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Wolfgang Deutschmann:
Cashbook
Alle Rechte Vorbehalten
© 2021 edition a, Wien
www.edition-a.at
ISBN gedruckte Ausgabe 978-3-99001-485-1
ISBN E-Book 978-3-99001-486-8
E-Book-Herstellung und Auslieferung:
Brockhaus Commission, Kornwestheim
www.brocom.de
»Das größte Risiko ist es, keine Risiken einzugehen …
In einer Welt, die sich so schnell verändert,
ist kein Risiko einzugehen die sicherste Strategie,
um zu versagen.«
Mark Zuckerberg (CEO Facebook)
Inhalt
DIGITAL BERGSTEIGEN
DIE DEMOKRATISIERUNG DER WIRTSCHAFT
REALITY-CHECK: DIE ARGUMENTE DER SOCIAL-MEDIA-LEUGNER
DIE GEWINNER UND DIE VERLIERER DER ZUKUNFT
DIE SOZIALEN MEDIEN IM TEST
WIE VIELE SOCIAL-MEDIA-ACCOUNTS SIND GENUG?
DIE ZIELGRUPPE MUSS VOR DEM PRODUKT DA SEIN
DIE ÜBERSCHÄTZTEN HYPES
FOTOS, VIDEOS ODER STORIES?
ES IST EIN JOB
ORGANISCHE REICHWEITE
DU MUSST DIE WELT NICHT IMMER NEU ERFINDEN – WIE DIGITALE KREATIVITÄT FUNKTIONIERT
PERFORMANCE-MARKETING UND BEZAHLTE REICHWEITE
DIE GESCHÄFTSMODELLE
DIE ALLERERSTEN SCHRITTE
DIGITAL BERGSTEIGEN
Die kurze Geschichte einer kleinen florierenden Firma, der es gelang, in den sozialen Medien Reichweite zu erzielen und damit Geld zu verdienen.
Eine Almhütte in den Allgäuer Alpen, Abenddämmerung in den Dolomiten, Gipfel-Euphorie auf der Zugspitze: Zwei Brüder, beide leidenschaftliche Bergsteiger, posteten auf Facebook Fotos ihrer Abenteuer oberhalb der Baumgrenze. Ein Geschäftsmodell hatten sie nicht. Dahinter stand bloß ihr Bedürfnis, ihre Leidenschaft für die Berge mit anderen zu teilen. Insbesondere mit jenen Menschen, denen sie sonst nur auf Wandersteigen, Almwiesen und bei den Hüttenwirten begegneten. Sie nannten ihren Account »BËRGSTEIGER«.
Mit dem Hashtag #steigauf verbreiteten sich ihre emotionalen Bilder aus wildromantischen Höhen, kombiniert mit Sprüchen wie »Am Ende der Ausreden beginnt das Leben« oder »Wenn alle Wege verstellt sind, bleibt nur der Weg nach oben« bald auch auf Instagram. Der Funke sprang über. Wie von selbst entwickelte sich eine Community, die mit ihren Posts den BËRGSTEIGER-Spirit feierte.
Einer der BËRGSTEIGER-Brüder arbeitete bei mir, weshalb ich die Entwicklung des Projektes aus nächster Nähe verfolgen konnte. Wir, die beiden Gründer und ich, begriffen bald, dass die Community größer war als gedacht und dass sie stark reagierte. Innerhalb weniger Tage bekamen die Posts damals, 2017, jeweils mehrere hundert Likes und wurden wieder und wieder geteilt. 30.000 Abonnenten waren es bald, alles bergbegeisterte Facebook- und Instagram-User.
Die Zeiten waren 2017 noch etwas günstiger für derartige ungeplante Erfolgsläufe. Inzwischen reduziert vor allem Facebook die organische, also die ohne Werbeausgaben erzielbare Reichweite von Posts. Wer heute so viele User erreichen will wie die BËRGSTEIGER-Brüder damals allein durch die Anziehungskraft ihrer Bild-Text-Kombinationen, muss Geld für Facebook-Werbung ausgeben und wissen, wie das am effizientesten geht. Ähnliches gilt für Instagram, seit Facebook die Plattform gekauft hat. Doch wer es richtig anstellt, kann mit nützlichen, spannenden oder berührenden Inhalten und einem bescheidenen Werbebudget noch immer die gleichen Effekte erzielen.
AUS EINEM HOBBY WERDEN UMSÄTZE
Die BËRGSTEIGER-Seiten hatten bald auch ein Symbol, das die Community verband. Ein Ë mit zwei Punkten obendrauf: Ë. Peter, der Bruder meines Mitarbeiters, der eigentliche Ideengeber, erfand es. Entstanden war dieses Symbol aus der Vorstellung von einem wandernden Bären und einer Mischung aus den Worten »Bär« und »Bergsteiger«, also BËRGSTEIGER. Das Ë löste sich irgendwann von selbst heraus und wurde zu so etwas wie dem Logo der Firma.
Die Abonnenten der Seite fingen an, dieses ja eigentlich walisische Ë und den Hashtag #steigauf während ihrer Touren für ihre Fotos und Posts zu verwenden. Ganz ohne Aufforderung, bezahlte Partnerschaft oder sonstige Gegenleistung, was viel wert ist. So entstand eine Marke, ohne dass jemand einen Cent dafür ausgab. Womit als nächstes die Frage nahelag, wie sich mit dieser Marke und der Reichweite des Facebook- und des Instagram-Accounts von BËRGSTEIGER Geld verdienen ließ.
Antworten auf solche Fragen zu finden ist das tägliche Geschäft meiner Social-Media-Agentur. Wir haben einige erfolgreiche Facebook-Seiten praktisch von Null an aufgebaut und etwa HoT, die Telekom-Sparte der österreichischen Handelskette Hofer, vom ersten Like an begleitet, bis sie mit der Facebook-Seite von Hofer Österreich fusionierte. Reichweite zu Geld zu machen erfordert neben Know-how und Erfahrung immer auch etwas Kreativität, eine gewisse Experimentierfreudigkeit und vor allem Geduld. Doch eines steht fest:
Wo Reichweite ist, gibt es fast immer auch einen Weg, Geld damit zu verdienen.
Die BËRGSTEIGER-Gründer dachten also nach, und zwar zu einem Zeitpunkt, zu dem sie mit ihrer Facebook-Seite bereits Geld verdient hatten, ohne dass sie sich groß dafür anstrengen mussten. Sportartikelhersteller und -händler waren auf sie zugekommen, um Kooperationen einzugehen und zum Beispiel Gewinnspiele über die Seite zu promoten.
Schließlich ist die BËRGSTEIGER-Facebook-Seite mit einer Influencer-Seite vergleichbar, bloß fehlte der Influencer als Person. Mit teilweise dreißig Posts beziehungsweise Hashtag-Nutzungen und Verlinkungen pro Tag kam der Großteil der Inhalte von den Usern selbst, also von Menschen, die irgendwo in den Bergen unterwegs waren und ihre Tour mit der Community teilten.
Mit direkter Werbung auf der Facebook- oder Instagram-Seite, zum Beispiel mit Produktplatzierungen, ist in dieser Größenordnung allerdings nur wenig zu verdienen und wenn zu viel Werbung auf einer Seite auftaucht, wird das lästig für die Community. Die konkrete Frage bei der anstehenden nachhaltigen Monetarisierung von BËRGSTEIGER lautete also, genau wie bei vielen anderen, mehr oder weniger spontan und aus bloßer Begeisterung für eine Sache entstandenen Seiten:
Was schafft für die Community einen zusätzlichen Mehrwert, für den sie zu bezahlen bereit ist?
Dass sich die Community über die Social-Media-Seiten von BËRGSTEIGER sichtbar machen konnte und über den gemeinsamen »Brand« verbunden fühlte, schaffte bereits einen gewissen »inneren Mehrwert«. Die Seite verfügte aber inzwischen außerdem über einen einzigartigen Hashtag (#steigauf) und ein einprägsames Logo, das sich auf allen möglichen Produkten gut machen würde. Beides nicht zu nutzen wäre eine verlorene Chance gewesen. Also konkretisierten wir die Frage nach dem zusätzlichen Mehrwert wie folgt:
Welches Produkt könnte die Community haben wollen, das an den inneren Mehrwert der Social-Media-Seiten anknüpft? Welches Produkt unterstützt die BËRGSTEIGER-Community dabei, sich noch verbundener zu fühlen?
Die Zielgruppe waren Menschen, die ihren Rucksack packen, frühmorgens aufbrechen und durch die unberührte Natur der Berge aufsteigen, entlang schmaler Steige, zwischen Bergkiefern, Preiselbeerfeldern oder Alpenrosen hindurch den Gipfelkreuzen entgegen. Zu klären war also:
Was brauchen alle Bergsteiger?
Was haben alle Bergsteiger?
Was verbindet alle Bergsteiger?
Kappen und T-Shirts drängten sich auf. Damit wollte das Brüderpaar testen, ob die Marke überhaupt funktionierte und ob es Bergsteigern tatsächlich etwas wert war, dieses Ë zu tragen. Denn das ist die entscheidende Frage, die es vor allen anderen Schritten der Monetarisierung eines gut laufenden Social-Media-Accounts zu klären gilt:
Gibt es User, die bereit sind,
Geld für die Sache auszugeben?
Die Brüder nutzten die billigste Möglichkeit, diese Frage zu klären, einen sogenannten Spreadshirt-Shop. Kunden laden dort ihre Wunschlogos hoch und der Shop produziert die Shirts on demand, also erst bei Bestellung, liefert sie direkt aus und rechnet ab. Die Qualität der T-Shirts war zu diesem Zeitpunkt noch nebensächlich, da reichte Billigware. Es ging wie gesagt erst einmal nur um die Frage, ob das Ë überhaupt eine Marktchance hatte.
