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Das Beste von
Wilhelm Rudnigger

ISBN 978-3-9904-0352-5

Wien – Graz – Klagenfurt
© 2010 und 2015 by Styria Regional Carinthia in der Verlagsgruppe Styria GmbH & Co KG
Alle Rechte vorbehalten.
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Umschlaggestaltung: designation – Jürgen Eixelsberger
Buchgestaltung: Satz & Design Fellner
1. digitale Auflage: Zeilenwert GmbH 2015
Inhalt
Cover
Titel
Impressum
Vorwort
Orthographie
Länge und Höhe
Kane Leut
Wer tumm fragt
Gstatt da Tramway
Wahre Liebe
Die schlauen Viecher
Da Spiagl und da Plentnbauer
Das Alibi
Die Kuckucksuhr
Da Ziaglaufzug
Heut nit!
Das Mittl
Zeit laßn
Redefluß
In da Schul
Fliederfarben
Schwerarbeit
Scharfer Hund
Da Supa-Compjuta
Petri Heil
Der Sorgenträger
Telewischn
Zu spat
Was ist ein Ästhet?
Aufn Volksfest
Unglaublich
Da Möblhändla Bretterspahl
Werkzeuge
Wurmstichig
Dreimal
Aufstehn!
Da klane Nante
Dressur
Ka Angst
Falscher Verdacht
Kriagsgefahr
Michi
Abholung
Da Sepp zur Tante
Da Reindlingtaag
Aufgeklärt
Macht nix
Karli
Zacharias
Umgekehrt is ah was wert
Ausred
Da Schualabua
Jeder will leben
Die Imkerin
Trugschluß
Nepomuk
Wo kummt das vur?
Ypsilon
Quicki
Vom Sehgn aus
Hias
Frieder
Da Irgl hat graft
Ulrich
Die Glückwunschturtn
Wildsau
Für das hams Geld
Alte Bibl
Technisch perfekt
Fruahstuck
Papiere
Musik im Blut
Sprichwort
Die Valobung
Platonische Liebe
Ham durchn Wald
Da Brentla
De Liab
Das Bußlnterfn
Na und?
Ehekrach
Belesnheit
Mit Nachdruck
Programm
Blöde Witz
De Rewantsch
Das Ultimatum
Wenn’s paßt
A rauchn deine Küah?
Das Intervjuh
Das Klarinettntöggarle
Bsoffna ham
Garantie
Noblball
Trinkspruch
Da neiche Traktor
Das Problem
Da ah nit!
Eierausstellung
Durschtstreckn
Die heutige Jugend
I ah nit
Rohrbruch
Zapfnstreich
Der fleißige Maurer
Freiwillige vor!
Der Gaskassier
Ober, zahlen!
Blitzfuhr
A Irrtum
Gruppenfoto
Das prblsprikle Krtlkruk
Dienstfahrt
Bildhauer
Wiaso denn blind?
Die Oma im Auto
Da Autoschlüssl
Tennis
Der Mund
Die Nervn
Die Antogsfliagn Summsale
Du Esel du!
Ohne Wiederkehr
Komisch
Die betrogene Hummel
Harmlos
Die Katze
Die Libelle
Bremsn
Die schreckliche Lindwurmballade
Die eingebildete Muckn
Da Wüstnkönig
Das Nashorn
Verwechslung
Auch
Die Schneckn
Da klane Sturch
Langweil
Da Tausndfüaßla
Gänseblümchen
Klatschmohn
Löwenmaul
Sonnenblume
Tausendguldenkraut
Tollkirsche
Unkraut
Veilchen
Vergißmeinnicht
Der Amtsschimmel
Der Atompilz
Das Benzinroß
Der Blechsalat
Der Hausdrache
Der Salonlöwe
Die Schraubenmutter
Das Stimmvieh
Die Zeitungsente
Weggespült
Ersatz
Notlösung
Sitzgelegenheiten
Rätsel
Zahlenspielerei
Ausweg
Fehlzüchtung
Das kleinere Übel
Mischmöbel
Gewehrputzen
Erholungslied
Das exklusive Blatt
Konserven
Weiche Währung
Skurillos Grabspruch
Amtlich
Außerdem
Gar nicht nett
Scheiben
Spaltung
Akustische Relativität
Da Weihnachtsstern
Betlehem
Gott
Wie lieb’ ich
Morgenfrühe
Nachtwunder
Mond auf dem Schnee
Lebenslust
Kleine Blume
Horch, im Hochwald
Ich und du
Der Verliebte
Märchen
Der Frühschoppen
Zum Autor
Fußnote
Vorwort

Wilhelm Rudnigger war ein Sprachkünstler. Als solcher ruft er sich – auch – über drei Jahrzehnte nach seinem Tod – immer wieder in Erinnerung. Seine Mundartgedichte sind zeitgemäß und werden es auch bleiben, solange man Dialekt spricht. Für mich ist er wahrer Meister im Erzählen von Geschichten, die er – oftmals als bekannte Witze aufgeschnappt – in unverwechselbare Reimformen gegossen hat, um sie so für die Nachwelt aufzubewahren.
