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Gemmotherapie

Bevor man auf Knospensuche geht, muss man sich hundertprozentig sicher sein, dass man über die notwendigen Kenntnisse zur richtigen Identifikation der gewünschten Pflanzenart und Pflanzenteile verfügt.

Dieses Buch widme ich, Chrischta Ganz, dem Leben und der Liebe.

Dieses Buch widme ich, Louis Hutter, in liebevoller Dankbarkeit meinen Eltern Gilda und Toni, die mir das Herz und die Augen für die großen und kleinen Mysterien der Natur geöffnet haben.

Chrischta Ganz

Louis Hutter

Gemmo

therapie

Knospen in der Naturheilkunde

AT Verlag

Inhalt

Vorwort

Einführung

Die ganzheitliche Betrachtung der Knospe

Die Knospe zwischen Verdichtung und Ausdehnung

Trägerin der Lebenskraft

Botanische Betrachtung der Knospe

Dr. Pol Henry und die »Phytoembryotherapie«

Knospen in der Küche

Naturwissenschaft und Embryonalgewebe

Die vier unterschiedlichen Meristemtypen

Die drei Grundgewebeformen von menschlichem und pflanzlichem Organismus

Die biochemische Analyse der Knospen

Knospenmonografien

Aceraceae (Ahorngewächse)

Acer campestre, Feldahorn

Acer pseudoplatanus, Bergahorn

Adoxaceae (Moschuskrautgewächse)

Sambucus nigra, Schwarzer Holunder

Viburnum lantana, Wolliger Schneeball

Apocynaceae (Hundsgiftgewächse)

Vinca minor, Kleines Immergrün

Aquifoliaceae (Stechpalmengewächse)

Ilex aquifolium, Stechpalme

Betulaceae (Birkengewächse)

Alnus glutinosa, Schwarzerle (auch Roterle)

Alnus incana, Grauerle

Betula pendula, Hängebirke

Betula pubescens, Moorbirke

Carpinus betulus, Hainbuche

Corylus avellana, Gewöhnliche Hasel

Cornaceae (Hartriegelgewächse)

Cornus sanguinea, Blutroter Hartriegel

Cupressaceae (Zypressengewächse)

Juniperus communis, Gewöhnlicher Wacholder

Sequoiadendron giganteum, Riesenmammutbaum

Elaeagnaceae (Ölweidengewächse)

Hippophae rhamnoides, Sanddorn

Ericaceae (Heidekrautgewächse)

Calluna vulgaris, Besenheide

Vaccinium myrtillus, Heidelbeere

Vaccinium vitis-idaea, Preiselbeere

Fabaceae (Hülsenfrüchtler)

Cercis siliquastrum, Judasbaum

Fagaceae (Buchengewächse)

Castanea sativa, Edelkastanie

Fagus sylvatica, Rotbuche

Quercus robur, Stieleiche

Ginkgoaceae (Ginkgogewächse)

Ginkgo biloba, Tempelbaum

Grossulariaceae (Stachelbeergewächse)

Ribes nigrum, Schwarze Johannisbeere

Hippocastanaceae (Rosskastaniengewächse)

Aesculus hippocastanum, Rosskastanie

Juglandaceae (Walnussgewächse)

Juglans regia, Wallnussbaum

Lamiaceae (Lippenblütler)

Rosmarinus officinalis, Rosmarin

Malvaceae (Malvengewächse)

Tilia platyphyllos, Sommerlinde

Tilia tomentosa, Silberlinde

Moraceae (Maulbeergewächse)

Ficus carica, Echter Feigenbaum

Oleaceae (Ölbaumgewächse)

Fraxinus excelsior, Gewöhnliche Esche

Olea europaea, Olivenbaum

Syringa vulgaris, Gewöhnlicher Flieder

Pinaceae (Kieferngewächse)

Abies alba, Weißtanne (auch Edeltanne)

Cedrus libani, Libanonzeder

Pinus mugo, Legföhre (Bergkiefer)

Pinus sylvestris, Waldkiefer (Waldföhre)

Poaceae (Süßgräser)

Secale cereale, Roggen

Zea mays, Mais

Rosaceae (Rosengewächse)

Crataegus laevigata, Weißdorn

Malus domestica, Apfelbaum

Prunus dulcis/amygdalus, Mandelbaum

Rosa canina, Hundsrose

Rubus fruticosus, Brombeerstrauch

Rubus idaeus, Himbeerstrauch

Sorbus aucuparia, Eberesche

Sorbus domestica, Speierling

Rutaceae (Rautengewächse)

Citrus limon, Zitronenbaum

Salicaceae (Weidengewächse)

Populus nigra, Schwarzpappel

Salix alba, Silberweide

Santalaceae (Sandelholzgewächse)

Viscum album, Mistel

Tamaricaceae (Tamariskengewächse)

Tamarix gallica, Französische Tamariske

Ulmaceae (Ulmengewächse)

Ulmus minor, Feldulme

Vitaceae (Weinrebengewächse)

Ampelopsis veitchii, Japanische Jungfernrebe

Vitis vinifera, Weinrebe

Herstellung und Dosierungsempfehlungen

Die Herstellung der Gemmotherapeutika nach Arzneimittelbuch

Die wichtigsten Hersteller von Gemmotherapeutika

Die Herstellung eines Gemmomazerats für den Eigengebrauch

Dosierungsempfehlungen für Erwachsene

Dosierungsempfehlungen für Kinder

Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit

Kombination mit anderen Therapiemethoden

Die Wahl der passenden Gemmomazerate

Auswahlkriterien

Humoralmedizinische Gemmotherapie

Überblick Humoralmedizin

Die Wirkprinzipien der verschiedenen Gemmomazerate

Gemmotherapie bei Säftedyskrasien

Gemmotherapie nach Planetensignaturen

Überblick der Planetensignaturen

Die Auswahl der Pflanzen

Die Planetensignaturen der Gemmomazerate

Die Auswahl nach dem natürlichen Wachstum im Ökosystem

Überblick Pflanzensoziologie

Sukzessionsabfolge des Waldes und ihre Bedeutung für das Ökosystem Mensch

Indikationsbezogene Gemmotherapie

Behandlungsvorschläge bei allergischen Erkrankungen

Behandlungsvorschläge bei Erkrankungen des Bewegungsapparats

Behandlungsvorschläge für die Drainage

Behandlungsvorschläge in der Frauenheilkunde

Behandlungsvorschläge bei Erkrankungen des Harntrakts

Behandlungsvorschläge bei Hauterkrankungen

Behandlungsvorschläge bei Erkrankungen des Hormonsystems

Behandlungsvorschläge bei Erkrankungen des Immunsystems

Behandlungsvorschläge in der Kinderheilkunde

Behandlungsvorschläge bei Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems

Behandlungsvorschläge in der Männerheilkunde

Behandlungsvorschläge bei Erkrankungen des Nervensystems

Behandlungsvorschläge bei psychischen Beschwerden

Behandlungsvorschläge bei Erkrankungen des Respirationstrakts

Behandlungsvorschläge für das Seniorenalter

Behandlungsvorschläge bei Erkrankungen der Sinnesorgane

Behandlungsvorschläge zur Optimierung des Stoffwechsels sowie bei Stoffwechselerkrankungen

Behandlungsvorschläge bei Erkrankungen des Verdauungstrakts

Quickfinder Indikationen

Erläuterungen zur Konstitution und zur Diathese

Anhang

Quellenhinweise

Pflanzenregister

Stichwortverzeichnis

Dank

Die Autoren

Die in diesem Buch aufgeführten Informationen wurden nach besten Wissen und Gewissen zusammengestellt und sind in Theorie und Praxis geprüft. Dennoch kann dieses Buch nicht den Rat einer kompetenten Fachperson (Naturheilpraktiker/in, Arzt/Ärztin Ihres Vertrauens) ersetzen. Die Autoren und der Verlag übernehmen keinerlei Haftung für Schäden oder Folgen, die sich aus Gebrauch, Missbrauch oder unsachgemäßer Anwendung der hier veröffentlichen Informationen ergeben.

Vorwort

In der Gemmotherapie wird das Kostbarste und Lebendigste jeder Pflanze verwendet, um es dem Menschen zur Verfügung stellen zu können: die Knospen und andere Pflanzengewebe, die sich in hoher Zellteilungsaktivität befinden. Das lateinische Wort gemma bedeutet »Knospe«, aber auch »Edelstein, Juwel«. In Knospen ist demnach das Edelste der Pflanze enthalten – ihr Lebensplan.

Es geht in der Gemmotherapie um das pflanzliche Embryonalgewebe, das vor allem in Knospen, Sprossen, Keimlingen und innerer Rinde zu finden ist. Das Potenzial dieses Gewebes, wofür die Knospe im konkreten wie auch im übertragenen Sinne steht, manifestiert sich in der ausgezeichneten Heil- und Regenerationskraft der entsprechenden flüssigen Auszüge, der sogenannten Gemmomazerate. Diese Kraft wird sinnbildlich durch das Aufbrechen einer Knospe oder den Durchbruch eines jungen Pflanzentriebs durch den Asphalt erfahrbar.

Knospen entstehen, ruhen und treiben aus. Der Zyklus einer Knospe verbindet Herbst, Winter, Frühling und Sommer und lässt den Menschen am Jahreskreis teilhaben. Das Leben eines Baumes und eines Strauches ist ein Werden und Vergehen, Wachsen und Sterben, eine Welt von Samen, aufbrechenden Knospen, von Saft und Holz, wachsenden und fallenden Blättern. Bäume und Sträucher bieten Insekten, Vögeln, Pilzen und vielen anderen Lebewesen Nahrung und Schutz. Und ihre Wurzeln greifen tief in die Ahnenwelt, wo das Wasser des Lebens sorgsam gehütet wird.

Mit der Gemmotherapie eröffnet sich uns eine neue Form, die alte Baumheilkunde zu leben und weiterzuentwickeln. Bäume richten ihre Aufmerksamkeit durch die Wurzeln auf den Boden und sind tief verankert und verbunden mit Mutter Erde. Über ihre Blätter und Äste kommunizieren sie mit der Luft und dem Himmel. Die Bewegungen der Bäume und Sträucher sind abhängig von Licht, Wind und Regen. Sie wenden sich der Sonne, dem Mond und allen Sternen zu. Oft haben Bäume ein hohes Alter und strahlen Größe, Ehre und Weisheit aus. Seit Menschengedenken sind wir bei ihnen willkommen – sie scheinen uns zu rufen, wir mögen zu ihnen kommen.


Bäume sind des Menschen große Brüder, ihre Freunde, Begleiter und Vertraute. Ebenso, wie sie im Boden wurzeln, stehen wir mit beiden Füßen auf der Erde. Und wie sie ihre Äste in die Luft hinausstrecken und dem Himmel entgegenwachsen, stehen wir aufrecht und recken unseren Kopf in die Höhe. Sie wandeln unser ausgeatmetes Kohlenstoffdioxid in Sauerstoff um und ermöglichen uns damit das Leben. Wir sind stofflich und energetisch mit ihnen verbunden. Auch die Menschen in unserem Kulturkreis lebten vormals über Jahrtausende hinweg in tiefer Verbundenheit mit den Bäumen und Sträuchern ihrer Umgebung. Die Verehrung der Bäume als nahe Verwandte prägte das Leben und die Heilkunde aller indigenen Völker:

»Die Ureinwohner Amerikas nennen Bäume ›unsere stehenden Brüder und Schwestern‹. Menschen und Bäume haben eine aufrechte, vertikale Orientierung gemein. Wir gehen, sie stehen. Wir bewegen und verändern uns, sie bleiben das stille Zentrum des Seins.« (Fred Hageneder, Die Weisheit der Bäume)

Nun wünschen wir ein inspirierendes und lustvolles Eintauchen in die Welt der Knospen und eine spannende Entdeckungsreise.

Chrischta Ganz und Louis Hutter


Einführung



Die ganzheitliche Betrachtung der Knospe

Werden in der Gemmotherapie neben Knospen auch andere Pflanzenteile eingesetzt, die reich an embryonalem Gewebe sind, so symbolisieren doch Knospen diese Methode am eindringlichsten. Sie sind auch diejenigen Pflanzenteile, die in der Gemmotherapie am häufigsten verwendet werden.

Die Knospe zwischen Verdichtung und Ausdehnung

Der deutsche Begriff »Knospe« geht auf eine umfangreiche Gruppe von germanischen Wörtern zurück, die mit kn- anlauten, beispielsweise »Knoten«, »Knopf«, »Knorpel«, »Knorren«, »Knorz« und »Kneten«, die jeweils die Bedeutung von »zusammenballen, zusammendrücken« haben. Eine Knospe ist also etwas »Zusammengeballtes«. Botanisch gesehen sind in Knospen Stängel mit Blattanlagen (Laubknospen), Blütenanlagen (Blütenknospen) oder beide zusammen (gemischte Knospen) auf kleinstem Raum zusammengestaucht.

Ein früherer, teilweise noch gebräuchlicher Begriff für »Knospe« ist »Auge«. Damit drückte der Volksmund die Formverwandtschaft der Knospe mit dem Sehorgan aus. Während man beim Begriff »Knospe« eine verinnerlichende Bewegung assoziiert (»zusammenballen«), schwingt mit dem Wort »Auge« eine veräußernde Richtung mit. Der Mensch fühlt sich durch die Knospe von der Pflanze angeschaut. Die Bedeutungen der Begriffe »Knospe« und »Auge« treffen gleichermaßen zu. Die Knospe hat das gesamte zukünftige Pflanzenorgan in sich verdichtet und wartet nur darauf, diese zum richtigen Zeitpunkt auszudehnen.

Verdichten und Ausdehnen, Einstülpen und Ausstülpen sind Manifestationen der Kräfte, die in der gesamten organischen Welt anzutreffen sind. Wir finden sie in allen Vorgängen des Lebens. Sie laufen immer in einem rhythmischen Nacheinander ab: Ein- und Ausatmen, Auf- und Abbau, Aufnehmen und Ausscheiden und so weiter.

Goethe war es, der in seinem Werk Die Metamorphose der Pflanzen den Gedanken der »Urpflanze« erstmals formulierte und darin das Blatt am Knoten des Stängels für pflanzentypisch erkannte. Der Knoten der Pflanze ist wie die Knospe reich an Meristemgewebe (Bildungsgewebe) und verdichtet die lebendige organische Kraft, um sie dann, ähnlich der Knospe, in ein neues Pflanzenorgan auszudehnen, das Blatt, Stängel oder Wurzel sein kann.

Trägerin der Lebenskraft

Die Knospe ist ähnlich einem Samenkorn Trägerin der unverbrauchbaren Lebenskraft, die (ohne jegliche Verschleißerscheinungen zu zeigen) über unvorstellbare Zeiten hinweg jedes Jahr erneut aufgeht und auf vielfältige Weise Grundlage jedes Lebens ist – einer Lebenskraft, die es der modernen Naturwissenschaft zufolge gar nicht gibt, die in ihren Augen entweder ein verstaubtes Konzept veralteter Medizinsysteme oder ganz einfach esoterischer Humbug ist, da man sie mit den Werkzeugen der Naturwissenschaft nicht messen kann. Trotz der Unwägbarkeit dieser numinosen Kraft wurde sie zu allen Zeiten und in allen Kulturen wahrgenommen und erhielt viele unterschiedliche Namen und Darstellungen. Einen beredten, auf (vor)bildhafte Weise entstandenen Begriff dieser Kraft schenkte uns die Benediktineräbtissin Hildegard von Bingen (1098–1179). Sie gab ihr den Namen »Viriditas« – »Grünkraft« –, die aus Gott kommt und aus ihm immer wieder regeneriert werden muss. Krankheit ist ihrer Lehre gemäß ein Mangel an Viriditas, die zu »Ariditas« (»Trockenheit«) führt. Ziel einer jeglichen Behandlung sei zuvorderst die Stärkung der Viriditas. Dazu erteilte Hildegard in ihrem literarischen Werk viele bis zum heutigen Tag sinnvolle Ratschläge.

Nicht umsonst brauchte sie die Farbe Grün, um etwas in Worte zu kleiden, was ihr so sehr am Herzen lag und in ihren Werken immer wieder zur Sprache kommt. Im europäischen Kulturraum wird jeder Mensch mit der Farbe Grün die Pflanzenwelt in Verbindung bringen, die uns die meiste Zeit des Jahres über begleitet und für so gewöhnlich gehalten wird, dass man sie im Alltag kaum würdigt. Erst nach einem schneereichen Winter, wenn die frisch sprossende Vegetation ihre überbordende Grünkraft auf Mensch und Tier überträgt, werden wir ihrer wieder bewusst. Dann ist die Jahreszeit gekommen, in der unsere Vorfahren ausgelassene Frühlingsfeste feierten – jene Feste, bei denen es immer um die Wiederauferstehung der Natur geht, die Erneuerung der Lebenskraft, die alles und jeden mit der unerschöpflichen Quelle des Lebens verbindet.

Aus der Sonne stammt letztendlich das Grün der Pflanzen. Im Blattgrün (Chlorophyll) wird über die Photosynthese aus Licht die Grundlage des Lebens geschaffen. Aus diesem Grund auch sind Pflanzen, allen voran die Bäume, Symbole des Lebens. Menschen und Pflanzen verhalten sich zueinander wie die Farben Grün und Rot. Sie sind einander komplementär. Der rote Blutfarbstoff des Menschen, das Hämoglobin, und das pflanzliche Chlorophyll sind strukturell bis auf ein Spurenelement nah verwandt. Das Hämoglobin enthält Eisen an derselben Stelle, wo sich beim Chlorophyll Magnesium befindet. Das Eisen gibt die rote, das Magnesium die grüne Farbe. Die nahe Verwandtschaft des Chlorophylls mit dem Hämoglobin kann der menschliche Organismus sogar für den eigenen Blutaufbau nutzen. Der Verzehr chlorophyllreichen Gemüses unterstützt nachweislich die Bildung von roten Blutkörperchen und Hämoglobin im roten Knochenmark. Ebenso sind Mensch und Pflanze durch den Austausch von Kohlendioxid und Sauerstoff im Atemprozess verbunden.

Selbst wenn die Lebenskraft im naturwissenschaftlichen Sinne nicht zu beweisen ist, so kann man sie naturwissenschaftlich auch nicht widerlegen. Eines aber dürfte klar sein: Jeder Einzelne ist dazu in der Lage, sie zu erleben, zu fühlen und in ihren Wirkungen zu beobachten.

Botanische Betrachtung der Knospe

Botanisch betrachtet sind Knospen Sprossanlagen. Sprossen setzen sich zusammen aus der Sprossachse und den Blättern.

End- oder Apikalknospen

Endknospen sind die Enden eines sich in Entwicklung befindlichen Sprosses (»apikal« bedeutet » an der Spitze eines Organs gelegen).

Seiten- oder Achselknospen

Achselknospen bilden sich in den Achseln der Blätter, am Übergang des Blattstiels in den Stängelknoten. Das Blatt, das die Knospe in seiner Achsel trägt, wird ihr »Trag-« oder »Mutterblatt« genannt. Die Achselknospen sind für die Verzweigung des Stängels verantwortlich. Anders als die Endknospen treiben die Achselknospen nicht alle aus. So kann bei vielen Laubbäumen ein Teil der Achselknospen als schlafende Knospen bis zu mehreren Jahren in Ruhe verharren. Sie werden in dieser Ruhezeit von der Rinde überwallt und treiben erst aus, wenn Bedarf besteht.

Knospen können unterschiedliche Entwicklungen nehmen. Wir unterscheiden:

• Blattknospen: entwickeln einen nur mit Blättern versehenen Spross.

• Tragknospen: entwickeln einen blütentragenden Spross.

• Blütenknospen: stellen unentfaltete Blüten dar.

Der Aufbau einer Blattknospe

Die Knospe besteht aus:

• Knospenachse, dem verkürzten Stängelanteil,

• dem apikalen Meristem,

• den Blattprimordien,

• den Anlagen der Seitenzweige,

• den jungen Blättern,

• den Knospenschuppen, die verdickte Blätter sind und nicht immer vorkommen müssen.

Knospen, die keine Knospenschuppen besitzen, werden »Nacktknospen« genannt. Die jungen Blätter umhüllen das apikale Meristem und schützen so die Knospe. Als »Primordien« bezeichnet man die wenig differenzierten ersten Anlagen beziehungsweise Vorstufen von Organen (vom lateinischen primordium für »Anfang, Ursprung«).

Dr. Pol Henry und die »Phytoembryotherapie«

Im Jahr 1959 stellte der belgische Arzt, Homöopath und Naturforscher Dr. Pol Henry (1918– 1988) erstmals seine Forschungsergebnisse mit embryonalem Pflanzengewebe in der Zeitschrift Archives Homéopathiques de Normandie vor. In den darauffolgenden Jahren erschienen etliche wissenschaftliche Artikel von Dr. Henry und anderen Forschern zu diesem Thema.

Die Idee, embryonales Gewebe zu therapeutischen Zwecken einzusetzen, war bereits 1931 unter dem Namen »Frischzellentherapie« von dem schillernden Genfer Arzt und Sanatoriumsdirektor Dr. Paul Niehans (1882–1971) eingeführt worden. In der Frischzellentherapie werden speziell verarbeitete Zellen aus Tierföten (meist Kälbern oder Lämmern) zu Präparaten verarbeitet, die kurmäßig injiziert werden, um eine allgemein belebende und verjüngende Wirkung auf den menschlichen Organismus zu erzielen. Heute ist diese Therapieform allerdings unbedeutend geworden.

Dr. Henry, der mit Dr. Niehans befreundet war, untersuchte nun die Wirkung pflanzlichen Embryonalgewebes auf den Menschen. Anders als bei der Niehans’schen Frischzellentherapie kamen Injektionen dabei nicht zur Anwendung. Die innerliche Verabreichung geschieht auch heute noch immer oral. Die erste vertiefte Knospenanwendung erfolgte mit der Moorbirkenknospe (Betula pubescens), bei der Dr. Henry eine anregende Wirkung auf die Kupffer’schen Sternzellen der Leber entdeckte und somit ein in der Heilpflanzenkunde bisher unbekanntes Anwendungsgebiet für diese Knospen erschloss.

Die Erfahrungen, die Dr. Henry mit Extrakten aus embryonalem Pflanzengewebe an seinen Patienten gewinnen konnte, übertrafen seine Erwartungen bei Weitem. Er vertiefte und optimierte seine Methode ständig. Die erste Veröffentlichung, in der er sie 1959 vorstellte, trug den Namen Phytembryothérapie. Thérapeutique par les extraits embryonnaires végétaux. Es blieb aber nicht lange bei der Bezeichnung »Phytembryothérapie«. 1964 erschien in der Reihe der von der FFSH (Fédération Française des Sociétés d’Homéopathie – Société Médicale de Biothérapie) herausgegebenen Cahier de biothérapie erstmalig der Begriff »Gemmothérapie«. Dieser Begriff geht auf Dr. Max Tétau (1927–2012) zurück, einen langjährigen Mitarbeiter und Freund Dr. Henrys, und ist bis heute die Bezeichnung dieser relativ jungen Heilmethode. Im Jahr 1982 veröffentlichte Dr. Henry im Eigenverlag das Buch Gemmothérapie thérapeutique par les extraits embryonnaires végétaux, das als sein Vermächtnis gilt.

