Читать книгу: «Vom Zeitmanagement zur Zeitintelligenz»

Шрифт:

Zach Davis

Zeitintelligenz®

vom Zeitmanagement

zur Zeitintelligenz

Peoplebuilding-Verlag


Zach Davis
1. Auflage
Titel: Zeitintelligenz®: vom Zeitmanagement zur Zeitintelligenz
ISBN: 978-3-941546-10-3 (ePub)
Erstauflage: Peoplebuilding-Verlag, Geretsried (2011)

www.peoplebuilding.de

Der Inhalt wurde sorgfältig recherchiert. Dieser bleibt jedoch ohne Gewähr für Richtigkeit und Vollständigkeit. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags. Die Verwendung in anderen Medien, Seminaren oder Vorträgen ist verboten.


Coverfotos: Peoplebuilding
Coverdesign: Berkan Sezer & Tobias Wieditz, München
Druck: cpi books, Ulm
Zeichnungen: Isabell Baur

© 2011 Peoplebuilding-Verlag, Geretsried

Vorwort

Ein modernes Konzept für echte Zeitintelligenz

In weniger Zeit mehr und genau das erledigen, was man auch schaffen wollte – das Ganze ohne Stress und nicht nur an drei Tagen im Monat, sondern dauerhaft: Für viele ist das ein Wunschtraum. In der Realität sieht es oft anders aus, da brennt es an allen Ecken und es ist allenfalls noch Zeit, das Allernotwendigste halbwegs in den Griff zu bekommen. Dabei liegen die Nerven manchmal blank und sowohl die Freude an der Arbeit als auch die Qualität bleiben auf der Strecke. Weil diese Situation so viele Menschen betrifft und überaus unbefriedigend ist, habe ich mich als Experte für persönliche Souveränität ausgiebig mit dem Thema Zeitsouveränität befasst. In meinen Seminaren und Coachings habe ich im Laufe der Jahre Erfahrungen mit Tausenden Teilnehmern ausgetauscht. Das Thema liegt mir besonders am Herzen, da ein ineffektives Zeitmanagement das ganze Leben durcheinanderbringen kann – es wirkt sich negativ auf die gesamte Persönlichkeit und das eigene Auftreten aus und wird auf Dauer nicht nur eine Belastung für den Beruf, sondern auch für das Privatleben. Deshalb ist jeder Schritt wichtig, der dabei hilft, sich aus dem täglichen Hamsterrad zu befreien. Und ich bin überzeugt, dass die richtigen Impulse kleine Wunder bewirken können.

Was für viele ein Wunschtraum ist, muss keiner bleiben. Zach Davis beweist, dass er ein wahrer Kenner der Materie ist. Er zeigt seinen Lesern den direkten Weg zu einer selbstbestimmten Zeiteinteilung wohl wissend, dass die Methoden des klassischen Zeitmanagements inzwischen etwas Staub angesetzt haben. Mit seinem Buch liefert Zach Davis das überfällige Update mitsamt innovativen und verblüffend wirkungsvollen Strategien. Ging es bisher letztlich darum, von Brandherd zu Brandherd zu springen und gewissermaßen Feuerwehr im Dauereinsatz zu spielen, lernen wir nun, dass es auch anders geht. In einem meiner Artikel zum Thema Zeitsouveränität habe ich das Problem beschrieben: Niemand hat Zeit, seine Unterlagen und den Schreibtisch aufzuräumen, aber alle haben Zeit zum Suchen. – An dieser Stelle setzt auch Zach Davis an. Wir erfahren, wie viel effektiver es ist, mehr am Prozess zu arbeiten, statt ständig nur im Prozess zu werkeln. So werden wir zum weitsichtigen Strategen, der den Brand oft schon am Entstehen hindert.

Die meisten Menschen, deren Zeitmanagement aus den Fugen geraten ist, wissen letztlich ganz genau, dass vieles leichter von der Hand gehen würde, wenn es ihnen nur gelänge, methodischer und strukturierter ans Werk zu gehen. An guten Vorsätzen in dieser Richtung mangelt es den wenigsten, doch an der Umsetzung hapert es oft gewaltig. Das Resultat ist ein unbefriedigender Zustand, der Wochen, Monate, sogar Jahre anhalten kann. Währenddessen werden wichtige Arbeiten unkoordiniert oder nachlässig ausgeführt, sodass immer mehr Zeit dafür verwendet werden muss, Fehler und Versäumnisse von gestern und vorgestern auszubügeln. Völlig auf der Strecke bleiben in einer solchen Situation ausgerechnet die Pläne und Vorhaben, die für einen selbst von großer Bedeutung sind und die eine längst notwendige Veränderung einleiten würden. Das macht das Thema gerade heute so wichtig. Denn wo der berufliche Erfolg oder das Privatleben auf der Strecke bleibt, entsteht zwangsläufig Unzufriedenheit – Stress und Demotivation verschlechtern die Situation zusätzlich. Schließlich bedeutet Zeitsouveränität, wie ich es nenne, weit mehr als das bloße Einhalten von Terminen. Zach Davis packt das Problem bei der Wurzel und räumt nebenbei mit vielen Irrtümern des klassischen Zeitmanagements auf – vor allem ist es ihm gelungen, ein neuartiges und im wahrsten Sinne des Wortes zeitgemäßes Konzept auf die Beine zu stellen, das nicht abstrakt theoretisiert, sondern konkrete Hinweise für die Praxis und unser aller Umgang mit dem Faktor Zeit liefert.

Wer dieses Werk liest, wird sich an vielen Stellen selbst wiedererkennen und schon nach wenigen Seiten erahnen, dass es einen Ausweg aus der Misere gibt. Mit einer guten Prise Humor und einem intelligenten Konzept weist Zach Davis seinen Lesern den direkten Weg aus dem Labyrinth, das unzählige Menschen in Form von Zeitnot, Stress, Druck, Rettungsaktionen in letzter Sekunde um sich herum haben. Wenn Sie mehr als nur das Allernotwendigste halbwegs in den Griff bekommen wollen, kann ich Sie zur Wahl dieser Lektüre nur beglückwünschen.

