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Am Trallafitti-Tresen

Das Werk von Udo Lindenberg in seinen Texten

Herausgegeben und ausführlich besprochen

von Benjamin v. Stuckrad-Barre

und Moritz von Uslar

Europäische Verlagsanstalt

© e-book Ausgabe CEP Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 2014

ISBN 978-3-86393-509-2

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Übersetzung, Vervielfältigung (auch fotomechanisch), der elektronischen Speicherung auf einem Datenträger oder in einer Datenbank, der körperlichen und unkörperlichen Wiedergabe (auch am Bildschirm, auch auf dem Weg der Datenübertragung) vorbehalten.

Informationen zu unserem Verlagsprogramm finden Sie im Internet unter www.europaeische-verlagsanstalt.de

Inhalt

Vorwort

Kindheit, Jugend, frühe Ausbrüche

Anfälle, Aufstände, Abschied aus der bürgerlichen Existenz

Karriere, Ruhm und warum’s auf der Bühne manchmal bisschen traurig wird

Panik, Vollgas, Rock ’n’ Roll-Lifestyle

Sehnsucht total, Beschwörung der pubertären Kräfte, diese irre Unruhe in mir drin

Frauen, Liebe, große Liebe und warum es mit den Frauen am Ende immer nicht klappt

Frauen, die sich plötzlich als Männer herausstellen und andersrum (ein ulkiges Seitenthema)

Freundschaft statt Liebe, die Gang im Jenseits

Whisky, andere Räusche und warum der Alkohol trotzdem ein Kumpel ist

Kaputte Welt, Zukunftsängste, die Politik

Deutschland

Absurdistan, Gespräche mit dem lieben Gott

Altern in Würde, falsches, richtiges Leben, der Tod

Gespräch: „Ein Karton Udo-CDs“

Register / Textnachweis

Vorwort

Warum die Texte Udo Lindenbergs das Zeug haben, den Popstar Udo Lindenberg zu befreien

Wir wollen hier gleich mit der Sprache rausrücken: Dies ist nicht noch ein duftes Udo-Buch.

Es gibt in diesem Band, einer Sammlung der besten Texte von Udo Lindenberg, keinen Udo-Hut, keine Udo-Sonnenbrille und keine Udo-Zigarre, kein Grußwort vom Bundespräsidenten, keinen Liebesbrief von Nena, keine Aufzählung von Udos Preisen und Verdienstorden, kein Foto vom Live-Udo vor 20.000 begeisterten Leipzigern und kein Foto vom Sonderzug nach Magdeburg, der 2003 eine symbolische Mauer durchbricht, auch keine ironisch-lockeren Bildunterschriften. Wir haben versucht, die Gags, die Sprüche, das „Duftetum“, sofern es nicht Teil von Udos Textwerk ist, aus diesem Buch herauszuhalten. Das Buchcover sollte, und daran hatten wir natürlich eine Riesenfreude, eher an die kommentierte Gesamtausgabe der Gedichte von Paul Celan erinnern als an einen Band mit Poptexten.

Warum nicht noch mal der Hut?

Die simple Antwort: Er ist überall, man hat ihn schon zu oft gesehen. Dieser Udo Lindenberg, der sich 1972 mit dem Hit „Hoch im Norden“ erfand und ein Jahr später mit „Alles klar auf der Andrea Doria“ eine allseits präsente, öffentliche Figur wurde, ist heute, nach gut fünfundreißig Berufsjahren als der Popstar, der den deutschen Liedtext populär gemacht hat, längst so etwas wie der Alterspräsident aller ewig Jugendlichen, der Freakvater, der Gute-Laune-Onkel unser deutschen Republik geworden: Ihn mögen sie alle (jeder kann doch irgendeinen Vierzeiler von Udo auswendig, fast jeder hat schon einmal Udos Nuschelgesang mit der berühmten hängenden Unterlippe nachgemacht). Und wer Udo nicht mag, dem ist es längst zu anstrengend geworden, ihn nicht zu mögen: Unser Udo… ja, gibt’s den immer noch?

Es gibt ihn immer noch. Wenn die Zeitungen ein bekanntes Gesicht für ihre leichten Seiten brauchen, dann drucken sie Amy Winehouse, Yvonne Catterfeld, Boris Becker – oder Udo Lindenberg.

Wenn sich die Nation auf der ZDF-Seebühne in Bregenz zum Endspiel Deutschland - Spanien versammelt, dann singt Udo und spricht ins Mikrophon der verdutzten Moderatorin: „Ich tippe auf ein Fünf zu Null für unsere Jungs.“ In deutschen Städten werden derzeit die Plakate für die Zusatzkonzerte der großen Herbsttournee geklebt. Das Popjahr 2008, wer hätte das gedacht, ist noch mal ein Udo-Jahr geworden: Mit „Stark wie Zwei“ trat der ewige Udo, der zuletzt lieber malte als sang, sein Spätwerk an, das Album hielt sich wochenlang auf Platz Eins der deutschen Charts. Ein wahrhaft furioses Comeback.

Dieses Buch möchte den einfachen, den ebenso naheliegenden wie überfälligen Schritt tun, zu dem kaum ein Gratulant, kein Boss einer Plattenfirma, kein Repräsentant der Bundesregierung, kein befreundeter Popstar, kein noch so feinfühlender und wohlmeinender Feuilletonist im Stande ist: den Popstar Udo Lindenberg vom Müll seiner Bedeutung, vom Schrott seiner Alltagspräsenz, vom Knast seines eigenen Klischees zu befreien.

