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Agnes Pahler

Das Kompostbuch

Gartenpraxis für Selbstversorger und Hobbygärtner

illustriert von Margret Schneevoigt



Über das Buch

Wie viel Kompost brauchen Gemüse, Obst und Blumen im Garten? Dürfen biologisch abbaubare Folien auf den Kompost? Und wie perfekt muss der Komposthaufen wirklich sein? Dieses Buch liefert fachlich fundiert wichtige Antworten auf alle Fragen rund um Kompost.

Apfelbutzen, Schalen von Kartoffeln, welke Blüten, Staudenschnittgut, Laub - täglich fallen in Küche und Garten Materialien an, die gerade nicht gebraucht werden. Statt sie in den Müll zu werfen, lässt sich durch Kompostierung wertvoller Humus gewinnen. Wer ohne Garten lebt, erhält mit Kompost nährstoffreiche Erde für Zimmerpflanzen und Balkongewächse mit bunten Blüten oder schmackhaften Früchten.

Mit praktischen Bauanleitungen und Empfehlungen für unterschiedliche Kompostbehälter finden sich in diesem Buch Lösungen für jeden Gartentyp. Ausführlich wird erklärt, wie man guten Kompost herstellt - von klassischer Schichtung über Sonderformen wie Hügelbeet, Hochbeet und Wurmkiste bis hin zur Rotte im Schnellkornposter und mobilen Formen für Balkon und Hinterhof.

Hobbygärtner, Selbstversorger und Erwerbsgärtner erhalten darüber hinaus wertvolle Informationen, wie sie Kompost anwenden und optimal nutzen können.

Kompostieren bedeutet weit mehr, als organisches Material auf einen Haufen zu werfen: So wird aus Grünabfall und Biomüll fruchtbare Erde!

Inhalt

Cover

Titel

Impressum

Kompostieren im Garten

Natürliches Vorbild

Vorteile von regelmäßigen Kompostgaben

Gesetze und Verordnungen

Der Boden

Bodenfruchtbarkeit

Boden und Pflanzennährstoffe

Der Kompostplatz

Platzbedarf

Der geeignete Platz im Garten

Ausgestaltung der Kompostecke

Kompostformen

Kompost bereiten

Materialien für den Kompost

Den Kompost aufsetzen

Der Verlauf der Rotte

Umsetzen des Kompostes

Rotte im geschlossenen Behälter

Kompostzusätze

Ungünstiger Rotteverlauf

Lebewesen im Komposthaufen

Mikroorganismen

Tiere

Werkzeug und Geräte für die Kompostbereitung

Häckselgeräte

Einen Häcksler auswählen

Kompostieren auf kleinem Raum

Wurmkompost

Bokashi

Sonderformen von Kompost

Laubkompost

Nadelkompost

Rindenkompost

Kompost aus Obsttrester

Mooskompost

Kompost aus Rasensoden

Kompost ausbringen

Wann ist Kompost reif?

Kompostentnahme

Düngung mit Kompost

Welche Mengen werden benötigt?

Keimfreier Kompost

Kultursubstrat aus Kompost

Sonderformen der Kompostierung

Hügelbeet und Hochbeet

Flächenkompostierung

Gründüngung

Mulchen mit organischen Materialien

Die Autorin

Anhang

Literatur

Bezugsquellen

Kompostieren im Garten

Im Garten wie in der Küche fallen täglich Materialien an, die überflüssig oder gerade nicht zu gebrauchen sind: Staudenschnittgut, welke Blüten, abgefallenes Laub, Schalen von Kartoffeln, Apfelbutzen. Immer handelt es sich um hochkomplexe Substanzen, die auf der Grundlage der Fotosynthese entstanden sind. Es widerstrebt, all diese Stoffe in den Müll zu werfen. Stattdessen lässt sich über den Weg der Kompostierung wertvoller Humus gewinnen, der den Bodenlebewesen und damit dem Boden und den darin wurzelnden Pflanzen zu Gute kommt.

Die Bedeutung von organischer Substanz für den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit haben viele alte Hochkulturen erkannt. Bereits im alten Ägypten wurde Mist auf die Felder gebracht und in China erhielt sich die gute Ertragsleistung der Anbauflächen jahrtausendelang nur dank ausgefeiltem Fruchtwechsel und Kompostwirtschaft. Andererseits führt man den vermeintlich plötzlichen Untergang von Städten der Frühgeschichte in Indien und Mittelamerika auch darauf zurück, dass die Anbauflächen ausgelaugt waren und die Bevölkerung nicht mehr ernähren konnten.

Für uns ist es dagegen vielfach üblich, die Pflanzen im Haus oder Garten mit zugekauftem Dünger zu versorgen. Unzählige Fertigprodukte stehen zur Verfügung, egal, ob man synthetische Düngemittel einsetzt oder organische Produkte bevorzugt. In früheren Zeiten waren Bauern und Gärtner auf die Erzeugnisse ihres eigenen Landes angewiesen. Mist wurde ebenso wie der Inhalt der Latrinen auf die bewirtschafteten Flächen ausgebracht. Schon früh hatten die Menschen erkannt, dass die Ausscheidungen von Mensch und Tier das Wachstum der Kulturpflanzen fördern.

Mist von Nutztieren steht heute den wenigsten Gartenbesitzern zur Verfügung. Fäkalien werden in der Toilette weggespült und wir würden sie auch nicht mehr im Garten einsetzen wollen. Allerdings fallen im Garten und beim Zubereiten von Mahlzeiten in der Küche genug organische Abfälle an, die man nicht guten Gewissens in die Mülltonne werfen kann. Diese energiereichen und hochwertigen Stoffe lassen sich sinnvoll weiterverwerten. Bei der Herstellung von Kompost entsteht aus organischen Abfällen ein neues hochwertiges Produkt. Kompost verbessert die Böden dauerhaft, ernährt Pflanzen, deckt offene Flächen ab, schützt empfindliche Gewächse im Winter. Und wer keinen eigenen Garten hat, kann aus Kompost Pflanzerde herstellen, in der man in der Wohnung oder auf dem Balkon Pflanzen mit bunten Blüten oder schmackhaften Früchten heranziehen kann.

Das Wort »Kompost«

Das Wort »Kompost« taucht erst Anfang des 19. Jahrhunderts im deutschen Sprachgebrauch auf. Es bezeichnete Dünger, der aus pflanzlichen oder tierischen Abfallstoffen hergestellt wurde. Es wurde dem gleichbedeutenden französischen Wort compost entlehnt, das auf das mittellateinische compostum zurückgeht. Dieses bezeichnete eine aus unterschiedlichen Abfällen zusammengesetzte Miete, aus der man Dünger herstellte. Das Wort geht zurück auf das lateinische compositum für »Zusammengesetztes« oder »Gemischtes« und leitet sich ab vom Verb componere für »zusammenstellen«. Das Wort »Kompost« hat damit dieselbe Wortwurzel wie die Wörter »Kompott« oder »Komponieren«, und genau darum geht es: Aus einer Mischung geht etwas Hochwertiges hervor.


Im Kompost verwandeln sich organische Abfälle aller Art in wertvollen Humus.

Natürliches Vorbild

Kompostieren ahmt verdichtet und im Zeitraffer natürliche Vorgänge nach. Schließlich geht in der Natur nichts verloren. Herabgefallenes Laub, abgestorbene Kräuter und Gehölze verrotten, werden zersetzt und gelangen wieder zurück in den natürlichen Kreislauf. Den gleichen Vorgang ahmt das Kompostieren nach: Organische Abfälle werden abgebaut und zu neuen Verbindungen zusammengesetzt. Das geschieht auf einem einfachen Komposthaufen genauso wie in einer Kompostmiete, einem Kompostgestell oder einem geschlossenen Kompostbehälter.

Mit relativ geringem Aufwand lässt sich ohne technische Hilfsmittel im Garten hochwertiger Kompost bereiten. Doch darf ein Kompost nicht einfach als Deponie für Abfälle verstanden werden. Achtloses Aufeinanderwerfen führt zu Fäulnis und Gestank, lästige Insekten entwickeln sich, es entstehen schädliche Abbauprodukte und die Humusqualität ist miserabel. Sachgerechtes Kompostieren sieht anders aus und darum geht es in diesem Buch. Der Komposthaufen bildet den Lebensraum für unzählige Mikroorganismen und Kleintiere. Nur wenn sie gute Entwicklungsbedingungen vorfinden, entsteht hochwertiger Kompost. Immer kommt es auf eine gute Mischung an. Je besser die unterschiedlichen Kompostmaterialien vermischt sind, desto zuverlässiger verrotten sie: Nasses wird also mit Trockenem, Grobes mit Feinem vermengt. Daraus erschließt sich, dass Kompostieren mehr bedeutet als organisches Material auf einen Haufen zu werfen.

