beschwören!“

David Buchmann nahm bedächtig einen Schluck Wodka und überlegte, wieweit er dem Architekten glauben konnte. Wenn er sich entschloss, seiner Aussage zu vertrauen, dann hatte er einen Fall, nach dem er suchte. Seit seinen blutigen Erlebnissen im Theater44 lag sein Hauptinteresse an mysteriösen Fällen.

„Also gut“, nickte David. „Versuchen wir es!“

„Sie übernehmen meinen Fall?“ Aurelius richtete sich erfreut auf und streckte David die Hand entgegen.

„Langsam“, lächelte der Privatdetektiv. „Noch sage ich nicht zu. Ich möchte erst die Baustelle sehen, danach sprechen wir weiter.“

Sie fuhren gemeinsam in dem Audi von Aurelius. Der Architekt fuhr schnell, nervös und unkonzentriert, sodass David leichte Schweißausbrüche bekam. Die kurze Fahrt von der Nymphenburger Straße zur Landsberger Straße ging jedoch ohne Zwischenfall über die Bühne. An der Baustelle stieg David aus und nickte dem Architekten zu.

„Zurück fahre ich, wenn sie nichts dagegen haben“, sagte er trocken. Dann holte er eine Taschenlampe hervor, die er mitgenommen hatte.

Der Lichtkegel kreiste über den Boden, bis er die Stelle fand von der Aurelius gesprochen hatte. Deutlich war der Abdruck zu erkennen, scharf gezeichnet, als hätte jemand eine Form für einen Ausguss herstellen wollen.

Der Lichtstrahl wanderte nach oben. David suchte die Bretter des Gerüsts ab und fand das gefährliche Werkzeug.

„Das sehe ich mir näher an“, entschied er. „Setzen sie sich in den Audi, damit sie nicht getroffen werden, falls das Ding noch einmal herunterkommt.“

Er wartete, bis der Architekt seinen Wunsch erfüllt hatte, dann hänge er sich die Taschenlampe an den Gürtel seiner Hose und begann den Aufstieg.

Für einen sportlich, durchtrainierten Menschen wie David, war es nicht schwer, bis zum dritten Stock empor zu turnen. Auch die Höhe machte ihm nichts aus. Er war auch nicht außer Atem, als er sich auf das Brett schwang, auf dem der Hammer lag.

Das Werkzeug konnte von einem der Arbeiter vergessen worden sein. Achtlos hingeworfen lag es auf dem Brett. Was stimmte nun? Die Geschichte von Aurelius, nach welcher der Hammer heruntergefallen und von allein wieder hier hinaufgelangt war? Oder Davids heimliche Vermutung, dass der Architekt Unsinn redete?

David schaute über die Kante in die Tiefe. Aurelius saß noch immer im Audi, niemand war auf der Straße. Mit einem kurzen Schwung warf David den Hammer in den Abgrund, damit er ihn unten besser untersuchen konnte.

Vergeblich wartete er auf den dumpfen Aufprall.

Es blieb totenstill!

Als er mit der Taschenlampe den drei Stockwerke unter ihm liegenden Bürgersteig ableuchtete, presste er hart die Zähne zusammen.

Der Hammer war nicht angekommen!

Er hatte sich unterwegs in Nichts aufgelöst.

Aurelius hatte alles vom Auto aus verfolgt. Jetzt kam er David aufgeregt entgegengelaufen.

„Wo ist der Hammer?“, rief ihm David zu, noch während er die Leiter herunterkletterte. „Sie müssen gesehen haben, wo er abgeblieben ist!“

„Ich weiß es nicht!“, rief Aurelius zurück. „Er war auf einmal nicht mehr da, aber ich konnte nichts sehen!“

David sprang auf den festen Untergrund. Rasch blickte er sich um, dann nickte er langsam.

„Ich glaube, Herr Bartenstein“, sagte er halblaut und mit eigenartiger Betonung, „dass mich ihr Fall genug interessiert, um ihn zu übernehmen. Halten sie sich morgen Vormittag in ihrem Büro für mich bereit. Ich werde ihnen eine Menge Fragen stellen müssen, wenn wir jemals auf den Grund dieses Rätsels kommen wollen.“

Mit einem letzten Blick auf die Baustelle, auf der sich so rätselhafte Vorfälle zugetragen hatten, stiegen beide in den Audi und fuhren los.