Niemand kann das so gut wie Udo selber. In den Liedtexten von Udo Lindenberg steckt der ganze Udo drin. Sie sind, heute neu gelesen, immer noch eins: irrer, wirrer, frischer, freier, kunstvoller, riskanter, doppeldeutiger, rührender und vergnüglicher, als man sie in Erinnerung hatte: ein echtes Wunder-, Grinse-, Kopf-Schüttel- und Herzschmerz-Vergnügen. Das ist der Stoff, aus dem neue Kraft, neue Frische, neue Bedeutung und ein neuer Blick auf den Popstar Udo entstehen können.

Drücken wir es ruhig ein wenig pathetisch aus – der Pathos ist im Pop ja nicht nur ein erlaubtes, sondern ein manchmal notwendiges Mittel: Wer wie Udo Lindenberg ein echtes Lebenswerk geschaffen hat, der hat längst mehr als nur das eine Leben – mindestens so viele Leben, wie er Songs geschrieben und gesungen hat. Der steht über jedem miesen, kleinen, doofen Klischee, ist längst woanders unterwegs. Der ist frei.

Eine Sammlung der besten Texte von Udo Lindenberg also.

Und nun tritt der Fan, in diesem Fall die zwei Herausgeber dieses Buches, auf den Plan: Wir, die Herausgeber, bekennen uns zu unserem jahrelangen Udo-Fantum. Und wie jeder Fan sind wir der Meinung, dass wir unseren Udo natürlich besser kennen als jeder andere (was für eine Zumutung, schon klar, geschenkt).

Dieses Buch versammelt nicht alle Texte Lindenbergs, sondern lediglich die Texte, die wir, heute gelesen, für seine besten halten. Es ist keine klassisch subjektive, sondern eine geradezu asozial subjektive Auswahl geworden. So konnte es passieren, dass der „Sonderzug nach Pankow“ sowie einige andere schon sprichwörtliche Udo-Erzählungen („Rudi Ratlos“, „Sister King Kong“, „Club der Millionäre“), die nicht fehlen dürfen, in dieser Sammlung trotzdem fehlen. Das hat erstens einen Sinn, weil es Spaß macht, den alten Udo-Lindenberg-Fan ein wenig zu ärgern, und zweitens einen noch besseren Sinn: Das Werk des Großkünstlers Udo kann nur Subjektivität vom Turm der Bedeutung herunter holen. Wir trauen uns das zu. Ja, echt: Wir glauben, dass wir, Udo-Fans, noch mehr verstehen von Udos Texten als der Künstler Udo selbst. Wahnsinn. Der Fan ist dumm, weil er liebt. Der Fan sieht aber gleichzeitig auch mehr, eben, weil er liebt. Soweit die Hoffnung.

Dem Textwerk Udos folgt ein Gespräch, in dem wir das Werk von Udo Lindenberg in seinen Texten besprechen. Es ist ein ausführliches Gespräch geworden. Wir geraten gelegentlich ins Schwärmen. Man hätte sich hier und da sicherlich ein wenig kürzer fassen können. Aber, Entschuldigung, es ging nicht anders. Es musste sein.

So erfüllt dieses Buch, wenn es denn hinhaut, gleich einen dreifachen Zweck: Der alte Udo-Lindenberg-Fan soll seinen Udo neu entdecken. Der, der bisher nur den „Sonderzug nach Pankow“ kannte, soll 164 neue Songtexte und Udo Lindenberg, diesen nahezu klassischen deutschen Dichter, ewigen Aufrührer, Anführer und Verführer, den Alltagspoeten und Wortakrobaten, kennenlernen. Das hehrste Ziel: Udo Lindenberg himself sollte noch einmal unterhalten, geflasht und von sich selber überrascht werden: Was denn? Das bin alles ich? Das habe alles ich geschaffen? Ja, echt. So big ist er. Dieser Udo Lindenberg.

Jeder sei hiermit aufgefordert, sein eigenes Udo-LindenbergBuch herzustellen. Wir können’s empfehlen. Es hat echt Spaß gemacht.

Die Herausgeber,

Hans-Albers-Suite, Hotel Atlantic, Hamburg im September 2008

P.S. Der Buchtitel „Am Trallafitti-Tresen“ ist dem Song „Ich bin beim Bund“ entnommen.

„Also, ich werd’ später Löwenbändiger“
Kindheit
Jugend
frühe Ausbrüche
Good Life City

I say: Hey, hey, hey

good life city – I’m on my way

Hey, hey, hey

good life city – I’m on my way

Den Typ da im Radio

ich glaub’, den kenne ich

Dreh’ mal lauter, mal hör’n, was der da singt

machste das mal für mich?

Du, diese Stimme, die hab ich doch schon mal gehört

Das klingt ja ganz manierlich

wenn man den Gesang mal überhört

I say: Hey, hey, hey

good life city – I’m on my way

Hey, hey, hey

good life city – I’m on my way

Mein Onkel ist Zauberer in Bonn am Rhein

Kaninchen im Zylinder

und Tauben im Hosenbein

Hokuspokus-Mann hat ’ne Menge drauf

doch eins gibt’s, was er nicht kann:

Eine bessere Welt kann auch er nicht zaubern

da muss man sich schon selbst drum kümmern

Und ich fang’ jetzt damit an

I say: Hey, hey, hey

good life city – I’m on my way

Hey, hey, hey

good life city – I’m on my way

(1972)