Der augenzwinkernde Schelm wechselt sich mit dem „Erdenker“ von Wortspielen ab, der diese Spiele manchmal gekonnt skurril betreibt – dahinter liegt immer reife Weisheit.
Hinter der Person Wilhelm Rudnigger verbirgt sich ein genialer Beobachter, der sein Ohr stets ganz nahe an den Menschen hatte, der ihre alltäglichen Gespräche und Erzählungen in sich aufnahm, um sie ihnen später wieder zurückzugeben. Über dieses besondere Geschenk dürfen wir uns auch heute noch freuen. Und weil es in seinen Geschichten immer „menschelt“, werden sie unvergessen bleiben.
Selbst in nur vier gereimten Zeilen gelang es ihm, eine vollständige Geschichte zu erzählen, die klare Wahrheit mit Witz zu verbinden vermag („Ohne Wiederkehr“). Das klingt so einfach und ist so schwer. Die legendären „Blumengebete“ einerseits, humorvolle Kurzszenen, Mundartgedichte oder Paradoxa andererseits lassen es nicht zu, dass man Wilhelm Rudnigger in eine Schublade stecken kann, zu vielseitig war sein Schaffen.
Es ist tröstlich, dass ein so begnadeter Künstler seine Begabung niederschrieb – durch diesen Sammelband weilt er weiter in unserer Mitte …
Oskar (Ossi) Huber
Orthographie
Da Brucknputzpepe, a anfacher Bursch,
der sagt zu sein Freund, dem Schlapfnschupfschursch:
„Du, Schurschl, paß auf! I hab a Idee!
In da Freizeit, da langweiln mir bade uns eh –
mir bestelln uns a Gwehr, mir wern nit lang wartn,
und schiaßn dann Scheibm bei uns zhaus im Gartn!“
„A prima Idee!“ sagt da Schursch zu sein Freund –
worauf sie schon bade beim Briafschreibn seind.
„Wir bestellen hiermit zum Sport ein Gewehr …“
Da Pepe halt inne und denkt hin und her.
„Gewehr …? Du, schreibt ma´s, du waßt es ja eh –
mit an reinen E oder mit Umlaut-Ä?“
Da Schursch sagt: „Mit Umlaut! Hurch nur: Gewärr!“
Da Pepe sinniert und übalegt sich´s ganz schwer,
dann sagt er: „Das Umlaut, i laß es doch bleibm!
I man, i wer´s liaba mit reinem E schreibm!“
Da Schursch aber kämpft (fast wia mit´n Messer):
„Na! Umlaut-Ä schreib; werst sehgn, das is besser!“
Und so streitn de zwa wegn dem Wörtlan „Gewehr“
zwa volle Stundn lang hin und her.
Drauf mant da Seppl, nach de zwa Stundn:
„I hab hiatz a bessare Lösung gfunden!
Anstatt dem, Gewehr’, da schreib i, Flinte’!“
Schon taucht er sei Feder hinein in die Tinte
und sagt: „Waßt, ,Flinte’, das waß i genau,
schreibt ma garantiert mit an Vogl-Vau!“
Länge und Höhe
Da Brucknputzpepe lahnt a Later zan Haus
und packt aus an Packtlan a Maßbandle aus.
Ganz untn bei der Later, da heftet der Mann
den Maßbandlanfang mit an Reißnagl an.
Dann steigt er von Sprossn zu Sprossn empor –
an Reißnagl, an zweitn, holt er oben hervor
und heftet das Maßband aufn Laterspitz an …
Da Schlapfnschupfschurschl kummt hiatz grad heran
und sagt dann zum Pepe: „Was machst denn da, Sepp?“ –
„Die Later miß i ab, das siehgst doch, du Tepp!“
„Klar siehg i´s! Aber, waßt du, du machst das extrem!
