Читать книгу: «Die Geschichte der Menschheit»
Ulrich Offenberg
DIE
GESCHICHTE
DER
MENSCHHEIT


© Verlag KOMPLETT-MEDIA GmbH
2011, München/Grünwald
www.komplett-media.de
eBook-Herstellung und Auslieferung:
HEROLD Auslieferung Service GmbH
www.herold-va.de
Inhaltsverzeichnis
1. Zeitfenster:
Vor zwei Millionen Jahren: Die Geburt des Menschen
Warum der Mensch zum Zweibeiner wurde
2. Zeitfenster:
Vor 800.000 Jahren
3. Zeitfenster:
Vor 500.000 Jahren
4. Zeitfenster:
Vor 150.000 Jahren
Der Neandertaler
5. Zeitfenster:
Vor 40.000 Jahren
Die erste Entdeckung Amerikas
Die Besiedlung Amerikas
Fortschritt durch Ackerbau
6. Zeitfenster:
Die Neolithische Revolution (Vor 10.000 bis 6000 Jahren)
Die ersten Dörfer entstehen
Die Geburtsstunde der Handwerker
7. Zeitfenster:
Die Menschen organisieren sich
Der letzte große Schritt
8. Zeitfenster:
3000 Jahre vor Christus – Sumerische Stadtstaaten
2400 vor Christus
Das alte Ägypten
Das ägyptische Reich und die Pharaonen
Minoische Hochkultur auf Kreta
Macht und Mythos von Mykene
Völkerwanderungen verändern die ägäische Welt
Rätsel um die riesigen Steine von Stonehenge
Entwicklung der Kultur der Kelten
Das alte China
Israel
Das Großreich der Assyrer
Olmekische Hochkultur im Tiefland von Mexiko
Reformbewegungen in Indien
China: Die Dynastie der Chou ist an der Macht
Vietnam
Die Juden und der fremde Gott
Die Gründung Karthagos
Die Etrusker: Das geheimnisvolle Volk
Semiramis – die rätselhafte Königin
730 bis 480 vor Christus
Ein Tenno in Japan
Griechen siedeln in Nordafrika
Die Welt der griechischen Mythologie
Die Achsenzeit
Das persische Weltreich
Perser gegen Griechen
Die verpasste Chance der Griechen
Bruderkrieg in Griechenland
Philosophie in Griechenland
Indien und das Kastensystem
Die untergegangenen Völker und Reiche
Die Akkader
Aksum
Die Amoriter
Anasazi
Die Aramäer
Die Chaldäer
Chimú
Die Hethiter
Die Lyder
Nabatäer
Die Sabäer
Skythen
Die Legende von der Gründung Roms
Rom in der Antike
Artemis-Tempel durch Brandstiftung zerstört
Alexander der Große
Koloss von Rhodos – Denkmal für den Sieg
China: Machtkämpfe in den Teilstaaten
Das Theater wird zum Massenerlebnis
China vereint
Kaiser für ganz China
Indien 200 Jahre vor Christus: Das Maurya-Reich
China: Ein Rebell gründet die Han-Dynastie
Karthago und Rom kämpfen um die Vorherrschaft
Archimedes von den Römern erschlagen
Karthago unterliegt
Hannibal, der Schrecken Roms
Scipio, der Vernichter Karthagos
Die Folgen des zweiten Punischen Krieges
200 Jahre vor Christus: 3. Punischer Krieg
Frühe amerikanische Hochkulturen
Zapotekische Kultur in Mittelamerika
Jerusalem: Juden erheben sich gegen die Besatzungsmacht
Die Erfindung des Papiers
Kimbern und Teutonen besiegen Römer
Die Ermordung Caesars
Die geheimnisvolle Kleopatra
Augustus zieht Bilanz
Die germanische Bedrohung
9. Zeitfenster:
Die Geburt des Erlösers
Die Schlacht im Teutoburger Wald
Das Konzil der zwölf Apostel
Der Widerstand der Parther
China: Der Verfall der Han-Dynastie
Afrika
Die Kultur der Nok
Das Ende von Claudius Ptolemäus
Die Zeit der Soldatenkaiser
Rom – das neue Zentrum der Christenheit
König Schapur I. nimmt Kaiser Valerian gefangen
Christenverfolgung und orientalische Kulte
306: Konstantin, der Reformer
Indien: Entstehung des Gupta-Reiches
Mittelamerika, um 350: Die Maya-Hochkultur im Urwald
Äthopien, um 350: Aksum – Großmacht der spätantiken Welt
395 nach Christus: Das Römische Reich ist endgültig geteilt
Die Nomadenvölker Eurasiens
Die Völkerwanderung
430: Attila, die Geißel Gottes
Die Plünderung Roms
Britannien, seit etwa 450
Indien, um 470
476: Germanen regieren das weströmische Reich
Das Mittelalter
511: Merowingisches Frankenreich
Die Vandalen
521: Kaiser Justinian
538: Buddhismus und Shinto in Japan
560: Sassaniden und Türken verbünden sich
Die Dynastie der „Sui“ herrscht in China
Der Triumphzug des Propheten
610: Mohammed stiftet eine Weltreligion
650: Militärmacht Tibet
Ein Märtyrer entzweit den Islam
Die Anhänger des Propheten setzen nach Europa über
400: Das prächtige Byzanz
692: Römischer Papst gegen byzantinischen Kaiser
Venedig 697: Ein Stadtstaat entsteht
Japan, 710: Die kulturelle Blüte der Nara-Zeit
730: Streit um Bilder trennt Kirche
741: Karl Martell stirbt
Machtkämpfe unter der grünen Fahne des Propheten
Frankenreich, 751: Papst legitimiert die Karolingerherrschaft
793: Die Plünderungszüge der Normannen
Japan: Neue Hauptstadt
800: Karl der Große – Vater Europas
827: Die Araber erobern Sizilien und Italien
China 844: Kaiser Wu Tsung lässt Buddhisten verfolgen
Großmährisches Reich 864: Kyrill und Method
870: Frankenreich in zwei Teile gespalten
China: Verfall der Tang-Macht
900 Europa
910 Frankenreich: Klosterreform beginnt in der Abtei von Cluny
918 Bulgarien: Khan Simeon I. strebt nach der Kaiserwürde
Korea: Neuem Königreich Koryo gelingt Einigung Koreas
928 Rom: Frauen verfügen über den Heiligen Stuhl
935: Machtkampf in Böhmen – Herzog Wenzel ermordet
Griechenland, um 950: Klostergründungen auf dem Berg Athos
China: Die Sung-Dynastie
982: Der Wikinger „Erik der Rote“ entdeckt Grönland neu
986: Sven Gabelbart führt Dänen zur Großmacht
Frauen im mittelalterlichen Hof
Otto III., ein deutscher Kaiser
Die Welt um 1000
Meisterhafte Seefahrer: Die Polynesier
Venedig expandiert
Der Arzt Avicenna
Die Seldschuken kommen
Die Deutsche Reichskirche
Die Salier
England und Frankreich
1050: Hier Kaiser, dort Papst
1044: Erstes burmanisches Reich begründet
1054: Kirchenspaltung endgültig vollzogen
Sizilien, seit 1061: Normannen herrschen in Sizilien und Süditalien
Der Tenno verliert seine Macht
1071: Byzanz verliert an Einfluss
1100
Grausame Kreuzzüge und antike Geistesschätze
Die Kreuzzüge
1125: Khmer-Herrscher bauen Tempel von Angkor-Wat
1143: Neue Ketzerbewegung in Südwesteuropa
Yucatán: Aufstieg und Fall der Stadt Chichén Itzá
1148: Zweiter Kreuzzug gescheitert
1152: Die Staufer
1192: Dritter Kreuzzug wird ergebnislos beendet
Richard Löwenherz als Gefangener des österreichischen Herzogs
Peru um 1200: Das Chimúreich – erster bedeutender Andenstaat
Konstantinopel 1204: Von den Kreuzfahrern geplündert
1209: Papst ruft zum Kampf gegen Christen auf
1212: Friedrich II. – der Visionär auf dem Thron
Der Aufstieg der Habsburger
1230: Ife – heilige Stadt der Yoruba
1232: Die Inquisition wird verschärft
1250: Osteuropa im späten Mittelalter
1250: Mamelucken regieren das Reich am Nil
1291: Outremer geht verloren
Dschingis-Khan und seine Mongolen erobern ein Weltreich
Die Mongolen
Kleinasien, um 1300: Sultan Osman I. Ghasi begründet ein Weltreich
1315: Schweizer Bauern siegen über Ritter
1324: Marco Polo beschreibt die fremde Welt Asiens
1337: Der Hundertjährige Krieg
1348: Erste deutsche Universität in Prag
1350: Rama Thibodi I. wird neuer König in Siam
1347: Ein Viertel der europäischen Bevölkerung stirbt
1356: Die Entstehung der Hanse
Die Entwicklung Polens
Machtkämpfe in China und Japan
1368: Bauern verjagen in China die Mongolenherrscher
1370: Azteken gründen Tenochtitlán
1389: Schlacht auf dem Amselfeld
1397: Personalunion in Schweden
Ceylon, 1415: Parakkamabahu vereint Teilstaaten
1405/21: Ein chinesischer Eunuch wird Admiral
Weitere Ausbreitung des Islam
Das Konzil von Konstanz
1429: Die Jungfrau von Orléans
1430: Staat der Azteken wird zu einem Machtfaktor
1436: Ende der Hussitenkriege
1438: Pachacuti gründet Inkareich in Peru
Der Aufstieg Russlands
Menschen im Mittelalter
Europa um 1440: Hospitäler versorgen Kranke
Malerei: Realismus im Norden
1453: Der Fall Konstantinopels
Das Zeitalter der Entdeckungen
10. Zeitfenster:
1492: Auf der Suche nach neuen Wegen
Columbus
Pizarro
El Dorado
1494: Der Papst schlichtet zwischen Spanien und Portugal
Die Welt im Aufbruch
Papst verschärft Hexen-Verfolgung
1498: Vasco da Gama entdeckt den Seeweg nach Indien
15./16. Jahrhundert: Die Welt wird größer
1502: Bauernaufstände unter dem Bundschuhzeichen
1512: Osmanen beherrschen die islamische Welt
Anfang des 16. Jahrhundert: Umstrittener Ablasshandel
Das Zeitalter der Glaubensspaltung
Martin Luther und die Reformation
Calvin und die Reformierten
Die Fugger
1525: Bauernaufstand gegen den Adel niedergeschlagen
Soldaten plündern Ewige Stadt – „Sacco di Roma“
1529: Erste Belagerung Wiens
Künstler, Forscher, Erfinder im 16. Jahrhundert
Spanier erobern das Maya-Reich
Jesuiten, die Elitetruppen Gottes
Die Suche nach der Nordwestpassage
Japan 1549: Jesuitenmission in Japan erfolgreich
Der Siegeszug des Tabaks
1566: Tod des Hellsehers Nostradamus
1570: Iwan der Schreckliche bricht die Macht des Adels
1572: Ein Schatz für den Piraten im Dienste der Königin
1579: Religiöse Gegensätze spalten die Niederlande
Philipp II. im Zenit seiner Macht
Die Gregorianische Reform tritt in Kraft
Ashikaga – Japans letzter Schogun
1585: Kosakenführer Jermak stirbt im Kampf gegen die Mongolen
Nordamerika 1585: Operation Virginia vorerst gescheitert
Ende des 16. Jahrhunderts: Großmogul Akbar eint Moslems und Hindus
Korea 1592: Japan versucht die Halbinsel zu erobern
1606: Europäer entdecken Küste von Australien
1613: Russland unter Zar Michail Romanow geeint
Erstmals eine Wochenzeitung
1614: Frankfurter Kaufleute stürmen das Juden-Ghetto
1616: Shakespeares Dramen als Spiegel der Zeit
China 1616: Mandschu-Fürst gründet neue Dynastie
1617: Neue Provinzen in Spaniens Kolonialreich
1618 – 1648: Der Dreißigjährige Krieg
1619: Afrikanische Sklaven in englischer Kolonie
1620: Die „Mayflower“ bringt Puritaner nach Amerika
Der Schah erobert Bagdad und die Insel Hormos
Hexenverbrennungen wegen der Pest
Kardinäle regieren über Frankreich
Indien: Eine Grabmoschee für die Lieblingsfrau
1649: Der englische König Karl I. stirbt auf dem Schafott
Proviantstation am Kap der Guten Hoffnung – Weiße in Südafrika
17. Jahrhundert: Der Absolutismus in Europa
Newton entdeckt Gesetz der Anziehungskraft
1671: Kurfürst fördert die Ansiedlung von Juden in Brandenburg
1674: Heerführer herrschen unumschränkt in Japan
1675: Indianer-Konförderation bricht zusammen
1683: Kaiserliche Truppen besiegen die Türken
1695: Staatenbund an der Goldküste von Afrika
1697: Ein Zar auf Bildungsreise
1697: Sächsischer Kurfürst wird König von Polen
Italien, seit 1700: Stradivari-Geigen erlangen Weltgeltung
1701: Das Herzogtum Preußen wird zum Königreich
1708: Sikh-Aufstände nach dem Tod des Gurus
1708: Sklavenjagden im Westen von Afrika
1710: Die Entdeckung der Porzellanherstellung
1713: Der Friede von Utrecht
1717: Freimaurer-Großloge in London gegründet
1720: Aktienspekulationen in England und Frankreich
1722: Afghanen stürzen Safawiden-Dynastie
1730: Die Rebellion des Preußen-Prinzen Friedrich
Friedrich gegen Maria Theresia
Die Reinigung des Islam unter den Wahhabiten
Aufklärung und Revolution
Die Aufklärung
1750: Zeitgenossen verstehen Bachs Meisterwerke nicht
1762: Katharina II. besteigt den Zaren-Thron
Kartoffel wird Grundnahrungsmittel
11. Zeitfenster:
Die industrielle Revolution
1764: Neue Arbeitsstile
1764: Aufstand der Kolonisten, Unabhängigkeitserklärung
1767: Burmesen erobern Thai-Hauptstadt
1773: Auflösung des Jesuitenordens
1774: Ludwig XV. – Der Tod eines erbärmlichen Herrschers
1787: Die Verfassung der USA
Die Entdecker
1780: Tod von Maria Theresia – ein Zeitalter ist zu Ende
1786: Preußen trauert um seinen großen König
1788: Sträflinge sollen Australien besiedeln
1789: Die Französische Revolution
Frankreich: Die Erstürmung der Bastille
Meuternde Matrosen
Kaiser Kao-tsung erobert Annam
1791: Mozart stirbt
Missglückte Flucht Ludwigs gibt der Monarchie den Todesstoß
Potjomkin – der Favorit der Zarin
Die Monarchen Europas bekämpfen die Revolution
1792: Sansculotten erstürmen die Tuilerien
Ende des 18. Jahrhundert: Protestbewegung Sturm und Drang
In den USA wird mit Dollars bezahlt
1793: Ludwig wird guillotiniert
1793: Untergang der Mainzer Republik
1794: Robespierre stirbt auf dem Schafott
1795: Polen verschwindet von der Landkarte Europas
1795/6: Napoleon Bonaparte verhindert Putsch und heiratet Joséphine
Landarzt entdeckt Impfstoff gegen Pocken
1797: Staatsstreich der Generalität in Paris
1798: Seesieg der Briten bei Abukir über die Franzosen
1798: Casanova stirbt einsam
1799: Napoleon reißt die Macht in Frankreich an sich
Zar Paul I. wird Opfer einer Verschwörung
Louisiana wird für Siedler geöffnet
1802: Napoleon sichert sich neue Vollmachten
1802: Franzosen fördern Umsturz in Vietnam
Was ist Aufklärung? Kants kritisches Denken
1804: Napoleon krönt sich zum Kaiser
1805: Friedrich Schiller – Dichter für die Freiheit
Ägypten sichert sich Eigenständigkeit
1805: Lord Nelson fällt – sein Ruhm bleibt
1806: Heiliges Römisches Reich wird aufgelöst
1806: Napoleon siegt bei Jena und Auerstedt
Britische Truppen besetzen Kapkolonie
Haiti: Kaiser Dessalines ermordet
1807: Napoleon auf dem Höhepunkt seiner Macht
Portugals Hofstaat flieht nach Brasilien
Neue Staatsgründungen in Zentralafrika
1810: Napoleon heiratet Erzherzogin
Argentinier vertreiben die Spanier, Mexikaner begehren auf, die Republik Venezuela wird gegründet
Das tragische Leben des Heinrich von Kleist
1812: Krieg zwischen den USA und Großbritannien
Französischer Marschall wird schwedischer König
1812: Napoleon scheitert bei der Eroberung Russlands
1813: Arbeiter gegen neue Maschinen
1813: Badischer Forstmeister Drais erfindet Laufrad
1814: Napoleon muss abdanken
Der Wiener Kongress und seine Folgen
1814: Der Kongress tanzt
1814: Mattew Flinders gibt Australien den Namen
1814: Schiffe und Fahrzeuge jetzt mit Dampfantrieb
1815: Napoleons Herrschaft der 100 Tage
Um 1815: Die Entwicklung der deutschen Nation
1821: Tod des Zuckerrüben-Professors
19. Jahrhundert: Zeitalter der Romantik
1823: Amerika den Amerikanern
1824: Arbeiter bilden Gewerkschaften
1825: Dekabristen-Aufstand gegen den Zar gescheitert
Graf Volta begründet die Elektrizitätslehre
1827: Ludwig van Beethoven stirbt taub in Wien
1828: Zulu-Häuptling Shaka von Brüdern ermordet
1830: Unabhängige Staaten in Mittel- und Südamerika
Frankreich, 1830: Wieder eine Revolution
1831: Sklavenrevolte in den USA
1832: Goethe – der Tod des Dichterfürsten
1831: Die Vertreibung der Indianer
1832: Bayernprinz Otto wird König von Griechenland
1833: Erstes Gesetz gegen die Kinderarbeit in England
1835: Eisenbahn fährt von Nürnberg nach Fürth
19. Jahrhundert: Die Wohnkultur des Biedermeier
Dichter Puschkin stirbt nach Duell
1837: New Yorker Banken zahlen nicht mehr
1838: Ausgewanderte Buren bilden eigenen Staat
1840: Großbritannien führt die erste Briefmarke ein
1842: China unterliegt den Briten im „Opiumkrieg“
1843: Verlustreicher Sieg über die Seminolen-Indianer
1844: Schlesische Weber im Kampf um ihre Existenz
1844: Samuel Morse sendet das erste Telegramm
1846: Hungersnot durch Kartoffelfäule in Irland
1848: Mexiko fällt zur Hälfte an die USA
1848: Revolution der Bürger in den Staaten Europas
1848: Erste Frauenrechtskonferenz für Gleichberechtigung
1848: Louis Napoleon regiert die Zweite Republik
1848: Goldrausch in den USA
1851: Erste Weltausstellung in London eröffnet
19. Jahrhundert: Neue Erkenntnisse der Naturwissenschaftler
1852: Louis Braille – Erfinder der Blindenschrift
1852: Pädagoge Fröbel gründet Kindergärten
1852: „Onkel Toms Hütte“ – Anklage gegen die Sklaverei
1853: Krimkrieg zwischen Russen und Türken
1854: US-Flotte erzwingt die Öffnung Japans
1855: Fall von Sewastopol entscheidet den Krimkrieg
1855: Königreich Siam schließt Handelsabkommen mit England
1857: Krise der Wirtschaft in den USA und Europa
1858: Sepoy-Aufstand in Indien von den Briten niedergeworfen
1859: Charles Darwin und seine Evolutionstheorie
1860: Giuseppe Garibaldis „Zug der Tausend“
1860: Das Reich der Mitte öffnet sich – unfreiwillig
1861: Bürgerkrieg in den USA
1861: Kommunikation durchs Telefon
1862: Bismarck leitet die preußische Politik
1863: Ferdinand Lassalle gründet Arbeiterpartei
1863: Rotes Kreuz hilft verwundeten Soldaten
19. Jahrhundert: Reformen im Krankenhaus
1866: Sieg über Österreich stärkt Preußens Macht
1867: „Das Kapital“ – Marx` Kritik am Kapitalismus
Mexiko: Hinrichtung Kaiser Maximilians
Alfred Nobel erfindet den Sprengstoff Dynamit
1868: Meiji-Tenno übernimmt die Herrschaft in Japan
1869: Der Suezkanal wird eröffnet
Indianer-Stämme müssen in Reservate umsiedeln
1870: Schlacht bei Sedan – Niederlage Frankreichs
1870: Rom Hauptstadt des geeinten Italiens
1871: Wilhelm I. wird zum Kaiser des deutschen Reiches gekrönt
1871: Blutige Niederlage für Pariser Kommune
Südafrika: Diamantenfund führen zu Besitzstreitereien
1873: Dreikaiserabkommen soll Frieden sichern
1873: Der Antisemitismus etabliert sich
1874: Großbritannien soll zu einem Weltreich werden
Indianer siegen am Little Big Horn
Japan 1877: Samurai-Aufstand niedergeschlagen
1877: Phonograph nimmt Töne auf und gibt sie wieder
1878: Heilsarmee verbindet die Mission mit Musik
1878: Deutscher Reichstag verbietet Sozialisten
1878: Schauprozess gegen die Gruppe „Gang ins Volk“ in Russland
Deutschland 1878: Bismarck, der „ehrliche Makler“
Der Kölner Dom ist endlich fertig gestellt
Zar Alexander II. wird Opfer eines Attentats
1882: Auswanderung nimmt stark zu
Edisons Glühfadenlampe: Licht für die Welt
Mahdi ruft zum Heiligen Krieg auf
1882: Rockefeller gründet Standard Oil Trust
1882: Juden wandern nach Palästina aus
1885: Kongo-Staat wird Freihandelszone
1886: Die ersten Benzinautos werden vorgestellt
Indien: Ramakrishna verbindet Weltreligionen
1887: Bündnissystem der europäischen Mächte
1888: Generationswechsel auf dem deutschen Thron
1889: Die Tragödie im Hause Habsburg
1890: 1. Mai – Kampftag für Arbeitszeitverkürzung
1890: Tod des Entdeckers von Troja
1890: Indianermassaker am Wounded Knee
1892: Urlaubsreisen für wenige
1894: Die Dreyfus-Affäre
1894: Arbeitslosenmärsche und Streiks in den USA
Ende des 19. Jahrhunderts: Terror im Kampf gegen den Staat
1895: Erste Vorführung von „lebenden Bildern“
1896: Erste Olympische Spiele der Neuzeit
1896: Otto Lilienthal – der erste fliegende Mensch
1897: Kongress der Zionisten
Der „Dollar-Imperialismus“ der USA
1899: Buren und Briten im Kampf um Südafrika
1900: Sigmund Freuds Analysen zum Traum
1901: Ende der Viktorianischen Epoche
Japan und Russland – Rivalen in Ostasien
1904: Deutsche unterdrücken den Aufstand der Hereros
1905: Der „Blutsonntag“ von St. Petersburg
San Francisco von schwerem Erdbeben zerstört
1908: Jungtürken stürzen Sultan
1911: Kind-Kaiser abgesetzt – China wird Republik
1911: Roald Amundsen erreicht den Südpol – Scott stirbt im Eis
1912 – Die „Titanic“ sinkt
1912: Balkanstaaten im Krieg gegen das Osmanenreich
1913 – Der Kampf der Frauen um Gleichberechtigung
USA 1913: „Big Business“ und soziale Unruhen
1913: Gandhi probt den gewaltlosen Widerstand
1914 – Das Attentat von Sarajewo
Die politische Situation in Europa 1914
Warum es zum 1.Weltkrieg kommen musste
12. Zeitfenster:
Von der Juli-Krise in den Ersten Weltkrieg
1914: Europa geht begeistert in den Krieg
1914/1915: Erste Kriegserfolge für die Mittelmächte
Die Ziele der Kriegsmächte
1915: Deutsches U-Boot versenkt „Lusitania“
1916: Alltag im Krieg – die Heimatfront
1916: Materialschlacht soll den Krieg entscheiden
1916: Wunderheiler Rasputin in Petrograd ermordet
1917 – Sieg der russischen Februarrevolution
1917: Die USA erklären dem Deutschen Reich den Krieg
1918: Der Friedensvertrag von Brest-Litowsk
1918: Der Krieg ist für die Mittelmächte verloren
1918 – der Kaiser dankt ab
1919: Alliierte diktieren den Besiegten den Frieden von Versailles
1919 – Von der Revolution zur bürgerlichen Republik
Allierte bestehen auf Reparationsforderungen
Rapallo – Anerkennung für das neue Russland
1922: Außenminister Walther Rathenau wird ermordet
1922: Sowjetunion vereint 134 Millionen Menschen
Das Entstehen faschistischer Bewegungen
Nach „Marsch auf Rom“ übernimmt Mussolini die Macht
Franzosen besetzen das Ruhrgebiet
1923: Rentenmark stoppt die Mega-Inflation im Reich
1923 – Der Putsch von Adolf Hitler scheitert
1925: Mussolini errichtet faschistische Diktatur
Resa Khan begründet die Pahlawi-Diktatur
Die „Goldenen Zwanziger“ – Kultur in der Zeit der Wirtschaftskrisen
1927 – Lindberghs Alleinflug über den Atlantik
1929 – Der „schwarze Freitag“ führt zur großen Krise
1930 – Nationalsozialisten zweitstärkste Fraktion im Reichstag
Ein deutscher Boxer wird Weltmeister
1933 – Machtergreifung der Nationalsozialisten
Adolf Hitler – der Aufstieg des „Führers“
Roosevelts Programm des „New Deal“
Diktaturen in Europa
Japan strebt Herrschaft über ganz Ostasien an
1934: Putschversuch der Nationalsozialisten in Österreich
Mao Tse Tung beginnt den Langen Marsch
1935 – Nürnberger Gesetze diskriminieren Juden
1936 – Bürgerkrieg in Spanien
1936: Berliner Olympiade ein Propaganda-Erfolg für Hitler
1938 – Annektierung Österreichs und das Münchner Abkommen
1938 – Die Spaltbarkeit von Atomkernen ist entdeckt
1938 – Reichskristallnacht
1939 – Der Hitler-Stalin-Pakt
1939 – Einmarsch in Polen, Beginn des 2. Weltkriegs
1940 – Einmarsch in Belgien, die Westoffensive beginnt
1940: Deutsche Truppen besetzen Dänemark und Norwegen
1940: Der Luftkrieg um England wird abgebrochen
1941 – Deutsches Afrikakorps landet in Tripolis
1941 – Deutscher Blitzfeldzug auf dem Balkan
1941 – „Operation Barbarossa“ – Überfall auf die UdSSR
Dezember 1941: Japanischer Überfall auf Pearl Harbour
1942: Wannsee-Konferenz – die „Endlösung“ der Judenfrage
1943 – Kapitulation in Stalingrad
Ghetto-Aufstand in Warschau
1944: Goebbels: „Wollt ihr den totalen Krieg“ ?
Die Leiden der Zivilbevölkerung im Krieg
1944: Landung der Alliierten in Frankreich
20. Juli 1944 – Das misslungene Attentat auf Adolf Hitler
1944: „Wunderwaffen“ sollen den Krieg entscheiden
1945 – Hitlers Tod – die Kapitulation
Das Gipfeltreffen in Potsam
1945 – Der erste Einsatz einer Atombombe
1946: Zwölf Todesurteile im Nürnberger Prozess
Blockbildung und Supermächte
1947 – Wirtschaftshilfe und Kalter Krieg
1947 – Nach Unabhängigkeit zwei Staaten in Indien
1948 – Ben Gurion proklamiert den Staat Israel
1948: Währungsreform löst Blockade Berlins aus
Gründung der NATO
1949: Zwei neue deutsche Staaten entstehen
1949 – Das Reich der Mitte wird kommunistisch
1950 – Der Korea-Krieg
Feierliche Krönung von Elizabeth II.
1953: Aufstand in der DDR zusammen gebrochen
Erstbesteigung des höchsten Berges der Welt
1954: Fernsehen wird immer beliebter
Die letzten Kriegsgefangenen kehren heim
1956 in Ungarn: Sowjets schlagen Aufstand nieder
1957: Gemeinsamer Markt in Westeuropa
Sputnik im All
Protest durch Rock`n`Roll
1959: Castro beherrscht Kuba
1961: DDR baut eine Mauer quer durch Berlin
1962: Kubakrise bedroht den Weltfrieden
Raubüberfall bringt Vermögen
1963: Präsident Kennedy wird in Dallas erschossen
USA jetzt offiziell am Vietnam-Krieg beteiligt
Der Siegeszug der Beatles
1966: Probleme ehemaliger afrikanischer Kolonien
Erstmals ein Herz verpflanzt
1968: Prager Frühling durch Panzer beendet
1969: Erste Menschen auf dem Mond
1972: Terroranschlag auf olympisches Dorf in München
1973: Rückzug der US-Truppen aus Vietnam
1973: Nahost-Konflikt führt zum Jom-Kippur-Krieg
Die Zeit des billigen Erdöls geht zu Ende
1974: Rücktritt Nixons nach Watergate-Skandal
Willy Brandt tritt zurück
1975: Sieg des Nordens im Vietnam-Krieg
1976: China trauert um Mao Tse-tung
1977 – Schleyer-Entführung und die GSG in Mogadischu
1978: Massenselbstmord einer amerikanischen Sekte
1979: Ajatollah Khomeini kehrt aus dem Exil zurück
Sowjets überfallen Afghanistan
„Solidarnosc“ erkämpft Rechte
1981 – Papst überlebt Attentat
1982 – Argentinien besetzt die Falkland-Inseln
1982 – Zwei Millionen Menschen in Deutschland ohne Arbeit
1983 – Skandal um „Hitler“-Tagebücher
1983 – Friedensbewegung kann neue Aufrüstung nicht verhindern
1984 – Aids-Erreger entdeckt
1985 – Boris Becker siegt in Wimbledon
1986 – Tschernobyl verändert die Welt
1987 – Deutscher Sportflieger landet in Moskau
1989 – Blutbad auf dem Tiananmen-Platz
Honecker tritt zurück – DDR öffnet Grenzen
1990 – Nelson Mandela frei gelassen
Erste gesamtdeutsche Wahlen
Berlin wird Regierungssitz
1992 – Wenig Hoffnung für die Umwelt
1993 – Europäischer Binnenmarkt in Kraft
1994 – Massenexodus aus Kuba
1995 – Mordanschlag auf Yitzhak Rabin
1996 – Computernetzwerk verdichtet sich
1997 – Klon-Schaf Dolly
1998 – Internationale Raumstation – ISS
1999 – Euro, die neue Währung in Europa
13. Zeitfenster:
2000: Die Globalisierung
Wie geht es weiter?
Die Erde ist eine Scheibe. Daran hatten über Jahrtausende die Menschen keine Zweifel. Näherte man sich ihrem Rand, dann waren Tod und Verdammnis nicht weit. Die Erde als Kugel hatten zwar schon einige fragende Geister des antiken Griechenlands für sich entdeckt, aber erst wagemutige Seefahrer und Kartographen des 15. und 16. Jahrhunderts konnten diese neue Weltsicht in den Köpfen ihrer Zeitgenossen verankern.
Die Erde ist der Mittelpunkt der Welt. Auch davon waren die Menschen bis weit ins Mittelalter des Abendlandes überzeugt.
Die Erde als Trabant, der die Sonne zusammen mit weiteren Planeten umkreist, diese Tatsache wurde auch erst im 15. und 16. Jahrhundert durch Kopernikus und rund 100 Jahre später durch Galilei entdeckt.
Der Mensch als Gottes Schöpfung wurde damit aus dem Mittelpunkt eines überschaubaren Weltbildes hinauskatapultiert in ein unendliches Universum. Selbst die Sonne, unser Heimatstern, erwies sich nur als einer unter Millionen in der Galaxie der „Milchstraße“, die wiederum eine unter Milliarden anderer Galaxien eines sich rasend schnell ausdehnenden Weltalls ist. Dessen Ursprung wird heute vor 13,7 Millarden Jahre datiert, der Zeitpunkt des „Urknalls“, wie der Anfang von Allem gerne genannt wird.
Der Blick über unsere „Milchstraße“ hinaus eröffnete sich erst vor nicht einmal 100 Jahren für den Astronomen Edwin Hubble, der einen diffusen Lichtfleck am Nachthimmel als die Nachbar-Galaxie „Andromeda“ identifizierte. Nach ihm benannt, schaute das Weltraum-Teleskop „Hubble“ noch weiter bis an den Rand des Universums.
Eingebettet in dieses Raum-Zeit-Kontinium fällt vor rund 4,6 Millarden Jahren die Geburt des Planeten Erde. Nicht zu nah und nicht zu weit entfernt dreht sie ihre Runden um den
Glutball der Sonne. Deren Energie war die Voraussetzung für das Leben, das auf dem „blauen Planeten“ vor rund 4,6 Milliarden Jahren entstand. Einzeller, die sich Schritt für Schritt zu immer komplexeren Organisationseinheiten verbanden.
Charles Darwin eröffnete den Erkenntnisweg einer vielfältigen Evolutionsgeschichte, an deren Ende heute der moderne Mensch, der „homo sapiens sapiens“ steht. Vor rund 2 Millionen Jahren hatte sich sein Entwicklungsweg von dem seiner Vettern, den Affen getrennt.
Zum Vergleich: Entspricht die Erdgeschichte einer Zeitsäule von 100 Kilometern, dann bildet der Mensch als dünner Dekkel den letzten Meter. Auf dem Zeitpfeil des Universums nur ein Wimpernschlag.
Dank seines Großhirns und dem Phänomen eines Bewusstseins ist der Mensch als erstes Lebewesen in der Lage, sich selbst zu erkennen und Fragen zu stellen. „Wer bin ich?“, „Wo komme ich her?“
Der Blick zurück über die jüngere Geschichte der vergangen 5.000 Jahre hinaus bis in die Entstehungsgeschichte vor 2 Millionen Jahren ist eine faszinierende Zeitreise zu unseren Wurzeln und all den Entwicklungen und Ereignissen, die den Menschen des 21. Jahrhunderts nach der Zeitenwende zu dem gemacht haben, was er heute ist.
1. Zeitfenster:
Vor zwei Millionen Jahren: Die Geburt des Menschen
Der fortwährende Prozess der Evolution hat ein einzigartiges Tier hervor gebracht – den Menschen.
Die Ausnahmestellung des Menschen beruht vor allem auf dem Entwicklungsstand und der überragenden Leistungsfähigkeit seines Gehirns, wobei fünf Begabungen besonders auffällig sind. Zu ihnen zählen das Vermögen, in umfassenden zeitlichen Dimensionen zu denken und zu planen, sowie die Fähigkeit, in sehr komplexer Weise symbolhaft zu kommunizieren. Das schließt die Verwendung verschiedenster Formen von abstrakten Schriften und die intellektuelle Beherrschung hochkomplexer gesellschaftlicher Strukturen mit ein. Außerdem besitzt der Mensch technischen Verstand sowie die Begabung, erdachte und erlernte Fähigkeiten praktisch unbegrenzt weiter zu geben. Schließlich vermag er transzendente, religiöse und philosophische Denkmuster zu entwickeln.
Die ersten Lebewesen hatten vor zwei Millionen Jahren eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht, dass wir sie als Menschen bezeichnen können. Skelett und Muskulatur hatten spezifische menschliche Formen angenommen. Evolutionsbiologisch ist von Interesse, welche Vorteile der aufrechte Gang unseren ursprünglich vierfüßigen Vorfahren brachte und worin die Notwendigkeit zu dieser Entwicklung bestanden haben könnte. Eine starke Erhitzung des Körpers in der steilen Mittagssonne der Savanne ist eine der Theorien für eine Aufrichtung. Doch alle Savannenbewohner einschließlich des Menschen regeln dieses Problem eher, indem sie die Sonne durch Mittagsruhe meiden.
Warum der Mensch zum Zweibeiner wurde
Eine ganz andere, höchst interessante Theorie setzt sich immer mehr in der Wissenschaft durch. In der Zeit, als der Mensch lernte, aufrecht zu gehen, war das Gebiet des Hadar-Beckens in Äthiopien durch einen Meereseinbruch für geraume Zeit mit Meer- oder Brackwasser überschwemmt. Im Gegensatz zur Savanne bietet eine Ufer- oder Küstenlandschaft ein reiches Angebot an Pflanzen und leicht erreichbaren Tieren bester Nahrungsqualität. Das Waten im Wasser erfordert ein aufrechtes Gehen, das schon bald einige Vorteile mit sich bringen sollte: Der Kopf hatte seine Funktionen des Zupackens und Festhaltens an die Hände abgegeben, er war frei geworden zum Denken. Das Gehirn hatte seine Wachstumsgeschwindigkeit sprunghaft gesteigert. Die Hände hatten ihre Form verfeinert und ihre Geschicklichkeit erhöht. Sie waren zur Arbeit fähig geworden.
Dabei führte weniger die Art der Nahrungsbeschaffung als vielmehr der ökonomische Vorteil der Nahrungsteilung unter den Gruppenmitgliedern zur Entwicklung menschlicher Verhaltensweisen. Einher geht diese These mit der Vorstellung von Heimstätten oder zentralen Plätzen, zu denen Fleisch und Pflanzen zunächst gebracht wurden. Eine Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern war ein wesentliches Element. Männer schafften Jagdbeute heran, während Frauen mit dem Ernten von Pflanzen wesentlich, wenn nicht sogar überwiegend zur Nahrungsversorgung beitrugen.
2. Zeitfenster:
Vor 800.000 Jahren
Von jetzt an ging es – gemessen an der zurückliegenden Entwicklungsgeschichte – rasend schnell. Denn nun schuf sich der Mensch Werkzeuge. Aufgelesene Hölzer und Steine wurden von ihm mit Hilfe anderer Steine und Hölzer zweckmäßig geformt. Schlagmesser und Haustücke aus hartem Stein entstanden. Werkzeuge aus Holz und Knochen kamen dazu. Der Mensch vollbrachte seine ersten schöpferischen Leistungen. Damit erhob er sich über das übrige Tierreich. Zum Zerlegen der Beute, deren Fleisch nun einen größeren Anteil an der Ernährung bekam, brauchte man ebenso schneidende Werkzeuge wie zum Zurichten hölzerner Wühlstöcke und Lanzen. Dafür eigneten sich Steine am besten, die – aneinander geschlagen – Kanten zum Schneiden und Schaben bildeten. Auch Spitzen konnte man mit wenigen Schlägen aus handlichen oder handlich gemachten Steinen herstellen und sehr vielseitig gebrauchen. Knochen fanden ebenfalls Verwendung, doch waren sie schwerer zu bearbeiten.
Während die uns nächstverwandten Menschenaffen, die Primaten, sich vorwiegend von Pflanzen ernähren, aber auch Kleingetier von Insektenlarven bis zu Schnecken und Jungtieren von Säugern nicht verschmähen, spielte bei den Frühmenschen die Jagd eine stärkere Rolle. Großtiere aus dem Kreis der Dickhäuter waren offenbar leichter zu erlegen als leichtfüßige Antilopen. Da zur Werkzeugherstellung geeignete Steine nicht überall verfügbar waren, musste gesammelt werden. Und so könnte die Tragtasche aus Fell oder Pflanzenteilen wie der Rinde oder großen Blättern zur Ausstattung der frühesten Menschen gehört haben.
3. Zeitfenster:
Vor 500.000 Jahren
Zu jener Zeit begann eine neue Epoche: Die Menschen gewannen die Gewalt über das Feuer, das nun gehegt wurde, aber auch selbst entfacht werden konnte. Wobei Bohr- und Reibetechniken offenbar älteren Datums sind als Schlagtechniken, bei denen Feuersteine und Schwefel genutzt wurden. Die frühen Menschen breiteten sich vom tropischen Ausgangsraum in subtropische und gemäßigte Zonen aus. Noch blieb Afrika der Mittelpunkt der Menschheit, doch kamen immer weitere Teile Asiens und des südlichen Europas hinzu. Ein neuer Menschentypus – Homo Erectus genannt – hatte sich vor 1,5 Millionen Jahren oder noch früher heraus gebildet. Spezielle Steinwerkzeuge, besonders die Faustkeile, wurden entwickelt und standardisiert. Dies setzte auch eine höhere sprachlich-begriffliche Entwicklung voraus.
Die Formgebung mancher Faustkeile, die vor gut einer halben Million Jahren begann, ist mit technischen Notwendigkeiten allein nicht zu erklären. Offensichtlich wurde ein Maß an Symmetrie und Ausgewogenheit angestrebt, das als Anfang künstlerischer Gestaltung gedeutet werden kann. Zum Schutz vor Raubtieren und gegen die Unbilden des Wetters lebten die Frühmenschen vermutlich in natürlichen Höhlen. Einige Forscher machten sogar einfache Wohnbefestigungen aus, die dem gleichen Zweck gedient haben dürften. Zudem finden sich Hinweise auf eine gewisse Unterteilung der Lagerplätze des späten Homo Erectus in Arbeitsbereiche und Feuerstellen.
Zunehmend begann auch die Organisation der Gruppe an Bedeutung zu gewinnen. Soziales Lernen, Arbeitsaufteilung und Kooperation wie auch stabile und intensive Sozialbeziehungen setzen ein vergleichsweise gut entwickeltes System symbolischer Kommunikation voraus. Wenn auch seine Sprachfähigkeit sicherlich noch nicht so ausgeprägt war wie die des modernen Menschen, so dürfte sie doch schon eine entscheidende Rolle bei der Koordination des sozialen Lebens gespielt haben. Mit all diesen Fortschritten markiert der Homo Erectus einen wesentlichen Wandel in der Anpassungsstrategie, der die weitere Evolution zum heutigen Menschen entscheidend bestimmte.
4. Zeitfenster:
Vor 150.000 Jahren
Der Neandertaler
Die Heimat des Neandertalers war eine öde, eisige Tundra, die nur in Südeuropa in Grassteppe und schütteres Taiga-Waldland überging. Eine solche Umwelt erforderte Anpassungsfähigkeit, um überleben zu können. So war der Neandertaler, dessen Lebensraum sich von Südfrankreich bis nach Sibirien, von Afrika bis in den Nahen und Fernen Osten erstreckte, ein sehr kräftiger, ungemein geschickter und listenreicher Jäger, der auch Großwild wie Höhlenbären oder den Sibirischen Steinbock erbeuten konnte. Die Tiere lieferten ihm nicht nur energiereiche Fleischkost, sie versorgen ihn auch mit Pelzen. Der Neandertaler, „Homo sapiens neandertalensis“, war etwa 1,60 Meter groß, starkknochig und muskulös. Aber trotz seiner kräftigen Natur erreichte er in seiner rauen Heimat selten mehr als das 50. Lebensjahr. Der harte Kampf ums Überleben forderte Intelligenz. Sein Gehirn war ungefähr so groß wie das des heutigen Menschen. Er muss in der Lage gewesen sein, seine Gedanken zu formulieren und eine einfache Sprache zu sprechen. Sogar erste Kunstgegenstände, kleine, einfach Statuetten, fertigte er an.
Neue Menschenarten traten auf, die den heutigen Menschen schon sehr ähnlich waren. Dass der „Homo Neanderthalensis“ – Skelettreste wurden erstmals 1856 im Neandertal bei Düsseldorf entdeckt – ein halbtierischer Urmensch war, ist ein Vorurteil des 19. Jahrhunderts. Die Neandertaler waren im Gegenteil intelligente Wesen. Sie legten sogar schon erste Gräber an. Dieser Umgang mit den Toten setzte ein Verhältnis der Lebenden zum Tod voraus, das in den Bereich des Religiösen gehört.
