Читать книгу: «Die Kunst des Loslassens»

Jhana Verlag im Buddha-Haus:
Inhalt
Vorwort
Lehrreden
Die erste und zweite meditative Vertiefung Teil 1
Die erste und zweite meditative Vertiefung Teil 2
Die dritte meditative Vertiefung
Die vierte meditative Vertiefung
Die fünfte meditative Vertiefung
Die sechste meditative Vertiefung
Die siebte meditative Vertiefung
Die achte und neunte meditative Vertiefung
Glossar
Vorwort
Das vorliegende Buch beruht auf Vorträgen, die Ayya Khema in einem vierwöchigen Meditationskurs im November 1994 gehalten hat. Für dieses Werk wurden die acht Vorträge ausgewählt und bearbeitet, die sich mit den acht meditativen Vertiefungen befassen. Insgesamt wurden in diesem Seminar 36 Kassetten aufgenommen, sodass die acht Vorträge einen Auszug aus dem gesamten Seminar darstellen. Diese Vorträge wurden deshalb ausgewählt, weil sie die ausführlichsten Erklärungen von Ayya Khema zu den meditativen Vertiefungen enthalten, denn in einem vierwöchigen Meditationskurs hatte sie viel Zeit, um diese fortgeschrittenen Inhalte ihren Schülern zu vermitteln. Wenn Ayya Khema auf Begriffe Bezug nimmt, die sie an anderer Stelle erklärt hat und die hier nicht vorkommen, so werden sie im Glossar erläutert. Die ersten vier, die feinkörperlichen, meditativen Vertiefungen basieren auf der kürzeren Lehrrede über das Gleichnis von der Elefantenspur, Mittlere Sammlung 27 (Jhana Verlag 2001), und die vier nicht-körperlichen meditativen Vertiefungen auf der kürzeren Lehrrede bei Gosinga, Mittlere Sammlung 31. Ayya Khema zitiert jeweils den Teil der Lehrrede, der die meditativen Vertiefungen zum Inhalt hat. Bei den einzelnen meditativen Vertiefungen werden die betreffenden Zitate jeweils zu Beginn der Erklärungen angeführt.
Dass der Jhana Verlag im Jahr des zehnten Todesjahres von Ayya Khema ein Buch von ihr zu den Vertiefungen herausbringt, hat zum einen den Grund, dass sie eine Meisterin der meditativen Vertiefungen war und ihr Lehrer, der Ehrwürdige Ñāṇarāma Mahāthera, sie damit beauftragte, diese verloren gegangene Kunst im Westen zu lehren. Zum anderen sind die Menschen im Westen immer mehr dazu bereit, diese Lehren auch über Bücher zu empfangen, und das Bedürfnis der Menschen danach wächst unaufhaltsam.
Es ist mir eine Freude und ich bin von großer Dankbarkeit erfüllt, diese wunderbaren und tiefgründigen Lehren von Ayya Khema zu bearbeiten und sie damit einem breiten Leserkreis zugänglich zu machen.
Mögen viele Menschen Glück und Segen damit erfahren!
Traudel Reiß
März 2007
Auszug Mittlere Sammlung 27
Die kürzere Lehrrede über das Gleichnis von der Elefantenspur
19. „Nachdem er so diese fünf Hindernisse überwunden hat, die Unvollkommenheiten des Herzens, die die Weisheit schwächen, tritt er ganz abgeschieden von Sinnesvergnügen, abgeschieden von unheilsamen Geisteszuständen, in die erste Vertiefung ein, die von anfänglicher und anhaltender Hinwendung des Geistes begleitet ist, und verweilt darin, mit Verzückung und Glückseligkeit, die aus der Abgeschiedenheit entstanden sind. Brahmane, dies nennt man einen Fußabdruck des Tathāgata, etwas, woran der Tathāgata gekratzt hat, etwas, das den Abdruck des Tathāgata trägt, aber ein edler Schüler kommt noch nicht zu dem Schluss: ,Der Erhabene ist vollständig erleuchtet, das Dhamma ist vom Erhabenen wohl verkündet, die Sangha praktiziert gut.‘“
20. „Wiederum tritt ein Bhikkhu mit der Stillung der anfänglichen und anhaltenden Hinwendung des Geistes (zum Meditationsobjekt) in die zweite Vertiefung ein, die innere Beruhigung und Einheit des Herzens ohne anfängliche und anhaltende Hinwendung des Geistes enthält, und verweilt darin, mit Verzückung und Glückseligkeit, die aus der Konzentration entstanden sind. Brahmane, auch dies nennt man einen Fußabdruck des Tathāgata, etwas, woran der Tathāgata gekratzt hat, etwas, das den Abdruck des Tathāgata trägt, aber ein edler Schüler kommt noch nicht zu dem Schluss: ,Der Erhabene ist vollständig erleuchtet, das Dhamma ist vom Erhabenen wohl verkündet, die Sangha praktiziert gut.‘“
21. „Wiederum tritt ein Bhikkhu mit dem Verblassen der Verzückung, in Gleichmut verweilend, achtsam und wissensklar, voll körperlich erlebter Glückseligkeit, in die dritte Vertiefung ein, von der die Edlen sagen: ,Glückselig verweilt derjenige, der voll Gleichmut und Achtsamkeit ist‘, und verweilt darin. Brahmane, auch dies nennt man einen Fußabdruck des Tathāgata, etwas, woran der Tathāgata gekratzt hat, etwas, das den Abdruck des Tathāgata trägt, aber ein edler Schüler kommt noch nicht zu dem Schluss: ,Der Erhabene ist vollständig erleuchtet, das Dhamma ist vom Erhabenen wohl verkündet, die Sangha praktiziert gut.‘“
22. „Wiederum tritt ein Bhikkhu mit dem Überwinden von Glück und Schmerz und dem schon früheren Verschwinden von Freude und Trauer, in die vierte Vertiefung ein, die auf Grund von Gleichmut Weder- Schmerzhaftes-noch-Angenehmes und Reinheit der Achtsamkeit in sich hat, und verweilt darin. Brahmane, auch dies nennt man einen Fußabdruck des Tathāgata, etwas, woran der Tathāgata gekratzt hat, etwas, das den Abdruck des Tathāgata trägt, aber ein edler Schüler kommt noch nicht zu dem Schluss: ,Der Erhabene ist vollständig erleuchtet, das Dhamma ist vom Erhabenen wohl verkündet, die Sangha praktiziert gut.‘“
Auszug Mittlere Sammlung 31
Die kürzere Lehrrede bei Gosinga
14. „Gut, gut, Anuruddha. Aber gibt es noch irgendeinen anderen übermenschlichen Zustand, Klarheit des Wissens und der Schauung, die der Edlen würdig ist, ein angenehmes Verweilen, das ihr erlangt habt, indem ihr jenes Verweilen übertraft, indem ihr jenes Verweilen zum Aufhören brachtet?“
„Warum nicht, ehrwürdiger Herr? Ehrwürdiger Herr, wann immer wir wollen, treten wir mit dem völligen Überwinden der Formwahrnehmung, mit dem Verschwinden der Wahrnehmung der Sinneseinwirkung, mit Nichtbeachtung der Vielheitswahrnehmung, indem wir uns vergegenwärtigen ,Raum ist unendlich‘, in das Gebiet der Raumunendlichkeit ein und verweilen darin. Ehrwürdiger Herr, dies ist ein übermenschlicher Zustand, Klarheit des Wissens und der Schauung, die der Edlen würdig ist, ein angenehmes Verweilen, welches wir erlangt haben, indem wir das vorhergehende Verweilen übertrafen, indem wir jenes Verweilen zum Aufhören brachten.“
15. „Gut, gut, Anuruddha. Aber gibt es noch irgendeinen anderen übermenschlichen Zustand, Klarheit des Wissens und der Schauung, die der Edlen würdig ist, ein angenehmes Verweilen, das ihr erlangt habt, indem ihr jenes Verweilen übertraft, indem ihr jenes Verweilen zum Aufhören brachtet?“
„Warum nicht, ehrwürdiger Herr? Ehrwürdiger Herr, wann immer wir wollen, treten wir mit dem völligen Überwinden des Gebiets der Raumunendlichkeit, indem wir uns vergegenwärtigen ,Bewusstsein ist unendlich‘, in das Gebiet der Bewusstseinsunendlichkeit ein und verweilen darin. Ehrwürdiger Herr, dies ist ein übermenschlicher Zustand, Klarheit des Wissens und der Schauung, die der Edlen würdig ist, ein angenehmes Verweilen, welches wir erlangt haben, indem wir das vorhergehende Verweilen übertrafen, indem wir jenes Verweilen zum Aufhören brachten.“
16. „Gut, gut, Anuruddha. Aber gibt es noch irgendeinen anderen übermenschlichen Zustand, Klarheit des Wissens und der Schauung, die der Edlen würdig ist, ein angenehmes Verweilen, das ihr erlangt habt, indem ihr jenes Verweilen übertraft, indem ihr jenes Verweilen zum Aufhören brachtet?“
„Warum nicht, ehrwürdiger Herr? Ehrwürdiger Herr, wann immer wir wollen, treten wir mit dem völligen Überwinden des Gebiets der Bewusstseinsunendlichkeit, indem wir uns vergegenwärtigen ,da ist nichts‘, in das Gebiet der Nichtsheit ein und verweilen darin. Ehrwürdiger Herr, dies ist ein übermenschlicher Zustand, Klarheit des Wissens und der Schauung, die der Edlen würdig ist, ein angenehmes Verweilen, welches wir erlangt haben, indem wir das vorhergehende Verweilen übertrafen, indem wir jenes Verweilen zum Aufhören brachten.“
17. „Gut, gut, Anuruddha. Aber gibt es noch irgendeinen anderen übermenschlichen Zustand, Klarheit des Wissens und der Schauung, die der Edlen würdig ist, ein angenehmes Verweilen, das ihr erlangt habt, indem ihr jenes Verweilen übertraft, indem ihr jenes Verweilen zum Aufhören brachtet?“
„Warum nicht, ehrwürdiger Herr? Ehrwürdiger Herr, wann immer wir wollen, treten wir mit dem völligen Überwinden des Gebiets der Nichtsheit in das Gebiet von Weder-Wahrnehmung-noch-Nichtwahrnehmung ein und verweilen darin. Ehrwürdiger Herr, dies ist ein übermenschlicher Zustand, Klarheit des Wissens und der Schauung, die der Edlen würdig ist, ein angenehmes Verweilen, welches wir erlangt haben, indem wir das vorhergehende Verweilen übertrafen, indem wir jenes Verweilen zum Aufhören brachten.“
18. „Gut, gut, Anuruddha. Aber gibt es noch irgendeinen anderen übermenschlichen Zustand, Klarheit des Wissens und der Schauung, die der Edlen würdig ist, ein angenehmes Verweilen, das ihr erlangt habt, indem ihr jenes Verweilen übertraft, indem ihr jenes Verweilen zum Aufhören brachtet?“
„Warum nicht, ehrwürdiger Herr? Ehrwürdiger Herr, wann immer wir wollen, treten wir mit dem völligen Überwinden des Gebiets von Weder-Wahrnehmung-noch- Nichtwahrnehmung in das Aufhören von Wahrnehmung und Gefühl ein und verweilen darin. Und unsere Triebe sind vernichtet durch unser Sehen mit Weisheit. Ehrwürdiger Herr, dies ist ein übermenschlicher Zustand, Klarheit des Wissens und der Schauung, die der Edlen würdig ist, ein angenehmes Verweilen, welches wir erlangt haben, indem wir das vorhergehende Verweilen übertrafen, indem wir jenes Verweilen zum Aufhören brachten. Und, ehrwürdiger Herr, wir sehen kein anderes angenehmes Verweilen, das höher oder erhabener als dieses ist.“
„Gut, gut, Anuruddha, es gibt kein anderes angenehmes Verweilen, das höher oder erhabener als dieses ist.“
Die erste und zweite meditative Vertiefung
Teil 1
Zu Beginn zitiere ich den ersten Abschnitt der Lehrrede über die meditativen Vertiefungen, bevor ich die Erklärungen dazu ausführe: „Nachdem er so diese fünf Hindernisse überwunden hat, die Unvollkommenheiten des Geistes, die die Weisheit schwächen, tritt er ganz abgeschieden von Sinnesvergnügen, abgeschieden von unheilsamen Geisteszuständen, in die erste meditative Vertiefung ein, die von anfänglicher und anhaltender Hinwendung des Geistes begleitet ist, und verweilt darin mit Verzückung und Glückseligkeit, die aus der Abgeschiedenheit entstanden sind. Brahmane, dies nennt man einen Fußabdruck des Tathāgata, etwas, woran der Tathāgata gekratzt hat, etwas, das den Abdruck des Tathāgata trägt, aber ein edler Schüler kommt noch nicht zu dem Schluss: ,Der Erhabene ist vollständig erleuchtet, das Dhamma ist vom Erhabenen wohl verkündet, die Sangha praktiziert gut.‘“
Die erste meditative Vertiefung ist also noch nicht das Ende des Weges. Der Weg zur Konzentration, den der Buddha lehrte, besteht in der Ansammlung von edler Tugend, das heißt, die Tugendregeln befolgen und genügsam sein in der Sinneskontrolle, in der Achtsamkeit, in der Wissensklarheit sowie in dem Aufgeben der fünf Hindernisse zur Zeit der Meditation, was bedeutet, nicht zu denken.