Leg die Later aufn Bodn, dann geht´s Messn bequem!“
Da Brucknputzpepe denkt kurz amol nach,
dann sagt er zum Schurschl: „Geh, mach mi nit schwach!
Leg i die Later aufn Bodn, hab i di Länge wohl gwiß,
aber i möcht ja wissen, wia hoch daß sie is!“
Kane Leut
Da Brucknputzpepe war a Wal bei der Post
und hat durt die Freudn und Leidn auskost …
Auf an Sunntag, da ladet er urntlich und fein
auf da Bahnpost untn Paktlan ein.
Er schwitzt und rennt als wia a Narr,
und die Paktlan wern halt gar nit gar.
Bei da Tür vom Postamt, im Parterr,
steht ein Adjunkt – ein hoacher Herr –,
der schaugt, ob wohl da Pepe fein
die Packtlan urntlich ladet ein.
Und drobn beim Fenster im erstn Stock,
da steht im neuen blauen Rock
da Kontrollor – der legt drauf Wert,
daß der Adjunkt, so wia sich´s ghört,
genau schaugt, ob da Pepe fein
die Packtlan urntlich ladet ein.
Im zweitn Stock beim Fenster stehnd
a Inspekta und a Revident –
de übazeugnt sich mit die Augn,
daß ja der Kontrollor tuat schaugn,
ob der Adjunkt drauf streng legt Wert,
daß auch, so wia si sich´s halt ghört,
am Bahnsteig durt da Pepe fein
die Packtlan urntlich ladet ein.
Da Pepe geht dawal, uh mein!
vur lauter Arbeit völlig ein –
er schwitzt und rennt als wia a Wiesl,
aber helfen tuat ihm niambt a bißl …
Im Gegenteil: Der Herr Direkta
schielt auße, ob wohl der Inspekta
und ebenso der Revident
mit Eifer auf der Lauer send,
daß auch der Kontrollor gibt acht,
ob der Adjunkt darüber wacht,
daß auch der Pepe brav und fein
die Packtlan urntlich ladet ein …
Da Pepe setzt sein Ehrgeiz dran
und eilt und schuftet, was er kann!
Hiatz pfeift der Zug. Er macht an Ruck!
Zwa Packtlan bleibm am Bahnsteig zruck!
Der Zug werd klan und immer klaner –
dem Pepe zittarn alle Baner –
er fluacht: „Was mi das Nervn kost,
weil kane Leut sein bei da Post!“
Wer tumm fragt
Da Plentnbauer in da Stadt
is in an Gschäft. Durt tuat er grad
a Gschenk aussuachn für sei Alte. –
Oft is er schon splendid, da Valte!
Und endlich hat er ah was gfundn.
Das Packtle werd schean zsammgebundn
von da Vakäuferin. Einstweiln
betrachtet er die saubre Fräuln
und so zur Gaude fragt er dö:
„Was wündschaten sich eigentlich Sö,
wann Sö mei Frau warn?“ Mant drauf sie:
„Was i mir nachher wündschat? Ih?“
Sie schaugt den Plentnbauern an
und sagt zu ihm: „An andern Mann!“
Gstatt da Tramway
Da Plentnbauer mit viel Gschnauf
steigt auf an alten Esl auf
(daß ers derpackt hat, is a Glück!)
und hat an zweitn auf an Strick.
Das is in Annabichl gwesn.
I bin beim „Bluamanstöckl“ gsessn,
siehg das, laf hin und frag den obn:
„Was tuast denn du am Esl drobn?“
Er gibt zur Antwort: „Waßt ja eh!
Ka Tramway mehr! Und bei dem Schnee
wer i nit z’ Fuaß zan Bahnhof hatschn!“ –
,Der is noch blöder wia zwa Watschn,
den brauch i nit amol bedauern!’
denk i – und sag zum Plentnbauern:
„No, tuast halt mit an Esl reitn!
Aber sag: zu was brauchst dann den zweitn?“
Und drauf sagt er: „Frag nit so dumm!
Am Heiligngeistplatz steig i um!!“
Wahre Liebe
„Ah, Plentnbäurin – Waschtag heut?“
schreit übarn Zaun die Adelheid,
die Nachbarin – und schon stehns zsamm,
weil sie sofort was z’ratschen ham!
Sie reden von die schlechten Zeitn!