Wie ihr muskulöser Körperbau und die ausgesprochen robusten Knochen zeigen, spielten Kraft und Ausdauer im Leben der Neandertaler eine große Rolle. Als erfolgreiche Jäger in der rauen, eiszeitlichen Umwelt schreckten sie auch vor Auerochsen oder Mammuts nicht zurück. Zugleich war ihre Jagdtechnik risikoreich und gefährlich, trieben sie doch ihre Beutetiere in die Enge und töteten sie dann aus kurzer Distanz mit einem Lanzenstoß. So verwundert es nicht, dass nur selten ein Neandertaler-Skelett gefunden werden konnte, das frei von Verletzungsspuren ist.
Viele Neandertaler litten an infektiösen Erkrankungen der Zähne und des Kiefers, an Karies, Parodontose und Abszessen, die einen massiven Verlust der Zähne noch in relativ jungen Jahren zur Folge hatten. Die Ursachen dafür könnten sein, dass die Neandertaler regelmäßiger Nahrungs-Verknappung ausgesetzt waren, möglicherweise jährlich zum Ende des harten Winters.
Starker körperlicher Verschleiß, ein hohes Verletzungsrisiko, eine beträchtliche allgemeine Krankheitsbelastung und immer wieder kehrender Nahrungsmangel, kurz: ein Leben an der physischen Belastungsgrenze forderte seinen Tribut von den Neandertalern.
Sie alterten schneller und starben früher als die nachfolgenden modernen Menschen. Während Letztere durchaus ihr sechstes Lebensjahrzehnt erreichen konnten, waren die ältesten Neandertaler bei ihrem Tod erst in den Enddreißigern oder Mittvierzigern. Meist jedoch starben sie bereits noch früher.
Die ersten anatomisch modernen Menschen gelangten vor etwa 40.000 Jahren von Süden her nach Europa, wo sie einige Jahrtausende Seite an Seite mit den Neandertalern lebten, bevor sie diese schließlich vollständig ersetzten. Wie aber kam es zu dem verhältnismäßig raschen Aussterben der ursprünglichen Bevölkerung?
Die Neandertaler waren trotz möglicher Versuche, sich dem Fortschritt anzupassen, den modernen Menschen in vielerlei Hinsicht unterlegen. Sie stießen schnell an ihre Leistungsgrenzen. Ihr stämmiger Körperbau mag sich im Wettbewerb mit den neuen Einwanderern letztlich als Nachteil erwiesen haben, da Aufbau und Unterhalt eines solchen Körpers deutlich mehr Energie und damit mehr Nahrung erforderten. Die ständig wieder kehrenden Nahrungskrisen trafen die Neandertaler deshalb sicher härter als die weniger muskelbepackten „Modernen“, die es zudem verstanden, ihren Kalorienverbrauch durch die Entwicklung verbesserter Behausungen, genähter Kleidung und eine effizienteren Wärmeausnutzung der Feuerstellen zu reduzieren. Dadurch war es ihnen möglich, ungeachtet der an wärmeres Klima angepassten Anatomie, die kälteren Gebiete erfolgreich zu besiedeln, die über Jahrtausende den Neandertalern vorbehalten gewesen waren.
Außerdem werden die kulturellen Errungenschaften dazu beigetragen haben, dass die modernen Menschen älter wurden als die Neandertaler, womit auch ihr ganzer Erfahrungsschatz der jeweiligen Gruppe länger zur Verfügung stand. Zu einer Zeit, die noch keine schriftliche Überlieferung kannte, dürfte das letztlich ein nicht zu unterschätzender Vorteil gewesen sein.
Die Höhlenmalereien, die vor allem in Südfrankreich und Nordspanien entdeckt wurden, hatten ihre Blütezeit vor etwa 20.000 bis 15.000 Jahren. Danach verliert sich die Spur der Neandertaler im Dunkel der Geschichte.
5. Zeitfenster
Vor 40.000 Jahren
Auch auf der anderen Seite des Erdballs drangen die aufrecht gehenden Zweibeiner vor. Anders als die meisten Inseln Indonesiens war Australien im Verlauf des Absinkens des Meeresspiegels während der Eiszeiten nie über Landbrücken mit dem asiatischen Festland verbunden. Selbst zu Zeiten des niedrigsten Wasserstands betrug der Abstand zum Festland noch mindestens 90 Kilometer. So dürften die ersten Menschen, die zu den Blütezeiten der Neandertaler diesen seit Jahrmillionen isolierten Kontinent besiedelten, vermutlich auf einfachen Flößen dorthin gelangt, vielleicht abgetrieben worden sein. Als Baumaterial solcher Wasserfahrzeuge standen ihnen Bambusrohr sowie viele Hölzer der tropischen Regenwälder Südostasiens reichlich zur Verfügung.
Vermutlich erreichten die ersten Siedler, anatomisch moderne Menschen, den fünften Kontinent vor rund 40.000 Jahren. Der älteste Fund, der uns Hinweise gibt, ist das Skelett eines erwachsenen Mannes, der vor seiner Beisetzung mit rotem Ocker bestreut wurde. Dies spricht für komplexe kulturelle Riten der frühen Siedler, ebenso wie das etwa 26.000 Jahre alte Grab einer in der Nähe entdeckten jungen Frau, die nach ihrem Tod zunächst verbrannt wurde, bevor man sie bestattete.
Die erste Entdeckung Amerikas
Es gilt als gesichert, dass vor 40 Jahrtausenden Homo-sapiens-Stämme von Ostsibirien über die Behringstraße – damals noch eine Landbrücke – nach Alaska vordrangen, von dort als Jäger und Sammler ihren Weg nach Süden nahmen und bald das Gebiet der heutigen Vereinigten Staaten bevölkerten. Fest steht auch, dass es vor ihnen niemals Menschen oder dem Menschen nahe stehende Primaten auf dem amerikanischen Doppel-Kontinent gegeben hat. In Mexiko erschienen die ersten Jäger und Sammler der Altsteinzeit wesentlich später. Die frühesten Funde deuten hier auf ein Alter von wenig mehr als 23 000 Jahren.
Die Besiedlung Amerikas
In der weiten, baumlosen Kälte-Tundra Sibiriens konnte es während der letzten Eiszeit aufgrund geringer Niederschlagsmengen kaum zur Bildung größerer Eisdecken und Gletscher kommen. Außerdem war Sibirien damals durch die mehr als 1000 Kilometer breite „Bering-Landbrücke“ über Alaska mit Nordamerika verbunden. So war der Weg frei für die modernen Menschen, die neben verschiedenen ursprünglich asiatischen Säugetrierarten auf dieser Passage nach Nordamerika gelangten. Der Doppelkontinent wurde von nomadisierenden Menschen vor etwa 20.000 Jahren erreicht.
Über Alaska hinaus drangen die ersten Siedler Nordamerikas erst einige tausend Jahre später nach Süden vor. Denn die weitere Ausdehnung des Siedlungsgebiets nach Süden wurde zunächst von zwei riesigen Eisschilden begrenzt, die bis vor rund 14.000 Jahren fast ganz Kanada bedeckten. Erst für die Zeit vor 12.000 beziehungsweise 11.000 Jahren finden sich archäologische Belege für die Anwesenheit von Menschen in Gebieten südlich des heutigen Kanada.
Fortschritt durch Ackerbau
Mit dem Ackerbau gelang es den Menschen des Neolithikums erstmals, ihre natürliche Umwelt den eigenen, Bedürfnissen anzupassen und für ihre Zwecke zu verändern. Der Mensch begann zu produzieren. Allerdings nicht freiwillig. Dramatische Klima-Veränderungen nach der letzten Eiszeit erforderten ein stärkeres Zusammenrücken. Die Bevölkerungsballung und die dadurch entstehende Nahrungsknappheit zwangen sie zum Ackerbau.
Mit der Tierzucht begann eine Zeit der vermischten Landwirtschaft sowie darauf folgend, eine Aufspaltung der menschlichen Verbände in Ackerbauern und Viehzüchtern.
Der danach folgende Überschuss an Nahrungsmitteln, die Entwicklung neuer Techniken und die Gründung fester Siedlungen ermöglichten den Menschen endlich eine relative Unabhängigkeit von den Zufällen und Bedrohungen der natürlichen Umwelt. Der Zeitraum der neolithischen Revolution, etwa sieben Jahrtausende menschlicher Geschichte, war in materieller und geistiger Hinsicht die Vorstufe aller Hochkulturen in Mesopotamien, Ägypten, China, Japan und Altamerika. Durch die Entstehung der Schriftsprache, dem deutlichsten Kennzeichen einer Hochkultur, die erstmals in Mesopotamien und Ägypten um 3000 v. Chr. aufkam, begann eine prinzipielle Umgestaltung des menschlichen Wesens. Erstmals wurde Wissen und Erfahrung nicht nur mündlich sondern schriftlich von Generation zu Generation weiter gegeben.
6. Zeitfenster
Die Neolithische Revolution (Vor 10.000 bis 6000 Jahren)
Mit dem Ausklingen der Eiszeit vor rund 12.000 Jahren kam auch das Ende des Jungpaläolithikums. Infolge des Abschmelzens der Gletscher stieg der Meeresspiegel, und die Küsten und Landschaften glichen sich immer mehr den heutigen Verhältnissen an. Zu jener Zeit hatten die Menschen ein so hohes kulturelles und soziales Niveau erreicht, dass es vor allem gesellschaftliche Faktoren und weniger die Beschränkungen der natürlichen Umwelt waren, die die weitere Entwicklung bestimmten.
Nach dem Neolithikum vollzog sich der Übergang von der alten Lebensweise der Menschen als Jäger und Sammler zu den ersten bäuerlichen Gesellschaften. Ackerbau und Viehzucht entstanden mehrfach unabhängig voneinander in verschiedenen Regionen der Alten und der Neuen Welt. Zuerst vor etwa 10.000 Jahren im so genannten fruchtbaren Halbmond Mesopotamiens. Von hier aus breitete sich die neue Kultur in Richtung Westen nach Europa aus.
Die ersten Dörfer entstehen
War der Hund schon seit längerem zum Jagdgefährten des Menschen geworden, begann man vor rund 9000 Jahren im Nahen Osten Ziege und Schaf und bald darauf Rind und Schwein zu domestizieren. Das Pferd wurde vor etwa 6000 Jahren in Osteuropa zum Nutztier des Menschen. Wie beim Ackerbau vollzog sich der Übergang zur Viehzucht allmählich.
Gleichzeitig begann vor mehr als 7000 Jahren im ostasiatischen Raum die landwirtschaftliche Revolution. In China wurden erstmals systematisch Reis, Hirse, Soja, Yamswurzeln und Taro angebaut. Die mit rund 8000 Jahren ältesten bäuerlichen Kulturen waren allerdings in Mittel- und Südamerika entstanden. Mais, Kürbis, Bohnen und Baumwolle wurden geerntet und Lama, Alpaka und Meerschweinchen als Haustiere gehalten.
Es scheint fast so, als ob auf ein geheimes Kommando hin in nahezu allen fünf Erdteilen die Menschheit zur Einsicht gekommen war, dass für ihre Ernährung die Jagd allein nicht mehr ausreichte und das Züchten bestimmter Tierarten und das Anbauen von Nutzpflanzen überlebensnotwendig geworden waren.
Mit den neuen Formen der Nahrungsbeschaffung begann der Mensch den Naturlandschaften seinen Stempel aufzudrücken. Wälder wurden zugunsten von Feldern und Weiden abgeholzt oder nieder gebrannt. Die Menschen waren an den bewirtschafteten Boden gebunden und begannen, sich in Dörfern anzusiedeln. Gleichzeitig wurde das Leben konfliktträchtiger, denn der Besitz von Land, Vieh und Vorräten, die eine regelmäßige Nahrungsversorgung sicherten, wurde immer wichtiger. Einfacher gesagt: Es gab bald Arm und Reich, Habende und nicht Habende.
Die Geburtsstunde der Handwerker
Neue Bedürfnisse verlangten nach neuen Gütern, die von spezialisierten Handwerkern produziert wurden. Schon vor rund 8500 Jahren wurde in Nordafrika sowie im Nahen und Fernen Osten damit begonnen, aus Ton dauerhafte Gefäße zu brennen. Die Herstellung und Verarbeitung von Metallen begann vor rund 6000 Jahren mit der Verhüttung von Kupfer, das in verschiedenen Legierungen mit Arsen und Zinn als Bronze verarbeitet wurde. Gold war bereits vor 5000 Jahren ein beliebter und begehrter Werkstoff. Das ägyptische Pharaonenreich verschaffte es sich in großen Mengen aus dem Goldland „Punt“. Der Handel mit Rohstoffen und fertigen Schmiedearbeiten führte bald zu einem ausgedehnten Netz von Handelsbeziehungen.
Als Produktions- und Handelszentren entwickelten sich im fruchtbaren Zweistromland Mesopotamiens vor etwa 6000 Jahren die ersten Städte, die bald auch zu Zentren der politischen Macht wurden und zur Entstehung der ersten von Königen beherrschten Stadtstaaten führten.
7. Zeitfenster
Die Menschen organisieren sich
Aber nicht nur im Delta von Euphrat und Tigris entstand eine Hochkultur, an den Ufern des Indus und in China am Gelben Fluss bändigten Menschen die Gewalt der Ströme und machten durch ihre Arbeit das Wasser, die Quelle aller Fruchtbarkeit, ihren Zwecken nutzbar. Durch die Anlage von Dämmen, Staubecken und Kanälen verwandelten sie öde Landstriche in blühende Felder und Gärten.
Aus der gemeinsamen Arbeit erwuchs ein Gefühl für die Kraft der Gemeinschaft und für die gegenseitige Abhängigkeit. Die Menschheit lernte, dass große Aufgaben nur durch die Übernahme fester Pflichten zu bewältigen sind und dass Freiheit und Wohlstand des einzelnen nur durch die geregelte Tätigkeit aller gesichert werden kann.
So gibt der Mensch seine naturhafte Ungebundenheit allmählich auf, um in der organisierten Gesellschaft eine höhere Form der Freiheit zu gewinnen. Zunehmende Arbeitsteilung steigerte die Güte der Erzeugnisse und bewirkte zugleich eine höhere Effizienz.
Es bildeten sich Berufe heraus. Die Menschen benennen nun alle Dinge und geben auch sich selbst Namen.
Einen bedeutenden Fortschritt stellte die Töpferei dar, weil die Menschen erstmals nicht nur die Form eines Rohstoffes, sondern das Material selbst veränderten. Der weiche Ton wurde mit Feuer zu einer harten Substanz gebrannt. Um 3000 vor Christus wurde im Nahen Osten die Töpferscheibe erfunden, die eine enorme Formenvielfalt ermöglichte. Jetzt konnten auch Nahrungsvorräte für schlechte Zeiten dauerhaft eingelagert werden.
Die technischen Entwicklungen erzeugten einen weiteren Aufschwung der Landwirtschaft, deren Überschüsse wiederum den Unterhalt vieler Handwerker ermöglichten. Die Suche nach immer neuen Materialien intensivierte den Handel im Mittelmeerraum und vergrößerte den Markt für die Erzeugnisse der Stadtstaaten.
Der letzte große Schritt
Die tief greifenden Wandlungen im Neolithikum berührten neben den Wirtschaftsformen gleichfalls die religiösen Vorstellungen und ihre Ausprägung in der Kunst. An die Stelle einer einheitlichen, monotheistischen Vorstellung der altsteinzeitlichen Jäger und Sammler traten auf Grund der neuen Lebensweise zwei gänzlich unterschiedliche Religionen.
Bei den viehzüchtenden Nomaden ohne festen Wohnsitz lebte der männliche Gott der Altsteinzeit weiter, verkörpert durch die Kraft des männlichen Tieres, häufig eines Stiers. Einziger fester Ort der Hirten war die Totenstätte, die weithin sichtbar gekennzeichnet wurde. Gewaltige Steinblöcke, „Menhire“, markierten die kultischen Orte der Ahnenverehrung.
Die Ackerbauern dagegen besaßen einen festen Wohnsitz sowie Land- und Gütereigentum. Das Haus, der Herd, der Same und das fruchtbare Land waren sämtlich auf eine weibliche Gottheit bezogen. Herausragende Symbole der Frau als Trägerin des Lebens waren die Geometrie der Raumgliederung in den vier Himmelsrichtungen, der Zyklus des Mondes und das Wasser. Statt eines männlichen Gottes existierte die Vorstellung von einer Großen Mutter, zum Beispiel „Innui-Ischtar“ in Mesopotamien und „Isis“ in Ägypten. ImAckerbaugebiet Mexikos war es „Teteoinnan“, die Mutter der Götter. Ihre Symbole waren Mond, Wasser, die Schnecke, die Eule und die Schlange. Statuen der „Großen Mutter“, die den Viehzüchtern unbekannt war, standen in den Nischen wohl jeden Bauernhauses.
5000 Jahre umfasst diese Epoche des umwälzenden Fortschritts, in der die Menschen sesshaft werden, Landwirtschaft und Handwerk standartisieren und eine so genannte Urkultur entwickeln. Das ist nur ein Millionstel der Erdgeschichte. Aber diese Periode unterscheidet sich grundsätzlich von der ganzen vorherigen Zeit. Es ist die Epoche der menschlichen Zivilisation.
Die beginnende Metallverarbeitung bringt den Durchbruch zu technischem Denken und Handeln. Die gleichzeitig erfundene Schrift macht menschliche Erfahrung mitteilbar und vererbbar. Geschichte wird eindeutig überliefert, die schöpferische Leistung des Menschen wird unsterblich.
Der Staat entsteht als stabilisierender Ordnungsfaktor einer sich feindlich gegenüber stehenden Menschengesellschaft. Der Krieg kommt in die Welt. Militärische Organisation ersetzt das natürliche Wachstum der menschlichen Gesellschaft. Reichtum und Armut steigen gleichzeitig ins Unermessliche. Klassenspaltung bewirkt den Verlust des ganzheitlichen Wesens des Menschen; Käuflichkeit aller Güter und Werte nimmt ihm seine Würde. So wird jeder Schritt auf dem Wege des Fortschritts auch zu einer Niederlage.
8. Zeitfenste
3000 Jahre vor Christus – Sumerische Stadtstaaten
Sumer ist der aus dem Akkadischen abgeleitete Name für den südlichen Teil Mesopotaniens, den die Sumerer selbst „Kengir“ nannten. Wann und woher die Sumerer, die seit dem Ende des 4. Jahrtausends v. Chr. in diesen Gebieten nachweisbar sind, also einwanderten, ist immer noch ungeklärt. Sie siedelten in den Flusstälern, wo sie das Hochwasser im Herbst und im Frühjahr nutzten, Sümpfe trocken legten und durch Bewässerungssysteme mit Kanälen, Gräben, Rinnen und Hebewerken die angrenzende Steppe in fruchtbares Ackerland verwandelten.
Ihre bedeutenden Städte waren Eridu, Uruk, Ur, Umma, Lagasch und Girsu im heutigen Südirak, Adab und Nippur im mittleren Irak sowie weiter nördlich Kisch, Sippar und Eschnunna. An der Spitze des Südstaates stand der „Ensi“, der Stadtfürst, der sich in erster Linie als Stellvertreter des Stadtgottes verstand. Das Grundeigentum gehörte in der Regel den Heiligtümern und dem Palast. Seit Beginn des 3. Jahrtausends bildeten sich um einige dieser Städte in Größe und Macht wechselnde Staaten.
Uruk war zunächst die mächtigste Stadt Sumers. Von ihren als „frühdynastisch“ bezeichneten Königen Enmerkar, Lugalbanda, Dumusi und Gilgamesch erzählen zahlreiche Mythen und Epen. Das Gilgamesch-Epos, das bedeutendste Werk der babylonischen Literatur, berichtet von den Bemühungen des halbgöttlichen Stadtfürsten von Uruk, die Unsterblichkeit zu erlangen.
Gilgamesch zieht mit seinem Freund Enkidu auf Heldentaten aus. Enkidu erschlägt Huwawa, den Hüter des Zedernwaldes, und den Himmelsstier, den die Göttin Ischtar auf die beiden Helden gehetzt hat. Für diesen Frevel muss er sterben. Verzweifelt macht sich Gilgamesch auf den Weg zu seinem Ahnherrn „Utnapischtim“, um von ihm das Geheimnis der Unsterblichkeit zu erhalten. Utnapischtim rät ihm, sechs Tage und sieben Nächte zu wachen, doch Gilgamesch schläft ein. Nach einem weiteren vergeblichen Versuch sieht Fürst Gilgamesch ein, dass die Unsterblichkeit für Menschen nicht zu erreichen ist. Seine Taten sichern ihm jedoch unsterblichen Ruhm.
Im 27. beziehungsweise 26. Jahrhundert vor Christus war dann Kisch das Machtzentrum in Nordbabylonien mit der „1. Dynastie nach der Flut“, aus deren Herrschern insbesondere Etana und Mesilim zu nennen sind. Mit der „1. Dynastie von Ur“ um 2550 vor Chr. verschob sich das Machtzentrum Sumers wieder nach Süden. Danach traten Lagasch, insbesondere unter König Eannatum, und Umma in den Vordergrund.
Die Auseinandersetzungen der sunnitischen Städte untereinander gestalteten sich immer heftiger unter gleichzeitiger Ausbildung von Großreichs-Tendenzen bisher unbekanntenAusmaßes. Lugalsagesi von Umma konnte um 2280 vor Chr. schließlich seinen Machtbereich auf Uruk, Ur, Kisch, Adab, Eridu sowie Nippur ausdehnen. Er übernahm den Titel „Herr aller Länder“. Der Fürst unterlag jedoch bald Sargon von Akkad, der das erste semitisch beherrschte Großreich in Mesopotamien schuf.
Wenn auch der starke Einfluss der Sumerer in allen Bereichen der altorientalischen Kultur und Gesellschaft nur schwer zu bestimmen ist, so sind sie unbestritten die Erfinder der Keilschrift. Ihren Namen hat die Schrift nach dem keilförmigen Eindruck des schräg gehaltenen Rohrgriffels in den weichen Ton der danach getrockneten oder gebrannten Schreibtafeln. Zu den ältesten erhaltenen Schriftdenkmälern zählen die Tontafeln, die um 3000 vor Chr. in Uruk zu wirtschaftlichen Zwecken entstanden. Die Keilschrift wurde nicht nur zur Aufzeichnung des Sumerischen, sondern auch anderer Sprachen genutzt. Astronomische Texte fanden sich sogar aus dem 1. Jahrhundert nach der Zeitenwende in Babylonien.
2400 vor Christus
Schon sehr früh hatten sich am nordwestlichen Rand Sumers in der Gegend um Kisch Semiten niedergelassen. Sie passten sich trotz unterschiedlicher Herkunft und Sprache an die sumerische Kultur an. Um die Mitte des 24. Jahrhunderts waren die Sumerer nur noch scheinbar dominierend, die Semiten ihnen aber zahlenmäßig überlegen. Sie bildeten zumindest im Norden Babyloniens die soziale Oberschicht. Der Prozess der allmählichen Wandlung der altsumerischen Gesellschaft und Kultur hin zum semitischen fand seinen Kulminationspunkt in der Machtübernahme durch Scharrum-Kin von Kisch, der als Sargon I. von Akkad Herrscher wurde. Die Ausweitung seines Herrschaftsgebietes über die Grenzen Sumers und Akkads – dies war nun der neue Name für Nordbabylonien – war Sargons Ziel, das er mit zahlreichen Feldzügen bis nach Syrien, nach Kleinasien, in das Gebiet des späteren Assyriens und nach Elam auch erreichte. Er schuf das erste semitische Großreich, das die „vier Weltgegenden“ umfasste: Vom Unteren bis zum Oberen Meer, das heißt vom Persischen Golf im Süden bis zum Mittelmeer im Norden und Westen und sogar bis zum Sagrosgebirge im Osten.
Sargon, der von 2300 bis 2245 regierte, machte die Rohstoffeinfuhr von Holz, Metallen und Steinen zum Staatsmonopol. Er liebte den offenen Kampf und stützte seine Macht auf ein bewegliches Heer aus Steppenkriegern. Seine Erhebung zum Gottkönig führte zu einer Umwälzung des altsumerischen Religionsverständnisses. Die Gottheiten beherrschten nun nicht nur das Naturgeschehen, sondern auch den Ablauf der Geschichte.
Sargon war der erste Herrscher der Welt, der sich von seinen Untertanen anbeten ließ. Viele im Orient eiferten ihm später nach. Sogar der Europäer Alexander der Große aus Mazedonien konnte dieser Versuchung 2000 Jahre später nicht widerstehen.
Sargon war der Begründer der Dynastie von Akkad, aus deren Herrschern sein Enkel Naramsin, der von 2220 bis 2183 vor Chr. regierte, herausragt. Stetige, kostspielige Feldzüge gegen äußere Feinde sowie Aufstände und Unordnung im Innern führten schließlich zum Niedergang des Reiches. Die Dynastie von Akkad endete etwa 2120. Das zerfallende Reich wurde um 2100 von den Gutäern, einem Bergvolk aus der Gegend des heutigen Luristan im Iran, zerstört. 40 Jahre herrschten sie über Babylonien.
Während die Dynastie von Akkad sich erschöpfte, verbreitete sich im Indus-Tal, im Sind, im Panjab, auf der Halbinsel Kathiawar und an der Küste Belutschistans die Harappa-Hochkultur. Das Zentrum bildeten die beiden Hauptstädte Harappa und Mohenjodaro. Die dort siedelnden Menschen gelten als die Erfinder des Siegels. Sie verwendeten es häufig, um Eigentumsrechte von Waren geltend zu machen. Darüber hinaus erfüllten die Siegel eine religiöse Funktion: Sie riefen den Schutz des abgebildeten Gottes – Geist oder Tier – an. Charakteristisch für die künstlerische Anfertigung von Gebrauchsgegenständen der Indus- beziehungsweise Harappa-Kultur sind Keramikgefäße mit kugeligen Formen und einem kurzen Hals.
Weiter östlich, in China, hatte sich mittlerweile ebenfalls eine Hochkultur gebildet. Kaiser Yü, Begründer der ersten Dynastie Chinas, gilt als Retter des Landes vor dem Untergang. Der Legende nach hat Yü um 2000 vor Christus die Sintflut bezwungen, indem er die Flüsse des Landes kanalisieren und die Berge durchstechen ließ.
Damit reiht er sich unter die großen mythologischen Kaiser – Yao und Shun – des Reiches der Mitte ein. Seine Leistungen gelten als vorbildlich für die späteren Herrscher. Als „Söhne des Himmels“ beziehungsweise deren Nachfolger beanspruchten die chinesischen Kaiser höchste weltliche und geistliche Autorität. Sie waren zwar „Himmelssöhne“, doch verzichteten sie darauf, sich als Götter anbeten zu lassen.
Im Gegensatz zu den altorientalischen Hochkulturen in Mesopotamien und Ägypten ist das früh ausgeprägte Lehenssystem kennzeichnend für die chinesische Hochkultur. Die dadurch entstandene Klasse der Großgrundbesitzer wurde über Jahrhunderte zur latenten Gefahr für die chinesischen Kaiser.
Obwohl die Chinesen mit ihrer großartigen Kultur ihren NachbarVölkern weit voraus waren, so gab es im Westen doch eine Nation, die sie kulturell überflügelte: die Ägypter und ihre Herrscher.
Das alte Ägypten
Kaum ein Land ist in seiner politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung durch die geographischen Gegebenheiten des Landes so beeinflusst worden wie Ägypten. Die natürliche Dreiteilung des Landes in das oberägyptische schmale Nil-Tal, das breite Delta und die westlichen und östlichen Wüstengebiete mit den zugehörigen Oasen bedingte ein Missverhältnis zwischen Wüste und Fruchtland, die Isolation der Nilbewohner zu anderen ebenbürtigen Kulturen und eine spezielle Wirtschaftsform.
Der „Sprung in die Geschichte“ gelang den Ägyptern um 3000 v. Chr. mit der Erfindung der Hieroglyphen, einer Kombination von Symbol- und Lautschrift. In dieser Periode entwickelten sich auch Religion, Technik, Kunst, die Bearbeitung von Gold, Kupfer und Elfenbein und die spezifisch ägyptischen Anschauungen und Stile.
Im Mittelpunkt der neuen Ordnung, die in dem doppelten Herrscher-Amt des Königs über Ober- und Unterägypten ihren Ausdruck fand, stand das Königtum. Der ägyptische Pharao galt als Inkarnation des Gottes Horus, der durch ihn die Welt regierte. Später wurde der tote Pharao auch mit Osiris, dem Fruchtbarkeits- und Unterweltgott, identifiziert. Zentrum der Verwaltung war die königliche Residenz in Memphis. Nicht zu unterschätzen war der Einfluss der Priesterschaft. Sie gewann durch viele Privilegien immer mehr Eigenständigkeit und Macht.
525 v. Chr. wurde das Land der Pharaonen zu einer persischen Satrapie umgewandelt. Fast 200 Jahre später wurde Alexander der Große bei seinem Einzug in Ägypten als Befreier von der verhassten persischen Fremdherrschaft jubelnd begrüßt.
Das ägyptische Reich und die Pharaonen
Im ägyptischen Geschichtsdenken galt König Menes als Reichseiniger, der Ober- und Unterägypten zu einem gemeinsamen Staat verband. Die Ereignisse dieser Epoche, der so genannten Thinitischen Zeit, bleiben noch weitgehend im Dunkeln. Das sich der Thinitenzeit anschließende Alte Reich ist durch Denkmäler besser bekannt. Eindrucksvolle Zeugen sind vor allem die Pyramiden.
Die erste ließ König Djoser für sich in Saqqara erbauen. Als ihr Baumeister und als Erfinder der Steinbaukunst überhaupt galt den Ägyptern Imhotep, der in späterer Zeit als Gott verehrt wurde. In der 4. Dynastie, ab 2570 v. Chr., erreichte der Bau von Pyramiden den Höhepunkt. Unter König Snofru wurden zwei Pyramiden in Dahschur und eine in Medum gebaut. Ferner wurden auf dem Wüstenplateau von „Giza“, nahe der Hauptstadt Memphis, drei Pyramiden errichtet. König Cheops ließ die mit fast 147 Meter höchste aufschichten. Noch heute ist es unklar, wie diese gewaltigen Steinmassen transportiert werden konnten. Haben doch die Ägypter über den Pyramidenbau keine Zeugnisse hinterlassen.
Sicher ist, dass es sich dabei um ein religiöses Werk handelte. Das Volk leistete es für den König, für den Pharao, der eine Verkörperung des Weltgottes darstellte und noch aus dem Jenseits seinen segensreichen Einfluss ausüben sollte. Die unumschränkte Herrschaft des Gottkönigs garantierte nicht nur die Ordnung im Land, sondern auch die Harmonie mit dem Kosmos.
Die Pyramiden sind ein Abbild des Himmels, sie wurden nach streng geometrischen Gesichtspunkten gebaut. Bei den Abmessungen spielten magische Zahlen, besonders häufig die Drei und die Vier, die die Vollkommenheit darstellten, eine wichtige Rolle.
Die alten Ägypter glaubten an ein Weiterleben nach dem Tod: Der Pharao fährt am Tag mit dem Sonnenboot, in der Nacht mit dem Mondboot über den Himmel. Dazu war es notwenig, den königlichen Körper zu erhalten und ihn mit allem, was er zum Leben brauchte, auszustatten: Speise und Getränke, Gerätschaften, Schmuck und Diener. Die Leichen der Pharaonen wurden mumifiziert: Dazu wurde das Gehirn und die inneren Organe heraus genommen, der Körper mit Chemikalien behandelt und mit Leinenbinden umwickelt. Die trokkene Wüstenluft begünstigte die Konservierung der Körper.
Die hierarchische Ordnung im Jenseits entsprach der irdischen. Für die Frauen der Könige und hohe Beamte wurden Grabstätten bei den Pyramiden errichtet, damit sie dem Pharao auch nach dem Tod nahe sein konnten. Um das Weiterleben nach dem Tod zu sichern, mussten die Nachkommen die Riten ordnungsgemäß vollziehen und Totenopfer darbringen. Andernfalls starb der Tote endgültig oder kehrte zurück, um die Lebenden zu belästigen.
Geschwister-Ehen war unter den Pharaonen üblich und einmal gelang es sogar einer Frau, die Macht an sich zu reißen: Mehr als 20 Jahre, von 1490 bis 1468 vor der Zeitenwende, herrschte Hatsachepsut über Ägypten. Eine wunderschöne Frau. Der Anblick ihrer Mumie, die noch heute in Kairo zu besichtigen ist, fesselt jeden. Das lange Haar ist erhalten, der Ausdruck ihres Gesichtes lässt eine willensstarke Persönlichkeit mit viel weiblichem Charme erkennen.
Die Pharaonin regierte in einer Phase des Friedens. Das ermöglichte ihr eine rege Bautätigkeit. Ihr Meisterstück ist der nach ihr benannte Tempel in Deir el-Bahari, im „Tal der Könige“ am Westufer Thebens, dem heutigen Luxor.
Ihr folgten große Herrscher, wie der dritte Thutmosis. Seine zahlreichen Feldzüge brachten ihm den Beinamen „Napoleon Ägyptens“ ein. Aber auch Visionäre wie Amenophis IV. Er bestieg 1365 v. Chr. den Pharaonenthron und wagte sehr bald den Konflikt mit der mächtigen Amun-Priesterschaft. In seinem fünften Regierungsjahr brach er völlig mit dem Amun-Kult, änderte seinen Namen von Amenophis in Echnaton, was soviel heisst wie: „nützlich für den neuen mächtigen Gott: Aton“.
Missliebige Beamte wurden entfernt und durch Männer aus unteren Bevölkerungsschichten oder Ausländer ersetzt. Im selben Jahr gründete er eine neue Hauptstadt, Achetaton, wohin er bald, nach Aufgabe der bisherigen Residenz Theben, mit seiner Gattin Nofretete übersiedelte. Der Hass auf die Amun-Priesterschaft ging so weit, dass er überall den Namen des Gottes Amun heraus meißeln ließ. Ähnlich unduldsam verhielt sich der Pharao gegenüber den Kulten anderer Götter, so dass man mit einem gewissen Recht von einem verordneten Monotheismus sprechen kann.
Trotz der gewaltigen Anstrengungen, die Echnaton unternahm, um seinen Glauben in das Bewusstsein der Bevölkerung zu bringen, musste die Religionsrevolution scheitern, da er nur bedingt die Führungsschicht überzeugen oder entmachten konnte. Zudem hing das einfache Bauernvolk an uralten Glaubens- und Jenseitsvorstellungen, die der König in ihrer Vielfältigkeit und Altehrwürdigkeit nicht ersetzen konnte. Fremd musste auf die meisten Ägypter der „Amarna-Kunststil“ wirken, der zwar durchaus Meisterwerke hervor bringen konnte, die überkommenen Formen häufig aber bis ins Groteske verzerrte.
Erst mit dem Pharao Haremhab, einem ehemaligen General, war die Amarnazeit beendet.
In der 19. Dynastie – cirka 1305 bis 1196 v. Chr. – begann Pharao Sethos I. mit der Rückeroberung Paläsinas und traf ein Abkommen mit dem mächtigen Hethiter-Reich. Seinem Sohn und Thronfolger Ramses II. war es beschieden, mehr als 66 Jahre auf dem ägyptischen Thron zu verbleiben. Er entfaltete eine nie da gewesene Bautätigkeit. Am bekanntesten ist der Tempel von Abu Simbel.
In seinem fünften Regierungsjahr fand die berühmte Schlacht bei Kadesch gegen die Hethiter statt, die fast mit einer Niederlage der Ägypter endete. Seinem Thronfolger Merenptah gelang es, die gefährlichen Seevölker, über die wenig bekannt ist und denen das hethitische Reich zum Opfer fiel, an den Grenzen Ägyptens abzuwehren.
Dialog. So könnte es gewesen sein:
Pharao: „Die Götter haben sich von uns abgewandt, Kanzler. Auch wenn es uns mit ihrer Hilfe gelungen ist, die barbarischen Fremden aus dem Norden zu besiegen, die mit ihren Schiffen über das Meer kamen und unsere Schätze rauben wollten.“
Kanzler: „Dein Genie, oh göttlicher Pharao und die Tüchtigkeit Eurer Generäle haben uns vor der Sklaverei bewahrt. Hättet Ihr den Nil nicht mit Eisenketten versperrt und so den Feinden mutig Einhalt geboten, der Untergang des Reiches wäre gewiss gewesen.“
Pharao: „Ein Einfall, den mir Gott Amun im Traume gab. Doch mir blieb auch nicht verborgen, dass wir ohne die griechischen Söldner, die wir mit unserem Gold entlohnen mussten, verloren gewesen wären. So wie die Hethiter, von derem Reich nur noch Trümmer übrig geblieben sind und deren Bewohner in die Sklaverei verschleppt wurden. Uns blüht ein ähnliches Schicksal, sollten die Nubier im Süden, die Libyier im Westen oder die wilden Bergvölker im Norden auf die Idee kommen, uns zu überfallen. Kanzler, unsere Schatzkammern sind leer, das Volk ist verarmt.“
Kanzler: „Ich wüsste eine Lösung ....... “
Pharao: „So nenne sie mir jetzt und sofort!“
Kanzler: „Es sind die korrupten Priester der Göttin Isis und des Gottes Amun im Süden, die das Land aussaugen wie der Löwe das Blut einer erlegten Gazelle. Den Dienern der Tempel gehört der größte Teil des fruchtbaren Ackerlandes. Das Gold stapelt sich in ihren Schatzhäusern bis zur Decke. Sie ignorieren die Göttlichkeit des Pharao hier in Memphis und haben einen Staat im Staat errichtet.“
Pharao: „Wohl wahr, Kanzler. Aber wie soll ich jetzt, nachdem wir die Seevölker mühevoll zurück geschlagen haben und das Land erschöpft am Boden liegt, Söldner bezahlen, um gegen die verschlagenen Priester vorzugehen? Meine Untertanen werden sich weigern, gegen die Priesterkaste loszuschlagen. Meine göttlichen Vorfahren werden mich im Jenseits verfluchen, sollte ich die Diener Amuns in Theben bekriegen. Schon Pharao Echnaton ist es letztlich nicht gelungen, die Macht der kahlköpfigen Priester zu brechen.“
Kanzler: „Dann bleibt, um uns vor Überraschungen zu sichern, nur ein Bündnis mit den Assyrern im Norden, edler Pharao, deren Pfeile im Kampf den Himmel über Palästina verdunkeln.“
Pharao: „Kanzler, willst Du wirklich den Wolf in den Schafstall lassen? Nein, wir müssen dem Volk neue Lasten auferlegen, die Steuern erhöhen und auf diese Weise die Armee stärken. Nur so können wir mit Hilfe der Götter Schaden vom Reich abwenden. Und was die Priester in Theben anbelangt, so lassen wir sie den Dienst an den Göttern verrichten und neue Tempel in Luxor bauen. Es wäre unser Untergang, sollten wir mit ihnen in Feindschaft stehen. Sie sind die Hüter der Gräber unserer erhabenen Vorfahren. Schicke noch heute einen Boten zu ihnen und lasse sie wissen, sie mögen auch meine letzte Ruhestätte vorbereiten. Denn ich spüre, dass meine Kräfte nachlassen. Ich möchte mir meinen Platz im Totenreich sichern.“
Nach einigen Unruhen fand das ägyptische Reich am Anfang der 20. Dynastie wieder für kurze Zeit zur Stabilität zurück. Doch gegen Ende der Regierungszeit von Ramses III. – 1153 v. Chr.- waren Streiks der Arbeiter – die ersten bezeugten der Weltgeschichte – an den Königsgräbern Vorboten der Auflösung des Neuen Reiches.
Im Süden begründeten die Hohepriester den „Gottesstaat“ des Amun, während in der Deltastadt Tanis die Könige der 21. Dynastie herrschten. Mit der 22. Dynastie ergriffen ägyptisierte Libyervölker, mit Scheschonq I. an ihrer Spitze, die Macht im Lande.
Die libysche Herrschaft stürzte der Nubier Schabaka. Danach wurde Ägypten bis Theben durch den grausamen syrischen König Asarhaddon erobert. Einer der von den Assyrern abhängigen Gouverneure aus der Stadt Sais befreite mit Hilfe von karischen und griechischen Söldnern das Land vom fremden Joch und schaffte mit seiner 26. Dynastie eine letzte kulturelle Blüte.
Schon bald sollten die Hyksos, eine asiatische, vermutlich semitische Stammesgruppe, nach der Herrschaft im Land der Pharaonen greifen. Dank ihrer überlegenen Kampftechnologien – pferdebespannte Kampfwagen, Bögen aus Horn und Holz – unterwarfen die Hyksos, die sich ursprünglich an der Ostgrenze Ägyptens niedergelassen hatten und nach und nach die Herrschaft auf das Deltagebiet ausdehnten – ganz Ägypten, Syrien und Palästina.
Minoische Hochkultur auf Kreta
Fast im Verborgenen, seit etwa 2300 vor der Zeitenwende, begann auf der Mittelmeerinsel Kreta eine kulturelle und wirtschaftliche Blüte, die ihren Höhepunkt in der Zeit zwischen 2000 und 1600 erreichte. Die Herkunft der kretischen Bevölkerung, des Trägers dieser Kultur, die nach dem sagenhaften König Minos benannt wird, ist unbekannt. Vermutlich gehörte sie zu der vorindoeuropäischen Bevölkerung der Ägäis.
Die großen Paläste, wie der in Knossos, die nach minoischer Bauweise einen weit verzweigten, „labyrinthischen“ Grundriss aufweisen, sind unbefestigt und völlig auf die Bequemlichkeit der Bewohner ausgerichtet. Von diesen Palästen aus wird das Land zentral verwaltet. Die landwirtschaftlichen Produkte der Insel werden in den einzelnen Palästen gespeichert, inventarisiert und bei Bedarf an die Bevölkerung ausgegeben. Außerdem beherbergen die Paläste zahlreiche Handwerksbetriebe.
Die umfangreiche Buchführung führt zur Herausbildung einer eigenen Schrift, „Linear-A“ genannt. Die Verehrung einer Mutteroder Erdgöttin nimmt in der religiösen Vorstellung einen besonderen Raum ein. Dementsprechend besitzt auf Kreta die Frau eine hohe gesellschaftliche Stellung.
In seiner Blütezeit beherrscht das minoische Kreta die Wirtschaft des gesamten Mittelmeerraums. Mit dem Einfall der Achäer vom griechischen Festland her vollzieht sich der Niedergang der blühenden Insel.
Vermutlich zerstört eine Naturkatastrophe um 1425 v. Chr. den Palast in Knossos, der nicht mehr aufgebaut wird. Auch die Paläste von Mallia, Phaistos und Kato Zakros zerfallen. Die Macht Kretas ist für alle Zeit gebrochen, die einstmals so hohe Kultur gerät allmählich in Vergessenheit.
Macht und Mythos von Mykene
Ähnlich verlief die Geschichte von Mykene, südlich von Korinth gelegen. Die Stadt ist wohl der berühmteste Ort im prähistorischen Griechenland. Die Blütezeit der mykenischen Kultur, die sehr stark von der Kretas beeinflusst wurde, liegt etwa zwischen 1600 und 1200 v. Chr. Der griechischen Sage nach lebte hier das Geschlecht der Atriden, außerdem soll es die Residenz König Agamemnons gewesen sein.
Der Ort wurde um 1900 von einwandernden Achäern gegründet. Auf Grund seiner strategisch günstigen Lage wuchs Mykene zur bedeutensten Stadt Griechenlands heran.