Bei den Hindernissen, die am Anfang dieses Absatzes erwähnt werden, sollten wir uns ins Gedächtnis rufen, dass sie unseren Geist schwächen. Je öfter wir sie zulassen, desto schwächer wird er. Die Schwäche besteht darin, dass der Geist weder klar sehen kann noch einspitzig ist. Vor allen Dingen fehlt die Läuterung, sodass ständig zu viel unnötiger Ballast im Geist herumschwirrt.
Der Begriff „abgeschieden“ wird immer im Zusammenhang mit der ersten meditativen Vertiefung verwendet. Weil jedoch manchmal der Zusatz „von Sinnesvergnügen“ oder „von unheilsamen Geisteszuständen“ fehlt, glauben Menschen, die das lesen oder auch hören, dass sie unbedingt woanders sein müssten, als sie sich gerade befinden. Natürlich ist es hilfreich, bei einem intensiven Meditationskurs die Fähigkeit der Konzentration in sich zu verankern, aber dies sollte dann auch zu Hause möglich sein. In einer äußerlich abgeschiedenen Situation können wir lernen, das in einem intensiven Meditationskurs Gelernte wieder aufzufrischen, sodass wir gestärkt werden. Jedoch müssen wir weder abgeschieden von unserer Familie noch von unserem Job sein; auch müssen wir nicht in den Wald gehen. Wir sollten jedoch in der Lage sein, die Sinnesvergnügen und die unheilsamen Geisteszustände auch dann loszulassen, wenn wir im Alltag zu Hause meditieren und das im Meditationskurs Gelernte und Geübte fortsetzen wollen, auch wenn es uns schwer fallen sollte.
Wir können die erste meditative Vertiefung von drei Aspekten aus betrachten: Zum einen ist es die praktische Seite, zum anderen das Gemütsbewegende und als Drittes kommt die Einsicht, die aus der meditativen Vertiefung entsteht. Der praktische Aspekt ist für diejenigen von Bedeutung, die die erste meditative Vertiefung noch nicht gemacht haben oder vielleicht gar nicht wissen, was sie ist. Dieser Aspekt wird in der Lehrrede beschrieben mit: „Die erste meditative Vertiefung, die von anfänglicher und anhaltender Hinwendung des Geistes begleitet ist“, was auf Pāli vitakka-vicāra heißt. Das bedeutet, dass wir uns zu Beginn der Meditation zum Meditationsobjekt hinwenden müssen. Wenn wir nicht konzentriert sind, so wiederholen wir ständig das Hinwenden zum Meditationsobjekt, entweder zum Atem oder zur Gehmeditation oder zur liebenden Güte oder zum Körper bei der Stück-für-Stück Methode. Dieses wiederholte Sichhinwenden zum Meditationsobjekt ist ein automatisches Gegenmittel gegen Lässigkeit und Trägheit des Geistes, das dritte unserer fünf Hindernisse. Natürlich können wir uns im Alltag nicht auf dieses Hilfsmittel in der Meditation verlassen. Denn wie oft und wie lange meditieren wir im Alltag? Auch in der Zeit außerhalb der Meditation müssen wir etwas gegen die Unlust und die Unzufriedenheit tun. Trotzdem haben wir hier für die Meditation ein ausgezeichnetes Hilfsmittel.
Auf die anfängliche Hinwendung folgt die anhaltende Hinwendung des Geistes, denn nur durch längere Konzentration können wir in die erste meditative Vertiefung gelangen. Die anhaltende Hinwendung ist das automatische Hilfsmittel gegen den Zweifel, das fünfte Hindernis. Kann sich der Geist dem Meditationsobjekt anhaltend zuwenden, dann sagt er ganz klar: „Schau, ich kann es ja doch!“ Damit endet zwar die Konzentration, aber wenn wir dies schon einmal gekonnt haben, dann können wir uns ja wieder konzentrieren. Der Geist gibt auch nur beim ersten Mal diese Kommentare ab. Auf jeden Fall hilft uns dieses Erleben sehr, den Zweifel an dem Pfad, an der Meditationsmethode oder an des Buddhas spirituellem Genie loszulassen. Erst wenn wir selbst in eine Mango gebissen haben, wissen wir fraglos, wie sie schmeckt. Bis dahin haben wir uns darauf verlassen müssen, was uns andere darüber erzählt haben. Das konnten wir entweder glauben oder auch nicht. Jedoch vermittelt das Hören davon nicht den Geschmack, dies kann nur das eigene Erleben tun.
Sobald der Zweifel kleiner wird, vergrößert sich das Vertrauen. Das wiederum führt dazu, dass sich Liebe und Hingabe vermehren, denn Vertrauen, Liebe und Hingabe gehen Hand in Hand. Je mehr Vertrauen und Hingabe vorhanden sind, desto leichter fällt uns die Meditation. Mit Liebe und Hingabe wird auch das ganze Leben bedeutend einfacher als mit Zweifelsucht. Zweifel bedeutet nichts glauben, sondern immer wieder irgendetwas finden wollen, das nicht ganz stimmt, was aber nicht dasselbe ist wie untersuchen. Die mit Zweifel behafteten Fragen beginnen meistens mit: „ja, aber“. Der Buddha hat empfohlen, weder zu glauben noch zu zweifeln, sondern selbst auszuprobieren. Dazu benötigen wir Vertrauen. Je weniger wir zweifeln, desto mehr können wir vertrauen und uns hingeben.
Bei der anhaltenden Hinwendung des Geistes kann in praktischer Hinsicht Folgendes gesagt werden: Wir beginnen die Meditation mit liebender Güte für uns selbst, sodass wir uns sicher und geborgen fühlen, wobei auch Dankbarkeit sehr hilfreich sein kann. Dazu können wir Dankbarkeit dafür empfinden, dass wir die Gelegenheit haben zu meditieren. Während der Meditation etikettieren wir jeden aufkommenden Gedanken, sodass diese immer wieder zerbrechen. Wir geben uns dem Atem hin und fühlen uns darüber beglückt, dass der Atem immer weiter existiert. Und wir lassen die Welt fallen. Dazu sage ich immer: Die Welt will in diesem Moment nichts von uns, wieso wollen wir etwas von ihr? Alles läuft wunderbar ohne uns weiter. Ist das nicht herrlich, wie alles so weiterläuft und wir müssen gar nicht dabei sein? Wieso müssen wir an irgendetwas denken, was mit der Welt zu tun hat? Es ist total unnötig, sich mit den Gedanken in die Welt hinein zu begeben, wenn wir meditieren wollen. All das sind praktische Hilfsmittel, die es dem Geist erleichtern, einmal länger beim Atem zu bleiben.
In der Lehrrede heißt es weiter: „Und verweilt darin mit Verzückung und Glückseligkeit, die aus der Abgeschiedenheit entstanden sind.“ Wie ich bereits erwähnt habe, ist es ein Trugschluss zu meinen, das Wort „Abgeschiedenheit“ bedeute, dass wir ganz woanders sein müssten. Im Gegenteil, denn, wenn ein Mensch die erste meditative Vertiefung schon längere Zeit praktiziert und sie ganz automatisch kann, dann kann er sie sogar unter allen Umständen erleben. Die Abgeschiedenheit bedeutet einzig und allein, dass wir uns von den Sinnesvergnügen und den unheilsamen Geisteszuständen für die Zeit der Meditation absondern. Daraus können wir entnehmen, dass die Meditation ein erstklassiges Läuterungsmittel darstellt, wenn sie länger anhält und wir sie immer wieder üben. Denn sie funktioniert nämlich nur, wenn wir die Sinnesvergnügen und die unheilsamen Geisteszustände zur Zeit der Meditation aufgeben. Wenn es sich nur um eine Sekunde handelt, dann haben wir eine Sekunde der Läuterung. Wenn es sich um eine Stunde handelt, dann haben wir natürlich viel mehr Läuterung.
Da diese Läuterung automatisch geschieht, steht kein Krampf dahinter, weder: „Ich muss“, noch: „Jetzt muss ich alles aufgeben“, noch: „Jetzt muss ich der Welt entsagen.“ Die Läuterung geschieht automatisch, wenn wir wirklich meditieren, das heißt die meditativen Vertiefungen erleben. Dieser Punkt der automatischen Läuterung in den meditativen Vertiefungen ist vielleicht der wichtigste, denn es ist kein reines Vergnügen, wenn wir uns immer wieder mit dem eigenen Hass und der eigenen Gier herumschlagen. Wenn wir die meditativen Vertiefungen immer wieder praktizieren und uns selbst genau beobachten, dann wird uns diese automatische Läuterung auch selbst nach einiger Zeit der Praxis klar. Und es wird uns bewusst, dass etwas geschehen ist, worüber wir uns freuen können. Je mehr wir uns freuen, desto mehr Vertrauen und Liebe zum Pfad empfinden wir und können nicht mehr davon abgebracht werden.
Das anhaltende Hinwenden zum Meditationsobjekt müssen wir so lange üben, bis der Atem entweder nicht mehr zu finden ist oder aber so fein wird, dass wir ihn kaum noch spüren. Das ist dann ein ganz deutliches Zeichen dafür, dass die Konzentration stark genug geworden ist, um nach innen zu gehen. In diesem Moment geschieht es häufig, dass das entzückende Empfinden der ersten meditativen Vertiefung spontan hochkommt. Möglicherweise haben wir uns aber auch schon so lange mit dem Atem abgegeben, dass wir dies immer weiterführen wollen, obwohl es gar nicht mehr nötig wäre in dem Moment. Stattdessen können wir dann absichtlich nach innen gehen und dort die Empfindungen wahrnehmen. Dieses In-sich-hinein-Gehen könnten wir damit vergleichen, dass wir uns in die Mitte unseres Körpers begeben.
Das Empfinden, das dabei hochkommt, hat viele verschiedene Ausdrucksmöglichkeiten sowie Stärken: Es kann schwach, mittelmäßig oder stark sein; es kann überwältigend oder ansatzmäßig sein, wie ausgeprägt auch immer die Konzentration ist. Am häufigsten kommen die folgenden Wahrnehmungen vor: Leichtigkeit des Körpers, die Körpergrenzen lösen sich auf, innere Wärme, die sich ausbreitet, ein Kribbeln, Rieseln, ein Gefühl, als ob wir uns erheben. Manchmal fühlt es sich so an, als ob uns die Körperhaare zu Berge stehen. Auf jeden Fall ist die Empfindung entzückend, denn sonst handelt es sich um etwas anderes und ist somit kein geeignetes Meditationsobjekt. Im Allgemeinen müssen wir zu diesem Erleben keine Fragen stellen, denn wir spüren selbst, ob es entzückend ist.
Die entzückende Empfindung wird in dieser Lehrrede mit Verzückung bezeichnet. Das Wort „Verzückung“ ist zwar eine korrekte Übersetzung, aber dennoch nicht ganz bezeichnend, weil Verzückung eher ein emotionales Gefühl ist, wir jedoch in dem Moment noch mit dem körperlichen Empfinden beschäftigt sind. Wir richten die Achtsamkeit einzig und allein auf diese körperliche Empfindung. Sollten wir die entzückende Empfindung nur an einer kleinen Stelle spüren, was manchmal vorkommen kann, so müssen wir uns damit beschäftigen, die Empfindung langsam, sanft und liebevoll Schritt für Schritt über uns auszubreiten, sodass sie sich dann eines Tages über den ganzen Körper verbreitet und zu spüren ist.