Wenig später waren die BËRGSTEIGER-Shirts bereits aus Bio-Baumwolle. Denn über den Spreadshirt-Shop entstand rasch ein Monatsumsatz zwischen tausend und dreitausend Euro. Für den Anfang war das nicht schlecht, auch wenn der Großteil des Gewinns bei Spreadshirt landete. Die Brüder machten ein Unternehmen daraus und meldeten ein Gewerbe an. Ich beteiligte mich mit dreißig Prozent und steckte rund 30.000 Euro in das Start-up, um ihm etwas Schwung zu geben. Die Firma konnte außerdem unsere Büros und natürlich unsere Expertise nutzen.
EINE ENTSCHEIDENDE IDEE
BËRGSTEIGER fehlte allerdings noch etwas Wesentliches. Kappen und T-Shirts bedrucken lassen, auf diese Idee kamen schnell einmal Gründer einer Marke, die in den sozialen Medien entstand. Das ist wirklich keine Kunst mehr. Doch die Vision von etwas Größerem lässt sich damit nicht verwirklichen. Dafür braucht es eine USP, eine Unique Selling Proposition, ein Alleinstellungsmerkmal, etwas Einzigartiges, das die Community als typisch für die Marke empfindet, etwas Identitätsstiftendes, das nur sie auf diese Weise bietet. Was konnte das hier sein?
Peter, der bereits erwähnte Bruder meines Mitarbeiters, hatte wieder die entscheidende Idee. Er ist ein Erfinder- und Tüftler-Typ, der den BËRGSTEIGER-Spirit selbst lebt, die Macht und Freiheit der Bergwelt liebt und seine Motivation nicht aus der Aussicht auf Reichtum, sondern aus seiner Leidenschaft bezieht. Er schlug Armbänder vor. Armbänder in der Form von Eispickeln, die gleichzeitig als Verschluss dienen sollten: Den Eispickel durch eine Lasche ziehen, und schon ist das Armband geschlossen. Das Ganze geflochten und größenverstellbar, passend für jedes Handgelenk.
Inspiriert dazu hatte ihn die Firma Paul Hewitt, ein Anbieter von Uhren, Schmuck und Mode-Accessoires im Preppy-Style, der Armbänder mit Ankern als Verschluss verkaufte. Peter stand eines Tages mit einem Exemplar davon da und schlug vor, statt der Anker einfach Eispickel zu verwenden und das Band an die raue Bergwelt anzupassen.
Wir waren begeistert. Das gab es in dieser Form für unsere Zielgruppe noch nicht und wir beschäftigten uns damit, wie sich so ein Armband konzipieren beziehungsweise produzieren ließ. Prototypen entstanden, alle mit dem BËRGSTEIGER-Schriftzug darauf.
Jetzt erst nahm die Entwicklung der kleinen Firma wirklich Fahrt auf. Denn die BËRGSTEIGER-Abonnenten posteten nun Fotos von ihren Handgelenken mit unseren Armbändern in den Bergen. Laufend trafen neue Fotos bei uns ein, auf denen das Eispickel-Armband zu sehen war.
Bessere Werbung gab es kaum, und dementsprechend verkauften wir bis Ende 2020, also innerhalb von drei Jahren, rund vierzigtausend Stück des neuen BËRGSTEIGER-Bestsellers. Angesichts eines anfänglichen Preises von 25 bis 29 Euro (wenig später kostete das Armband 34 Euro) war das ein schöner Erfolg. Immerhin bedeutete es mehr als eine Million Euro Umsatz.
Die BËRGSTEIGER-Abonnenten kauften das Armband oft sogar mehrmals. Weil es viele ständig trugen, um auch im Büro etwas von der Macht und der Freiheit der Bergwelt dabeizuhaben, nützte es sich ab und sie brauchten ein neues, das nie das gleiche war. Denn wir entwickelten das Produkt ständig weiter und perfektionierten es. So bekamen wir anfangs die Rückmeldung, dass sich die Oberfläche auflösen würde, vor allem unter dem Einfluss von Sonne, Wind und Wetter. Wir nahmen uns die Kritik zu Herzen und schafften das Problem aus der Welt.
Wir produzierten in Asien, unterzogen jedes Armband bei uns in Graz einer Qualitätskontrolle und versandten es über einen Logistikanbieter. Die Herstellungskosten inklusive Verzollung lagen bei 5 Euro und die Versandkosten, die wir extra berechneten, in Österreich und Deutschland bei 4,90 Euro. Wenn wir noch 15 bis 30 Prozent des Umsatzes für Werbung ausgaben, ließ sich damit also durchaus etwas verdienen.
PRODUKTWELT AUS DEN SOZIALEN MEDIEN
Das erfolgreiche Armband war als genialer Träger des BËRGSTEIGER-Spirits so etwas wie ein Sprungbrett für die kleine Firma. Danach überlegten wir wieder und testeten weitere Produkte. So kamen wir auf die Sonnenbrille.
Zunächst suchten wir wieder eine Standardbrille aus, versahen sie mit unserem Logo und beobachteten, wie die Community darauf reagierte. Ist es jemandem etwas wert, eine Sonnenbrille mit dem BËRGSTEIGER-Logo zu tragen?
Das war die Frage, und wieder beantworteten sie die BËRGSTEIGER-Abonnenten bei unserem Test mit: »Ja, grundsätzlich schon.« Zumindest ließ sich die Zahl der eingehenden Bestellungen so interpretieren. In den ersten Monaten verkauften wir nach und nach rund 600 Sonnenbrillen zu 195 Euro, was einen Umsatz von fast 120.000 Euro ergab, bei einem Werbebudget von rund 40.000 Euro.
Wir hatten nun genug Geld, um in die Entwicklung einer Brille zu investieren, die den Ansprüchen unserer Community besser gerecht wurde. Sie hatte polarisierende Gläser von Carl Zeiss Vision, das Design stammte von einem Brillen-Spezialisten und sie war gleichzeitig leicht und robust. Wir setzten auf besonders breite Steckbügel, damit die Brille auch wirklich fast allen passte und auch bei starken Steigungen nicht aus dem Gesicht rutschte. Außerdem lernten wir einiges über den Sonnenbrillenmarkt, etwa, dass dessen Hochsaison von April bis Mai dauert. Zumindest für Bergsteiger-Sonnnebrillen.
Unversehens war aus einem zum Spaß gestarteten Social-Media-Account ein funktionierendes kleines Unternehmen mit eigener Produktpallette geworden. Ich übernahm die Firma mit den zwei Punkten über dem »E« schließlich mehrheitlich. Bald hatte sie auf Facebook über 100.000 und auf Instagram mehr als 50.000 Abonnenten. Auch auf Pinterest wurde sie immer erfolgreicher. Inzwischen sondiere ich die Übernahmeangebote. Facebook- und Instagram-Seiten lassen sich verkaufen, erst recht, wenn sich damit auch noch Umsatz machen lassen und ein Unternehmen dahintersteht.
DIE DEMOKRATISIERUNG DER WIRTSCHAFT
Geld verdienen mit den sozialen Medien ist nicht bloß ein moderner Trick, um ein (Neben-)Einkommen zu generieren.
Es ist ein wesentlicher Teil der Zukunft unserer Wirtschaft und wenn du jetzt damit anfängst, endet die durch COVID-19 bedingte Wirtschaftskrise für dich, bevor sie begonnen hat.
140 Millionen Unternehmen haben inzwischen auf Facebook Accounts und kämpfen innerhalb ihrer geografischen Reichweite um die Aufmerksamkeit der User. Der Algorithmus von Facebook ist deshalb mit der Zeit komplexer geworden. Wir als Großkunden bekommen wöchentlich einen Anruf eines Facebook-Mitarbeiters, der uns auf den neuesten Stand bringt und uns dabei unterstützt, auf dem Laufenden zu bleiben.
Auch die Algorithmen aller anderen sozialen Medien werden mit der Zeit komplexer. Doch Geld verdienen mit sozialen Medien ist noch immer keine Raketenwissenschaft. Niemand muss Informatik oder Marketing studieren, um mit Facebook, Instagram, YouTube, Pinterest oder Linkedln Umsätze zu machen und Gewinne zu erzielen. Es erfordert weder die Unterstützung mächtiger Influencer noch High-Tech-Schnickschnack oder Millionen an Werbebudget. Es geht auch hier letztlich um traditionelle unternehmerische Werte wie Begeisterung, Kreativität, Ausdauer und Experimentierfreudigkeit. Nur hat das Ganze drei klare und entscheidende Vorteile:
Vorteil eins. Erfolgreiche Firmen aufzubauen ist dank der sozialen Medien nicht mehr nur Menschen mit guten Kontakten und hoher Kreditwürdigkeit bei den Banken vorbehalten. Wenn du keine Lust mehr auf die Tretmühle in deinem Angestelltenjob hast oder ihn als Folge der Wirtschaftskrise zu verlieren drohst oder schon verloren hast, bieten dir die sozialen Medien eine mächtige Plattform, um dich mit einer eigenen Idee selbständig zu machen. Sie demokratisieren damit die Wirtschaft wie nichts anderes davor. Wer die besseren Ideen hat und fleißiger und ausdauernder ist, gewinnt.
Vorteil zwei. Das Risiko ist dank der niedrigen dafür nötigen Investitionen gering. Wenn deine Idee nicht funktioniert, ist das ganz normal und gehört zum Spiel. Weder bist du deshalb pleite noch wirst du stigmatisiert. Du nimmst die Erfahrungen mit, hakst es ab und versuchst es mit der nächsten Idee.
