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Die Autoren

Susanne Danzer, examinierte Krankenschwester, Fachwirtin im Gesundheits- und Sozialwesen, Autorin/Fachreferentin, Pflegetherapeutin Wunde ICW®, Zertifizierte Wundexpertin ICW®, Geprüfte Wundberaterin AWM®, Pflegeexpertin palliative Wundversorgung WMAK, Pflegeexpertin Haut WMAK, Pflegeexper- tin Kompressionstherapie WMAK, Pain Nurse & Pain Nurse Plus.

Alexander Maier, examinierter Krankenpfleger und freier Journalist. Er arbeitet seit 1996 in der Abteilung für Kardiologie der Medizinischen Universitätsklinik Tübingen. Er ist dort als Herzinsuffizienz-Pfleger in der Hochrisiko-Sprechstunde sowie als Studienassistent tätig.
Alexander Maier/Susanne Danzer
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3., erweiterte und überarbeitete Auflage 2021
Alle Rechte vorbehalten
© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Print:
ISBN 978-3-17-041286-6
E-Book-Formate:
pdf: ISBN 978-3-17-041287-3
epub: ISBN 978-3-17-041288-0
Vorwort zur 3. Auflage
Dass bereits drei Jahre nach Erscheinen der 2. Auflage eine weitere Edition des Leitfadens kardiologische Pflege an den Start gehen kann, freut mich sehr. Es zeigt das Interesse von Pflegenden an diesem faszinierenden Fachgebiet. Wie vielleicht kaum ein anderes Gebiet der Medizin ist es immer wieder kleineren und größeren Neuerungen unterworfen, sei es im interventionellen oder auch medikamentösen Bereich. So ist auch dieses Buch nicht nur erneut aufgelegt, sondern wurde von meiner routinierten Co-Autorin Susanne Danzer und mir nochmals um einige Neuheiten erweitert. Sei es die kardiologische Palliativmedizin oder die genauere Beschreibung von Brückentechnologien wie der tragbaren Defibrillatorweste, um nur zwei Beispiele zu nennen. Nutzen Sie das Buch während Ihrer täglichen Arbeit oder auch zum Nachschlagen. Möge es Ihnen jederzeit ein hilfreicher Begleiter sein. Wir hoffen, dass uns auch dieses Mal der Spagat zwischen einem kompakten Kitteltaschenbuch und einem umfassenden Werk gelungen ist. Einen großen Anteil am Gelingen hatte wieder unsere Lektorin Alexandra Schierock vom Kohlhammer Verlag. Herzlichen Dank dafür.
| Tübingen, im Mai 2021 | Alexander Maier |
Inhalt
1 Vorwort zur 3. Auflage
2 1 Lage, Größe und Form des Herzens
3 2 Diagnostische Möglichkeiten
4 2.1 Inspektion
5 2.2 Palpation
6 2.3 EKG
7 2.3.1 Belastungs-EKG
8 2.3.2 Langzeit-EKG
9 2.4 Herzkatheter
10 2.4.1 Diagnostische Herzkatheter
11 2.4.2 Therapeutische Herzkatheter
12 2.4.3 Indikationen zur invasiven kardiologischen Diagnostik
13 2.4.4 Relative Kontraindikationen gegen die Durchführung einer diagnostischen Herzkatheterisierung
14 2.4.5 Komplikationen
15 2.4.6 Begünstigende Faktoren für vaskuläre Komplikationen
16 2.4.7 Symptome für Kontrastmittelunverträglichkeit
17 2.4.8 Pflegerische Nachsorge nach Herzkatheteruntersuchungen
18 2.4.9 Entfernen eines Druckverbands
19 2.5 Echokardiale Untersuchungen
20 2.5.1 Echo (TTE = Transthorakale Echokardiographie)
21 2.5.2 Transösophagales Echo (TEE)
22 2.5.3 Belastungs-Echokardiographie (Stress-Echo)
23 2.5.4 Pflegerische Nachsorge nach TEE
24 2.6 Röntgen, MRT
25 2.6.1 Röntgen
26 2.6.2 Cardio-CT
27 2.6.3 MRT (Magnetresonanztomographie, Kernspintomographie)
28 2.7 Szintigraphie, PET
29 2.7.1 Myokardszintigraphie
30 2.7.2 PET (Positronen-Emissions-Tomographie)
31 2.8 Kipptisch-Untersuchung
32 2.9 6-Minuten-Gehtest
33 3 Allgemeine Pflege von kardiologischen Patienten
34 3.1 Dekubitus
35 4 Kardiovaskuläre Risikofaktoren
36 5 Kardiologische Erkrankungen
37 5.1 Blutdruck
38 5.1.1 Mechanismen zur Blutdruck- regulation
39 5.1.2 Durchführung einer Blutdruckmessung
40 5.1.3 Blutdruckklassifikation
41 5.2 Arterielle Hypertonie
42 5.2.1 Primäre (essentielle) Hypertonie
43 5.2.2 Sekundäre Hypertonie
44 5.2.3 Renale Hypertonie
45 5.2.4 Kardiale Hypertonie
46 5.2.5 Endokrine Hypertonie
47 5.2.6 Hypertensive Krise
48 5.2.7 Pflege von Patienten mit hypertensiver Entgleisung
49 5.2.8 Maligne Hypertonie
50 5.2.9 Symptome der Hypertonie
51 5.2.10 Komplikationen einer Hypertonie
52 5.2.11 Diagnostik
53 5.2.12 Therapie der arteriellen/essentiellen Hypertonie
54 5.2.13 Pflege von Patienten mit Hypertonie
55 5.2.14 Schulung und Beratung von Patienten mit Hypertonie
56 5.3 Herzinsuffizienz