Die kostbaren Schätze der Königsgräber – unter anderem Elfenbeinarbeiten, Bernsteinschmuck und Fayencen – zeugen noch immer vom Glanz und Reichtum der mykenischen Kultur. Neben der Burganlage in Mykene selbst entstanden in Tiryns, Pylos, Theben und Orchomenos prunkvolle, von der minoischen Kultur beeinflusste Paläste.
Der Niedergang Mykenes begann um 1150 v. Chr. durch einwandernde dorische Völker.
Völkerwanderungen verändern die ägäische Welt
Die Dorische Wanderung und der Einfall der Seevölker, deren genaue Herkunft bis heute ungeklärt ist, in Ägypten, Syrien, Palästina und Kleinasien, die im Zusammenhang mit der um 1250 v. Chr. begonnenen Ägäischen Völkerwanderung stehen, führten zu einer grundlegenden Veränderung des gesamten Mittelmeerraumes.
Diese Völkerwanderung – soviel wissen die Historiker zumindest ziemlich sicher – nahm ihren Ausgang im Norden, im Gebiet der ungarischen Tiefebene, und setzte zunächst den indogermanischen Stamm der Illyrer in Bewegung. Das Volk der Thraker musste unter deren Druck nach Osten bis nach Kleinasien ausweichen. Aber nicht nur die Staaten Kleinasiens spürten die Folgen der Völkerwanderung, auch der Norden Griechenlands und die dort ansässigen Dorer. Sie und andere nordgriechische Stämme wichen nach Süden aus. Auf dieser Wanderung verursachten die Dorer, nicht zuletzt aufgrund ihrer überlegenen Bewaffnung, eine entscheidende Umgestaltung der Verhältnisse in der ägäischen Welt.
Die Zentren der mykenischen Kultur mit ihren befestigten Palästen wurden zerstört, die achäische Bevölkerung entweder unterworfen oder verdrängt. Der Süden und der Osten der Peloponnes, vor allem die Landschaften Argolis und Lakonien, gerieten völlig unter den Einfluss dorischer Einwanderer. Auch in Mittel- und Nordgriechenland beherrschten eingewanderte Stämme jetzt die eingesessenen Einwohner. Teile der ursprünglichen Bevölkerung flohen auf die im Osten vorgelagerten Inseln oder nach Kleinasien.
Die frühgeschichtlichen Ioner wurden auf die Halbinsel Attika und die Insel Euböa zurück gedrängt und wanderten zum Teil in den südlichen Teil der kleinasiatischen Küste aus. Auch die Nördlichen Sporaden und die Kykladen wurden von Ionern besiedelt.
Die Verschmelzung der frühgriechischen Bevölkerung mit den Dorern führte allmählich zur Bildung neuer politischer Ordnungen. Die alten befestigten Paläste mykenischer Zeit wurden nicht wieder aufgebaut. An ihrer Stelle entwickelten sich Stadtstaaten. In neu eroberten Gebieten entstanden Niederlassungen, in denen die Heeresordnung, die während der Wanderungszeit vorherrschend war, aufgegeben wird und sich eine grundbesitzende Schicht, der Adel, heraus bildet. Den Mitgliedern des Adels und freien Bauern stand eine große Anzahl Unfreier gegenüber, die sich zum Teil aus den Nachkommen der achäischen Bevölkerung rekrutierte. Sie stellen gemeinsam mit den Sklaven die unterste Klasse.
Auch im Nahen Osten führte die Ägäische Wanderung zu gravierenden Umwälzungen. Der Angriff der so genannten „Seevölker“ vom Ägäischen Meer und der kleinasiatischen Küste aus zerstörte das Reich der Hethiter in Kleinasien. Aus der Schwächung der benachbarten Staaten zogen die Phöniker, die an der syrischen Küste siedeln, ihren Vorteil und weiteten ihre Handelsschifffahrt auf das gesamte Mittelmeer aus.
Rätsel um die riesigen Steine von Stonehenge
Als in Ägypten die großen Pharaonen herrschten, das Reich am Nil mächtig und unangreifbar war, also etwa 1700 vor der Zeitenwende, in der Mitte der Bronzezeit, entwickelte sich längs der Küsten des Atlantiks und der Nordsee, von Spanien nach Westfrankreich bis zu den Britischen Inseln und Südskandinavien die Megalithkultur, deren augenfälligstes Merkmal Gräber und Kultstätten aus riesigen Steinblöcken sind. Das berühmteste Zeugnis dieser Zeit ist Stonehenge in England. Die Anlage ist in ihrer Monumentalität beeindruckend. Riesige Steinblöcke sind in mehreren konzentrischen Kreisen aufgestellt. Die Entstehung der Kultstätte Stonehenge ist in drei Phasen verlaufen. Das erste Heiligtum entstand ungefähr 2600 vor Chr., also in der Steinzeit. Es wurde durch einen niedrigen Erdwall von einem davor verlaufenden Graben abgegrenzt. Auf der Innenseite des Walles entstanden Gruben, die für Opferungsrituale genutzt wurden. Neben dem Eingangstor des Heiligtums wurde ein einzelner gewaltiger Sandsteinblock von fast fünf Meter Höhe aufgestellt.
600 Jahre später, um 2000, wurde das Heiligtum wahrscheinlich durch Zuwanderer abermals verändert. Die Männer schafften 80 riesige Doleritsteine heran und stellten sie in einem Doppelkreis in der Mitte der Anlage auf. Die dritte Bauphase endete um 1800. Die Doleritsteine wurden durch bis zu 26 Tonnen schwere Sandsteinblöcke ersetzt, die durch quer liegende Blöcke miteinander verbunden waren. In der Mitte des Heiligtums wurden in der Form eines Hufeisens, eines Totensymbols, weitere, allerdings wesentlich kleinere Steine aufgestellt.
Die Funktion der Kultstätte ist bis heute umstritten. Aufgrund der Anlage und der besonderen Stellung von einzelnen Steinen zum jeweiligen Sonnenstand wird vermutet, dass Stonehenge das Heiligtum eines Sonnenkultes darstellt.
Entwicklung der Kultur der Kelten
Seit Anfang des 2. Jahrtausends war Bronze das vorherrschende Material zur Herstellung von Waffen und Gebrauchsgegenständen. Allmählich löste die Eisenzeit die Bronzezeit in Mittel- und Westeuropa ab.
Hier siedelten die Kelten und Germanen. Deren Mitglieder lebten in Stämmen, die sich in Sippen gliederten. Während in der Steinzeit die Angehörigen der einzelnen Sippen noch gleichberechtigt waren, bildete sich nun eine aristokratische Schicht heraus, an deren Spitze der Häuptling stand.
Die Kelten siedeln in der jüngeren Eisenzeit in Mittel- und Süddeutschland, Bayern, Württemberg, Baden, Thüringen und der Oberpfalz. Sie entwickeln eine Kultur, die unter der Bezeichnung „La Tene“-Zeit bekannt ist. Die keltischen Stämme, die sich fest nieder ließen, lebten auf dem flachen Land in von Gehöften umgebenen Herrensitzen, die von Phalen-Palisaden umgeben sind, um gegen Überfälle geschützt zu sein.
Die Führer der Kelten unterhalten Künstler und Handwerker. Sie empfangen Geschenke und bringen von ihren Kriegszügen Beute und neue Ideen mit. So bilden sich Zentren zeitgenössischen Kunstschaffens heraus, die sich untereinander durch die verschiedenen Einflüsse unterscheiden.
Die Germanen-Stämme siedeln in Norddeutschland zwischen Ems, Oder und Harz, in Schweden und Dänemark. Sie werden durch eine nun einsetzende Klimaverschlechterung gezwungen, ihre angestammten Wohnsitze aufzugeben. Die Temperaturen fallen um mehrere Grade, anhaltende Niederschläge lassen Flüsse und Seen anschwellen. Sturmfluten bedrohen die Küstenbewohner. Die dadurch veranlassten Bevölkerungsverschiebungen bei den Germanen führen zu Zusammenstößen und Kämpfen mit den Kelten.
Germanenhäuptling: „Wir haben es im Thing beschlossen. Wir bleiben nicht länger im Land unserer Väter. Es ist kein Wild mehr zum Jagen da, die schreckliche Kälte ist auf Dauer nicht mehr zu ertragen. Wenn unser Stamm überleben will, müssen wir wie die Vögel im Herbst in den Süden ziehen. Wir brauchen neue Siedlungsplätze.“
Sohn: „Aber Vater, im Süden leben die Kelten. Wilde, kampfesstarke Männer mit langen Schwertern und grässlichen Masken. Und noch weiter im Süden herrschen die Etrusker. Ein mächtiges Volk. Sie werden uns, da bin ich mir sicher, keinen freundlichen Empfang bereiten.“
Dialog. So könnte es gewesen sein:
Germanenhäuptling: „Willst Du etwa hier im Liegen sterben, röchelnd wie ein altes Weib oder aufrecht, mit dem Schwert in der Faust, wie ein Krieger? Willst Du Deinen Platz unter den Ahnen in der Walhalla einnehmen oder würdelos verscharrt sein unter Eis und Schnee? Wir haben keine andere Wahl. Bei Wotan, wir müssen in den Süden ziehen, in wärmere Gefilde, wenn wir eine Zukunft haben wollen.“
Sohn: „Ich habe keine Angst vor den Kelten, auch vor den Etruskern nicht. Vater, ich bin kein Feigling. Aber was nutzt unser Mut, wenn wir gegen Krieger zu Felde ziehen, die uns in allen Belangen überlegen sind?“
Germanenhäuptling: „Du hast Recht, mein Sohn. Die Götter haben Dir Klugheit und Verstand in die Wiege gelegt. Wir werden unser Vieh schlachten und ihr Fleisch mit Salz pökeln. Auch werden wir gesalzene Fische als Proviant mit uns führen, dazu reichlich Hirse und Kannen voller Met. Nicht schwach werden wir dem Feinde gegenüber treten, sondern stark und voller Zuversicht. Was haben wir denn schon zu verlieren, außer unserem Leben? Aber wie elend ist das Leben, das wir hier führen? Zitternd vor Kälte sitzen wir am Feuer, kehren hungrig und enttäuscht von der Jagd zurück. Hast Du nicht die anklagenden Blicke der Weiber gesehen? Sie machen sich schon lustig über uns. Aber wenn wir tapfer kämpfen, dann haben wir eine Zukunft. Und nur dann. Der Aufbruch in den Süden ist im Thing beschlossen, und so soll es sein.“
Sohn: „Auf denn, in eine bessere Zukunft. An der Spitze unseres Zuges sollen uns die alten, weisen Frauen den Weg weisen. Sie werden geleitet durch den Willen der Götter, die unseren Untergang bestimmt nicht wollen. Wir werden das Land der Kelten mit unseren Schwertern durchpflügen wie ehedem unsere Äcker mit dem Pflug. Rasch Vater, lass uns die Ochsen anspannen und mit den Vögeln in den Süden ziehen. Ruhm und Beute werden uns sicher sein. Einen weiteren Winter werden wir in der Heimat nicht überleben.“
Das alte China
Während die Kulturen von Kreta und Mykene von fremden Völkern vernichtet wurden, die Kelten dem Druck germanischer Völker wichen, begann auf der anderen Seite des Erdballs in Asien ein bemerkenswertes Volk Geschichte zu schreiben. Mit den Herrscher-Dynastien der Hsia und Shang entwickelte sich in China eine Hochkultur. Aus der Zeit des Hsia-Reiches – etwa 2000 bis 1500 v. Chr. – sind nur Herrschernamen überliefert. Die Shang-Dynastie – von 1500 bis 1050 vor der Zeitenwende an der Macht – ist dagegen bereits durch reiche archäologische Funde und schriftliche Zeugnisse belegt. Das Zentrum dieser Kultur lag im Raum um den mittleren und östlichen Lauf des Gelben Flusses und umfasste die heutigen Provinzen Honan, Teile von Hopeh, Schantung und Schensi. Von den wechselnden Hauptstädten des Shang-Reiches heben sich Chengchou und Anyang durch bedeutende archäologische Entdeckungen hervor. Gräberfunde belegen Hunde- und Menschenopfer. Leichte Streitwagen in einigen Grablegen weisen auf die Bedeutung der Kriegsführung hin.
Die Verehrung der Ahnen spielte eine wichtige Rolle. Verstorbene wurden mittels Orakelknochen „befragt“, indem die durch Erhitzen von Rinderknochen und Schildkrötenpanzern entstandenen Risse als Schriftzeichen interpretiert und als Antwort der Ahnen gedeutet wurden. Ein hoch entwickeltes Handwerk kannte die Bearbeitung von Bronze, Ton und Jade. Als Ornamente finden sich Tiermotive, Fabelwesen und abstrakte Muster. Die Wurzeln des traditionellen chinesischen Handwerks reichen bis in diese Epoche zurück.
Israel
Von den antiken Chronisten zunächst kaum beachtet, lebte ein bedeutungsloser, bettelarmer Volksstamm im Nahen Osten: Die Juden. Dabei hat die Geschichte des jüdischen Volkes einen besonderen Stellenwert, und das gleich aus mehreren Gründen: Juden sind ein besonders aussagestarkes Beispiel für die Quantität-Qualität-Relation: Ihre enorme Wirkung erzielten sie mit geringer Quantität, sprich Bevölkerungszahl. Die längste Zeit ihrer 3000-jährigen Geschichte gab es gar keinen Staat.
Als erstes Buchvolk der Weltgeschichte sind ihre Anfänge zugleich Teil der Heilsgeschichte für die drei monotheistischen Offenbarungsreligionen, die alle vom „Heiligen Land“ oder in unmittelbarer Nähe ihren Ausgang nahmen. Die Bibel ist daher noch immer wichtige Quelle zur Rekonstruktion jüdischer Geschichte. Gleichgültig, ob sie sich historisch und objektiv tatsächlich so abspielte oder ob sie, durch spätere schriftliche Fixierung mündlicher Überlieferungen redigiert und stilisiert, subjektiv als wahr interpretiert und geglaubt wurde.
Ursprünglich waren die Vorfahren der alten Juden semitische Nomaden, die aus dem Umland von Ur unter dem legendären Stammvater Abraham nach Kanaan eingewandert waren. Dort blieben sie kleinviehzüchtende Nomaden, die im saisonalen Zyklus weiträumiger Wanderungen Weidegründe und Wasserquellen aufsuchten. Ihre nächste Entwicklungsstufe zu Hebräern hängt am plausibelsten mit dem Habiru-Komplex des Alten Orients zusammen: Habiru waren deklassierte, entwurzelte Unterschichten aus den Gesellschaften der Sesshaften. Zum Überleben schlossen sich die Ausgestoßenen zu Banden zusammen, die zwischen den großen Kulturzentralen des Alten Orients wanderten, gefürchtet als wahre Landplage.
In Dürrejahren kamen Gruppen von Habiru, dazu auch noch andere Nomaden, die sich von Abraham und seinen Nachfahren ableiteten, nach Ägypten. Vermutlich zur Zeit der Hyksos. Nach dem Sturz der Hyksos sanken sie im Neuen Reich zu Zwangsarbeitern herab und forderten unter ihrem Führer Moses, der am Hof des Pharaos aufgewachsen war, um 1250 v. Chr. den Auszug aus Ägypten. Ihre Landnahme Kanaans als Bund von zwölf Stämmen mit einem mobilen Heiligtum, der Bundeslade, vollzog sich gemeinsam mit Bauern aus Syrien und brachte sie in Konfrontation mit den Philistern, einem Volk, das im Zuge des so genannten „Seevölkersturms“ am Ende des 2. Jahrtausends nach Palästina gelangt war.
„Und das ganze Volk zog nach Gilgal, und sie machten dort Saul zum König vor Jahwe in Gilgal.“ Mit diesen Worten berichtet das 1. Buch Samuel von der Einführung des Königtums in Israel kurz vor der Wende vom 2. zum 1. Jahrtausend v. Chr.. Israel trat nunmehr als Reich in Erscheinung und überwand seine bisherige Existenzform als lockerer Verbund von zwölf Stämmen, der nur im Kriegsfall unter der Leitung von charismatischen Heerführern oder Richtern gemeinsam agierte.
Dem Juden Saul war es gelungen, als Führer des aus den verschiedenen israelitischen Stämmen erhobenen Heerbanns, den Ammoniterkönig Nahasch zu besiegen. Lange hatten sich die israelitischen Stämme dagegen gesträubt, ein Königreich zu errichten, denn als König galt allein ihr Gott Jahwe. Doch gegen die zunehmende Bedrohung der Philister konnten sich die israelitischen Stämme nur durch geschlossenen und beständigen Widerstand behaupten.
Dem Königtum Sauls gehörten wohl zunächst die von der Philister-Bedrohung am unmittelbarsten betroffenen nordisraelischen Stämme an, die später das Nordreich Israels bildeten. Bald darauf stieß auch der starke Stamm Juda dazu, auf den das spätere Südreich Juda zurückging. Eine Verwaltungsstruktur mit einem leistungsfähigen Beamtenapparat – wie später unter den Königen David und Salomo – gab es unter Saul noch nicht. Auch eine Residenz wurde, abgesehen von einer Saul zugeschriebenen kleineren Königsburg in Gibea, erst im Davidischen Jerusalem eingerichtet.
Saul vertrieb zwar die Philister aus den israelischen Gebieten, ein endgültiger Sieg gelang ihm aber nicht. Dazu war das Königtum noch nicht gefestigt genug. Das Heer Sauls wurde in der Schlacht bei Gilboa geschlagen, und Saul beging daraufhin Selbstmord. Nicht zuletzt scheint die Konkurrenz durch den jungen und militärisch erfolgreichen Gefolgsmann David für den Untergang Sauls verantwortlich zu sein. David zog immer mehr die Bewunderung der Israeliten auf sich.
Nach Sauls Tod wurde der junge, strahlende Held in Hebron König über den Stamm Juda, bei dem er durch eine kluge Politik zu Ansehen gelangt war. Nach dem Tod Ischbaals, eines Sohnes Sauls, der König über die mittel- und nordpalästinischen Stämme geworden war, trugen auch die Ältesten dieser Stämme David die Königswürde an. So vereinte er schließlich um 1000 v. Chr. alle israelitischen Stämme unter seiner Krone und konnte an die Sicherung sowie an den Ausbau seiner Herrschaft gehen. Er eroberte die strategisch wichtige Stadt Jerusalem, die auf der Grenze zwischen Israel und Juda lag, und baute sie zur Residenz aus.
Eindrucksvolle Siege über die Philister, die Moabiter, Aramäer, Edomiter und Syrer sicherten ihm bald die Oberherrschaft über ganz Palästina. König David dehnte sein Herrschaftsgebiet bis nach Mesopotamien aus. Die internationale Machtkonstellation war dabei für ihn sehr günstig: Das Hethiterreich war um 1200 untergegangen, die Ägypter geschwächt, die mesopotamischen Reiche mit sich selbst beschäftigt. So entstand ein Machtvakuum, das Israel ausfüllen konnte.
Unter Davids Sohn Salomo erlebten die vereinigten Reiche eine Blüte. Salomo suchte friedliche Beziehungen mit Ägypten und schloss ein Bündnis mit den Phönikiern, das einen groß angelegten Arabienhandel ermöglichte. Der neu erbaute Tempel in Jerusalem war Ausdruck der Pracht des salomonischen Königtums. Kunst und religiöse Literatur wurden geschätzt. Die legendäre Königin von Saba soll Salomo in Jerusalem besucht haben.
Von seinen Zeitgenossen gerühmt wird die Weisheit des Königs bei der Lösung schwieriger Rechtsprobleme wie bei der Frage der rechtmäßigen Mutterschaft im Ersten Buch der Könige.
„Damals kamen zwei Weiber,“ heißt es da, „Huren, zum König und stellten sich vor sein Antlitz.“
Das eine Weib sprach: „Ach mein Herr! Ich und dieses Weib sind ansässig in einem Haus, ich habe in ihrem Beisein geboren, am dritten Tag aber nach meinem Gebären geschahs`, dass auch dieses Weib gebar. Wir waren allein, kein Fremder im Haus, nur wir zwei. In der Nacht war der Sohn dieses Weibes tot, weil sie auf ihm gelegen hatte. Sie erhob sich mitten in der Nacht und holte meinen Sohn von meiner Seite weg, während deine Magd schlief, und legte ihn an ihren Busen. Ihren Sohn aber, den toten, legte sie an meinen Busen! Als ich nun gegen Morgen mich erhob, meinen Sohn zu säugen, da: ein Totes. Als ich ihn aber beim Morgen genau unterscheiden konnte, da war es mein Sohn nicht, den ich geboren hatte!“
Das andere Weib sprach: „Nein! Sondern das Tote ist Dein Sohn und das Lebendige ist mein Sohn!“ So redeten sie vor dem Antlitz des Königs.
Der König sprach: „Die spricht: Das Lebendige hier ist mein Sohn, und das Tote ist Dein Sohn. Und die spricht: Nein, sondern das Tote ist dein Sohn und das Lebendige ist mein Sohn.“ Und der König sprach: „Holt mir ein Schwert!“ Sie brachten das Schwert vor das Antlitz des Königs. Der König sprach: „Haut das lebende Kind entzwei, gebt der die Hälfte und der die andere Hälfte!“
Aber das Weib, dessen Sohn das Lebendige war, sprach zum König, denn ihr Eingeweid` erglühte um ihren Sohn. Sie sprach: „Ach mein Herr! Gebt das Kindlein ihr, aber töten, nimmer dürft ihr es töten!“
Jene jedoch sprach: „So mein so dein solls nichts werden, zerhaut`s!“
Der König entgegnete: „Gebt jener das lebende Kindlein, die mit: Töten, nicht dürft ihr es töten, sie ist seine Mutter.“ Alle in Israel, sie hörten das Gericht, das der König gerichtet hatte und sie erschauerten vorm Antlitz des Königs, denn sie sahen, dass Gottesweisheit in seinem Innern war, Recht darzutun.“
Nach Salomos Tod um 926 vor Chr. zerfiel jedoch die Personalunion, nicht zuletzt infolge mangelnden politischen Geschicks der Söhne des legendären Herrschers.
Das Großreich der Assyrer
Während die Juden nur zögernd zu einer nationalen Einheit fanden, erstritt der assyrische König Assur-uballit I. in seiner Regierungszeit – 1353 bis 1318 v. Chr. – die Unabhängigkeit von Babylon. Aber erst seine Nachfolger formten das Assyrische Reich zu einer wirklichen Großmacht. Assurnasirpal II., ein äußerst grausamer und rücksichtsloser Herrscher, scheute auch vor Massendeportationen nicht zurück und machte die syrischen Kleinstaaten bis zum Mittelmeer tributpflichtig.
Bei seinen Kriegszügen verband er psychologische Kriegsführung mit brutaler Härte: Solange der Durchmarsch für sein Heer gesichert war und der Tribut widerstandslos abgeliefert wurde, verzichtete er auf Gräuelmaßnahmen. Begehrten die Unterworfenen jedoch auf, wurden Gefangene geköpft, eingemauert, gehängt oder gepfählt. Die von der assyrischen Armee kontrollierten Gebiete belieferten das Kernland mit Gold, Silber, Rohstoffen und Fertigwaren, Rindern und Pferden und vor allem mit Kriegsgefangenen als billige Arbeitskräfte. Von ihnen wurde auch der Königspalast in der neuen Residenz Kalach errichtet, der 879 v. Chr. mit einem großen Festmahl eingeweiht wurde. Nicht weniger als 70.000 Gäste feierten zehn Tage lang auf Kosten des Königs, darunter 5000 ausländische Würdenträger.
Der Nachfolger Sargon II. legte auf Kriegszügen nach Syrien, Palästina und Urartu, Medien und Babylonien die Grundlagen für Assyriens größte Machtentfaltung. Sein Enkel Asarhaddon eroberte sogar Ägypten. Die Erben konnten jedoch schon bald dem Druck der Meder und der Babylonier nicht mehr standhalten.
Olmekische Hochkultur im Tiefland von Mexiko
Auf der anderen Seite des Atlantiks in Mittelamerika entwickelte sich – ungefähr zur gleichen Zeit, als die Assyrer im Nahen Osten rücksichtslos benachbarte Länder unterwarfen – ein kulturell hochstehendes Volk. Der Stamm der Olmeken siedelte um 1000 vor der Zeitenwende im mexikanischen Tiefland zwischen Veracruz und Tabasco. Als erster Volksstamm errichteten die Olmeken zentrale Kultplätze mit Tempelpyramiden zur Verehrung ihrer Götter, insbesondere des Regengottes. Neben monumentalen, bis zu vier Meter hohen Menschenköpfen aus Basaltstein schufen die Olmeken zahlreiche Kleinkunstwerke aus Jade und Ton sowie fein ausgearbeitete Steinreliefs auf Altären und Sarkophagen. Die geschnitzten Jade-Plastiken stellen durchweg recht beleibte Personen mit einem etwas kindlich wirkenden Gesichtsausdruck dar.
Neben der bildnerischen Kunst weisen auch die Erfindung von Kalendern und dieAnfänge einer Schriftentwicklung die Olmeken als ein kulturell weit entwickeltes Volk aus. Durch Kontakte zu anderen Stämmen in Zentral- und Westmexiko, Guatemala und El Salvador beginnen sich die kulturellen Einflüsse der Olmeken auch in anderen Hochkulturen Amerikas auszuwirken.
Reformbewegungen in Indien
Währenddessen rumorte es auf dem Indischen Subkontinent. Um die Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. führten Kämpfe der Staaten im Norden Indiens und Spannungen in der indischen Gesellschaft zur Entstehung von Reformbewegungen, die das Monopol der Brahmanen auf religiöse Erkenntnis durchbrachen und der Bedeutung des Individuums mehr Gewicht beimaßen.
Die Lehren „Gautama Buddhas“ und seines Zeitgenossen Mahavira fanden vor allem in den Städten Anklang. Sie lehrten die Befolgung sittlicher Gebote auf der Basis von Mitleid, Achtung jeglichen Lebens, Bescheidenheit, Wahrhaftigkeit, Vermeidung von Genussgiften und Achtung ihrer Frauen sowie Sanftmut. Statt Hass, Gier und Wahn sollten das Karma, das Schicksal des Wiedergeborenwerdens, mildern und zu einem Aufgehen in der Erlösung helfen. Wandernde Händler und Pilger förderten die kulturelle Einheit Indiens und beeinflussten bald auch die Entwicklung Südasiens.
China: Die Dynastie der Chou ist an der Macht
Während der indische Subkontinent allmählich zur Ruhe kam, gärte es weiter nördlich im Riesenreich der Chinesen. Die Macht der Shang wurde im 11. Jahrhundert vor der Zeitenwende durch die Dynastie der Chou gebrochen, die anschließend fast 800 Jahre herrschten. Dieser Machtwechsel markiert einen Einschnitt in der Zivilisationsgeschichte Ostasiens: Der Raum der chinesischen Zivilisation erweiterte sich beträchtlich. Auf seinem Höhepunkt erstreckte sich das Gebiet der Chou vom Südteil der heutigen Mandschurei im Norden bis südlich des Jangtse im Süden und vom südlichen Kansu im Westen bis an die Küste im Osten.
Diese Ausdehnung hatte das Reich durch Kriegszüge und systematische Besiedlung erlangt. Politisch vollzog sich in der Chou-Zeit ein bedeutsamerWandel: Die Macht der Kaiser gingzugunsten der Lehenstaaten zurück, so dass sich schließlich sieben größere Staaten das Reichsgebiet teilten. Theoretisch blieb der Kaiser zwar der Oberherr dieses feudalistischen Staatensystems, seine Funktion war jedoch auf das Kultische begrenzt.
Die Jahrhunderte der ständigen Kriege waren aber gleichzeitig Epochen des technischen Fortschritts und der Ausbildung der bis heute gültigen Schriftsprache Chinas. Das Fehlen einer kaiserlichen Zentralmacht löste tief greifende geistige Auseinandersetzungen aus und ermöglichte eine vielfältige kulturelle Entwicklung, die zur Grundlage der Sprache, Philosophie und Kunst Chinas wurde. Die klassische Periode des Denkens war die Zeit der so genannten „Hundert Schulen“. Die Technik in Kunst und Werkzeugherstellung erlangte nach 1500 ein Niveau, das von den anderen Kulturen Asiens und Europas kaum oder gar nicht erreicht wurde. Im Zentrum des technischen Fortschritts stand der Wasserbau ebenso wie die Baukunst. Nicht nur der ständige Ausbau der Bewässerungssysteme, sondern auch die Binnenschifffahrt wurde intensiv betrieben. Der Auftrag zum Bau des Han-kuo-Kanals erging 486. Er war somit der erste funktionstüchtige künstliche Wasserweg der Menschheit.
Die chinesische Philosophie begann mit dem einzigen metaphysischen Buch der Literatur, dem I-Ching, dem Buch der Wandlungen, das die uralte Yin- und Yang-Philosophie zusammenfasst. Das männliche Prinzip Yang, das positive, helle und himmlische, und das weibliche Prinzip Yin, das negative, dunkle und irdische, pendeln ständig in einem empfindlichen Gleichgewicht. Alle Weisheit der Natur und Geschichte ist in den 64 möglichen Kombinationen erhalten.
Eine ernste Herausforderung stellten allerdings die wilden Steppenvölker dar. Vor allem die Hunnen, Mongolen und Tataren im Norden verwickelten das chinesische Reich in jahrelange Kämpfe.
Dialog. So könnte es gewesen sein:
Kronprinz: „Der Sohn des Himmels ist sich nicht einig mit den Göttern.“
Kaiser: „Mein geliebter Sohn, wie kannst Du so etwas behaupten?“
Kronprinz: „Unser Reich zerbricht. Kriegerische und aufrührerische Warlords verkünden eigene Gesetze. Im Norden bedrängen uns die gottlosen Mongolen mit ungeheurer Wucht.“
Kaiser: „Die kaiserlichen Truppen werden die Feinde zurück schlagen.“
Kronprinz: „Wie denn? Unsere Soldaten sind schlecht ausgerüstet, korrupte Generäle stecken das Silber, das für die Armee bestimmt ist, in die eigenen Taschen.“
Kaiser: „Beklagenswerte Ausnahmen, mein Sohn. Das Reich der Mitte ist stark genug, sich unter dem Schutz der Götter zu behaupten.“
Kronprinz: „Jetzt sieh` doch die Realitäten, geliebter Vater. Das Reich ist morsch, ein Anstoß von Aussen und das Reich der Mitte wird in sich zusammen brechen wie ein Bienenstock, das von den Tatzen des Bären zerstört wird.“
Kaiser: „Unsere Ahnen und auch ich sind stehen unter dem Schutz der Götter. Unser Palast ist das Zentrum des Universums. So lange wir den den Himmel nicht erzürnen wird uns nichts Böses geschehen.“
Kronprinz: „Möge uns Dein Glauben vor der Fremdherrschaft bewahren. Allein, geliebter Vater, ich mag Deinen Optimismus nicht teilen. Die Mongolen sind wild und hungrig, wir sind satt und zufrieden. Das Studium der Geschichte hat mich gelehrt, das Selbstzufriedenheit und Selbstherrlichkeit stets zum Untergang führt. Ich sehe unsere Zukunft in einem düsteren Licht. Wir werden Jahre der Fremdherrschaft erdulden müssen.“
Vietnam
Einen weiteren wirtschaftlichen und politischen Schwerpunkt gab es beim südlichen Nachbarn in Vietnam, wo sich im frühen 1. Jahrtausend v. Chr. Reisbauerngruppen, die in großen, von Wall und Graben gesicherten Dörfern lebten, in den Deltas des Roten Flusses und des Chao Phraya siedelten. Im 7. Jahrhundert behaupteten die Fürsten des Lac-Viet-Stammes von der Sonne abzustammen. Die ältesten bekannten Städte sind im 2. und 3. Jahrhundert entstanden: Oc Eo in Südvietnam, Co Loa bei Hanoi, Beikthano und Winka in Birma, U-Thong und Chanson in Thailand. Hier fanden fremde Händler geeignete Märkte.
Die ältesten Königreiche sind im 4. bis 5. Jahrhundert belegt: Vo-Canh in Zentralvietnam, Funan in Südvietnam, Taruma auf Java. Der indische Kultureinfluss überwog bei weitem den chinesischen, weil das Modell des chinesischen Zentralismus ungeeignet war für Reiche, die aus einem Flickenteppich von Stammes-, Sprach- und Kulturgruppen bestanden. Das indische Vorbild kannte dagegen ein Nebeneinander von Subkulturen.
Die Juden und der fremde Gott
Kein Volk der damaligen Welt war religiös so stark beeinflusst wie das der Juden. König Omri, der die nach ihm benannte erste Dynastie in Israel begründete, öffnete 930 v. Chr. das Land fremden Religionen, vor allem dem Baal-Kult. Er tat damit nichts Ungewöhnliches, denn im gesamten Vorderen Orient wurde der Gott Baal verehrt. Ihm unterstehen – nach der Überzeugung seiner Anhänger – Sonne und Feuer. Er schenkt Fruchtbarkeit und Kriegsglück. Zentren des Baal-Kults waren Syrien, Phönikien und Kanaan. Doch auch andere Völker übernahmen ihn.
In Israel war zu dieser Zeit der Glaube an den einen Gott Jahwe noch nicht gefestigt. Die Menschen waren daher empfänglich für fremde Götter, von denen man Schutz und Hilfe erwarten konnte. Aber im Land des einzigen Gottes, Jahwe, kämpften die religiösen Führer erbittert gegen diesen Baal – allen voran der Prophet Elias. Sie verabscheuten den Kult und vor allem die Menschenopfer, die Baal immer wieder forderte. Sie beschworen das Volk unermüdlich, von nutzlosen Opfern abzulassen und stattdessen die Gebote des Gottes Jahwe zu achten.
Dialog. So könnte es gewesen sein:
Prophet Elias: „Erlauchter König. Du hast nach mir schicken lassen, willst Auskunft über mein frommes Werk. Ich predige, seit der Ruf des Herrn mich ereilte, dem Volk Israels, den Söhnen und Töchtern Abrahams, vom Zorn Jahwes, der über uns kommen wird, wenn wir nicht davon ablassen, dem heidnischen, unersättlich grausamen Gott Baal zu opfern. Du aber, König Omri, bist ein Anhänger dieses schrecklichen, verabscheungswürdigen Gottes, der sogar Kinder als Opfer fordert und niemals Gnade kennt.“
König Omri: „Betrachte es als meinen königlichen Großmut und eine Gnade Baals, dass ich Dich nicht schon längst auspeitschen und auf dem Berge Golgatha vor den Toren Jerusalems den Krähen zum Opfer vorwerfen ließ. Ich habe Dich vor meinen Thron laden lassen, weil mir zu Ohren gekommen ist, dass Du unermüdlich gegen unseren mächtigen Gott Baal, möge er uns auf immer gnädig sein, predigst und, statt nur ihm zu opfern, den Glauben an Deinen Gott Jahwe verbreitest.“
Prophet Elias: „Wie könnte ich, oh gesalbter König, vom Glauben unserer Väter abfallen ohne dafür von ihm, dem einzigen Gott, für alle Ewigkeit bestraft zu werden? War es doch Jahwe, der Mose befahl, der ägyptischen Sklaverei zu entfliehen. Er war es, der ihm die in Stein gemeisselten Gesetzestafeln auf dem heiligen Berge im Sinaii aushändigte, die unserem Volk die Kraft und die Macht gab, die elenden Philister zu schlagen und ein Reich zu errichten, dass in der Geschichte Israels seinesgleichen sucht. König Saul, David und Salomon sind die Säulen, mit denen Jahwe einen Bund schloss und den Kindern Israels Wohlstand und Frieden schenkte.“
König Omri: „Das Volk ist unzufrieden und glaubt nicht mehr an Deinen Gott. Die Mauern von Salomons Tempeln bröckeln, die Wachen vergreifen sich an den kargen Opfergaben. Die Bewohner Jerusalems sind unzufrieden mit Jahwe und verneigen sich vor Baal. Sie verhöhnen Jahwes Priester, die Bundeslade verstaubt an einem versteckten Ort. Jahwe zeigt sich nicht seinen Anhängern, so als hätte er etwas zu verbergen. Was ist das für ein Gott, der nicht vor seine Anhänger tritt? Baal hingegen ist anwesend, allgegenwärtig und demonstriert täglich seine Macht und Größe. Ohne seinen Schutz hätten uns die Assyrer längst überfallen, unsere Frauen geschändet und unsere Kinder in die Sklaverei geführt.“
Prophet Elias: „Welch Gotteslästerung. Möge Jahwe Dir Deine Worte verzeihen, oh mein König. Denn seine Strafe übersteigt selbst Deine grausame Phantasie. Aber ich prophezeihe Dir hier und heute: Wenn Du und die Deinen nicht von diesem Götzenkult ablässt, wird Jahwe sich an Dir, Deinen Nachkommen und auch an den Kindern Israels furchtbar rächen. Jerusalem wird in Flammen untergehen und mit ihm seine Bewohner, die ihre Tränen auf Generationen in der Fremde und in Gefangenschaft vergießen werden.“
König Omri: „Wenn Dich das Volk Israels nicht als Prophet ehren würde, ich schwöre es bei Baal, Dein Leben wäre nach dieser Verfluchung keinen Piaster mehr wert. Ich würde Dich unserem mächtigen, schützenden Gott ohne zu zögern in den fauchenden Rachen werfen. Doch ich fürchte, Baal würde dieses unwürdige Opfer ausspeien. Gehe mir aus den Augen, Du alter, schmutziger Mann und wage es nicht, meinen Hof noch einmal mit Deiner Gegenwart zu besudeln.“
Prophet Elias: So sei es denn. Aber denke immer daran: Jahwe wird sich in Deiner letzten Stunde, wenn Du Rechenschaft vor ihm ablegen musst, von Dir abwenden, Omri, König der Juden. Er wird Dich und die Deinen bestrafen, bis ins letzte Glied.“
Dem grausamen Gott Baal wurden vor allem Kinder geopfert. Man verbrannte sie in Gruben oder eisernen Standbildern, die die Form des Gottes hatten: Das Kind wurde der Statue in die Hände gelegt und glitt in das Innere des Ofens. Dumpfe Trommelklänge und laute Musik übertönten die Schreie der wehrlosen Opfer. Baal bevorzugte die Söhne der Adeligen. Diese gingen aber in einem Notwehrakt dazu über, Kinder von armen Leuten zu kaufen und sie für die Opferung großzuziehen. Aber auch Kriegsgefangene wurden dem grausamen Gott zugeführt. Bis auf einige wenige, die zurück behalten wurden, um sie vor dem nächsten Feldzug zu verbrennen, damit Baal den Gläubigen wieder einen Sieg schenken würde.
Der Moloch war unersättlich. Jede größere Stadt hatte ihren eigenen Verbrennungsplatz, an dem die Kinder „durch das Feuer geführt“ wurden. Auch bei Grundsteinlegungen waren Opfer üblich. Der Erbauer eines Hauses begrub sein ältestes Kind unter der Schwelle, um den Segen Baals für die künftigen Bewohner zu erflehen. Denn der grausame Gott erhob Anspruch auf Erstlingsopfer: Die erste Gerste des Jahres, das erste Brot, die ersten Lämmer und die ersten Kinder. Bei besonderen Gelegenheiten wurden dem schrecklichen Gott makellose Stiere als Opfergabe dargebracht.
845 v. Chr. lässt König Jehu von Israel die herrschende Dynastie Omri ausrotten und unterdrückt den phönikischen Kult des Baals. Die schreckliche Prophezeiung des Propheten Elias hatte sich also bewahrheitet. Zum Schutz für Juda und Tyros leistet Jehu hohe Tributzahlungen an Assyrien.
Die Gründung Karthagos
Kurz nach der Ausrottung der jüdischen Dynastie der Omri gründen Phönikische Seefahrer aus Tyros Karthago als neue Handelsniederlassung an der nordafrikanischen Küste. Die Phönikier sind zu dieser Zeit die bedeutendste Handelsmacht im Mittelmeerraum. In Abgrenzung zur einheimischen Bevölkerung bleiben sie in ihren Handelsstützpunkten an der Küste unter sich. Sie haben nicht die Absicht, umliegenden Landstriche zu kolonisieren und Sitten, Glauben und Regierungsform zu beeinflussen. Es interessiert sie nur Handel und Profit. Ihre Niederlassungen rund um das Mittelmeer dienen lediglich als Stützpunkte für ihre Schiffe, aber auch als Umschlagplätze für den Handel mit dem Binnenland.
Wichtige Exportgüter sind Glaswaren, in Großproduktion hergestellte Metallarbeiten und purpur gefärbtes Gewebe. Neben dem friedlichen Warenaustausch betätigen sich die Phönikier allerdings auch im Sklavenhandel. Wenn es sein muss, scheuen sie nicht davor zurück, unliebsame Konkurrenten mit Waffengewalt auszuschalten: Die spanische Handelsstadt Tartessos, durch den Handel mit dem für die Bronzeherstellung notwendigen Zinn reich geworden, wird von den Phönikiern zugunsten ihrer Niederlassung Gades – dem späteren Cadiz – zerstört.
Die Etrusker: Das geheimnisvolle Volk
Das ethnographische Bild Italiens, das einige 100 Jahre später zum großen Problem der Karthager werden sollte, war im 1. Jahrtausend v. Chr. vielfältig: Gegenüber den Resten der vorindogermanischen Urbevölkerung sowie den Italikern und Illyrern – indogermanischen Völkern, die in der frühen Eisenzeit aus dem Donauraum und dem Balkan nach Italien eingewandert waren – nahmen Griechen und Etrusker wegen ihrer städtischen Siedlungsweise und des hohen Kulturniveaus eine Sonderstellung ein.
Das Kernland der Etrusker lag zwischen Arno und Tiber, Küste und Apennin.
Das Wissen über die Etrusker, das in erster Linie auf archäologischen Quellen beruht, ist äußerst lückenhaft. Vor allem die Herkunft des etwa seit Beginn des 7. Jahrhunderts in Italien nachweisbaren Volkes ist ungeklärt. Heute gehen die meisten Historiker davon aus, die Ethnogenese der Etrusker beruhe auf vorindogermanischen Einwanderern aus dem Norden und einem für die Ausbildung der etruskischen Kultur entscheidenden Einwanderungsschub aus der Ostägäis, möglicherweise aus der Gegend um Troja.
Kennzeichnend für die politische Organisation der Etrusker war die Existenz unabhängiger Städte als politische Einheiten. Es gab verschiedene Städtebünde, doch keinen etruskischen Gesamtstaat. Die Städte waren offensichtlich unter einem Priesterkönig monarchisch regiert, bis gegen Ende des 6. Jahrhunderts der Adel die Macht übernahm. Eine besondere Stellung in der Gesellschaft besaß im Vergleich zu den übrigen mediterranen Kulturen die etruskische Frau.
Von den Griechen wurde die Schrift in Form eines westgriechischen Alphabets übernommen. Die etruskische Sprache ist mit Ausnahme einiger Wörter aber bis heute nicht übersetzbar. Besonderheiten der etruskischen Religion waren ein ausgeprägter Jenseitsglaube und die systematische Lehre von der Deutung göttlicher Vorzeichen, die von den Römern übernommene „Disciplina Etrusca“.
Im 7. und 6. Jahrhundert begannen die Etrusker sich über ihr Kernland hinaus nach Norden in die oberitalienische Tiefebene und nach Süden, nach Latium und Kampanien, auszubreiten und Städte zu gründen, zu denen auch Rom zählte. Neben der militärischen stand die wirtschaftliche Expansion durch einen intensiven Handel im gesamten westlichen Mittelmeer.