4

„Beneidenswert, diese Sonnenbräune!“

Kriminalhauptkommissar (KHK) Albrecht B. Schubert, vom Kommissariat K 11, in der Hansastraße in München, ließ seine mächtige Faust auf den Schreibtisch in seinem kleinen Büro niederdonnern, dass die Fensterscheiben leise klirrten.

„Lassen sie sich ansehen, David. Sie sehen fabelhaft aus, es scheint alles in Ordnung zu sein, oder?“

„Vielen Dank, mittlerweile sind die schlimmsten Gedanken verschwunden. Nur noch manchmal“, David blickte traurig aus dem Fenster, „denke ich noch an diese Nacht zurück.“

Albrecht Schubert war der leitende Ermittler in den Mordfällen „Theater44“. Damals wurden in der Privatwohnung des Theaterproduzenten Clément de Réunion insgesamt sechs Menschen auf grausame Weise ermordet.

David Buchmann hatte als Einziger überlebt!

Die Mörder konnten nicht ermittelt werden. Es war eine merkwürdige und mysteriöse Zeit, dabei haben sich die beiden Männer kennen und schätzen gelernt. Als David seinen Job beim Theater aufgab und sich als Privatdetektiv selbständig machte, hat ihm Albrecht Schubert viel geholfen.

„Lenken sie sich immer noch mit Arbeit ab“, fragte der Kommissar weiter.

„Ja“, antwortete David, „das hilft mir. Wir werden die Mörder meiner Freunde finden, das weiß ich!“

Seine Augen glühten bei diesen Worten.

Fünf seiner besten Freunde wurden bestialisch ermordet!

„Ich habe einen neuen Fall angenommen“, sprach David nach einer kurzen Pause weiter.

„Lassen sie mich raten.“ Albrecht Schubert beugte sich blinzelnd über seinen Schreibtisch und senkte seine Stimme zu einem geheimnisvollen Flüstern.

„Es ist ein sehr rätselhafter Fall mit sehr merkwürdigen Begleitumständen, ein Fall also, der nichts für die Münchner Kriminalpolizei ist, sondern nur von einem berühmten Privatdetektiv wie David Buchmann geklärt werden kann. Habe ich recht?“

„Sie haben immer recht“, antwortete David mit einem feinen Lächeln. „Vor allem mit dem berühmten Privatdetektiv. Da haben sie den Hammer auf den Kopf getroffen.“

„Den Nagel, David“, verbesserte ihn der Kriminalhauptkommissar. „Es sollte richtig heißen, da habe ich den Nagel auf den Kopf getroffen.“

„Nein“, schüttelte David beharrlich den Kopf. „Sie haben den Hammer getroffen, da es sich in meinem neuen Fall um einen Hammer dreht.“

Der Kriminalhauptkommissar starrte ihn an, als befürchtete er bereits, dass die schlimmen Ereignisse der Mordnacht den Verstandeskräften des Detektivs geschadet haben könnten.

„Sonst fühlen sie sich aber gut, nicht wahr?“, erkundigte er sich besorgt. „Ich meine keine ernstlichen Krankheiten?“

„Sie verstehen nicht, was ich meine“, antworte David freundlich. „Es dreht sich in meinem Fall um einen Hammer, der beinahe einem Mann namens Aurelius von Bartenstein auf den Kopf gefallen wäre. Dieser Hammer...“

David Buchmann unterbrach sich erstaunt, weil der Kriminalhauptkommissar bei der Nennung des Namens ein Gesicht machte, als habe er irrtümlich anstatt eines Glases mit Wasser, reine Essigsäure geschluckt.

„Aurelius von Bartenstein, das Schreckgespenst der Münchner Kriminalpolizei!“, rief Albrecht Schubert halb verzweifelt, halb wütend. Er stand auf, stampfte auf seinen kurzen Beinen quer durch den Raum und holte mit sicherem Griff eine dicke Akte aus einem der Regale. Als er sie auf den Schreibtisch knallte, wirbelte eine Staubwolke auf, die David zum Husten reizte.

„Was ist das?“, fragte der Privatdetektiv ungehalten.

„Die Akte Aurelius von Bartenstein!“

Zu allem Überfluss knallte Schubert auch noch seine Faust auf die staubigen Blätter, sodass eine zweite Wolke seinen Besucher einnebelte.