57 5.3.1 Akute Herzinsuffizienz
58 5.3.2 Chronische Herzinsuffizienz
59 5.3.3 Häufigste Ursachen für eine Herzinsuffizienz
60 5.3.4 Symptome der Herzinsuffizienz
61 5.4 Kardiomyopathie (CMP)
62 5.4.1 Dilative Kardiomyopathie (DCM)
63 5.4.2 Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM)
64 5.4.3 Restriktive Kardiomyopathie (RCM)
65 5.4.4 Tako-Tsubo-Kardiomyopathie (Stress-Kardiomyopathie, Broken-Heart-Syndrom)
66 5.4.5 Arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie (ARVCM)
67 5.4.6 Pflege von Patienten mit Herzinsuffizienz und Kardiomyopathie
68 5.4.7 Schulung und Beratung von Patienten mit Herzinsuffizienz/Kardiomyopathie
69 5.4.8 Biventrikulärer Schrittmacher (Cardiale Resynchronisationstherapie = CRT)
70 5.5 Koronare Herzkrankheit (KHK)
71 5.5.1 Die Herzkranzgefäße (Coronararterien)
72 5.5.2 Risikofaktoren für die Entstehung einer KHK
73 5.5.3 Akutes Koronarsyndrom (ACS)
74 5.5.4 Pflege von Patienten nach Herzinfarkt
75 5.5.5 Mobilisationsphasen nach Herzinfarkt
76 5.5.6 Schulung und Beratung eines Patienten nach Herzinfarkt
77 5.6 Herzrhythmusstörungen
78 5.6.1 Herzreizleitungssystem
79 5.6.2 Telemetrie – Monitor-Überwachung
80 5.6.3 Bradykarde Herzrhythmusstörungen
81 5.6.4 Pflege von Patienten mit Bradykardie
82 5.6.5 Herzschrittmacher
83 5.6.6 Pflege von Patienten nach Schrittmacher-Implantation
84 5.6.7 Schulung und Beratung von Schrittmacher-Patienten
85 5.6.8 Tachykarde Herzrhythmusstörungen
86 5.6.9 Pflege von Patienten nach Kardioversion
87 5.6.10 Pflege von Patienten nach Katheterablation
88 5.6.11 Pflege von Patienten mit tachykarden Herzrhythmusstörungen
89 5.6.12 Ventrikuläre Tachykardien
90 5.6.13 Implantierbarer Cardioverter/ Defibrillator (ICD/AICD)
91 5.6.14 Pflege von Patienten nach AICD-Implantation
92 5.6.15 Schulung und Beratung von Patienten mit AICD
93 5.6.16 Antiarrythmika
94 5.7 Klappenveränderungen
95 5.7.1 Klappendefekte
96 5.7.2 Pflege von Patienten mit Klappendefekten
97 5.7.3 Pflege von Patienten nach Valvuloplastie
98 5.7.4 Schulung und Beratung von Patienten mit Klappendefekten
99 5.8 Entzündungen des Herzens
100 5.8.1 Endokarditis
101 5.8.2 Myokarditis
102 5.8.3 Perikarditis
103 5.8.4 Schulung und Beratung von Patienten mit entzündlichen Herzerkrankungen
104 5.9 Perikarderguss
105 5.9.1 Pflege von Patienten mit Perikarderguss
106 5.9.2 Pflege von Patienten mit liegendem Pigtailkatheter
107 5.10 Septumdefekte und Umgehungskreisläufe
108 5.10.1 Atrium-Septum-Defekt (ASD)
109 5.10.2 Ventrikel-Septum-Defekt (VSD)
110 5.10.3 Pflege von Patienten mit Septumdefekten
111 6 Basismaßnahmen bei kardiopulmonaler Reanimation (CPR)
112 6.1 Beginn der Reanimation
113 6.2 Technik der Thoraxkompression
114 6.3 Freimachen der Atemwege
115 6.4 Beatmung
116 6.5 Beatmung mit Beutel-Maske
117 6.6 BLS-Algorithmus
118 7 Kardiologische Palliativsituation
119 8 Häufigste Nebenwirkungen von Medikamenten in der Kardiologie
120 Literaturverzeichnis
121 Bildquellen
122 Stichwortverzeichnis
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1 Lage, Größe und Form des Herzens
Das Herz (Cor) ist der Motor des Körpers. Es ist dafür verantwortlich, das Blut durch die Blutgefäße in das Herzkreislaufsystem, auch kardiovaskuläres System genannt, zu pumpen, um somit den gesamten Körper mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen und Stoffwechselprodukte und Kohlendioxid abzutransportieren.
Das kardiovaskuläre System wird in zwei Teile unterteilt: Den kleinen Lungenkreislauf, über den das sauerstoffarme Blut vom Herzen zur Lunge gelangt, wo es mit Sauerstoff angereichert wird. Aus der Lunge gelangt das Blut in den großen Körperkreislauf, der das sauerstoffreiche Blut in die Peripherie und von dort, über die Kapillaren, wieder zurück zum Herzen bringt.
Das Herz liegt zwischen den beiden Lungenflügeln im Mediastinum. Nach hinten grenzt es an die Speiseröhre und Aorta. Vorn reicht es bis an die Rückseite des Sternums und sitzt unten auf dem Zwerchfell auf.
Die Größe des Herzens entspricht etwa der Faust des betreffenden Menschen und wiegt ca. 300 Gramm. Die Form lässt sich als Kegel beschreiben, der mit der Spitze nach unten schräg nach links im Mediastinum liegt.
Durch die Herzscheidewand, das Septum cardiale, wird das Herz in eine rechte und eine linke Hälfte unterteilt.