Ihr Stéphane Etrillard

Bestsellerautor, Vortragsredner & Top Executive Coach

www.etrillard.com

Der beste Retter der Welt

Stellen Sie sich einen reißenden Fluss vor. Immer wieder müssen Menschen aus diesem Fluss gerettet werden. Retter Richard eilt immer herbei – schnell, effizient, zuverlässig. Oft erst in letzter Sekunde. Aber er schafft es immer irgendwie. Eigentlich sind es zu viele Menschen für nur einen Retter. So geht es jeden Tag. Aber mit großem Einsatz schafft er es jedes Mal. Leider hat er keine Zeit, mal zu schauen, wer 100 Meter weiter flussaufwärts steht und die Menschen hinein schubst. Diese einleitende Geschichte hat natürlich keine Parallelen zu Ihrem Alltag.

Realität in punkto Zeitmanagement

„Mittlerweile bin ich Halbtagskraft. Ich arbeite nur noch 40 Stunden pro Woche.“

Kennen Sie das? Am Ende eines Arbeitstages ziehen Sie Bilanz und stellen fest, dass Sie den ganzen Tag aktiv waren und auch viel geschafft haben – nur nichts von dem, was Sie sich vorgenommen hatten. Haben Sie auch das Gefühl, immer mehr reagieren zu müssen, statt agieren zu können? Fühlen Sie sich auch hin- und hergerissen zwischen ganz dringenden Dingen und mittelfristigen Themen, die Sie auch vorantreiben wollen bzw. sollen? Schaffen Sie die Deadlines in der Regel irgendwie dann doch, jedoch mit dem Preis vieler Überstunden oder eines hohen Stressniveaus?

Wenn Sie auch nur eine der obigen Fragen bejahen können, dann haben wir ein paar spannende Themen für unsere gemeinsame Zeit, die wir durch dieses Buch miteinander verbringen können. Die obigen Punkte sind die häufigsten Aspekte, die mir immer wieder in Einstiegsrunden von Seminaren zum Thema Zeitintelligenz genannt werden – übrigens egal, ob es Mitarbeiter oder Führungskräfte einer Bank, einer Unternehmensberatung, eines Hotels, eines Softwareherstellers, einer Behörde oder der holzverarbeitenden Industrie sind – wobei viele häufig meinen, dass es im eigenen Umfeld ganz besonders extrem ist, was subjektiv durchaus nachvollziehbar ist.

Übrigens warten viele Menschen darauf, dass es bald wieder „ruhiger wird“. Die schlechte Nachricht lautet: Es wird nicht ruhiger werden. Die Welt dreht sich immer schneller. Das Wissen der Menschheit verdoppelt sich aktuell etwa alle fünf Jahre. Die modernen Kommunikationsmedien haben die Welt völlig verändert und werden dies auch weiterhin, und zwar zunehmend schneller. Können Sie sich noch daran erinnern, dass Mobiltelefone, E-Mails und Co. ursprünglich als Zeitsparinstrumente angepriesen wurden? So nützlich die technischen Möglichkeiten an vielen Stellen sind: Die meisten Menschen haben unter anderem durch die Technik eher das Gefühl, weniger Zeit zu haben als früher. Wie geht es Ihnen? Haben Sie die Zeitfreiheit, die Sie sich wünschen?

Klassisches Zeitmanagement reicht heute leider nicht mehr! Was ist klassisches Zeitmanagement und was meine ich damit, dass es nicht mehr reicht? Im klassischen Zeitmanagement (selbst wenn Sie ein gutes Buch oder Seminar genießen) wird Ihnen auf die unterschiedlichsten Weisen sinngemäß Folgendes vermittelt: Mache eine Liste der zu erledigenden Aufgaben. Dann ordne die Aufgaben nach Wichtigkeit und Dringlichkeit (was mache ich, wenn sich das widerspricht?) und fange oben an, deine Liste abzuarbeiten. Das ist nicht schlecht, aber in meinen Augen höchstens die zweitbeste Strategie. Warum ich diese Ansicht vertrete, erfahren Sie im Laufe dieses Buchs. Ein Grund ist, dass viele Menschen permanent das Gefühl haben, dass die Liste im Laufe der Zeit eher länger als kürzer wird und dies schlichtweg unbefriedigend ist, weil man nie fertig wird.

Wo liegt die perfekte Lösung?

Habe ich die perfekte Lösung? Nein, ich habe nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen, weiß nicht alles und schon gar nicht alles besser. Ich habe jedoch sehr viel Erfahrung im Trainieren, Coachen und Begleiten der unterschiedlichsten Menschen – von „normalen Angestellten“ über Führungskräfte bis hin zu Personen auf Weltklasseniveau im jeweiligen Bereich: in Seminaren, bei Impulsvorträgen und im Einzelcoaching. In diesem Buch habe ich die besten Strategien, die für buchstäblich tausende Menschen gute Fortschritte gebracht haben, zusammengefasst. Hierbei werden Sie nicht in irgendeine Form gepresst. Dies ist ein Grund, weshalb viele Seminarinhalte (nicht nur beim Zeitmanagement) an der praktischen Umsetzung scheitern. Vielmehr ermöglichen es meine Konzepte, Prinzipien und Tipps, den persönlichen Stil einzubringen und diejenigen Dinge herauszupicken, die für Sie persönlich am besten passen.

