Читать книгу: «Das Tor zu deiner inneren Welt»
Andreas Weis
Ursula Kleine Stevermüer
Das Tor zu deiner
inneren Welt
Engelsdorfer Verlag
Leipzig
2016
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Copyright (2016) Engelsdorfer Verlag Leipzig
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Das Geheimnis
Das Geheimnis der Einzigartigkeit,
in der Vielfältigkeit des ewigen Werdens und Seins,
ist die Symphonie des Universums.
Sie offenbart sich dem,
der bereit ist, in die Tiefe der eigenen Seele zu blicken,
und sich nicht scheut,
die Schatten zu betrachten,
die zu seinem Eigen gehören.
Der erkennt,
dass alles in allem
miteinander verwoben,
verbunden
und zugehörig ist
und dass das eine ohne das andere
nicht möglich sein kann.
So wird für ihn alles sichtbar, verständlich
und bleibt doch
ein stilles Geheimnis.
Vorwort
Die Zeit kann heilen, die Zeit kann verweilen, die Zeit kann eilen, doch niemals still stehen. Doch sie ist auf ihre Art nie ruhelos, sondern schaffend und ruhend und nie gebunden ans Leben. Du kannst Zeit messen, du kannst Zeit vergessen, doch niemals halten. Sie vergeht, wie der Mensch vergänglich ist.
Jede Veränderung braucht ihre Zeit, denn zu jeder Zeit gibt es Veränderungen, damit die Veränderung Bestand hat, in ihrer Zeit, die kommt.
Niemals ist Stillstand in der Zeit, denn alles im Leben ist in Schwingung. Doch braucht das Leben Stille, um in sich zu ruhen, um zu betrachten das Veränderte, und das braucht auch seine Zeit.
Irgendwann wird die Zeit nicht mehr gebraucht, da die Veränderung zur Vollkommenheit gekommen ist. Bis dahin braucht alles im Leben seine eigene Zeit, weil jede Veränderung eine Entwicklung ist, hin zum Ziel. Es ist ein stetiges Vergehen und Werden, ein Sterben und ein Geborenwerden.
Zeit und Veränderung sind wie der Frieden und die Liebe, sie lassen sich nicht binden und halten und sind nur erlebbar im Heute und im Jetzt.
Wie schnell die Zeit heute dahineilt, weiß ein jeder von uns, doch wissen wir eigentlich, wie kostbar unsere Zeit ist? Wir wissen nicht, wie viel Zeit des Lebens uns geschenkt ist, darum nutze die deine Zeit sinnvoll für dich. Es ist deine Verantwortung dir selbst gegenüber. Erfülle dir in dieser Zeit, wann immer es möglich ist, deine kleinen und großen Träume und Wünsche, nicht die, die dir andere einreden. Erst wenn du dir deine Träume und Wünsche erfüllst, kannst du am Ende deiner Zeit sagen: „Ich habe gelebt.“ Du brauchst für deine Träume und Wünsche nicht viel, du brauchst dazu nur
dich, dein Ja zu dir selbst.
Wir wünschen dir von Herzen, dass du deine kostbare Zeit für dich lebst, auch wenn es mal schwer ist. Halte an deinen wahren Träumen und Wünschen fest und nicht an den Fantasien, die du dir erträumen möchtest, weil du dich einsam fühlst oder ungeliebt und unverstanden.
Unser Wunsch ist es, dass dieses Buch dich berühren möge.
Und wenn es dich zum Weinen bringt, dann ist es deine Geschichte.
Bringt es dich in die Traurigkeit, so ist es deine Geschichte.
Bringt es dich in die Wut, so ist es deine Geschichte.
Wenn es dich zum Nachdenken bringt, ist es deine Geschichte.
Bringt es dir Freude, Zuversicht und Hoffnung, ist es deine Geschichte.
Deshalb haben wir dieses Buch für dich geschrieben, dass es dich näher zu dir bringt, zu deiner eigenen Lebensgeschichte.
| Ja, für | dich | geschrieben |
| Nicht für irgend- | ein ich | geschrieben |
| Sondern allein für | dein ich | geschrieben |
| Nur für | d(ein)ich, | geschrieben |
Es ist deine Geschichte, so wie sie auch die unsere und die der vielen ist, die sich berühren lassen wollen in ihrem Herzen und ihrer Seele.
Wie zwei wunderbare Menschen zu uns einmal sagten:
„Lass sie wissen aus euren Herzen und lesen in euren Herzen, damit sie ganz und heil werden. Versöhnlich und mild mit sich umgehen und sich in Liebe wieder lernen zu achten.“
Mit viel Herz für dich und dein Gesunden.
Andreas Weis und Ursula Kleine Stevermüer
Danksagung
Wir bedanken uns bei all denen, die uns in der Begegnung mit ihnen aus ihren reichen Schätzen an Lebenserfahrung beschenkt haben. Wir danken für all die offenen, ehrlichen, tiefen Gespräche, die wir mit ihnen haben durften, und wir danken für ihr uns entgegengebrachtes Vertrauen.
Wir bedanken uns bei Britta und Alfred Schwarzburger, die uns weiterhin motiviert und angeregt haben, die aus unseren Herzen entstandenen Texte zu veröffentlichen. Sie gaben uns auf unseren Weg den weisen Satz mit:
„Schenkt den Menschen die Feuchtigkeit eurer Augen.“
Wir bedanken uns bei allen, die zur Gestaltung des Buches beigetragen haben.
Wir danken der Welt um uns herum für die vielen Eindrücke, die sie uns hinterlassen hat, ihr geschäftiges Treiben, die Stille und Ruhe. Für die sonnigen Tage, die trüben und kalten Tage des Lebens. Wir danken für die Tränen, für das Lachen, für das kindliche Fragen. Für das Licht und die Dunkelheit und die vielen Wege, die uns gezeigt wurden.
Einleitung
Wie wir durch das Leben gehen, ist eigens unsere Entscheidung. Jeder trifft die Entscheidung für sich selbst. Niemand kann dir deine Entscheidung abnehmen, du trifft sie immer einsam und allein. Doch du wirst spüren, dass du nicht allein bist. Es gibt viele Menschen, die Entscheidungen treffen und die Verantwortung dafür übernehmen. Im Innern haben sie sich mit ihrem Selbst beraten, haben auf ihre innere Stimme gehört und haben vertraut. Haben die Entscheidung getroffen und die Entwicklung beobachtet. Haben nicht eingegriffen, nur gelassen und in Ruhe abgewartet. Manchmal schien es, als wäre es falsch gewesen, doch zuletzt hat es sich so entwickelt, wie es sein sollte, und nicht so, wie wir es uns gedacht hatten, denn dann wäre es keine Entscheidung gewesen, sondern Manipulation.
