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Ursula Hass
Kirsch und der Gift-Secco
Der Schwarzwaldkrimi
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Kommissar Bernhard Kirsch, seine Frau Moni, seine Assistenten Helen und Eugen sowie Huber und Drechsler, die Kommissare aus Burgstetten, Bürgermeister Wohlgemuth und seine Frau Lene, Lore und der Tourismusmanager Sonnenschein, Polizeipräsident Schorsch Wangler und seine Frau sowie deren Zwillingsschwester, Stefan Kugler der Geschäftsführer der Winzergenossenschaft und viele andere
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Impressum neobooks
Kommissar Bernhard Kirsch, seine Frau Moni, seine Assistenten Helen und Eugen sowie Huber und Drechsler, die Kommissare aus Burgstetten, Bürgermeister Wohlgemuth und seine Frau Lene, Lore und der Tourismusmanager Sonnenschein, Polizeipräsident Schorsch Wangler und seine Frau sowie deren Zwillingsschwester, Stefan Kugler der Geschäftsführer der Winzergenossenschaft und viele andere
Der Schwarzwald-Krimi
„Kirsch und der Gift-Secco“
von Ursula S. Hass
Die Personen und die Handlung des vorliegenden Krimis sowie die Namen und Dialoge sind sämtlich erfunden. Ähnlichkeiten mit Personen, Namen und Orten wäre rein zufällig und sind nicht beabsichtigt.
Bernhard Kirsch wohnt mit seiner Frau Moni in Wiesenbach, einer Kleinstadt am Fuße des Schwarzwaldes. Er ist ein sehr häuslicher Typ, abgesehen natürlich von den Überstunden, die er aufgrund seines Berufes machen muss. Denn Kirsch ist Polizeihauptkommissar in Wiesenbach und seine Leidenschaft ist die Aufklärung von Verbrechen. Als Mittfünfziger liebt er es schon etwas „badisch-gemütlich“, liebt sein Glas Spätburgunder am Abend in seinem Lieblingssessel. Manchmal gibt er auch zu, ein „Genussmensch“ zu sein. Das sieht man auch ein bisschen an seiner Figur, denn einem guten Essen kann er nicht widerstehen. Und vor allem, wenn seine Frau Moni ihn mit seinem Lieblingsessen, dem Sauerbraten, verwöhnt, dann kann es schon einen Nachschlag geben. Cordhosen mag er besonders gerne und auch seine kleinen Locken, die die grauen Zellen umgeben. Zu seinem Erscheinungsbild fehlt jetzt nur noch sein grauer Schnauzer, der in jüngeren Jahren allerdings ganz schwarz war, wie übrigens auch sein Haupthaar. Nun können Sie sich ja selbst ein Bild von Kommissar Kirsch machen. Übrigens seine Frau Moni liebt ihre Kakteen und Orchideen über alles, die sie selbst züchtet und vor allem ihren Garten, in dem sie von früh bis spät werkelt. So macht es ihr auch nichts aus, wenn Kirsch, wie sie ihn liebevoll nennt, später nach Hause kommt, wenn wieder gerade ein Mord in Wiesenbach geschehen ist.
Vorzustellen wären auch noch die beiden Assistenten, Helen mit ihrer knabenhaften Figur. Deshalb trägt sie auch gerne Hosen in allen Farben. Ihr kurzes, braunes Haar und ihre große schwarzumrandete Brille geben ihr etwas Intellektuelles, obwohl sie das gar nicht hören will und eigentlich ganz unkompliziert und pragmatisch an die Fälle herangeht. Auch sein Assistent, Eugen, gehört in das kleine Team. Eugen hat zwar zwei Semester Jura studiert und glaubt daher schon mal die Täter richtig einschätzen zu können. Er ist kein Brillenträger, aber ein Träger grellbunter und dazu karierter Hosen. Seine roten Haare und seine vielen Sommersprossen sind sein Markenzeichen. Dazu gehört auch seine gute Laune, die sowohl Helen, als auch Kirsch, sehr ansteckend finden. Seine bunten Hosen bilden zu den eher graukarierten Jacken von Kirsch einen wunderbaren Kontrast. Und so lösen sie auch ihre Fälle, bunt, aber herzlich und bodenständig. Der erste Fall ist etwas kompliziert und sehr vielschichtig. Aber lesen Sie selbst!
Kapitel 1
Es war so ein schöner und friedlicher Morgen. Wiesenbach lag noch fast jungfräulich da. Die Häuser schmiegten sich, wie immer, an die steilen Rebhänge. Und ein kleiner Bach, der Wiesenbach, daher hat auch Wiesenbach übrigens seinen Namen, plätscherte in aller Seelenruhe vor sich hin. Es gab auch einen kleinen Weiher, der im Winter öfters zugefroren ist und die Kinder dort gerne Schlittschuhlaufen. Auf der Dorfstraße ist immer Bewegung. Autos und Lastwagen bestimmen dort das Bild. Weiter hinten im Tal befindet sich eine kleine Ferienwohnanlage. Es gibt bunte Fachwerkhäuschen, aber auch sehr schöne Bungalows mit Flachdächern, wobei diese den alteingesessenen Wiesenbachern ein Dorn im Auge sind, weil sie gar nicht zur Architektur der alten Fachwerkhäuser passen. So hat auch die Modernität, und sei es nur bei der Architektur, in Wiesenbach Einzug gehalten.
Die Sonne schien und als Bernhard Kirsch nach draußen schaute, joggte um die Ecke Johanna Merkle, eigentlich wie jeden Morgen. Kirsch freute sich auf den heutigen Tag, denn es ist nichts Besonderes zu erwarten. Heute soll es zu Mittag Sauerbraten mit Kartoffelklößen geben, hatte seine Frau Moni schon angekündigt.
„Darauf freue ich mich schon seit gestern und da lasse ich mir den Tag nicht vermiesen“, sagte Bernhard Kirsch laut vor sich, aber mit verhaltener Stimme.
„Moni kann den Sauerbraten einfach vorzüglich zubereiten, die Soße schmeckt so richtig nach Rotwein, hm, da läuft mir ja jetzt schon das Wasser im Mund zusammen“, murmelte Kirch.
Schnell zog Kirsch noch die Jacke an und dann ging es nichts wie los, und der Kommissar machte sich auf den Weg ins Kommissariat.
„Tschüs Moni“, rief er noch seiner Frau zu. „Ich komme pünktlich, kannst dich darauf verlassen.“
Moni lachte nur so vor sich hin und dachte, mal abwarten und schauen, aber für mich wird es jetzt Zeit, den Braten schon mal hinzustellen. Das könnte ein schönes Wochenende werden, auch Moni freute sich schon auf die kommenden Tage. Doch sie war immer noch in Gedanken mit ihren Vorbereitungen zum Mittagessen beschäftigt.
„Heute gibt es Sauerbraten, Fisch sollte ich auch mal an einem Freitag machen, aber das schöne Stückchen Fleisch konnte ich beim Metzger Fromm nicht so liegen lassen. Man muss ja auch dem Mann eine Freude machen“, dachte sie noch und ging ebenfalls mit guter Laune in die Küche.
„Tapfere Hanna“, sagte Bernhard Kirsch fast wieder lautlos vor sich hin, als er Hanna um die Ecke biegen ah.
„Warst bis zum Baggersee joggen?“, fragte der Kommissar nach, erhielt jedoch keine Antwort, denn Hanna hatte ihren Kapuzenpulli an und Kopfhörer in den Ohren. Und dann sah er auch schon von weitem Eugen, seinen Assistenten, herantraben. Er machte jedoch keine gute Miene.
„Was ist los Eugen, wieso so missmutig“, bemerkte Kirsch zu Eugen.
Kirsch ahnte schon nichts Gutes, wollte sich aber einfach die Laune nicht verderben lassen.
„Heute Nacht sind die Wände der Winzergenossenschaft dermaßen beschmiert worden, dass Stefan Kugler, der Geschäftsführer, schon angerufen hat. Wir sollen sofort vorbeikommen.“
„Was hat denn die Mordkommission mit Wandschmierereien zu tun?“, rief der Kommissar nur kurzatmig hervor.
„Eingebrochen ist auch noch worden und es waren auch Morddrohungen auf diesen Wandschmierereien angezeigt“, erwiderte Eugen, der seinem Chef ansah, dass er nicht glücklich über die genannten Umstände war.
„Was steht denn um Himmelswillen an den Wänden?“, rief der Kommissar unwirsch aus.
„Ihr Arschlöcher, Euch werde ich es morgen zeigen, macht Euch auf was gefasst und dann ist auch noch eine Pistole abgebildet“, presste Eugen zwischen seinen Zähnen so schmallippig heraus.
„Morgen ist doch die Mitgliederweinprobe“, „welche Mitgliederweinprobe?“ - so ging das Geplänkel zwischen Kirsch und Eugen hin und her.
Nun ging dem Kommissar endlich ein Licht auf. Ach ja, morgen am Samstag, kommt selbst ein Minister aus Stuttgart nach Wiesenbach, der Landwirtschaftsminister, um bei der Weinprobe dabei zu sein. Wiesenbach hat besten Wein zu bieten und den trinkt selbst ein Minister sehr gerne. Der Polizeipräsident und alle honorigen Bürger der Stadt waren ebenfalls eingeladen.
„Da kann ich mich ja auf ein schönes Wochenende gefasst machen und wann kann ich mir da meinen Sauerbraten schmecken lassen?“, überlegte Kirsch mal wieder laut zu Eugen.
Eugen hatte schon an die Pinnwand alle Honoratioren der Stadt, mit Fotos und Namen, angebracht, und auch der Minister sah auf seinem Foto schon nicht mehr so fröhlich aus wie sonst.
„Wenn dem was passiert, dann sind wir unseren Job los“, sagte Eugen und blickte den Kommissar treuherzig an.
Eugen ist ein lieber Kerl, aber manchmal etwas begriffsstutzig, das wusste der Kommissar, der auch schon alle Fotos an der Pinnwand betrachtete.
„Es ist schon ein Kreuz mit den Winzern, können die denn nie Ruhe geben. Die Wogen hatten sich doch bereits etwas geglättet im zweijährigen Winzerstreit, was treibt sie denn jetzt wieder an?“, fragte der Kommissar.
Natürlich, erst vor ein paar Wochen wurden im Herbst bei der Weinlese die Bottiche von verschiedenen Winzern völlig ausgeleert, die sich gegen die geplante Erweiterung der Umgehungsstraße ausgesprochen hatten. Den Tätern konnte man nicht auf die Spur kommen, weil die Tat mitten in der Nacht geschah und die Bottiche völlig einsam unter einem Holzdach in den Reben standen. Kommissar Kirsch nahm nun endlich auf seinem Stuhl im Zimmer des Polizeigebäudes Platz und sortierte die eingegangene Post. Vielleicht war ja auch ein Morddrohungsschreiben bei der Polizei eingegangen und vielleicht gab es ja Spuren, die zu dem Täter oder zu den Tätern führten? Er war eigentlich davon überzeugt, dass es mehrere Täter waren. Doch in der Post war nichts zu finden.
Vor zwei Jahren hatte der Streit angefangen, denn im Gemeinderat wurde nun endgültig grünes Licht für die Umgehungsstraße gegeben, die Zuschüsse vom Land waren gesichert und die Umgehungsstraße zum nächsten Ort und zur Autobahn war für Wiesenbach einfach wichtig. Doch dann gab es Streit unter den Winzern, weil ein Teil der Winzer seine Reben der Umgehungsstraße opfern sollte. Der Landwirtschaftsminister hatte sich selbst, wie auch der Verkehrsminister, eingeklinkt und daran appelliert, dass diese Straße gebaut werden sollte, weil sonst alle Fahrzeuge immer wieder durch den Ort fahren müssen.