Hoch im Norden

Hoch im Norden, hinter den Deichen bin ich geboren

immer nur Wasser, ganz viele Fische

Möwengeschrei und Meeresrauschen in meinen Ohren

Und mein Vater war Schipper und fluchte, wenn Sturm war

denn dann konnt’ er nicht raus auf See

Und dann ging er zu Herrn Hansen, der der Chef vom Leuchtturm war

und der sagte: „Keine Panik auf der Titanic

jetzt trinken wir erst mal einen Rum mit Tee“

Und ich verbrachte meine Tage im Nordseedünensand

bin jahrelang tagtäglich am Deich entlang gerannt

und Mutter brachte jeden Tag, und freitags ganz besonders

Muschelzeug und Fisch auf den Tisch

Ja, es war ja auch ganz schön, und das Klima war gesund

und doch hab ich mir gedacht

hier wirst du auf die Dauer nur Schipper oder Bauer

hier kommst du ganz allmählich auf den Seehund

Und als ich so um sechzehn war, da hatte ich genug

da nahm ich den nächstbesten nach Süden fahrenden Zug

Und nun sitz’ ich hier im Süden und so toll ist es hier auch nicht

und eine viel zu heiße Sonne knallt mir ins Gesicht

Nein, das Gelbe ist es auch nicht

und ich muss so schrecklich schwitzen

Ach, wie gern würde ich mal wieder

auf einer Nordseedüne sitzen

(1972)

Er wollte nach London

Mit dreizehn ist er zum ersten Mal

von zu Hause weggerannt

er wollte nach London und später nach Paris

Das waren komische Gefühle

als er nachts an der Straße stand

den Schlafsack unterm Arm

und dreißig Mark in der Hand

Er rauchte viele Zigaretten

und dann wurd’ es wieder heller

und morgens um sieben hatten sie ihn

sein Alter war leider schneller

Als er so um fünfzehn war

hat er’s noch mal versucht

und dieses Mal hat’s hingehauen

da haben sie sehr geflucht

Als er drei Tage später den Eindruck hatte

dass er weit genug weg war

hat er zu Hause angerufen

und gesagt, es wär’ alles klar

Eigentlich war gar nichts klar

und das Geld war auch schon alle

und nun stand er da

in irgendeiner kalten Bahnhofshalle

Er war in London, er war in Paris

er war in vielen großen Städten

er schlief auf harten Parkbänken

und auf weichen Wasserbetten

Er spürte, dass er irgendwie auf der Suche war

doch was er eigentlich wollte

das war ihm damals noch nicht klar

Inzwischen ist er neunzehn

und er weiß immer noch nicht so genau

was er denn nun davon halten soll

von dieser ganzen Schau

Viele Sachen sieht er anders

und er glaubt auch nicht mehr so daran

dass es nur an der Umgebung liegt

Vielleicht kommt es doch mehr auf einen selber an

Und nun liest er ein Buch von Hermann Hesse

und nun macht er Meditation

Doch er findet Jerry Cotton auch sehr stark

und er lernt jetzt auch noch Saxophon

(1973)

Da war so viel los

Plötzlich bin ich wieder der kleine Junge

ganz spitz auf Lakritz

für den eine Expedition zum nächsten Block

weit wie ’ne Reise nach China ist

Der kleine Robinson Crusoe auf Entdeckungstour

Meiner Mutter Hermine

missfielen die Onkel-Doktor-Spiele

und meine Schwäche für Whisky pur

Ich seh’ July Müller, meine erste Liebe

mein Herz knallte los

Wir wollten heiraten, doch dann kam Jan von nebenan

und ich verliebte mich in Rennautos

Da war so viel los

das Leben bestand ausschließlich aus Sensationen

und jeder Tag brachte jede Menge phantastische Situationen

Einmal sind wir losgezogen

wir suchten das Ende vom Regenbogen

Da war schwer was los

Und dann in der Schule hatte

keiner Bock auf Mathe

Lieber ging man stolz mit ’ner Zigarette

zum Schwindeligwerden auf die Toilette

Gerne quälten wir auch manche Lehrer

die wurden sowieso immer unfairer

Einen haben wir so fertiggemacht

der hat sein ganzes Gehalt zum Psychiater gebracht

(Kinder:)

Also ich werd’ später Löwenbändiger

Ach nee, das ist viel zu gefährlich, da wird man ja gefressen, ich werd’ lieber Kaugummifabrikant

Ich find’ das besser: Taucher

Ich werd’ lieber Pop-Star

Das find’ ich doch alles ganz doof, ich mach’ einen Zirkus auf

Ich werd’ später Testpilot

Und ich Filmstar in Hollywood

Letzte Woche war ’n Klassentreffen

da sah ich sie wieder

die missglückten Helden, die jetzt Beamte sind

Die Bonnies and Clydes von früher

jetzt als Herr und Frau Bieder

Die Power von damals ist leider hin

und Fritz der Cowboy wurde nur

Manager bei der Müllabfuhr

(1975)

Rockin’ and Rollin’

Als Bill Haley sich in meine Ohren bohrte

war ich ’n Frischling, war gerade erst zehn

Ich hatte keine Ahnung

und kapierte auch den Text nicht

trotzdem konnte ich Bill gut versteh’n

Und zu Hause knallte dieser Sound ausm Radio

ich trommelte mit

uh, das gefiel mir so

Und dann hab ich’ den kleinen Mann

im Lautsprecher gefragt:

„Warum macht mich das so an?“

Und da hat er mir gesagt:

„Gestatten Sie, dass ich mich Ihnen vorstell’

mein Name ist Rock and Roll

Rockin’ and Rollin’

Rockin’ and Rollin’

Meine Väter waren die Jazzer

in den Kaschemmen von New Orleans

und meine Mütter malochten sich fast tot

in den Baumwollfeldern von Mississippi

Und meine Tanten hatten in Chicago

einen Honky-Honky-Honky-Tonky-Puff

und mein Onkel starb in Memphis

am Southern-Comfort-Suff

Und meine Söhne trugen Pomade

in den Haaren

sie machten Putz und machten Schluss

mit den lahmen Jahren

Rockin’ and Rollin’