Wir Menschen suchen nach Sicherheit, doch diese gibt es nicht, sonst würden wir im Leben einschlafen. Wir sollen wachsam sein, vertrauen und Fragen stellen. Auch wenn nicht alles beantwortet werden kann, so können wir dem Leben dennoch vertrauen, das alles für uns bereithält. Wir können beherzt zugreifen, alles ist vorhanden. Wer sich nur einseitig vom Leben ernährt, wird an der Seele kranken. Wer sich vom ganzen Leben mit allen Facetten ernährt, dessen Seele ist und bleibt gesund. Und was ist unsere Seelennahrung? Vertrauen, Hoffnung, Glaube, Liebe, Geduld und soziale Kontakte wie Familie, Verwandte, Freunde, Nachbarn, Bekannte und Arbeitskollegen. Aus allem und allen können wir uns nähren. Nur so viel, wie wir brauchen, damit genügend für alle in Gegenseitigkeit bleibt.
Das, was den Menschen krank macht, ist das Ungleichgewicht. Er tendiert meist nur zur Freude, leiden möchte er nicht. Gier, Geiz, Neid, Habsucht, Unfrieden, Lieblosigkeit sowie die Geringschätzung und Missachtung der Persönlichkeit des Einzelnen oder seiner Selbst stehen heute im Vordergrund und machen all das noch schlimmer. Rücken wir diese Kräfte dahin, wo sie hingehören, und stellen uns an den Platz, an den wir gehören und an dem wir unsere uns aufgetragene Lebensarbeit tun sollen, dem Leben zu dienen, im Einklang mit dem Universum, zur Entwicklung unserer Seele, dem ganzen, wahren Menschen.
Der Geist soll der Seele dienen, nicht die Seele dem Geist. Der Körper soll beiden dienen zum Zweck des Daseins, Seele und Geist sollen ihn erhalten, bis seine Aufgabe erfüllt ist. Uns obliegt die Verantwortung, die Entscheidung zum Leben zu treffen. Ohne Verantwortung kannst du nicht leben, nur durch die eigene verantwortliche Entscheidung zu dir selbst.
In unseren Kursen, die wir mit Erziehern in Kindergärten, mit Schwestern und Pflegern in Altenheimen und Altenpflegeschulen und mit denen absolvieren, die wir zu Ersthelfern in Betrieben ausbilden, versuchen wir zuerst die Angst vor dem Tod zu klären. Viele sind unsicher, weil sie nicht wissen, was danach kommt. Die Religionen können keine Antwort geben, verweisen auf ihre Dogmen. Niemand weiß, was wird. Doch alle tragen wir eine Sehnsucht im Herzen nach etwas, das größer als der Mensch ist. Wo wir an Hoffnung festhalten, bleibt die Gewissheit doch im Dunkeln der Ungewissheit.
Das Wort Tod beinhaltet doch für alle Menschen das Gleiche.
| Tod | = | Verlust, Schmerz und Leid |
| Trauer, Wut und Endgültigkeit. |
Wir sind unsicher! Was wird werden? Wie geht es weiter? Fragen über Fragen stellen wir uns in unserer Unsicherheit.
Nehmen wir an, es gäbe wirklich nichts mehr danach. Es würde keinen Sinn machen! Man soll nur einmal eine kurze Zeitspanne hier auf der Erde leben und dann wäre nichts mehr?! Dann würde doch jeder lange leben wollen, doch niemand wüsste, wie lange er leben wird. Würde dann die Qualität des Lebens, die wir uns in unserer heutigen Zeit leisten, das Leben verlängern? Wir wollen alle leben, doch wir wissen nicht wie und was Leben überhaupt ist. Nur die Hoffnung auf etwas lässt uns leben.
Ein kleines Beispiel: Denken wir einmal an unsere große Liebe in der Jugendzeit. Wir waren glücklich, verliebt, die Welt um uns blühte und alles war so leicht und beschwingt. Wir hofften, dass es nie aufhören würde. Und dann kam das Aus unserer ersten Liebe. Wir haben unsere große Liebe verloren. Wir waren voller Schmerz und haben schwer gelitten. Wir waren voller Trauer, waren wütend und es war endgültig aus und vorbei. Die Liebe war gestorben und doch hat sich Neues entwickelt, wir haben begonnen neu zu leben, zu lieben. Sollte uns das nicht genügend Hoffnung und Wissen sein, dass es weitergeht? Klar würden wir gerne sehen, wie das neue Leben sein wird, doch lassen wir uns überraschen. So, wie wir es in unserer jetzigen Zeit tun sollten. Das Leben bringt alles mit sich. Es ist überraschend vielfältig, schnell, farbenfroh. Bringt Glück, Leid, Kummer, Freude. Lässt uns durchatmen oder den Atem stocken. Schenkt uns Begegnungen und Abschiede.
Doch die Unsicherheit wird nie vergehen, sie bleibt. Und gerade diese Unsicherheit brauchen wir, um zu leben. Es gibt keine Sicherheit, es gibt nur den, der das Leben so annimmt, wie es kommt. Und wer auf das Leben hofft und vertraut, der wird leben, hier und jetzt und danach.
Tanze, tanze auf deine Weise,
tanze, tanze im Kreise, beschwingt um das Eigene,
tanze, tanze wie der Mond um die Erde sich dreht.
Tanze, tanze im Reigen der Jahreszeiten,
tanze, tanze wie der Schatten sich im Licht regt.
Jauchze und lache, drehe dich und schwinge,
so leicht, wie der Wind das Gras und die Blumen bewegt.
Wirbel wie der Wind, der die Bäume durchweht,
wirble, wie der Sturm über die Erde fegt.
Strahl wie die Sonne, um die sich die Planeten drehen.
Stetig im Kreise, tanze, tanze auf deine eigene Weise.
Schwindlig vor Wonne des Glücks, dein Herz schlägt.
Lachend sich die Seele nach Freiheit und Liebe sehnt.
Tanze, tanze auf deine eigene Weise,
lausche der Stimme, die ganz leise spricht:
„Tanze, tanze, es ist deine Weise
auf deiner Lebensreise hin zum Glück.“
Abendstimmung
Farbenprächtig der Sonnenuntergang
eines sich langsam zu Ende neigenden Tages.