Diesen ersten Schritt nenne ich „über die Schwelle treten“. Dabei lassen wir jegliche Methode los und erfahren ein erstes Erleben des inneren Seins. Dieses Erleben des inneren Seins muss natürlich weiterhin geübt werden, ehe es weitergeht und sich in den weiteren meditativen Vertiefungen fortpflanzt. Dies ist sozusagen die Eintrittshalle. Beim ersten Mal sagt der Geist vielleicht: „Was war denn das? Das ist aber nett, das möchte ich wiederhaben.“ Damit ist das Erleben beendet, und wir müssen von vorne beginnen. Das heißt, dass jeder Gedanke die meditative Vertiefung beendet. Jedoch ist die erste meditative Vertiefung noch nicht so tief, dass wir keinen Gedanken mehr haben könnten, aber wir sollten diese so schnell wie möglich loslassen und immer wieder zu der Empfindung zurückkehren.
Wenn wir dies öfter geübt haben und auch schon weiter als bis zur ersten meditativen Vertiefung gekommen sind, dann können wir das ohne Weiteres immer wieder erleben. Sobald der Geist abschweift, können wir sofort zu der entzückenden Empfindung zurückkehren. Sollte uns dies nicht gelingen, dann beginnen wir von Neuem mit dem Atem. Vielleicht fällt es uns auch leichter, mit der Liebenden-Güte-Meditation dorthin zu kommen. Welchen Weg wir wählen, ist unwichtig, denn es sind alles nur Methoden, was der Buddha wohl als Einziger so benannt hat.
Jede Methode bezweckt entweder Ruhe oder Einsicht, weiter nichts. In der ersten meditativen Vertiefung erleben wir den Anfang der Ruhe. Die Methode ist sozusagen der Schlüssel, den wir in das Schlüsselloch stecken, um die Tür aufzuschließen und über die Schwelle zu treten. Dann finden wir in uns etwas, von dem wir – wenn wir es noch nie gemacht haben – gar nicht wussten, dass es in uns existiert. Weshalb weiß die Menschheit im Ganzen nicht, dass das existiert? Das ist ein interessantes Phänomen und je mehr Bücher ich über religiöse Pfade lese, desto mehr wird mir bewusst, dass dieser Weg verschüttet worden ist. Dabei lese ich nicht nur buddhistische Bücher, sondern auch die von anderen Religionen. Dieser Weg ist in allen Religionen vorhanden und ist fast überall verloren gegangen. Ich vermute, dass der Grund dafür darin liegt, dass es den Menschen zu mühsam vorkam. Manche Menschen kommen sehr schnell in die meditativen Vertiefungen. Sehr oft erinnern sich diejenigen, die das sehr schnell können, an Kindheitserlebnisse, wo sie das erlebt haben, ohne natürlich zu wissen, was das war. Dann haben sie es jedoch wieder verloren, weil die Welt auf sie einstürmte.
Dies ist der Pfad des Geistes, und Meditation ist die Wissenschaft des Geistes mit ihrer eigenen Terminologie. Wir alle können die Anweisungen nachvollziehen, wenn wir gewillt sind, uns der Sache hinzugeben, wie wir das bei jeder anderen Wissenschaft auch tun. Die Meditation ist erklärbar, wiederholbar, und jeder menschliche Geist, der fähig ist, sich zu konzentrieren, kann diesen Weg gehen. Dazu gehört auf der gemütsbetonten Ebene, also auf der zweiten, dass viele Menschen unterschwellig einen Weg suchen, der sie heraushebt aus dem, was ich immer die Marktplatzmentalität nenne. Dort stürmt die Dualität auf uns ein, und wir geraten immer wieder in Versuchung, in dieser Dualität uns selbst, das Ich, zu finden. Denn das ist natürlich in der Dualität, in dieser Relativität, in der wir leben, vorhanden. Suchende Menschen gibt es heutzutage mehr als noch in der jüngeren Vergangenheit.
Die meditative Vertiefung ist der Weg des menschlichen Geistes, und er wurde von vielen christlichen Mystikern im Mittelalter praktiziert, die jedoch andere Worte als der Buddha dafür verwendet haben, aber es handelt sich um genau dasselbe. Interessanterweise erleben es auch Menschen zufällig, aber dann wissen sie natürlich nicht, was das war. Sie suchen einen Zugang dazu, weil dieser ihnen nicht bewusst war, denn es ist ja zufällig gekommen. Wir müssen nicht auf einen Zufall warten, denn es ist keine Glückssache, sondern es ist die Fähigkeit zur Konzentration, weiter nichts. Es beginnt damit, dass wir unsere Achtsamkeit auf den Atem oder auf liebende Güte lenken und dann weitermachen.
Dem Erleben dieses Entzückens müssen auf der praktischen Ebene drei Dinge folgen, was für alle meditativen Vertiefungen und sogar für jegliche Meditation gilt. Noch bevor die Zeit der Meditation abgelaufen ist oder aber sobald wir die Konzentration verloren haben, rekapitulieren wir, wie wir dahin gekommen sind, bevor wir nach der Meditation die Augen öffnen. Diesen Punkt untersuchen wir besonders dann, wenn wir denken, dass die Meditation besser war als sonst. Dazu können wir uns folgende Fragen stellen: Haben wir vor oder während der Meditation irgendetwas anders gemacht als sonst? Haben wir länger Liebende-Güte-Meditation für uns selbst gemacht? Waren wir vor der Meditation achtsamer als sonst? Haben wir bei der Meditation anders gesessen? Oder haben wir etwas anderes gegessen? Wir erinnern uns so gut wie möglich an jedes Hilfsmittel, das der Meditation vorangegangen ist, sodass sie keine Glückssache ist, sondern ein bewusster Weg dorthin, den wir immer wieder einschlagen können. Eines Tages ist der Weg so klar, dass wir das Rekapitulieren nicht mehr benötigen. Aber zu Beginn ist es sehr hilfreich, besonders wenn es uns noch schwerfällt, die meditative Vertiefung zu erleben.
Als Zweites stellen wir fest: Auch das ist vergänglich. Haben wir dieses Entzücken erlebt, so ist es unumgänglich nötig zu sehen, wie auch das auseinanderfällt. Meistens freuen wir uns darüber, dass unsere Knieschmerzen oder die Rückenschmerzen oder der Ärger vergänglich sind. Dass jedoch das Angenehme genauso vergänglich ist, müssen wir uns erst vor Augen halten und nicht einfach oberflächlich sagen: „Ich weiß schon, auch das ist vergänglich; ich kann es ja wieder machen.“ Darum geht es nicht. Wir können zwar etwas Ähnliches wiederholen, aber nie wieder dasselbe. Was wir zu der Zeit der konzentrierten Meditation erlebt haben, wie kurz oder lang es immer gewesen sein mag, ist zu Ende. Das sollten wir in einer solchen Tiefe erkennen, dass uns die Vergänglichkeit in Fleisch und Blut übergeht und sie überhaupt keine Frage mehr darstellt. Dann wissen und erleben wir auf einer tiefen Ebene, dass alles, was wir berühren oder womit wir uns beschäftigen oder was überhaupt existiert, immerzu vergeht. Alles fließt. Hier bei den meditativen Vertiefungen ist es wichtig zu erkennen, wie auch diese wegfließen.
Als Drittes fragen wir uns: Was lernen wir aus diesem Erlebnis? Der Geist ist geneigt zu sagen: „Das war schön! Das ist ja besser, als den Atem zu beachten. Das werde ich gleich wieder machen.“ Das ist jedoch kein Lernschritt, sondern Begierde, die wir als solches erkennen sollten. Wenn wir uns nämlich auf irgendeiner Ebene auf Begierde einlassen, auch wenn wir glauben, sie sei noch so spirituell, so bleibt es immer noch Begierde, die neue Begierden ermöglicht und hervorruft. Hier werden immer wieder Fehler gemacht, vor allen Dingen wenn wir glauben, dass spirituelle Begierden berechtigt seien und nicht schaden. Aber Begierde ist Begierde, egal, ob sie spirituell oder weltlich ist.
Bei dem dritten Schritt handelt es sich um die Einsichtsebene, die von größter Wichtigkeit ist. Der Einsichtsschritt geschieht im Prinzip automatisch, denn ein Geist, der öfter die meditative Vertiefung erlebt, will wissen, was das bedeutet, und will erkennen. Ein Geist, der sich schon konzentrieren kann, hat bereits Einspitzigkeit in sich gefördert, und ein einspitziger Geist kann etwas durchdringen. Das ist wie bei einem Werkzeug, dessen Spitze wir schärfen, damit es besser funktionieren kann.
Zunächst erkennen wir durch die Konzentration, dass wir ein ganz anderes Körpergefühl in uns tragen als das Körpergefühl, das wir sonst spüren. Das neue Körpergefühl ist vollkommen unabhängig von Krankheit oder Schmerzen, es hängt lediglich von der Konzentration des Geistes ab. Dieses entzückende Gefühl, das wir in uns tragen, zeigt uns auch, dass wir schon bei der ersten meditativen Vertiefung eine neue Ebene berühren, die ganz anders ist als die weltliche Ebene, bei der wir unseren Körper im Allgemeinen mit seiner Schwere, mit seinen Schwierigkeiten, mit seinen Fähigkeiten und auch mit seinen Unfähigkeiten erleben. In der ersten meditativen Vertiefung erleben wir bereits ein anderes Bewusstsein und damit auch einen anderen Körper, der zwar genauso aussieht wie immer, aber das Körpergefühl hat sich stark verändert. Das ist ein eindringlicher Beweis dafür, dass das Bewusstsein alles ist, worauf es ankommt. Dieses Erleben überträgt sich dann auf den Körper, sodass sich dieser ganz anders anfühlt.
In der ersten meditativen Vertiefung kann sich das äußerst entzückende Gefühl auch als Ausdehnung bemerkbar machen, das heißt, dass die Körperbegrenzung nicht mehr deutlich zu spüren ist. In diesem Fall gibt es keinen Bereich mehr, von dem wir sagen könnten: „Das bin ich“, sondern wir spüren eine gewisse Auflösung. Dieses Gefühl unterscheidet sich stark von unserem alltäglichen Körpergefühl. Dabei entsteht dann die Einsicht, dass wir etwas in uns tragen, das unabhängig von jedem Berührungskontakt ist und einzig und allein von unserer Konzentration abhängt. Im Allgemeinen sind angenehme Körpergefühle abhängig von angenehmen Berührungskontakten. Diese Unabhängigkeit von Berührungskontakten ist auch ein erster Schritt in die Freiheit von der Abhängigkeit von äußeren Dingen. In dem Fall der meditativen Vertiefung sind wir nur abhängig von unserer eigenen Konzentration, und je mehr wir sie üben, desto leichter fällt sie uns mit der Zeit.
Das Wissen, dass wir nur auf uns selbst angewiesen sind, gibt uns auch schon ein Gefühl dafür, dass wir uns auf dem Weg in die Freiheit befinden. Der Buddha hat versprochen, dass wir zur vollen Freiheit von allem Leid, zur vollen Freiheit von jeglicher Abhängigkeit, zur vollen Freiheit von allen Wünschen, zur vollen Freiheit von allem, was uns bedrückt, gelangen, wenn wir diesen Weg bis zu Ende gehen. Daraus können wir schließen, dass schon die Einsichten aus der ersten meditativen Vertiefung bedeutsam sind. Deshalb sollten wir niemals die Meditation beenden, ohne uns über diese Einsichten klar zu werden. Aber es ist nicht sinnvoll, sie nur im Geist zu wiederholen, sondern wir müssen sie wirklich erleben. Wir müssen den Geschmack der Mango selbst kennen lernen, damit wir spüren, wie sie schmeckt.
