Читать книгу: «Wie Pferde heilen»

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Impressum

Haftungsausschluss

Die Autorin und der Verlag haben den Inhalt dieses Buches mit großer Sorgfalt und nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Für eventuelle Schäden an Mensch und Tier, die als Folge von Handlungen und/oder gefassten Beschlüssen aufgrund der gegebenen Informationen entstehen, kann dennoch keine Haftung übernommen werden.

Copyright © 2019 by Crystal Verlag, Wentorf

Gestaltung und Satz: Johanna Böhm, Dassendorf

Titelfoto: Bettina Niedermayr

Fotos im Innenteil: Alle Fotos im Innenteil (außer anders angegeben) von Martina Kiss, Christiane Slawik (S. 5, 6, 10, 17, 18, 21, 22, 24, 27, 45, 51, 85,122/123, 124, 126), Andrea Ehlers (S. 101, 110, 120)

Lektorat: Martina Kiss

Druck: Westermann Druck, Zwickau

Deutsche Nationalbibliothek – CIP-Einheitsaufnahme

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.

Alle Rechte vorbehalten.

Abdruck oder Speicherung in elektronischen Medien nur nach vorheriger schriftlicher Genehmigung durch den Verlag.

Printed in Germany

ISBN: 978-3-95847-021-7

eISBN: 978-3-95847-721-6

Inhalt

Vorwort

Warum besitzen Pferde heilende Kräfte?

Was ist „heilend“?

Starke Seele, starker Geist

Das Pferd als Krafttier?

Die feinstoffliche Wahrnehmung

Die spirituelle Verbundenheit

Vom Kopfbewusstsein zum Körperbewusstsein

Energie erfühlen und wahrnehmen

Meine Lehrer, meine Heiler

Ins Reine kommen

Loslassen und beobachten

Erkennen und akzeptieren

Gedulden und führen

Die Sprache der Pferde lernen

Gefühle wahrnehmen und Grenzen setzen

Bewusstsein entwickeln

Wandlung zulassen

Das Pferd – Lehrmeister des Lebens

Rollenspiele – Glaubenssätze und Teilpersönlichkeiten

Spiele ich eine Rolle oder bin ich authentisch?

Bewusst in das Gefühl hineinfühlen

Opferrolle ablegen

Fragen des Lebens an den Menschen

Was bist du?

Angst als Wegbegleiter

Von der Verspannung zur Gelöstheit

Wer bist du?

Von Körperintelligenz zur Herzintelligenz

Isolation durch Verdrängen

Pferde sehen nur, was IST

Wo bist du?

Raum wahren

Unbewusst Grenzen überschreiten

Fragen des Pferdes an den Menschen

Kannst du mich bewegen?

Kannst du die Richtung vorgeben?

Kannst du die Gangart vorgeben?

Neutral bleiben = gelöst sein!

Den eigenen Weg gehen

Spannung im Körper und im Geist abbauen

Neutral sein auf mentaler Ebene

Der Mensch im Außen = Stress für das Pferd

Mit Klarheit zur Sanftheit

Die Auflösung des Schmerzkörpers

Unterdrückte Gefühle

In das Gefühl hineingehen

Negative Gefühle auflösen

Pferde fordern Erdung

Durch Atmung zur Erdung

Erdungsübung

Pferde fordern Geduld

Pferde fordern Akzeptanz

Pferde fordern Ernsthaftigkeit

Übung – Aktivierung des dritten Chakras

Der Individualraum

Übung – Festlegen des Individualraums

Die vier Wesensglieder – Luft, Feuer, Wasser und Erde

Übung – Aktivieren der vier Wesensglieder

Co-Autoren und Psychologen – meine Pferde

Racky – der heilende Lehrmeister

Latiro – der feinfühlige Kommunikator

Alba – die sensitive Heilerin

Nevada – die ernsthafte Führerin

Limbio – der lernfreudige Tänzer

Carlos – der eigenwillige Charmeur

Danke

Register

Lesetipps


Vorwort

Kaum ein Mensch kann sich dem Zauber der Pferde entziehen. Doch nicht nur ihre Schönheit, sondern vielmehr ihre Sensitivität fasziniert uns, ohne dass wir es uns erklären können. Durch diese Sensitivität vermögen sie zu heilen. Oft reicht es, sie nur zu beobachten, und schon werden wir ruhiger.

Ich habe am eigenen Leib die heilenden und segensvollen Kräfte der Pferde erfahren und erlebe in meinen Kursen, wie diese Kräfte alle jene erfahren, die sich den Pferden auf eine sehr spezielle Weise öffnen. Ich für mich habe erkannt, dass „Heilen“ heute die vorrangige Aufgabe des Pferdes ist!

Das Pferd hilft uns Menschen, in unserer Seele zu erstarken und damit heil zu werden. Eine starke Seele generiert einen starken Körper. Das Pferd hat uns Menschen stets auf unserer Entwicklungsreise begleitet und sehr wichtige Evolutionsschritte ermöglicht. Nun stehen wir wieder inmitten eines sehr wichtigen Evolutionsprozesses: Es geht um Bewusstwerdung!

Diesmal trägt uns das Pferd nicht physisch, sondern auf den Flügeln seiner Seele. Pferde sind starke Seelenwesen und haben die Kraft, uns im Tiefsten unserer Seele zu berühren.