Rockin’ and Rollin’

Nichts macht mich kaputt

weil ich zu lebendig bin“

(1978)

Die kleine Stadt

Die kleine Stadt, die liegt so weit zurück

sie war der Mittelpunkt der Welt

Unsere enge Straße war

breit wie der Hollywood Boulevard

Und in der Kirche wohnte der liebe Gott da

war er noch nicht tot

da hat er sich noch um alles gekümmert

Und Mutter hing die Wäsche auf

im schmutzigen Wind hinter der Fabrik

Und es gab auch ein Kino

und ich war sehr interessiert

was hinter der Leinwand passiert

ob es das alles wirklich gibt

und ich war in Brigitte Bardot verliebt

und stand stundenlang vor dem Schaukasten

und träumte

Eine Sache war für mich schon damals völlig klar:

Wenn ich später groß bin, fahr’ ich nach Amerika

Bestimmt warten die da schon auf meines Vaters attraktiven Sohn

und dann werd ich was Berühmtes und zu Hause hör’n sie alle davon

In der kleinen Stadt

Wenn ich da heute mal hinkomm’

dann stelle ich fest:

das gleiche miefige Nest

immer noch so kleinkariert

ist wirklich nicht viel passiert

Und du siehst ein paar andere Jungs an der Ecke steh’n

und die bleiben auch nicht lange

so wie die ausseh’n

Eine Sache ist für die ja schon völlig klar:

Wenn ich später groß bin, fahr’ ich nach Amerika

Bestimmt warten die da schon auf meines Vaters attraktiven Sohn

und dann werd’ ich was Berühmtes und zu Hause hör’n sie alle davon

Yeah

(1979)

Die Klavierlehrerin

Als ich ein kleiner Junge war

da fragte ich meine Mama:

„Wie wird man ein Musikgenie?“

Sie sagte: „Ohne Übung nie

Am besten wär’s, mein liebes Kind

du lernst das Tastenspiel geschwind“

Ein Päckchen Noten schenkt’ sie mir:

„Jetzt gehe hin und lern Klavier!“

Und schickte mich dann da so hin zu der Klavierlehrerin

Sie war so groß, war so barock

ganz breit der Arsch

ganz kurz der Rock

Dann nahm sie meine Finger

und führt’ sie hier und da so hin – meine Klavierlehrerin

Nach der Etüde

waren wir so müde

und dann beim hohen C

da tat es wirklich ’n bisschen weh

Am besten war’s beim tiefen H

da war’s ganz einfach wunderbar

Mit feuchter Hose kam ich dann

zu Haus bei meiner Mutter an

Sie sprach: „Da gehst mir nicht mehr

hin zu der Klavierlehrerin“

(1988)

„Mädchen, es gibt ein besseres Leben Für dich und mich“
Anfälle
Aufstände
Abschied aus der bürgerlichen Existenz
Der Malocher

Die Alte zu Haus war auch nicht mehr das, was sie früher einmal war

Schon morgens saß sie vor der Glotze, mit Lockenwicklern im Haar

Wenn er schlapp von der Maloche nach Hause kam, saß sie immer noch da

und sagte: „Hier hast ’n Korn, der bringt dich wieder nach vorn“

Und im Fernseh’n läuft der Kommissar

Er hatte die Schnauze von diesem Leben voll, er wär’ so gern ausgeflippt

Und mit solchen Gedanken hat er dann noch mal an seinem Glas genippt

Und dann schmiss er’s mit Karacho voll ins TV

und schrie: „Ihr glaubt wohl, ich bin nicht ganz dicht

jeden Abend Fusel schlucken und dann in die Röhre gucken

und dann pennen und dann wieder zur Schicht“

Der Malocher ausm Ruhrgebiet

tat nun etwas, was sonst nur selten geschieht

schmiss seiner Frau das Mobiliar vor die Füße

und sagte: „Nun ist aber Schluss, meine Süße

Und mit dem Lottogewinn, das haut ja doch nicht mehr hin

Komm, Weib, mach meinen Koffer klar

ich hau’ jetzt ab nach Paris, da ist das Leben so süß

da trink’ ich Sekt im Alkazar und tanze Chachacha“

Er fuhr mit der Bahn, erster Klasse

nach Paris Gare du Nord

Er bestellte sich Champagner, den trank er aus der Flasche

und kam sich ganz schön super vor

Und als er dann da war und schon nicht mehr ganz klar war

da traf er ein charmantes Mädel

Und am nächsten Morgen war er allein im Hotel

ohne Kies und mit ’nem schweren Schädel

Der Malocher ausm Ruhrgebiet

machte etwas, was sonst nur selten geschieht

schmiss seiner Frau das Mobiliar vor die Füße

und sagte: „Nun ist aber Schluss, meine Süße

Und mit dem Lottogewinn, das haut ja doch nicht mehr hin

Komm, Weib, mach meinen Koffer klar

ich hau’ jetzt ab nach Paris, da ist das Leben so süß

da trink’ ich Sekt im Alkazar und tanze Chachacha“

(1975)

