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INHALT

PROLOG

EINLEITUNG

Radfahren als Lebenseinstellung

Exkurs: Wissenswertes rund ums Radfahren

Freiheit auf Rädern

Ansichtssache

FAHRRADKUNDE, TECHNIK UND TUNING

ENTWICKLUNG UND ERFINDUNGEN BIS HEUTE – MEILENSTEINE

Der Diamantrahmen

Das Rennrad

Das Mountainbike

Die Zeitfahrmaschine

Das Triathlonrad

Das Gravelbike

Der Cyclocrosser

Räder für Frauen

Das Kinderrad

DIE KOMPONENTEN

Pedale

Bremsen

Sattel

Lenker

Griffe und Lenkerband

Kurbellänge

DAS EQUIPMENT

Radhose

Radschuhe

Innensohle

BIOLOGISCHE GRUNDLAGEN

ANATOMIE

Muskeln

Ursache-Folge-Kette

Das Becken

Das Knie

Der Fuß

Beinachse

Beinlängendifferenz

Die Schulter

Die Hände

FAHRRADFAHREN UNTER DIE LUPE GENOMMEN

Zyklische Bewegung

Die Kurbelumdrehung aus biomechanischer Sicht

DAS BIKEFITTING

Problemlöser

Das magische Dreieck

RÜCKBLICK AUF FITTING-MEILENSTEINE

Historie

Aktuelle Methoden

DAS FAHRRAD UNTER DER LUPE

Bikesizing

Stack und Reach

DIE SITZPOSITION UNTER DER LUPE

Der Sweetspot ist kein Punkt

Einstellungsphilosophie

SCHNITTSTELLE PEDAL

Einlagen

Klickpedalsysteme

Cleat-Einstellung

Vorfuß-Varus

Mittig zentrale Cleat-Position

SCHNITTSTELLE SATTEL

Sattelhöhe

Exkurs: XC- und CX-Racing-Sattelhöhe

Ferse-auf-Pedal-Methode

Formelmethode

Selbstversuch

Dynamische Bestimmung

Winkelmessung am Knie

Sattelversatz

Sattelneigung

Satteldesign

SCHNITTSTELLE LENKER

Oberkörperwinkel

Sitzlänge

Vorbaulänge

Oberkörperwinkel

Aeroposition

Einstellung des Aerolenkers

Lenkerbreite

Die Einstellung ist kein Kinderspiel

FINALE ENTSCHEIDUNG

Set your Setup

Maßübertrag

BIKE MEDICAL – STÖRGERÄUSCHE AM EIGENEN KÖRPER

DIE DOSIS DER SCHMERZEMPFINDUNG

VERLETZUNGEN BEIM RADFAHREN

Tendopathien

Achillessehnenentzündung

Fußschmerzen

Morton-Neurom

Unspezifische Knieschmerzen

Patellofemorales Schmerzsyndrom

Chondromalazie

Plica-Syndrom

Patellaspitzensyndrom

Pes-anserinus-Syndrom

Entzündung am Wadenbeinköpfchen

Tractus-iliotibialis-Syndrom

Schmerzen im Schritt

Verletzungen in der Hüfte – Impingement

Radfahrerkrankheit Endofibrose

Karpaltunnelsyndrom und Ulnarisparese

Schulterschmerz

Rückenschmerzen

Nackenschmerzen

RADFAHREN ALS THERAPIE

Alter und Beweglichkeit

Arthrose und Rheuma

Psychologische Komponente

Exkurs: Die Schaufensterkrankheit von Straßenradfahrern

TRAINING, TECHNIK, WETTKAMPF

TRAINING

Dehnfähigkeit und Flexibilität

Stabilität aus der Mitte

Transfersportarten

Smartes Rollentraining

Mobile Fitness

Stabilisation der Füße

Verbesserung der Tritttechnik

Frequenztuning

Einbeiniger Tritt

Der Haltung hilft ein roter Faden

WETTKAMPFSTRESS

POSTLUDE/NACHSPIEL

Danksagung – Making-of


PROLOG

»Mit Geduld die endgültige Sitzposition finden. Oft dauert es mehrere Jahre, bis die Perfektion auf den Millimeter genau erreicht ist. Experimentieren und Ausprobieren kostet Zeit, während sich der Körper progressiv verändert und anpasst. Regelmäßiges Training macht ihn geschmeidiger, leistungsfähiger und zielsicherer«, so beschrieb der Franzose Claude Genzling in seinem Buch aus dem Jahr 1988 das Thema, um das es im vorliegenden Buch geht.

Mehr als 30 Jahre später ist die Sitzposition auf dem Rad immer noch eine jeweils sehr individuelle und oft herausfordernde Materie. Sie wird entweder über mehrere Jahre auf eigene Faust, mit dem dadurch entwickelten Gefühl für die Feinabstimmung, oder neuerdings vom Bikefitter des Vertrauens entwickelt. Damit ist die Trial-and-Error-Methode für den modernen Radfahrer nicht mehr zwingend notwendig, er kann sowohl in puncto Material als auch Biomechanik aus dem Vollen schöpfen.

In diesem Punkt unterscheidet sich der Radsport früherer Prägung explizit von der aktuellen Entwicklung. So sind einst ergonomische Komponenten überhaupt gar nicht erhältlich, weil noch nicht produziert. Die Form folgt der Funktion, die aber nicht zwingend benutzerfreundlich ist, scheint das Credo der Fahrradindustrie zu sein, die vielleicht schon durch die Erfindung des Mountainbikes, spätestens aber seit der Vielfalt an erhältlichen Fahrradtypen volle Fahrt aufnimmt.