An dieser Stelle können wir noch einmal auf die Bedürfnisebene des Gemüts zurückkommen, die ich bereits angesprochen habe, dass wir nämlich eine Sehnsucht in uns tragen. Jeder Meditierende trägt eine Sehnsucht in sich nach etwas Höherem, ob ausgesprochen oder unausgesprochen, ob erkannt oder nicht. Häufig wird sie die Sehnsucht nach der Gottesbegegnung genannt, aber das sind nur Worte. Diese Sehnsucht soll uns aus der Marktplatzebene herausheben auf eine Ebene, in der wir nicht nur sehr angenehme Empfindungen haben, sondern auch uns selbst ganz anders spüren. Diese Sehnsucht wird durch die meditativen Vertiefungen gestillt. Wir empfinden uns selbst als ganz anders als sonst im Alltag. Dieses Anderssein beantwortet die Sehnsucht nach dem Höheren. Auch wenn in der ersten meditativen Vertiefung die höheren Ideale noch nicht angesprochen werden, so ist es dennoch der Auftakt zu dem Wissen, dass es in uns vorhanden ist. Dadurch entsteht die Glückseligkeit, eine Begleiterscheinung der ersten meditativen Vertiefung. Die Verzückung oder das Entzücken heißt auf Pāli pīti und die Glückseligkeit sukha. Wir haben vier notwendige Schritte, um dahin zu gelangen: das anfängliche Hinwenden, das fortwährende oder anhaltende Hinwenden des Geistes, dann kommt das Entzücken, das von der Glückseligkeit begleitet wird.
In der ersten meditativen Vertiefung ist das entzückende Empfinden unser Meditationsobjekt und die Glückseligkeit eine emotionale Begleiterscheinung, die erst in der zweiten meditativen Vertiefung angesprochen wird. Aber sie ist in der ersten meditativen Vertiefung bereits deutlich spürbar. Daher wissen wir, dass das Entzücken keine reine Körperlichkeit ist, denn angenehme körperliche Empfindungen sind vollkommen vergänglich, wohingegen die entzückende Empfindung zusammen mit der Glückseligkeit so lange bleibt, wie wir uns konzentrieren können. Können wir uns gut konzentrieren, dann können wir beispielsweise zwei Stunden da verbleiben. Können wir uns weniger gut konzentrieren, dann bleiben wir etwa zwei Minuten dabei. Um den Weg der Meditation zu gehen, ist es jedoch nicht nötig, zwei Stunden in der ersten meditativen Vertiefung zu bleiben. Aber wenn wir die Konzentration gelernt und gefestigt haben, so haben wir die Sicherheit, dass hier etwas anderes als in der Welt geschieht und wir auf dem Weg sind, unseren Geist anderen Bewusstseinsebenen zuzuwenden. Die Glückseligkeit, die da hochkommt und die wir dann in der zweiten meditativen Vertiefung als Meditationsobjekt verwenden, ist ein anderes Gefühl als die Freude oder das Vergnügen, das wir in der Welt erleben.
Dazu ist auch noch zu sagen, dass die ersten vier meditativen Vertiefungen die feinkörperlichen Vertiefungen heißen, weil sie auf einer feineren Ebene das wiederholen, was wir im Alltag kennen: Wir kennen entzückende Empfindungen und ebenso das Gefühl des Glücklichseins. Hier wird aber eine ganz andere Ebene als die alltägliche angesprochen und auch die Unabhängigkeit. Diese beiden Punkte sind die Hauptsache.
Die Glückseligkeit wird oft damit verglichen, eine innere Süße zu empfinden, was sich natürlich ganz reizend anfühlt. In der zweiten meditativen Vertiefung gibt es auch noch eine andere Verbindung, nämlich ein Gefühl der weit ausgedehnten Liebe, die sich jedoch nicht auf eine Person bezieht. Genau das wird in der Liebenden-Güte-Meditation angesprochen. Es fühlt sich so an, als ob wir die Welt mit ihren Menschen und allen Wesen tatsächlich umarmen könnten. Wenn uns das in der Meditation durch starke Konzentration möglich ist, dann ist es natürlich ein ganz wichtiges Erleben.
Um von der ersten meditativen Vertiefung in die zweite zu gelangen, müssen wir das entzückende Empfinden in den Hintergrund der Achtsamkeit ziehen lassen und die Glückseligkeit, die zu der Zeit spürbar ist, in den Vordergrund bringen. Manchmal erleben wir sie stärker, manchmal schwächer, was einzig und allein von unserer Konzentration abhängt. Das Gefühl der Liebe in der zweiten meditativen Vertiefung, das dabei entstehen kann aber nicht muss, kann sich auf verschiedene Weisen ausdrücken: Wir können dieses Gefühl als Süße spüren, als sprudelnde Freude, als sehr ruhige Freude, als ein inneres Sich-der-Freude-Hingeben oder auch als allumfassende Liebe.
Bei dem allumfassenden Liebesgefühl ist die eindringliche Einsicht möglich, dass es uns tatsächlich gelingen kann, unpersönlich und bedingungslos zu lieben. Unpersönliche Liebe ist eine Herzensqualität, es muss nicht jemand vorhanden sein, der liebenswert ist. Das Ausdehnen des Liebesgefühls ist ein äußerst wichtiger Moment, denn dadurch erlernen wir, dass ein liebendes Herz unbegrenzt lieben kann. Diese Grenzenlosigkeit spricht natürlich unser Gemüt stark an. Diesen Eindruck verlieren wir auch nicht mehr.
Selbstverständlich ist es ganz klar, dass diese Zustände in der Meditation, die ich zu beschreiben versuche, in einer gewissen Stärke vorhanden sind, aber sie müssen einen Niederschlag im täglichen Leben haben. Das geschieht bei der zweiten meditativen Vertiefung sogar automatisch. Daher wissen wir, dass diese Meditation uns und auch anderen zum Heil gereicht. Dieser Punkt wird häufig vergessen oder falsch verstanden. Entweder wird geglaubt, dass die eigene Methode besser sei als eine andere oder dass wir auf dem Kissen sitzen und vollkommen selbstsüchtig nur für uns meditieren. Äußerlich sitzt natürlich jeder auf seinem eigenen Kissen und meditiert für sich. Nur so können wir die Meditation auch erlernen, aber der Niederschlag, der daraus erwächst, ist weltbedeutend. Doch das wird immer wieder vergessen oder falsch verstanden. Ein Mensch, der in der zweiten meditativen Vertiefung eine allumfassende, unbegrenzte Liebe erlebt, wird das nicht vergessen können. Er wird sich bemühen, das auch immer wieder bei jeder Gelegenheit im täglichen Leben hochzubringen. Davon profitiert natürlich jeder, der mit diesem Menschen in Berührung kommt.
Bei dem Erleben der meditativen Vertiefungen ist noch ein weiterer Punkt von großer Bedeutung, der das universelle Bewusstsein betrifft. Wenn wir zum Beispiel Ärger, Ablehnung, Zorn, Neid, Eifersucht, Furcht und so weiter in uns fühlen, so fließt und strahlt das sozusagen aus uns heraus in das universelle Bewusstsein. Wenn Liebe aus uns herausströmt, so wird das universelle Bewusstsein mit mehr Liebe gefüllt ist und die Menschen um uns herum spüren eine Wärme oder fühlen sich vielleicht etwas besser, nachdem sie mit uns zusammen waren. Das bedeutet, dass es unmöglich ist, nur für sich alleine zu meditieren, was trotzdem sehr oft erwähnt wird. Jeder, der schon die beiden ersten meditativen Vertiefungen erlebt hat, kann diesen Niederschlag auch selbst bestätigen.
Auch die innere Freude der zweiten meditativen Vertiefung, die vielleicht nicht dieses Liebesgefühl in sich trägt, bleibt natürlich unvergesslich. Wer täglich meditiert, erlebt es ja jeden Tag wieder. Wenn ein Mensch die innere Glückseligkeit in der Meditation erlebt hat, dann wird er bestimmt nicht so sehr negativ wie Menschen, die das noch nicht erlebt haben. Wir könnten sogar annehmen, dass solch ein Mensch die Negativitäten in sich schon zu einem großen Teil vermindert hat, obwohl es dafür natürlich keinen genauen Maßstab gibt. Wenn wir uns jedoch jeden Tag frühmorgens vor den Alltagsaktivitäten in die Glückseligkeit der zweiten meditativen Vertiefung begeben, so wird der Tag damit durchdrungen, weil unser Bewusstsein damit angefüllt ist. Es fällt uns alles viel leichter, und die Umwelt profitiert davon.
Auch das entzückende Empfinden aus der ersten meditativen Vertiefung ist bereits ein solches Erlebnis mit einem Niederschlag im täglichen Leben, weil es ja auch mit Glückseligkeit verbunden ist. Es betrifft nicht nur die körperliche Ebene, obwohl es das Körpergefühl vollkommen verändert, denn es schließt die Glückseligkeit mit ein. Das entzückende Empfinden erleichtert uns das tägliche Leben enorm, besonders die unangenehmen Konfrontationen, auf die wir dann weniger negativ reagieren. Wir fühlen uns nicht nur beschützt von der eigenen Fähigkeit der Konzentration, sondern wir wissen auch, dass wir zwar im Alltag Verantwortung tragen und Verpflichtungen haben, dass aber in uns noch etwas anderes existiert. Dieses Wissen darum lässt die Dinge des Alltags nicht mehr ganz so wichtig erscheinen, denn sie haben sich auf eine andere Ebene verlagert. Sie kommen zwar immer wieder vor, woran überhaupt nicht zu rütteln ist, auch müssen sie immer wieder bearbeitet werden, aber sie liegen auf einer anderen Ebene. Sie befinden sich nämlich auf der Ebene des Marktplatzes, an der wir uns nicht beteiligen müssen. Die Marktplatzebene bedeutet, dass wir nur das Angenehme haben und das Unangenehme so schnell wie möglich loswerden wollen. Auf dieser Ebene herrschen ewige Unruhe und die Angst, ob wir das Gewünschte auch bekommen und dann behalten können. Dort kann kein Glück entstehen, weil wir unterschwellig wissen, dass wir nichts behalten können.
Der Durchbruch zur ersten meditativen Vertiefung bereitet vielen Menschen Schwierigkeiten, weil der Geist noch nicht ganz genau weiß, wohin er soll. Wer jedoch die erste meditative Vertiefung erlebt hat, kann ohne Weiteres weitergehen zur zweiten und dritten, und kann mit der Einsicht am Ende, dass diese meditative Vertiefung flüchtig und vergänglich ist, die Bedeutungslosigkeit der Marktplatzebene durchschauen. Auch wenn wir gewinnen oder gelobt werden oder Ruhm erlangen, so fragen wir uns, wie lange das andauert und wie viel innere Sicherheit und inneren Frieden es uns bereitet. Es ist anzunehmen, dass wir unseren inneren Frieden verlieren, wenn wir berühmt werden. Wir kennen den weltlichen Weg ganz genau, denn wir haben ihn alle schon ausprobiert. Natürlich engagieren wir uns in unserem Alltag, denn sonst gibt es keine Achtsamkeit. Hier wird immer wieder derselbe Fehler gemacht, den ich schon öfter angesprochen habe. Wir meinen nämlich, dass, weil es in den meditativen Vertiefungen so schön ist, alles andere nichts mehr bedeutet, aber das ist Unsinn. Sobald wir denken, dass irgendetwas nichts wert sei, sind wir negativ.
Es gibt verschiedene Ebenen des Lebens: Auf der weltlichen Ebene engagieren wir uns, und wir sollten dort genauso achtsam sein wie bei der Meditation. Wir sollten uns da genauso hingeben und genauso lieben wie in der Meditation. Auf der anderen Ebene verlagern wir unser Bewusstsein, sodass uns die erste Ebene nicht mehr ganz so wichtig erscheint und wir daher nicht mehr so negativ darauf reagieren, wenn etwas nicht so funktioniert, wie wir es uns vorgestellt haben. Wir alle haben Vorstellungen und Ideen davon, wie die Dinge sein sollten, und diese sind interessanterweise höchst individuell. Es ist sehr schwer, jemanden zu finden, der genau dieselben Vorstellungen hat wie wir selbst. Wenn jemand ähnliche Vorstellungen hat wie wir selbst, dann ist dieser Mensch unser Freund. Hat er aber andere Vorstellungen, dann ist er vielleicht nicht unser Feind, aber jedenfalls uninteressant. Vielleicht betrachten wir diesen Menschen sogar als dumm, weil er andere Vorstellungen hat. Aber so zu denken, wäre dumm, nicht wahr? Wir alle haben individuelle Vorstellungen davon, wie die Dinge sein sollten. Das Interessante daran ist jedoch, dass es sich meistens anders verhält. Wir haben uns das alles selbst ausgedacht, und wir haben in Gedanken viele Bände eines Märchenbuches geschrieben, die nicht die Möglichkeit zur Verwirklichung haben. Je länger wir uns damit abgeben, desto mehr verlieren wir natürlich den Zugang zur Wirklichkeit.