Möchten Sie auch mehr schaffen in weniger Zeit? Wer möchte das nicht? Die meisten Menschen beschäftigen sich irgendwann einmal mit dem Themenkomplex Effektivität, Zeitmanagement, Zielfindung, Zeitverwendung und Zeitsparen aus einem von zwei Gründen: Entweder weil sie merken, dass die Aufgaben und Anforderungen immer weiter steigen und sich Fragen aufdrängen wie: „Wie soll ich das bloß alles schaffen?“ Oft ist es so, dass beispielsweise in einer Abteilung vorher zehn Leute gearbeitet haben, dann einer in den Ruhestand gegangen ist und einer das Unternehmen gewechselt hat und es somit nur noch acht Personen sind, weil die Stellen nicht nachbesetzt wurden. Wenn Sie eine solche Situation kennen, sind Sie kein Einzelfall. Die andere Kategorie von Gründen, weshalb Menschen sich häufig mit dem Themenkomplex Effektivität und Zeitmanagement beschäftigen, ist, dass sie merken: „Ich schaffe das zwar alles weiterhin immer irgendwie, aber der Stresspegel steigt immer weiter an.“ Eine Folge beispielsweise ist, dass man immer mehr Dinge mit nach Hause nimmt – physisch wie psychisch. Bei einem physischen Stapel ist es oft ein wenig absurd: Man nimmt einen großen Stapel an zu bewältigenden Materialien ins Wochenende mit nach Hause - nur um dann den gleichen Stapel, der meistens nicht so wahnsinnig viel kleiner geworden ist, am Montagmorgen wieder ins Büro zu tragen - zusammen mit dem schlechten Gewissen, wieder nicht alles geschafft zu haben.

Vielleicht kennen Sie auch das Gefühl, sich zu freuen, dass es endlich 17 Uhr ist. Nicht weil Feierabend ist, sondern um beim Arbeiten endlich Ruhe zu haben und endlich zu den Dingen zu kommen, die wirklich wichtig sind. Die provokative Frage, die ich in diesem Zusammenhang stelle, ist: Was haben Sie bis dahin gemacht, also bis 17 Uhr? Wenn es nicht gerade ein Tag mit ungewöhnlich vielen „Feuerwehreinsätzen“ war, dann erscheint mir der Zeiteinsatz (und vermutlich die Steuerung der eigenen Erreichbarkeit – mehr dazu an späterer Stelle) zumindest nicht ganz optimal.

Erfahrungshorizont von Zach Davis

Bevor wir noch tiefer ins Thema abtauchen: Wer bin ich überhaupt? Mein Name ist Zach Davis. Ich bin gebürtiger US-Amerikaner, bin in Philadelphia in den USA geboren und schließlich im reifen Alter von knapp drei Jahren nach Deutschland gekommen, habe meine ganze Schul- und Studienzeit im Köln-Bonner Raum verbracht und BWL in Köln studiert. Anlässlich meines Berufsstarts bei der KPMG Consulting AG zog ich nach München. Dort war ich ein paar Jahre in einem Bereich tätig, der sich „World Class Human Resources Consulting“ nannte. Spätestens jetzt wissen Sie, mit wem Sie es zu tun haben. Das war übrigens ein leicht ironischer Seitenhieb auf die, wie ich finde, etwas hochtrabende Bereichsbezeichnung. Aber es war definitiv eine lehrreiche und spannende Zeit, die ich nicht missen möchte. Dann habe ich Anfang 2003 ein kleines Trainingsinstitut namens Peoplebuilding, ebenfalls mit Sitz in München, gegründet und bin seitdem unterwegs als Trainer, Redner, Autor und Coach in Sachen persönliche Effektivitätssteigerung – übrigens neben dem Thema dieses Buchs auch spezialisiert auf das Thema „Schnelllesetechniken“.

Das war die offizielle Kurzbiographie. Wer bin ich wirklich und warum schreibe ich Ihnen dies an dieser Stelle des Buchs? Ganz einfach: Wenn Sie sich nicht zumindest an der einen oder anderen Stelle mit meinen Schilderungen und zu einem gewissen Grad mit meiner Person identifizieren können, dann werde ich Sie mit meinen Botschaften mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht wirklich erreichen.

Also wer bin ich wirklich? Ich bin jemand, der einfach den Wunsch nach mehr (unter anderem zeitlicher) Freiheit hatte und deshalb ein eigenes Unternehmen gegründet hat. Wie Sie, kenne auch ich durchaus das Gefühl, in verschiedene Richtungen gezerrt zu werden: beispielsweise zwischen beruflichen Anforderungen einerseits und dem Privatleben andererseits. Ich leite ein Unternehmen mit ehrgeizigen Zielen und einer Tätigkeit, die eine nicht unerhebliche Reisezeit erfordert und ich habe eine Familie mit kleinen Kindern, deren Entwicklungsphasen ich nicht verpassen will und auf welche ich positiven Einfluss nehmen möchte. Dann habe ich, genau wie Sie, auch noch andere Lebensbereiche wie beispielsweise die eigene Gesundheit. Aktivitäten in diesem Bereich lassen sich nur schwer delegieren. Gerade hier unternehme ich viele Dinge (Sport treiben, gesunde Ernährung), von denen viele Menschen meinen, es seien Opfer. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Es wäre ein viel größeres Opfer, diese Dinge nicht zu tun. Der Grund ist einfach: Ich hätte sonst nicht im Ansatz die Energiemenge, die notwendig ist, um dasselbe Pensum zu absolvieren, oder würde im Anschluss auf der Couch zusammenklappen. Ich geben Ihnen ein Beispiel einer ziemlich repräsentativen Woche (Montag bis Freitag): 3 Seminartage, 2 Vortragseinsätze mit 2 längeren und 3 kürzeren Ortswechseln als „Grundauslastung“. Weitere Themen: Schreiben eines Artikels für eine Fachzeitschrift, Platzierung eines neuen Trainers bei mehreren Stammkunden, komplettes Korrekturlesen aller neuen Webseiteninhalte (über 200 Seiten) vor Veröffentlichung, Planungsarbeit mit unserem spanischen Lizenznehmer für PoweReading, Prüfung eines Vorschlags bezüglich einer Kooperation, monatliche Umsatzsteuer auf Plausibilität prüfen, Pressekonzept für das nächste Jahr entwerfen, einem Praktikanten eine Verhaltensänderung beibringen. Ich will Sie nicht mit Details aus meinem Unternehmen langweilen. Auch sind Ihre Themen vermutlich anders gelagert. Aber ich will Ihnen Folgendes aufzeigen: Ich weiß, wie es ist, viele verschiedene Hüte zu tragen. Das oben Dargestellte war ohne Übertreibung eine ganz normale Woche. Und dennoch bin ich ziemlich relaxed, es macht die meiste Zeit Freude und ich arbeite im Durchschnitt „nur“ ca. 45 Stunden pro Woche.