Das Ende der etruskischen Vorherrschaft in Mittelitalien begann 474 mit der Niederlage gegen Griechen und Syrakusaner in der Seeschlacht bei Cumae. Weitere Stationen waren der Einfall der Kelten in die Poebene um 400 und der Aufstieg Roms zur Vormacht in Italien.
Semiramis – die rätselhafte Königin
Geheimnisvoll ist die Herkunft der schönen Königin Semiramis. Sie übernahm 811 v. Chr., nach dem Tode ihres Gemahls, des assyrischen Königs Samsi-Adad V., die Regentschaft für ihren unmündigen Sohn Adadnerari. Schon zu Lebzeiten erlangte die Königin einen legendären Ruf. Danach war sie eine Tochter der syrischen Göttin Derketo, die wegen ihrer großen Klugheit und Schönheit berühmt war. In Babylon und Ekbatana, der Hauptstadt Mediens, ließ sie gewaltige Bauten errichten. In Babylon die berühmten „hängenden Gärten“, die zu den sieben Weltwundern der Antike zählten. Sie führte Feldzüge bis nach Baktrien und Indien durch, wo sie allerdings vernichtend geschlagen wurde.
Die Königin, der ein ausschweifendes Leben nachgesagt wird, soll sogar den Versuch unternommen haben, ihren eigenen Sohn zu ermorden. Nach dem Misslingen dieses Attentats verzichtete sie auf den Thron und – hier übertrifft sich die Legende selbst – steigt zu den Göttern auf.
730 bis 480 vor Christus
An der Spitze der thrakischen Stämme, die in der Gegend des heutigen Bulgariens siedelten, stand jeweils ein König, um den sich die Stammesaristokratie gruppierte. Dem König kam sowohl eine politische als auch eine religiöse Funktion zu. In Kriegen führte der König sein Volk als Heerführer an. Als Oberpriester stand der Herrscher über den Priestern.
Die Thraker lebten in Dörfern und in den befestigten Sitzen der Könige. Städte bauten sie zunächst nicht. Sie züchteten vor allem Vieh und betrieben Landwirtschaft. Charakteristisch für die thrakische Kultur vom 11. bis zum 6. Jahrhundert vor Christus sind goldene Gefäße, die ein beträchtliches Gewicht aufweisen. Daneben verarbeiteten die Thraker Bronze zu Schmuckstücken sowie Waffen. Sie bevorzugten einfache Formen und geometrische Ornamente.
Ein Tenno in Japan
Im gleichen Zeitfenster ein Blick auf die andere Seite des Globus. Östlich von China liegt sichelförmig eine isolierte Inselwelt, deren Bevölkerung sich nicht gegen fremde Eroberer wehren musste: Japan. Dort besteigt der sagenhafte Jimmu Tenno, angeblich ein Abkömmling der Sonnengöttin Amaterasu, nach der Eroberung des Reiches Yamato den Thron. Der 11. Februar 660 v. Chr. gilt als Datum der japanischen Reichsgründung. Jimmu Tenno ist der Ahnherr der heute noch herrschenden Dynastie. Der Überlieferung nach wurde der Tenno 711 in Kyushu geboren, das er 667 verließ, um den Osten Japans zu erobern. Jimmu Tenno stirbt angeblich erst 585.
Griechen siedeln in Nordafrika
Während die Japaner diszipliniert in einer streng gegliederten Feudalgesellschaft leben, brodelt es in Griechenland und auf den Inseln im Ägäischen Meer. Das Problem ist eine fortschreitende Überbevölkerung. Das Land kann die vielen Menschen nicht mehr ernähren. Die griechischen Kolonisatoren, die ausziehen, um sich in Libyen anzusiedeln, verlassen 631 v. Chr. ihre Heimat, die Insel Thera – Santorin – nicht aus eigenem Antrieb. Der Sage nach befragte ihr Anführer Aristoteles das Orakel in Delphi zwecks Heilung eines Sprachfehlers und erhielt stattdessen die Anweisung, sich in Libyen niederzulassen.
Der Rat ist durchaus nützlich, denn die Bevölkerungsdichte kann in Thera durch Geburtenbeschränkung und Kindesaussetzung nicht mehr unter Kontrolle gehalten werden. Die Volksversammlung nimmt den Orakelspruch zumAnlass, aus jeder Familie einen unverheirateten Sohn, darüber hinaus jeden Freiwilligen, auszusenden.
Sie sollen versuchen, eine Kolonie aufzubauen. Jedem wird ein gleicher Anteil an dem neu gewonnenen Land zugesagt, auch denen, die später folgen wollen. Wenn die Besiedlung misslingt, sollen sie nach fünf Jahren zurückkehren dürfen und wieder ihren alten Besitz zurückerhalten. Wer sich dem Beschluss widersetzt, wird geächtet.
Die Welt der griechischen Mythologie
Die griechischen Götter bilden eine Gesellschaft, die der menschlichen in vieler Hinsicht ähnelt. Es gibt eine Hierarchie, Familien und Rivalitäten. Jeder Gott hat seinen eigenen Aufgabenbereich.
Alle Götter stammen von Uranos ab, dem göttlichen Ursprungsprinzip, dem uranfänglichen Chaos vor der Schöpfung. Uranos, der Himmel, zeugt mit Gäa, der Erde, die Kyklopen und die Titanen. Weil er sich weigert, letztere aus dem Schoß der Erde ans Licht zu lassen, stürzt ihn sein Sohn Kronus, entmannt seinen Vater mit einer Sichel und wirft die Geschlechtsteile ins Meer. Daraus entsteht Aphrodite, die Schaumgeborene, die Göttin der Liebe.
Kronus ist die Zeit. Nach der Scheidung von Himmel und Erde tritt nun das erste Ordnungsprinzip in die Welt. Aus Angst, selbst gestürzt zu werden, tötet Kronus seine Nachkommen: Er, die Zeit, verschlingt seine Kinder – ein deutlicher Hinweis auf die Sterblichkeit der Menschen. Ein Sohn entgeht Kronus – Zeus. Seine Mutter reicht Kronus einen Stein, den er statt des Kindes verschluckt. Zeus wird heimlich in einer Grotte des Berges Ida auf Kreta groß gezogen.
Als er heran gewachsen ist, stürzt er seinen Vater und zwingt ihn, die von ihm verschlungenen Kinder wieder auszuspeien.
Zeus ist nicht nur der Licht- und Wettergott, der Blitzeschleuderer, er repräsentiert auch die soziale Ordnung. Er ist der Himmelsvater, den keine Stadt als Schutzgott für sich allein beanspruchen kann. Er steht unparteiisch über allem und regiert die Welt vom Olymp aus, dem heiligen Berg. Er ist mit Hera verheiratet, unter deren Schutz die Ehe steht, was ihn allerdings nicht daran hindert, mit zahlreichen anderen Göttinnen und sterblichen Frauen Kinder zu haben. Mit Leto zeugt er Apollon und Artemis, mit Demeter Persephone; Leda verführt er als Schwan, Europa als Stier, Danae gar als Goldregen.
Weitere Söhne von Kronos sind Poseidon, der Erderschütterer, dem bei der Teilung des Erbes das Meer zufiel, und Hades, der in der Unterwelt über die Toten herrscht. Hades entführt und heiratet Persephone, die Tochter der Kornmutter Demeter. Diese ist verzweifelt, sucht die Tochter und vernachlässigt dabei die Aufgabe, für das Wachstum zu sorgen. Weil die Menschen daraufhin hungern, legt Zeus fest, dass Persephone den Winter in der Unterwelt verbringen soll, in jedem Frühjahr aber zurückkehren darf – wie das Korn, das im Frühling an der Oberfläche keimt.
Für den Krieg sind Ares und Athene zuständig. Der gewalttätige Ares für das Schlachtgetümmel, Athene für die kluge Kriegsführung. Sie ist gleichzeitig Göttin der Weisheit. Sie hat keine Mutter, ist direkt dem Kopf des Zeus entsprungen. Athene und Ares bekämpfen sich gegenseitig – zwei widerstreitende Prinzipien.
Dionysos schickt die Ekstase. Ihm ist nicht nur der Wein heilig, sondern jeder rauschhafte Zustand, der durch Tanz oder rituelle Handlung erreicht wird, auch der Wahn. Bei seinem Kult werden Tieropfer dargebracht, manchmal auch Menschen in Stücke gerissen.
Apollon unterstehen Kunst und Musik, er fördert kulturelle Leistungen. Er ist der Gott der Heilkunst, tötet aber auch mit seinen Pfeilen.
Daneben gibt es unbedeutendere Götter, wie Pan, der zur Mittagsstunde umher geht und mit seinem Flötenspiel Hirten und Herden in Panik versetzt.
Die Achsenzeit
Längs der sich entfaltenden Achse einer sich zivilisierenden Welt, vom Fernen Osten bis zum damaligen Fernen Westen, waren Entwicklungen parallel, aber unabhängig voneinander gediehen. Religionsstifter und Philosophen traten auf, deren Wirken bis heute bei vielen Völkern gegenwärtig ist.
Im alten Persien war es Zarathustra, in Griechenland veränderten die Naturphilosophen das Denken, in Indien der Fürstensohn Buddha und in China der Gelehrte Konfuzius. Die Juden wurden durch die Reformen von Esra und Nehemia religiös stabilisiert. Der deutsche Philosoph Karl Jaspers hat dieses auffällige Zusammentreffen welthistorisch überragender Entwicklungen als „Achsenzeit“ zusammengefasst.
Sie ist schon deshalb bemerkenswert, weil sie die Grundlagen für die großen Zivilisations- und Machtzentren der Alten Welt legt. Im Alten Westen fügten erste Hochreligionen dem aristotelischen Begriff der Qualität eine weitere, religiöse Dimension hinzu. Bewusstsein oder Anspruch, für das Gute zu kämpfen und von Gott auserwählt zu sein, konnte ungeahnte Energien freisetzen und zu außergewöhnlichen Taten beflügeln. Gerade die monotheistischen Hoch- und Weltreligionen – Judentum, Christentum, Islam – in ihren verschiedenen Varianten konnten das objektive Machtpotential von Völkern und Staaten durch göttliche Sanktionierung ihres subjektiven Selbstverständnisses dramatisch steigern.
Ausgangspunkt zu den tief greifenden Änderungen der Achsenzeit waren religiöse Krisen. In China ausgelöst durch den Jahrhunderte lang andauernden Zerfall des Reiches, der auch Rückwirkungen auf den Bereich der Religion hatte. In solchen Krisenzeiten traten Religionsstifter, Neuerer oder Reformer auf, um neue Grundlagen für ihre jeweiligen Gesellschaften zu legen.
Zarathustra wandte sich vermutlich um 560 v. Chr. gegen die traditionellen blutrünstigen Tieropfer seiner halbwegs sesshaft gewordenen iranischen Stammesgesellschaften in Medien am nördlichen Rande des späteren Persien. Seine Spiritualisierung des Gegensatzes zwischen Licht und Finsternis, Gut und Böse wies erstmals den Dualismus als Grundlage aller späteren Fundamentalismen auf. Staatsreligion wurde der Zoroastrismus im Gebiet des heutigen Iran erst 800 Jahre später, hatte aber sofort eine beträchtliche Auswirkung als Oppositionsreligion im Meder- und Perserreich, mit Ausstrahlungen auf den ausgehenden Alten Orient.
Mit dem so genannten „Kyros-Edikt“ von 538 v. Chr. erlaubte Kyros II. die Rückkehr der Juden nach Jerusalem und gewährte ihnen, erstmals in der Geschichte überhaupt, religiöse Autonomie. Die Priester Esra und Nehemia nutzten die neue Freiheit, um die jüdische Religion durch zwei große Reformschübe um 500 v. Chr. auf ihre noch heutige gültigen Grundlagen zu stellen, Die Juden hatten in der Babylonischen Gefangenschaft schon den aus Persien kommenden Dualismus aufgenommen und spitzten später den in ihm enthaltenden Endkampf zwischen Gut und Böse zur Apokalypse, den Endkampf des Messias zur Rettung des jüdischen Volkes, zu. Als spezifische Varianten gingen diese Vorstellungen später auch auf Christentum und dem Islam über.
Wie in Persien agierte Buddha gegen die Schlachtorgien indischer Stammesreligionen, aber auch gegen die politische Hegemonie, die das Aufkommen des Maghada-Reiches, um 540 v. Chr., des ersten indischen Großreiches, auf kleinere Königreiche am Rande des Himalaya ausübte. Buddha gab der indischen Suche nach dem Seelenheil im Jenseits seine ganz persönliche Form und wurde so Gründer der ersten Weltreligion, des Buddhismus. Heute besteht er, nach seiner Verdrängung durch den Islam im 13. Jahrhundert beziehungsweise durch seine krisenhafte Umgestaltung zum Hinduismus in Indien selbst, vor allem nur noch außerhalb Indiens.
Ganz im Gegensatz zu Buddha in Indien wirkte um dieselbe Zeit in China Konfuzius. Er reagierte auf die Jahrhunderte lange Fragmentierung Chinas seit dem Niedergang der Chou-Dynastie -ab 771 v. Chr. Mit seiner Lehre der pragmatischen Pflichterfüllung im Dienste des sich einigenden Reiches erhob er seinen philosophischen Pragmatismus gleichsam zur Staatsreligion Chinas. Schon bald nach der Reichseinigung unter der ersten Kaiserdynastie Chinas, der Ch`in-Dynastie, wurde der Konfuzianismus geistige Grundlage des ausschließlich diesseitig orientierten Verwaltungs- und Machtstaates China.
Der tiefen inneren Krise des alten Griechenland im Übergang von der archaischen zur klassischen Phase, die mit dem Übergang zur Geldwirtschaft zusammen hing, gaben die griechisch-ionischen Naturphilosophen 500 v. Chr. eine säkularisierte und individualisierte Wendung – zum ersten Mal in der Weltgeschichte. Zugleich wirkte sich die zivilisatorische Überlegenheit des Ostens aus. Daher stammten die frühesten und stärksten intellektuellen Köpfe der griechischen Klassik aus Ionien, also dem seit 500 Jahren griechisch gewordenen Westrand Kleinasiens. Ihre überragende Leistung bestand darin, erstmals eine Welterklärung ohne Götter zu wagen, womit sie zugleich Grundlagen der westlichen Philosophie wie der Naturwissenschaften legten.
Das persische Weltreich
Im Osten des griechischen Reiches formiert sich ein mächtiger Feind: Die Perser. Der Perserkönig Kyros II., bislang Vasall der Meder, erobert um 550 v. Chr. das Reich seiner Herren im Iran und unterwirft zudem die märchenhaft reichen Lyder in Kleinasien. Die Herrschaft von Kyros II. reicht daraufhin vom Mittelmeer bis zum persischen Golf. Mit der Eroberung Ektabanas, der Hauptstadt des Mederreiches, beendete Kyros die dreijährigen Auseinandersetzungen mit seinem medischen Lehnsherrn Astyages zu seinen Gunsten. An die Stelle der gestürzten Meder-Dynastie tritt die von Kyros II. gegründete Achämeniden-Dynastie.
In den folgenden Jahren unterwarf der kriegerische Perserkönig die von Griechen besiedelte Westküste Kleinasiens, Phönikien und Palästina sowie 539 das Neubabylonische Reich des Königs Belsazar. Nach diesen Jahren kriegerischer Expansion festigte Kyros II. seine Herrschaft in den eroberten Gebieten. 529 fiel der Begründer des persischen Weltreiches im Kampf gegen die Massageten im Ost-Iran. Nachfolger wurde sein Sohn Kambyses II., der die Eroberungspolitik des Vaters erfolgreich fortsetzte. So unterwarf er die bislang unbesiegten Ägypter und Nubier.
Dareios I. gelangte 522 vor Chr. auf den Thron, nachdem er an der Spitze einer Verschwörung der sechs vornehmsten Adelsfamilien des Reiches den illegitimen Herrscher und Magier Gaumata gestürzt hatte, der sich zum Nachfolger von Kambyses II. aufgeschwungen hatte. Nach der Entmachtung Gaumatas festigte er seine Position durch die Heirat mit Atossa, einer Tochter von Kyros II.
Dareios straffte die Verwaltung. Das gesamte Reich wurde in 20 Einheiten – Satrapien – aufgeteilt und von persischen und medi-schen Adligen verwaltet. Berühmt wurde der König durch die Einführung eines einheitlichen Münzsystems und die Einrichtung von Post-Stationen auf den so genannten Königsstraßen. Eine weitere Verbesserung war die Einführung einer im ganzen Reich verwendeten einheitlichen Kanzleisprache, des Aramäischen.
Mit großer Strenge wachte der Großkönig auch über die Rechtssprechung. Richter, die sich schwer wiegender Vergehen schuldig machten, wurde die Haut bei lebendigem Leibe abgezogen und zur Abschreckung über die Stühle der Kollegen gestülpt.
Allerdings gelang es Dareios nicht, die Griechen im Westen zu besiegen. Im September 490 v. Chr. musste er bei dem kleinen Ort Marathon eine empfindliche Niederlage gegen das Heer der Athener einstecken.
Der Vorstoß der Perser nach Griechenland, die nach der Niederschlagung des Aufstandes der kleinasiatischen Griechenstädte 494 v. Chr. auch das griechische Kernland unterwerfen wollten, wurde zu einem Fiasko. Ausschlaggebend für den Erfolg der Athener war die neuartige Taktik ihres Feldherrn Miltiades. Er lässt die athenischen Hopliten – schwerbewaffnete Krieger – im Laufschritt über eine Entfernung von rund einem Kilometer auf das Perserheer vorstürmen, um den persischen Pfeilhagel zu unterlaufen und die Perser zu überrumpeln. Nach dem Sieg läuft ein Bote die rund 42 Kilometer lange Strecke von Marathon nach Athen und bricht nach Verkündigung der Siegesbotschaft tot zusammen. Erst nach der Schlacht treffen 2000 Krieger aus Sparta in Athen ein. Ihre Religion hatte es ihnen verboten, vor dem nächsten Vollmond in den Kampf zu ziehen.
Dareios I., genannt der Große, starb 486 v. Chr. während der Planung eines Feldzuges gegen Ägypten. Die Nachfolge tritt sein Sohn Xerxes an. Er plant, den Westen zu erobern und stellt dafür eine gewaltige Streitmacht auf.
Perser gegen Griechen
Im Frühjahr 480 vor Chr. war es soweit. Xerxes setzt sich mit einem Heer von 150.000 Kriegern von Sardes aus in Bewegung. Die Perser überqueren die Dardanellen auf zwei Schiffsbrücken und stoßen entlang der Küste – von der rund 700 Kriegsschiffe umfassenden Flotte begleitet und versorgt – nach Mittelgriechenland vor.
Erstmals wird Xerxes im August 480 am Thermopylenpaß an der Südgrenze Thessaliens aufgehalten: An einer strategisch günstigen Stelle – einem etwa 15 Meter breiten Hohlweg zwischen den Bergen und dem Meer – erwartet der Spartanerkönig Leonidas mit 300 seiner Krieger und 5000 mittelgriechischen Kämpfern das feindliche Heer. Der Spartaner hält drei Tage der persischen Übermacht stand.
Dialog. So könnte es gewesen sein:
Xerxes: „Seit drei Tagen stockt der Vormarsch meiner Truppen. Sollte es wirklich so sein, dass griechische Ziegenhüter unsere Streitmacht aufhalten können?“
Feldherr: „Mit Verlaub, edler Xerxes, erlauchter Sohn des großen Dareios, es sind keine Ziegenhüter, die unsere Kämpfer dahin mähen wie der Bauer den Weizen zur Ernte. Es ist der Spartaner-König Leonidas mit seinen Kriegern, die wie tollwütige Hunde gegen uns kämpfen.“
Xerxes: „Hat er zehntausend unsterbliche Krieger an seiner Seite, ist es eine Schlacht, die da vorne in dem Hohlweg tobt? Und wenn es so ist, warum habt Ihr meinen Thron nicht auf den höchsten Felsen gesetzt, damit ich die Befehle für unseren glorreichen Sieg geben kann?“
Feldherr: „Es ist keine Schlacht, edler Gottkönig, es ist ein Gemetzel. Die verfluchten Spartaner versperren einen Hohlweg, den wir passieren müssen, um nach Athen zu gelangen. Es sind Wesen aus einer anderen Welt, die wir bezwingen müssen. Sie brauchen keinen Schlaf, ernähren sich vom Blut wilder Stiere und scheinen vom Feuer des Zarathrusta gezeugt worden zu sein.“
Xerxes: „Ihr wollt damit sagen, dass sie meinen medischen Bogenschützen widerstehen, den Babyloniern mit ihren schweren Wurfgeschossen und sogar den wilden Massageten, die den Tod im Kampf erflehen wie ein Weib die Empfängnis?“
Feldherr: „So ist es, König dieser Welt zu Wasser und zu Lande, Freund und Liebling der Götter. Aber mit einer List werden wir diese verfluchten Spartaner, deren Kräfte niemals zu schwinden scheinen, überwinden. Ein einheimischer Schäfer wies uns den Weg in den Rücken der verfluchten Griechen, so dass wir sie in die Zange nehmen und sie zu ihren Ahnen schicken können.“
Xerxes: „Die Schreiber sollen diesen Umstand auf ihren Tafeln nicht erwähnen. Es könnte ein Schatten auf meinen königlichen Ruhm als Stratege und Feldherr werfen. Du bürgst mir dafür, mit Deinem Leben.“
Feldherr: „Ist schon geschehen, oh edler Großkönig, dessen ruhmreiche Taten schon bald auf ewig in Stein gemeisselt sein werden. Bereits in dieser Stunde ist König Leonidas von Euren siegreichen Truppen umzingelt. Sein Arm ist erlahmt, seine Gefährten werden von der medischen Garde zerschmettert. Die restlichen Griechen fliehen in wilder Auflösung. Ein großer Sieg für Eure Majestät. Der Weg nach Athen, dieser stinkenden griechischen Pestbeule, liegt ungeschützt vor Euch.“
Xerxes: „Lass` die plumpen Schmeicheleien, Feldherr. Sie sind so passend wie ein Abendopfer im Morgengrauen. Noch so ein Leonidas auf dem Weg zu diesem verfluchten Athen und ich werde Dir die Haut von Deinem Körper stückweise abziehen lassen und zur Warnung meinen Truppen voran tragen lassen. Bringe mir das Herz dieses Spartaners. Ich will die Priester um Deutung bitten. Noch nie zuvor hat es ein gewöhnlicher Satrape gewagt, meinem Willen so ausdauernd im Wege zu stehen.“
Als der spartanische König Leonidas die aussichtslose Lage erkennt, befiehlt er den Griechen den Rückzug und fällt selbst an der Spitze seiner Landsleute. Zur gleichen Zeit kann die griechische Flotte den Persern bei Kap Artemision – an der Nordspitze von Euböa – allerdings empfindliche Verluste beibringen.
Weil die Perser zu Lande nicht besiegbar scheinen, sucht der Athener Befehlshaber Themistokles nun die totale Seeschlacht. Er fühlt sich durch einen Spruch des Orakels von Delphi ermuntert: „Nur die hölzerne Mauer schenkt Zeus seiner Tochter Athene, sie allein bleibt heil zur Rettung für Dich und die Kinder.“
Die Bewohner Athens werden evakuiert. Ende September 480 v. Chr. geschieht dann das Unglaubliche, nie erwartete: Die zahlenmäßig überlegene Perserflotte wird in der Meerenge von Salamis vernichtend geschlagen. Hilflos muss Xerxes vom Land aus mit an sehen, wie die schnellen, griechischen Boote die schwerfälligen persischen Galeeren scheinbar mühelos umkreisen, sie in Brand setzen und versenken.
Im darauf folgenden Frühjahr, nachdem sich die Perser nach Thessalien zurückgezogen hatten, erringen die Griechen unter dem Oberbefehl des Spartaners Pausanias bei Plataiai den endgültigen Sieg über die Invasoren. Im Spätherbst 479 v. Chr. werden die Reste der Perserflotte in der Nähe von Milet vernichtet. Xerxes ist nun endgültig geschlagen, die letzten persischen Truppen räumen Griechenland und die tödliche Gefahr aus dem Osten ist vorerst gebannt.
Die verpasste Chance der Griechen
Die Griechen, nach dem Sieg über die Perser galten sie als die besten Soldaten der Welt, hätten jetzt eine entscheidende Rolle in der antiken Welt spielen können, und sie wären auch zur stärksten Macht im Mittelraum aufgestiegen, wenn sie sich nicht in endlosen Kämpfen untereinander so entscheidend geschwächt und aufgerieben hätten. Ihre Kultur stand meilenweit über der ihrer Nachbarvölker. Ihr Wissen in Mathematik, Kunst und Philosophie sollte die nächsten Jahrhunderte unerreicht bleiben. Doch sie vertaten diese historische Chance ungenutzt. Philipp von Makedonien und später sein Sohn Alexander drückten ihnen ihren eigenen Stempel auf. Als schließlich die Militärmacht Rom sie bedrängte, hatten sie den Legionären ausser philosophischen Gedanken und den Flüchen ihrer Götter nichts entgegen zu setzen.
Bruderkrieg in Griechenland
War der äußere Feind auch geschlagen, das Land der Griechen kam einfach nicht zur Ruhe. Athen war aufgestiegen zur führenden hellenischen Seemacht, der Umbau des ursprünglich von autonomen Mitgliedern gebildeten „Attischen Seebundes“ zu einem athenischen Untertanenverband war skrupellos vollzogen worden. Das konnte Sparta, der ewige Rivale Athens, nicht dulden. Es kam zu einem mörderischen Krieg zwischen den beiden führenden Mächten. Ein Bruderkampf, der beide Seiten tödlich erschöpfte und nur einem Dritten nutzte: Philipp von Makedonien.
Das Machtvakuum, das dieser Krieg schuf, konnte im 4. Jahrhundert v. Chr. der makedonische Staat nutzen. Der bedeutendste Vertreter panhellenischen Denkens, Isokrates, sah in Philipp II. von Makedonien den Mann, der dazu berufen war, den geschichtlichen Auftrag der Einigung der Griechen sowie der Wiederaufnahme des Kampfes gegen die Perser zu erfüllen.
Eine staatliche, griechische Einheit haben aber weder Philipp II. noch sein Sohn Alexander herbeigeführt. Philipp blieb keine Zeit, die 338 unterworfenen Poleis enger zusammen zu binden, und Alexander der Große richtete seinen Blick vornehmlich auf das Perserreich. Dessen Zerstörung etablierte makedonisch-griechische Monarchien, die im Verlauf des 2. und 1. Jahrhundert dem Imperium Romanum einverleibt wurden.
Philosophie in Griechenland
Die griechische Philosophie erlebte in der Zeit der Perserkriege eine Blütezeit. Allmählich vollzog sich der Übergang vom mythischen zum wissenschaftlich-philosophischen Denken, das die Welt kritisch hinterfragt.
Schwerpunkte der philosophischen Auseinandersetzung sind die Ordnung des Kosmos und die Stellung des Menschen im Zusammenhang des Lebens. Neben der Naturphilosophie beschäftigen sich die Philosophen mit der Ethik. Gesetze werden nicht mehr allgemein als gottgegeben anerkannt, sie werden diskutierbar. Der Mensch soll aus der rechten Erkenntnis heraus tugendhaft handeln.
Zenon wird von Aristoteles als Erfinder der Dialektik bezeichnet. Er entwickelt die Methode des indirekten Beweises weiter und beeinflusst damit die Logik. Er geht davon aus, dass alle Dinge, auch Raum und Zeit, aus unendlich kleinen Einheiten bestehen. Parmenides von Elea setzt die Welt mit der ewigen Gottheit gleich, die alles Geschehen leitet. Das Seiende ist unveränderlich, es gibt keine Bewegung und kein Werden.
Empedokles entwickelt die Lehre von den vier Grundelementen Feuer, Wasser, Luft und Erde. Liebe und Hass sind Kräfte, die in ihrer Mischung Trennung bewirken. Weltentstehung und Weltuntergang lösen sich ab.
Der Sophist Protagoras sagt: „Der Mensch ist das Maß aller Dinge“. Es gibt keine objektive Wahrheit. Absolut ist nur die Tugend. Scham und Gerechtigkeitsgefühl sowie die Staatsgesetze sind von den Göttern gegeben.
Anaxagoras lehrt, dass die Welt aus natürlichen Ursachen entstanden ist. Die Planeten sind von der Erde losgerissene Steinmassen, der Mond empfängt sein Licht von der Sonne.
Einer der anerkanntesten Philosophen seiner Zeit ist zweifellos Platon, der 348 v. Christus im hohen Alter von 80 Jahren stirbt. Sein philosophisches Werk fasst die bisherige griechische Philosophie zusammen, geht aber zugleich auch über diese hinaus. Platons Größe liegt in der Universalität seines Geistes. Seine philosophischen Gedanken haben die abendländische Kultur- und Geistesgeschichte entscheidend geprägt.
Platon, Sohn einer reichen Aristokratenfamilie, wurde um 428 v. Chr. in Athen geboren. Acht Jahre lang war er Schüler von Sokrates, dessen Lehre durch ihn überliefert wurde. Nach dem erzwungenen Tod seines Lehrers ging Platon vorübergehend nach Megara in die dortige Philosophenschule und unternahm später ausgedehnte Reisen nach Ägypten, Italien und Sizilien. 387 eröffnete er in Athen in seinem Garten die nach seinem Tod berühmt gewordene „Platonische Akademie“, in der er seine Schüler in Philosophie unterrichtete.
Platon hat seine Lehre in insgesamt 15 Schriften in Form von Dialogen nieder gelegt. Ausgangspunkt seines Denkens ist die Kritik an der Sophistik, deren Lehre er zu überwinden trachtete. Dem Satz des Protagoras, der Mensch sei das Maß aller Dinge, stellt Platon die Erkenntnis gegenüber, dass dem Denken und Handeln des Menschen durch die ewigen Ideen ein allgemeines Maß gesetzt ist. Höchstes Gut in dieser Ideenwelt sind Tugend, Weisheit, Gerechtigkeit, Besonnenheit, Tapferkeit. Nach Platon ist die Tugend lehr- und lernbar, da sie Wissen ist und kein Mensch wider besseres Wissen handeln könne.
In dem Dialog „Der Staat“ entwirft Platon die Utopie eines Staatswesens, das von Philosophen regiert wird, sich auf das sittliche Wollen der Bürger gründet, aber auch eine strenge ständische Schichtung aufweist.
Indien und das Kastensystem
Während in Griechenland Philosophenschulen ständig an Beliebtheit gewinnen, vervollkommnet sich in Indien das Kastensystem. Die Stände – Priester, Krieger, Handwerker und Bauern – grenzen sich immer stärker voneinander ab. Die Trennung entspringt vermutlich dem Wunsch der eingewanderten indogermanischen Oberschicht, ihre „Reinheit“ zu bewahren. „Reinheit“ ist die zentrale Idee der als göttliche Einrichtung empfundenen Zuteilung der Menschen im Kastensystem.
Um diese „Reinheit“ nicht zu verlieren, darf nur innerhalb der eigenen Kaste geheiratet und Angehörige anderer Kasten nicht berührt werden. Frevelhaft ist es, mit ihnen gemeinsam zu essen. Besondere Reinigungszeremonien und Speisegebote sind zu beachten. Verschiedene niedere Tätigkeiten sind verboten und werden Mitgliedern tiefer stehender Kasten übertragen. Alle Berufe, die zum Beispiel mit dem Tod zu tun haben, wie Leichenwäscher oder Lederarbeiter, werden von den „Parias“, den Knechten, der untersten Kaste ausgeübt.
Die heilige Schrift, der Veda, darf nur von den drei oberen Kasten, den „Zweimalgeborenen,“ studiert und rezitiert werden. Die unterste Kaste hat ihre eigenen Riten, an denen andere nicht teilnehmen. Böse Taten, auch ein schlechter Lebenswandel, führen dazu, dass man im nächsten Leben in einer niedrigeren Kaste wieder geboren wird. Wer also arm ist, aussätzig oder sonst wie vom Schicksal geschlagen wurde, ist selbst schuld. Sein vorheriges Leben war eben nicht makellos.
Die Zugehörigkeit zu einer Kaste mit ihren traditionellen Regeln und Bräuchen vermittelt dem Einzelnen das Gefühl, in die ewige Weltordnung eingebettet zu sein.
Die untergegangenen Völker und Reiche
Selbst wenn nicht bekannt ist, in welcher Region in früheren Zeiten ein bestimmtes, längst untergegangenes Volk gelebt hat, können Wissenschaftler mittlerweile dessen genetischen Fingerabdruck in der heutigen Bevölkerung nachweisen. Im Selbstverständnis der Franzosen spielt die Erinnerung an das Kulturerbe der Gallier eine wesentliche Rolle. Die Glorifizierung der dakischen Ursprünge des Rumänentums nahm unter dem Diktator Ceausescu groteske Züge an. Die Goten sind im Dienste unterschiedlichster kultur- oder machtpolitischer Ambitionen vereinnahmt worden. Es waren zum Teil kulturell hochstehende, faszinierende Völker, die auf der historischen Welt-Landkarte ausradiert wurden.
Die Akkader. Sie gehörten zu den alten Kulturvölkern des Vorderen Orients. Als semitisches Volk mit kulturellem und sprachlichen Eigenprofil treten sie im 3. Jahrhundert vor Chr. im nördlichen Mesopotamien auf. Ihren Namen haben die Akkader von der Stadt Akkad, die von König Sargon um 2400 vor Chr. gegründet worden war. Das „Reich von Akkad“ hatte bis etwa 2255 v. Chr. Bestand. Danach ging die politische Macht an Assyrien, später an Babylonien über. Eine der zentralen Technologien war der Gebrauch der Keilschrift, deren System von den Akkadern perfektioniert wurde. Akkadisch war nicht nur als Literatursprache, sondern auch als Wissenschaftssprache in Gebrauch. Als Kanzleisprache fungierte es in Assyrien und Babylon. Als Sprache der internationalen Diplomatie reichte der Einfluss des akkadischen sogar bis nach Ägypten.
Aksum. Im Verlauf des 1. Jahrhunderts v. Chr. wanderten Migranten aus dem Süden der arabischen Halbinsel ins Abessinische Hochland ein. Dort kam es zur ethnischen Fusion der arabischen Bevölkerunggruppen mit der einheimischen kuschitischen Bevölkerung. In der Gegend des historischen Aksum in Nord-Äthopien sind die Reste monumentaler Stelen – bis zu 33 Meter hoch – zu sehen, die aus vorchristlicher Zeit stammen. Aksum wurde zum Mittelpunkt eines Reiches, das zeitweilig auch Gebiete auf der arabischen Halbinsel beherrschte. Das Reichsgebiet erstreckte sich im Westen bis ins Grenzgebiet zum Sudan und im Osten bis ans Rote Meer.
Der Hafen Adulis war der wichtigste Umschlagplatz für den Fernhandel über See. Unter König Esana, er herrschte im 4. Jahrhundert n. Chr., verbreitete sich das Christentum. Seit dem späten 7. Jahrhundert geriet Aksum wegen der Expansion des Islam mehr und mehr in Isolation. Der Niedergang des Reiches erfolgte im 10. Jahrhundert.
Die Amoriter. Dieses Volk lebte um 2000 vor Chr. im nördlichen und westlichen Grenzgebiet Mesopotamiens. In den ersten Berichten aus dieser Zeit werden sie als wilde, unzivilisierte Krieger beschrieben. Die Amoriter siedelten auch im Ostjordantal, wo sie mit den Israeliten in Kontakt kamen. Die berühmteste und einflussreichste Stadt, die zeitweilig von Amoritern regiert wurde, war Babylon.
Der bekannteste aller amoritischen Herrscher ist Hammurabi, dem Babylon die entscheidende Ausdehnung seines Machtbereichs verdankt. Die vermutlich größte Kulturleistung der Amoriter für die Nachwelt ist Hammurabis Rechtskodex, die älteste umfassende Sammlung von Gesetzen, in denen erstmals in der Geschichte der juristischen Kodifizierung zwischen den Bereichen Strafrecht, Zivilrecht und Wirtschaftsrecht unterschieden wird. Die lex talionis – „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ – ist ein amoritisches Rechtsprinzip.
Anasazi bedeutet in der Sprache der Navaho-Indiander „die Alten“. Dies ist ein Sammelname für die Vorfahren der modernen Pueblo-Indianer, die bereits vor der Zeitenwende im Südwesten der heutigen USA siedelten. Um 100 v. Chr. beginnt die Kulturentwicklung der Anasazi. Sie waren sesshafte Ackerbauern, die zunächst in halb unterirdischen Rundhäusern oder im Schutz von Felsüberhängen wohnten, später dann rechteckige Steinhäuser bauten.
Die Anasazi waren die ersten Indianer Nordamerikas, die stadtähnliche Siedlungen bewohnten. Die Häuser waren bis zu fünf Stockwerke hoch. Etwa gegen 1300 n.Chr. wurden die nördlichen Siedlungen verlassen. Zum einen trockneten Dürreperioden das verfügbare Ackerland immer stärker aus. Zum anderen gerieten die Anasazi in kriegerische Auseinandersetzungen mit den von Nordwesten nach Süden vordringenden Apachen und Navaho.
Die Aramäer. Seit dem 2. Jahrhundert vor Chr. zeigen die Aramä-er als ein semitisches Volk Eigenprofil mit eigener Kultur und eigener Sprache. In assyrischen Texten wurden seit dem 14. Jahrhundert v. Chr. die Ahlamu erwähnt, die von der modernen Forschung als ein Stamm der Aramäer identifiziert worden sind. Von cirka 700 bis 200 v. Chr. war das Aramäische als Kultursprache, Staatssprache und als Verständigung in der internationalen Diplomatie verbreitet. In weiten Teilen des Vorderen Orients wurde das Aramäische erst im 7. Jahrhundert n. Chr. vom Arabischen verdrängt. Der Einfluss des Aramäischen reichte bis nach Nordwestindien. Auch Jesus sprach aramäisch.
Die Chaldäer. Aller Wahrscheinlichkeit waren die Chaldäer Semiten. Sie übernahmen eine Zeitlang die Macht in Babylon. Um 770 v. Chr. bestieg der Chaldäer Eriba-Marduk den babylonischen Königsthron. Seine Verbündeten waren Elam im Osten und das Reich Juda unter König Hiskia im Westen. Der berühmteste der chaldäischen Könige war der in der Bibel erwähnte Nebukadnezar II., auf dessen Befehl hin die Stadt Babylon großzügig ausgebaut wurde. Der Perserkönig Kyros II. eroberte Babylon im Jahre 539 v. Chr. Damit endete nicht nur die Herrschaft der Chaldäer, sondern auch die Existenz des Königreichs Babylon.
Chimú. Die Zivilisation der Chimú, deren Anfänge auf etwa 1200 n. Chr. zurück reichen, gehört zum Kreis der vor-inkaischen Kulturen Perus. Das Chimú-Reich erstreckte sich gegen des 14. Jahrhunderts von Ecuador im Norden bis zum Rimac-Tal im Süden. Lange Zeit behielt das Chimú-Reich seine Unabhängigkeit, trotz der Erstarkung des Inka-Reichs im Süden. Im Jahre 1463 n. Chr. wurde das Territorium der Chimú von Topa Inka Yupanqui erobert.
Auf eine straff organisierte Verwaltung der Landesteile weist das ausgeklügelte Bewässerungssystem und ein verzweigtes Straßennetz hin. Die Chimú unterhielten ein Netz reger Handelsbeziehungen zwischen den einzelnen Regionen. Waren wurden mit Lamas über Land und mit Balkenflößen an der Küste entlang transportiert. Die Metallurgie war hoch entwickelt, insbesondere Techniken des Kalthämmerns. Die Chimú-Metallurgen beherrschten aber auch Schmelztechniken und konnten Gold-Silber-Legierungen und Bronze herstellen. Eine besondere Rolle spielte die Herstellung von Textilien, in die mythologische Motive eingewebt waren.
Die Hethiter. Um 2000 v. Chr. werden die Hethiter, ein indoeuropäisches Volk, erstmals in assyrischen Texten erwähnt. Der historische Siedlungsraum in Anatolien mit dem Kernland in Kappadokien ist nicht ihr Ursprungsgebiet. Woher die Hethiter kamen und weshalb sie nach Anatolien wanderten, ist bis heute ungeklärt.
Bald schon fand ein Machtwechsel in der Stadt Hattusa statt, wo zwischen 2500 und 2000 v. Chr. eine hattitische Urbevölkerung lebte. Als Folge avancierte Hattusa zum Zentrum der politischen Macht der hethitischen Könige. Im 16. Jahrhundert v. Chr. gründete Hattusili I. das Alte Reich, das bis um 1450 v. Chr. Bestand hatte.
Nach einer politisch unruhigen Zwischenperiode konsolidierte sich unter Suppiluliuma I. das „Neue Reich“. Dessen Einflussgebiet erweiterte sich in den Nordwesten Kleinasiens sowie nach Südosten und Süden. In der Schlacht von Kadesch brachen die Hethiter die Vormacht der Ägypter in Syrien. Während der Regierungszeit von Suppiluliuma II. wurde die hethitische Gesellschaft durch eine Wirtschaftskrise erschüttert. Diese Schwächung hatte zur Folge, dass das Reich ungenügend für die militärische Auseinandersetzung mit der Allianz der Seevölker vorbereitet war, unter deren Ansturm es schließlich zerbrach.
Mit dem Verlust ihrer politischen Macht versanken die Hethiter in historische Bedeutungslosigkeit. Die hethitische Restbevölkerung ging im Volkstum der Nachfolgekulturen auf. Damit erlitten sie das gleiche Schicksal wie die seinerseits von ihnen assimilierten Hattier.
Die Lyder besiedelten die historische Landschaft Lydien im Westen Kleinasiens. Ihnen gelang es, im 7. Jahrhundert v. Chr. die Grenzen ihres Königreichs mit der Hauptstadt Sardes in Kriegen gegen die griechischen Kolonien an der ionischen Küste und gegen die Kimerier im Inland bis an den Fluss Halys auszudehnen. In jener Zeit avancierte Lydien zur stärksten Wirtschaftsmacht Kleinasiens. Damals standen die griechischen Seestädte unter lydischer Kontrolle. Dort begann die Geschichte der abendländischen Münzprägung mit der Ausgabe der ersten Goldmünzen, der so genannten „Elektronmünzen“. Sie bestanden aus einer Gold-Silber-Legierung. Der mächtigste Herrscher der Mermnaden-Dynastie war Kroisos – 560 bis 547 vor Chr. – der wegen seines sprichwörtlichen Reichtums berühmt wurde. In seiner machtpolitischen Verblendung begann Kroisos einen Feldzug gegen das Perserreich. Die Perser blieben siegreich, besetzten Lydien und beendeten die Herrschaft der Mermnaden-Dynastie.
Als persische Provinz war Lydien ab 547 v. Chr. zwar nominell ein Teil Persiens, behielt aber faktisch eine weitgehende Selbstverwaltung.
Die in der Antike thematisierte Beziehung zwischen den Lydern und den Etruskern ist bis heute mythisch verklärt geblieben. Der bekannteste Bericht, in dem die Herkunft der Etrusker aus Lydien beschrieben wird, ist eingewoben in Herodots neunbändigem Werk „Histories Apodeixis“. Herodot nennt Lydien als ursprüngliche Heimat der Etrusker. Bei ihm ist auch die Rede von einer Migration nach Italien auf dem Seeweg.