Vor drei Jahren starb ein kleines Mädchen, weil es zwischen die Räder eines Lastwagens gekommen ist. Der Unfall konnte nie richtig aufgeklärt werden, man vermutete auch, dass ein Autofahrer das Kind gestreift hatte und es deshalb vom Lastwagen erfasst wurde. Dem Lastwagenfahrer konnte keine Schuld nachgewiesen werden. Auch zu schnell ist der Fahrer im Lastwagen nicht gefahren, doch die danach eingeführte Zone 30 brachte auch keine große Besserung, denn immer noch verkehren viel zu viele Lastwagen im Ort, um auf die Autobahn zu gelangen.
Bereits vor einigen Jahren schon sollte eine Umgehungsstraße gebaut werden, aber es ist dann doch an der Winzerlobby gescheitert. Und als dann die Pläne des Gemeindesrates bekannt wurden, dass nun doch die Umgehungsstraße gebaut werden soll, ging es so richtig mit den Streitereien los. An den Rebengrundstücken, die an die Straße grenzten, wurden von den Eigentümern große Steine gelegt und so mancher Autofahrer hatte sich einen Platten geholt oder sich den Unterboden an den Pkws aufgekratzt. Auch die Polizei wurde eingeschaltet, doch sie musste unverrichteter Dinge wieder abziehen, weil die Grundstückseigentümer Recht behielten.
Das Image des Weinortes sank immer tiefer und auch die Bewohner der kleinen Ferienwohnanlage beschwerten sich, weil ihre Wohnungen leer blieben, denn den Strapazen bei der Fahrt durch die enge Ortschaft wollten sich die Urlauber nicht täglich aussetzen. Und nun die Drohung an der Wand der Winzergenossenschaft. Wer steckt hinter dieser Drohung? Und ob gleich ein Mord geschehen würde, das konnte der Kommissar auch nicht glauben und nicht vorhersehen. Auf jeden Fall wird es wieder Ärger geben, da war sich der Kommissar mit seinem Assistenten Eugen einig.
Kirsch ließ alle Personen, die als Verdächtige für die Wandschmierereien in Frage kommen könnten, Revue passieren. Da waren zum einen Marianne und August Huber. Sie hatten ihre jüngste Tochter durch einen Unfall verloren und Marianne kam über den Verlust gar nicht hinweg. Das Ehepaar Huber zählte zu den ersten Verdächtigen, da war sich Kirsch sicher. Sie waren beide für die Umgehungsstraße.
Dann gab es Wilhelm und Ernst Sänger, zwei Brüder, die zusammen ein Weingut besaßen und zu den Gegnern der Umgehungsstraße gehörten. Wenn die Umgehungsstraße gebaut wird, müssen sie zwei Rebberge opfern. Und das passt ihnen gar nicht, denn das hat auch wirtschaftliche Gründe. Schließlich wachsen dort die Chardonnay-Reben, ein Prestigeprodukt des Weingutes.
Wilhelm und Ernst Sänger warenzwei Winzer, die nichts so leicht erschüttern konnte.
„Ich kenn die doch alle“, sagte Kirsch. „Ich kann es nicht glauben, dass einer von ihnen diese Drohungen an die Wand geschmiert hat, die vielleicht auch eine Morddrohung waren.“
Kirsch ärgerte sich besonders, dass er einfach nicht weiter kam und nicht absehen konnte, wer sich hinter diesen Drohungen versteckt.
„Was gibt es Neues, Eugen, du warst doch im Ort, hast du was gehört?“
„Ich habe uns zwei Brötchen mitgebracht, denn mit dem Mittagessen wird es doch wohl nichts werden, ansonsten habe ich nichts vernommen“, erklärte Eugen.
„Oh Gott und gerade heute gibt es mein Lieblingsessen, den Sauerbraten“, sagte Kirsch etwas sauertöpfisch zu Eugen und dabei hatte er gar keine Idee, wie er den oder die Täter entlarven konnte.
„Ich muss Moni anrufen, damit sie Bescheid weiß.“
„Chef, wir sollten mal in den „Goldenen Becher“ gehen, dort gibt es doch morgen die Weinprobe, vielleicht wissen die schon wer alles kommt. Sicher ist auch der Tourismusmanager, Herr Sonnenschein, da, dann können wir mit ihm sprechen und ihn auf die Sachlage hinweisen“, bemerkte Eugen beflissen, denn er war zwar noch jung, aber sehr ehrgeizig und gab gerne auch mal seinem Chef gegenüber den Ton an. Kirsch ließ seinen jungen Assistenten gerne gewähren, denn er war stets um Harmonie bemüht, aber trotzdem ganz bestimmend bei der Sache.
„Gut Eugen, komm, wir gehen mal rüber in den „Goldenen Becher“, vielleicht gibt es ja auch noch ein Abo-Essen, denn dein kleines Brötchen hat nicht gerade meinen Hunger gestillt.
Kirsch war also nicht nur ein Gemütsmensch, sondern auch ein Genussmensch, und Essen und Trinken hält nach seiner Meinung auch Leib und Seele zusammen.
Im „Goldenen Becher“ angekommen, war schon die große Tafel festlich gedeckt, denn die Weinprobe, die von der Tourismusagentur und der Stadt ausgerichtet wurde, war eine Imagegeschichte. Eugen und Kirsch sahen sich die langen Tafeln an. Hier werden morgen die Honoratioren der Stadt sitzen und genüsslich die vorgestellten Weine trinken und dann wird es womöglich Ärger geben.
Ein Winzer dreht durch, knallt wie ein Western-Held mit seinem Colt. Eugen stellte es sich bildlich vor. Auch Kirsch machte sich so seine Gedanken, die aber in eine andere Richtung gingen. Plötzlich erschien Lore, die Assistentin von Herrn Sonnenschein.
„Was gibt’s?“ fragte sie kess in die Runde. Kirsch und Eugen zuckten regelrecht zusammen, als seien sie auf frischer Tat erwischt worden.
Na Lore, ist dir etwas über die Leber gelaufen, dass du so schnippisch reagierst?“, fragte Kirsch.
„Nein, aber ich bin mit der Organisation schon etwas überfordert. Herr Sonnenschein, mein Chef, will noch dies und das und auf so ein eventuelles Attentat, reagiere ich allergisch“.
„Was für ein Attentat?“, wollte Kirsch wissen.
„Ja, haben Sie denn die Wandschmierereien nicht gelesen, Herr Kirsch?“, fragte Lore nach.
„Ach, daher weht der Wind“, antwortete Kirsch zu Lore gewandt.
„Ich sehe es etwas anders als du“, sagte Kirsch zu Lore, die er schon lange kannte und sie daher schon mit dem vertrauten „Du“ ansprechen durfte.
„Wer soll schon morgen hier für Tumult sorgen?“, fragten sich Eugen und Kirsch beide gleichzeitig.
Sie inspizierten die Tische und Stühle und ließen sich die Gästeliste geben. Die war natürlich lang, Minister Wurm vom Landwirtschaftsministerium war ebenfalls anwesend wie der Polizeipräsident, Schorsch Wangler, Gemeinde- und Ortschaftsräte, Bürgermeister Wohlgemuth und Kaufmann Olsen, Brauereibesitzer Münzer und wie sie alle hießen, hatten sich ebenfalls angemeldet. Auch die Presse war vollzählig vertreten, vom Wochenblatt bis zum Tagesanzeiger. Selbst renommierte Weinfachzeitschriften schickten ihre Journalisten und Repräsentanten.
Eugen und Kirsch staunten nur so um die Wette als sie die bekannten Namen lasen, die sich diese goldene Weinprobe nicht entgehen lassen wollten. Die Tafeln waren schon festlich gedeckt mit Kerzen, edlen Gläsern und Geschirr.
„Nobel, nobel“, murmelte Kirsch, der seinen Assistenten Eugen auch noch angewiesen hatte, auch unter die Tische und Stühle zu schauen.
„Ich habe so ein komisches Bauchgefühl, das gefällt mir gar nicht“, bemerkte Kirsch zu Eugen, der einfach nicht glauben wollte, dass diese Weinprobe ohne Eklat über die Bühne gehen könnte.
„Wenn Herr Sonnenschein wieder auftaucht, soll er sich bei mir melden“, sagte Kirsch zu Lore, die ihn mit einem schmalen Augenaufschlag ansah.
„Weshalb, habt ihr schon etwas Verdächtiges festgestellt?“
„Nein, nein, nur zur Vorsicht. Ich möchte auch mit ihm sprechen“, entgegnete Kirsch.
„Komm Eugen, wenn alles sauber ist, dann gehen wir zurück ins Büro.“
Ziemlich gemächlich trabten die beiden zurück ins Büro, wo Eugen auf Geheiß seines Chefs zunächst eine vorläufige Liste von verdächtigen Personen aus dem Winzerkreis anlegte. Eugen führte sorgfältig alle Namen auf, die evtl. für die Wandschmierereien in Frage kommen könnten.
Kirsch schaute sich die Namen nochmals an und überlegte, was da alles passieren könnte. Beide kamen jedoch mit ihren Unterlagen nicht weiter, zumal sich auch Herr Sonnenschein nicht gemeldet hatte. Auch der Bürgermeister war noch unterwegs und nicht zu sprechen.
„Eugen, die KTU soll mal zur Winzergenossenschaft fahren und nachsehen, ob sie noch etwaige Spuren finden kann.“
„Vielleicht gibt es Hinweise über die Farbe der Wandschmierereien, auch sollten noch Fotos gemacht werden“, gab Kirsch weitere Anweisungen an Eugen.
„Komm, wir fahren auch gleich mal noch zur Winzergenossenschaft und schauen uns das Malheur an, denn ob die KTU gleich dafür Zeit hat, ist ungewiss“, wandte er sich dann weiter an Eugen.
„Ruf mal in der Winzergenossenschaft an und melde uns an, das ist besser“, meinte dann Kirsch noch zu Eugen.
Doch in der Winzergenossenschaft angekommen, war nur die Sekretärin von Stefan Kugler, dem Geschäftsführer der Winzergenossenschaft, anwesend.
„Wo ist Herr Kugler?“, wollte Kirsch wissen.
„Er war vorhin noch im „Goldenen Becher“, wo morgen die Weinprobe stattfinden wird und hat dann noch einen wichtigen Kundenbesuch“, brachte die Sekretärin kurz hervor.
„Hat er noch was zu den Wandschmierereien gesagt?“, wollte Kirsch wissen.
„Gibt es noch Farbtöpfe oder sonstige Utensilien, die für die Wandschmierereien verwandt wurden?“, fragte Kirsch weiter nach.
„Nein, es war alles picobello sauber, bis auf die Wandschmierereien natürlich, sonst haben wir nichts gefunden“, antwortete die Sekretärin.
„Gut, dann können wir beide auch nicht mehr viel ausrichten, doch die KTU soll sich trotzdem mal alles ansehen, dabei bleibe ich“, bemerkte Kirsch zu Eugen, der sich alles notiert hatte.
„Wir haben morgen einen langen Tag vor uns, da gehen wir heute mal etwas früher nach Hause“, meinte Kirsch dann zu Eugen gewandt, denn so ganz wollte er sich das Wochenende und den heutigen Sauerbraten nicht vermiesen lassen.
Moni hatte indes schon den Tisch gedeckt. Sie hatte geahnt, dass ihr Mann zu seinem Lieblingsessen früher nach Hause kommen würde, obwohl er noch in Sachen „Wandschmierereien an der Winzergenossenschaft“ ermitteln musste. Aber Moni kannte ja schließlich ihren Mann.
Kirsch schmeckte der Sauerbraten vorzüglich, den sie nach rheinischer Art zubereitet hatte, aber natürlich war badischer Spätburgunder in der Soße und damit hatte sie auch ihren schönen Braten vorher eingelegt.
Nachdem sich Kirsch noch ein bisschen in seinem gemütlichen Sessel, seinem Lieblingssessel, niederließ und noch ein bisschen die Zeitung inspizierte, wo natürlich auch haarklein die morgige goldene Weinprobe angekündigt wurde, war es Zeit ins Bett zu gehen. Denn für einen guten Schlaf war Kirsch immer zu haben.