Ein Meilenstein für die Gemmotherapie war das Jahr 1965, als die Arzneimittelherstellung von Gemmotherapeutika in die Pharmacopée française aufgenommen wurde und damit offizielle Anerkennung erhielt. 2011 wurde das Herstellungsverfahren schließlich ins europäische Arzneibuch aufgenommen, die Pharmacopoea Europaea, und den homöopathischen Arzneimitteln zugeordnet. Heute sind Gemmotherapeutika in allen europäischen Ländern, in den USA, Australien und Neuseeland erhältlich. Die größte Verbreitung hat die Therapie in Italien und den frankophonen Ländern. Im deutschsprachigen Europa gewinnt die Gemmotherapie immer mehr Anhänger, in der deutschsprachigen Schweiz ist sie heute recht gut bekannt.

Aber, so stellt sich die berechtigte Frage, ist die Anwendung von embryonalem Pflanzengewebe, vor allem der Knospen, innerhalb der Heilkunde wirklich etwas so Neues? Ganz sicher nicht! Die ländliche Bevölkerung nutzt bis zum heutigen Tag die stoffwechselanregenden und »verjüngenden« Kräfte frischer Pflanzentriebe von Kraut, Strauch und Baum zu Frühjahrskuren. Ein herausragender Vertreter der naturverbundenen Volksheilkunde, der Schweizer »Kräuterpfarrer« Johann Künzle (1857–1945), empfahl in seinem Buch Chrut und Uchrut das Sammeln von jungen Schossen (jungen Trieben) aller Dornenarten, um sie in wässriger Abkochung kurmäßig einzunehmen. Er schrieb dazu: »Dieser Tee reinigt und säubert den ganzen Leib. Hat schon ganz elend kranke Menschen wieder gesund und blühend gemacht.« Man darf sicher davon ausgehen, dass er mit seiner auf Naturbeobachtung basierenden Empfehlung nicht allein steht, sondern dass solche Mittel zu allen Zeiten von naturnah lebenden Menschen angewendet wurden.

Wir finden auch historische Zeugnisse von Knospenanwendungen zu Heilzwecken, die bis ins alte Ägypten reichen. Die in Essig eingelegten Kapern, Blütenknospen des Kapernstrauchs (Capparis spinosa), begleiten den Menschen nachweislich schon seit 7800 Jahren als Gewürz, Nahrungs- und Heilpflanze. Ebenfalls eine seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. in chinesischen und ayurvedischen Medizinaltexten erwähnte Blütenknospe ist die Gewürznelke (Syzygium aromaticum), die nebst aromatisierenden Eigenschaften heute als eines der besten Antioxidanzien gilt. Die frischen und getrockneten Pappelknospen werden ebenfalls seit mehreren tausend Jahren medizinisch verwendet. Berühmt ist die Pappelknospensalbe, die bereits seit der Antike gegen Hautschrunden und Hämorrhoiden eingesetzt wird. Auch der weiße und grüne Spargel, der wegen seiner entwässernden und stoffwechselanregenden Wirkung geschätzt wird, gehört dazu. Es handelt sich dabei ebenfalls um ein stark im Wachstum befindliches Pflanzenorgan, das eigentlich der Spross einer sich entwickelnden Staude ist. Früher wurde Spargel zur Gesunderhaltung vor allem in Klostergärten angebaut.

Die heilige Hildegard von Bingen war eine wichtige Vertreterin der frühmittelalterlichen Heilkunde. Sie hat uns über ihre zwei Bücher Physica und Causae et Curae einen unschätzbaren Einblick in die Medizin ihrer Zeit gewährt. Darin beschreibt sie unter anderem die Heileigenschaften von Bäumen und Sträuchern und gibt dabei auch detaillierte Informationen zur Anwendung von Birken-, Schwarze-Johannisbeeren-, Esskastanien-, Heckenrosen-, Eschen-, Pappel-, Apfelbaum- und Lindenknospen. Damit betrieb die Äbtissin vom Rupertsberg eine differenziertere Knospentherapie und hielt diese auch schriftlich fest.

Es ist Dr. Pol Henry, Dr. Max Tétau und ihrem Team zu verdanken, dass die Kraft der Knospen heute für die naturheilkundliche Therapie wieder zur Verfügung steht.

Knospen in der Küche

Pflanzliches Embryonalgewebe lässt sich neben der kurmäßigen Einnahme von Gemmomazeraten auch in anderer Form nutzen. Frische, an Embryonalgewebe reiche Pflanzenteile kann man gut in der Küche einsetzen. Ihre Integration in den Speiseplan bringt neben dem gesundheitlichen Aspekt durchaus auch eine kulinarische Bereicherung. Am besten eignen sich Blatt- und Blütenknospen, ebenso Schösslinge sowie Sprossen und Keimlinge. Im Falle der Sprossen und Keimlinge besteht der Vorteil, dass sie das ganze Jahr über mit wenig Aufwand zur Verfügung stehen. Knospen und Schösslinge sind Teil der Wildkräuterküche und finden schon länger regen Anklang in der sogenannten »wilden Küche«.

Viele Zubereitungsformen für diese natürlich gewachsenen Vitalstoffbomben sind bekannt, doch bietet der Genuss der rohen Knospen und Schösslinge den höchsten Gehalt der gewünschten Vitalstoffe.

Die Auswahl der jeweiligen Knospen und Schösslinge erfolgt am besten nach jeweiliger Geschmacksvorliebe. Für den interessierten Anfänger eignen sich beispielsweise die geschlossenen und geöffneten Knospen sowie kürzlich aufgegangenen Blätter von Linde, Eiche und Esskastanie. Diese sind von mildem, leicht aromatischem Geschmack und den allermeisten Menschen angenehm. Wer es gern stark aromatisch bis balsamisch mag, wird Birke, Pappel, Tanne und Fichte wählen.

Eine Sonderstellung nimmt die Lärche ein. Diese bietet äußerst geschmackvolle weibliche und männliche Blütenknospen und Blüten mit den dazugehörigen jungen Blattnadeln.

Einen außergewöhnlichen Geschmack – fruchtig und typisch – haben auch die geschlossenen und geöffneten Knospen und frischen Blätter des Schwarzen Holunders und der Schwarzen Johannisbeere. Manchmal etwas fade, aber dennoch eine Bereicherung sind die Blattknospen und jungen Blätter von Haselnuss, Himbeer, Rotbuche, Hainbuche und Ulme. Säuerlich bis sauer sind die Knospen, Schösslinge und jungen Blätter von Weißdorn, Hundsrose, Berg- und Feldahorn.

Nur für »Profis« eignen sich die Knospen des Walnussbaums und der Gewöhnlichen Esche, diese können bisweilen extrem bitter-scharf sein und werden hauptsächlich in kleinen Mengen zum Aromatisieren genutzt. Ein interessantes Erlebnis bietet sicher auch die Ebereschenknospe. Sie schmeckt lieblich bitter und erinnert an Amaretto mit einer eindeutig wärmenden und anregenden Wirkung.

Die Feigenknospe gehört zwar zu den Favoriten des Autorenteams, dennoch muss vor einer allfällig schleimhautreizenden Wirkung ganz klar gewarnt werden! Wer den stark bitteren Geschmack mag, ist mit der Fliederknospe reich beschenkt. Wegen der intensiv verklebenden Eigenschaften ist die Rosskastanienknospe nicht zu empfehlen. Verwendet man sie trotzdem, wird man das bestimmt nie vergessen!

Will man Knospen zum ersten Mal kosten, sollte man unbedingt eine Flasche Wasser dabeihaben, um nötigenfalls den Mund-Rachen-Raum spülen zu können!

Während Knospen, junge Blätter und Schösslinge zur saisonalen wilden Küche gehören, können Sprossen und Keimlinge wie gesagt ganzjährig verwendet werden. Besonders im Winter, wenn Frisches oft aus der Ferne kommt, bietet es sich geradezu an, diese selbst zu ziehen. Mit entsprechender Ausrüstung und der richtigen Anleitung gelingt diese Aufzucht leicht.

Naturwissenschaft und Embryonalgewebe

Wie viele naturheilkundlich orientierte Therapierichtungen ist auch die Gemmotherapie bestrebt, mit ihrer Heilmittelherstellung das Optimum an Lebenskraft aus der pflanzlichen Grundsubstanz zu gewinnen. In dieser Beziehung geht die Gemmotherapie den direktesten Weg, sie bedient sich als Ausgangsmaterial des Pflanzengewebes, das am meisten Leben enthält, und das ist eindeutig das zellteilungsaktivste Gewebe der Pflanze: das aus undifferenzierten embryonalen Zellen bestehende Meristemgewebe. Dieses Gewebe hat die erstaunliche Eigenschaft, potenziell unsterblich zu sein; das heißt, es behält seine Teilungsfähigkeit ein Leben lang bei und scheidet ständig sich später differenzierende Zellen ab, ohne jemals selbst auszudifferenzieren.

Aus jeder dieser undifferenzierten Zellen, besser bekannt als Stammzellen, ist es unter Laborbedingungen möglich, eine vollständige Pflanze zu bilden, einen Klon. Orchideen, die in großen Mengen zum Verkauf in Pflanzencentern angeboten werden, sind ein gutes Beispiel hierfür. Bei jeder dieser Orchideen handelt es sich um einen aus einer Stammzelle hervorgegangenen Klon. Diese Art der Pflanzenzucht wird »Meristemkultur« genannt. Das bedeutet, dass die Stammzelle und das aus ihr bestehende Meristem die Information der gesamten Pflanze in sich enthält. Mit anderen Worten: Das in den Meristemen enthaltene embryonale Gewebe bietet das Maximum an möglichen Lebenskräften der Pflanze.

Die Gemmotherapie nutzt als Ausgangsmaterial hauptsächlich die Meristeme von Knospen und jungen Trieben. Würzelchen und die Innenschicht von Rinden sowie Samen werden ebenfalls, aber seltener verwendet.

Bei Mazeraten (vom lateinischen macerare für »einweichen«) werden Körper oder Gegenstände einige Zeit der Wirkung einer Flüssigkeit wie Wasser oder Alkohol ausgesetzt (siehe auch das Kapitel »Die Herstellung der Gemmotherapeutika« im Anschluss an die Knospenmonografien). Gemmomazerate enthalten:

• die Information der gesamten Pflanze,

• stoffliche Substanzen, die in adultem Gewebe nicht mehr vorhanden sind (dies ist allerdings abhängig vom Entwicklungsstadium des gesammelten Pflanzenguts),

• bereits Stoffe, die ebenfalls in adultem Gewebe vorhanden sind (auch dies ist abhängig vom Entwicklungsstadium des gesammelten Pflanzenguts) sowie

• große Mengen pflanzlich gelöster Mineralien, die vom menschlichen Organismus durch die von der Pflanze geleistete Assimilation sehr gut resorbiert werden können.

Die unverdünnten Gemmomazerate enthalten weit mehr materiell fassbare Wirkstoffe als die verdünnten Gemmomazerate. Eine D1-Verdünnung enthält durch die Verdünnung (10 zu 1) also zehnmal weniger Inhaltsstoffe (D vom lateinischen decem für »zehn«). Die Wirkung der Gemmomazerate basiert, wie die Erfahrung hinlänglich beweist, allerdings nicht ausschließlich auf dem Vorhandensein von substanziell fassbaren Wirkstoffen, sondern weitaus mehr auf der substanziell nicht fassbaren Dynamis (Prinzip der Veränderung).

Die vier unterschiedlichen Meristemtypen

Nach der Lage der innerhalb der Pflanze auftretenden Meristeme werden in der Botanik vier Formen unterschieden:

1 Apikale Meristeme (Scheitelmeristeme): Sie befinden sich an der jeweiligen Spitze von Wurzel und Spross. Apikale Meristeme bilden die eigentlichen Urmeristeme, die bei der Keimung Spross- und Wurzelpol definieren. Sie sind besonders teilungsaktiv und dadurch maßgeblich am Wachstum, vor allem am Längenwachstum, der Pflanze beteiligt. Alle anderen Meristemformen leiten sich vom Urmeristem ab.

2 Restmeristeme: Sie stammen von den Apikalmeristemen ab und befinden sich in der Umgebung von bereits ausdifferenziertem, spezifischem Gewebe. Sie sind unter anderem für die Streckung des Zwischenknotenbereichs der Sprossachse und für das Dickenwachstum sowie die Bildung von Seitenwurzeln zuständig.

3 Meristemoide: Das sind teilungsaktive Zellen ohne Stammzellen, sie enthalten also kein embryonales Gewebe und werden daher letztlich alle zu Dauerzellen umgewandelt. Sie werden häufig als kleine Nester in den Differenzierungszonen von Sprossen und Blättern gefunden. Im Gegensatz zu echten Meristemen sind sie nicht ein Leben lang teilungsaktiv.

4 Laterale Meristeme (Sekundärmeristeme): Sie sind für das Breitenwachstum und den Wundverschluss verletzter Pflanzenorgane zuständig.

Die drei Grundgewebeformen von menschlichem und pflanzlichem Organismus

Der menschliche Organismus entwickelt sich im embryonalen Stadium aus drei Keimschichten (auch »Keimblätter« genannt):

1 Entoderm (innere Keimschicht),

2 Mesoderm (mittlere Keimschicht) und

3 Ektoderm (äußere Keimschicht).

Jedes unserer Organe enthält Anteile aus diesen drei Keimschichten. Die Organe lassen sich aber entwicklungsmäßig auf eine hauptsächliche Keimschicht zurückverfolgen:

1 Das Entoderm bildet vor allem den Verdauungstrakt mit seinen Drüsen und die Atmungsorgane: Verdauungstrakt außer Mundhöhle und After, Leber, Pankreas, Schilddrüse, Thymus, Atmungstrakt, Harnblase, Harnröhre.

2 Das Mesoderm bildet vor allem Knochen, Muskeln und Gefäße: Skelettmuskulatur, Bindegewebe, glatte Muskulatur der Eingeweide, Herz, Blutgefäße, Blutkörperchen, Milz, Lymphknoten, Lymphgefäße, Nebennierenrinde, Nieren, Keimdrüsen, innere Geschlechtsorgane, Mikroglia (das sind sogenannte Immuneffektorzellen des zentralen Nervensystems).

3 Das Ektoderm bildet vor allem die Haut und das Nervensystem, die Sinnesorgane und die Zähne.

Auch die Pflanze entwickelt aus dem Urmeristem (apikales Meristem) drei Grundgewebe, aus denen sich weitere Pflanzenorgane differenzieren:

1 Das Präkambium bildet das Leitgewebe einer Pflanze mit Transport- und Stützfunktion. (»Kambium« steht für »Teilungsgewebe« [vom lateinischen cambium für »Wechsel«].)

2 Das Grundmeristem bildet das Markgewebe und das sekundäre Korkkambium. Es füllt die Lücke zwischen Protoderm und Präkambium aus, unterhält die meisten Stoffwechselfunktionen einer Pflanze und ist damit unter anderem für die Photosynthese zuständig.

3 Das Protoderm bildet das äußere Abschlussgewebe mit Schutzfunktion.

In der Entwicklungsgeschichte von menschlichem (wie auch tierischem) und pflanzlichem Organismus können wir innerhalb der embryonalen Entwicklung eine verblüffende Verwandtschaft von Pflanze und Mensch erkennen.

Die Tatsache, dass das differenzierte organische Leben in drei Gewebsschichten seinen Ursprung hat, erinnert unter anderem an das alte alchemistische Konzept der Tria Principia (Drei Prinzipien), dem wir in den Werken des Arztes und Philosophen Paracelsus (1493–1541) begegnen. Die drei universalen Kräfte Sal, Merkur und Sulfur konstituieren die gesamte Welt. Vereinfacht ausgedrückt, lässt sich die Wirkung dieser drei Prinzipien in den drei klassischen Aggregatzuständen erleben. Sal wird im Festen, Merkur im Flüssigen und Sulfur im Gasförmigen erlebbar. Das entsprechende Zusammenspiel dieser drei Kräfte bedingt gemäß der alchemistischen Lehre Harmonie oder Disharmonie.

Die Tria Principia lassen sich sinnvoll mit den drei Keimschichten von Mensch und Pflanze verbinden:


Mensch Tria Principia Pflanze
Entoderm Sulfur Präkambium
Mesoderm Merkur Grundmeristem
Ektoderm Sal Protoderm

Die Gemmomazerate, die die Kräfte des sich entwickelnden, ausdifferenzierenden Stadiums der pflanzlichen Keimschichten nutzbar machen, sind naturgemäß in hohem Maße Träger der ausbalancierenden Kräfte der drei Prinzipien Sulfur, Merkur und Sal.

Die biochemische Analyse der Knospen

Im Frühling, wenn die Knospen durch spezifische Pflanzenhormone aus ihrem Winterschlaf geweckt werden, beginnt der Primärstoffwechsel die in der Knospe gespeicherten Baustoffe Stärke, Fette und Eiweiße zu mobilisieren. Zusätzlich werden sie mit mineralienreichen Säften versorgt, die durch ein immenses Netz von Leitbündeln fließen, welche in den Wurzeln beginnen und bis zu den Knospen führen. So beginnt die unglaubliche Aktivität der Zellteilung. Im Falle einer Rosskastanienknospe entsteht innerhalb kurzer Zeit ein bis zu einem Meter langer beblätterter Spross mit majestätischem Blütenstand. Eine enorme Leistung!

Gesteuert wird die Knospenaktivität hauptsächlich durch fünf Gruppen von Pflanzenhormonen:

• die überwiegend wachstumsfördernden Auxine, Gibberelline und Cytokinine sowie

• die hemmenden Phytohormone Abscisinsäure und Ethylen.

Auxine sind die ersten Pflanzenhormone, die 1926 entdeckt wurden. Sie haben folgende Hauptfunktionen:

• Sie regen das Längenwachstum der Pflanze an.

• Sie vermitteln die Lichtzugewandtheit (Phototropismus) der oberirdischen Pflanzenteile und

• die Schwerkraftausrichtung (Gravitropismus) der Wurzeln.

• Sie fördern das Wachstum der Sprossspitze gegenüber Seitentrieben (Apikaldominanz),

• regen die Zellteilung und Zelldifferenzierung an, sind dadurch wichtig für die Wundheilung, und

• verlangsamen den Alterungsprozess der Pflanze.

Gibberelline wurden ebenfalls 1926 kurz nach den Auxinen entdeckt. Ihre Hauptwirkungen:

• Sie stimulieren den Aufbau von Meristemgewebe,

• regen die Keimung sowie

• die Blütenknospen zum Blühen an und

• sind für die Geschlechtsdifferenzierung der männlichen Blüten zuständig.

Cytokinine wurden 1940 entdeckt und sind in ihrer Wirkung den Auxinen sehr nahe. Ihre Hauptwirkungen:

• Sie regen den Stoffwechsel der jungen Pflanzentriebe sowie

• die Zellteilung an.

• Sie fördern das Längenwachstum,

• stimulieren die Produktion von Chlorophyll und

• verzögern den Alterungsprozess der Pflanze.

Abscisinsäure wurde 1963 entdeckt und früher »Dormin« genannt. Ihre Hauptwirkungen:

• Sie leitet die Ruhe der Samen, Knospen und anderer Pflanzenteile ein und hält sie aufrecht.

• Sie erhöht die Wassernutzungseffizienz bei Trockenheit und die Abwehrkapazitäten der Pflanze.

Ethylen hat die folgenden Hauptwirkungen:

• Es regt die Blütenentwicklung,

• die Früchtereifung sowie

• den Blattabwurf an und

• fördert das Absterben von Pflanzenteilen.

Zu den weiteren Inhaltsstoffen, die gehäuft in Knospen vorkommen, gehören die Nukleinsäuren (RNS, DNS). Sie sind Ausdruck der hohen Zellteilungsaktivität. Mineralstoffe und Spurenelemente werden im Frühling durch den Baum beziehungsweise Strauch vom Boden in das junge Pflanzengewebe geführt. Diverse Enzyme mit katalytischen Funktionen sind Ausdruck erhöhter Stoffwechselfunktionen innerhalb des teilungsaktiven Gewebes.

Außerdem sind Inhaltsstoffe aus dem sekundären Pflanzenstoffwechsel zu nennen, die knospenspezifisch wie auch im ausgewachsenen Gewebe der Pflanze vorkommen. Im Meristemgewebe sind häufig auch deren chemische Vorstufen vorzufinden. Diese Stoffe variieren allerdings stark. Sie sind auch deutlich abhängig von der Entwicklungsstufe der jeweiligen Knospe. Ein Beispiel sind Anthocyane, die unter anderem eine wichtige Sonnenschutzfunktion für das Pflanzengewebe haben und an ihrer violetten Farbe zu erkennen sind. Bei manchen Knospen sind sie unabdingbar wichtig, da die ebenfalls vor Sonne schützende, grünfarbige Chlorophyllbildung erst später einsetzt.

Wirkungsbestimmende Inhaltsstoffe aus dem Sekundärstoffwechsel der Knospen sind Vitamine, Harze, ätherische Öle, Gerbstoffe, Bitterstoffe, Flavonoide, Saponine und viele andere mehr. In den nun folgenden Knospenmonografien sind sie aufgeführt, soweit sie uns in diesem Zusammenhang relevant erscheinen. Für tiefer gehende Informationen über die Wirkung dieser Stoffe in pflanzlichen und menschlichen Organismen empfehlen wir die Lektüre der entsprechenden Fachliteratur.

Knospenmonografien

Im folgenden Kapitel stellen wir 56 Gemmomazerate vor. Dabei werden die Pflanzen, aus deren Knospen und Triebspitzen man die Gemmomazerate herstellt, ihrem Wesen nach porträtiert. Ebenso werden die für die Gemmotherapie relevanten Pflanzenteile, Inhaltsstoffe, Indikationen und ihre humoralen und herbalastrologischen Wirkaspekte aufgezeigt. Diese Informationen bilden die Basis für das Verständnis der Anwendung und Dosierung der Gemmomazerate zu den einzelnen Erkrankungen.



ACERACEAE (AHORNGEWÄCHSE)

Acer campestre, Feldahorn Aceraceae

Die Knospe, die Ideal und Realität verbindet

Das Wesen der Pflanze

Der Feldahorn ist als sparriger Busch oder mittelgroßer, bis 22 Meter hoch werdender Laubbaum in weiten Teilen Europas, in Nordafrika und Kleinasien verbreitet und kann bis zu 200 Jahre alt werden. Man findet ihn vor allem in Laubmischwäldern der Ebene und des Hügellandes, seltener in den Voralpen oder Alpen. Er stellt wenig Ansprüche an den Boden, meidet aber nasse, stark saure oder tonige Böden und ist einigermaßen salzverträglich.

Charakteristisch sind seine Zweige, die häufig Korkleisten aufweisen, sowie seine milchsaftführenden Blattstiele. Die Rinde ist hellgrau bis braun und bei älteren Exemplaren annähernd rechteckig gefeldert. Die meist zwittrigen, gelbgrünen Blüten sind zu zehn bis zwanzig Stück zu einer Rispe zusammengefasst und locken viele Insekten zur Bestäubung an. Der Feldahorn ist eine geschätzte Bienenweide. Die Früchte bestehen aus zwei ovalen Fruchtblättern, die im 180-Grad-Winkel zueinander stehen. Diese Doppelflügelfrüchte werden im Herbst vom Wind verbreitet.

