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Zac Poonen

Aus bescheidenen Anfängen

Wie Gott mich darauf vorbereitet hat, ihm zu dienen

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Teil I: DIE VORBEREITUNG FÜR EINEN DIENST

Dieses Buch und du

1. Auf Gottes Stimme hören

2. Heilsgewissheit

3. Eine Hilfe in der Zeit der Not

4. Schrittweiser Gehorsam

5. Meine Schulden begleichen

6. Kaufen oder nicht kaufen?

7. Die Taufe im Heiligen Geist

8. Eine weite, offene Tür

9. Erhörtes Gebet

10. Mut, Zeugnis zu geben

11. Der Ruf, die Marine zu verlassen

12. Von Gott geleitet

13. Die Bedeutung von kleinen Entscheidungen

14. Heiraten oder nicht heiraten?

15. Gottes Wahl eines Ehepartners

16. Vom Tode errettet

17. Eine Zeit der Gebrochenheit und eine neue Bürde

18. Gott stößt mich in einen schriftstellerischen Dienst

19. Ein neuer Wohnort und ein Haus

20. Alle Besitztümer aufgeben

21. Am absoluten Tiefpunkt

22. Eine frische Zurüstung mit Kraft

23. Mit dem Geist erfüllt und danach

24. Das Ende einer Phase und der Beginn einer anderen

Teil II: DEN LEIB CHRISTI BAUEN

25. Geld und Gottes Werk

26. Wenn Leute schlecht über dich reden

27. Vorbereitung für den Bau der Gemeinde

28. Einige unverwechselbare Kennzeichen der neuen Gemeinde

29. Autorität über Satan

30. Die Regierung beeinflussen

31. Dämonen austreiben

32. Erste Gemeindeversammlungen und Außenmission

33. Ein Versammlungsort

34. Die Gemeinde wächst nach außen

35. Menschen befreien, die vom Satan unterdrückt sind

36. Gottes gütige Fürsorge auf meinen Dienstreisen

37. Gemeindegründungen in anderen Ländern

38. Keine Abhängigkeit vom Westen

39. Familienleben

40. Mein Predigtstil

41. Gottes Zeit ist die beste Zeit

42. Gott fügt zur Gemeinde hinzu

43. Gott entfernt aus der Gemeinde

44. Das neutestamentliche Muster des Dienstes

45. Die Botschaft des neuen Bundes

46. Fehler, die wir gemacht haben

47. In allen Völkern Jünger machen

48. Ausblick in die Zukunft …

Impressum neobooks

Teil I: DIE VORBEREITUNG FÜR EINEN DIENST

Dieses Buch und du

„Alle Dinge, die ich einst für so wichtig erachtete, sind aus meinem Leben verschwunden. Ich habe sie alle auf die Müllhalde gekippt, um Christus zu erkennen und von ihm erkannt zu werden“ (Phil 3,8-9; The Message).

Der erste Teil dieses Buches beschreibt eine Reihe von Ereignissen im Leben von Zac Poonen – von der Zeit, als er als Offizier in der indischen Marine bekehrt wurde bis zu der Zeit, als er die Marine verließ, um dem Herrn hauptberuflich zu dienen. Er beschreibt einige der Wege, auf denen der Herr ihn ausbildete und vorbereitete, um sein Diener zu sein.

Der zweite Teil dieses Buches beschreibt etwas vom Dienst, den Gott ihm gab und die Lektionen, die er und seine Mitarbeiter gelernt haben, während sie danach trachteten, dem Herrn zu dienen und die Gemeinde – den Leib Christi – zu bauen.

Dies ist keine Autobiografie oder Aufzeichnung über Zacs Dienst, sondern vielmehr eine Beschreibung der Lektionen, die er lernte und der Prinzipien, denen er folgte, während er das Werk des Herrn tat.

Zac hat dieses Buch in erster Linie geschrieben, um junge Menschen herauszufordern, treu zum Herrn zu sein, damit sie vom Herrn für seinen Dienst ausgebildet und vorbereitet werden können und um die Gemeinde nach neutestamentlichen Prinzipien zu bauen.

Zac und Annie Poonen haben dem Herrn mehr als 50 Jahre lang gemeinsam gedient, indem sie für den Herrn Jesus in Indien und im Ausland Jünger gemacht und örtliche Gemeinden gegründet haben.

Zac war früher ein Offizier bei der indischen Marine. Annie ist eine Ärztin.

Sie haben vier verheiratete Söhne, die ebenfalls Jünger des Herrn Jesus sind.



1. Auf Gottes Stimme hören

Große Türen drehen sich in kleinen Angeln. Gott prüft uns häufig in vielen Bereichen, bevor er uns einen wichtigen Dienst anvertraut. Er prüft uns, um zu sehen, ob wir im Geringen treu sind, bevor er uns Größeres anvertrauen kann. Wie bei Adam und Eva verlangt Gott zuallererst Gehorsam gegenüber seiner Stimme.

Einer meiner frühesten Erinnerungen in Bezug auf den Gehorsam gegenüber der Stimme des Herrn geht zurück auf die Zeit, als ich 15 Jahre alt war, gleich nachdem ich in die National Defence Academy in Khadakvasla (Pune) eingetreten war, um als Marineoffizier ausgebildet zu werden. Es war im Jahre 1955, als ich im Urlaub (von der Akademie) bei meinen Eltern war, die in Neu Delhi lebten. Eines Sonntagabends fuhren mein jüngerer Bruder und ich weg, um einen Gottesdienst zu besuchen. Nach dem Gottesdienst, etwa um 18 Uhr abends, standen wir beide an der Bushaltestelle, um den Bus nach Hause zu erwischen. Plötzlich kam in mir der Gedanke auf, dass ich jemandem Christus bezeugen sollte. Ich hatte die gute Nachricht des Evangeliums an diesem Abend erneut gehört und hatte das Gefühl, dass ich sie mit jemandem teilen sollte, bevor ich an diesem Abend zu Bett ging. Aber ich war mir nicht sicher, ob das eine Eingebung von Gott oder bloß mein eigener Gedanke war. Auf jeden Fall wurde es spät – und ich musste bald nach Hause zurückkehren.

Aus der Entfernung sah ich die Lichter eines Buses, der auf uns zukam. Ich sprach im Stillen zum Herrn: „Wenn das NICHT der Bus nach Hause ist, dann werde ich es als Zeichen von dir nehmen, dass ich jemanden von dir Zeugnis geben sollte, bevor ich nach Hause fahre. Wenn es der Bus nach Hause IST, dann werde ich den Bus nehmen und nach Hause fahren.“ Der Bus kam näher und ich sah, dass es NICHT der Bus war, den ich nehmen musste. Das Zeichen, das ich erbeten hatte, war erfüllt worden. So sagte ich zu meinem jüngeren Bruder, dass ich irgendwo anders hingehen müsste, bevor ich nach Hause käme und bat ihn, allein nach Hause zu fahren. Ich ging sodann in einem nahegelegenen Park, in der Hoffnung, dass ich dort jemanden treffen würde, dem ich leicht Christus bezeugen könnte – weil dies das erste Mal war, dass ich mich alleine hinauswagte, um an einem öffentlichen Ort den Herrn zu bezeugen.

Ich sah einen alten Mann im Park auf einer Bank sitzen, ging hin und setzte mich neben ihn. Ich führte mit ihm einige Minuten lang ein zwangloses Gespräch in Hindi und wurde bald mutig genug, um mit ihm über ewige Dinge zu sprechen. Ich erzählte ihm von der Liebe Gottes für die Menschen und wie Christus für unsere Sünden starb und teilte mit ihm die einfache Botschaft des Evangeliums, die ich kannte. Er hörte mir geduldig zu. Da es Gott war, der mir das starke Verlangen gegeben hatte, an diesem Abend Zeugnis zu geben, nehme ich an, dass er diesen Mann im Sinn gehabt haben muss, um ihn mit dem Evangelium zu erreichen. Ich hoffe, ich werde diesen Mann eines Tages im Himmel treffen. Das war mein erstes Unterfangen, öffentlich Zeugnis zu geben, und das ganz auf mich allein gestellt an einem öffentlichen Ort. Gott prüfte mich, um zu sehen, ob ich der inneren Eingebung des Heiligen Geistes folgen würde.

Das war der „Tag der geringen [bescheidenen] Anfänge“ (Sach 4,10). Seitdem hat Gott mir die Gelegenheit gegeben, sein Wort Tausenden von Menschen in vielen Teilen der Welt zu verkündigen. Aber es begann alles mit einem kleinen Akt des Gehorsams an einem Sonntagabend in Neu Delhi.

Sei gegenüber der Stimme des Heiligen Geistes sensibel. Bis du vor dem Herrn stehst, wirst du nie wissen, wie viel du jedes Mal, wenn du dieser Stimme NICHT gehorchtest, verpasst hast.

2. Heilsgewissheit

Einige Christen können sich genau an das exakte Datum und an die Zeit, wann sie wiedergeboren wurden, erinnern. Aber ich kann es nicht. In der Tat, ich weiß nicht einmal, in welchem Jahr ich wiedergeboren wurde. Das heißt nicht, dass die Wiedergeburt ein schrittweiser Prozess ist. Nein. Der Übergang vom Tod in das Leben in Christus geschieht in einem Augenblick. Aber viele Menschen wie ich, die in gottesfürchtige christliche Familien hineingeboren wurden und in solchen aufgewachsen sind, können den exakten Augenblick, wann dieses Wunder stattfand, nicht genau bestimmen. Der Grund dafür ist, dass viele Menschen, die so sind wie ich, den Herrn viele Male bitten, in ihr Herz zu kommen, und wir können nicht sagen, bei welchem Mal die wirkliche Bekehrung stattgefunden hat.