Vorteile von regelmäßigen Kompostgaben

Werden einige Grundregeln beachtet, entsteht nach einigen Monaten ein wertvolles Bodenverbesserungsmittel, das auf vielschichtige Weise das Wachstum der Pflanzen positiv beeinflusst und höhere Erträge im Nutzgarten ermöglicht. Regelmäßige Kompostgaben führen dem Boden organische Substanz zu. Das Ergebnis sind nicht unbedingt deutliche Mehrerträge, sondern ist der nachhaltige Erhalt einer Bodenfruchtbarkeit auf hohem Niveau. Die folgende kurze Übersicht nennt die Vorteile regelmäßiger Kompostgaben. Ausführlichere Informationen finden Sie im weiteren Verlauf des Buches.

Nutzen von Kompost im Garten

Kompost spielt im Garten eine wichtige Rolle, um die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten. Einsetzen kann man ihn zum Beispiel für die Neuanlage von Rasen und Pflanzflächen, für die Nährstoffversorgung im Nutzgarten, für die Bodenpflege. Kompost zeigt viele günstige Wirkungen:

▷Zufuhr wichtiger Mineralstoffe (Makronährstoffe und Mikronährstoffe) für eine ausgewogene Pflanzenernährung

▷Aufbau von Dauerhumus im Boden

▷Verbesserung und Erhaltung der Bodenstruktur

▷Regulierung des Wasserhaushalts im Boden

▷Schutz vor Erosion durch Wind und Wasser

▷Aktivierung der biologischen Bodenaktivität

▷Verbesserung des mikrobiologischen Gleichgewichts im Boden

▷Möglicher Torfersatz (nicht in Moorbeetkulturen)

▷Schutz vor Pflanzenkrankheiten

Bodenleben wird gefördert

Zunächst führt Kompost dem Boden nützliche Bodenorganismen zu, der Boden wird belebt. Außerdem erhalten vorhandene Bodenorganismen Nahrung durch die organische Substanz. Dies führt zu einer hohen Bodenaktivität. Dieser Begriff umfasst die gesamte Lebensaktivität von Organismen im Boden, die mit ihrer Atmung und ihrem Stoffwechsel all die Zersetzungs- und Umlagerungsprozesse bewirken. Eine hohe Bodenaktivität beruht auf einer stabilen Lebensgemeinschaft von Bodenorganismen. Sie bedingt funktionierende Stoffkreisläufe mit einem guten Recycling der Nährelemente, eine hohe Bodenfruchtbarkeit, aber auch Toleranz gegenüber schädlichen Umwelteinflüssen.

Bessere Bodenstruktur

Die groben Bestandteile des Kompostes lockern den Boden allein schon aufgrund ihrer Struktur auf. Dieser Dauerhumus fördert die Bildung eines stabilen Bodengefüges. Mikroorganismen verkitten Bodenpartikel miteinander, es entsteht krümelige Erde, man spricht von »garem« Boden. Dies verringert die Gefahr der Verschlämmung und Bodenabtragung, also Erosion.

Obendrein lockert Kompost den Boden. Er wird leichter durchwurzelt, wird wasserdurchlässiger und ist gut durchlüftet. Die Erhöhung des Porenvolumens mit einer Vielzahl an Fein-, Mittel- und Grobporen führt vor allem in schweren, lehmigen, tonreichen Böden zu einer Verbesserung des Wasser- und Lufthaushaltes. Schwerer Boden lässt sich mit konsequenter Kompostwirtschaft mit der Zeit immer leichter bearbeiten.

Versorgung mit Nährstoffen

Kompost führt dem Boden Nährstoffe zu: Bodenlebewesen wandeln die in der organischen Substanz festgelegten Nährstoffe in eine pflanzenverfügbare Form um. Man spricht von Mineralisierung.

Die organische Substanz hält mineralische Nährstoffe fest (Adsorption) und bewahrt sie dadurch weitgehend vor Auswaschung. Die Nährstoffe werden langsam und pflanzenverträglich abgegeben. Durch Säuren, die beim Humusabbau entstehen, und Ausscheidungen der Bodenlebewesen werden schwer verfügbare Spurennährstoffe pflanzenverfügbar gemacht.

Vor allem auf sandigen Böden wirkt sich der günstige Einfluss von Kompost auf die Nährstoffverfügbarkeit vorteilhaft aus.

Kalkzufuhr

Kompost besitzt in der Regel einen hohen pH-Wert, er ist also alkalisch oder basisch. Er neutralisiert daher Säuren und wirkt einer Versauerung des Bodens entgegen. Kompost kann aufgrund dieser Eigenschaft auch Kalkverlusten durch sauren Regen entgegenwirken.

Speicherung von Wasser

Die organische Substanz des Kompostes kann das Dreifache bis Fünffache ihres Eigengewichts an Wasser halten und steigert damit das Wasserhaltevermögen des Bodens.

Boden erwärmt sich

Durch die dunkle Farbe der Humusstoffe erwärmt sich der Boden im Frühjahr schneller.

Schutz vor Krankheiten

Kompost bewirkt eine erhöhte Widerstandsfähigkeit der Pflanzen gegenüber Schädlingen und Krankheiten. Im Kompost enthaltene Enzyme, Wachstumsregulatoren (Hormone) und weitere Verbindungen tragen zur Gesundheit des Bodens und der Pflanzen bei.

Schutz vor Schadstoffen

Bestimmte organische Abbauprodukte im Kompost binden Schwermetalle, sodass diese von den Pflanzen nicht mehr aufgenommen werden können.

Daraus leitet sich ab, dass sich Kompostgaben ausgleichend auf ungünstige Bodenqualitäten auswirken: Schwere Böden werden lockerer, auf sandigen Böden verbessern sich der Nährstoffgehalt und die Verfügbarkeit von Wasser.

Kompostpioniere

Kompostieren erscheint heutigen Hobbygärtnern vielfach als selbstverständlich. Allerdings war es Mitte des 20. Jahrhunderts hierzulande noch üblich, Gartenabfälle zu verbrennen oder einfach auf einen Haufen zu werfen. Für das Kompostieren setzten sich verschiedene Fachleute ein, unter anderem der »Kompost-Apostel« Alwin Seifert (1890 bis 1972). Der Landschaftsarchitekt war während des Drittes Reiches mit der Planung und Anlage von Autobahnen betraut. Er ließ zum Beispiel den Erdaushub entlang der Autobahnbaustellen kompostieren. Nach dem Krieg machte er die Bedeutung von organischer Substanz für die Bodenfruchtbarkeit bekannt und propagierte einen Obst- und Gemüseanbau ohne Gift, nur mit Kompost. In seinem Garten in Dießen am Ammersee erprobte er die Kompostierung in Mieten und verwendete Frischkompost als Mulch. Mit dem Kompostieren befasste sich auch der Landwirt Ewald Könemann (1899 bis 1976), der Begründer des »Natürlichen Landbausystems«.

Gesetze und Verordnungen
Abfallverwertung

Die Verwertung organischer Abfälle ist gesetzlich geregelt, in Deutschland auf Bundesebene im Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG, genauer: Gesetz zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und Sicherung der umweltverträglichen Beseitigung von Abfällen). Demnach sind Abfallbesitzer und öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger zur Abfallverwertung verpflichtet. Die Landesabfallgesetze konkretisieren diese Pflicht.

Für die Praxis entscheidend ist, dass das Sammeln zum Teil auf »Bringsystemen« beruht, das heißt, man kann organischen Abfall zu Sammelstellen bringen, von wo er der Wiederverwertung zugeführt wird. Daneben gibt es in Deutschland das System der Biotonne. Die Biotonne ist eine Abfalltonne, die Haushalten zum Sammeln ihrer organischen Abfälle zur Verfügung gestellt wird und die auf kommunalem Wege ähnlich wie die Restmülltonne geleert wird. Die zuständigen Entsorgungsunternehmen geben Auskunft, welche Bioabfälle in die Biotonne gefüllt werden dürfen.

Was ist Abfall?

Alles, was nicht mehr gebraucht wird, ist Abfall, dazu gehört Bauschutt genauso wie Schlacke aus der Industrie. Hausmüll (in der Schweiz Kehricht), der in Privathaushalten anfällt, umfasst zum Beispiel Altglas, Altpapier, Sperrmüll oder Textilien. Was nicht mehr verwertet werden kann, ist Restmüll.