Rock ’n’ Roller

Mac war ein Junge, und seine Welt war

ein Hinterhof in Hamburg-Altona

Seine Mutter war schon tot, sie starb sehr früh

sein Alter war ein Säufer, den sah er nie

Die anderen Kinder spielten mit Spielzeugknarren

doch er stand mehr auf Rock ’n’ Roll-Gitarren

eines Tages ging er los und klaufte sich so ’n Ding

und dann übte er im Treppenhaus, so oft es ging

Und er wurde ein Rock, Rock ’n’ Roller

Rock, Rock ’n’ Roller

und er wusste, er wird noch mal ein großer Star

und er spielte so schön schmutzig wie der Dreck

den man unter seinen Fingernägeln sah

Und er wurde ein Rock, Rock ’n’ Roller

Rock, Rock ’n’ Roller

Rock, Rock ’n’ Roller

Er machte ’ne Band auf, mit Conny und Fats

sie nannten sich „The Heavy Cats“

Sie rockten drauf los, bis sich die Klampfen verbogen

und ihnen die Trommelfelle um die Ohren flogen

Wie kam nun Mac an seine starke Stimme

diese unheimlich geile, diese wahnsinnig schlimme

Er hat ’ne Mülltonne aufgeklappt

reingeguckt und kräftig Luft geschnappt

Und er wurde ein Rock, Rock ’n’ Roller

Rock, Rock ’n’ Roller

und er wusste, er wird noch mal ein großer Star

und er sang so schmutzig wie der Dreck

den man unter seinen Fingernägeln sah

(1976)

Satellit City Fighter

Freddy sitzt jeden Tag am Hafen

und die Schiffe fahren vorbei

nach Rio de Janeiro und nach Hawaii

Diese Abflugsatmosphäre

Wie gern er doch Seemann wäre

doch der Meister von der Reederei

sagt: „Für dich ist an Bord keine Koje mehr frei“

Und so fährt er abends wieder zurück nach Beton City

Block 912, Wohnklo Nummer 4

Und seine Illusionen verwandeln sich in Aggressionen

und um cool zu bleiben, besäuft er sich

mit dem Supermarktsonderangebotsbier

Seine Eltern haben ihn hängen lassen

die Schule war ’ne Pleite

dieses langweilige Schnarch- und Gähneprogramm

kam bei ihm überhaupt nicht an

Der Pauker sagt: „Es wird immer fataler

dein Weg wird immer schmaler“

Und dann hat ihm Freddy die Fresse poliert

seine Nerven waren einfach schon zu strapaziert

Und dann haben sie ihn gefeuert, schlechte Aussicht

kriegst keinen Job aufm Dampfer

und auch anderswo nicht

’n paar Kumpels von ihm

haben zwar die Schule zu Ende gemacht

das hat ihnen aber auch keinen Job gebracht

Und nun lungert er rum mit denen

im Neue-Heimat-Ghetto

und er nennt sich „Satellit City Fighter“

und er geht, um sich die Kohlen

aus den Automaten rauszuholen

das ist immer noch besser als Fließband-Hilfsarbeiter

Er prügelt sich gern und ist meistens voll

doch er merkt, auf die Dauer ist das auch nicht so toll

der große Bruch ist sowieso zu riskant

Zehn Jahre Knast wär’n nicht so charmant

Doch er ist kein Fuzzi, er ist kein Verlierer

und Durchhängen hat nun absolut keinen Sinn

Und so packt er alle Energien, die er hat

in den Kopf, und verlässt diese Abtörnstadt

es wird zwar hart, doch er weiß: Er kriegt’s hin

(1976)

Jenny

Jenny, Jenny, Jenny ging noch zur Schule

doch was da passierte, nervte sie sehr

Die streben da rum, die Beamten von morgen

Horror vor der Zukunft, Zeugnissorgen

gerade erst sechzehn, doch jetzt schon keine Power mehr

Selten, dass mal einer das Maul aufmacht

und dem Pauker so richtig die Meinung sagt

die Duckmäuser kriechen ihm lieber barsch

für ’ne gute Note in den…

Und Jenny denkt:

Weg, weg, abhauen, weg

ich mach ’ne Biege, ich mach ’ne Fliege

weg, weg, abhauen, weg, ich will Randale

Jenny, Jenny, Jenny schloss sich ein in ihr Zimmer

sie knallt den Saphir in die Rille

und abends in der Küche

klopft der Alte seine Sprüche:

„Du siehst das alles durch die falsche Brille

denk an Krise und Inflation

sonst landest du später bei der Bahnhofsmission“

Und so wühlt in ihr der totale Stress

wie das Ungeheuer von Loch Ness

Abenteuerträume, große weite Welt

und dann hat sie sich an die Autobahn gestellt

Weg, weg, abhauen, weg

ich mach ’ne Biege, ich mach ’ne Fliege

weg, weg, abhauen, weg, ich will Randale

Und dann kam sie an in München an der Isar

und sie törnte sich an

bis sie schief war wie der Turm von Pisa

Sie rannte da rum

auf der Suche nach Sensationen

sie sagte: „Oh Mann, das verschärfte Leben fängt an“

Und abends ging sie in den Larry-Laden

wo die Band lärmte, für die sie so schwärmte

Sie traf einen Typ mit der gleichen Antenne

und ausgerechnet der war Lehrer an ’ner Penne

und als sie sich dann liebten

sagte er: „Jenny, weißt du

manchmal möcht’ ich auch

weg, weg, abhauen, weg

doch eigentlich hat Flüchten auch keinen Zweck

Wir könnten zwar los, auf Never Come Back

doch die Schule ändern, das wär’ der Gag“

(1976)

Sie ist vierzig

Morgens zum Frühstück kommt ihr Mann mit dem Spruch:

„Ich hab’ dich lieb, doch wo ist meine Zeitung?“

Er glotzt da rein, und ihr fällt auch nichts mehr ein

dann latscht er ins Büro, und sie ist wieder allein

Manchmal denkt sie: Ich säge sie an, uns’re Wasserleitung

und dann bestell’ ich den charmanten Installateur

bei Frau Nachbar geht er aus und ein

Ja, so was las sie auch schon mal im Frauenjournal

aber weg mit solchen Ideen, und sie lässt es lieber sein

Und dann staubsaugt sie los, im Zimmer ihrer Tochter

und wieder sieht sie das Plakat von James Dean

und sie versinkt in seinen Augen und träumt die alten Träume

Sie ist jenseits von Eden mit zitternden Knien

Sie ist vierzig, und sie fragt sich:

„War das nun schon alles, was für mich vorgesehen war?“

Vielleicht sollte sie jeden Tag so leben, als ob’s der letzte wär’

mit so einem Typ wie Jimmy

in Kalifornien, am Meer

Als sie ihren Tarzan geheiratet hat, ganz in Weiß, ’58 im Mai

da sagte er: „Meine Hitze wird niemals verglüh’n“

Doch wenn sie sich heute einmal die Woche im Bett bemüh’n

dann schlafen sie nur aneinander vorbei

Sie ist vierzig, und sie fragt sich:

„Wie komm’ ich raus aus diesem Wartesaal

mit tiefgefrorenen Träumen im Kühlschrank bis der Sensenmann kommt und sagt: ,Na, dann

woll’n wir doch mal‘“

Vielleicht sollte sie jeden Tag so leben, als ob’s der letzte wär’

mit so einem Typ wie Jimmy

in Kalifornien, am Meer

(1977)

Verdammt, wir müssen raus aus dem Dreck

In dieser dunklen Malocher-City

geh’n die Schatten niemals weg

und jeder sagt, es hat hier keinen Zweck

aber ich, ich seh’ das anders

Mädchen, du bist so jung und schön

hier krepier’n wir zu früh, wenn wir nicht gehen

Mein Vater kannte auch mal bessere Zeiten

doch diese Fabrik hat ihn klein gemacht

Er hat sein Leben wie ein Sklave verbracht

er kannte wirklich mal bessere Zeiten

Und so wie ihm soll’s mir nicht gehen

in unserem Fall muss das anders sein

es gibt nichts zu verlier’n, du wirst seh’n

Verdammt, wir müssen raus aus dem Dreck

da gibt es gar nichts, wir müssen hier weg

wir müssen raus aus dem Dreck

Mädchen, es gibt ein besseres Leben

für dich und mich

Und wenn wir jetzt auch noch nicht wissen, wohin

Unser Leben muss ganz anders laufen

als stupide abrackern

und sich abends vor der Glotze besaufen

Meine Mutter kannte auch mal bessere Zeiten

doch dieser Törn hat sie kaputtgemacht

sie hat ihr Leben wie eine Sklavin verbracht

Und deswegen sag’ ich dir:

Verdammt, wir müssen raus aus dem Dreck

da gibt es gar nichts, wir müssen hier weg

wir müssen raus aus dem Dreck

Mädchen, es gibt ein besseres Leben

für dich und mich

(1978)

Sternentaler

Es war einmal ein armes Mädchen

wohnte in ’ner kleinen Stadt

träumte von großer Liebe

von der großen Welt, vom großen Geld

Lebte im Heim, da war’s ganz kalt riss

aus aus dem Käfig in der Nacht

kam in die bunte Glitzerstadt

wo man Karriere macht

Traf einen Mann, stark und schön

stahlblaue Augen, dunkles Haar

dachte, mit dem möcht’ ich gehen

der sieht so heiß aus wie ’n Leinwandstar

Er sagte: „Kleine, ich kümmer’ mich

ab sofort und total und ganz lieb um dich

Küss mich, ich bin dein Märchenprinz

und du bist mein Sternentaler“

Ob Sommer, ob Winter, nun steht sie da

zu jeder Jahreszeit

in ihrem dünnen kurzen Sternentalerkleid

Gegen Kälte nimmt sie Tabletten

gegen Kummer schluckt sie Sprit

und statt ihren Prinz nimmt sie auf ihren Turm

diese Schweinefreier mit

Und sie liebt ihren Mann, stark und schön

stahlblaue Augen, dunkles Haar

und sie ist stolz darauf, mit ihm zu gehen

doch leider ist er oft nicht da

Sternentaler im dünnen Kleid

träumt von der warmen Regenzeit

und dann später, vielleicht schon nächstes Jahr

zieht sie mit ihrem Gott für immer nach Ibiza

Oder…?

(1983)

Mein Ding

Als ich noch ein junger Mann war

saß ich locker irgendwann da

auf der Wiese vor’m Hotel Kempinski

Trommelstöcke in der Tasche

in der Hand ’ne Cognacflasche

und ’n Autogramm von Klaus Kinski

guckte hoch auf’s weiße Schloss

oder malochen bei Blohm und Voss

Nee, irgendwie, das war doch klar

irgendwann, da wohn’ ich da

in der Präsidentensuite

wo’s nicht reinregnet und nicht zieht

und was bestell’ ich da?

Dosenbier und Kaviar

Und ich mach’ mein Ding

egal, was die ander’n sagen

Ich geh’ meinen Weg

ob grade, ob schräg

das ist egal

Ich mach’ mein Ding

egal, was die ander’n labern

Was die Schwachmaten

einem so raten

das ist egal

Ich mach mein Ding

Und jetzt kommst du aus der Provinz

und wenn auch jeder sagt, du spinnst

du wirst es genauso bringen

Mach’s auf die charmante Art

mal elastisch, manchmal hart

manchmal musst du das Glück auch zwingen

Später spricht dann Wilhelm Wieben:

Er ist sich immer treu geblieben

Die Mode kam, die Mode ging

und man war immer noch der King

Ja, du machst dein Ding

egal, was die ander’n sagen

Du gehst deinen Weg

ob grade, ob schräg

ist doch egal

Du machst dein Ding

egal, was die ander’n labern

Was die Schwachmaten

einem so raten

das ist egal

Und dann biste dir immer treu geblieben

und Room-Service wird mit U und H geschrieben

Ja, ich mach’ mein Ding

egal, was die ander’n labern

Was die Schwachmaten

einem so raten

das ist egal

Ja, ich mach mein Ding

egal, was die ander’n labern

Was die Schwachmaten

einem so raten

das ist egal

Ich mach’ mein Ding

(2008)