„Seit über zehn Jahren geht uns dieser Irre auf die Nerven. Er meint, nur weil er aus einem alten fränkischen Rittergeschlecht abstammt, uns hier ständig die Zeit stehlen zu dürfen. Er hat schon einen Kollegen von mir fast an den Rand des Wahnsinns getrieben. Unser leitender Kriminaldirektor hat die Akte nun mir übergeben. Jetzt habe ich den Kerl am Hals.“

„Das verstehe ich nicht“, meinte David kopfschüttelnd. „Das müssen sie mir schon genauer erklären. Und außerdem brauche ich etwas, um den vielen Staub hinunterzuspülen.“

Schubert holte ein Glas und füllte es mit Mineralwasser, reichte es David und erzählte dann weiter:

„Seit nunmehr zehn Jahren vergeht kaum ein Jahr, in dem nicht dieser Aurelius von Bartenstein bei der Polizei aufkreuzt und behauptet, es wäre ein Attentat auf ihn verübt worden. Mit schöner Regelmäßigkeit versuchen

Autofahrer ihn über den Haufen zu fahren. Wir können diese Autofahrer aber nie finden. Oder es fallen ihm Gegenstände beinahe auf den Kopf. Wir können diese Gegenstände aber nie finden. Oder er stürzt in irgendeinen Abgrund und bleibt nur durch einen Zufall am Leben. Wir können aber niemanden finden, der ihn hinuntergestoßen haben könnte! Und jetzt kommen sie daher und behaupten, ihm wäre ein Nagel...“

„Ein Hammer, Albrecht!“, fiel ihm der Privatdetektiv ins Wort. „Ein Hammer wäre ihm beinahe auf den Kopf gefallen. Hinterher lag er aber wieder auf dem Gerüst, von dem er herunterkam.“

Das undefinierbare Herumfuchteln von Schuberts Händen sollte wohl eine abfällige Geste sein.

„Dachte ich es mir“, grinste der Kommissar. „Und sie glauben diesen Unsinn?“

„Ich bin geneigt, ihm zu glauben“, antwortete David ruhig. „Ich selbst habe nämlich diesen Hammer probeweise aus dem dritten Stockwerk eines Rohbaus geworfen. Der Hammer kam aber nie unten an.“

David bedauerte in diesem Augenblick, keinen Fotoapparat bei sich zu haben. Das verblüffte Gesicht des Kriminalhauptkommissars wäre es wert gewesen, festgehalten zu werden.

„Sagen sie das noch einmal“, murmelte Schubert. Doch er wartete nicht ab, bis der Detektiv seiner Aufforderung nachkam.

„Die Einzelheiten“, verlangte er knapp.

David ließ sich nicht zweimal bitten. Zwischen ihnen gab es keine Eifersüchteleien, sondern sie unterstützten einander bei der Lösung ihrer Fälle, vor allem bei solchen, in denen herkömmliche Mittel nicht ausreichen.

„Was werden sie unternehmen?“, fragte Schubert weiter, als der Privatdetektiv mit seiner Erzählung geendet hatte.

„Heute nichts mehr“, erwiderte David und warf einen Blick auf die Uhr, die bereits nach Mitternacht zeigte.

„Morgen Vormittag gehe ich zu Aurelius von Bartenstein. Dann lasse ich mir mehr über sein Leben erzählen. Ich halte sie auf dem Laufenden. Wenn sie etwas in den Akten finden sollten...“

„Lasse ich es sie wissen“, nickte der Kriminalhauptkommissar.

5

Fabian Böhm war Zugführer einer S-Bahn bei der MVV, den Münchner Verkehrs- und Tarifverbund. Tag für Tag, oder Nacht für Nacht, fuhr er die Schienen durch München. Er fluchte auf seinen Job, der ihm zwar Geld aber nicht viel Freude brachte.

Ein Lichtblick war wenigstens seine Familie, seine Frau Dagmar und sein zweijähriger Sohn Marvin, für die er ein kleines Reihenmittelhaus am Stadtrand von München gekauft hatte. Sie würden zwar noch zwanzig Jahre daran abzahlen, doch die Mühe lohnte sich.

Er hatte die letzte S-Bahn gefahren und kam erst gegen ein Uhr Nachts nach Hause. Wie immer saß Dagmar im Wohnzimmer und wartete auf ihn, doch schon beim Betreten der Diele stutzte er.

Etwas war anders als sonst!

Auf den ersten Blick konnte er jedoch nicht erkennen, was es war. Erst bei genauerem Hinsehen merkte er die Unordnung, wie sie in einem Haushalt mit einem kleinen Kind immer herrscht.