Pferde stehen als Archetyp für Freiheit, Freude, Leichtigkeit, Unabhängigkeit, Wildheit und vieles mehr.

Dies sind alles Qualitäten, die wir uns auf Seelenebene wünschen. Wir wünschen uns, frei zu sein. Frei von unseren inneren Mustern und Glaubenssätzen, die uns limitieren und blockieren. Das Freisein im Innen hat ein Freiwerden von sozialen und gesellschaftlichen Bindungen und Einengungen zur Folge.

Wir wünschen uns Freude, die in unserer Seele als Seinszustand zu Hause ist und nur dann Raum hat, wenn wir uns befreien. Das Pferd zeigt uns, was es bedeutet, ins Sein zu kommen. Pferde leben im immerwährenden Sein, im Jetzt.

Leichtigkeit, die dann entsteht, wenn wir in Kontakt mit unserem wahren Wesen, unserem wahren Ich sind. Die Leichtigkeit des Seins, die wir Reiter und Reiterinnen nur zu gut kennen, wenn wir eins mit unseren Pferden sind.

Ich hoffe, mit diesem Buch die Pferde ein Stück weit auf ihrer Mission als Heiler zu unterstützen und in den Menschen ein tieferes Verständnis bezüglich dieser hohen Aufgabe der Pferde zu erwecken.

Alexandra Rieger


Pferde leben in einer instinktgesteuerten Welt und erden uns Menschen. Durch diese Erdung finden wir wieder in unsere Mitte zurück. Der erste Schritt auf dem Weg zu unserer ureigenen Persönlichkeit.

Warum besitzen Pferde heilende Kräfte?

Weil sie wie keine anderen Tiere Akzeptanz, Geduld und Ernsthaftigkeit in sich tragen. Und sie leben in einer natürlichen Ordnung. Das haben Pferde mit allen Tieren gemeinsam. Alle Tiere leben nach einer für die jeweilige Rasse festgelegten göttlichen Ordnung (Instinkt). Das Tier ist somit instinktgesteuert und besitzt im Rahmen seines Instinkts in vielen Fällen eine Weisheit, die die des Menschen weit übertrifft.

Das Pferd kann über feinste Antennen Dinge wahrnehmen, von denen der Mensch sich in aller Regel erst bewusst wird, wenn er sie mit seinen Augen erkennen kann. Jeder, der Ausritte genießt, kennt folgendes Phänomen: Wie aus dem Nichts geht das Pferd in „Habt-Acht-Stellung“, ohne ersichtlichen Grund. Erst viel später wird der Grund für den Reiter verständlich. Vielleicht hat sich ein sich nähernder Radfahrer, Wanderer oder ein ähnliches Objekt dem Pferd schon lange vor seinem physischen Erscheinen bemerkbar gemacht. Ob es eine Spinne ist, die ihr kunstvolles und filigranes Netz spinnt, eine Schwalbe, die ein stabiles Nest baut … und so weiter – es gibt unzählige Beispiele aus dem Tierreich, die uns die hohe und doch fast selbstverständliche Intelligenz der Tiere vor Augen führt. Diese Intelligenz beschränkt sich jedoch im Rahmen der göttlichen Ordnung nur auf die jeweilige Art. Die Intelligenz der Pferde ist nicht erreichbar für eine Schwalbe, die der Schwalbe nicht für eine Spinne und so weiter. Sie ist nur jedem einzelnen Tier einer Art vorbehalten.

Somit ist der Instinkt der Tiere eine unfreie Weisheit. Ein Tier kann sich nicht entscheiden und beschließen, eine Qualität erreichen zu wollen, die außerhalb seiner instinktgesteuerten Weisheit liegt. Das kann nur der Mensch.

Doch die Tatsache, dass das Tier in einer göttlichen Ordnung lebt, macht das Tier für den Menschen so wertvoll. Vor allem in unserer heutigen Zeit, in der wir uns weit von der natürlichen (göttlichen) Ordnung entfernt haben. Die gesamte Natur untersteht dieser natürlichen Ordnung. Wir zivilisierten Menschen haben uns von der Natur entfernt und damit von der göttlichen Ordnung wegentwickelt.

Somit ist es für Menschen heilsam, wenn sie sich mit Tieren im Allgemeinen und mit Pferden im Speziellen auseinandersetzen. Denn die Tiere leben uns unbewusst vor, wie wir zur Natur und dadurch zu einer höheren Ordnung zurückfinden.

Nicht umsonst halten wir Menschen uns Haustiere. Menschen spüren intuitiv, dass durch die Anwesenheit eines Tiers eine wohltuende – um nicht zu sagen heilsame – Energie in ihr Leben einströmt. Wenn diese Energie auf intuitiver Ebene bereits so stark empfunden wird, dann können wir an dieser Stelle erahnen, wie wertvoll ein bewusster und gezielter Umgang mit dem hochsensiblen Tier Pferd sein kann.


Bist du seelisch so stark, dass du mich führen kannst?

Was ist „heilend“?