Es besitzt vier Herzkammern:
• den rechten Vorhof (Atrium dextrum),
• die rechte Kammer (Ventriculus dexter),
• den linken Vorhof (Atrium sinistrum),
• die linke Kammer (Ventriculus sinister).

Abb. 1: Blutkreislauf (Fa. Biotronik)

Abb. 2: Das Herz (Fa. Biotronik)
2 Diagnostische Möglichkeiten
2.1 Inspektion
Bei kardiologischen Patienten lassen sich folgende typische Zeichen erkennen:
• periphere Zyanose (an Fingerspitzen, Zehen, Lippen, Wangen), z. B. bei Herzinsuffizienz, venöser oder arterieller Obstruktion (Embolie, Thrombose),
• zentrale Zyanose (zusätzliche Blaufärbung der Zunge und der Schleimhäute), z. B. bei Shunt-Vitien, Störungen der Lungenfunktion,
• Venenstauung der Halsvenen, z. B. bei dekompensierter Herzinsuffizienz, Rechtsherzinsuffizienz, Trikuspidalklappeninsuffizienz,
• Einflussstauung als massive Stauung der Halsvenen, verbunden mit bläulichroter Verfärbung des Gesichts, z. B. bei schwerer Lungenembolie, hämodynamisch wirksamen Perikarderguss, Panzerherz,
• verbreiterter, hebender Herzspitzenstoß bei hypertrophiertem Ventrikel, z. B. bei Aortenstenose, arterieller Hypertonie,
• Facies mitralis (»Mitralbäckchen« → bläulichrote Gesichtsverfärbung) bei Mitralstenose,
• starkes Pulsieren der Carotiden, Musset-Zeichen (pulssynchrones Kopfnicken) und Quinckscher Kapillarpuls (pulssynchrones Erröten und Abblassen an der Stirn oder am Nagelbett) bei schwerer Aorteninsuffizienz,
• blasse, schweißige Haut, z. B. kardiogener Schock (Symptome dafür sind Blutdruckabfall, Zentralisation oder Minderperfusion lebenswichtiger Organe mit Oligurie, kalte, schweißige, oft auch marmorierte Haut, Bewusstseinsstörung bis hin zur Bewusstlosigkeit) oder Lungenödem,
• Trommelschlägelfinger bei angeborenen Vitien mit Rechts-Links-Shunt,
• Voussure (»Herzbuckel«) → Vorwölbung des Thorax über dem Herzen bei rechtsventrikulär druckbelastenden angeborenen Vitien,
• Petechien der Schleimhäute, »Splinter«-Blutungen (kleine, streifenartige Einblutungen unter den Nägeln) und»Osler«-Splits (kleine, rote, schmerzhafte Knötchen, vor allem an den Fingerbeeren) bei subakuter bakterieller Endokarditis),
• Janeway-Flecken (harte, rötliche, evtl. ulzerierende Läsionen im Unterhautfettgewebe der Handflächen und Fußsohlen), Roth-Flecken (kleine, flammendrote Einblutungen mit abgeblasstem Zentrum) auf der Netzhaut bei bakterieller Endokarditis.
2.2 Palpation
Das Palpieren des Pulses ist die beste Möglichkeit, um schon eine erste Aussage über die Frequenz und Qualität des Herzschlags zu treffen. Neben der Frequenz sind auch Regelmäßigkeit und Stärke feststellbar.

Am besten eignet sich die A. radialis zum Ertasten des Pulses. Vorsicht ist jedoch bei Patienten mit z. B. Vorhofflimmern geboten. Hier kann es sein, dass nicht alle Pulsschläge an der A. radialis ertastet werden können. Dann ist es besser, den Puls an der A. carotis zu tasten (Achtung!: Vasovagale Reaktion bei zu starkem Druck auf die Carotiden) oder den Puls über ein Stethoskop am Brustkorb abzuhören.
2.3 EKG
Die EKG-Kurve ist eine graphische Aufzeichnung der elektrischen Ströme während der Herztätigkeit.
Aus Veränderungen des EKG lassen sich Störungen der Herzfunktion ablesen, wie zum Beispiel Durchblutungsstörungen des Herzmuskels (Angina pectoris, Herzinfarkt) und Herzrhythmusstörungen.
Das Standard-EKG besteht aus 12 Ableitungen:
6 Extremitätenableitungen: I, II, III (Einthoven-Ableitungen) und aVR, aVL, aVF (Goldberger-Ableitungen),
• aVR = rechter Arm,
• aVL = linker Arm,
• aVF = linker Fuß,
6 Brustwandableitungen: V1 bis V6 (Wilson-Ableitungen)
• V1 = rechts parasternal (am Sternumrand) im 4. ICR (Interkostalraum),
• V2 = links parasternal im 4. ICR,
• V3 = auf der 5. Rippe zwischen V2 und V4 (etwas oberhalb der Herzspitze),
• V4 = in der linken Medioklavikularlinie (MCL) im 5. ICR links (Herzspitze, bei Patientinnen mit großen Brüsten wird die Elektrode unter der Brustfalte befestigt),
• V5 = vordere Axillarlinie (am vorderen Rand der Achselhöhle) links in Höhe V4,
• V6 = mittlere Axillarlinie in Höhe V4.
2.3.1 Belastungs-EKG
Beim Belastungs-EKG wird der Patient auf einem Fahrrad sitzend oder auf einem Laufband gehend in verschiedenen Belastungsstufen (zweiminütlich ansteigend) unter fortlaufender EKG-Registrierung belastet.
Indikationen für ein Belastungs-EKG
• Diagnostik und Verlaufskontrolle einer koronaren Herzkrankheit vor/während/nach Therapie,
• Verlaufskontrolle einer arteriellen Hypertonie während/nach Therapie,
• Beurteilung der körperlichen Leistungsfähigkeit nach einem Herzinfarkt und/oder einem invasiven Eingriff am Herzen (Ballondilatation, Bypass-Operation),
• Diagnostik und Therapiekontrolle belastungsabhängiger Herzrhythmusstörungen.
