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Bettina Büx

Die REGULUS-Botschaften

Band IV

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eBook

(1. Auflage Printversion Oktober 2018)

Erstauflage: © EchnAton Verlag Diana Schulz e.K.

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf –

auch teilweise – nur mit Genehmigung des

Verlages wiedergegeben werden.

Gesamtherstellung: Diana Schulz

Coverfoto: dreamstime©Vitaliy Smolygin

Lektorat: Angelika Funk

ISBN (Printversion): 978-3-96442-001-5

ISBN (E-Book): 978-3-96442-004-6

www.echnaton-verlag.de

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Teil Die Verbündeten der Liebe

Das Wort

Die Tat

2. Teil Die Tugenden der Liebe

Wahrhaftigkeit

Treue

Gerechtigkeit

Mitgefühl

Stärke

Weisheit

Unschuld

3. Teil Die Beschaffenheit der Liebe

Fürsorge

Schutz

Unterstützung

Herzlichkeit

Freundschaft

Loyalität

Toleranz

Verantwortung

Anspruch

Zielstrebigkeit

Tapferkeit

Fleiß

Bescheidenheit

Tatendrang

Gelehrigkeit

Kommunikation

Verehrung

4. Teil Die Gaben der Liebe

Wonne

Vielfalt

Vertrauen

Frieden

Stolz

Naturverbundenheit

Dankbarkeit

5. Teil Die Säulen des Glücks

Der Humor

Die Musik

Das Gebet

6. Teil Die Geometrie und ihre Symbolik

Die Form des Lebens

Die Form des Göttlichen

Die Form des Irdischen

7. Teil Mathematik: Die Logik Gottes

Die Zahl der Einheit

Die Zahl der Verbindung

Die Zahl der Schöpfung

Die Zahl des Irdischen

Die Zahl des Lebens

Die Zahl der Dualität

Die Zahl des Wandels

Die Zahl der Unendlichkeit

Die Zahl der Vollkommenheit

Die Zahl der Weisheit

Die Zahl der Spiritualität

Die Zahl des Wachstums

Die Zahl des Friedens

8. Teil Leitfaden zur Selbstliebe

Akzeptiere Dein Leid

Habe Verständnis für Dich selbst

Gehe sorgsam mit Dir selbst um

Sei Dir treu und lebe Deine Werte

Liebe Dich mit aller Gewalt

Lehre, was Du lernen willst

Übe Dich darin, Deinen Nächsten so zu wollen, wie er ist

Beanspruche Deinen Platz in der Welt

Vergib Dir Deine Irrtümer

Kultiviere Dein Gewissen und folge ihm

Lasse Dich nie von Angst leiten

Liebe Deinen Gott in Dir

Leitfaden zur Selbstliebe

Auf einen Blick

Nachwort

Über die Autorin

Mit einem herzlichen Dankeschön widme ich dieses Buch all meinen treuen Leserinnen und Lesern, die unermüdlich auf der Suche nach Gott und der Sinnhaftigkeit des Lebens sind.

Ihnen verdanke ich alle Freude und allen Erfolg an und mit meiner Arbeit. Ihr aufrichtiges Interesse und ihr lebhaftes Feedback sind mir stetige Quelle der Inspiration und der Motivation.

Liebe ist ...

... Gott und Gott ist Liebe. Liebe ist gänzlich offenbar und dennoch gänzlich Geheimnis.

Liebe ist der Stoff, aus dem alles gemacht ist, was jemals nach ihr fragen kann und dennoch das größtmögliche aller Mysterien. Sie genügt sich selbst vollkommen und ist dennoch in ewiger Ausdehnung begriffen.

Liebe ist nicht teilbar. Sie gibt sich ganz und gar hinweg und bleibt dennoch ganz und gar bei sich selbst.

Liebe ist wahrhaft wunderbar, denn sie ist selbst das Wunder. Sie ist die unendliche Faszination des Göttlichen vor sich selbst. Sie ist der Kniefall des Schöpfers vor seinem eigenen Spiegelbild. Sie ist die ewige und einzige Antwort Gottes auf seine Frage nach sich selbst. Sie ist die Wahrnehmung von Vollkommenheit.

Liebe ist die heilige Selbstwahrnehmung Gottes.

Regulus

Vorwort

Lieber Leser, liebe Leserin, auf die Frage, was er denn eigentlich mit dem Diktat dieser nunmehr vierten Botschaften bezweckt, antwortete Regulus – ich zitiere wörtlich: »Was wir Euch anbieten, ist Ermutigung, Eure Liebesbereitschaft zu erhöhen. Lieben müsst Ihr schon selbst!« Selbstverständlich sagte er das augenzwinkernd, denn wir alle wissen, dass es das größte und höchste – und im Grunde das einzige – Glück des Menschen ist, lieben zu können und zu dürfen.

Wie es in Band II vorrangig um die Angstthematik geht, so liegt der Schwerpunkt in diesem Werk auf der Liebe in all ihren Facetten, nicht zuletzt auf der Bedeutung der Selbstliebe. Das Lebensglück, das wir alle so sehr ersehnen, ist nur auf dem Wege der Liebe zu finden und so gibt es auch in diesen Botschaften wieder allerhand für uns zu lernen. Regulus sagte zu Beginn dieses Buchdiktates: »Wenn Ihr wirklich beginnt, Euch selbst zu lieben, werdet Ihr Euch fühlen wie ein Engel, der aus allen Wolken fällt. Euer ganzes Leben wird sich in jeder Hinsicht zum Besseren wenden.«

Mir ist in ganz besonderer Weise daran gelegen, dass Sie, liebe Leserin, lieber Leser, möglichst großen Nutzen für Ihr persönliches Leben aus meiner Arbeit ziehen. So bleibt mir nur noch, Ihnen von ganzem Herzen Freude, Inspiration und Entspannung bei Ihrer Lektüre zu wünschen. Mögen Sie »aus allen Wolken fallen« …

Ihre Bettina Büx

1. Teil

Das Wort

Im Anfang war das Wort

und das Wort war bei Gott

und das Wort war Gott.

Im Anfang war es bei Gott.

Alles ist durch das Wort geworden

und ohne das Wort wurde nichts,

was geworden ist.

Mein lieber Freund, meine liebe Freundin, Ihr alle kennt die Worte aus dem Evangelium nach Johannes. Sie beschreiben das ewige, heilige Mysterium, die ›Geburtsstunde‹ des erwachenden Bewusstseins. Es geht um nichts Geringeres als um die ›Anfänge‹ des bewussten Seins, um das Geheimnis der Schöpfung schlechthin. Hier tritt die unermessliche Bedeutung des Wortes und die erhabene Größe dieses wohl heiligsten Geschenkes Gottes an den Menschen deutlich zutage.

Die Macht des Wortes, das hier als Werkzeug, als Ausdrucksform des Bewusstseins, verstanden sein will, ist schier unermesslich. Erst das Wort ermöglicht dem Bewusstsein die ›Übersetzung‹ in erfahrbare Konzepte und damit letztlich jegliche Kommunikation mit dem Selbst wie auch mit der Außenwelt. Und so darf es uns nicht wundern, dass die Entwicklung der irdischen Sprachen und ihrer wundervollen Vielfalt ein göttliches Mysterium ist. Wie es möglich ist, intellektuelle und emotionale Bewusstseinsinhalte in sprachlichen Ausdruck zu übersetzen, bleibt letztlich göttliches Geheimnis. Wir alle erlernen Sprache, in erster Linie unsere Muttersprache, im zarten Kindesalter vollkommen mühelos und ohne nennenswerte Anstrengung. Wir lernen Worte und deren Bedeutung, ohne sie zu kennen, wir lernen intuitiv, über das Gefühl. Wir wissen die Dinge einfach. Es ist wie gesagt das Wort, das Kommunikation erst möglich macht, sowohl mit uns selbst als auch mit anderen. Warum widmen wir uns diesem Thema?

Wie wir aus unseren vorangehenden Botschaften wissen, ist Gott Liebe. Gott ist Liebe und nichts als Liebe. Und somit kann auch das Geschenk der Sprache nur ein Geschenk der Liebe an seine Schöpfung sein. Wir erinnern uns: Liebe kann nichts als lieben und was nicht Liebe ist, das kann nicht wirklich sein. Alles, was wirklich ist, ist Liebe. Was aber nicht Liebe ist, das ist nicht wirklich, nichts als Illusion. Das Geschenk des Bewusstseins als solches ist in seiner Grandiosität noch längst nicht begriffen und wird es wohl letztlich niemals endgültig sein, denn Bewusstsein ist Leben, Bewusstsein ist bewusstes Sein. Bewusstsein ist das große, heilige ›Ich-Bin‹ in Dir und in jedem Menschen.

Wie wir aus unseren vorherigen Botschaften wissen, bezeichnen Worte wie ›Bewusstsein‹, ›Leben‹, ›Liebe‹, ›Gott‹ ein und dasselbe. Und so bezeichnet das ›Ich-Bin‹ die Liebe in Dir, Deine wahre Liebesnatur, sich der Liebe selbst in jedem Augenblick vollkommen bewusst. Das ist Höheres Selbst, das ist, was Du bist, das bist Du.

Damit wir uns recht verstehen: Bewusstsein ist Liebe und Liebe ist Bewusstsein. Wolltet Ihr beides voneinander trennen, so käme das dem Versuch gleich, das Licht von seiner Helligkeit zu trennen. Liebe aber ist Omnipotenz, von ihrem Wesen her vollkommen, und somit vollkommen unabhängig von allem und jedem. Und so ist Dein Bewusstsein, also das Gewahrsein Deiner selbst, nicht abhängig von Sprache.

Wie wir in Band III Des Menschen Weg und Gottes Licht erörtert haben, ist unsere Kommunikation mit unserem Medium nonverbal. Die Übertragung der Bewusstseinsinhalte ist eine direkte und extrem exakte und hier braucht es keine Umwege über Worte. Sie weiß die Dinge dann einfach. Wie wir des Weiteren beschrieben haben, obliegt es unserem Medium, die nonverbal übermittelten Bewusstseinsinhalte in irdisch-verbale Konzepte, also in allgemein verständliche Sprache zu übersetzen. Nun, es ist ihre ganz besondere Stärke, dies zu tun, ohne dass es zu inhaltlichen Transferverlusten kommt. Wir betonen dies an dieser Stelle gerne und ausdrücklich, obwohl sie allzu viel des Lobes um ihre Person nicht mag. (Anm. der Verfasserin: »Stimmt!« Regulus lacht herzlich.)

Es liegt also in der Natur der Sache begründet, dass Ihr auf verbale Kommunikation angewiesen seid, sowie Ihr auf Erden seid. Dieser Umstand ist der Natur der Dualität geschuldet und ein unermessliches Geschenk Gottes an seine geliebten Kinder. Wohl ein jeder unter Euch hat die Macht des Wortes am eigenen Leibe hinlänglich erfahren. Und so wisst Ihr alle, dass Worte sowohl Balsam für die Seele als auch wie ein Dolchstoß in das Zentrum des Herzens empfunden werden können.

Wie ist es aber um die Macht der eigenen Worte bestellt? Nun, wie auch die Worte anderer, so kann das eigene Wort immer nur ein Wort der Liebe oder aber, aus Illusion geboren, ein Wort der Angst sein. Immer da und dort, wo Worte ohne Liebe gesprochen sind, da sind sie Worte der Angst und somit des Angriffs. Dieser Angriff, der – wie wir wissen – niemals Wirklichkeit sein kann, mag noch so sehr auf den anderen zielen, er trifft doch immer nur Dich selbst. Es sind Angriffe des Ego, das, selbst auf Illusion begründet, immer nur Illusion hervorbringen kann. Was selbst keine Wirklichkeit hat, kann niemals Wirklichkeit hervorbringen.