Beim Bikefitting werden indes alle Zutaten gemischt. Die eigene Sitzposition muss nun nicht mehr über viele Saisons adaptiert werden, da ein Bikefitter diese mühevolle Arbeit durch sein Screening kompensiert. Dabei bestimmen sportwissenschaftliche, ergonomische und physikalische Gesichtspunkte die korrekte Grundeinstellung. Das zufriedenstellende und erfolgreiche Ergebnis baut sich durch verschiedenste Ansichtspunkte und persönliche Voraussetzungen auf, die aber in ihrer Gesamtheit zu komplex ausfallen, als dass sinnvollerweise eine generalisierte Anleitung à la Kochbuch erfolgen kann. Aus diesem Grund kann dieses Buch kein unmittelbarer und/oder allumfassender Leitfaden zum Do-it-yourself-Fitting sein.

Vielmehr werden Sie auf eine Reise eingeladen, die Ihnen hinsichtlich Ergonomie am eigenen Fahrrad Empfehlungen, nützliche Hintergrundinformation und somit mehr Verständnis bietet. Mit Sach- und gesundem Menschenverstand nähern wir uns der Problematik. Beispiel: Sollte der x-te Sattel bei der grundlegenden Problematik – Gesäßschmerzen – keine Besserung bringen, liegt die Lösung wahrscheinlich an der Einstellung. Diese Neuorientierung beinhaltet sowohl die verwendete »Hardware« als auch Adaptionen am Fahrer selbst.

Fahrradergonomie-Spezialisten werden Ihnen mittels ihrer Dienstleistung helfen, die perfekte Sitzposition zu ermitteln. Nach der Lektüre dieses Buches dürften einige Fragen dazu geklärt sein, und es sollte zumindest möglich sein, Ihrem Bikefitter des Vertrauens bei seiner Arbeit genau auf die Finger zu schauen.

EINLEITUNG

Haben Sie selbst noch jene Zeiten in Körbchenpedalen erlebt, als Sie für einen Gangwechsel tief zum Unterrohr greifen mussten, um dann mangels Feineinstellung des Schalthebels den richtigen Gang aus dem Handgelenk zu zaubern?

Dann haben Sie wahrscheinlich genug Saisons an Erfahrung auf dem Buckel, sodass Sie Ihre Sitzposition auf den Millimeter genau kennen, zumindest beim Rennrad, das zu jener Zeit das einzig wahre sportliche Fahrrad darstellte. Doch auch Neueinsteiger wollen Spaß beim Radfahren erleben, noch dazu auf jedem Terrain, ohne dabei Kompromisse eingehen zu müssen. Die aktuell vielfältige und für jede körperliche Voraussetzung verfügbare Auswahl an Radkategorien kommt ihnen da entgegen. Das neu aufkeimende und breite Interesse erfreut Jung und Alt und vor allem auch Frauen. Sie nehmen unverzagt ihre Beine in die Hand und kurven ganz selbstverständlich und zugleich ohne Begleitung auf ihrem Rad.

Komplexe Bedürfnisse schaffen auch indirekt neue Anforderungen an das Material, das insbesondere in Pandemiezeiten eine boomende Nachfrage erlebt. Bikefitting unterstützt diesen Prozess, indem Hersteller auf die Erfahrungen aus diesem Bereich Rücksicht nehmen und profitieren. Ein Radsportnovize erspart sich somit viel Zeit mit Tüfteln, und ein Veteran kann sich trotz seiner etablierten Sitzposition bei Beschwerden beraten lassen.

RADFAHREN ALS LEBENSEINSTELLUNG

Dieses Buch richtet sich aber nicht nur an jene, die das Privileg genießen, das sie direkt nach dem Aufstehen in die Bikeshorts schlüpfen lässt, sondern auch an uns Normalsterbliche, die kurz vor dem Frühstück von einem längeren Arbeitsweg oder an freien Tagen vom liebsten Hobby oder auch Wettkampf in den Sattel gerufen werden.

Schon beim Hineinschlüpfen in die Radhose wirkt die Vorfreude. Ob es beim Rennradler oder Graveler die bevorstehende große Runde, beim Mountainbiker der Hausberg oder beim Enduro-Junkie der Trailfun ist, jeder findet mit dem Radfahren seine Herausforderungen, einzig die Triathleten haben immer noch mindestens eine der zwei anderen Sportdisziplinen im Hinterkopf. Verschwitzt, aber gesund am Ziel angekommen, dominieren allerlei sauerstoffgebundene Glückshormone die Erschöpfung. Diese kann mittels schnell verfügbarer Energie recht elegant gedämpft werden. Es bleibt die Erinnerung an Tausende Tritte und noch viel mehr Emotionen, an Kurven, Anstiege, Abfahrten und automatisierte wie meist kontrollierte Brems- und Lenkmanöver. Umfallen an der Ampel, weil wir vergessen haben, uns aus den Klickpedalen zu befreien, ist längst Anekdote. Rampen, die im Wiegetritt weggedrückt, Schlaglöcher, die elegant umfahren, und überraschende Hindernisse, die per Handzeichen nach hinten kommuniziert werden, gehören zum Radfahreralltag dazu. Bleiben nach dem Raderlebnis, abgesehen von kleinen bis großen Ermüdungserscheinungen, keine misslichen Empfindungen zurück, können Sie sich selbst gratulieren.

Aber leider treten, unabhängig vom Trainingszustand, Fahrrad oder Alter, mitunter Beschwerden begleitend mit in die Pedale, die neben anderen Ursachen vor allem die Sitzhaltung betreffen. Der Körper reagiert auf den Ergonomie-Ausfall mit nachhaltigem Unwohlsein, ein Besuch beim Bikefitter kann da helfen. Hinter diesem Anglizismus für einen Spezialisten zum Thema Fahrradsitzposition kann sich auch eine Fachfrau verbergen. Er oder sie bestimmt die Position am Fahrrad auf dem stationären Rollentrainer dynamisch, also während der Fahrt.