Mit heilend in der Arbeit mit den Pferden ist ein Heilwerden auf seelischer Ebene gemeint. Eine schwache Seele kann den Körper nicht gesund erhalten, das kann nur eine in sich starke Seele. Pferde fordern vom Menschen, seelisch stark zu sein, denn im Moment des Zusammenseins mit einem Pferd testet es uns, um zu sehen, welche potenzielle Position wir im Hierarchiegefüge einnehmen.

In der freien Wildbahn hängt das Überleben des Einzelnen wie der Gesamtheit der Pferdeherde von einer geregelten und fest bestimmten Hierarchie ab. Ranghohe Pferde haben eine starke Seele. Wie wir das erkennen können? Durch eine starke energetische Ausstrahlung des Pferdes und durch seine Autorität, die die anderen auf Distanz halten. Ein rangniederes Pferd wird sich nicht erlauben, in den Individualraum des ranghöheren Pferdes zu treten. Die ranghohen Pferde zeichnen sich in aller Regel nicht durch äußere Merkmale aus. Sie zeichnen sich jedoch vor allem durch eine seelische Stärke und Präsenz aus.

Ranghohe Pferde zeichnen sich durch seelische Stärke aus.

Will der Mensch nun mit einem Pferd interagieren, egal, wie auch immer diese Interaktion aussehen mag, es kann sich um eine einfache Bodenarbeit oder um eine reiterliche Lektion handeln, immer wird das Pferd fragen: Bist du seelisch da? Es ist ein instinkthaftes Abfragen, das das Pferd veranlasst, gewisse Aktionen oder Reaktionen an den Tag zu legen. Dieses instinkthafte Einfordern von seelischer Stärke seines menschlichen Gegenübers birgt für den Menschen die Chance, in sich zu erstarken.

Starke Seele, starker Geist

Der Mensch ist ein dreigliedriges Wesen von Körper, Seele und Geist. Dabei ist der Körper das Gefäß für die Seele und die Seele das Gefäß für den Geist. Der Körper ist das äußerste Glied und erhält seine Lebensfähigkeit von der Seele. Ein Körper ohne Seele ist ein lebloser, sprich toter Körper. Er ist wie ein Kleid ohne Mensch. Das Kleid erhält sein „Leben“ erst durch den Menschen, der das Kleid trägt. Dem Kleid selbst wird kein Leben zugesprochen. Genauso verhält es sich mit dem menschlichen Körper. Er dient als Fassungsgefäß für die Seele – das jedoch nur dann tauglich ist, wenn es stark und ganz in seiner Form ist. Ein Eimer, der ja auch ein Gefäß für Wasser ist, kann nur dann das Wasser fassen, wenn er als Eimer ohne Löcher ist.

Du, lieber Leser, wirst an dieser Stelle vielleicht den Einwand bringen und sagen: Ja, aber es gibt Menschen, die bereits mit einem schwachen, kranken oder beeinträchtigten Körper auf diese Welt kommen. Das stimmt. Und auch in diesen Fällen können wir beobachten, dass es Unterschiede in der Auseinandersetzung mit den jeweiligen körperlichen Handicaps des Betroffenen gibt. Es gibt jene, die sich von den Gegebenheiten erdrücken lassen, und es gibt jene, die seelische Stärke leben und trotz der Widrigkeiten das Beste aus der Situation machen.

Eine starke Seele generiert einen starken und gesunden Körper und macht vor allem eines möglich, dass sie zum Fassungsgefäß für den Geist wird. Denn erst der Geist, der zunächst latent in der Seele ruht, so wie ein Samenkorn in der Erde, findet die notwendigen Voraussetzungen in einer starken Seele, um sich entfalten zu können. Der Geist, der den Menschen befähigt, weitere Evolutionsschritte zu vollziehen. Das wahre Menschsein beginnt mit dem Erwachen des Geistes in ihm. Doch muss der Mensch selbstverantwortlich dieses Erwachen, diese Bewusstseinsevolution anstreben. Ein Starkwerden in der Seele erstreckt sich somit nach unten in den Körper und mit einer Ausdehnung nach oben in der Form, dass sich der Mensch ins Geistige hinein entwickeln kann. Mit anderen Worten ausgedrückt: Der Mensch wird immer bewusster, immer wacher. Die körperliche Gesundheit ist eine positive Nebenerscheinung einer geistigseelischen Entwicklung.



Kraft, Stärke, Eleganz, Schönheit und Freiheit – das verbinden viele Menschen mit dem Pferd.

Das Pferd als Krafttier?

Das Pferd ist für all jene Menschen ein Krafttier, die eine Anziehung diesem Tier gegenüber empfinden. Dabei spielt es keine Rolle, ob derjenige oder diejenige einen Kontakt zu den Pferden hat oder aus der Entfernung eine gewisse Sehnsucht spürt.

Seit Urzeiten ist das Pferd ein Archetyp für all jene Qualitäten, die meist unbewusst im Menschen auf Seelenebene schlummern. Qualitäten wie: Kraft, Macht, Eleganz, Würde, Unbestechlichkeit, Freiheit, Stärke, Sanftmut, Frieden, Geduld, Präzision und viele andere Eigenschaften. Das Pferd erinnert uns an diese Qualitäten, es lebt sie uns vor und wir bewundern es für diese Qualitäten. Wenn wir uns dem Pferd öffnen, kann es all diese Energien in uns wachrufen, damit wir einen Zugang zu ihnen finden und sie im Alltag leben können. Damit das Pferd uns auf diese Reise mitnehmen kann, müssen wir uns vorbereiten und uns Schritt für Schritt diesen Qualitäten öffnen.