Kontraindikationen für ein Belastungs-EKG
• schwere arterielle Hypertonie,
• schwere Herzinsuffizienz,
• drohender oder frischer Herzinfarkt,
• instabile Angina pectoris,
• schwere, hochgradige Aortenklappenstenose,
• schwere Herzrhythmusstörungen,
• Myokarditis,
• fieberhafte Erkrankungen.
Abbruchkriterien für ein Belastungs-EKG
• Angina pectoris,
• schwere Atemnot,
• Erreichen der maximalen Herzfrequenz (Herzfrequenz 220 minus Lebensalter),
• komplexe Herzrhythmusstörungen,
• EKG-Veränderungen,
• Blutdruckanstieg über 250/130 mmHg oder Blutdruckabfall,
• Claudicatio,
• Zyanose,
• Schwindel,
• Kopfschmerzen,
• Erschöpfung.
2.3.2 Langzeit-EKG
Hierbei wird über mindestens 24 Stunden der Herzschlag und Herzrhythmus mit Hilfe eines Speichergeräts registriert und anschließend die Aufzeichnung analysiert.
Indikationen für ein Langzeit-EKG
• Erkennung und Klassifizierung von Herzrhythmusstörungen,
• Abklärung von Synkopen,
• Überwachung und Beurteilung antiarrhythmischer Therapie,
• Schrittmacherkontrolle.
Sonderformen
• Event-Recorder (ICM): Hierbei handelt es sich um ein EKG-Aufzeichnungsgerät, das unter die Haut implantiert wird. Die Aufzeichnung startet bei Herzrhythmusstörungen entweder automatisch oder kann vom Patienten mittels eines mitgeführten Auslösemechanismus manuell aktiviert werden. Die Rhythmusstörungen können später per Mobilfunk mit einem speziellen Gerät zum Arzt übertragen oder in der Klinik per Computer abgefragt und analysiert werden.
• Telemetrie: Hierbei bekommt der Patient einen Funksender umgehängt, der die EKG-Signale an einen zentralen Rechner mit angeschlossenem Monitor weiterleitet. Auf dem Monitor kann der momentane Herzrhythmus des Patienten abgelesen werden. Diese Methode wird oft zur Überwachung mobiler Patienten auf peripheren Stationen genutzt.
2.4 Herzkatheter
Es gibt sowohl diagnostische als auch therapeutische Herzkatheter. Zugangswege sind sowohl die Femoral-Gefäße, als auch in bestimmten Fällen die A. radialis.

Abb. 3: Ballonkatheter (Fa. Biotronik)
Abb. 4: Herzkatheter (Fa. Biotronik)
2.4.1 Diagnostische Herzkatheter
Sie werden eingesetzt bei
• Coronarangiographie,
• Linksherzkatheter,
• Rechtsherzkatheter, Einschwemmkatheter,
• transseptaler Punktion,
• Herzmuskelbiopsie,
• elektrophysiologische Untersuchung (EPU).
2.4.2 Therapeutische Herzkatheter
Sie finden Anwendung bei den folgenden Therapien:
• Perkutane transluminale Coronarangioplastie (PTCA),
• Stentimplantation,
• Atherektomie, Rotablation,
• Valvuloplastie (PTMC),
• Hochfrequenz- oder Kryo-Katheterablation, Modifikation,
• ASD-Verschluss,
• PFO-Verschluss,
• Septalastverödung,
• Klappenersatz (TAVI),
• Mitra-Clip,
• Trikuspidal-Clip,
• Mitralklappenanuloplastie.
2.4.3 Indikationen zur invasiven kardiologischen Diagnostik
• Koronare Herzkrankheit
− stabile Belastungs-Angina-Pectoris,
− instabile Angina pectoris (AP),
− atypische Angina pectoris,
• akuter Myokardinfarkt
− vor primärer PTCA,
− frustrane Lyse,
− kardiogener Schock,
− mechanische Komplikationen (z. B. Ventrikelseptumruptur, akute Mitralinsuffizienz),
• Zustand nach Reanimation,
• erworbene Herzklappenfehler,
• angeborene Herzfehler,
• Aortendissektion,
• Perikarderkrankungen,
• Kardiomyopathien,
• nach Herztransplantation,
• vor herzchirurgischen Eingriffen (z. B. zum Ausmessen des Klappendurchmessers, vor Entfernung von Herztumoren, vor Bypass-Operationen usw.),
• vor elektrophysiologischer Diagnostik ventrikulärer Herzrhythmusstörungen.
2.4.4 Relative Kontraindikationen gegen die Durchführung einer diagnostischen Herzkatheterisierung
• Dekompensierte Herzinsuffizienz,
• unkontrollierte arterielle Hypertonie,
• Niereninsuffizienz,
• Kontrastmittelallergie,
• unbehandelte Elektrolytstörungen,
• Infektion/Fieber,
• Hyperthyreose,
• Antikoagulation, Blutgerinnungsstörungen,
• akute gastrointestinale Blutung,
• Medikamentenüberdosierung/-intoxikation (z. B. Digitalis),
• Schwangerschaft.
2.4.5 Komplikationen
• Tod,
• Myokardinfarkt,
• zerebrale Ischämie,
• Herzrhythmusstörungen (Kammertachykardien, Kammerflimmern, Vorhofflimmern, AV-Blockierungen),
• lokale Gefäßkomplikationen (Hämatom, Aneurysma spurium, AV-Fistel),
• Dissektion der A. femoralis, A. radialis, A. iliaca oder der Aorta,
• Perforation des Herzens, Perikardtamponade,
• Kontrastmittelunverträglichkeit,
• akutes Nierenversagen,
• vasovagale Reaktion,
• Katheterfraktur und -embolie.