EXKURS: WISSENSWERTES RUND UMS RADFAHREN

Die ersten Zweiradschritte im Gleichgewicht macht die Menschheit auf der Draisine, der Laufmaschine. Sie stabilisiert sich anhand der sich drehenden Räder und wird im Jahr ohne Sommer erfunden, als 1816 der überaktive Vulkan Tambora auf Indonesien weltweit den Himmel verdunkelt. Dies hat Ernteausfälle zur Folge, was sich auch auf Verfügbarkeit und Preis des Pferdefutters auswirkt. Es muss letzten Endes eine Lösung für die Mobilität her, die sich im mechanischen Pferd anbietet. Die nächste Entwicklungsstufe zündet mit dem Veloziped. Dabei bedienen die Füße am Vorderrad befestigte Tretkurbeln, wodurch Lenkbewegungen allerdings nur eingeschränkt möglich sind.

Wir kennen diese Prinzipien noch heute, und zwar bei Kindermodellen. Ersteres findet sich heutzutage am Laufrad wieder, Letzteres beim Dreirad. Gerade mit der »Laufraddraisine« lernt der Nachwuchs, die Balance zu halten, und die erlernte intrinsische Stabilität wird ganz selbstverständlich vom Laufrad auf das Fahrrad übernommen. Stützräder, die das motorische Lernen verhindern oder die Antizipation ins Leere laufen lassen, braucht es nicht. Der richtige Bewegungsablauf wird schon beim ersten Fahren abgespeichert.

Das Gleichgewicht wird intuitiv mit feinen, permanent stattfindenden Lenkbewegungen gehalten und ein Leben lang nicht mehr vergessen. Der Kipptendenz stellen sich subtile Lenkbewegungen mitsamt steter Körpergewichtsverlagerung in den Weg. Diese verborgene Schlängelbewegung tritt beispielsweise beim Zeitfahren augenscheinlich zutage, wo sich trotz geschwindigkeitsbedingter gesteigerter Fahrstabilität die kurvige Bahn des Vorderrades feststellen lässt. Unterschiedliche Geschwindigkeiten zeigen auch ihre kuriose Wirkung auf das Lenkverhalten.

Des verblüffenden fahrdynamischen Phänomens, des Spiels mit dem Ungleichgewicht, kann man sich in Kurven bedienen: Statt aktiv in die Kurve einzubiegen, wird der Lenker an der Seite belastet, in die gesteuert werden will, und das Gefährt neigt sich wie von Geisterhand in die gewünschte Richtung.

FREIHEIT AUF RÄDERN

Es gibt wahrscheinlich kaum einen Gegenstand, bei dem Lust und Last so nah beieinanderliegen wie beim Fahrrad. Als umweltschonendes Transportmittel ist es über jede Kritik erhaben, zusätzlich wird es als Sportgerät im TV ins beste Licht gerückt. Wir fiebern bei den Rennen mit oder treten selbst in die Pedale, sodass es die Körpertemperatur auch so in die Höhe treibt. Allerdings geraten wir beim finanziellen Aufwand, der teilweise abverlangt wird, auch so ins Schwitzen, gerade die Ausgaben für das übrige Equipment werden oft unterschätzt. Ein schützender Helm, die obligatorischen Radschuhe und die Radhose sorgen für ein perfektes sportliches Erlebnis sowie ein leeres Bankkonto. Weil das Fahrrad inklusive Ausrüstung immer öfter vernünftige Budgets sprengt, muss das Gesamtoutfit im Raddress individuelle Ansprüche mehr als erfüllen.

Steht das Fahrrad gewissermaßen nackt in der Auslage, weckt es Emotionen und Bedürfnisse. Vergleiche mit dem Profisport oder gängigen Empfehlungen vonseiten der Industrie machen orientierungslos. Eine moderne, aggressive Optik will auch am eigenen Rad gefallen, ob der tiefstehende Lenker nun passt oder nicht. Das glanzvolle Erscheinungsbild des Rennrads vom aktuellen Tour-Sieger präsentiert sich zwar sportiv und protzt vor Strahlkraft, viel entscheidender ist aber das Gespann aus Fahrer und Rad zusammen – die Kombination sollte eigentlich cool daherkommen.

So wird aus dem geplanten Radkauf aus der Formel 1 der Radsportwelt nach nochmaliger, vernünftiger Entscheidung eventuell gar ein anderer Radtyp, so fällt beispielsweise beim Mountainbike die Differenz im Raddesign zwischen Leistungs- und Freizeitsport nicht so eklatant aus.

Egal, in welcher Preisklasse sich Ihr Sportgerät ansiedelt, es hat jedenfalls klaglos zu funktionieren. Technische Einschränkungen sind inakzeptabel, jedoch bleibt elektronisch schalten ein Luxus, und Felgenbremsen verzögern genauso. Damit der Fahrradkauf nicht zum Fehlkauf wird, lohnt es sich, auf Entdeckungstour zu gehen und die Möglichkeiten auszuschöpfen.

Sind die Ziele definiert, ist der Rest meist ein Kinderspiel, einen Kompromiss darf es nur im Notfall geben.

ANSICHTSSACHE

Die Freiheit auf zwei Rädern war noch nie so ein Bedürfnis wie seit Ausbruch der aktuellen Pandemie. Raus aus den vier Wänden und hinein ins Vergnügen, so richtig befreiend wird das Schmuckstück erst, wenn man darauf sitzt. Gleichzeitig erlebt man manches Mal auch Einschränkungen, die einem den Spaß am Radfahren ordentlich verhageln können.

Hängt der Fahrspaß von Handling und verwendetem Material ab, so bedarf es einer passenden Einstellung der Kontaktpunkte, was sich beim Bikefitting justieren lässt. Auch die Anforderungen für das Haupteinsatzgebiet werden unter die Lupe genommen, um die maximale Schnittmenge aus Freude, Komfort und Leistung zu erzielen.