Wie Sternenstaub
glitzert der weiße Sand am Strand.
Staunend stehe ich da
und sehe die Vielfalt der Farben
der langsam ins Meer versinkenden Sonne.
Und das Meer
wechselt sein Kleid
von einem leuchtenden Türkis
in ein tiefes, dunkles, geheimnisvolles Blau.
Die vom Abendrot angehauchten Wellen
brechen sich schäumend
an den Klippen und umspülen weich den Strand.
Ruhig schlummernd
liegen im fernen Hafen
die weißen Motor- und Segelboote.
Abendstimmung,
der warme Abendwind
umfährt sanft meinen Körper
und lässt es in mir wohlig schauern.
Nach Salz und Tang riecht die Abendluft.
Langsam neigt sich der Tag
in die sternenklare Nacht.
Der Mond steht am Himmel,
weiß, strahlend,
und die Sterne funkeln mir zu
wie zum letzten Gruß.
Der Abschied: „Es ist meine Zeit.“
Schweigend und in Gedanken vertieft standen wir in der Nacht um zwei Uhr am Fenster und schauten zum nächtlichen Sternenhimmel hinauf. Sie konnte nicht schlafen, zu viel ging ihr durch den Kopf. Sie hatte mich um ein Gespräch gebeten, ungewöhnlich um diese Zeit, doch sie war eben auch ein ungewöhnliches Mädchen. Mit ihren dreizehn Jahren stand sie vor der Frage: Was soll ich tun, was ist richtig? Sie hatte eine Entscheidung für sich getroffen, doch würden ihre Eltern damit einverstanden sein? Würden sie diese Entscheidung annehmen und sie dabei unterstützen? Ja, sie brauchte die Unterstützung ihrer Eltern, die diese Entscheidung mit ihr tragen sollten.
Plötzlich, aus der Stille des Schweigens, sprach sie: „Ist der Himmel da oben weit? Und wie weit mag er wohl sein?“
„Das weiß ich nicht“, antwortete ich. „Ich glaube schon, dass der Himmel eine unendliche Weite haben wird.“
„Ist Gott weit weg?“, sprach sie leise.
„Gott ist für jeden einzelnen Menschen anders“, sprach ich zu ihr und schaute in die unendliche Weite des Himmels. Ich stellte mir selbst die Frage: Wo bist du, Gott, in diesem Augenblick? Wo bist du im Leben eines Menschen? Ich spürte, wie mich eine kleine Kraft berührte. Ich antwortete ihr: „Gott ist anders, für den einen ist er fern, für den anderen ganz nah. Wir fühlen unterschiedlich Nähe und Ferne, je nachdem, wie wir unsere Einstellung zu ihm haben. Wir beten zu ihm, wenn es uns schlecht geht, dann ist er ganz nah. Geht es uns gut, so beten wir nicht und er entfernt sich, doch gleichzeitig haben wir eine Sehnsucht im Herzen und so nähert er sich uns wieder zu. Gott drängt sich nicht auf, Gott ist da, wenn wir ihn bitten.“
„Wenn ich ihn bitten würde, mir zu helfen und meinen Eltern meine Entscheidung mitzuteilen, glaubst du, er würde ihnen die Kraft geben, zu dieser Entscheidung zu stehen?“
„Ich weiß nicht, wie Gott das macht, doch ich glaube, er wird es möglich machen für dich und deine Eltern.“
Plötzlich fragte sie mich: „Glaubst du, dass wir nach dem Tod weiterleben?“
„Ja, das glaube ich“, antwortete ich. „Was hätte alles Leben sonst für einen Sinn? Warum bräuchten wir hier auf Erden Erinnerungen, wenn alles zu Ende wäre? Es würde keinen Sinn machen, dann an Gott zu glauben, eine Hoffnung zu haben. Jeder Mensch würde doch darum kämpfen, am Leben zu bleiben, und das so lange, wie es möglich wäre. Es gäbe keine Liebe unter den Menschen, nur Kampf und Streit um Macht, um sich Leben zu kaufen auf jede erdenkliche Weise.“
„Aber was kommt dann wieder zurück? Würde ich ich sein, so wie jetzt? Das möchte ich nicht, dann hätte sich ja nichts geändert.“
„Es kommt das wieder, was uns ausmacht, unsere Seele. Vielleicht in einem anderen Körper. Doch unsere Seele bleibt, was sie ist, Gottes Schöpfung.“
„Und warum sind wir hier?“
„Ich glaube, um irgendetwas zu lernen, das uns hilft, unsere Sehnsucht endgültig zu stillen, die alle Menschen im Herzen tragen.“
„Lässt du mich jetzt allein? Ich muss nachdenken. Gute Nacht und danke. Kannst du morgen dabei sein, wenn ich mit meinen Eltern spreche?“, sagte sie.
„Ja, gewiss, ich werde da sein. Wie jeden Nachmittag um die gleiche Zeit?“
„Ja, das wäre gut. Pass auf dich auf“, sagte sie leise und drehte sich wieder zum Fenster, um in den Himmel zu schauen, gedankenvertieft in einen inneren Kampf, einsam und allein. Ich konnte ihr nicht helfen, sie musste und würde die Entscheidung für sich allein treffen, wie jeder Mensch sie treffen muss, einsam und allein.
Das Gespräch am Nachmittag lief stockend. Sie fand nicht die richtigen Worte für den Einstieg zum Gespräch, wie sie ihren Eltern ihre Entscheidung mitteilen sollte.
„Ich möchte die nächste Chemo nicht machen lassen“, sagte sie wie aus heiterem Himmel. Jetzt war es raus. Erwartungsvoll schaute sie ihre Eltern an.
„Aber Kind, es ist doch nur zu deinem Besten, damit du wieder gesund wirst.“
„Was ist denn mein Bestes und wer kann wissen, was mein Bestes ist, als ich allein?“, antwortete sie ihrer Mutter. Tränen standen dem Mädchen in den Augen.
„Kind, glaub mir, die Ärzte tun das, was für dich gut ist, um dir zu helfen, sie wollen, dass du wieder gesund wirst, und wir auch – du doch auch“, sprach der Vater zu ihr.
„Aber ich kann und will nicht mehr, könnt ihr das nicht verstehen?“
„Kleines, wenn du die nächste Chemo nicht anwenden lässt, ist doch alles vergebens gewesen“, flehte die Mutter ihre Tochter an.