Vorteil drei. Digitale Firmen aufzubauen oder bereits bestehende Firmen zu digitalisieren ist mit den sozialen Medien so einfach wie ein spannendes Computerspiel. Es gibt beim Geldverdienen mit den sozialen Medien Spielregeln, die du lernen kannst. Wenn du sie kennst und dich ein wenig darin übst, erreichst du rasch die nächsten Levels.
Dieses Buch behandelt zwei Varianten, wie sich soziale Medien gewinnbringend für die eigenen Unternehmensideen einsetzen lassen.
Variante eins. Du hast noch kein Unternehmen, aber eine Idee. Wenn du in der spannenden neuen Geschäftswelt der sozialen Medien dabei sein willst, musst du immer diese drei Schritte gehen:
Produziere Content zu einem spannenden, nützlichen oder berührenden Thema, das mit deiner Idee zu tun hat.
Erziele damit Reichweite, indem du ihn in den sozialen Medien veröffentlichst.
Mache die Reichweite zu Geld.
Erst vor kurzem stieß ich auf ein sympathisches Beispiel dafür, was in den sozialen Medien in Sachen Reichweite möglich ist. Es ging um Mohnzelten.
Mir war diese Waldviertler Spezialität fremd, bis ich sie während eines Urlaubs in Niederösterreich entdeckte. Auf der Suche nach einem Rezept fand ich den YouTube-Kanal einer Frau mit einer Leidenschaft fürs Kochen, die offensichtlich nur unregelmäßig und noch dazu laienhafte Videos postete. Trotzdem hatte ihr YouTube-Kanal mehr als 25.000 Abonnenten.
Womit sich zumindest ein Nebeneinkommen erwirtschaften lässt. Zum Beispiel mit Online-Kochkursen. Selbst wenn es nur einige hundert Euro im Monat wären, wäre das als Erlös für eine Leidenschaft eine tolle Sache.
Am liebsten hätte ich sie angerufen und ihr ein paar Vorschläge gemacht, wie sie ohne großen Aufwand die Attraktivität ihres Channels steigern und daraus gewinnbringende Geschäftsideen ableiten könnte.
Variante zwei. Du hast bereits ein analoges Unternehmen und möchtest es mithilfe der sozialen Medien fit für die Zukunft machen und ausbauen. Dann musst du diese drei Schritte gehen:
Produziere Content zu einem spannenden, nützlichen oder berührenden Thema, das mit deinem Unternehmen zu tun hat.
Erziele damit Reichweite, indem du ihn in den sozialen Medien veröffentlichst.
Mache die Reichweite zu Geld.
Mir fällt dazu ein Südtiroler ein, der in vierter Generation eine Pizzeria geerbt hatte, und der sein überliefertes und lange gewachsenes Wissen über den besten Teig, die besten Oliven, die besten Tomaten oder den besten Mozzarella über die sozialen Medien verbreitete. Mit seinen Kochkursen und über den Vertrieb von Zutaten wurde er nicht schwer reich, aber er verdient damit inzwischen mehr als mit der Pizzeria, es macht ihm mehr Spaß und während der Lockdowns gehörte er zu den Gewinnern.
WAS IST EIN GUTES THEMA?
Oft sind es Themen, die zunächst absurd oder lächerlich klingen, die in den sozialen Medien funktionieren. Ob es der sogenannte ASMR-Bereich ist, in dem sich Menschen mit erstaunlichem Erfolg den Reibungsgeräuschen von Oberflächen widmen, oder der Gaming-Bereich, bei dem Menschen vor laufender Kamera Videospiele spielen und sich selbst kommentieren: Egal was, es kann Erfolg haben. Und egal welches Unternehmen du hast, sei es nun eine Pizzeria, eine Tischlerei oder eine Steuerberatungskanzlei, du kannst mithilfe der sozialen Medien mehr erreichen als bisher.
Jeden Tag treffe ich Menschen, denen ich gerne sagen würde:
Mach einen Social-Media-Account über deine Leidenschaft oder für deine Firma und verdiene (mehr) Geld damit.
Eine Weile sagte ich das auch tatsächlich jedem und jeder, doch irgendwann ließ mein missionarischer Eifer nach. Denn die meisten älteren Menschen winkten ab, als wären die sozialen Medien nichts als ein vorübergehender Auswuchs des Zeitgeistes. Die meisten jüngeren Menschen träumten davon, neue Kim Kardashians zu werden, besonders berühmt auf YouTube oder Instagram, aber ohne wirklichen Plan. Mit relativ einfachen Mitteln ein bodenständiges, florierendes Social-Media-Business aufzuziehen, dafür waren trotz des Spaßes, den das macht, trotz der damit verbundenen wirtschaftlichen Unabhängigkeit und trotz der Möglichkeit, sich selbst zu verwirklichen, nur wenige zu haben.
Deshalb bleibt das Potenzial der sozialen Medien, eigene Ideen zu vermarkten und deutlichen finanziellen Mehrwert zu erzielen, auf weiten Strecken unentdeckt. Das unausgeschöpfte Potenzial bedeutet aus dieser Perspektive verpasste Umsätze in Milliardenhöhe. In einer Utopie, in der die Chancen der sozialen Medien als Vermarktungsplattformen gänzlich wahrgenommen würden, stünden Milliarden Euro zur freien Verfügung für die Volkswirtschaften. Milliarden Euro, die Menschen ein besseres Leben ermöglichen würden, die Unternehmer erfolgreicher machen würden, die Wirtschaft ankurbeln würden und die ganze Gesellschaften von ihren Zukunftsängsten befreien würden. Milliarden Euro, von denen du dir mithilfe dieses Buches jederzeit deinen Teil abholen kannst.
REALITY-CHECK: DIE ARGUMENTE DER SOCIAL-MEDIA-LEUGNER
Als Folge der COVID-19-Pandemie haben viele Wirtschaftstreibende verstanden, dass die Zukunft den digital gut aufgestellten Unternehmen gehört. Es kann trotzdem noch immer richtig überzeugend klingen, wenn dir Unternehmer und Manager der alten Schule erklären, warum sie die sozialen Medien nicht brauchen. Was ist dran an ihren Argumenten?
Denken wir an eine Herrenboutique in der Kölner Innenstadt und nennen wir sie Boutique A. Sie lebt von ihren Stammkunden, von Laufkundschaft aus den umliegenden Büros und von Touristen. In den vergangenen Jahren sanken die Umsätze und die Gewinne mit ein oder zwei Ausnahmen leicht, doch insgesamt kam der Besitzer der Boutique A immer ganz gut durch.
Er hofft auf das richtige Wetter zum richtigen Zeitpunkt, das beim niedergelassenen Modehandel immer eine Rolle spielt, auf seinen guten Instinkt bei der Auswahl seiner Kollektionen auf den großen Modemessen, darauf, dass irgendwann doch wieder mehr Menschen lieber analog einkaufen, als online zu shoppen, und dass es nie wieder Pandemien und Lockdowns gibt.
Einen Webshop hat er nicht, und auch sonst keinen digitalen Auftritt, abgesehen von einer kleinen Website mit seinen Öffnungszeiten. Seine Erfahrungen mit den sozialen Medien beschränken sich auf den Facebook-Account seiner Frau, die dort, nicht immer zu seiner Freude, Fotos von ihrem Golden Retriever Sammy, ihren Treffen mit ihrer erwachsenen Tochter Charlotte oder ihren Paddelausflügen zu den Stauseen im Bergischen Land postet.
Der Besitzer von Boutique A hat einige Male darüber nachgedacht, sich einen Webshop anzuschaffen und sich mit den sozialen Medien zu befassen. Schließlich reden alle darüber, dass Daten das neue Gold sind. Eine Boutique ganz in seiner Nähe, Boutique B, hat beides getan und postet aus seiner Sicht wie wild eintreffende Schachteln mit den jeweiligen Modemarken darauf oder Details neuer Produkte. Doch er hält das für einen peinlichen Versuch, Amazon oder Zalando Konkurrenz zu machen. In Wirklichkeit, vermutet er, hängen im Webshop von Boutique B die digitalen Staubfäden von den Regalen.
Auch einige Branchenverbände empfehlen Unternehmern wie ihm inzwischen Webshops und Social-Media-Auftritte, das hat er mitgekriegt, aber seiner Meinung nach liegt das vor allem daran, dass die nicht wissen, was sie sonst in ihre Newsletter schreiben sollen. Dass das alles sehr viel Geld kosten würde, davon reden all die selbsternannten Wirtschaftspropheten jedenfalls nie. Wie er Follower findet und wie er Kunden in den Webshop lotst, das stand auch noch in keinem Newsletter. Geld ausgeben für etwas ist immer leicht, denkt er. Aber beim Geldeinnehmen wird’s halt schwierig.
Sein Publikum bewegt sich auch gar nicht in den sozialen Medien, denkt er, das ist nach den Kosten für die Digitalisierung seines Unternehmens der zweite von drei entscheidenden Punkten für ihn, die gegen diese Investition sprechen. Was hätte er denn von einem Social-Media-Auftritt, für den sich keiner interessiert? Und was von einem Online-Shop, in dem niemand einkauft?
Würde er einen Webshop aufmachen, wäre das aus seiner Sicht ungefähr so, als würde er Zeit und Geld dafür verschwenden, draußen in der Wahrner Heide, wo höchstens ein paar Hasen, Füchse, Marder, Wildschweine und Radfahrer vorbeikommen, die neuen Jeans-Kollektionen von Armani, Closed oder 7 For All Mankind anzubieten. Würde er dazu einen Social-Media-Auftritt starten, wäre das, als würde er da draußen jeden Tag einsam unter freiem Himmel drei Stunden lang die Qualität seiner Produkte loben. Er würde nur die Tiere erschrecken und die Radfahrer nerven.