Immer dann, wenn Du Worte ohne Liebe aussprichst, irrst Du Dich über Dich selbst. Du hast Dich selbst übersehen. Die einfache Tatsache, dass Du niemals lieblos und dennoch gleichzeitig glücklich sein kannst, dürfte Dir Beweis genug dafür sein, dass hier etwas nicht in Ordnung ist. Es ist nicht stimmig. Was aber nicht stimmig ist, das ist wider Deine Natur. Und so eröffnet sich Dir erneut, wie so oft, wer und was Du bist: Liebe – ewig so, wie Dein himmlischer Vater Dich schuf, ihm gleich und zu seinem Bilde.

Wer jetzt glaubt, sich aufgrund unbedacht oder gar lieblos ausgesprochener Worte schuldig fühlen zu müssen, dem sei gesagt, dass er sich erneut über sich irrt. Es kann und wird uns niemals darum gehen, Schuldgefühle zu vermitteln und zu schüren, sondern vielmehr, sie als Irrtum zu enttarnen und aufzulösen. Es geht an dieser Stelle einzig und allein darum, dass Du Dir im Klaren darüber bist, wer Du bist und was Du tust, wenn Du Worte der Lieblosigkeit und Ignoranz in den Mund nimmst. Es ist Irrtum über Dich selbst wie auch über Deinen Nächsten, nicht mehr und nicht weniger.

So Du dies für Dich erkennen kannst, ist der Irrtum schon nicht mehr und hat sich bereits in das Nichts aufgelöst, aus dem er gekommen ist. Hier verweisen wir gerne auf das entsprechende Kapitel in Band I Des Menschen Wunsch und Gottes Wille, wo wir dieser Thematik eingehend auf den Grund gehen. Wir erinnern Dich daran: »Liebe Dich mit aller Gewalt – mit aller Gewalt, die Du Dir selbst antust.« Es geht um die Erkenntnis der Macht des Wortes, die gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Dieses heilige Werkzeug Gottes ist Dir gegeben als Mittel zum Zweck der Selbstdefinition, denn einen anderen Zweck kann es nicht geben.

Du definierst Dich selbst neu in jedem Augenblick und mit jedem gesprochenen Wort legst Du erneut fest, wer und was Du bist beziehungsweise für wen oder was Du Dich hältst. Was glaubst Du, wer Du bist? Was glaubst Du, was Du bist? So tust Du denn sehr gut daran, Dir selbst zuzuhören und Deinen eigenen Worten zu lauschen. Hier kannst Du viel über Dich selbst, über Dein Selbstbildnis, lernen und erfahren. Somit erkennst Du Dich als ein Wesen, das sich selbst als das erkennt, was es ist – Liebe – oder aber, Du hast Dich selbst im wahrsten Sinne des Wortes vergessen.

Dein Höheres Selbst ist und bleibt sich Deiner wahren Identität jederzeit vollkommen bewusst. Ewig völlig im Klaren über sich selbst, ist Deine wirkliche Identität und somit Deine göttliche Wirklichkeit niemals in Gefahr. Bedrohung kann niemals Wirklichkeitsgehalt haben, Irrtum ist und bleibt immer einfach nur Irrtum und entbehrt jeglicher echter Substanz. Wo Schuldgefühl Einzug hält, da wurde dem ersten Irrtum ein zweiter hinzugefügt. So vielen Irrtümern Du auch erliegen magst, niemals kann es mehr sein als ein winziger toter Winkel in Deiner Selbstwahrnehmung, im nächsten Augenblick schon von der Wirklichkeit hinweggefegt.

Wir erinnern uns: Die Rose bleibt dennoch ewig eine Rose, so sehr sie sich auch für eine Distel halten mag. Der spielerische Umgang mit Deinem verbalen Ausdruck und dessen lustvolle Erforschung sind der Königsweg zur Erkenntnis Deiner Selbstwahrnehmung.

In der liebevollen Akzeptanz liegt der Schlüssel zu Deinem Glück. Was, wenn nicht Liebe, könnte die Lösung sein? Wo, wenn nicht in der Liebe, wäre sie jemals zu finden? Liebe Dich selbst in all Deinen Wesenszügen und Persönlichkeitsaspekten. Wie wir wissen, öffnet die Selbstliebe der Nächstenliebe Tür und Tor.

Du willst liebevoll reden? Dann musst Du liebevoll denken. Du willst liebevoll denken? Dann musst Du liebevoll fühlen. Du willst liebevoll fühlen? Dann musst Du liebevoll sein. Dir selbst gegenüber. Güte, Verständnis, Milde, Liebe: Du kannst sie anderen immer nur in dem Maße angedeihen lassen, in dem Du sie Dir selbst zugestehst.

»Jedes Wort ist ein Wort der Beschwörung.

Welcher Geist ruft – ein solcher erscheint.«

Novalis

Die Tat

Meine liebe Freundin, mein lieber Freund, wenden wir uns nun dem 2. Verbündeten der Liebe zu, der Tat. Wie schon beim gesprochenen Wort, so liefern Dir auch Deine Handlungen wertvolle Rückschlüsse auf Dich selbst und Deine Selbstsicht.

Du definierst Dich über das, was Du tust ebenso wie über das, was Du sagst. Die Dinge, die Du unterlässt, dienen Deiner Abgrenzung und somit ebenso Deiner Selbstdefinition. In dem, was Du nicht bist, erkennst Du, was Du bist. Das ist das Wesen der Dualität.

Das Wort und die Tat sind auf sehr tiefer Ebene miteinander verbunden und verwoben. Gemeinsam bilden sie eine tief verwurzelte Einheit, einem sehr alten Ehepaar gleich. Und so ist es um die Tat in gleicher Weise bestellt wie um das gesprochene Wort. Beide dienen der Selbstdefinition und damit der Selbsterkenntnis. Sind Deine Handlungen Taten der Liebe, des Mitgefühls und des Verständnisses, so hast Du Dich in diesen Aspekten erkannt als das, was Du bist: ein Wesen, das sich selbst als Liebe erkennt und in Liebe ausdrückt.

Da und dort, wo Deine Handlungen Akte der Lieblosigkeit, der Ignoranz, der Gleichgültigkeit oder gar des Hasses sind, da hast Du Dich selbst übersehen. Du bist dem Irrtum über Dich selbst und Deinem Nächsten anheimgefallen. Auch hier ist das Maß an Glück, das Deine Handlungen Dir bescheren, sicherer Fingerzeig auf Deine wirkliche Identität. Es ist ewig vollkommen unmöglich, lieblos zu handeln und dennoch glücklich zu sein. Was Deiner wahren, gottgegebenen Natur zuwider ist, das kann niemals von Glück begleitet sein.

Wo die Tat zum Akt der Gewalt und des Hasses pervertiert, da hat die Angst im Hintergrund immer und ausnahmslos schon die Messer gewetzt. Der Irrglaube, Mangel und Entbehrung zugunsten eines anderen könne jemals möglich sein, treibt sein Unwesen in dieser Welt. Im Dunstkreis von Irrtum und Angst entstehen immer Unheil, Kummer und Elend. Und so kann unser Credo denn auch hier, in Bezug auf die Tat, kein anderes sein als beim Wort.

Du willst liebevoll handeln? Dann musst Du liebevoll denken. Du willst liebevoll denken? Dann musst Du liebevoll fühlen. Du willst liebevoll fühlen? Dann musst Du liebevoll sein. Dir selbst gegenüber. Wer anderen gegenüber liebevoll sein will, der muss sorgsam und rücksichtsvoll mit sich selbst umgehen. Im sorgsamen Umgang mit Dir selbst liegt der Schlüssel zum Glück und zu wahrer Nächstenliebe, die keine Opfer kennt, sondern nur Geschenke.

In der liebevollen Fürsorge für Dich selbst erkennst Du Dein Potenzial für andere. Diese liebevolle Fürsorge für Dich selbst zieht immer und unfehlbar tiefen Respekt und Dankbarkeit für das eigene Sosein nach sich und hat somit den gleichen Respekt für das Sosein des anderen im Gefolge.

Was aber, wenn Wort und Tat in Widerspruch zueinander stehen? Was, wenn die Taten den Worten nicht entsprechen? Wenn Menschen anders reden als handeln – und das tun sie oft (Anm. der Verfasserin: Scherzhaft gesagt) – dann sind sie sich über sich selbst nicht im Klaren. Wenn Deine Worte Deinen Taten nicht entsprechen und Deine Taten nicht Deinen Worten, dann bist Du in Verwirrung über Dich selbst. Dies kommt immer einer schmerzhaften inneren Zerreißprobe gleich. Du bist im wahrsten Sinne des Wortes zwiegespalten. Hier ist Selbsterforschung angezeigt.

Du betrittst sozusagen Neuland und im furchtlosen, neugierigen und spielerischer Erkunden Deiner selbst kannst Du Dich selbst kennenlernen und vieles über Dich und Deine Selbstwahrnehmung in Erfahrung bringen. Du kannst Dich selbst überraschen und in Erstaunen versetzen und das kommt immer einer wunderbaren Abenteuer- und Entdeckungsreise gleich. Je furcht- und vorurteilsloser Du an Dich selbst herangehst, desto freudvoller und spannender Deine Entdeckungen. Die vorbehaltlose Akzeptanz des eigenen Soseins ist immer segensreich und zeitigt wundervolle Ergebnisse des Erkennens. In den Gefilden der Selbstliebe wird es niemals irgendetwas anderes zu entdecken geben als noch mehr Liebe, noch mehr Glück.

Wie wir in unseren vorangehenden Botschaften erkannt haben, ist Liebe allmächtig. Was, wenn nicht Liebe, könnte jemals die Macht haben, Deiner Angst vor Dir selbst und Deinen vermeintlichen inneren Abgründen ein Ende zu bereiten?

Je angstfreier Deine Selbsterforschung, desto klarer wirst Du Dir über Dich selbst. Wo keine Angst herrscht, da kann unfehlbar das Gewahrsein der göttlichen Liebesallgegenwart Einzug halten. Was aber bleibt, wenn die Angst geht, das kann ewig nur Liebe sein und nichts als Liebe. Nichts kann es jemals zu fürchten geben. Je angstfreier und vorurteilsloser Deine Selbsterforschung, desto mehr werden Deine Taten Deinen Worten entsprechen und Deine Worte den Taten. Das ist Heilung vom Feinsten! Du bist nicht länger ein zwiespältiges Wesen, sondern klar und zielstrebig im Wort wie auch in der Tat. Deine Energie erfährt eine ungeahnte Bündelung und eine klare und eindeutige, zweifelsfreie Richtung.

Frische Kräfte sind nunmehr freigesetzt und können sich ungehindert entfalten. Neue, vorher ungesehene Wege eröffnen sich Dir und Du gehst sie nunmehr freudig und sicheren, festen Schrittes. Menschen, deren Worte mit ihren Handlungen in Einklang sind, verströmen immer eine Aura des Charismatischen. Die frische Klarheit ihres Seins bleibt niemals unbemerkt und hat immer Vorbildfunktion.

Menschen, deren Worte ihren Taten entsprechen, sind mit sich selbst im Reinen und somit auch mit ihrem Lebensumfeld. Liebe ist immer und ausnahmslos segensreich für alle und jeden, der sich von ihr berühren lässt. Liebe ist Heilung, die einzige, die es jetzt und ewig geben kann.

»Der schönen Blume gleich,

die keinen Duft ausstrahlt,

ist schön gesproch'nes Wort,

das ohne Tat verhallt.«

Dhammapada

(Pfad der Lehre; 51. Vers)

2. Teil
Die Tugenden der Liebe

Wahrhaftigkeit

Meine liebe Freundin, mein lieber Freund, als erste Tugend der Liebe wollen wir die Wahrhaftigkeit nennen. Es sei an dieser Stelle klargestellt, dass es bei der Benennung der Tugenden der Liebe, wie auch bei der später folgenden Aufzählung ihrer Merkmale, nicht etwa um eine Rangordnung ihrer Bedeutung oder ihres Stellenwertes geht. Es handelt sich vielmehr um den Versuch, Attribute, die im Grunde und in Wahrheit gleichzeitig und gleichrangig nebeneinanderstehen, einzeln zu beleuchten und in einen sinnvollen Zusammenhang zueinander zu stellen.