Die Frage nach den eigenen Bedürfnissen muss aber vorab geklärt sein. Radfahren ist gewiss mehr, als einfach nur in die Pedale zu treten. Schnelle Abfahrten, scharfe Kurven, abrupte Bremsmanöver, Überleben in der Gruppe, Fahrt- und Gegenwind, ordentlich Höhenmeter und hohe Geschwindigkeiten verlangen nach vorausschauender Planung.

FAHRRADKUNDE, TECHNIK UND TUNING

ENTWICKLUNG UND ERFINDUNGEN BIS HEUTE – MEILENSTEINE

Um sein eigenes Rad besser kennenzulernen, helfen der Händler, das Studium von Fachzeitschriften, Herstellerprospekten oder diversen Radforen im Internet. Doch erst der Einsatz in der Praxis bringt Klarheit für den Einzelnen. Hat man mit dem neuen Gefährt die Katze im Sack gekauft, macht sich das oft schon auf den ersten Kilometern bemerkbar.

Das Wunschrad ist mehr als der Kauf beim Händler oder gar Online-Versandshop. Die Hardware reagiert erst mit dem Menschen, der sie bedient. Das ist beim Fahrrad mehr als entscheidend, schließlich treibt es der darauf Sitzende aus eigener Kraft an und mit Softskills an Hindernissen vorbei.

Der Designgrundsatz »Form follows function« gilt im Fahrradbereich gefühlt erst seit dem Zeitpunkt, als sich Radfahren als Breitensport etabliert hat (man denke nur an die kraftfordernde Bedienung von so manchem Bremshebel eines Vintage-Rennrads). Die Radprofis aus dieser Zeit waren, wohl auch wegen der Natur der Sportart, hart im Nehmen und hegten keine großen Ansprüche ans Material. Es gab noch nicht einmal einen ordentlichen Kopfschutz.

Die technische Entwicklung der letzten Jahre hat zuletzt ein enormes Potenzial eröffnet. Neue Fahrradtypen bringen mit ihrer veränderten DNA frischen Wind in das Geschäft. Davon profitieren schlussendlich alle Fahrradfahrer, und der gegenseitige Transfer lässt nicht nur Radsportherzen höher schlagen.

DER LUFTDRUCK

Historisch darf sich dabei ein Grundelement ganz in den Mittelpunkt stellen: Die Luft im Reifen ist sozusagen ebenso selbstverständlich wie jene beim Einatmen. Im Jahr 1888 gelingt es dem Arzt John Dunlop, den Luftreifen zu entwickeln; er hat das Durchrütteln beim Radfahren aus gesundheitlichen Gründen gründlich satt. Edouard Michelin bringt 1889 den abnehmbaren Drahtreifen auf den Markt, und für verbesserte Haltbarkeit sorgt Charles Goodyear, der 1898 die Vulkanisierung erfindet. Der Druck im Schlauch bestimmt auch über 100 Jahre später maßgeblich den Komfort und die Fahreigenschaften, ausprobieren lohnt sich also auch bei Ihrem Rad.

Die Fahrradkette, wie wir sie heute kennen und beanspruchen, wird 1898 als Doppelrollenkette von den Brüdern Nevoigt erfunden. Die verminderte Reibung der sich drehenden Rollen auf Hülsen bringt die Räder mit enormem Wirkungsgrad zum Drehen.

DIE LUFT IST NOCH LANGE NICHT RAUS

Revolutionär ist auch die Idee von John Rader. Weil er sein Mountainbike leichter machen will, erfindet er 1990 den gewindelosen Steuersatz – der neue Standard macht den Vorbauwechsel zum Kinderspiel. Fast spielerisch gelingt auch der Umstieg von Haken- auf Klickpedale, die Giro- und Toursiege durch Bernard Hinault 1985 helfen der festen und fixen Verbindung zusätzlich auf die Sprünge. Effizienter Tritt plus Umhergehen in Radschuhen, ohne wie ein Pinguin zu wirken, ist seit 1990 möglich, als Shimano das Cleat in der Sohle versenkt. Der erste Mountainbike-Weltcupsieg auf 29-Zoll-Laufrädern bringt das bisherige 26-Zoll-Format in Bedrängnis, was spätestens im Jahr 2011 als veraltet gilt.

Sporthistorisch drängt sich aber jenes Bauteil ins Rampenlicht, das erst durch eine sportliche Geschichte richtig ins Bewusstsein kommt.

DER 23. JULI 1989 SCHREIBT SPORTGESCHICHTE

Die letzte Etappe der 76. Tour de France von Versailles nach Paris soll eigentlich ein Showdown für den Gesamtführenden werden, den Franzosen Laurent Fignon, genannt der Professor. Wäre da nicht sein ehemaliger Teamkollege, nun aber Dauerwidersacher Greg LeMond aus den USA. Er vermasselt die vermeintliche Triumphfahrt für ganz Frankreich, indem er auf einer Distanz von 24,5 Kilometer den Rückstand von 50 Sekunden in den knappsten Vorsprung der Tour-Geschichte verwandelt – mit dem revolutionären Aerolenkeraufsatz, an dem LeMond noch kurz vor dem Start herumschraubt, sowie seinem Zeitfahrhelm ist sein Setup weitaus windschlüpfriger als das von Fignon, der die Tour somit auf der letzten Etappe um mickrige acht Sekunden verliert. Der Triathlonlenker erfährt seine weltweite Feuertaufe.

Eine andere Art der Kraftunterstützung beim Zeitfahren bildeten Sättel mit Steißbeinstütze. Sie erleben einen ähnlich kurzen Auftritt wie die Miniaerolenker von Spinaci und Tiramisu.