„Ich möchte nicht mehr, Mama, ich kann und will nicht mehr“, gab sie traurig und enttäuscht zurück. Konnte sie denn niemand verstehen, niemand sich in sie hineinfühlen?
„Weiß du, was du uns damit antust? Wie kannst du nur so denken, wir lieben dich doch und tun alles, was nötig ist, um dir zu helfen. Kleines, bitte tu uns das nicht an“, sprach die Mutter weinend.
Verzweifelt und traurig stand die Tochter auf und lief aus dem Aufenthaltsraum zu ihrem Zimmer über den Flur des Krankenhauses.
Zu mir gewandt sagte der Vater: „Tun Sie doch etwas, sie ist doch noch ein Kind und kann keine sinnvollen Entscheidungen treffen.“
Ich musste an mich halten, in mir stiegen Emotionen einer ohnmächtigen Wut hoch. Hört denn niemand, was das Kind sagen möchte? Ist niemand in der Lage, ihr ernsthaft zuzuhören? Ich sagte: „Ich gehe zu ihr und rede mit Ihrer Tochter. Warten Sie hier, bis ich Sie hole oder mit ihr zu Ihnen komme.“
Ich sprach mit ihr fast eine Stunde, hörte ihr zu und verstand, was sie wollte, dann sagte ich zu ihr: „Sag es so deinen Eltern, so wie du es mir gerade gesagt hast. Ich bete, dass du ihre Herzen berührst und sie dich verstehen können.“
Sie wischte ihre Tränen ab und gemeinsam gingen wir Hand in Hand zurück in den Aufenthaltsraum, wo ihre Eltern warteten. Beide hatten geweint und wischten sich, als wir eintraten, verstohlen die Tränen weg, so als wäre nichts gewesen. Sie wollten ihrer Tochter zeigen, dass sie stark seien.
Sie sprach leise, doch bestimmt. Ihre Stimme klang kraftvoll, weise, voller Liebe und Wärme: „Ich hatte alles, was ich mir wünschen konnte, und ihr habt mir diese Wünsche möglich gemacht. Ich bin euch dankbar dafür. Ihr wart stets an meiner Seite, ich konnte mich auf eure Liebe verlassen, die mir durch euch immer ungeteilt zuströmte. Ihr habt mich in den schweren Stunden getragen, habt alles gegeben, was ihr konntet, alle Fürsorge und Hilfe. Doch nun bitte ich euch nur noch um diesen, meinen noch einzigen Wunsch: Lasst mich gehen, mehr wünsche ich mir nicht. Mein Leben habe ich gehabt und ihr seid ein Teil davon. Es ist meine Zeit, mein einziger Wunsch, lasst mich los, ich liebe euch.“
Beide Eltern saßen auf dem kleinen weißen Sofa mit den geschwungenen Lehnen, die wie Flügel aussahen, und weinten. Ihre Herzen wollten durch den inneren Kampf, den jeder für sich innerlich austrug, zerreißen. Ich konnte es ihnen ansehen, das Ringen in ihrer Seele, den Schmerz, den sie in diesem Augenblick durchmachten.
Plötzlich nahm der Vater die Hände der Mutter in die seine, beide schauten sich tief in die Augen. Beide sahen darin den Kampf und den Schmerz, der sich in ihnen widerspiegelte. Sie nicken sich gegenseitig zu, wissend, dass für beide der Abschied von ihrer Tochter gekommen war, der so voller Schmerz für sie war. Vor ihren Augen liefen die dreizehn gemeinsamen Jahre ab.
Sie wendeten sich zu ihrer Tochter hin und der Vater sagte: „Wir werden dir diesen letzten Wunsch erfüllen. Wir wissen jetzt, dass deine Seele bereit und gereift ist. Es schmerzt sehr, doch es ist unser Schmerz, den wir nun tragen wollen, damit du deinen Frieden findest.“
Sie umarmten sich alle drei lange, Träne für Träne floss und gleichzeitig auch die Kraft, mit ihre Tochter durch die letzte Zeit zu gehen. Ich sah, wie sich ihre Körper langsam aufrichteten, und zum Schluss lachten sie alle drei mit Tränen in den Augen. Zärtliche, liebevolle Blicke tauschten sie miteinander aus.
„Ja, gemeinsam“, sagte die Mutter. „Gemeinsam durch deine Zeit.“
Die Prognose von nur noch drei Monaten verlängerte sich auf ein Dreivierteljahr. Ihre gemeinsame Zeit. Sie lachten viel, weinten gemeinsam und genossen jede freie Zeit miteinander.
An dem Tag ihres Todes lagen in allen Gesichtern tiefer Friede und Dankbarkeit für die geschenkte Zeit. Der Abschiedsschmerz war wie bei jedem Menschen da, doch die Zeit nimmt sich Zeit, die Wunden zu heilen. Zurück bleiben die Erinnerungen an eine gereifte Seele, die ihre Entscheidung getroffen und getragen hat.
Auf der Dankeskarte, die ich bekam, war zu lesen: „Sie ist uns geschenkt worden, war uns ein besonders wertvolles Geschenk. Sie war nicht unser Eigentum, darum gaben wir sie zurück, als es Zeit war, sie an den Eigentümer zurückzugeben. Dankbar, dass er sie uns eine Zeit überlassen und uns beim Abschied begleitet hat. Danke, lieber Gott, für das wundervollste Geschenk, das du uns bereitet hast. Das Geschenk der Freude und des Leidens, hin zur Hoffnung und des Friedens.“
Auf deinen Wegen
Auf allen deinen Wegen
sei dir Gottes Segen gegeben.
Möge er dich behüten bis zum Ziel,
mit seinen Engeln, all so viel.
Möge seine Hand dich halten,
sein liebender Wille in dir walten.
Mögest du in seiner Gnade
wie ein Kindlein sorglos
in seiner Liebe baden.
Als wir uns trafen
Als wir uns im Leben trafen,
gingen wir durch unbekanntes Land.
Erlebten Schönheit, Anmut, Eleganz,
doch auch dunkle Tage, schweren Kampf.
Fühlten Hunger, Durst in wüsten Tagen,
die Orte der Liebe waren für uns Oasen.
Durchquert ist nun ein Stück des Landes,
es geht weiter, der Weg nach vorn
durch Unbekanntes.
Zurück, das ist nicht unser Streben,
denn wir wollen in Gemeinsamkeit leben.
Sind Tage gemeinsam wenig oder viel,
wir wissen, wir erreichen unser Ziel.