„Neulich war Ich mal wieder in Amerika“
Karriere
Ruhm
Und warum’s auf der Bühne
manchmal bisschen traurig wird
Boogie-Woogie-Mädchen

Als wir das letzte Mal mit uns’rer Band hier waren

standst du da unten im Saal

und ich sang gerade unseren Hammer-Hit

zum hundertundfünfzigsten Mal

Der Trommler hinter mir rockte los wie ’n Verrückter

und der Typ da am Bass wie ein vom Jenseits Geschickter

Das Panik-Orchester haute mich um

und dann auch noch du

du flipptest da rum

Boogie-Woogie-Mädchen

rote Haare im Scheinwerferlicht

und ganz nass im Gesicht

Boogie-Woogie-Mädchen

die Jeans saßen knapp, und dann hoben wir ab

In der Pause kamst du hinter die Bühne

und dann hast du zu mir gesagt:

„Ich fühl’ mich so gut

ihr habt mich so hochgebracht“

Mädchen, die Welt, in der du sonst so lebst

war plötzlich nicht mehr da

an dem Abend warst du mehr so ’n New Yorker

Andy-Warhol-Superstar

Boogie-Woogie-Mädchen

rote Haare im Scheinwerferlicht

und ganz nass im Gesicht

Boogie-Woogie-Mädchen

die Jeans saßen knapp, und dann hoben wir ab

Und heute sind wir wieder hier

und ich hab’ dich noch gar nicht gesehen

Ich hoffe, du gehörst jetzt nicht schon zu den Leuten

die nicht mehr zu den Bands hingeh’n

Der Trommler hinter mir rockt los wie ’n Verrückter

und der Typ da am Bass wie ein vom Jenseits Geschickter

das Panik-Orchester haut mich um

Und da bist du ja wieder

da flippst du rum

(1973)

Jonny Controlletti

Neulich war ich mal wieder in Amerika

und da traf ich einen Herrn von der Mafia

Er lud mich ein in ein Makkaronirestaurant

und ich dachte: O.k., gehst mal mit

vielleicht wird das ganz interessant

Er sagt’: „Ich heiße Jonny Controlletti, buon giorno, Signor“

Ein kurzer Wink, und ’ne schwarze Limousine fuhr vor

und später saßen wir da in der Chicago-Bar

und nach jedem Glas Chianti

rief er: „Hallo Ober, noch ’ne Ladung

und zwar avanti, avanti“

Und dann packt’ er sich das Glas, das volle

und sagt’: „Alles unter Kontrolle“

Er hatte ’n Streifenanzug an und Gamaschen wie Al Capone

und die Beule in der Jacke, die kam von der Kanone

Dann wollte er noch wissen

wie’s denn überhaupt so wäre

mit dem Showbusiness in Deutschland

und speziell auch mit meiner Karriere

Ich sag’: „Ich mach’ da grad so ’n Ding

mit ’ner höllisch heißen Panik-Band“

Und Jonny Controlletti

übernahm sofort das Management

Er sagt’: „Si, si, Signor

wir machen das perfekt und schnell

die Jungs vom Syndikat sind enorm professionell“

Und so saßen wir da in der Chicago-Bar

und er sagt’: „Alles klar, mein Bester

ich mach’ dich über Nacht zum Superstar

dich und dein Katastrophen-Orchester“

Und dann reicht’ er mir das Glas, das volle

und sagt’: „Alles unter Kontrolle“

(1974)

Glitzerknabe

Nach dem Auftritt geh’ ich in die Garderobe

raus aus dem Frack

ich schmink’ mich ab

und dann zieh’ ich die Jeans wieder an

Ich denk’, das is’ ’n guter Job

jeden Abend hundertfünfzig Mark

das ist schon sehr stark

dafür kann man schon mal auf die Bühne gehen

und als Glitzerknabe im Rampenlicht stehen

(1974)

Candy Jane

Ich hab’ jeden, jeden Film von dir gesehen, Candy Jane

Du aufm Pferd zusammen mit John Wayne

Lila Lippen und die Haare blond

gefährliche Action mit Mr. James Bond

Oder ganz cool

in Hollywood am Swimmingpool

Ich hab’ jeden, jeden Streifen von dir gesehen, Candy Jane

und ich konnte dich immer so gut verstehen, Candy Jane

Doch musste das sein, diese Knutschereien

mit ’nem Star oder mit ’nem Statist

hättst du doch besser

oh, hättst du doch mich geküsst

Candy Jane, Candy Jane, Candy Jane

Da hab ich mir gedacht, ich flieg’ jetzt nach New York

Und dann landete ich auf dem Kennedy-Airport

Ich nahm mir ein Taxi zu deinem Hotel

ich war nervös und mein Herz schlug schnell

Und dann sah ich dich da, Candy Jane

Du standst im Salon mit ’ner langen Zigarettenspitze

und ein Dandy in Weiß erzählte blöde Witze

Ich ging auf dich zu und sag’ Hallo und so

doch du sahst mich gar nicht an

und der Typ da sagt’: „Schreib an den Fanclub, da gibt’s ’n schönes Autogramm"

Candy Jane, Candy Jane, Candy Jane

(1974)

Guten Tag, Herr Filmproduzent

„Guten Tag, Herr Filmproduzent

haben Sie mal fünf Minuten Zeit für mich?