Meine Erfahrung stammt natürlich nicht nur aus meinem eigenen Leben, sondern auch aus meiner mittlerweile langjährigen Zusammenarbeit mit Menschen. Ich hatte und habe trotz meines relativ jungen Alters die Gelegenheit, mit buchstäblich zehntausenden Menschen im Rahmen von Vorträgen, mit tausenden Menschen in Seminaren und hunderten von Menschen in Form eines Einzelcoaching zu arbeiten. Bei diesen vielen Menschen, mit denen ich zusammengekommen bin, habe ich gewisse Gemeinsamkeiten (Muster) entdecken können: Muster bei Menschen, die erfolgreich (was natürlich zumindest teilweise individuell ist) und gestresst sind, Muster bei Menschen, die erfolgreich und wenig gestresst sind (spannende Kombination), Muster bei Menschen, die erfolglos und wenig gestresst sind, Muster bei Menschen, die erfolglos und total gestresst sind (tragische Kombination). Es gibt Menschen, die einerseits sehr erfolgreich sind und auch sehr zufrieden, d.h. ein sehr erfülltes Leben haben, unter anderem, indem sie das private und das berufliche Leben in einen guten Einklang gebracht haben. Andererseits gibt es Menschen, die scheinbar die gleichen Voraussetzungen haben, sich jedoch unheimlich schwer tun. Diese haben oft das Gefühl, sich im sprichwörtlichen Hamsterrad zu befinden, also nicht wirklich weiter voran zu kommen. Manche Menschen sind nach außen hin sehr erfolgreich, aber innerlich unzufrieden, oft weil einzelne Lebensbereiche auf der Strecke geblieben sind. Die Klassiker sind hierbei natürlich die Themen Gesundheit, Freizeit und Familienleben. Die beobachteten Muster kann man nutzen, um diese wiederum anderen Personen zu vermitteln. Um solche bewährten Strategien geht es unter anderem in diesem Buch – ohne personenspezifische Unterschiede und Situationen außer Acht zu lassen.

Besondere Erlebnisse

Ein sehr einprägsames Erlebnis war eine Begegnung mit einem Mann namens W. Mitchell. Er hat eine sehr spannende Biografie hinter sich: Bei einem Motorrad-unfall, den er äußerst knapp überlebte, hat er stärkste Verbrennungen erlitten. Über 80 Prozent seiner Haut waren betroffen. Letztendlich hat er überlebt und es irgendwie geschafft, wieder auf die Beine zu kommen – psychisch und physisch. Im Laufe der Monate durchlief er lange Reha-Maßnahmen, um dann später eine neue Karriere zu starten. Mit den veränderten optischen Voraussetzungen (um es sehr diplomatisch auszudrücken) hat er es geschafft, Bürgermeister einer kleinen Stadt zu werden. Vier Jahre nach diesem Unfall saß er als Pilot in einem Kleinflugzeug, das beim Start einen Unfall hatte. Alle anderen Insassen konnten mit nur leichten Verletzungen aufstehen. Mitchell nicht. Seitdem ist er querschnittsgelähmt. Spätestens nach diesem zweiten Schicksalsschlag hätten fast alle Menschen aufgegeben. Mitchell nicht. Seit einiger Zeit schafft er es sogar auf die Bühne und ist mittlerweile ein international sehr gefragter Referent. Er scheint sein Leben auch sonst relativ gut auf die Reihe zu bekommen, trotz dieses Handicaps, das die Mehrzahl der Menschheit nicht hat. Er hätte für vieles eine sehr gute Ausrede. Das nächste Mal, wenn Sie sich bei einer Ausrede ertappen: Stellen Sie sich die Frage, was Mitchell wohl dazu sagen würde.

Natürlich gibt es unter meinen Begegnungen wesentlich mehr Geschichten, die deutlich weniger spektakulär sind. Geschichten von Menschen wie Sie und ich, die einen ganz normalen Alltag haben, aber auch ganz alltägliche Probleme – zum Beispiel mit Kindern, die nicht schlafen wollen, wenn Eltern es wollen. Was ich einfach nur zum Ausdruck bringen will ist: Es gibt gewisse Gemeinsamkeiten, die wir Menschen fast alle haben. Es gibt bestimmte Herausforderungen, für die es in sehr vielen Fällen auch sehr gute Lösungen bei anderen Menschen gibt, die ähnliche Herausforderungen hatten. Davon werden Sie im Laufe dieses Buchs profitieren und somit in einigen Bereichen von den „Besten“ lernen. Damit meine ich ausdrücklich nicht meine Person. Ich fühle mich eher wie bei einem übersetzten Sprichwort, das lautet: Auf den Schultern eines Riesen kann ich sehr weit sehen. Es gab mittlerweile sehr viele Riesen, auf die ich mich „stellen“ konnte, von denen aus ich möglicherweise eine etwas andere Perspektive habe als viele andere Menschen.