Die erste Tugend der Liebe ist also wie gesagt die Wahrhaftigkeit. Dies bedeutet in erster Linie, dass nur dann von Liebe die Rede sein kann, wenn es sich auch um Liebe handelt. Dies scheint auf den ersten Blick selbstverständlich und kaum erwähnenswert und doch ist dem so. Es geht darum, dass wir alle dasselbe meinen, wenn von der Liebe die Rede ist, ansonsten wäre ein heilloses und verwirrendes Aneinander-Vorbeireden die logische Folge.

Liebe ist jenes Bestreben, welches das Glück des geliebten Menschen will und nichts als sein Glück.

Wie wir in den vorherigen Botschaften immer wieder betont haben, ist Liebe niemals partiell. Es gibt nicht ›ein bisschen‹ Liebe – entweder es ist Liebe ganz und gar oder aber es ist keine.

Wir setzen also nunmehr voraus, dass wir von wahrer Liebe reden. Dies schließt grundsätzlich alle pathologischen Gefühlsauswüchse aus, die diese Welt so gerne als Liebe bezeichnet und mit ihr verwechselt: Sicherheitsbedürfnis, das in Abhängigkeit entartet, Herrschsucht, die in Kontrollzwang ausufert, Egoismus, der ohne jede Rücksicht nur die Raffgier befriedigt, usw. Man kann ein Prinzip eben nicht an seinen Krankheiten erforschen und erkennen, sondern an seinen ›Gesundheiten‹. In Band I Des Menschen Wunsch und Gottes Wille und vor allem in Band III Des Menschen Weg und Gottes Licht haben wir schon viel über die Eigenschaften der Liebe gesagt. Nun fahren wir also fort in unseren Bemühungen, das Wesen der Liebe, welches das ureigene Wesen Gottes ist, zu erkunden. Die Wahrhaftigkeit der Liebe hat noch eine weitere Ebene als die der Wahrhaftigkeit in ihrem Sein: Die Liebe handelt wahrhaftig! Dies bedeutet ganz einfach ausgedrückt, dass es im Denken und Fühlen, im Reden, Handeln und im Unterlassen aus der Liebe heraus niemals Lüge, Heuchelei oder Lieblosigkeit geben kann. Liebe ist immer und ausnahmslos ganz und gar authentisch und kennt keine ›Auszeiten‹, in denen sie sich Ausnahmen erlaubt. Sie ist wie eine Spirale, die gleichermaßen sowohl tiefer in das Innen dringt als auch nach außen, zum Geliebten hin. Obwohl Liebe von ihrer göttlichen Uressenz her vollkommene Stille ist, so ist sie dennoch in ständiger Bewegung und Ausdehnung. Liebe ist der einzig mögliche Gemütszustand, in dem Du gleichermaßen euphorische Lebensfreude, ungestümen Bewegungsdrang und dennoch gleichmütigen Frieden und selige Herzensruhe empfinden kannst.

Wie wir gesehen haben, ist Liebe aufrichtige, ehrliche Liebe oder aber sie ist gar keine. Liebe verheimlicht nichts, warum sollte sie? Jede Äußerung der Liebe ist frohe Botschaft. Menschen, die sich aufrichtig lieben, haben keine Geheimnisse voreinander, denn sie wollen keine. Liebe verschenkt sich ganz und will immer ganz und gar den ganzen Menschen. Blindes Vertrauen ist die erste und logische Begleiterscheinung der Liebe. Wo nichts gesagt und getan werden muss, da ist bereits alles gesagt und getan. Wir haben an vielen Punkten unserer vorherigen Überlegungen von der Selbstliebe gesprochen. Auch und ganz besonders im Aspekt der Wahrhaftigkeit kommen wir erneut nicht umhin, uns der Selbstliebe zuzuwenden. Wahrhaftigkeit dem Nächsten gegenüber kann immer nur da und dort gedeihen, wo sie auf dem Nährboden der Selbstliebe wächst. Welcher Mensch wagt es, seinem geliebten Partner diejenigen Wesensanteile offenzulegen, für die er sich selbst verurteilt? Und welcher Mensch verurteilt nicht im Nächsten die Charakterzüge, für die er sich selbst verachtet? Wir wollen bei all unseren Betrachtungen niemals aus den Augen verlieren, dass die Selbstliebe immer und unfehlbar das Maß aller Dinge bleibt, erst recht das Maß aller Liebe zum anderen. Vorbehaltlose Selbsterforschung ist und sollte das beglückendste und spannendste Abenteuer sein, das Du in Deinem Leben erfahren kannst. Furchtlose Selbsterforschung führt immer zu Selbsterprobung und damit zu einer sehr intimen Erfahrung mit dem eigenen Selbst. Dort, wo die Selbstsuche einhergeht mit Angst vor ungeahnten Tiefen, da geht es immer um abgespaltene Anteile des Selbst, die bereits im Vorfeld abgespalten wurden und ein scheinbares Untergrunddasein führen, weil Selbstverurteilung –oder zumindest die Furcht davor – immer vermieden werden will. Nun, diese Verurteilung mag, oberflächlich betrachtet, aus dem Bewusstsein ferngehalten werden, im Grunde und in Wahrheit ist sie es nie. Was nicht im eigenen Selbst vorbehaltlos angeschaut, akzeptiert, ja geliebt wird, das wird im anderen wahrgenommen und verurteilt. Bewusstsein ist, es kann nie ausgelöscht oder unwirksam gemacht werden, es kann transformiert, geheilt, ›gesund geliebt‹ werden. Was aber von der Liebe berührt wird, das wird mit anderen, neuen Augen gesehen. Im Bewusstsein der Liebe ist jede Verurteilung ewig unmöglich. Und somit schließt sich der Kreis und wir sind wieder bei der Wahrhaftigkeit. Selbstliebe bringt unfehlbar das Bewusstsein des eigenen Wertes hervor, auf dem jedes Selbstvertrauen fußt. Dies macht die Wahrhaftigkeit in jeder liebenden Beziehung zur Selbstverständlichkeit. Wo Selbstvertrauen regiert, da sind dem Vertrauen in den anderen Tür und Tor geöffnet. Verurteilung wird immer nur dort erwartet und gefürchtet, wo es an Selbstakzeptanz mangelt. Ein Mensch, der mit sich selbst im Reinen ist, ist unangreifbar und bleibt immer unantastbar und völlig intakt in seinem Selbstwert. Ein solchermaßen sich selbst liebender Mensch birgt immer Segen und Bereicherung für sein Lebensumfeld, kann und wird er doch unfehlbar diese Selbstliebe an alle anderen weitervermitteln, indem er sie ausdrückt und vorlebt. Liebe bringt immer nur Segen hervor und wirkt in alle Richtungen gleichzeitig. Somit stimmt also auch der Umkehrschluss: Wo das liebevolle Feedback des anderen die Selbstliebe bestätigt und nährt, da werden sowohl die Selbstliebe als auch die Nächstenliebe erneut gestärkt und vermehrt. Und so dreht sich die Liebesspirale stetig und wunderbar in alle Richtungen weiter, höher, tiefer.

»Wo eine Wahrheit nicht aus Liebe

ausgesprochen wird,

da ist die Liebe selbst die Lüge.

Weil Wahrheit immer der Liebe dient,

enttarnt sie Lieblosigkeit.«

Regulus

Treue

Meine liebe Freundin, mein lieber Freund, als einer weiteren Tugend der Liebe wollen wir uns nun der Treue zuwenden. Ganz allgemein gesprochen stellen sich die Menschen unter dem Begriff ›Treue‹ mitunter unterschiedliche und verschiedene Wesenszüge und Lebenskonzepte vor. So mancher von Euch ist in dem grundlegenden Irrtum gefangen, die Treue zum Selbst stünde in unvereinbarem Widerspruch mit der Treue zum anderen. Im Grunde und in Wahrheit gibt es nur ein einziges Prinzip von Treue, das wirklich und wahrhaftig sinnvoll ist und unfehlbar glücklich macht: Die Treue zur Liebe selbst!

Wer der Liebe zu sich selbst wie auch aller Liebe aus sich selbst heraus treu bleibt, der wird nie und nimmer in eine verfängliche, widersprüchliche oder unhaltbare Situation kommen. Wo wirklich Liebe ist, da sind die Bedürfnisse, Wünsche und Ziele niemals in Widerstreit miteinander. Die Selbstliebe gebietet immer die Treue zum eigenen Wesen.

Treue zum eigenen Sosein kann auch Kompromiss bedeuten, der auf Liebe begründet niemals wie ein Opfer anmuten kann, sondern freudig gegebenes Geschenk ist. Im Zuge der in Mode gekommenen ›Selbstverwirklichungshysterie‹ (Anm. der Verfasserin: Scherzhaft gesagt) wird vielerorts das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Wenn Treue zu sich selbst zu Erstarrung und Sturheit mutiert, ist sie gewiss fehlverstanden. Hier wird oftmals der Gesamtkontext aller Persönlichkeitsmerkmale außer Acht gelassen und die Liebe übergangen, wo sie doch ursprünglich das Fundament allen Handelns sein sollte. Treue zu sich selbst impliziert die Treue zu allen eigenen Werten. Ihr könnt nicht behaupten, Ihr liebt die Natur und ehrt sie nicht. Ihr könnt nicht behaupten, Ihr liebt Eure Kinder und lasst sie nicht los. Ihr könnt nicht behaupten, Ihr liebt Euren Partner und erfreut Euch nicht in jedem Augenblick an ihm. Ihr könnt nicht behaupten, Ihr liebt Gott und sucht Ihn nicht. Treue ist gelebte Liebe, Treue ist ›Liebe zum Anfassen‹.

Treue ist Konsequenz im Sein und Liebe ist hochgradig konsequent.

Wie wir anfangs sagten, gibt es für die Liebe keine ›Auszeiten‹, die Liebe kennt keine blinden Flecken, in denen sie unwirksam wäre. Im Zuge der vielgerühmten sogenannten sexuellen Befreiung in den letzten Jahrzehnten – wir sprachen in Band I Des Menschen Wunsch und Gottes Wille davon – wurde und wird der Begriff der Treue immer wieder neu und anders definiert. Verwirrung und Unsicherheit machten sich allenthalben breit, wo doch Aufklärung das erklärte Ziel hatte sein sollen. Das Bestreben, die Sexualität von der Treue zu trennen und abzuspalten und die Treue auf eine doch recht dubiose und diffuse zwischenmenschliche psychoemotionale Ebene einzugrenzen, wird niemals fruchten, Gott sei Dank!

Treue ist nicht der ›Preis‹ der Liebe, Treue ist ihr wärmender Umhang, ihr tiefstes Glück und ihr süßestes Geheimnis. Die Treue ist das Zuhause der Liebe. An dieser Stelle sei betont, dass es uns nicht um Verurteilung geht, wie es uns nie um Verurteilung geht, es geht nicht um Moral, sondern vielmehr um ein Verständnis der Dinge. Was wir wirklich verstehen, das verurteilen wir nicht!

Moralische Entrüstung ist niemandem dienlich, am wenigsten dem, der sich ihrer bedient, denn sie gründet nie auf Liebe. Moralische Entrüstung bestätigt die Rechtschaffenheit, und zwar nicht etwa die des sich in Entrüstung Ergießenden, sondern vielmehr die des angeblichen ›Missetäters‹. (Anm. der Verfasserin: Scherzhaft gesagt).

Ein liebendes Herz stört sich nicht an moralischen Prinzipien, ein liebendes Herz handelt nach ethischen Prinzipien und Werten. Wo es dem Menschen weit mehr um Moral als um Ethik geht, da hat die Bedeutung der Form längst die des Inhaltes verdrängt und somit die wirklichen Werte ausgehöhlt, sinnentleert und schließlich ad absurdum geführt.