Bioabfall ist der organische Abfall tierischer oder pflanzlicher Herkunft, der in einem Haushalt oder Betrieb anfällt und durch Mikroorganismen, Lebewesen im Boden oder Enzyme abgebaut werden kann. Dazu zählen zum Beispiel Essensreste und Rasenschnitt.

Die in Deutschland bundesweit gültige Bioabfallverordnung (BioAbfV) befasst sich mit der Verwertung von Bioabfällen auf landwirtschaftlich, forstwirtschaftlich und gärtnerisch genutzten Böden.

Seit Anfang 2015 ist die Biotonne deutschlandweit verpflichtend eingeführt. Das heißt, alle öffentlich-rechtlichen Versorgungsträger müssen sie anbieten. Dieses Ziel haben bislang noch nicht alle Landkreise und Städte erreicht. In Körperschaften mit eingeführter Biotonne sind durchschnittlich rund 60 Prozent der Haushalte an das System angeschlossen. Viele Gemeinden empfehlen ihren Bürgern an erster Stelle die Eigenkompostierung im Garten oder Hinterhof als ökologisch sinnvollste und wirtschaftlichste Art der Bioabfallverwertung.

Manche Gemeinden verbieten es inzwischen, organischen Abfall in den Restmüll zu werfen. Organischer Abfall soll ausschließlich über die Biotonne oder Eigenkompostierung entsorgt werden oder zur Grünabfallsammelstelle gebracht werden.

Im Jahre 2014 fielen deutschlandweit rund 9,8 Mio. t organische Abfälle an. Das entspricht etwa 121 kg pro Person. Davon stammten durchschnittlich etwa 57 kg aus der Biotonne, rund 64 kg waren Gartenabfälle und Parkabfälle. Durchschnittlich gut 80 Prozent davon werden derzeit kompostiert. In dicht bebauten, städtischen Regionen ist die Sammelmenge pro Person aus der Biotonne geringer als in weniger dicht bebauten Gegenden. Hier machen sich die dort kleineren Grundstücksgrößen bemerkbar.

In der Schweiz ist es derzeit noch möglich, alle Abfälle, die im Haushalt anfallen (den Kehricht), über die lokalen Sammelstellen abtransportieren zu lassen. Viele Schweizer Gemeinden bieten inzwischen innovative Abfallkonzepte, die Haushalte brauchen ihren Biomüll nur separat zu sammeln und in die kostenlose Sammlung von Grünabfall zu geben.

Auch in Österreich gibt es Bestrebungen, organische Abfälle getrennt zu sammeln und dann zu verwerten. Je nach Bundesland liegt der Schwerpunkt auf einer Sammlung über die Biotonne oder es wird besonders die Kompostierung im Einzelhaushalt oder eine gemeinschaftliche Kompostierung gefördert.


Die verschiedenen Sammelbehälter für Hausmüll lassen sich hinter einem begrünten Sichtschutz verbergen. Das Rankgitter wirkt zudem dekorativ.

Nachbarrecht

Das Nachbarrecht variiert in Deutschland von Bundesland zu Bundesland. In der Regel schreibt es bei der Anlage eines Komposthaufens sowie bei der Aufstellung von offenen oder geschlossenen Kompostbehältern einen Mindestgrenzabstand von 50 cm vor. Wird zur Abschirmung um den Kompostplatz eine Hecke gepflanzt, so muss diese ebenfalls bis zu einer gewissen Höhe (je nach Bundesland 1,5 bis 2 m) einen Mindestabstand von 50 cm zur Grenze haben. Bei höheren Hecken ist ein entsprechend größerer Mindestgrenzabstand erforderlich. Für den Abstand zu Gewässern, zum Beispiel zum Gartenteich, gibt es keine Vorschriften. Auskünfte über die jeweils geltenden gesetzlichen Regelungen erteilen Landratsämter und die kommunalen Verwaltungen. Gesetzlich vorgeschrieben ist außerdem, dass es bei der Kompostierung zu keinen Geruchsbelästigungen kommen darf. Wer die Grundregeln der Kompostbereitung beachtet, muss sich in dieser Hinsicht keine Sorgen machen.

In der Schweiz und in Österreich ist für Kompost im Garten kein Grenzabstand vorgeschrieben, allerdings muss der Gartenbesitzer dafür Sorge tragen, dass keinerlei Belästigung davon ausgeht. Es dürfen sich also weder unangenehme Gerüche noch Fliegenschwärme darin entwickeln.

Der Boden

In der Natur halten sich Eintrag und Verbrauch organischer Stoffe die Waage. Schön können wir dies bei Spaziergängen durch Laubwälder und Laubmischwälder beobachten. Im Herbst bildet herabfallendes Laub eine dicke Decke, es verrottet im Folgejahr, die frei werdenden Nährstoffe stehen der wachsenden Vegetation wieder zur Verfügung. Wenn im Herbst erneut Blattmasse auf den Boden fällt, hat sich die Schicht vom Vorjahr gleichmäßig abgebaut. Das Wachstum entzieht so viele Nährstoffe wie angeliefert werden.

Ein Musterbeispiel für einen natürlichen Kreislauf stellt auch der tropische Regenwald dar. Diese Vegetationsform wächst auf stark verwitterten, äußerst nährstoffarmen Böden. Das üppige Wachstum mit ungeheurer Artenfülle und riesigen Bäumen kann nur aus sich heraus bestehen: Neuer Wuchs entwickelt sich nur auf der Grundlage der abgestorbenen organischen Masse, die zu Boden fällt. In dem feuchtwarmen Klima verlaufen Zersetzungsprozesse vergleichsweise schnell: Ein dicker Baumstamm zerbröselt innerhalb von Monaten. Der europäische Wanderer, der gewohnt ist, über liegende Baumstämme zu steigen, riskiert dort, ins morsche Holz einzubrechen. Das verletzliche Gleichgewicht des Regenwaldes wird deutlich, wenn Flächen gerodet werden: Fehlt der Wald, werden keine Nährstoffe mehr nachgeliefert. Es bleibt unfruchtbarer Boden übrig, den die ursprüngliche Vegetationsform über Jahrzehnte hinweg nicht mehr besiedeln kann.

Während in der Natur Nährstoffzufuhr und Nährstoffentzug im Gleichgewicht stehen, wird auf bewirtschafteten Flächen den Böden mehr entnommen, als Verwitterung von Mineralien und Zersetzung organischer Substanz nachliefern können. Allein die Entnahme von Erntegut unterbricht den natürlichen Kreislauf, denn dadurch wird Pflanzenmasse entfernt. Zur Praxis des Landbaus gehört daher die Zufuhr von Nährstoffen. Gedüngt wird, um Nährstoffverluste auszugleichen, vor allem um die Erträge zu steigern.

Düngen muss man hierzulande auch, weil die Böden in Mitteleuropa der Auswaschung unterliegen, weil Regenwasser durch sie in das Grundwasser sickert. Leicht lösliche Mineralstoffe wie Kalzium und Bor werden in großen Mengen in das Grundwasser ausgewaschen, während das schwer lösliche Phosphat weitgehend im Boden verbleibt. Daraus resultiert, dass man Böden Kalzium in Form von Kalk oder Gesteinsmehl zuführen muss, während die hohen Phosphatgehalte in gut gedüngten, bewirtschafteten Böden die Gefahr von Überversorgung bergen. Häufig wird in diesem Zusammenhang auch die Frage des Nitratgehaltes von Böden diskutiert. Aus übermäßig mit Stickstoff versorgten Böden wird Nitrat, das zu krebserregendem Nitrit umgewandelt werden kann, ins Grundwasser eingetragen. Ein Puffer ist hierbei der Dauerhumus im Boden: An ihn werden Stickstoffverbindungen angelagert, man spricht von Stickstofffestlegung. Diese Verbindungen werden nicht ausgewaschen und stehen für das Pflanzenwachstum zur Verfügung.


In der Natur werden abgestorbene Teile von Lebewesen durch Mikroorganismen im Boden zersetzt und zu neuen Substanzen neu zusammengefügt. Wurzeln nehmen frei werdende Nährstoffe auf und ermöglichen neues Wachstum.

Bodenfruchtbarkeit

Das Zusammenwirken von allen mineralischen und organischen Stoffen im Boden, die physikalischen, chemischen und biologischen Eigenschaften eines Bodens mit all ihren Auswirkungen auf den Wasserhaushalt und die Nährstoffversorgung, werden mit dem Begriff Bodenfruchtbarkeit umschrieben. Damit meint man die Fähigkeit eines Bodens, Voraussetzungen für Pflanzenwachstum zu bieten, was im Falle einer guten Bodenfruchtbarkeit bedeutet, dass hohe Erträge zu erwarten sind. Bodenfruchtbarkeit bezieht sich demnach nicht allein auf das Vorhandensein von Nährstoffen, sondern ebenso auf die Fähigkeit des Bodens, Wassermoleküle und Ionen festzuhalten und den Pflanzen zur Verfügung zu stellen.

Zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit trug immer auch die Kompost- und Mulchwirtschaft bei. Nicht nur beließ man die Ernterückstände auf den Feldern, man brachte auch Mist auf. Abfälle konnte man kompostieren und das daraus gewonnene Material trug zur Anreicherung von organischer Substanz im Boden bei. Heute wissen wir, wie wichtig es ist, nicht nur Nährstoffe zuzuführen, was mit Hilfe von Düngemitteln aus dem Handel leicht gelingt. Es kommt ebenso darauf an, die Struktur der Böden und damit ihre Fruchtbarkeit zu erhalten. Wir müssen dafür sorgen, dass sich stabile Ton-Humus-Komplexe bilden. Dazu müssen wir regelmäßig organische Substanzen zuführen, damit sich Humusstoffe bilden können.

Ein hoher Anteil organischer Substanz im Boden wirkt außerdem der Bodenmüdigkeit entgegen. Ständige Bodennutzung, verbunden mit Nährstoffentzug, strapaziert den Boden. Wird immer wieder dieselbe Kultur angebaut, kommt es außerdem zum einseitigen Auslaugen, schädliche Verbindungen und Krankheitskeime können sich im Boden anreichern. Der Gärtner spricht bei dieser Erscheinung von Bodenmüdigkeit. Schon früh erkannte man, dass Mischkultur und Fruchtwechsel dieser Erscheinung entgegenwirken. Dazu gab es im alten China ausgetüftelte Fruchtfolgen, die eine ertragreiche Bewirtschaftung von Flächen über Jahrtausende hinweg gewährleisteten.

Maßnahmen zur Bodenverbesserung können ungünstige Voraussetzungen für das Pflanzenwachstum verbessern. Für die Lenkung von Bodeneigenschaften spielt die Zufuhr organischer Substanz eine wichtige Rolle. Zum Beispiel wird ein nährstoffarmer Sandboden durch zusätzliche Düngung fruchtbarer gemacht. In Sandböden ermöglichen Humusstoffe die Anlagerung von Nährstoffen, die dadurch festgehalten und nicht so leicht ausgewaschen werden. In Tonböden dagegen sorgt Kompost für die Bildung von Ton-Humus-Komplexen. Es entstehen Krümel, die von Hohlräumen umgeben sind. Dadurch dringt mehr Luft in den Boden ein, die Erde verschlämmt bei Regen weniger leicht. Somit verbessert Kompost alle Bodenarten.


Verdichtete Böden besitzen kaum Grobporen, es dringt wenig Luft ein, Wasser fließt schlecht ab. Mit der Zufuhr organischer Substanz lässt sich das Gefüge auflockern.


Gut gepflegter Gartenboden weist eine feinkrümelige Struktur mit vielen Poren in unterschiedlicher Stärke auf.

Boden und Pflanzennährstoffe

Für ihr Wachstum beziehen Pflanzen Kohlenstoff und Sauerstoff aus der Luft in Form der Gase Sauerstoff (O2) und Kohlendioxid (CO2). Aus dem Boden nehmen sie über ihre Wurzeln Wasser auf. Aus dem Boden erhalten sie in Ionenform auch alle benötigten Nährstoffe. Somit bildet der Boden die Grundlage allen Pflanzenlebens – im wahrsten Sinne des Wortes. Dieses hochkomplexe System unterliegt beständigen chemischen, physikalischen und biologischen Veränderungen.

Zu den festen Bestandteilen des Bodens gehören zum einen die Verwitterungsprodukte der gesteinsbildenden Mineralien (Silikate, Tonmineralien, Kalk), die sowohl an mineralische Substanzen als auch an organische Humusstoffe gebunden sind. Nur ein verschwindend geringer Teil befindet sich gelöst im Boden. Zum anderen zählen die organischen Substanzen und deren Zersetzungsprodukte zu den festen Bodenbestandteilen. Zu den organischen Substanzen im Boden zählen alle Überreste von Pflanzen und Tieren sowie ihre Umwandlungsprodukte. Humus bezeichnet organische Substanz, die bereits eine weitgehende Veränderung erfahren hat.

Pflanzennährstoffe

Für die Pflanzenernährung wichtig sind insbesondere die Elemente Stickstoff, Phosphor, Kalium, Kalzium und Magnesium. Dazu kommen die sogenannten Spurenelemente wie Eisen, Bor, Kupfer oder Mangan. Diese Pflanzennährstoffe finden sich als elektrisch geladene Teilchen, die man als Ionen bezeichnet, im Boden. Positiv geladene Ionen nennt man Kationen, negativ geladene Ionen nennt man Anionen. Ein Anion ist zum Beispiel das Nitrat (NO32-). Die meisten Nährstoffe werden als positiv geladene Kationen (K+, Mg2+, Ca2+) aufgenommen. Das Wort »Ion« stammt aus dem Griechischen und bedeutet »das Wandernde«: Ionen können sich zwischen elektrischen Ladungen und im Boden zwischen Bodenteilchen und Wurzeln bewegen.

Die Ionen der Nährstoffe sind durch ihre Ladungen an die Tonmineralien und Humussubstanzen im Boden gebunden. Diesen Bodenteilchen kommt die wichtige Aufgabe zu, die Nährstoffe so fest zu halten, dass sie nicht ausgewaschen werden können, jedoch locker genug, damit sie von den Pflanzen ausgelöst werden können. Um sie auszulösen, sondern die Wurzeln Wasserstoffionen (H+) ab. Durch diese chemischen Vorgänge und zusammen mit Mikroorganismen entsteht rund um die Wurzeln ein bestimmtes saures Milieu. Diesen Bereich nennt man Rhizosphäre.

Die Bedeutung der organischen Bodenbestandteile für die Bodenfruchtbarkeit erkannte man in ihrem ganzen Umfang Ende des 20. Jahrhunderts, als die Grenzen synthetischer Düngemittel deutlich wurden. Es kommt im Landbau nämlich nicht nur auf eine kurzfristige Versorgung der Pflanzen mit Nährstoffen an. Viel wichtiger ist es, die Bodenlebewesen auf Dauer zu ernähren und die Struktur des Bodens langfristig zu bewahren. Dazu braucht es organische Stoffe.

Die wichtigsten Humusbestandteile sind Huminstoffe. Huminstoffe sind komplexe organische Verbindungen. Für ihren Aufbau werden organische Stoffe im Boden zerlegt und zu einer völlig neuen Struktur zusammengebaut. Huminstoffe besitzen eine große Oberfläche. Zusammen mit ihren Bindungskräften sind sie in der Lage, Nährstoffe anzulagern, festzuhalten und vor Auswaschung zu schützen.

Man kann grob drei Huminstoffgruppen unterscheiden: die Fulvosäuren, die Huminsäuren und die Humine. Eine wichtige Rolle spielen die gut löslichen Fulvosäuren für den Nährstofftransport im Boden: Fulvosäuren und andere lösliche organische Verbindungen können schwer lösliche Metallkationen scherenförmig umfassen und ermöglichen damit deren Transport.


In den Bodenteilchen kleben organische und mineralische Bodenbestandteile zusammen.

Huminstoffgruppen


Fulvosäuren Huminsäuren Humine
Farbe gelbbraun braun bis grauschwarz schwarz
Größe kurzkettige Moleküle mittelkettige Moleküle langkettige Moleküle
pH-Wert sauer gemäßigt sauer schwach sauer
Bindung an Tonminerale gering mittel sehr hoch
Mobilität stark mittel schwach
Stabilität gering mittel hoch
Entstehung chemisch chemisch und biologisch biologisch

(nach Kuntze, Roeschmann, Schwerdtfeger 1988)

Der in den Huminstoffen eingebaute Stickstoff dient als Nahrungsreserve im Boden, indem er allmählich mineralisiert und daher pflanzenverfügbar gemacht wird. Eine gleichmäßige Nährstoffversorgung hängt somit von einem beständigen Nachschub organischer Substanzen ab. Dabei muss man bedenken, dass Humus wesentlich schneller abgebaut als aufgebaut wird.