Wenn ich mich recht erinnere, bat ich den Herrn das erste Mal in mein Herz zu kommen, als ich 13 Jahre alt war. Aber ich wusste nicht, ob er in mein Herz gekommen war oder nicht, weil ich nichts fühlte oder erfuhr, als ich betete. So bat ich den Herrn immer wieder, in mein Herz zu kommen – vielleicht mehr als 100 Mal während der nächsten paar Jahre –, aber ich empfand jedes Mal nichts! Daher wusste ich nicht, ob ich gerettet war oder nicht.

Solange ich zuhause war, hielten mich die Einschränkungen, die mir meine Eltern auferlegten, von vielen weltlichen Formen der Unterhaltung wie z.B. Kinobesuchen, usw. ab. Aber nachdem ich in die Militärakademie und in die indische Marine eingetreten war, war ich auf mich selbst gestellt und diese Einschränkungen waren weg. Nach und nach wurde ich ein weltlicher Christ, der nur aus Gewohnheit – und nicht aus irgendeiner Überzeugung – in die Kirche ging.

Aber aus meinem Ausprobieren der Unterhaltung dieser Welt resultierte etwas Gutes. Ich stellte fest, dass alles, was die Welt anzubieten hatte, leer und wertlos war und mich nicht dauerhaft zufriedenzustellen konnte. Eines Tages, als ich in meinem Zimmer am Flottenstützpunkt in Cochin saß und über all das nachdachte und in der Bibel las, stieß ich auf die Bibelstelle in Johannes 6,37, wo Jesus sagte: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen“. Ich hatte diesen Vers schon oft gelesen. Aber an diesem Tag traf er mich mit voller Wucht – und ich glaubte es. Ich wusste, dass ich viele Male zum Herrn gekommen war. Ich erkannte plötzlich, dass, wenn ich meinen Teil getan hatte, Jesus seinen Teil getan haben muss – er muss mich angenommen haben. Damals erkannte ich, dass Unglaube die größte Sünde ist (siehe Joh 16,9). Denn wenn ich Gottes Wort nicht glaubte, würde ich ihn zum Lügner machen – und das war die größte Beleidigung, die jemand Gott zufügen konnte. Nachdem ich also sechs Jahre hin und hergeworfen worden war, glaubte ich – und ich war mir sicher, dass ich gerettet war. Was habe ich aus meiner Erfahrung gelernt? Zwei Dinge:

Erstens, dass es sehr leicht ist, entmutigt und rückfällig zu werden, wenn man sich seiner Errettung nicht sicher ist.

Zweitens, dass der Glaube eine Gabe Gottes ist. Ich war 19 Jahre alt, als ich zuerst Heilsgewissheit erlangte. Mehr als 46 Jahre sind seither vergangen, aber ich habe an meiner Errettung kein einziges Mal gezweifelt. Ich habe in diesen Jahren viele andere Dinge angezweifelt, aber ich habe nie an meiner Errettung gezweifelt. Ich habe an diesem Tag auf dem Grund von Gottes unfehlbarem Wort einen Anker geworfen und mein Schiff ist seither nie mehr abgedriftet. Ich wurde in diesen Jahren von vielen wilden Stürmen heftig gepeitscht und mein Schiff hat zeitweise wild geschwankt, aber mein Anker hat gehalten. Wie kann ich das erklären? Ich kann nur sagen, dass Gott mir die Gnade geschenkt hat, an jenem Tag seinem Wort zu „glauben“. Sogar der Glaube ist eine Gabe Gottes. Daher können wir uns sogar unseres Glaubens nicht rühmen. Alles was wir tun können, besteht darin, Gott demütig zu verherrlichen.

3. Eine Hilfe in der Zeit der Not

Im Juli 1959 lebte ich am Flottenstützpunkt in Cochin. Ich war gerade zum Marineoffizier befördert worden. Ich hatte im selben Monat auch Gewissheit über mein Heil erhalten und hatte mich entschieden, völlig für den Herrn zu leben.

Eines Tages kamen zwei meiner Offizierskollegen zu mir und sagten mir, dass an diesem Abend im Kinosaal des Flottenstützpunktes ein guter Film gezeigt würde, und sie schlugen vor, dass wir alle hingehen, um den Film anzuschauen. Ich war früher des Öfteren mit ihnen ins Kino gegangen. Aber nun, da ich wiedergeboren war, hatte ich die Entscheidung getroffen, dass ich keine solchen Kinobesuche mehr machen würde. Der Herr hatte das Verlangen ins Kino zu gehen, aus meinem Herzen weggenommen. Aber ich hatte nicht den Mut, meinen Freunden zu sagen, dass ich jetzt ein wiedergeborener Christ war. So ging ich mit ihnen. Aber auf dem ganzen Weg zum Kinosaal stieg ein ständiger Schrei aus meinem Herzen auf zu Gott, mich auf irgendeine Weise aus dieser Situation zu erretten.

Als ich das Theater erreichte, sahen wir eine Mitteilung an der Frontseite, dass die für diesen Abend geplante Filmvorführung abgesagt wurde, weil die Filmrolle nicht angekommen war. Meine Freunde waren äußerst enttäuscht, aber ich war begeistert. Ich war voller Freude, dass Gott für mich ein Wunder getan hatte. Diese Begebenheit stärkte meinen Glauben sehr und ich erkannte, dass ich in der Tat einen Vater im Himmel hatte, der „in der Zeit meiner Not eine gegenwärtige Hilfe ist“ (Ps 46,2). Er erhörte einen Schrei, der nur in meinem Herzen war und den ich nicht einmal mit meinen Lippen ausgedrückt hatte.

Das war meine erste Erfahrung einer wunderbaren Gebetserhörung. Gott ist ein Vater, der für seine Kinder Wunder tut. Die Bibel sagt: „Habe deine Lust am Herrn, der wird dir geben, was dein Herz begehrt.“ Ich freute mich an diesem Tag am Herrn allein und wollte nichts haben außer ihm. Das Begehren meines Herzens war, dass ich davon abgehalten werden möge, diesen Film zu sehen. Und Gott gewährte es mir.

Aber als ich in mein Zimmer zurückkam, sagte mir der Herr, dass er das für mich kein zweites Mal tun würde. Er wollte, dass ich das nächste Mal zu meinen Freunden selbst „Nein“ sagen sollte – denn nur auf diese Weise konnte ich in seiner Gnade wachsen. Wenn Gott für mich jedes Mal ein solches Wunder täte, würde ich niemals mutig oder geistlich stark werden. Das nächste Mal, als mich meine Freunde zum Kinobesuch einluden, sagte ich ihnen mutig, dass ich jetzt ein Christ sei und mit ihnen nicht mehr ins Kino gehen könne.

Ich verstand dann, warum Gott uns viele unserer Gebetsbitten nicht gewährt – weil wir in Wirklichkeit Gott bitten, Wunder zu tun, die für uns das Leben leicht machen. Aber wenn uns Gott all diese Bitten gewährte, würden wir fette und faule Christen werden und nicht stark, kräftig und mutig, wie er das möchte. Gott wird uns ermutigen, indem er uns gelegentlich wunderbare Gebetserhörungen schenkt. Aber oft gewährt er uns unsere Bitte nicht, damit wir nicht schwach und feige bleiben. Das Verständnis dieser Wahrheit hat für mich viele Geheimnisse über das Gebet gelüftet.

In diesen 46 Jahren hat Gott ALLE meine Gebete erhört – ja, 100 Prozent von ihnen. Bist du überrascht, das zu hören? Lass mich das erklären. Wie die drei Signalfarben einer Verkehrsampel war Gottes Antwort für mich manchmal „Ja“ (grün), manchmal „Warten“ (gelb) und manchmal „Nein“ (rot). Aber er hat jedes Gebet erhört.

Es liegt große Sicherheit darin, den Verkehrsampeln zu gehorchen. Ich habe ebenso große Sicherheit erhalten, indem ich Gottes Antworten akzeptiere – egal wie sie sind.


4. Schrittweiser Gehorsam

Im Laufe der Jahre habe ich entdeckt, dass Gott uns Schritt für Schritt führt. Seine Verheißung lautet: „Während du Schritt für Schritt gehst, werde ich den Weg vor dir auftun“ (Spr 4,12; wörtlich übersetzt). Die Wolkensäule leitete die Israeliten Tag für Tag. Genauso leitet uns heute der Heilige Geist.

Gleich nachdem ich Heilsgewissheit erlangte, wurde mir gesagt, dass der nächste Schritt für mich darin bestand, im Wasser getauft zu werden. Ich war in der Syrisch-Orthodoxen Kirche als Baby getauft worden – eine Zeremonie, die man „Taufe“ nannte. Ich wusste, dass es auf beiden Seiten dieses theologischen Zauns wiedergeborene Christen gab – jene, die so wie ich nur als Babys „getauft“ wurden und jene, die sich als Gläubige der Taufe unterzogen. Ich entschied mich daher, das Wort Gottes zu diesem Thema zu studieren und herauszufinden, was es sagte.