Durch das Verlagern der Bewusstseinsebene kennen wir also bis hierher zwei Ebenen: die Ebene des Alltags, der Welt und des Marktplatzes, die wir schon immer gekannt haben, aber nun sozusagen aus der Vogelperspektive kennen lernen. Ohne überheblich zu sein, können wir auf die Alltagsebene herunterschauen und sagen: „Ach ja, so läuft das ja immer ab“, und: „Ich will mein Bestes geben“, und: „Das ist nicht alles, was es gibt, sondern es gibt auch noch etwas anderes.“ Sehr häufig sagt der Geist dann auch noch: „Ich habe es ja immer geahnt, dass es noch etwas anderes gibt.“ Möglicherweise meint er sogar: „Ich habe es ja immer gewusst und nicht nur geahnt.“
Auf jeden Fall sind die meditativen Vertiefungen unsere Fähigkeit und Möglichkeit, einmal zu erkennen, welch enormes Potenzial uns Menschen innewohnt. Wir müssen uns nicht ständig mit weltlichen Dingen abgeben, sondern können diese aus einer anderen Sicht betrachten, bei der diese Dinge einfach notwendig sind, um am Leben zu bleiben. Dann geben wir uns genauso hin wie immer, aber der Alltag läuft einfach ab und verändert sich ständig. Mit diesem uns innewohnenden Potenzial macht unser Bewusstsein sozusagen einen Sprung und verändert sich vollkommen. Dieser Sprung ist natürlich nicht wörtlich zu nehmen, aber es findet eine wirkliche Veränderung statt. Wenn wir die meditativen Vertiefungen oft wiederholen, werden sie selbstverständlich, und wir sind vielleicht auch gar nicht mehr dankbar dafür. Deshalb ist es gut, sich immer wieder daran zu erinnern, für das Erleben der meditativen Vertiefungen dankbar zu sein. Mein Lehrer, der Ehrwürdige Ñāṇarāma Mahāthera, hat immer gesagt, dass die meditativen Vertiefungen eine verloren gegangene Kunst seien. Deshalb hat er mich gebeten, sie wiederzuerwecken und den Menschen im Westen beizubringen. Das Interessante daran ist, dass sehr viele Menschen, die zu meinen Kursen kommen, sie auch können, was für mich höchst erstaunlich ist. Ich habe nämlich gedacht, dass dies nur wenige Menschen könnten, aber das ist gar nicht der Fall. Der menschliche Geist will und kann dahin. Und jeder Mensch, der die meditativen Vertiefungen kann und immer wieder übt, verändert sich.
Die Tür, von der ich immer spreche, in deren Schlüsselloch wir den Schlüssel stecken müssen, ist verschüttet von unseren Wünschen und Hoffnungen in der Welt, von unseren Anhaftungen, von unseren Begierden, von unseren Reaktionen und von unseren Ablehnungen. Deshalb ist es die verloren gegangene Kunst. Von all diesen Begierden und Ablehnungen wird die Tür verdeckt, und dennoch haben wir eine Ahnung, dass da doch noch irgendetwas sein muss, was wir schon einmal irgendwie gefühlt haben. Das Wegräumen des Unrates, was natürlich immer wieder geschehen muss, damit wir in die meditative Vertiefung kommen können, ist dann eines Tages so weit gediehen, dass entweder nur noch wenig Unrat vorhanden ist oder wir ihn überhaupt nicht mehr anhäufen, weil wir ja immer wieder in die meditativen Vertiefungen gehen. Jeder Mensch, der regelmäßig die meditativen Vertiefungen erlebt, verändert sich innerlich vollkommen und wird ein ganz anderer Mensch.
Deshalb heißt es auch in der Lehrrede: „abgeschieden von Sinnesvergnügen und unheilsamen Geisteszuständen.“ Wenn wir uns Sinnesvergnügen hingeben, schwächen wir den Geist. Gerade wenn wir die Meditation erlernen, sie verbessern und festigen wollen, sollten wir vorsichtig mit den Sinnesvergnügen umgehen. Das bedeutet nicht, dass wir unsere schöpferische Kraft nicht verwenden, im Gegenteil, denn auch die meditativen Vertiefungen benötigen schöpferische Kraft. Ich habe schon oft festgestellt, dass Menschen, die schöpferisch tätig sind, leichter hineinkommen, wobei das Schöpferische nichts Bestimmtes sein muss. Es kann geistig sein, auf dem Gebiet der Worte, auf dem Gebiet der Bilder oder auch in anderen Bereichen. Diese Menschen haben sehr häufig einen einfacheren Zugang. Auch Menschen, die sich bei ihrer Arbeit sehr konzentrieren müssen, tun sich sehr häufig leichter damit, in die meditativen Vertiefungen zu kommen. Interessanterweise habe ich festgestellt, was wir vielleicht nicht erwartet hätten, dass Computerprogrammierer sehr häufig leicht hineinkommen, denn sie müssen sich sehr konzentrieren bei ihrer Tätigkeit. Hier kann die Technik sogar eine Hilfe darstellen.
Die erste und zweite meditative Vertiefung
Teil 2
Zuerst lese ich wieder vor, was in dieser Lehrrede über die zweite meditative Vertiefung steht, über die wir bereits gesprochen haben, über die es aber noch mehr zu sagen gibt: „Wiederum tritt ein Mensch mit der Stillung der anfänglichen und anhaltenden Hinwendung des Geistes (zum Meditationsobjekt) in die zweite meditative Vertiefung ein, die Selbstvertrauen und Einspitzigkeit des Geistes ohne anfängliche und anhaltende Hinwendung des Geistes enthält, und verweilt darin, mit Verzückung und Glückseligkeit, die aus der Konzentration entstanden sind. Brahmane, auch dies nennt man einen Fußabdruck des Tathāgata, etwas, woran der Tathāgata gekratzt hat, etwas, das den Abdruck des Tathāgata trägt, aber ein edler Schüler kommt noch nicht zu dem Schluss: ,Der Erhabene ist vollständig erleuchtet, das Dhamma ist vom Erhabenen wohl verkündet, die Sangha praktiziert gut.‘“
Bei der zweiten meditativen Vertiefung benötigen wir weder die anfängliche noch die anhaltende Hinwendung des Geistes, denn zu dieser Zeit ist der Geist bereits konzentriert. Wir befinden uns dann also schon im Fluss der meditativen Vertiefungen. Mit dem anfänglichen Hinwenden gelangen wir in die erste meditative Vertiefung, und mit dem anhaltenden Hinwenden können wir darin verweilen. Hier sollte es so sein, dass der Geist nicht mehr herausfällt, was jedoch in der Praxis nicht geschieht, denn er fällt ja heraus. Auch wenn wir darin noch nicht sehr geübt sind, so genügt es im Allgemeinen doch, dass wir uns wieder auf die Glückseligkeit konzentrieren und so gleich wieder die meditative Vertiefung erleben können. Sollte das nicht möglich sein, müssen wir noch einmal mit der anfänglichen und anhaltenden Hinwendung des Geistes beginnen. Das Meditationsobjekt, dem sich der Geist zuwendet, um in die meditative Vertiefung zu kommen, ist nicht ausschlaggebend, denn es ist nur der Schlüssel beziehungsweise die Methode.
Hier wird erwähnt, dass die zweite meditative Vertiefung die Einspitzigkeit des Geistes enthält. In jeder Meditation, sei sie auch noch so unkonzentriert, sind der erste, zweite und fünfte Faktor der Meditation vorhanden, es sei denn, dass wir nur dasitzen und die ganze Zeit denken. Die ersten beiden Faktoren, das anfängliche und das anhaltende Hinwenden zum Meditationsobjekt, sind ausnahmslos immer nötig bei jeder Meditation. Das gilt nicht nur für die meditativen Vertiefungen, sondern auch für die momentane Konzentration auf den Atem. Um in die meditative Vertiefung zu gelangen, muss die anhaltende Hinwendung intensiviert werden.
Wie ich bereits erklärt habe, dienen sowohl die anfängliche als auch die anhaltende Hinwendung als automatische Gegenmittel gegen unsere Hindernisse. Die anfängliche Hinwendung arbeitet gegen die Lässigkeit und Trägheit des Geistes, die anhaltende Hinwendung gegen den skeptischen Zweifel oder die Zweifelsucht. Dem können wir vielleicht entnehmen, dass der Weg der buddhistischen Meditation nicht darin besteht, die Gedanken einfach kommen und gehen zu lassen, denn das wird immer wieder falsch verstanden. Es ist nicht unangenehm, und wir kennen es, weil wir es ständig machen. Wir lassen die Gedanken kommen und gehen. Wir können sie gar nicht festhalten, weil es uns unmöglich ist. Immerzu sind wir damit beschäftigt, was bedeutet, dass wir darin schon sehr geübt sind. Deshalb müssen wir dieses ständige Denken nicht neu erlernen. Stattdessen jedoch die anfängliche und anhaltende Hinwendung des Geistes, wozu wir uns etwas bemühen müssen. Dies sind die ersten beiden Faktoren der zweiten meditativen Vertiefung und jeglicher Meditation.
Jetzt folgt noch der fünfte Faktor – die Einspitzigkeit. Auch sie betrifft jede Meditation, ist aber bei den meditativen Vertiefungen noch stärker ausgeprägt. Die Einspitzigkeit des Geistes bedeutet, dass wir auf einem Punkt bleiben, was wir erlernen müssen, weil es nicht so einfach ist. Wenn wir in der Meditation auf dem Punkt des Atems oder auf dem Punkt der Bewegung des Fußes bleiben, dann ist Einspitzigkeit vorhanden, solange kein Gedanke hochkommt. In dem Moment, da ein Gedanke dazwischen kommt, geht die Einspitzigkeit verloren. Dann haben wir nicht nur Zweispitzigkeit, sondern wahrscheinlich Fünf-, Sechs-, Sieben-, Acht-, Neun- oder sogar Zehnspitzigkeit. Ich kann gar nicht genug betonen, wie äußerst wichtig die Einspitzigkeit für die Meditation ist.
Es ist interessant, dass das, was ich aus dieser Lehrrede über die meditativen Vertiefungen vorlese, bereits alles ist, was der Buddha darüber gesagt hat. In den Kommentaren, die nicht vom Buddha stammen, werden sie ausführlicher erklärt. Ich habe schon öfter darüber nachgedacht, wieso der Buddha nur so wenig zu den meditativen Vertiefungen erklärt hat. Daraufhin bin ich zu der Annahme gekommen, dass die meditativen Vertiefungen zur Zeit des Buddha nicht eine verloren gegangene Kunst waren, sondern überall praktiziert wurden. Deshalb musste er nur wenig darüber sagen, um seine Zuhörer darauf aufmerksam zu machen, sie zu praktizieren. Weiterhin nehme ich an, dass vielleicht zu seiner Zeit das spirituelle und religiöse Leben einen viel größeren Raum in der Gedankenwelt der damaligen Menschen einnahm, als es heute der Fall ist. Von daher hatte auch die Meditation eine viel größere Verbreitung als heute.
Die Einspitzigkeit des Geistes als fünfter Faktor in den meditativen Vertiefungen sowie als Teil jeglicher Meditation bedeutet, dass wir in der Lage sind, den Geist zu schärfen. Das ist sehr wichtig, denn nur mit einem geschärften Geist können wir zu wahrer Einsicht gelangen. Auch hierbei müssen wir uns daran erinnern, dass die Meditationspraxis des Samādhi (der achte Schritt beim Edlen Achtfachen Pfad) nur ein Mittel zu dem Zweck ist, Einsicht zu erlangen. Das Mittel besteht also darin, den Geist so dirigieren zu können, dass wir von ihm nicht gestört werden, dass er uns gehorcht und sich so benimmt, um eines Tages ganz in die Tiefe gehen zu können.