Nach dem opulenten Mahl, dem geliebten Sauerbraten, hatte Kirsch jedoch einen schlechten Schlaf. Er träumte vom morgigen Tag, wo plötzlich so ein mit einer Strumpfmaske versehener Getarnter bei der Weinprobe auftaucht, wild um sich schießt und den Minister trifft, der blutüberströmt nach unten sinkt und schließlich auf dem Boden aufprallt.
Schweißgebadet wachte Kirsch auf, war aber auch gleichzeitig froh, dass er im Bett lag, alles nur geträumt hatte und nichts passiert war. Trotzdem das ungute Gefühl, das er schon gestern hatte, wollte nicht weichen. Aber Kirsch schlief nochmals ein und als er aufwachte, konnte er sich gar nicht mehr an seinen Traum erinnern. Das war auch gut so.
Hastig schlürfte er seinen Kaffee hinunter, zog seinen besten Anzug an und ging mit schnellen Schritten ins Büro. Nur kurz rief er seiner Frau noch einen Gruß zu, bevor sich die Tür hinter ihm schloss. Eugen und Helen erwarteten ihn schon im Büro.
Kapitel 2
„Eugen, du bleibst im Foyer stehen und beobachtest alle die rein kommen und arbeitest die Namen auf deiner Liste ab. Dann wissen wir auch, ob alle da sind“, ordnete Kirsch gleich im Büro angekommen an.
„Stehen eigentlich die Winzer Huber und Sänger auch drauf?“, wollte Kirsch wissen, der sich schon mächtig ins Zeug legte.
Hoffentlich geht dieser Kelch an mir vorüber, dachte Kirsch, der sich nur kurz noch an seinen Traum erinnerte und dann zusammen mit Eugen ins Hotel „Goldener Becher“ ging.
Helen, die eigentlich Helene Förster heißt, aber sich modern Helen nennt, musste die Stellung im Büro halten. Um 11 Uhr ging die Weinprobe los, wobei vorher noch ein paar Grußworte gesprochen werden. Zur Weinprobe sollte es ein Menü vom besten Sternekoch des Landes geben. Marius Benet-Ebneth hatte sich natürlich nur das Beste vom Besten für das Menü einfallen lassen, wie Herr Sonnenschein von der Tourismusagentur bekannt gab, der den Sternekoch und seine Mannschaft begrüßte.
Hausherr Müller-Stein vom „Goldenen Becher“ stellte natürlich seine Küche gerne zur Verfügung, in der alles nur so blitzte. Alles strahlte eine familiäre Ruhe aus. Auch die einzelnen Winzer waren schon mit ihren Weinen im Hotel eingetroffen. An dieser Probe nahmen alle Winzer des Ortes teil, insgesamt 10 Weinbaubetriebe. Nur die besten Erzeugnisse wurden kredenzt.
Die Winzer Sänger eröffneten, laut Programm, mit zwei Seccos, Weiß und Rosé, dann waren die leichten Sommerweine des neuen Jahrgangs an der Reihe. Nach dem Winzerbetrieb Sänger präsentierte das Weingut Huber ihre Rieslinge oder Klingelberger, wie der Riesling hier in der Ortenau gerne genannt wird. Danach waren die Grauburgunder und Weißen Burgunder an der Reihe und später die Spätburgunder, Kabinett, trocken oder als Auslese und zum Schluss sollte es die edelsüßen Weine, wie Trockenbeerenauslesen oder Eisweine, geben.
Die ersten Gäste trafen bereits ein, als Eugen ganz aufgeregt auf Kirsch zulief.
„Weshalb verlässt du deinen Beobachtungsposten?“, schnaubte Kirsch seinen Assistenten nicht gerade höflich an.
Doch Eugen reagierte nicht verärgert, sondern war einfach nur aufgeregt, weil Herr Sonnenschein anscheinend mit Winzer Sänger einen Krach hatte.
„Irgendwas stimmt mit den Weinen nicht“, verriet Eugen.
„Vielleicht haben die Flaschen Korken?“, ergänzte er weiter.
„Na das wäre das Wenigste“, sagte Kirsch, dann holt er halt neue Flaschen.
„Geh wieder auf deinen Posten, Eugen, und bring nicht alles durcheinander!“
„Trotzdem will ich mal Sonnenschein ausfindig machen und anhören, was los war“, sprach Kirsch mehr zu sich selbst als zu seinem Assistenten.
„Herr Sonnenschein haben Sie einen Augenblick Zeit?“, rief Kirsch seinem Gegenüber zu.
Nur ungern kam Sonnenschein zu ihm rüber.
„Was haben Sie denn auf dem Herzen, ich hab nicht viel Zeit“, reagierte Sonnenschein wenig freundlich.
„Was war da los mit Winzer Sänger, Sie hatten einen Streit?“
„Ach nichts Weltbewegendes. Winzer Sänger hatte doch tatsächlich die falschen Weine gebracht. Er sollte die Sommerweine und Seccos präsentieren und er hatte die gleichen Sorten wie Winzer Huber dabei. Aber ich habe ihm Beine gemacht. Er musste nochmals nach Hause fahren und die richtigen holen. Wir fangen pünktlich an. Wir haben in einer Kommission gemeinsam festgelegt, wer was bringt und da kann nicht jeder machen was er will‘“, brummte Herr Sonnenschein, der sich ein bisschen in Rage geredet hatte, aber sich auch schon wieder anderen Aufgaben zuwandte.
Auch Kirsch inspizierte nochmals die Tische, entdeckte aber nichts Verdächtiges. Die Weine wurden alle entkorkt und jeweils ein Schluck aus der Flasche zur Probe genommen. Obwohl es heute neuere Verschlüsse gibt, Glas- oder Drehverschlüsse, schwören die Winzer halt immer noch auf den Korkverschluss und die besonderen edlen Weine werden natürlich immer noch mit den besten Korken versehen.
Der große Saal im „Goldenen Becher“ füllte sich immer mehr mit den Gästen, mit dem Bürgermeister, Stadt- und Ortschaftsräten, die sich auf einen schönen Tag und eine genussvolle Weinprobe freuten. Plötzlich waren auch immer mehr Zaungäste draußen zu sehen, denn immerhin kam ja der Minister und den wollten die Wiesenbacher auch herzlich begrüßen, denn avisierte Zuschüsse für den Tourismus und den Ort sind immer gut. Auch ein paar Gegner und Befürworter der Umgehungsstraße hielten ein paar Transparente und Plakate hoch, doch nichts Verdächtiges war zu sehen.
„Euch werde ich es zeigen, Gnade Euch Gott, dieses Schreckgespenst als Transparent war jedoch nicht dabei“, stellte Kirsch erfreut fest.
Da fuhr auch schon die Limousine des Ministers vor und Kirsch stellte sich auf die Zehenspitzen, um zu erkennen, wer noch alles mit ihm im Auto saß.
„Nur sein Referent ist noch dabei“, bemerkte Kirsch wieder mehr zu sich selbst.
Je näher die Weinprobe kam, desto unruhiger fühlte Kirsch sein Herz pochen. Und sein ungutes Bauchgefühl, wie er es immer nannte, tat ein Übriges, dass Kirsch am liebsten in sein Büro ins Kommissariat zurückgegangen wäre.
„Vielleicht geht doch alles gut aus?“, machte Kirsch sich selbst Mut.
Vorbei an den Stadt-Honoratioren schritt Kirsch auf seinen Assistenten Eugen zu, der sich in einer Ecke verdrückt hat und eifrig die Ankömmlinge auf seiner Liste abhakte.
„Sind jetzt alle da?“, wollte Kirsch wissen.
„Ja, bis auf den Minister, der ist aber eben mit seinem Assistenten eingetroffen, einem blassen Jüngling mit großer Hornbrille“, erklärte Eugen seinem Chef ganz beflissen.
„Dann kann es ja losgehen“, meinte Kirsch zu Eugen, der seinem Chef noch die Anwesenheitsliste in die Hand drückte.
„Wenn ich es richtig lesen kann, sind es 30 Personen, eine ganze Menge“, sagte Kirsch zu Eugen.
„Na dann wollen wir mal in den Saal gehen, komm Eugen.“
„Eugen du setzt dich mit mir an den Tisch ganz hinten, da haben wir wohl Platz und einen guten Beobachtungsposten.“
Eugen dachte kurz, was soll ich denn beobachten?
„Genaue Angaben haben wir ja nicht. Ich halte auf jeden Fall meine Augen offen“, versicherte Eugen seinem Chef.
Zunächst begrüßte der Bürgermeister die Gäste, dann sprach auch der Minister ein Grußwort und zum Schluss kam Herr Sonnenschein, der Tourismusmanager, der mit einigen Zahlen und Daten aufwarten konnte. Der Tourismus entwickelte sich im ganzen Land sehr gut und so will auch Wiesenbach ein Stück von diesem Kuchen abhaben. Aber die neue Umgehungsstraße ist unerlässlich, damit sich der Ort noch besser entfalten kann, denn Autolärm und vor allem den Feinstaub wollen die wenigsten Gäste und Urlauber, informierte Sonnenschein in seiner Rede. Und so wurden seine Worte auch nur zum Teil mit Beifall belohnt, es waren auch einige, allerdings sehr leise Buhrufe zu hören. Dann kam noch die Weinkönigin zu Wort, die mit einem Gedicht die 40. Mitgliederweinprobe eröffnete.
Zur Einstimmung gab es wie immer, zwei Seccos, Weiß und Rosé, vom Weingut Sänger. Und dann ging es munter weiter mit den besten Erzeugnissen aus Küche und Keller.
Auch dem Minister mundete der Wein vorzüglich, wie er kundtat, als die Weinkönigin auch an die Honoratioren ein Wort richtete.
„Einfach toll, das Bukett und die herrliche Farbe beim Spätburgunder“, so der Minister, der auch den Weißweinen gut zugesprochen hatte. Vor allem der Grauburgunder und der Riesling, den die Einheimischen auch Klingelberger nennen, kamen gut bei den Gästen an.
Der Bürgermeister schwärmte geradezu in vollen Tönen vom Chardonnay und auch der Sauvignon blanc waren das „I-Tüpfelchen“ zum Menü des Sternekochs Marius Benet-Ebneth.
Mit roten Wangen und einem besonderen Glanz in den Augen bewunderten die Gäste die badischen Weine, die im Glas funkelten wie prächtige Sterne. Und als alle so wunderbar harmonisch zusammensaßen, da jedoch kam das Unglück in großen Schritten auf Kirsch zu. Denn plötzlich fasste sich der Polizeipräsident Schorsch Wangler an den Hals, dann an das Herz und dann sackte er in sich zusammen.
Kirsch und Eugen sprangen von ihrem Tisch und Beobachtungsposten auf und waren als erste beim Präsidenten.
Nun ist es also passiert, dachte Kirsch und Eugen schaute ebenso entsetzt wie Kirsch aus der Wäsche.
„Ruf die Notfallnummer. Wir brauchen einen Arzt und einen Krankenwagen.“
„Ist auch ein Arzt anwesend?“, rief Kirsch laut in den Saal.
Doktor Anton Dorer, der Allgemeine Arzt, der auch öfters den pathologischen Dienst in Wiesenbach versah, war auch selbst unter den Gästen und auch gleich zur Stelle. Der Polizeipräsident lag bereits ausgestreckt auf dem Boden und hatte schon etwas Erbrochen. Doktor Dorer, der ihn untersuchte und auch schon seinen Tod feststellte, dachte zunächst an Herzversagen, aber auch eine Vergiftung wäre möglich, äußerte er nur kurz seinen Verdacht leise zu Kirsch.