Der Feldahorn wird auch »Knackbaum« oder »Maßholder« genannt. Sein Holz ist ausgesprochen zäh und fest und darum beliebt für Drechsler- und Schnitzarbeiten und für Werkzeugteile. Die jungen Blätter wurden früher nach einer Art Sauerkrautgärung gegessen (»Maß« stammt vom altgermanischen matlu für »Speise«). Ebenfalls wurden seine Blätter gern dem Weidevieh verfüttert. In der Kosmetik spielen Extrakte aus den Feldahornknospen aufgrund ihrer befeuchtenden Wirkung für die Haut eine wichtige Rolle.

Im Feldahorn erleben wir einen Baum, der Stagnationen zu lösen vermag, die mit einer Diskrepanz von außen und innen, von Ideal und Realität zusammenhängen.

Verwendete Pflanzenteile für das Gemmomazerat

Frische Blattknospen.

Sammelzeit: März bis April.

Inhaltsstoffe der Knospen

Gerbstoffe, Phytosterin, Allantoin, Cholin, Zucker.

Vitamin A, B1, B2, B3, B5, B6, Folsäure, Calcium, Enzyme.

Wirkung des Gemmomazerats

Das Feldahorn-Gemmomazerat wirkt vor allem auf das Leber-Gallen-System und die damit verbundenen Stoffwechselvorgänge. Es verhindert Verdichtungen und Ablagerungen wie beispielsweise Sand- und Steinbildungen und darf darüber hinaus als eine Art Jungbrunnen für dieses System betrachtet werden. Es wirkt ebenfalls ausgleichend auf das zentrale und periphere Nervensystem bei Übererregtheit und Nervosität, was oft seinen Ursprung in Stauungen des Leber-Gallen-Systems hat. Die Knospen des Feldahorns haben auch eine direkte Wirkung auf die Arterienwände.


Eiförmige Knospen mit rotbraunen, behaarten Schuppen. Endknospe größer als die gegenständigen Seitenknospen.


Fünflappige, gegenständige Blätter mit grünglänzender Oberseite.

• Regt die Gallenbildung und den Gallenfluss an und hilft, die Galle zu verflüssigen.

• Über die Anregung der Leber werden erhöhte Cholesterin- und Blutfettwerte normalisiert.

• Regt die Nieren an, verhindert Steinbildungen im Harnsystem.

• Wirkt reizmildernd auf alle Körperoberflächen und ernährt diese.

• Wirkt allgemein entzündungswidrig.

• Vermindert Entzündungen und Ablagerungen der Innenschicht von Arterien.

• Immunstärkende Wirkung mit nachweislicher Wirkung gegen Pilze und Viren.

• Wirkt allgemein beruhigend.

Indikationen

Verdauungstrakt: Verkrampfung der Gallenwege, Gallenblasenentzündung, Gallensteine, Leberinsuffizienz, Diabetes Typ 2.

Immunsystem: Stärkt das Immunsystem, wirkt gegen Pilze und Viren, Gürtelrose und ihre Folgen.

Haut: Trockene Haut, Ekzeme, Hautausschläge.

Nervensystem: Kopfschmerzen, Schwindel, Neuralgien, Guillain-Barré-Syndrom.

Blut: Hypercholesterinämie, Thrombosenneigung.

Gefäßsystem: Vorbeugung und Behandlung der Arteriosklerose.

Harntrakt: Harntreibend. Nierengrieß.

Seelische Aspekte: Der Feldahorn eignet sich für Menschen, die Bescheidenheit nach außen hin leben, aber im Verborgenen hohe Erwartungen pflegen. Daraus entsteht oft das Bedürfnis, »etwas in sich hineinzustopfen«, sowohl im materiellen als auch im energetischen Sinn. Die Folge sind Stagnationen, die meist hitziger Natur sind. Typische körperliche Symptome sind Druckgefühl unterhalb des rechten Rippenbogens oder das wiederkehrende Gefühl eines »Froschs im Hals«. Hier wirkt der Feldahorn lösend, entspannend und unterstützt den Menschen, ohne Umwege zu seinen Bedürfnissen stehen zu können.

Bewährte Kombinationen

+ Rosmarinus officinalis + Fraxinus excelsior bei Gallenblasenproblemen

+ Olea europaea bei beginnender Arteriosklerose

+ Juglans regia bei Diabetes Typ 2

+ Ficus carica bei Nervosität und psychosomatischen Beschwerden sowie Bulimie

+ Tilia tomentosa bei undefinierten Angststörungen (Phobie)

+ Rosmarinus officinalis bei Leberschwäche

+ Juniperus communis bei erhöhten Blutfettwerten

+ Cedrus libani bei trockener Haut

Humorale Eigenschaften

Geschmack: Süß, leicht zusammenziehend.

Qualitäten: Kalt, feucht.

Wirkung: Leitet Chole und Melanchole aus, vermehrt gutes, nahrhaftes Phlegma.

Planetensignaturen

Hauptaspekte

Jupiter: Gelappte, abgerundete Blätter, intensives Herzwurzelsystem. Laub eignet sich als Viehfutter.

Nebenaspekte

Merkur: Flügelfrüchte bildend. Schnelle Wuchsgeschwindigkeit (bis zu 50 Zentimeter jährlich).

Mond: Milchsaftführende Knospen und Blattstängel.

Mars: Pioniergehölz, sparriger Busch.

Acer pseudoplatanus, Bergahorn Aceraceae

Die Reizschwelle erhöhende Knospe

Das Wesen der Pflanze

Der bis zu 30 Meter hoch werdende, sommergrüne Bergahorn ist die häufigste und imposanteste Ahornart Mitteleuropas. Seine eindrucksvolle Gestalt manifestiert sich allerdings nur als Solitärpflanze. Im Wald, wo er weit häufiger anzutreffen ist als auf freiem Feld, imponiert er aus Platzgründen weit weniger. Der Bergahorn bildet tiefe Wurzeln, die sich gleichzeitig auch weit in die Umgebung ausdehnen. Das macht ihn standfest gegen Steinschläge, Lawinen und Stürme. Der in seiner Jugend raschwüchsige Bergahorn bevorzugt kalkhaltige, tiefgründige und nährstoffreiche Böden. Staunässe und Streusalz verträgt er allerdings nicht gut. Er kann bis zu 500 Jahre alt werden. Auffallend ist seine Rinde. Als junger Baum ist sie graugrün bis rötlich braun und glatt, erinnert etwas an die Rinde der Rotbuche. Im höheren Alter geht die Farbe der Rinde ins Graubraune über und blättert sich schuppig ab.

Seine langstieligen, großen (circa 20 Zentimeter lang, 15 Zentimeter breit), gegenständig angeordneten Blätter sind fünflappig ausgeweitet und erinnern an eine Hand. Auf der Oberseite sind sie dunkelgrün, unterseits heller gefärbt und auf den Blattadern und in den Nervenwinkeln leicht behaart. Im Herbst färben sich die Blätter gelborange. Die einmal abgeworfenen Blätter verrotten relativ schnell zu wertvollem bodenverbesserndem Mull.

Männliche und weibliche Blüten sitzen am selben Baum. Die Bestäubung erfolgt über Insekten. Die nektarreichen Blüten bieten eine ausgezeichnete Bienenweide. Die Früchte teilen sich bei der Reife in zwei geflügelte Teilfrüchte, die propellerartig durch den Wind verbreitet werden.

Der Bergahorn steckt voller Vitalität. Er besitzt eine hohe Ausschlagekraft, und seine Fähigkeit der Wundheilung ist ebenfalls bemerkenswert.

Selbst im Halbschatten wächst er ausgesprochen gut. In den Bergen gehört er zu den Bäumen, die die Baumgrenze bilden.

Wie alle Ahornarten ist auch der Bergahorn sehr saftreich. Sein Saft ist reich an Zucker und wurde früher gewonnen, um Sirup, Essig, Zucker und sogar Schnaps herzustellen. Aus 20 Liter Bergahornsaft – der Menge, die man dem Baum in einem Tag etwa abzapfte – konnte beispielsweise ein halbes Pfund Zucker gewonnen werden.

Der historisch bekannteste Ahorn ist wohl der »Schwurbaum« bei Trun im Schweizer Kanton Graubünden. Unter seiner Krone wurde 1424 der Graue Bund gegen die mächtige Adelsfamilie der Habsburger geschworen. Dieser Baum lebte bis 1870.

Der Bergahorn symbolisierte Ruhe, Harmonie und Freude. Deshalb wurden aus seinem Holz oft Türschwellen gefertigt. In den Bergen wurden stattliche Exemplare nicht selten verehrt. Man opferte ihnen Bier und Wein und bat um ihren Segen.


Eiförmig-längliche Endknospe mit grüngelblichen Schuppen und braunem Rand.


Charakteristische ausladende Wuchsform eines frei stehenden Bergahorns.

Hildegard von Bingen empfahl den »kühlenden Baum« bei »hitzigen Krankheiten« wie zum Beispiel Fieber, Gicht und Entzündungen. Dabei wurden meist die frischen, gequetschten Blätter auf die entsprechenden Körperteile aufgelegt, um so die Hitze aus dem Körper »abzuleiten«.

Das helle und trotz der Härte gut zu bearbeitende Holz des Bergahorns ist beliebt in Möbel- und Innenausbau. Es gehört auch zu den wichtigsten einheimischen Hölzern für den Musikinstrumentenbau.

Im Bergahorn begegnet uns ein Laubbaum, der seine ausladende Wuchsform selbst in höheren Lagen beibehält, wo sich andere Bäume eher zusammenziehen und konzentrieren. Er trotzt somit den in Berghöhen vorherrschenden, konzentrierenden Kräften, lässt seine üppigen Säfte von einem Zentrum aus in die Peripherie fließen, das übrigens auch sehr schön im Aufbau seiner Blätter zu beobachten ist. Vom Übergang des langen Blattstiels zum Blatt (Spreitengrund) aus weiten sich fünf gut sichtbare Hauptadern in den Umkreis und bilden das große, harmonisch gebaute, handförmig gelappte Blatt. Dieses Blatt vermittelt, wie der ganze Baum auch, ein Gefühl von entschlossener und doch gutmütiger Kraft. Es wundert daher nicht, dass diesem Baum in den Alpenregionen besondere Verehrung zuteil wurde.

Verwendete Pflanzenteile für das Gemmomazerat

Frische Knospen.

Sammelzeit: April bis Mai.

Inhaltsstoffe der Knospen

Gerbstoffe, Zucker, Allantoin, Flavonoide, Saponine, Phytosterin, Cholin, Vitamin A, B1, B2, B3, B5, B6, Folsäure, Calcium, Enzyme.

Wirkung des Gemmomazerats

Das Bergahorn-Knospenmazerat wird überwiegend in der Behandlung der Haut, der Leber und bei Entzündungen eingesetzt.

• Entzündungshemmende Wirkung.

• Regeneriert die stark beanspruchte Haut.

• Harmonisiert die Leber.

Indikationen

Haut: Trockene, schuppende Haut, Schuppenflechte, Gürtelrose, Entzündungen der Haut, Akne.

Stoffwechsel: Gicht, Fettleber, Leberfunktionsstörungen. Allgemeines Tonikum.

Bewegungsapparat: Gelenkentzündungen, entzündliche rheumatische Schübe.

Seelische Aspekte: Das Bergahorn-Gemmomazerat eignet sich für Menschen, die aus innerer Anlage heraus äußeren Reizen gegenüber wenig Widerstand bieten können und dadurch schnell erregbar sind. Entweder ziehen sie sich in der Folge zurück oder leben ein »aufgepeitschtes«, außerordentlich kräftezehrendes Leben, das relativ schnell zur Ermattung führt. Das Mazerat hilft diesen Menschen, sich nicht allzu schnell an äußeren Reizen zu entzünden.

Bewährte Kombinationen

+ Ribes nigrum + Pinus mugo bei entzündeten großen Gelenken

+ Ribes nigrum + Rosa canina bei Gürtelrose

+ Tilia tomentosa bei Reizüberflutung

+ Fraxinus excelsior bei Gicht

+ Rosmarinus officinalis bei Fettleber, fibrosierter Leber

Humorale Eigenschaften

Geschmack: Sauer mit einer leichten Süße.

Qualitäten: Kalt, feucht.

Wirkung: Reguliert die Chole, senkt übermäßige Hitze.

Planetensignaturen

Hauptaspekte

Jupiter: Majestätischer Baum, ausladende Wuchsform, breite, ausgeweitete Blätter. Nährstoffreiche Blätter geben einen fruchtbaren Mull. Bodenverbesserer. Zuckerhaltiger Saft.

ADOXACEAE (MOSCHUSKRAUTGEWÄCHSE)

Sambucus nigra, Schwarzer Holunder Adoxaceae

Die zwischen Polaritäten vermittelnde Knospe

Das Wesen der Pflanze

Der strauch- oder baumförmige Schwarze Holunder (maximale Höhe: 11 Meter) ist mit Ausnahme der Iberischen Halbinsel und dem Norden Skandinaviens in ganz Europa vom Flachland bis in Höhen von 1600 Metern häufig vertreten. Er ist eine bekannte Erscheinung unserer Wälder und in ländlichen Teilen unserer Region häufig in menschlicher Siedlungsnähe anzutreffen. Er ist extrem robust und anspruchslos, schätzt stickstoffreiche, schwach saure Böden und wächst schnell. Er erreicht aber nur ein Alter von maximal hundert Jahren. Holunder ist ein Bodenheiler par excellence, besiedelt durch menschliche Eingriffe gestörte Landschaften und führt diese wieder dem natürlichen Zustand zu. Sein Laub zersetzt sich leicht und fördert das Gedeihen der unterschiedlichen Bodenlebewesen, insbesondere der Regenwürmer. Aus diesem Grund setzt man den Schwarzen Holunder gern neben Komposthaufen, er fördert den Zersetzungsvorgang. Seine Stadtklima-, Ruß-, Salzverträglichkeit und Windfestigkeit zeichnen ihn als einen Baum aus, der über erstaunliche Resistenz- und Entgiftungsfähigkeiten verfügt. Er ist ein Halbschattenbaum, der aber auch Vollschatten und lichtexponierte Standorte erträgt.

Als kleiner Baum fällt seine Krummwüchsigkeit und dicht belaubte Krone auf. Als Busch hat er die eindeutige Tendenz, in die Breite zu wachsen. Die Wurzel ist zwar flach, aber weitreichend und macht ihn sturmfest.

Seine jungen, leicht kantigen Triebe bleiben relativ lange unverholzt. Ihre zunächst grüne, später graubraune, kahle Rinde trägt zahlreiche, deutlich vorgewölbte Lentizellen (Korkporen). Im Inneren enthalten die Äste ein schaumartiges und weißes Mark, das unsere Vorfahren als Zunder zum Feuerentfachen nutzten.

Eindrücklich ist die üppige Blütenpracht des Schwarzen Holunders im Frühling. Eine Unzahl winzig kleiner fünfzähliger Blüten werden zu großen, schirmförmigen Dolden zusammengefasst, die eine Überreichlichkeit an schweflig gelbem Blütenstaub produzieren. Ihr charakteristischer Duft zieht sowohl Fliegen und Käfer wie auch Bienen an. Über die Gefälligkeit des Duftes gehen die Meinungen weit auseinander. Von wohlduftend, süßfruchtig bis schweißig, harnähnlich reicht die Beschreibung. Wie auch immer, etwas »Dumpf-Feuchtes« haftet ihm im Beisein aromatischer Qualitäten sicher an. Übrigens findet sich dieser Duft in geringerem Maße in der ganzen Pflanze wieder.


Längliche, oft nur am Grund beschuppte Knospe, Schuppen braunrot und kahl.


Oft in Siedlungsnähe anzutreffender kleiner Baum.

Im Herbst bietet der Schwarze Holunder erneut ein Farbenspiel, diesmal aber in leuchtend violettschwarzer Farbe. Es sind nun die beerenförmigen, saftigen Steinfrüchte, die schwer an den Zweigen hängen. In ihrem Inneren sind drei Samen in burgunderrotem Saft verborgen. Der eigentümliche, dumpfe, herb-aromatische Geschmack gefällt auch hier nicht allen Menschen. Manche reagieren bei Verzehr der rohen Früchte sogar mit Bauchbeschwerden und Durchfall. Während die Beeren reifen, färben sich auch die Stiele, an denen sie sitzen, intensiv rotviolett. Viele Vögel sind ganz verrückt nach diesen Beeren und sorgen für eine schnelle Verbreitung der Samen.

Die Blätter des Schwarzen Holunders sind gefiedert, erscheinen vor der Blüte und unterliegen keiner Herbstverfärbung. Auch sie verströmen an warmen Tagen den typischen, dumpf-aromatischen Holunderduft, der beim Zerreiben der Blätter noch viel deutlicher hervortritt.

Der Schwarze Holunder wird seit Menschengedenken zu Heilzwecken verwendet. Erste schriftliche Zeugnisse als Heilpflanze liefert uns die Hippokratische Schule aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. Es wurden alle Teile der Pflanze verwendet. Ein deutsches Sprichwort bringt es auf den Punkt: »Beeren, Rinde, Blatt und Blüte, jeder Teil ist voller Güte.«

Eine unglaubliche Fülle an Geschichten ranken sich um diesen Baum. Übereinstimmend geht es darin meist um eine uralte Muttergöttin (Frau Holle, Göttin Hulda) und ihre vielen Helfer aus dem Erdreich (Zwerge, Gnome, Wichtel), die wohlwollend den Menschen zur Seite stehen. Der Schwarze Holunder ist oft auch ein Ahnen- und »Chindli«-Baum, auf dem die verstorbenen oder erwarteten Seelen aus jenseitigen Welten Anteil am Hofleben nehmen. Er war unseren Vorfahren eine Brücke zwischen Diesseits und Jenseits, weshalb er bis heute liebevolle Verehrung genießt.

Im Schwarzen Holunder begegnet uns ein Baum, der über außerordentlich üppige Lebenskräfte verfügt, die sich der Mensch schon seit Urzeiten zunutze macht. Er ist eine Pflanze, die Licht und Dunkel, Feuer und Wasser in speziellem Maße in sich vereint und unter anderem durch ihren brenzlig-dumpfen Geruch manifestiert. Er vermittelt zwischen polaren Kräften, meidet dabei die Einseitigkeit und bleibt so außerordentlich beweglich.

Verwendete Pflanzenteile für das Gemmomazerat

Frische Blattknospen.

Sammelzeit: März bis April.

Inhaltsstoffe der Knospen

Flavonoide, ätherisches Öl, Phenolcarbonsäuren, Schleimstoffe, Gerbstoffe, Triterpene, Beta-Sitosterol, cyanogene Glycoside, Anthocyane, Vitamin B12, B6, C, Folsäure, Beta-Carotin, Kalium, Phosphor, Calcium, Magnesium, Lithium, Barium, Jod, Schwefel, Enzyme.

Wirkung des Gemmomazerats

Die Wirkung des Schwarzen Holunders ist vielfältig und beruht zu einem großen Teil darauf, dass er eine ausgesprochen entgiftende und dennoch stärkende Wirkung zeigt. Er begleitet sehr gut andere Gemmomazerate, weil er deren Wirkung verstärkt.

• Regt das Immun- und Stoffwechselsystem an.

• Löst Stauungen und bringt begonnene Prozesse zu einer Entscheidung.

• Wirkt allgemein entgiftend und klärend.

Indikationen

Verdauungstrakt: Verstopfung.

Kreislaufsystem: Arterienentzündungen, Ulcus cruris. Wundheilungsfördernd.

Bewegungsapparat: Rheumatische Prozesse durch unterdrücktes Schwitzen, Muskelrheumatismus.

Respirationstrakt: Schleimhautentzündung, Bronchitis, Husten, starke Verschleimung der Atemwege, Allergien, Nasennebenhöhlenentzündungen, Asthma.

Haut: Unreine Haut, trockene Haut, Akne, Psoriasis, Neurodermitis, geschwollene Haut, Nesselfieber, übermäßiges Schwitzen.

Immunsystem: Immunstimulierend, antibakteriell. Immunschwäche, grippale Infekte. Zur Vorbeugung von grippalen Infekten, Allergien, Heuschnupfen und Fieber.

Stoffwechselsystem: Regt den Stoffwechsel an. Allgemein entgiftend. Gicht, Rheuma. Ausgezeichnet für Frühjahrs- und Herbstkuren. Frühjahrsmüdigkeit.

Harnwegssystem: Regt die Nieren an. Mangelhafte Entgiftungsfunktion der Nieren. Begleitend bei wiederkehrenden Harnwegsinfekten.

Kreislaufsystem: Regt die Lymph- und Blutzirkulation an, stärkt das Herz. Funktioneller Pfortaderstau, leichte Ödeme, Blutarmut.

Nervensystem: Stärkt und beruhigt das Nervensystem. Trigeminusneuralgie, chronische Ischiasbeschwerden.

Konstitution: Lymphatisch-scrophulöse Konstitution.

Seelische Aspekte: Das Schwarzer-Holunder-Knospenmazerat eignet sich für Menschen, die in einem ausgeprägten Schwarz-Weiß-Denken »gefangen« sind: Sie sehen sich oder andere einmal als nur schlecht, ein anderes Mal als nur gut. Sie leben in einer ständigen Spannung und tun alles, um diese nicht wahrnehmen zu müssen. Dadurch leben sie ein außerordentlich unbeständiges, meist intensives Leben. Die Knospe des Schwarzen Holunders senkt die seelische Spannung und hilft, mit dieser »Entweder-oder-Anlage« besser fertig zu werden und sie allmählich in ein »Sowohl-als-auch« zu überführen. Die Holunderknospe ist breit einsetzbar! Sie hilft in unserer immer schneller und richtungsloser werdenden, sein Selbst nicht zu verlieren.

Bewährte Kombinationen

+ Ribes nigrum bei chronischen Ischiasbeschwerden

+ Aesculus hippocastanum bei venösen Stauungen

+ Rosa canina zur Immunstimulierung

+ Ribes nigrum + Fagus sylvatica + Carpinus betulus bei Heuschnupfen

+ Juniperus communis + Ribes nigrum bei Gicht

+ Tilia tomentosa bei Schwarz-Weiß-Denken

Humorale Eigenschaften

Geschmack: Herbsüß, aromatisch.

Qualitäten: Warm, trocken.

Wirkung: Leitet Phlegma, Chole und Melanchole über Haut und Nieren aus, stärkt das Sanguisprinzip.

Planetensignaturen

Hauptaspekte

Merkur: Gefiederte Blätter, hohler Stängel mit Mark, schnellwachsend, außergewöhnliche Windfestigkeit, bevorzugt halbschattigen Standort, Pionierpflanze, Seelengeleiter im alten Volksglauben.

Nebenaspekte

Venus: Fünfzählige, zarte Blüten.

Mars: Roter Beerensaft, rote Fruchtstängel. Pionierpflanze.

Mond: Junge Triebe bleiben lange unverholzt. Saftreiches Pflanzengewebe, schweißiger Duft.