Lernen von den Besten

Zum Thema „Lernen von den Besten“ gebe ich Ihnen zwei Beispiele: Brian Tracy ist ein sehr erfolgreicher Redner. Nebenbei schafft er es seit einigen Jahren, vier Bücher jährlich zu publizieren, welche fast alle Bestseller werden. Er hat rund 100 Trainings- und Vortragseinsätze im Jahr, hat immer eine Unzahl von Projekten parallel laufen und dennoch über 100 Tage im Jahr frei. Das ist für mich, vor allem als jemand, der sich in derselben Branche bewegt, ein sehr gutes Beispiel für gelebte Effektivität. Verallgemeinert und auf gut Deutsch ausgedrückt: Beruflich weit überdurchschnittliche Dinge hinbekommen und gleichzeitig ein sehr gesundes Maß an Freizeit zu haben – das ist für mich wirkliche Effektivität.

Mit „Lernen von den Besten“ meine ich aber auch das Erlernen sehr spezifischer, nützlicher Fähigkeiten, die Zeit sparen. Sehr intensiv habe ich eine Dame namens Anne Jones analysiert. Sie hat sechs Jahre hintereinander die Schnelllese-Weltmeisterschaften gewonnen. So etwas gibt es wirklich. Da trifft sich ein Haufen Verrückter, die ihr Lesetempo und ihr Textverständnis messen lassen. Ersteres wird dann ausgedrückt in Wörtern pro Minute. Das sind quasi die km/h, mit denen man liest. Letzteres wird gemessen im Anteil der richtig beantworteten Fragen zum Text. Diese beiden Zahlenwerte werden miteinander multipliziert. Wer in der Multiplikation den besten Wert hat, ist dann der Weltmeister im Schnelllesen. Bei einem öffentlichen Auftritt hat Anne Jones einen Harry-Potter-Band mit knapp 800 Seiten in 47 Minuten geschafft und hat anschließend über 70 % aller Fragen zum Text richtig beantworten können. Kurz vor dem Schreiben dieser Zeilen habe ich den aktuellen Weltmeister im Namenmerken interviewt (erhältlich als Audio-CD), Boris Nikolai Konrad. Es ist spannend und lehrreich zugleich, von solchen Menschen zu lernen.

Vor mittlerweile vielen Jahren habe ich mir die Frage gestellt, ob es sein kann, dass solche Menschen nicht einfach nur Glück hatten mit ihrem Talent und ihrer Genetik. Vielleicht gibt es vielmehr bestimmte Muster, Gründe und Verhaltensweisen, die zu hervorragenden Ergebnissen in verschiedenen größeren und kleineren Lebensbereichen führen. Ich bin der Meinung, dass es das Gesetz von Ursache und Wirkung in vielen Bereichen gibt. Wo es eine Wirkung gibt (bspw. so schnell lesen zu können oder sich 201 Namen in 15 Minuten merken zu können), gibt es in der Regel auch eine oder mehrere Ursachen, die zu dieser Wirkung führen.

Möglichst effektiv wollen wir sein. Was heißt überhaupt Effektivität? Es gibt viele verschiedene Definitionen. Für mich ist Effektivität dann gegeben, wenn Erfolg einerseits und Zufriedenheit andererseits zusammentreffen. Das Eine ist ohne das Andere nicht viel wert. Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass Erfolg ohne Zufriedenheit (im Sinne von Erfüllung) kein Erfolg ist.

Ein paar Begrifflichkeiten

„Ich wusste es wurde Zeit, unsere Organisation zu vereinfachen, als wir anfingen unsere Abkürzungen abzukürzen.“

Oft werde ich gefragt: „Herr Davis, was ist denn überhaupt der Unterschied zwischen Effektivität und Effizienz?“ Angenommen, Sie leben in München und wollen geschäftlich nach Moskau. Wenn Sie einen Kompass haben, diesen korrekt bedienen und somit in die richtige Richtung marschieren, dann sind Sie zwar effektiv (Sie kommen irgendwann an), aber nicht effizient (dauert lange). Wenn Sie einen Direktflug von München nach Moskau nehmen, dann sind Sie sowohl effektiv als auch effizient. Wenn Sie sich in einen Flieger nach Südafrika setzen, dann sind Sie nicht effektiv. Ihr Ziel war ja ein anderes, nämlich Moskau. Immerhin sind Sie effizient, da das Verkehrsmittel (zumindest zeitlich betrachtet) eine gute Relation zwischen Input (Ihr Zeiteinsatz) und dem Output hat (ans Ziel kommen). Diese hohe Effizienz bringt Ihnen aber nichts. Es ist wie mit der besten Leiter der Welt, die an der falschen Mauer steht. Hoffentlich handelt es sich hierbei nicht um Ihre Karriereleiter. Preisfrage: Welche Kombination haben Sie, wenn Sie zu Fuß in Richtung Südafrika loslaufen? Effektiv? Effizient? Es ist die Kombination: Ihnen ist nicht zu helfen.

Eine zweite definitorische Frage: Was ist der Unterschied zwischen wichtig und dringend? Dingend ist eine rein (!) zeitliche Komponente. Wenn Sie noch viel Zeit bis zu einer Deadline haben, dann ist die Sache nicht dringend. Übrigens ist Deadline ein spannendes Wort. Dead-Line: die Todes-Linie. Dieses Wort bringt ein anderes Gefühl mit sich als das Wort Abgabetermin. Egal. Wenn Sie bis zur Deadline nicht mehr viel Zeit haben, dann ist die Angelegenheit dringend. Schon jetzt sei angemerkt, dass die Dringlichkeit nichts mit der Wichtigkeit zu tun hat. Bei der Wichtigkeit geht es um die Auswirkung. Hat etwas eine starke Auswirkung (in einem relevanten Bereich), dann ist die Sache wichtig. Wenn die Auswirkung geringer ist, dann ist auch die Wichtigkeit niedriger. Eine große Gefahr für unser Zeitmanagement besteht darin, Wichtigkeit und Dringlichkeit zu verwechseln. Aber dazu später mehr.