Als ich das Wort Gottes studierte, entdeckte ich eine Reihe von Wahrheiten: Erstens, dass es im Neuen Testament keine einzige Erwähnung einer Kindestaufe gab. Es gab ein paar Fälle, wo ganze Familien getauft wurden, aber es gab keine Erwähnung, ob es in diesen Familien Babys gab – und wir können keine Doktrin durch das Schweigen der Heiligen Schrift beweisen. Johannes der Täufer taufte nur Erwachsene. Jesus selbst wurde erst getauft, als er erwachsen war. Jesus taufte Erwachsene und legte Kindern nur die Hände auf (segnete sie). Viele Kirchen praktizieren jedoch das genaue Gegenteil: Sie taufen Kinder und legen Erwachsenen die Hände auf (Konfirmation)! Als Gott meine Vergangenheit vollständig auslöschte, schloss das auch meine unbiblische Kindestaufe mit ein! Der erste Gehorsamsschritt, den jeder Gläubige in der Apostelgeschichte tat, war die Wassertaufe.

All das überzeugte mich, dass ich getauft werden musste. Aber einige Gläubige, die als Kinder getauft wurden, sagten zu mir, dass es ein weit größeres Bedürfnis gab, das Evangelium in den Orthodoxen Kirchen als in den Versammlungen von Gläubigen zu predigen; und wenn ich mich taufen ließe, würde ich aus der Orthodoxen Kirche ausgeschlossen werden und dann die Möglichkeit verlieren, den dortigen Ungläubigen das Evangelium zu verkündigen. Das schien ein sehr überzeugendes Argument zu sein – und daher entschied ich mich gegen die Taufe.

Ich verharrte 18 Monate lang in diesem Zustand. Aber jedes Mal, als ich mich zum Gebet hinkniete, hatte ich das Gefühl, als ob Gott zu mir sagen würde: „Warum sollte ich dir zuhören, wenn du nicht auf mich hörst?“ Und in all diesen 18 Monaten habe ich überhaupt KEINEN geistlichen Fortschritt gemacht. Das begann mich zu beunruhigen. Schließlich sagte ich dem Herrn, dass ich ihm gehorchen würde, auch wenn ich aus jeder Kirche auf der Welt hinausgeworfen würde. So wurde ich im Januar 1961 getauft.

Danach begann ich in meinem christlichen Leben sprunghaft zu wachsen. Ich erkannte dann, dass ich für andere kein Segen sein konnte, wenn ich selber Gottes Geboten nicht gehorchte. Ich traf daraufhin die Entscheidung, dem Wort Gottes in jeder Angelegenheit – ob klein oder groß – sofort zu gehorchen, egal was Menschen oder Kirchen sagen mögen. Wie viel geistlichen Schaden erleiden wir, wenn wir den Argumenten der menschlichen Vernunft folgen und Gottes Wort nicht gehorchen.

Seit diesem ersten Schritt des Gehorsams vor 43 Jahren hat Gott mir viele weitere Schritte des Gehorsams gezeigt. Aber jedes Mal zeigte er mir den nächsten Schritt erst, als ich den Schritt, den er mir bereits gezeigt hatte, getan hatte. Gottes Wort ist „unseres Fußes Leuchte“ (Ps 119,105), d.h. es zeigt uns nur den nächsten Schritt für unsere Füße und nicht den ganzen Weg, der vor uns liegt. Das ist damit vergleichbar, eine Fackel in Händen zu halten und auf einem dunklen Weg zu gehen. Wir können zu einem bestimmten Zeitpunkt nur ein kleines Stück vom Weg sehen – gerade genug für den nächsten Schritt. Um mehr von dem vor uns liegenden Weg zu sehen, müssen wir weitergehen.

Ohne diesen ersten Gehorsamsschritt hätte ich vielleicht nie einen weiteren Schritt im Willen Gottes für mein Leben gesehen – und ich hätte mein Leben auf Erden vergeudet, auch wenn ich in den Himmel kommen würde. Wenn Gott dir jetzt irgendeinen Gehorsamsschritt deutlich gezeigt hat, dann gehorche ihm sofort, sonst wirst du den Willen Gottes für dein Leben verfehlen.

Gehorsam ist eine schrittweise Angelegenheit.


5. Meine Schulden begleichen

Anfang 1961, gleich nach der Taufe, zeigte mir Gott den nächsten Schritt, den ich in meinem Wandel mit ihm machten musste. Meine Schuld gegenüber Gott war – vollständig – beglichen worden. Nun war es an der Zeit, meine Schulden gegenüber Menschen – ebenfalls vollständig – zu begleichen.

Ich erinnerte mich daran, dass ich in der Vergangenheit die Regierung betrogen hatte. Jesus sagte, dass wir zuerst „dem Kaiser, was des Kaisers ist“ geben sollten, bevor wir „Gott, was Gottes ist“ geben könnten (Mt 22,21). Sonst werden wir Gott Geld, das wir vom „Kaiser“ gestohlen haben, geben. So rechnete ich aus, wie viel ich an die Regierung zurückzahlen musste. Ich zauderte zwischen zwei Beträgen – einer davon war 20 Prozent höher als der andere. Schließlich entschied ich mich, getreu der menschlichen Natur, für den niedrigeren Betrag. Eines Tages las ich in 4. Mose 5,7-8, dass Gott den Israeliten befohlen hatte, im Falle von Wiedergutmachung zu dem, was sie schuldeten, 20 Prozent hinzuzurechnen! Das war für mein Herz ein klares und direktes Wort von Gott: Er wollte, dass ich den höheren Betrag zurückzahlte. Dieser Betrag war in etwa viermal so hoch wie mein monatliches Gehalt! So fing ich an, jeden Monat so viel wie möglich zu sparen, damit ich meine Schuld so bald wie möglich zurückzahlen konnte.

Als ich den Betrag schließlich angespart hatte, begegnete ich einem weiteren Problem. Die Regierung hatte kein Ministerium, wo ehrliche Leute, die Wiedergutmachung leisten wollten, ihre Schulden zurückzahlen konnten! Daher ging ich zum Bahnhof und kaufte mir eine Anzahl von Fahrkarten für eine lange Zugfahrt ans andere Ende Indiens (die den Betrag deckte, den ich rückerstatten musste). Dann zerriss ich die Fahrkarten. Auf diese Weise stellte ich sicher, dass das Geld in den Staatssäckel der Regierung ging. Mein Bankkonto war jetzt leer, aber mein Herz war voll – mit der Freude des Herrn.

Erst als Zachäus die Entscheidung getroffen hatte, all denen, die er betrogen hatte, das Geld zurückzuzahlen, sagte der Herr zu ihm: „Heute ist diesem Hause Heil widerfahren – denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist“ (Lk 19,9-10). Wie alle Menschen war Zachäus in der Liebe zum Geld verloren und Jesus errettete ihn daraus. Auch ich war in der Liebe zum Geld verloren und Gott errettete mich daraus. „Denn die Geldgier ist eine Wurzel alles Übels“ (1Tim 6,10), und der Herr möchte uns daraus erretten. Nur dann kann er sagen, dass „das Heil gekommen ist“. Er allein kann dieses Übel vollständig aus unserem Herzen ausreißen. Aber er wird es nur für diejenigen tun, die ihn darum bitten.

Es gibt nicht nur Schulden finanzieller Art. Manchmal mögen wir eine Entschuldigung schulden. Als ich ein Junge war, sammelte ich Briefmarken und hatte einmal von der Sammlung eines Freundes eine Briefmarke (die kaum einen Wert hatte) gestohlen. Der Herr erinnerte mich an diese kleine Angelegenheit und trug mir auf, diese Sünde (die ich vor mehr als 10 Jahren begangen hatte) dieser Person zu bekennen und um seine Vergebung zu bitten. Das war sogar nach schwieriger als die Rückzahlung des Geldes an die Regierung – denn das schloss ein, dass ich mich vor einer anderen Person demütigen musste. Aber ich entschied mich, diesen Entschuldigungsbrief zu schreiben. Erneut füllte die Freude des Herrn mein Herz.

In manchen Fällen mag es für uns unmöglich sein, für das Unrecht, das wir getan haben, Wiedergutmachung zu leisten. In solchen Fällen dürfen wir Satan nicht erlauben, dass er uns ständig belästigt, sondern wir müssen Gottes Vergebung annehmen und zur Ruhe kommen. Gott wird uns die Dinge zeigen, die wir in Ordnung bringen müssen. Und wenn er uns eine Angelegenheit zeigt, wird er uns prüfen, ob wir uns demütigen und ihm sofort gehorchen – koste es was es wolle.

Hätte ich Gott in diesen beiden Angelegenheiten nicht prompt gehorcht, hätte ich all diese 43 Jahre eine Kette hinter mir hergeschleppt. Und ich hätte Gottes Berufung für mein Leben verpasst. Der Herr hätte mir dann nicht den Dienst gegeben, den er mir gab. Welches Bedauern hätte mich dann für alle Ewigkeit im Himmel geplagt.

Gott möchte, dass seine Kinder frei von aller Schuld gegenüber Menschen sind. Gibt es eine Schuld aus deiner Vergangenheit, die noch beglichen werden muss? Begleiche sie sofort, sonst verlierst du deine Berufung im Leben und wirst in Ewigkeit viel Bedauern haben. Jetzt ist die Zeit für totalen Gehorsam! Große Türen drehen sich in kleinen Angeln!