Und in der Näh und in der Weitn
werd jede Freundin, de sie wissn,
im Plauderton mitn Mundwerk zrissn!
Dann redns a Weile noch vom Wetter –
und nachher landens bei die Lötter!
„Mei Alter“, sagt die Adelheid,
„der hat für mi fast gar ka Zeit!
Rein jeden Abend geht er aus
und kummt zmeist in da Fruah erscht zhaus!“
Die Plentnbäurin sagt: „Ah – meiner,
der is da nit a so wia deiner!
Der denkt auf so was nit im Tram,
und er bleibt mir alle Tag daham!“
„Oooh!“ sagt die Adelheid da drein.
„Das muß die wahre Liewe sein,
so wia sie steht im Katechismus!“
„Na!“ sagt die Bäurin: „Rheumatismus!!“
Die schlauen Viecher
Da Plentnbauer, drunt beim Wirtn,
sitzt vor sein Bierkruag, vor sein viertn.
Die Red geht von de schlechtn Leut,
von Haus und Hof und Sicherheit.
„Ih“, sagt draufhin der Plentnbauer,
„i bin in der Beziehung schlauer:
I hab daham drei gscheite Viecher
und derwegn bin i völlig sicher!“
Er trinkt vom Bierkruag, von sein viertn:
„Ih hab an Uhu, an dressiertn –
und bei dem Uhu noch dabei
an Hund und dann an Papagei!“
Hiatz machent alle tumme Augen
und tamt zum Plentnbauern schaugen.
Der hebt zerscht, weil der interessiertn,
sein Bierkruag (allweil noch sein viertn)
und sagt dann nach an Schluck: „Paßts auf:
Mi suacht zum Beispiel aner auf –
tief in der Nacht, wann i fest tram,
daß er was stehlat oder nahm …
Der Uhu siehgt bekanntlich guat,
sodaß ern glei bemerken tuat –
safurt weckt er den Papagei,
und der kapiert die Sachlag glei:
fliagt hin zan Sultl auf da Stell
und kraht: „Du, Hund, wach auf und bell!“
Da Spiagl und da Plentnbauer
Heut geht’s im Gasthaus „Wilde Kuah“
ganz bsunders wild und lautstark zua.
Da Plentnbauer tuat schon schwitzn –
er hat an fürchterlichen sitzn!
Die Musi macht grad eine Pause,
da muaß der Bauer amol auße.
Draußt hängt a Spiagl an der Wand.
Der Bauer fuchtelt mit der Hand,
schaugt eine – und dann sagt er laut
zu dem, der drinnen außerschaut:
„Sie, bitte, schaun Sie nit so blöd!
Wer so an Rausch hat, ghört ins Bett!“
Doch der im Spiagl drin, auf Ehr,
der fuchtelt grad a so wia er!
Da werd da Plentnbauer wild:
„Waßt, wenn sich wer mit mir so spielt,
der is bei mir sofort der Dumme!“
und haut dem andern ane ume.
Er trifft den Spiagl! Und auf das
klirrt zsammen das zerbrochne Glas.
„Verzeihung!“ hörst den Bauern sagn.
„I hab nit gwußt, daß S’ Brilln tragn!“
Das Alibi
Uch na, da Plentnbauer Valte,
der hat an Gachn auf sei Alte!
Sie hat sich, es is nit zan Fassn,
jetzt einen „Fernkurs“ schickn lassn.
Nit epper Häckln oder Strickn,
magare Autorafnpickn. –
Na! na! Da Teifl is in ihrn:
de Tschurtschn muaß Gesang studiern!
Hiatz huckt se stundenlang da durtn
als wia a alte Henn ban Bruatn,
und dann, dawal se kocht die Suppn,
jaults wia a alte Autohupn!
Geht grauslich aufe mit die Tön
und glabt dabei noch, das war schön!
Kaum tuats ihr Stimm ertönen lassn,
geht er schon auße auf die Straßn.
Das macht er jedsmal, wann sie übt
und ihrem Stimmband Freilauf gibt!
Drum hörst sie heut zum Bauern sagn:
„Du, Alter, was i di möcht fragn:
Warum gehst du denn allweil auße,
sobald i sing?“ Nach aner Pause
gibt er ihrn zruck: „Waßt, liabe Traudi,
damit die Leut nit glabm, i hau di!“
Die Kuckucksuhr
Da Plentnbauer, in da Fruah,
schaut auf sei alte Kuckucksuhr
und denkt derschrockn: „Teifl eine!