Im Folgenden lernen Sie zweierlei kennen: zum einen Denkprinzipien hocheffektiver Menschen, damit Sie in Planungssituationen, bei Entscheidungen und im Eifer des Gefechtes den sprichwörtlichen „Wald vor lauter Bäumen“ weiterhin sehen, also nicht die Übersicht und somit Ihre Zeitintelligenz und Zeitsouveränität verlieren. Zum anderen erhalten Sie eine ganze Menge Einzeltipps, um an verschiedenen Stellen hier und da Zeit zu sparen, was in der Summe eine ganze Menge ausmachen wird. Genau genommen werden Sie in Summe 40 Einzeltipps erhalten, aus den unterschiedlichsten Bereichen. Diese sind primär beruflicher Natur, aber manche stammen auch aus dem privaten Bereich. Zusammengefasst geht es darum, mehr zu schaffen in weniger Zeit.

Die Zeit-Zielscheibe

„Ich hasse es zu kritisieren, aber du bist erst seit zwei Tagen hier und liegst schon drei Tage hinter dem Plan.“

Wenn Sie in die Zeitmanagementliteratur schauen oder ein Seminar zum Thema besuchen, geht es fast immer um die schon definierten Aspekte Wichtigkeit und Dringlichkeit. Hier gibt es natürlich vier Kombinationsmöglichkeiten: Wichtig & dringend, weder wichtig noch dringend, wichtig, aber nicht dringend und zu guter Letzt: nicht wichtig, aber dringend. Wenn Sie dann weiterlesen und dem Seminar weiter lauschen, wird Ihnen das sog. Eisenhower-Diagramm vorgestellt. Das ist das Modell mit den vier Quadranten. Sie haben es vielleicht schon mal gesehen. Vorweg: Ich habe nichts gegen das Eisenhower-Diagramm und schon gar nichts gegen Mr. Eisenhower, den ich übrigens nie kennengelernt habe. Dennoch halte ich es in der Praxis für wenig brauchbar, d.h. wenig zeitsparend (bevor ich Ihnen nach meiner Kritik eine Alternative anbiete). Warum? Dort heißt es: Beim Quadranten „wichtig und dringend“ soll man die Aktivitäten sofort angehen. Schön und gut, aber was macht man, wenn man zehn solcher Aufgaben davon auf einmal hat? Beim Quadranten „wichtig, aber nicht dringend“ soll man terminieren, also das Ganze später durchführen. Das halte ich nicht für sinnvoll. Dazu gleich mehr. Aber was macht man bei dieser Kategorie von Aufgaben, wenn Personen auf der Matte stehen und es jetzt haben wollen? Beim Quadranten „nicht wichtig, aber dringend“ soll man die Tätigkeit delegieren. Ok, nicht verkehrt. Aber was mache ich, wenn ich niemanden zum Delegieren habe oder die theoretisch verfügbaren Personen auch schon mit Arbeit überschüttet sind? Beim Quadranten „nicht wichtig, nicht dringend“ soll man die Aktivität entsorgen, also gar nicht durchführen. Hier stimme ich zu, dass man hierauf so wenig Zeit wie möglich verwenden sollte. Aber wissen Sie was das größte Problem mit dem Diagramm ist? Auch wenn es nicht ganz verkehrt ist, unter uns gesprochen: Wenn man da sitzt und hat „viel zu viel zu tun in viel zu wenig Zeit“. Wer macht sich da schon Gedanken darüber, welche Aufgaben welche theoretische Einordnung von Wichtigkeit und Dringlichkeit haben und welche theoretische Handlungsempfehlung sich daraus ableitet?

Dennoch sind die Themen Wichtigkeit und Dringlichkeit von Aktivitäten zentrale Fragen der eigenen Zeitintelligenz. Ich möchte Ihnen eine andere Darstellungs- und auch Sichtweise anbieten: die Zeit-Zielscheibe.

Da es logischerweise weiterhin vier Kombinationsmöglichkeiten gibt, gibt es auch hier vier Bereiche – in diesem Fall Ringe einer Zielscheibe. Das Ganze können Sie sich vorstellen wie eine Dartscheibe – die Sorte Dartscheibe, bei der es innen viele Punkte und weiter außen weniger Punkte gibt.


Stellen Sie sich vor, Sie haben Darts in der Hand, z. B. 40 Stück. Diese repräsentieren 40 Stunden, die Sie in einer Arbeitswoche zur Verfügung haben. Wohin zielen Sie mit den Darts? Natürlich auf die Mitte, den innersten Ring. Werden Sie immer das Bullauge treffen? Natürlich nicht! Aber je besser Sie beim Dartwerfen werden – als Metapher für Ihre Zeitverwendung – desto häufiger erzielen Sie die höchste Punktzahl. Angenommen, wir versuchen jetzt die (bei meiner Kritik des Eisenhower-Diagramms bereits angesprochenen) vier Kombinationsmöglichkeiten den vier Ringen zuzuordnen. Vorher sollten wir sinnvollerweise erst mal klären, was die Punkte beim Zeitmanagement sind. Wenn dies mit Seminarteilnehmern erarbeitet wird, kommt immer dasselbe Ergebnis heraus: Letztlich geht es um die Ergebnisse, die wir produzieren, und um das Stressniveau. Natürlich wollen wir in einer bestimmten Menge Zeit die bestmöglichen Ergebnisse erzielen und den Stress auf einem tragbaren Niveau halten. Nicht „null Stress“, aber er soll ein bestimmtes Maß zumindest nicht dauerhaft überschreiten. Unsere Bewertungskriterien (die Punkte) sind also die Ergebnisse und das Stressniveau. Behalten wir das im Hinterkopf.

Was kommt in den äußersten Ring? Wenn ich Seminarteilnehmer frage, dann kommt relativ schnell eine meistens übereinstimmende Antwort: Kategorie „nicht wichtig, nicht dringend“. Prima, damit sind schon drei Viertel der insgesamt möglichen Kombinationen schon weg (ja, das ist mathematisch korrekt).