Zwischen organischen und mineralischen Bodenbestandteilen kommt es zu starken Bindungen. Die organischen und mineralischen Bestandteile vermischen sich so weit, dass niedermolekulare organische Substanzen in die Zwischenschichten von Tonmineralien eingebaut werden. Es entstehen die sogenannten Ton-Humus-Komplexe, die die Krümelstruktur des Bodens ausmachen. Nur wenn sich aus Ton-Humus-Komplexen ein feinkrümeliger Boden bildet, können Pflanzenwurzeln optimal wachsen. Die Hohlräume zwischen diesen Teilchen sind zum Teil mit Wasser, zum Teil mit Luft gefüllt. Für ein gutes Pflanzenwachstum sollte die Hälfte dieser Hohlräume mit Wasser, die andere Hälfte mit Luft gefüllt sein, damit die Wurzeln atmen können. Je größer die Oberfläche der Teilchen ist, desto leichter haben Pflanzenwurzeln einen Zugriff auf die Bodenteilchen. 1 g Boden kann eine Oberfläche von 500 m2 haben.


Böden weisen eine typische Schichtung über verwittertem Gestein auf. Organische Substanz wird von der Oberfläche her durch die Tätigkeit der Bodenlebewesen allmählich in etwas tiefere Lagen eingearbeitet.

Humus finden wir in mitteleuropäischen Böden nur in den obersten Schichten. Sein Anteil im Boden beträgt 2 bis 8 Prozent. Liegt der Humusanteil im Boden über 10 Prozent, spricht man von einem humushaltigen, sehr stark humosen Boden. Der Humusanteil in Gartenböden liegt in der Regel bei 5 bis 10 Prozent.

Einen groben Anhaltspunkt für den Humusgehalt gibt die Farbe des Bodens: Ein toniger bis lehmiger Boden hat bei einem Humusanteil unter 4 Prozent eine strohgelbe bis hellgraue Färbung. Bei einem Gehalt von 4 bis 6 Prozent nimmt er eine graue oder kastanienbraune bis dunkelbraune Färbung an. Bei einem Humusanteil von 10 bis 12 Prozent wirkt er schwarz. Sandige Böden dagegen sehen bereits bei einem Humusgehalt von etwa 5 Prozent pechschwarz aus. Je nach Feuchtigkeitsgehalt eines Bodens ist die Färbung dunkler oder heller.

Humusbildung in der Natur

Natürliche Böden weisen eine charakteristische Schichtung auf. Innerhalb der oberen Lagen bildet sich Humus. In Waldböden lassen sich die einzelnen Auflagehorizonte gut erkennen: Obenauf liegen im Streuhorizont wenig veränderte Pflanzenreste wie Blätter, Nadeln, Holz und Streu. Diese Feinsubstanz ist locker miteinander verklebt. Diese Auflage bezeichnet man als »L-Lage« vom englischen Wort litter für »Streu«. Der Anteil der organischen Feinsubstanz ist dort niedriger als 10 Prozent.

Im darunterliegenden Vermoderungshorizont finden sich gebleichte Pflanzenreste, deren Struktur nicht mehr erkennbar ist. In der locker verklebten, schichtartig gepackten Masse finden sich Milben, Ausscheidungen von Würmern und Pilzhyphen. Die Bezeichnung »Of-Lage« für diese Schicht leitet sich vom englischen Wort fermentation für »Gärung« ab. Der Anteil der organischen Feinsubstanz steigt auf bis zu 70 Prozent. Das Kürzel »O« steht in der Bodenkunde für den Auflagehorizont (»O« für organic, organisch).

Unterhalb davon liegt der Humusstoffhorizont. Pflanzenstrukturen sind dort nicht mehr erkennbar, doch es findet noch keine Vermischung mit dem Mineralboden statt. Diese »Oh-Lage« genannte Schicht ist nach dem englischen Wort humification für »Humifikation (Humusbildung, Vermoderung)« benannt. Der Anteil an organischer Feinsubstanz liegt bei 50 bis 80 Prozent.

Je nach Boden, Klima und Feuchtigkeitsgehalt entstehen unterschiedliche Humusformen:

Unter günstigen mikrobiologischen Bedingungen bildet sich die günstigste Humusform: der Mull. Durch die Passage im Verdauungstrakt von Würmern vermischt sich mineralisches mit organischem Material zu stabilen Ton-Humus-Komplexen. Es entstehen stabile organo-mineralische Bindungen. Mull hat einen frischen Erdgeruch und einen ausgeglichenen pH-Wert im Bereich von 7.

Auf Böden mit schwacher biologischer Aktivität, auf »untätigen« Böden, bildet sich Rohhumus. Das ist zum Beispiel unter Heide, in Nadelwäldern oder auf sauren Wiesen der Fall. Der Abbau organischer Substanz findet vorwiegend abiologisch statt, es kommt nicht zu einer Vermischung mit mineralischen Bodenteilchen. Saurer Regen fördert die Bildung von sehr saurem Rohhumus.

Bei ungünstigen Bedingungen ist die Streuzersetzung gehemmt und die biogene Vermischung unzureichend. Es entsteht Moder. Auf sauren Böden kommt es leicht zur Moderbildung, etwa auf Sandböden. Es entsteht ein typischer Geruch nach Kartoffelkeller.

Daneben unterscheidet die Bodenkunde zwischen Humusformen, die zumindest teilweise unter Wasser gebildet werden. Dazu zählen zum Beispiel die Niedermoortorfe und die Hochmoortorfe. Noch vor wenigen Jahrzehnten gab man Gartenböden mit Hilfe von Torf organische Substanz bei. Inzwischen stehen die Torfflächen in Mitteleuropa weitgehend unter Naturschutz und der Einsatz von Torf als Zuschlagsstoff für den Boden wird als bedenklich angesehen. Heute achten wir darauf, den Boden durch eine geeignete Bewirtschaftung mit organischer Substanz zu versorgen, indem wir Gründünger einsäen oder konsequente Kompostwirtschaft betreiben.

Kompostierung wandelt organische Substanz in Humusstoffe um – schneller, als die natürlichen Abbauvorgänge ablaufen. Je nach organischer Substanz und Zersetzungsgrad lassen sich Nährhumus und Dauerhumus unterscheiden, siehe auch die Tabelle auf der rechten Seite. Nährhumus ist leicht abbaubar, Dauerhumus dagegen ist beständig, aber zersetzbar. Jedes organische Material wird sowohl in Nährhumus als auch in Dauerhumus eingebaut. Zuerst erfolgt die Zersetzung, dann der Neuaufbau. Die schnell abbaubaren Verbindungen im Nährhumus dienen als ergiebige Nahrungsquelle für Mikroorganismen im Boden. Nährhumus wird weitgehend mineralisiert. Gründüngung und Ernterückstände liefern hohe Anteile dieser leicht umsetzbaren organischen Substanz. Die beständigen Verbindungen im Dauerhumus sind für die Mikroorganismen dagegen schwerer zu zersetzen. Dauerhumus, wie er in reifem Kompost enthalten ist, dient der langsamen, aber anhaltenden Bodenverbesserung. Er verbessert dauerhaft die Bodenstruktur.

Beide Humusformen bewirken eine langfristige Ertragssicherung und haben einen günstigen Einfluss auf die Qualität der Erzeugnisse. Man kann sie sehr grob anhand ihrer Färbung erkennen: Milder, nährstoffreicher Humus ist sattbraun bis schwarz gefärbt. Saurer, nährstoffarmer Humus hat dagegen eine ockerbraune bis rotbraune Farbe.

Einfluss von Humus auf die Bodenqualität


Einfluss auf …NährhumusDauerhumus
… die Pflanzen​ernährungernährt die Bodenlebewesen und damit die Pflanzen über die Bindung von Luftstickstoff durch Pflanze und Bodenlebewesen sowie Nährstoffaufschluss durch die Bodenlebewesen•enthält selbst Nährstoffe •ermöglicht Anlagerung und Austausch von verfügbaren Bodenmineralstoffen
… die Boden​strukturbewirkt Krümelbildung durch Lebendverbauung (Bodengare)•verbessert die Bodenstruktur (Wasserspeicherung, Luftführung, Erwärmung) •stabilisiert das Bodengefüge der Krume •puffert den Boden gegen Säurewirkung
… die Bodengesundheit und die Pflanzen​gesundheitbildet Wirkstoffe, zum Beispiel Antibiotika und Vitalstoffe•begünstigt das biologische Gleichgewicht im Boden •drängt Schadorganismen zurück •verbessert die Bodenhygiene

(nach Seitz 1990)

Kalkgehalt und pH-Wert des Bodens und ihre Bedeutung für die Pflanzenernährung

Eine entscheidende Rolle für den Abbau organischer Stoffe und für die Verfügbarkeit von Nährstoffen hat der Kalkgehalt im Boden. Er beeinflusst den Säure-Basen-Haushalt des Bodens, das heißt die Konzentration von Wasserstoffionen (H+) in der Bodenlösung, die man als pH-Wert angibt: Sauer entspricht einem pH-Wert von weniger als 7. Es herrscht ein Überschuss an positiver Ladung vor. Neutral sind die Verhältnisse bei einem pH-Wert von 7. Basisch oder alkalisch ist eine Lösung mit einem pH-Wert über 7. Dann ist negative Ladung im Überschuss vorhanden.