DER DIAMANTRAHMEN

Das Fahrrad existiert in seiner Grundkonstruktion seit über 100 Jahren: Die Anordnung aus Trapez und Dreieck wird Diamantrahmen genannt. Das Trapez besteht aus dem Steuerrohr, Unterrohr, Sitzrohr sowie Oberrohr, das hintere Dreieck teilt sich mit dem Sitzrohr die gepaarten Ketten- und Sitzstreben. Diese Anordnung ergibt eine leichte, steife und kompakte Form. Spektakuläre andersartige Rahmenformen sind ein nach heutigen UCI-Regeln unzulässiger Versuch, das konventionelle Rahmendesign zu sprengen.

DAS EGO DER RAHMENGEOMETRIE

Die Winkel der Steuer- und Sitzrohre bestimmen maßgeblich die Fahreigenschaften eines Fahrrades. Die daraus resultierende Geometrie verleiht dem Rad seinen charakteristischen Wesenszug. Je nach Einsatzgebiet kann dem jeweiligen Naturell nachgeholfen werden. Bei der aktuellen Bikegeometrie können einer Körpergröße gleich mehrere Rahmengrößen zugeordnet werden. Jede einzelne verleiht dem Rad ein spezifisches Handling und dem Fahrer ein anderes Fahrgefühl.

Beim Rennrad unterscheiden sich die verschiedenen Rahmengrößen schlussendlich im Radstand und der Vorbaulänge. Ein kurzer Vorbau liefert ein agiles, kurvenfreundliches Fahrverhalten, während der lange Vorbau Laufruhe vermittelt. Will sich der Radsportler partout mit der vorliegenden Geometrie seines Renners nicht anfreunden und hält diese Paarung auch nach der notwendigen Einstellung und Adaption keine gemeinsame Zukunft bereit, wird es schwierig. Ein Bikefitting kann deshalb nur so erfolgreich sein, wie es die Rahmenbedingungen hergeben. Die Größe desjenigen, der die perfekte Radposition ermittelt haben möchte, muss halbwegs zum verwendeten Material passen. Andere orthopädische Voraussetzungen definieren in weiterer Folge den Rahmen des sogenannten Fitting-Fensters. Dieser von der perfekten Sitzposition ausgehende Spielraum ist begrenzt, was darüber hinaus Probleme verursacht.

DER WINKEL- UND DISTANZEN-KOMPLEX

Der eigene Fahrstil, die gewünschten Fahreigenschaften und die Körpergröße bestimmen also das Wunschrad. Beim Mountain- und Gravelbike kann die Geometrie direkt am Rahmen durch drehbare Inserts an bestimmten Stellen, sogenannte Flip Chips, und zusätzlich durch unterschiedliche Laufradgrößen verändert werden. Beim Rennrad ist spätestens seit Einführung von Steckachsen Schluss mit verstellbaren hinteren Ausfallenden. Da Radsportnovizen ihre eigenen Bedürfnisse noch nicht erkundet haben, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als Empfehlungen und Bewertungen anzunehmen. Eine Testfahrt ist anzuraten, sie zeigt auch minimale Unterschiede auf, sollten sie überhaupt als Entscheidungskriterien in Betracht kommen.

DAS RENNRAD

Das Rennrad ist durch seine reduzierte Bauweise ein leichtes, auf Effektivität getrimmtes Sportgerät. Das Rahmendesign orientiert sich an einer endlosen Linienführung ohne markante Übergänge. Vor allem die Compact- und die Sloping-Form bringen eine moderne Formsprache in die konservative, horizontale Oberrohrlinie. Größenangaben im T-Shirt-Format von S bis XL lösen nach und nach die bewährten Angaben in Zentimetern ab.

ENDURANCE ODER RACE

Der knallharte Radsport entwickelt sich zum Breitensport, Fahrkomfort wird dadurch immer mehr ein Thema. Dem Material wird mehr Leichtigkeit entlockt, neue Formen erweitern die müde gewordene Tradition. Indem das Steuerrohr verlängert wird, steigt auch der Lenker eine Stufe höher. Das bringt für den Rücken etwas Entlastung, und der Lenker ist näher in Reichweite. So wird aus dem Rennradprofil ein eher sanftmütiges, aber nicht unsportliches Vehikel, zusammengefasst unter der Bezeichnung »Endurance« für längere Strecken.

Unmissverständlich vermittelt die Kategorie »Race« mehr Dynamik. Für Rennfahrer, ganz harte Knochen oder all jene, die es immer noch sein wollen, stellt die Replika aus der Pro-Tour mehr als nur eine Kopie dar. Derart rasant wie der Profi, der sich seinem Körper täglich widmet, wird der sportliche Alltagsradler in der Regel leider nicht die Pedale treten, außer das eigene Spiegelbild ist ein durchtrainierter, flexibler und belastbarer Körper. Dann gelingt auch eine geduckte, aerodynamische Rennhaltung vergleichsweise lässig.

Auf der für längere Strecken ausgelegten Rahmenkonstruktion beeindruckt die neutrale Sitzposition, ohne dabei allzu viele Opfer in der Effizienz bringen zu müssen. Sind beim RaceModell selbst kleine Unebenheiten im Teer noch Krater, so bügelt das Ausdauerpendant Unebenheiten geschmeidiger weg, das Fahren an sich ist weniger ermüdend. Auch hinterlässt das Fahrgefühl einen deutlich angenehmeren Eindruck. Sowohl die Formkurve als auch die Mundwinkel des ambitionierten Radfahrers zeigen nach oben.