Es ist nicht dramatisch oder schlimm, wenn wir dort auch mal Zeit verbringen. Aber es gibt am wenigsten „Punkte“. Was würde passieren, wenn Sie hier viel Zeit verbringen würden, also vielen Tätigkeiten nachgehen würden, die weder wichtig noch dringend sind? Was waren nochmal unsere Kriterien? Ergebnisse und Stress. Die Ergebnisse sind natürlich nicht gut, wenn wir lauter unwichtige Dinge verfolgen. Der Stresspegel ist ganz kurzfristig sehr gering. Aber nur so lange, bis uns die wirklichen Themen einholen. Beispiele sind Tätigkeiten, die mal sinnvoll waren, aber jetzt nur noch aus Gewohnheit durchgeführt werden – obwohl die Welt sich verändert hat. Auch Statistiken, die gemacht werden sollen, aber nicht handlungsentscheidend ausgewertet werden, gehören hierher. Die Einführung neuer Systeme, die nicht besser sind als die alten Systeme. Letztlich alle Aktivitäten ohne Fortschritt. Diesen Bereich nenne ich auch den Bereich der Flucht. Weil die meisten Menschen, die einen wesentlichen Teil ihrer Zeit hier verbringen, auf der Flucht sind vor Themen mit denen sie sich nicht auseinandersetzen wollen. Dies gilt übrigens beruflich wie privat. Ich weiß, in Ihrer Organisation gibt es solche Tätigkeiten nicht. Also wenden wir uns dem nächsten Bereich zu.

Was kommt in Ring Nummer 2 (von außen betrachtet)? Auch hier sind sich die meisten Seminarteilnehmer einig – auch wenn es manchmal schon Diskussionen gibt. Hier kommt die Kombination „nicht wichtig, aber dringend“ hinein.


Als Beispiele hierfür können wir alle Aktivitäten aus Ring 1 hernehmen, wenn wir noch eine kurz bevorstehende Deadline hinzufügen. Also beispielsweise die sinnlose Statistik, die bis zum 15. des Monats fertig sein muss. Nun stehen wir schon kurz davor und haben kaum noch Zeit. Jetzt verursacht die sinnlose Aufgabe auch noch Stress. Damit sind wir auch schon bei der Frage: Was würde passieren, wenn Sie den überwiegenden Teil Ihrer Zeit hier verbringen würden (auch das tun Sie vermutlich nicht – sonst würden Sie nicht diese Zeilen lesen mit dem Ehrgeiz, besser zu werden)? Richtig: keine guten Ergebnisse. Wenn wir ehrlich sind: Kein bisschen besser als in Ring 1. Wir meinen nur manchmal, dass wir gute Ergebnisse erzielen, nur weil wir Stress haben. Deshalb nenne ich diesen Bereich auch den Bereich der Illusion. Weil die Gefahr besteht, dass wir der Illusion unterliegen, etwas sei wichtig, nur weil es dringend ist. Denken Sie hierüber mal nach. Bei uns allen besteht diese Gefahr, vor allem, wenn jemand laut schreit. Was meine ich mit lautem Schreien? Hier gibt es verschiedene Strategien. Von der tatsächlichen Lautstärke über die Häufigkeit der Wiederholung (manche sind so geschickt, den Kanal zu wechseln: mal E-Mail, mal Anruf, mal persönlich) bis hin zur Anzahl und den Ebenen der Personen, die im „cc-Feld“ eingebunden werden. Letztlich wollen wir auch in Ring 2 möglichst wenig Zeit verbringen.

Was kommt in Ring 3 (wiederum von außen betrachtet) und was kommt in den innersten Ring? Die Komplexität hat sich übrigens mittlerweile dramatisch reduziert, da die beiden „unwichtigen“ Kombinationen schon weg sind. Also muss in den beiden verbleibenden, inneren Ringen jeweils „wichtig“ stehen. Somit reduziert sich die Frage auf: Wo gehört „wichtig und dringend“ hin und wohin gehört „wichtig aber nicht dringend“? Auch hier sind sich fast alle Menschen einig. „Wichtig und dringend“ gehört natürlich in die Mitte. Hier sollten wir unsere Zeit verbringen! Wirklich? Ich behaupte, dass dies die entscheidende Stelle ist, bei der die Zeitintelligenz auf der Strecke bleibt und weshalb sich so viele arbeitende Menschen im Hamsterrad bewegen. Warum? Schauen wir uns das Ganze mal an:


Der Bereich „wichtig und dringend“ gehört meiner Meinung nach (entgegen der mehrheitlichen Meinung) in Ring 3, also den zweitinnersten Ring, nicht den innersten Ring! Was gehört hierzu? Alle Aufgaben, die eine deutliche Auswirkung haben (und daher wichtig sind) und gleichzeitig unter Zeitdruck geschehen. Die meisten arbeitenden Menschen „leben“ hier – im Sinne von: verbringen hier den überwiegenden Teil ihrer Arbeitszeit. Was sind die Auswirkungen? Das Positive: Sie erzielen relativ gute Ergebnisse. Wenn Sie wirklich konsequent die unwichtigen Dinge ausblenden (egal ob dringend oder nicht) und sich auf Wichtiges konzentrieren, dann haben Sie ein überdurchschnittliche gutes Prioritätenmanagement und somit überdurchschnittlich gute Ergebnisse. Wo ist der Nachteil? Der Preis ist das permanent hohe Stresslevel. Diesen Ring nenne ich den Bereich der Feuerwehr, weil die Feuerwehr natürlicherweise einen hohen Anteil an Tätigkeiten ausführt, die wichtig und dringend zugleich sind. Warum ist es wichtig, einen Brand zu löschen? Wenn Sie ihn gar nicht löschen, dann brennt das Haus ab. Kein gutes Ergebnis. Ist es dringend? Wenn Sie drei Tage warten, ist es zu spät. Dann können Sie noch so effizient löschen. Es bringt nichts mehr.