Der pH-Wert wirkt sich auf die physikalischen und chemischen Eigenschaften von Böden aus. Er beeinflusst die Aktivität der Bodenlebewesen, die Entstehung von Tonmineralien und die Verfügbarkeit von Nährstoffen. Im neutralen bis schwach sauren Bereich sind die Pflanzennährstoffe in der Regel optimal verfügbar. Moorbeetpflanzen wie Rhododendren, Heidekraut, Heidelbeeren oder Heidekraut sind an ein saures Bodenmilieu angepasst. Sie gedeihen bei einem höheren pH-Wert im Boden schlecht. Andere Pflanzen reagieren auf einen zu sauren Boden, indem sie aufgehellte, gelbliche Blätter bilden. Diese Erscheinung, die man Chlorose nennt, geht zurück auf eine verschlechterte Eisenversorgung aufgrund eines zu hohen pH-Wertes. Aufgehellte, chlorotische Blätter sieht man oft bei Rhododendren, die in lehmiger Erde wachsen, oder bei Kartoffel-Rosen auf kalkhaltigen Böden.

Der pH-Wert des Bodens hängt wesentlich ab vom Gehalt an basisch wirkenden Kationen, hauptsächlich von Kalziumionen (Ca2+) und Magnesiumionen (Mg2+). In unserem meist regenreichen Klima werden diese Ionen leicht in das Grundwasser ausgewaschen. Dazu kommt, dass Pflanzen Kationen wie Ca2+, Mg2+, K+ und Na+ in hohem Maße für ihre Ernährung aufnehmen und somit dem Boden entziehen, was letztlich zu einer Versauerung des Bodens führt. Versorgt man den Boden ab und zu mit zusätzlichem Kalk, gleicht dieser Zusatz den Verlust aus und bindet darüber hinaus negativ geladene Tonmineralien. Kalk, den man in Form von Algenkalk unmittelbar auf den Kompost streut, neutralisiert die beim Abbau entstehenden Huminsäuren und beschleunigt die Rotte. Kalkzugaben verbessern die Qualität von Kompost und beugen einer Bodenversauerung vor.

Der Kompostplatz

Kein Garten ohne Kompost, das sollte eine Grundvoraussetzung sein. Denn wo wollte man sonst all den anfallenden Grünabfall hinschaffen? Das Volumen einer Grünabfalltonne ist doch immer beschränkt.


Der Kompostplatz findet seinen idealen Standort unter einer Baumkrone, die Schatten wirft, und neben dem Nutzgarten, wo viele Ernteabfälle anfallen und reichlich Kompost gebraucht wird.

Platzbedarf

Wie viel Platz man für den Kompost braucht oder zur Verfügung stellen kann, hängt von der Rottedauer, der Größe, Art und Nutzung des Gartens sowie der Haushaltsgröße ab. Ganz allgemein rechnet man damit, dass man pro 100 m2 Gartenfläche ein Kompostvolumen von 0,5 bis 1 m3 mit Restgut aus dem Garten und mit Küchenabfällen beschickt. Ein Haushalt mit vier bis fünf Personen erfordert ein Fassungsvermögen von durchschnittlich 1 m3.

Bei einer Gartenfläche bis etwa 300 m2 wird man sich meist mit einem Schnellkomposter begnügen müssen. Auf größeren Flächen kann man dagegen Platz für ein zweikammeriges, besser dreikammeriges Gestell einplanen, dafür sollte man eine Fläche von mindestens 6 m2 vorsehen. Ein Kammersystem hat den Vorteil, dass man Kompostgut sammeln und von Zeit zu Zeit sachgerecht aufschichten kann.

Gärten mit einer Fläche von über 2000 m2 kann man mit einer Kompostmiete ausstatten. Sie wird in einer Breite von 2 m aufgesetzt und rund 1 m hoch aufgeschichtet. Man baut der Länge nach an und kann nach einigen Monaten vom Anfang weg fertigen Kompost entnehmen. Bei jedem neuen Aufsetzen beginnt man wieder am Anfangspunkt. Solch eine klassische Kompostmiete hat einen Platzbedarf von etwa 15 m2, schließlich muss man Material über längere Zeit sammeln und benötigt Raum fürs Mischen und Sieben.

Der Kompost sollte Kontakt zum Boden haben, damit alle Organismen, vor allem die Würmer, von unten zuwandern können. Sie verkriechen sich, sobald sich ihre Lebensbedingungen verschlechtern. Der Boden am Grund sollte zudem nicht verdichtet sein, damit überschüssiges Wasser ungehindert ablaufen kann und sich nicht im Kompost staut. Sickerflüssigkeit gibt es immer. Natürlich spült sie auch Nitrat in tiefere Schichten, in einem intakten Bodengefüge ist dadurch jedoch kein dramatischer Eintrag ins Grundwasser zu erwarten. Um das Eindringen von Mäusen oder Ratten zu verhindern, kann man unten einen Maschendraht einlegen, doch mit Platten oder Beton darf man den Grund nicht versiegeln. Auch eine ansonsten abgeschlossene Komposttonne muss unten offen sein, damit der Inhalt direkten Kontakt zum Boden hat.

Die Kompostierung und Verrottung funktionieren notfalls auch bodenfern, also auf versiegeltem Boden. Die Artenfülle der zersetzenden Flora und Fauna ist in diesen Fällen zwar kleiner als bei direktem Bodenkontakt, aber selbst der Kompostwurm stellt sich über kurz oder lang ein, ohne dass man ihn extra zum Kompost geben muss.

Anders sieht es mit der Umgebung oder dem Zugang zum Kompostplatz aus. Es hat sich bewährt, eine Plattenreihe dorthin und falls erforderlich rund um den Platz zu legen, damit man wirklich bei jeder Witterung Zugang hat und dort stehen kann, um Materialien zu zerkleinern oder aufzuschichten. Für den Abtransport braucht man oft eine Schubkarre, zumindest einen großen Eimer. Ein breiter, befestigter Zugang, auf dem man bequem eine Schubkarre schieben kann, erweist sich als vorteilhaft. Auf jeden Fall muss man einen Bottich wegtragen können, ohne dass man mit den Ellenbogen aneckt oder mit den Ärmeln irgendwo hängen bleibt.

Handlungsfreiheit ist auch für den Kompostplatz selbst angesagt. Man braucht genügend Bewegungsraum, um mit Schaufel oder Grabegabel arbeiten zu können. Ein offener Platz, um ein Gitter aufstellen zu können, durch das man fertigen Kompost wirft, um ihn zu sieben, erleichtert die Arbeit. Dazu kommt im günstigen Fall eine Stellfläche für Tonnen, in denen man Pflanzenjauchen bereitet. Solche Tonnen sollten auf einer befestigten Fläche stehen. Gut eignet sich ein Pflasterbelag oder Plattenbelag. Es genügt jedoch auch ein gestampfter Grund, auf den man eine Schicht Splitt oder Feinkies ausbringt. Es kann in diesem Fall allerdings etwas Mühe bereiten, die mit Wasser gefüllten Tonnen einigermaßen gerade und standfest aufzustellen. Insgesamt kommt man so schnell auf einen Platzbedarf von 8 bis 10 m2.

Wer oft mit dem Schredder arbeitet, um das zu kompostierende Gut vorzubereiten, braucht auch dafür eine befestigte Fläche. Dazu muss man bedenken, dass der Schredder vor Nässe geschützt aufbewahrt werden muss. Man braucht somit noch einen Schuppen in der Nähe.

Der geeignete Platz im Garten

Gründlich sollte man sich den Standort im Garten überlegen. Ein guter Zugang, auch bei widriger Witterung, ist wichtig. Reichlich Pflanzenreste fallen im Gemüsegarten an. Dort wird außerdem viel von dem gewonnenen Kompost verbraucht. Daher bietet es sich an, den Kompostplatz zum Beispiel am Rand des Nutzgartens anzulegen. Man kann ihn dort gut mit rankenden Kulturen wie Kürbis oder Kapuzinerkresse integrieren.

Doch auch in anderen Gartenbereichen wird Kompost gebraucht und fällt Pflanzenschnitt an. Staudenbeete liefern das ganze Jahr über pflanzliches Material, ebenso fällt von Rasenflächen Grasschnitt ab und Hecken oder Strauchgruppen liefern Schnittgut. Wie die direkte Umgebung des Kompostplatzes genutzt wird, ist deshalb für die Überlegung, wo der Kompost seinen Platz erhalten soll, weniger wichtig als die wünschenswerten Bedingungen für den Kompoststandort selbst.