Das Pferd kann uns auf der Reise zu uns selbst begleiten.

Es geht um die Reise zu uns selbst. Eine Reise in unsere innere Welt, die im Schamanismus nicht alltägliche Realität genannt wird oder in unserem modernen Sprachgebrauch als Unterbewusstsein bezeichnet wird. Es ist jener Bereich in uns, den wir nicht kennen, der uns unbewusst ist, der auf einer nicht fassbaren – oder wir können auch sagen spirituellen – Ebene liegt.

Warum kann gerade das Pferd uns auf diese Reise mitnehmen? Weil das Pferd zum einen im Hier und Jetzt stark verwurzelt ist und zum anderen im gleichen Maße auf der feinstofflichen Ebene zu Hause ist.

Die feinstoffliche Wahrnehmung

Die Tatsache, dass das Pferd sehr stark auf der materiellen Ebene verankert ist, können wir dadurch erkennen, dass es alles um sich herum sehr genau wahrnimmt. Kleinste Veränderungen werden sofort registriert. Wer mit seinem Pferd ausreitet, kennt sicher die Situation, in der das Pferd urplötzlich in eine „Habt-Acht-Stellung“ geht, während du oben auf dem Pferd nicht erkennen kannst, warum. Nach ein paar Minuten wird dir klar, warum dein Pferd so reagiert hat. Es wurde vielleicht durch einen Radfahrer oder Spaziergänger oder durch ein Reh alarmiert – dies jedoch lange bevor du etwas davon bemerken konntest. Warum? Weil das Pferd über feine Antennen verfügt, die es möglich machen, potenzielle Gefahrenquellen weit im Voraus zu erspüren. Diese Fähigkeit ist für das Pferd in freier Wildbahn lebensnotwendig.

Auf spiritueller Ebene beziehungsweise feinstofflicher Ebene ist das Pferd genauso zu Hause. Ich kann immer wieder in meiner kleinen Herde beobachten, wie die einzelnen Herdenmitglieder auf feinstofflicher Ebene miteinander in Kontakt stehen. Die Herde bewegt sich wie ein „Körper“. Die Pferde kommunizieren untereinander auf energetische Weise, Informationen werden auf feinstofflicher Ebene übermittelt. Meine Pferde leben auf einem großen Areal, das in verschiedene Zonen eingeteilt ist. Jeden Morgen wird die Herde von der Basiskoppel auf eine abzugrasende Koppel geleitet. Ich sage bewusst geleitet, weil die Pferde nicht geführt werden. Ich gehe voraus, um die für diesen Tag gewählte Koppel zu öffnen, während die Herde auf der Basiskoppel noch ihre Morgenration Heu frisst.

Das Gelände am Gardasee ist sehr weitläufig und deshalb kann die Koppel durchaus jeden Tag eine andere sein. Sobald das Areal geöffnet ist, schicke ich der Herde ein geistiges Bild. Ich zeige in diesem geistigen Bild, wo ich mich befinde und in welche Richtung sich die Herde zu bewegen hat. Es dauert nicht lange und alle Pferde kommen meist im Entenmarsch an. Dies ist nur eines von einigen Beispielen aus meinen täglichen spirituellen Erfahrungen mit den Pferden.

Pferde kommunizieren auf energetische Weise.

Die spirituelle Verbundenheit

Pferde sind noch mit der spirituellen Ebene verbunden. Sie verfügen über eine Intelligenz, die die des Menschen übertrifft, doch nur im Rahmen des Instinkts der jeweiligen Rasse. Das Pferd verfügt unter anderem über genannte Fähigkeiten, da es über das Gruppenbewusstsein geleitet wird. Über diese für jede Rasse unterschiedliche Instinktintelligenz hinaus kann sich das Pferd in unserem Fall nicht bewegen. Der Mensch kann dies sehr wohl, da er ein freies und denkendes Wesen ist. Er kann sich für eine Entwicklung entscheiden, er kann Grenzen überwinden und sich aus dem naturverbundenen (instinktgesteuerten) Denken hinein in das geistige Denken entwickeln. Dazu muss der Mensch jedoch die bindende und hemmende Schwere und die Hindernisse der Materie immer mehr in sich überwinden. Er muss sich aus freien Stücken dafür bewusst entscheiden, das kann kein Tier. Diese Entscheidung und die entsprechenden Entwicklungsschritte unterscheiden den Menschen grundsätzlich vom Tier.

Nun besitzt gerade das Pferd Eigenschaften, die der Mensch auf seinem Entwicklungsweg hin zum „Mensch-Sein“ benötigt. Es sind vor allem die oben aufgelisteten Qualitäten, die wir von den Pferden lernen dürfen. Das Pferd zeichnet sich als Krafttier für all jene aus, die bereit sind, seinen Lehren zu folgen. Das Befolgen dieser Lehren hat eine heilende Wirkung auf den Menschen, da das Erringen dieser Qualitäten ein Erstarken der Seele bewirkt, und eine starke Seele generiert einen starken und gesunden Körper.