Was is denn los? De zagt auf neune!“
Da siehgt er, daß sie gar nit geht
und daß der Perpendikl steht!
Er ziahgt se auf. Umsunst! Ka Spur
von Ticktack macht de Kuckucksuhr.
Da denkt er sich: „I wer probiern,
den Krempl selber z’repariern!“
Zerlegt das Werkl voller Eile
in alle seine Einzelteile
und denkt dabei: „Glei wer mas ham!“
und baut das Ganze wieder zsamm.
Dabei rinnt ihm der Schwitz vom Gnack!
Aber fröhlich macht die Uhr: ticktack!
Das kummt ihm aber spanisch vur:
„Das is a ganz varruckte Uhr –
de geht da drobm, und mir sein drübn
a Haufn Radeln übrigbliebn!
No ja, die Welt is schließlich bunt!
Hiatz wart i auf die volle Stund!“
Nit lang, werds elfe. Und glei drauf
springt ah schons Kuckuckskastle auf
(so wars ja früher ah schon imma):
Da Kuckuck streckt sein Kopf ins Zimma;
gstatt daß er elfmal Kuckuck schreit,
halt’ er den Schnabl kurze Zeit,
dann fragt er (herrisch wia a Spieß):
„Kann mir wer sagn, wia spat daß is?“
Da Ziaglaufzug
Da Plentnbauer is hiatz glegn
im Kranknhaus. Heit kummt er zwegn:
den Schädl und die Händ vabundn
und sunstar ah ganz klan darschundn!
„Ja wia denn das“, frag i den Valte,
„war das am Ende gar dei Alte?“
„Ih wo! Da ließat i mi scheidn!
Durch eigne Tummheit muaß i leidn!
Paß auf: am Dachbodn von da Tenn
hab i a Kistn Ziagl stehn!
I hab gedenkt: was werst di plagn,
die Ziagl anzeln abertragn!
I hab sofort an Ausweg gfundn:
um de Kistn schnell an Strick gebundn,
denselbig um an Balkn gschlungan –
(hab gmant, da Aufzug war gelungan!) –
den Strick dann glatet bis in Hof.
Und hiatz paß auf: i dummes Schof
darwisch den Strick und sag zum Knecht,
daß er an Schupfer geben möcht
der Kistn obn. Er hat’s getan. –
Und hiatza fangt mei Unglück an:
die Kistn zielt genau auf mi –
und sie war schwerer als wia i.
Dawal sie fallt, da tuat’s mi hebm!
Mei Liaber, so was muaßt derlebm!
In der Mittn habm ma uns getroffn –
Schon war mei Schädl halbert offn!
I hab zerscht gmant, mir bricht’s den Hals.
Jaa! Das is aber noch nit alls!
I bin dann oben – guate Nacht! –
aufn Balkn mitn Kopf gekracht!
In dem Moment tuat mi de Kistn –
das Luader! – wieder überlistn!
Sie war ja fast wia obagschmissn!
Ihrn hat’s den Boden außergrissn!
Und hiatz war wieder – sakradi! –
die Kistn leichter als wia i!
Sie aufe! I natürlich abe.
Und da versagt mei Rednergabe!
In der Mittn treff ma wieder zsamm
(wo ma uns eh schon troffn habm),
und da hat’s mir ganz schön zardroschn
die Händ, die Schulter und die Goschn!
I fall dann abe – bumms! – und sitz
mit Augen wia a gstochnes Kitz
und laß den Strick vor Schrockn aus:
de laare Kistn mit Gebraus
zruck aber, mir genau am Kürbis,
der heite noch davon ganz mürb is!
I bin erscht aufgwacht im Spital.
Durt hab i gschwurn für alle Mal:
Fürs Ziagltragn (Gift nehmts drauf)
nimm i in Zukunft Maurer auf!“
Heut nit!
Im klanan Dörflan Oberplärr,
da gibt’s hiatz an Bewohner mehr!
A Zirkuskünstler in Pension
hat immer schon getramt davon,
nach seines Lebens Attraktionen
in Ruhe auf dem Land zu wohnen …
Jetzt hat er sich (was will er mehr?)
a Haus gekaft in Oberplärr.
Am Sunntag geht er gmüatlich hin
zum Pfarrer in sein Pfarrhof drin
und stellt sich, was recht höflich war,
als neun Gemeindebürger vor.