6. Kaufen oder nicht kaufen?

Anfang 1961, als ich am Flottenstützpunkt in Bombay arbeitete, sah ich im Schaufenster eines Musikgeschäftes ein Akkordeon. Ich dachte daran, es zu kaufen, um darauf spielen zu lernen. Ich wusste jedoch, dass ich als Kind Gottes seinen Willen in allen Angelegenheiten – sowohl in großen als auch kleinen – suchen sollte. Daher betete ich und suchte Gottes Willen. Aber ich wusste nicht, wie man Gottes Willen in solchen Angelegenheiten herausfindet. Daher bat ich Gott um ein Zeichen. Ich sagte ihm, wenn der Preis für das Akkordeon innerhalb eines gewissen Geldbetrages war, dann würde ich annehmen, dass es sein Wille für mich wäre, es zu kaufen. Wenn es mehr als diesen Betrag kostete, dann würde ich annehmen, dass Gott nicht wollte, dass ich es kaufte. Da ich begierig war, das Akkordeon zu kaufen, hoffte ich sehr, dass es weniger kosten würde, als der Betrag, den ich dem Herrn genannt hatte.

Aber der unterste Preis, für den das Geschäft bereit war, es zu verkaufen, war geringfügig höher als der Betrag, den ich Gott genannt hatte. Ich fing an, über eine Reihe von Faktoren nachzudenken. Erstens hatte ich genug Geld bei mir, um es zu kaufen. Zweitens hatte die Regierung die Einfuhr von Akkordeons verboten und daher war dieses wahrscheinlich das letzte, das in irgendeinem Geschäft in Bombay verfügbar war. Drittens wollte ich das Instrument nur zur Verwendung bei christlichen Versammlungen lernen.

Aber all diese Faktoren wurden durch die Tatsache aufgehoben, dass ich Gott um ein Zeichen gebeten hatte und das Zeichen nicht erfüllt worden war. Daher traf ich die Entscheidung, das Akkordeon nicht zu kaufen – und verließ das Geschäft. Ich war enttäuscht, dass ich das Akkordeon nicht bekommen konnte, aber glücklich, dass ich dem Herrn gehorcht hatte.

Einige Tage später bezeugte ich Christus einem meiner nicht-christlichen Kollegen. Er stellte mir eine Frage aus der Bibel, die ich nicht beantworten konnte. Ich war beschämt, dass ich die Antwort auf eine biblische Frage nicht wusste. Ich ging zurück in mein Zimmer und traf die Entscheidung, das Wort Gottes gründlich zu studieren, damit ich danach die Antwort auf jede Frage, für die es in der Bibel eine Antwort gab, wusste.

Von der Zeit an, als ich im Jahre 1959 meine Heilsgewissheit erlangte, hatte ich ein neues Verlangen in mir festgestellt, täglich in Gottes Wort zu lesen. Als Erstes entschied ich mich, die ganze Bibel rasch durchzulesen – und ich tat das in ungefähr sechs Monaten. Ich verstand sehr wenig von dem, was ich las – aber mein Glaube wurde durch das Gelesene gestärkt. Aber ich war kein tiefschürfender Student des Wortes Gottes.

Aber jetzt wurde das Studium des Wortes Gottes meine Leidenschaft. Ich begann in meiner freien Zeit Tag und Nacht mit der Bibel zu verbringen. Ich sparte mir etwas Geld und kaufte mir eine Young’s Concordance und benutzte sie, um das Vorkommen von verschiedenen Wörtern in der Bibel zu studieren. Sehr bald begann ich, der ich fast nichts von der Bibel wusste, die tiefen Wahrheiten der Heiligen Schrift zu verstehen.

Dann erkannte ich, warum Gott nicht wollte, dass ich mir das Akkordeon kaufte. Hätte ich es gekauft, hätte ich Stunden damit verbracht, um es immer besser zu erlernen. Und wie alle Musiker sehr gut wissen, gibt es kein Ende in dem Bemühen, irgendein Musikinstrument perfekt zu spielen. Das ist ein endloses Unterfangen. Ich wäre ein Sklave dieses Akkordeons geworden.

Interessanterweise war ich sechs Jahre später in der Lage, ein Akkordeon von jemandem zu erwerben, der mir sein Instrument verkaufte. Aber zu diesem Zeitpunkt war ich bereits so tief mit dem Wort Gottes vertraut, dass mich das Akkordeon nicht beherrschen konnte. Es war mein Knecht. Ich wurde nie ein ausgezeichneter Musiker, weil Gott für mich etwas Besseres vorgesehen hatte, was ich im Jahre 1961 noch nicht ahnen konnte. Wie dankbar bin ich heute, dass ich ein Bibellehrer bin und dass ich mein Leben mit dem Studium der Bibel und nicht mit Musik verbracht habe. Es gibt viele gute christliche Musiker, aber nicht viele gesalbte Bibellehrer.

Große Türen drehen sich in kleinen Angeln.

7. Die Taufe im Heiligen Geist

Anfang 1963 wurde ich zum Flottenstützpunkt in Cochin abkommandiert. Ich hatte das Wort Gottes mehr als zwei Jahre lang ernsthaft studiert und hatte mir eine ziemlich gute Kenntnis davon erworben – gut genug, um bei den Versammlungen in der Gemeinde zu predigen. Aber ich stellte einen großen Mangel an Kraft in meinem Dienst fest. In der Gemeinde, die ich besuchte, studierten wir die Bibel, aber es war wie das Studium eines Geschichtsbuches – alles intellektuell! Auch die Botschaften, die ich in Gemeindeversammlungen hörte, waren schwer und langweilig, es fehlte ihnen die Frische und das Feuer des Heiligen Geistes.

Jesus sagte einmal zu den Sadduzäern, dass sie weder die Schrift noch die Kraft Gottes kannten (Mt 22,29). In meinem Falle kannte ich die Schrift – in einem bestimmten Ausmaß –, aber ich kannte sicherlich nicht die Kraft Gottes. Jesus sagte seinen Jüngern, dass sie nur dann Kraft erhielten, wenn sie mit dem Heiligen Geist getauft würden (Apg 1,5.8). Aber ich stellte fest, dass verschiedene christliche Kirchen zu diesem Thema Unterschiedliches lehrten. Einige lehrten, dass jeder wiedergeborene Christ bei der Neugeburt automatisch mit dem Heiligen Geist getauft wurde, ob er das nun erkannte oder nicht. Andere lehrten, dass man den Herrn nach der Wiedergeburt spezifisch suchen müsste, um mit dem Heiligen Geist getauft zu werden. Ich war verwirrt. Aber ich sah, dass Jesus selbst mit dem Geist getauft wurde, bevor er seinen Dienst begann (Apg 10,38). Wie viel mehr brauchte ich das dann! Jesus sagte auch, dass aus jedem, der an ihn glaubte, Ströme lebendigen Wassers fließen würden. Aber ich stellte fest, dass aus mir nur ein Rinnsal floss. Ich erkannte, dass mir etwas fehlte. Daher entschied ich mich, Gott zu suchen, um diese Kraft zu bekommen, ohne mich in einem theologischen Argument über den Heiligen Geist zu verzetteln. Ich wollte die Ströme haben.

Ich besuchte eine Reihe von charismatischen Gemeinden, die den Dienst des Heiligen Geistes betonten, um zu sehen, ob sie mir helfen könnten. Sie waren sehr eifrig, aber ich war von vielem, was ich in ihrer Mitte sah, enttäuscht. Es gab eine Menge Lärm und Gefühlsbetontheit, aber kaum irgendeine Betonung vom Sieg über die Sünde oder Christusähnlichkeit im Charakter (der Heilige Geist ist gekommen, um uns in erster Linie diese Dinge zu geben). Viele ihrer Pastoren schienen auch große Liebhaber von Geld zu sein! Ein Pastor forderte mich auf, das Wort „Halleluja“ immer wieder zu wiederholen, wenn ich mit dem Heiligen Geist getauft werden wollte! Ich weigerte mich, da ich wusste, dass dies nicht die Art und Weise war, wie die Apostel die Taufe im Heiligen Geist empfangen hatten. All das war sicherlich nicht die Fülle des Geistes, die ich suchte. Aber die Fälschung war für mich ein Beweis, dass der echte „Gegenstand“ wertvoll sein muss – denn die Menschen fälschen nur wertvolle Dinge! Ich sagte Gott, dass ich das, was ich in diesen Gruppen sah, NICHT wollte, sondern ich wollte die echte Taufe im Heiligen Geist, welche die Apostel zu Pfingsten erhielten. Und ich betete jeden Tag inbrünstig darum.

Ich sah in der Heiligen Schrift, dass Jesus mit dem Geist gesalbt wurde, als er die Entscheidung traf, sich im Wasser taufen zu lassen – was ein Symbol dafür war, dass er den Weg des Todes des selbstzentrierten Lebens wählte. Der Herr zeigte mir dann, dass das geisterfüllte Leben eng mit dem Weg des Kreuzes verbunden war. Er sagte mir, dass seine Kraft stets auf mir ruhen würde, wenn ich allezeit den Weg des Kreuzes wählte.