Vom Kopfbewusstsein zum Körperbewusstsein

Wie sehen nun diese Lehren aus? Wir lernen von den Pferden, aus unserem Kopfbewusstsein in unser Körperbewusstsein zu gehen. Im Körper anwesend sein bedeutet im Sein ankommen. Mit Sein ist die authentische Ebene im Menschen gemeint, die frei von konditionierten Inhalten ist. Konditioniert ist, was sich im Menschen als unbewusste Inhalte wie Glaubenssätze, Überzeugungen, Erinnerungen und so weiter eingeprägt hat und den Menschen manipuliert. Diese konditionierten Inhalte machen den Menschen unfrei und zwängen ihn in ein unsichtbares Gefängnis. Je unbewusster ein Mensch ist, desto gefangener ist er seinen konditionierten Teilbereichen ausgesetzt. Ich stelle immer wieder fest, dass Menschen, die in sich unfrei sind, auch Pferde gefangen halten. Eine klassische Boxenhaltung, in der die Pferde meist viele Stunden Tag und Nacht in der Box stehen und nur für einige Trainingsstunden am Tag in die Halle kommen, ist nichts anderes als ein Gefängnis für Pferde. Wer in sich unfrei ist, sieht die Unfreiheit im Gegenüber nicht.



In der Pferdehaltung kann dies für das Pferd zu unerträglichen Qualen führen. Denn ein Pferd ist ein Steppentier, ein Lauf- und Herdentier. Es ist ein Wesen, das eine gewisse Freiheit und die Weite braucht.

Kehren wir zurück zu den Lektionen, die wir durch die Pferde lernen können. Im Körper sein ist die wichtigste Lehre der Pferde. Das hört sich einfach an, ist es für uns moderne Menschen jedoch keineswegs. Bevor ich die Pferde als meine Lehrer entdeckte, waren Buchautoren meine spirituellen Trainer. Was ich von ihnen lernen durfte, war zwar sehr interessant, doch für den Alltag hatten diese Lehren keinen großen Wert, da ich nicht aus meinem Kopf hinaus in tiefere Schichten vordringen konnte. Ich las begeistert unter anderem die Bücher von Jiddu Krishnamurti, von Thích Nhất Hấnh, um nur zwei Autoren zu nennen, die immer wieder die Notwendigkeit der Gegenwärtigkeit hervorheben. Durch das viele Lesen dieser wunderbaren Lehren überzeugte ich mich immer mehr, diese Lehren auch zu leben. Ich lebte mich gedanklich so in diese Lehren ein, dass ich dachte, gegenwärtig und im Hier und Jetzt zu sein. In der Begegnung mit den Pferden erkannte ich sehr schnell, dass es zwischen meinem gedachten „Gegenwärtig-Sein“ und dem Gegenwärtig-Sein der Pferde einen riesengroßen Unterschied gab. Meine Gegenwärtigkeit war nur in meinem Kopf zu Hause, die der Pferde im Hier und Jetzt. Ich durfte durch kleine Schritte lernen, in meinen Körper zu kommen. Dies geschah unter anderem durch ein bewusstes Atmen und durch gezielte Atemübungen – und es ist ein lebenslanger täglicher Prozess.

In seiner Mitte sein ist die wichtigste Lehre der Pferde.


Lange bevor wir Menschen Irritationen fühlen, nehmen Pferde schon Schwingungen wahr.

Energie erfühlen und wahrnehmen

Das Leben im Hier und Jetzt ist eine Komponente, wovon wir Menschen lernen können, aber das Wahrnehmen ist der andere Teil, in dem uns Pferde einen Schritt voraus sind. Wie stark Pferde Energien wahrnehmen und darauf reagieren, wurde mir an einem Januarvormittag durch meine Pferde gezeigt. Wie bereits erwähnt, ist das Areal, in dem sich meine Pferde befinden, sehr weitläufig und in verschiedene große Koppeln unterteilt.

Unterhalb dieser Koppeln befindet sich eine Zone, die von September bis Januar von einem Jäger als Basisstation genutzt wird. In den Monaten von Mitte Januar bis Anfang September kann das Gelände von den Pferden genutzt werden. Ich ging an diesem besagten Vormittag den Pferden voraus, um die Koppel zu öffnen. Die Pferde folgten mir und waren zunächst sehr ruhig und im Begriff zu grasen. Am Gardasee herrscht auch im Winter ein sehr mildes Klima, sodass die Pferde das ganze Jahr über auf den Koppeln etwas zu grasen finden. Ich ließ also die Pferde unter sich auf der „neuen Koppel“ und ging meiner Wege. Bereits nach wenigen Minuten kam mir die Herde im gestreckten Galopp entgegen. Da ich keine Erklärung für die Reaktion hatte, ging ich zurück zur Weide, um zu sehen, was geschehen war. Was war es, das die Pferde veranlasst hatte, so aufgebracht davonzugaloppieren?

Pferde nehmen Energie viel intensiver wahr als wir Menschen.