Ein ›untreuer‹ Mensch ist kein ›schlechter‹ Mensch. Ein ›untreuer‹ Mensch ist auch kein freier Mensch. Ein ›untreuer‹ Mensch ist auf der Suche nach sich selbst. Wir sollten und dürfen niemals die grundlegende und vollkommene Schuldunfähigkeit des Menschen vergessen. Wo Schuld wahrgenommen wird, kann immer nur Irrtum und Illusion sein. Wann immer der Mensch ein Urteil fällt, da ist er auf dem Holzweg.

So sind wir denn bei jenem Aspekt der Treue, der den meisten von Euch wohl die größten Schwierigkeiten bereitet, der Treue zu Eurer Menschlichkeit. Die verständnisvolle und liebende Akzeptanz der eigenen Menschlichkeit führt immer und unfehlbar zur Erkenntnis der eigenen Göttlichkeit, denn Gott ist im Menschen, wie der Mensch in Gott ist!

Gerechtigkeit

Meine liebe Freundin, mein lieber Freund, was ist Gerechtigkeit? Gerechtigkeit – und darin sind wir uns wohl alle einig – bedeutet, dass jedem Menschen das ihm Zustehende zufließen sollte. Nun sind wir uns wohl ebenso einig darin, dass jeder Mensch das ihm Zustehende, einmal abgesehen von den großen gemeinsamen Lebensthemen, individuell und für sich selbst, vollkommen persönlich und anders definiert.

Des Menschen grundsätzlichstes, höchstes und allererstes Recht ist das Recht auf seine Individualität, auf seine absolut ausnahmslose Einmaligkeit. Es ist des Menschen heiliges Recht, wie das jeden Wesens in der Schöpfung, ganz und gar er selbst zu sein. Dieses Recht ist so unantastbar und fundamental, weil Gott selbst Dich schuf, so zu sein, wie Du bist. Nur ein Blinder im Herzen kann glauben, einen Menschen verurteilen und somit Gott ins Unrecht setzen zu können. Er muss also im Irrtum über sich selbst sein, denn Irrtum über sich selbst hat unentrinnbar Irrtum über den anderen zur Folge. Verurteilung ist immer nur da und dort möglich, wo ein Mensch ohne Liebe angeschaut wird. Wo dem Blick die Liebe fehlt, ist immer Fehlurteil. Liebe ist immer gerecht, denn Liebe urteilt nie.

Wie wir gesehen haben, ist Liebe die Wahrnehmung von Vollkommenheit. Die wohl irrigste und dümmste Redensart dieser Welt ist die Behauptung, dass Liebe blind mache. Als ob das nicht genug des Unsinns wäre, wird dem noch eines hinzugefügt in der Annahme, Liebe sei naiv, wehrlos, einfach auszubeuten und zu missbrauchen. Nun, da stellt sich doch die Frage, warum Ihr alle dennoch nach ihr sucht und strebt? (Anm. der Verfasserin: Scherzhaft gesagt).

Der Mensch fühlt die Wahrheit über die Liebe weitaus deutlicher, als er sie erklären und beschreiben könnte. Liebe ist nicht wehrlos, weil sie keine Wehrhaftigkeit braucht, Liebe ist vollkommen unangreifbar. Kann es einen besseren Schutz geben? Liebe ist Omnipotenz, sie ist weder blind noch naiv.

Liebe muss nicht großmütig und gönnerhaft ›Fehler‹ übersehen, wie die Welt es so oft darstellt, weil es für die Liebe keine Fehler gibt. Liebe kann und will nichts als lieben, es ist nicht ihr Bestreben zu verändern. Was als vollkommen wahrgenommen wird, bedarf keiner Korrektur. Liebe kann weder ausgebeutet noch missbraucht werden, weil sie sich ewig verschenken will. Das höchste Glück der Liebe ist ihre Annahme. Wer das Geschenk der Liebe annimmt, der gibt ein noch größeres Geschenk zurück.

Liebe will sich verausgaben, daraus lebt und mehrt sie sich. Nun, was hat dies alles mit Gerechtigkeit zu tun? Liebe ist vollkommen gerecht, weil sie immer alles gibt und dennoch gleichzeitig und gleichermaßen alles bei sich selbst und für sich selbst behält. Nie wird ein liebender Mensch seinem Gegenüber das Recht auf sein ureigenstes Sosein absprechen. Was der geliebte Mensch auch immer will, braucht, wünscht oder bezweckt, er ist in seinem Sosein vollkommen verstanden und wird auf seinem Weg mit Freuden begleitet. Liebe ist deshalb vollkommen gerecht, weil sie nie manipulieren, kontrollieren, beherrschen oder gar verändern will.

Liebe ist Loslassen, Zulassen, Freiraum-Schaffen. Liebe will beobachten, kennenlernen, erforschen und Nähe genießen. Wo das Glück im Sosein des anderen begründet liegt, da liegt es auch im Dabei-Belassen. Nie kann eine Persönlichkeit sich freier, vorbehaltloser, ungehinderter und intensiver entwickeln, als wenn sie in ihrem individuellen Sein vollkommen akzeptiert, respektiert und anerkannt wird. Nichts bewirkt so leicht und mühelos Veränderung wie das Nicht-verändern-Wollen. Auch in diesem Aspekt ist die Liebe vollkommen gerecht, denn wer könnte sich anmaßen, eines anderen Wegweiser zu sein?

Liebe zeigt keine Wege, Liebe ist der Weg.

Da Liebe nicht wertet, kann sie eine Situation niemals über- oder unterschätzen. Sie will das, was der andere für sich will, denn Liebe respektiert in jedem Augenblick den Standpunkt des Geliebten und damit seine individuelle und ureigene Persönlichkeitsentwicklung. Wo der Egoismus gerne Ratschläge erteilt, die meist mehr Schläge sind als Rat (Anm. der Verfasserin: Scherzhaft gesagt), da erteilt Liebe immer nur Rat und Ermutigung zur Selbstliebe. Entgegen der irrigen Meinung der Welt, guter Rat sei teuer, sei Euch ans Herz gelegt, dass guter Rat unendlich billig und einfach ist. Der Rat zur Selbstliebe ist der ewig beste und einzig unfehlbare Rat, den Ihr jemals einem anderen wie auch Euch selbst erteilen könnt. Justitia scheint nur blind.

Wie wir in Band I Des Menschen Wunsch und Gottes Wille ausführlich behandelt haben, bekommt der Mensch nicht etwa das, was er verdient, sondern das, was er will. Jeder Mensch verdient alle Liebe und alles Glück der Welt, denn dies zu leben schuf Gott den Menschen und die Welt. Nur die Selbstliebe kann den Menschen dorthin führen und geleiten, dies für sich selbst zu erreichen und zu erschaffen.

Und somit dürfen wir, wenn wir von Gerechtigkeit sprechen, niemals die Gerechtigkeit Dir selbst gegenüber außer Acht lassen. Wer sich selbst nicht liebt, der hat sich schon Unrecht getan. Selbstgerechtigkeit, im ureigenen Sinn des Wortes, gründet sich auf liebevoller, sanftmütiger Akzeptanz der eigenen Persönlichkeit und so, wie Du sie Dir selbst vorlebst und erlaubst, so gibst Du sie auch weiter. Was Segen ist für Dich selbst, ist immer auch Segen für alle anderen.

»Gerechtigkeit ist nichts anderes

als die Nächstenliebe der Weisen.«

Gottfried Wilhelm Leibniz

Mitgefühl

Meine lieber Freund, meine liebe Freundin, Mitgefühl, nicht etwa Mitleid, ist eine der tragenden Säulen der Liebe. Liebe ist das drängende Streben nach Verschmelzung und Einheit, im Geiste wie auch im Herzen. Liebe strebt danach, das Leben des anderen mit ihm zu teilen. Verbindung und Gemeinsamkeit zu leben ist jedes Menschen tiefstes Bedürfnis, denn die Einheit von Alles-was-Ist ist ein der Natur aller Schöpfung inhärenter Seinszustand.

Alles, was ›natürlich‹, also von Gott vorgegeben ist, ist unwiderstehlich in seiner Anziehungskraft. Der ewig unveränderliche Urzustand der vollkommenen Schöpfung will wiedererkannt werden. So sehr dieser Schöpfungszustand der Einheit von und mit Alles-was-Ist auch bedroht oder sogar zerstört anmuten mag, so war er es doch nie. Die Wirklichkeit kann niemals gefährdet sein, denn es kann keine Macht außerhalb der göttlichen, allumfassenden und vollkommen reinen Liebe geben.

Der Mensch strebt nach Einheit und Verschmelzung in Liebe. Er fürchtet kaum etwas so sehr wie das Alleinsein oder gar die Einsamkeit. Räumliche Trennung macht den Menschen noch nicht einsam, das Sich-unverstandenFühlen macht den Menschen einsam. So kann auch nur Liebe, die immer Mitgefühl anstrebt und sucht, die Brücke vom Individuum zum Nächsten schlagen.

Liebe ist ›von Natur aus‹ neugierig, sie will das Geliebte verstehen und es in seinem Sosein begreifen, ihm nachempfinden und ihm somit nachspüren können. Das ist Einswerdung im Geiste und im Herzen. Den feinen und doch so folgenschweren Unterschied zwischen Mitgefühl und Mitleid haben wir an anderer Stelle bereits beleuchtet. Hier sei kurz daran erinnert, dass Mitleid aus der Rückerinnerung an das eigene Leid herrührt und somit die vermeintliche eigene Schwäche zementiert. So erhält Mitleid den Status quo beim anderen. Anstatt zu heilen, vermittelt es Ausweglosigkeit.

Mitleid ist im Grunde und in Wahrheit immer eine getarnte Form von Selbstmitleid. Es meint nicht wirklich den anderen und somit meißelt es bei beiden den Glauben an das eigene Unglück in Stein, anstatt Hoffnung, Trost und Erlösung zu bringen. Mitleid ist passiv, wohingegen das Mitgefühl hochgradig aktiv wirkt. Mitgefühl fußt auf Liebe, auf Selbstlosigkeit und somit auf ehrlichem Interesse für die Belange des anderen.

Wer Mitleid hat, redet, wer Mitgefühl hat, hört zu.

Liebe versteht alles, weil sie alles verstehen will. Sie will wissen, wie es ist. Liebe will die Dinge nicht anders sehen, als sie sind, denn Verschmelzung und Einheit zwischen zwei Menschen sind immer nur im Hier und Jetzt möglich, also in der vorbehaltlosen Anerkennung und Akzeptanz des Istzustandes.

Wo Leid gelindert werden soll, muss es erst einmal anerkannt werden. Nichts tröstet und ermutigt einen leidenden Menschen so sehr wie Mitgefühl. Wo Mitleid den Menschen in seinem Elend erstarren lässt, da mobilisiert echtes Mitgefühl ungeahnte Kräfte und Reserven, denn erfahrene Liebe ist immer auch aktive und konkrete Rückerinnerung an die Selbstliebe. So setzt Mitgefühl heilerische Kräfte ungeahnten Ausmaßes frei, denn die Liebe verfehlt nie ihr Ziel, das ewig das Glück und nichts als das Glück des anderen ist.

»So mancher scheint beim ersten Blick

verschlossen, starr und eisig kühl,

doch birgt sein Herz für den, der sucht,

den reichsten Schatz an Mitgefühl.«

Wilhelm Jordan

Stärke

Mein lieber Freund, meine liebe Freundin, die natürliche Sanftmut der Liebe wird irrtümlicherweise häufig mit Schwäche gleichgesetzt. Nichts entspricht der Wahrheit weniger als diese Fehleinschätzung.

Die Liebe braucht kein lautes Getöse und kein schrilles Geschrei. Nichts ist so still wie die Liebe und dennoch ist nichts so aussagekräftig und sinnerfüllt. Liebe kann sich Stille ›erlauben‹, denn nichts ist so macht- und kraftvoll in seiner reinen Präsenz.