„Was er wohl von Beruf sein tat?“
Er mant: „Parterreakrobat!“
Da Pfarrer hat von derer Kunst
(was ja ka Schand is) keinen Dunst.
Da macht der Mann sich nit viel draus,
geht mit’n Pfarrer vor das Haus –
und durtn nachher, draus im Gartn,
führt er dem Pfarrer alle Artn
von seinen Künsten praktisch vur –
da hat der Pfarrer gschaut, mei Bua!
Der dege Mann (da bist ganz hin!)
schlagt Purzlbam im Gartn drin,
steht Kopf und laft sogar am End
über d’Wiesen hin auf seine Händ,
varrenkt sein Körper, hupft am Stand
und walgt sich kunstvoll umanand!
Der Pfarrer steht als wia a Tropf
und schüttelt fassungslos sein Kopf.
Da siehgt da Pfarrer bei sein Zaun
die Plentnbäurin stehn und schaun!
Hiatz draht sie sich auf amol weck
und will davongehn vollar Schreck.
Da Pfarrer ruaft ihrn nach: „Nein, nein!
Sie können unbesorgt herein …!“
„Na, na!“ ruaft ihm die Bäurin zua:
„Was i da gsehgn hab, is ma gnua!
I kumm dann murgn zan Beichtn her,
weil heut is mir die Buße z’schwer!“
Das Mittl
Znagst hab i’n Plentnbauern troffn,
i hab zerscht gmant, der Mendsch is bsoffn!
Zwa Koffer tragt er mit viel Gschnauf
und noch an Rucksack hintn drauf!
„Ja, he! wohin denn, Plentnbauer?“
„I“, sagt der draufhin voller Trauer,
„i halt’s daham rein niammer aus,
i wer ja direkt tamisch zhaus!“
„No geh“, sag i, „das kann nit sein!
Dei Wohnung is so schön und fein –
i glab, du siehgst die reinsten Gspenster!
Hast a schöns Bankl vor dein Fenster …“
Drauf sagt er: „Das is ja der Graus!
Grad wegn dem Banklan ziahg i aus!
Weil auf dem Banklan, was mir ham,
da kummen so viel Liabspaar zsamm,
de lischpln, wischpln, bußln, lachn
und tuamb dabei an Wirbel machn,
da is die ganze Nacht ka Ruah!
Na, i ziahg aus! I hab hiatz gnua!“
„Geh, Plentnbauer“, sag i drauf,
„wegn so was Klanen regst di auf?
Da waß i dir an bessern Rat,
daß schnell a End dei Ärger hat!“
Da Plentnbauer tuat sich gfreun:
„Ah, wenn das wahr war, das war fein!“
„Paß auf!“ sag i. „Wann’s nächste Mal
(bei Mondschein und bei Nachtigall
und wann da Sternenhimmel blitzt)
a Liabspaar auf dein Banklan sitzt,
dann, liaber Freund, derwischt du halt
an Kübl Wasser – aber kalt! –,
den schüttest auße aus dein Fenster,
dann hast a Ruah vor deine Gspenster!“
Drauf sagt zu mir der Plentnbauer
mit ganz gebrochner Stimm, voll Trauer:
„Das hab i gestern auf die Nacht
ja eh schon selber grad so gmacht!
Und wer is hamkemm? Waßt du das??
Mei eigne Alte – waschlnaß!!“
Zeit laßn
Da Plotschntone klagt mit Grolln:
„Mei Fahrrad hams ma heute gstohln!“
Da Pepe sagt: „Da gehst wohl glei
und meldest es der Polizei?!“
„Ob ih nit liaber wartn tat?
A Sprichwort sagt: Kummt Zeit, kummt Rad!“
Redefluß
Den Plotschntone fragt der Rat,
bei dem er grad Verhandlung hat:
„Wieso ham Sie drei volle Wochn
kein Wort mit Ihrer Gattin gsprochn?“
Drauf sagt der Tone ohne Grolln:
„I habs nit unterbrechn wolln!“
In da Schul
In Plentnbauern sei jüngster Suhn
is gegn das Gscheitarwerdn immun!
Das Schualgehn is für den umsunst!
– Das Rechnan is für ihn a Kunst,
beim Turnan fallt er allweil her,
beim Singan brummt er wia a Bär –
zum Schreiben hat er ah ka Pfotn!
– A Vierer is sei schönste Notn!