Alles war so wie vor einigen Minuten, keinerlei Motiv für eine so intensive Reaktion der Pferde. Dieses Szenario spielte sich einige Tage hintereinander in der geschilderten Form ab. Jedes Mal untersuchte ich die Weide und die umliegende Gegend, um eine entsprechende Motivation für das Verhalten der Pferde zu erkennen. Nichts. Rein gar nichts, was ich erkennen konnte.

Am fünften Tag blieb ich mit den Pferden vor Ort, um zu erfassen, was die Ursache für das Nicht-bleiben-Wollen der Pferde sein konnte. Ich spürte, als ich mich inmitten der Pferde befand, eine innere Unruhe in mir aufsteigen. Ich konnte diese innere Unruhe fast greifen, so präsent war sie. Ich konnte nur nicht verstehen, wodurch meine plötzliche Unruhe ausgelöst wurde. Ich blieb also bei den Pferden stehen, die nun begannen, einige Grashalme mal hier, mal dort abzureißen – aber doch fühlbar eine innere Unruhe in sich trugen. Plötzlich galoppierten die Pferde wieder los. Es war diese innere Unruhe, die sich aufbaute, bis sie unerträglich wurde und die Pferde veranlasste, davonzugaloppieren. So ging ich langsam und mit voller Aufmerksamkeit das Gelände ab. Ich beobachtete vor allem meinen eigenen Gemütszustand. Wie und was fühlte ich? Ganz plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Je näher ich zu der Aussichtsstation des Jägers kam, desto mehr zog sich alles in mir zusammen. Diese Unruhe, die sich zu einer unerklärlichen Angst aufbaute, schnürte mir die Kehle zu und mich überkam ein Grauen. Nun hatte ich die Erklärung. Es war die Energie des Ortes. Die Informationen, die dieser Ort abstrahlte, konnte ich nun deutlich spüren. Je mehr Aufmerksamkeit ich dem Ort widmete, desto mehr konnte ich die Energie in meinem Körper wahrnehmen, so wie es die Pferde tun. Pferde nehmen mit ihrem ganzen Sein und mit ihrem Körper wahr. Diese Wahrnehmung im vollen Bewusstsein ist viel effektiver als das Erkennen mit dem Verstand, der vergleichsweise sehr in seinem Fassungsvermögen limitiert ist. Diese Energie eines Ortes beispielsweise kann der Verstand nicht wahrnehmen, diese können wir nur erfühlen.

Pferde erfühlen die Information eines Ortes.

Die Information des Ortes enthielt: Jagd, gejagt werden, töten, getötet werden, Flucht, flüchten. Also Informationen, die für ein Pferd beunruhigend sind und es veranlassen zu flüchten. Pferde können die Informationen eines Ortes erfühlen. Das können wir Menschen auch, wenn wir uns wie die Pferde ins SEIN begeben und über die Intelligenz unseres Verstandes auch die Intelligenz unseres Körpers und die der Seele aktivieren.

Der moderne Mensch aktiviert vorrangig die Intelligenz seines Verstandes; die des Körpers und der Seele verkümmern im Alltag zwischen Computerarbeit und modernen Medien zunehmend.

Pferde bieten für viele Menschen eine Brücke zurück zur Natur und damit zurück zu den eigenen Wurzeln und der Möglichkeit, immer mehr im Sein anzukommen.

Gern möchte ich euch teilhaben lassen, wie es mir gelungen ist, den Ort zu „neutralisieren“, sodass die Pferde nun in Ruhe und Gelassenheit grasen können. Nachdem ich mir des Problems bewusst geworden war, habe ich mich so zentral wie möglich auf dem Gelände aufgestellt. Ich habe mit der Wurzelatmung eine starke Verbindung mit diesem Teil der Koppel hergestellt und durch mein bewusstes Einatmen hohe Energien aus der Atmosphäre aufgenommen mit der Bitte, Gott möge diesen Ort segnen. Das machte ich einige Tage in der geschilderten Weise. Mit jedem Mal wurde die Energie des Ortes spürbar neutraler, bis hin zu einer wohltuenden Energie. Nachdem ich diesen Ort neutralisiert hatte, war das angstvolle Verhalten der Pferde nicht mehr aufgetreten.



Pferde lehren uns Geduld, Akzeptanz und Ernsthaftigkeit – Eigenschaften, die wir auch im täglichen Miteinander brauchen.

Meine Lehrer, meine Heiler

Jedes Pferd ist einzigartig und besitzt ganz spezielle Charakterzüge, die uns helfen, in uns etwas zu erkennen. Vielleicht erkennst du dich in der einen oder anderen Schilderung. Ich will dich ermuntern, eventuell unbequeme Charakterzüge deines Pferdes unter dem Gesichtspunkt des Lernens zu betrachten, statt zu versuchen, das Pferd verändern zu wollen. Dies kann dir ganz neue Wege und Einsichten bescheren und dein Pferd kann sich in seiner wahren Wesenheit offenbaren und über sich selbst hinauswachsen.

Mein erster wirklich großer Lehrer war und ist Racky, ein Wallach hannoveranischer Abstammung. Racky ist ein sehr dominantes und energetisch präsentes Pferd. Mit ihm habe ich viele Tiefschläge, Rückschläge, Krisen und teilweise auch gefährliche Situationen erlebt. Gefährlich deshalb, weil ich in den ersten Jahren noch sehr unbewusst und unbedarft an das Reiten und die Pferdewelt im Allgemeinen herangegangen bin. Diese Unbewusstheit und Unbedarftheit kann ich bei vielen Menschen beobachten. Unbewusstheit auf der Basis eines starken Egos kann im Umgang mit Pferden gefährlich sein. Eine Mischung, die sich im Umgang mit Pferden nicht verträgt.