Gott erfüllte mich damals mit seinem Geist. Es gab keine physische Manifestation. Aber ich fand danach in meinem Dienst eine Frische, eine Freiheit und eine Kühnheit. Ich fing an, die Gabe des prophetischen Redens zu erfahren – andere zu erbauen, zu ermutigen und herauszufordern (1Kor 14,3). Ich liebte Jesus noch inbrünstiger und sehnte mich danach, ihm von ganzem Herzen zu dienen. Der Weg des Kreuzes wurde für mich kostbar. Und ich hatte eine brennende Leidenschaft, andere Menschen zu Christus zu führen. Zu diesem Zeitpunkt redete ich nicht in Zungen. Das kam 11 Jahre später.

Was ich erlebte, war nur ein Beginn. Seit damals musste ich immer wieder mit dem Heiligen Geist erfüllt werden. (Wir lesen in der Apostelgeschichte von drei Anlässen, wo Petrus mit dem Geist erfüllt wurde). Ein Becher, eine Quelle und ein Strom können alle voll sein. Doch die Kapazität eines jeden ist unterschiedlich. Wenn unsere Kapazität wächst, müssen wir erneut gefüllt werden. Damals war meine Kapazität nur die eines Bechers – aber er war voll und lief über! Er würde in späteren Jahren zu einem Strom anschwellen.

8. Eine weite, offene Tür

Viele junge Menschen beschweren sich, dass ältere Brüder sie daran hindern, in der Gemeinde einen Dienst zu haben. Aber ein Dienst wird uns vom Herrn und nicht von Menschen gegeben. Wenn der Herr entschieden hat, dich zu salben und dir einen Dienst zu geben, kann kein Mensch Gottes Zweck für dein Leben verhindern. Er selbst wird für dich die richtige Tür – zu richtigen Zeit – auftun. Du musst dich nirgendwo durchdrängeln und du musst nicht herumgehen und Menschen bitten, dir einen Dienst zu geben! Und du wirst dich nie beklagen müssen, dass jemand dich gehindert hat, einen Dienst zu haben. Es ist der Herr Jesus, der den Schlüssel zu jeder Tür des Dienstes hat (Offb 3,7-8), und er kann sie für uns öffnen, genauso wie die automatischen Türen, die sich von selbst öffnen, sobald wir uns ihnen nähern. Wir brauchen nichts zu tun, um diese Türen zu öffnen! Ein Grund, warum Gott vielen jungen Menschen keinen Dienst gibt, liegt darin, dass sie nicht in erster Linie ihn suchen, sondern einen Dienst – und noch dazu, um Ehre für sich selbst zu erhalten.

Im Jahre 1963 war ich 23 Jahre alt und seit vier Jahren bekehrt. Die Ältesten in meiner Gemeinde erlaubten mir nicht, in den Versammlungen zu predigen, weil sie mich für zu jung und zu unerfahren hielten. So pflegte ich die Häuser von Namenschristen und neue Gläubigen an abgelegenen Orten (wo niemand hingehen wollte) zu besuchen und hielt in ihren Häusern jede Woche für drei bis vier Personen Bibelstudien ab. Auf diese Weise lernte ich zuerst das Wort Gottes zu predigen.

Im August 1963 hatte ich Urlaub von der Marine und entschied mich, die Hebron-Gemeinde in Hyderabad zu besuchen, um mit dem dortigen Volk Gottes Gemeinschaft zu haben. Hebron war die Hauptquartiersgemeinde von Bruder Bakht Singh, der der bekannteste Gemeindeleiter in Indien war. Aber er selbst war nicht in Hyderabad, als ich dorthin fuhr. Am Sonntagmorgen bat mich der Älteste in der Hebron-Gemeinde während der Konferenz die Hauptbotschaft zu geben. Ich hatte bei einigen kleineren Versammlungen in ihrer Gemeinde in Madras gesprochen, und er muss von irgendeinem Segen gehört haben, der aus diesen Versammlungen resultierte. Aber die Gemeinde in Hyderabad war eine große mit über 1000 Mitgliedern und ich hatte noch nie vor einer so großen Menschenmenge gesprochen.

Als ich den Herrn um ein Wort bat, fühlte ich mich gedrängt, über das Thema, ein aufopferungsvolles Leben zu führen, zu sprechen. Daher sprach ich an diesem Morgen darüber, „dem Herrn ein Opfer darzubringen, das uns etwas kostet“, basierend auf Davids Worten in 2. Samuel 24,24. An diesem Morgen lag eine ungewöhnliche Salbung auf der Botschaft und ein Geist der Buße und der Erweckung erfasste die Menschen in dieser Versammlung. Ich war von dem, was ich sah, überrascht. Als der Älteste sah, was der Herr getan hatte, kündigte er sogleich an, dass es zwei weitere besonderen Versammlungen – an diesem Abend und am nächsten Morgen – mit mir als Redner geben würde. Die Halle war bei diesen beiden Treffen packend voll. Das war für Versammlungen an Werktagen sehr ungewöhnlich. Gottes Salbung war bei beiden Versammlungen erneut kraftvoll gegenwärtig. Ich war erstaunt, die Bewegung Gottes zu sehen, denn ich hatte eine solche Erweckung noch nie zuvor erlebt.

Ich verließ Hyderabad am nächsten Tag und fuhr nach Madras, wo ich Bruder Bakht Singh traf. Er hatte von der Erweckung gehört und fragte mich, warum ich zu einer solchen Zeit von Hyderabad abgereist war, statt dort zu bleiben und mit den Erweckungsversammlungen fortzufahren. Aber ich war jung, mit Erweckung nicht vertraut und wusste nicht, was ich tun sollte. Diese Erfahrung ermutigte mich jedoch zu glauben, dass Gott mich in seinem Dienst gebrauchen möchte. Als sich die Nachricht über die Erweckung zu verbreiten begann, begannen sich für mich viele Türen in den verschiedenen Gemeinden aufzutun.

Ich war nicht nach Hyderabad gegangen, um einen Dienst zu suchen. Ich begehrte nur Gott selbst. Aber Gott hatte Pläne, mich in seinem Dienst zu gebrauchen und er wusste, wann ich dafür bereit war. Und zur richtigen Zeit – zu der Zeit die er bestimmte – öffnete er für mich eine Tür, ohne irgendeine Anstrengung meinerseits.

Niemand kann Gottes Plan für dein Leben und deinen Dienst verhindern, wenn du ihm vertraust.

9. Erhörtes Gebet

Als ich am Flottenstützpunkt in Cochin arbeitete, war ich eifrig darauf bedacht, die Spiritual Life Conference, genannt Holy Convocation, im Oktober 1963 in der Hebron-Gemeinde in Hyderabad, dem Hauptquartier der Gemeinden von Bruder Bakht Singh, zu besuchen. So beantragte ich ab dem 1. Oktober Urlaub, der mir für die Dauer der Konferenz genehmigt wurde. Aber eine Woche später sandte das Marinehauptquartier eine Aufforderung, in der es hieß, dass die Marine im Oktober an einer Leistungsschau in Mysore teilnehmen musste. Ein anderer Offizier meiner Dienststelle musste an der Leistungsschau teilnehmen und ich musste für ihn einspringen, sodass mein Urlaub gestrichen wurde. Daher gab ich jede Hoffnung auf, die Konferenz in Hebron zu besuchen.

Am 12. Oktober las ich in meiner morgendlichen stillen Zeit meinen täglichen Abschnitt in 2. Samuel 2. Der erste Vers lautete: „David befragte den Herrn und sprach: Soll ich hinauf in eine der Städte Judas ziehen? Und der Herr sprach zu ihm: Zieh hinauf!“ Ich fragte mich, ob es der Herr war, der mir sagte, dass ich zur Konferenz gehen sollte oder ob es bloß mein Verstand war, der einen Vers suchte, um meine eigenen Wünsche zu befriedigen (wie es bei mir manchmal in der Vergangenheit der Fall gewesen war). Daher betete ich darüber und las weiter. Der Vers fuhr mit den Worten fort: „Und David sprach: Wohin? Er sprach: Nach Hebron.“ Die Erwähnung von Hebron an dieser Stelle erstaunte mich. Vielleicht wollte der Herr tatsächlich, dass ich zur Konferenz in der „Hebron-Gemeinde“ ging. Daher betete ich mit den Worten: „Herr, wenn mein Urlaub gemäß deinem Willen gestrichen wurde, dann nehme ich das freudig an. Aber wenn das Satans Versuch ist, mich daran zu hindern, nach Hebron zu fahren, dann widerstehe ich ihm in deinem Namen.“ Ich wusste, dass der Herr uns angehalten hatte, mit anderen Gläubigen gemeinsam zu beten, wenn wir schwierigen Situationen begegnen (Mt 18,19). Daher tat ich das auch.

Erstaunlicherweise kam zwei Tage später aus Neu Delhi ein Befehl, dass die Marine nicht an der Leistungsschau in Mysore teilnehmen würde. Somit erhielt ich meinen Urlaub, um zur Konferenz zu fahren. Ich war erstaunt, was Gott auf der höchsten Ebene tun würde, um einem seiner jungen, unbedeutenden Kinder zu helfen!