Die Ruhemeditation (Samādhi) ist ein unumgänglich nötiges Mittel auf dem spirituellen Weg. Dazu müssen wir nicht alle acht meditativen Vertiefungen können, aber die meditative Vertiefung, die wir können, sollten wir perfektionieren. Das bedeutet, dass wir hineingehen können, wann wir wollen, so lange drin bleiben können, wie wir wollen, herauskommen können, wann immer wir wollen, und danach genau wissen, wo wir gewesen sind. Beherrschen wir die jeweilige meditative Vertiefung auf die so beschriebene Weise, so sind wir Meister der Jhānas. Weiterhin hat der Buddha gesagt, was auch in den Kommentaren beschrieben ist, dass wir von jeder meditativen Vertiefung in jede andere gehen können, wenn wir Meister der Jhānas sind. Das heißt, dass wir nicht eine nach der anderen praktizieren mit eins, zwei, drei, vier, sondern wir springen dann von eins zu acht, von sieben zu fünf, von drei zu zwei, wie wir gerade wollen. Das zu können, erachte ich als nicht allzu wichtig, sondern erwähne es nur, weil der Buddha davon gesprochen hat. Für uns ist es wichtig, eine meditative Vertiefung so lange zu üben und uns so damit bekannt zu machen, dass sie ein Teil von uns selbst wird. Das bedeutet, die meditativen Vertiefungen so entwickelt zu haben, dass sie uns sehr nützlich sind.
Einspitzigkeit, die bei den meditativen Vertiefungen hinzukommt, bedeutet, wie das Wort im Deutschen sehr gut ausdrückt, „anspitzen“. Das können wir mit einem Bleistift vergleichen: Mit einem vollkommen stumpfen Bleistift können wir nicht sehr viel anfangen, außer vielleicht ein paar Striche zu ziehen, wohingegen wir mit einem gut angespitzten Bleistift sehr feine Linien ziehen können. Der Buddha hat den Vergleich mit einer Axt gewählt: Mit einer stumpfen Axt können wir nur mit Schwierigkeiten und unter großer Anstrengung Holz spalten. Jedoch mit einer geschärften Axt, die eine ganz scharfe Klinge hat, können wir durch das Holz hindurch, als wäre es Butter. Genauso geschärft ist der einspitzige Geist, den wir trainiert haben. Mit den meditativen Vertiefungen trainieren wir den Geist so, dass er wirklich auf einem Punkt bleiben kann.
Ein solcher Geist kann die Illusionen durchbrechen, die uns umhüllen. Manchmal wird diese Illusion als Schleier bezeichnet. Mir kommt es eher so vor, als sei diese Illusion eine Zementwand. Für einen Schleier benötigen wir ein nicht ganz so scharfes Instrument, denn wir können ihn leicht durchdringen. Jedoch brauchen wir für das Durchdringen einer Zement- oder einer Ziegelwand schon ein scharfes Instrument. Interessanterweise kann unser Geist mit der nötigen Pflege und Entwicklung ein solches Instrument werden. Wenn wir unseren Geist so schärfen und entwickeln, dann ist es möglich, dass dieses Instrument, das uns allen zugänglich ist, die ganzen Ideen, Erklärungen und auch die Gefühle durchdringen kann.
Wenn wir morgens früh aufstehen, dann wissen wir ganz genau, dass wir derjenige sind, der sich erhebt. Weder muss uns das jemand sagen, noch brauchen wir uns das selbst vorzusagen, denn es ist selbstverständlich. Deshalb nehmen wir es so an und kümmern uns nicht weiter darum. Es ist interessant, sich beispielsweise einmal zum Essen hinzusetzen und zu fragen: „Wer sitzt jetzt hier?“, und sehen, was als Antwort hochkommt. Dasselbe können wir im Badezimmer oder auf der Toilette tun. Was immer als Antwort kommt, ist weder falsch noch richtig, sondern es ist das, was bis jetzt der Inhalt des Geistes ist. Wenn wir nun die Bücher über die Buddhalehre gelesen oder genug davon gehört haben, dann ist es dennoch sinnlos zu sagen: „Ja, ja, ich weiß schon, da ist keiner. Es geht gar keiner auf die Toilette.“ Es wird immer wieder der Fehler gemacht zu sagen: „Ich weiß es ja schon.“ Aber was nutzt uns das? Vor allem dann, wenn wir von diesem Meditationskurs nach Hause zurückkommen und uns mit unserem Partner zanken.
Wir sollten tatsächlich einmal hinspüren, wenn wir uns fragen: „Wer geht da?“ Oder: „Wer isst da?“ Oder: „Wer steht morgens früh auf?“ Denn dann wissen wir sicher, dass diese Illusion nicht nur ein Gedanke ist, sondern ein so eingefleischter Gedanke, der schon so lange in uns herrscht, dass er zu einem Gefühl geworden ist. Wir haben ein absolut sicheres Gefühl, wer da rumspaziert, und brauchen nichts dazu zu sagen. Daher ist diese Untersuchung ein wichtiger Punkt, damit wir erst einmal dahin kommen zu sagen: „Ja, so ist es bei mir.“ Daran gibt es nichts zu tadeln, denn das ist die Ebene der relativen Wirklichkeit, in der wir leben. Sie ist nicht falsch, sondern relativ. Der Buddha hat sie nicht falsche Wirklichkeit genannt, da das absurd ist. Denn etwas Falsches kann nicht wirklich sein, sondern sie ist relativ. Relativ zu allen anderen sitzt jeder alleine da, und jeder isst, jeder wacht auf, und jeder geht schlafen. Aber auf der absoluten Ebene sieht es anders aus. Und um das zu erleben, brauchen wir einen einspitzigen Geist.
Auf Pāli heißt Meditation Bhāvanā, was Geistes-Training bedeutet. Genau das tun wir: Wir trainieren unseren Geist. Wenn wir unseren Geist trainieren, so könnten wir uns natürlich vornehmen, ihn so zu trainieren, dass er eines Tages gar nicht mehr daran denkt, unglücklich zu werden. Wozu sollte es denn gut sein, unglücklich zu werden? Das ist doch absurd! Wenn er genug trainiert ist, dann wird er einfach nicht mehr unglücklich. Allein daraus können wir schon entnehmen, dass nur ein trainierter Geist Glück und Frieden bereiten kann. Ein untrainierter Geist saust dahin und dorthin, wo immer es ihm gerade Spaß macht, und verliert sich in allen möglichen Dingen.
Natürlich dürfen wir nun auf keinen Fall glauben, dass wir unseren Geist auf die Schnelle trainieren könnten, weil wir es gerne wollen oder weil wir glauben, es sei eine gute Idee. Denn dazu müssen wir uns schon bemühen. Den Geist zu trainieren, ist nichts Besonderes oder Ausgefallenes, und jeder kann es. Im Allgemeinen denkt die Menschheit einfach nicht daran. Training hat weder mit Hass noch mit Gier noch mit Sinnesbefriedigung oder mit Daseinsdrang zu tun, und deshalb wird es einfach nicht beachtet. Als Meditierende haben wir jedoch keine Wahl: Wenn wir meditieren wollen, dann müssen wir unseren Geist trainieren, denn sonst gibt es keine Meditation. Je einspitziger unser Geist wird, desto klarer erkennen wir die Dinge, die uns belasten, bedrücken, und warum sie das tun.
An dieser Stelle möchte ich noch etwas einflechten, was hilfreich sein könnte. Wenn wir in der Meditation immer wieder von ein und denselben Gedanken gestört werden, dann kann es sein, dass es sehr schwierig ist, diese Gedanken loszulassen, weil es sich um ein sehr tief liegendes Problem handelt. Damit meine ich nicht die verschiedenen Gedanken, die in der Welt herumschwirren, denn diese müssen wir nur etikettieren und können sie dann fallenlassen. Diese wiederkehrenden Gedanken jedoch sind tief im eigenen Geist und den eigenen Emotionen verankert. Dann ist es hilfreich, wenn wir dieses Problem befragen: „Warum kommt das bei mir hoch?“ Oder: „Warum stört mich das andauernd?“ Oder: „Was bedeutet es, dass das immerzu bei mir hochkommt?“ Die Antwort auf die Frage, warum dies bei uns hochkommt, könnte lauten: „Weil ich mich darüber sehr geärgert habe.“ Oder: „Weil ich das schon als Kind nicht leiden konnte.“ Wenn wir uns darüber geärgert haben, dann fragen wir uns weiter: „Wieso habe ich mich so sehr geärgert?“ Als nächste Antwort erhalten wir vielleicht: „Ich habe mich so sehr geärgert, weil mich das ja verkleinert.“ Oder: „Das ist eine Art und Weise, mich zu konfrontieren, bei der ich ein schlechtes Ich-Gefühl bekomme.“ Das ist bereits eine sehr tiefe Einsicht. Daraufhin können wir weiterfragen: „Na und? Was mache ich mit diesem Ich- Gefühl? Muss das immer gut sein?“ Die tiefste Ebene der Antwort ist bei jedem Problem die Ich-Illusion. Aber es ist nicht sinnvoll, sich damit zufrieden zu geben, sondern wir sollten bei diesem Frage- und Antwort-Spiel auf jede unserer Fragen eine Antwort erhalten.
Hier habe ich nur Vorschläge gemacht, denn bei jedem Menschen können die Antworten anders ausfallen. Mit meinen Vorschlägen gebe ich lediglich eine Vorstellung davon, wie wir vorgehen könnten, sodass jede Antwort wieder eine neue Frage ergibt. Das ist aber nur zu empfehlen, wenn uns bei der Meditation immer wieder dieselben Gedanken stören. Wenn sich der Geist nur mit der Welt beschäftigen will, dann ist das nicht nötig, denn das bedeutet einfach, dass der Geist noch nicht so einspitzig ist, wie wir ihn vielleicht gerne hätten.
Auch hier sollten wir Vorsicht walten lassen. Wenn wir denken: „Ich möchte gerne einspitzig sein“, oder: „Ich möchte gern die meditative Vertiefung erleben, aber ich habe sie nicht“, so bringt uns das nur Dukkha, denn alles, was wir gerne wollen, bringt Dukkha. Es wäre doch närrisch, sich durch die Meditation noch mehr Dukkha zu verschaffen, wir haben sowieso schon genug. Statt an die Resultate zu denken, sollten wir uns hinsetzen und machen. Das Tun ist das Einzige, das irgendetwas bringt, und alles andere sind lediglich Ideen, die sowieso verloren gehen, wenn sie nicht ausgeführt werden. Anstatt sich zu tadeln oder für unfähig zu halten, setzen wir uns hin und machen und passen auf, was geschieht.
Wir bemühen uns immer wieder mit der anfänglichen und anhaltenden Hinwendung des Geistes. Wenn die anhaltende Hinwendung des Geistes zum Meditationsobjekt lange genug andauert, dann geht der Geist automatisch in die erste meditative Vertiefung. Er kann gar nicht woanders hin. Wohin sollte er denn sonst gehen? Natürlich könnte er, wenn der Atem sehr fein geworden ist, ganz schnell einen tiefen Atemzug nehmen und sich dann wieder auf den Atem konzentrieren, was auch häufig geschieht. Ich erwähne es deshalb, um es nicht zu tun, sondern stattdessen nach innen zu gehen.
Die Einspitzigkeit des Geistes bedeutet, dass wir den Geist zu einem wertvolleren Instrument gemacht haben, sobald wir ihn geschärft haben. Im gesamten Universum gibt es nichts Wertvolleres als den Geist, denn alles ist vom Geist abhängig. Als Beispiel erwähne ich immer, dass zwar die Raumschiffe zum Mond geflogen sind, aber das war nur das Resultat. Der Geist musste sie vorher bauen, und die Idee musste realisiert werden, was uns sogar in unserem technischen Zeitalter beeindruckt hat. Die ganze Menschheit hat dieses wertvolle Instrument, aber es ist uns im Allgemeinen nicht bewusst, wie wertvoll der Geist tatsächlich ist. Wir nehmen ihn für selbstverständlich und tun damit, was immer gerade anliegt. Wenn er sich amüsieren will, dann lassen wir ihn. Will er sich ablenken, dann lassen wir ihn sich ablenken. Will er sich etwas ausdenken, dann lassen wir ihn sich etwas ausdenken. Ebenso geht es mit fantasieren, dösen, hoffen, planen, was immer der Geist will: Wir lassen ihn. Das Schlimmste ist jedoch dabei, dass wir alles glauben, was er so von sich gibt und formuliert. Sogar Meditierende, die schon länger meditieren, glauben immer noch ihrem Geist. Wenn sie ihm nicht glauben würden, würden sie ja nie in irgendwelche Schwierigkeiten geraten.