DAS MOUNTAINBIKE

Die verfügbare Auswahl im Geländeradsektor ist riesig, und diverse Geometriekonzepte machen viel Freude. Die Rahmen wachsen dabei nicht unbedingt in die Höhe, sondern in die Länge. So wird mit dem nächstgrößeren 29-Zoll-Bike mehr Streckung erreicht, das kleinere ist dafür kürzer. Auch die Lenkerformen und -breiten schreiten voran, aber mehr als 80 Zentimeter werden selten erreicht. Flache Lenkwinkel und Variostützen bringen viel Bewegungs- und Sprungfreiheit. Dabei ermöglichen auch Flat-Pedale mit ihren vielen Pins (sogenannte Bärentatzen) genügend Halt für eine sichere Fahrt.

DIE ZEITFAHRMASCHINE

Kann man sich nicht im Windschatten verstecken, ist man angehalten, aerodynamisch alles herauszuholen. Soll aber eine neue Fabelzeit für die Geschichtsbücher gültig sein, muss sich das Fahrer-Rad-Gespann innerhalb des aktuell erlaubten Reglements befinden. Unter dem Radar der UCI hindurchzurauschen ist deshalb keine Lösung, und so werden alle Register gezogen. Die aktuelle Entwicklung der Zeitfahrposition sieht spektakulär aus, birgt aber für den Nicht-Zeitfahrspezialisten ein ordentliches Maß an Herausforderungen. So kann die Gewichtsverlagerung in Richtung Vorderrad in Kombination mit der schmalen Ellbogenplatzierung mit einem Verlust an Fahrsicherheit einhergehen. Eine so radikale Position muss deshalb im Training gut einstudiert werden.

DAS TRIATHLONRAD

Aktuell bringen futuristische Triathlonräder mit ihren steilen Sitzrohrwinkeln allen erdenklichen Komfort, um im Erster-Klasse-Feeling über die Mittel- oder Langdistanz zu reisen: schalten auf Knopfdruck, und das in jeder Position, Flüssigkeitsnachschub wie bei einem Cocktail aus einem Strohhalm und Essen auf Rädern in wasserdichten Boxen, die selbstverständlich auch Ersatzschlauch, Reifenheber und Kartusche aerodynamisch sichern. Nur treten muss man noch selbst. Einer Schlittenfahrt des Sattels auf der breiten Stütze steht dabei nichts im Weg. Auch der Aerolenker-Armpads-Turmbau kann wie beim Legospielen in Angriff genommen werden, vorausgesetzt die Züge oder Schrauben sind nicht zu kurz.

DAS GRAVELBIKE

Das Gravelbike ist seit 2015 der jüngste Spross auf dem Fahrradmarkt. Das MTB-Hardtail wirkt in dieser langstreckentauglichen und komfortablen Gattung wie neu aufgelegt, als Allroundrad ist es für nahezu jedes Terrain geeignet. Der lange Radstand vermittelt viel Laufruhe, während Reifenbreiten von 30 bis 50 Millimetern mit Reifengrößen von 27,5- oder 28-Zoll zusätzlich zum ausgeglichenen Fahrverhalten beitragen. Es gibt sogar eigens geformte Gravellenker, bei denen die Dropouts weiter nach außen stehen, und gravelspezifische Komponenten, die erfolgreich den Spagat zwischen Straße und Gelände wagen, die Einsatzmöglichkeiten sind schier unendlich. Genau hier darf sich der Interessierte die Frage stellen, wie sehr der Trend den eigenen Bedürfnissen gerecht wird. Wird denn die Unterlenkerposition überhaupt genutzt, oder tut es ein Flatbar (wie am Hardtail) auch?

Speziell für das Gelände und die Packtaschen sind teilweise die Rennlenkerbögen in Form eines Flare verbreitert. Mit einer versenkbaren Sattelstütze wird die Fahrt im Gelände noch komfortabler, und bei der Einfachkurbel lässt sich der linke Bremshebel als Fernbedienung zweckentfremden.

DER CYCLOCROSSER

Der Cyclocrosser muss sich hinter dem Gravelbike nicht verstecken. Cyclocross, Querfeldein oder Radquer ist ein traditioneller Sport, und die kurzen und knackigen Wettkämpfe werden nach dem Prinzip »eine Stunde plus eine Runde« ausgetragen. Künstliche Hindernisse, die zum Absteigen zwingen, werden in der typischen Tragetechnik geschultert. Es hängt dabei sehr stark vom Wetter ab, ob Schnee, Matsch, Sand oder harte Böden den Rundkurs zusätzlich erschweren. Die Radbeherrschung und das Kraftpotenzial des Athleten entscheiden mit, ob sich die Herausforderung ohne Laufschritt (um)fahren lässt. Um das möglich zu machen, darf die Reifenbreite laut Reglement die maximal erlaubten 33 Millimeter nicht überschreiten. Wettkämpfe sind umso schneller und spannender, je öfter die matschigen Räder gegen saubere eingetauscht werden. Ganz im Stil der Formel 1 mit ihren Boxenstopps, steht dem Rennfahrer in dieser Wechselzone ein Mechaniker als Betreuer zur Verfügung, und der hat bei Schlammschlachten alle Hände voll zu tun.

Die Geometrie ist an die des Rennrads angelehnt und aggressiv, die Reifen tragen zum Komfortgewinn vergleichsweise wenig bei. Das wird auch der Grund für die relativ bescheidene Bekanntheit außerhalb des Rennmodus sein, denn im Gegensatz zur flächendeckenden Verbreitung des Nachzüglers, des Gravelbikes, will ein Querfeldeinrad eben sehr straff gefahren werden, auch wenn sich die Radtypen nur in Details unterscheiden. So sind beim Crosser durch zwei Kettenblätter kleinere Gangsprünge möglich, sie erlauben durch die feinere Gangwahl ein etwas wirkungsvolleres Treten an einer Steigung – bis zum bitteren Ende; wenn es der Grip dann gar nicht mehr zulässt, wird das Rad halt getragen. Aus diesem Grund bleibt das Oberrohr waagerecht, damit der Diamantrahmen möglichst groß ausfällt. Die ansonsten frappante Ähnlichkeit mit dem Gravelbike hat dem offroadtauglichen Rennrad noch mal neuen Rückenwind verliehen.