Vaskuläre Komplikationen nach Herzkatheter
• Lokales Hämatom,
• Nachblutung,
• retroperitoneales Hämatom,
• Aneurysma spurium,
• arteriovenöse Fistel,
• arterielle Embolie,
• Becken-/Beinvenenthrombose.
Aneurysma spurium
Eine neben dem Gefäß gelegene und mit diesem kommunizierende Blutungshöhle, deren Wand aus dem umliegenden Gewebe gebildet wird. Sie steht über einen »Verbindungsstiel« mit der Arterie in Verbindung. Eine Auswölbung der Gefäßstruktur entsteht dabei nicht.
Neben der Hämatombildung ist dies eine der häufigsten Komplikationen nach Herzkatheteruntersuchungen.
Ein Aneurysma spurium (auch Aneurysma falsum oder Pseudoaneurysma) entsteht häufig durch eine unzureichende Kompression der arteriellen Einstichstelle (vorwiegend Leiste) z. B. nach einer Herzkatheteruntersuchung, d. h. die Kompression ist nicht fest genug oder zu kurz. Zusätzlich kann auch eine mangelnde Compliance des Patienten sein, der ein Bewegungsverbots des Beines der punktierten Seite nicht einhält (z. B. Beugen des Beines, Aufsitzen). Durch den Stichkanal kommt es zu einer Einblutung in das umliegende Gewebe.
Symptome
• Schmerzen an der Punktionsstelle,
• Schwellungsgefühl,
• tastbare Verhärtung (pulsierend, beim Abhören Strömungsgeräusch),
• häufig mit Umgebungshämatom.
Diagnostik
• Anamnese,
• mittels Palpation lässt sich pulsierende Schwellung nachweisen,
• typisches Strömungsgeräusch bei der Auskultation,
• Darstellung des Aneurysmas mittels Duplexsonographie,
• weitere diagnostische Maßnahmen sind in der Regel nicht notwendig.
Therapie
Richtet sich nach der Größe des Aneurysmas.
• Kleinere Aneurysmata bis ca. 1–1,5 cm Durchmesser bedürfen in der Regel keiner Therapie und werden beobachtet. Häufig kommt es im Verlauf zu einer Spontanthrombosierung.
• Größere Aneurysmata sollten wegen Rupturgefahr therapiert werden. Mittels sonographiegesteuerte Thrombininjektion (z. B. Beriplast®) wird eine Thrombosierung des Aneurysmas erzielt. Anschließend wird zur unterstützenden Therapie ein Druckverband angelegt, und der Patient sollte erneut bis zur Duplexkontrolle am nächsten Tag Bettruhe einhalten (nach Anordnung des Arztes ggf. Aufstehen zur Toilette möglich).
• Operative Behandlung, insbesondere bei Misserfolg anderer Verfahren. Hierbei werden Aneurysma und Gefäß dargestellt, das Aneurysma ausgeräumt und das Gefäß vernäht.
Prognose
Zumeist lässt sich das Aneurysma spurium durch eine adäquate Therapie problemlos behandeln. Im Falle einer Ruptur des Aneurysmas kann es innerhalb kurzer Zeit zu einem starken Blutverlust kommen, was zu einer akut lebensbedrohlichen Situation führen kann und sofortiger Maßnahmen zur Vermeidung eines hämorrhagischen Schocks erfordert.
2.4.6 Begünstigende Faktoren für vaskuläre Komplikationen
• Falsche Punktionstechnik oder mehrfache arterielle Punktionen,
• peri- und postinterventionelle Antikoagulation,
• Schleusengröße und Schleusenverweildauer,
• wiederholte Katheteruntersuchungen vom selben Zugangsweg,
• schwere Arteriosklerose der Becken-Bein-Arterien,
• hohes Lebensalter,
• Adipositas,
• weibliches Geschlecht,
• unkontrollierte Hypertonie,
• mangelnde Compliance (Bettruhe, Ruhigstellung der Extremität),
• periinterventionelle Thrombolyse,
• Therapie mit Thrombozytenaggregationshemmern,
• Vorbehandlung mit Steroiden.
2.4.7 Symptome für Kontrastmittel- unverträglichkeit
• Haut (Juckreiz an Händen, Füßen sowie Ohren, Urtikaria, Flush, Angioödem),
• Respirationstrakt (Rhinorrhoe, Niesattacken, Heiserkeit, Glottisödem, Bronchospasmus, akuter Asthmaanfall, Atemstillstand),
• Gastrointestinaltrakt (Nausea, Krämpfe, Vomitus, Defäkation),
• Herz-Kreislauf-System (Tachykardie, Hypo-/Hypertonus, Rhythmusstörungen, Schock, Herzstillstand),
• Kopfschmerzen.
2.4.8 Pflegerische Nachsorge nach Herzkatheteruntersuchungen
• Regelmäßige Vitalzeichenkontrolle, z. B. alle 30 Min. für die ersten beiden Stunden (Überwachungsintervall muss vom zuständigen Kardiologen festgelegt werden), und vor dem Aufstehen,
• flache Lagerung des Patienten auf dem Rücken (Ausnahme: bei Punktion der A. brachialis),
• regelmäßige Kontrolle des Druckverbands auf Blutungen und Hämatombildung, v. a. bei Patienten, die Antikoagulanzien erhalten (z. B. nach PFO-Verschluss), auch vor dem Aufstehen,
• regelmäßige Kontrolle der Fußpulse der punktierten Seite bzw. Radialispuls bei Katheterisierung vom Arm aus → Durchblutungskontrolle,
• Monitor-/Telemetrieüberwachung nach Dilatationen, vor Entlassung 12-Kanal-EKG zur Kontrolle.