Wir sind uns also dessen bewusst, dass der Geist das wertvollste Instrument im ganzen Universum ist. Wenn wir ihn trainieren, dann können wir damit alles machen, auch zur Erleuchtung gelangen. Wenn sich der Geist auf der untrainierten Ebene in alle möglichen Dinge verstrickt, dann sollten wir nicht glauben, dass das nun schon die Wahrheit oder die Wirklichkeit sei. Es ist lediglich eine Geistesformation, die kommt und geht. Wir sollten daher bewusst wählen, welche von den Geistesformationen, die in uns hochkommen, wir – besonders auch im Alltag – weiterverfolgen oder fallen lassen wollen. Wenn wir diese Wahl treffen, dann werden wir schon eher ein Meister des Geistes werden.
Die Einspitzigkeit des Geistes ist nicht nur bei den meditativen Vertiefungen ein Faktor, aber sie wird in den meditativen Vertiefungen gestärkt. Von daher ist sie auch eine stärkere Läuterung, denn die Einspitzigkeit erlaubt es uns nicht, etwas anderes zu tun. Die Einspitzigkeit ist das automatische Gegenmittel für unser erstes Hindernis: die Sinnesbegierde oder die Begierde nach Sinnesbefriedigung. Wenn wir einspitzig sind und sei es auch nur für eine Sekunde oder eine Minute, dann ist es unmöglich, in diesem Moment irgendein Begehren zu haben. Deshalb ist es ein automatischer Läuterungsprozess.
Bei der Sinnesbegierde ist es am schwierigsten, sie als Hindernis zu erkennen, weil sie immer mit der Hoffnung auf etwas Besseres verbunden ist. Deshalb sind wir ständig beim besser, größer, schöner, moderner oder sauberer machen. Das Interessante daran ist, dass momentan zwar eine Verbesserung eintritt, aber im nächsten Augenblick alles wieder zerronnen ist. All das ist schwer zu erkennen, denn, sobald eine Begierde befriedigt ist, entsteht die nächste: ein Wunsch, ein Habenwollen oder ein Loswerdenwollen.
Mit der Einspitzigkeit des Geistes, dem automatischen Gegenmittel gegen Sinnesbegierde, haben wir natürlich eine große Hilfe. Wenn wir nach der zweiten meditativen Vertiefung, in der die Einspitzigkeit schon bedeutend gestärkt ist, untersuchen, was wir gelernt haben, dann wird uns ganz klar, dass wir durch die einspitzige Konzentration auf das Glücksgefühl der zweiten meditativen Vertiefung etwas erlebt haben, das unvergleichlich viel schöner und erhabener ist als jede Begierde, die wir je befriedigt haben. Diese Einsicht ist natürlich äußerst hilfreich für uns, denn sie zeigt uns, dass uns die Sinnesbegierden im Prinzip nur vom Weg abbringen.
Die angenehmen Sinneskontakte bleiben dennoch bestehen. Ich wiederhole das immer wieder, weil da oftmals Ängste hochkommen, in der Art: „Ja, kann ich denn gar nichts Angenehmes mehr erleben?“ Doch das Gegenteil trifft zu: Je weniger Begierde nach angenehmen Sinneskontakten vorhanden ist, desto leichter fällt es uns, die Sinneskontakte als angenehm zu empfinden. Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen leiden wir nicht mehr unter dem Dukkha des Suchens und Habenwollens der angenehmen Sinneskontakte, was uns schon etwas befreit. Wenn sie kommen, ist es gut, wenn sie nicht kommen, ist es genauso gut. So beschäftigen wir uns auch nicht damit, das Unmögliche festhalten zu wollen. Wir wissen, dass Sinneskontakte immer vergänglich sind, und wir akzeptieren es so, ohne dass wir etwas festhalten müssten. Zum anderen sind wir mit den Sinneskontakten schon glücklich, die die meisten Menschen als selbstverständlich erachten, denn weder suchen, noch erwarten wir sie, noch wollen wir sie festhalten. Jedes Gefühl, das angenehme, das unangenehme und das neutrale, kommt immer von einem Sinneskontakt, und wenn wir die angenehmen Gefühle weder suchen noch festhalten wollen noch erwarten, so sind sie rein. Das bedeutet, dass sie nicht mit der Begierde des Habenwollens oder mit dem Festhaltenwollen des Vergänglichen durchwachsen sind.
In längeren Meditationskursen geschieht es häufig, dass diejenigen, die sich gut konzentrieren können, die Natur draußen viel intensiver wahrnehmen und sagen: „So grün hat das überhaupt noch nie ausgesehen.“ Jedoch hat sich in der Natur nichts verändert, sondern der Sinneskontakt ist reiner geworden, weil die Sinne nicht mehr darauf ausgerichtet sind, etwas festzuhalten oder zu suchen. Weil wir dann den angenehmen Sinneskontakten nicht mehr nachjagen, denn sie kommen ja sowieso, sind die angenehmen Gefühle viel stärker und das Leben wird enorm erleichtert, denn uns steht viel mehr Zeit und Energie für andere Dinge zur Verfügung. Im Prinzip ist die ganze Menschheit damit beschäftigt, angenehme Sinneskontakte zu suchen. Darauf sind unsere Geschäftswelt sowie das Wirtschaftsleben aufgebaut. Aber wir müssen da nicht mitspielen, sondern können stattdessen den Weg der Meditation gehen.
Je länger der Geist in der Meditation einspitzig bleiben kann, desto weniger kommt die Begierde nach Sinnesbefriedigung hoch. Nach der Meditation kommt das Erkennen, was ich bereits erwähnt habe und hier wiederholen möchte, weil es sehr wichtig ist. Diese drei Punkte des Erkennens lauten: 1. Auch das ist vergänglich. 2. Wie sind wir da hingekommen? 3. Was haben wir daraus gelernt? Bei der Glückseligkeit der zweiten meditativen Vertiefung können wir den Unterschied zum weltlichen Glück, das wir kennen, deutlich spüren. Die Glückseligkeit ist ein Gefühl, das sich ausdrücken kann als innere Süße oder umfassende Liebe oder sprudelnde Freude; es kann auch schwächer sein. Auf jeden Fall ist dieses Gefühl unabhängig von äußeren Dingen. Es hängt lediglich davon ab, wie weit trainiert der Geist schon ist. Wenn wir die Konzentration suchen müssen, dann funktioniert es nicht.
Dieses Trainieren des Geistes können wir mit dem Training eines Athleten vergleichen. Wenn ein Athlet in irgendeiner Sportart beispielsweise bei der Olympiade mitmachen will, dann muss er sich wohl jeden Tag dem Training hingeben und auch darauf achten, was er zu sich nimmt. Ebenso sollte ein Meditierender aufpassen, was er im Geist zu sich nimmt. Das bedeutet, dass wir unsere Sinne beschützen und die Tugendregeln befolgen. Wenn ein Athlet mit seinem Training aufhört, dann wird er wohl die Olympiade nicht schaffen, denn dazu muss er jeden Tag weitermachen. Je mehr er trainiert, desto besser wird er. Am Ende kann er mit dem Körper Dinge vollführen, die beinahe magisch aussehen, wie besonders hoch oder weit springen oder Akrobatik. Aber auch der Geist kann so etwas, wenn er trainiert wird.
Einem trainierten Körper glauben wir die Kunststücke, die er vollführen kann, weil wir sie mit unserer Optik sehen können, aber mit dem Geist sieht es etwas anders aus. Jeder kann seinen Geist trainieren, was nicht bedeutet, dass wir uns magische Kräfte aneignen sollten, sondern, dass wir mit unserem Geist etwas anderes machen können als das, was wir im Allgemeinen tun. Bei dem Körper ist es so, dass ein trainierter Körper zum Beispiel sehr schnell laufen kann. Wir können auch laufen oder rennen, jedoch nicht so schnell. Genauso ist es mit unserem Geist: Einiges können wir schon, was uns vielleicht eine Idee davon gibt, was mit dem Geist möglich sein kann. Wir können uns beispielsweise schon etwas konzentrieren. Wir können bei der Liebenden-Güte-Meditation die Liebe hochbringen. Wir können uns an einem herrlichen Sonnenuntergang erfreuen. Wir wissen bereits, wie es sich anfühlt, verliebt zu sein. Das sind alles schon kleine Kostproben. Wenn wir unseren Geist trainieren, dann können wir noch mehr und alle diese Dinge in einer anderen Art und Form.
Wenn wir also nach der Meditation diese drei oben beschriebenen Schritte machen, so sollte uns klar werden: Die Einspitzigkeit des Geistes, die zu der Zeit der meditativen Vertiefung, ob sie kurz war oder lang, geherrscht hat, hat uns dazu gebracht, in uns etwas zu erleben, das wir als Glückseligkeit bezeichnen, das unabhängig ist von weltlichen Geschehnissen und das uns innerlich auf der emotionalen Ebene erfüllt und allem, was wir aus dem alltäglichen Leben kennen, weit überlegen ist.
Die Glückseligkeit ist in der zweiten meditativen Vertiefung unser Meditationsobjekt. Hier in der Lehrrede wird gesagt: „Er verweilt darin (in der zweiten meditativen Vertiefung) mit Verzückung und Glückseligkeit.“ Im Vordergrund steht die Glückseligkeit, die wir auch Freude nennen können, aber Glückseligkeit gibt einen besseren Eindruck, was damit gemeint ist. Natürlich müssen wir selbst in die Mango beißen, damit wir wissen, was Glückseligkeit bedeutet. Das entzückende Empfinden der ersten meditativen Vertiefung rückt in den Hintergrund. Auf der praktischen Ebene können wir das absichtlich tun, wenn wir in der Lage gewesen sind, etwas längere Zeit in der ersten meditativen Vertiefung zu bleiben, ohne allzu viel abgelenkt zu werden. Dabei könnte „längere Zeit“ etwa fünfzehn Minuten bedeuten, aber das heißt nicht, dass wir auf die Uhr schauen sollten, sondern damit meine ich einzig und allein, dass es eine Zeitspanne ist, die nicht sofort kommt und geht. In der ersten meditativen Vertiefung ist der Geist noch nicht sehr einspitzig. Deshalb wird auch hier in dieser Lehrrede das Wort einspitzig gar nicht erwähnt, obwohl die Einspitzigkeit einer der Faktoren der ersten meditativen Vertiefung ist. Erst bei der zweiten meditativen Vertiefung wird sie erwähnt.
Da der Geist in der ersten meditativen Vertiefung noch nicht sehr einspitzig ist, kommen ab und zu noch Gedankenfetzen, was kein Problem ist, denn wir können zu dem entzückenden Empfinden zurückkehren. Wenn wir eine längere Zeitspanne auf dem Gefühl bleiben konnten, dann ist der Moment gekommen, da wir absichtlich – wenn es nicht spontan geschieht – von dem entzückenden Empfinden als Meditationsobjekt loslassen und uns der Glückseligkeit, die zu der Zeit vorhanden ist, zuwenden. Vielleicht ist es hilfreich zu erwähnen, wie das praktisch aussehen kann, obwohl es nicht bei jedem gleich geschieht. Das entzückende Empfinden ist im Allgemeinen über den ganzen Körper verteilt, sozusagen von der Kopfspitze bis zu den Zehenspitzen. Wir konzentrieren uns nicht auf den Körper, sondern nur auf das Empfinden, das den Körper im Ganzen um- und einhüllt. Die Glückseligkeit erleben wir im Allgemeinen an der Stelle, die wir das spirituelle Herz nennen, nämlich in der Mitte des Brustkorbs, sozusagen als Quelle. Es muss nicht bei jedem so sein, aber diese Beschreibung trifft sehr häufig zu. Manche Menschen erleben eine andere Quelle, die sie dann auch ausdehnen und vergrößern können.