Der Platz muss leicht beschattet liegen. In voller Sonne trocknet der Kompost zu schnell aus, die Rotte kann nicht geregelt ablaufen. An einem ständig beschatteten Platz, etwa an der schattigen Nordwand des Hauses, besteht die Gefahr, dass der Haufen ständig feucht ist, verklumpt, gärt und stinkt.

Damit der Abbau geregelt verläuft, sollte daher auch ein gewisser Schutz vor Regen vorhanden sein. Ein Blätterdach von benachbart stehenden Gehölzen ist ideal. Zweckmäßig kann auch ein kleines abnehmbares Dach sein, das im Abstand von 20 cm über dem oberen Rand des Komposthaufens angebracht wird. Es leitet Regenwasser ab, was vor allem in den Wintermonaten vor Auswaschung und Übernässung schützt. Ist ein Dach vorhanden, muss man das Material allerdings von Zeit zu Zeit befeuchten.

Wasser zuführen sollte man ohnehin bei längerer Trockenheit im Sommer. Das bewältigt man leichter, wenn man einen Wasseranschluss im Freien hat, an dem man einen Schlauch anschließen kann. Wer eine Gießkanne schleppen muss, kann sich damit trösten, dass man den Kompost meist nur sehr selten befeuchten muss. Am besten gießt man mit Brausevorsatz regelmäßig und in kleinen Mengen. Zum Gießen verwendet man am besten Regenwasser oder abgestandenes Leitungswasser. Auch der Zugang zu einer Steckdose ist zu bedenken: Schredder und Elektrosägen brauchen Strom, daher sollte die Möglichkeit bestehen, ein Kabel in ausreichender Länge vom Haus oder von der Garage her legen zu können.


Viel Platz braucht ein Kompostplatz für Mieten. Ein befestigter Weg erlaubt Zutritt von allen Seiten.

Fast immer liegt es nahe, den Kompostplatz am Rand des Grundstücks zu platzieren. Doch darf ein Kasten nie mit der Grundstücksgrenze abschließen: Per Gesetz müssen in Deutschland 50 cm Abstand zur Grenzlinie sein (siehe auch Seite 16). Dafür hat der Nachbar dann kein Mitspracherecht zum Aussehen des Kompostplatzes, wie er gebaut ist und was dort wächst.

Ausgestaltung der Kompostecke

Einen schönen Anblick bietet ein Kompostplatz nicht unbedingt. Wer ihn ein wenig verbergen will, kann eine Reihe Sträucher davorsetzen. Es bieten sich zum Beispiel Johannisbeersträucher an, die man ohnehin jährlich mit Kompost versorgt. In das Umfeld eines Nutzgartens passen obendrein Himbeeren. An einem Gerüst kann man auch Brombeeren ziehen, sofern es sich um eine stachellose Sorte handelt. Bestachelte oder bedornte Triebe behindern das Arbeiten. Aus diesem Grund scheiden Stachelbeeren für die Umgebung des Kompostplatzes aus.

Eine gute Lösung stellen auch Felsenbirnen dar: Sie wachsen an der Basis schmal und breiten sich nach oben breit kegelförmig aus. Felsenbirnen kann man drei Meter hoch wachsen lassen, wenn der Platz dafür vorhanden ist. Man kann sie durch einen Schnitt aber auch viel niedriger halten. Zudem schmücken sie mehrfach im Jahr: Sie tragen im April fragile weiße Blüten, treiben zugleich hell bronzebraun aus, tragen schwarze, aromatische Beeren im August und überraschen im Oktober mit ziegelrotem Herbstlaub.

Zur Bereicherung des Gartens trägt außerdem die Duftschneeball-Art Viburnum farreri bei. Auch er verträgt jeden Schnitt, sodass er für streng geschnittene Hecken in Frage kommt. Dann bildet das verzweigte Geäst mit seinen hellgrünen, gesägten Blättern einen guten Sichtschutz. Der Strauch überrascht, wenn er zwischen November und Februar zum Blühen ansetzt. Die weißen bis rosafarbenen Blüten erscheinen nicht nur zu einer ungewohnten Jahreszeit, sie duften dazu angenehm. So wird der Gang zum Kompost sogar im Winter zum sinnlichen Genuss.

Wenn der Platz für einen Strauch oder eine Hecke nicht reicht, kann man in einem schmalen Beet rund um den Kompostplatz hochwachsende Einjährige ziehen, etwa Zuckermais, Sonnenblumen oder Topinambur. Auch Bambussorten, die höchstens 2,5 m hoch werden und keine Ausläufer bilden, eignen sich. Man kann auch Stangen in die Erde stecken und Bohnen daran hochwachsen lassen. Oder man stellt ein Rankgerüst auf, an dem ein kletterndes Gehölz wächst. Die Sorten der Bergwaldrebe erobern solch ein Gerüst innerhalb von zwei Jahren. Langsamer wachsen andere Clematis-Sorten und -Arten, vor allem Formen mit kleineren Blüten sehen gut aus. Ganz apart sind beispielsweise die pinkfarbenen Blüten der Sorte 'Lady Diana', während die Art Clematis tangutica dadurch hervorsticht, dass sie ab Hochsommer sattgelbe Blüten und zugleich silbrige, fiedrige Fruchtstände trägt. Auch mit einjährigen Kletterpflanzen lässt sich solch ein Sichtschutz begrünen: Hübsch sehen Duft-Wicken mit ihren weißen, rosafarbenen, roten oder violetten Schmetterlingsblüten aus. Die Trichterwinde Ipomoea nil trägt trichterförmige Blüten in einem unwirklichen Himmelblau. Sie überzieht ein Rankgitter innerhalb des Sommers.

Zum landläufigen Bild eines Komposthaufens gehört es, ihn mit Kürbisranken bewachsen zu lassen. Tatsächlich halten die großen Kürbisblätter Regen ab und die Pflanze gedeiht gut in der nährstoffreichen Umgebung, sofern sie genug Sonnenlicht erhält. Achtung: Man setzt die Kürbispflanze immer an den Fuß des Kompostes, in den Erdboden. Ihr kommen dann Nährstoffe zugute, die ansonsten in den Untergrund ausgewaschen würden. Wurzelt die Kürbispflanze dagegen direkt im Kompost, entzieht sie ihm Nährstoffe.

Kompostformen
Kompostmiete

Ein Behälter ist für die Kompostierung nicht unbedingt erforderlich. Um die Rotte in Gang zu bringen, genügt es, die Materialien gut gemischt aufzuschichten und am besten zu bedecken. Die altüberlieferte Form des Kompostierens beruht tatsächlich auf einer offenen Miete, wie sie in Gartenbaubetrieben nach wie vor angelegt wird. Kompostmieten brauchen jedoch viel Platz und eignen sich bestenfalls für große Gärten.

Eine Miete sollte eine Breite von 1,2 bis 1,5 m haben bei einer Höhe von maximal 1 m. Aufgeschichtet wird sie etwa 1 m hoch, mit schrägen Seitenwänden. Wird die Miete zu hoch aufgeschichtet, rutscht das Material ab. Der Querschnitt wird in niederschlagsarmen Gebieten trapezförmig gehalten, sind hohe Niederschläge zu erwarten, setzt man die Miete eher mit dreieckigem Querschnitt auf, damit überschüssiger Regen abläuft. Eine Abdeckung mit Stroh oder Rasenschnitt verhindert die Austrocknung. Das gesammelte Material wird beginnend an einer Seite kontinuierlich aufgesetzt, sodass man schon nach einigen Monaten vom Ausgangspunkt fertigen Kompost entnehmen kann.

Damit die Rotte wie gewünscht verläuft, braucht es ein Volumen von schätzungsweise mindestens 2 m3. Daraus ergibt sich eine Mindestlänge für eine Miete von mehreren Metern. So viel Material fällt in einem Hausgarten kaum an und so viel Platz für die Miete, einen umlaufenden Weg sowie für das Sammeln von Material steht in der Regel zudem nicht zur Verfügung.