In dieser Welt ist die Liebe, im wortwörtlichen Sinn, nicht sichtbar und doch wird sie in ihrer ganzen Macht und Kraft gefühlt, erfahren und gelebt. Wir können Liebe erahnen und wir erkennen sie in ihren Wirkungen, in ihren Worten und Taten. Wo Liebe spricht, da folgt dem Wort immer und unfehlbar die Tat. Liebe, die leeres Lippenbekenntnis bleibt, ist keine, denn dem wahren Wort folgt immer die wahre Tat.

Wie wir bereits sagten, ist Liebe hochgradig konsequent. Sie kennt weder Kompromiss mit Lieblosigkeit noch mit Gleichgültigkeit. Liebe ist nur dann Liebe, wenn sie aktive Liebe ist. Sie handelt dadurch, dass sie ist. Keine Tat, kein aktiver Akt ohne Liebe, kann jemals so mächtig sein wie die pure reine Gegenwart der Liebe. Dass sie dennoch zur Handlung auffordert, liegt an ihrem ewig unstillbaren Drang nach Ausdruck und Ausdehnung. Wenn die Liebe gebietet, folgt der Mensch. Kein Ego kann sich der Macht der Liebe widersetzen. Sowie Liebe als solche erkannt wird, gehorcht die ganze Schöpfung. Sie ist die Macht, die Berge versetzen und vermeintliche Gesetze aushebeln kann, denn Liebe hat gestaltbildende Kräfte. Liebe ist göttliches Gesetz und, im Grunde und in Wahrheit, das einzig gültige Gesetz.

Den Menschen, die sich immer wieder fragen, ob es genügen kann zu lieben, sei gesagt, dass es niemals mehr geben kann. Gott ist Liebe und Liebe ist Gott. Wo Anbindung an die Liebe ist, ist Anbindung an Gott selbst und damit an die göttliche Macht und Schöpferkraft.

Liebe kann mehr als nur Berge versetzen, Liebe hat sie erschaffen.

Wenn der Mensch liebt, dann verfügt er nicht nur über ungeahnte Kräfte, sondern vor allem und ganz besonders über nie versiegende. Liebe, der göttliche Urstoff aller Schöpfung, erschafft sich selbst ständig neu aus dem eigenen Sein heraus.

Wie wir in Band I Des Menschen Wunsch und Gottes Wille gesehen haben, ist sie das einzig wirklich existente Perpetuum mobile, nach dem die Menschheit seit Urzeiten sucht. Wäre es nicht in Dir, Du könntest weder nach ihm fragen, noch nach ihm suchen. Die Macht der Vorstellung erschafft die Dinge nicht – das tut Gott –, doch sie lässt sie erkennen.

Wie wir wissen, ist Liebe gestaltbildend, also hochgradig schöpferisch. Die verschlungenen Pfade, die die Liebe geht, sind deshalb verschlungen und oftmals undurchschaubar, weil die Liebe in der ganzen Komplexität ihrer grenzenlosen Weisheit niemals endgültig begriffen werden kann. Wir können, wollen und werden die Liebe bis in alle Ewigkeit erforschen, denn das ist, was schlussendlich die ganze Schöpfung tut, dennoch wird sie ein ewiges, herrliches Mysterium bleiben. Zu unser aller Freude und zu unserem höchsten Glück wird es ewig so bleiben. Sowie sich uns ein Aspekt der Liebe erschließt und offenbart, tun sich tausend neue Fragen auf. Immer dann, wenn wir meinen, wir haben Gott gefunden, ist Er schon wieder mehr von alledem, was wir in ihm erschaut haben.

Die unbegreifbare göttliche Ausdehnung der Liebe ist der ewige Garant für die nie endende Glückseligkeit der ganzen Schöpfung. Wenn Menschen über sich selbst hinauswachsen, sind sie immer und ausnahmslos von der Liebe geführt, getragen und beflügelt. Die Menschheit wird immer in gleichem Maße Fortschritt und Glück hervorbringen und erfahren, in dem sie die Urgewalt der Liebe anerkennt und nutzt. Es mag im ersten Augenblick befremdlich erscheinen, dass der Mensch die Liebe nutzen darf, ja, er kann und sollte sie nutzen, denn dazu ist sie gegeben, das ist ihr heiliger Sinn und Zweck.

Liebe nutzt man, indem man ihr dient.

Der Nutzen der Liebe ist wahrhaft grenzenlos und unbeschreiblich, ihre Bedeutung für den einzelnen Menschen, wie auch für die Menschheit als Kollektiv, kann in Worten niemals ausgedrückt oder beschrieben werden. Hass macht abhängig und unfrei, Gleichgültigkeit macht blind und stumpf und Angst macht einfach nur verrückt. Die Liebe aber macht frei, stark, furchtlos und vor allem glücklich. Sie ist sanft, rücksichtsvoll und milde in ihrem Handeln, sie kann es sein, denn sie bezieht all ihre Macht und Stärke aus ihrem Sein. Mit anderen Worten: Nur die Liebe bezieht ihre Stärke aus sich selbst heraus. Liebe macht deshalb stark, ja sogar unüberwindlich, weil sie stark ist.

Wenn man die Liebe überhaupt mit dem Begriff ›Kampf‹ in Beziehung bringen will, dann insofern, als dass sie gegen Angst, Leid und Mangel ankämpft. Genau genommen kämpft die Liebe niemals gegen irgendetwas, denn das Konzept von Liebe einerseits und die Konzepte von Angst, Leid und Mangel andererseits schließen sich ganz von selbst gegenseitig aus. Es ist völlig unmöglich, gleichzeitig Liebe und Angst oder Mangel zu fühlen. Wie wir in Band II Um Gottes willen und um deinetwegen gesehen haben, definiert sich die Angst ja schließlich erst dadurch, dass sie außerhalb der Liebeswahrnehmung steht.

Da und dort, wo Liebe ist, sind Angst, Leid und Mangel hinweggefegt und vergangen, als seien sie nie gewesen. Liebe verbannt Angst und Not ins Reich der Illusionen, aus der sie gekommen sind, und damit in die Gefilde des Unwirklichen. Was als unwirklich erkannt ist, das ist nicht mehr. Liebe kämpft also nie gegen irgendetwas, sie erhellt die Dinge einfach nur. Sie führt Wahrheit zu Wahrheit und enttarnt die Illusion als das, was sie ist.

Liebe kämpft nie gegen, sondern für etwas. Sie kämpft für die Liebe im Menschen selbst und damit für den ganzen, wahren Menschen, für Gott und für das Leben selbst. Liebe ist deshalb hochgradig stark und ›kämpferisch‹, weil ihr jegliche Aggression fehlt. Sie ist nicht nur die reinste Form der Energie in der ganzen Schöpfung, sondern im Grunde und in Wahrheit auch die einzige. Liebe verausgabt sich in nichts anderem als in ihrem eigenen, reinen Sein. Um die Liebe zu verstehen, kann gar nicht oft genug gesagt werden, dass Liebe nichts als lieben kann und will. Weil Liebe sich immer völlig verschenkt, gibt es in ihr weder Verluste noch verschwendete oder ungenutzte Energien und Potenziale.

Liebe verliert oder verirrt sich nie in Aggression, denn sie ist dem Wesen der Liebe völlig fremd. Außerdem ist Aggression viel zu uneffektiv, als dass sich die Liebe ihrer bedienen würde. Aggression ist das stumpfe Beil der Schwachen und Ängstlichen. Sie ist immer kräftezehrend und zermürbend, sie führt die Leidspirale ständig weiter in dunklere Untiefen.

Liebe dagegen wirkt immer punktgenau, zielstrebig und angemessen, deshalb geht sie aus jeder Situation siegreich hervor. Dies ist schon aus dem einfachen Grunde so, weil derjenige, der liebt, schon von vorneherein gewonnen hat: Liebe ist Sieg, Gewinn, Bereicherung und Glück. Aus ihrer natürlichen Stärke heraus ist die Liebe in der Lage, alles zu ertragen, denn sie korrigiert den Blick auf die Dinge und lässt den Segen und die Weisheit in jeder Situation erahnen und erspüren. Liebe glättet die Wogen in noch so stürmischer See, denn sie heilt aus ihrer eigenen Kraft heraus.

Liebe besänftigt das Gemüt und verkürzt jeden Trauerprozess um ein Vielfaches. Wenn ein liebender Mensch leidet, ist die Liebe selbst immer und ausnahmslos die Heilerin jedes Schmerzes. Liebe spendet dort Trost, Kraft und Zuversicht, wo die Dinge sich dem Verständnis des Menschen entziehen, weil sie die tiefe Sinnhaftigkeit erkennen lässt. Wenn die Furcht Mauern gegen raue Winde errichtet, dann baut die Liebe Windmühlen.

Weisheit

Mein lieber Freund, meine liebe Freundin, wenn wir Weisheit kurz und bündig definieren wollten, dann würden wir sagen, Weisheit ist die Fähigkeit zum Glück, ungeachtet der äußeren Umstände.

Damit dürfte uns schlagartig bewusst werden, dass Weisheit ein tiefes, unerschütterliches Gottvertrauen voraussetzt. Eben genau dieses tiefe, stille Gottvertrauen ist das, was weise Menschen mit einer irgendwie bezaubernden Gelassenheit umgibt. Ein weiser Mensch übt immer eine starke Anziehungskraft auf andere aus, die Magie menschlicher Gelassenheit wirkt ansteckend tröstlich und besänftigend.

Weisheit ist das erstgeborene Kind der Liebe. Das Maß an Weisheit, das ein Mensch sein Eigen nennen kann, ist ausschließlich an seiner Liebe zu messen. Ein weiser Mensch lebt ganz und gar aus der Liebe heraus und für die Liebe. Da wir, trotz all unserer Bemühungen, das Wunder der Liebe letztlich niemals wirklich begreifen können, dient der Weise einem ihm unbekannten Herrn, einem Herrn, den er nicht wirklich kennt und versteht. Mit anderen Worten und ganz pragmatisch ausgedrückt: Niemand ist so ›unvernünftig‹ wie der Weise! (Anm. der Verfasserin: Scherzhaft gesagt).

Der menschliche Verstand mag vernünftig sein oder zumindest bemüht er sich um Vernunft. Liebe jedoch ist alles andere als vernünftig, dazu ist sie viel zu weise. Die Weisheit der Liebe entzieht sich nicht etwa der Vernunft des rationalen Verstandes, sie geht weit darüber hinaus und übersteigt sie um ein Unendliches. Die Liebe – und damit auch die Weisheit – bewegt sich immer in der göttlichen Wirklichkeit aller Dinge und damit in Gefilden, die dem Menschen im Umfeld seiner materiellen Welt großteils verborgen und fremd sind. Die Welt der reinen Liebe, die wirkliche Welt eben, erschließt sich dem Menschen nur da und dort, wo er liebt und dort, wo der Mensch liebt, ist er immer weise.

Liebe handelt unfehlbar weise, weil Liebe unfehlbar weise ist. Nichts ist weiser als zu lieben, denn wann warst Du jemals glücklich ohne Liebe? Liebe ist logisch und in ihrer Logik liegt ihre Weisheit. Liebe ist die einfachste jemals denkbare Form von Logik und das macht sie ebenso unfehlbar wie komplex. Sie ist das ›Amen des Universums‹ und das macht sie zur einzigen und ewigen Antwort auf jede Frage, die jemals gestellt werden kann: Nur die Liebe vermag dies zu vollbringen.

Menschen, die immer aus der Liebe heraus entscheiden und handeln, mögen weltfremd und verschroben wirken – und weiß Gott, sie sind es! (Anm. der Verfasserin: Scherzhaft gesagt und in ganz besonders sanfter Weise). Wer in einer solchen Lebensweise Risiko, Gefahr und Entsagung sieht, und das tun die meisten von Euch, der übersieht, dass der Mensch, der aus der Liebe heraus lebt, ein glücklicher Mensch ist. Bedingungslose Liebe, zum Selbst wie auch zum anderen, bringt Glück hervor, weil Liebe sich nie gegen das Glück entscheidet. Weil Liebe Glück ist, kann sie auch nichts anderes wollen.