Saturn: Krummwüchsiger Baum, schwarze Steinfrüchte.

Viburnum lantana, Wolliger Schneeball Adoxaceae

Die Knospe, die frei atmen lässt

Das Wesen der Pflanze

Der maximal bis zu 4 Meter hoch und bis zu 80 Jahre alt werdende Wollige Schneeball ist in ganz Europa zu Hause, vorzugsweise in lichten Laubwäldern und an Wegesrändern. Als dekorativer Strauch wird er häufig in Parkanlagen angebaut. Er bildet reinweiße Blüten, die in 10 Zentimeter breiten, halbkugligen Schirmrispen angeordnet sind und dank des nach Ammoniak riechenden Methylamins durch Schwebefliegen, Käfer und Nachtfalter bestäubt werden. Bereits ab Juli beginnen die eilänglichen Früchte ihre leuchtend rote Farbe anzunehmen, um dann in der Vollreife ins glänzend Schwarzblaue überzugehen. Es sind die drei heiligen Urfarben der frühen Menschheit, die der Wollige Schneeball in seiner Blüten-Frucht-Region manifestiert. Weiß-Rot-Schwarz: Diese Farbkombination findet sich in zahlreichen Sagen, Märchen und Legenden wie zum Beispiel bei Schneewittchen, Schneeweißchen und Rosenrot und der Parzivalsage wieder. Es sind auch die Farben einer dreigestaltigen Urgöttin, die uns im germanischen Mythos als die drei Schicksalsgöttinnen Verdandi, Urd und Skuld begegnen. Verdandi spinnt, Urd erhält und Skuld schneidet den Lebensfaden eines jeden Lebewesens.

Vom Boden her ist der Wollige Schneeball sehr anspruchslos, braucht wenig Nährstoffe, verträgt jedoch keine Nässe.

Die biegsamen Zweige des Wolligen Schneeballs haben zum botanischen Namen geführt: Das lateinische Wort viburnum heißt »Schneeball«, »lantana« kommt vom lateinischen lentus für »biegsam, zäh; langsam«. Aus den Zweigen des Strauchs werden Pfeile für das Bogenschießen hergestellt, die sehr elastisch und bruchfest sind. Die bei der circa 5300 Jahre alten Gletschermumie Ötzi gefundenen Pfeile waren aus diesem Holz gefertigt. Diese Holzeigenschaften werden auch zur Herstellung von lange geschnitzten Holzrauchpfeifen, Peitschenstielen, Schlingen oder zum Flechten geschätzt. Aus der schleimhaltigen Wurzelrinde wurde zur Vogeljagd ein »Vogelleim« gewonnen, mit dem man Baumzweige einschmierte und darauf wartete, dass Vögel daran kleben blieben.


Gegenständige, gelbgrau filzige Nacktknospe.


Eiförmig-längliche Früchte in unterschiedlichen Reifegraden.

Medizinisch wurde der Bast auf die Haut gelegt, um Blasen zu erzeugen und so schädliche Säfte aus dem Körper zu ziehen. Auszüge von Blättern und Früchten wurden bei Halsentzündungen und Durchfall verwendet. Die Beeren sind entgegen der weit verbreiteten Meinung nicht giftig und können zu Gelee oder Marmelade verarbeitet werden.

Im Wolligen Schneeball begegnet uns ein an sich anspruchsloser, unauffälliger Strauch, der aber durch seine interessante Blüten- und Früchtebildung auf sich aufmerksam macht und die Fantasie des Betrachters beflügelt. Diese kann einen weit in die Vergangenheit der Menschheitsgeschichte führen, als die Verehrung der großen Urgöttin dominant und die matriarchale Stammesgesellschaft üblich war.

Verwendete Pflanzenteile für das Gemmomazerat

Frische Blattknospen.

Sammelzeit: März bis April.

Inhaltsstoffe der Knospen

Gerbstoffe, Salicin, Schleim, Cumarine, Anthocyane, Beta-Sitostrol, Iridoid-Glycoside, Bitterstoffe, Valeriansäure, Kalcium, Kupfer, Eisen, Kalium, Magnesium, Mangan, Enzyme.

Wirkung des Gemmomazerats

Das Gemmomazerat des Wolligen Schneeballs breitet seine Wirkung hauptsächlich auf den Atemtrakt und auf das neurovegetative System aus. Ebenfalls wirkt es auf die Hypophysen-Schilddrüsen-Achse.

• Krampflösender und antiallergischer Effekt auf die Bronchien.

• Harmonisiert das neurovegetative System, wirkt allgemein entspannend.

• Reguliert die Hypophysen-Schilddrüsen-Achse.

Indikationen

Respirationstrakt: Hauptanwendungsgebiet sind krampfartige Störungen des Respirationstraktes mit oder ohne allergischen Hintergrund. Stärkt die Lungenfunktion allgemein. Asthma, Heuschnupfen, Atemnot mit psychischem Hintergrund, krampfartiger Husten.

Haut: Atopische Ekzeme, Neurodermitis, psorische Diathese, Dermatomyositis. Neuroendokrines System: Hyperthyreose, Morbus Basedow.

Bewegungsapparat: Rheumatische Beschwerden. Zyklus: Menstruationsbeschwerden durch seelische Konflikte.

Nervensystem: Neurovegetative Dystonie, alle psychovegetativen Funktionsentgleisungen, stressbedingte Beschwerden, die auf die Atmung schlagen.

Konstitution: Tuberkuline und psorische Diathesen.

Seelische Aspekte: Das Gemmomazerat aus dem Wolligen Schneeball hilft, Spannungen zu lösen, vor allem wenn diese mit Symptomen auf der Haut und im Atemtrakt einhergehen.

Bewährte Kombinationen

+ Ribes nigrum + Rosmarinus officinalis bei Asthma

+ Corylus avellana bei chronischer Bronchitis, Lungenemphysem

+ Cedrus libani bei trockenen Formen des atopischen Ekzems

+ Cornus sanguinea bei Schilddrüsenüberfunktion

+ Tilia tomentosa bei Neigung zu Hyperventilisation

Humorale Eigenschaften

Geschmack: Herb-bitter, zusammenziehend.

Qualitäten: Kühl, trocken.

Wirkung: Kühlt die überhitzte Chole und leitet Melanchole aus.

Planetensignaturen

Hauptaspekte

Mond: Silbriggrau behaarte Zweige, eiförmige Blätter, runzlige Blattoberseiten, wollig graugrüne Blattunterseiten, weiße, in halbkugelige Schirmrispen angeordnete Blüten. Ammoniakduft der Blüten und des Holzes, Bestäubung durch Schwebefliegen. Zweiflügler und Käfer. Blüten ziehen Nachtinsekten an. Urfarben Weiß– Rot–Schwarz repräsentieren die drei Mondphasen. Früchte schmecken fad süßlich und schleimig. Starke Schleimbildung in der Wurzelrinde, Flachwurzler.

Nebenaspekte

Merkur: Rinde der Zweige, Knospen, Blattunterseite sind stark behaart.

Saturn: Die schwarzen Früchte hängen im Winter oft noch lange getrocknet an den Zweigen. Die schwarzen Früchte erinnern an Fliegen»dreck«. Graubraune und längsrissige Rinde.

APOCYNACEAE (HUNDSGIFTGEWÄCHSE)

Vinca minor, Kleines Immergrün Apocynaceae

Die konzentrationsfördernde Knospe

Das Wesen der Pflanze

Das Kleine Immergrün ist ein niedriger, teilweise verholzter Halbstrauch. Wie sein Name schon sagt, bleibt er das ganze Jahr über grün. Ursprünglich war er in Südeuropa und Kleinasien beheimatet, wurde aber bereits durch die Römer über die Alpen gebracht und war auch durch das Mittelalter hindurch eine beliebte Gartenpflanze. Heute gilt er in Mitteleuropa als eingebürgert und ist wild vorkommend oft ein Relikt längst vergangener Siedlungen. Das Kleine Immergrün ist eine gesellige Pflanze, die nährstoff- und kalkreichen Boden bevorzugt. Es bildet lange, mit länglich lanzettlichen Blättern bekleidete Triebe, mit denen es sich dem Boden entlangkriechend verbreitet und dichte, grün glänzende »Teppiche« bildet. Die Blätter sind von lederartiger Konsistenz, oberseits glänzend dunkelgrün und unterseits leicht gelblich. Die ganze Pflanze führt einen wässrig-milchigen Saft.

Die im April und Mai blühenden Triebe richten sich hingegen auf und geben aus ihren Blattachseln wunderschöne himmelblaue Blüten frei. Diese langgestielten fünfzähligen Blüten sind meist links gedreht und erinnern an eine Spirale. Sie wirken, als ob sie sich jederzeit zu drehen beginnen.

Die Spirale ist ein Symbol, das von den Menschen bereits in der Steinzeit häufig auf Felsen gemalt wurde und durch alle Zeiten und Kulturen hindurch auftritt. Es ist das Sinnbild des Lebens, der Fruchtbarkeit und der Sonne. Der botanische Name »Vinca« leitet sich vom lateinischen Wort vincere für »siegen« ab. Vinca verkörpert das siegreiche Leben und hatte von der Antike über das Mittelalter bis in die beginnende Neuzeit hinein einen großen Ruf als Heilpflanze. Die moderne Medizin bedient sich der Pflanze ebenfalls und synthetisiert daraus Stoffe für die Behandlung von Durchblutungsstörungen und der damit einhergehenden Beeinträchtigungen des Gehirns, der Augen und Ohren. Die Verabreichung hoher Konzentrationen dieser isolierten Stoffe (hauptsächlich das Indolalkaloid Vincamin) bringt Nebenwirkungen wie Blutdruckabfall, Herzrhythmusstörungen, Unruhe, Verdauungsbeschwerden mit sich. Gemmomazerate aus dem Kleinen Immergrün werden bei diesen Indikationen ebenfalls eingesetzt und haben den Vorteil, nebenwirkungsfrei zu sein.

Die Blüte des Kleinen Immergrüns wiederholt in ihrem Aufbau auffallend häufig die Zahl Fünf. Wir können fünf Blütenblätter, einen fünfteiligen Kelch sowie fünf Staubgefäße finden. Die Fünf ist die Zahl der Venus und des Menschen.


Junger aufrechter Trieb des Immergrüns.


Glänzende, ledrige immergrüne Blätter.

Das Kleine Immergrün ist bestrebt, den Boden sorgfältig zu bedecken, um ihn so vor Austrocknung zu schützen. Als Bodenkriecher nimmt es das mineralische Element sichtlich stark in sich auf und bildet zähe, ledrige Blätter. Es verholzt jedoch nur teilweise. Es möchte nämlich nicht vollständig den schweren Kräften anheimfallen. Seine Ausläufer behält es darum über der Erde und senkt seine Wurzeln aus seinen Knoten in den Boden. Mit dem senkrechten Aufrichten der Blütentriebe erobert es mutig die luftig-lichte Sphäre. Gleichsam als wollte es die Überwindung der schweren Kräfte zelebrieren, bildet es die spiralförmigen, zarten Blüten und nimmt die Farbe des Himmels darin auf. Das Kleine Immergrün holt gewissermaßen den Himmel auf die Erde, verwebt kosmische und irdische Kräfte ineinander.

Verwendete Pflanzenteile für das Gemmomazerat

Frische junge Triebe.

Sammelzeit: März bis Mai.

Inhaltsstoffe der Knospen

Indolalkaloide, Bitterstoffe, Gerbstoffe, Flavonoide, Beta-Sitosterol, Iridoidglykoside, Ursolsäure, Vitamin C, Enzyme.

Wirkung des Gemmomazerats

Das Kleine-Immergrün-Gemmomazerat wird hauptsächlich im Bereich des Kreislaufsystems eingesetzt. Darüber hinaus zeigt es eine regulierende Wirkung auf das Nervensystem, Immun-system und den Zuckerstoffwechsel.

• Regt den Blutfluss an, senkt die Blutviskosität, fördert die Mirkrozirkulation.

• Krampflösende Wirkung auf die Gefäßwände.

• Wirkt blutdrucksenkend.

• Regt den Hirnstoffwechsel an, wirkt konzentrationsfördernd, stützt das Gedächtnis.

• Senkt den Blutzucker.

Indikationen

Kreislaufsystem: Bluthochdruck, Kongestionen, Mikrozirkulationsstörungen, Angina Pectoris, Durchblutungsstörungen des Hirns, Migräne. Schützt vor Arteriosklerose. Hörgeräusche (Tinnitus), Blutungsneigung, Brüchigkeit der Haargefäße, Hämorrhoiden.

Nervensystem: Wiederkehrender Schwindel, Migräne, nachlassende Gedächtnisleistung, beginnende Demenz, Störungen der Aufmerksamkeit im Alter, Unruhe im Alter, Minderung der Gedächtnisleistung, Folgen von Hirnschlag, Hirntrauma, Altersschwerhörigkeit.

Stoffwechselsystem: Senkt den Blutzuckerspiegel.

Immunsystem: Stärkt das Immunsystem.

Seelische Aspekte: Das Gemmomazerat des Kleinen Immergrüns hilft gegen verfrühte Vergreisung und Sklerosierung. Es hält den alternden Menschen geistig flexibel und verhilft dem jüngeren Menschen zu besserer Konzentration.

Vorsicht: Nicht bei tiefem Blutdruck einsetzen!

Bewährte Kombinationen

+ Ginkgo biloba bei nachlassender Gedächtnisleistung im Alter

+ Alnus glutinosa bei Migräne

+ Crataegus laevigata bei Angina Pectoris

Humorale Eigenschaften

Geschmack: Bitter, herb, sauer.

Qualitäten: Warm, trocken.

Wirkung: Stärkt das Sanguisprinzip, reinigt Sanguis von phlegmatischen und melancholischen Schärfen, leitet Melanchole über die Nieren aus.

Planetensignaturen

Hauptaspekte

Sonne: Spiralförmige Blüten, immergrüne Pflanze, aufrecht stehende Blühtriebe.

Saturn: Immergrüne Pflanze, blaue Blüten. Triebe kriechen den Boden entlang.

Nebenaspekte

Venus: Dominanz der Zahl Fünf in der Blüte.

Mond: Milchsaftführende Pflanzenteile.

AQUIFOLIACEAE (STECHPALMENGEWÄCHSE)

Ilex aquifolium, Stechpalme Aquifoliaceae

Die Reaktionsbereitschaft fördernde Knospe

Das Wesen der Pflanze

Die immergrüne Stechpalme kommt strauchoder baumförmig vor. Welche Form sie annimmt, hängt hauptsächlich von den Lichtverhältnissen ab. Baumförmige, bis 15 Meter hohe, dicht verzweigte und typischerweise pyramidenförmige Exemplare finden wir meist nur freistehend oder sehr selten kleine Wäldchen bildend. Die strauchförmige Form ist eine typische Begleiterin des lichtarmen Untergehölzes von Eichen- und Buchenmischwäldern. Auch wenn sie mit wenig Licht auskommt, meidet sie zu kalte Gebiete, sie ist ein typischer Strauch wintermilder Gegenden. Sie bevorzugt tiefgründige, humusreiche, aber auch steinige Böden. Ihre Hauptwurzeln sind kräftig und tiefgehend. In der obersten Bodenschicht bildet sie zusätzlich ein weit ausgebreitetes System feiner Wurzeln. Aus den Wurzeln bildet sie junge Sprossen. Ein Grund, warum man die Stechpalme oft in Gruppen antrifft.

Sie wächst langsam und kann bis zu 300 Jahre alt werden. Sie teilt sich in männliche und weibliche Exemplare. Die Befruchtung der unscheinbaren, vierzähligen Blüten erfolgt von Mai bis Anfang Juni durch Insekten, hauptsächlich Bienen. Die rot glänzenden, saftigen Beeren enthalten vier Samen und sind auf grünem Zweig sitzend ein ähnlich beliebter Advents- und Weihnachtsschmuck wie die weißbeerige Mistel. Die Beeren werden durch die Vögel verbreitet, denen sie im Gegensatz zu uns Menschen absolut bekömmlich sind. Im jungen Alter sind die grünen Zweige teilweise dicht behaart, verkahlen jedoch später und behalten ihre grüne Rinde bei. Die namengebenden, randseits stachligen Blätter sind relativ dick und ledrig, auf der Oberseite glänzend dunkelgrün und unterseits gelbgrün. Die Blätter älterer Bäume weisen zunehmend weniger Stacheln auf.

Lange Zeit war die Stechpalme der einzige immergrüne Strauch unserer Wälder. Sogar die dünne Rinde des Stamms bleibt lange grün und verfärbt sich erst im Alter allmählich ins Schwarzgraue und ähnelt der Rinde einer jungen Esche. »Palme« wird sie deswegen genannt, weil es in den kälteren Gegenden Europas mit christlicher Tradition an Palmwedeln für das Palmsonntagsfest (Sonntag vor Ostern) mangelte und mit ihr ein Ersatz gefunden wurde. In der christlichen Pflanzensymbolik stehen die roten Beeren für die Blutstropfen Christi und die immergrünen Zweige für die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod. Die zu Kränzen geflochtenen Zweige, die Dornenkrone Christi symbolisierend, wurden mancherorts am Palmsonntag geweiht und zu Ostern als Ausdruck der Freude über die Auferstehung Christi verbrannt. Bereits in heidnischen Zeiten wurden Zweige zur Abschirmung des Bösen an Haus und Stall befestigt – ein Brauch, den man noch heute in gewissen Teilen Europas beobachten kann. Mit der Stechpalme wurde auch sonst allerhand Geheimnisvolles getrieben. Magisch anmutend ist auf jeden Fall ihre Fähigkeit des Geschlechtswechsels, der allerdings nur bei besonders alten Exemplaren beobachtet wurde.


Schmal-kegelförmige, ein- oder zweispitzige Endknospe.


Christliche Pflanzensymbolik: rote Beeren (Blutstropfen Christi) und immergrüne Zweige (Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod).

Nicht gesichert gilt die medizinische Anwendung der Stechpalme in der Antike. Im Spätmittelalter wurden die Blätter häufiger bei Rheuma, Fieber, Seitenstechen und Husten empfohlen. Die giftigen Beeren (zwanzig bis dreißig Beeren können für einen Erwachsenen lebensbedrohlich sein) wurden in angemessener Dosierung als kräftiges Abführmittel und gegen Epilepsie verwendet.

Die Toxizität der Stechpalme wird von Fachleuten unterschiedlich eingeschätzt. Prinzipiell gelten alle Teile der Pflanze als giftig. Welches aber die giftbestimmenden Wirkstoffe sind, bleibt nach wie vor ungeklärt. Die meisten Erfahrungen beziehen sich auf die Einnahme der Beeren, die als toxischste Pflanzenteile gelten. Die Giftinformationszentrale des Universitätsklinikums Bonn stuft die Stechpalme als gering giftig ein. Maß-nahmen, die sie empfehlen, beziehen sich ausschließlich auf die Einnahme der Beeren.

In der modernen Phytotherapie spielt die Stechpalme keine Rolle mehr. In der Volksheilkunde wird sie aber sehr wohl noch geschätzt. Da werden die getrockneten Blätter als Aufguss eingenommen. In dieser Zubereitung sind auch keine Vergiftungen bekannt geworden!

Die Stechpalme, einzige in Mitteleuropa vorkommende Vertreterin der Stechpalmengewächse, ist eine der nördlichst wachsenden Gesandten dieser Familie. Stechpalmengewächse sind hauptsächlich in tropischen und subtropischen Gebieten zu Hause. Daher auch ihr immergrünes Wesen und ihre Schattenresistenz. Sie trotzt dem Winter, dem Schatten und der Kälte. Intuitiv richtig wurde sie wegen ihres sonnigen Wesens als Palmenersatz verwendet, denn immergrüne Zweige hätten auch Fichte, Tanne und Eibe geliefert.

Verwendete Pflanzenteile für das Gemmomazerat

Frische Triebe.

Sammelzeit: März bis April.

Inhaltsstoffe der Knospen

Alkaloide Theobromin, Theophyllin und Trigonellin, Vanillin, Urolsäure, Flavonoide, Saponine, Vitamin B2, B5, B6, C; E, Choline, Enzyme.

Wirkung des Gemmomazerats

Das Gemmomazerat der Stechpalme erstreckt seine Wirkung hauptsächlich auf das Nieren-Nebennieren-System, das Hormon- und Nervensystem, den Stoffwechsel und die Lymphe. Es ist als ein kurzfristig eingesetztes Umstimmungsmittel (über einen Zeitraum von zwei Wochen) versuchsweise auch bei allen reaktionsarmen, chronischen Erkrankungen geeignet, um die Reaktionsbereitschaft zu fördern. Interessanterweise kann es ebenfalls bei überschießender Reaktionslage verwendet werden.

• Regt die Nierenleistung an, wirkt harntreibend und entgiftend.

• Regt die Cortisolbildung an, wirkt dadurch entzündungshemmend.

• Beruhigt und harmonisiert das Nervensystem.

• Krampflösend.

• Fiebersenkend.

• Allgemein mild tonisierend.

• Wirkt »verjüngend« auf den älteren Organismus.

• Verbessert die Lymphqualität.

Indikationen

Sinnesorgane: Augenheilmittel generell. Grauer Star, Retinadegeneration, Ohrgeräusche, beginnende Schwerhörigkeit.

Hormonsystem: Stimuliert die Nebennieren. Prämenstruelles Syndrom, Brustentzündung, gutartige Knoten in der Brust. Begleitend bei Brustkrebs. Zyklusabhängige und zyklusunabhängige Brustschmerzen.

Nervensystem: Unterstützend bei Epilepsie, allgemein krampflösend, beruhigend.

Verdauungstrakt: Krämpfe des Verdauungstrakts.

Respirationstrakt: Keuchhusten, chronischer Husten.

Stoffwechselsystem: Rheuma, Gicht.

Immunsystem: Stärkt das Immunsystem. Zur Grippeprophylaxe. Fiebersenkend. Tiefgehende Schwächezustände.

Harnwegsapparat: Nierensklerose.

Seelische Aspekte: Das Stechpalmen-Gemmomazerat ist geeignet für Menschen, die ständig auf der Überholspur leben mit dem Gefühl, unbedingt besser als alle anderen sein zu müssen. Sie investieren enorm viel Energie dafür, die Nase vorn zu haben, und schrecken auch nicht davor zurück, unlautere Mittel einzusetzen, um ihre Ziele zu erreichen. Eifersucht, Neid und übertriebener Ehrgeiz sind oft begleitende Dämonen, die von der Stechpalme vertrieben werden können.

Vorsicht: Nicht während der Schwangerschaft und der Stillzeit einnehmen!

Im EU-Raum und in der Schweiz sind Gemmomazerate von Ilex aquifolium wegen der potenziellen Giftigkeit nur ab der D1 erhältlich. Bemerkenswerterweise kennen die USA und Kanada diese Vorschrift nicht, unverdünnte Mazerate sind dort im Handel zu bekommen.

Das unverdünnte Stechpalmen-Gemmomazerat ist ausschließlich für den Erwachsenen zu verwenden! Für Kinder nehme man unbedingt das Mazerat in der D1! Wegen der potenziellen Giftigkeit empfehlen wir, entweder das Gemmomazerat in D1 zu verwenden oder bei Beginn der Therapie mit unverdünnten Mazeraten den Einnahmezeitraum auf eine Woche zu beschränken und jeweils drei Tage Pause dazwischen einzulegen.