„Bevor ich mehr sagen kann, muss er in der Pathologie untersucht werden, veranlassen Sie alles, Herr Kirsch.“
Weshalb der Polizeipräsident?, dachte Kirsch, der selbst ganz gelb und grünlich im Gesicht aussah, aber gar nichts gegessen und getrunken hatte.
„Ruf die Spusi an und hol Verstärkung!“, sagte er nur kurz zu Eugen.
„Keiner darf den Saal verlassen!“, rief er dann ganz laut den Gästen zu.
Der Minister war nicht sehr amüsiert, denn er hatte noch einen anderen Termin und auch Herr Sonnenschein stand der Ärger ins Gesicht geschrieben, weil die ganze Veranstaltung nun den Bach herunterging. Nicht auszudenken, welche Schlagzeilen morgen zu lesen waren und vor allem, diese Weinprobe sollte ein Prestigeprojekt werden, um die Besucherzahlen beim Tourismus anzukurbeln und jetzt das.
Helen kam angerauscht und teilte mit, dass Verstärkung unterwegs sei und auch die KTU schnellstens eintreffen wird. Der Bürgermeister hatte schon alle Hebel in Bewegung gesetzt, denn eines war sicher, dieser Fall, der für derartige Schlagzeilen sorgen würde, muss schnellstens aufgeklärt werden, damit die Gäste nicht ausbleiben. Ein paar Schaulustige hatten sich auch schon eingefunden, als die Polizei und der Krankenwagen vorgefahren kamen.
Die Leiche muss schnellstens in die Pathologie, Doktor Dorer nimmt sie gleich mit“, ordnete Kirsch an.
„Wir müssen auch seine Frau, Frau Wangler, verständigen, bevor sie es von anderen erfahren wird.“
Kirsch besprach sich kurz mit dem Bürgermeister. Eugen und Helen waren schon dabei die Adressen der Gäste zu erfassen, denn alle da zu behalten, das ging auf keinen Fall. Auch die Spusi machte ihre Arbeit und so konnte Kirsch nun mit den Ermittlungen beginnen, wobei er zunächst den Tatort inspizierte und dann die Frau des Polizeipräsidenten aufsuchen wollte, die im Nachbarort in einem schmucken Eigenheim wohnte.
Doch zunächst wollte er noch seine Kollegen, den pingeligen Hans Huber und den attraktiven Franz Drechsler erwarten, die ja schon verständigt waren und von der Kripo der nahen Stadt herbeigerufen wurden. Allein mit Eugen und der kleinen Helen konnte er den Fall nicht lösen, da war sich Kirsch mit sich selbst einig. Natürlich hatte er den Ehrgeiz den Fall zu lösen, aber die Kollegen aus der Stadt konnten doch auch hilfreich sein.
Im Saal herrschte eine abgrundtiefe Stille, denn allen saß das Geschehene noch in den Gliedern. Manche beklagten natürlich, dass diese schöne Veranstaltung so schnöde abgerissen wurde, wo man doch beim Wein so harmonisch zusammensaß. Auch der Küchen-Großmeister bedauerte den Vorfall und der schöne Hecht in der Rieslingsauce konnte ihn auch nicht darüber hinwegtrösten, dass sein Essen, das er so sorgfältig zubereitet hatte, nun nicht mehr restlos genossen werden konnte.
„Was für ein Desaster?“, schmollte er ein wenig, denn seinen Namen mit diesem Malheur in Verbindung zu bringen, gefiel ihm gar nicht. „Mon Dieu, was werden denn die Gastrokritiker so alles zusammenreimen und zusammenschreiben.“
„Hätte ich doch nur nicht zugesagt“, sagte sich Marius Benet-Ebneth, der am liebsten alles eingepackt und sich in seine heimische Küche im Schwarzwald zurückgezogen hätte.
Auch der Wirt vom „Goldenen Becher“ war völlig verstört, weil er ja schon denken konnte, was auf ihn zukam. Was werden die Gäste sagen, ein Mord in meinem Gasthaus, da kann ich ja den Laden gleich dicht machen. Und das Sommergeschäft fängt ja auch erst an. Er war nur noch ein Häufchen Elend, wie auch seine Bediensteten.
Was ist denn das für ein Mist, so ärgerten sich die Bedienungen, die schon ihren schönen Verdienst davonfließen sahen. Mit dem Polizeipräsidenten hatte eigentlich niemand groß Mitleid. Er war nicht sehr beliebt im Ort und auch ein Schürzenjäger, das war bekannt. Das Mitleid galt eher seiner Frau.
„Eugen komm‘ bitte, wir müssen zu Frau Wangler gehen. Ich möchte nicht, dass sie die Geschichte von anderen zuerst erfährt.“
„Du weißt, die Gerüchteküche kocht immer am schnellsten“, so der Kommissar zu Eugen.
Nachdem er sich noch mit Hans Huber und Franz Drechsler besprochen hatte, die sich den Anwesenden angenommen hatten, ging er mit Eugen zu seinem Auto und fuhr in den Nachbarort.
Nach dem Klingeln an der Haustüre öffnete ihm eine kleine etwas blasse Frau die Tür. Es war Frau Wangler. Kirsch fiel es schwer in das Haus einzutreten. Was erwartete ihn hier, ein heftiger Gefühlsausbruch oder gar nichts? Der Polizeipräsident hatte keine Kinder, deshalb wusste er, dass die kleine schmale Frau auch keine weiteren Angehörigen hier im Ort hatte und auch sonst immer ein bisschen zurückgezogen gelebt hatte.
„Frau Wangler, wir müssen Ihnen leider eine traurige Nachricht hinterbringen“, setzte Kirsch zunächst an und Eugen machte dazu ein betretenes Gesicht.
„Was ist los, Herr Kirsch?“ „Ist mein Mann verunglückt?“
„Weshalb bringen Sie mir eine schlechte Nachricht?“
Kirsch war untröstlich, wie bringe ich es ihr nur bei, damit sie nicht in Ohnmacht fällt, dachte er kurz. Das wäre für ihn das Schlimmste gewesen.
„Setzen Sie sich bitte erst mal hin, Frau Wangler!“
Dann eröffnete er ziemlich umständlich, dass es ja heute Morgen eine Weinprobe gegeben hatte und der Polizeipräsident auch anwesend war.
„Das weiß ich ja, Herr Kirsch, ich habe meinem Mann noch die neue Uniform aus der Reinigung geholt. Was ist denn nun?“, fuhr sie ihm schon mal in die Parade.
„Also, Frau Wangler, Ihr Mann ist tot“, platzte es dann ziemlich schnell und sehr unbeholfen aus Kirsch heraus.
Ansonsten war er eher feinfühliger, aber irgendwie wusste er nicht recht, wie er diese schlimme Nachricht überbringen konnte.
„Tot, ja, ist er verunglückt, was ist geschehen, Herr Kirsch, so antworten Sie doch!“
„ Nein, wir wissen es noch nicht genau, ob es ein Herzversagen war oder eine Vergiftung, also Mord war.“
„Ermordet?“, war das Einzige, was Frau Wangler noch herausbrachte.
Irgendwie schwanden der Frau dann die Sinne und Kirsch konnte sie gerade noch auffangen und auf die Coach setzen.
„Ermordet, wieso denn das?“
„Wir wissen es auch noch nicht“, musste Kirsch gestehen.
„Wir sind ja erst am Anfang der Ermittlungen. Hatte ihr Mann Feinde?“
„Nein, nicht dass ich wüsste“, antwortete Frau Wangler.
„Frau Wamgler, haben Sie Nachbarn oder Verwandte hier im Ort, damit sie sich um Sie kümmern können oder soll ich unsere Psychologin kommen lassen?“
Frau Wangler war die Kapriolen ihres Mannes gewohnt, aber das Geschehene jetzt, der Tod oder gar Mord, das ging ihr doch zu weit. Sie konnte nur mühsam sprechen und bat um ein Glas Wasser.
„Eugen, hol Frau Wangler mal ein Glas Wasser!“, herrschte Kirsch seinen Assistenten an.
Nachdem sie etwas Wasser zu sich genommen hatte, kam wieder etwas Farbe in Frau Wanglers Gesicht.
„Ich weiß nicht, was ich sagen soll“, meinte Frau Wamgler nur kurz.
„Ich kann mir darauf keinen Reim mache. Er hatte keine Feinde, auch nicht im Präsidium.“
„Er hatte wohl mal hie und da eine Affäre, aber das war ich gewohnt“, sagte Frau Wangler leise.
„Ich möchte Sie nur ungern alleine lassen“, war alles war Kirsch noch heraus brachte, weil er fand, dass Frau Wangler sehr tapfer reagierte.
„Eugen, verbinde mich bitte mal mit Helen, ich will mit ihr sprechen, wo ist sie überhaupt?“, fragte Kirsch bei Eugen nach.
Als Helen am Telefon war, informierte Kirsch sie über den Vorgang.
„Helen ruf doch mal die Psychologin an, sie soll zu Frau Wangler kommen, damit sie nicht alleine ist“, teilte Kirsch dann kurz seiner Assistentin mit.
Eugen und Kirsch verabschiedeten sich bei Frau Wangler, weil sie jetzt beide doch nichts mehr verrichten konnten und am Ort des Geschehens gebraucht würden. Sie gingen auf dem schnellsten Weg zurück ins Büro. Vielleicht war ja schon der Bericht von der Spusi und KTU da und Kirsch wollte auch wissen, was die beiden Schlaumeier von der Kreispolizei herausbekommen hatten. Doch zunächst machten sie noch einen Abstecher in den „Goldenen Becher“. Dort waren Huber und Drechsler noch mit dem Befragen der Gäste beschäftigt. Ansonsten waren schon viele Teilnehmer der Weinprobe wieder abgereist. Da sie auch hier nichts mehr unterrichten konnten, gingen sie zurück ins Büro.
„Hallo, niemand da?“, rief Kirsch lautstark ins Büro.
Helen kam angelaufen und berichtete aufgeregt, dass sie die Psychologin nicht angetroffen hatte, aber eine Nachricht hinterlassen hatte.
„Ist schon ein Bericht von der Spusi und Pathologie eingetroffen?“
„Ja“, sagte Helen und erklärte den beiden, dass Polizeipräsident Wangler an einer Überdosis „Gift“ gestorben sein könnte.
„Wo ist der Bericht?“, wollte Kirsch wissen, weil er alles persönlich lesen wollte.
„Hier“, bestätigte Helen, die ihm den vorläufigen Bericht von der Pathologie aushändigte, der doch ziemlich schnell im Kommissariat gelandet ist.
Da stand es schwarz auf weiß, dass der Polizeipräsident an einer Überdosis Pflanzengift, E 605, das eigentlich nicht mehr verkauft werden dürfte, verstorben ist.
Nun erfreut schien Kirsch nicht zu sein. Denn die Frage war ja, wie hatte Schorsch Wangler das Gift zu sich genommen? Vielleicht war es im Essen oder auch im Secco oder im Wein, es waren viele Möglichkeiten, die natürlich nicht für eine schnelle Aufklärung sorgten.
„Was steht noch im Bericht?“, wollte der Kommissar wissen.
„Es könnte sowohl im Essen gewesen sein, als auch in den Weinen oder vor allem im Secco, das konnte noch nicht ganz herausgefunden werden“, erwiderte Helen, die den Bericht schon mehrmals gelesen hatte.
Das Menü sah eine köstliche Bärlauchsuppe vor, danach einen bunten Salatteller mit Sprossen sowie einen Zander in Rieslingsauce.
So langsam verspürte Kirsch wieder Hunger, wenn er die exzellenten Speisen nochmals Revue passieren ließ.
„Ich muss dringend mit dem Koch sprechen.“
„Wo bleiben denn die Herren Huber und Drechsler?“, wollte Kirsch wissen.
Helen und Eugen gingen auf Spurensuche.
„Ah, da sind Sie ja meine Herren, und schon was rausbekommen?“, fragte Kirsch nicht gerade galant.