Wir verletzten uns, doch ließen heilen,
weil wir im Wir in Liebe hier verweilen.
So tragen wir uns gegenseitig,
wenn einer nicht mehr kann,
bis zum Licht in einem neuen Morgen.
Angst verlieren
Wenn du die Angst verlierst, wirst du mit beiden Beinen in Leichtigkeit durch das Leben gehen und dein Ziel erreichen. Doch das ist erst der Anfang deines beginnenden Werdens, welches zur Vollendung drängt, um ganz und heil zu werden. So beginnt und endet die Hoffnung in Liebe, die nie vergeht.
Mein All-Vater
All ewiger, immer währender, gütiger und lieber Vater,
der du thronst über alle Himmel, die du geschaffen hast.
Ich danke dir und preise deinen heiligen Namen.
Es komme deine Liebe in mein Herz,
so, dass ich deinen Willen tu auf Erden,
wie er auch bei dir im Himmel geschieht.
Gib mir bitte mein tägliches, geistiges Brot heute und allezeit,
dass ich wachse und reife in deinem Willen,
und vergib mir meine Fehler, die ich begangen habe,
so wie ich denen, die gefehlt haben, vergebe.
Führe du mich alle Zeit durch die Versuchungen des Lebens hindurch
und erlöse mich von allen meinen niederen und bösen Gedanken,
damit deine bedingungslose Liebe
und deine ewig schaffende Kraft und deine Gnade,
die da ist, war und bleibt,
in mir ist und wirkt
bis in alle Ewigkeit.
Amen.
Es tut mir leid, lieber Vater!
Vergib mir bitte!
Ich liebe dich!
Ich danke dir!
Beziehung
Du kannst Kontakt haben ohne Beziehung,
aber keine Beziehung ohne Kontakt.
Am Anfang des Weges
Am Anfang des Weges machst du den ersten Schritt.
Bist du am Ziel, ist es der letzte Schritt, den du tust.
Doch wenn du am Anfang nicht glaubst, das Ziel zu erreichen, wirst du dich niemals auf den Weg machen. Alles ist ungewiss und Gewissheit bekommst du nur, wenn du frei tust im Glauben und Vertrauen, dass du dein Ziel erreichst.
Auch wenn der Lebensherbst vorbei ist
Auch wenn der Lebensherbst vorbei ist und du in den Lebenswinter eintrittst, so nimm es als gegeben hin. Es ist die Ordnung der göttlichen Gesetzmäßigkeit. Trauer nicht über Vergangenes, sondern freue dich über das, was gewesen, und sinne darüber nach. Lasse das los, was dich bindet und deine Freiheit nimmt, auch wenn der Schmerz dir noch sehr groß scheint. Sieh dir alle deine Tage an, auch die, die dunkel waren, sie haben dich gestärkt und vorangebracht, und die freudigen Tage waren der Lohn für die Mühen dieses Kampfes. Blicke zurück mit Freuden und auch mit Nachsicht und Milde, schaue aber auch nach vorn, was dir noch verborgen, wird offenbar werden. Denn auch wenn die Stunde des Abschieds kommt, wirst du wieder neu geboren werden, denn keine gelebte Zeit ist vergebens gewesen, kein Leben unnütz gelebt, alles kehrt zurück zu dem, von dem du gekommen bist. Nichts kann jemals verloren gehen, denn alles ist eins und zusammen und du bist ein wichtiger Teil davon.
Melodie der Sehnsucht
Das Rauschen des Baches in seinem Bette, das Wehen des Windes in den Wipfeln der Bäume und der Gesang der Vögel vielerlei Art ist die Melodie der Sehnsucht nach Freiheit und Geborgenheit der Seele.
Begegnung im Café
Plaudern, diskutieren,
lachen, flirten im Café.
Kosten, schmecken, genießen,
Zeit ist fließend.
Schauen, beobachten,
grüßen, erkennen.
Menschen aller Art
gemeinsam teilen,
die kleine Welt,
in der sich jeder
einen Moment frei
und glücklich fühlt.
Und geht jeder
wieder seinen eigenen Weg,
das Gefühl er noch im Herzen trägt,
Gemeinschaft, Freude, Wiederseh’n.
Blind für die Schönheit
Blind für deine Seelenschönheit,
taub mein Seelenohr für dein Wort.
Der Verstand ist vordergründig,
Herzgefühl steht hinten an.
Kälte friert Gefühle ein,
welch ein Chaos ist mein Leben,
welches Ziel will ich anstreben?
Ordnung schafft die innere Stille,
wenn ich mich auf mich einlass.
So erkenn ich Wesensschönheit,
höre Worte wesentlich.
Gefühle werden jetzt verständlich,
Herzen stehen im Vordergrund,
Wärme setzt die Liebe frei,
durch Ordnung hat die Stille
mir das wahre Ziel gezeigt.
Bricht der erste Morgenstrahl
Bricht der erste Morgenstrahl durch das Dunkel der vergehenden Nacht und wird die Stille durchbrochen von der Geschäftigkeit des neuen Tages, so ist der Tag erwacht zum neuen Leben. Doch in unserer heutigen lauten Zeit werden der Lärm und die Hitzigkeit des geschäftlichen Treibens alle Wunder des Lebens in den Hintergrund schieben. Es finden Begegnungen statt, die nach ihrer Sicht mit Schmutz und Gestank einhergehen, von denen sie sich verächtlich abwenden. Es ist nicht ihre Welt, es ist die Welt der Kleinen. Die Angst und Unsicherheit der Kleinen, die nach Brot hungern, nach Liebe und Anerkennung. Sie wollen nicht viel, nur geachtet und in ihrem Dasein anerkannt werden. Doch nur der Große, Mächtige hat bestand, da er durch Geld dort hineingeprägt wird, so glaubt man. Der Große hat die Macht. Hier wird der Geruch ihrer eigenen Angst durch teures Parfüm bedeckt und Unzulänglichkeiten mit großzügigen Geldgaben übertüncht. Auch hier ist die Angst präsent, Angst vor dem anderen, der den Thron besteigen will, auf dem sie selbst sitzen oder sitzen wollen. Hier sind Missgunst, Kampf und Streit, Ungerechtigkeit, Hinterlist, Lüge und Verderbtheit aller Höllen Eigenschaften.