Ungewöhnlich daran war nur, dass Dagmar nicht wie sonst aufgeräumt und alles in Ordnung gebracht hatte, bevor er nach Hause kam.

Besorgt ging er zu seiner Frau ins Wohnzimmer. Geistesabwesend hob sie ihm ihr Gesicht entgegen, um den Begrüßungskuss zu empfangen.

Ihre Lippen waren eiskalt!

„Dagi, was ist denn los?“, fragte Fabian erschrocken. „Bist du krank? Fühlst du dich nicht gut?“

„Es ist nichts“, antwortete seine Frau gleichgültig. Sie stand auf und ging mit schleppenden Schritten voran in die Küche. Auf dem Tisch stand ein kalter Imbiss.

„Sie war wieder hier! Sie wollte etwas von mir, aber ich – ich kann nicht!“

„Sie? Welche sie?“, fragte Fabian Böhm erstaunt. „Dagi, du bist so bleich!“

„Der Autounfall!“, sie drehte ihm ihr Gesicht zu, dass vor Entsetzen völlig verzerrt war. „Das Auto, der Baum! Aber ich komme nicht heraus! Aurelius, hilf mir!“

Sie warf sich ihrem Mann zitternd um den Hals. Immer wieder krallten sich ihre Finger in seine Jacke, während sie laut schluchzte und „Aurelius, hilf mir!“ rief.

Sekundenlang stand Fabian Böhm fassungslos in der Küche. Dann packte er Dagmar an den Armen und schob sie ein Stück von sich.

„Komm zu dir!“, rief er, von Panik erfasst. „Ich bin nicht Aurelius! Wer, zum Teufel, ist eigentlich Aurelius? Ich bin Fabian! Dein Mann!“

Entsetzte Augen, in denen Todesangst flackerte, glühten ihm entgegen, dann sackte sie ganz plötzlich zusammen. Fabian Böhm konnte seine Frau eben noch auffangen. Er nahm sie auf seine Arme und trug sie wieder in das Wohnzimmer hinüber, wo er sie vorsichtig auf die Couch legte. Er wollte eben den Notarzt anrufen, als sie wieder zu sich kam.

„Ach Fabian“, sagte sie lächelnd und gähnte. „Du bist schon da? Mein Gott, schon so spät! Ich muss eingenickt sein. Entschuldige, Schatz, dein Essen steht in der Küche.“

Sie schwang ihre Beine von der Couch, nahm ihn an der Hand und führte ihn an den Küchentisch.

Fabian Böhm folgte seiner Frau wie betäubt. Was sollte das alles nur bedeuten?

„Du siehst so besorgt und abgespannt aus, Schatz“, stellte sie kritisch fest. „Ist etwas passiert?“

„Es war ein anstrengender Tag heute“, murmelte Fabian und machte sich lustlos über den kalten Imbiss her. Hinter seiner Stirn wälzten sich düstere Gedanken.

Was, um alles in der Welt, war mit seiner Frau geschehen. Wer war die Frau, von der sie gesprochen hatte? Wer war dieser Aurelius, der ihr helfen sollte? Und welchen Autounfall hatte sie gemeint?

Fabian Böhm hatte Angst, mit seiner Frau über diese Dinge zu sprechen. Er beschloss abzuwarten.

Instinktiv witterte er eine Bedrohung, eine verborgenen Gefahr. Etwas Unheimliches griff nach ihm und seiner Familie, vernichtend, gnadenlos!

„Morgen sieht alles schon ganz anders aus“, sagte Dagmar lächelnd.

Hoffentlich, dachte Fabian verbissen und folgte seiner Frau zurück in das Wohnzimmer.

Sie ließ sich auf die Couch sinken und blickte ihn aus halboffenen Augen an.

„Berühre mich, bitte! Nimm mich, Fabian!“

Begehren wollte in ihm aufkommen und das bestürzte ihn. Nach diesen Erlebnissen, hätte er das nicht für möglich gehalten.

Aber seltsam, Dagmar hatte etwas völlig Neues an sich, das ihn anzog.

Sie wirkte so anders. Wie eine andere Frau!

Seine Hand bewegte sich über die Seide des Hausanzuges, die sich um ihre schlanken Schenkel schmiegte, und ihr Seufzer unterstich noch ihre Bereitschaft und fachte das Feuer in seinem Körper an.

Fabian umfasste seine Frau und zog ihr Gesicht an seines, sodass sich beide küssen konnten. Der Kuss war heiß, fiebrig und verzweifelt.