Ursprünglich stammen die Nabatäer aus dem Norden der Arabischen Halbinsel. Von dort sind sie im 6. Jahrhundert v. Chr. nach Edom, ins Gebiet südlich des Toten Meeres, ausgewandert. Im 4. Jahrhundert v. Chr. formierte sich in jener Region das Königreich der Nabatäer. Das Reichsgebiet erweiterte sich zusehends und umfasste außer dem Kerngebiet den zentralen Negev, die Halbinsel Sinai und zeitweise den Südwesten Arabiens. Seit 169 v. Chr. war Petra die Hauptstadt des Reiches. In diesem Gebiet kreuzten sich die wichtigsten Handelsrouten des Nahen Ostens. Die Nabatäer kontrollierten auch den Fernhandel mit Indien. Ende des 2. Jahrhunderts v. Chr. verloren sie aber ihren Handelsstützpunkt Gasa an die Juden.
Unter Aretas III. wurde Damaskus erobert, das fortan als Handelsplatz diente. Als sie dem militärischen Druck des jüdischen Staates nicht mehr standhalten konnten, unterstellten sie sich der römischen Oberhoheit.
Unter den Herrschern der Spätzeit, Obadas II. und Aretas IV. Philodemos erlebte das Nabatäerreich seine größte Blüte. Rabel II. Soter konnte die Auflösung seines Reiches aber nicht mehr verhindern. Er hatte keinen Nachfolger. Der römische Kaiser Trajan annektierte das verbliebende Territorium des Nabatäer-Reiches und integrierte es als Provinz Arabia mit dem administrativen Zentrum Bostra. In jener Zeit verlor Petra seine einmalige Rolle als Knotenpunkt der Karawanenstraßen an Palmyra in Syrien. Die Sprache der Nabatäer war ein stark vom Arabischen überformtes Aramäisch.
Die Sabäer. Von den frühen lokalen Königreichen, die sich zu Beginn des 1. Jahrtausends v. Chr. in Südarabien konstituierten, ist das von Saba am bekanntesten. Seine weltweite Bekanntheit verdankt Saba zweifellos dem biblischen Bericht über den Besuch der Königin von Saba bei König Salomon in Israel.
Die besonders begehrten Produkte des Fernhandels waren Weihrauch und Myrrhe. Beides hatten die Ägypter im 2. Jahrtausend v. Chr. aus dem sagenumwobenen Reich Punt importiert. Die Sabäer traten die Nachfolge von Punt an, das um 1200 v. Chr. aus den Annalen verschwindet.
Das Königreich von Saba, dessen Hauptstadt zunächst Sirwa, später Marib war, erstarkte im 6. Jahrhundert v. Chr. und dehnte seine Herrschaft sukzessive auf die anderen lokalen Königreiche aus. Dazu gehörten die Reiche Main, Qataban und Hadramaut.
Im 1. Jahrhundert v. Chr. verloren die Sabäer die Kontrolle über die Karawanenstraßen. Dies war der Beginn des wirtschaftlichen Niedergangs und der Schwächung der politischen Macht. Es war aber auch die Zeit, als sich ausländische Mächte bemühten, Südarabien zu kontrollieren. Die Römer versuchten im Jahre 24 v. Chr. vergeblich, Marib zu erobern.
Zwischen 325 und 360 n. Chr. dehnte das Reich Aksum in Äthopien seinen Herrschaftsbereich bis nach Südarabien aus. In jener Periode verbreitete sich dort das Christentum. Um 570 n. Chr. wurde Südarabien Provinz des persischen Sassaniden-Reichs. Der letzte Statthalter der Region trat im Jahre 628 zum Islam über.
Die ältesten Erwähnungen der Skythen stammen aus dem 6. Jahrhundert v. Chr.. Der Dichter Anakreon erwähnt die Sitte der Skythen, Wein pur und nicht mit Wasser vermischt wie die Griechen zu trinken.
Die Skythen waren kein einheitliches Volk, sondern ihre ethnische Identität stellte sich im Profil eines lockeren Bundes von verschiedenen Stammesgruppen dar. Die Anfänge der skythischen Geschichte gehen auf den Beginn 1. Jahrtausends v. Chr. zurück, als nomadische Volksstämme – Träger der Andronovo-Kultur – in mehreren Migrationsschüben aus Nordwestasien nach Europa einwanderten. In einem Areal, das im Westen vom Don, im Norden von der Wolga und im Süden vom Kaukasus begrenzt wurde, gewann die skythische Kultur Eigenprofil.
Die Expansion der Skythen wurde vom dem Erfolg ihrer Reiterei getragen, deren nomadische Kriegstaktik Täuschungsmanöver und Überraschungsangriffe einschloss. Als Bogenschützen wurden sie von ihren Feinden gefürchtet und von ihren Verbündeten geschätzt. Zu den Reiterverbänden der Skythen gehörten auch weibliche Krieger, die im Ruf standen, ebenso hart und tapfer zu kämpfen wie die Männer. König Atheas gründete im 5. Jahrhundert v. Chr. das zweite skythische Reich, das schon bald unter den militärischen Druck der Mazedonier im Westen und der Sarmaten im Osten geriet. Letztere verdrängten im Verlauf des 3. und 2. Jahrhunderts v. Chr. die Skythen, die sich auf die Krim zurückzogen und dort das dritte und letzte der Skythen-Reiche gründeten. Dieses Staatswesen hatte bis zur Invasion der Goten im 3. Jahrhundert n. Chr. Bestand. Das skythische Volkstum ist schließlich im Verlauf des Mittelalters in dem des iranischen Volks der Osseten aufgegangen.
Die materielle Kultur der Skythen, vor allem der aristokratischen Elite, ist bekannt aus den reichen Beigaben der zahlreichen Grabhügel. Vom Skythischen, das schriftlos blieb, sind nur spärliche Zeugnisse überliefert. Dazu gehören etwa 200 Einzelwörter, außerdem Namen von Personen und Gottheiten, die sich in griechischen Quellen finden.
Versunkene Völker, versunkene Reiche. Perser, Griechen, Ägypter – sie hatten ihren Zenit längst überschritten. Am Mittelmeer, dem Nabel der antiken Welt, war es an der Zeit für ein neues Volk machtvoll die Bühne der Menschheit zu betreten: Die Römer. Ein kleiner Staat im Zentrum Italiens. Glänzend organisiert von Führern mit gewaltigen Visionen. Das Reich der Römer, so mächtig wie noch nie ein anderes zuvor, zerbrach erst 1000 Jahre nach seiner Gründung. Es hatte die Tugenden vergessen, die es einst so groß gemacht hatten.
Die Legende von der Gründung Roms
Der Sage nach soll Romulus, der erste der sieben Könige Roms, am 21 April 753 v. Chr. die Stadt am Tiber begründet haben. Mit diesem Datum begann auch die römische Zeitrechnung: „ab urbe condita...“...seit der Gründung der Stadt. Die Legende erzählt von den Zwillingsbrüdern Romulus und Remus, die auf geheimnisvolle Weise gezeugt werden und nach ihrer Geburt von König Archetius von Alba ausgesetzt werden. Eine Wölfin jedoch rettet sie und zieht sie auf. Romulus habe, so der Mythos, die Siedlung auf dem Palatin, einem der sieben Hügel Roms, erbaut und befestigt. Niemand solle diese Mauern straflos überschreiten, soll er gesagt haben. Als sein Bruder Remus es lachend tat, wurde er angeblich von Romulus erschlagen. Die Gründung der Stadt war mit einer Gewalttat verbunden und Gewalt war dann auch das Mittel der römischen Politik in den nächsten Jahrhunderten, um unterworfene Völker zu beherrschen.
Rom in der Antike
Die von antiken Historikern als Herrschaft von sieben Königen -753 bis 509 v. Chr. – geschilderte Frühzeit Roms ist Fiktion. Als historisch verbürgt kann allenfalls die Fremdherrschaft der etruskischen Königsfamilie der Tarquinier – etwa ab 550 v. Chr. – gelten. Die Vertreibung des letzten Königs aus Rom um 500 v. Chr. markiert den Anfang der Republik. Danach schwang sich Rom vom kaum beachteten Stadtstaat zum Weltreich auf. Dieses „Imperium Romanum“ umfasste am Ende der Republik fast alle Länder des Mittelmeerraums und den größten Teil Westeuropas. Die Gebietserwerbungen der Kaiserzeit waren nur mehr eine Abrundung dessen, was die Vorgänger bereits unterworfen hatten.
Der Aufstieg Roms geschah in Etappen. Zunächst dehnte der Stadtstaat seine Macht nach Süden aus, katapultierte sich schnell in eine Vormachtsstellung in Latium. Außenpolitisch trat Rom zum ersten Mal in einem um 510 v. Chr. in Karthago geschlossenen Vertrag in Erscheinung, in dem seine Hegemonie über die Latinerstädte anerkannt wurde. Die kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Latinern wurden jedoch erst kurz nach 500 mit einem Bündnisvertrag beendet.
Dem römisch-latinischen Bund traten kurze Zeit später auch noch die Herniker bei. Als verbindende Klammer wirkte bei den Römern, Latinern und Hernikern die gemeinsame Abneigung gegen die östlich siedelnden sabellischen Völker der Volsker und Aequer, die einen Zugang zum Mittelmeer suchten.
Um 450 v. Chr. begann die Expansion Roms nach Norden. Es ging um den Besitz des rechten Tiberufers. Hauptgegner der Stadt war das etruskische Veji, das zu Anfang des 4. Jahrhunderts erobert wurde.
Damit hatte Rom in Süd-Etrurien Fuß gefasst. Im Zuge dieser Auseinandersetzungen wurde das Kastell Ostia an der Mündung des Tibers errichtet.
Gestützt auf das feste Bündnis mit den Latinern und Hernikern war Rom nun zur stärksten Macht in Mittelitalien geworden, die mittlerweile auch außerhalb Italiens respektiert wurde. Unterbrochen wurde diese kontinuierliche Ausweitung des römischen Machtbereichs durch den Kelten-Einfall des Jahres 387 v Chr. Rom erlitt in der Schlacht an der Allia eine vernichtende Niederlage. Die römische Bevölkerung musste die Stadt verlassen, lediglich das Kapitol wurde gehalten. Nach einer langen Belagerung kann der Keltenkönig Brennus von den Römern die Zahlung eines hohen Lösegeldes erzwingen.
Nach dem Abzug der Kelten versahen die Römer die Stadt zum ersten Mal mit einer Ringmauer. Abgesehen von vereinzelten Kämpfen mit den Kelten war das halbe Jahrhundert nach der Katastrophe eine Phase der Konsolidierung. Sie wurde abgelöst durch den Latineraufstand von 340 v. Chr.. Rom siegte mit Hilfe der Samniten. Die Folge war eine Neugestaltung seines Verhältnisses zu den Latinern.
Die latinischen Städte wurden in drei Kategorien mit unterschiedlichem Grad an Autonomie unterteilt und in Einzelverträgen an Rom gebunden. Im Zuge der Neuordnung griff die Stadt auch nach Kampanien aus, da die Latiner von dort unterstützt worden waren. Auf diese Weise kam sie mit der Welt der italienischen Griechenstädte in Berührung, geriet aber zugleich in Konfrontation mit den Samniten, die dieses Gebiet als ihre politische Einflußsphäre betrachteten.
Über 50 Jahre kämpfte Rom in mehreren, erbittert geführten Kriegen mit den Samniten um die Vorherrschaft in Mittelitalien. Während dieser Kämpfe hatten sich die Samniten zeitweise mit den Lukanern im Süden sowie mit den Etruskern und Kelten im Norden verbündet. Rom aber behielt die Oberhand, der samnitische Bund mußte Heeresfolge leisten. Ende des 3. Jahrhunderts beherrschte die Stadt mit ihren Bundesgenossen fast die Hälfte Italiens und besaß somit, da die noch freien Italiker untereinander uneins waren, praktisch damals schon die Alleinherrschaft auf der Apennin-Halbinsel.
Artemis-Tempel durch Brandstiftung zerstört
Aber noch war der Fokus der Geschichte auf den Osten gerichtet. Herostratos, ein Hellene unbekannter Herkunft, zerstörte den Artemis-Tempel im kleinasiatischen Ephesos durch Brandstiftung – angeblich in jener Nacht, in der Alexander der Große geboren wurde. Der Brandstifter bekannte sich zu seiner frevelhaften Tat und gab als Motiv an, aus Ruhmsucht gehandelt zu haben. Er wollte, so seine Aussage unter Folter, mit dieser einmaligen Tat Aufmerksamkeit erregen und weltberühmt werden. Aus diesem Grund beschlossen die von der Tat betroffenen Bewohner von Ephesus, seinen Namen nie mehr zu nennen. Weiterhin wurde der Wiederaufbau des Tempels beschlossen.
Der im 6. Jahrhundert v. Chr. erbaute Artemis-Tempel in Ephesos gilt als eines der sieben Weltwunder. Das Artemision beherbergte eine Statue der Artemis, der griechischen Göttin der Jagd. Sie ist eine Tochter von Zeus und Leto und galt den Hellenen als Symbol der Fruchtbarkeit. Der Tempel, etwa 55 Meter breit und 115 Meter lang, wurde von 127 Säulen getragen. Die 18 Meter hohen in ionischer Bauweise gefertigten Säulen waren größtenteils eine Stiftung des märchenhaft reichen Lydierkönigs Kroisos.
Als Baumeister dieses Weltwunders sind die Kreter Cheriphron und Metagenes sowie der Samier Theodoros überliefert. An dem Bau des Tempels, der an der Stelle älterer Kultstellen errichtet wurde, waren Handwerker aus ganz Kleinasien beteiligt.
Alexander der Große
Er wurde angeblich in der Nacht geboren, in der eines der sieben Weltwunder den Flammen zum Opfer fiel: Alexander, Sohn des Makedonen-Königs Philipp II.
Alexanderzug und Alexanderreich bleiben stets faszinierende Kapitel der Weltgeschichte: Kein Weltreich wurde so schnell erobert und zerfiel so rasch wieder. Mit seinem Siegeslauf stieß der hellenisierte Makedone Alexander dem Griechentum das Tor auf zu einem spektakulären Vorstoß nach Osten.
Im November 333 v. Chr. besiegte Alexander in der ersten Entscheidungsschlacht seines Feldzugs das Perserheer unter Dareios III. bei Issos. Der Großkönig floh und ließ nicht nur reiche Beute, sondern auch Mutter und Gattin zurück. Das makedonische Heer errang den Sieg trotz zahlenmäßiger Überlegenheit des Gegners: Die Perser – von ihrem König frühzeitig im Stich gelassen – waren der makedonischen Taktik nicht gewachsen. Alexander hatte die griechische Phalanx weiter entwickelt, in der die schwer bewaffneten Hopliten weiterhin die stärkste Waffe im Fußkampf bildeten. Neu war die „schiefe Schlachtordnung“ – ein verstärkter Flügel durchbricht die feindlichen Reihen und fällt in den Rücken des Hauptheeres in der Mitte. Dieser speziell makedonischen Variante des Angriffs verdankte Alexander viele seiner Siege.
Die Priester des Ammon-Heiligtums in Ägypten huldigten Alexander als Sohn des Zeus. Dies bestärkte den jugendlichen Feldherren in dem Sendungsbewusstsein, ein neues Weltreich zu schaffen. Nach der Zerschlagung des Perserheeres und der Ermordung von Dareios III. durch einen Verräter erhob Alexander als Rechtsnachfolger der Achämeniden Anspruch auf den Perserthron. Nach seiner Rückkehr aus Indien ordnete er ein Jahr vor seinem Tod sein Weltreich. Perser und Makedonier wurden gleichberechtigt.
Die Vermählung Alexanders mit der sogdianischen Prinzessin Roxane 327 v. Christus im hohen Norden des Perserreichs sollte die Versöhnung zwischen Griechen und Orientalen einleiten. Die gleichzeitige Einführung des persischen Hofzeremoniells mit dem obligatorischen Kniefall führte jedoch zum Widerstand innerhalb des eigenen Gefolges, das Alexander – zum Teil mit eigener Hand – zum Gehorsam zwang.
Dialog. So könnte es gewesen sein.
1. Soldat: „Ich bin des ewigen Marschierens müde, mein Körper ist mit Narben übersät. Mein Weib in unserer geliebten Heimat Makedonien habe ich seit sieben Jahren nicht gesehen. Wohl aber alle Huren zwischen dem Nil und dem Indus.“
2. Soldat: „So sei doch still, Du Kleinmütiger. Siehst Du denn nicht, wie unser strahlender König Alexander die Völker Asiens unterwirft, sie unter seinem Stiefel zertritt wie lästige Ameisen und ein Reich gründet, wie es mächtiger noch nie gegeben hat.“
1. Soldat: „Gewiss sehe ich das. Doch was habe ich davon? Ich will es Dir verraten: Rein gar nichts. Die erbeuteten Schätze teilen unsere Generäle unter sich, den Schlachtenruhm auch. Wir können uns schon glücklich schätzen, wenn wir einmal in der Woche ein Stück Fleisch im Magen haben. Und jetzt lässt sich Alexander sogar von einer persischen Leibwache beschützen. Als ob wir nicht mehr gut genug wären. Alexander benimmt sich wie einer von ihnen und wir, seine getreuen Kameraden aus der geliebten Heimat Makedonien, die wir ihn schon von Kindesbeinen an kennen, sollen uns vor ihm verneigen wie vor einem Gott.“
2. Soldat: „Nun ja. Seit dem Ägypten-Feldzug hält er sich für einen Sohn des Zeus. Schon möglich, ranken sich doch zahlreiche Gerüchte um seine Mutter Olympia und die Umstände seiner Zeugung.“
1. Soldat: „Und dann hat er auf dem Zug nach Indien diese merkwürdige Roxane mit ihren seltsamen Sitten zur Frau genommen. Tochter eines barbarischen Bergfürsten. Als ob die Prinzessinnen in unserem geliebten Makedonien nicht gut genug für ihn wären.“
2. Soldat: „Das waren politische, dynastische Gründe, davon verstehst Du nichts.“
1. Soldat: „Mag schon sein. Aber vom Kriegshandwerk, da verstehe ich eine Menge. Hier und heute sage ich Dir: Ich bin des Kämpfens müde, meine Knochen schmerzen, meine Augen erkennen den Feind schon nicht mehr im Morgenlicht. Soll unser König doch mit seiner persischen Leibwache gegen diese Inder mit ihren furchterregenden Elefanten ziehen, die uns zertreten, als wären wir Insekten. Sieben Jahre Kämpfe und Entbehrungen. Literweise Blut und Schweiß haben wir für unseren Herrscher vergossen. Mag mich Alexander auch mit seinem Schwert durchbohren, es ist mir gleich. Keinen Schritt weiter will ich in dieses unheimliche Land vordringen. Ich marschiere, was immer auch geschehen mag, der untergehenden Sonne entgegen, durch die Wüste, nach Westen, endlich nach Hause.“
2. Soldat: „Du stehst mit Deiner Ansicht nicht allein, Kamarad. Auch unsere Generäle greifen immer zögerlicher zu den Schwertern. Vor einer Woche bereits gab Alexander den Befehl zum Weitermarsch. Doch noch immer lagern wir hier am Fluss Indus und im Zelt des Königs wird ohne Unterlass beraten. Es scheint, als ob Du schon bald wieder Deinem Weibe beiliegen könntest.“
1. Soldat: „Beim Zeus, so soll es sein. Selbst Bukephalos, Alexanders Lieblingspferd, starb vor Tagen an Erschöpfung. Unser König hat um das Tier getrauert wie um einen Menschen. Zwei Tage hat er weder Speis noch Trank angerührt. Möge Bukephalos Tod Alexander darin bestärkt haben, dass es an der Zeit ist, umzukehren.“
Alexanders Generäle und eine aufkommende Meuterei unter den Truppen zwangen den jungen König am Indus schweren Herzens zum Rückzug.
Bei der Massenhochzeit von Susa, ein Jahr später, verheiratete Alexander 10.000 makedonische Edelleute mit adligen Perserinnen und nahm Barsine, die Tochter des letzten Perserkönigs Dareios III., zur Frau. Ziel Alexanders war die Integration von Makedonen und Persern und die Bildung einer neuen Führungsschicht aus diesen beiden Völkern. Unmittelbare Folge dieser Entwicklung war die Meuterei makedonischer Veteranen in Opis. Erst als Alexander versprach, das makedonische Königtum zu erhalten und die Vorrangstellung der Makedonen vor den Persern zu sichern, war der Frieden zwischen dem König und seinen Landsleuten wieder hergestellt.
Ein Jahr später stirbt der 33jährige Alexander in Babylon, vermutlich an einer Infektion, ohne seine Nachfolge geregelt zu haben. Sein riesiges Reich zerfällt in den Machtkämpfen seiner Nachfolger, den so genannten „Diadochen“.
So wie sich Alexander in seiner Gottwerdung über gewöhnliche Sterbliche erhob, so erhob sich die griechische Kultur, nach militärischer Unterwerfung des alten Vorderen Orients, über alle damals bekannten Hochkulturen. Mit ihrer weiteren Ausstrahlung, vor allem als Hellenismus über Rom, legte sie die Grundlagen unserer heutigen Kultur.
Alexander eröffnete der griechischen Wirtschaft ein riesiges Betätigungsfeld und gab dem sich anbahnenden interkontinentalen Fernhandel Auftrieb: Massenauswanderung aus dem übervölkerten Griechenland, Neugründung zahlreicher Städte im Osten sowie die Herstellung von Gold- und Silbermünzen aus dem persischen Kronschatz. Die Alexandermünzen wurden eine erste internationale Währung für den Warenaustausch zwischen Europa und dem Orient.
In der Geschichte der Menschheit gibt es keinen zweiten Alexander. Kein Herrscher vor oder nach ihm hat in so wenigen Jahren so viel erreicht.
Koloss von Rhodos – Denkmal für den Sieg
Nachdem die Rhodier mit Hilfe des ägyptischen Königs Ptolemaios I. Soter 304 v. Chr. erfolgreich einen Angriff des makedonischen Königs Demetrios I. auf ihre Insel abgewehrt haben, wird 290 als Siegesdenkmal am Hafeneingang von Rhodos eine Bronzestatue des Gottes Helios aufgestellt. Das monumentale Werk geht als „Koloss von Rhodos“ und eines der „Sieben Weltwunder“ in die Geschichte ein.
Die Statue des Gottes Helios ist ein Werk des rhodischen Künstlers Chares. Nicht ohne Stolz signiert er das 35 Meter hohe Standbild: „Wie den Koloss Du siehst, in 80 Ellen Höhe, erschuf in Chares einst, der geborene Lindier.“ Der Koloss von Rhodos kann nur in Teilen gegossen werden. Die Überlieferung besagt, dass die einzelnen Stücke über gewaltige Erdaufschüttungen hochgeschafft und erst dort montiert wurden. Das Antlitz und die siebenstrahlige Krone des Gottes sind vergoldet.
China: Machtkämpfe in den Teilstaaten
Im Fernen Osten, genauer in China, haben sich mittlerweile nach vielen Kämpfen um 300 v. Chr. sieben Teilstaaten herausgebildet, deren Herrscher jeweils den Königstitel „wang“ annehmen. Es sind die Reiche der Han, Chao, Wie, Chi, Yen, Chu und Ch`in.
Nach der Niederschlagung des feudalen Chou-Staates um 771 v. Chr. durch die Erhebung nördlicher Vasallenstaaten zerfiel China in mehrere Lehensstaaten, die faktisch autonom waren. In dauernden Kämpfen verringerte sich ihre Zahl, bis zuletzt noch sieben übrig blieben.
Die anarchistischen Verhältnisse dieser Zeit, die auch die Epoche der „Kämpfenden Staaten“ genannt wird, entsprechen den sich ebenfalls bekämpfenden philosophischen Richtungen. Politisch bedeutsam werden vor allem der Konfuzianismus und die Mohisten. Während Konfuzius lehrte, dass die Menschlichkeit im Menschen entsteht, glaubten die Mohisten, dass Rechenschaft eine dem Menschen durch Zwang auferlegte Tugend darstellt.
Konfuzius setzte sich Zeit seines Lebens für die Wiederherstellung der Reichseinheit ein. Seine Lehre wird im späteren chinesischen Kaiserreich die staatstragende Philosophie.
Das Theater wird zum Massenerlebnis
Obwohl sich die Griechen in blutigen Bruderkriegen schwächten – die Chinesen wurden dagegen durch ständige innere Kämpfe zu einer überregional starken Macht geformt – war diese Zeit fruchtbar für Kunst und Kultur im Land der Hellenen. Das Schauspiel erfreute sich bei der Bevölkerung größter Beliebtheit.
Die griechischen Theater sind Freiluftbühnen und haben die Form eines Amphi-Theaters. Die Zuschauer sitzen auf ansteigenden Stufen, die das kreisrunde Orchester für den Chor und das Bühnenhaus im Halbrund umschließen. Die Schauspieler tragen Masken und Schaftstiefel mit erhöhten Sohlen. Das Bühnenhaus besteht aus einer Vorder-, Mittel- und Oberbühne. Die Griechen verfügen bereits über eine komplizierte Bühnentechnik wie Flug- und Schwebemaschinen.
Der Theaterbesuch stellt ein Massenerlebnis dar, das ein Gemeinschaftsgefühl bei den Zuschauern hervorrufen soll. Das Dyonisos-Theater in Athen bietet Raum für 20.000 Zuschauer, das in Epidauros für 14.000 und das Theater in Delphi zählt über 5000 Plätze.
Der Besuch einer Vorstellung, die acht bis neun Stunden dauert, da stets mehrere Tragödien und ein abschließendes Satyrspiel gezeigt werden, ist kostenlos. Die Leitung der Theater liegt in den Händen der reichen Bürger, sie bestimmen die Auswahl der aufgeführten Stücke und vergeben die Preise an die Autoren. Die Tragödiendichter sind Staatsstipendiaten. Aufgeführt und honoriert werden demzufolge nur solche Stücke, die den Interessen und Auffassungen der herrschenden Schicht nahe kommen. Das Theater entwickelt sich dadurch zum Propaganda-Instrument. Den Tragödien kommt eine politische Funktion zu. Der Dichter Phrynichos zum Beispiel wurde bestraft, weil seine Darstellung der Einnahme von Milet der offiziellen Auffassung widersprach.
China vereint
Im Jahre 221 v. Chr. wurde China, das Reich der Mitte, erstmals in seiner Geschichte vereint. Fürst „Cheng“, der den Kleinstaat Ch`in regierte, hatte alles konkurrierenden Staaten erobert und sich zum „Shih Huang-ti“, dem Erhabenen und Göttlichen Kaiser des Anfangs, ausrufen lassen. Der Reichseinheit voraus ging eine Zeit, die nur in Legenden fassbar ist. Sowie die ständigen Kriege der zum Teil politisch klugen, überwiegend jedoch grausamen Tyrannen verschiedener Herrscherhäuser.
Doch die Zeit der Zerrissenheit und Kriege war gleichzeitig eine Blüte der chinesischen Klassik. Besonders von den Philosophen Laotse und Konfuzius wurde das Fundament einer enormen kulturellen Entwicklung geschaffen. Gleichzeitig entstand während der Kriege die traditionelle soziale Gliederung der chinesischen Gesellschaft und nicht zuletzt die Schriftsprache, die bis heute erhalten ist.
Ein Kaiser für ganz China
Heute erzählt die berühmte Peking-Oper in farbenprächtigen Kostümen von Liebe und Verrat, Kaisern und Feldherren. Stoff ist in der chinesischen Geschichte genügend vorhanden. 250 Jahre kämpften im „Reich der Mitte“ sieben Feudalstaaten um die Vorherrschaft im Lande. Am Ende unterwarf der im Nordwesten gelegene Staat Chin das gesamte Chou-Reich. Mit dem Chin-Kaiser Shih Huang Ti trat 221 v. Chr. erstmals ein Kaiser an die Spitze des Reiches und schuf einen zentralen Staat. Der erste Kaiser von China verwirklichte mit brutaler Gewalt die Idee der Reichseinheit. Er errichtete eine zentrale Regierung, die selbst für öffentliche Arbeiten, Warenmonopole unddas Münzwesen verantwortlich war.
Um Konkurrenten stets unter Kontrolle zu haben, wurden die Adligen gezwungen, in der Hauptstadt, fern von ihrem Besitz, zu wohnen. Ähnlich verfuhr Ludwig XIV., der „Sonnenkönig“, fast 2000 Jahre später mit dem französischen Adel.
Weil er selbst als Begründer Chinas gelten wollte, ließ Shih Huang Ti sämtliche Bücher der Geschichtsschreiber, besonders die des Konfuzius, verbrennen. Shih Huang Ti befahl noch zu Lebzeiten den Bau eines riesigen Mausoleums mit einer nach Tausenden zählenden Armee von Terrakotta-Soldaten zu seinem Schutz zu errichten. Dieser unterirdische Schatz wurde erst Ende des 20. Jahrhunderts durch einen Bauern zufällig entdeckt.
Die Härte seiner Regierung führte nach dem Tod Shih Huang Tis – 210 v. Chr. – zu Massenerhebungen. Das Volk revoltierte gegen eine Dynastie, deren Brutalität sprichwörtlich geworden war.
Indien 200 Jahre vor Christus: Das Maurya-Reich
Der Aufstieg des Maurya-Reiches bedeutet für Indien, dem zweiten Riesenreich Asiens, einen tiefgreifender Wandel. Mit der Gründung dieses Staates, die parallel zu dem Eroberungszug Alexander des Großen und in Teilen auch als Folge davon stattfindet, bildet sich in Indien erstmals ein zentralistisch regiertes Großreich heraus. Tschandragupta Maurya gründete nach persischem Vorbild ein Reich mit Zügen einer orientalischen Despotie und eines „Wohlfahrtsstaates: Mit einem riesigen Polizeiapparat und mit Hilfsmaßnahmen für Bedürftige. Das Wirtschaftssystem war bürokratisch, zentralistisch und dirigistisch. Die Loyalität gegenüber dem Staat beruhte auf der Furcht vor Strafen.
Ashoka – 270 bis 232 v. Chr. – der bedeutendste Herrscher dieser Dynastie – wollte eine Staatsethik schaffen und forderte die Menschen in seinen Inschriften zu Toleranz, Milde, Freigiebigkeit, Sanftmut, Gehorsam und Achtung auf. Er verbot die Tieropfer und stiftete buddhistische Klöster sowie einen Tempel für den Bodhi-Baum, unter dem Buddha erleuchtet wurde. Unter dem Vorsitz seines Bruders Tissa fand das dritte buddhistische Konzil statt. Sein Reich erstreckte sich vom Himalaya bis Mysore, vom Hindukusch bis Assam. Die Förderung des Handels kam vor allem der Kaufmannsschicht zugute, was allerdings zu Spannungen mit den Brahmanen führte.
Dieser Staat zerfiel bald nach dem Tode Ashokas in mehrere Kleinstaaten. Die Dynastie spaltete sich in verschiedene Zweige. Die in Magadha regierende Hauptlinie erlosch um 180 v. Chr. Buddhistische Überlieferungen berichten von der Zerstörung von Klöstern unter der nachfolgenden Shunga-Dynastie.
In Südindien, einer Gegend, in der es noch zahlreiche rückständige Dörfer gab, entwickelten sich Stammesgruppen zu Königreichen regionaler Dynastien, deren mächtigste, die Shatavahanas, im 1. Jahrhundert v. Chr. das Reich Andhra gründete, das seinen Wohlstand dem Seehandel mit den Römern verdankte. Die Herren der westlichen Welt kauften bevorzugt Gewürze, Textilien, Halbedelsteine, Elfenbein sowie Pfauen und zahlten mit Goldmünzen.
Die Kultur der Bevölkerung Südindiens war buddhistisch und brahmanisch geprägt. Nach dem Niedergang des Handels mit Rom fanden indische Händler einen Ausgleich in der Erschließung Birmas, Kambodschas, Malaysias, Javas, Sumatras und Balis.
Im Norden Indiens lösten Fremdherrscher einander ab: Griechische Generäle aus dem Seleukiden-Reich machten sich selbstständig und eroberten nach dem Zusammenbruch des Maurya-Reiches Taxila, die Küstenregion bis Gujarat und Teile Zentralindiens und der Ganges-Ebene. Es entstand ein „graeco-indisches“ Reich mit einer indisch-hellenistischen Mischkultur, deren Kunst von den Skythen und den Yüeh-chi übernommen wurde.
China: Ein Rebell gründet die Han-Dynastie
Nachdem der erste Kaiser von China, Shih Huang Ti, gestorben war, ergriff zunächst ein ehrgeiziger Eunuch namens Zaho Gao die Herrschaft. Obwohl er die legitimen Nachfolger ausschaltete – zwölf Brüder des verstorbenen Kaisers wurden hingerichtet – konnte er seine Macht nicht lange aufrecht erhalten. Überall im Reich gärte es und es kam zu blutigen Aufständen.
Die Rebellen wurden vor allem von der Landbevölkerung unterstützt, die sich gegen zu hohe Besteuerung auflehnte. In dieser Situation stellte sich ein gewisser Liu Pang an die Spitze der Aufrührer. Unter seinem Befehl griffen sie den Kaiser-Palast an und ermordeten den Eunuchen, der sich zum Herrscher aufgeschwungen hatte.
Liu Pang stammte von ostchinesischen Bauern ab und begann seine Laufbahn zunächst als unbedeutender Beamter, wurde dann Bandit und schloss sich schließlich einer aufrührerischen Armee an.
Der neue Herrscher verlegte die Hauptstadt des Reiches nach Chang`an am Gelben Fluss, baute die Große Mauer aus und begründete die Dynastie der Han, die 400 Jahre herrschen sollte. Unter Liu Pang festigte sich die Regierungsgewalt. Die Han befreiten die Bauern von der übermäßigen Steuerlast und gaben ihnen mehr Freiheit. Vasallenkönige durften weiter regieren, wenn auch unter strenger Überwachung durch Regierungsbeamte.
Die starke Zentralgewalt wurde jedoch nur durch den ehemaligen Rebellenführer Liu Pang aufrechterhalten. Als der Kaiser 195 v. Chr. bei einem Kampf tödlich verwundet wird, tritt sein schwacher Sohn die Nachfolge an.
Karthago und Rom kämpfen um die Vorherrschaft
Während sich im Osten China konsolidierte, kämpften im Westen zwei Reiche um die Vorherrschaft: Rom und Karthago. Zwei mächtige, stolze Völker. Den antiken Führern war schon nach den ersten Zusammenstössen klar: Es würde einen Kampf auf Leben und Tod geben. In drei Kriegen wurde die Entscheidung herbeigeführt.
Der Reichtum Karthagos, das zu seiner Blütezeit um 260 v. Chr. 300.000 bis 400.000 Einwohner zählte, basierte auf intensiver Landwirtschaft und florierendem Fernhandel. Der Machtbereich, den die Stadt seit dem 7. Jahrhundert kontinuierlich ausbaute, umfasste schließlich neben der Nordküste Afrikas die Küstenregionen von Südostspanien, Korsika, Sardinien, die Balearen und den westlichen Teil Siziliens. Mit den Völkern des Hinterlandes schlossen sie Verträge ab. Auf kühnen Entdeckungsfahrten waren die punischen Seefahrer Himilkon und Hanno, dessen Bericht überliefert ist, bereits 450 v.Chr. bis an die nördlichen Westküsten Europas gelangt.
Karthago besaß nach den spärlichen Hinweisen, vor allem von Aristoteles und des Historikers Polybios, eine aristokratisch-timokratische Verfassung mit demokratischen Elementen. An der Spitze des Staates, der wohl zunächst monarchisch regiert worden war, standen seit dem 6. Jahrhundert zwei jährlich von der Volksversammlung gewählte Richter. Die wichtigste Institution mit Entscheidungskompetenzen etwa in der Frage von Krieg und Frieden bildete der aus den Aristokraten zusammengesetzte „Rat der 300“, aus dem sich wiederum ein Rat der 30 Ältesten rekrutierte. Der Staatsgerichtshof mit 104 auf Lebenszeit gewählten Mitgliedern wachte über die Einhaltung der Verfassung.
Den militärischen Oberbefehl übte ein eigens bestimmter Stratege aus. Dieses Amt war auch Nicht-Karthagern zugänglich. Im Kampf um das westliche Mittelmeer errang Karthago nach Herodot seinen ersten großen Erfolg um das Jahr 540. In einer Seeschlacht nahe Alalia auf Korsika besiegte es im Bündnis mit den Etruskern eine ionische Flotte. Auf Sizilien erfolgte 480 jedoch ein Rückschlag, als das karthagische Heer von den Tyrannen Gelon und Theron besiegt wurde. Erst 70 Jahre später wagte Karthago nach dem Niedergang Athens eine erneute Offensive und konnte sich nach zähen Kämpfen im Westteil der Insel behaupten. Das Verhältnis zwischen Rom und Karthago wurde durch drei Verträge geregelt.
Die römische Expansion in Italien erreichte im Jahre 270 v. Chr. mit der Eroberung von Rhegion die sizilianische Meerenge. Der Konflikt mit den Karthagern brach aus, als Rom sich ebenfalls auf der Insel festsetzen wollte.
Anlass zum 1. Punischen Krieg gab die Stadt Messana. Kampanische Söldner hatten nach dem Tode des syrakusanischen Tyrannen Agathokles die Stadt besetzt. Als sie im Kampf gegen Hieron II., seit 269 v. Chr. König in Syrakus, zu unterliegen drohten, wandte sich ein Teil von ihnen an Karthago, ein anderer an Rom um Hilfe. Auf Beschluss der römischen Volksversammlung intervenierte der Konsul Claudius Caudex, der, nachdem seine Verhandlungen mit dem Karthager Hanno gescheitert waren, den Krieg erklärte. In dessen Verlauf feierten die Römer 260 bei Mylae an der Nordküste Siziliens den ersten Seesieg ihrer Geschichte. Dabei wurden erstmals Enterbrücken mit Widerhaken verwendet.
Valentius: „Heil den Göttern. Wir haben das arrogante Karthago endlich gedemütigt, sie mit ihren eigenen Waffen geschlagen. Römische Soldaten sind zu Lande unbezwingbar. Deshalb war die Idee des Claudius Caudex, mit Widerhaken die gegnerischen Schiffe an die unsrigen zu binden und mit Lanzen und Schwertern gegen den Feind vorzugehen, genial. Die Götter müssen ihm diesen Einfall im Schlaf gegeben haben.“
Cornelius: „Auch ich bin überglücklich über diesen Sieg, edler Valentinus, übe mich aber in Bescheidenheit. Wir haben zwar eine Schlacht gewonnen, aber noch lange nicht den Krieg. Karthago ist reich und mächtig, die Nubier haben sich ihnen unterworfen. Auf Sizilien paktieren viele im Geheimen mit ihnen. Und Hanno ist nicht der Mann, der so schnell vor uns zu Kreuze kriechen wird.“
Valentius: „Klug gesprochen, mein Cornelius. Doch ich bete zu den Göttern, dass der Kleinmut von Dir weichen möge. Schließlich haben unsere tapferen Soldaten doch Syrakus erobert, das sich den Karthagern angeschlossen hatte, jetzt aber den Staub unter unseren Sandalen küsst. Leider ist bei diesem Kampf auch der berühmte Gelehrte Archimedes von einem Bauerntölpel getötet worden. Er hätte uns im Kampf gegen die Karthager noch gute Dienste leisten können.“
Cornelius: „In der Tat, das war ein großes Unglück. Sein Genie hätte noch so manche Kriegsmaschine erfinden können. Mit Widerhaken allein werden wir den Karthagern auf Dauer nicht beikommen.“
Valentius: „Und doch bin ich mir sicher, dass wir dieses Kräftemessen für uns entscheiden werden. Hanno wird um Frieden bitten müssen. Ich hatte bereits eine Unterredung mit unserem Helden Claudius Caudex. Wenn es uns gelingt, den Karthagern den Nachschub abzuschneiden, ist ihre Armee auf Sizilien verloren. Das Volk auf dieser Insel ist des Krieges müde, ihre Vorratskammern sind leer. Die ständigen Opfer, das viele Blut, das schon vergossen wurde. Es ist genug: Die Menschen sehnen sich nach dem Frieden. Und den können wir eher garantieren als diese Götzen-Anbeter aus Afrika.“
Cornelius: „Mögen die Götter Deine Wünsche Wirklichkeit werden lassen, mein lieber Valentinus. Rom braucht Sizilien um zu wachsen. Sizilien braucht Rom um zu überleben. Wenn es zur Entscheidungsschlacht kommt und Claudius Caudex nach mir rufen sollte, werde auch ich, wenn auch mit gichtigen Händen, nach dem Schwert greifen.“
Valentius: „Ich stehe an Deiner Seite, mein treuer Cornelius. Auch wenn mich bereits das Alter beugt wie einen Stamm nach dem Sturm. Gemeinsam werden wir für die Größe Roms kämpfen und, wenn nötig, für eine gute Sache sterben.“
Archimedes von den Römern erschlagen
Bei der Einnahme der sizilianischen Stadt Syrakus durch die Römer, wurde der Mathematiker und Physiker Archimedes von einem römischen Soldaten erschlagen. Die Stadt Syrakus, die seit 213 auf Seiten Karthagos in den Krieg mit Rom eingriff, hatte monatelang die Angriffe der römischen Armee vor allem mit Hilfe der von Archimedes konstruierten Kriegsmaschinen abgewehrt.
Der 73 Jahre alt gewordene Mathematiker studierte in Alexandria mathematische Wissenschaften. Zu seinen bedeutendsten Leistungen gehören die Erfindung der Schraube und des Flaschenzugs, zu seinen wichtigsten Erkenntnissen das nach ihm benannte „Archimedische Prinzip“ des Auftriebs: Der Auftrieb eines Körpers im Wasser entspricht dem Gewicht der von ihm verdrängten Flüssigkeitsmenge.
Auf der Grundlage der Erkenntnisse über die Hebelwirkung formulierte er, dass es nach den Grundsätzen der Mechanik nur eines festen Punktes außerhalb der Erde bedürfe, um die Welt aus den Angeln zu heben.
Karthago unterliegt
Vier Jahre nach der Einnahme von Syrakus scheiterte ein Landeunternehmen der Römer in Afrika. Der Konsul Atilius wurde nach der Niederlage gegen das von dem Spartaner Xanthippos geführte punische Heer gefangen genommen. 255 v. Chr. zogen die Römer wieder aus Afrika ab. Nach allgemeiner Erschöpfung beschränkte sich der Krieg schließlich auf einen Stellungskampf in Sizilien.
Hamilkar Barkas, seit 247 v. Chr. Oberkommandierender, vermochte anfangs noch die Stützpunkte „Lilybaion“ und „Drepanon“ für Karthago zu halten. Als aber im Frühjahr 241 eine punische Entsatzflotte bei den Ägatischen Inseln durch den Konsul Lutatius versenkt wurde, lenkte Karthago ein. In zehn Jahresraten musste es 3200 Talente Silber zahlen und die Liparischen Inseln, vor allem aber Sizilien, räumen.
Wenig später nutzte Rom einen Aufstand der karthagischen Söldner, um auch noch Sardinien zu annektieren.
Um die Verluste zu kompensieren, begann Karthago ab 237 seine Macht in Spanien auszubauen. Den dortigen Oberbefehl hatten zunächst Hamilkar Barkas, dann sein Schwiegersohn Hasdrubal und schließlich dessen Sohn Hannibal inne. Mit Rom schloss Hasdrubal 226 einen Vertrag, welcher den nordspanischen „Ebro“ als Grenze beider Interessensphären festlegte.