• Patienten, die nicht trinken dürfen, erhalten eine Infusion, um die Ausscheidung des Kontrastmittels über die Niere zu fördern.
• Je nach Untersuchung und Absprachen mit dem zuständigen Kardiologen dürfen die Patienten nach dem Eingriff trinken, sollten aber nicht direkt nach der Intervention essen.
• Als Positionierung zum Essen ist es möglich, den Patienten mit gestrecktem Bein auf die Punktionsseite zu drehen und das Bett am Fußteil leicht schräg zu stellen.
• Hilfe bei der Ausscheidung einschließlich der Kontrolle, ob der Patient Spontanurin gelassen hat. (Da manche Patienten im Liegen kein Wasser lassen können, kann nach Absprache mit dem Patienten vor der Intervention ein Blasenkatheter gelegt werden, der nach Aufhebung der Bettruhe wieder entfernt wird.)
• Erstes Aufstehen nach Aufhebung der Bettruhe in Begleitung einer Pflegekraft, da es nach langem strengem Liegen zu Kreislaufdysregulationen mit Kollaps des Patienten kommen kann → Blutdruckabfall, Blässe, Kaltschweißigkeit, Übelkeit, ggf. Erbrechen.
2.4.9 Entfernen eines Druckverbands
• Bei einem mit Pflasterstreifen geklebten Druckverband (z. B. mit Leukoplast® hospital) kann ein Pflasterlöser verwendet werden, zum Beispiel Leukotape remover®. Dieser wird großzügig auf das Pflaster aufgebracht und danach sollte ca. 1 Minute gewartet werden, damit das Mittel das Pflaster lösen kann. Schließlich wird der Verband vorsichtig entfernt. Die Haut sollte anschließend mit einem feuchten Einmalwaschlappen abgewaschen werden, um den Löser zu entfernen.

Wichtig
Durch den hohen Alkoholgehalt des Pflasterlösers kann es zu einem Brennen auf der Haut kommen, das sich aber schnell verflüchtigt.
• Bei einem Klettverband wird der Verband einfach geöffnet und entfernt. Bei einem zirkulären Verband mit Druckpolster wird dieser einfach aufgeschnitten.
• Die Einstichstelle sollte desinfiziert und mit einem kleinen Vliespflaster (z. B. Cutiplast® steril) oder Folienpflaster (z. B. OpSite® postop) mit Wundpolster verschlossen und täglich kontrolliert werden.
• Zudem sollte die Leiste auf Hämatombildung und Verhärtungen untersucht werden.
• Die Leiste sollte beidseitig mit einem Stethoskop auf (pulsierende) Strömungsgeräusche kontrolliert werden (je nach Klinik ärztliche Tätigkeit, kann jedoch auch nochmal durch Pflegepersonal erfolgen).
• Hautirritationen können durch eine gute Hautpflege behandelt werden, sodass sich die Haut schnell wieder beruhigt.
• Bei Spannungsblasen sollten diese mit einem Pflaster bedeckt werden, um sie vor Reibung zu schützen. Blasen nicht eröffnen! → Infektionsrisiko
• Bei Hautläsionen durch Pflasterdruckverbände können diese mit unterschiedlichen Verbandstoffen versorgt werden. Die Umgebung des Defekts sollte zuvor von Pflasterresten gereinigt werden.
Die Wunde kann entweder mit einer Wundgaze bedeckt und mit Kompressen und einem Klebevlies abgedeckt werden. Ebenso lassen sich transparente Hydrokolloide verwenden (z. B. Comfeel® plus transparenter Wundverband) oder ein Polyacrylatverband (z. B. Tegaderm® absorbent). Durch das Abdecken des Hautdefekts kommt es zu einer raschen Schmerzlinderung, da diese oberflächlichen Defekte häufig Schmerzen verursachen.
Die Auswahl des Verbandstoffs hängt auch davon ab, wie stark die Wunde nässt. Vorteil bei transparenten Hydrokolloiden und dem Polyacrylatverband sind die längere Verweildauer.
2.5 Echokardiale Untersuchungen
Die Echokardiographischen Untersuchungen lassen sich in ein Transthorakales Echo, ein Transösophagales Echo und in ein Stressecho unterscheiden.
2.5.1 Echo (TTE = Transthorakale Echokardiographie)
Mit Hilfe von Ultraschallverfahren werden Bilder des Herzens erstellt. Unter Zuhilfenahme des Dopplereffekts werden Blutflüsse und Fließgeschwindigkeiten gemessen.
Die Echokardiographie erteilt unter anderem Aussagen über Leistungsfähigkeit des Myokards einschließlich Wandbewegungsstörungen (wie Dyskinesie, Hypokinesie, Akinesie), Schließfähigkeit der Klappen, Vorhandensein von Tumoren, Thromben, Perikarderguss usw.
2.5.2 Transösophagales Echo (TEE)
Hierbei wird ein an einem Echoskop (einem Gastroskop ähnliches Gerät) sitzender Schallkopf über den Ösophagus direkt hinter dem Herzen platziert. Dadurch können die Vorhöfe, die Aorten- und Mitralklappe besser beurteilt werden.
Kleine Thromben und eine Endokarditis können durch diese Methode mit genauerer Aussagekraft beurteilt werden als bei einem normalen Echo.
2.5.3 Belastungs-Echokardiographie (Stress-Echo)
Das Stress-Echo wird unter körperlicher (z. B. Fahrradfahren) oder medikamentöser (z. B. Dobutamin, Dipyridamol) Belastung durchgeführt.
Diese Methode hilft, Ischämien des Herzens (lokale oder globale Kontraktionsstörungen des Myokards) zu erkennen, zu lokalisieren und deren Schwere einzuschätzen.