Der Mensch ist es gewohnt, große Dinge im Komplizierten und Unerreichbaren zu suchen, weit entfernt von sich selbst und seinem eigenen persönlichen Leben. Doch wirklich große Dinge sind immer einfach und wer die Einfachheit darin nicht ehrt, hat die Größe nicht erkannt und verstanden. Wenn ein Mensch also in einer schwierigen oder sogar scheinbar ausweglosen Situation fragt, wozu die Liebe in ihrer Weisheit wohl raten würde, dann mag es geradezu albern einfach klingen, wenn wir sagen: Die Liebe liebt einfach weiter.

So wie die Weisheit der Liebe letzter Schluss ist, so ist auch die Liebe der Weisheit letzter Schluss.

Und so steht die Weisheit am Anfang wie auch am Ende der Liebe. Was kann am Anfang weiser sein, als sich für die Liebe zu entscheiden? Wenn dies getan ist, folgt die Weisheit der Liebe auf dem Fuße. Sie offenbart in jedem Augenblick für jedes Problem die rechte Lösung.

In der bedingungslosen Liebe liegt eine tiefe innere Gewissheit, eine unerschütterliche Selbstsicherheit, die nicht von dieser Welt ist. Jeder von Euch kennt dieses Gefühl tiefsten inneren Wissens das Richtige zu tun, ohne dass Ihr es mit weltlichen Gründen erklären könntet. Und so verlässt sich die wahre Liebe ganz einfach auf die ihr innewohnende Weisheit. Liebe weiß einfach, dass die Weisheit ihr den rechten Weg zur rechten Zeit aufzeigt.

Hierin liegt die geheimnisvolle Gelassenheit des Weisen, von der wir eingangs sprachen. Wer aus der Liebe heraus lebt, der ist wirklich und wahrhaftig ›von guten Mächten wunderbar geborgen‹ und er weiß und fühlt es. In dieser Liebe gibt es niemals Reue, Bedauern oder gar Schuldgefühl, denn die Weisheit weiß, dass jeder Fluch durch Liebe zum Segen führt, unfehlbar und ausnahmslos.

»Das deutlichste Anzeichen von

Weisheit ist anhaltende gute Laune.«

Michel de Montaigne

Unschuld

Meine liebe Freundin, mein lieber Freund, wohl kaum ein Prinzip ist in dieser Welt ein so heißes Eisen wie der Begriff der Unschuld. Nicht umsonst zieht sich dieses grundsätzliche Thema menschlicher Erfahrungsrealität wie ein roter Faden durch unsere gesamte bisherige Arbeit. Den grundsätzlich illusorischen Charakter der menschlichen Schuldfähigkeit wollen wir an dieser Stelle nicht erneut aufgreifen, vielmehr verweisen wir auf die jeweiligen Stellen in Band I Des Menschen Wunsch und Gottes Wille.

Unschuld ist, ganz allgemein gesprochen, göttlicher Urzustand aller Schöpfung und so, wie Gott die Dinge schuf, so sind sie in Ewigkeit. Liebe fragt immer nur nach sich selbst, Liebe begehrt nichts als sich selbst, Liebe will nichts als sich selbst, Liebe sucht nichts als sich selbst, Liebe bezweckt nichts als sich selbst, Liebe bewirkt nichts als sich selbst und Liebe erkennt nichts als sich selbst. Darin liegt ihre natürliche Unschuld. Wessen könnte sich Liebe also schuldig machen?

Der Mensch, der liebt, ist immer integer. Das in dieser Welt so vieles, was aus Liebe geschieht, dennoch am Ziel vorbeizuschießen scheint, liegt an der mangelnden Gesamtübersicht und dem fehlenden Verständnis für die Komplexität der ganzen Situation. Doch, wie wir im vorherigen Kapitel gesehen haben, zeigt und bahnt die Weisheit immer den richtigen Weg. Die Weisheit bahnt den rechten Weg, die Liebe geht ihn.

Da das Wort ›Unschuld‹ unter Euch Menschen meist schwer und schmerzlichst fehlbesetzt ist mit seinem Gegenteil, dem Konzept der Schuld, wollen wir hier, wenn wir von Unschuld reden, lieber das Wort ›Einklang‹ verwenden.

Liebe ist in vollkommenem Einklang mit Dir selbst, mit Gott und mit der ganzen Schöpfung. Mit anderen Worten: Liebe kann niemals anecken, Schmerz oder Zerstörung verursachen und dadurch Disharmonien auslösen.

Der liebende Mensch bewegt sich durch die Welt und sein Leben wie der perfekt spielende Musiker eines großen Orchesters, der bei einer wunderbaren, harmonischen Symphonie mitwirkt. Mehr noch, in Wirklichkeit ist er der Dirigent, denn wo die Liebe ist, da ist auch die Macht und die Macht liegt eben immer bei dem, der sie hat.

Liebe offenbart einerseits den Einklang des Menschen mit dem Menschen und schafft und erneuert ihn andererseits. Die Dinge zu offenbaren, bedeutet immer auch, sie zu bestätigen, zu bekräftigen und neu zu erschaffen. Das ist Evolution, das ist Erkenntnis! Liebe ist auch deshalb ein Synonym für Einklang, weil sie hochgradig konstruktiv ist. Liebe wirkt immer schaffend, weil sie die Schöpferkraft selbst ist. Liebe zerstört nie!

In zwischenmenschlichen Beziehungen tritt die aufbauende Kraft der Liebe am deutlichsten zutage. In jeder Liebesbeziehung, ganz gleich ob Partnerschaft, Vater- oder Mutterliebe, Geschwisterliebe oder freundschaftliche Bindung, wird der geliebte Mensch zur Selbstliebe angehalten und geführt. Die Mehrung der Selbstliebe bedeutet immer ein Höchstmaβ von Zunahme an beglückender Selbsterkenntnis und strahlender Persönlichkeitsentwicklung. Der Mensch, der wahrhaft geliebt wird, wird sehr viel mehr er selbst und bezeugt es in seinem Lebenswandel. Der geliebte Mensch wird regelrecht durch sein Leben getragen, sowohl durch die Selbstliebe als auch durch die Liebe des anderen.

Die verschiedenen Aspekte der Liebe bestätigen und potenzieren sich immer gegenseitig. Liebe darf alles! Sie darf alles, weil sie nichts will. Liebe ist vollkommenes Loslassen des anderen in seinem Sosein und deshalb sind die Taten der Liebe immer segensreich für jeden, den sie berühren.

»In jedem Menschen wohnt

eine eigene Unschuld.«

(Hugo von Hofmannsthal)

3. Teil
Die Beschaffenheit der Liebe

Fürsorge

Meine liebe Freundin, mein lieber Freund, das Tragen von Fürsorge ist ein fundamentales Bedürfnis jedes Menschen. Der Mensch, und damit sind ganz sicher nicht nur die Mütter dieser Welt gemeint, sehnt sich nach etwas oder jemandem, das oder den er umsorgen, hegen und pflegen will und kann.

Fürsorge ist sehr viel mehr als nur angenehmes Beiwerk des menschlichen Lebens, in der Fürsorge findet die Liebe des Menschen ihre ganze Erfüllung. Sie ist der praktische Nutzen der Liebe, denn hier kann sie sich Ausdruck verschaffen. In der Fürsorge erweckt sich die Liebe zum Leben, hier wird sie wirklich, praktisch, real und im wahrsten Sinne des Wortes ›genießbar‹, und zwar für den Gebenden wie auch für den Nehmenden. Es gehört zu den süßesten Wonnen menschlichen Daseins, Geliebte und Geliebtes umsorgen zu dürfen und zu können.

Fürsorge ist niemals Opfer. Wenn sie als Last empfunden wird, mangelt es mit Sicherheit an Fürsorge für sich selbst. Wie wir also sehen, kommen wir auch in diesem wie in jedem anderen Aspekt der Liebe nicht um die Selbstliebe herum. Wird Fürsorge als eine Bürde empfunden, geht es nicht um ein ungesundes Verhältnis zwischen dem Geben und Nehmen im zwischenmenschlichen Bereich, sondern vielmehr um ein Ungleichgewicht im Umgang mit der eigenen Persönlichkeit. Man kann einem anderen niemals zu viel geben. Fürsorge ist ein fundamentaler Eckstein gelebter Liebe, sie ist sozusagen ihr Gradmesser. Das Sichkümmern um den Erhalt dessen, was geliebt wird, entspringt dem tiefsten Wesenskern der Liebe selbst. Mehr noch als um den bloßen Erhalt geht es der Liebe um Wachstum, Entfaltung und Gedeihen dessen, was man liebt.

So wie die Liebe selbst in ewiger Ausdehnung begriffen ist, so will sie auch das immerwährende Wachstum für ihr Ziel. Alles, was der Liebe anvertraut ist, strebt nach steter Vermehrung und Erweiterung. So wie ein Kind, das in fürsorglicher Atmosphäre aufwachsend, ganz einfach und selbstverständlich seine Möglichkeiten auslotet, so leicht wächst es auch in seine Potenziale hinein.

Doch nicht nur beim Kinde ist dem so. Fürsorge bietet dem Menschen in jeder Lebensphase den Rahmen an emotionaler Geborgenheit, den er braucht, um zu seinem vollen Potenzial heranzureifen. Der Mensch, der sich geborgen fühlt in einem inneren Zuhause, kann sozusagen ›hinausgehen und seine Welt erobern‹. Derjenige, dem es an Fürsorge mangelt von sich selbst für sich selbst wie auch von seinesgleichen, ist wie ein Baum, dem die Bewurzelung fehlt, die er braucht, um seine Krone ausstrecken zu können. Wer jedoch Fürsorge kennt und erfahren hat, der wird sein Leben lang Sicherheit nur dort suchen, wo sie auch zu finden ist, in der Liebe.

Wie wir in Band II Um Gottes willen und um deinetwegen gesehen haben, suchen Menschen Sicherheit in den absurdesten Dingen. Am augenfälligsten ist wohl die Suche nach Halt und Sicherheit im Geld. Wer die Liebe wirklich kennt, wird diesen eklatanten und tragischen Denkfehler niemals machen und Geld mit Liebe verwechseln: Nur Liebe ist Liebe!

Wie wir wissen, bedeutet Liebe auch Loslassen. So kann wahre Fürsorge sich rühmen, den Menschen niemals zu überfordern, weder den Gebenden noch den Nehmenden.

Liebe lebt im ständigen Spannungsfeld zwischen Kommen und Gehen, Nehmen und Geben, Kümmern und Sichselbst-Überlassen. Wie der liebevolle Gärtner, der seinen Garten hegt und pflegt, ihn ansonsten sich selbst überlässt und sich am Wachsen und Werden erfreut, so umgibt die sanftmütige Fürsorge den geliebten Menschen wie mit einem weichen Mantel. Dem Menschen, der Fürsorge kennt, ist immer warm ums Herz.

Fürsorge macht den Menschen unabhängig, denn sie lehrt den sorgsamen Umgang mit sich selbst und das Vertrauen in die eigene Kraft.

Das A und O der Fürsorge ist nicht etwa eine Frage der Quantität – in der Liebe kann es niemals ein Zuviel geben –, sondern vielmehr eine Frage der Qualität. Wenn ›Fürsorge‹ Abhängigkeit, Enge und Furchtsamkeit hervorruft, dann ist sie keine. Da wahre und weise Fürsorge der Liebe entspringt, besudelt und belastet sie das Objekt ihres Strebens niemals mit Angst und Sorge, sondern stärkt vielmehr das Urvertrauen in das Leben schlechthin und den Glauben an die eigenen Fähigkeiten.

Wenn die Welt allgemein von ›Überbehütung‹ spricht, dann ist in der Tat genau das Gegenteil der Fall. Wo keine Freiheit, keine Selbstverantwortlichkeit und kein Gottvertrauen gelehrt und vermittelt werden, da ist grobe Vernachlässigung am Werk. Der Liebe ist nie zu viel getan. Wo dies so scheint, ist die Liebe nicht verstanden und mit Egoismus, Dominanz und Kontrollbedürfnis verwechselt worden. Mit alledem hat Liebe nicht das Geringste zu tun, denn solche irrigen Konzepte entstammen samt und sonders der Angst und dem Glauben an Schwäche, Schuld und Mangel. Fürsorge will niemals dominieren, sie will das Glück des anderen, das nur im Respekt seiner Freiheit entstehen kann.