„Haben Sie die Berichte von der Spusi und von der Pathologie schon gelesen?“, fragten die beiden direkt bei Kirsch nach.
„Ja, ja, damit müssen wir uns nicht mehr aufhalten“, war Kirschs lapidare Antwort.
„Es gibt noch zwei weitere Möglichkeiten, die eine wäre, dass nicht der Polizeipräsident ermordet werden sollte, sondern ein anderer oder eine andere Person bzw., dass das Gift in eine der Speisen oder in den Wein kam und nicht unbedingt der Polizeipräsident getroffen werden sollte, brachten die beiden hervor.
„Ich tippe auf gezielt“, sagte Kirsch energisch, um die Ermittlungen voranzubringen.
„Ja, diesen Verdacht haben wir auch“, entgegneten die beiden Kripobeamten aus der Stadt.
„Also was schlagen Sie vor, meine Herren?“, brachte Kirsch das ganze ziemlich schnell auf den Punkt.
„Wir müssen vor allem den Koch und auch seine Mannschaft unter die Lupe nehmen.“
„Das könnten Sie machen“, gab Kirsch seine Anweisung an die beiden Herren.
„Wir, das sind Eugen und Helen, meine beiden Assistenten, werden das Umfeld des Polizeipräsidenten untersuchen, um hier nach Spuren zu suchen. Außerdem müssen wir auch noch die Wandschmierereien weiter untersuchen, denn es könnte ja auch derjenige gewesen sein, der eben diese Drohung geschrieben und ausgesprochen hat.“
Huber und Drechsler waren sich da nicht so sicher. Erfahrungsgemäß ist ein Giftmord ein heimtückischer Mord und der wird nicht angekündigt, sprachen die beiden, die sich schon mal auf den Weg zum Koch und seiner Mannschaft machten.
Eugen, Helen und Kirsch berieten sich.
„Helen, du holst dir mal die Akten vom Polizeipräsidenten. Schau mal nach den nicht aufgeklärten Fällen. Eugen, du fährst in die Stadt auf das Präsidium und inspizierst sein Zimmer, ich werde dich da auch begleiten, damit du keinen Unfug machen kannst“, lachte der Kommissar etwas gequält.
„Vorher muss ich aber noch was Essen, aber nicht im Hotel „Goldener Becher“, da ist mir das Essen vergangen.“
„Komm, wir gehen in die Backstube, vielleicht erfahren wir ja auch etwas.“
„Der Tod vom Polizeipräsidenten hat sicher schon die Runde im Ort gemacht und es gibt immer Leute, die was zu berichten haben.“
Auch Eugen hatte mittlerweile Hunger und so gingen sie schnell über die Straße in die Backstube „Brezel“, wo es nicht nur feine Kuchenstücke gab, sondern auch etwas Deftiges.
„Ich nehme einen Fleischkäse-Weck und du Eugen?“
„Ich nehme auch einen, Chef“, antwortete Eugen schnell.
„Hallo Andrea, gib uns mal zwei Fleischkäse-Wecken, aber gut gefüllt mit Fleischkäse nicht nur mit so einem schmalen Stück“, ließ Kirsch von sich hören.
„Viel zu tun, gell“, sagte Andrea spitz, die schon vom Tod des Polizeipräsidenten wusste und ein bisschen vor sich hin kicherte.
„Was gibt es denn da zu kichern“, wollte Kirsch wissen. Es war ein Mord und das ist nicht spaßig.“
„Entschuldigung“, brachte Andrea zerknirscht heraus.
„Ich meinte ja nur, jetzt hat es ihn mal erwischt. Seine Frau behandelte er nicht gerade gut und auch auf dem Präsidium war er auch nicht so beliebt.“
„Was weißt du denn schon?“, rief Kirsch etwas patzig in die Runde.
„Sein Beruf ist nicht gerade leicht, denke nur daran, als damals das Kind überfahren wurde und man den Fahrer nicht fand“, wandte Kirsch weiter ein.
„Ja, das war schlimm“, entgegnete Andrea etwas besänftigt.
„Aber ich will ja nichts sagen, aber vielleicht war es ja auch ein Mann, denn er hatte ja einige Affären, auch mit verheirateten Frauen, auch in unserem Ort“, wusste Andrea tiefgründig zu berichten.
Kirsch warf Eugen nur einen bezeichnenden Blick zu.
„Siehst du, was hab ich dir nicht gesagt, das Lästern geht schon los, gell Eugen, das hab ich doch gewusst. Du musst nur in den Ort gehen und da tragen dir die Leute schon die Neuigkeiten zu“, bemerkte Kirsch zu Eugen.
„Eugen bist du satt oder sollen wir noch einen verdrücken, was meinst du?“, fragte Kirsch, der schon noch mit einem weiteren Fleischkäsbrötchen liebäugelte.
„Also wir nehmen einen zusammen, die sind ja groß, das reicht uns dann“, denn ein bisschen sparsam war Kirsch auch, nicht geizig, aber sparsam.
Wieder im Büro nahmen sie noch kurz mit Helen Kontakt auf, die über den Akten brütete.
„Etwas Brauchbares dabei?“, wollte Kirsch wissen.
„Nein, Chef, bis jetzt noch nicht. Ich habe aber auch noch einige Akten.“
„Das gibt heute Nachtarbeit“, war die knappe Antwort von Kirsch.
„Übrigens der Bürgermeister hat auch schon angerufen, er will morgen eine Pressekonferenz abhalten. Das Fernsehen war auch schon hier und wollte von Ihnen einen O-Ton haben.“
„Ich sage nichts, verweise sie alle an unsere Pressestelle. Ich werde mich da doch nicht in die Nesseln setzen“, brummte Kirsch in seinen Bart, vielmehr Schnauzer.
„Wir müssen morgen dem Bürgermeister einige brauchbare Hinweise liefern. Waren Huber und Drechsler schon hier? Nein, dann sage Ihnen Bescheid, dass wir uns gegen 18 Uhr noch im Büro treffen. Eugen und ich fahren jetzt in die Stadt ins Polizeipräsidium und hören uns dort um.“
Huber und Drechsler hatten sich schon mal den Koch vorgeknöpft. Allerdings war dies ein Sternekoch und mit dem musste man schließlich in sanften Tönen umgehen. Marius Benet-Ebneth hatte alle seine Speisereste noch in den Töpfen gesammelt und auch mit seiner Mannschaft nochmals die einzelnen Menüvorgänge besprochen. Während des Essens war niemand sonst im Raum. Die Küche war sein Metier und keine Außenstehenden hatten während der Kochvorgänge Zutritt zum Raum. Die Speisen wurden zwar schon in seiner Hotelküche zubereitet und hier nur kurz aufgewärmt. Aber auch er konnte sich nicht erklären, wie das Gift in eine der Speisen gekommen wäre. Merkwürdig, es war doch niemand im Raum, dachte der Sternekoch. Es können nur die Bedienungen gewesen sein, die wurden ja vom Hotel „Goldenen Becher“ gestellt. Aber wieso sollten diese einen solchen Mord begehen? Rosel, Anne und Selma waren die drei Bedienungen, die sehr umsichtig und schon lange im Hotel „Goldener Becher“ arbeiteten.
„Wir müssen auch das Umfeld der Bedienungen beleuchten“, sagten Huber und Drechsler.
Alle drei Bedienungen machten jedoch einen guten Eindruck auf die beiden Ermittler.
Sie hatten die Speisen entgegengenommen und an die Tische gebracht. Eine Verwechslung mit einem anderen Gast kam nicht in Betracht, sprachen alle drei unisono aus.
Kirsch und Eugen waren inzwischen in der Stadt angelangt und im Polizeipräsidium wurden sie von den Kollegen regelrecht bestürmt.
„Ihr bringt ja keine guten Nachrichten mit“, so Gustl der älteste Polizist, der auch aus Wiesenbach stammte.
„Das ist ja keine gute Werbung für Wiesenbach und die Hotellerie“, brachte er schon etwas aggressiv hervor.
„Ja, glaubst du uns ist das recht, dass das passiert ist. Wir müssen alle daran arbeiten, dass dieser Fall schnellstens aufgeklärt wird.“
„Klar, Kirsch, wir helfen euch mit.“
„Zwei unserer besten Beamten, Huber und Drechsler, sind ja schon bei euch. Wieso sind die nicht hierhergekommen?“
„Das ist doch klar, für uns ist das Polizeipräsidium Neuland, da passen wir einfach besser auf, gell Eugen.“
„Zeigt uns mal das Zimmer vom Polizeipräsidenten.“
„Dort hinten ist es, wir haben es gleich abgeschlossen, dass niemand herein kann.“
„Das war gut.“
Eugen und Kirsch betraten einen schönen Raum. Der ist nicht so klein wie unserer, dachte Eugen.
„Eugen geh du mal an den Computer, du kennst dich mit dem besser aus als ich. Schau mal welche Nachrichten und E-Mails drauf sind. Ich inspiziere mal den Schreibtisch.“
Ein Fach war abgeschlossen, aber Kirsch fand den Schlüssel und auch ein Notizbuch. Vielleicht sind dort auch Adressen zu finden? Kirsch nahm das Notizbuch an sich und wollte es am Abend zuhause studieren.
„Was sind denn dort für Bücher?“, wollte Kirsch wissen.
„Alles Gesetzbücher“, antwortete Eugen.
„Hast du was auf dem Computer gefunden?“, wollte der Kommissar weiter wissen, was Eugen verneinte.
„Dann nehmen wir den Computer auch mit bzw. bringen ihn zur KTU, die soll ihn mal untersuchen.“
„Komm Eugen, wir gehen. Im Schreibtisch sind ansonsten auch keine Unterlagen mehr.“
„Gustl, bring den Computer zur KTU. Die sollen die Unterlagen sichten. Es wäre natürlich gut, wenn wir morgen schon etwas Näheres wüssten. Bürgermeister Wohlgemuth will morgen um 10 Uhr eine Pressekonferenz abhalten. Die Presse ist ja wie wild darauf, etwas zu erfahren. Das ist ja klar, der Polizeipräsident ist ja auch eine honorige Person. Was weißt du denn noch über ihn? Komm rück mal raus, Gustl!“
„Er hat uns immer in allem unterstützt“, zeichnete Gustl kein schlechtes Bild vom Verstorbenen. „Er war auch für die Umgehungsstraße, wie du ja weißt und hat dies auch im Gemeinderat vorgetragen.“
„Glaubst du, das hängt irgendwie zusammen. Für eine Umgehungsstraße bringt man aber doch keinen um, bist du bei Sinnen, Gustl.“
„Das glaub ich nicht. Es gibt natürlich unter den Winzern schon einige Rabauken, aber einen umbringen, das glaube ich nicht.“
„Also wenn weitere Hinweise aus der Bevölkerung kommen oder du noch was weißt, melde dich bei mir. Adieu, Gustl, wir fahren jetzt wieder nach Wiesenbach.“
Schon von weitem sahen sie bei Wiesenbach ein Aufkommen von Polizeiautos und Krankenwagen.
„Was ist denn jetzt noch passiert? Ruf mal Helen an, Eugen und frage nach!“
Helens Apparat war jedoch ständig besetzt. Als sie näher kamen, entdeckten sie, dass Winzer Sänger mit seinem Traktor verunglückt war.
„Das hat mir gerade noch gefehlt. Was ist denn passiert?“, sagte er zu Helen, die er endlich erreicht hat.
„Ein Auto hat ihn ziemlich scharf überholt und er konnte nicht mehr ausweichen und ist mit seinem Traktor die Böschung heruntergefahren. Es hat ihn dann vom Traktor geworfen und der Traktor ist ein Stück an ihn geraten. Er ist nicht tot, aber ziemlich schwer verletzt“, erzählte Helen am Telefon.
„Was kommt denn noch?“, fragte sich Kirsch.
Winzer Sänger wurde dann mit dem Krankenwagen abtransportiert.