Bei dieser Konferenz brach Bruder Bakht Singh mit einer Praxis, der er bei jeder Konferenz, die er in den vergangenen 15 Jahren abgehalten hatte, gefolgt war. Bei jeder Konferenz war er immer der Redner bei den Abendversammlungen (wo am meisten Menschen anwesend waren und wo die Not am größten war). Er übertrug diesen wichtigen Dienst nicht einmal seinen dienstältesten Mitarbeitern. Aber bei dieser Konferenz bat er mich, an einer der Abendversammlungen zu sprechen. Ich war erst 23 Jahre alt und es war das erste Mal, dass ich vor einer solch großen Menschenmenge von mehr als 5000 Menschen sprach. Gott salbte mich und gab mir große Freiheit, sein Wort zu verkündigen.

Die Botschaft „Ein neues Gefäß voller Salz“, die ich dort gab, kann man im Internet unter http://www.cfcindia.com/deutsch nachlesen.

Die ungewöhnliche Freiheit und Salbung, die ich auf dieser Konferenz hatte und die Reaktion der Menschen ermutigten mich sehr. Auch Bakht Singh erkannte das und bat mich danach, mit ihm bei öffentlichen Konferenzen an vielen anderen Orten zu sprechen. Ich wusste jetzt, dass Gott mich gesalbt hatte, um ein Diener seines Wortes zu sein. Ich war jung und brauchte eine solche Bestätigung von Gott selbst – indem er das Wort, das ich sprach, bestätigte. Diese Gewissheit half mir sehr, um im Hinblick auf den Ruf des Herrn sieben Monate später Klarheit zu haben, als er mich rief, die Marine zu verlassen und ihm hauptberuflich zu dienen. Ich lernte durch diese Erfahrung auch etwas über die enorme Kraft, die im Gebet des Glaubens und im gemeinsamen Gebet mit anderen liegt. Die ganze Autorität Christi kommt herab, um seine Kinder zu unterstützen, wenn sie miteinander in Einheit und im Glauben beten.

Dies war ein bedeutsames Ereignis in meinem Leben. Wäre die Beteiligung der Marine an dieser Leistungsschau im Oktober 1963 nicht abgesagt worden, wäre ich nicht in der Lage gewesen, zu dieser Konferenz zu gehen. Und dann hätte ich womöglich nicht die Gewissheit erhalten, dass Gott für mich einen umfangreicheren Dienst vorgesehen hatte. Ferner, hätte ich nicht die Gewohnheit gehabt, jeden Tag auf Gott zu hören und auf Grundlage seines Wortes an mich zu beten, hätte ich vermutlich nie darum gebetet, dass Gott meine Umstände ändern möge. Folglich hätte ich zu dieser Zeit immer noch Gottes Plan für mich verpassen können. Hätte Gott diese Tür der Gelegenheit für mich, ihm zu dieser Zeit zu dienen, nicht auf wunderbare Weise aufgetan, hätte ich schließlich bloß als Admiral in der Marine statt als Diener des allmächtigen Gottes enden können. Große Türen drehen sich in kleinen Angeln.

10. Mut, Zeugnis zu geben

Im Jahre 1964 arbeitete ich am Marinestützpunkt in Cochin. Ich war ein eifriger Student des Wortes Gottes und wenn ich im Wort Wahrheiten fand, die mich segneten, war ich begierig, diese mit anderen Geschwistern in der Gemeinde, die ich besuchte, zu teilen. Aber da ich jung war, erhielt ich nicht viele Gelegenheiten, dort zu predigen. Daher entschied ich mich, auf den Straßen zu predigen, wo ich von niemandem die Erlaubnis zum Predigen benötigte. Zweimal in der Woche, als mein Dienst nachmittags endete, ließ ich das Mittagessen aus, verbrachte zwei bis drei Stunden im Gebet, und ging dann hinaus und predigte zwei Stunden auf den Straßen. Ich nahm einen anderen Bruder mit, der meine Predigt in Malayalam [eine in Südindien gesprochene Sprache] übersetzte. Wir standen an einer Straßenkreuzung und fingen mit einem Choral an. Bald scharten sich fünf oder zehn Leute um uns, und ich verkündete ihnen etwa fünf Minuten lang das Evangelium. Wir verteilten einige Traktate und Evangelien und zogen zur nächsten Straße weiter, um dort dasselbe zu tun.

Anfangs ging ich vom Flottenstützpunkt weit weg, wo mich niemand kannte, weil mir der Mut fehlte, vor Menschen, die ich kannte, zu predigen. Aber ich bat Gott kontinuierlich im Gebet, mir diesen Mut zu schenken. Gott erhörte mein Gebet auf zweifache Weise. Ich kannte bereits einen Grad der Salbung des Heiligen Geistes (wie in einem früheren Kapitel beschrieben). Aber ich stellte fest, dass ich erneut mit dem Heiligen Geist erfüllt werden musste, um mutig zu sein (so wie es die Apostel sogar nach dem Pfingstfest benötigten – siehe Apostelgeschichte 4,31). Zweitens gab Gott mir eine Offenbarung der totalen Autorität Christi. Interessanterweise sah ich diese wunderbare Wahrheit durch eine Schriftstelle in 1. Mose 41,44, wo der Pharao zu Josef sagte: „Ohne deinen Willen soll niemand seine Hand oder seinen Fuß regen in ganz Ägyptenland.“ Ich sah Josef hier als Typ von Christus. So war die Botschaft, die ich von diesem Vers erhielt, dass ohne Christi Erlaubnis niemand eine Hand oder eine Zunge gegen mich erheben konnte, um mich zu verspotten oder mir zu schaden. Als die Menschen mich das erste Mal auf den Straßen einen Teufel nannten, wusste ich, dass sie das taten, weil Gott ihnen erlaubt hatte, dies zu tun. Diese Offenbarung half mir enorm, um in meinem späteren Dienst Opposition zu erdulden.

Dann verstand ich, warum Jesus seinen Aposteln zuerst gesagt hatte, dass er „alle Gewalt im Himmel und auf Erden“ hatte, bevor er ihnen auftrug, hinzugehen und in allen Völkern Jünger zu machen (Mt 28,18-20). So wusste ich, dass Christi Autorität mich unterstützen würde, wo immer ich hinging, um für ihn zu predigen. Die Salbung des Heiligen Geistes und die Gewissheit von Christi Autorität, die mich unterstützten, gaben mir schließlich den Mut, in der Nähe des Flottenstützpunktes zu stehen und dort zu predigen. Meine dienstälteren Offiziere und die Matrosen, die unter mir arbeiteten, sahen mich dort alle. Aber das störte mich nicht mehr.

Dann sagte mir der Herr, dass ich zwei Verse auf meinen Motorroller schreiben sollte. Daher schrieb ich (in großen Buchstaben) auf eine Blende meines Motorrollers „BEREITET EUCH VOR, EUREM GOTT ZU BEGEGNEN“, und auf der anderen Seite „CHRISTUS STARB FÜR UNSERE SÜNDEN“. Als mein Marinekommandant das sah, gab er mir den Befehl, die Verse „innerhalb von 24 Stunden“ zu entfernen. Ich sagte ihm respektvoll, dass Gott mir gesagt habe, diese Verse zu schreiben. Am nächsten Tag, als er sah, dass die Verse noch immer auf meinem Motorroller standen, ließ er mich zum Kapitän des Flottenstützpunktes „einbestellen“. (Das ist der erste Schritt, bevor man wegen Befehlsverweigerung vor ein Militärgericht gestellt wird). Ich gab auch dem Kapitän auf respektvolle Weise dieselbe Antwort. Der Kapitän war barmherzig und brachte mich nicht vor ein Militärgericht. Aber er sagte, dass er mir nicht erlauben würde, mit dem Motorroller innerhalb des Flottenstützpunktes zu fahren. Daher ließ ich den Motorroller außerhalb des Flottenstützpunktes im Hause eines Freundes und benutzte fortan innerhalb des Flottenstützpunktes ein Fahrrad.

Ich war über die Wende der Ereignisse enttäuscht, weil ich glaubte, dass der Teufel gewonnen hatte, indem er mich daran hinderte, das Evangelium durch diese beiden Verse im gesamten Flottenstützpunkt zu verkünden. Aber Gott drehte den Spieß gegen Satan um – wie er es immer tut. Als die Leute am Flottenstützpunkt sahen, dass ich mit einem Fahrrad fuhr, waren sie neugierig, warum und fragten mich, was passiert war. Bald wurden die Verse auf meinem Motorroller von Mund zu Mund weitergegeben und verbreiteten sich auf dem Flottenstützpunkt schneller als wenn andere sie auf meinem Motorroller gesehen hätten. Einige meiner Offizierskollegen, die ich viele Jahre später traf, erinnerten sich immer noch daran! Auf diese Weise vereitelte Gott Satans Plan. Gott machte mich dadurch auch zu einem mutigeren Christen – der von den Meinungen von Menschen noch freier war. Diese Kühnheit hat mir seither in meinem Dienst ungemein geholfen.

Die Salbung des Geistes und die Autorität Christi sind jedes Mal, in jedem Teil der Welt, als ich aufstand, um zu predigen, meine Stärke und meine Stütze gewesen. Aber die Wirklichkeit dieser Dinge lernte ich zuerst vor mehr als 40 Jahren auf den Straßen von Ernakulam.