Verliert der Tag wieder sein Licht und die Nacht steigt empor, wird die liebliche Stille, die dort gefunden werden kann, nicht wahrgenommen, weil die Angst vor der Stille, die mit dem Tod verglichen wird, größer ist als alles andere. Sie wird verdrängt, damit sie nicht mächtig wird. Doch sie ist schon mächtig wirksam. Sie wird überspielt. Schlaflos wälzt die Seele sich auf ihrem Ruhelager, das ihr keine Ruhe gibt. Sie fällt schließlich in einen tiefen Schlaf und die Träume lassen erschauern, welche seelische Armut in ihnen herrscht. Schweißgebadet wird sie aus dem Schlaf gerissen, der neue Tag hat seinen Wechsel schon vorgenommen und sie hat es nicht bemerkt. Das Treiben und der Lärm der Geschäftigkeit gehen weiter. Hetzen, kämpfen, unterliegen, bekriegen, verraten von Freundschaft und Bruch von Vertrauen, List gegenüber dem Nächsten, Verachtung, Gewinn.
Plötzlich ein inneres Zerreißen. Es ist still. Die Seele spürt ein Fallen, langsam schwebend mit Leichtigkeit, ringsherum Stille, so vertraut und so schweigend vielsagend.
Am Kai das Schiff mit freudig winkenden Menschen. Sie sprechen nicht, doch die Gedanken berühren die Seele. Sehnsucht steigt auf und sie möchte den Winkenden folgen, egal wohin die Reise auch geht, es ist die Sehnsucht der stillen, liebevollen Umarmung der Geborgenheit und der bedingungslosen Annahme. Harmonische klänge wie aus einer anderen Welt berühren die Sinne und die Seele ist erfüllt von grenzenloser Freiheit. Und mitten im harmonischen Tanz das rhythmische Hämmern und Schnaufen und Ziehen der Maschine. Die Kolben jagen auf und nieder, um volle Fahrt zu bringen, schnaubend und zischend auf und ab. Das Licht verdunkelt sich und die lieblichen Töne schwinden, nur noch das rhythmische Bewegen der Kolben und das Schnauben sind zu hören. Jetzt, ja jetzt ist es, als wenn alles mechanisch wie von selbst läuft. Volle Fahrt. Die Seele öffnet langsam die Augen und der Klang einer Stimme schmerzt mächtig im Ohr.
„Wir haben ihn wieder.“
Wo ist die liebliche Stille, die Freudigkeit, der Tanz im Reigen? War alles nur Traum? Lärm, Hektik, unbekannte Gerüche, alles fremd, doch wiederum so bekannt. Und die Nacht löst langsam den Tag von seinem Licht und gibt sich selbst in die Stille, die Ruhe schenkt. Ruhe und Stille umfangen auch die Seele und es erwacht wieder die Sehnsucht nach wirklichem Leben.
Es war kein Traum, Realität. Ein Blick in das Wahre, Wertvolle, Bleibende wurde geschaut. Ein Blick am Ende, der Kai, der auf dich wartet, deinen letzten Schritt zu tun in die ewige Freiheit. Zurück bleibe ich, ich habe gelernt, sanft schlafe ich ein mit wundervollen Träumen.
Das Dämmerlicht des neuen Tages und das Rufen der Vögel, welch wunderbarer Beginn. Licht und Geschäftigkeit werden wach und rufen, doch in mir ist Stille. Ich lausche und ein Ruf kommt ans Ohr: „Leben ist anders, Leben bist du, Leben ist schenken.“ So schenkt der Tag mir die lichte Stille und die Nacht die dunkle Stille, in beiden ruhe ich und bin geborgen.
Was ist, ist wahr
Alles, was ist, ist wahr
und was wahr ist, ist.
Dass alles schon gewesen ist,
ehe es wurde, das ist wahr.
Es ist aus dem Geist geboren.
Das kleine Rad
Ich bin ja nur ein kleines Rad, so ist die Aussage vieler Menschen, die aufgegeben haben zu Leben. Du hältst dich für unwichtig und wertlos und unnütz. Sagst oft: „Was kann ich denn schon tun und ausrichten!“
Nimm zum Beispiel eine Uhr in ihrer Funktion. Präzise läuft ihr Uhrwerk durch Meisterhand geschaffen. Aus einer Idee geboren und durch der Hände Werk vollendet. Viele Zahnräder schaffen ineinander dass, wofür die Uhr geschaffen ist. Es sind große und kleine. Schau dir einmal das kleinste Rad an, wie es unermüdlich schafft und die anderen voranbringt, Schritt für Schritt, Zahn für Zahn. So siehst du die Zeit hineilen, Tag für Tag.
Nimmst du nun dieses kleinste Rad aus dem Getriebe hinweg, verliert die Uhr ihre Funktion und ihren Wert.
Du bist dieses wichtige Rad, denn ohne dich funktioniert das ganze Leben hier nicht. Und durch dein Tun, kannst du, die Welt verändern, wenn du dir deiner Fähigkeiten bewusst wirst und sie kreativ einsetzt. Für dich selbst und für alle, die an das Leben glauben und es leben wollen.
Du hast in dir alles, was du dafür brauchst. Deshalb fühle dich als ein wichtiger Teil des Weltlebens. Du bist heute, hier, an diesem Ort, richtig. Genau an dieser Stelle, mit deinen Fähigkeiten und deiner Liebe zum Leben. Du bist Wichtig und solltest dir wichtig sein, damit dein Leben die Erfüllung bekommt, die du verdienst. Schau nicht auf andere, blicke zu dir hin und erkenne, dass du alles tun kannst was du möchtest und das richtig aus deinem Herzen. Du kannst dazu beitragen, dass die Welt sich verändert, wenn du bei dir anfängst.
Das Zeitspiel in unserer Lebenszeit
Der Zeitplan für unser Leben steht fest, von Beginn der Zeitwerdung an. Durch das Zeitwort „gehe“ werden wir als Zeitzeugen gesandt, ohne Zeitverschiebung. Unser Zeitpunkt, da wir ins Leben treten sollen, beginnt zeitgleich mit der Geburt. Nur eine kurze Zeitspanne sind wir auf dieser Erde, auf unserer Zeitreise, nicht zum Zeitvertreib und genau in dieser Zeitepoche richtig. Diese Zeit rast dahin wie im Flug. Vom Zeitgeist oft getrieben im Zeitraffer, glaubten wir, dass wir mit der Zeit gegangen sind, doch es waren nur Zeitkosten, die wir zeitverschwendend verwarfen. Zeitweise sind wir zeitlos durch die Gezeiten gegangen und in Gedanken machten wir einen Zeitsprung. Dann kehrten wir mit neuen Ideen und Gedanken zurück und zur Umsetzung der Ideen setzten wir uns einen Zeitrahmen und durch das Zeitmanagement erreichten wir unser Ziel in der Zeitfolge. Ab und zu haben wir dabei unsere Zeit verschenkt, wenn wir glaubten, unter Zeitdruck arbeiten zu müssen, und merkten nicht, wie uns die Zeit geraubt wurde. Einige Zeit beobachteten wir unser Zeittempo und sahen, wie die Zeit verflog, und wünschen uns, dass die Zeit für uns stehen blieb. Doch die Zeituhr tickte weiter. Wir versuchten Zeit zu sparen, doch manchmal war es Zeitvergeudung.