Hannibal, der Schrecken Roms
Trotz der Niederlage Karthagos war der Kampf um die Vorherrschaft im Mittelmeer noch nicht endgültig entschieden. Auch dieser Vertrag zwischen Hasdrubal und den Römern änderte nichts daran. Den Politikern in beiden Städten war klar, dass es früher oder später wieder zu einer militärischen Auseinandersetzung kommen musste. Entsprechend rüsteten die Kontrahenten auf.
Die überragende Persönlichkeit des zweiten Punischen Krieges war zweifellos Hannibal. In Spanien übernahm er 221 nach dem Tode Hasdrubals, vom Heer gewählt und von der Mutterstadt bestätigt, das Strategen-Amt. Nach erfolgreichen Kämpfen mit verschiedenen iberischen Völkern eroberte er im Herbst 219 die südlich des Ebros gelegene Hafenstadt Sagunt. Der weitere Vormarsch Hannibals über die Ebrogrenze hinaus führte 218 zur Kriegserklärung Roms.
Um einer Landung römischer Truppen in Spanien und Afrika zuvor zu kommen, suchte Hannibal die Auseinandersetzung auf italischem Boden und ging in die Offensive. Mit anfangs 50.000 Fußsoldaten, 10.000 Reitern und 37 Elefanten überschritt er die Pyrenäen, die Rhône sowie die Alpen und erreichte im Oktober die Poebene. Siege am Ticinus und an der Trebia sowie nach Überqueren des Apennin am Trasimenischen See folgten.
Der 217 zum Diktator gewählte Fabius Maximus verlegte sich zunächst auf eine Defensivstrategie. Erst 216 wagte Rom die Schlacht und erlitt die schwerste Niederlage seiner Geschichte. Annährend 60.000 Mann fielen bei Cannae. Hannibal verzichtete jedoch unverständlicherweise auf den Marsch gegen das jetzt schutzlose Rom, weitete den Krieg jedoch 215 durch Verträge mit Philipp von Makedonien und Syrakus aus. Erfolge wie der Anschluss verschiedener süditalienischer Städte waren nur kurzfristig. 212 eroberte Marcellus Syrakus, 211 scheiterte Hannibals Marsch gegen Rom, mit dem er das belagerte Capua entlasten wollte.
In Spanien fiel 209 Neukarthago, das spätere Cartagena, in die Hände seines Gegners Scipios. 207 wurde Hasdrubal, Hannibals Bruder, der mit einem Entsatzheer ebenfalls die Alpen überquert hatte, am Fluss Metaurus geschlagen. Die Gegenoffensive eröffnete Scipio 204 mit seiner Landung in Afrika. Nach einer Niederlage Karthagos auf den „Großen Feldern“ wurde Hannibal, der sich nur noch im südlichen Bruttium halten konnte, 203 nach Karthago zurück gerufen. Im Jahr darauf unterlag er Scipio bei Zama.
Als Richter in seiner Heimatstadt versuchte Hannibal, gestützt auf das Volk, im Jahre 196 innere Reformen auf finanziellem und administrativem Gebiet durchzusetzen. Er stieß dabei auf den Widerstand der Aristokratie Karthagos, die wegen ihrer faktischen Entmachtung in Opposition zu Hannibal stand. Sie wandte sich an Rom um Hilfe und Hannibal musste fliehen. Die Hoffnung des Feldherrn, mit Hilfe des Seleukidenherrschers Antiochos III. den Krieg gegen Rom zu erneuern, erfüllten sich jedoch nicht. Nachdem der König 190 von Rom besiegt worden war, ging der Karthager nach einem kurzen Aufenthalt in Kreta an den Hof des Königs Prusias von Bithynien. 183 wählte er den Freitod, um der Auslieferung nach Rom zu entgehen.
Scipio, der Vernichter Karthagos
Der große Gegenspieler Hannibals war Publius Cornelius Scipio. 218 v. Chr. betrat er die Bühne der Geschichte, als er, gerade 17-jährig, an der Schlacht am Ticinus teilnahm. Nachdem sein Vater und sein Onkel bei Kämpfen in Spanien gefallen waren, wurde er 210 vom Senat dorthin entsandt. Bereits 209 eroberte er Neukarthago, drei Jahre später mussten die Karthager Spanien gänzlich räumen. 205 zum Konsul gewählt, plante er, den Krieg gegen Hannibal durch eine neue Strategie zu beenden. Gegen den Widerstand vor allem des Fabius Maximus suchte er die Entscheidung in Afrika und hatte Erfolg. Sein Sieg bei Zama beendete 202 den 2. Punischen Krieg.
Scipio wurde im Folgejahr mit dem Beinamen „Africanus“ ausgezeichnet. Am Krieg gegen Antiochos III., der mit dem Frieden von Apameia endete, nahm er 190 nur noch als Legat teil. Den Oberbefehl führte sein Bruder. Scipios frühe Erfolge, sein rascher Aufstieg und seine Machtansprüche führten zum Konflikt mit dem republikanischen Senat, der von seinen Magistraten erwartete, dass sie nach Abschluss ihrer Amtszeit auf ihren früheren Platz in der Gemeinschaft zurück traten.
In zwei Prozessen wurde Scipio zusammen mit seinem Bruder der Bestechung durch Antiochos bezichtigt. Der Held von Afrika zog sich schließlich resigniert auf sein Landgut in Kampanien zurück, wo er 183 starb.
Die Folgen des zweiten Punischen Krieges
Der zweite Punische Krieg hatte die Römische Republik bis an die Grenzen der Belastbarkeit geführt. Obwohl das Ende des Krieges Rom die Herrschaft über das westliche Mittelmeer sicherte, waren die innenpolitischen Schwierigkeiten als Folge der Auseinandersetzungen eine schwere Last für den Staat.
Die schlimmste innenpolitische Folge war eine Veränderung der Agrarstruktur Italiens. Bedingt durch das römische Rekrutierungssystem, das nur grundbesitzende Bürger zum Wehrdienst einzog, hatten die großen Menschenverluste im Verlaufe des 2. Punischen Krieges die Zahl der kleinen und mittleren Bauernhöfe stark verringert. Ein großer Teil des italienischen Landes lag brach. Nur die römische Oberschicht war aufgrund der immensen Beutegelder in der Lage, dieses Land zu erwerben und mit billig gekauften Sklaven – infolge des Krieges herrschte im römischen Reich ein Überangebot – zu bewirtschaften.
Die politische Führung im Rom kam so zu der Einsicht, dass die alte Bauernmiliz nur für kurzzeitige Kriege in Italien aber nicht für weit entfernte Kriegsschauplätze und länger dauernde Feldzüge geeignet ist. Dennoch war man in Rom nicht bereit, die Rekrutierungsgrundlage zu ändern und auch besitzlose Bürger zum Kriegsdienst zuzulassen. Stattdessen begnügten sich die römischen Senatoren damit, durch kurzfristige Maßnahmen diesem Missstand entgegen zu wirken.
Die überlebenden Soldaten des 2. Punischen Krieges wurden entsprechend ihrer Dienstdauer mit Landzuweisungen abgefunden, um so zu verhindern, dass die aus dem Krieg heimkehrenden Bauernsoldaten nach Rom abwanderten, weil ihre Höfe während ihrer langen Abwesenheit ruiniert oder von benachbarten Großgrundbesitzern aufgekauft worden waren.
So verhinderte die römische Regierung einerseits eine totale Übervölkerung der Hauptstadt Rom mit arbeitslosen Massen, deren Ernährung nur der Staat sicherstellen konnte. Andererseits blieben diese Soldaten weiterhin durch das angewiesene Staatsland aushebungsfähig.
Eigentlicher Nutznießer des Krieges war aber die römische Oberschicht, der Senatoren- und der Ritterstand. Zudem waren sich auch an der reichen Kriegsbeute beteiligt.
200 Jahre vor Christus: 3. Punischer Krieg
Nach dem 2. Punischen Krieg – 218 – 201 v. Chr. – der Karthago die überseeischen Besitzungen, Kriegsschiffe und 10.000 Talente Tribut kostete, verlagerte die Stadt ihren Handel in das östliche Mittelmeer. Der rasche wirtschaftliche Aufstieg der Stadt nährte in Rom allerdings eine neuerliche Furcht vor Karthago. Der Senator Porcius Cato vergaß am Ende einer jeden Rede nie sein „Ceterum censeo Carthaginem esse delendam“ – „Im Übrigen bin ich dafür, dass Karthago zerstört wird.“
Ein Verteidigungskrieg Karthagos gegen den Numiderkönig Massinissa, zu dem die Stadt nach dem Vertrag von 201 Roms Erlaubnis hätte einholen müssen, bot den willkommenen Anlass zum Losschlagen. 149 erklärten die Konsuln Karthago den Krieg. Obwohl durch ein Betrugsmanöver entwaffnet, verteidigte sich die Stadt drei lange Jahre. 146 v. Chr. wurde sie von Cornelius Scipio Aemilianus schließlich erobert und dem Erdboden gleichgemacht. Die 50.000 Überlebenden wurden als Sklaven verkauft.
Frühe amerikanische Hochkulturen
Während Rom den Rivalen Karthago endgültig ausschaltete, dringen die Hopewell-Indianer aus den Wäldern im Gebiet des heutigen Illinois in das Ohio-Tal ein und werden dort sesshaft. Sie leben vom Handel, sind begabte Handwerker und führen ein verschwenderisches Leben, was die wertvollen Grabbeigaben zeigen. Die Hopewell-Indianer entwickeln neue Keramiktechniken und zeichnen sich durch eine besondere Art des Totenkults aus. So bestatten sie die Leichen in so genannten Zeremonienbauten.
In Peru, an der Ostküste des südamerikanischen Kontinents, erreicht zur gleichen Zeit die Paracas-Kultur ihre Blüte. Bedeutend ist die Textilkunst und ihre Verarbeitung. Als Material findet Baumwolle, Alpaka- und Vikunjawolle Verwendung. Es gibt allein über 200 verschiedene, aus pflanzlichen, tierischen oder mineralischen Stoffen gewonnene Farben, mit denen die Wolle gefärbt wird.
Zapotekische Kultur in Mittelamerika
Weiter im Norden, im heutigen Mexiko, lebten die Zapoteken. Sie zählen zu den Trägern früher Hochkulturen auf dem amerikanischen Kontinent. Der Zeitraum ihrer kulturellen Bedeutung erstreckt sich von 200 v. Chr. bis 1550 n. Chr..
Das heilige Zentrum der Zapoteken bildete der „MonteAlbán“ bei Oaxaca. Die frühen Zentren der mexikanischen Völker dienten als Kultmittelpunkte. Sie bestanden vornehmlich aus Heiligtümern und nicht aus Wohnsiedlungen. Maßgeblichen Einfluss auf das politische Geschehen und die Lebensweise übte die Priesterschaft aus. Die Hauptgötter der Zapoteken waren der Regengott und der Maisgott Pitao.
Mais bildete die wichtigste Grundlage der Ernährung. Die Zapoteken begleiteten dessen Aussaat und Ernte mit kultischen Zeremonien. Eine große Bedeutung kam auch dem Totenkult zu. Die zahlreichen ausgemalten Grabkammern legen heute noch ein beredtes Zeugnis von dieser Tradition ab.
Die Zapoteken benutzten als Schrift auf Stein gemeißelte Hieroglyphen, die zu den ältesten Schriftzeichen in Amerika zählen. Bedeutende künstlerische Leistungen finden sich auch auf dem Gebiet der Töpferei.
Jerusalem: Juden erheben sich gegen die Besatzungsmacht
Nicht nur bei den Völkern Südamerikas, sondern auch in Europa und im Nahen Osten spielte die Religion eine zentrale Rolle im Leben der Menschen jener Zeit. Als 167 v. Chr. der Seleukidenkönig Antiochos IV. Epiphanes den Befehl gab, die Tempel von Jerusalem und Gerizim dem „Zeus Olympios“ und dem „Zeus Xenios“ zu weihen sowie überall in Juda die religiösen Zeremonien nach griechischem Ritus zu vollziehen, empörte sich das Volk. Darüber hinaus verbot der Herrscher die Religionsausübung nach dem jüdischen Gesetz sowie die überlieferten Bräuche der Beschneidung und Sabbat-Heiligung. Diese rigiden Maßnahmen lösten bei der an sich in Glaubensfragen gespaltenen jüdischen Bevölkerung den Aufstand unter der Führung von Judas Makkabäus aus. Innerhalb der nächsten zwei Jahre gelang es den Makkabäern, die in den Bergen eine Streitmacht aufstellten, die syrische Besatzung in mehreren Schlachten zu besiegen.
Danach bemühten sich die Makkabäer um die Wiederherstellung der jüdischen Gesetzesreligion. Sie reinigten die Tempel und setzten jüdische Riten wieder in Kraft. Der Sieg der Makkabäer, an den der achtarmige Chanukka-Leuchter erinnert, führte zur Entstehung eines unabhängigen, allerdings nach außen hin schwachen Kleinstaates der Juden.
Die Erfindung des Papiers
Die Chinesen waren in Glaubensfragen wesentlich toleranter als die übrigen Völker der Erde. Als der Buddhismus durch Wandermönche nach China gebracht wurde, integrierten sie diese neue Religion einfach, ohne auf ihre angestammte Götterwelt zu verzichten. Sie verschwendeten keine unnötige Energie auf Glaubensfragen und gingen vielleicht gerade deshalb als erfindungsfreudiges Volk in die Geschichte ein.
Einem kaiserlichen Hofbeamten, Ts`ai Lun, gelang um 105 v. Chr. vermutlich die Erfindung der Papierherstellung. Ts`ai Lun gewann das begehrte Produkt durch Zerstampfen von Maulbeerbast, Lumpen und Hanf. Das so zerkleinerte Rohmaterial vermengte er mit Wasser zu einem dünnen Faserbrei, den er in eine aus Holzrahmen und eingelegtem Bambusgeflecht bestehende Form schöpfte. Die geniale Erfindung dieses verhältnismäßig haltbaren Materials wurde von den Chinesen streng geheim gehalten und gelangte erst rund 1000 Jahre später über den Orient und Nordafrika und von dort in den europäischen Kulturkreis. Bevor das Papier erfunden wurde, schrieben dort die Menschen auf Stein, weichem Ton, Papyrus und Holz.
Kimbern und Teutonen besiegen Römer
Von Entdeckungen dieser Art waren die wilden Germanenstämme nördlich der Alpen weit entfernt, als sie Ende des 2. Jahrhunderts v. Chr. das römische Imperium ins Wanken brachten. Die Kimbern und Teutonen wurden vermutlich durch Sturmfluten aus ihrer Heimat Jütland vertrieben und durchzogen nun auf der Suche nach neuem Siedlungsraum West- und Mitteleuropa. Die Stämme vernichteten 113 ein römisches Heer in Kärnten, zwei weitere Armeen verlor die Republik 107 und 105 in Gallien.
Mit der Abwehr der Germanen, deren Angriff auf Italien nun befürchtet wurde, beauftragte der Senat schließlich den Konsul Gaius Marius. Dessen Familie gehörte zum Ritterstand, der gehobenen Mittelschicht der römischen Gesellschaft. Gefördert durch einflussreiche Senatoren, die auf sein außergewöhnliches militärisches Talent aufmerksam geworden waren, konnte Marius eine öffentliche Laufbahn beginnen. 109 nahm er als hoher Offizier am Krieg gegen den numidischen König Jugurtha teil. Als Konsul des Jahres 107 wurde er Oberbefehlshaber und beendete den Krieg gegen den numidischen Herrscher zwei Jahre später.
Zur Verteidigung Italiens begann Marius Anfang des Jahres 104 in Südfrankreich eine neue Armee aufzustellen. Da die Kimbern und Teutonen zunächst mit dem Angriff zögerten, nutzte er die Zeit zu einer grundsätzlichen Reorganisation des römischen Militärs. Diese so genannte „Marianische Heeresreform“ bedeutete die Abkehr vom Prinzip des Milizheeres und die Hinwendung zu einer gleichmäßig bewaffneten und ausgebildeten Berufsarmee. Mit den Schlachten bei Aquae Sextiae und Vercellae, in denen die Kimbern und Teutonen besiegt wurden, bestand diese neue Armee ihre erste Bewährungsprobe.
Marius, der nach diesem Erfolg als Retter Roms gefeiert wurde, hatte seit 104 ohne Unterbrechung das Konsulat bekleidet und stieg für kurze Zeit zur beherrschenden Figur der römischen Innenpolitik auf. Nach einem schweren Konflikt mit dem Senat Ende des Jahres 100 begann seine Stellung jedoch zu wanken. Sein Wirken in den nächsten Jahren trug entscheidend zum Ausbruch des später folgenden Bürgerkrieges bei.
Marius schuf mehrere Präzedenzfälle, die alle in die Richtung der Republik wiesen: Eine Berufsarmee von Soldaten, die in ihrer materiellen Versorgung vom Feldherrn abhing. Der erfolgreiche Militär, der, gestützt auf sein Heer, Politik machen konnte. Damit war eine Grundregel der republikanischen Amtsführung durchbrochen. Zunächst allerdings nur, weil es militärisch notwendig war.
Anschließend eröffnete Marius eine neue Phase der inneren Polarisierung. Jetzt zwischen der aristokratischen Senatspartei und Exponenten aus der Oberschicht, die aus politischem Ehrgeiz die Interessen der Unterschicht für sich einsetzten.
Der sich über zwei Jahre hinziehende so genannte Bundesgenossenkrieg demonstrierte noch einmal die Spannungen aus dem raschen Wachsen des Imperiums und dem Hinterherhinken seiner politischen Verfassung: Die Bundesgenossen fochten im Grunde nicht gegen Rom, sondern nur für ihre gleichberechtigte Integration in das herrschende Reichsvolk als römische Staatsbürger, die sie letzten Endes auch erhielten. Rom und Italien wurden damit rechtlich eine Einheit.
Die Niederwerfung der Keltiberer, der Seeräuber, der Sklaven unter der Führung von Spartacus und die siegreiche Beendigung des 3. Mithridatischen Krieges beförderten den Aufstieg des jungen Feldherren Pompeius, der jedoch im so genannten 1. Triumvirat die Macht mit neuen, kommenden Männern teilen musste: Caesar und Crassus. Der Bund wurde durch die Heirat des Pompeius mit Julia, der einzigen Tochter Cäsars, besiegelt. Die drei Männer gelobten, nichts zu unternehmen, was der andere missbilligen könnte. Nach dem Ausscheiden des Crassus durch seinen Tod in der Niederlage von Carrhae gegen die Parther, verengte sich die Konfrontation auf Pompeius, dem der Senat bereits als 25-jährigen einen Triumphzug genehmigt hatte, und Caesar.
Caesar, der überragende Feldherr und Politiker seiner Zeit, der Gallien bis zur Rheingrenze eroberte, der die Belger, die Helvetier, die Aquitanier, die Usipier, die Tenkterer, die Averner, die Bituriger, Sweben, Carnuten und Eburonen besiegte, galt nicht nur als geniale Führerfigur, sondern auch als gewiefter Taktiker. Als er seine siegreichen Truppen nach Italien führte und den Fluss Rubikon überschritt, löste er damit den Bürgerkrieg gegen die Senatspartei aus. Seinen Entschluss begründete er zynisch mit den Worten: „Der Verzicht auf diesen Übergang wird mir Unglück bringen, der Übergang aber allen Menschen.“ Ein Bürgerkrieg kam unter den herrschenden politischen Umständen – fast die gesamte bekannte Welt gehörte zum Römischen Reich – einem Weltkrieg gleich.
Dennoch scheute sich Caesar nicht, ihn zu beginnen. Hätte er, wie vom Senat am 1. Januar 49 gefordert, seine Truppen entlassen und wäre schutzlos nach Rom zurückgekehrt, so wäre er wegen wiederholter Verfassungsbrüche verurteilt und in die Verbannung geschickt worden. Das hätte mindestens das Ende seiner politischen Karriere bedeutet, vielleicht aber auch seinen Tod.
Die Feindschaft zwischen Caesar und dem Senat stammte aus dem Jahre 59 v. Chr., als der Eroberer Galliens Konsul war. Caesar war nicht bereit, sich geltenden Gesetzen unterzuordnen. Um sich und seinem damaligen Verbündeten Pompeius einen Machtzuwachs zu sichern, setzte er sich über verschiedene römische Gesetze hinweg und baute seine Position immer stärker aus. Teils durch Bündnisse, teils durch Bestechung, durch die er sich hoch verschuldete.
Caesar überschritt also den Rubikon und besiegte im Bürgerkrieg Pompeius und dessen Anhänger. Er errang dadurch die faktische Alleinherrschaft im römischen Weltreich. Der Diktator nutzte sie zu Reformen: Der Aureus als neue Goldmünze stabilisierte die Währung, die Einführung des Julianischen Kalenders in Weiterentwicklung des aus Ägypten übernommenen modifizierten Sonnenkalenders hatte weit reichende Folgen – bis heute. Caesars Stellung als Diktator, erst auf zehn Jahre, zuletzt auf Lebenszeit, lief auf eine verschleierte Form der Monarchie hinaus. Sie provozierte eine altrepublikanische Opposition unter Brutus und Cassius, die in der Ermordung des Diktators kulminierte.
Dialog. So könnte es gewesen sein:
Lukrez: „Edler Justinian, wir müssen etwas unternehmen. Die ehrwürdige römische Republik, der Staat unserer Väter, ist in Gefahr.“
Justinian: „Mein lieber Lukrez, dämpfe Deine Stimme. Die Spitzel Cäsars sind überall. Im Übrigen sagst du mir nichts Neues. Seit Cäsar, dieser aufgeblasene Empörkömmling, mit seinen Truppen den Rubikon überschritten hat, ist niemand mehr seines Lebens sicher, der sich gegen den Usurpator stellt.“
Lukrez: „Er wird nach der Königskrone greifen, da bin ich mir ganz sicher. Wir müssen ihn an dieser frevlerischen Tat hindern.“
Jusitinian: „Und wem haben wir das alles zu verdanken? Dem Gaius Marius, der durch seine Reformen das Berufsheer eingeführt hat. Diese Soldaten sinnen nur auf Beute, die Ideale Roms sind ihnen völlig gleichgültig.“
Lukrez: „Cäsars Soldaten treiben sich in Roms Spelunken herum und lassen ihren Feldherren hochleben. Sie werfen mit den Goldmünzen nur so um sich. Man ist ja seines Lebens nicht mehr sicher. Erst vorgestern haben betrunkene Legionäre den Senator Tullius verprügelt, nur weil er sie in ihre Schranken verweisen wollte.“
Justinian: „Ja, es ist weit gekommen mit unserer geliebten Republik. Vielleicht kann ja Cicero, mögen die Götter unserem Konsul ein langes Leben schenken, Cäsar in seine Schranken weisen.“
Lukrez: „Was kann schon eine gewandte Zunge gegen scharfe Schwerter ausrichten? Ich fürchte, mein lieber Justinian, wir gehen schweren Zeiten entgegen. Mit seiner gewaltigen Kriegsbeute aus Gallien hat Cäsar doch den halben Senat bestochen. Wer ihm nicht zu Willen ist, wird gedemütigt und von gedungenen Mördern beseitigt. Beim Plebs ist er beliebt wie kein zweiter. Gefällt er sich doch in der Rolle des großzügigen Dominus.“
Justinian: „Pssssst. Ich habe ganz im Vertrauen gehört, dass Cäsar im Osten Krieg führen will. Die aufrührerischen Parther müssen gezüchtigt werden, auch in Ägypten sind Unruhen ausgebrochen. Seine Hure Kleopatra hat nach ihm gerufen. Angeblich will er sie ja zur Königin über das ganze Imperium machen. Mein edler Lukrez, Du siehst wie ich mit Schaudern, wie weit es mit Rom gekommen ist. Auch Brutus und Trebonius sind über das Verhalten Cäsars empört. Vielleicht trifft unseren Diktator ja ein verirrter Pfeil ..... “
Lukrez: „ ...... Du meinst in den Rücken?“
Justinian: „Darauf kannst Du nicht hoffen. Die Truppen beten den Tyrannen an.“
Lukrez: „Vielleicht haben die Götter ja ein Einsehen und der große Feldherr stirbt auf dem Schlachtfeld den Heldentod.“
Justinian: „Oder sein Schicksal erfüllt sich im Senat. Dort führt er sich ja schon seit geraumer Zeit als Herrscher auf. Erst kürzlich ließ er einem Senator einen Eimer Mist über den Kopf schütten, weil der sich gegen das neue Ackergesetz stellte. Selbst Brutus war entsetzt. Lange kann das nicht mehr gut gehen. Wir sollten den Göttern ein großzügiges Opfer dafür bringen, dass sie ihn strafen.“
Die Ermordung Caesars
Rund 60 Republikaner verabreden sich zum Tyrannen-Mord und erdolchen Cäsar an den „Iden des März“, dem 15. März 44, während einer Senatssitzung im Saal des Pompeius-Theaters in Rom. Die Führer der Verschwörung sind Marcus Iunius Brutus, Gaius Cassius Longinus, Decimus Brutus und Gaius Trebonius. Anlaß für die Ermordung des Diktators war der fehlgeschlagene Versuch des Marcus Antonius, Cäsar zum König zu krönen. Der Diktator, der ein Gespür für Stimmungen hatte, lehnte das Angebot zwar ab. Trotzdem sah die republikanische Opposition die Zeit zum Handeln gekommen.
Der griechische Schriftsteller Plutarch schrieb über die Ermordung Cäsars:
„Der Senat nämlich war in einem jener Prachtgebäude versammelt, die Pompeius neben seinem Theater errichtet hatte, und ein Standbild des Pompeius erhob sich an der Stätte, wo das blutige Schauspiel vor sich ging....Tullius fasste mit beiden Händen Cäsars Toga und riß sie ihm vom Leib herunter. Dies war das verabredete Zeichen zum Angriff. Zuerst traf ihn Casca mit dem Dolch in den Nacken, doch der Stich war nicht tödlich, da Casca – man begreift es wohl – im ersten Augenblick der kühnen Tat vor Aufregung zitterte ..... Schauderndes Entsetzen fasste die Nichteingeweihten nach diesem ersten Stoß, sie wagten nicht zu fliehen noch Cäsar beizuspringen, kein Laut kam über ihre Lippen. Die Verschworenen aber entblößten alle die Schwerter und umringten den Überfallenen. Wohin sich Cäsar wendete, überall zuckten Hiebe, fuhren ihm Klingen Gesicht und Augen hin und her, er wurde durchbohrt wie ein wildes Tier, sich windend unter den Händen seiner Mörder. Denn es war ausgemacht, dass jeder das Opfer treffen und von seinem Blut kosten müsse. So führte auch Brutus einen Streich und traf ihn am Unterleib. Einige Berichte fügen bei, Cäsar habe sich eine Zeitlang gegen die Angreifer gewehrt und sich schreiend hin- und her geworfen, um den Stößen zu entgehen. Als er aber Brutus mit gezogenem Schwert unter seinen Gegnern erblickte, zog er die Toga über das Haupt und leistete keinen Widerstand mehr. Er brach am Sockel, auf dem die Statue des Pompeius stand, zusammen – aus Zufall oder weil die Mörder ihn dorthin gedrängt hatten. Sein Blut spritzte über das Standbild, es sah aus, als leite Pompeius selber die Rache an seinem Feind, der, zu seinen Füßen hingesunken, aus vielen Wunden blutend, mit dem Tode rang. 23mal soll er getroffen worden sein. Auch die Mörder hatten sich gegenseitig verwundet, da so viele Schwerter nach dem einen Körper zielten.“
Die Ermordung Caesars rief in Italien allgemeine Unsicherheit hervor. Noch warteten 100.000 Veteranen des Feldherrn auf die ihnen versprochene Belohnung.
Die Mörder des Diktators hatten sich zunächst auf dem Kapitol verschanzt. Zwei Tage nach dem Attentat erreichte Cäsars Testamentsvollstrecker Antonius im Senat durch eine meisterhafte Rede einen Kompromiss. Caesars Verfügungen wurden anerkannt, gleichzeitig aber auch eine Amnestie für die Täter beschlossen. Der durch Caesars Testament als Haupterbe und Adoptivsohn eingesetzte, erst 19-jährige Octavian erschien im Mai 44 als Konkurrent des Antonius in Rom.
Antonius ließ sich nun durch Volksbeschluss die wichtigen Provinzen Gallia Cisalpina und Transalpina für fünf Jahre übertragen. Brutus und Cassius hingegen begaben sich für einige Zeit in den Osten.
Während die Caesarianer weitgehend den Westen beherrschten, waren die Caesar-Mörder im Osten erfolgreich. Nach großen Rüstungsanstrengungen zogen Antonius und Octavian ihnen entgegen. Im Herbst 42 besiegte Antonius in der Doppelschlacht bei Philippi die Caesarmörder Cassius und Brutus, die sich beide durch Selbstmord richteten. Antonius verbrachte den Winter bei der ägyptischen Königin Kleopatra, die ihn ebenso, wie es ihr vorher schon bei Caesar gelungen war, in ihren Bann ziehen konnte.
Die geheimnisvolle Kleopatra
Noch heute ranken sich Legenden um die Verführungskünste Kleopatras, der Königin Ägyptens. Dabei soll sie nicht einmal eine Schönheit im klassischen Sinn gewesen sein. Relativ klein mit hübschen, aber nicht klassisch-schönen Zügen beschreiben sie ihre Zeitgenossen. Aber sie muss – und auch da sind sich die Zeitgenossen einig – über eine ungeheure Ausstrahlung verfügt haben, die schon Cäsar fasziniert hatte. Aber Cäsar war ein Staatsmann, der seine Gefühle stets unter Kontrolle hatte. Ganz anders Antonius, eher ein wilder Haudrauf als ein kühl kalkulierender Sohn seiner Zeit. Er war der letzten Pharaonin restlos verfallen.
Im Herbst 40 v. Chr. gelangten Octavian und Antonius zu einer neuen Absprache: Octavian erhielt den Westen bis Skutari in Jugoslawien zugesprochen, Antonius den Osten. Lepidus, der Dritte im Bunde, behielt die afrikanischen Provinzen. Italien sollte neutrales Gebiet bleiben. Die Eheschließung von Antonius und Octavia, der Schwester des Adoptivsohns Caesars, besiegelte das Bündnis. Im Frühjahr 37 wurde das Triumvirat durch Volksbeschluss um fünf Jahre verlängert.
36 v. Chr. fügte Agrippa, ein Feldherr des Octavian, dem aufrührerischen Pompeius in der Seeschlacht bei Naulochos eine entscheidende Niederlage zu. Noch im selben Jahr wurde Lepidus aus dem Triumvirat ausgeschlossen. Die Macht im römischen Reich teilten sich fortan Antonius und Octavian.
Schon Ende des Jahres 37 v. Chr. trennte sich Antonius von seiner Frau Octavia, um kurz darauf die Ägypterin Kleopatra zu heiraten, der er als Morgengabe wichtige römische Gebiete schenkte. Das löste in Rom nicht nur ratloses Kopfschütteln, sondern helle Empörung aus. Wie konnte ein Römer es wagen, römisches Gebiet einer fremden Königin zu übereignen? Das hatte es noch nie zuvor in der langen Geschichte des Imperiums gegeben und sollte auch später nicht mehr passieren.
Allerdings: Wenn dem Antonius der Kriegsgott hold gewesen wäre und er triumphale Siege gefeiert hätte, dann, nur dann, hätten die Römer über seine Eigenmächtigkeiten vielleicht hinweg gesehen. Doch sein Feldzug gegen die Parther verlief katastrophal. Es gelang ihm lediglich die Unterwerfung Armeniens. Trotzdem feierte Antonius in Alexandria einen glänzenden Triumph, den ersten Triumph außerhalb Roms. Was wiederum die Zahl seiner Gegner in Rom wachsen ließ.
Zunehmend entwickelte sich Antonius an der Seite Kleopatras zum Großkönig orientalischen Stils. Er kleidete sich in ptolemäische Herrschergewänder, ernannte seine und Kleopatras Kinder zu Großkönigen und erhob Kaisarion, den Sohn Caesars und Kleopatras, zum Mitregenten.
Das Verhältnis zwischen Octavian und Antonius wurde immer gespannter. Als die römische Gemahlin von Antonius, Octavia, schließlich im Sommer 32 von ihrem Gemahl den Scheidebrief erhielt, brauchte Octavian nicht länger Rücksicht auf seine Schwester zu nehmen. Widerrechtlich verschaffte er sich das Testament des Antonius, das bei den Vestalinnen in Rom hinterlegt war, und machte die Verfügungen, unter anderem großzügige Schenkungen an Kleopatras Kinder und den Wunsch, neben der Ptolemäerin in Alexandria begraben zu werden, publik. Antonius war dadurch in Rom endgültig diskreditiert.
Octavian band nun die Bevölkerung Italiens und die der westlichen Provinzen durch einen Gefolgseid an sich. Noch im selben Jahr erklärten Senat und Volk der ägyptischen Königin Kleopatra den Krieg.
Am 2. September 31 entschied der römische FeldherrAgrippa, der schon den aufrührerischen Pompeius besiegt hatte, die Seeschlacht bei Actium in Westgriechenland zugunsten Octavians. Als Kleopatra und Antonius daraufhin überstürzt flohen, kapitulierte nach der Flotte auch das Landheer des Antonius. Den Winter 31/30 verbrachte Octavian in Italien, um einen Soldatenaufstand niederzuwerfen. Danach zog er über Syrien und Palästina nach Ägypten, wo sich ihm am 1. August 30 v. Chr. Alexandria ergeben musste.
Antonius stieß sich – auf eine falsche Meldung von Kleopatras Selbstmord hin – ein Schwert in den Leib und ließ sich sterbend zur ägyptischen Königin bringen. Die Pharaonin hatte jedoch noch immer nicht aufgegeben. Nach Caesar und Antonius wollte sie nun auch Octavian für sich gewinnen. Doch der kühle, berechnende Neffe Caesars war aus einem anderen Holz geschnitzt. Er widerstand den Verführungskünsten der Königin und ging nur zum Schein auf sie ein, um an den sagenhaften Schatz der Ägypterin zu gelangen. Als Kleopatra ihr Spiel verloren sah, folgte sie ihrem Gemahl Antonius durch Schlangengift in den Tod.
Mit ihrem Untergang endete auch die Herrschaft der Ptolemäer in Ägypten, das jetzt zur römischen Provinz herab gestuft wurde. Octavians Siege beendeten die Bürgerkriege und bewahrte Roms Weltmachtstellung.
In Rom ließ Octavian im Januar 29 v. Chr. den Janustempel als Zeichen für die formelle Beendigung des Krieges schließen und feierte einen dreifachen Triumph. Auf Bitten der Senatoren nahm er im Jahre 27 die Alleinherrschaft und den Ehrennamen „Augustus“ – der Erhabene – an.
Augustus zieht Bilanz
Kurz vor seinem Tod im Sommer des Jahres 14 n. Chr. verfasste der römische Imperator Augustus einen Rechenschaftsbericht, der auf Lateinisch und Griechisch im ganzen Reich bekannt gemacht wurde. Der Kaiser schrieb: „Nachdem ich den Bürgerkriegen ein Ende gesetzt hatte, habe ich, der ich mit Zustimmung der Allgemeinheit zur höchsten Macht gelangt war, den Staat aus meinem Machtbereich wieder der freien Entscheidung des Senats und des römischen Volkes übertragen. Für dieses Verdienst wurde ich auf
Senatsbeschluss August genannt ..... Seit dieser Zeit überragte ich
zwar alle an Einfluss und Ansehen, Macht aber besaß ich hinfort nicht mehr als diejenigen, die auch ich als Kollegen im Amt gehabt habe.“
Diese Worte beschreiben die vielleicht seltsamste Alleinherrschaft der Geschichte. Hatte die Errichtung einer Alleinherrschaft dem Adoptiv-Vater Julius Caesar noch das Leben gekostet, so wurde sie nun allgemein begrüßt. Das goldene „Augusteische Zeitalter“ löste die Dauerkrise ab, in der sich das römische Reich ein Jahrhundert befunden hatte. Das „Imperium Romanum“ erreichte endlich den stabilen Zustand. Es stellte erstmals die politische Einheit des Mittelmeerraumes her und schloss rund die Hälfte Europas der römischen Zivilisation an.
Im Zug der Neuordnung der römischen Provinzen durch Augustus kam es zur Gründung zahlreicher römischer Legionslager im besetzten Gallien und Germanien. Diese befestigten Stützpunkte bildeten die Keimzellen für städtische Siedlungen, die auch heute noch existieren.
Die Legionslager, an strategisch wichtigen Punkten errichtet, dienten der Grenzsicherung und waren Ausgangspunkte für militärische Operationen gegen aufständische Germanen und Kelten. Die Lager waren durch einen Erdwall gesichert oder mit einem Holzzaun befestigt, wenn die Legion dort länger stationiert war. Die Versorgung der Soldaten sicherten Kornspeicher, Schmieden, Stellmachereien und Lazarette innerhalb der Anlagen. Um diese römischen Lager entstanden in der Folgezeit oftmals kleine zivile Ansiedlungen. Köln, Trier, Mainz, Xanten und Wiesbaden waren ursprünglich lediglich vorgeschobene römische Wachposten.
Als Augustus am 19. August 14. n. Chr. starb, hatte er die von ihm geschaffene Herrschaftsform, das Principat, bereits derart fest verankert, dass sein Stiefsohn Tiberius wie vorgesehen die Nachfolge antreten konnte. Einen Monat später erhob der Senat Augustus, dem schon zu Lebzeiten kultische Verehrung zuteil geworden war, unter die Götter.
Mit ausdrücklicher Billigung von Augustus war Herodes König von Judäa geworden, nachdem er mit Hilfe römischer Legionäre die innerjüdische Opposition im Lande ausgeschaltet hatte. Judäa war fortan ein Vasallenstaat unter römischer Herrschaft, verfügte aber über Autonomie in inneren Angelegenheiten. Das Land stellte für die Römer ein strategisch wichtiges Bindeglied für die Verteidigung von Syrien und Ägypten dar. Rom legte deshalb Wert darauf, in Judäa über einen ihm ergebenen König zu verfügen, was die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Augustus und Herodes gewährleisteten.
Herodes bemühte sich während seiner Regierungszeit um eine Wiedererstarkung Judäas sowie um eineAnnährung jüdischer und römischer Kultur und Lebensweise. Er förderte Wirtschaft und Handel, ließ zerstörte Städte wieder aufbauen und in Caesarea einen Hafen anlegen. Seine wichtigsten Leistungen für das jüdische Selbstverständnis bestanden im Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem sowie im Schutz des jüdischen Glaubens. Es lag ihm jedoch auch daran, die Juden mit der griechisch-römischen Kultur bekannt zu machen. Er unterstützte deshalb den Kaiserkult, ließ dem Augustus geweihte Tempel errichten sowie Theater, Amphi-Theater und Stadien bauen. Seine Politik fand jedoch wenig Anklang bei der jüdischen Bevölkerung.
Innerhalb von Judäa setzte Herodes seinen Herrschaftsanspruch gewaltsam durch. Er unterdrückte jede Form von Opposition und ließ potentielle Thronanwärter aus insgesamt acht Ehen sowie missliebige Personen erbarmungslos umbringen. Hierzu zählten auch die Mitglieder der früher herrschenden Dynastie, seine Ehefrau Mariamne und deren Söhne.
Die germanische Bedrohung
Die Germanen wurden zum ersten Mal Ende des 2. Jahrhunderts v. Chr. für Rom zu einem militärischen Problem, als die Kimbern und Teutonen die Nordgrenzen des Imperiums bedrohten. Während der Eroberung Galliens durch Caesar kamen die Römer Mitte des 1. Jahrhunderts erneut mit Germanenstämmen in kriegerische Berührung, als diese auf der Suche nach neuem Siedlungsraum über den Rhein drängten.
Da Rom unter Augustus daran ging, Gallien als Provinz fest in sein Imperium einzubinden, musste die Bedrohung durch rechtsrheinische Germanenstämme beendet werden. Eine Möglichkeit bestand darin, mit Rom befreundete Germanen auf das linke Rheinufer umzusiedeln, um dadurch eine Pufferzone zu schaffen. Dies geschah 38 v. Chr. mit den Ubiern durch Agrippa, dem Schwiegersohn des Augustus. Doch hörten mit dieser Maßnahme die Einfälle von der anderen Rheinseite nicht auf. Augustus übergab schließlich seinem Stiefsohn Drusus den Oberbefehl über die gesamte Militärmacht der gallischen Provinzen und beauftragte ihn, das rechtsrheinische Germanien zu erobern und als römische Provinz einzurichten.
9. Zeitfenster
Die Geburt des Erlösers
Während im unruhigen Germanien der Widerstand gegen römische Besatzer wuchs, wurde im jüdischen Bethlehem Jesus geboren, der Sohn des Zimmermanns Joseph aus Nazareth und seiner Verlobten Maria. Das Paar hatte sich nach Bethlehem begeben, um an einer Volkszählung teilzunehmen, bei der sich jede Familie am Geburtsort des Mannes registrieren lassen musste. Maria und Joseph fanden keine Herberge, sie mussten in einem Stall nächtigen. Dort brachte Maria den Knaben Jesus zur Welt.
Kurz nach der Geburt des Säuglings soll sich eine seltsame Erscheinung am Himmel gezeigt haben: Ein Komet mit einem langen, deutlich sichtbaren Schweif schwebte am Himmel und schien über dem Stall stehen zu bleiben. Die Leute in der Umgebung und die Hirten, die in der Nähe ihre Schafe weideten, waren zunächst geschockt. Galten doch Kometen sowie eine Sonnenfinsternis seit alters her als Unglücksboten. Doch bald kam der Gedanke auf, diesmal könne das Zeichen Glück verheißen. Die Juden erwarteten seit langem den Messias, der das Volk Israel von der Fremdherrschaft erlösen sollte. Die Hirten glaubten, nun sei der Heilsbringer gekommen und machten sich auf den Weg zum Stall, um das Kind anzubeten und ihm Geschenke zu bringen. Kurze Zeit später trafen noch drei Magier ein; Sterndeuter aus dem Morgenland, denen der Stern die Geburt eines großen Königs verkündet hatte. Sie hatten sich schon vor Monaten aufgemacht und waren dem Stern gefolgt, um dem Königsknaben zu huldigen.
In Bethlehem fanden sie Jesus nicht gleich. Weil sie einen Königssohn erwarteten, fragten sie im Palast von König Herodes I., des Großen, nach. Dort aber wusste niemand von einem neugeborenen König. Herodes aber bat die drei Weisen weiter zu suchen und ihn sofort zu benachrichtigen, wenn sie ihn gefunden hätten. Die Sterndeuter gelangten schließlich zum Stall, in dem Jesus in einer Krippe lag. Es waren vornehme Männer, die wertvolle Geschenke mitgebracht hatten: Gold, Weihrauch und Myrrhe.
Inzwischen hatte Herodes eine beispiellose Vernichtungsaktion in Gang gesetzt: Er befürchtete, die Juden könnten einen neuen Führer gefunden haben und einen Aufstand anzetteln, um ihn zu stürzen. Er gab den Befehl, alle Jungen, die im letzten Jahr geboren worden waren, umzubringen.
Die Nachricht von den Kindermorden verbreitete sich schnell. Da jedoch der Stall weit außerhalb der Stadt lag, konnten Joseph und Maria rechtzeitig entkommen. Sie flohen mit ihrem Kind nach Ägypten.
33 Jahre nach seiner Geburt wird Jesus zum Kreuzestod verurteilt, weil er sich als Christus, den Sohn Gottes und König der Juden bezeichnet hatte.