»Beständige Aufmerksamkeit ist

das Ärmelhochkrempeln der Liebe.«

Regulus

Schutz

Mein lieber Freund, meine liebe Freundin, jeder Mensch kennt den starken Impuls, das zu beschützen und zu bewahren, was er liebt. Der sogenannte ›Beschützerinstinkt‹ ist dem Drang nach Fürsorglichkeit sehr nahe.

Liebe ist in ein Höchstmaβ gesteigertes Wohlwollen und will immer das Optimum für den Geliebten. Wie wir wissen, definiert sich die Liebe durch den absoluten Respekt des Soseins des anderen. Mit anderen Worten: Liebe nimmt den anderen nicht nur so, wie er ist, Liebe will ihn auch so. Da Liebe, wie gesagt, das Optimum für den anderen will, sucht sie immer, ihn vor Schaden zu bewahren.

Dieser ›Instinkt‹, dieser Wesenszug ist in der ganzen Schöpfung zu beobachten und ebenso kreatürlich und menschlich wie göttlich. Obwohl dieses Attribut, wie auch das der Fürsorge, vor allem der Mütterlichkeit zugeordnet wird, ist es doch ebenso sehr ein väterliches. Wie wir es bei der Fürsorge schon gesehen haben, so dient auch die Schutzfunktion sowohl der Lebenserhaltung als auch der Steigerung der Lebensqualität. Wenn wir im direkten Zusammenhang mit der Liebe von Schutz sprechen, dann kann Schutz nur definiert werden als der heftige und unwiderstehliche Drang, den anderen vor Verletzung zu bewahren.

Wer liebt, der zollt dem geliebten Wesen ganz selbstverständlich den Respekt seines Gesamtwesens in all seinen Facetten und damit auch seines freien Willens. Ebendiese Willensfreiheit impliziert, dass jeder Mensch die Möglichkeit wie auch die Freiheit besitzt, sich selbst in qualvolle Situationen zu bringen. Es gehört wohl mit zum Schwierigsten und Schmerzlichsten menschlicher Erfahrungsrealität, ›mit ansehen zu müssen‹, wenn ein von Herzen geliebter Mensch in misslicher Lage leidet. Da Verletzung und Not letztlich immer selbst verursacht sind – wir erinnern uns an Band I Des Menschen Wunsch und Gottes Wille –, kann Schutz immer nur Schutz vor Selbstverletzung bedeuten. Die Ermahnung zur Selbstliebe ist die höchste, weiseste und wirkungsvollste Form von Schutz, die Du einem anderen angedeihen lassen kannst.

Wie könntest Du einen anderen besser beschützen, als ihn stark zu machen im Glauben an sich selbst?

Die Ermahnung zur Selbstliebe ist das kompromissloseste, eindeutigste und umfassendste ›Ja‹, das ein Mensch einem anderen jemals anbieten kann. Schutz ist niemals partiell, also nie ausschließend. Der Aufruf zur Selbstliebe ist Liebe in ihrer höchsten und schönsten Ausprägung, denn er ist Angebot von Unabhängigkeit und Freiheit.

Wer beschützen will, fördert die Autonomie des anderen wie auch die eigene, denn Dein Selbstschutz ist der beste Schutz für all jene, die Du liebst. Wo keine Abhängigkeiten sind, sind auch keine Zwänge, keine Überforderung und keine Ausbeutung. Es kann gar nicht deutlich genug gesagt werden, wie sehr der Glaube an die Kraft des anderen und das Vertrauen in seine Stärke ungeahnte Kräfte und ungenutzte oder unerkannte Potenziale in ihm zum Vorschein bringen und mobilisieren kann. Nichts spornt einen Menschen mehr zu Höchstleistungen an als das Vertrauen, das ein anderer in ihn setzt. Der Mensch, an den geglaubt wird, kann an sich selbst glauben. Das ist aktiver Schutz und die Weisheit der Liebe weiß, an welchem Punkt sie handelnd eingreifen muss und wann nicht.

Wenn man beschützen will, muss man die Grenzen kennen, die eigenen wie auch die des anderen.

Liebe wertet nicht, Liebe liebt. Sie erkennt die Grenzen ebenso freudig an und heißt sie so herzlich willkommen wie die Potenziale und Fähigkeiten. In der Liebe verschwimmen die Grenzen zwischen den Grenzen und den Potenzialen und verwachsen ganz einfach miteinander zu der geliebten Gesamtpersönlichkeit. Der Mensch wird in seiner ganzen Individualität geliebt, in der alle Charakterzüge in des Menschen ganz persönlicher Eigenart harmonisch miteinander verschmelzen.

Und damit wären wir am Ende unserer Ausführungen zum Thema Schutz, denn hier, bei der bedingungslosen Liebe, schließt sich der Kreis. Die Liebe ist das Beste, das man einem Menschen und jeder Kreatur antun kann. Punktum. Die Liebe als solche bietet dem Geliebten völlig selbstverständlich Schutz, und zwar ganz und gar aus sich selbst heraus, durch ihr reines Sein. Der Mensch, der geliebt wird, lebt wie in einer Wolke aus Licht. Die Wirkungen dieser Liebe sind schier unbeschreiblich, sie wirkt ähnlich wie ein Blitzableiter und fügt die Dinge auf wundersame Weise. Wo Liebe ist, da geschehen immer Wunder. Wer die Liebe liebt und echte Begeisterung für sie aufbringt, dem erschließen sich diese Wunder auf ganz einfache Weise. Für die Liebe ist ein Wunder eine ganz natürliche Sache, ist sie doch selbst ein Wunder. Liebe, die Schöpferkraft schlechthin, ist sowohl die natürlichste als auch die wunderbarste Sache der Welt, im wahrsten Sinne der Worte. So Du dies wirklich verstehst, tun sich Dir neue Welten auf. Gott schütze Dich.

»In einem Augenblick gewährt die Liebe,

was Mühe kaum in langer Zeit erreicht.«

Johann Wolfgang von Goethe

Unterstützung

Mein lieber Freund, meine liebe Freundin, Unterstützung, Förderung und Ermutigung sind Liebesbezeugungen, die oftmals allzu leichtfertig hingenommen und in ihrer Bedeutung abgetan werden.

Förderung und Unterstützung erfordern konsequente Anteilnahme am Leben und Werdegang des anderen. Konsequenz in der Liebe bedeutet beständige Akzeptanz und ausnahmslosen Respekt des jeweiligen Standpunktes wie auch des Weges, den der andere zu gehen wählt. Unterstützung bedeutet nicht Bevormundung, denn dann ist sie keine.

Wie wir weiterhin sehen werden, ziehen sich der absolute Respekt vor dem Individuum und seinem freien Willen wie ein roter Leitfaden durch all unsere Worte. Man liebt den anderen, wie er ist, oder gar nicht. Wer einen Menschen wie bei einer Autopsie in ›geliebte‹ und ›unerwünschte‹ Eigenschaften seziert, der versucht, eine Persönlichkeit zu kreieren, die er nicht ist, und einen künstlichen Menschen zu erschaffen, den es so nicht gibt. Das aber ist keine Liebe, sondern Illusion, denn was der Mensch hier zu lieben glaubt, ist ein Phantom. Liebe kann und will nur das lieben, was da ist. Alles andere ist Hirngespinst und zerstörerisch für beide Seiten.

Liebe ist niemals Bevormundung, führt diese doch immer in Abhängigkeiten und somit in emotionale Gefangenschaft. Weise, liebevolle Unterstützung wirkt einem guten Therapeuten gleich, der seinen Patienten dahingehend führt, dass dieser die Antworten auf all seine Fragen selbst findet. Förderung stützt, was da ist, und ersetzt es nicht durch wesensfremde Inhalte. Eine konstruktive Unterstützung fördert und ermutigt schon allein dadurch, dass sie erst dann eingreift, wenn sie vonnöten ist und in irgendeiner Weise erbeten wird. Es ist dem Menschen zutiefst Bedürfnis, sich selbst ›auszuprobieren‹, seine Grenzen auszuloten und sich selbst durch seine persönlichen Erfahrungen zu definieren.

Die größte und stärkste Wirkung von Unterstützung liegt allein in der Gewissheit, dass sie da ist, wenn man sie braucht. Niemand braucht weniger Hilfe als derjenige, der sich ihrer sicher sein kann. Der Hochseilartist kann sowohl sichere als auch gewagte und neue Schritte vollführen, weil er um das Netz weiß. Was er ohne Netz kaum je gewagt hätte, jetzt schafft er es anmutigen Schrittes und leichten Herzens. Das Netz ›tut‹ nichts, es ist einfach nur da.

Liebe ist immer auch Loslassen. Förderung ist nur dann förderlich, wenn sie in die Richtung geht, in die sie gehen will. Liebe fordert den geliebten Menschen immer dazu auf, ganz und gar er selbst zu sein. Wo wir im anderen nur die Ausdehnung von uns selbst sehen, haben wir die Liebe nicht verstanden.

Wenn ein geliebtes Wesen Dich nicht mehr überraschen darf, dann ist es nicht länger geliebt.

Die Unterstützung und Ermutigung der anderen trägt immer auch die Komponente der Rückkoppelung an eigene, ungenutzte Potenziale in sich. Niemand kann eines anderen Ratgeber und Stütze sein, ohne es sich selbst zu sein, denn Lehren bedeutet immer auch Lernen. Wie wir schon oft sagten, geht Liebe immer in alle Richtungen gleichzeitig und so geht auch der unterstützende Helfer jedes Mal gestärkt aus der Situation hervor. Wer heute Dein Schüler ist, wird morgen Dein Lehrer sein und Dein Lehrer von heute, ist Dein Schüler von morgen. Was Du lehrst, das lernst Du und was Du lernst, das lehrst Du.

»Schenke mir keine Fische,

sondern zeige mir, wie man fischt.«

Altes indianisches Sprichwort

Herzlichkeit

Mein lieber Freund, meine liebe Freundin, wenn der Mensch erst einmal damit aufhört, etwas Nettes zu sagen, dann hat er meist auch damit aufgehört, etwas Nettes zu denken. Herzlichkeit ist mehr als freundliche Worte und höfliche, gute Manieren im Umgang miteinander.

Herzlichkeit ist die Pflege der Liebe. Sie ist bewusst gelebte Liebe, die in jedem Augenblick nach warmherzigem Ausdruck verlangt. Herzlichkeit ist die unverfälschte Kommunikation des Herzens. Keine andere menschliche Eigenart drückt sich so stark und eindeutig in der Mimik, der Gestik und der gesamten Körpersprache aus wie die Herzlichkeit.

Verbale Herzlichkeit spiegelt sich in Höflichkeit wider. Ehrliche Höflichkeit, die dem Respekt entstammt, ist eine echte Herzensangelegenheit. Wo Herzlichkeit und Höflichkeit im Gespräch und im Umgang schwinden, da ist auch keine Liebe. Höflichkeit ist die wohl eleganteste Form der Rücksichtnahme (Anm. der Verfasserin: Scherzhaft gesagt) und dazu noch eine sehr wirkungsvolle.

Wir reden hier nicht über altmodische Benimmregeln ohne echte Inhalte, die gerade wieder ›en vogue‹ sind. Wir reden über ganz konkret im Alltagsleben ausgedrückte Liebe. Herzlichkeit im aktiven Umgang miteinander entspringt echter Warmherzigkeit, ebenso wie Höflichkeit echtem Respekt entspringt. Deshalb sind beide, Herzlichkeit und Höflichkeit, unmöglich zu heucheln. Die Augen und die Ohren mag man bisweilen täuschen können, doch Herzlichkeit ist eine Sprache von Herz zu Herz und auf dieser Ebene der Erfahrung ist Vortäuschung falscher Tatsachen ewig unmöglich. Wenn wir von Herzlichkeit sprechen, dann kommen wir um den Humor nicht herum. Die Tatsache, dass Liebende ständig und wunderbar miteinander und zuweilen auch übereinander (Anm. der Verfasserin: Scherzhaft gesagt) lachen können, ist einer der höchsten Genüsse der Liebe und Quelle tagtäglichen Glücks.