Es gibt manchmal auch psychologische Gründe, weshalb Menschen daran festhalten, viel Zeit in diesem Stressbereich zu verbringen. Wenn man permanent Zeitdruck hat, haben andere Menschen die Wahrnehmung, dass man äußerst wichtig ist. Zumindest glauben das viele Personen. Meine Beobachtung hierzu ist aber, dass die meisten Menschen viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind als dass sie gedanklich viel Zeit auf andere Menschen verwenden.

Kommen wir zum Bullauge: Hier steht „wichtig, aber nicht dringend“ drin. Selbst diejenigen, die aus der Natur der Sache heraus einen hohen Anteil an Tätigkeiten haben, die wichtig und dringend zugleich sind, sollten hier mittelfristig immer mehr Zeit verbringen. Warum? Was sind Beispiele hierfür? Alle Aktivitäten, die damit zu tun haben, im Brandfall schnell und effizient einsatzbereit zu sein. Beispielsweise Einsatztraining und Gerätewartung. Bei Letzterem ist u.a. das Füllen von

Wasser- und Benzintank wichtig und das in der richtigen Kombination – umgekehrt ist es nicht gut. In diesen Ring fallen bei der Feuerwehr auch jegliche Maßnahmen zur Verhinderung von Bränden.


Wird es der schlausten Feuerwehr der Welt gelingen, alle Brände zu verhindern? Sie kennen die Antwort: natürlich nicht. Aber von 20 Bränden wird sie vielleicht 4 verhindern können und für weitere 3 Brände eine bessere, schnellere Vorgehensweise entwickeln. Was folgt hieraus im Vergleich zur Feuerwehr, die sich permanent im Ring 3 aufhält und hier sogar sehr gut ist (beim Löschen von Bränden)? Man hat bessere Ergebnisse (einige Brände verhindert, andere schneller gelöscht) und weniger Stress. Ist das erstrebenswert? Ich finde schon. Natürlich können lediglich Feuerwehrleute aus den obigen Schilderungen lernen. Sie verbringen ja keine Zeit mit dem Löschen plötzlich auftretender Brandherde …

Wir haben schon festgestellt, dass wir nicht alle Dringlichkeiten vermeiden können. Kein Mensch kann so schlau sein – zumindest nicht ohne hellseherische Fähigkeiten. Nehmen wir ein Beispiel aus dem privaten Bereich. Angenommen, Sie erhalten von der Schule einen Anruf, dass Ihr Kind einen Unfall hatte. Es ist nichts Lebensbedrohliches, aber das Kind hat sich den Arm gebrochen. Dann ist es selbstredend wichtig und dringend, sich darum zu kümmern. Im beruflichen Bereich tauchen natürlich noch wesentlich häufiger plötzliche „Notfälle“ auf. Aber es gibt auch eine ganze Menge Ereignisse, die im Laufe der Zeit vom innersten Ring in den Ring 3 wandern. Ein klassisches Beispiel hierfür ist die Steuererklärung. Sie wissen in der Regel ganz genau, wann Sie Ihre Steuerunterlagen abgeben müssen. Das Thema ist wichtig, weil es deutlich negative Konsequenzen hat, wenn Sie es nicht oder fehlerhaft tun. Es ist aber zunächst einmal nicht dringend. Sie wissen ja lange im Voraus, wann Sie Ihre Steuererklärung abzugeben haben, und haben somit wesentlich mehr Zeit, als Sie noch zur Fertigstellung benötigen. Im Laufe der Zeit – ohne dass Sie etwas tun (das ist wörtlich gemeint) – wandert die Aktivität einen Ring weiter nach außen, in den Stressbereich (Ring 3).

Woher soll die zusätzliche Zeit für das Bullauge hergenommen werden? Die zusätzliche Zeit für den innersten Ring muss primär aus den beiden äußersten Ringen kommen, also den nicht wichtigen Bereichen. Klassische Beispiele im privaten Bereich sind die Zeiten, die wir mit Fernsehen verbringen zu reduzieren, weniger zu streiten, Dinge so zu organisieren, dass man weniger suchen muss, bei Erledigungen nicht unnötig Zeit zu verplempern. Klassische Themen im geschäftlichen Bereich sind längere Plaudereien (Ihr soziales Leben sollte primär in der Freizeit stattfinden – das sage ich nicht mal durch die Brille eines Arbeitgebers), redundante Arbeiten, unnötiges Verzetteln, übermäßige Perfektion in weniger wichtigen Bereichen, Zeit für taktische Spielchen und natürlich die Zeit in weniger als optimal produktiven Meetings (mehr hierzu an späterer Stelle).

Sie können sofort mehr Zeit im Bullauge verbringen, wenn Sie die Ringe 1 und 2 konsequent auf ein absolutes Minimum beschränken. Mittelfristig erhöhen Sie Ihren Zeitanteil im innersten Produktivbereich auch dadurch, dass Sie aus Stresssituationen und plötzlich auftretenden Brandherden lernen und so clever sind, zumindest manche davon zu verhindern und bei weiteren gut gewappnet zu sein. Das ist in meinen Augen dann wirkliche Zeitintelligenz. Es ist mittelfristig absolut möglich, eine sehr erfolgreiche Karriere zu haben und deutlich mehr als 50 Prozent seiner Zeit in dieser Zeitintelligenz-Zone zu verbringen. Das ist in keiner Weise ein Widerspruch. Im Gegenteil: Erfolg und Zufriedenheit/Stresspegel einerseits und Ihr Zeitanteil in der Zeitintelligenz-Zone stehen in einem positiven Zusammenhang.

Бесплатный фрагмент закончился.

897,27 ₽
Возрастное ограничение:
0+
Дата выхода на Литрес:
22 декабря 2023
Объем:
200 стр. 67 иллюстраций
ISBN:
9783941546103
Издатель:
Правообладатель:
Автор
Формат скачивания:

Похожие книги