11. Der Ruf, die Marine zu verlassen

Es war der Morgen des 6. Mai 1964. Ich war auf Urlaub von der Marine und hatte bei einer Reihe von besonderen Konferenzen in einer Kleinstadt in der Nähe von Bangalore zusammen mit Bruder Bakht Singh den Predigtdienst gerade beendet. Ich reiste von dort zusammen mit einigen seiner Mitarbeiter mit dem Zug nach Bangalore. Als ich über meinen täglichen Bibelabschnitt für diesen Tag (Jesaja 49) nachdachte, überkam mich ein starkes Gefühl, dass Gott mich berief, meine Arbeit aufzugeben, um ihm hauptberuflich zu dienen. Ich hatte schon eine Zeitlang den vollzeitlichen Dienst erwogen und hatte dem Herrn bereits im Juli 1959 (sobald ich die Gewissheit meines Heils erhielt) gesagt, dass ich bereit wäre, aus meinem Dienst bei der indischen Marine jederzeit auszuscheiden, wenn er mich dazu berufen würde. Aber ich traf die Entscheidung, dass ich die Marine nur verlassen würde, wenn der Herr mich berief.

Ich hatte bereits meine anderen Ambitionen aufgegeben – auf dem Meer herumzureisen, die Welt zu sehen, viel Geld zu verdienen und der Admiral der indischen Marine zu werden. Aber ich musste wissen, ob Gott mich im hauptberuflichen Dienst für ihn haben wollte. Als ich Gottes Wort an verschiedenen Orten predigte, stellte ich fest, dass der Herr meinen Dienst segnete. Ich spürte auch ein wachsendes Verlangen in meinem Herzen, Gottes Wort in ganz Indien zu verbreiten.

In dieser Verfassung las ich an diesem Morgen Jesaja 49. Der Herr sprach durch dieses Kapitel zu mir, dass er mich von Mutterleibe an berufen hatte, um sein Knecht zu sein (V. 1, 5), und dass er meinen Mund wie ein scharfes Schwert gemacht hatte (V. 2). Ich machte mir über einige der anderen Verheißungen in diesem Kapitel keine Gedanken – dass Gott sein Heil durch mich bis an die Enden der Erde verkündigen würde (V. 6), dass Menschen vom Norden und vom Westen und von China kommen würden, um sein Wort zu hören (V. 12); dass Gott gegen alle Gegner, die mich bekämpften, kämpfen würde und dass all meine Söhne gerettet werden würden (V. 25). Nun, 40 Jahre später, sehe ich, dass Gott auch all diese Verheißungen erfüllt hat. Aber an diesem Tag (dem 6. Mai 1964) sah ich in Jesaja 49 nur Eines – dass Gott mich berief, um ihm hauptberuflich zu dienen. Ich entschied mich dann auf der Stelle, den Dienst bei der Marine zu kündigen.

Ein paar Minuten nachdem ich diese Entscheidung getroffen hatte, kam Bruder Bakht Singh (der mit uns im Zug reiste) zu mir und fragte mich: „Wann wirst du daran denken, die Marine zu verlassen?“ Ich war überrascht, diese Frage von ihm zu hören, denn ich hatte meine Gedanken zu dieser Angelegenheit nie mit ihm oder jemand anderem geteilt. Bakht Singh war derjenige, den ich zu der Zeit als einen echten Mann Gottes respektierte. Seine Worte waren für mich eine Bestätigung vom Herrn, dass das, was ich ein paar Minuten vorher in meinem Herzen gehört hatte, tatsächlich die Stimme Gottes war. Ich bin froh, dass ich ZUERST vom Herrn gehört hatte, bevor er mir sein Wort durch seinen Diener bestätigte – genauso wie Paulus und Barnabas erst NACHDEM sie Gottes Ruf direkt gehört hatten, eine Bestätigung ihrer Berufung von anderen Propheten erhielten (siehe Apg 13,2).

In den darauffolgenden Tagen bestätigte Gott mir seine Berufung erneut – durch eine andere Schriftstelle: Der Herr forderte Petrus auf, aus dem Boot zu steigen und auf dem Wasser zu gehen (Mt 14,29). Der Herr rief auch mich, das Schiff zu verlassen, auf dem ich arbeitete, um ein Leben des Glaubens zu führen („auf dem Wasser zu gehen“) – indem ich auf ihn allein schaute, um all meine Bedürfnisse zu stillen.

Ich reichte meine Kündigung unverzüglich beim Hauptquartier der indischen Marine ein, in der ich angab, dass mich der Herr Jesus Christus in sein Werk berufen hatte. Aber das leuchtete dem Hauptquartier der indischen Marine nicht ein und daher lehnten sie meinen Antrag umgehend ab. Ich fragte mich, was ich als Nächstes tun sollte. Der Herr erinnerte mich dann daran, was Mose tat, als der Pharao sich weigerte, die Israeliten ziehen zu lassen, um Gott zu dienen: Mose ging erneut zum Pharao zurück. So stellte ich einen neuen Antrag, in dem ich die gleichen Gründe detaillierter ausführte. Offiziersanwärter wie ich mussten der Marine mindestens 20 Jahre dienen, bevor wir kündigen konnten, weil das Verteidigungsministerium einen großen Geldbetrag in unsere Ausbildung investiert hatte. Daher wurde mein Antrag erneut abgelehnt. Ich betete weiter und stellte einige Monate später einen dritten Antrag. Erstaunlicherweise ließ mich die Marine im Mai 1966 gehen. Das war ein Wunder, denn ich war in der Geschichte der indischen Marine der einzige Offiziersanwärter, der die Erlaubnis erhielt, aus solchen Gründen aus dem Dienst auszuscheiden. Dies war dann für mich eine weitere Bestätigung von Gottes Ruf.

Die eindeutige Gewissheit, dass Gott mich in seinen Dienst berufen hatte war der Faktor, der mich in den vielen Prüfungen, denen ich als Diener des Herrn gegenüberstand, aufrechterhalten hat. Das ist der Grund, warum ich Gläubige stets dringend bitte, niemals in den hauptberuflichen Dienst für den Herrn einzutreten, bis sie einen klaren Ruf von Gott gehört haben. Wenn Gott dich beruft, wird er dich bis ans Ende deines Lebens in seinem Dienst unterstützen: Dem Herrn zu dienen war für mich in den nunmehr 30 Jahren eine äußerste befriedigende Erfahrung.

12. Von Gott geleitet

Ich verließ im Mai 1966 die Marine, um dem Herrn hauptberuflich zu dienen. Ich war ledig und entschied mich, in Vellore (Tamilnadu) zu leben, als Ausgangspunkt für meine Reisen, um dem Herrn zu dienen. Im Oktober 1967 wurde ich eingeladen, bei einem Ferienlager zu sprechen, das für Studenten und Absolventen der Evangelical Graduates Fellowship in Ahmedabad organisiert wurde. So nahm ich den Zug und kam nach einer zweitägigen Reise frühmorgens in Ahmedabad an. Sobald ich dort ankam, am ersten Tag des Lagers, erhielt ich ein dringliches Telegramm von meinem Vater (der auch in Vellore lebte), dass Ärzte am CMC Hospital in Vellore bei ihm Krebs diagnostiziert hatten und er dringend operiert werden musste. Da ich sein ältester Sohn war (und das einzige seiner drei Kinder, das in Indien lebte), bat er mich, sofort nach Hause zu kommen, um ihm bei seiner Operation beizustehen.

Ich fragte mich, was ich tun sollte. Da es am Camp einen weiteren Redner gab, hätten die Organisatoren des Ferienlagers meine Situation verstanden und mich nach Hause fahren lassen, wenn ich sie gebeten hätte, mich von meiner Verantwortung als Redner zu entbinden – obwohl dann die Last für den anderen Redner enorm gewesen wäre. Aber ich wollte wissen, ob dies ein listiger Plan Satans war, um mich davon abzuhalten, am Camp zu sprechen. Daher suchte ich den Herrn in dieser Angelegenheit.

Ich hatte die Gewohnheit, jeden Morgen kapitelweise in der Bibel zu lesen. Meine tägliche Bibellese an diesem Tag war 5. Mose, Kapitel 1. Ich las dort in den Versen 3 und 7: „Am ERSTEN TAG DES ELFTEN MONATS sagte Gott: Wendet euch und zieht hin …“ Ich fragte mich, ob Gott mir hier zeigte, wann ich meine Rückreise beginnen sollte. Ich hatte nicht die Gewohnheit, mich durch Bibelverse leiten zu lassen, die aus dem Kontext gerissen wurden, denn ich wusste, dass dies eine gefährliche Praxis war. Aber ich wusste auch, dass Gott seine Diener bei seltenen Anlässen durch solche Methoden leitet. Daher betete ich und suchte den Willen des Herrn. Während ich darüber betete, fühlte ich eine zunehmende Gewissheit und einen Frieden in meinem Herzen, dass dies in der Tat die Führung vom Herrn war. So ging ich zum Bahnhof und buchte meine Rückfahrt am ersten Tag des elften Monats (November) – welches der vorletzte Tag des Ferienlagers war. Dies bedeutete, dass ich die ganze Zeit des Ferienlagers in Ahmedabad bleiben und nur ein Treffen am letzten Morgen des Camps verpassen würde. So sandte ich ein Telegramm an meinen Vater, mit der Bitte, die Operation auf die erste Woche im November zu verschieben, da ich erst dann zurückkommen konnte. [Ich möchte hier eine Warnung aussprechen: Lege keine spektakuläre Leitung in jeden Vers hinein, den du in der Bibel liest. Gott hat mir in meinen 46 Jahren als Christ nur bei zwei oder drei Anlässen eine solche spektakuläre Führung gegeben.]