2.5.4 Pflegerische Nachsorge nach TEE
Da die meisten Patienten zur Erleichterung der Untersuchung z. B. Dormicum® i. v. gespritzt bekommen, sollten sie nach Abschluss der Untersuchung überwacht werden. Wichtig ist dabei, die Sauerstoffsättigung, Atmung, Puls und Blutdruck in regelmäßigen Abständen zu kontrollieren, bis der Patient vollständig wach ist.
Patienten sollten direkt nach einem TEE nicht trinken, da in der Regel der Rachen mit einem anästhesierenden Spray behandelt wird, so dass der Patient nicht merkt, wenn ihm Flüssigkeit in den Rachen läuft, was zum Verschlucken führen kann.
2.6 Röntgen, MRT
2.6.1 Röntgen
Beim Röntgen wird eine Aufnahme des Thorax in zwei Ebenen und in tiefer Inspiration gemacht. Dadurch lassen sich Aussagen über Form und Größe des Herzens treffen sowie über Stauungszeichen wie Lungenödem oder Pleuraergüsse.
2.6.2 Cardio-CT
Das Herz-CT ist eine schnelle und nicht-invasive Methode um eine gute Aussage über eine evtl. koronare Herzerkrankung zu erhalten. Sie wird eher bei Patienten angewandt, bei denen akut noch kein Herzkatheter indiziert ist und die Möglichkeit besteht, dass die Coronarien in einem guten Zustand sind (Ausschlussdiagnostik)
2.6.3 MRT (Magnetresonanztomographie, Kernspintomographie)
Durch ein starkes, statisches Magnetfeld werden die Atomkerne des Körpers in eine Richtung ausgerichtet. Bei ihrer Rückkehr in ihre Ausgangsposition entsteht eine elektrische Spannung, die als Signal erfasst, mittels Computer berechnet und zu optischen Bildern aufgebaut werden.
Vorteil des MRT ist, dass der Gewebekontrast deutlich höher ist im Vergleich zu Verfahren, die Röntgenstrahlen benutzen. Dadurch lässt sich krankes Gewebe besser von gesundem Gewebe unterscheiden.

Wichtig
Patienten mit Schrittmachern und metallischen Implantaten dürfen kein MRT erhalten, wenn diese nicht ausgewiesen MRT-tauglich sind.
2.7 Szintigraphie, PET
2.7.1 Myokardszintigraphie
Sie dient zur Abklärung von Myokardischämien. Die Untersuchung findet zumeist in Ruhe und in Belastung statt.
Dem Patienten wird eine radioaktiv markierte Trägersubstanz injiziert, die sich im Myokard anreichert.
Je nach Durchblutung des Myokards weisen die Areale nun eine hohe, eine geringe oder gar keine radioaktive Strahlung auf. Diese Strahlung wird in verschiedenen Projektionen mit einer Strahlenkamera aufgenommen und unterschiedlich farbig kodiert.
Alternativ zur körperlichen Belastung kann auch eine medikamentöse Belastung durchgeführt werden, z. B. mittels Persantin, Dipyridamol.
2.7.2 PET (Positronen-Emissions-Tomographie)
Dem Patienten wird eine radioaktive Trägersubstanz (in der Regel radioaktiv markierte Glukose) injiziert, die sich in den Glukosestoffwechsel der Myokardzelle einschleust. Eine Strahlenkamera stellt stoffwechselaktive, nicht oder minder aktive Areale dar.
Die vom Körper ausgesendete Strahlung wird von Strahlenmessgeräten, die ringförmig angelegt sind, aufgenommen und zu Schnittbildern verarbeitet.
Das PET wird in der Kardiologie zum Vitalitätsnachweis des Myokards benutzt, da die Stoffwechselaktivität des Herzens angezeigt wird und unterstützt die Entscheidung, ob eine Bypass-OP sinnvoll und möglich ist.
2.8 Kipptisch-Untersuchung
Die Kipptisch-Untersuchung dient dazu, Anpassungsvorgänge des Kreislaufs zu untersuchen, die durch einen Positionswechsel des Körpers vom Liegen zum Stehen auftreten können. Durch Veränderungen der Pulsfrequenz und des Blutdrucks lässt sich feststellen, ob diese Anpassungsvorgänge physiologisch oder pathologisch ablaufen.
Normalerweise ist die Blutdruck- und Pulsveränderung durch orthostatische Vorgänge nur gering, deshalb lassen sich bei größeren Abweichungen Kreislaufregulationsstörungen ablesen und bestimmen, welche Ursache sie haben könnten.
Pflegerische Nachsorge nach Kipptisch-Untersuchung
Nach einer Kipptisch-Untersuchung sollten Puls und Blutdruck des Patienten kontrolliert werden, da besonders Patienten, die Reaktionen während der Kipptisch-Untersuchung hatten, über Schwindel, Schwäche und Übelkeit klagen. Dies reguliert sich aber in den meisten Fällen schnell wieder.
2.9 6-Minuten-Gehtest
Beim 6-Minuten-Gehtest wird ermittelt, welche Strecke ein Patient innerhalb von sechs Minuten gehen kann. Dieser Test kann bei Lungen-, Herz- und Kreislauferkrankungen einen guten Eindruck über die Leistungsfähigkeit des Patienten geben. Besonders im Vergleich (z. B. zu Therapiebeginn und im Verlauf) ist er sehr aussagekräftig. Gesunde Personen schaffen untrainiert etwa 700–800 Meter. Zur Durchführung benötigt man eine Stoppuhr, einen ausreichend langen Flur und muss entsprechende Daten des Patienten (Gewicht, Alter, RR etc.) in die Untersuchung mit einfließen lassen.