Seinen dritten Punkt, findet er, bedenkt zu Unrecht niemand: Hätte er tatsächlich einen professionellen Webshop und würde er mit einem Social-Media-Auftritt Kunden dorthin locken, wären es wahrscheinlich die gleichen, die sonst in seine Boutique kommen. Würden die erst einmal anfangen, online statt persönlich bei ihm einzukaufen, wären sie irgendwann weg. Denn er würde den Kontakt zu ihnen verlieren, könnte seine große Stärke, die persönliche Betreuung, nicht mehr ausspielen und wäre der Konkurrenz endgültig wehrlos ausgeliefert.
Das Fazit des Besitzers von Boutique A zum Thema Geld verdienen mit Facebook, Instagram, YouTube und Co.:
»Ich habe bisher gut ohne Webshop und soziale Medien gelebt und werde es auch in Zukunft tun.
Persönlicher Service wird auch in Zukunft durch nichts zu ersetzen sein.«
WIE UND WO KUNDEN EINKAUFEN
Nun blickt ein Mitarbeiter eines Logistikunternehmens in der Kölner Innenstadt am Freitag zu Mittag durch sein Fenster im achten Stock in den grauen Himmel und fragt sich, wo der Sommer geblieben ist. Ihm fällt ein, dass die Winterjacken, die er im vergangenen Jahr getragen hat, schon damals unansehnlich waren und dass er sich schon lange wieder einmal etwas Gutes tun wollte.
Sonst kauft er gerne bei Auslandsreisen ein, Souvenirs zum Anziehen sozusagen, oder in den Luminaden, einem Einkaufszentrum in Leverkusen, wo er wohnt. Aber weil er gerade nichts zu tun hat, sieht er auf seinem Smartphone nach, wo er in der Gegend um sein Büro eine schöne, warme Winterjacke bekommen könnte.
Boutique A taucht nicht auf. Ganz oben in der Liste von Google steht Boutique B. Die Adresse der Boutique kennt er. Sie liegt in unmittelbarer Nähe eines Asiaten, bei dem er mit Kollegen manchmal zu Mittag isst. Bloß ist ihm der Laden noch nie aufgefallen.
Er kann sich dann doch nicht aufraffen, hinaus in den grauen Tag zu gehen. Lieber lehnt er sich zurück und checkt seinen Instagram-Account.
Ein Kollege aus dem Rechtsschutz postet Fotos von sich, auf denen er wie Capital Bra aussieht. Na ja. Eine Freundin seiner Frau, die vergangenes Jahr in Rente ging, postet ein Foto, auf dem sie ihren Mann auf den Mund küsst. Irgendwie romantisch, aber auch ein bisschen unheimlich. Und da ist eine Anzeige von dieser Boutique.
Er sieht sich in ihrem Webshop Winterjacken an. Dann sieht er auf die Uhr. Er hat noch einen späten Termin und bis dahin würde er hier nur herumsitzen und die Zeit totschlagen. Und so eine Jacke probiert man besser an.
SOCIAL-MEDIA-LEUGNER GIBT ES ÜBERALL
Der Betreiber der Boutique A ist mit seiner fatalen Denkart kein Einzelfall. Sie begegnet mir ständig und auf allen Ebenen der Wirtschaft. Selbst bei Milliardenkonzernen, bei denen ich früher gedacht hatte, dass sie immer einen Finger am Puls der Zeit haben, weil sie wissen, dass sie nur so bleiben können, was sie sind: groß und mächtig.
Erst jüngst kam ich in Kontakt mit einem österreichischen Versicherungskonzern, einem der großen der Branche mit Sitz in einem imposanten Wiener Hochhaus. Der Social-Media-Auftritt des Konzerns war ungefähr auf dem Niveau einer mittelmäßig engagierten Privatperson. Die Zahl der Abonnenten des Facebook-Accounts lag etwa beim Doppelten der Mitarbeiterzahl und die Beiträge bekamen 15 bis 50 Likes.
»Versicherungen sind ein sehr persönliches Geschäft«, sagte einer der Vorstände, ein umgänglicher Manager der alten Schule, als wir ihn freundlich auf diese für uns offensichtliche digitale Baustelle des Konzerns ansprachen. »Soziale Medien sind auch nicht der Ort, an dem Menschen über so etwas Bedeutendes wie eine Versicherung entscheiden.«
Man kommuniziere deshalb fast ausschließlich über Werbung in klassischen Medien und über Plakatkampagnen, beides sei besser kalkulierbar. »Selbst wenn wir wollten, kämen wir in den sozialen Medien nicht weit«, sagte der Vorstand. »Versicherungen sind dafür einfach zu langweilig. Soziale Medien sind bestimmt für viele Branchen wichtig, vielleicht irgendwann sogar entscheidend, aber nicht für unsere.«
Sein Fazit.
»Soziale Medien bringen uns keinen Mehrwert.«
DER HOCHMUT DER UNWISSENDEN
Es verblüfft mich immer wieder, wie auch erfahrene und bisher erfolgreiche Unternehmer und Manager mit ihren Einschätzungen offensichtlicher Entwicklungen dermaßen falsch liegen können. Hier die acht Hauptargumente der Social-Media-Leugner noch einmal im Überblick, gereiht nach ihrer Häufigkeit:
Argument eins. »Soziale Medien sind für viele Branchen wichtig, aber nicht für unsere.«
Das ist ein Denkfehler, den ich besonders häufig und in allen Branchen antreffe. Die Vertreter dieser Philosophie denken, sie würden für die einzige Branche der Welt arbeiten, für die Social-Media-Aktivitäten keinen Sinn haben.
Es ist eine Art Hochmut der Unwissenden, den sie bald bitter bereuen werden. Denn es gibt keine einzige Branche, die in Zukunft ohne soziale Medien auskommen wird, egal, ob es sich um B2C- oder um B2B-Geschäfte handelt, also um Geschäfte mit Endverbrauchern oder um solche zwischen Unternehmen.
Meine Steuerberaterin gehört auch zu den Social-Media-Leugnern. Sie ist überzeugt, dass sie keinen Social-Media-Auftritt braucht. Sie hat genug Klienten und wenn einer ausfällt, stehen immer genug andere bereit.
Sie hat ein anderes Problem. Es besteht darin, gute junge Leute zu finden, um mit ihnen als Kanzlei zu wachsen. Die jungen Leute wollen nicht mehr arbeiten, denkt sie, dabei ist der Grund ein anderer. Welcher junge Mensch will schon bei einem Unternehmen arbeiten, das in seiner Welt, also in jener der sozialen Medien, gar nicht existiert? Und wie soll ein junger Mensch ein solches Unternehmen überhaupt erst finden?
Argument zwei. »Unsere Branche ist zu langweilig für die sozialen Medien.«
Es gibt keine langweilige Branche, sondern nur Unternehmen ohne Ideen. Meine Social-Media-Agentur betreut zum Beispiel die Accounts eines Herstellers von Pappbechern. Die sind auf den ersten Blick wirklich nicht besonders aufregend, doch bei näherem Hinsehen wird alles spannend. Wie und woraus werden Pappbecher hergestellt? Was für Pappbecher gibt es? Wie lassen sie sich einsetzen? Was kann man alles damit tun? Wie werden sie recycelt? Daraus lassen sich jede Menge Ideen ableiten. Schließlich sind Pappbecher etwas, mit dem jeder Mensch in seinem Leben zu tun hat, und mit dem viele Menschen auch Erinnerungen verbinden, an Konzerte oder an Partys zum Beispiel.
Unsere Pappbecher-Accounts sind ziemlich erfolgreich. Ebenso wie die Accounts eines Betonherstellers, die wir betreuen. Wer sich näher mit etwas befasst und neugierig und kreativ ist, findet zu jedem Thema spannende Infos, mit denen sich das Publikum in den sozialen Medien, im Fall des Pappbecher- und des Betonherstellers vor allem jenes auf Linkedln, fesseln lässt.
Mit Gefühl für den richtigen Nerv, etwas Charme und Humor können selbst vermeintlich trockene Themen und langweilige Produkte in den sozialen Medien vermarktet werden.
Versicherungen zum Beispiel sind im Vergleich zu Pappbecher- und Beton-Herstellern sogar richtig sexy. Gerade da gibt es immer Berührungspunkte mit dem täglichen Leben. Nehmen wir Menschen, die eine bestimmte Freizeitsportart mit bestimmten Risiken betreiben. Basejumping, Downhill-Biking oder Tiefschneefahren. Überall gibt es Communitys, denen gegenüber sich eine Versicherung als vertrauenswürdig präsentieren und sich damit im Gedächtnis verankern kann.
Ein Telekom-Unternehmer drehte einmal ein Video mit einem Trial-Bike-Star, der in halsbrecherischem Tempo und mit atemberaubenden Stunts durch Salzburg raste, Stiegen hinunter, Mauern hinauf, Simse entlang, und der dabei die Naturgesetze außer Kraft zu setzen schien. Das Trial-Bike-Video des Telekom-Unternehmens bekam dreißig Millionen Klicks und führte zu entsprechend vielen Besuchen der Website des Anbieters.
Auch eine Versicherung könnte über Videos fast unendlich viel Content produzieren, der zum Beispiel mit einem Hauch von zeitgemäßem Humor oder Nervenkitzel Kunden und potenziellen Kunden gefallen würde. Eine KFZ-Haftpflichtversicherung mit authentischen, kurzen Videoclips von unmöglichen Einparkversuchen zu bewerben, bringt viel mehr, als Tonnen von langweiligen Plakaten mit einfallslosen Slogans zu produzieren.