„Das übergeben wir der Verkehrspolizei, das hat nichts mit unserem Fall zu tun“, sagte Kirsch zu Eugen.
Diese war auch schon anwesend und notierte sich alles. Kirsch und Eugen mussten sich beeilen, denn um 18 Uhr war ein Date angesetzt. Im Büro angekommen, warteten auch schon die Kolleginnen und Kollegen sowie Huber und Drechsler von der Polizeidienststelle aus Burgstetten auf die beiden. Helen servierte Kaffee und frische belegte Brötchen, auf die sich Eugen und auch Kirsch schnell stürzten, denn sie hatten ja seit Mittag nur ihre mageren Fleischkäsewecken verspeist.
„Hm, das tut jetzt mal richtig gut“, kommentierte Kirsch das Essen, als wären die beiden Happen ein Hochzeitsessen.
„Was haben wir denn nun“, wollte Kirsch wissen.
Huber und Drechsler hatten ja alle Adressen von den Honoratioren aufgenommen und auch gefragt, was ihnen besonders aufgefallen ist. Außerdem hatten sie auch den Sternekoch und die Mannschaft befragt und die drei Bedienungen.
„Es gibt nichts Verdächtiges, sowohl beim Sternekoch, als auch bei den Honoratioren und den Bedienungen. Niemand hat was beobachtet oder auch nur gesehen“, führten sie ihre Erläuterungen präzise aus.
„Hm“, machte Kirsch und zeigte sich damit nicht gerade zufrieden.
„Ist das alles, das ist aber dürftig.“
Er hatte zumindest gehofft, dass irgendeinem etwas aufgefallen wäre.
„Jetzt haben wir noch den Unfall von Winzer Sänger“, informierte er die anderen.
„Aber ich glaube nicht, dass es mit unserem Mord etwas zu tun hat“, so Kirsch.
„Ein Giftmord, das ist etwas Typisch Weibliches“, meinte Kirsch, wobei auch Huber und Drechsler nickten. „Wissen wir schon Weiteres von der Pathologie?“
„Nein“, erwiderte Helen, die sich ja darum gekümmert hatte.
„Doktor Dorer vermutet, dass er es mit dem Begrüßungs-Secco eingenommen hat, bei Sekt wirkt das Gift schneller“, meinte Helen. „Es wurde bei der Untersuchung auch festgestellt, dass der Polizeipräsident ein schwaches Herz hatte.“
„Vielleicht hat ihn der Polizeipräsident ja nicht gleich getrunken, kann ja möglich sein“, so Helen und auch Eugen nickte beflissen.
„Gut denkbar, dass die Gläser schon eingeschenkt waren und er das Glas auch mal kurz abgestellt hatte und ihn erst etwas später zu sich genommen hatte“, brachten auch Huber und Drechsler hervor.
„Na ja das sind alles Spekulationen und an denen sollten wir uns nicht beteiligen. Das Glas, aus dem der Polizeipräsident den Secco getrunken hat, wurde das gefunden? Jetzt warten wir den endgültigen Bericht der Pathologie ab. Die Speisen sind alle nicht im Hotel „Goldenen Becher“ zubereitet worden, sondern dort nur aufgewärmt bzw. kamen schon in Behältern ins Hotel. Ja, den Sternekoch und seine Mannschaft können wir ausschließen, was sollten sie denn für ein Motiv haben?“, fragte Kirsch.
„Wir müssen das Motiv suchen, und das haben wir noch nicht“, erwiderte Kirsch.
„Helen, was hast du aus den Akten herausgefunden, du solltest doch nochmals die Akten durchsehen. Da gibt es auch nichts Besonderes“, meinte Helen. Nur ein Fall wurde noch nicht aufgeklärt, das ist der Fall mit der toten Madeleine.
„Dem Mädchen von der Winzerfamilie Huber?“, fragte Kirsch nach.
„Ja“, erwiderte Helen.
„Das Mädchen fuhr auf der schmalen Straße vom Training nach Hause. Irgendwie kam es von der Straße ab und schlug sich den Kopf an einem Gedenkstein auf“, führte Helen aus.
„Dieser Stein, was hat mich dieser Stein schon geärgert“, fuhr Kirsch dazwischen.
„Da sie nicht auf der Straße lag, wurde sie auch nicht gleich bemerkt. Erst als die Eltern Alarm schlugen, weil sie um 21 Uhr noch immer nicht zuhause war, und sie ihr Kind bei der Polizei als vermisst gemeldet hatten, haben die Polizisten die Meldung aufgenommen“, so Helen weiter.
„Die haben natürlich nicht gleich reagiert, weil sie angenommen hatten, dass das Mädchen bei einer Freundin sei. Erst als sie um 22 Uhr noch nicht zuhause war, hat die Polizei mit der Suchaktion begonnen.“
„Da hätten wir ja ein Motiv, die Polizei hat zu spät reagiert, aber das hat mit dem Polizeipräsidenten nichts zu tun, denn der war ja zu dieser Zeit noch nicht im Ort“, entgegnete Helen.
„Er ist erst später, weit nach dem Unfalltod des Kindes nach Wiesenbach gekommen.“
„Ja, das ist schon merkwürdig. Obwohl zu dieser Zeit hat da schon im Nachbarort gewohnt.“
Deshalb hat er auch seine Versetzung beantragt, dass er näher an seinem
Wohnort war“, erwiderte Huber, der den Polizeipräsidenten schon von früher her kannte.
„Gut, ganz außen vor sollten wir das nicht lassen“, so Kirsch.
„Wir haben seinen Computer mitgenommen und auch ich habe sein Notizbüchlein. Das schaue ich mir heute Abend zuhause in aller Ruhe an.“
„Was sagt denn der Bürgermeister?“
„Sie haben ja mit ihm gesprochen“, wollte Kirsch noch von Huber und Drechsler wissen.
„Der Bürgermeister ist auch ratlos. Auch der Minister und alle anderen Behördenchefs und Honoratioren können sich keinen Reim auf die Vergiftung machen. Das alles passt doch gar nicht zu unserem Weinort“, erwiderten Huber und Drechsler.
„Wir haben doch die besten Weine weit und breit und jetzt eine Vergiftung während einer Weinprobe, das kann uns und auch die Bevölkerung, wie auch die Winzer, gar nicht freuen.“
„Das ist nicht spaßig“, bemerkte Kirsch etwas gedankenverloren.
„Gut, wir haben ja morgen früh die Pressekonferenz. Viel sagen können wir noch nicht, aber wir werden den Bürgermeister auf jeden Fall unterstützen. Wir treffen uns gleich morgen früh und besprechen nochmals alles“, so Kirsch.
„Helen und Eugen, ihr haltet hier die Stellung und gebt mir Bescheid, wenn die Pathologie noch ihren Bericht abliefert oder sonst noch Informationen eingehen. Morgen früh um 7 Uhr kommen alle zum Rapport“, meinte Kirsch, der sich dann auf den Weg nach Hause machte.
Kapitel 3
Seine Frau Moni erwartete Kirsch schon und wollte ihm ein schmackhaftes Mahl zubereiten. Allerdings Kirsch, der sonst den Genüssen aufgeschlossen gegenüber steht, hatte keinen richtigen Hunger. Er war ziemlich abwesend.
„Moni mach mir was Leichtes, vielleicht ein Ei mit Schwarzwälder Schinken und einen Salat dazu. Ich muss mich gleich noch an die Arbeit machen. Ich will das Notizbüchlein vom Polizeipräsidenten studieren, vielleicht finde ich da einen Hinweis?“, bemerkte Kirsch zu seiner Frau. Hatte aber mal wieder seinen bestimmenden Kommandoton drauf, den er manchmal nicht nur sich selbst, auch seinen Assistenten angedeihen lässt.
Schnell verzog sich Kirsch in seiner Lieblingsecke im Wohnzimmer, wo auch sein Schreibtisch steht und sein Lieblingssessel, ein schwerer Clubsessel, den er in alle Wohnungen mitgebracht hatte und noch von seinen Großeltern stammte. Inzwischen war er schon ein dutzendmal neu überzogen worden, aber der Sessel war unverwüstlich und dort konnte er seinen Gedanken am besten nachhängen.
Aber zunächst beschäftigte er sich wieder mit dem Sessel, weil der da so unberührt in seiner Ecke stand und einfach zu ihm gehörte, wie seine Moni, sein Lieblings-Spätburgunder und seine Brille, die er wieder einmal nicht fand und die er eigentlich auch nur zum Lesen benötigte.
Der Sessel hat schon eine Geschichte, dachte Kirsch, als er darin Platz nahm. Was hat der schon alles erlebt. Sein Urgroßvater war Schuster und hat auch bei der Polizei in Freiburg gearbeitet. Er hat dort in den 20-er Jahren die Schuhe der Polizisten immer wieder neu besohlt. Das war eine harte Arbeit. Und um die Familie durchzubringen hat er Tag und Nacht Schuhe geflickt und besohlt und damit einen schönen Batzen Geld verdient und dann die beiden Clubsessel und das wirklich schöne, im Jugendstil errichtete Wohnzimmer , die mit Leder bezogenen Stühle, den Tisch, das Buffet und eben die beiden Clubsessel gekauft. Schade, dass die Möbel, vor allem die Wanduhr, nicht mehr in seinem Besitz sind, dachte Kirsch immer mal wieder. Geblieben ist ihm nur der Clubsessel.
Das Notizbüchlein des Polizeipräsidenten, das er aus seiner Jackentasche holte, war schon etwas abgewetzt, man sah ihm seinen Gebrauch an. Und die Seiten waren prall gefüllt mit Namen und Adressen und vor allem mit Telefonnummern. Und in der Jackentasche fand Kirsch dann auch seine Brille wieder.
„Was hat der denn alles aufgeschrieben?“, brummte Kirsch in seinen Schnauzer, als er darin blätterte.
Ich muss strategisch vorgehen und von vorne beginnen, dachte Kirsch, als er sich dem Büchlein widmete.
Der Polizeipräsident hatte sich alles pedantisch genau aufgeschrieben und auch die Geburtstage seiner Vorgesetzten und der Frauen genauestens notiert. Na ja, er war halt ein Wichtigtuer und Karrieremensch und da kann man Punkte sammeln bei den oberen Beamten, dachte Kirsch. Natürlich waren auch Adressen von Freundinnen drin.
„Ah, wen haben wir denn da, hier steht auch die Telefonnummer von Lore drin, der Assistentin von Sonnenschein‘“, sprach Kirsch wieder laut vor sich hin.
„Was will er denn von ihr, da muss ich gleich mal morgen nachhaken. Und auch die Frau vom Bürgermeister ist vermerkt. Da schau an, der Schwerenöter!“, war der kurze Kommentar.
Ja, hatte er denn auch was mit der Frau vom Bürgermeister, das wird ja immer schöner?, dachte Kirsch, der ganz perplex war ob dieser Nachrichten.
Da haben wir doch schon zwei Verdächtige, schrieb Kirsch schon gleich in sein Büchlein.
Kirsch war nicht sehr amüsiert über die Notizen, denn mit der Frau vom Bürgermeister war nicht gut Kirschen essen. Lore hingegen war ein sanftes Lamm. Und dann entdeckte er noch weitere Namen, u.a. auch die Frau von Winzer Huber, Marianne Huber, deren Tochter ja durch merkwürdige Umstände verstorben war. Das passte alles gar nicht so richtig zusammen, als er die Namen laut vorlas. Kirsch sah eine Menge Arbeit auf sich zukommen.
„Das wird morgen ein harter Tag“, meinte Kirsch und machte sich noch ein paar Notizen.
Dann servierte Moni auch schon das Abendessen und auch sie wollte natürlich noch von den Neuigkeiten partizipieren.
„Frauen haben manchmal eine bessere Intuition“, lächelte Kirsch seiner Frau Moni zu, der er natürlich unter aller Verschwiegenheit die Geschehnisse anvertraute.