3 Allgemeine Pflege von kardiologischen Patienten
Bei der Pflege von kardiologischen Patienten besteht ein immer wiederkehrender Ablauf. Deshalb wurden diese Handlungen in einem allgemeinen Kapitel zusammengefasst. Spezielle Pflegemaßnahmen werden bei den jeweiligen Kapiteln vermerkt.
• Regelmäßige Kontrolle der Vitalzeichen, insbesondere Blutdruck und Puls.
• Bei eingeschränkter Mobilität/Bettruhe: Unterstützung des Patienten bei Körperpflege, Mundpflege, Hautpflege, Ausscheidung und Wäschewechsel.
• Prophylaxen anwenden, insbesondere Pneumonie-/Atelektaseprophylaxe, Dekubitusprophylaxe, Thromboseprophylaxe. Bei sehr eingeschränkter Mobilität zusätzlich Kontrakturenprophylaxe.
• Bei liegendem Blasendauerkatheter: regelmäßige Intimpflege, Desinfektion der Harnöffnung mit z. B. Octenisept® zur Vermeidung eines Harnweginfekts.
• Bei liegender Venenverweilkanüle: regelmäßige Kontrolle der Einstichstelle auf Entzündungszeichen.
− Venenverweilkanülen: Bei Verwendung von Vliespflastern zur Kanülenfixierung ist ein Verbandswechsel spätestens am dritten Tag (bei Endokarditis oder bekannten Herzklappenerkrankungen täglich) notwendig, um die Einstichstelle kontrollieren zu können. Bei Verschmutzung muss das Vliespflaster ggf. früher gewechselt werden.
− Bei Versorgung mit einem Folienpflaster (z. B. OPSITE™ i. v. 3000, 3M™ Tegaderm™) ist eine Kontrolle der Einstichstelle problemlos möglich, so dass der Verband länger verbleiben kann.
− ZVK: täglicher Wechsel von Infusionssystemen und Drei- oder Mehrfachhähnen (falls diese verwendet werden).
− Verbandwechsel nach Standard der jeweiligen Einrichtung.
− Lokale Infektionsprophylaxe, z. B. durch Anwendung von ACTICOAT™ Site (Schaumstoff mit nanokristallinem Silber bedampft) um den ZVK/Einstichstelle, Abdecken mit Folienverband.
• Wichtig: Bei der Verwendung von transparenten Folienverbänden ist darauf zu achten, dass sich keine eiweißhaltige Flüssigkeit wie beispielsweise Blut darunter sammelt. Folienverbände haben zwar eine hohe Wasserdampfdurchlässigkeit, aber dies gilt nicht für eiweißhaltige Flüssigkeiten. Diese verbleiben somit an Ort und Stelle, bilden eine feuchte Kammer und erhöhen das Infektionsrisiko. Des Weiteren ist beim Entfernen von Folienverbänden darauf zu achten, dass sie parallel zur Haut überdehnt werden, wobei die Haut dahinter mit der anderen Hand fixiert wird. Durch das Überdehnen lässt sich der Folienverband sicher entfernen und minimiert das Risiko für Hautverletzungen.
• Bei Phlebitis z. B. Octenisept®-Umschläge (ggf. Abreiben der betroffenen Stelle mit Octenisept®-Eiswürfeln), Kühlung (Eisauflage: Achtung: die Eisauflage soll max. 10 Min. aufliegen und dann wieder entfernt werden. Zusätzlich sollte die Eisauflage nie direkten Hautkontakt haben, sondern mit z. B. einem Handtuch oder Kissenbezug umwickelt werden, um Hauterfrierungen zu vermeiden) der betroffenen Stelle, um das Abklingen der Entzündung zu fördern. Symptome einer Phlebitis sind: Verhärtungen im Venenverlauf, Schmerz, lokale Rötung, Schwellung und Überwärmung.
• Bei Paravasat z. B. Umschläge mit Octenisept®, Hochlagern des betroffenen Arms, Kühlung.
• Unterstützung des Patienten bei der Mobilisation: unter Einbeziehung seiner Ressourcen in Bezug auf Bewegung und Bewegungsgewohnheiten.
• Erstes Aufstehen nach Aufhebung der Bettruhe in Begleitung einer Pflegekraft, da es nach langem strengem Liegen zu Kreislaufdysregulationen mit Kollaps des Patienten kommen kann → Blutdruckabfall, Blässe, Kaltschweißigkeit, Übelkeit, ggf. Erbrechen.
• Bei Monitoring (z. B. Telemetrie oder Monitorüberwachung): Regelmäßiges Wechseln der Klebeelektroden, einschließlich Hautbeobachtung und Hautpflege, ggf. Hautschutzpräparat (z. B. 3M™ Cavilon™ reizfreier Hautschutzfilm als Spray oder Applikator) bei hautempfindlichen Patienten zum Allergieschutz auftragen. Bei Patienten, die sensibel/allergisch auf Klebeflächen reagieren oder eine bekannte Pflasterallergie besteht, sollten von vorne herein hypoallergene Klebeelektroden verwendet werden (z. B. Blue Sensor®). Wichtig: Vor dem Anbringen der Klebeelektroden muss der Hausschutzfilm vollständig getrocknet sein. Dies dauert ca. 30 Sekunden. Zudem darf kein Fett in Form von Ölen, Cremes oder Salben gleichzeitig verwendet werden, da dies die Ausbildung des Hautschutzfilms verhindert.
• Nach erfolgtem Herzkatheter tägliche Inspektion der Einstichstelle (bis zum vollständigen Abheilen der Einstichstelle) und der Leiste auf Auffälligkeiten (Schwellungen, Verhärtungen, Hämatome). Kontrolle eventueller Wundnähte.
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