Den Berichten des Neuen Testaments zufolge verfinsterte sich während der Todesstunde von Jesus der Himmel, ein Erdbeben erschütterte Jerusalem und der Vorhang im Tempel riss von oben nach unten entzwei. Schon seit langem trachteten die Hohepriester und Schriftgelehrten danach, Jesus, der mit seinen Jüngern durch das Land zog und predigte, zu vernichten. Sie befürchteten, das Volk könne sich vom rechten Glauben abwenden und dem neuen Lehrer folgen.
Jesus war nach Jerusalem gekommen, um mit seinen Jüngern das jüdische Passahfest zu feiern. Das Volk hatte ihm einen triumphalen Einzug bereitet, Kleider vor ihm auf der Straße ausgebreitet und ihm zugejubelt. Das empörte die Hohepriester, die um ihren Einfluss fürchteten. Nach dem gemeinsamen Passahmahl ging Jesus mit seinen Jüngern hinaus aus der Stadt. Dort wurde er von bewaffneten Dienern des Hohen Rats verhaftet. Einer der Jünger, Judas, hatte ihn durch einen Bruderkuss verraten. Petrus, der engste Anhänger seines Herrn, schlug einem der Diener ein Ohr ab, um Jesus zu retten, doch der gebot ihm Einhalt.
Jesus wurde vor die versammelten Ältesten und Schriftgelehrten gerufen, die gekaufte Zeugen aufgeboten hatten. Zuletzt sagte jemand aus, Jesus habe behauptet, er könne den Tempel Gottes einreißen und ihn in drei Tagen wieder aufbauen. Der Hohepriester fragte ihn, ob er der Messias sei. Als Jesus bejahte, wurde er wegen Gotteslästerung zum Tod verurteilt und gekreuzigt.
Nach dem Tod von Jesus Christus formierte Petrus die christliche Glaubensgemeinschaft neu. Die Führung ging nunmehr an die Apostel über, jene zwölf Jünger unter Leitung von Petrus, denen Jesus den Auftrag zur Verkündigung seiner Lehre übertragen hatte.
Die Schlacht im Teutoburger Wald
Das war der Beginn des Siegeszuges der christlichen Religion, die das römische Imperium so entscheidend verändern sollte. Gefährlicher als der Ansturm der Germanen, die zeitgleich die Römer bedrohten.
Die wilden Krieger jenseits des Rheins waren noch immer nicht gezähmt. Der spätere Kaiser Tiberius hatte nach dem Tod seines Bruders Drusus in den Jahren 8 bis 6 v. Chr. den Oberbefehl in Germanien inne und konnte vor allem mit diplomatischen Mitteln die Position Roms zwischen Rhein und Elbe festigen.
Im Jahre 7 n. Chr. erhielt Quintilius Varus das Kommando über Germanien. Das Gebiet zwischen Rhein und Elbe galt offenbar als so sicher, dass man in Rom glaubte, es der Leitung des militärisch unerfahrenen Mannes anvertrauen zu können. Doch der friedliche Schein trog. Der germanische Cheruskerfürst Arminius, ausgebildet von den Römern, bereitete einen Aufstand vor. Im Sommer des Jahres 9 n Chr. griff Arminius den Varus und seine Truppen aus dem Hinterhalt an und vernichtete drei römische Legionen. Eine verheerende Niederlage, die das Imperium bis ins Mark erschütterte. Die uralten Ängste vor den Germanen waren schlagartig wieder da.
Als Ergebnis der Schlacht am Teutoburger Wald musste Rom darauf verzichten, Germanien seiner direkten Herrschaft zu unterwerfen. Die Rachefeldzüge, die Germanicus, der Sohn des Drusus, in den Jahren 14 bis 16 n. Chr. gegen Arminius unternahm, brachten den Römern zwar taktische Erfolge in einigen unbedeutenden Schlachten, doch blieb Arminius, strategisch gesehen, der Sieger. Erst im Jahr 16 n. Chr. besiegt Germanicus in einer Vernichtungsschlacht bei Idistavio und am Angrivarierwall Arminius. Er befiehlt seinen Truppen, keine Gefangenen zu machen, weil nur die Vernichtung des Stammes den Kämpfen mit den Germanen ein Ende bereiten könne. Wenig später beruft Kaiser Tiberius Germanicus nach Rom zurück. Sein Posten als Oberkommandierender der römischen Rheinarmeen wird nicht wieder besetzt.
Kaiser Tiberius verfolgt jetzt eine neue Politik gegenüber Germanien. Weitere militärische Auseinandersetzungen erscheinen ihm angesichts der hohen Zahl von getöteten Soldaten und der großen Materialverluste als wenig sinnvoll. Die weit reichenden Pläne einer Eroberung des freien Germaniens, wie sie einst Augustus vorgeschwebt hatten, waren damit aufgegeben.
Das Konzil der zwölf Apostel
Unterdessen breitete sich das Christentum im römischen Reich aus. Während die Apostel bei den Juden in Palästina wenig Anklang fanden, zeigten sich die in der Diaspora – zunächst vor allem in Griechenland, Kleinasien und Ägypten – lebenden Juden aufgeschlossener. Einer der bedeutendsten Wegbereiter des Glaubens war der in Tarsus in Kilikien geborene Paulus. Der Sohn orthodoxer Juden, zum Rabbi ausersehen, bekämpfte als streng gläubiger Pharisäer zunächst die christlichen Gemeinden in Palästina. Um 33/34 erfährt er jedoch durch eine Vision seine Berufung, der er von nun an folgt: Im Auftrag Jesu den Glauben zu verbreiten.
Als Apostel Paulus widmet er sich vor allem der Bekehrung der Nicht-Juden: Eine erste Reise führt ihn nach Zypern und Kleinasien. Durch die verstärkte Mission entstand ein Problem, das die Einheit der jungen Christengemeinden bedrohte: Sollten Heiden in die jüdisch-christlichen Gemeinden aufgenommen werden können, ohne sich den alten mosaischen Ritualen zu unterwerfen? Zur Lösung dieser Frage wird um 48 ein Konzil der zwölf Apostel und Ältesten sowie der beiden Heidenmissionare Paulus und Barnabas einberufen. In der Aussprache betont Paulus, die mosaischen Gesetze hätten zwar den Weg für die Ankunft des Messias geebnet, nach dessen Erscheinen jedoch an Bedeutung verloren. Wichtig sei allein der Taufakt, durch den alle Menschen vor Gott gleich sein.
Die Konferenz endete mit einem Kompromiss: Die Missionsgebiete wurden geteilt: die Gruppe um Petrus bleibt der Judenmission treu, Paulus sollte sich weiter um die Heiden kümmern. Der Apostelbrief regelte ihre Bekehrung. Sie brauchten sich nicht an mosaische Gesetze zu halten, sollten sich aber dem Genuss des für Götzenopfer bestimmten Fleisches und der Blutschande enthalten. Bis zu seinem Märtyrertod in Rom unternahm Paulus noch zwei weitere Missionsreisen, die ihn in den östlichen Mittelmeerraum führten.
Indessen rumorte es im Staat der Juden. Für den Aufstand, der im Jahre 66 ausbrach und vier Jahre später mit der Eroberung und Plünderung Jerusalems, der Zerstörung des Tempels sowie mit dem Verlust der Selbstständigkeit des Tempelstaates und der Umwandlung Palästinas in eine römische Provinz endete, sind verschiedene Faktoren ursächlich gewesen.
Die Vorstellung der göttlichen Erwähltheit des Volkes Israel und der Glaube an die Errichtung eines starken jüdischen Gottesstaates, stießen sich an der Realität bedrückender römischer Fremdherrschaft. Die jüdische Bevölkerung litt zudem unter den hohen Steuern, die nach Rom abgeführt werden mussten. Mit dem ersehnten Erscheinen des Messias verband sich die Hoffnung auf politische Befreiung, soziale Besserstellung, nationale Selbstbestimmung und geistliche Erneuerung.
Die lang angestauten antirömischen Gefühle entluden sich in einer allgemeinen Rebellion, unter deren Teilnehmern allerdings beträchtliche, ja unüberwindliche Differenzen herrschten, die im weiteren Verlauf der Auseinandersetzungen massiv hervor brachen und dadurch die antirömische Front schwächten.
Noch im Jahre 66 rückte der syrische Legat Cestius Gallus gegen Jerusalem vor, sah sich jedoch gezwungen, die Belagerung der Stadt abzubrechen. Auf dem Rückmarsch wurde er von jüdischen Truppen angegriffen und besiegt. Kaiser Nero erkannte nun die Bedeutung des Aufstandes und übertrug seinem General Vespasian die Niederschlagung der Erhebung. Die Aktionen konzentrierten sich zunächst auf Galiläa, das bereits im Herbst 67 wieder unter römische Herrschaft fiel. Wenig später unterstanden auch Petra und Westjudäa der Kontrolle Roms. Die Aufständischen zogen sich nach Jerusalem und in einige Festungen am Toten Meer zurück.
Wenn Vespasian den jüdischen Aufstand nicht schon im Sommer 68 endgültig niedergeschlagen hat, so hing dies mit anderen Vorgängen im Reich zusammen, vor allem mit den Kämpfen um die Nachfolge des ermordeten Neros. Vespasian wurde im Jahre 70 römischer Herrscher. Sein Sohn Titus übernahm den Oberbefehl über die Legionen in Palästina. Titus, ein echtes Feldherrentalent, eroberte am 10. August 70 nach längerer Belagerung Jerusalem. Dabei wurde der Tempel angezündet und zerstört. Ein ungeheurer Schock für die frommen Juden und ihrem Glauben, zum auserwählten Volk Gottes zu gehören.
Aber erst im Jahre 72 wurde die Aufstandsbewegung endgültig erstickt. In diesem Jahr konnten die Römer die Festung Masada am Toten Meer einnehmen, wo sich unter der Führung des Eleasar Jairi die letzten Aufständischen mit ihren Familien verschanzt hatten. Sie wollten den Römern nicht lebend in die Hände fallen und begingen kollektiv Selbstmord.
Der Widerstand der Parther
Ähnlich wie die Germanen im Norden des „Imperiums Romanum“ leisteten auch die Parther im Südosten des Reiches den Römern erbitterten Widerstand.
Mitte des 3. Jahrhunderts v. Chr. waren sie vom Aralsee her ins Seleukidenreich eingedrungen. Im Gebiet der Satrapie Parthien errichteten sie unter der Dynastie der Arsakiden ihre Herrschaft. Bis Anfang des 1. Jahrhunderts dehnten die Parther auf Kosten der Seleukiden ihre Herrschaft nach Westen bis an den Euphrat aus. Die Parther waren klug genug, ihre Westgrenze nicht auf Kosten der Römer vorzuverlegen. Dagegen unternahmen die Römer verschiedene Versuche, das Partherreich zu erobern. Einen ersten Feldzug unternahm Crassus. Er wurde aber bei Carrhae vernichtend geschlagen, verlor sein Leben und 30.000 Mann. Julius Caesar hatte einen großen Feldzug gegen Parthien geplant, wurde jedoch unmittelbar vor Kriegsbeginn ermordet. Marcus Antonius griff 36 v. Chr. Parthien mit 116.000 Mann an, musste aber nach erheblichen Verlusten gedemütigt den Rückzug antreten.
Nachdem Kaiser Trajan jenseits der Donau Dakien erobert hatte, entschloss er sich zum Angriff auf Parthien. Den äußeren Anlass bot Armenien. Dort war der römische Vasallenkönig Tiridates vertrieben und durch einen parthischen Prinzen ersetzt worden. Ende 116 n. Chr. eroberte Trajan die parthische Hauptstadt Ktesiphon am Tigris. Das durch die Nähe zum Persischen Golf für den Indienhandel so wichtige Gebiet wird von seinem Nachfolger, Kaiser Hadrian, der für eine Friedenspolitik stand, wieder aufgegeben.
Hadrian war ein weltfremder Idealist, der sich vor allem um die Infrastruktur des Reiches kümmerte. Ein Schöngeist, der sich gern als Bauherr feiern ließ und eine Vorliebe für gut gewachsene Jünglinge hatte. Die Engelsburg in Rom, sein Mausoleum, steht noch heute.
Der Druck auf die Grenzen des römischen Reiches ließ zwar während seiner Herrschaft nach, hörte aber nicht gänzlich auf. Im Gegenteil. Sein Nachfolger Antonius Pius hatte es immer wieder mit einfallenden Germanen und aufrührerischen Galliern zu tun. Dessen Nachfolger, der Philosophen-Kaiser Mark Aurel, verbrachte mehr Zeit in Heerlagern als in der römischen Hauptstadt.
Während der Kämpfe gegen die Markomannen, die versuchten, die römische Donaugrenze zu überschreiten, starb Mark Aurel, der Philosoph unter den römischen Kaisern, in Wien an der Pest. In seine Regierungszeit fallen die ersten großen Stürme von germanischen Stämmen über die Donaugrenze und damit der Beginn des Niedergangs des Imperiums. Zwar wurden die Markomannen und weitere mit ihnen verbündete Stämme in den von 166 bis 180 dauernden Kriegen besiegt, die römischen Nordgrenzen blieben jedoch weiterhin gefährdet.
Auch an den südöstlichen Grenzen des Reiches blieb es unruhig. 162 versuchten die Parther, die Trajans Eroberungszug nicht vergessen hatten, ihr Territorium durch die Eroberung römischer Gebiete zu erweitern. Die Römer konnten die Parther zwar zurück drängen, eine endgültige Kapitulation der Angreifer wurde jedoch durch den Ausbruch der Pest, der Rom 166 zum Abzug seiner Truppen und zum Friedensschluß zwang, verhindert.
Die Liebe zur Philosophie gab dem wohl gebildetsten römischen Kaiser, Mark Aurel, in dieser Krisenzeit einen inneren Halt. 168/69 verfasste der Herrscher seine einzig erhalten gebliebene Schrift, die „Selbstbetrachtungen.“ Die in griechischer Sprache abgefasste Sammlung von Aphorismen und Selbstgesprächen handelt von einer richtigen, an der Vernunft orientierten Lebensführung. Mark Aurel war Stoiker und vertrat die Auffassung, dass nur ein leidenschaftsloser, von der Vernunft geleiteter Mensch, wahrhaft frei sei.
Nach dem Tod des Kaisers, der seinen eher plumpen und draufgängerischen Sohn Commodus zum Nachfolger bestimmte, bleibt die außenpolitische Lage Roms für längere Zeit friedlich. Innenpolitsch dagegen ist die Zeit von Thronstreitigkeiten geprägt, die erst 193 von Septimius Severus beendet werden können. Bis 193 wächst die Opposition gegen Commodus, dem Unfähigkeit zur Regierung, Verschwendungssucht und Machtrausch vorgeworfen werden. Es kommt zu einer Verschwörung, der Commodus zum Opfer fällt.
In den folgenden Monaten werden von den Prätorianern, den kaiserlichen Leibwächtern, nacheinander mehrere Kaiser ausgerufen, die jedoch entweder ermordet oder von den Römern nicht akzeptiert werden. Auch in den Provinzen werden von den Legionen Kaiser proklamiert.
Schließlich setzt sich der in Carnuntum zum Kaiser ausgerufene Septimius Severus, gestützt auf das Heer, durch und begründet die Dynastie der Severer. Seine straffe Führung und seine militärischen Erfolge an der Grenze zu den Parthern bringen Rom eine Periode der Stabilität. Als ein Mann des Heeres – Septimius Severus ist der erste „Soldatenkaiser“ – gibt er der militärischen Macht den Vorrang vor der zivilen Gewalt.
China: Der Verfall der Han-Dynastie
Auch im fernen China erringt das Militär jetzt eine Vormachtstellung. Der letzte chinesische Kaiser der Han-Dynastie wird von drei Feldherren zur Abdankung gezwungen. Der Untergang war abzusehen: Die Unfähigkeit, die finanziellen Probleme des Reichs zu lösen, die Streitigkeiten innerhalb der kaiserlichen Familie, Palast-Intrigen und Kämpfe zwischen den Provinz-Generalen kündeten vom nahenden Ende der Dynastie. Die Auseinandersetzungen in den herrschenden Schichten gingen zu Lasten des Volkes, was 184 zum von Taoisten geleiteten Bauernaufstand der „Gelben Kopftücher“ im Osten und der „Fünf Scheffel Reis“ – benannt nach dem Preis für die Aufnahme in den Geheimbund – in Sichuan führte. Nach der Niederschlagung des Aufstands durch das Militär kämpften drei Heerführer um die Macht in China. Da keiner sich allein durchsetzen konnte, spaltete sich das Reich nunmehr in drei Staaten: Wei, Shu-han und Wu. Das Nordreich Wei galt als Träger der legalen Nachfolge. Erst der Sippe Ssu-ma, die im Norden die Macht usurpiert hatte, gelang vorübergehend die Einigung ganz Chinas.
Afrika
Am Anfang der afrikanischen Geschichte stand eine Naturkatastrophe: Die Verödung der Sahara, Auslöser einer großen Wanderungsbewegung der afrikanischen Stämme. Die zweite Phase wurde entscheidend durch die Ausbreitung des Islam geprägt, der die uns bekannten Reiche in West- und Zentralafrika zu einer politischen und kulturellen Blüte führte, die dem europäischen Hochmittelalter durchaus vergleichbar ist. Eine Sonderentwicklung nahmen allein die christianisierten Reiche in Nubien sowie das aus dem Reich Axum entstandene Äthiopien, die über Jahrhunderte dem Druck des Islam widerstehen konnten.
Im 15. und 16. Jahrhundert führten die Bemühungen der Europäer, den Seeweg nach Indien zu finden, dazu, dass die meisten Reiche des schwarzen Kontinents in Abhängigkeit von den weißen Kolonisten gerieten, an Bedeutung verloren oder ganz zerfielen.
Das wohl älteste schwarzafrikanische Reich südlich der Sahara war das „Land des Goldes“, Gana. Sein Reichtum basierte auf den Goldvorkommen im Südwesten und den Salzlagern im Norden des Landes. Sein Einflussgebiet erstreckte sich vom Atlantik bis nahe Timbuktu am Niger. Dieser Reichtum erweckte Neid, doch die eigentliche Gefahr für Gana erwuchs aus dem Missionierungseifer der Almoraviden, einer fanatischen islamischen Erneuerungsbewegung. Mitte des 11. Jahrhunderts begannen sie einen Glaubenskrieg, stießen nach Norden vor und gründeten eine neue Hauptstadt. Nach blutigen Kämpfen eroberten 1076 Ganas Handelsmetropole Kumbi Saleh, die sie plünderten und brandschatzten. Obwohl die Almoraviden nach etwa einem Jahrzehnt vertrieben werden konnten, erlangte Gana nie mehr seine frühere Machtstellung und wurde 1240 endgültig unterworfen.
Die Nachfolge Ganas trat das Reich der Malinke, kurz Mali genannt, an. Das Reich von Mali lebte vom Transsahara-Handel, zudem kontrollierte es die reichen Goldfelder von Wangara. Timbuktu wurde zur wichtigsten Handelsmetropole und zum kulturellen Zentrum des westlichen Sudans. 1435 eroberten die aus dem Norden einfallenden Tuaregs Timbuktu. Mali zerfiel wie einst Gana und ein neues Reich trat an die Stelle Malis, das der Songhai.
Die Hauptstadt der Songhai war Gao, rund 350 Kilometer stromabwärts von Timbuktu. Unter ihrem Herrscher Sonni Ali eroberten sie fast das ganze Gebiet des ehemaligen Mali-Reiches. Sein Nachfolger war ein Heerführer aus dem Stamm der Soninke: Askia Mohammed I.. Seine Macht begründete sich vor allem auf ein stehendes Heer, das über feste Garnisonen im ganzen Reich verfügte. Ende des 16. Jahrhunderts allerdings unterwarfen die Marokkaner, angelockt vom sagenhaften Gold der Sonhai, deren Reich. Ausgerüstet mit Kanonen und Pulver eroberte ein Heer von spanischen Konquistadoren in marokkanischen Diensten Gao und Timbuktu, ohne aber die weiter im Süden gelegenen Goldgruben zu erreichen. Die Marokkaner errichteten eine Gewaltherrschaft, konnten jedoch das Land nicht völlig unterwerfen und verloren bald das Interesse an Songhai, weil der Unterhalt der Söldnerheere die Einnahmen zu übersteigen drohten.
In den westafrikanischen Wald- und Küstengebieten drangen die islamischen Reiterkriege nicht vor. Bedeutung erlangen die so genannten Yoruba-Staaten und das Reich Benin. Älteste Stadt und politisches Zentrum war Oyo – etwa 180 Kilometer nördlich von Lagos. Religiöser Mittelpunkt das 100 Kilometer entfernte Ife. Die Herrscher der Yoruba galten als Träger der Lebenskraft ihres Volkes und genossen göttliche Verehrung. Schwand aber die Körper- oder Geisteskraft des Regenten, so wurde er unverblümt zum Selbstmord aufgefordert.
Benin entwickelte sich zu einem Zentrum des Sklavenhandels. Menschen galten wenig, Tausende wurden bei kultischen Feiern geopfert.
Über die Reiche im Innern des südlichen Afrikas ist wenig bekannt. So zeugen in Südostafrika Tausende von Ruinen und ausgebeutete Minen von alten Kulturen, von denen einzig über das Reich des Monomotapa Berichte vorliegen. Monomotapa war die Bezeichnung des Herrschers eines Reiches im Gebiet des heutigen Sambia und Zimbabwe, wo sich eindrucksvolle Überreste einstiger Monumentalbauten erhalten haben. Die wirtschaftliche Existenz des Reiches gründete sich auf die Förderung und Bearbeitung von Kupfer und Gold. Erst als das Reich unter portugiesischen Einfluss geriet, verlor es an Bedeutung.
Tiefer im Landesinnern, im Bergbaugebiet von Katanga, lagen die Reiche der Luba und Lunda. Der Handel mit Europäern bescherte ihnen einen gewissen Reichtum. Terrassenanlagen und Bewässerungskanäle zeugen auch in Kenia und Uganda von vergangenen Kulturen, die jedoch untergingen, bevor der Zusammenstoß mit europäischen Kolonialisten die Erinnerung an sie erhalten konnte.
Die Kultur der Nok
In Zentral-Nigeria, südwestlich des Tschad-Sees, bestand die Kultur der „Nok“. Dieser afrikanische Stamm, der sich vor allem von der Landwirtschaft ernährte, betrieb zur Produktion der für die Feldarbeitung notwendigen Geräte eine Reihe von Schmelzöfen zur Eisenverarbeitung. Die von den Nok hergestellten Kunstwerke – vor allem Figuren aus gebranntem Ton – zeigen Menschen-und Tierköpfe. Die Nok-Künstler bemühten sich, die einzelnen Figuren in möglichst individueller Weise zu formen. Typisch bei der Erstellung von Menschenköpfen sind die durchbohrtenAugen, Nasen- und Ohrlöcher sowie der geöffnete Mund. Der Kopfschmuck besteht aus kunstvoll gestalteten Haarknoten mit fein ausgearbeiteten Perlensträngen aus geflochteten Fasern oder Eisenketten.
Das Ende von Claudius Ptolemäus
Weiter nördlich, in der kulturellen Keimzelle Afrikas, in Ägypten, genauer in Kanobos, stirbt 160 der Astronom, Geograph und Mathematiker Claudius Ptolemäus. Der in Alexandria wirkende Wissenschaftler legte erstmals ein mathematisches System der Astronomie vor, in dem die Erde als Mittelpunkt des Weltalls steht, umkreist von der Sonne, dem Mond und den Planeten. Die in 13 Bänden nieder gelegten Erkenntnisse fassen sowohl eigene Beobachtungen als auch die Berechnungen seiner Vorgänger zusammen. Neben der Astronomie beschäftigte sich Ptolemäus auch mit der Astrologie und vollzog eine Verbindung von Tierkreis- und Planeten-Astrologie sowie der Geographie: In einem achtbändigen Geographie-Lehrbuch führte er 8000 Orte nach Längen- und Breitengrad auf.
Die Zeit der Soldatenkaiser
Die scheinbare Idylle der „Pax Romana“ trog schon lange. Sie enthielt Bruchstellen, die ihren späteren Zerfall vorbereiteten. Vom Sturz des despotischen Commodus zieht sich eine Kette von Krisen bis zum Chaos der Soldatenkaiserzeit.
In einem gewaltigen Kraftakt gab sich das Römische Reich noch einmal eine neue Stabilität: Kaiser Diokletian stellte das Imperium, nun straff zentralisiert und bürokratisch verwaltet, auf eine neue Grundlage. Konstantin der Große fügte das Christentum als gemeinsame Klammer hinzu. Dank seiner zivilisatorischen Überlegenheit war Rom, auch in Krisen, innere Geschlossenheit voraus gesetzt, seinen äußeren Gegner wenigstens in der Defensive immer wieder Herr geworden. Vor allem der Germanen.
In die inneren Konflikte um die Rückkehr des Gesamtreichs zur christlichen Orthodoxie hinein platzten die Auswirkungen eines Weltereignisse, das dem Schicksal des Römischen Reiches eine neue Wendung gab: Die Völkerwanderung setzte die Ostgermanen in Bewegung, angestoßen von den aus Zentralasien stammenden Hunnen. Unter diesem Druck spaltete sich das Römische Reich endgültig.
Seit dem Eindringen der Römer in Germanien veränderte sich allmählich die innere Struktur der germanischen Stammeskönigtümer. Im ständigen Austausch über den römisch-germanischen Limes hinweg gelangten Elemente mediterraner materieller und geistiger Kultur nach Norden und Osten. Grenzgänger wie Arminius, der einige Jahre unter den Römer verbracht hatte, repräsentierten einen neuen Typus germanischer Eliten. An die Stelle der alten Volkskönige traten Oligarchien mit eigener Kriegergefolgschaft, die sich durch römischen Lebensstil und importierte Luxusgüter abhoben.
Rom – das neue Zentrum der Christenheit
Auch die Christen begannen ein eigenes Profil zu entwickeln. Kalixt I., der seit etwa 217 als Bischof in Rom amtierte, forderte währendseiner Amtszeit, dass die Bischöfevon Romeine Vorrangstellung gegenüber den anderen Bischöfen einnehmen sollten.
Die junge christliche Gemeinde hatte schon früh ihren geistigen Mittelpunkt von Jerusalem nach Rom verlegt. Mit dem Wirken der Apostel Petrus und Paulus im Zentrum des Imperiums setzte die Bedeutung dieser Stadt für die christliche Kirche ein. Die Gründe für die Abkehr von Jerusalem lagen in der früh einsetzenden Christenverfolgung in Palästina und in dem Bestreben der Christen, sich von den Juden abzusetzen. Für die Wahl Roms sprach, dass Entwicklungen, die sich in der Hauptstadt eines mächtigen Reiches vollzogen, in der Öffentlichkeit eine entscheidende Bedeutung zukam. Das Christentum befreite sich damit von dem Anschein, eine – in den Augen von Nichtchristen – engstirnige Sekte aus einer fernen Provinz darzustellen.
In Rom bestand die Möglichkeit, im Sinn des neuen Glaubens auf maßgebliche Personen der Politik und Kultur einzuwirken und eine weitere Verbreitung zu fördern. Beeinflusst vom römischen Staatsaufbau bildete sich allmählich in Rom die hierarchisch gegliederte Ordnungsstruktur der römisch-katholischen Kirche heraus.
König Schapur I. nimmt Kaiser Valerian gefangen
Im entfernten Osten des Reiches konnte das Christentum dagegen keine Wurzeln schlagen. Mit Schapur I., dem zweiten Herrscher des von seinem Vater Ardaschir gegründeten neupersischen Reiches der Sassaniden, setzt die Weltmachtpolitik der Sassaniden ein. Nach Siegen über den römischen Kaiser Gordian III. und einem günstigen Friedensabschluss unter dessen Nachfolger Philippus Arabs kann Schapur I. 256 Antiochia einnehmen und 259/60 den römischen Kaiser Valerian gefangen nehmen. Diese für die Römer schmähliche Niederlage lässt der sassanidische Herrscher in mehreren großen Felsreliefs verewigen. In seinem Tatenbericht rühmt sich Schapur I. selbst der Deportation römischer Bürger und der Ansiedlung der Gefangenen. Doch schon unter Schapurs Nachfolgern kommt es wieder zu außenpolitischen Rückschlägen.
Christenverfolgung und orientalische Kulte
Lag es an der erfolglosen römischen Außenpolitik, oder an den augenfälligen Auflösungserscheinungen des Reiches – jedenfalls ging der römische Kaiser Decius kurz nach seinem Amtsantritt energisch gegen die Christen vor. Im Jahr 249 erlässt er ein Edikt, welches von allen Bewohnern des Römischen Reiches den öffentlichen Vollzug von Opfern für die Götter des römischen Staates fordert, wobei die öffentliche Opferung erstmals in der Geschichte des Imperiums überwacht wird.
Für die Christen gibt es in dieser Situation keinen Kompromiss, und so wird der Erlass zum Auftakt der nun einsetzenden systematischen Christenverfolgungen des 3. Jahrhunderts.
Dialog. So könnte es gewesen sein:
Claudius: „Ich werde unseren Herrn Jesus nicht verleugnen.“
Valentinus: „Ich will das ja auch nicht. Aber ich muss an meine Familie denken. Zwei Töchter wollen verheiratet sein, der Sohn soll schon bald das Weingeschäft übernehmen.“
Claudius: „Unser Herr Jesus Christus hat sich für uns am Kreuz auf dem Berge Golgatha geopfert, und Du denkst an Ehemänner für Deine Töchter und an Dein unchristliches Weingeschäft?“
Valentinus: „Ich denke ans Überleben, Bruder Claudius. Bis zum jüngsten Gericht ist es noch lange hin.“
Claudius: „Versündige Dich nicht, Valentinus. Armut ist Keuschheit für die Seele. Jedenfalls werde ich vor keinem Götzen die Knie beugen und ihm opfern. Sollen sie mich doch in die tiefsten Kerker werfen und foltern, ich werde meinem Herr Jesus Christus die Treue halten – solange noch ein Atemzug in mir ist.“
Valentinus: „Das tue ich doch auch, Claudius. Nur: In diesen Zeiten, wo wir Christen so unerbittlich durch die Schergen des Kaisers verfolgt werden, müssen wir geschmeidig wie die Rute eines Weidenbaumes sein. Was nutzt es der Kirche, wenn wir alle, die nur an diesen einen Gott und seinen Sohn Jesus Christus aus Nazareth glauben, von der Obrigkeit vernichtet werden. Märtyrer haben wir schließlich schon genug.“
Claudius: „Schweige still, Valentinus. Das ist Blasphemie. Ich jedenfalls hoffe als gerechter Märtyrer zu sterben, um dereinst für alle Ewigkeit an der rechten Seite des Herrn zu sitzen.“
Valentinus: „Dieser fromme Wunsch wohnt auch in meiner Brust, sei gewiss. Aber verstehe doch: Der Herr hat mir meine Kinder geschenkt, damit ich sie beschütze und ihnen den rechten Weg weise. Was nützt es ihnen, wenn die Häscher mir einen glühenden Pfeil durchs Herz bohren oder mich auf glühender Kohle rösten? Der Herr wird mir verzeihen, wenn ich mich vor den heidnischen Gottheiten verneige und seinen zur Hölle verurteilten Priestern einige Münzen zuwerfe.“
Claudius: „Du magst tun, was Dir beliebt. Den heidnischen Göttern zu opfern, bedeutet eine Todsünde zu begehen. Du sollst keine fremden Götter neben mir haben, das hat der Herr gelehrt. Mit dieser Schuld werde ich meine Seele nicht belasten. Niemals. Aber ich verstehe Deine Nöte, Bruder Valentinus. Ich werde für Dich beten.“
Diese Verfolgungen durch Decius leitete eine neue Phase im Verhältnis des Römischen Reiches zum Christentum ein. Ursprünglich hatte Rom allen fremden Religionen gegenüber ein ungewöhnliches Maß an Toleranz entgegen gebracht. Zwar galt das Christentum als ein fanatischer und verbrecherischer Aberglaube, doch erst die Restaurationspolitik Kaiser Decius steht dem Christentum feindlich gegenüber. Ebenso wie den orientalischen Kulten, die im Römischen Reich wachsenden Zulauf erhalten. Besonders beliebt ist bei der Bevölkerung der indisch-persische Mithraskult, der seit dem 14. Jahrhundert existiert und der Manichäismus, der seit etwa 240 von seinem Stifter Mani verbreitet wird.
Der Manichäismus ist eine gnostische Lehre, bei der nicht das Opfer, sondern das Wissen erlöst. Es gibt zwei Prinzipien: Licht und Finsternis, das heißt das Gute und das Böse, Gott und die Materie. Die Welt, also die Materie, ist eine Schöpfung satanischer Mächte und wird darum abgelehnt. Am Anfang waren Licht und Finsternis getrennt. Dann griffen die Dämonen das Reich des Lichts an und verschlangen das Licht. Seitdem sind beide Substanzen vermischt, die Lichtsubstanz ist in die Materie eingeschlossen.
In einer zweiten Schöpfung erzeugte der „Vater der Größe“ den „Lebendigen Geist,“ der den Urmenschen der Finsternis entriss. Dieser wurde zwar gerettet, seine Seele blieb aber in der Finsternis zurück und wurde befleckt. Der „Vater der Größe“ schickte einen „dritten Gesandten“, der die Dämonen zwang, die Lichtpartikel mit ihrem Samen auszustoßen. Gute und wissende Menschen können durch asketisches Leben das Licht von der Materie befreien und damit zur Erlösung gelangen.
Mani beruft sich bei seiner Lehre auf Jesus, Buddha und Zarathustra. Seiner Meinung sind deren Religionen nicht universell genug und vor allem von späteren Nachfolgern entstellt worden.
306: Konstantin, der Reformer
Einer, der sich nicht vom Christengott, heidnischen Göttern und berühmten Gelehrten beeinflussen ließ, war Kaiser Konstantin. Ein Realpolitiker, für den auch die Religion nur als Mittel zum Zweck diente.
18 Jahre nach der Ausrufung zum römischen Kaiser und Mitregenten – im Jahre 306 – ist Konstantin I., genannt „der Große“, Alleinherrscher im Imperium Romanum. In den Schlachten bei Chrysopolis und Adrianopel besiegt er den oströmischen Kaiser und Rivalen Licinius entscheidend und sichert sich die alleinige Macht. Die Herrschaft der vier Kaiser – Tetrarchie – über das Römische Reich ist damit endgültig gescheitert.
Unter Konstantins Regierung erfährt das Christentum eine bedeutendeAufwertung. Im Februar 313 wird durch das „Mailänder Toleranzedikt“ den Christen Religionsfreiheit gewährt. Gleichzeitig wird die alte römische Staatsreligion abgeschafft. Damit sind die Christenverfolgungen im gesamten Römischen Reich beendet. Bereits 311 hatte der oströmische Kaiser Galerius Maximianus, der bis dahin die Christen unterdrückt hatte, wenige Tage vor seinem Tod überraschend ein Toleranzedikt erlassen, damit auch die Christen für seine Gesundheit beten sollten.
Die Aufhebung der Staatsreligion bedeutete einen scharfen Bruch in der römischen Geschichte. Die Christen erhielten ihre eingezogenen Güter zurück. Damit verschwand der Druck, der lange auf den Gemeinden lastete, gleichzeitig tauchte aber ein neues Problem auf: Während der Verfolgungszeit schwebten die Christen ständig in Lebensgefahr. In diesem Klima entwickelten sich die Tugenden der Opferbereitschaft, der Standhaftigkeit und der uneingeschränkten Bruderliebe.
Jetzt zeigte sich die Gefahr der Verweltlichung, zudem fiel die äußere Schranke zwischen den Christengemeinden und der Kultur ihrer Umwelt. Der gesellschaftliche Kontakt nahm zu und damit die gegenseitige Beeinflussung von Christen und Heiden. Das Christentum entwickelte sich zur Massenreligion.
Konstantin überhäufte den Klerus mit Ehrungen und gab ihnen die gleiche privilegierte Stellung wie den heidnischen Kultbeamten. Die christlichen Gemeinden erhielten Zulauf von politisch Ehrgeizigen und religiös Uninteressierten, die sich vom Übertritt Vorteile versprachen, geistig aber noch im Heidentum verhaftet waren. Dadurch verflachte der Glaube immer mehr.
Der Kaiser, der sich gern als „Mitbischof“ bezeichnen ließ, fühlte sich berechtigt, in innerkirchliche Angelegenheiten einzugreifen. Die Kirche stellte sich in den Dienst des Staates und grenzte sich nicht klar ab.
Konstantin ließ Byzanz zur christlichen Reichshauptstadt Konstantinopel ausbauen. 337 starb der Kaiser als Christ. Kurz vor seiner Taufe bereute er alle Sünden und glaubte, damit der Hölle zu entkommen.
Indien: Entstehung des Gupta-Reiches
Entscheidende Umwälzungen auch in Indien, mit denen die Römer regen Handel trieben: Im 4. Jahrhundert n. Chr. entstand das Gupta-Reich, das in Nord- und Zentralindien die Kushan-Herrschaft ablöste.
Der Handel verlor an Bedeutung und die Menschen benutzten häufig nur noch Muscheln als Tauschmittel. Aus Eroberern und Resten der indischen Aristokratie ging eine „ritterliche“ Gesellschaft hervor, die das klassische Sanskrit als gemeinsame Sprache einer höfischen Kultur erlernte. Die Gupta-Könige begünstigten vor allem synkretistische Kulte, also Verschmelzungen unterschiedlicher religiöser Lehren, aus denen schließlich der Hinduismus hervor ging. Im Mittelalter lagen die Hauptzentren des Buddhismus außerhalb Indiens. So begannen die Inder ihn für eine fremde Lehre zu halten.
In Nordindien verfasst der Weise Vatsyanya Mallanaga ein Lehrbuch der Erotik in sieben Kapiteln, das „Kamasutra.“ Das Handbuch, welches die indischen Liebeslehren zusammenfasst, wendet sich in erster Linie an die Männer, denen es zu verfeinertem sexuellen Genuss verhelfen will.
Neben Hinweisen auf alle Arten der sexuellen Vereinigung enthält das „Kamasutra“ Informationen über Hochzeitsbräuche, das Kurtisanenwesen und magische Geheimlehren.
Mittelamerika, um 350: Die Maya-Hochkultur im Urwald
Während das Römische Imperium unter Auflösungserscheinungen litt, und in Indien die Kushan-Herrschaft abgelöst wurde, erlebte die Kultur der Maya, die im Urwaldgürtel zwischen Guatemala und Mexiko lebten, ihre klassische Phase. Tempelpyramiden und monumentale Plastiken zeugen noch heute von ihrer hoch entwickelten Kultur.
Die Mayas kannten als einziges Volk Amerikas eine abstrakte Schrift, die über eine Bilderschrift hinaus entwickelt war. Sie besaßen zwei Kalender, einen recht genauen Sonnenkalender von 365 Tagen und einen Ritualkalender von 260 Tagen, die in 13 Perioden zu 20 Tagen unterteilt waren. Die Zeitrechnung gliederte sich in Perioden zu je 20 Jahren. Am Ende jeder Periode waren mit Inschriften versehene Stelen aufgestellt, die typisch für die Maya-Kultur sind.
Auch die Mathematik, die wie alle Bereiche der Kultur von der Religion beeinflusst ist, beruht auf einem Zwanzigersystem. Die Mayas, die mit der Zahl Null operieren, waren in der Lage, komplizierte Berechnungen, vor allem auf dem Gebiet der Astronomie, anzustellen. Die Wissenschaft der Maya diente fast ausschließlich dazu, den Willen der Götter zu erforschen. Erkenntnisse wurden aber kaum praktisch umgesetzt. Zum Beispiel war bei ihnen das Rad bekannt, es wurde aber nur bei Kinderspielzeugen verwendet, nicht aber – was nahe gelegen hätte – zum Transport von Lasten.
Kennzeichnend für die Mayas war ihr Fatalismus. Sie fühlten sich ihren Göttern hilflos ausgeliefert, ohne eine Möglichkeit der Erlösung. Ihr Götterhimmel spiegelte auch ihre Abhängigkeit von der Natur wider. Sie verehrten einen Maisgott, die Sonne, den Regen und andere Naturgewalten.
Der Regen musste rechtzeitig fallen, die Sonne durfte nicht zu stark scheinen, damit der Mais gedieh und das Volk keinen Hunger litt. Der Hunger war eine ständige Bedrohung. Auch die Götter litten unter ihm. Sie ernährten sich vom Blut der Menschenopfer, die ihnen reichlich dargebracht werden mussten, damit sie weiterleben und für das Wohl der Menschen sorgen konnten. Kultische Feste waren ein Ausdruck der Ergebenheit den Göttern gegenüber. Dabei war das Ballspiel von großer Bedeutung. Der hin- und herrollende Ball symbolisierte die Wanderung der Sonne, die nie aufhören durfte. Nach dem Spiel wurde der Anführer der unterlegenen Mannschaft dem Sonnengott geopfert.
Der Opfertod auf dem Altar galt als verdienstvoll. Er war neben dem Tod in der Schlacht oder im Kindbett die einzige Möglichkeit, ins Paradies zu gelangen. Alle anderen Toten führten im Jenseits ein freudloses Schattendasein.
Die Lebensbedingungen waren für den größten Teil des Volkes noch primitiv. Der Ackerbau wurde mit steinzeitlichen Mitteln betrieben, Pflug und Zugtiere waren unbekannt. Dennoch gab es seit langem Fernhandel mit Luxusgütern.
Äthopien, um 350: Aksum – Großmacht der spätantiken Welt
Auf dem afrikanischen Kontinent finden im jetzigen Zeitfenster eine wichtige Veränderungen statt. Der Untergang Ägyptens ermöglicht den Aufstieg einer neuen Macht im Süden des einstigen Pharaonen-Reiches:Aksum im heutigen Äthopien gewinnt zunehmend an wirtschaftlicher und politischer Bedeutung. Es zählt neben Rom, Byzanz und Persien zu den spätantiken Großreichen. Aksum unterhält weit gespannte Handelsbeziehungen zum Mittelmeerraum und zum Indischen Ozean. Besonders intensive Kontakte auch kultureller Art bestehen zu Byzanz und Alexandria.
Durch die Zerschlagung des Reiches von Meroe erhält Aksum die Kontrolle über die Weihrauchstraße, die durch Arabien zu den Mittelmeerhäfen führt. Die mystische Straße ist von großer machtpolitscher Bedeutung. Auf ihr gelangen das in Rom so begehrte Weihrauch, Gold und Myrrhe nach Norden, Eisenwaren nach Süden. Auf das 4. Jahrhundert soll auch der Bau der Kathedrale „Marjam Sejon“ zurückgehen, die jahrhundertelang die Krönungskirche der äthiopischen Herrscher war.
395: Das Römische Reich ist endgültig geteilt
„Teile und herrsche“ – das war stets eine Erfolgsformel der römischen Politik. Jetzt wird das Reich selbst geteilt. Der Tod des Kaisers Theodosius I., des Großen, des letzten gesamtrömischen Herrschers, bedeutet einen entscheidenden Einschnitt in die Geschichte des Imperium Romanum. Das Römische Reich wird unter seinen beiden Söhnen aufgeteilt: Honorius erhält den Westen, Arcadius den Osten.
Die Grenze zwischen den beiden neuen Reichen verläuft östlich von Italien quer durch Illyrien von Norden nach Süden. Hauptstadt des Oströmischen Reiches, das nunmehr politisch und auch kulturell seine eigenen Wege geht, bleibt Konstantinopel. Rom dagegen verliert weiter an Bedeutung. Neues politisches Zentrum des Weströmischen Reiches wird ab 395 Mailand und ab 404 Ravenna.