Im Humor feiert sich die Liebe selbst. Herzlichkeit ohne Humor ist unmöglich.

Wie wir zu Beginn sagten, ist Herzlichkeit die Pflege der Liebe. Wenn ein Mensch die Herzlichkeit seinen Lieben gegenüber einbüßt, dann mangelt es ihm an Warmherzigkeit für sich selbst. Härte und Kälte sich selbst gegenüber bringen immer gleiche Entbehrungen für die Mitmenschen hervor. Im Übrigen ist es weise, sich selbst dieselbe Achtung und den gleichen Respekt entgegenzubringen, die man anderen zollt. Was Du nicht hast, kannst Du auch nicht verschenken.

Heitere, gelassene Herzlichkeit zwischen zwei Menschen ist schlussendlich eine Frage sowohl der Vertrautheit als auch des Vertrauens. Vertrauen ist das Unterpfand der Liebe, Vertrautheit ist ihr Lohn. So kann eine lebendige, rührige Liebe niemals ohne Herzlichkeit gedeihen. Sie ist der selbstverständliche, vorherrschende Grundtenor zwischen zwei Liebenden und Garant beständigen Glücks. Herzlichkeit und Höflichkeit öffnen Türen, Tore und vor allem Herzen.

Die Präsenz eines herzlichen Menschens ist immer ein starker Magnet und wirkt wie Balsam für die Seele. Es ist unmöglich, einen höflichen und herzlichen Menschen zu fürchten. Wie wir in unseren vorherigen Botschaften wiederholt betont haben, kann man einen Menschen unmöglich gleichzeitig lieben und fürchten.

Herzliche Menschen fördern das Grundvertrauen in die menschliche Natur und damit letztlich auch das Vertrauen in sich selbst. Sie verbreiten Zuversicht, die immer neue, frische Energien freisetzt, und sind daher eine echte Wohltat für ihre gesamte Umgebung.

»Der Verstand kann uns sagen,

was wir unterlassen sollen.

Aber das Herz kann uns sagen,

was wir tun müssen.«

Joseph Joubert

Freundschaft

Meine liebe Freundin, mein lieber Freund, Freundschaft ist eine Lebenserfahrung ganz besonderer Art. Wenn wir an Freundschaft denken, kommen uns Begriffe wie ›Beständigkeit‹ und ›Treue‹ in den Sinn. In keinem anderen Lebens- und Liebesbereich sucht der Mensch sich selbst so sehr wie in der Freundschaft und in keinem anderen Bereich hofft und erwartet er, sich selbst so sehr wiederzufinden wie in seinen freundschaftlichen Bindungen.

Nach der Eltern-Kind-Beziehung ist die Freundschaft in der Regel die früheste Erfahrung des noch jungen Menschen mit der Liebe. Dies macht sie prägend für sein ganzes weiteres Leben. Mehr noch als in der Partnerschaft erwarten wir Einigkeit im Geiste mit unseren Freunden, besonders in den gleichgeschlechtlichen Freundschaften. In jedem Liebesausdruck sucht der Mensch immer auch sich selbst, doch nirgendwo sonst erwartet er so viel Verständnis wie in seinen freundschaftlichen Beziehungen.

Die Freundschaft als solche ist getragen von ihren Gemeinschaftlichkeiten. Die vereinenden Wesensaspekte sind der Freundschaft Nahrung und tragen sie über trennende Unterschiede hinweg. In den menschlichen Freundschaften zeigen sich die wohltuenden Bande liebenden So-seinLassens häufig am deutlichsten. Wenn die freundschaftliche Liebe auch nicht allen und denselben Prämissen partnerschaftlicher Liebe folgt, so ist sie doch ebenso von einer ganz besonderen Komplexität. Eure freundschaftlichen Bindungen sind wie Orte der Erholung und des Ausruhens, denn hier gehen verstehendes Engagement und Loslassen Hand in Hand.

Oftmals sind Eure freundschaftlichen Beziehungen befriedigender als Eure partnerschaftlichen, denn es mag mitunter leichter fallen, an den Freund keine eigennützigen, übertriebenen oder unrealistischen Erwartungen oder gar Forderungen zu stellen als an den Partner. Hier könnt Ihr von Euren Freundschaften viel für Eure Partnerbeziehungen lernen. Wo bedingungslose Akzeptanz des Partners in seiner ganzen Individualität den Ton angibt, da ist der Liebespartner auch immer der beste und intimste Freund.

Liebe ohne Freundschaft ist Liebe ›auf Distanz‹ und somit gar keine, denn Liebe definiert sich durch Nähe und Einheit. Die Freundschaft ist sozusagen die Gastfreundschaft der Liebe, das herzliche, innige Willkommenheiβen des anderen, denn dem Freunde öffnet der Mensch sein Herz und seinen Geist.

Wahre Freundschaft kennzeichnet sich dadurch, dass die individuelle Persönlichkeitsentwicklung des anderen ohne Wenn und Aber begrüßt, begleitet, ja sogar angeregt wird. Der wahre Freund ›erkennt‹ den Freund in jeder Lebenslage. Übrigens sei an dieser Stelle gesagt, dass wohl jeder Mensch sich einen guten und treuen Freund wünscht und sucht, sich jedoch kaum jemand fragt, ob er denn auch einer sei. (Anm. der Verfasserin: Scherzhaft gesagt.) Wer einen Mangel an stabilen Freundschaften in seinem Leben zu beklagen hat, sollte sich die Frage stellen, ob er denn überhaupt zur Freundschaft bereit ist, denn Freundschaft erfordert Hingabe und kennzeichnet sich durch emotionalen Aufwand.

Einen treuen Freund zu haben, ist ein Segen, ein treuer Freund zu sein, ist Gnade.

Bevor Du nach Freundschaft in Deiner Außenwelt Ausschau hältst, solltest Du in Deinem Inneren nach ihr suchen. Freundschaft bringt Sicherheit, vor allem aber Geborgenheit und Wärme ins Leben. Wie ist es um Deine Freundschaft mit Dir selbst bestellt? Bist Du Dir selbst ein wahrer, verlässlicher und ehrlicher Freund? Die tiefste, innigste und wichtigste Freundschaft, die der Mensch haben kann, ist eine lebenslange Freundschaft mit sich selbst.

Erachtest Du Dich selbst Deiner eigenen Freundschaft wert? Und tust Du es nicht, wie kannst Du sie von anderen erwarten?

In dem Maße, in dem Du Dir selbst in Freundschaft treu ergeben bist, kannst Du es auch anderen sein. Die Freundschaft mit Dir selbst zieht die bewusste Erfahrung der Freundschaft mit Gott nach sich. Wer sich selbst ›für gut befunden‹ hat, fürchtet auch nicht länger seinen Schöpfer. Du kannst immer nur von Dir selbst auf Deinen Gott schließen, so wie Du ebenso nur von Deinem Gott auf Dich selbst schließen kannst. Wer mit Gott Freundschaft schließt – und einen besseren Freund kannst Du nicht haben –, der impliziert bald die ganze Schöpfung. So und nur so, schließt Du schließlich Freundschaft mit Deinem Leben und allem, was darin geschieht.

Freundschaft mit Deinem Leben und seinem Verlauf erschafft ein unerschütterliches Urvertrauen und lässt Dich zu einer tiefen Gelassenheit heranreifen. Hier herrscht der alles heilende Seelenfrieden, nach dem Du Dich aus tiefstem Herzen sehnst. Dein eigener Seelenfrieden ist das größte Geschenk, das Du dieser Welt und Dir selbst machen kannst. Was Segen für Dich ist, ist Segen für alle.

»Ein Freund ist ein Mensch,

vor dem man laut denken kann.«

Ralph Waldo Emerson

Loyalität

Mein lieber Freund, meine liebe Freundin, das Wörterbuch umschreibt den Begriff der Loyalität mit Worten wie Treue oder Rechtschaffenheit. Am besten trifft wohl der Begriff der Brüderlichkeit zu, denn Loyalität im zwischenmenschlichen Bereich kennzeichnet sich in weiten Teilen durch Ebenbürtigkeit.

Wenn sich bei dem Begriff Loyalität auch erst einmal der Gedanke an Beziehungen wie das Chef-AngestelltenVerhältnis aufdrängt, so steht wahre Loyalität doch auch hier ganz unter dem Stern der Ebenbürtigkeit. Loyalität ist nur innerhalb eines ausgewogenen Kräfteverhältnisses möglich, denn wo sie nicht von Herzen kommt, handelt es sich um Unterwürfigkeit. Die aber hat nichts zu tun mit ehrlich empfundener Loyalität.

Ein loyales Wesen setzt ein hohes Maß an menschlicher Reife voraus, denn es fußt auf tiefer Treue gegenüber den eigenen Werten, die sich nicht mit hohlen Lippenbekenntnissen zufriedengibt. Auf die Frage an unser Medium, was sie denn unter Loyalität verstehe, antwortete sie – ich zitiere wörtlich: »Loyalität ist, wenn ein Mensch mir niemals in den Rücken fällt, wenn er auch in schlechten Tagen nicht die Dinge gegen mich benutzt, die ich ihm in guten anvertraut habe. Das ist Loyalität!« Nun, was wäre dem noch hinzuzufügen?

Wie wir sehen, ist Loyalität sozusagen ›Treue, die über die Treue hinausgeht‹. Hier zeigt sich, warum Loyalität durchaus mit unpopulär gewordenen Worten wie Anstand oder Redlichkeit umschrieben werden kann. Wirkliche Loyalität, die auf Herzens- und Charakterbildung basiert, ist dem Wert als solchem verhaftet und fühlt sich ihm verpflichtet. Mit anderen Worten: Ein loyaler Mensch ist grundsätzlich loyal und nicht nur einem einzigen auserwählten Menschen gegenüber. Wenn sich Loyalität auf eine einzige Person beschränkt, hat sie meist weitaus mehr mit Manipulation zu tun als mit Herzensgröβe und Charakterstärke.

Ein loyaler Mensch steht ohne Wenn und Aber zu seinem Wort und dreht sein Fähnchen niemals nach dem Winde. Loyalität ist ein Anker in stürmischer See. Wo sie fehlt, da verliert sich die Liebe in der Grauzone von Unsicherheit und Verwirrung und schließlich in der Enttäuschung. Ein wahrhaft loyaler Mensch genießt das ihm entgegengebrachte Vertrauen ganz und gar zu Recht. Loyalität kann nur dort keimen und wachsen, wo der Mensch liebt und die Menschlichkeit des anderen wie auch die eigene vorbehaltlos akzeptiert. Ein ehemaliger Freund mag dir ein Fremder werden, doch wird er niemals ein Feind: Das ist Loyalität!

Es versteht sich von selbst, dass Loyalität bei der Treue sich selbst gegenüber anfängt und hier geübt wird. Loyalität ist weder zeit- noch situationsgebunden, dieser Umstand macht sie erst aus und zu dem, was sie ist. Wer in schlechten Zeiten nicht loyal ist, der ist es nie gewesen. Nur durch das uneingeschränkte ›Ja‹ zu Dir selbst kannst Du zum ›Ja‹ für den anderen finden.

Loyale Menschen erspüren sich gegenseitig und haben feine Antennen für die Ehre des anderen. Loyalität, die echter Liebe entspringt, weiß weise zu reden und noch weiser zu schweigen. Und genau hier, in ihrem Schweigen, liegt bisweilen eine gewisse Tragik: Der Mensch übersieht mitunter wahre Loyalität, weil er das Schweigen überhört.

»Man erwirbt keine Freunde,

man erkennt sie.«

Wilhelm Busch

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220 стр.
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9783964420046
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