Offene Kompostbehälter

Steht nur beschränkt Platz zur Verfügung, fällt die Wahl auf einen Behälter. Die verschiedenen Kompostmaterialien fallen je nach Jahreszeit in wechselnder Zusammensetzung und in sehr unterschiedlichen Mengen an. Daher ist es nötig, die Materialien im Garten zu sammeln und zu lagern. Das geschieht am besten in einem mehrkammerigen Kompostsystem. Gut eignen sich dafür Bretterverschläge, die sich auseinandernehmen lassen. Sie verbergen zudem das mitunter wenig gefällige Aussehen von gesammeltem organischen Material, lassen jedoch Luft daran. Der fertig aufgeschichtete Haufen kann in jedem Fall eine luftdurchlässige Abschlussdecke aus Gras, Laub, Bambusmatten, Jutesäcken oder einer dünnen Schicht Erde erhalten. Sie begünstigt die Wärmeentwicklung im Inneren.

Kompostbehälter werden aus unterschiedlichen Materialien angeboten. Ebenso vielfältig sind die Variationsmöglichkeiten für den Eigenbau. Oft werden Module angeboten, die man ohne großen Aufwand aneinandergereiht aufstellen kann. Egal, ob man einen Kompostbehälter kauft oder selbst baut – er sollte möglichst offen sein und Öffnungen besitzen, damit Luft von allen Seiten eindringen kann.

Für den Eigenbau eignen sich im einfachsten Fall viele ausgediente Behälter, zum Beispiel perforierte Tonnen aus Kunststoff (die Farbe spielt keine Rolle, alle Farben sind gleich gut möglich). Als Notbehelf kann auch eine mit Löchern versehene Blechtonne dienen. Metalle sind jedoch gute Wärmeleiter. Sie erhitzen sich im Sommer stark und kühlen im Winter leicht aus. Preisgünstig lassen sich aus Holzlatten Rahmen bauen, die man mit Hasendraht oder einem Kunststoffnetz bespannt. Diese Gitterplatten lassen sich anschließend zu einem würfelartigen Aufbau zusammenfügen. Auch Maschendrahtelemente, die man an den Ecken und zusätzlich entlang der Seitenwände des Gestells mit senkrecht in den Boden versenkten Metallstangen verzahnt, eignen sich. Das sieht zwar nicht unbedingt sehr dekorativ aus, erfüllt jedoch seinen Zweck. Die Drahtwand – egal, ob aus Metall oder Kunststoff – muss kleinmaschig genug sein, damit selbst feines Material nicht aus dem Behälter fällt.


Feste Eckpfosten stabilisieren das Gestell aus Holzlatten.


Seitlich aufgemauerte Wände müssen Lücken aufweisen. Vorn eingeschobene Holzlatten lassen sich für die Kompostentnahme herausheben.


Ein Rahmen mit Drahtgitter bildet einen zweckmäßigen Kompostbehälter.


Rundholz lässt sich über Kreuz befestigen. Zum Entnehmen von Kompost kann man das Gestell nicht zerlegen.


Dekorativ sieht ein Behälter aus Flechtwerk aus. Zwischen stabilen Haselruten werden Weidenzweige verflochten. Das Material verrottet innerhalb weniger Jahre.

Für alle Kompostbehälter gilt: Sie müssen das Material festhalten, doch muss Luft ungehindert zudringen können.

Einen gefälligeren Anblick bieten gezimmerte Bretterwände, bei denen man zum Aufbau der Seitenwände 6 bis 10 cm breite Kanthölzer übereinanderliegend jeweils an den Ecken des Gestells befestigt. Senkrechte Leisten an den Ecken und zusätzlich entlang der Seitenwände sorgen für Stabilität. Rundhölzer kann man auch blockhüttenartig wechselweise aufeinanderlegen. Passende Holzstücke lässt man sich im Holzfachhandel oder im Baumarkt zuschneiden. In älteren Gärten kann man auch anfallenden Baumschnitt dafür verwenden.

Zum Blickfang wird der Kompost, wenn er von einem Flechtwerk aus flexiblen Zweigen eingefasst ist, das zwar gut aussieht, jedoch eine vergleichsweise kurze Lebensdauer hat.

Im Baumarkt oder übers Internet werden unterschiedlichste Kompostbehälter aus verschiedenen Materialien zum Kauf angeboten. Sie lassen sich meist sehr einfach aufbauen und sorgen für ein ordentliches Erscheinungsbild. Dekorativ wirken zum Beispiel Kompostsilos mit festem Metallgerüst und Holzlatten als Querstreben. Als praktisch erweist sich in diesem Fall beispielsweise ein fester Aluminiumrahmen, an dessen Außenseiten Führungsleisten angebracht sind, um die Holzlatten einzuschieben. Der Rahmen wird mit Hilfe von Kreuzen stabilisiert, und weil er so leicht ist, lässt er sich leicht bewegen. Die Holzlatten kann man einfach von oben aus dem Rahmen nehmen. Das erleichtert die Entnahme des fertigen Kompostes, weil man ihn unkompliziert herausschaufeln kann. Die schräg in den Rahmen eingeführten oder auf Laufschienen mit Abstandshaltern liegenden Holzlatten sorgen für den Zusammenhalt des Gestells und zugleich für die erforderliche Luftzufuhr.

Das zu verwendende Material ist eine Überlegung wert: Metall sollte generell nicht verzinkt sein, weil sich abgegebene Zinkionen im Kompost anreichern können. Holz verwittert je nach Holzart leicht. Die Lebensdauer eines Holzgestells hängt deshalb auch von der Holzart ab: Fichtenholz wird nach fünf Jahren morsch, Eichenholz und Robinienholz hält zwanzig Jahre.

Holz kann zwar gegen eine zu rasche Verwitterung mit einem entsprechenden Schutzanstrich versehen werden, doch darf man dafür nur ungiftige Substanzen verwenden. Leinöl kommt in Frage, Lasuren, die Fungizide enthalten, sind tabu. Auch kesseldruckimprägniertes Holz sollte nicht verwendet werden.


Praktisch sind Gestelle, bei denen man Holzlatten entlang einer seitlichen Führung einschieben kann. Das erleichtert das Umsetzen von Kompost wesentlich.

Geschlossene Kompostbehälter

Schnellkomposter oder sogenannte Thermokomposter aus Kunststoff bieten sich für kleine Platzverhältnisse an. Sie eignen sich für Gärten in der Stadt oder für kleine Reihenhausgärten, weniger jedoch für befestigte Flächen, weil das gesammelte Material direkten Kontakt zum Boden haben sollte.

Behälter mit einfacher Wandung werden als Schnellkomposter bezeichnet. Thermokomposter sind innen zusätzlich mit einer dicken Isolierschicht versehen, die gleichbleibend hohe Temperaturen ermöglichen und dadurch eine schnelle Umsetzung gewährleisten soll. Dafür muss die Isolierschicht dicht abschließen, was nicht immer der Fall ist. In den geschlossenen Kunststoffkammern entstehen Temperaturen bis zu 70 Grad, was zu einer schnellen Kompostierung führt, die Reifezeit ist verkürzt. Der Deckel sorgt dafür, dass das Rottematerial warm bleibt. Die Abdeckung verhindert außerdem das Eindringen von Regenwasser, hält störende Gerüche zurück und wehrt Tiere ab. Beim Kauf sollte man darauf achten, Kompostbehälter zu erwerben, die aus recyceltem Kunststoff hergestellt sind.


Im Thermokomposter geht die Rotte schnell vonstatten. Doch der Rotteverlauf lässt sich nicht leicht steuern. Es besteht die Gefahr, dass das Material vernässt, fault und stinkt.

Auch für geschlossene Behälter sollte man das Material zunächst sammeln und dann eine größere Menge auf einmal aufsetzen. Dadurch werden höhere Temperaturen erreicht, die Unkrautsamen, Krankheitserreger und Schneckeneier abtöten können. Auch für den Kompost im Schnellkomposter und Thermokomposter empfiehlt es sich, ihn nach zwei bis drei Wochen einmal umzusetzen. Die entstehende Rottewärme wird ohnehin nur dann im Kompostbehälter gespeichert, wenn der Behälter auf einmal beschickt wird. Eingefüllt wird jeweils von oben über zwei Deckelklappen. Der Kompost wird unten über Entnahmeklappen entnommen, oder man zieht einfach den gesamten Behälter hoch und fördert so den Kompost zu Tage.

Wenn viele nasse Abfälle aus der Küche in die Tonne wandern, besteht die Gefahr von Fäulnis, da Wasserdampf trotz ausgefeilter Belüftungssysteme nur in beschränktem Umfang entweichen kann. Eine sorgfältige Schichtung und Mischung der Ausgangsmaterialien ist hier unerlässlich. Ein geschlossener Behälter an sich garantiert somit nicht schon allein für sich einen günstigen Rotteverlauf.

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Возрастное ограничение:
18+
Дата выхода на Литрес:
25 мая 2021
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199 стр. 66 иллюстраций
ISBN:
9783895668043
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