Wir lassen also dieses entzückende Empfinden los, lassen es in den Hintergrund treten und brauchen uns nicht mehr darum zu kümmern. Dann richten wir unsere Achtsamkeit auf das Glücksgefühl des spirituellen Herzens. Für einige Menschen ist es hilfreich, in dem Moment das Wort „Freude“ oder „Glückseligkeit“ in Gedanken zu sich selbst zu sagen. Für andere Menschen kann es hilfreich sein, zu der Zeit an einen geliebten Menschen zu denken, um die Glückseligkeit zu verstärken. Andere finden es günstig, wenn sie sich an Glück erinnern. Es gibt viele Hilfsmittel, die wir nutzen können. Auf keinen Fall sollten wir ungeduldig oder Resultat besessen sein, denn das funktioniert nicht. Am besten funktioniert es, wenn wir uns der Meditation hingeben.
Als Grund dafür, das entzückende Empfinden loszulassen, gibt der Buddha an, dass das entzückende Empfinden nicht der Zweck der Meditation ist und es sich immer noch auf einer groben Ebene befindet. Die Meditation wird von Stufe zu Stufe subtiler. Die Atembetrachtung ist immer noch eine grobe Ebene, denn sie ist ja rein körperlich. Das entzückende Empfinden ist schon ein Schritt subtiler, aber auch das lassen wir fallen, weil wir wissen, dass es noch subtiler werden kann. Daher gehen wir von dem Empfinden zur Emotion.
Die Glückseligkeit ist das automatische Gegenmittel gegen Unruhe und Rastlosigkeit und von daher natürlich äußerst hilfreich. Bei Unruhe und Rastlosigkeit sollten wir uns auch einmal vor Augen halten, dass sie sich erst für den voll Erleuchteten auflösen. Einen Schritt vor der Erleuchtung gibt es immer noch Rastlosigkeit. Dem können wir entnehmen, dass das vollkommene Glück, die volle Glückseligkeit erst dann möglich sind, wenn die Ich-Illusion komplett durchschaut ist. Aber durch unsere Meditationspraxis, was Geistestraining bedeutet, können wir natürlich unsere Unruhe und Rastlosigkeit vermindern und viel ruhiger werden.
Unruhe und Rastlosigkeit sind häufig auch mit Neugierde gepaart, der Gier nach dem Neuen, das heißt also mit dem Wunsch nach Veränderung. Das hält uns ständig auf Trab, und dann wundern wir uns, warum wir uns überfordert fühlen. Als Lösung für das Gefühl der Überforderung eignen sich weder die Gleichgültigkeit oder die Verantwortungslosigkeit des Nichtstuns noch das süße Nichtstun, sondern das Wissen darum, dass es nur diesen einen Moment gibt. Wenn wir uns weder um die Vergangenheit noch um die Zukunft sorgen, sind Unruhe und Rastlosigkeit ausgemerzt und wir haben viel weniger Begierden.
Die Glückseligkeit arbeitet automatisch gegen Unruhe und Rastlosigkeit, weil wir zu der Zeit, da wir sie erleben, natürlich das haben, was wir immer gesucht haben: die innere Glückseligkeit. Deshalb können wir in dem Moment keine Unruhe verspüren. Erst wenn wir nach der meditativen Vertiefung rekapitulieren, bekommen wir ein Gefühl dafür, wie das sein kann. Weiterhin erkennen wir, wie die Einspitzigkeit uns geholfen hat, bei der Glückseligkeit zu bleiben und daher andere Begierden ausgeschaltet hat. Sie hat uns auch in ein Stadium der Ruhe gebracht, in dem wir nichts anderes mehr als die Glückseligkeit erlebt haben.
Alle diese Erkenntnisse schauen wir uns erst nach der meditativen Vertiefung an und nicht währenddessen, was manchmal falsch verstanden wird. Während der meditativen Vertiefung geht es darum, in der Glückseligkeit zu verweilen, und nicht darum, sie zu verstehen. Denn erst wenn wir sie erlebt haben, können wir sie verstehen. Je länger wir in ihr bleiben können, desto mehr werden wir geläutert und desto besseres Verständnis können wir auch erlangen. In der zweiten meditativen Vertiefung können wir schon eine Ahnung davon bekommen, was die Ruhemeditation tatsächlich bedeutet. Es ist nur ein Anfang davon, denn erst in der dritten meditativen Vertiefung kommt wirkliche Ruhe zustande.
Hier in der Lehrrede wird noch ein weiterer, sehr wichtiger Punkt angeschnitten, den ich deshalb auch noch besprechen möchte: Die zweite meditative Vertiefung bringt Selbstvertrauen. Selbstvertrauen arbeitet besonders gegen unser fünftes Hindernis, den Zweifel, und stärkt das Vertrauen in die eigene Fähigkeit der Meditation und das Vertrauen darin, dass unser Glück unabhängig ist von angenehmen Sinneskontakten. Durch das Erleben der zweiten meditativen Vertiefung wissen wir, dass wir das Glück in uns tragen. Vielleicht haben wir es immer schon geahnt, so wie es auch in den netten Volksmärchen heißt, dass wir den goldenen Schatz unter unserem eigenen Küchentisch ausgraben sollten, aber das tatsächlich zu erleben, ist etwas ganz anderes.
Dieses Selbstvertrauen hilft uns natürlich im täglichen Leben und auch dabei, den Weg weiterzugehen, denn, wenn wir wissen, dass wir unabhängig von äußeren Umständen glücklich sein können, dann werden uns die äußeren Umstände nicht mehr so belasten. Auch erleben wir gar nicht mehr so viele belastende äußere Situationen. Der Unterschied zwischen einem Menschen, der meditiert, und einem, der nicht meditiert, besteht darin, dass der eine weiß, dass das Glück in ihm vorhanden ist, und der andere es nicht weiß. Der Nicht-Meditierende lässt sich von den äußeren Umständen immer wieder hin und her jagen, er reagiert mit Ärger, mit Ablehnung, mit Widerwillen oder mit Habenwollen. Jedoch bedeutet das nicht, dass ein Mensch, der die zweite meditative Vertiefung praktiziert und Selbstvertrauen bekommen hat, nie mehr Ablehnung oder Begierden verspürt. Leider ist das nicht möglich. Denn um weder Ablehnung noch Begierden zu haben, müssen wir Nicht-Wiederkehrer werden, was die dritte und letzte Stufe vor der vollen Erleuchtung ist.
Aber die Ablehnung und Begierden vermindern sich und werden viel sanfter. Die vielen Konfrontationen und Reaktionen, die wir im Alltag erleben, werden viel schwächer und weniger. Dann weiß der Geist: „Aha, früher hätte ich ja darauf reagiert, aber jetzt ist das vollkommen unwichtig, ich spüre es fast gar nicht.“ Es bedeutet also nicht, die Reaktion zu unterdrücken, denn das wird immer wieder falsch gemacht und falsch verstanden. Nur wenn überhaupt keine Reaktion mehr hochkommt, dann haben wir dieses Vertrauen und diese Läuterung erlebt. Falls eine Reaktion hochkommt, dann sollten wir sie ersetzen, was uns leichter fällt, wenn wir wissen, dass das Glück in uns selbst ruht.
Dieses innere Glück ist viel erhabener und erfüllender, als wir es je in der Welt erleben könnten. Dazu müssen wir jedoch das Glücksgefühl selbst erleben, denn weder durch lesen noch durch hören können wir das innere Glück erfahren. Das Wissen durch das eigene Erleben oder das erkannte Erleben führt eine Änderung im Innenleben herbei, wobei sich alles erst einmal viel offener und unbegrenzter anfühlt und nicht mehr nur darauf gerichtet ist, was gerade mit uns selbst zu tun hat. Diese Öffnung fühlt sich durchlässig und leicht beschwingt an, was durch beständige Praxis nicht mehr verloren geht. Ein Mensch, der täglich die meditativen Vertiefungen praktiziert, ist leicht beschwingt. Das bedeutet nicht euphorisch, denn Euphorie verändert sich wie bei einer Wippe, die von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt wechselt, und das wäre sinnlos. Diese innere Leichtigkeit schenkt uns Selbstvertrauen, denn wir wissen, dass wir auch anders reagieren können anstatt so, wie wir es im Allgemeinen schon immer getan haben.
Diese Vorteile zeigen uns ganz deutlich die Wichtigkeit, die zweite meditative Vertiefung längere Zeit anhalten zu lassen. Viele Meditierende, die auch die anderen meditativen Vertiefungen können, machen häufig die erste meditative Vertiefung nur ganz kurz, was auch ganz in Ordnung ist. Wenn wir nämlich schon praktiziert sind, dann müssen wir sie nicht lange anhalten, jedoch lange genug, um das Glückseligkeitsgefühl in uns so zu verspüren, dass es ein Meditationsobjekt sein kann. Auch bei der zweiten meditativen Vertiefung sind diejenigen oft geneigt, einfach darüber hinwegzugehen oder sehr schnell weiter zu gehen, weil sie endlich schon zur Ruhe kommen wollen. Aber das ist nicht der richtige Weg. Die zweite meditative Vertiefung sollte eine längere Zeitspanne, das heißt etwa fünfzehn bis zwanzig Minuten, gehalten werden. Weil wir in den meditativen Vertiefungen ein vollkommen verändertes Zeitgefühl haben, ist es nicht möglich zu sagen, wann genau zwanzig Minuten vergangen sind. Diese Zeitangabe bedeutet jedoch, dass wir nicht einfach nur so durchrutschen sollten. Das Glücksgefühl sollten wir nicht nur antasten und berühren, sondern wirklich erleben und eine Weile dabei bleiben.
Dass sich das Zeitgefühl verändert, wird uns auch daran bewusst, dass die Zeit scheinbar viel schneller vergeht, wenn wir konzentriert sind. Das ist auf jeder Ebene der Fall, auch wenn wir zum Beispiel ein sehr spannendes Buch lesen. Unternehmen wir dagegen etwas eher Langweiliges, worauf wir uns nicht konzentrieren können, dann wird uns die Zeit lang. Ebenso ist es bei der Meditation: Wenn wir aus einer Meditation herauskommen und wir uns wundern, dass die Glocke schon läutet, dann waren wir gut konzentriert. Wenn uns während der Meditation die Zeit lange vorkommt und nicht zu vergehen scheint, dann sind wir nicht konzentriert gewesen.
Bei den meditativen Vertiefungen ist es auch noch wichtig zu erwähnen, dass es nicht die Erleuchtung ist, wenn wir die meditativen Vertiefungen können. Sie sind das Mittel zum Zweck, aber nicht der Zweck an sich. Der Zweck an sich ist das Erkennen der Illusion, in der wir leben. Daher sagt der Buddha hier, obwohl es der Fußabdruck des Buddha ist, dass wir nun nicht zu dem Schluss kommen sollten, es sei die vollständige Erleuchtung und das Dhamma im Ganzen und die Praxis im Ganzen. Natürlich sollten wir uns darüber freuen, wenn wir die meditativen Vertiefungen können. Denn je mehr wir uns freuen, desto mehr Freude ist in der Welt und desto leichter können wir meditieren.
Die weltliche Freude, nicht die Freude in der meditativen Vertiefung, ist eine Vorbedingung für die Meditation, was ein wichtiger Hinweis für diejenigen ist, die mit der Konzentration noch Schwierigkeiten haben. Dieses Noch-Schwierigkeiten-Haben ist kein Anzeichen für Minderwertigkeit, die wir auf keinen Fall in uns hochkommen lassen sollten, sondern es bedeutet einfach, dass wir uns noch nicht lange genug dafür interessiert und noch nicht lange oder gut genug trainiert haben, um zum Beispiel bei der Olympiade mitzumachen. Manche Menschen müssen länger oder sehr lange trainieren, um überhaupt diese Konzentration zu erlangen; und manche müssen weniger lange trainieren.
Der Buddha hat dazu gesagt, dass es vier Arten von Menschen gibt. Eine Art von Menschen praktiziert mit viel Dukkha; diejenigen haben ständig Dukkha, und es dauert sehr lange, bis sie irgendwelche Resultate verspüren können. Eine zweite Art von Menschen hat auch sehr viel Dukkha: Der Körper tut ihnen weh und die Emotionen gehen in alle Himmelsrichtungen, aber sie erlangen schnell Resultate. Als dritte Art gibt es die Menschen, die sehr viel Sukha haben, sehr viel Glückseligkeit, aber es dauert sehr lange, bis sie zu irgendetwas kommen. Als Letztes gibt es diejenigen, die sehr viel Sukha haben und bei denen es sehr schnell geht, dass sie Resultate verzeichnen können. Ich kann nur jedem wünschen, dass er zu der letzten Sorte gehört.
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