Es nutzt nix, wann er sich ah plagt!
– Amol, da hat der Lehrer gfragt:
„Wie nennt man das, wer sagt es gschwind,
wenn viele Ochsen beisammen sind?“
„Ich weiß!“ meldt sich der Gruaber Ferde:
„Viel Ochsen … das sind … eine Herde!“
„Brav!“ sagt der Lehra … Mit Bedauern
siehgt er den Suhn vom Plentnbauern,
wia der im Halbtram hingebuckt
ganz teilnahmslos im Banklan huckt.
Er schreit ihn an: „Du fauler Fratz!
Wiederhole mir den letzten Satz!“
Der Bua schreckt auf. Dann sagt er gschwind:
„Wenn viele Ochsen beisammen sind –
(a bißle hat er ghört vom Ferde)
dann nennt man das – eine Beherde!“
Fliederfarben
„A Hemd –“, so sagt der Plotschntone,
„– a fliederfarbnes, war nit ohne!“
A König is im Gschäft der Kunde.
Aus diesem ungeschriebnen Grunde
suacht der Verkäufer, suacht und suacht,
wobei er öfters leise fluacht –
Dann kummt a Lächeln, ganz a klans:
„Nein! fliederfarbnes ham mir kans!“
Der Plotschntone mant draufhin:
„Da liegt ja ans im Fenster drin!
Schaun S’, durt, das mit’m hohen Preis!“
„Mein lieber Herr, das ist ja weiß!“
„No und?“ haut der den Einwand nieder:
„A kennan Sö kan weißn Flieder??“
Schwerarbeit
A Quizspiel werd grad durchgeführt.
Die Fragen, Bua, seind kompliziert!
„Was ist“, wird jetzt die Frage gstellt,
„die schwerste Arbeit auf der Welt?“
Die Kandidaten denkn nach …
Der Plotschntone werd hellwach
und tuat sich um den Preis bewerbn.
„Die schwerste Arbeit is das Sterbn!“
sagt er mit siegessicherm Sinn:
„Da bist am nächstn Tag ganz hin!“
Scharfer Hund
Zum Plotschntone sagt sei Freind,
wias wieder amol zsamman seind:
„Am Zaun da draußn auf dein Grund,
da is a Tafl:, Scharfer Hund!’
I glab, da gibt’s schon an Bedarf.
Aber is dei Hund wohl wirklich scharf?“
Der Tone sagt: „Wann bei der Nacht
bei mir a Strolch an Einbruch macht,
brauch i den Hund nur weckn, gelt?
dann is schon möglich,
daß er bellt!“
Da Supa-Compjuta
In aner groaßen Messehalle
steht a Compjuta, der auf alle
(ah auf de tollsten) Fragn safurt
de rechte Antwort geben tuat.
Da Fischer Valte steht davur
und siehgt, wia der in aner Tur
de Fragen zerscht entgegennimmt
und dann de Antwurt gibt, de stimmt!
Hiatz schiabt er ah an Zettl ein,
drauf steht: „Wo tut mein Vater sein?“
Da leuchten Farbn und Lampen auf,
es summt und brummt, und blitzschnell drauf
steht auf an Blatt, das außerzischt:
„ihr vater sitzt am bach und fischt …“
Da Fischer Valte schreibt drauf: „Nein!
Mein Vater tut gestorben sein!“
Den Zettl schiabt er ein. Und dann
fangts wiedarum zan summan an,
drauf kummt de Antwurt vom Compjuter:
„es starb der gatte ihrer mutter,
den hat ein schlaganfall erwischt …
ihr vater sitzt am bach und fischt …“
Petri Heil
Auf aner Wiesn steht a Mann,
a Gwandle wia a Fischer an. –
Der hat a Angl in der Hand
und schaut und schaut ganz unvawondt
zum Köder hin, der, wie man siehgt,
inmitten von der Wiesn liegt!
Da Fischer Valte kummt dazua
und denkt sich: „No, mei liaber Bua,
der hat im Hirn a Würmle drein,
zu dem muaßt bsunders freundlich sein!“
Der Fischer Valte gibt dem Mann
zehn Schilling, und er fragt ihn dann:
„No, is es Ihnen guat ergangen?
Wiaviel ham S’ heute denn schon gfangen?“
„Wann’s mi nit täuscht“, sagt der und lacht,
„ham Sö das Dutzend voll dermacht!“
Der Sorgenträger
Da Fritz sagt zu sein Freund, dem Valte:
„Heut bist du aber nit der alte!