Pferde können die Verantwortung für Menschen übernehmen.

Unbewusstheit auf der Basis der Unschuld beziehungsweise Demut ist dagegen kein großes Problem. Als Beispiel können wir hier die Beziehung von geistig behinderten Menschen zu Pferden anführen. Diese Menschen sind meist sehr unbewusst, doch ohne Ego und dessen Allüren. In diesen Fällen können wir etwas Herzerweichendes beobachten: Pferde übernehmen in solchen Fällen meist die Verantwortung für diese Menschen.

Nun zurück zu meinem Racky: Ich war in den ersten Jahren meines Zusammenseins mit Racky sehr unbewusst und hatte diese Egoallüren. Aufgrund dieser energetischen Voraussetzung war ich für mein Pferd in den Anfängen kein ernst zu nehmender Partner. Allenfalls ein Wesen, das ständig etwas wollte und dabei Anforderungen stellte, die jeglicher Achtung und Höflichkeit ihm gegenüber entbehrten. Mein Pferd hatte unendliche Geduld mit mir. Tatsächlich ist dies seine große Spezialität: Er lehrt die Geduld. Bevor ich jedoch in dem Fach Geduld unterrichtet werden konnte, musste er mir erst Akzeptanz beibringen.

Ins Reine kommen

Als ich – durch meine Tochter – den Wiedereinstieg in die Pferdewelt fand, dachte ich zunächst, ich müsste dort anknüpfen, wo ich damals aufgehört hatte: Dressurreiten. Dies tat ich auch und kaufte mir ein nach meinen Vorstellungen passendes Pferd – Racky. In Wahrheit war es Racky, mein Pferd, das sich mich ausgesucht hatte. Dessen war ich mir natürlich nicht bewusst.

Die ersten Monate unseres Zusammenseins waren für mich so, wie ich es von früher kannte: Ich kam in den Stall, putzte mein Pferd, sattelte es und ritt meine Übungen. Ein- bis zweimal die Woche erhielt ich englischen Reitunterricht.

Ich war einigermaßen zufrieden. Tief in mir fühlte ich: Da war noch etwas, da musste es noch etwas geben. Zu diesem Zeitpunkt kannte ich nichts anderes und konnte mir auch nicht vorstellen, dass ich – außer reiten – mit meinem Pferd noch etwas anderes machen konnte. So verliefen die ersten Monate meines wiedergefundenen Reiterlebens ruhig, bis ein Vorfall meine ganze bisherige Welt über den Haufen werfen sollte. Mein Pferd machte Probleme und ich kam mit ihm nicht mehr zurecht. In meinen Augen war es mein Pferd, das nicht mehr funktionierte. In Wirklichkeit war jedoch ich, besser gesagt mein Ego, das Problem.

Wir sollten zurück zu den Wurzeln und alles loslassen.

Zum damaligen Zeitpunkt suchte ich die Lösung für das Problem in verschiedenen Ansätzen: neue Ausrüstungen, neue Vorgehensweisen, neue Techniken. Alles führte – wenn überhaupt – nur zu kurzzeitigen Verbesserungen, bis es dann wieder schlimmer wurde und ich irgendwann gar nicht mehr mit meinem Pferd zurechtkam. Am Höhepunkt dieser Negativentwicklung konnte ich Racky nicht mehr führen. Ich hatte Angst, zu ihm in die Box zu gehen. Ich konnte ihn nur noch aus einer sicheren Entfernung beobachten. Zum Beispiel wenn er auf der Koppel graste, stellte ich mich an den Zaun. Ich brauchte immer die Sicherheit, jederzeit fliehen zu können. In dieser Phase spielte ich kurzzeitig mit dem Gedanken, mein Pferd zu verkaufen und der Pferdewelt endgültig den Rücken zu kehren. Doch die Liebe zu diesem Pferd war – zu meinem Glück – so groß, dass dieser Schritt keine wirkliche Option für mich war. Ich musste Wege finden, um mit meinem Pferd wieder „ins Reine“ zu kommen. Dies bedeutete in Wahrheit, mit mir selbst ins Reine zu kommen, Dinge zu erkennen, die ich im Alltag ohne mein Pferd nicht erkannt hätte, mit einem Wort, ich musste bewusster werden. Nur wie?

Alle Horsemanship-Kurse konnten mir nicht weiterhelfen. Absolvierte ich mit meinem Pferd so einen Kurs, funktionierte alles wunderbar – solange der Trainer dabei war. War ich dann zu Hause wieder auf mich allein gestellt, wurde alles noch schlimmer. Heute weiß ich warum. Ich setzte nur Techniken um, ohne die entsprechend notwendigen Energien in mir entwickelt zu haben, die entscheidend sind, damit die Techniken funktionieren. Ein Dilemma, das ich nicht einmal als solches erkannte. In meiner großen Verzweiflung blieb mir nur eines: Ich musste direkt von meinem Pferd lernen, wenn ich irgendwie weiterkommen wollte.