RÄDER FÜR FRAUEN

Die progressive Fahrradentwicklung erreichte zu guter Letzt auch das weibliche Geschlecht. Eine nie da gewesene Emanzipation auf Rädern belebt die Radszene. Findige Hersteller bieten ihre Produkte im frauenspezifischen Gewand an. Dabei sind Damenräder mehr als nur kleingeschrumpfte pinkfarbene Pendants zur maskulinen Ausgabe; die moderne Frau setzt sich gleichermaßen auf ein frauenspezifisches Modell wie auf die Unisex-Variante, solange die Sitzposition darauf passt. Endlich findet die weibliche Anatomie genügend Berücksichtigung.

Neben dem spezifischen Zubehör aus Sätteln mit Ausschnitten, komfortablen Sattelstützen, kürzeren Bremshebelabständen zur leichteren Bedienung bei kleinen Händen, schmalen und kompakten Lenkern sowie kurzen Kurbelarmen weisen die Rahmen meist ein nach hinten abfallendes Oberrohr auf, wodurch die Räder agiler im Verhalten sind.

DAS KINDERRAD

Last, but not least wird das Thema Wohlfühlen auf der Hardware Fahrrad auf Kindergröße heruntergebrochen. Vorhang auf für die Kita-Kinder der Generation 2.0, die nicht mehr passiv durch Stützräder in Schräglage herumpedalieren, sondern selbstbestimmt mit dem Laufrad. Schon auf den ersten Metern werden Sicherheit und Handling vermittelt. Analog zu Erwachsenenbikes gelten beim Kinderfahrrad dieselben ergonomischen Ansprüche. Die Geometrie ist ebenfalls an den trendigen Marschtabellen ausgerichtet, mit niedrigem Schwerpunkt für mehr Stabilität und langem Radstand mit flachem Lenkwinkel für mehr Laufruhe. Eine aufrechte Haltung ermöglicht es den Kleinsten, alles im Blick zu behalten, während der tiefe Einstieg kompromissloses Aufsteigen ermöglicht. Positive Entwicklungen zeigen sich auch beim Gesamtgewicht, denn es ist erfreulicherweise durch die Bank gesunken. Diverse Rahmengrößen, modifizierbare Bremsgriffe, abgestimmte Tretkurbeln sowie Sattel, Pedale und Lenker erleichtern die Kaufentscheidung.

Unter allen Umständen muss das Kind, unabhängig von Alter und Größe, mit den Füßen sicher auf den Boden kommen und auch den Lenker leicht erreichen können.

So sehr sich die Grundlagenausdauer von Mama und Papa im Jahresverlauf verändert und angepasst werden muss, so sehr sollten die Eltern auch hinter der richtigen Sattelposition her sein. Kinder werden größer, sie wachsen permanent, und diese Schübe halten sich selten an Jahreszeiten.

DIE KOMPONENTEN
PEDALE

Über Jahrzehnte wurden die Schuhe per Lederriemen und Clip ans Pedal gezurrt, was nicht nur umständlich war, es schnürte auch das Blut stramm ab, erzeugte im Winter Kältebrücken und hielt bombenfest, auch bei einem Sturz. Doch mit der französischen Innovation aus dem Jahr 1984 findet das bislang gewohnte Einfädeln allmählich ein Ende. Angst vor Knieproblemen und eine generelle Skepsis herrschen zunächst vor, doch sterben die Hakenpedale schließlich aus, ohne dass ihnen groß nachgetrauert wird. Da sollten schon die aktuellen Pedale bedauert werden, da hohe Ansprüche an sie gestellt werden, obwohl man sie permanent mit den Füßen tritt.

Für eine sichere und fixe Verbindung zwischen Fahrer und Rad sind Klickpedale unabdingbar.

Trotz der geringen Zuneigung wird ihnen viel abverlangt. Sie sollen sich leicht drehen, einen sicheren Stand gewährleisten und leichtes Ein- und Ausklinken ermöglichen. Damit sie biomechanisch optimal wirken können, haben sie eine große Auflagefläche und ein kleines Gewicht. Vor allem im Gelände ist das vertraute, akustisch wahrnehmbare Einklicken behilflich, das die feste Verbindung mit dem Rad durch bloßes Ohrenspitzen garantiert. Der einzige Wermutstropfen, der in Kauf genommen wird, ist das Gestakse mit Pedalplatten unter den Schuhen.

Biergartenfreundlich und unabdingbar bei alpinen Touren sind versenkte Cleats, wobei die gummierte Sohle dabei über das Cleat hinausragt, was einen sicheren und kippfreien Gang ermöglicht, sodass der klappernde Watschelgang in Stöckelschuhmanier vermieden werden kann.

Der Ergonomie schadet es nicht, es sind sogar je nach Cleat drei verschiedene Auslösewinkel möglich. Gravelpedale und -schuhe schlagen aktuell die Brücke zwischen beiden, sie bieten Road-optik im Bikegewand.

Klickpedale sorgen für eine gleichbleibende Position der Schuhe relativ zur Pedalachse. So gesehen ermöglicht der sichere Halt eine optimale Kraftübertragung, die Schub- und Zugphase wird wirksam verlängert.


PEDAL-ACHSLÄNGEN(NACH HERSTELLER UND KONZEPT)
49, 50, 52, 53, 55, 56, 57, 59, 62, 63, 65, 70 mm

BREMSEN

Die Bremsen sind die wichtigsten Komponenten, ohne Kontrolle über das Rad läuft nichts. Vom Aufbau her abgesehen, rückt insbesondere der Bremsgriff ergonomisch in den Fokus, denn bei Rennrädern bilden die Bremsgriffkörper eine zusätzliche Griffmöglichkeit. Ob sie mit den Händen des Fahrers sympathisieren, hängt von der Form, der Größe und nicht zuletzt vom Gummi ab.