Sie wand sich unter seinem Körper und griff nach seinem Handgelenk, um seine Hand auf ihre feste Brust mit den harten Nippeln zu legen. Unwillkürlich schlossen sich seine Finger um den köstlichen Hügel.

Ihre Zunge drang mit bisher ungekannter leidenschaftlicher Gier in seinen Mund vor.

Es war erstaunlich, wie sehr sie sich verändert hatte!

Fabian war gleichzeitig schockiert und begeistert, dass seine Frau zu solch einer Leidenschaft fähig war.

Ihre Nägel gruben sich in das Fleisch seiner Schultern. Sie drängte ihren verzweifelt sehnsüchtigen Körper an den seinen. Ihre Lust steigerte die seine, er erwiderte ihre heißen Küsse mit jener fast unersättlichen Gier, die er noch nie bei seiner Frau erlebt hatte.

„Fabian, bitte!“, flüsterte sie, drängte ihr Becken an seinen Leib und ließ ihre feuchten, hungrigen Lippen über sein Gesicht spielen. „Fabian, ich brauche dich.“

Er schluckte und versuchte sich ihrer so ungewohnten erotischen Ausstrahlung zu entziehen. In den Jahren ihrer Ehe hatte sie solche Worte nie gesprochen. Es war immer so gewesen, dass er sie umständlich und oft recht mühsam verführen musste, wenn er sie haben wollte. Da schoss ihm der Gedanke durch den Kopf, dass er doch eigentlich ausprobieren sollte, ob ihre Verwandlung nur eine oberflächliche war oder ob sie auf den Grund ihres Wesens hinabführte.

Das konnte er aber nur feststellen, wenn er jetzt sofort ihrem Verlangen nachgab.

„Ja, Liebling“, flüsterte er an ihrem Ohr und zog mit der Zungenspitze die Linie ihrer zartrosa Ohrmuschel nach.

Sie löste sich von ihm und glitt von der Couch. Ihre fiebrigen Hände streiften die dunkle Seidenhose ab, dann schlüpfte sie aus dem Oberteil. Er fummelte ein wenig ungeschickt an seiner Kleidung herum. Das Dagmar sein Begehren wachgerufen hatte, war noch immer erstaunlich, ja bestürzend für ihn. Er war von ihrem Verhalten noch immer geschockt.

Es ließ sich nicht leugnen, dass sein harter Penis ihm und ihr verriet, wie sehr sie ihn in Erregung setzte.

„Fabian, schnell! So beeil dich doch!“, drängte sie.

Er schaute sie an, ihr Bild verschwamm im ersten Moment vor seinen Augen. Doch dann sah er sie klar vor sich. Sie kniete auf der Couch und ließ sich nun langsam auf die Schenkel herunter. Dagmar war nackt, ihr wundervoller Körper war für ihn eine Offenbarung wie in der Hochzeitsnacht. Die Brüste mit den dunkelrosa Aureolen waren von der erlesenen Vollkommenheit einer klassischen Aphrodite. Die kleinen, harten Nippel sprangen ihm verlangend entgegen.

Die schmale Taille ging in den lockenden Schwung sanft gerundeter Hüften über. Im flachen Bauch war die Vertiefung des Nabels kaum mehr als ein Schatten. Durch das weiche Licht der Stehlampe schimmerten die roten Löckchen ihres Venushügels wie glänzendes Kupfer, als wollten sie das Feuer ahnen lassen, das so unerwartet in ihrem Schoß brannte. Ihr schönes Gesicht mit den langen roten Haaren war vor Erregung rosig überhaucht.

Sie wirkte auf ihn, wie eine fremde Frau!

Eine hinreißend schöne, erregende fremde Frau!

Selbst ihr Körper schien anders zu sein und vor mühsam gebändigter Leidenschaft zu beben. Verwundert sah er sie an, hielt den Atem an, als er ihrem Blick folgte, der an seinem voll aufgerichteten, federnden Penis hing.

War das noch die Dagmar, deren kühle Schönheit und damenhafte Gemessenheit ihn immer auf Distanz gehalten hatte?

Wie war es möglich, dass sie plötzlich so verändert war?

Er trat zu ihr und zog sie in die Höhe, sodass sein Mund den ihren und sein Glied ihren Leib berührte. Willig öffnete sie ihren Mund und nahm seine suchende Zunge in ihn auf.