Bewährte Kombinationen

+ Betula pendula + Rubus idaeus beim prämenstruellen Syndrom

+ Fagus sylvatica bei Nierensklerose

+ Juglans regia zur Lymphreinigung

+ Ribes nigrum, um die Cortisolproduktion anzuregen

+ Quercus robur bei Erschöpfung

+ Betula pendula + Pinus mugo bei chronischem Rheumatismus

+ Alnus glutinosa bei Allergien

Humorale Eigenschaften

Geschmack: Leicht herb, süßlich, leicht aromatisch.

Qualitäten: Warm, feucht.

Wirkung: Dickes Phlegma verdünnend und ausleitend, Melanchole und Chole ausleitend.

Planetensignaturen

Hauptaspekte

Mars: Stachelige Blätter, rote, reizende, giftige Beeren.

Saturn: Immergrüner Strauch, langsam wachsend.

BETULACEAE (BIRKENGEWÄCHSE)

Alnus glutinosa, Schwarzerle (auch Roterle) Betulaceae

Die Gewebe durchlüftende, durchlichtende Knospe

Das Wesen der Pflanze

Die sommergrüne Schwarzerle wächst oft an für Menschen unzugänglichen Stellen in Auenwäldern, Mooren, Sumpflandschaften sowie an fließenden Gewässern und ist in Eurasien weit verbreitet. Sie hat eine düstere Ausstrahlung, die allerdings im Widerspruch zu ihrem hohen Lichtbedürfnis steht. Die Schwarzerle bevorzugt helle Standorte, die aber immer feucht sein müssen. In den Monaten März und April blühen die männlichen und weiblichen Kätzchen am selben Baum nacheinander auf. Dies verhindert die Selbst- und ermöglicht die Windbestäubung. Die Schwarzerle geht eine Symbiose mit dem Bakterium Frankia alni ein, wodurch sie Stickstoff aus der Luft binden kann. Somit bleibt sie bis zu einem gewissen Grad unabhängig von der Nährstoffversorgung durch den Boden.

Das rundlich bis eiförmige Blatt der Roterle zeigt eine ausgeprägte, von der Blattmittelachse ausstrahlende Blattnervatur. Eigentümlich ist die Delle an der Stelle, wo die Blattspitze sein sollte. Diese Delle dämpft die durch die Blattnervatur betonte zentrifugale Ausrichtung. Es ist, als ob aus dem Umkreis Kräfte eindrückend auf die Blattspitze wirkten und die zentrifugal wirkenden Kräfte eindämmten. Ebenso seltsam ist die Bildung von verholzenden, bei Laubbäumen sonst unüblichen Zapfen. Diese Zapfen bleiben den Winter über am Baum hängen und entlassen im Frühling kleine, abgeflachte Nussfrüchte, die durch Wind und Wasser verbreitet werden.

Ihre besondere Fähigkeit, mit den im Wasser stehenden Wurzeln nicht zu verfaulen, verdankt die Erle ihrem hohen Gehalt an wasserabweisenden Gerbstoffen und den in der Rinde befindlichen Lentizellen, die ein ausgeklügeltes »Belüftungssystem« ermöglichen. Diese (Jahrhunderte anhaltende) Fäulnisresistenz der im Wasser befindlichen Schwarzerlenstämme nutzten Pfahlbauer ebenso wie später die genialen venezianischen Stadtplaner, um ihren Bauten ein sicheres Fundament zu geben.

Der Name »Schwarzerle« beruht auf der ehemaligen Verwendung der Rinde zum Schwarzfärben von Leder sowie zur Herstellung schwarzer Tinte. Der Name »Roterle«, wie der Baum auch genannt wird, geht auf die intensive Rotfärbung zurück, wenn sie frisch geschnitten ist: Sie scheint dann zu bluten. Da die Erle wie die Chinarinde fiebersenkend wirkt, wird sie auch »einheimische Chinarinde« genannt.

Die Schwarzerle galt bei den Germanen und Kelten als Verkörperung des Urweiblichen, das Leben schaffen und zerstören kann. Ein die Schwarzerle ergänzender Baum war die Esche, die das urmännliche Prinzip verkörperte. So entzündeten unsere Vorfahren ihre Feuer mit einem Mörser aus Schwarzerlenholz (Gefäß, weiblicher Schoß) und einem Quirl aus Eschenholz (männliches Phallussymbol): die Vermählung des männlichen mit dem weiblichen Prinzip.


Langgestielte Knospen mit 2 rotbraun-violetten, grau punktierten und meist klebrigen Schuppen.


Rundlich bis eiförmiges Blatt mit eingebuchteter Blattspitze.

In der Schwarzerle ist ein Baum erkennbar, der ganz im Spannungsfeld von Licht und Dunkelheit steht. Daraus entwickelt sie Kräfte zur Harmonisierung entgegengesetzter, auseinanderstrebender Kräfte. Sie ist eine Vermittlerin zwischen jenseitigen und diesseitigen Welten.

Verwendete Pflanzenteile für das Gemmomazerat

Frische Blattknospen.

Sammelzeit: Ende März bis April.

Inhaltsstoffe der Knospen

Gerbstoffe, Flavonoide (unter anderem Hyperosid), Beta-Sitosterol, Harze, Triterpensäuren (Alnulin, Protaenulin), Salicin, Kieselsäure, Kupfer, Magnesium, Mangan, Enzyme.

Wirkung des Gemmomazerats

Das Mazerat der Schwarzerle hat eine ausgeprägte antientzündliche Wirkung auf alle Körpergewebe. Es wird bei akut eitrigen, aber auch chronischen Entzündungen eingesetzt. Es ist speziell geeignet bei Körpergeweben mit hohem Feuchtigkeitsanteil wie den Schleimhäuten (Respirationstrakt, Verdauungstrakt, ableitende Harnwege, Genitaltrakt) und serösen Häuten (wie Bauchfell und Rippenfell). Es besteht ein deutlicher Bezug zum Blutkreislauf, insbesondere zum arteriellen Schenkel des Kreislaufs (Durchblutung der Herzkranzgefäße und der Hirnarterien, Schutz der Gefäßwände vor thrombotischen Prozessen).

• Drainage- und »Entgiftungsmittel« (Anregung der Blut- und Lymphsysteme, hilft, ausscheidungspflichtige Substanzen abzutransportieren).

• Reguliert das Immunsystem (antibiotische, entzündungshemmende und fiebersenkende Wirkung).

• Regt die Nebennieren zur Bildung von Cortisol an.

• Bewährtes Altersmittel, hilft in einer hektisch werdenden Umgebung, den Überblick zu bewahren.

Indikationen

Kreislaufsystem: Entzündungen der Herzkranzgefäße, Arterienentzündungen, Aortenentzündung, Folgen eines Herzinfarktes, Venenentzündung, Venenthrombose, Gefäßkrämpfe, Insuffizienz der linken Herzklappe, Arteriosklerose und ihre Folgen.

Blut: Harnsäureüberschuss, Neigung zu Blutgerinnseln.

Bewegungsapparat: Rheumatische Beschwerden, Knochen-, Knochenmarks- und Knochenhautentzündung.

Respirationstrakt: Lungenfell-, Lungenentzündung, Nasennebenhöhlen-, Stirnhöhlenentzündung, Bronchitis, akuter und chronischer Schnupfen, allergisches Asthma.

Nervensystem: Akute und chronische Migräne, Gedächtnisstörungen, mangelhafte Durchblutung des Gehirns durch Arteriosklerose.

Auge: Durchblutungsstörungen der Retina.

Haut: Chronisch allergische oder hitzige Hautausschläge, Herpes Zoster, Nesselsucht.

Verdauungstrakt: Aphthen, Magenschleimhautentzündung, Magen-Darm-Geschwür, Gallenwegs-, Bauchfellentzündung, entzündliche Darmerkrankungen, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Magen-Darm-Krämpfe.

Harntrakt: Blasen-, Harnröhren-, Nierenbeckenentzündung.

Endokrines System: Regt die Nebennierenrinden an.

Immunsystem: Als fiebersenkendes Mittel, zur Ausleitung von Hitze. Entzündungshemmend, antibiotisch, antiallergisch.

Geschlechtsorgane der Frau: Weißfluss, wiederkehrende Scheidenentzündungen.

Geschlechtsorgane des Mannes: Prostataentzündung, Entzündungen im Genitalbereich.

Konstitutioneller Typ: Häufig bei Hydrogenoidismus (Erkrankungen mit vermehrten Flüssigkeitsansammlungen) angebracht.

Seelische Aspekte: Die Schwarzerle öffnet den Zugang zur Anderswelt, zu den Naturgeistern und den Ahnen. Sie vermittelt »Tiefgang«, macht das Denken beweglicher und regt Erneuerungssowie Erkenntnisprozesse an. Sie hilft, verborgene, verdrängte Persönlichkeitsanteile ins Bewusstsein zu heben, ist förderlich zur Vereinigung widerstreitender Gefühle und hilft, abgespaltene Gefühle zu reintegrieren.

Bewährte Kombinationen

+ Rosa canina im Wechsel mit Ribes nigrum bei Migräne

+ Olea europaea + Sequoiadendron giganteum (beim Mann)/Vaccinium vitis-idaea (bei der Frau) bei Vergesslichkeit und Altersdemenz

+ Ribes nigrum bei allergischem Asthma und bei Nesselsucht

+ Viburnum lantana bei spastischer Bronchitis/Asthma bronchiale

+ Salix alba bei akuten und chronisch rheumatischen Prozessen

+ Fraxinus excelsior bei allgemeiner Schwäche, zur Vereinigung von Yin und Yang

+ Vitis vinifera + Ficus carica bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen

Humorale Eigenschaften

Geschmack: Zusammenziehend, aromatisch, etwas bitter, leicht scharf.

Qualitäten: Kalt, trocken, mit einer verborgenen Kraft zu erwärmen.

Wirkung: Leitet phlegmatische und cholerische Schärfen sowie übermäßige Melanchole aus und regt das Sanguisprinzip an.

Planetensignaturen

Hauptaspekte

Saturn: Dunkle, rissige Rinde, verholzende Zapfen, starke Gerbstoffbildung und Resistenz gegen Fäulnis im Wasser. Düstere Ausstrahlung. Verbindung der Ober- und Unterwelt.

Mond: Wächst am/im Wasser. Grüne Blüten (bleiben mondhaft-unreif). Strahlt nicht aus sich heraus, sondern scheint das Sonnenlicht eher zu reflektieren (»geliehenes« Licht).

Merkur: Windbestäubung und Kätzchenbildung, Lentizellen für innere Belüftung, Belaubung sehr licht- und luftdurchlässig. Erlenwurzeln bringen Luft in die Erde, die Baumkrone durchmischt die Elemente Luft und Licht (Durchlüften und Durchlichten).

Nebenaspekte

Mars: Rot färbendes Holz, starke Wärmeentwicklung beim Verbrennen von Erlen- mit Eschenholz.

Alnus incana, Grauerle Betulaceae

Die Knospe bei persönlichen Niederlagen

Das Wesen der Pflanze

Die sommergrüne, bis zu 25 Meter hoch und circa fünfzig Jahre alt werdende Grauerle zeigt eine außerordentliche Anpassungsfähigkeit an ihren Standort. Sie kommt ebenso gut mit nährstoffreichem wie mit nährstoffarmem Boden zurecht. Ebenso verträgt sie eine große Vielfalt von klimatischen Bedingungen. Sie ist unempfindlich gegenüber Frost und weitgehend hitze- und dürrebeständig.

Sie bevorzugt wasserreiche Böden, verträgt aber im Gegensatz zu ihrer Schwester, der Schwarzerle, keine anhaltende Staunässe. Mit kurzfristigen Überschwemmungen kommt sie allerdings zurande. Sie ist ein häufig auftretender Bewohner der Berge, wo sie als Pionierbaum Sand-, Kies- und Schotterplätze besiedelt. Auch die von Menschen hinterlassenen Kiesgruben, Geröllhalden und Baggerlöcher gehören zu ihrem Revier. Je nach Standort wächst die Grauerle ein- oder mehrstämmig, teilweise aber auch strauchförmig. Die schnellwüchsige und in ihrem Wurzelwerk horizontal wachsende Grauerle wird häufig zur Hangsicherung auf Bergrutschflächen oder Abraumhalden gepflanzt. Sie schlägt in großer Intensität aus, und ihr Längenwachstum endet erst im späten Sommer.

Genauso wie die Schwarzerle geht sie eine Symbiose mit dem Bakterium Frankia alni ein, wodurch sie Stickstoff aus der Luft binden kann. Somit bleibt sie bis zu einem gewissen Grad unabhängig von der Nährstoffversorgung durch den Boden. Vielmehr reichert sie die Erde sogar mit Stickstoffverbindungen an und trägt so zur »Bodenverbesserung« bei. Ort dieser Lebensgemeinschaft sind die bis zu faustgroßen Wucherungen an den Wurzeln (Wurzelknöllchen). Diese geniale Art der Nährstoffversorgung sättigt die Grauerle dermaßen, dass sie im Herbst – anders als die meisten einheimischen Gehölze – darauf verzichtet, die energiereichen Inhaltsstoffe vor der Entlaubung aus den Blättern abzuziehen. Das hat zur Folge, dass die Blätter grün vom Baum fallen. Diese stickstoffreiche Laubstreu zersetzt sich schnell und führt dem Boden zusätzliche Nährstoffe zu.

Wie die Schwarzerle auch ist die Grauerle ausgesprochen lichtbedürftig. Die Rinde ist glatt und silbergrau bis grünlich, es lassen sich darauf Korkwarzenstreifen erkennen. Die stark in Form und Größe variierenden Laubblätter sind oberseits dunkelgrün, unterseits graugrün und bei jungen Blättern filzig grau behaart.


Kurzgestielte, eiförmige Knospen mit rot-violetten Schuppen, zuerst dicht behaart, später kahl.


Die hellgraue Rinde der Grauerle.

Männliche und weibliche Blütenstände befinden sich am selben Baum (Einhäusigkeit) und erscheinen bereits im Sommer vor der Blüte des nächsten Jahres. Sie überwintern nackt; die männlichen in langen, hängenden Kätzchen, die weiblichen in aufrechten oder abstehenden, kleinen, in Gruppen von zwei bis acht Stück angeordneten rotbraunen Zäpfchen. Die Grauerle blüht vor dem Laubaustrieb, etwa drei Wochen vor der Schwarzerle. Die Bestäubung erfolgt über den Wind: Im Herbst sind die Flügelsamen reif und werden gewöhnlich durch ihn verbreitet. Die verholzten Zäpfchen bleiben oft noch bis zum Frühling am Baum.

Die Grauerle wurde in der Volksmedizin identisch verwendet wie die Schwarzerle. Das Holz der Grauerle ist etwas heller, weniger grobfaserig und stärker glänzend als das der Schwarzerle. Zudem ist es sehr leicht und wird mit dem Lindenholz verglichen. Schnitzer schätzen dieses Holz sehr. Ansonsten wird es in der Holzindustrie kaum genutzt.

Die Grauerle ist ein anmutiger, jugendlich wirkender Baum, der im Gegensatz zu ihrer Schwester Schwarzerle die düstere Ausstrahlung gänzlich fehlt. Sie ist ausgesprochen regenerationsfreudig, schlägt nach Verletzung problemlos wieder aus und hat bodenverbessernde Eigenschaften. Die Grauerle ist ein Baum, der Herausforderungen mit jugendlicher Frische angeht.

Verwendete Pflanzenteile für das Gemmomazerat

Frische Blattknospen.

Sammelzeit: April.

Inhaltsstoffe der Knospen

Gerbstoffe (10 bis 20 Prozent Gallusester in den Blättern), Flavonoide (unter anderem Hyperosid), Beta-Sitosterol, Harze, Triterpensäuren (Alnulin, Protaenulin), Kieselsäure, Enzyme.

Wirkung des Gemmomazerats

Das Grauerlenkann ähnlich wie das Schwarzerlen-Gemmomazerat eingesetzt werden. Ein wesentlicher Unterschied besteht darin, dass das Grauerlen-Gemmomazerat stärker auf Gewebsneubildungen und Abkapselungstendenzen einwirkt. Ebenfalls gehören bindegewebige Gewebsumwandlungen von Organen in ihr spezifisches Indikationsspektrum. In der Praxis wird dieses Gemmomazerat zwar häufiger bei Frauen verwendet, es kann aber genauso gut bei Männern zum Einsatz kommen, vor allem im Zusammenhang mit dem Herz-Kreislauf-System.

• Stärkt und reguliert die Gewebe der weiblichen Genitalien, der Gebärmutter und der Eierstöcke.

• Wirkt allen Formen von Verhärtungen der weiblichen Brust entgegen.

• Stärkt die Gefäßwände und verbessert den Blut- und Lymphfluss.

• Wirkt blutverdünnend.

Indikationen

Urogenitalsystem der Frau: Gebärmuttermyome, Eierstockzysten, Gebärmutter- und Scheidensenkung. Stärkt die Beckenbodenmuskulatur (in Begleitung mit Beckenbodentraining). Scheidenentzündung, verstärkter Scheidenausfluss, Harnwegsentzündungen.

Weibliche Brust: Gutartige Knoten in der Brust. Begleitend bei Brustkrebs.

Kreislaufsystem: Krampfadern, Blutschwämme (Hämangiome), Arterienentzündungen. Neigung zu Blutgerinnseln. Akute Thrombose, Hämorrhoiden.

Verdauungstrakt: Leberzirrhose, chronisch entzündliche Darmerkrankungen.

Bewegungsapparat: Osteoporose.

Seelische Aspekte: Das Gemmomazerat der Grauerle eignet sich zur allgemeinen Vitalisierung, vor allem nach erfolgten Niederlagen.

Bewährte Kombinationen

+ Vaccinium vitis-idaea + Ribes nigrum bei Zysten und Myomen im weiblichen Unterleib

+ Fraxinus excelsior bei Senkungen der Unterleibsorgane (Blase, Scheide, Gebärmutter)

+ Ficus carica + Juglans regia bei Morbus Crohn

+ Aesculus hippocastanum bei Hämorrhoiden

+ Cornus sanguinea zur Vorbeugung und Behandlung von Blutgerinnseln

Humorale Eigenschaften

Geschmack: Zusammenziehend, aromatisch, herb.

Qualitäten: Kalt, trocken.

Wirkung: Leitet Phlegma aus, reguliert Melanchole.

Planetensignaturen

Hauptaspekte

Mond: Wächst am Wasser. Silbergraue Rinde, weiches Holz. Nährt den Boden (Bodenverbesserung).

Merkur: Schnelles Wachstum, Windbestäubung und Kätzchenbildung, Lentizellen für innere Belüftung, Belaubung sehr licht- und luftdurchlässig, stark variierende Blätter, Flügelsamen. Erlenwurzeln bringen Luft in die Erde.

Nebenaspekte

Saturn: Verholzende Zapfen, starke Gerbstoffbildung.

Mars: Frisch eingeschlagenes Holz ist auffällig orangerot.

Betula pendula, Hängebirke Betulaceae

Die reinigende und verjüngende Knospe

Das Wesen der Pflanze

Die bis zu 30 Meter hoch werdende sommergrüne Hängebirke kommt mit Ausnahme von Nordskandinavien in ganz Europa, in Nordamerika und in weiten Teilen Nordasiens vor. Sie ist ein schnell wachsender Pionierbaum, der wenig Ansprüche an den Boden stellt. Als die Eismassen der letzten Eiszeit zurückgingen, gehörte die Hängebirke zu den Bäumen der ersten Stunde und nahm in Mitteleuropa große Areale ein. Durch die zunehmende Erwärmung und die dadurch bedingte »Einwanderung« anderer, weniger frostharter Bäume wurde die Hängebirke zunehmend auf unwirtlichere Standorte abgedrängt, wo sie den größten »Wettbewerbsvorteil« hat. Heute sind zusammenhängende Birkenwälder nur noch kleinräumig in Mitteleuropa anzutreffen. Typischerweise treffen wir die Hängebirken bei uns als Einzelbäume oder in kleinen Gruppen an. Dafür sind sie aber fast überall, in Städten, offenen Landschaften, auf ungenutzten Industrieflächen und an stillgelegten Bahngleisen anzutreffen. In Skandinavien und in großen Teilen Russlands prägen Birkenwälder allerdings noch immer über weite Gebiete das Landschaftsbild und sind auch tief im Bewusstsein der ansässigen Bevölkerung verwurzelt. Die Hängebirke ist der Weltenbaum, an dem die nordischen Schamanen in ekstatischem Bewusstsein in die Welt der Geister klettern.

Die Lebensdauer der Hängebirke ist im Süden bereits mit fünfzig bis sechzig, im Norden erst mit 180 Jahren erreicht. Der Baum ist einhäusig, die vor dem Laubaustrieb aufblühenden charakteristischen männlichen und die nach dem Laubaustrieb blühenden weiblichen Blüten befinden sich gemeinsam auf einem Baum. Die Bestäubung und die Verbreitung der dünnhäutig geflügelten, 3 Millimeter langen Samen erfolgt über den Wind. Dieser mädchenhafte Baum, der wie tanzend

seine langen, filigranen Zweige im Winde bewegt, ist der Luft besonders hingegeben. Trotz dieses anmutigen Wiegens der Zweige im Wind übt die Hängebirke gleichzeitig eine aggressive Technik der Selbstbehauptung aus. Ihre nach unten hängenden Zweiglein schleifen nämlich durch einen Korkwarzenbesatz der Rinde bei Windeinwirkung wie Schleifpapier Schneisen in die Baumkronen nahe stehender Bäume. Diese effiziente Technik garantiert der Hängebirke ausreichend Sonnenlicht, da sie ausgesprochen lichthungrig ist.

Kaum haben die Sämchen den Boden erreicht und erhalten genügend Feuchtigkeit und Sonnenlicht, keimen sie bereits. Lichthungrig, wie sie ist, wächst die Hängebirke sehr schnell. Schon leichte Beschattung lässt die jungen Birken rasch zugrunde gehen. Das gespeicherte Sonnenlicht verdichtet die Hängebirke in einem aromatischen Stoff, dem Betulin, das in der Rinde abgelagert wird und die typische weiß glänzende Farbe gibt. Betulin verleiht der Rinde einen hervorragenden Schutz gegen Nässe und macht sie nur sehr schwer verweslich. Ebenso reflektiert Betulin das Licht vollständig und verhindert so Rindenschäden durch zu intensive Sonneneinstrahlung. Um die schneeweiße Farbe der Rinde unvermindert aufrechtzuerhalten, schält die Hängebirke ältere Rindenschichten kontinuierlich horizontal ab und gibt junge, frische Rinde frei, die mit zunehmendem Alter in eine schwarze, harte Borke übergeht.


Leicht zugespitzte Knospe mit bräunlich bis grün glänzenden Schuppen.


Die Hängebirke ist ein lichthungriger Baum.