Argument drei. »Meine Kunden sind nicht in den sozialen Medien vertreten.«
Es ist kaum zu glauben, wie oft ich diesen Satz höre. Besonders in Zusammenhang mit Zielgruppen jenseits der Vierzig. Das ist natürlich völliger Schwachsinn. Auf Facebook zum Beispiel steigt der Altersdurchschnitt ständig. Es gibt keine gesellschaftliche Gruppe mehr, die nicht in den sozialen Medien vertreten ist. Abgesehen vielleicht von Strafgefangenen, die keine Handys haben dürfen, oder Angehörigen der Amischen, einer täuferisch-protestantischen Glaubensgemeinschaft, die den Fortschritt verweigert.
Argument vier. »Mit einem Online-Shop verliere ich den Kontakt zu meinen Kunden.«
Auch dieses Argument habe ich oft genug gehört und es ist längst durch Läden aller Branchen, die erfolgreich Webshops betreiben, widerlegt. Tatsächlich ist die Kombination eines bestehenden Ladens mit einem Webshop und einer Social-Media-Strategie die beste Möglichkeit, noch mehr Kunden zu finden, die persönlich kommen, zusätzlich Online-Umsatz zu generieren und so das Umsatzmaximum aus dem Geschäftsmodell herauszuholen.
Die Vorstellung, ein kleiner Laden, eine Boutique zum Beispiel, könnte seine Kunden vom Onlineshoppen abhalten, indem er keinen Webshop anbietet, ist ohnedies absurd. Wenn diese Kunden nicht bei ihrem Stammgeschäft online shoppen können, tun sie es eben woanders. Und dann sind sie am ehesten wirklich weg.
Argument fünf. »Der finanzielle Aufwand ist zu groß.«
Egal ob es sich um ein Start-up, einen Klein- oder Mittelbetrieb oder um einen Konzern handelt, der Trick, wie sich mit sozialen Medien Geld verdienen lässt, ist fast immer der gleiche.
Erstelle eine Website mit einem Webshop und bringe mit geeigneten Social-Media-Aktivitäten und einem überschaubaren, präzise eingesetzten Werbebudget Kunden dorthin.
Die dafür nötige Grundausstattung ist günstiger, als du vielleicht denkst. Eine solide Website mit einer überschaubaren Anzahl an Unterseiten kostet etwa 5.000 bis 8.000 Euro. Es geht auch noch günstiger, zum Beispiel kannst du dir mit diversen Website-Baukästen oder fertigen Themes von Wordpress auch selbst eine Seite bauen. Wichtig ist dabei immer, dass das Ganze nicht nur funktionell und nutzerfreundlich ist, sondern dass sich alle dort stattfindenden Aktivitäten möglichst genau messen und analysieren lassen. Wer sind die Kunden, die dort auftauchen? Woher kommen sie? Wie lange bleiben sie? Was sehen sie sich an? Wo bleiben sie dran? Wo steigen sie aus?
Ein kleiner, professioneller Webshop, der für 99 Prozent der Unternehmen zum Starten völlig ausreicht, kostet etwa 8.000 bis 12.000 Euro. Auch hier gibt es großartige Baukästen, die helfen, Kosten zu sparen, beispielsweise auf Shopify.
Steht der Webshop einmal, ist mit 2.500 Euro Monatsbudget (oftmals reicht sogar viel weniger) für Social-Media-Marketing schon sehr viel auszurichten. Ein Unternehmen, egal welcher Größe, das seit zehn, zwanzig oder dreißig Jahren existiert, kann sich so ein Digitalisierungspaket im Normalfall leisten, wenn es das will. Vor allem deshalb, weil das Geld bald wieder zurückkommt und sich von da an vermehrt.
Selbst wenn du gerade mit Null bei Null anfängst, gibt es immer einen erschwinglichen Weg, auch wenn du keine Ersparnisse hast und keine Oma, die dir das Geld leiht. Und sobald eine gewisse Reichweite und erste Umsätze vorhanden sind, kannst du auch überlegen, externe Geldgeber mit aufzunehmen, um deinen Shop zu einem richtigen E-Commerce-Business aufzubauen.
Argument sechs. »Wir haben bisher gut gelebt und werden es auch in Zukunft tun.«
Was für ein gefährlicher Irrtum! Wenn sich ein Unternehmen, egal welcher Größe und Branche, nicht intensiv und konsequent mit sozialen Medien befasst, liefert es sich selbst der Konkurrenz aus. Es wird irgendwann einfach nicht mehr mithalten können.
Wer in Zukunft kein Geld für Social Media ausgibt, bezahlt trotzdem dafür, und zwar mit entgangenen oder gar rückläufigen Umsätzen.
Das gilt auch für große und jetzt noch scheinbar mächtige Konzerne. Denn es kann immer ein junges Unternehmen kommen, das eine Geschäftsidee, zum Beispiel Versicherungen, mit einem innovativen Konzept neu und nur noch digital definiert. So wie es die etablierten Banken plötzlich mit Online-Banken zu tun bekamen, die kein Vermögen mehr für pompöse Zentralen, Filialen oder Fuhrparks ausgeben. Der Schaden, der Social-Media- und Digitalisierungs-Leugnern damit in Zukunft entsteht, ist viel höher als die Anfangskosten für eine clevere Social-Media-Strategie. Er kann sogar ruinös sein.
Ich verstehe dieses Argument vor allem deshalb nicht, weil die meisten Unternehmen schon jetzt bei jeder Monatsabrechnung merken müssten, dass sie ohne soziale Medien auf der Strecke bleiben. Sie stellen bloß im Kopf noch nicht den richtigen Zusammenhang her.
Nehmen wir einen Hersteller von Fenstern als Beispiel. Er steckt viel Kapital in Forschung und Entwicklung und seine Fenster werden bei konkurrenzfähigen Preisen immer besser. Seine Marketing- und Vertriebsleute sind erfahren und ihre Netzwerke wachsen, wie es sein soll. Er versteht deshalb nicht, warum sein Umsatz trotzdem nicht steigt oder sogar sinkt. Oder trotz der großen Investitionen nur langsam steigt.
Der Grund dafür ist, dass sich die Art und Weise, wie Menschen Kaufentscheidungen treffen, ändert. Ich beobachte das bei mir selbst. Wenn ich einen Installateur suche, dann google ich den Ort, an dem ich ihn brauche und das Wort »Installateur«. Dann sehe ich mir kurz die Online-Auftritte der Firmen an. Schließlich entscheide ich mich für die, die mir am professionellsten erscheint.
Erstens kann ich nicht wissen, ob das Unternehmen überhaupt noch existiert, wenn die Website einen steinzeitlichen Eindruck macht. Zweitens habe ich keine Lust, mich mit wirren und unübersichtlichen Websites zu befassen, weil das mühsam und frustrierend ist und drittens zweifle ich daran, dass jemand meine neue Regendusche mit Touch-Screen installieren kann, wenn er schon beim Einrichten einer brauchbaren Website scheitert. Genauso würde ich beim Kauf von Fenstern vorgehen.
Argument sieben. »Klassische Werbung ist besser kalkulierbar.«
Genau das Gegenteil ist der Fall. Klassische Werbung mag für Unternehmen wie Versicherungen, Telekom-Firmen, große Handelsketten oder politische Parteien noch ihre Bedeutung haben, doch hat sie gegenüber der Werbung in den sozialen Medien einige gravierende Nachteile. Einer davon ist ihre mangelnde Kalkulierbarkeit.
So zum Beispiel ist bei klassischer Werbung das Geld weg, sobald eine Kampagne einmal geschaltet ist, unabhängig davon, ob sie funktioniert hat oder nicht. In den sozialen Medien ist das anders. Werbung lässt sich dort inzwischen so einstellen, dass sie automatisch stoppt, wenn sie nicht angenommen wird. Sie lässt sich auch so einstellen, dass sie stoppt, wenn das Verhältnis zwischen den Werbeausgaben und dem dadurch erzielten Umsatz nicht mehr stimmt.
Wenn du in den sozialen Medien wirbst, weißt du immer, wie viele und was für Menschen deine Werbung wo, wann und wie lange sehen, wie diese Menschen darauf reagieren und zu welchen Umsätzen das führt. In diesem Buch wirst du noch erfahren, wie und warum. Bei klassischer Werbung weiß das alles niemand.
Argument acht. »Ich habe schon jetzt mehr als genug zu tun.«
Mehr als genug zu tun zu haben ist immer eine Momentaufnahme und nie eine Selbstverständlichkeit. Schon gar nicht in einer globalen Wirtschaft, die gerade Umbrüche wie noch nie erlebt. Wenn du dich auf deinem Status quo ausruhst, kannst du eines Tages aufwachen und merken, dass nichts mehr so wie früher ist. Dann ist es schwer, aufzuholen, denn auf einmal musst du den guten Zeiten hinterherlaufen. Alle, die rechtzeitig reagiert haben und schon mit den sozialen Medien Geld verdienen, sind dir voraus. Angenehm ist die Situation dann nicht, denn Investitionen, die du jetzt vielleicht noch aus der Portokasse tätigen könntest, werden dann immer schwieriger und über allem steht dann die Frage: Geht das überhaupt noch? Schaffe ich das noch? Oder geht mir vorher die Luft aus?
Sich auf dem Satus quo auszuruhen bedeutet zudem, auf Wachstum zu verzichten, und dagegen spricht ein ökonomisches Gesetz, das es auch schon gab, lange bevor im Jahr 1969 das US-Militär vier leistungsstarke Großrechner vernetzte und so das ARPAnet, den Vorläufer des Internets, startete. Es lautet:
Stillstand ist Rückschritt.
Schon den Status quo des Umsatzvolumens zu erhalten erfordert ein gewisses Maß an Weiterentwicklung und die Auseinandersetzung mit dem Markt, den Zielgruppen und dem Einkaufsverhalten. Unternehmerische Weiterentwicklung ist jetzt, inmitten der digitalen Revolution, synonym mit der Digitalisierung, und Digitalisierung bedeutet vor allem auch Geld verdienen mit den sozialen Medien.