Ich sprach während der Woche bei den verschiedenen Sitzungen – und der Segen des Herrn floss in unserer Mitte. Dreißig Jahre später traf ich Menschen, die mir sagten, dass sie durch meinen Dienst bei diesem Ferienlager gesegnet und herausgefordert worden waren. Ich verließ schließlich Ahmedabad am ersten November und erreichte Vellore zwei Tage später.

Als mein Vater mein Telegramm erhielt und realisierte, dass ich erst nach einer Woche zurückkehren würde, traf er die Entscheidung, die Zeit zu nutzen, um die Meinung eines anderen Arztes einzuholen. Daher sandte er sein Röntgenbild an einen anderen Radiologen (einen besseren), um eine zweite Meinung zu erhalten. Dieser Arzt schaute sich das Röntgenbild an und sagte meinem Vater, dass er sicher war, dass kein Krebs vorlag und dass es keine Notwendigkeit für eine Operation gab. Auf diese Weise wurde mein Vater vor dem Operationstisch verschont. Er lebte danach weitere 15 Jahre und bekam nie Krebs.

Wäre ich gleich nachdem ich das Telegramm meines Vaters erhalten hatte nach Vellore zurückgekehrt, hätte sich mein Vater einer unnötigen Operation unterzogen. Und wer weiß, zu welchen Komplikationen das in seinem Alter geführt hätte. Und die Jugendlichen am Camp hätten niemals gehört, was der Herr ihnen durch mich sagen wollte.

Es ist gut, sogar in den kleinsten Dingen des Lebens den Willen Gottes zu suchen – denn es mag große Türen geben, die sich in diesen kleinen Angeln drehen.

13. Die Bedeutung von kleinen Entscheidungen

Sogar kleine Entscheidungen, die wir in der Jugend treffen, sind wichtig, weil uns einige dieser Entscheidungen schließlich völlig außerhalb von Gottes Willen für unser Leben bringen können. Und daher dürfen wir niemals in Eile sein, wenn wir eine Entscheidung treffen, sondern müssen auf den Herrn warten und mit Geduld seinen Willen suchen, bevor wir uns entscheiden.

Nachdem ich die Marine verlassen hatte, wusste ich nicht, wie ich beginnen sollte, Gottes Werk zu tun. Ich wusste nicht, wo ich anfangen oder sogar wo ich bleiben sollte. Dann lud mich ein älterer Bruder (den ich kannte) ein, zu ihm zu kommen und eine Zeitlang in seiner Gemeinde zu bleiben, um auf den Herrn zu warten. Daher ging ich in seine Gemeinde und verbrachte dort ungefähr einen Monat im Gebet, mit einigen Perioden des Fastens. Am Ende dieser Gebetszeit war ich immer noch nicht sicher, was ich tun sollte. Aber mein Herz hatte Frieden und war voller Gewissheit, dass der Herr mir zur rechten Zeit seinen Plan für mein Leben zeigen würde. So lebte ich weiter von Tag zu Tag, ohne mich über das Morgen Sorgen zu machen. Ich erkenne jetzt, dass Gott solche Zeiten der Ungewissheit zulässt, um unsere Motive zu prüfen und um uns Geduld zu lehren. Daher war meine Zeit des Betens und Fastens sehr nützlich und Gott bewahrte mich davor, bei den Entscheidungen, die ich in den folgenden Wochen und Jahren traf, Fehler zu machen.

Dem Herrn vertrauen, mich sein Wort zu lehren

Jemand schlug mir zu dieser Zeit vor, ich sollte zuerst auf eine Bibelschule gehen, um dort einen akademischen Grad zu erwerben, weil dies eine gute Vorbereitung für meinen Dienst sein und mir auch viele offene Türen für den christlichen Dienst geben würde. Ich hatte nichts gegen Bibelschulen. Aber ich wusste, dass

(1) im Alten Testament kein Prophet jemals aus einer Bibelschule kam, obwohl es solche Schulen in Israel gab.

(2) im Neuen Testament Jesus niemals irgendeinen seiner Jünger auf eine Bibelschule schickte, obwohl Gamaliel damals eine solche Schule in Jerusalem leitete.

(3) heute 99 Prozent von Gottes Volk einem weltlichen Beruf nachgeht und niemals auf eine Bibelschule gehen kann.

Daher glaubte ich, dass ich für diese 99 Prozent von Gottes Volk ein Beispiel sein sollte, indem ich ihnen bewies, dass jemand Gott effektiv dienen kann, ohne eine Bibelschule zu besuchen. So traf ich die Entscheidung, niemals auf eine Bibelschule zu gehen, sondern auf den Heiligen Geist zu vertrauen, mich sein Wort und seine Wege zu lehren, genauso wie er die Jünger im ersten Jahrhundert gelehrt hatte. Ein erstklassiges Bibelcollege in Kanada bot mir dann einen Platz auf ihrem College – mit Vollstipendium und bezahlten Flug – an, um dort zu studieren. Dies wäre für viele Christen ein verlockendes Angebot gewesen, aber jetzt nicht mehr für mich. So lehnte ich ihr Angebot ab. Ein anderer meiner Freunde nahm diesen Platz an meiner statt an und ließ sich schließlich in Kanada nieder! Gott bewahrte mich vor diesem Schicksal und davor, auf diese Weise seinen Willen zu verfehlen! Ich bin dankbar, dass ich nie auf eine Bibelschule gegangen bin – denn Gott hat mir aus seinem Wort erstaunliche Offenbarungen gegeben, die ich nie empfangen hätte, wenn mein Verstand in der Art und Weise, wie Bibelschulen ihre Studenten denken lehren, trainiert worden wäre. Auch die Männer und Frauen, deren Leben und Schriften mich am meisten beeinflusst haben, waren selbst nie auf einer Bibelschule gewesen – Madame Guyon, Charles Finney, D.L. Moody, Jesse Penn-Lewis, Watchman Nee, A.W. Tozer, Sadhu Sundar Singh, Bakht Singh usw.

Dem Herrn vertrauen, für meine irdischen Bedürfnisse zu sorgen

Eine weitere Wahrheit, die ich in Gottes Wort sah, war, dass Jesus und seine Apostel ihre irdischen Bedürfnisse keinem Menschen jemals offenbarten – weder ihre persönlichen noch ihre Bedürfnisse in ihrem christlichen Dienst. Ich hatte all meine Ersparnisse (in den acht Jahren, die ich für die Marine gearbeitet hatte) für das Werk des Herrn und für arme Gläubige weggegeben. Daher hatte ich die Marine mit einem leeren Bankkonto und keinerlei Ersparnissen verlassen. Aber da die indische Marine treu war, für all meine irdischen Bedürfnisse zu sorgen, als ich ihr diente, so glaubte ich, dass mein himmlischer Vater noch treuer sein würde, wenn ich ihm diente.

Daher traf ich die Entscheidung, meine finanziellen Bedürfnisse nie irgendjemandem außer meinem himmlischen Vater zu offenbaren, der genau wusste, wann und wie er meine Bedürfnisse stillen konnte. Ich erhielt gelegentlich Gaben von einigen Gläubigen, aber diese beliefen sich nur auf etwa 15 Prozent dessen, was ich in der Marine verdient hatte. Aber ich lernte, einfach zu leben und litt daher nie irgendeinen Mangel.

Eines Tages lud mich der Vorsitzende einer großen westlichen Organisation, die ein weitreichendes christliches Radioprogramm in Indien unterhielt, ein, der Direktor ihrer Organisation zu werden. Mir wurden ein großes Gehalt plus mietfreies Haus, ein kostenloser Dienstwagen, kostenloses Telefon und andere Vergünstigungen angeboten. Aber wenn ich mich dieser Organisation anschlösse, wäre ich vorrangig mit Verwaltungsarbeit und mit Werbearbeit in verschiedenen Kirchen beschäftigt gewesen. Gott hatte mich jedoch berufen, sein Wort zu predigen und nicht um hinter einem Schreibtisch zu sitzen. Hier war ein verlockendes Angebot. Gott hat mich wahrscheinlich getestet, um zu sehen, was ich wählen würde – ein bequemes Leben oder seinen vollkommenen Willen. Ich lehnte das Angebot ab und vertraute weiterhin dem Herrn für die Befriedigung meiner Bedürfnisse. Ich opferte meine Berufung nicht für irgendeinen materiellen Vorteil oder finanziellen Gewinn.

Seit nunmehr fast 40 Jahren hat der Herr stets für meine Bedürfnisse und für die Bedürfnisse meiner Familie gesorgt – und ich habe seine Treue wiederholt auf die Probe gestellt.

Junge Menschen sind oft versucht, mit den Prinzipien des Wortes Gottes Kompromisse zu machen – besonders wenn sie sehen, dass ältere Diener Gottes dies tun. Aber wenn du auf den Herrn vertraust und an den Prinzipien seines Wortes festhältst, wirst du feststellen, dass Gott viele Wunder für dich tun kann. Dadurch wirst du Gott besser kennenlernen und dein Dienst wird bereichert werden.

Daher möchte ich alle Jugendlichen ermutigen, niemals, mit den Prinzipien von Gottes Wort Kompromisse zu machen, koste es, was es wolle.

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9783847695325
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