Die kleinen dreieckigen Blättchen, die von einem leuchtend warmen Frühlingsgrün in ein intensives helles Herbstgelb übergehen, schaukeln bei dem kleinsten Windhauch lebhaft an ihren biegsamen Stängelchen und geben das Bild spielerischer Koketterie mit der Luft und dem Licht, das sie umgibt.

Charakteristisch ist auch die Anspruchslosigkeit der Hängebirke, was die Wasserversorgung anbelangt. Sie kann auf trockenen und feuchten Standorten gleichermaßen gedeihen. Auf nassem Boden »pumpt« sie wie kein anderer einheimischer Baum Wasser und lässt es über die Blätter verdunsten – eine Eigenschaft, die sich Bauern zunutze machen, um feuchte Standorte zu drainieren. Sinkt die Temperatur unter minus 40 Grad Celsius, wandelt sie in ihren Zweigen Stärke in Öl und erzeugt damit einen Wärmespeicher.

Die nordischen Naturvölker wussten alle Teile der Hängebirke auf vielfache Weise zu gebrauchen. So wurden beispielsweise aus der Rinde Dachziegel und sogar Kanus gefertigt, in Notzeiten konnte die zuckerhaltige Rinde gemahlen und dem Brot zugesetzt werden, aus Birkenteer wurden Fackeln gemacht. Das Holz hat einen hohen Brennwert, findet aber auch für den Möbel- und Gerätebau Verwendung. Der mineral- sowie vitaminstoffreiche Frühlingssaft der Hängebirke war ein begehrtes Getränk nach einem langen, harten Winter und ließ sich zudem noch zu »Birkenwein« vergären. Birkenreisig brauchte man in der Schwitzhütte, um sich damit abzuklopfen. Das Birkenlaub wurde gegen eine Vielzahl von Krankheiten als Tee eingenommen, und die jungen Birkenblätter konnten gegessen werden.

Die Hängebirke ist vielen Völkern Sinnbild des Frühlingserwachens und der Wiedergeburt. Augenscheinlich wird dies in ihrer traditionellen Verwendung als Maibaum, als Schmuck in Lichtmess- und Fronleichnamsfeiern sowie als Bauholz für die Kinderwiege.

In der Hängebirke nehmen wir einen kraftvollen, jugendlichen Baum wahr, der alle typischen Frühlingseigenschaften in sich vereint. Sie ist Pflanze gewordenes Frühlingslicht, anmutig und schön, verweigert sich der Mehrhundertjährigkeit, bevorzugt durch die Bildung einer immensen Anzahl kleiner flugfähiger Samen den Standortwechsel und den Neubeginn. Bei der Betrachtung der Hängebirke befällt einen leicht das Gefühl, dass dieser Baum mit seiner weißen, reflektierenden Rinde vor allem darauf aus ist, das Licht wahrnehmbar zu machen und durch sein Blätterwerk die Leichtigkeit des Seins vorzutanzen – und dies oft vor einem eher düsteren, kargen Hintergrund wie beispielsweise einem verlassenen Industriegelände.

Verwendete Pflanzenteile für das Gemmomazerat

Frische Knospen.

Sammelzeit: April bis Mai.

Inhaltsstoffe der Knospen

Ätherisches Öl, Flavonoide, Saponine, Salicin, Proanthocyanidine, Vitamin A, B1, B2, C, E, Calcium, Kieselsäure, Magnesium, Kupfer, Kalium, Zucker, Enzyme.

Wirkung des Gemmomazerats

Das Hängebirken-Knospenmazerat wirkt deutlich stoffwechselanregend und entgiftend, was die breite Anwendungsmöglichkeit erklärt. Daneben wird es auch häufig verwendet, um ins Stocken geratene Prozesse anzuregen.

• Regt die Nieren an und wirkt entsäuernd.

• Wirkt knochenstoffwechselanregend, fördert den Calciumeinbau in den Knochen.

• Wirkt entzündungshemmend und antirheumatisch.

• Wirkt fiebersenkend und schmerzlindernd.

Indikationen

Bewegungsapparat: Gelenkschmerzen, entzündete Gelenke, Rückenschmerzen. Stimuliert den Calciumstoffwechsel. Osteoporose, Rheumatismus, Arthrose, Rachitis.

Stoffwechselsystem: Übersäuerung, Gicht. Regt Leber, Milz und Pankreas an, normalisiert den Fettstoffwechsel. Gedeihschwäche der Kinder, Wachstumsverzögerung bei Kindern/Jugendlichen, Frühjahrsmüdigkeit.

Harnwegssystem: Nierenschwäche, Albuminurie, Harnwegsentzündungen, wiederkehrende Blasenentzündungen, Nierensteinprophylaxe, Nierengrieß, nierenbedingte Wasseransammlungen.

Leber-Gallen-System: Entgiftet die Leber. Begleitmittel bei Leberentzündungen.

Immunsystem: Regt die Milz an, regt das Retikulohistiozytäre System an (RHS, Gesamtheit des retikulären Bindegewebes). Allergien, Lymphatismus, Lymphknotenentzündungen, Fieber. Haut/Schleimhaut: Alle, vor allem nässende Hauterkrankungen, Cellulite, Fibrosklerose der Brust. Reinigt die Schleimhäute. Chronische Katarrhe. Nervensystem: Beginnende Gehörlosigkeit, Nervenschwäche, Adynamie.

Blut: Blutreinigend, cholesterinsenkend. Reguliert die Gerinnungsfähigkeit des Bluts.

Kreislaufsystem: Vitalitätsmangel durch angeborenen Herzfehler, Plethora (Blutstau) infolge übermäßiger Nahrungsaufnahme.

Seelische Aspekte: In Mythologie und Volksglauben ist die Birke Inbegriff des Weiblichen. Mangelt es an Ausstrahlungskraft oder lässt man sich zu sehr ablenken, reinigt die Hängebirke die Aura des betroffenen Menschen, seine »Schwingungsfähigkeit«, und seine positive Ausstrahlungskraft nimmt wieder zu. Fehlen mütterliche Instinkte bei einer schwangeren oder kurz zuvor entbundenen Frau, kann die Hängebirke helfen, diese Muttergefühle hervorzuholen. Die Hängebirke symbolisiert den Vollmond und nährt den aktiven weiblichen Seelenaspekt des Menschen.

Bewährte Kombinationen

+ Vaccinium vitis ideae bei postmenopausaler Osteoporose

+ Abies alba bei Wachstumsverzögerungen des Kindes

+ Abies alba bei Osteoporose

+ Alnus glutinosa + Carpinus betulus bei chronischen Nasennebenhöhlenentzündun-gen des Erwachsenen

+ Calluna vulgaris bei Übersäuerung

+ Fraxinus excelsior + Ribes nigrum bei Gicht

+ Pinus montana + Ribes nigrum bei Kniearthrose, Hüftarthrose

+ Ribes nigrum + Vitis vinifera bei Kniearthrose, Hüftarthrose

+ Ribes nigrum + Ampelopsis veitchii bei Sehnen(scheiden)entzündungen

+ Ribes nigrum bei Paradontose im Wechsel mit Quercus robur

+ Rosmarinus officinalis zur Leberzellentgiftung

+ Sorbus sanguinea bei Varizen, Beinödemen

+ Vaccinium vitis-idaea bei Katarakt, Sehschwäche

+ Juniperus communis zur Ausleitung über die Nieren

+ Sequoiadendron giganteum bei sexueller Schwäche

+ Ilex aquifolium bei gutartigen Brustknoten

Humorale Eigenschaften

Geschmack: Harzig, schwach aromatisch, balsamisch, scharf, etwas bitter.

Qualitäten: Warm, trocken.

Wirkung: Säftestockungen durchbrechend, Phlegma bewegend, Phlegma und Melanchole ausleitend, Chole regulierend.

Planetensignaturen

Hauptaspekte

Venus: Anmutige Gestalt, helle, fröhliche Ausstrahlung. Öffnet sich der Umgebung.

Nebenaspekte

Mond: Bezug zum Wasser, enormer Samenreichtum, hohe Keimfähigkeit der Samens.

Merkur: Windbestäuber. Geflügelte Samen, schnelles Wachstum, bewegliches Blätterwerk.

Betula pubescens, Moorbirke Betulaceae

Die reinigende Knospe im Alter

Das Wesen der Pflanze

Die sommergrüne Moorbirke ist ihrer Schwester, der Hängebirke, sehr ähnlich. Beide können untereinander bastardisieren, sind dann aber nicht mehr reproduktionsfähig.

Die Moorbirke ist in allem etwas zäher als die Hängebirke. Sie wird noch nördlicher als die Hängebirke angetroffen, sie steigt in den Bergen höher hinauf. Sie dringt dort bis an die Baumgrenze und bildet im Norden die Waldgrenze. Wie der Name schon vermuten lässt, bevorzugt sie nassen, sauren und nährstoffarmen Boden. Vom Wuchs her fehlt ihr die Anmut der Hängebirke, sie wirkt gedrungener und manchmal etwas starr, ist baum- und strauchförmig anzutreffen. Ihre Rinde erreicht nicht denselben schneeweißen Glanz wie die der Hängebirke. Sie ist anfangs dunkelrötlich braun und hellt mit den Jahren zusehends auf, bis sie eine gräulich weiße Farbe erreicht. In papierdünnen Rollen schält sie sich später ab.

Als zusätzlichen Kälteschutz ist die Moorbirke behaarter als die Hängebirke. Ein feiner Flaum überzieht die jungen Zweige und Blätter, besonders entlang der Blattnerven. Die Blätter sind etwas gröber und bisweilen von herzförmiger Gestalt, die Samen etwas schmaler geflügelt als die von der Hängebirke.

Hänge- und Moorbirke sind beides Lichtpflanzen, und sie haben eine spezielle Beziehung zum Wasser. Im Vergleich tendiert die Moorbirke allerdings etwas weniger zum Licht und ist wesentlich auf das Vorhandensein von Wasser angewiesen. Die Hängebirke reagiert weitgehend unempfindlich auf unterschiedliche Wasserversorgung, übersteht Dürre und Überschwemmung gleichermaßen gut. Die starrere Struktur der Äste und die etwas schmutzigfarben wirkende Rinde zeigen, dass in der Moorbirke verdichtende Erdkräfte stärker wirksam sind als in der Hängebirke. Auch das Blatt der Moorbirke wirkt etwas plumper als das der Hängebirke.

Beide Birkenarten sind Pionierpflanzen, die durch Humusansammlung zur schnellen Wiederbewaldung unfruchtbarer Stellen beitragen.

In der Phytotherapie werden beide Bäume für die gleichen Indikationen verwendet. In der Gemmotherapie haben sich allerdings einige nicht unwesentliche Unterschiede herauskristallisiert.

Verwendete Pflanzenteile für das Gemmomazerat

Frische Blattknospen.

Sammelzeit: April bis Mai.

Inhaltsstoffe der Knospen

Ätherisches Öl, Flavonoide, Saponine, Salicin, Proanthocyanidine, Vitamin A, B1, B2, C, E, Calcium, Kieselsäure, Magnesium, Kupfer, Kalium, Zucker, Enzyme.

Wirkung des Gemmomazerats

Das Moorbirkenknospenmazerat wirkt stoffwechselanregend und entgiftend, was die breiten Anwendungsmöglichkeiten erklärt. Ebenfalls zeigt es eine deutliche Wirkung auf die Hormondrüsen. Es ist ein gutes Anfangsmittel bei komplexen Krankheitsbildern mit offensichtlichen Zeichen der Übersäuerung. Das Gemmomazerat der Moorbirke ist im Vergleich zum Hängebirkenmazerat besser geeignet für den älteren Menschen.

• Regt Schilddrüse und Keimdrüsen an.

• Regt die Nieren an und wirkt entsäuernd.

• Regt die Leberleistung an, drainiert die Leber.

• Wirkt stärker knochenstoffwechselanregend, den Calciumeinbau in den Knochen fördernd als Betula alba.

• Wirkt entzündungshemmend und antirheumatisch.

• Wirkt fiebersenkend und schmerzlindernd.

Indikationen

Bewegungsapparat: Gelenkschmerzen, entzündete Gelenke, Rückenschmerzen. Stimuliert den Calciumstoffwechsel. Osteoporose, Rheumatismus, Arthrose.

Stoffwechselsystem: Übersäuerung, Gicht. Regt Leber, Milz und Pankreas an, normalisiert den Fettstoffwechsel. Frühjahrsmüdigkeit.

Harnwegssystem: Nierenschwäche, Albuminurie, Harnwegsentzündungen, wiederkehrende Blasenentzündungen. Nierensteinprophylaxe. Nierengrieß, nierenbedingte Wasseransammlungen.

Leber-Gallen-System: Entgiftet die Leber. Begleitmittel bei Leberentzündungen.


Spitzig-eiförmige, leicht gebogene Knospe mit graubraunen bis graugrünlichen, an den Rändern weiß bewimperten Schuppen.


Die Moorbirke an einem typischen Standort.

Immunsystem: Regt die Milz an, regt das Retikulohistiozytäre System an (RHS, Gesamtheit des retikulären Bindegewebes). Allergien, Lymphatismus, Lymphknotenentzündungen, Fieber.

Haut/Schleimhaut: Alle Hauterkrankungen, vor allem bei nässenden Hauterkrankungen, Cellulite, Fibrosklerose der Brust. Reinigt die Schleimhäute. Chronische Katarrhe.

Nervensystem: Beginnende Gehörlosigkeit, Nervenschwäche, Adynamie.

Blut: Blutreinigend, cholesterinsenkend. Reguliert die Gerinnungsfähigkeit des Bluts.

Hormonelles System: Schilddrüsenunterfunktion, Libidostörungen von Mann und Frau, Impotenz, Frigidität.

Seelische Aspekte: Das Gemmomazerat von Betula pubescens eignet sich für Menschen, die an diversen chronischen körperlichen Krankheiten leiden, welche aufs Gemüt drücken. Diese Menschen nehmen in der Regel viele unterschiedliche schulmedizinische Medikamente ein, die mit der Zeit Körper und Seele »vergiften«. Betula pubescens hilft in diesen Fällen, die Entgiftungsfunktionen des Organismus aufrechtzuerhalten, und schenkt Kräfte, diese Situation zu überdenken und neue, lebensadäquatere Wege zu wagen.

Bewährte Kombinationen

+ Vaccinium vitis ideae bei postmenopausaler Osteoporose

+ Abies alba bei Osteoporose

+ Alnus glutinosa + Carpinus betulus bei chronischen Nasennebenhöhlenentzündungen des Erwachsenen

+ Calluna vulgaris bei Übersäuerung

+ Fraxinus excelsior + Ribes nigrum bei Gicht

+ Pinus montana + Ribes nigrum bei Kniearthrose, Hüftarthrose

+ Ribes nigrum + Vitis vinifera bei Kniearthrose, Hüftarthrose

+ Ribes nigrum + Ampelopsis veitchii bei Sehnenentzündungen

+ Ribes nigrum bei Paradontose im Wechsel mit Quercus robur

+ Rosmarinus officinalis zur Leberzellentgiftung

+ Sorbus aucuparia bei Varizen, Beinödemen

+ Vaccinium vitis-idaea bei Katarakt, Sehschwäche

+ Juniperus communis zur Ausleitung über die Nieren

+ Sequoiadendron giganteum bei sexueller Schwäche

Humorale Eigenschaften

Geschmack: Harzig, schwach aromatisch, balsamisch, scharf, etwas bitter.

Qualitäten: Warm, trocken.

Wirkung: Säftestockungen durchbrechend, Phlegma bewegend, Phlegma und Melanchole ausleitend, Chole regulierend.

Planetensignaturen

Hauptaspekte

Mond: Bezug zum Wasser. Enormer Samenreichtum, hohe Keimfähigkeit der Samen.

Nebenaspekte

Merkur: Windbestäuber. Geflügelte Samen, schnelles Wachstum. Pionierpflanze.

Saturn: Trotzt unwirtlichen Bedingungen. Baum der Waldgrenze.

Carpinus betulus, Hainbuche Betulaceae

Die vitalitätspendende Knospe

Das Wesen der Pflanze

Die Hainbuche ist im subozeanischen Klima verbreitet und kann bis zu 150 Jahre alt werden. Sie verträgt warme Sommer und kalte Winter (bis zu minus 30 Grad Celsius). In Mitteleuropa steigt sie bis auf 1000 Meter Höhe. Die Halbschattenbis Schattenpflanze gehört zu den standorttoleranten Bäumen und ist auf trockenem wie auch feuchtem, saurem wie auch basischem Boden anzutreffen. Die Hainbuche ist meist mit Eichenund Lindenbäumen vergesellschaftet.

Ihre glatte, graue Rinde gab ihr den Namen, der sie mit der Rotbuche in eine geschwisterliche Beziehung bringt, obwohl sie botanisch betrachtet nicht verwandt sind. Die Hainbuche gehört nämlich zur Familie der Birkengewächse und nicht zu den Buchen wie die Rotbuche. Im Unterschied zur Rotbuche bildet die Rinde älterer Bäume spiralig herablaufende oder netzförmige Wülste, was dem Baum ein seltsam anmutendes, gedrilltes Aussehen verleiht. Ebenso sind ihre männlichen Blüten anders als bei der Rotbuche zu länglichen, schlaff herabhängenden Kätzchen gebündelt. Die weiblichen Kätzchen, die am selben Baum wie die männlichen Blüten vorkommen, sind wesentlich kleiner und unscheinbarer. Die Bestäubung erfolgt über den Wind. Die reifen Fruchtstände beherbergen winzige Nüsschen, die an dreilappigen Tragblättern befestigt sind. Diese Konstruktion ermöglicht den Nüsschen, weit mit der Luft zu fliegen. Dazu warten sie aber so lange, bis sie von Winterstürmen Hunderte von Metern weit getragen werden.

Die Hainbuche war in früheren Zeiten im mitteleuropäischen Wald weitaus häufiger anzutreffen als heute. Auch »Hagebuche« genannt, ist sie wie gesagt äußerst standorttolerant und mit tiefreichenden Herzwurzeln versehen. Der bis zu 25 Meter große Baum mit häufig krummem, bis zu 1 Meter dickem Stamm wurde von unseren Vorfahren intensiv genutzt. Die Hagebuche fand häufig Verwendung als Futterbaum für die Viehfütterung, wobei ihre laubtragenden Triebe regelmäßig abgeschnitten wurden (Baumheu). Dass die Hainbuche dank ihrer enormen Kraft problemlos immer wieder ausschlagen kann, kam ihrer Ausbreitung zugute. Ebenfalls wurde ihr Holz, das alle einheimischen Holzarten in ihrer Härte übertrifft, sehr geschätzt, was ihr in manchen Gegenden den Namen »Eisenbaum« respektive »Eisenholz« einbrachte.

Der Name »Hain-« oder auch »Hagebuche« erinnert an ihre ehemals praktizierte Anpflanzung zum Einhagen der Felder, Wiesen und Gehöfte. Heute ist sie nach wie vor eine oft gesehene Heckenpflanze.

Vermutlich hat sich die Hainbuche nach der letzten Eiszeit vom Kaukasus aus verbreitet. Im Kaukasus finden sich die stattlichsten Hainbuchenbäume (nur dort erreichen sie eine Höhe von bis zu 35 Metern). Das Laub der Hainbuche ist leicht und rasch abbaubar und führt zu einer Bodenoptimierung. Die Hainbuche ist sogar ein Luftverbesserer, da ihre Blätter erhebliche Mengen von Blei aufnehmen. Sie wird deshalb gern am Rande vielbefahrener Straßen gepflanzt.

Hildegard von Bingen erwähnte die Hainbuche in ihrem Buch Über die Bäume als Baum, der Dämonen abzuwehren weiß und die Fruchtbarkeit der Frauen anzuregen vermag. In der Volksheilkunde wurden Auflagen mit Hainbuchenblättern bei Wunden und bei Seitenstechen angewendet.

Der Begriff »hanebüchen«, der so viel wie »unglaublich« oder auch »abwegig« bedeutet, geht auf die Hainbuche zurück und meinte ursprünglich »grob, derb, klotzig« oder »aus dem Holz der Hagebuche bestehend« – wahrscheinlich weil das Hainbuchenholz unglaublich hart ist. So ist ein »hanebüchener Mensch« ganz einfach auch ein »grober Kerl«.


Längliche, spitze Knospen mit vielen glänzend braunen oder grünlichen Schuppen.


Bis 15 cm lange Fruchtstände der Hainbuche.

In der Hainbuche ist eine enorme Vitalität erkennbar. In ihrem Vermögen, stets wieder auszuschlagen, manifestiert sich große Kraft und Stressresistenz gepaart mit unglaublichen Verhärtungskräften. Diese Kombination ist unter den heimischen Bäumen einzigartig. In der Therapie nach Dr. Edward Bach wird die Hainbuche (Hornbeam, Nummer 17) als vitalitäts- und resistenzspendende Bachblüte erfolgreich eingesetzt.

Verwendete Pflanzenteile für das Gemmomazerat

Frische Blattknospen.

Sammelzeit: April.

Inhaltsstoffe der Knospen

Gerbstoffe, Flavonoide, Saponine, Calcium, Magnesium, Kalium, Kupfer, Selen, Kieselsäure, Enzyme.

Wirkung des Gemmomazerats

Das Gemmomazerat der Hainbuche hat ausgeprägte blutstillende Eigenschaften, die sich hauptsächlich im Bereich der Schleimhäute manifestieren. Es hat eine entzündungshemmende und krampflösende Wirkung, die sich im Respirationstrakt entfaltet, vor allem im oberen Bereich.

• Regt die Leber insgesamt an und wirkt so allgemein entgiftend auf den Organismus.

• Zeigt eine antiallergische Wirkung, die sich hauptsächlich im Nasen-Rachen-Raum entfaltet.

• Regt die Blutplättchenproduktion im Knochenmark an.

• Zeigt adaptogene Eigenschaften und hilft so, sich besser in Stresssituationen anzupassen.

• Reguliert die Milz und die damit verbundenen Funktionen.

• Wird oft eingesetzt, um die Wirkung anderer Gemmomazerate zu verstärken.

Indikationen

Respirationstrakt: Wiederkehrendes Nasenbluten, akute und chronische Nasennebenhöhlenentzündungen, chronische Bronchitis, chronischer Schnupfen mit Nasensprayabhängigkeit, sinubronchiales Syndrom, Reizhusten.

Immunsystem: Akute oder wiederkehrende Mandelentzündungen.

Bewegungsapparat: Chronische Polyarthritis, chronisch degenerative Polyarthritis, Gicht.

Verdauungstrakt: Leberfunktionsschwäche (»leberreinigend«), Milzfunktionsschwäche, Milzvergrößerung, chronisches Seitenstechen links, Reizdarm, chronisch entzündliche Darmerkrankungen.

Nervensystem: Stressbedingte Beschwerden.

Kreislaufsystem: Blutstillend. Arteriosklerose, Hypercholesterinämie, Blutungstendenz durch einen Thrombozytenmangel, kleinfleckige Kapillarblutungen (Purpura).

Seelische Aspekte: Bei Kraft- und Mutlosigkeit, Lebensunlust und Vertrauensmangel wirkt Carpinus betulus stützend und ausgleichend. Die Hainbuche ist gut geeignet bei Menschen, die sich schnell gestresst fühlen oder sich auch in objektiven Stresssituationen befinden. Fehlt es allgemein an Spannkraft, wird Carpinus betulus helfen, diese wiederaufzubauen.