Argument neun. »Soziale Medien bringen uns keinen Mehrwert.«
Selbst wenn ein Unternehmen keine zusätzlichen Umsätze mit den sozialen Medien generieren will, bieten sie ihm sehr wohl einen Mehrwert. Zum einen geht es um Image-Werte, deren Bedeutung schon der Fall meiner Steuerberaterin und ihrem Rekrutierungsproblem bei Nachwuchs-Talenten gezeigt hat. Außerdem findest du in den sozialen Medien Antworten auf unter anderem diese Fragen:
Wofür genau interessiert sich welche meiner Zielgruppen?
Worauf reagieren meine Zielgruppen und was ist ihnen egal?
Wie kann ich die Emotionen meiner Zielgruppen ansprechen?
Was wünschen sich meine Zielgruppen noch von mir?
Eine Versicherung zum Beispiel kann Antworten auf diese ganz konkreten Fragen finden:
Wer tut was in seiner Freizeit und geht damit welches Risiko ein?
Wer tut was beruflich und geht damit welches Risiko ein?
Das alles hat nichts mit heiklen Daten zu tun. Diese Daten gibt es einfach im Internet, und wer dafür bezahlt, kann mit ihnen arbeiten.
DIE GEWINNER UND DIE VERLIERER DER ZUKUNFT
Die sozialen Medien werden als wichtigstes Marketinginstrument der neuen Wirtschaft Gewinner und Verlierer produzieren. Die Gewinner arbeiten damit, die Verlierer ignorieren sie.
Zu welchen willst du gehören?
Die sozialen Medien gewinnen als Grundlage der Wirtschaft an Bedeutung. Die COVID-19-Krise hat gezeigt, wie sprunghaft diese Entwicklung sein kann.
In den kommenden zehn Jahren werden soziale Medien mehr Start-ups hervorbringen, als es die analoge Wirtschaft in den vergangenen fünfzig Jahren getan hat.
Digitale Unternehmen wie Amazon, die mit den sozialen Midden arbeiten, werden mächtiger werden und analoge Mitbewerber, die darauf verzichten, einfach ausradieren. Neue, frische Unternehmen junger Menschen, die binnen weniger Jahre dank der sozialen Medien aufpoppen, werden große, vielleicht hundert oder noch mehr Jahre zählende Tanker der alten Wirtschaft, die jetzt mit ihren bürokratischen, hierarchischen, verschachtelten und langsamen Strukturen noch vor Arroganz strotzen, überflüssig machen und ersetzen. Das wird die Verteilung des Wohlstandes innerhalb der Bevölkerung und damit die sozialen Strukturen, den Lebensstil, die Denkart, die Art zu konsumieren, das Straßenbild oder etwa die Steuergesetze völlig verändern. Eine Welt geht unter und eine neue entsteht. Viele haben Angst davor. Zu Recht, denn sie stehen auf der falschen Seite, die Veränderung verneint. Ich finde es aufregend, denn ich weiß, dass ich auf der richtigen Seite stehe. Wo stehst du?
Die sozialen Medien, die Digitalisierung insgesamt wird auch die geografische Verteilung des Reichtums beeinflussen. Derzeit verläuft sie im Wesentlichen entlang der Nord-Süd-Achse des Planeten, künftig werden die digitalisierten Länder, Regionen und Städte reich und die analogen arm sein, egal, wo auf der Welt sie liegen. Die einen werden zu glitzernden Hotspots aufsteigen, in den anderen werden die Lichter allmählich ausgehen.
Die Länder und Städte stellen jetzt gerade selbst die Weichen. Durch ihre Antworten auf diese zwei Fragen entscheiden sie, wo sie künftig stehen werden:
Wie gut ist die Bildungspolitik in unserem Land, unserer Region oder unserer Stadt?
Wie fördern wir digitale Start-ups und die Digitalisierung von Unternehmen in unserem Land, unserer Region oder unserer Stadt?
BILDUNG ENTSCHEIDET
Wer wo stehen wird, zeigt sich bereits. Die baltischen Staaten Estland oder Lettland lernen schon ihren Volksschulkindern programmieren und stellen für Start-ups gut dotierte Fonds und Förderprogramme bereit. Die Lichter der neuen Welt gehen dort bereits an, während es in Mitteleuropa dunkler wird. Deutschland und Österreich ruhen sich auf ihrem in den vergangenen Jahrzehnten erworbenen Wohlstand aus. Die Digitalisierungsförderungen für Start-ups und Unternehmen sind lächerliche Alibi-Aktionen. Hier fehlt es sowohl an Bewusstsein als auch an bereitgestellten Mitteln und Kreativität.
Ein Land, das die aktuellen wirtschaftlichen Entwicklungen richtig einschätzt, würde Förderungen nicht an bürokratische Bedingungen knüpfen, sondern etwa an Kennzahlen in den sozialen Medien oder auf den Websites.
Ab einer bestimmten Entwicklung der Social-Media-Accounts bekommen Start-ups und Unternehmen dann Fördermittel, um ihre Websites zu professionali-sieren, bessere Webshops zu errichten oder ihre Reichweite mit Ads zu skalieren.
Dazu kommt in Deutschland und Österreich ein veraltetes Bildungssystem. In welchem Zustand es ist, merke ich immer, wenn ich Mitarbeiter für meine Unternehmen suche. Ich finde in vielen Bereichen keine, die das können, was tatsächlich gebraucht wird. Es gibt viele leistungsbereite und engagierte junge Menschen, doch es fehlen ihnen die richtigen Kompetenzen. Selbst Absolventen von Fachhochschul- und Universitätsstudien zu digitalen Themen sind im professionellen und praktischen Umgang mit sozialen Medien ahnungslos. Das hat strukturelle Ursachen.
FRÜHER ANFANGEN
Jugendliche halten sich pro Tag durchschnittlich drei bis vier Stunden in den sozialen Medien auf. Schon die Kinder finden sich erstaunlich schnell mit deren Bedienung zurecht, was allerdings wenig bringt. Denn wer sich auf seinem Smartphone Katzenvideos und TikTok-Posts ansieht, lernt nichts dabei. Dass sie in den sozialen Medien nicht nur Konsumenten sein, sondern selbst kreativ etwas mit ihnen machen und schaffen können, lernen Kinder und Jugendliche in Mitteleuropa kaum. Sie haben keine Ahnung, wie sie diese Medien gestalten können, was sie aktiv damit machen können und welche Chancen sich für sie daraus ergeben können. Das ist so schade!
Oft brauchen junge, innovative Menschen nur etwas Inspiration oder ein Vorbild, um kreativ zu werden. Ich wäre begeistert gewesen, hätte ich in der Schule erfahren, was unternehmerisch alles mithilfe der sozialen Medien möglich ist. Doch die Schulen reden am ehesten von den »bösen« sozialen Medien, in denen ach so viel Unfug kursiert und die das Gehirn vernebeln.
Würden schon Kinder und Jugendliche lernen, was da alles geht, würden sich viel mehr von ihnen als Jungunternehmer versuchen. Ihre Eltern müssten sich deshalb keine Sorgen machen, denn auch für sie würde dieser goldene Grundsatz der sozialen Medien gelten:
Wenn etwas nicht funktioniert, spielt das keine Rolle.
Niemand verliert viel Geld. Niemand ist stigmatisiert.
Es geht dann nur um zwei Fragen:
Was habe ich dabei gelernt?
Womit probiere ich es als nächstes?
Es gibt bereits einige Gründer im Teenager-Alter, Schüler, die mithilfe der sozialen Medien Großartiges geleistet und der Wirtschaft einiges gebracht haben. Sie haben es aber nie wegen, sondern immer trotz unseres Bildungssystems geschafft. Sie könnten den Schulen als Inspiration für die nächste Generation dienen. Stattdessen machen ihnen ihre Lehrer oft Schwierigkeiten, weil sie mit ihrer Kreativität und Dynamik aus dem Rahmen fallen. In der österreichischen und auch der deutschen Lehrerschaft findet in den kommenden Jahren ein Generationenwechsel statt. Das ist eine Chance.
DAS DILEMMA DER FACHHOCHSCHULEN UND UNIS
Nachholen lässt sich das in der Schulzeit versäumte Wissen an Unis und Fachhochschulen auch nicht mehr so einfach. Wenn wir deren Absolventen bei uns in Graz zu Bewerbungsgesprächen einladen, tun sich Abgründe auf. Sie können philosophische Abhandlungen über Medienethik halten, aber wie sich mit den sozialen Medien Geld verdienen lässt, wissen sie nicht ansatzweise.
Zudem ist ihr Wissen meist drei bis fünf Jahre alt. In einem sich dynamisch entwickelnden Bereich wie dem der sozialen Medien sind drei bis fünf Jahre eine Ewigkeit. Ich habe Lehrbücher gesehen, mit Screenshots, die es so schon lange nicht mehr geben kann. Das ist etwa so, als würden Schüler an Landwirtschaftsschulen heute lernen, wie sich Felder mit Holzpflügen bestellen lassen.
Ich unterstelle den Universitäten und Fachhochschulen weder Ignoranz noch Unfähigkeit. Den meisten ist das Problem mangelnder Aktualität und Praxisbezogenheit ihrer Ausbildungen bewusst und sie versuchen ihr Bestes, es zu lösen. Sie kommen zu Unternehmern wie mir und laden sie als Vortragende ein.
Ich habe einige dieser Einladungen angenommen, bin aber zurückhaltend geworden. Der Zeitaufwand ist groß, die Stundensätze sind niedrig und das ganze Bildungssystem ist so aufgesetzt, dass auch ausgeprägtes unternehmerisches Sendungs- und Verantwortungsbewusstsein kaum auf fruchtbaren Boden fällt.