Wie ängstlich hatte sie das sonst immer vermieden!

Jetzt ließ sie ihn ihren ganzen Hunger fühlen, als wolle sie damit ausdrücken, dass sie nicht nur seinen Mund, sondern ihn selbst und ganz, als Sexwesen, als Mann, haben wolle.

Ihre heißen, harten Nippel brannten sich in seine Brust. Seine Hände strichen über ihren schlanken, glatten Rücken und umfassten die wundervollen, erregenden Rundungen ihres Gesäßes. Er drückte ungeduldig und gierig seinen Leib an den ihren und versuchte sie dann in die Couchkissen zu drücken.

Sie zögerte ein wenig, stemmte sich gegen den Druck seines Körpers. Ein Schatten der früheren Abwehr flog über ihr rot überhauchtes Gesicht.

„Fabian ...“, flüsterte sie.

Er zog sich zurück, als er ihren bekannten Widerstand spürte. Die von ihr selbst geschaffene Illusion begann an Substanz zu verlieren. Sie ist keiner schrankenlosen Hingabe fähig, dachte er verzweifelt. Sie ist und bleibt die kühle Dagmar, die es nie wagt, ganz Frau zu sein, sich fallenzulassen, um die Wellen der Lust über sich zusammenschlagen zu spüren. Nicht einmal jetzt bringt sie es über sich, ihre starre Gemessenheit zu lockern.

Er fühlte, wie sein Begehren nachließ.

Dann krallten sich ihre Finger in seine Schulter, um ihn zu sich auf die Couch zu ziehen.

„Bitte, Fabian, fick mich“, flüsterte sie und küsste seine Wange.

„Mein süßes Miststück, ich liebe dich“, murmelte er gefühlvoll und ließ sich von ihr in die tiefen Kissen der Couch ziehen.

Sie öffnete ihre Beine und er hörte, wie sie scharf den Atem einzog, als er in sie eindrang. Ihre Lippen strichen wie Schmetterlingsflügel über seine Wangen. Seine Hände wollten überall gleichzeitig sein, an ihren Brüsten, in ihrem roten Nest, über ihre Hüften streichen. Er bemerkte, wie sich ihr warmer, weicher, lüsterner Körper an den seinen drängte. Er schloss die Augen und ließ die Hände über ihren Rücken streichen. Sie legten sich um die vollen Wölbungen ihres Gesäßes, zogen mit der Fingerspitze ihre hintere Quetschfalte nach und spielten in der weichen Fülle ihres dichten, roten Fellchens.

Fabian glaubte vor Erregung zerspringen zu müssen, als sie die erogenen Zonen seines Körpers mit der Zungenspitze reizte, sie dann mit den Fingerspitzen nachzeichnete und dabei ihre wunderschönen Brüste vor seinen Augen schwingen ließ.

Er saugte mit seinen Lippen an ihren Brustwarzen und schmeckte die zarte Süße ihrer cremigen Haut. Intensiv wie nie zuvor, spürte er wie sein zum Bersten geschwollener Eichelkranz immer wieder durch das warme, feuchte Moos in ihre samtene Scheide drang. Unwirklich und scheinbar von selbst bewegten sich die Geschlechter ineinander.

Kampf und Entspannung zugleich erschütterten den Körper von Fabian und trieben ihn weiter auf der Woge der Empfindungen.

Die Klarheit seiner Gedanken und Gefühle kehrte für einen winzigen Moment zurück. Er hauchte stöhnend ihren Namen und blindlings griffen seine Hände nach ihr, um sie zu sich zu ziehen.

Dann folgte ein Höhepunkt von so erschütternder Intensität, dass er zitternd vor Erschöpfung kaum mehr wahrnahm, wie sie ihren Orgasmus herausschrie.

Ihre Stimme stöhnte laut seinen Namen.

Seinen Namen?

Er hörte genauer hin.

„Oh ... jaaaa ... mein geliebter Aurelius, endlich wieder Sex mit dir. Jaaaa ... mein Lius.“

Alles verkrampfte sich in seinem Magen. Er blickte auf seine Frau, die nach dem Abklingen ihres Höhepunktes schlaff nach hinten kippte.

Sie schloss ihre Augen und fiel in eine tranceartige Ohnmacht.

Plötzlich spürte er eine nahende Gefahr. Er konnte es sich nicht erklären, aber er hatte Angst.

So tiefe Angst!

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160 стр. 1 иллюстрация
ISBN:
9783738063585
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