Bewährte Kombinationen

Das Mazerat lässt sich mit sehr vielen Gemmomazeraten vorteilhaft verbinden.

+ Ribes nigrum bei Heuschnupfen, Mandelentzündungen

+ Ribes nigrum + Alnus glutinosa bei chronischen Nasennebenhöhlenentzündungen

+ Viburnum lantana bei asthmatoider Bronchitis

+ Ficus carica + Castanea sativa bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn

+ Cornus sanguinea bei Blutungsneigung

Humorale Eigenschaften

Geschmack: Herb, zusammenziehend.

Qualitäten: Kalt, trocken.

Wirkung: Leitet Chole aus, stärkt die Milz und reguliert die Melanchole, reguliert das Sanguisprinzip.

Planetensignaturen

Hauptaspekte

Saturn: Halbschatten- bis Schattenpflanze. Knorrige Wuchsform, hartes und schweres Holz bildend, reich an Gerbstoffen, dunkelgraue Rinde. Behält einen Teil ihres Laubes über den Winter bis ins Frühjahr. Die Blätter haben die Fähigkeit, in erheblichen Mengen Blei (ein Saturn-Metall) aufzunehmen.

Nebenaspekte

Jupiter: Breite Kronen bildend.

Corylus avellana, Gewöhnliche Hasel Betulaceae

Die wegbereitende und abschirmende Knospe

Das Wesen der Pflanze

Der vielstämmige, aufrechte und sommergrüne Strauch gehört zu den Pionierlaubbäumen und ist in Eurasien im Unterholz lichter Laubmischwälder, in Auwäldern, Hecken und Gebüschen verbreitet. Er fehlt im engeren Mittelmeerraum. Weibliche und männliche Blütenstände sind auf einer Pflanze vergesellschaftet anzutreffen. Sie blühen lange vor dem Laubaustrieb auf. Die langen, reichlich gelben Pollen abgebenden männlichen Blüten sind recht auffällig. Die wegen ihrer geringen Größe kaum auffallenden weiblichen Blüten sind allerdings eine besondere Entdeckung. Ihre intensiv roten Narben erinnern eigentümlicherweise an Korallen. Ihre Bestäubung erfolgt über den Wind, und die von einer harten Schale umgebenen ölreichen Nussfrüchte sind von besonders angenehmem Geschmack. Die rundlichen Blätter sind ziemlich groß, haben eine dunkelgrüne Ober- und eine graugrüne Unterseite mit deutlich hervortretenden Adern, die teilweise behaart sind. Das Blatt fühlt sich weich an. Im Herbst färbt es sich von außen nach innen mit einem schönen, leuchtenden Gelb.

Voller Vitalität schlägt der Haselstrauch nach dem Zurückschneiden im nächsten Frühling problemlos wieder aus und kann schon im ersten Jahr mehrere Meter hoch werden. Das Holz (Licht- bis Halbschattenholzart) ist weich, gut spaltbar, aber wenig dauerhaft. Verwendet wird es als Brennholz oder für Wünschelruten, Zauberstäbe und Ähnliches. Die Gewöhnliche Hasel ist eine alte Begleiterin des Menschen und gilt seit jeher als »Abwenderin« unheilbringender Kräfte sowohl aus der Himmels- (Blitze) wie auch aus der Erdsphäre (Wasseradern, Giftschlangen).

Durch den Abwurf ihrer alkalischen Blätter im Herbst beeinflusst sie den pH-Wert des Bodens und wirkt somit als Wegbereiterin einer Vielfalt anderer Pflanzen. Die ausgeprägte alkalisierende Wirkung der Haselblätter auf den Boden macht das Gemmopräparat zu einem idealen Heilmittel bei allgemeiner Übersäuerung.


Stumpf eiförmige, seitlich leicht eingebuchtete weibliche Endknospe in Blüte mit grünen bis rotbraunen Schuppen, an den Rändern fein weiss behaart.


Nussfrüchte, von einer glockenförmigen Fruchthülle mit zerrissen gezähnten Rand umhüllt.

Die ölhaltigen Haselnüsse, die für unsere frühen Vorfahren ein wichtiges Nahrungsmittel waren, gehörten innerhalb des keltisch-germanischen Kulturkreises nebst Äpfeln und Walnüssen zu den klassischen Opfergaben für die Verstorbenen. Noch heute bringt der »Nikolaus« diese ehemaligen »Kultspeisen« – zur Feier von Abschied und Neubeginn an der Jahreswende. Die herzförmige Nuss des Hasels wirkt günstig auf das Herz-Kreislauf-System, was auch in seinem botanischen Namen »corylus« (vom lateinischen cor für »Herz«) erkennbar ist. In der Gewöhnlichen Hasel ist ein dem Menschen freundlich gesinnter Strauch erkennbar, der negative Einflüsse abwehrt und positive Kräfte verstärkt.

Verwendete Pflanzenteile für das Gemmomazerat

Frische Knospen.

Sammelzeit: März bis April.

Inhaltsstoffe der Knospen

Flavonoide, Gerbstoff, ätherische Öle, Beta-Sitosterin, organische Säuren, Vitamin B1, B2, B3, B5, C, E, Folsäure, Caesium, Eisen, Kupfer, Molybdän, Magnesium, Selen, Kieselsäure, Betulin, Enzyme.

Wirkung des Gemmomazerats

Die Haselknospe hat regulierende Wirkung auf das mesenchymale Bindegewebe, insbesondere innerhalb von Lunge, Leber, Knochenmark, auf den Stoffwechsel und das blutbildende System.

• Reguliert den Eiweiß- und Fettstoffwechsel, ohne jedoch Einfluss auf den Zuckerstoffwechsel zu nehmen.

• Reguliert die Gerinnungsfähigkeit des Blutes bei zu starker oder zu schwacher Gerinungstendenz, regt die Blutbildung an.

• Mobilisiert Säuren aus dem Gewebe und lässt sie über die Nieren und Lungen ausscheiden.

• Drainagemittel für die Lungen. Wird überwiegend bei chronischen Lungenerkrankungen eingesetzt.

• Stärkt und beruhigt das aus dem Gleichgewicht geratene Nervensystem.

• Verstärkt die Wirkung anderer Gemmomazerate.

Indikationen

Kreislaufsystem: Stauungen des Blutes, Gangrän, Thrombose, hypochrome Anämie, Ulcus venosus.

Wasser- und Elektrolythaushalt: Ödeme der unteren Extremitäten. Hilft bei der Remineralisierung.

Respirationstrakt: Emphysem, Lungenstau, Asthma, Bronchitis, Lungenarteriensklerose. Drainiert die Lunge.

Nervensystem: Neurovegetative Dysbalance, depressive Verstimmung, Reizmagen, Restless-Legs-Syndrom.

Leber-Gallen-System: Leberstau, mangelnde Gallenproduktion. Unterstützend bei Leberzirrhose.

Stoffwechselsystem: Regt allgemein den Stoffwechsel an. Hypercholesterinämie, Übersäuerung. Beugt der Arteriosklerose vor. Folgen von Elektrosmog.

Seelische Aspekte: Es besteht eine starke Affinität zu den verborgenen Naturkräften (frühere Anwendung als Zauberstäbe, Wünschelruten, Hexenbesen). Daher ist die Hasel gut geeignet für Menschen mit zu stark ausgeprägter Sensitivität (von Wetterfühligkeit bis Geistersehen) sowie bei Haltlosigkeit und Verlust von Nüchternheit. Vermittelt Zuversicht und den Glauben an eine »weisheitsvolle Führung« im Leben. »Sinngeberin«, gerade auch in »Glaubenskrisen«.

Bewährte Kombinationen

Das Mazerat lässt sich mit allen anderen Gemmomazeraten zur Wirkungsverstärkung kombinieren.

+ Rosa canina + Ribes nigrum + Viburnum lantana bei chronischen Lungenbeschwerden

+ Carpinus betulus bei chronischer Bronchitis

+ Sambucus nigra bei allergischem Asthma

+ Cornus sanguinea bei Blutstasen

+ Rosmarinus officinalis bei Leberinsuffizienz

+ Tamarix gallica bei Anämie

+ Populus nigra + Cercis siliquastrum bei Arteriosklerose

+ Ficus carica bei psychovegetativen Störungen des Verdauungstraktes

+ Alnus glutinosa bei Thrombose

+ Ulmus minor bei leberbedingten Hauterkrankungen

Humorale Eigenschaften

Geschmack: Säuerlich, herb, fad.

Qualitäten: Neutral, trocken.

Wirkung: Bewegt Phlegma und Sanguis, regt die Sanguisbildung an, neutralisiert Schärfen und unterstützt die nährenden Säfte.

Planetensignaturen

Hauptaspekte

Merkur: Windbestäubung und Kätzchenbildung. Hat meist keinen Hauptstamm, Äste breiten sich antennenartig in den Umraum aus. Schnell wachsende Triebe, jugendliche Ausstrahlung, querliegende, helle Lentizellen auf der Rinde, elastisches Holz. Pionierpflanze.

Nebenaspekte

Mond: Wächst gern an feuchten, grundwassernahen Orten, mit Vorliebe auf Wasseradern.

Venus: Harmonisch gegliederte, oft herzförmige Blätter, die weich behaart sind. Herzförmige Nüsse, den Boden basisch machend.

Mars: Die Haselruten wachsen steil und gerade wie Pfeile nach oben. Korallenrote Narben der weiblichen Blüte.

Saturn: Hoher Gerbstoffgehalt. Fruchtbildung findet im Verborgenen statt, Frucht wird von einer harten Schale umgeben.

Jupiter: Bildung fetthaltiger, nahrhafter Nüsse. Breite Blätter.

CORNACEAE (HARTRIEGELGEWÄCHSE)

Cornus sanguinea, Blutroter Hartriegel Cornaceae

Die blutregulierende Knospe

Das Wesen der Pflanze

Die Heimat des maximal 6 Meter hoch werdenden Blutroten Hartriegels liegt in Europa und Kleinasien. In Mitteleuropa findet man ihn oft an Waldrändern oder Fließgewässern in Gesellschaft von Hundsrose, Schlehe, Liguster und Wolligem Schneeball. Mit seinen sonnenseits geröteten Zweigen, die sich im Herbst und Winter zunehmend tiefrot verfärben, schmückt der Blutrote Hartriegel vielerorts Gärten und Parkanlagen. Er ist sehr widerstandsfähig und passt sich ausgezeichnet dem Stadtklima an. All seine Pflanzenteile mit Ausnahme der schwarzen Steinfrüchte enthalten Cornin, ein schwaches Gift, das zu Unwohlsein und Erbrechen führen kann. Gekocht können diese Steinfrüchte, die reich an Vitamin C sind, als Marmelade verwendet werden, roh sind sie ungenießbar. Selten kann es auch nach Berührung der Blätter mit empfindlichen Hautstellen zu Reizerscheinungen kommen. Diese Wirkung ist den calciumcarbonathaltigen Blatthaaren zuzuschreiben.

In der Korbflechtkunst wurden seine dekorativen, roten Zweige früher gerne verwendet. Aus den Samen wurde bis ins 18. Jahrhundert hinein ein Öl gepresst, das zur Seifenherstellung oder zu Lampenöl weiterverarbeitet wurde. Sein Holz ist sehr hart und zäh, was zu seinem Namen »Hartriegel« geführt hat. Und dazu, dass es zum Drechseln benutzt wird.

Der deutsche Volksglauben weiß, dass die Blüten eines siebenjährigen Blutroten Hartriegels in der Johannisnacht (24. Juni) zwischen 11 und 12 Uhr mit einem Tuch gesammelt alle Wünschein Erfüllung gehen lassen.

Der Blutrote Hartriegel verrät farblich eine Beziehung zur Wärme und zum Blut. Die Farbintensität seiner Zweige nimmt im Winter außergewöhnlich stark zu und stellt so der zusammenziehenden, kalten Atmosphäre dieser Jahreszeit Wärmekräfte entgegen. Er verzichtet sogar auf eine schützende Hülle seiner Knospen, die »unbekleidet« den Winter überstehen (Nacktknospen).

Verwendete Pflanzenteile für das Gemmomazerat

Frische Blattknospen.

Sammelzeit: März bis April.


Eiförmige Knospen mit rotbraunen, behaarten Schuppen. Endknospe größer als die gegenständigen Seitenknospen.


Oft in Siedlungsnähe anzutreffender kleiner Baum.

Inhaltsstoffe der Knospen

Gerbstoff (Gallussäure), Polyphenol (Ellagsäure), Flavonoide, Anthocyane, Salicin, Cornin, Vitamin A, C, Kupfer, Eisen, Kalium, Calcium, Magnesium, Enzyme.

Wirkung des Gemmomazerats

Das blutrote Hartriegelknospenmazerat ist ein Hauptmittel aus der Gemmotherapie in der Behandlung des Herz-Kreislauf-Systems und der Schilddrüse.

• Wirkt blutverdünnend und blutreinigend, beugt der Thrombosenbildung vor.

• Stärkt und drainiert das Herz und die Gefäßwände.

• Hat eine ausgeprägte entzündungshemmende Wirkung auf die arteriellen Gefäßwände.

• Reguliert die Bildung roter Blutkörperchen.

• Reguliert die Schilddrüsentätigkeit bei Schilddrüsenüberfunktion.

Indikationen

Kreislaufsystem: Herzstärkungsmittel, Koronarinsuffizienz, Altersherz. Nach durchgemachtem Herzinfarkt. Notfallmittel bei drohendem Herzinfarkt. Erhöhte Pulsfrequenz (Tachykardie), Extraschläge des Herzens. Ausgezeichnetes Arterienmittel. Arterienverkalkung, Angina Pectoris, Arterienentzündungen, Entzündung der Schläfenarterie (Arteriitis Horton). Allgemeines Kreislauftonikum. Wirkt der Blutverklumpung entgegen (Antithrombosemittel, Antikoagulans), kann das Aspirin cardio ersetzen, stillt Blutungen, hilft, abgestorbenes Gewebe schneller abzuräumen, und regt die Gewebsneubildung an. Blutarmut. Reguliert die Durchblutung. Kalte Extremitäten. Urogenitalsystem: Entzündete Nierenkörperchen (Glomerulonephritis).

Bewegungsapparat: Arthritis.

Respirationstrakt: Einblutungen in Lungen und Pleurahöhle (zwischen Lunge und Rippen).

Hormonsystem: Reguliert die Schilddrüsentätigkeit. Schilddrüsenüberfunktion, Morbus Basedow, Kropf, klimakterische Hitzewallungen.

Seelische Aspekte: Das Gemmomazerat des Blutroten Hartriegels ist hilfreich bei Stimmungsschwankungen, die mit einer Störung des Blutes einhergehen. Denn sowohl zu dünnes Blut (zum Beispiel Anämie, schnelle Blutungsneigung) wie auch zu dickes Blut (zum Beispiel Thromboseneigung, verminderte Blutflusseigenschaften) oder schlackenüberlastetes Blut können die seelische Grundstimmung aus dem Gleichgewicht bringen.

Bewährte Kombinationen

+ Citrus limon + Prunus dulcis zur Blutverdünnung

+ Viburnum lantana bei Schilddrüsenüberfunktion, Morbus Basedow

+ Populus nigra bei Schaufensterkrankheit (periphere arterielle Verschlusskrankheit)

+ Alnus glutinosa nach erfolgtem Herzinfarkt

+ Crataegus laevigata bei arteriosklerotisch verengten Herzkranzgefäßen und »Altersherz«

+ Rosa canina bei euthyreotem Kropf (vergrößerter Schilddrüse)

+ Corylus avellana bei Anämie

Humorale Eigenschaften

Geschmack: Bitter, herb, sauer.

Qualitäten: Warm, neutral.

Wirkung: Reguliert das Sanguisprinzip, durchbricht Blutstagnationen, verbessert die Säftezusammensetzung des Blutes.

Planetensignaturen

Hauptaspekte

Mars: Blutrote Verfärbung der Blätter im Herbst und vor allem der Zweige ganzjährig und zunehmend im Winter. Reizwirkung der Blätter und der Früchte. Hartes Holz. Äste schlagen wild seitwärts aus. Pionierpflanze.

CUPRESSACEAE (ZYPRESSENGEWÄCHSE)

Juniperus communis, Gewöhnlicher Wacholder Cupressaceae

Die klärende Sprosse

Das Wesen der Pflanze

Der maximal bis zu 18,5 Meter hoch werdende Gewöhnliche Wacholder ist das am weitesten verbreitete Nadelgehölz der Welt. Der immergrüne Juniperus communis wächst abhängig von seinem Standort aufrecht bis kriechend. Der äußerst anpassungsfähige Strauch oder kleine Baum bildet ein tief reichendes Wurzelsystem aus, das ihn auch in wasserarmen Gebieten problemlos überdauern lässt. Er kann auf jedem Boden gedeihen, verträgt aber keine Überschattung – ein Grund, warum er hauptsächlich auf saure, nährstoffarme Böden ausweichen muss, wo die hochwachsenden, schattenwerfenden Bäume nicht Fuß fassen können. Ebenfalls profitiert er von der Beweidung, das Vieh schreckt vor seinem wehrhaften Wesen zurück.

Der Gewöhnliche Wacholder ist zweihäusig, es gibt männliche oder weibliche Exemplare. Die Bestäubung erfolgt über den Wind. Mit 500 bis 1000 Jahren kann er sehr alt werden und wird in Europa darin nur noch von der Eibe übertroffen.

Die ausgesprochene Lichtpflanze ist von großer kulturhistorischer Bedeutung. Überall da, wo der Wacholder natürlicherweise vorkommt, haben ihm die Menschen besondere Aufmerksamkeit entgegengebracht. Neben Haselnussbaum und Schwarzem Holunder genoss der Gewöhnliche Wacholder im keltisch-germanischen Volksglauben großes Ansehen. »Vor dem Holunder zieh den Hut, vor dem Wacholder geh in die Knie«, heißt es noch heute in abgelegenen ländlichen Gebieten Mitteleuropas. Daran lässt sich erkennen, welch tiefe Verbundenheit die Seele unserer Vorfahren mit diesem Baum empfand: Er war ihnen Toten- und Lebensbaum zugleich und findet sich noch heute häufig auf Friedhöfen. Ein »Schwellenbaum« also, der den Zugang zu anderen Dimensionen erleichtert. Zu solchem Zwecke wurden sein Holz, seine Zweige oder seine Beeren für Räucherungen genutzt. In manchen Gegenden heißt er deshalb auch »Räucherstrauch« oder »Weihrauchbaum«. Man nutzte die Räucherungen mit Wacholder jedoch auch zu profaneren Zwecken, beispielsweise um Spitäler zu reinigen.

Im Mittelalter gehörte der Wacholder zu den wichtigsten Heilpflanzen. Seine Heilwirkungen sind beinah unüberschaubar. Aber auch in der Küche, in der Schnapsbrennerei und in der Holzverarbeitung hat er seinen festen Platz.

Beim Gewöhnlichen Wacholder ist die Zahl Drei häufig vertreten. Die blaugrünen, stechend spitzen Blätter stehen zu dritt um den Trieb. Die weiblichen Fruchtblätter schließen drei Samen in einer kugeligen Scheinbeere (Beerenzapfen) ein, und es können drei Beerengenerationen an einem Ast sein. Die Drei ist die heilige Zahl der Schamanen, weil es die drei Welten symbolisiert, in denen der Schamane sich bewegt: die obere, mittlere und untere Welt. Den Christen ist die Drei Symbol für die Dreifaltigkeit Gottes, den Alchemisten der drei universalen Prinzipien Sal, Merkur, Sulfur. Im Gewöhnlichen Wacholderbaum tritt uns ein Baum entgegen, der mit den Mysterien von Leben und Tod verbunden ist. Er schützt seit alter Zeit heilige Stätten und strahlt weihevolle Festlichkeit aus.


Spitz-eiförmige Knospen mit gelb bis bräunlich grünen, nadelförmigen Schuppen.


Drei Beerengenerationen gleichzeitig am Zweig.

Verwendete Pflanzenteile für das Gemmomazerat

Frische Sprösslinge.

Sammelzeit: April bis Mai.

Inhaltsstoffe der Knospen

Ätherisches Öl, Flavonoide, Harze, Gerbstoffe, Proanthocyanidine, Vitamin C, B1, B2, B3, Mineralien (Calcium, Eisen, Kalium, Magnesium, Kieselsäure), Enzyme.

Wirkung des Gemmomazerats

Das Mazerat des Gewöhnlichen Wacholders hat eine starke stoffwechselaregende und allgemein entschlackende Wirkung. Seine schützende und regenerierende Wirkung auf die Leberzellen ist besonders erwähnenswert.

• Regt die Funktion der Nieren, der Leber und der Milz an.

• Zeigt entzündungshemmende Wirkung.

• Hat eine antirheumatische Wirkung (hemmt die Cyclooxygenasen).

• Wirkt sich positiv auf die diabetogene Stoffwechsellage aus.

• Unterstützt die Harnsäureausscheidung.

• Unterstützt die Ausheilung von Geschwüren.

Indikationen

Bewegungsapparat: Rheuma, chronische Polyarthritis, Knochenerweichung im Alter (Osteomalazie), Osteoporose, Gicht.

Urogenitalsystem: Regt die Nierenleistung an. Harnverhalt, beginnende Bauchwassersucht, chronische Blasenentzündung, chronische Nierenentzündungen. Drainiert die Nieren. Erhöhte Harnsäure im Blut, Calciumoxalatsteine der Nieren, ausbleibende Regelblutung, Krämpfe während der Regelblutung, Inkontinenz bei der Frau. Leber-Gallen-System: Drainiert Leber und Galle. Pfortaderstau, Fettleber. Verbessert die Leberfunktion. Leberzirrhose, chronische Leberentzündung, Leberinsuffizienz.

Immunsystem: Allergien.

Blut: Blutreinigungsmittel par excellence. Erhöhte Harnsäure im Blut, erhöhte Cholesterinwerte, erhöhte Zuckerwerte, Milzerkrankungen.

Haut: Chronische Ekzeme.

Kreislaufsystem: Arteriosklerose, Verkalkung der Hauptschlagader.

Verdauungstrakt: Völlegefühl, gastroösophageale Varizen (Krampfadern).

Nervensystem: Konzentrations-, aufmerksamkeitsfördernd.

Seelische Aspekte: Das Gemmomazerat des Wacholders verleiht Klarheit und Ausdauer; es kann deshalb in verworrenen Situationen eingesetzt werden, um den »roten Faden« wiederzufinden. Es hilft ebenfalls in spirituellen Krisen.

Vorsicht: Nicht während Schwangerschaft und Stillzeit einnehmen!

Bewährte Kombinationen

+ Ribes nigrum bei allen Lebererkrankungen

+ Sorbus domestica bei Ösophagusvarizen

+ Alnus incana bei Schleimhautläsionen

+ Ribes nigrum + Secale cereale bei chronischer Leberentzündung

+ Juglans regia + Ficus carica bei chronischen Verdauungsbeschwerden

+ Fraxinus excelsior + Ribes nigrum bei erhöhten Harnsäurewerten im Blut und Gicht

+ Fagus sylvatica + Calluna vulgaris bei Nierensteinen

+ Rosmarinus officinalis + Ribes nigrum bei Allergien mit Leberleistungsstörungen im Hintergrund

+ Juglans regia bei der Zuckerkrankheit

+ Pinus montana bei Osteoporose und Arthrose

Humorale Eigenschaften

Geschmack: Aromatisch, scharf, bitter, süß, zusammenziehend.