Der Grundfehler besteht darin, digitale Studienrichtungen genauso aufzusetzen wie ein Studium der Rechtswissenschaften oder der Betriebswirtschaftslehre. Bei letzteren beiden Studienrichtungen funktioniert das System. Hier ändern sich die Inhalte nur langsam und auf vorhersehbare Weise. Es hat deshalb Sinn, theoriebezogen zu lehren.
Doch Facebook, Instagram, YouTube oder Pinterest brauchen nur ihren Algorithmus zu ändern, und schon müssen alle Lehrbücher über Social-Media-Marketing neu geschrieben werden. Die Ausbildungen hier müssen deshalb viel flexibler, dynamischer und vor allem viel praxisbezogener sein.
Wir haben inzwischen notgedrungen unser eigenes dreimonatiges Trainee-Programm in Form einer Akademie entwickelt, mit Kursen, die vor Ort bei uns in Graz und online stattfinden. Wir bilden damit nicht nur unsere eigenen Leute aus und fort, sondern auch die Social-Media-Manager der Unternehmen, die wir betreuen.
In Zukunft werden wir diesen Kurs und die damit verbundene Ausbildung zum Social-Media-Manager auch entgeltlich anbieten. Das ist für mich eine bessere Art, unternehmerisches Sendungs- und Verantwortungsbewusstsein auszuleben, als an etablierten Bildungseinrichtungen zu lehren. Außerdem habe ich dabei immer die Perspektive, die alle Unternehmer im Social-Media-Bereich bei all ihren Projekten haben: Wer weiß, was aus unserer kleinen Akademie noch alles wird.
WER ICH BIN
Ich habe mich im Learning-by-doing-Verfahren mit dem Geldverdienen in den sozialen Medien vertraut gemacht. Dass ich jetzt andere Unternehmer bei ihren Social-Media-Auftritten betreue, ist fast so etwas wie eine Lebensaufgabe für mich. Denn schon als Schüler einer Höheren Technischen Lehranstalt (HTL) in Kaindorf an der Sulm fiel mir auf, dass es viele geniale Ideen gibt, die sich nicht durchsetzen, weil es ihre Erfinder nicht schaffen, Geld damit zu verdienen. Das kann doch nicht sein, dachte ich mir bereits mit 18 und erahnte in der Finanzierung beziehungsweise Monetarisierung solcher Ideen einen Markt.
Noch vor meinem Schulabschluss, in den letzten Sommerferien, gründete ich mit meinem Sitznachbarn ein Unternehmen, mein erstes von bisher insgesamt zwölf. Mein Zeugnis über den Abschluss der fünften HTL-Klasse habe ich bis heute nicht abgeholt, weil ich an dem Tag beruflich zu tun hatte. Wir befassten uns mit der Versorgung von Gebäuden mit selbstproduzierter Solarenergie in Form von Strom, mit Photovoltaik-Anlagen also. Diese Industrie boomte damals aufgrund großzügiger, staatlicher Förderungen.
Wir recherchierten intensiv alle damals teilweise noch neuen und für Grundstückseigentümer oft schwer nachvollziehbaren Förderdetails und sprachen mit potenziellen Interessenten und Investoren. Dank unseres Engagements und unserer technischen Expertise in Sachen Photovoltaik, die wir in der HTL mitbekommen hatten, bekamen wir unsere ersten Aufträge. Im Grunde ging es uns darum, in Kenntnis der Förderrichtlinien und versteckter Kosten die Rendite solcher Anlagen exakt festzustellen und anschließend zu optimieren.
Irgendwann bekamen wir den Auftrag, ein Bürgerbeteiligungsmodell für so eine Photovoltaik-Anlage zu konzipieren. Für uns war es naheliegend, das über eine Website zu organisieren, auf der sich interessierte Kleininvestoren anmelden konnten. Schließlich waren wir zu zweit und hatten gar nicht die Ressourcen, ein solches Projekt ohne digitale Unterstützung zu organisieren. Ein paar Zeitungen berichteten darüber und wir konnten unser Modell fünf Gemeinden präsentieren.
Nachdem wir binnen eines Monats rund 300.000 Euro für die Finanzierung von Photovoltaik-Anlagen gesammelt hatten, wies uns jemand darauf hin, dass es sich bei unserem »digitalen Modell« um keine Bürgerbeteiligung, sondern um »Crowdfunding« handelte. Crowdfunding? Wir hatten schon davon gehört, wussten aber nicht genau, was das sein sollte. Wir googelten den Begriff und stellten fest, dass der Hinweis stimmte. Was wir machten war tatsächlich eine Art von Crowdfunding.
Von nun an kümmerten wir uns um die Finanzierung aller möglichen guten Ideen mittels Crowdfunding. Es ging um einzelne Hallen für expandierende Firmen oder um junge Start-ups mit guten Ideen. Wir spezialisierten uns auf nachhaltige Projekte, erneuerbare Energien, Umwelt, Mobilität und Gesundheit und nannten die Plattform, über die wir das alles abwickelten, GREEN ROCKET.
Wenn du Ambitionen und Visionen entwickelst, die nicht alle verstehen, stößt du immer auch auf Missgunst. Oft genug hörte ich, wie dumm es wäre, an solchen Projekten zu arbeiten. Crowdfunding, das sei ein Minderheitenprogramm, und wenn es doch funktionieren würde, würde es bald hunderte andere Anbieter geben und wir beiden blutjungen Anfänger würden untergehen. Und dann auch noch so eine Nische wie Nachhaltigkeit. »Besser, ihr lasst es gleich bleiben«, sagten uns die meisten.
Du wirst als sehr junger Gründer nicht gerade unterstützt, vor zehn Jahren noch viel weniger als heute, und es war nicht leicht, das alles zu ignorieren. Aber wir blieben dran, und zwar mit einer Ansage gegenüber möglichen Partnern, Auftraggebern und Kunden, die gut funktionierte und die ich dir, wenn du dein unternehmerisches Glück jetzt in den sozialen Medien versuchst, ans Herz legen möchte:
»Wir haben kein Geld, aber wir haben eine Idee, für die wir brennen. Und in Zukunft werden wir auch Geld haben.«
Langsam kam alles ins Rollen. Unser unschuldiges Erscheinungsbild und unser jugendlicher Charme, beides kombiniert mit dieser Ansage, halfen uns. Doch vor allem brachten uns unsere Begeisterung für unser Vorhaben, unser Mut und unsere akribische, ausdauernde Arbeit weiter.
Als wir zum Start von GREEN ROCKET auch noch ein Foto des damaligen österreichischen Umweltministers, Nikolaus Berlakovich, samt Statement und Interview auf der Startseite unserer Website vorweisen konnten, war für einen Raketenstart alles perfekt. Wir hatten nun eine Art Trust-Siegel, mit dem Startup SunnyBAG einen coolen, ersten Kunden und wie die vergangenen Jahre gezeigt haben, hat sich Nachhaltigkeit durchgesetzt.
Damals waren auch viele sogenannte »Hipster-Startups« entstanden, über die mittlerweile niemand mehr spricht und die inzwischen so gut wie alle pleite sind. Die nachhaltigen Firmen, um deren Finanzierung wir uns kümmerten, sind vielleicht nicht binnen Monaten oder Jahren auf das Hundertfache ihres Wertes explodiert, aber zu neunzig Prozent gibt es sie noch immer und eine ganze Menge Menschen leben von ihnen. Bis heute haben wir mehr als 30.000 Investoren über das Internet gewonnen und sind mit insgesamt mehr als neunzig Millionen Euro an Investments in Österreich der größte Betreiber von Crowdfunding-Plattformen. Wir finanzieren mittlerweile nicht nur Start-ups, sondern über HOME ROCKET auch Immobilienprojekte und Wachstumsvorhaben etablierter Unternehmen über LION ROCKET.
EIN VERSPRECHEN
Menschen haben großartige Ideen, aber sie werfen nichts ab, was wirklich schade ist. Diese Einsicht war auch mein Antrieb, als wir anfingen, Unternehmen nicht nur über Crowdfunding, sondern auch über die Beratung im Social-Media-Geschäft mit Geld beziehungsweise Kunden auszustatten. Wie verdiene ich mit einer guten Idee echtes Geld? Diese Frage beschäftigte mich weiterhin und in den sozialen Medien fand ich eine Fülle von Antworten darauf.
Ich weiß, dass Firmen immer noch analog entstehen oder funktionieren können, aber sie werden es nicht mehr lange tun.
Ich habe dieses Buch auch geschrieben, um dir in der neuen spannenden Welt des Geldverdienens mit Facebook, Instagram, YouTube und Co. einen Vorsprung zu geben.
Es enthält das Grundwissen, das ich so ähnlich bei meinen Vorträgen an Universitäten und Fachhochschulen zu vermitteln versuche, das wir in unserem dreimonatigen Trainee-Programm an unserer eigenen Akademie vermitteln und das wir an die Social-Media-Manager der Firmen, die wir betreuen, weitergeben.
Wir werden im Rahmen dieses Buches keinen Tiefgang ins Social-Media-Marketing machen und komplexe Tabellen, Formeln und Screenshots aus Werbekonten behandeln. Das wäre einerseits zu umfangreich und andererseits ist ein Buch auch nicht das ideale Medium dafür. Vielmehr bekommst du das Wissen vermittelt, um zu erkennen, welche Art des Social-Media-Marketings für dich geeinget ist und wo sich überhaupt ein Tiefgang für dich auszahlt.
Dieses Grundwissen ist leicht verständlich, leicht anwendbar und öffnet die Tür zu dieser neuen Welt. Wenn du durch sie trittst, wird dich das von vielen Sorgen befreien, die du vielleicht hast, und dir deine wirtschaftliche Zukunft als etwas zeigen, das du selbst in der Hand hast.