Du hast doch alleweil an Grant,
daß jeder, der di anschaugt, mant,
du warst a Trauerweidnzwilling!
Heut lachst als wia a neuer Schilling!“
„Jaa!“ lacht da Valte: „Hurch lei her!
I hab hiatz kane Sorgen mehr!
I hab seit gestern, was ma gspürt,
an Sorgnträger angaschiert!“
„An Sorgnträger?“ mant da Fritz:
„Da machst du aber hiatz an Witz!
Du bist ja … na, i waß nit, was!
Geh, sag amol, was is denn das?“
„Paß auf!“ fangt hiatz da Valte an:
„Ein Sorgnträger is ein Mann,
der is verpflichtet, jeden Tag,
was immer da ah kumman mag,
für di zan schaffn, ohne Rast,
damit du kane Sorgn hast!
Es is sei Aufgab, stets zu waltn,
um dir die Sorgn fernzuhaltn!
Man mietet ihn, solang ma mag:
a Jahr, a Monat oder an Tag!“
Da Fritz mant: „Prima! Doch vur alln:
Was muaß ma denn für so an zahln?“
Da Valte antwurt auf die Frag:
„Der kost fünf Tausender pro Tag!“
„Fünf Tausender?!“ erschrickt da Fritz:
„Pro Tag?? Hiatz sag ma, meinarsix,
da vasteht ma ja die Welt nit mehr!üp
Wo nimmst denn du die Summe her?“
Da Valte mant und lacht ganz fein:
„Das soll sei erste Sorge sein!“
Telewischn
Da Valte hat hiatz akkarat
daham an Fernsehapparat.
„Uh, der is klass! Ganz wunderbor!“
schwärmt er dem Later Lute vor:
„Da siehgst in Farb die tollsten Sachn –
zum Lernan oft und oft zan Lachn!
Und nit nur das, mei liaber Bua!
Stell dir das Wunder nur recht vur:
Wann i die Augen zuamach gar,
dann is wia Radio, richtig wahr!“
Zu spat
Da Valte arbeit (mit’n Kremer)
bei einem Dachdeckunternehmer.
Heut decken sie mit wenig Freude
das Dach von einem Amtsgebäude.
Um viere machens eine Pause –
hiatz kummt was Angenehms: die Jause!
Das Packtle nimmt da Valte grad,
was ihm sei Alte mitgebm hat.
A Brot, a Speck und – sonnenklar –
a Flaschn Bier im Packtlan war.
So mitten in dem Eßerlebn
hat’s gach an wantschn Windstoß gebn –
der reißt dem Valte vehement
das Fettpapierle aus die Händ
und wirbelt’s durch die Luft im Bogn.
Das Blatt is imma tiafer gflogn. –
Im erschtn Stock fliagt’s Blattl glei
durchs Fenster in a Amtskanzlei.
Dem Valte obn is augenscheinlich
der ganze Vurfall mehr als peinlich!
Er steht schnell auf, ziahgt an sein Rock
und geht vom Dach in erschtn Stock.
Durt klopft er höflich an die Tür
und sagt, daß ihm sei Fettpapier
vom Dach war gflogn und akkurat
in de Kanzlei war einegwaht …
Es war ihm peinlich! Er tat wolln
das Fettpapierle außerholn!
Beim Diener, der im Vurraum sitzt,
da is er aber abgeblitzt …
„Zu spat!“ sagt der. „Is schon zu spat!
Mei Amtsrat unterschreibt es grad!“
Was ist ein Ästhet?
„Du, Valte!“ sag i zu mein Freund:
„Du waßt, a Fremdwort is mei Feind!
I wunder mi, wer dö vasteht!
Zum Beispiel: Was is ein Ästhet??“
Da Valte kratzt sich auf da Stirn:
„Wia soll i dir das expliziern,
damit’s dei Schmalhirn ah vasteht?
Du fragst mi: Was is ein Ästhet??
Paß auf, i hab’s! Streng an dei Hirn,
dann werst es garantiert kapiern!
Also, wia du gfragt hast: Ein Ästhet,
um den’s bei deiner Frage geht,
is hygienisch, waßt, vaklemmt:
Der wechslt beispielsweis sei Hemd
schon nach vier Wochn, waßt – und dies,
wann’s ah noch gar nit schmutzig is!!“
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