Temperatur: Warm, trocken.

Wirkung: Reinigt Sanguis, bewegt und leitet Phlegma über Nieren und Haut aus, reinigt das Blut von phlegmatischen Schärfen, zieht alle faulen und schleimigen Stoffe aus dem Körper.

Planetensignaturen

Hauptaspekte

Saturn: Immergrüner Strauch oder Baum. Sehr alt werdend. Ausgesprochen langsames Wachstum (in zehn Jahren eine Höhe von 1 Meter bei baumförmigen Exemplaren), langsames Reifen der Zapfenfrüchte (bis zu drei Jahren). Wächst auch im Winter. Extrem kälteresistent, resistent gegenüber vielen Schadstoffen. Die bläulich schwarzen Zapfenbeeren verleihen dem Strauch etwas Düsteres und Unheimliches. Strenge, weihevolle Ausstrahlung. Die ganze Pflanze ist durcharomatisiert.

Nebenaspekte

Mars: Sparriger, mit spitzen, starren Blättern bewehrter Strauch beziehungsweise Baum. Die Seitenknospen befinden sich alle in unterschiedlichen Entwicklungsstadien.

Sonne: Immergrün. Ganzer Strauch beziehungsweise Baum ist durcharomatisiert.

Sequoiadendron giganteum, Riesenmammutbaum Cupressaceae

Die »Knospe« für ein glückliches Altern

Das Wesen der Pflanze

Der zu den eindrucksvollsten und massereichsten Bäumen der Welt zählende Riesenmammutbaum ist im US-Staat Kalifornien beheimatet. Erste Vertreter dieser Art waren bereits vor 15 Millionen Jahren im Westen der USA verbreitet, und seine Vorläufer lassen sich bis in die Kreidezeit (circa 145 Millionen Jahre) zurückverfolgen, wo sie weite Teile der Nordhalbkugel bevölkerten. Von europäischen Naturwissenschaftlern wurde diese Baumart im Jahre 1852 entdeckt, und bereits im Folgejahr wurden größere Samenmengen nach Europa verschickt und in Kultur genommen. Als Park- und Zierbaum ist der Riesenmammutbaum inzwischen weltweit verbreitet. Er kann bis zu 100 Meter hoch werden und einen Stammdurchmesser von über 12 Metern erreichen. Die ältesten Exemplare sind über 3000 Jahre alt.


Junge, blaugrüne Triebspitzen.


Der Riesenmammutbaum überragt alle anderen Bäume.

In Europa wachsende Riesenmammutbäume erreichen bisher maximale Höhen von 55 Metern. Sie sind noch sehr jung, und die Zukunft wird weisen, ob sie die Höhe ihrer amerikanischen Geschwister erreichen. Trotz der durchaus keimfähigen Samen der in Europa lebenden Riesenmammutbäume wurde eine Naturverjüngung bisher nicht beobachtet. In seinem natürlichen Habitat in den USA sorgen alle 100 bis 300 Jahre auftretende, natürliche Waldbrände für die Vernichtung der Begleitflora des Riesenmammutbaums, der durch seine dicke, gerbstoffreiche und dennoch weiche Rinde feuerresistent ist. Durch die Hitze der Bodenfeuer öffnen sich aber auch die gut geschützten Samenkapseln und entlassen jeweils um die 250 Samen, die ein mineralreiches Bodensubstrat vorfinden, das der Keimung und dem Wachstum förderlich ist. Ebenfalls profitiert dieser lichthungrige Baum auf diesem Weg vom Wegfall des schattenwerfenden Unterholzes. Der Riesenmammutbaum verlangt nach Hitzereizen für die natürliche Verbreitung, ein Umstand, der in seinen europäischen Anbaugebieten entfällt.

Das relativ weiche, dunkelpurpurrote, attraktiv gemaserte Holz eignet sich für Täfelungen aller Art, für Möbel, Furniere und den Bootsbau. Es ist auch ohne jegliche Imprägnierung resistent gegen Fäulnis und Insekten.

Die Ureinwohner Kaliforniens mischten das Harz des Riesenmammutbaumes mit Honig als Stärkungsmittel. Der botanische Name »Sequoiadendron« geht auf den Irokesen Seqou-Yah (den Sohn einer Irokesin und eines deutschen Einwanderers) zurück, der eine Lautsilbenschrift für sein Volk entwickelt hat.

Im Riesenmammutbaum begegnet uns ein geduldiger Riese aus uralten Zeiten, der die Kunst, glücklich alt zu werden, aufs Beste versteht.

Verwendete Pflanzenteile für das Gemmomazerat

Frische, junge Triebspitzen.

Sammelzeit: März bis April.

Inhaltsstoffe der Knospen

Polyphenole, Tannine, Harze, ätherisches Öl, Vitamin D, Magnesium, Enzyme.

Wirkung des Gemmomazerats

• Das Gemmomazerat aus Sequoiadendron giganteum hat durch die Regulation des neurohormonellen Systems eine allgemein stärkende Wirkung auf den gesamten Organismus.

• Wirkt einer frühzeitigen Alterung entgegen.

• Wirkt aufbauend auf Knochen- und Gelenkstrukturen.

• Wirkt regulierend auf Prostata- und Uterusgewebe.

• Regt die Keimdrüsen an, vor allem die männlichen.

• Regt das zentrale Nervensystem an.

Indikationen

Bewegungsapparat: Remineralisiert die Knochen und die Gelenke. Glasknochen. Aktiviert die Osteoblastentätigkeit. Osteoporose, Arthrose. Unterstützt die Heilung bei Knochenbrüchen, stärkt Bänder und Sehnen und hält sie elastisch.

Immunsystem: Stärkt das Immunsystem.

Leber: Leberfunktionsschwäche. Regt den Leberstoffwechsel an.

Urogenitalsystem: Fördert die Spermatogenese. Libidomangel, sexuelle Schwäche, Frigidität, chronische Prostatabeschwerden aller Art, vergrößerte Prostata. »Männliches Verjüngungsmittel«. Beschwerden im Klimakterium von Mann und Frau, Menstruationsbeschwerden, Myome der Gebärmutter.

Nervensystem: Gedächtnisschwäche und Konzentrationsschwierigkeiten des älteren Menschen, Stress, Burn-out.

Seelische Aspekte: Das Gemmomazerat von Sequoiadendron giganteum ist ein ausgezeichnetes Mittel bei psychischen Beschwerden im Alter wie beispielsweise depressiven Verstimmungen, Appetitmangel, Konzentrationsbeschwerden oder dem Gefühl der Überforderung im Alltag. Außerdem hilft es, besser mit Stress umgehen zu können, und wird oft beim Burn-out-Syndrom eingesetzt.

Vorsicht: Wird das Gemmomazerat von Sequoiadendron giganteum abends eingenommen, kann es wegen seiner anregenden Wirkung bei sensiblen Personen zu Schlafschwierigkeiten führen!

Bewährte Kombinationen

+ Quercus robur in der Andropause und um den alternden Mann zu stärken

+ Rubus idaeus in der Menopause und um die alternde Frau zu stärken

+ Ribes nigrum bei Prostataadenom, Prostatitis

+ Vaccinium vitis-idaea bei Osteoporose

+ Alnus glutinosa bei Gedächtnisschwäche im Alter

+ Quercus robur + Ribes nigrum bei chronischer Müdigkeit ohne körperliche Ursachen

+ Ribes nigrum + Alnus incana + Rubus idaeus bei Gebärmuttermyom

Humorale Eigenschaften

Geschmack: Zusammenziehend, aromatisch, süß.

Qualitäten: Warm, trocken.

Wirkung: Reguliert das Melancholeprinzip, stärkt das Sanguisprinzip.

Planetensignaturen

Hauptaspekte

Sonne: Mächtiger, hoch wachsender, immergrüner, langlebiger Baum mit säulenförmigem Stamm. Pyramidaler Aufbau des Jungbaums. Kugelige Zapfen. Produziert Harz.

Jupiter: Majestätischer Baum. Ausgeprägtes Breitenwachstum des Stammes in der Jugend, ausgeprägt ausbreitendes Wurzelwerk (über 30 Meter). Zieht Blitze an.

Nebenaspekte

Mars: Unregelmäßig aus dem Stamm wachsende Äste, männliche Blüten einzeln an den Triebenden stehend. Braucht Waldbrände zum Überleben. Saturn: Immergrüner, langlebiger Baum. Gerbstoffreiche, tieffurchige, dicke Rinde (bis zu 75 Zentimetern). Produziert Harz. Äußerst fäulnisresistentes Holz.

Merkur: Windbestäubung, rundum geflügelte Samen.

ELAEAGNACEAE (ÖLWEIDENGEWÄCHSE)

Hippophae rhamnoides, Sanddorn Elaeagnaceae

Die Knospe im Dienst des Lebens

Das Wesen der Pflanze

Der sommergrüne, bis zu 6 Meter hoch werdende Sanddorn ist eine ausgesprochen wehrhafte Pionierpflanze Eurasiens. Er ist besonders gut an raue Bedingungen der Gebirge und Meeresküsten angepasst. Mit seinem tief und weit reichenden Wurzelwerk krallt er sich in lose Böden und festigt diese. Er kommt mit nährstoffarmem Boden aus und ist außergewöhnlich salzverträglich. Durch spezielle Drüsen kann er überschüssige Salzmengen ausscheiden, und mit der Hilfe von Luftstickstoff bindenden Bakterien (Frankia alni) bildet er seinen eigenen Dünger. So anspruchslos er gegenüber dem Boden ist, so sehr bedarf er des Lichts und verträgt keine Beschattung. Er nimmt das Licht in sich auf und verdichtet es von Anfang August bis Anfang Dezember in kleinen ovalen orangeroten bis gelben Früchtchen, die praktisch den gesamten Vitaminkomplex in sich enthalten. Diese »Licht einfangende und verdichtende« Eigenschaft des Sanddorns beobachteten schon unsere Vorfahren und gaben die Sanddornbeeren ihren Pferden als Augenheilmittel und zur Vitalitätsstärkung, das dem Fell einen gesunden Glanz bescherte. Daher der botanische Familiennamen. »Hippophae« kommt von den griechischen Wörtern híppos für »Pferd« und phõs für »Licht«.

Das Sammeln dieser wertvollen Früchte ohne Handschuhe ist wegen der verdornten Kurztriebe der Zweige eine ziemlich blutige Angelegenheit. Für viele Tiere bieten diese dornigen Zweige allerdings einen willkommenen Schutz, den sie für die ungestörte Aufzucht ihrer Jungen beanspruchen. Die Blätter des sparrigen Busches sind von silbriggrüner Farbe, unterseits weißfilzig behaart und von linealisch-lanzettlicher Form. Zusammen mit der graubraunen Rinde leuchtet der Strauch im Mondschein besonders schön.

Mit den gelborangefarbenen Früchten bestückt, ist der Sanddorn ein besonders attraktives Ziergehölz. Doch nicht alle Sträucher tragen Früchte, da sich der Sanddorn in männliche und weibliche Sträucher teilt. Die Befruchtung der unscheinbaren, vor dem Laubaustrieb erscheinenden Blüten erfolgt über den Wind. Der frisch gebildete Pollen wird vor dem Abflug in den Kelchblättern getrocknet, um sein Gewicht zu verringern und so größere Distanzen zu überwinden. Für die Verbreitung der Samen sorgen die Vögel. Die Samen benötigen wie die gesamte Pflanze viel Licht zum Keimen. Allerdings kann sich der Sanddorn auch über die langen Seitenwurzeln vermehren und dadurch sogar kleine Haine bilden. Solche Haine bestehen manchmal nur aus männlichen oder nur aus weiblichen Exemplaren.

In der Heilkunde und in der Küche werden die sauren Früchte sehr geschätzt. Sie sind die Vitamin-C-reichsten einheimischen Früchte und werden unter anderem zur Stärkung des Immun-systems verwendet. Das aus den Samen gepresste Öl enthält reichlich ungesättigte Fettsäuren und ist besonders wertvoll für die Hautpflege.


Kugelige bis eiförmige Knospen mit gold-kupferfarbigen, von kurzen Haaren bedeckten Schuppen.


Die gelborangefarbenen Früchte sind eine ausgezeichnete Vitamin-C-Quelle.

In der Holzindustrie spielt Sanddorn keine Rolle. Sein gelblich braunes Holz ist sehr dauerhaft und wird zum Drechseln verwendet.

Im Sanddorn begegnet uns eine Pflanze mit »kriegerischen« Eigenschaften im besten Sinne. Er stellt sein feuriges, eroberungswilliges Wesen uneigennützig in den Dienst des Lebens. Er durchpflügt mit seinem weit reichenden Wurzelsystem nährstoffarme Böden, gibt Halt und versorgt diese mit Nährstoffen. Damit bereitet er den Boden für weniger durchsetzungsstarke Pflanzen vor. Haben diese Boden gefasst, verschwindet der Sanddorn relativ schnell – auf der Suche nach freien nährstoffarmen Böden, die er für eine zukünftige Pflanzendecke erobern will.

Verwendete Pflanzenteile für das Gemmomazerat

Frische Knospen.

Sammelzeit: April bis Mai.

Inhaltsstoffe der Knospen

Flavonoide, Vitamine B1, B2, B6, B12, C, E, Carotinoide, ätherische Öle, organische Säuren, Salicinsäure, ungesättigte Fettsäuren, Beta-Sitosterol, Eisen, Mangan, Magnesium, Kieselsäure, Calcium, Enzyme.

Wirkung des Gemmomazerats

Das Sanddorn-Gemmomazerat eignet sich ausgezeichnet, um die Abwehrkräfte und die Anpassungsfähigkeit des Organismus anzuregen oder konstant zu halten. Ebenso wird eine positive Wirkung auf den Knochen- und Hautstoffwechsel beobachtet. Das Mazerat hat eine ausgesprochen antioxidative Wirkung und gilt als Jungbrunnen für alle Körperzellen.

• Stärkt das Immunsystem und erhöht die Stresstoleranz.

• Wirkt antioxidativ und entzündungshemmend.

• Wirkt remineralisierend.

Indikationen

Immunsystem: Immunschwäche. Prophylaxe und Behandlung von grippalen Infekten. Fieberhafte Infekte, Entzündungen der oberen Atemwege, chronische Entzündungen, Anpassungsschwierigkeiten bei Jahreszeitenwechsel. Unterstützt die Rekonvaleszenz.

Bewegungsapparat: Osteoporose, Arthrose.

Kreislaufsystem: Arterioskleroseprophylaxe.

Verdauungstrakt: Akute und chronische Darmentzündungen.

Nervensystem: Erhöht Stresstoleranz. Müdigkeit.

Sinnesorgane: Nachlassende Sehkraft, Netzhautdegeneration.

Stoffwechsel: Frühjahrsmüdigkeit.

Seelische Aspekte: Das Sanddorn-Gemmomazerat eignet sich für alle Situationen erhöhter Belastungen. Es hilft, Durststrecken durchzuhalten, vor allem dann, wenn bisherige Lebenskonzepte infrage gestellt werden.

Bewährte Kombinationen

+ Vaccinium myrtillus bei nachlassender Sehkraft

+ Ribes nigrum zur Immunstimulierung, Entzündungshemmung

+ Quercus robur + Ribes nigrum zur allgemeinen Tonisierung, in der Rekonvaleszenz

+ Ribes nigrum + Rosa canina bei wiederkehrenden Infektionen

Humorale Eigenschaften

Geschmack: Sauer, herb, zusammenziehend.

Qualitäten: Warm, feucht.

Wirkung: Reguliert Chole, stärkt Sanguisprinzip.

Planetensignaturen

Hauptaspekte

Mars: Dornig bewehrter, sparriger Busch. Pionierpflanze. Enorm resistent gegenüber klimatischen Faktoren, Umweltgiften und Krankheiten.

Nebenaspekte

Mond: Silbrige Blätter, wasserreiche Scheinfrucht.

Jupiter: Stickstoffanreicherung des Bodens.

Sonne: Ausgesprochene Lichtbedürftigkeit. Gelborangefarbene Früchte.

ERICACEAE (HEIDEKRAUTGEWÄCHSE)

Calluna vulgaris, Besenheide Ericaceae

Die läuternde Knospe

Das Wesen der Pflanze

Die Besenheide, die verbreitetste der gesellig wachsenden Heidekrautarten, ist ein 20 bis 100 Zentimeter hoher immergrüner Zwergstrauch, der mit seinen tiefgehenden und weitläufigen Wurzeln einen durchlässigen Boden bevorzugt, welcher kalk-, nährstoffarm und sauer sein muss. Die natürliche Verbreitung umfasst das gesamte Europa mit Schwerpunkt in Mittel- und Nordeuropa sowie Gebiete Nordafrikas. In Nordamerika wurde der Strauch durch schottische Einwanderer eingeführt. Die bis zu vierzig Jahre alt werdende Besenheide findet man von der Meeresküste bis in die Bergregion. Die ursprünglich nur auf Sanddünen, in Mooren und im Gebirge wachsende Pflanze erhielt durch den Menschen über Jahrhunderte hinweg eine enorme Ausbreitungsmöglichkeit. Die im frühen Mittelalter bereits betriebene Waldrodung mit anschließender intensiver Beweidung führte in windigen und niederschlagsreichen Gegenden relativ schnell zu Erosion und Nährstoffverarmung der Böden. Das waren ideale Bedingungen für die Besenheide, die sich ungehindert ausbreiten konnte.

Sie ist eigentlich eine Bodenheilerin, würde sie der Mensch gewähren lassen. In vier Schritten führt sie die anspruchsvolle Aufgabe durch, dem Boden wieder nahrhaften Humus zu geben. Am Anfang steht die Pionierphase, in der sie das Gelände lückig besiedelt und kleinwüchsig (10 bis 15 Zentimeter) bleibt. In der Aufbauphase werden die Lücken durch Breitenwachstum allmählich geschlossen, die Pflanze erreicht eine Höhe von bis zu 40 Zentimetern. In der Reifephase verholzt sie zunehmend, sie kann eine Höhe von bis zu 1 Meter erreichen und wird lichtdurchlässiger. Dadurch können sich nun Flechten, Moose und Gräser ansiedeln. In der Degenerationsphase stirbt die Pflanze von der Mitte her ab und hinterlässt im Laufe von Jahrzehnten eine bis zu 10 Zentimeter dicke Rohhumusschicht, die den Ausgangsboden für einen natürlichen Wald bietet. Durch menschliche Heidepflege wie Mähen, Brennen, Schafhaltung und am effektivsten »Plaggen« wird die kostbare Rohhumusbildung verhindert. Beim »Plaggen« wird im Abstand von einigen Jahrzehnten mit einer Hacke (mittlerweile geschieht dies maschinell) die gesamte Heide mit Oberboden »abgeplaggt« und beispielsweise als Brennmaterial oder als Streu im Stall verwendet. Dies wird heute hauptsächlich zur Erhaltung der Heidelandschaften betrieben, da die Kulturfläche Heide zu den stark gefährdeten Lebensräumen gehört.

Die Besenheide ist gleichermaßen dem Feuerbeziehungsweise Licht- und dem Erdelement zugeneigt. Ihre Samen sind Lichtkeimer, und ihre Keimung wird durch Hitzeeinwirkung leichter Heidebrände gefördert. Die roten Blüten der Besenheide sondern die gespeicherte Sonnenkraft in Form von reichlich Nektar mit einem hohen Zuckerwert (24 Prozent) aus, der von vielen Insekten gern gesammelt wird und den Imkern einen hervorragenden Honig liefert. Die intensive Verwurzelung und die zunehmende Verholzung mit dem Alter zeigen den starken Erdaspekt der Pflanze.


Junge Triebe mit vierzeilig angeordneten, sich dachziegelartig überdeckenden, gelbgrünen bis -braunen Laubblättern.


Der blühende Zwergstrauch liefert einen hervorragenden Honig.

Der Sage nach soll die rot blühende Besenheide ihre Farbe von dem auf dem Schlachtfeld vergossenen Blut riesenhafter Streiter haben, die in den Hünengräbern der Jungsteinzeit und Bronzezeit begraben wurden.

Der Begriff »Heide« meinte ursprünglich »unbebautes, wildes Land«. In der Volksheilkunde wird das Kraut der Besenheide hauptsächlich als Blutreinigungsmittel bei rheumatischen Beschwerden und gegen Harnwegsentzündungen verwendet. Wie der Name vermuten lässt, wurden aus den Zweigen der Besenheide Reisigbesen zum Kehren gebunden.

Die Pionierpflanze, die in vier Phasen nährstoffarmen sauren Boden erobert, verbessert und anderen Pflanzen zugänglich macht, geht dabei bemerkenswert planvoll vor. Auf saurem Boden bereitet sie aus Licht und Wärme süßesten Nektar, den sie im Überfluss der Insektenwelt darbietet. Sie ist eine wahre Alchemistin mit den Fähigkeiten, Rohes in Edles zu transmutieren.

Verwendete Pflanzenteile für das Gemmomazerat

Frische junge Triebspitzen.

Sammelzeit: April bis Mai.

Inhaltsstoffe der Knospen

Polyphenole (Catechin, Arbutin), Flavonoide (Kämpferol, Quercetin, Myricetin, Taxifolin), Gerbstoffe, Vitamin C, Kieselsäure, Enzyme.

Wirkung des Gemmomazerats

• Das Gemmomazerat der Besenheide zeigt eine deutliche Wirkung auf das Nierensystem und die Milz.

• Stärkt die Nieren und regt ihre Entgiftungsfunktion an.

• Wirkt harnflussfördernd und desinfizierend auf die Harnwege.

• Reguliert die Milztätigkeit.

• Wirkt entstauend und entzündungshemmend auf die Prostata.

Indikationen

Urogenitalsystem: Akute und chronische Harnwegsentzündungen, Reizblase, Neigung zu Calciumoxalatsteinen der Nieren, Störungen der Entgiftungsfunktion der Nieren, Niereninsuffizienz, Prostatabeschwerden.

Stoffwechselsystem: Rheumatische Beschwerden, Gicht, Gelenkschmerzen.

Verdauungssystem: Durchfall, Koliken, Milzbeschwerden.

Nervensystem: Unruhezustände, Einschlafstörungen.

Seelische Aspekte: Das Besenheiden-Gemmomazerat ist angebracht bei Menschen, die sich zu sehr in den Mittelpunkt drängen und den eigenen, meist kleinlichen Anliegen überdurchschnittliche Aufmerksamkeit schenken. Dabei lassen sie die Bedürfnisse ihrer Mitmenschen selbstsüchtig außer Acht und fallen ihrer Umgebung durch unermüdlichen Rededrang zunehmend zur Last. Die Besenheide hilft, die Ohren für andere offenzuhalten und einfühlsam auf die Sorgen und Nöte der Mitmenschen einzugehen. Sie stärkt die Fähigkeit zu Empathie und sozialer Kompetenz.

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