Zwei Dinge ermöglicht dieses Buch:
Erstens.
Du kannst noch am selben Tag, an dem du es liest, mit der Gründung deines eigenen Social-Media-Unternehmens anfangen und du brauchst dafür nichts weiter als einen Internetzugang – dein Smartphone reicht völlig aus. Wenn du noch keine Idee für dein eigenes Social-Media-Unternehmen hast, kann dich dieses Buch anhand der darin genannten Beispiele zu einer inspirieren.
Zweitens.
Wenn du schon ein analoges Unternehmen hast oder leitest, egal welcher Größe, kannst du noch am selben Tag, an dem du dieses Buch liest, die Strategie für dessen Digitalisierung entwerfen und ohne weiteren Zeitverlust die ersten Schritte dabei setzen. Du musst dafür nur wissen, was genau du mithilfe der sozialen Medien erreichen willst. Du musst wissen: Was ist mein Ziel? Auch dabei wird dich die Lektüre dieses Buches inspirieren, indem es dir neben möglichen Zielen auch verschiedene Wege, deine Ziele zu erreichen, anbietet.
Was immer du in den sozialen Medien vorhast: Es ist höchste Zeit, damit anzufangen, aber es ist noch nicht zu spät. Glaube daran und bleibe flexibel! Es kann deine Zukunft sichern und es wird ein faszinierendes Abenteuer sein. Ich wünsche dir viel Erfolg dabei und viel Spaß beim Weiterlesen!
DIE SOZIALEN MEDIEN IM TEST
Geld verdienen mit den sozialen Medien – aber mit welchem Medium? Was bringt mehr, die Klassiker wie Facebook, Instagram und YouTube, oder doch die Hidden Champions wie Pinterest oder Linkedln? Ein Überblick, der dir die Wahl erleichtert.
Am Beginn jeder Social-Media-Strategie muss diese Frage stehen:
Welches soziale Medium passt am besten zu meiner Idee?
Mit welchem zweiten könnte ich es kombinieren?
Die folgende Analyse hilft dir, die richtige Wahl zu treffen.
DIE STÄRKEN UND SCHWÄCHEN VON FACEBOOK
2004 gegründet, ist Facebook so etwas wie die Mutter aller sozialen Medien. In den vergangenen Jahren hat sich die Plattform zu einem Milliardenkonzern entwickelt.
Interessanterweise finden sich unter den stärksten Facebook-Accounts einige Unternehmen. Platz 1 hält mit rund 210 Millionen Likes Facebook selbst, auf Platz 2 liegt Samsung mit rund 160 Millionen und Platz 5 hält Coca Cola mit 107 Millionen Likes. Doch abseits dieser Gigantomanie gibt es auch hunderttausende User, die laufend gute Geschäfte mit Facebook machen. Facebook ist zu einer Art riesigem Marktplatz geworden, zu einer Industrie, von der auch du profitieren kannst, wenn deine Idee dorthin passt.
Hier sind die Vor- und Nachteile von Facebook, die du kennen solltest.
Vorteil eins. Facebook hat die meisten User. 2,5 Milliarden sind es, die zumindest einmal im Monat auf der Seite sind. Das bedeutet, dass du nirgends so viele verschiedene Menschen quer durch fast alle gesellschaftlichen Gruppen erreichen kannst wie hier.
Vorteil zwei. Facebook hat die kaufkräftigste Community. Die User sind entsprechend ihrer großen Zahl bunt gemischt, bloß ein Trend zeigt sich deutlich: Auf Facebook sind eher beziehungsweise auch die älteren Generationen zu finden. »Älter« ist dabei relativ, denn gemeint ist die Altersgruppe ab 35 Jahren. Diese Gruppe entwickelt sich gerade zur Kernzielgruppe von Facebook.
Das bedeutet auch, dass Facebook-User im Schnitt kaufkräftiger sind als die User von sozialen Medien wie Instagram, wo der Altersschnitt niedriger ist. Wer also Wellness-Urlaube, edle Weine oder Elektro-SUVs verkaufen will, ist bei Facebook gut aufgehoben, wer Gaming-Apps, Nachhilfeunterricht oder einen Club promoten will, wird hier alleine nicht die besten Ergebnisse erzielen.
Vorteil drei. Facebook hat die meisten Werbemöglichkeiten. Die große Zahl der User ermöglicht es Facebook, sie in viele kleine Zielgruppen zu unterteilen und dementsprechend vielfältige Werbemöglichkeiten anzubieten. Diese Zielgruppen lassen sich klar definieren. Denn Facebook weiß dank der Datenspuren, die User unaufhörlich hinterlassen, relativ genau, was sie denken, was sie mögen, was sie gerne kaufen und wie sie ihre Freizeit verbringen.
Dieses Wissen stellt Facebook nicht nur Firmen wie einst Cambridge Analytica zur Verfügung, die damit Wahlen beeinflussen. Ein großer Teil dieses Wissens ist auch dir zugänglich, wenn du auf Facebook Reichweite aufbauen und sie zu Geld machen willst.
Der Betreiber von Boutique A zum Beispiel könnte sagen: Ich will alle Männer ansprechen, die sich im Umkreis von 300 Metern meiner Boutique befinden, 35 bis 65 Jahre alt sind, ein überdurchschnittliches Monatseinkommen beziehen und tendenziell Markenware mögen.
Facebook überträgt diese Möglichkeiten auch automatisch an sein Tochterunternehmen Instagram, da sich auf Instagram nur über ein eigenes Facebook-Werbekonto Anzeigen schalten lassen. Großes Alleinstellungsmerkmal von Facebook ist also, ein wirklich effizientes und mächtiges Werbeanzeigen-Tool zu sein.
Vorteil vier. Facebook eignet sich für Marktforschung. Die Plattform ist beim Geldverdienen mit sozialen Medien auch deshalb ein »Must-Have«, weil du damit deine Produkte perfekt testen kannst. Bei BËRGSTEIGER zum Beispiel konnten wir via Facebook herausfinden, wer die Menschen sind, die Eispickel-Armbänder kaufen. Wie alt sind sie? Sind es eher Männer oder Frauen? Leben sie eher in Städten oder am Land? Wie viel verdienen sie? Was für Vorlieben abseits des Bergsteigens haben sie noch? Um welche Zeit sind sie am besten erreichbar? All diese Informationen helfen dir dabei, deine Facebook-Werbung Schritt für Schritt effizienter zu machen und damit die Ausgaben zu senken und die Einnahmen zu steigern.
Wenn du solche Informationen haben willst, definierst du einfach einige Test-Kampagnen, beobachtest, welche am besten funktioniert, experimentierst herum, bis du weißt, wer und wie deine Kunden sind und sprichst sie dann mit maßgeschneiderten Kampagnen im großen Stil an.
Bei diesem Experimentieren wirst du einige Überraschungen erleben. Bei der ersten BËRGSTEIGER-Kappe zum Beispiel konzentrierten wir uns zunächst auf Männer. Bis wir dank Facebook bemerkten, dass rund sechzig Prozent der Kappen Frauen kauften, vermutlich als Geschenk für ihre Partner. Ein BËRGSTEIGER-Perlenarmband wiederum kauften vor allem Männer. Wir änderten die Einstellungen unserer Facebook-Werbung dementsprechend und konzentrierten uns dabei auf das jeweilige Geschlecht.
Beim Experimentieren ist allerdings wichtig, dass du so viele Zielgruppen wie möglich definierst und separierst, da du bei einer zu breiten Definition falsche Schlüsse ziehen könntest. Wenn du beispielsweise mit deinen Accessoires Frauen zwischen 18 und 35 Jahren ansprichst, legst du nicht diese Altersspanne, sondern idealerweise mehrere Gruppen innerhalb dieser Altersspanne an: 18 bis 22 Jahre, 23 bis 27 Jahre, 28 bis 32 Jahre. So liest du nicht nur schneller Tendenzen ab, sondern kannst auch erfolglose Gruppen deaktivieren, ohne den Rest zu beeinflussen.
Vorteil fünf. Facebook wächst weiter. Gerüchte darüber, dass es sich nicht mehr lohnt, in Facebook zu investieren und dass die Plattform ihre große Zeit hinter sich hat, sind falsch. Facebook wächst und hat definitiv Zukunft. Es ändert sich vielleicht die Verteilung der User in den Altersgruppen, da sich immer mehr ältere Nutzer dort wiederfinden (und auch einige Kinder vor ihren Eltern flüchten, wenn die sich auf Facebook registrieren), nicht aber die grundsätzliche Popularität der Plattform.
Vorteil sechs. Die Benutzung ist relativ einfach. Das Gestalten und Hochladen von Bildern, Videos und Texten kriegt wirklich jeder hin, der das will. Wenn du einen Facebook-Account betreibst und dabei zunächst auf die (mittlerweile stark eingeschränkte) organische Reichweite setzt, musst du nur wenige Grundsätze berücksichtigen. Der wichtigste lautet: Poste regelmäßig, also zum Beispiel zwei- bis dreimal die Woche. Auf diese Weise nimmt dich der Algorithmus eher wahr und spielt deine Posts an mehr Menschen, die deiner Seite folgen, aus.
Was nicht bedeutet, dass mehr Facebook-Posts immer auch mehr Reichweite bringen. Der Facebook-Algorithmus ist so programmiert, dass er die Reichweite deiner einzelnen Posts wieder herunterfährt, wenn du aus seiner Sicht zu viele Inhalte postest, auf die niemand reagiert. Der Algorithmus will schlussendlich den Usern jene Inhalte liefern, die am besten zu ihren aktuellen Bedürfnissen passen, da sein Ziel ist, die Verweildauer auf Facebook und die Zufriedenheit der Nutzer zu verbessern.
Бесплатный фрагмент закончился.