Betrachten wir einmal in Zeitlupe das Zeitgeschehen durch unser Zeitfenster eine Zeit lang, so erkennen wir, dass es eine bewegte Zeit war. Und schon durch die Zeitbetrachtung ist wieder Zeit vergangen. Wie viel Zeit verbleibt uns? Zeit ist kostbar und das merken wir erst, wenn Zeit verloren ist. Wir sagen zwar dann, die Zeit war schön, doch haben wir zeitgerecht oder zeitgemäß gelebt? Zeitgenau das getan, was unsere Aufgabe war?
Wir sollten uns Zeit nehmen, eine Zeit lang darüber nachzudenken, was Zeit für eine Bedeutung hat. Schauen wir auf die Zeituhr des Lebens, ist in diesem Augenblick die Zeit vorangeschritten. Also sollten wir uns die Zeit nehmen und uns Zeit schenken und die Zeit genießen. Zeit für uns zu haben und die wertvolle Zeit zu nutzen, ist zeitgemäß.
Das Zeitkontingent sieht nicht vor, Zeit aus dem Fenster zu werfen oder uns die Zeit zu vertreiben, sondern die Zeit intensiv zu leben und zu erleben, und das zeitgerecht, sinnvoll, würdevoll, losgelöst von dem Zeitgetümmel und dem Zeitgeschehen, ohne Zeitmesser. Jede Tageszeit und Jahreszeit ist zeitbegrenzt, genieße die Zeiteinteilung und nutze diese zur rechten Zeit. Dann kannst du sagen, ich habe Zeitlebens goldene Zeiten erlebt, denn alles im Leben hat seine Zeit. Und wenn die Lebenszeit endet, haben wir Zeit für alle Ewigkeit.
Das spannendste Buch
Das spannendste Buch, das du jemals lesen wirst,
ist dein eigenes Lebensbuch,
welches am Ende deines Lebens geschlossen wird
und du dann im neuen Leben zu lesen beginnst.
Das wahre Leben
Nur wer begreift und versteht,
dass Geburt und Sterben eins sind,
der versteht, dass wahres Leben
nur im Hier und Jetzt stattfindet
und möglich sein kann.
Der Liebreiz, der das Herz bewegt
Der Liebreiz, der das Herz besticht, ist der, der die Liebe zerbricht.
Der Liebreiz, der das Herz betört, ist der, der die Liebe zerstört.
So reiz das Herz nicht mit falscher Liebe, du es nur zu Grabe triebest.
Der Liebreiz, der das Herz belebt, ist der, wo die Liebe nie vergeht.
Leidender Mensch
Leidet der Mensch, so leidet auch die Natur mit, weil sie ein Teil seines Wesens ist. Doch wenn die Natur durch den Menschen leidet, erkennt der Mensch die Schwere seines Tuns an der Natur nicht, weil er selbst nicht fühlt, dass er ein Teil ihres Wesens ist. Darum leidet der Mensch durch sein eigenes Tun.
Der Mensch, sein eigener Feind
Der Mensch ist sein eigener Feind durch seine Gedanken über sich selbst.
Doch die Gedanken sind geformt aus der Zeit der Unkenntnis.
Er wird wieder zum Freund mit sich durch sein Selbst, wenn er sich die
Gedanken der Erkenntnis zu Eigen macht.
So schließt er Frieden mit sich und der Welt.
Der Mensch erwacht
Wo der Mensch erwacht,
die Sonne in seinem Herzen lacht,
ist befreit sein Herz von aller Last.
Er begrüßt den Tag,
was auch kommen mag,
sein Herz ist offen und frei.
Wird es dunkel und schwer,
ist sein Herz nicht leer,
ein Licht kommt immer
und nicht von ungefähr.
Es zeigt dem Mensch,
auf seine Weise, seine Lebensreise,
dass er ist geliebt, behütet
und geschützt.
Der Mensch
Für alles, was der Mensch nicht erklären kann, setzt er bestimmte Worte als Metaphern ein, um es besser umschreiben zu können. Diese Worte geben im Grunde genommen nur die innere Sehnsucht wieder, von der er eine leise Ahnung im Herzen trägt. Das, was er nicht erklären kann, bezeichnet er als „Dunkelheit“. Was er an Erkenntnis gewinnt, wird als „Ans Licht gebracht“ bezeichnet. Ereignisse, die er nicht klar sehen, nicht sichtbar erfahren kann, werden von ihm als „nebulös“ bezeichnet. Er stellt sich die Frage: Was ist das, was ich in meiner Ursehnsucht manchmal so liebevoll als „Mysterium“ umschreibe? Was ist das für ein großes Geheimnis, das im Dunkeln liegt, das mir wie ein Nebelschleier den Blick verwehrt? Es ist das Geheimnis des Urgrunds allen Seins, mit dem er unbewusst in Verbindung ist.
Als Mensch stellt er sich an einem gewissen Punkt im Leben die Frage: Wer bin ich, woher komm ich und was ist der Sinn meines Daseins auf Erden? Diese Frage kann nie geklärt werden, so lange er sich mit dem Außen befasst und nicht mit dem Innen. Selbst wenn er glaubt, schon fast die Antwort zu haben, umschließt der Nebel alles wieder, hüllt es in Dunkelheit ein und schweigt. Doch vernimmt er im Innern eine leise Stimme, ein leichtes Schwingen, welches die Sehnsucht als kleine Flamme im Herzen brennen lässt. Für ihn als Menschen ist diese unerklärliche Sehnsucht die Triebfeder, die ihn durch das irdische Leben hindurch begleitet, etwas in ihm wach hält und ihn glauben und hoffen lässt. So sucht er die Begegnung mit sich selbst in sich selbst und nimmt Beziehung auf, weil er spürt, dass in allen Herzen ein Gleichklang der Seelen besteht. Von der Urkraft allen Seins angeschlagen, klingt und schwingt die Melodie der Sehnsucht in den Herzen aller Menschen zu dem hin, der diese Sehnsucht auslöst, dem Urgrund allen Seins. An ihn stellen wir die Frage: „Wer bist du?“ In den Urschriften der Religionen steht bei Moses geschrieben: „Ich werde sein, der ich sein werde.“ In einer anderen Übersetzung heißt es: „Ich bin, der ich bin.“ Und so bleibt alles, wie es ist, nebulös in der Dunkelheit.