Mein Gott, dachte Moni, was kommt da alles auf Kirsch zu.
„Da wird die nächste Zeit nicht sehr lustig werden, Kirsch“, sagte Moni zu ihrem Mann.
Und als sie aus dem Fenster blickte, sah sie wie von selbst eine große dunkle Gewitterwolke am Nachthimmel auf sich und Kirsch zukommen.
Ziemlich zeitig wachte Kirsch auf und machte sich einen schnellen Kaffee. Die Morgenstunde war ihm immer das allerliebste, da konnte er noch gemütlich Zeitung lesen und in aller Ruhe seinen Kaffee trinken.
Mal schauen, was schon in der Zeitung steht?, dachte Kirsch.
Groß sprang ihm schon die Headline ins Auge. „Statt Secco trank er einen Giftpunsch!“
„Was war das denn, wer hatte denn da geplaudert?“, fragte sich Kirsch ein ums andere Mal.
Dass der Polizeipräsident durch Gift starb, das war ja nur wenigen bekannt. Und jetzt stand es schon groß in der Zeitung.
„Das passt mir jetzt gar nicht“, bemerkte Kirsch zu sich und Moni, seiner Frau.
Weiter ging es im Text, dass die Polizei noch völlig im Dunkeln tappt. Bürgermeister und Minister kamen auch zu Wort, Sternekoch und Tourismus-Manager waren auch nicht gerade „amüsiert“, zitiert worden.
„Das war ja klar. Wer ist schon amüsiert bei einem solchen Vergehen“, sagte Kirsch, dem sein Morgenkaffee gar nicht mehr schmeckte.
Schnell ging er unter die Dusche und danach ins Büro. Kirsch war ein alter Hase bei der Polizei, wenn gleich er nicht jeden Tag einen Mord aufzuklären hat. Aber er war gewieft und seine Fälle bearbeitete er akkurat und auch immer zur Zufriedenheit seiner Vorgesetzten. Es gab auch schon einige Morde, so der heimtückische Mord an einer alten Rentnerin, den er aufdecken konnte oder auch der Mord im Rotlicht-Milieu, als er noch in einer Stadt an der Schweizer Grenze weilte und auch der aufsehenerregende Fall einer Geschäftsfrau, die im Zug überfallen und dann grausam ermordet wurde. Als Kommissar hatte er schon mit den schwierigsten Fällen zu tun, aber er kam den Mördern immer auf die Spur, da war schon sein Gerechtigkeitssinn gefordert.
Kirsch registrierte auch diesen Fall, wobei er schon eine Beziehungstat im Auge hatte. Eugen und Helen erwartete er schon früher und auch die beiden Kommissare Huber und Drechsler. Doch als er auf die Uhr schaute, bemerkte er, dass es erst 6.30 Uhr war. Da hatte er noch etwas Zeit.
Nur der frühe Vogel fängt den Wurm, dachte sich Kirsch.
„Ich geh nochmal schnell zum Bäcker und hol mir einen Weck oder für die ganze Mannschaft ein paar Brezeln“, bemerkte Kirsch zu seiner Frau und machte sich auf den Weg.
Die Bäckerei Hutter war nur ein paar Meter vom Polizeikommissariat entfernt. Auf dem Weg zur Bäckerei begegnete ihm doch glatt Marianne Huber, die auch für ihre Familie einkaufen ging.
„Na, Frau Huber“, fragte Kirsch, „ist bei dir alles okay?“
Etwas angespannt, zeigte sich schon die Winzerin, die nur sehr schmallippig Auskunft gab.
„Es ist ja furchtbar, was gestern geschehen ist, der arme Polizeipräsident“, flötete sie in höchsten Tönen.
„Ich habe ihn ja auch gekannt, er hatte großen Anteil beim Tod unserer Tochter genommen.“
Aha, dachte Kirsch, daher weht der Wind.
„Ja, ich muss auch noch mit dir sprechen“, erwiderte Kirsch zu Marianne Huber. Sie waren schon lange gut miteinander bekannt und auf dem Land duzt man sich halt einfach.
„Ich komme vorbei oder ich schicke dir Eugen und Helen vorbei.“
„Ja, gut, aber heute gehen wir in die Reben.“
Nur ein paar Schritte weiter lief ihm doch auch noch die zweite Verdächtige, die Bürgermeistersfrau über den Weg.
„Schon so früh auf, Herr Kirsch“, rief sie ihm zu.
„Ja, heute ist ein großer Tag, nachher ist ja Pressekonferenz, ich will auch noch schnell ein paar Brötchen holen.“
Was ist denn jetzt los, überlegte Kirsch, kommen jetzt alle Verdächtigen auf einmal angelaufen.
Und kaum gedacht und ausgesprochen, war er auch schon im Laden und wen sah er da, Lore, die Assistentin von Sonnenschein. Das kann doch kein Zufall sein, alle drei, heute Morgen. Spinn ich oder präsentiert mir Kommissar Zufall alle drei Verdächtigen auf einen Blick.
„Da halte ich aber mal meine Augen und Ohren offen“, meinte Kirsch wieder zu sich selbst.
Drinnen im Laden, da ging es schon munter zu, denn natürlich wurde das schreckliche Ereignis grottenbreit auseinander genommen. Dann machte Andrea, die Ladenbesitzerin, eine kurze Handbewegung, als wollte sie die Frauen zum Schweigen bringen, denn Kirsch kam gerade herein.
„Ja, sowas, Herr Kirsch, was führt Sie denn schon so früh zu uns?“, bemerkte Andrea Hutter, die sich gleich an ihn wandte.
„Was wollet Sie denn, Fleischkäswecken haben wir so früh noch net“, sprach Andrea Hutter in breitestem Schwäbisch, denn sie war eine „Rigschmeckte“, also eine Zugezogene, die sich den gemütlichen Bäckermeister Hutter geangelt hatte.
„Wo denken Sie hin, erst mal was Süßes zum Kaffee, das andre später“, reklamierte Kirsch, der sich interessiert in der Runde umsah.
Lore, Andrea und noch zwei weitere Frauen, Hannelore und Eva, wetteiferten mit ihrem Wissen. Jede wollte etwas mehr wissen. Aber natürlich als Kirsch reinkam, verstummten die Damen.
„Die arme Frau Wangler, sie tut mit ja so leid. Jetzt ist sie ganz allein. Sie hat keine Verwandten hier, sie stammt aus dem Osten und als Schorsch Wangler mal nach der Wende bei der Polizei ausgeholfen hat, hat er sie kennengelernt. Aber sie sind schon über 25 Jahre hier in der Gegend. Leicht hatte sie es mit dem Polizeipräsidenten nicht. Er war ja mehr auswärts als zuhause“, kicherte sie.
Die Frauen schauten sich nur an, als dies Andrea von sich gab.
„Also wenn ich gleich bezahlen darf, wenn du mir die Brezeln eingepackt hast, dann wäre das schön, ich muss nämlich noch diesen Fall lösen“, sagte Kirsch ziemlich unwirsch.
Die Frauen nickten nur. Denn sie wollten ja noch etwas weiter tratschen und da passte Kirsch nicht ganz ins Bild, deshalb waren sie froh als er wieder draußen war. Der hat es auch nicht leicht, bedauerten sie den Kommissar. Und wo will er denn mit den Ermittlungen anfangen. Der Polizeipräsident war ja ein Charmeur und die Frauenherzen flogen ihm nur so zu. Da kam auch schon die Bürgermeistersfrau, Lene, in die Bäckerei und wieder verstummten die Frauen.
„Hab ich was verpasst?“, war ihre kurze Frage.
„Nein, nein, wir hatten nur gerade über den Mord gesprochen. Kirsch war noch hier und hat Brezeln gekauft. Aber es gibt ja noch nichts Neues“, entgegnete die Bäckersfrau.
„Mein Mann hat heute noch eine Pressekonferenz“, sagte die Bürgermeistersfrau vielsagend.
„Man muss ja die Presse unterrichten, sonst wird ja nur dummes Zeug geschrieben“, sagte Lene, die sehr stolz auf ihren Mann war.
Na ja, ansonsten nahm sie es ja mit der Treue nicht so genau, dachten die Frauen und schauten deshalb schon etwas irritiert auf sie.
„Wer ist die nächste?“, so Andrea Hutter, die im Geschäft weiter bedienen wollte.
Das Geschwätz ging ihr jetzt doch etwas auf die Nerven. Hannelore und Eva gaben ihre Bestellung auf und das Leben in der Bäckerei ging wieder den gewohnten Gang. Zum Schluss erhielt Lene noch ihre Brötchen und dann kamen wieder neue Kunden in den Laden.
Kirsch, Helen und Eugen nahmen schon mal am Tisch im Polizeirevier Platz. Drechsler und Huber kamen auch hinzu.
„Nun was haben wir für Beweise?“, eröffnete Kirsch die Runde.
„Nicht sehr viel bisher.“, war die Quintessenz von allen.
„Das Notizbüchlein hat auch nicht viel Ausbeute gebracht“, informierte Kirsch, der dann seine Sicht der Dinge darlegte.
„Ich gehe davon aus, dass wir es mit einer Beziehungstat zu tun haben. Aber wo liegt das Motiv? Das habe ich bisher noch nicht herausgefunden. Einzig die Frauengeschichten vom Polizeipräsidenten bringen uns vielleicht etwas weiter. Zufällig habe ich heute alle drei vorläufig verdächtigen Personen auf meinem Weg in die Bäckerei getroffen.“
„Was für ein Zufall?“, lästerten die beiden Polizisten aus der Stadt.
„Ja, was für ein Zufall?“, erwiderte Kirsch, der nun erzählte, dass er sowohl Lene, die Bürgermeistersfrau sowie Lore die Assistentin von Sonnenschein, als auch die Winzerin
Marianne Huber verdächtigt, denn alle drei haben ein Motiv, das er jedoch noch nicht beweisen konnte.
„Na ja, Lene, die Bürgermeistersfrau nimmt es ja mit der Treue nicht so genau, da hätte der Bürgermeister ja auch ein Motiv“, warfen Drechsler und Huber etwas überrascht ein.
„Ja, wir können ihn auch nicht ausschließen“, gab Kirsch darauf etwas verhalten von sich.
„Was mich etwas stutzig macht, ist, dass Marianne Huber vom Polizeipräsidenten in so hohen Tönen gesprochen hat, zumal er sich so um das tote Kind bemüht hat. Ich denke, diese Akten, Helen, sollten wir nochmals genau studieren. Da stimmt was nicht. Den Fahrer hat man ja nie gefunden, was wenn es dem Polizeipräsident auf einer seiner Fahrten mit seinen Liebschaften passiert wäre und er es seiner Frau nicht beichten wollte? Da haken wir nach Helen, das ist deine Aufgabe.“
„Und was machen wir mit dem Bürgermeister, das Leben von ihm und seiner Frau auch auseinander nehmen?“, fragten die beiden Polizisten aus der Stadt etwas spöttisch nach.
„Ja, leider kommen wir um diese leidige Aufgabe nicht herum“, antwortete Kirsch, der sich lieber was Leichteres gewünscht hätte.
„Aber die Tatsachen sprechen halt für sich. Das ist eure Aufgabe, Huber und Drechsler, ihr seid zu zweit und könnt sowohl die Frau, als auch den Mann, allerdings sehr diskret unter die Lupe nehmen. Wir wollen da keinen Missmut wecken, es muss alles mit sehr viel Fingerspitzengefühl über die Bühne gehen“, meinte Kirsch mit einem bedeutungsvollen Augenaufschlag.
„Und wir Eugen kümmern uns mal um Sonnenschein und die Lore. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass Sonnenschein auch ein Auge auf die lustige Lore geworfen hat.“
„Allerdings traue ich es Sonnenschein nicht zu, ich glaube, er ist ein bisschen anders orientiert“, bemerkte Eugen, der mit Sonnenschein im Sportverein ist.