Die Reichsteilung legt den Keim für neue Konflikte. Für den minderjährigen Honorius übernimmt der germanische Heerführer Stilicho die Regentschaft im Westen, während im Osten der germanenfeindliche Flavius Rufinus die Herrschaft an sich zieht.
In den folgenden Jahren steckt das Römische Reich an allen Fronten schwere Niederlagen ein. Seit Jahrhunderten bestehende Grenzen müssen aufgegeben werden. Der Ansturm germanischer Völker ist nicht mehr aufzuhalten.
Aber es gab noch eine viel größere Gefahr: Die Nomadenvölker aus den asiatischen Steppen.
Die Nomadenvölker Eurasiens
Nomaden, und das waren im Grunde auch die Westgoten durch den Einfall der Hunnen geworden, lösten immense Wirkungen aus. Zuerst wurden sie von expandierenden Bauern- und der Stadt-Zivilisation abgedrängt und in Steppen und Wüsten getrieben. Dort spezialisierten sie sich notgedrungen auf Viehzucht und Raub. Denn wie anders sollten sie sich Luxus- und Prestigegüter verschaffen. Wenn Nomadenstämme die Karawanen nicht überfielen, so kassierten sie doch zumindest Schutzgeld. Nomaden waren auch die Hauptakteure im Sklavenhandel, lieferten die „Ware“ in die großen Machtzentren der Alten Welt, von Indien bis ins spanische Cordoba.
Die asiatischen Nomaden lebten in Clan- und Stammesverbänden, in „Horden“ unter einem „Khan“ – König, in ständigem Kampf mit Nachbarn um knappe Ressourcen. Nur in extremer Not, meist nach lang anhaltender Dürre, schlossen sie sich unter einem Groß-Khan zu Stammeskonföderationen zusammen, um sich mit der geballten Kraft der Verzweiflung bessere Lebensbedingungen zu erkämpfen.
Zum harten Nomadengesetz gehörte das strikte Verbot der Sesshaftigkeit. Deshalb verbrannten zumindest die turk-mongolischen Nord-Nomaden auf ihren Raub- und Eroberungszügen systematisch die Behausungen der Sesshaften, damit sich dort nicht eigene Leute festsetzten, und so praktisch zu Verrätern am eigenen Stamm und seinen Sitten und Gebräuchen wurden. Bei Widerstand wurden alle Männer getötet – nicht nur auf dem Schlachtfeld.
Als die Mongolen bei ihrem Vordringen nach Europa bemerkten, dass sich Christen auf dem Schlachtfeld oft tot stellten, kam die Sitte hinzu, allen auf dem Boden liegenden Kämpfern den Kopf abzuschlagen. Die Köpfe wurden anschließend, auch als Siegestrophäen und zur Abschreckung, in riesigen Schädelpyramiden aufgehäuft.
Die häufigen Nachfolgekriege und interne Führungswechsel erklären auch die Fülle der Namen, unter denen Nord-Nomaden in China einbrachen oder am Rande des Westens auftauchten – z.B. Hunnen, Awaren, Petschenegen, Kumanen, Khasaren, Ungarn, Türken, Mongolen, Tataren.
Wichtig zum Verständnis der Westbewegung der Nord-Nomaden ist auch die Tatsache, dass die klimatischen und ökologischen Bedingungen im Osten Zentralasiens am härtesten waren und in Richtung Westen immer leichter wurden. Daher kehrten Nomaden aus Zentralasien, wenn sie im Westen einmal angekommen waren, freiwillig nie wieder in ihre alte Heimat zurück.
Die Völkerwanderung
Im August 410 erschütterte eine geradezu unglaubliche Nachricht die damalige Welt: Der Heerführer der Westgoten, Alarich I., hatte Rom eingenommen und die Stadt drei Tage lang geplündert. Nichtchristen meinten, dies sei die Strafe für Roms Abfall von den alten Göttern. Natürlich war das Unsinn. Die Stadt war reif für diesen Überfall. Eine der Ursachen waren die seit über 100 Jahren andauernden Germanenkriege. Das Reich war zum Militärstaat geworden. Längst bestanden die Heere zum großen Teil aus germanischen Söldnern. Auch die Truppenführer, ja selbst die hohen Beamten waren nicht selten Germanen, die zu römischen Bürgern geworden waren. So war römischerseits der größte Gegenspieler Alarichs der gebürtige Vandale Stilicho, dessen Ermordung 408 den Westengoten ihren Angriff auf Rom erleichterte.
Kriegszüge germanischer Völkerschaften gegen die Germanen waren nichts Neues. Bereits um 100 v. Chr. hatten sich die Römer nur schwer gegen die Kimbern und Teutonen erwehren können. Aber diesmal handelte es sich um etwas anderes, um eine Völkerwanderung, die sich wie ein reißender Strom über das morsche römische Imperium ergoss.
Der Druck auf das römische Reich war zu stark geworden. Ausgelöst durch den Ansturm der Hunnen aus dem Osten, drückten Westgoten, Alanen, Sweben und Vandalen auf die römischen Grenzen und waren nicht mehr aufzuhalten. Als schließlich auch noch die Langobarden Norditalien besetzten, brach das weströmische Reich schallend zusammen.
Auch Britannien ging verloren. Die germanischen Stämme der Angeln und Sachsen eroberten ohne auf nennenswerten Widerstand zu stoßen die britischen Inseln und gründeten dort erste kleine Königreiche.
Seit dem 4. Jahrhundert drangen die Franken mehr und mehr nach Gallien ein und verschmolzen sich mit der romanischen Bevölkerung. Im fränkischen Staat arbeiteten die verbliebenen römischen Fachbeamten loyal mit, ebenso die als gesellschaftliche und wirtschaftliche Kraft bedeutsame Kirche. So konnte jene Symbiose zwischen römisch-antiker Kultur christlicher Prägung und germanischen Traditionen entstehen, die das Frankenreich schließlich im 8. Jahrhundert zum mächtigsten Staatswesen des Westens werden ließ.
Das einst so stolze Rom war, als es fiel, ruiniert. Die verweichlichende Dekadenz der Römer, der rasche Wechsel der Soldatenkaiser, innere Krisen im Reich, verursacht durch ernorme Steuerlasten, die den Pächtern, Händlern, Kleinbauern und Handwerkern aufgelastet wurden, ließen Handel und Verkehr ins Stocken geraten. Weite Teile der Bevölkerung, die vor allem in Rom seit Generationen von Zuwendungen reicher Mitbürger lebten, waren um die Mitte des 3. Jahrhunderts ohnehin der Ansicht, dass alle Katastrophen ihren Ursprung in der Aufgabe altrömischer Traditionen hatten. So setzten sie den beutehungrigen Feinden kaum einen ernsthaften Widerstand entgegen.
430: Attila, die Geißel Gottes
In der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts war besonders der Osten des Reiches den Angriffen der Hunnen ausgesetzt. Dieses asiatische Reitervolk löste die germanische Völkerwanderung aus, die zur entscheidenden Bedrohung für das Römische Reich werden sollte.
Die Hunnen, ein nomadisches Reitervolk, stammte aus Zentralasien. Über die Nordwestgrenze drangen sie wiederholt in China ein, was schließlich zum Bau der chinesischen Mauer führte. Erst den Han-Kaisern gelang es, das kriegerische Reitervolk endgültig abzuwehren. Darauf setzten sich die Hunnen seit dem 1. Jahrhundert in Richtung Westen in Bewegung.
Als Reiternomaden lebten sie überwiegend von der Viehzucht, der Jagd und von der reichen Kriegsbeute, die sie bei ihren Plünderungszügen machten.
Im 4. Jahrhundert drängten sie die zwischen Ostsee und Schwarzem Meer siedelnden Germanen gegen die Grenzen des Römischen Reiches. Bei ihrem Marsch gerieten die Hunnen immer wieder in Konflikt mit den ansässigen Völkern, blieben ihnen jedoch durch ihre ungewohnte Kampftechnik überlegen. 374 unterwarfen sie die Alanen, mit denen sie gemeinsam gegen das Ostgotenreich kämpften. Die sesshaften Ostgoten unterlagen und kapitulierten 375 nach dem Selbstmord ihres Heerführers Ermanarich. Die ebenfalls bedrohten Westgoten suchten im Römischen Reich Schutz.
Nach diesen Völkerbewegungen und der bitteren römischen Niederlage in der Schlacht von Adrianopel war nördlich der Donau, von der Ukraine bis zum Rhein, ein großes hunnisches Reich entstanden. 434 folgten nach dem Tod König Ruas seine Neffen Attila und Bleda in den Westen.
Nach der Ermordung seines Bruders wurde Attila 445 unumstrittener Alleinherrscher. Als der Hunnenkönig im Sommer 451 mit angeblich einer halben Million hunnischer Reiter und germanischen Hilfstruppen in Gallien einmarschierte, stellten sich ihnen ein weströmisches Heer unter Aetius, die Westgoten unter Theoderich I. sowie die Franken entgegen.
In der Schlacht auf den „Katalaunischen Feldern“ wurden die Hunnen unter großen Verlusten zurück geworfen. Attila verlor den Ruf der Unbesiegbarkeit. Die Hunnen wandten sich nach Italien und plünderten im Sommer 452 Aquileia, Pavia und Mailand.
Attila starb im folgenden Jahr, das Hunnenreich zerfiel bald nach seinem Tod. Während Attila in der christlichen Überlieferung als „Geißel Gottes“ fortlebte, in der altnordischen Sage als goldgieriger, grausamer Atli, erscheint er in der deutschen Heldendichtung – am bekanntesten als Etzel im Nibelungenlied – als gütiger Herrscher, der an seinem Hof der Hilfe suchenden burgundischen Königstochter Kriemhild Zuflucht und Unterstützung gewährte.
Die Plünderung Roms
Auch die Hauptstadt des morsch gewordenen „Imperium Romanum“ blieb von den Folgen der Völkerwanderung nicht verschont. Am 24. August 410 wurde die Stadt von den Westgoten unter dem Kommando ihres Königs Alarich eingenommen und drei Tage lang geplündert.
Die Einnahme Roms erschütterte die Zeitgenossen. Nach Alarichs Tod zogen die Goten 412 nach Gallien und erhielten schließlich Land zur Ansiedlung zugewiesen. Damit begann unter Führung des Westgotenkönigs Vallia 418 die Geschichte des „Tolosanischen Westgotenreichs“, benannt nach seiner Hauptstadt Tolosa, dem heutigen Toulouse.
Faktisch war das Westgotenreich souverän. Es erreichte 477 unter König Eurich seine größte Ausdehnung. Erst durch die Niederlage gegen die Franken unter Chlodwig bei Voullié, bei der Alarich II., der Sohn Eurichs, fiel, verloren die Goten den größten Teil ihres gallischen Gebietes mit der Residenz Toulouse.
Britannien, etwa 450
Auch dieAngeln, Sachsen und Jüten gerieten während der Völkerwanderung in Aufruhr und setzten vom heutigen Nordwestdeutschland und Dänemark aus nach Britannien über. Dort begannen sie mit der Eroberung des Landes.
In erbitterten Kämpfen vertrieben sie die keltischen Pikten und Skoten, die seit dem Abzug der römischen Truppen das Land beherrschten. Bis 407 gehörten Teile Britanniens – das spätere England und Wales – zum Römischen Reich. Die romanisierten Briten, die sich zunächst gegen die Pikten und Skoten wehrten und sich nun auch gegen die Angeln, Sachsen und Jüten behaupten mussten, wichen in den folgenden Jahren nach Schottland und Wales sowie in die nach ihnen benannte Bretagne aus.
Indien, um 470
Selbst Indien wurde nicht von den wilden, eroberungswilligen Völkern verschont. Der Überfall der so genannten „Weißen Hunnen“ führte zur Zerstörung des indischen Reiches der Guptas, das um 320 begründet worden war, sich unter dem Herrscher Samudragupta über ganz Nordindien erstreckte und um 400 eine kulturelle und wirtschaftliche Blüte erlebte. Indien zerfiel nach dem Überfall der fremden Krieger in eine Vielzahl kleiner, miteinander rivalisierender Königreiche.
476: Germanen regieren das weströmische Reich
Währenddessen ist der Zerfall des Römischen Imperiums nicht mehr aufzuhalten. Mit der Proklamation des Germanenführers Odoaker durch das römische Heer, das vorwiegend aus germanischen Söldnern besteht, zum neuen Herrscher, wird in Rom erstmals eine germanische Herrschaft begründet. Der endgültige Zerfall Westroms ist damit besiegelt.
Anlass für die Absetzung des letzten Kaisers Romulus Agustulus war die schwierige finanzielle Lage Roms. Das Heer, das nicht mehr besoldet werden konnte, meuterte. Odoaker plante keineswegs das weströmische Reich durch einen unabhängigen germanischen Staat zu ersetzen. Vielmehr wollte er den Westen dem Kaiser in Konstantinopel unterstellen und er, Odoaker, wollte als kaiserlicher Stellvertreter in Rom herrschen.
Der oströmische Kaiser Zenon erkannte Odoakers Regenschaft zwar zunächst an, versuchte dann jedoch mit Hilfe der Ostgoten, Odoaker zu vertreiben. Nach ersten Siegen der Ostgoten kam es im Februar 493 zu einem Kompromiss, der die gemeinsame Herrschaft von Odoaker und dem Ostgoten-König Theoderich dem Großen vorsah. Doch schon kurz nach dieser Abmachung ließ Theoderich seinen Mitregenten ermorden und schwang sich zum Alleinherrscher auf.
Das Mittelalter
Die Erscheinungsformen mittelalterlichen Lebens wurden durch die christliche Antike sowie durch germanische Anschauungen und Lebensweisen bestimmt. Die Begegnung germanischer Völker mit dem spätrömischen Reich führte dazu, dass sie das Christentum mitsamt der Kirchenorganisation übernahmen, ebenso – mit dem Lateinischen als Sprache der Gebildeten – einen Teil des antiken Bildungsguts, ferner Teile des römischen Rechts und der römischen Verwaltung. Auch bestimmte Formen des Wirtschaftslebens, vor allem im Agrarbereich die Bewirtschaftung großer Gutskomplexe, beeinflussten die Germanen.
Gerade das Frankenreich war für die Herausbildung der abendländischen mittelalterlichen Welt von entscheidender Bedeutung. Unter Karl dem Großen umfasste es – von den britischen Inseln abgesehen – sämtliche noch christlichen Gebiete West- und Mitteleuropas. Als Papst Leo III. im Jahr 800 Karl den Großen zum Kaiser krönte, wurde an das 476 untergegangene weströmische Kaisertum angeknüpft.
Freilich war dieses Reich zu groß und zu dünn besiedelt, um auf die Dauer äußeren Angriffen stand halten zu können. Sie gingen vor allem von den Normannen aus, die die Küstenlandschaften immer wieder plünderten.
Als mittelalterliche Form des menschlichen Zusammenlebens entstand die Stadt als durchaus etwas Neues. Viele Städte gingen aus Bischofssitzen hervor, viele auch aus Mittelpunkten des Regional-und vor allem des Fernhandels. Zur „Stadt“ wurde eine Siedlung, wenn sie markt-, Befestigungs- und Selbstverwaltungsrecht von einem Herrn errang oder zugestanden erhielt. Städtegründungen dienten aber auch zur Festigung der Landesherrschaft.
Im deutschen Reich setzten es viele Städte durch, nur dem König untertan, also faktisch unabhängig zu sein. Die Bürger bildeten eine Genossenschaft, die sich aus vielen kleineren zusammen setzte, besonders solchen, die Produktion und Absatz bestimmter Waren und Güter genau regelten und gegen Konkurrenz abschirmten, den Zünften.
Die Bauern aber blieben meist unfrei sowie zu Diensten und Abgaben an ihre Grundherren verpflichtet.
Der „Schwarze Tod“, die große Pestepidemie, die seit 1347 ganz Europa heimsuchte, traf auf ein inzwischen übervölkertes, von Hungerkrisen geschütteltes Abendland. Bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts raffte die Pest über ein Drittel der Bevölkerung hinweg, entvölkerte ganze Dörfer und verwandelte fruchtbaren Ackerboden in ödes Brachland. Die Landwirtschaft geriet durch stockenden Absatz und Preisverfall in eine tiefe Krise. Ihr entzogen sich viele Bauern durch Flucht in die Städte. Zugleich schürten Enge und Not die sozialen Konflikte in den Städten.
511 Jahre: Merowingisches Frankenreich
Germanische Stämme werden von ihren Führern mit eiserner Hand zu einer Gemeinschaft geformt und verachten die in ihren Augen verweichlichten Römer. Der Frankenkönig Chlodwig steht mit seiner Härte und Skrupellosigkeit beispielhaft für andere germanische Führer.
Das Eindringen der Franken in römisches Gebiet erfolgte nicht schlagartig. 358 konnte sich mit Duldung des römischen Kaisers Julian das Volk der Salfranken in ihrem linksrheinischen Siedlungsgebiet in Nordbrabant erstmals ein ganzer Teilstamm auf Reichsgebiet behaupten. In den folgenden 100 Jahren dehnten sowohl die Salier als auch die verschiedenen Teilstämme ihren Machtbereich aus und wurden zeitweise Föderation des römischen Imperiums.
Damit einher ging ein Prozess der Machtkonzentration, in dem sich in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts bei den Saliern das Geschlecht der Merowinger durchsetzte. Im Jahr 482 übernahm nach dem Tod Childerichs sein Sohn Chlodwig als salfränkischer „Teilkönig von Tournai“ die Macht. Er dehnte seine Herrschaft bis zur Loire aus. Der damit vollzogene Eintritt des Frankenreiches in den Kreis der germanisch-romanischen Großreiche kam durch Chlodwigs Heirat mit Chrodechilde, der Nichte des burgundischen Königs Gundobad, und der Vermählung seiner Schwester Autofleda mit dem Ostgotenkönig Theoderich zum Ausdruck.
Von großer historischer Bedeutung war der nach einem ersten Sieg über die südlichen Nachbarn, die Alamannen, vollzogene Übertritt des Frankenkönigs zum katholischen Christentum. Chlodwigs neues Bekenntnis war zugleich politisches Programm: Einerseits gewann er die Unterstützung der romanischen Oberschicht und des Episkopats in Gallien, andererseits wurde die bestehende Feindschaft zu den arianischen Westgoten ideologisch untermauert.
Durch die rücksichtslose Beseitigung der rheinfränkischen Könige von Köln und mehrerer salfränkischer Kleinkönige im belgisch-niederländischen Raum vervollständigte Chlodwig seine Herrschaft im gesamtfränkischen Bereich. Nach Chlodwigs Tod 511 wurde das Reich nach germanischem Brauch unter seinen vier Söhnen aufgeteilt.
Die Vandalen
„Sie hausten wie die Vandalen“ heißt es auch heute noch, wenn von besonderen Verwüstungen die Rede ist. Die Vandalen galten als Prototyp wilder Barbaren. Dabei waren sie nur ein gefürchteter nordgermanischer Stamm, der Römer und Gallier gleichermaßen in Angst und Schrecken versetzte. Teilstämme zogen zu Beginn des 5. Jahrhunderts nach Westen und überquerten 406 bei Mainz den Rhein. Nach dreijährigen Plünderungszügen durch Gallien überschritten sie die Pyrenäen und teilten 411 fast die ganze iberische Halbinsel untereinander auf.
Der nach empfindlichen Niederlagen gegen die Westgoten entstandene vandalische Großstamm wanderte nur wenige Jahre später auf der Flucht vor Sueben und Römern nach Südspanien. Im Frühjahr 429 setzten 80.000 Vandalen unter ihrem genialen König Geiserich nach Afrika über und rückten der Küste entlang nach Osten vor. Nach 14-monatiger Belagerung nahmen sie im Sommer 431 die Bischofsstadt „Hippo“ ein. Geiserich herrschte in der Folgezeit als souveräner König mit eigener Münzprägung.
Im Juni 455 unternahmen die Vandalen einen Beutezug nach Rom. Vierzehn Tage lang wurde die Stadt geplündert. In den Folgejahren dehnte Geiserich die vandalische Herrschaft auch auf die Balearen, Sardinien, Korsika und Sizilien aus und erreichte schließlich 474 die Anerkennung seines Besitzes durch Ostrom.
Der Tod Geiserichs 477 leitete den Niedergang des Vandalen-Reiches ein. Weniger fähige Herrscher, dynastische Kämpfe, der religiöse Konflikt zwischen der Minderheit der arianischen Vandalen und den zeitweise verfolgten katholischen Romanen sowie schließlich die Wiedereroberungspolitik Konstantinopels unter Justinian führten zum Untergang des Vandalen-Reiches.
521: Kaiser Justinian
Kaiser Justinian regierte knapp vier Jahrzehnte. Länger als er hatte von seinen Vorgängern nur Augustus, der Schöpfer des römischen Kaisertums, geherrscht. Wie der erste Princeps prägte Justinian nicht nur sein eigenes Zeitalter, er bestimmte vielmehr auch die künftige Entwicklung des Römischen Reiches maßgeblich. Seine Tätigkeit auf dem Gebiet der Rechtskodifikation beeinflusste die Rechtsentwicklung bis in die Moderne.
Das Imperium Romanum in seinen alten Grenzen und in alter Größe wieder herzustellen, das war ein Hauptziel seiner Außenpolitik. Den ersten Schlag führte er gegen das Vandalenreich, das sein Feldherr Belisar 534 zerschlug. Der danach mit den Ostgoten in Italien aufgenommene Kampf war dagegen schwierig und währte fast 20 Jahre. Die territoriale Expansion belastet jedoch – ebenso wie seine umfassende Bautätigkeit – die Kassen des Reiches und führt zu erhöhten Steuerlasten, die soziale und politische Unruhen zur Folge haben.
Dialog. So könnte es gewesen sein:
Valerius: „Ruhm und Ehre dem Kaiser unseres geliebten byzantinischen Reiches. Der geniale Feldherr Belisar hat gegen die verfluchten Barbaren im Norden des Reiches erneut einen glänzenden Sieg erfochten.“
Gaius: „Ja, Ruhm und Ehre dem Kaiser. Aber wer soll diese Triumphe eigentlich bezahlen? Die Steuerlasten sind so drückend geworden, dass mir kaum noch eine Münze im Beutel bleibt. Meine Frau geht in Lumpen, meine Kinder hungern.“
Valerius: „Für die Größe des Imperiums müssen wir alle Opfer bringen.“
Gaius: „Du hast gut reden. Als kaiserlicher Beamter musst Du Dir um das tägliche Brot keine Sorgen machen. Hinten und vorne stekken Dir die Bittsteller das Gold zu. Selbst Deine Sklaven sehen ja aus wie Herren.“
Valerius: „Dummes Geschwätz der Neider. Bösartige Verleumdungen. Der Kaiser hat endlich gerechte Gesetze eingeführt. Dazu gehört auch eine angemessene Belohnung der Staatsdiener. Kaiserin Theodora, der Herr Jesus Christus möge ihr ein langes Leben schenken, hat den Imperator klug beraten.“
Gaius: „Dass ich nicht lache, ausgerechnet Theodora, die ehemalige Schauspielerin und Tochter eines Tierwärters, die der Kaiser zur Mitregentin ernannt hat. Um das durchzusetzen, hat er sogar ein Gesetz für diese Hure erlassen. Ein Skandal ist das, sage ich Dir, ein echter Skandal. Kaiser Konstantin würde sich im Grabe umdrehen, wenn er das wüsste.“
Valerius: „Pssst. Nicht so laut. Die Spione des Herrscherpaares lauern überall, haben Eselsohren. Du bist zwar mein Freund und Nachbar, aber stelle meine Gutmütigkeit nicht auf eine allzu harte Probe.“
Gaius: „Das Volk rottet sich bereits im Zirkus zusammen. Ganz gewiss nicht, um sich nur an den Wagenrennen zu erfreuen. Achte auf Deine Gesundheit, mein Freund und Nachbar. Es könnte sein, dass Dich ein Sturm hinweg fegt.“
Valerius: „Auf die Treue der kaiserlichen Truppe ist Verlass. Sollte sich der Plebs wirklich gegen die weise Herrschaft des Justinian und seiner Gattin Theodora erheben, wird es mit seinem Blut dafür bezahlen müssen. Aber genug jetzt, ich muss weiter. Die Kaiserin hat zur Tafel geladen, da möchte ich ihr rechtzeitig meine Aufwartung machen.“
Im so genannten „Nika“-Aufstand im Januar 532 erhoben sich in Konstantinopel die Bürger gegen den Kaiser. Nach fünftägiger Dauer wird der Aufstand blutig niedergeschlagen.
Justinians Nachfolger, mit denen die eigentliche byzantinische Geschichte beginnt, gaben diese kriegerische Politik im Westen auf und beschränkten sich auf den griechischen Osten.
538: Buddhismus und Shinto in Japan
Während sich in Europa das Christentum durchgesetzt hatte, kämpften in Asien verschiedene Religionen um die Vormachtsstellung. Als 538 mit dem Buddhismus erstmals eine fremde Religion nach Japan kommt, wird es nötig, dem Glauben einen Namen zu geben. Man unterscheidet fortan den „Weg Buddhas“ und den „Weg der Götter“ – Shinto.
Im Shinto ist Gott nicht klar definiert. Er zeigt sich in der Natur, in Tieren und Pflanzen, im Meer und in den Bergen, im Sturm und im unheimlichen Echo. Die unmittelbare gefühlsmäßige Wahrnehmung des religiösen Mysteriums hat größeren Wert als die theologische Diskussion. Die Riten sind einfach. Man betet vor dem Heiligtum, dem Schrein der Sippe. Alte schamanische Traditionen zeigen sich in ekstatischen Tänzen, mit denen Priesterinnen Verbindung zum Göttlichen suchen.
Der Buddhismus wird zunächst vom Volk abgelehnt, findet jedoch in höfischen Kreisen Verbreitung. Angenommen werden vor allem die mystischen trantrischen Elemente. Frommen Asketen werden magische Kräfte zugetraut, sie ziehen durch Dörfer und wirken dort als Schamanen. Die geistigen Inhalte dieser in Indien entwikkelten Religion werden kaum angenommen. Die Japaner neigen dazu, fremde Gedanken ihren eigenen Vorstellungen anzupassen. So wird etwa der alte Ahnenkult mit dem Buddhismus verbunden. Mit der Religion gelangen auch die chinesische Schrift und Kultur über Korea nach Japan.
560: Sassaniden und Türken verbünden sich
Während in Asien Japan sich als Volk formiert und kulturell an Profil gewinnt, macht ein weiteres Volk aus dem Mittleren Osten auf sich aufmerksam: Die Türken.
Gemeinsam mit den Türken schlagen die Sassaniden die „Weißen Hunnen“ und teilen das Reich der Besiegten unter sich auf.
Die Türken traten erstmals 552 als geschlossene Nation in Erscheinung, als sie in Zentralasien das Reich der Schuanschuan zerschlugen und ein westliches und östliches Imperium gründeten.
König Chosrau I. führt zahlreiche Reformen zur Neuordnung des Sassanidenreichs durch. Er legt nach einer Landvermessung, Zählung der Bevölkerung sowie der Dattelbäume und Ölbäume eine neue Steuerordnung fest, die von festen Sätzen und nicht wie früher von den Schätzungen der Ernte ausgeht. Die Gesellschaftsordnung passt Chosrau I. den Interessen des Königtums an. Er bringt die Grundbesitzer in Abhängigkeit zu sich und stellt ein neues Ritterheer auf, dessen Mitglieder dem niederen Adel entstammen.
Die Dynastie der „Sui“ herrscht in China
Indessen beruhigt sich auch im fernen Osten die Lage. Dem Militärführer Yang Chien gelingt es, ganz China unter seiner Herrschaft zu vereinigen. Er setzt eine neue Herrschaftsdynastie, die der Sui, ein.
Doch auch der Beginn des neuen Reiches ist – wie die vorher gehenden Perioden – von dauernden politischen Machtkämpfen gekennzeichnet. Aber trotz des politischen Chaos erlebt das Land eine kulturelle und künstlerische Blütezeit. Diese dritte Reichseinigung in der chinesischen Geschichte bringt unter den Sui-Herrschern institutionelle Reformen, sparsame Regierungen und den Ausbau der Militärkolonien mit sich. Auf religiösem Gebiet kann sich der Buddhismus trotz der Widerstände von Taoismus und Konfuzianismus immer stärker durchsetzen und eine große Anhängerschaft gewinnen. Erstmals machen sich auch westliche Einflüsse im Reich der Mitte bemerkbar, die sich gleichermaßen in der Kunst – buddhistische Plastik, Dichtkunst und Malerei – und im Geistesleben niederschlagen. Kommunikationsstrang ist die Seidenstraße, die Verbindung zum Westen, die bis zu den Häfen der syrischen Küstenstädte führt. Seide und Porzellan sind die begehrtesten Export-Artikel Chinas.
Noch ist der Weg für christliche Missionare in den fernen Osten zu weit. Zunächst sollen die heidnischen Germanen bekehrt werden. Im Zeichen der „Pilgerschaft um Christi willen“ – „peregrinatio propter Christum“ – beginnen irische Mönche unter Columban dem Jüngeren mit der Missionstätigkeit auf dem europäischen Festland. Das von Columban gegründete Kloster Luxeuil in den Vogesen wird zum Zentrum der irischen Mission im Frankenreich und zum Vorbild für weitere Klostergründungen.
Der Triumphzug des Propheten
Der Islam, die jüngste der Weltreligionen, entstand erst im frühen 7. Jahrhundert in einem Gebiet, das zu den unwirtlichsten der Erde zählt: In einer heißen, ausgedörrten Landschaft, die sich eine Million Quadratkilometer weit zwischen Asien und Afrika erstreckt. Allah, später einziger Gott der Moslems, war, bevor der Kaufmann Mohammed zum Religionsstifter aufstieg, eine der Hauptgottheiten Mekkas. Dort wurden neben dem schwarzen Stein – einem Meteoriten – auch noch etwa 300 weitere Götter und Göttinnen angebetet.
Mit der Predigt des wahren Glaubens erwuchsen Mohammed zugleich politische aufgaben. Er verkündete auch soziale und gesetzgeberische Richtlinien. So verbesserte er unter anderem die Stellung der arabischen Frau. Er reduzierte die Polygamie auf eine Ehe mit vier Frauen,, die der Ehemann mit gleicher Güte zu behandeln hatte. Unter der Führung des Propheten entwickelte sich der Islam zur Grundlage eines theokratischen Gemeinwesens, das eine sendungsbewusste Militanz entwickelte.
Nach dem Tod Mohammeds entwickelte sich die religiöse Gemeinschaft des Islam durch Eroberungen zu einem machtvollen politischen Reich. Weil es der Prophet versäumt hatte, einen Nachfolger zu benennen, kam es nach seinem Tod bis zur Mitte des 8. Jahrhunderts zu blutigen Kämpfen um das Amt des „Nachfolgers“, des Kalifen, des religiösen und politischen Führers an der Spitze des Islam. Die Anhänger Alis, Mohammeds Schwiegersohn, der nach Antritt des Kalifen-Amtes ermordet wurde, spalteten sich sogar theologisch vom Islam ab: Sie nannten sich „Schiiten“ und sind heute im Iran und im Süden des Irak beheimatet.
Unter der siegreichen Dynastie der Omaijaden, die das syrische Damaskus als Hauptstadt bestimmten, beteten die Gläubigen von Spanien im Westen bis an der Ostgrenze Indiens zu Allah.
Ein entscheidender Unterschied des Islam zum Christentum liegt in der Einstellung zum Krieg. Während Jesus Christus seine Jünger aussandte, um den wahren Glauben friedlich zu verkünden, forderte Mohammed seine Anhänger auf, den Islam mit dem Schwert zu verbreiten. In der Praxis ist dieser Unterschied jedoch kaum bedeutend: die Unterwerfung fremder Völker unter das Christentum verlief häufig grausamer als die Bekehrung zum Islam.
610: Mohammed stiftet eine Weltreligion
Vermutlich wäre das Christentum die unangefochtene, vorherrschende Weltreligion geworden, wenn nicht ein Kaufmann aus Mekka im Herzen Arabiens Visionen gehabt hätte. Mohammed, der Prophet und Gründer einer Weltreligion, wurde zwischen 570 und 580 n. Chr. in Mekka als Mitglied der Banu Haschim, einer angesehenen, aber nicht zu der herrschenden Oligarchie gehörenden Familie der Kuraisch, geboren. Mohammed soll als Waise unter ärmlichen Umständen wahrscheinlich von seinem Großvater großgezogen worden sein. Er gelangte durch seine Heirat mit Chadidscha, der um einige Jahre älteren Witwe eines wohlhabenden Kaufmanns, zu einigem Wohlstand und Einfluss.
Der Überlieferung zufolge überkam Mohammed die erste Offenbarung kurz vor seinem 40. Lebensjahr. Seine frühen öffentlichen Predigten wurden von den Mekkanern, die ihnen keinen Widerstand entgegen setzten, offenbar als harmlos betrachtet. Die in Mekka verfassten Abschnitte des Korans befassen sich hauptsächlich mit dem einen und einzigen Gott, mit der Gottlosigkeit der Götzenverehrung und dem unmittelbar bevorstehenden göttlichen Gericht.
Der Prophet erhielt zunächst nur wenig Unterstützung, am ehesten noch aus den ärmsten Schichten der Bevölkerung. Unter den ersten, die sich zum neuen Glauben bekannten, waren seine Frau Chadidscha und sein Vetter Ali, der spätere vierte Kalif. Als Mohammed kühner wurde und sich offen gegen die Religion der Mekkaner wandte, verstärkte sich der Widerstand der herrschenden Schicht gegen ihn und seine Anhänger. Die Gründe waren offensichtlich: Einer war die Befürchtung, die Abschaffung der alten Religion und des in Mekka liegenden Heiligtums, der Kaaba, werde die Stadt um ihre einzigartige und einträgliche Position als Handelszentrum und Ziel von Pilgerfahrten bringen. Der andere waren Vorbehalte gegen die Anmaßung eines Emporkömmlings, der keiner der herrschenden Familien angehörte.
So kam es zur Flucht Mohammeds von Mekka ins 450 Kilometer nördlich liegende Medina, deren Bewohner ihn eingeladen hatten, bei ihnen zu siedeln. Der Prophet lud seine Anhänger – ohne es ihnen ausdrücklich zu befehlen – ein, mit ihm fortzuziehen. Dieser Übersiedlung des Religionsstifters, der so genannten „Hedschra“, waren langwierige Verhandlungen voraus gegangen. Sie fand schließlich im Jahre 622 statt – das erste gesicherte Datum der islamischen Geschichte. In Medina trat Mohammed bereits als Oberhaupt einer Gemeinde auf. In Mekka hatte er den Islam lediglich gepredigt, in Medina konnte er ihn auch ausüben.
Doch zunächst stieß der selbst ernannte Prophet auf große Schwierigkeiten. Er hatte nur wenige Anhänger, auf deren Ergebenheit er zählen konnte. Mohammed hoffte allem Anschein nach auf eine freundliche Aufnahme durch die Juden in Medina. Er rechnete damit, dass sie aufgrund ihres Glaubens und ihrer Schriften seiner Religion mit mehr Sympathie und Verständnis begegnen würden. Um sie sich gewogen zu machen, übernahm er eine Reihe jüdischer Praktiken wie das Fest „Jom Kippur“ und die Gebetsrichtung nach Jerusalem. Dennoch verweigerten sich die Juden Medinas und griffen ihn auf der religiösen Ebene an. Sobald Mohammed erkannte, dass von dieser Seite keine Unterstützung zu erwarten war, gab er die zunächst übernommenen jüdischen Praktiken wieder auf, ersetzte Jerusalem durch Mekka als Gebetsrichtung und verlieh seinem Glauben ganz allgemein eine stärkere arabische Färbung. Als er seine Macht gefestigt hatte, sorgte er dafür, dass die jüdische Gemeinde von Medina die Stadt verlassen musste.
Die ökonomisch entwurzelten Einwanderer, die nicht in völlige Abhängigkeit von den Medinensern geraten wollten, ergriffen den einzigen Beruf, der ihnen offen stand: das Kriegshandwerk. Der zwischen Mekka und Medina herrschende Krieg schuf reichlich Gelegenheit dazu. Überfälle auf Handelskarawanen galten als normale und legitime Kriegshandlungen. Die gegen Mekka gerichteten Beutezüge dienten vor allem einem Zweck: Sie sollten die Mekkaner zur Annahme des neuen Glaubens bewegen.
Im März 624 überraschten 300 Muslime unter der Führung Mohammeds eine mekkanische Karawane in Badr. Der Überfall brachte ihnen reiche Beute ein und trug wesentlich zur Festigung der jungen Gemeinschaft bei. Im März 625 reagierten die Kuraisch aus Mekka auf die wachsende Gefahr und unternahmen einen Feldzug gegen Mohammed. Es kam zum Kampf. Die Muslime wurden an den Hügeln von Uhud geschlagen. Der Prophet erlitt eine Verwundung und konnte sich nur mit Hilfe seiner Anhänger retten. Allerdings fühlten sich die Kuraisch nicht stark genug, um weiter bis nach Medina vorzustoßen und zogen sich daher wieder nach Mekka zurück.
Zwei Jahre später, im Frühjahr 627, zog ein Heer von etwa 10.000 Mann von Mekka aus nach Medina und belagerte die Stadt. Doch die Anhänger des Propheten, die inzwischen die Bewohner Medinas auf ihre Seite gezogen hatten, bewiesen Standhaftigkeit. Nach 40 Tagen zogen sich die Mekkaner frustriert zurück. Eine schwere Schlappe, die Folgen haben sollte.
Denn ein Jahr später fühlte sich wiederum Mohammed stark genug, um seinerseits einen direkten Angriff auf Mekka zu wagen. Als sich unterwegs heraus stellte, dass der Versuch, die Stadt zu erobern, verfrüht war, wurde der Feldzug in eine friedliche Pilgerfahrt umgewandelt. Verhandlungen zwischen den Muslimen und den Mekkanern mündeten in einen zehnjährigen Waffenstillstand. Mohammeds Anhängern wurde dabei das Recht eingeräumt, im darauf folgenden Jahr wieder eine Pilgerfahrt nach Mekka zu unternehmen und sich dort drei Tage lang aufhalten zu dürfen.
Aber allen Beteiligten war klar: dieser Waffenstillstand war nur eine Farce. Schon im Jahre 630 wurde Mekka von Mohammed und seinen Anhängern im Handstreich erobert. Der Widerstand der Einwohner war nicht allzu heftig. Die wachsende Macht des Propheten und des neuen Glaubens hatte den Stamm der Kuraisch davon überzeugt, dass Mohammed und seinen Anhängern die Zukunft gehörte.
Nach der Eroberung Mekkas kam unter den weiter entfernt lebenden Stämmen auf der Arabischen Halbinsel eine pro-muslimische Bewegung auf. Gesandtschaften boten politische Unterwerfung an, die von Mohammed auch prompt akzeptiert wurde, gab sie ihm doch Gelegenheit zu religiöser Propaganda.
Am 8. Juni 632 starb der Prophet nach kurzer Krankheit. Er hatte in den 22 Jahren seines Wirkens viel erreicht. Den heidnischen Stämmen Westarabiens hatte er ein bisschen bisher nicht gekanntes Nationalgefühl gebracht und eine neue Religion. Eine Religion, die in den darauf folgenden Jahrhunderten zum Leitbild des Denkens und Handelns von Millionen Gläubiger werden sollte. Sie ruht auf fünf Säulen: Glaube, Gebet, Almosen, Fasten und die Pilgerfahrt. Auf dem einfachen Satz: „Es gibt keinen Gott außer Allah und Mohammed ist sein Gesandter“ beruht der Glauben. Ein entscheidender Unterschied des Islam zum Christentum liegt in der Einstellung zum Krieg, die fast zu einer sechsten Säule des Islam heran gewachsen wäre. Während Jesus Christus seine Jünger aussandte, um den wahren Glauben friedlich zu verkünden, forderte Mohammed seine Anhänger auf, den Islam mit dem Schwert zu verbreiten. In der historischen Praxis ist dieser Unterschied jedoch kaum bedeutend: Die Unterwerfung fremder Völker unter das Christentum verlief häufig grausamer als die Bekehrung zum Islam.
Mohammed war es gelungen, einen gut organisierten und bewaffneten Staat zu gründen, der stark genug war, um zu einem dominierenden Faktor in Arabien zu werden. Der Prophet hatte die schlummernden Potentiale der erwachenden und nach Expansion drängenden Araber geweckt und ihnen neue Ziele gegeben. Ihre Verwirklichung sollte seinen Nachfolgern überlassen bleiben.
Nach dem Tod des Propheten kam es zu blutigen Kämpfen um das Amt des Nachfolgers, des Kalifen, des religiösen und politischen Führers an der Spitze des Islam. Der erste der vier „rechtgeleiteten“ Kalifen, die das „Goldene Zeitalter“ des Islam begründeten, war der Koraischite Abu Bakr, der Vater von Mohammeds Lieblingsfrau Aischa. Er führte siegreiche Kämpfe gegen vom Islam abgefallenen Araberstämme und einte die Gläubigen wieder. Zugleich vergrößerte er den Machtbereich der Anhänger Allahs um große Gebiete Persiens und des Byzantinischen Reiches.
Als Abu Bakr im Jahr 634 an Fieber starb, wurde Omar I. sein Nachfolger. Während der zehnjährigen Herrschaft dieses Kalifen gelangen dem Islam die größten Eroberungen. So gliederten die Moslems Palästina, Syrien, Ägypten und fast ganz Persien dem islamischen Reich an. Die einheimische Bevölkerung in diesen Gebieten empfingen die Eroberer als Befreier von der byzantinischen und persischen Herrschaft, denn sie erwiesen sich meist als toleranter als ihre Vorgänger.
Die Araber ließen die bestehenden Verwaltungsorganisationen in den eroberten Gebieten unangetastet. Angehörigen der „Schriftreligionen“ – Juden, Zarathustra-Anhängern – wurde gegen eine Kopfsteuer Religionsfreiheit gewährt. Durch Übertritt zum Islam erwarb man den Status des „Mawali“ – Verbundenen – Araber jedoch konnte man nicht werden.
Nach der Ermordung Omars I. durch einen christlichen Sklaven ging das Kalifat auf Mohammeds Schwiegersohn Othman über, der der Sippe der Omaijaden angehörte. Othman zog sich den Hass vieler Araber zu, weil er wichtige Regierungsposten mit Angehörigen seiner Familie besetzte und fähigere Männer benachteiligte. Nach nur zwölfjähriger Regierungszeit starb auch er durch Mord.
Als vierten Kalifen wählte die islamische Oberschicht Ali, einen Vetter und Schwiegersohn Mohammeds. Ali stellte sich jedoch ein Gegenkalif entgegen: Muawija I., der Statthalter von Damaskus und ein Neffe des Kalifen Othmans. Er warf Ali vor, den Mord an Othman nicht ausreichend gesühnt zu haben.
Während der Vorbereitungen auf den Kampf gegen Muawija wurde Ali ermordet. Seine Anhänger aber, die Schiiten, spalteten sich auch theologisch vom Islam ab: Schiiten leben heute vor allem im Iran und im Süden des Irak. Muawija begründete das erbliche Omaijaden-Kalifat, was wiederum den Prinzipien des Islam widersprach. Die Hauptstadt des Reiches verlegte er von Medina nach Damaskus.
Бесплатный фрагмент закончился.