Nicht nur bei den Top-Gruppen ist es möglich, die Griffweite per Einstellschraube zu verstellen, und am Bike lassen sich Brems- und Schalthebel separat fixieren.

SATTEL

Die Kernkompetenz eines Sattels umfasst sowohl ausreichend Sitz- als auch Stützfläche bei gleichzeitigem Komfort. Um grundlegende ergonomische Prinzipien zu erfüllen, ist ein Sattel wie ein Dreieck geformt. Er ist vorn schmal, um den Beinen Platz zu machen, und hinten breit, um das Becken zu (er)tragen. Dennoch sind kleinere bis größere Druckstellen an der Tagesordnung, doch die gute Nachricht ist, dass für jedes Einsatzgebiet ein beträchtliches Kontingent an Sattelkonfigurationen existiert; es gibt sogar einen Sattel ohne Nase. Mit ihm und weiteren Varianten wie zweigeteilten Sattelnasen, Aussparungen, Mulden, Längskanälen, Kerben und spezifisch gepolsterten Arealen gelingt es meistens, jedem Hinterteil erfolgreich eine Sitzgelegenheit zu vermitteln.

Was bei allen Überlegungen allerdings nicht vergessen werden darf, sind die Kontaktpunkte zwischen Sattel und Gesäß, denn sie variieren je nach Lenkerposition und Fahrstil. Die Sitzknochen nehmen, angelehnt an die Oberkörperhaltung und die zugehörige Beckenkippung, gesondert Platz. Die definierte Sattelbreite kann nicht einzig dem Sitzknochenabstand angelastet werden, und manche Herstellerangaben entsprechen nicht immer der realen Ausprägung.

Das Sattelkarussell dreht sich zwar munter, aber für die Sattelwahl lautet die Parole: Never change a winning team!

Spezielle Triathlonsättel kommen gänzlich ohne Nase aus.

SATTELKONZEPTE

Die Hoffnung für Sitzenbleiber erfüllt sich eventuell im 3D-Druck, mit dem sich in Zukunft vielleicht eine alltagstaugliche Kopie des individuell über zig Kilometer eingefahrenen Ganzledersattels erstellen lässt. Auf Basis des anatomischen Abgleichs könnte, vergleichbar mit dem individuellen Fußabdruck, der personalisierte Sattel dabei herausspringen.

Einstweilen darf mit bereits verfügbaren Technologien vorliebgenommen werden. Vom Zwei-Komponenten-System aus polsterloser Radhose mit dem dazu passenden Sattel über ein seitlich kippendens Sattelgestell bis hin zu laufschuhähnlichem Dämpfungsmaterial beziehungsweise einer aus einem Werkstück bestehenden Wabenstruktur hat sich einiges im Bereich der Evolution des Sattels getan.


Sättel aus dem 3D-Drucker lassen besondere Wabenstrukturen entstehen, deren punktuell ausdifferenzierte Polsterungszonen fließend ineinander übergehen. Unterschiedliche Formen und typische Sitzverformungen führen zum persönlichen Sattelfavoriten.

DER PERFEKTE SATTEL

Eine erste Herangehensweise und grobe Orientierung für die Sattelwahl bietet die effektive Sattelbreite, die durch den Sitzknochenabstand bestimmt wird. Er selbst lässt sich bei aufrechtem Oberkörper und angezogenen Beinen auf einer Wellpappe sitzend gut ermitteln. Die Sitzknochen hinterlassen einen Abdruck, und der mittige Abstand dieser beiden Plateaus ergibt den gesuchten Wert. Die nutzbare Sitzfläche daraus ist herstellerbedingt verschieden, manche schließen die bevorzugte Haltung gleich in das Ergebnis mit ein. Die Polsterhärte wird durch die Raddisziplin, die eigenen Vorlieben und die Jahreskilometerleistung bestimmt. Erwartet der Transalp-Rücksackträger ein wenig mehr Dämpfung vom Sattelüberzug, so kann zu viel Polsterung dazu führen, dass die Durchblutung im Damm gemindert wird. Ebenso ist das Material Geschmackssache. Eine glatte Oberfläche ermöglicht widerstandslose Bewegungen am Sattel, was einer aktiven Fahrweise entgegenkommt, und sorgt dafür, dass beispielsweise MTB-Shorts weniger Falten werfen, die sonst scheuern könnten. Eine gummierte und deshalb griffige Oberfläche stabilisiert die Sattel-Hosen-Kontaktfläche und sorgt im Gegensatz dazu für einen bombenfesten Sitz im Sattel.

Für eine Aussparung gibt es nichts Plakativeres als ein Loch. Dieses kann riesig sein wie beim Infinity Seat, der durch den Vollausschnitt eigentlich nur aus einer Randspalte besteht, oder nur angedeutet wie beim flachen fi’zi:k Arione Open. Jedenfalls macht ein Loch den ausgesparten Bereich anfälliger für Unterkühlungen und die Hose anfälliger für Matsch und Nässe.

Bei der Sattelwahl ist es sinnvoll, sich gedanklich mit potenziellen Features und den tatsächlich existierenden Bedürfnissen auseinanderzusetzen. Ob die Wahl dann zu Ihrer Zufriedenheit ausfällt, kann wie immer erst durch die Fahrpraxis bestimmt werden.

Es werden Sättel in verschiedenen Formen und Härtegraden angeboten, manche Modelle gibt es auch in unterschiedlichen Breiten.

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Возрастное ограничение:
0+
Дата выхода на Литрес:
20 августа 2025
Объем:
183 стр. 73 иллюстрации
ISBN:
9783667123374
Издатель:
Правообладатель:
Bookwire
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