„Also die Aufgaben sind verteilt!“, brachte Kirsch noch kurz hervor.
„Allerdings schauen wir mal was die Pressekonferenz noch so ergibt.“
Draußen fuhr gerade auch ein Fahrzeug eines TV-Senders vor.
„Die sind aber pünktlich, es ist ja erst 9.00 Uhr und um 10 Uhr geht die PK erst los. Bis alles aufgebaut ist, wollen sie sich sicher noch im Ort umhören.“
„Eugen hefte dich mal auf die Fersen der TV-Leute und beobachte sie.“
„Ja, mach ich Chef.“
„Ich spreche derweil noch mit dem Bürgermeister. Mal schauen und hören was er weiß.“
Kirsch erhielt gleich Zutritt zum Büro des Bürgermeisters, der sehr bleich und etwas übernächtigt aussah und gar nichts von seinem sonstigen Temperament versprühte. Bürgermeister Wohlgemuth ist ein Wiesenbacher, hier auch geboren und aufgewachsen und mit seiner Heimatstadt sehr verwurzelt. Aus diesem Grund wurde er auch schon zum zweiten Mal als Bürgermeister gewählt und die dritte Amtsperiode stand an und er wollte wiedergewählt werden, weil er mit seinen 58 Jahren noch im besten Mannesalter war.
„Guten Morgen Herr Bürgermeister, ich wollte mich noch mit Ihnen wegen der Pressekonferenz absprechen.“
„Ja, das ist gut, Kirsch.“
„Auf Sie ist halt Verlass. Was sagen wir denn der Presse, gibt es schon Erkenntnisse aus den Ermittlungen.“
„Wir sind immer noch am Ermitteln“, meinte Kirsch etwas verdrossen.
Denn die genannten Personen, die als Verdächtige in Frage kommen könnten, wollte Kirsch nicht nennen, zumal er ja selbst den Bürgermeister oder seine Frau in diesen Kreis mit einbezog. Das war für Kirsch eine heikle Situation. Der Bürgermeister äußerte sich jedoch sehr behutsam und bedauerte den Vorfall, den Mord am Polizeipräsidenten, aufs Äußerste.
„Was sagt denn der Minister?“
„Der ist untröstlich, dass so etwas in seiner Anwesenheit passiert ist“, meinte der Bürgermeister „und ich bin es auch, darauf können Sie sich verlassen, Kirsch.“
„Wir müssen alles daran setzen, dass dieser Fall so schnell wie möglich geklärt wird, bevor womöglich noch was passiert.“
„Malen Sie den Teufel nicht an die Wand, Herr Bürgermeister. Gestern ist ja auch noch Winzer Sänger verunglückt.“
„Wie ich hörte, liegt er im Koma und kann gar nichts zum Unfallhergang berichten“, erwiderte der Bürgermeister, der schon etwas mehr wusste als Kirsch.
„Ja, ich werde heute mal ins Krankenhaus gehen, wobei die Verkehrspolizei diesen Fall untersucht. Ich denke nicht, dass er mit dem Mord in Verbindung steht.“
„Ist es denn definitiv, das es ein Giftmord war, der zum Tod des Polizeipräsidenten geführt hat“, gab der Bürgermeister zu bedenken, der es einfach nicht glauben konnte, dass dieser getötet wurde. Er war zwar nicht so bekannt mit ihm, aber immerhin man traf sich auf den gleichen Veranstaltungen und auch im Gemeinderat saß er mit ihm in der gleichen Fraktion.
„Wir kommen einfach nicht aus den Schlagzeilen heraus“, war der weitere, kurze Kommentar des Bürgermeisters, der natürlich über diesen Mord gar nicht erfreut war.
„Das Fernsehen ist auch schon da, wie ich sehe“, so der Bürgermeister zu Kirsch.
„Was können wir den Presseleuten denn sagen?“
Kirsch überlegte und wenn Kirsch überlegte, dann hüpfte sein mittlerweile grauer Schnauzer auf und ab.
„Wir sagen Ihnen, dass wir noch mitten in den Ermittlungen stecken und es noch kein Motiv für den Mord gibt. Wir sind dabei das Umfeld des Polizeipräsidenten unter die Lupe zu nehmen, er war zwar nicht so beliebt im Präsidium und im Ort, aber einen Mord trauen wir eigentlich niemanden von Wiesenbach zu.“
„Ja, das ist zwar etwas dürftig, aber wir werden es so darstellen“, gab sich der Bürgermeister zufrieden.
„Also bis um 10 Uhr im Rathaussaal, Herr Kirsch.“
Kirsch nahm den Hinterausgang, damit er nicht gerade dem Fernsehteam in die Arme lief. Er sah gerade noch, wie sie sich dem Zimmer des Bürgermeisters näherten. Kirsch war auch ziemlich ratlos, wie er die Ermittlungen weiter anstellen konnte. Dann stand um 10 Uhr die Pressekonferenz im Rathaussaal an. Eugen und Kirsch kamen gerade aus dem Polizeipräsidium, wo sich auch ein paar Schaulustige davor eingefunden hatten. Das Fernsehen war da und wer wollte da nicht auch noch was Schlaues sagen und dann im Fernsehen gesehen werden. Natürlich waren ein paar Fraktionskollegen und Parteigenossen da. Und natürlich schnappten sich die Fernsehleute die Wiesenbacher Bürgerinnen und Bürger und diese legten auch schon gleich mit ihren Sprüchen los.
„Da ist doch die Umgehungsstraße schuld, da gibt es immer noch Familien im Ort, die zum einen für die Umgehungsstraße sind und viele sind auch dagegen“, sprach ein Wiesenbacher. Und gleich hatten andere noch weitere Verdächtigungen und Spekulationen parat.
„Die Umgehungsstraße wird gebaut, da bin ich mir sicher“, gab ein Winzer bekannt. „Und deshalb war ja auch der Minister bei der Weinprobe. Wir brauchen die Straße, dass nicht alle Autos durch unseren schönen Weinort fahren und vor allem der Lkw-Verkehr eingeschränkt wird.“
„Ja, auch die Umgehungsstraße sollten wir nicht außer Acht lassen“, sagte Kirsch zu Eugen, als er sich schnellstens auf den Weg mit ihm in den Rathaussaal machte.
Die TV-Leute kamen hinter Kirsch her, aber sie erkannten ihn zu spät und so konnte er unbemerkt und ohne Kommentar in den Saal gelangen. Der Bürgermeister nahm mit seinen Gefolgsleuten, seinem Pressesprecher und auch Herrn Sonnenschein am Präsidium Platz. Es waren natürlich die Pressevertreter von der Tageszeitung, dem Wochenblatt und den Rundfunksendern anwesend, die auch gestern bei der Goldenen Weinprobe eingeladen waren.
Kirsch setzte sich mit Eugen ziemlich in die Nähe des Bürgermeisters, denn falls der Bürgermeister noch Fragen an ihn hätte, könnte er sie gleich antworten.
Der Bürgermeister holte ziemlich lange aus und berichtete vor allem auch über die so schön angefangene Goldene Weinprobe, die guten badischen Gewächse, die da kredenzt wurden und das kulinarische Mahl des Sternekochs. All das war ja bekannt, aber der Bürgermeister wollte natürlich auch die Besonderheit der Goldenen Weinprobe in Verbindung mit der Imagegeschichte des Weinortes erwähnen.
Auch Herr Sonnenschein trug noch ein paar Worte vor und bedauerte den schrecklichen Unfall, der da passiert ist.
„Unfall?“, war es nun ein Unfall oder war es „Mord?“, ziemlich irritiert kamen da die Kommentare der Presseleute.
Der Bürgermeister schaute betrübt zu Kirsch, der auf seinem Stuhl immer mehr hin und her rückte. Irgendwie tat ihm da der Bürgermeister schon etwas leid und auch Herr Sonnenschein hatte sich mit seiner unvorsichtigen Äußerung in etwas verrannt.
Es war kein Unfall, denn der „Secco mit dem Giftpunsch“ wurde eiskalt serviert, dachte Kirsch noch.
Dann schob er bereitwillig seine etwas füllige Gestalt in die Nähe des Bürgermeisters, der sofort seinen Stuhl zur Seite rückte und für Kirsch Platz machte.
„Darf ich Ihnen unseren unermüdlichen Ermittler, Kommissar Kirsch, vorstellen“, sagte der Bürgermeister. „Er steckt mit seinen Mitarbeitern schon sehr tief im Fall drin.“
„Was sagen Sie, Herr Kirsch, war es nun ein Unfall oder ein Herzanfall oder war es Mord?“, wandte sich der Bürgermeister an Kirsch.
Kirsch hatte noch keine Idee, wie er sich aus der Affäre ziehen konnte.
„Wir müssen von Mord ausgehen.“, reagierte Kirsch schnell, der es einfach auch unumwunden vortrug, weshalb sollte er auch herumschweifen.
„Die Pathologie hat nichts anderes festgestellt. Das müsste schon ein großer Zufall gewesen sein, dass das Gift nicht den Polizeipräsidenten, sondern eine andere Person treffen sollte. Aber man hat auch festgestellt, dass der Polizeipräsident ein sehr schwaches Herz hatte.“
„Hätte das Gift nicht auch in der Bärlauchsuppe sein können?“, fragten die Journalisten.
„Nein, das haben wir jetzt ausgeschlossen, weil die Bärlauchsuppe ziemlich am Anfang serviert wurde.“
„Allerdings ganz ausgeschlossen ist es nicht, die Ermittlungen laufen ja noch“, schränkte Kirsch ein.
„Haben Sie noch Fragen?“, wandte sich der Bürgermeister an die Presseleute.
„Bis wann rechnen Sie mit dem Abschluss der Ermittlungen?“, wollten sie von Kirsch wissen, der dazu natürlich noch nichts sagen konnte.
„Dann schließen wir fürs Erste die Pressekonferenz“, meinte der Bürgermeister, der ziemlich froh war, dass es so glimpflich abgelaufen ist.
Kirsch und Eugen eilten schnell über die Hintertüre ins Polizeipräsidium, um zu erfahren, was Helen, Drechsler und Huber herausgefunden hatten. Helen war im Büro und hatte einen großen Aktenberg vor sich.
„Ich habe nochmals alles ganz genau durchgesehen. Es könnte schon möglich sein, dass der Polizeipräsident der Fahrer des Unfallautos war, der nicht ermittelt werden konnte. Er hat sich mehrfach bei den Beamten, die den Fall untersuchten, erkundigt und auch selbst in die Ermittlungen eingegriffen.“
„Das ist schon etwas verdächtig“, sagte Kirsch.
„Helen überprüfe nochmal alles, vielleicht wurde seinerzeit etwas übersehen? Was hat er denn für einen Wagen gefahren, sicherlich gab es doch Spuren am Fahrrad des Kindes oder an seinem Auto?“
„Er fuhr einen roten Porsche und er war manchmal schon sehr schnell auf den Straßen unterwegs. Einige Knöllchen sprechen da für sich“, gab Helen unumwunden zu.
„Aber als Polizeipräsident muss man doch mit gutem Beispiel vorangehen“, entgegnete Kirsch, der es einfach nicht glauben konnte, dass sein Vorgesetzter in diesen Fall verwickelt gewesen sein soll.
Kirsch war nicht sehr glücklich über diese Entwicklung, denn schon der Fall des toten Kindes war seinerzeit durch alle Medien gegangen und es hatte jede Menge Schlagzeilen gegeben und jetzt in Verbindung mit dem Mord, wird wieder alles aufgerollt. Da wurde früher schon der Polizeiarbeit rumgemäkelt und womöglich wurden sogar die Akten frisiert und die Ermittlungen nicht sorgfältig geführt, alles war möglich. Kirsch war zu dieser Zeit noch nicht in Wiesenbach, aber dann standen auch die Kollegen unter Verdacht, die den Fall ermittelt hatten.
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