Loslassen und beobachten

Es bedeutete, dass ich alles, was ich in den vergangenen Monaten an Wissen auf Kursen und durch Eigenstudium erworben hatte, vergessen musste. Es bedeutete, zurück zu den Wurzeln und alles vollkommen loslassen. Es lag ein langer und mit Rückschlägen gepflasterter Weg vor mir, doch das wusste ich zum Glück nicht.

Ich war an einem Punkt angelangt, an dem gar nichts mehr ging. Ich konnte nur beobachten, und dies nur aus sicherer Entfernung. Das war mein erster Lernschritt, den ich von meinem Pferd empfangen habe: in Akzeptanz beobachten.

Ich verbrachte Tage, Wochen, ja sogar Monate damit, nur zu beobachten. Mein Pferd befand sich damals in einer sehr schönen Unterkunft mit großen Koppeln und der Möglichkeit, im Herdenverband tagsüber zu grasen. Dies war für mich eine der intensivsten und lehrreichsten Zeiten. Ich beobachtete mein Pferd, die Herde, die wunderbare Natur um mich herum, und je weiter ich mich auf den Prozess des Beobachtens einließ, desto tiefer tauchte ich in eine für mich „neue Dimension“ des Hier und Jetzt ein. Alles um mich herum begann mit mir zu kommunizieren. Es war eine „stille“ Kommunikation, die ich nur in meinem Herzen wahrnehmen konnte. Nicht nur mein Pferd erreichte mich, auch die anderen Pferde, die Bäume, das Gras, die Blumen, alles. Eine Kommunikation, die mein Herz erfüllte und mich reich fühlen ließ.


Erkennen und akzeptieren

Ich erkannte in meinem Pferd einen Leader, er war der Boss, und dies sollte in jeder neuen Herdenkonstellation so bleiben und ist auch heute noch so. Ich erkannte, wie er nur durch seine Anwesenheit die anderen Pferde veranlasste zu weichen, sie schafften Raum für ihn. Dies geschah so subtil und natürlich, dass ich dies nur durch eine intensive Beobachtung mit der Zeit erkennen konnte. Ich erkannte eine große Ruhe und Geduld in meinem Pferd und war beeindruckt. Diese Qualität der Ruhe und Geduld machte auch einen großen Eindruck auf die anderen Herdenmitglieder und ich fühlte, wie er dadurch als natürlicher Leader von den anderen anerkannt wurde. Diese Qualität des Leaderships wollte ich auch in mir erringen. Und hier begann ich vor der ersten Hürde zu stehen. Geduld gehörte nicht zu meinen Stärken. In allem, was ich zuvor getan hatte, stand eines im Vordergrund: Ich wollte stets schnelle Resultate. Dadurch habe ich jeweils die Details übersehen, ja sogar übersprungen. Heute weiß ich, dass es gerade die Details sind, das heißt die Beachtung der einzelnen kleinen Schritte, die aus dem Gesamten einen Erfolg werden lassen. Von der Umsetzung dieser Erkenntnis war ich damals weit entfernt. Doch eines hatte ich erkannt: Ich musste in die Lage kommen, so viel Energie zu erwerben, dass es mir möglich wurde, den Raum meines Pferdes einzunehmen. Ich musste meine Jetztsituation akzeptieren, um im nächsten Schritt geduldig meine Energien zu steigern, bis ich fähig sein würde, den Raum meines Pferdes einzunehmen. Nachdem ich das erkannt hatte, hatte ich bereits den größten Teil der Strecke hinter mich gebracht.

Um den Raum eines Pferdes einzunehmen, braucht der Mensch Klarheit.

Gedulden und führen

Durch gezielte energetische Übungen, die ich ebenfalls in der Präsenz meines Pferdes, ich möchte sagen, empfangen habe, konnte ich in wenigen Wochen den Raum meines Pferdes einnehmen. Damit war das Eis gebrochen und ich konnte beginnen, mein Pferd zu führen. Dies war ein Riesenerfolg, denn ich konnte auf dem Tiefpunkt dieser Entwicklung Racky nicht einmal mehr berühren und nun konnte ich ihn wieder führen.

Durch das bewusste Akzeptieren meiner Situation, das geduldige Umsetzen und das Erwerben der notwendigen Energien konnte ich Riesenerfolge erzielen. Heute ist Racky in den Kursen nicht nur ein großer Lehrer in Sachen Akzeptanz und Geduld, sondern er ist auch ein großer Heiler durch diese Qualitäten. Viele Teilnehmer konnten bereits durch seine so geduldige Anwesenheit an Themen und Blockaden herankommen, die im Alltag unzugänglich geblieben waren.

Das Pferd hilft uns, uns von unseren konditionierten Inhalten zu befreien, und damit kann unser authentisches Sein durchschimmern. In unserem authentischen Sein besitzen wir die gleiche Eleganz, Würde, Unbestechlichkeit, Freiheit, Stärke, Sanftmut, die friedvolle Art, das Geduldigsein, das Präzisesein und viele andere Eigenschaften – genauso wie das Pferd.

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141 стр. 70 иллюстраций
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9783958477216
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