Wenn der Mensch das Wort „Dunkelheit“ betrachtet, ist die Anfangssilbe das Wichtigste, das „Du“. Das Du als sein Gegenüber in der Sehnsucht. Doch sehen kann er das Du nicht, weil es sich wie in einen Nebel einhüllt und sich für ihn nur langsam auflöst, daher das Wort nebulös (verborgen).
Liest der Mensch das Wort „Nebel“ von hinten, so löst sich der Schleier des Nebels und das Wort „Leben“ tritt ins Licht. Das Wort „Licht“ beinhaltet das Pronomen „ich“, das wiederum bedeutet, dass sein Ich ins Leben tritt und sein Dasein sich im Nebel verbirgt. Auch der Urgrund allen Seins verbirgt sich in ihm und will sichtbar werden, damit die Sehnsucht, das Sehnen und Suchen des Menschen aufhören und er ist, wie er ist. So wird er eines Tages sagen können: „Ich werde sein, der ich sein werde, in meiner Bestimmung, meinem Sinn des Lebens.“ Und wenn er den Sinn des Lebens erkannt hat, sagt er: „Ich bin der, der ich bin“, dann steht er im Licht des Ganzen und Ewigen und wird wieder eins mit ihm. Doch bis dahin ist es seine Aufgabe, im Sinnen des Lebens zu leben und sich zu bewegen, um die Sehnsucht im Herzen durch wachsende Sicherheit im Glauben an den Urgrund allen Seins zu stillen. Wie er ihn auch nennen mag, ist doch egal, da der Urgrund ewig ist und mit ihm, dem Menschen, eins werden möchte. Und wenn er, der Mensch, das auch möchte und will, so sucht er das Einssein mit ihm und mit dem anderen in der Begegnung und Beziehung. Damit baut er für sich seine Kraft auf, um das Lieben zu lernen. Zuallererst sich, dann seinen Nächsten. Dann ist er auch in der Lage, den Urgrund allen Seins zu lieben. So, wie das Buch der Bücher schreibt.
Sprechen wir von dem Wort „Liebe“, so könnten die einzelnen Buchstaben eine Bedeutung zulassen: Lässt (L) immer (I) eine (E) Brücke (B) entstehen (E). Eine Möglichkeit, es zu schaffen, zueinanderzufinden oder durch Verzeihen einen neuen Weg zu gehen, um alles abzuschließen, was zum Abschluss gebracht werden soll, sodass Seele des Menschen, die mit Wunden und Narben übersät ist, heilen kann. Es sind Verletzungen aus vergangener Zeit, die durch ihn selbst oder durch andere entstanden sind. Durch die Betrachtung im Licht der Liebe entsteht die Heilung der Seele. Die Seele, deren einzelne Buchstaben bedeutet könnten: Sich (S) eines (E) ewigen (E) Lebens (L) erfreuen (E). In einem Leben des Ganzseins und Heilseins. Damit hat alles Leid dann ein Ende.
Im Wort „Leid“ befindet sich das Wort „Eid“. Es ist der Eid, den die Urkraft allen Seins den Menschen gegeben hat: „Ich bin bei euch, bis an der Welt Ende.“ Somit verliert der Tod seinen Schrecken, weil der Mensch nun weiß, dass sein Ich im Leben im Licht seines Dus wandelt. So ist im Wort „Sterben“ das Wort „erben“ enthalten. Der Mensch erbt ein Leben im Licht seines Ichs und im Licht des Urgrunds des ewigen Seins, welches nun nicht mehr in der Dunkelheit ist, sondern sichtbar und kein Geheimnis mehr. So ist der Sinn des Lebens das Werden und Vergehen, um zu bleiben, was er gewesen ist, ein Teil des Großen und Ganzen. Es ist der Sinn des Lebens, dass er sich selbst begreift als dieser besondere Teil, der zum Ganzen gehört. Dass er sich selbst annimmt, als dieser Teil des Ganzen und sich um diesen besonderen Teil voller Liebe kümmert, damit er in das Ganzwerdende eingefügt werden kann, an den Platz seiner Bestimmung. Darum halte die Flamme deiner Ursehnsucht in dir am Brennen. Lass sie nicht auslöschen durch egoistische Gedankenkonstrukte der Feindlichkeit und Ablehnung, denn das beinhaltet das Lieben und Leben nicht. Wir sind alle gleich und am Ende wirst du in das Ganze eingefasst wie ein kostbarer Diamant, der durch die Schicksale des Lebens geschliffen seinen wahren Wert zeigt. Nun weißt du auch, warum dein Leben so ist, wie es ist. Du bist ein kostbarer Teil des Ganzen. Der Urgrund allen Seins hat schon gewusst, warum du so bist, um zu sein, damit das Du und das Ich sich zum Ganzen vereinen.
So weiß deine Seele, dass sie geliebt wird.
Dass sie im Leben nie allein ist und in Beziehung tritt.
Dass alles, was vor ihr im Nebel liegt, ist und sich im Licht der Erkenntnis auflöst.
Dass Leid ein Schleifen an der Seele ist, um sie damit kostbarer zu machen.
Dass die Seele durch den Eid des Urgrunds geschützt ist.
Dass der Platz im Leben des Großen und Ganzen ihre Bestimmung ist und hier auf Erden die Bearbeitung für das Große und Ganze geschieht.
Dass wir als Seelen alle gleich sind und uns als gleich ansehen.
Alles ist ein Prozess des Werdens, damit wir sein können. Auf Erden können wir sagen: „Ich werde sein, damit ich bin.“ Haben wir unseren Lauf vollendet, können wir sagen: „Ich bin, damit ich sein werde. Also werde ich auf dieser Erde lernen, um zu werden, damit ich ich bin. Und habe ich das Leben verstanden, dann bin ich im Leben angekommen und werde im Leben sein. Glücklich, zufrieden, frei und ungebunden, zugehörig und eins mit mir, dem Nächsten und dem Urgrund aller Liebe.
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