Sagen Sie, dass ich noch nicht beim Film bin

finden Sie das nicht auch bedauerlich

bei meinem Talent?“

Da sagt er: „Moment mal

bei Ihrem Gesicht werden die Mütter sagen:

‚Kind, der hat ja ’ne Fresse zum Reinschlagen’

Abgesehen von dem bisschen Sex-Appeal

haben Sie nicht viel von dem

was ein Schauspieler braucht“

Ich sag’: „Ich könnt’ ja zur Not auch inkognito

mal ein Drehbuch schreiben für ’ne Wahnsinnsshow

über Terri Terror und Anna Anarcho

und deren Flugzeugentführung nach Addis Abeba

nach Beirut oder nach Jemen

und ich schwör’ Ihnen, das Publikum weint vor Rührung

wenn sie Inge Meisel als Geisel nehmen“

(1975)

Radio Song

Nun hab’ ich dieses Lied gemacht

und diesen Text geschrieben

und ich hab’ dabei an dich gedacht

das war letzte Nacht

Und heute morgen rief ich dann

ein paar Freunde an

und wir trafen uns im Studio

Ich hab’ die Harmonien noch mal in Feinschrift aufgeschrieben

und dann gab es noch Probleme mit dem Schlagzeugsound

Doch dann war alles klar, wir waren soweit

und Thomas von der Technik war ebenfalls bereit

Er gab uns ein Zeichen, die Maschine lief schon

die Band spielte los, und ich stand am Mikrophon

und ich sang so schön ich konnte – für dich

Ich ging mit dem Tonband in der Hand

zu meiner Plattenfirma

doch die sagten: „Leider geht das nicht

so ein Song verkauft sich nicht“

Es war sehr schwer

doch irgendwie hab’ ich den Leuten klargemacht

dass dieses Lied sehr wichtig ist

Erst haben sie mich ausgelacht, doch dann meinten sie:

„O.k., das Ding wird rausgebracht“

Und nun hoff’ ich so, du hörst dieses Lied mal im Radio

oder bei Freunden, in ’ner Diskothek oder irgendwo

Ich weiß nicht, wo du wohnst, ich weiß nicht, was du machst

und ob du nicht vielleicht über diese Platte lachst

Oder hörst du dir vielleicht nur noch Schlager an

und ich hab’ das alles ganz umsonst getan

Ich hoffe so, du hörst dieses Lied mal im Radio

wie soll ich dich denn sonst erreichen?

Ich wusste nicht wie

bitte ruf mich an

die Nummer kriegst du von meiner Plattencompany

(1976)

Bodo Ballermann

Bodo Ballermann spielte beim

Rambo-Zambo-Kicker-Verein

Er flitzt’ über’n Platz, schnell wie ein Tiger

und er war der Schrecken der Bundesliga

Sah man ’n Fleck, meistens war’s ’n blauer

am Schienenbein von Fränzchen Beckenbauer

oder hielt sich ein Torwart verzweifelt den Magen

hatte Bodo wieder zugeschlagen

Hau rein – ist Tango

Tu ihn rein – ist Chachacha

Zehntausend Leute brüll’n im Chor:

„Wir wollen das Granatentor!“

Der Torwart greift vergeblich

nach dem riskanten Ball

doch er knallt bloß mit dem Kopf an die Latte

weil Bodo gut getäuschet hatte

Weil Bodo nicht nur gut war im Spiel

sondern den Frauen auch besonders gefiel

hat er dann reichlich mit den Groupies gepennt

und viel gesoffen, so entfiel das Happy End

Als dann die Damen

ihm seinen Samen nahmen

als er dann jede Nacht

in irgend ’ner Eros-Bar war

verlor er schnell die Kondition

und dann im Fußballstadion

war er bald so abgeschlafft

wie ein versoffener Clochard

Hau rein – ist Tango

Tu ihn rein – ist Chachacha

Zehntausend Leute brüll’n im Chor:

„Nun baller’ doch endlich mal wieder ’n Tor“

Doch Bodo trifft den Ball nicht mehr

dafür des Schiedsrichters Maul

und der zieht die rote Karte und nuschelt ohne Zähne:

„Herr Ballermann, das war Ihr letztes Foul“

(1976)

Die Bühne ist angerichtet

Wenn ich fünf Minuten vor dem Auftritt

hinter der Bühne steh’

und mir durchs kleine Loch im Vorhang

das große Publikum anseh’

Wenn’s dann plötzlich mulmig im Magen rumort

und der Lampenfieber-Vampir mich voll durchbohrt

wenn ich, obwohl ich sonst so easy bin, total vibrier’

und der Roadie bringt mir schnell noch ’n Beruhigungsbier

Dann wär’ ich lieber einer von euch da unten

da hinten, zehnte Reihe links

Ich würde denken, na Popstar

woll’n wir doch mal sehen, ob du das bringst

Ich würd’ mich locker wie ein Rocker in den Sessel hängen

und lauschte wie berauscht diesen Infernogesängen

Das einzige Problem, das ich mir vorstellen kann:

Wie verkraftet meine Freundin

so ’n erotisches Programm?

Die Flasche mit dem Kicherwasser

kreist von Mann zu Mann

Ja, die Jungs von der Kapelle

knallen sich tierisch an

Ein letzter Blick in den Spiegel

weil man auf Schönheit nicht gern verzichtet

und dann sagt Controlletti:

„Signore, die Bühne ist angerichtet“

(1976)

Mister Nobody

Morgens, so gegen dreizehn Uhr zehn

werde ich geweckt

und es wird mir ’ne Packung Speiseeis

in den Frühstücksmund gesteckt

Ich freu’ mich und gähn’ noch mal durch

und dann kicher’ ich vor mich hin

denn in der Zeitung steht schon wieder drin

was ich für ein böser Bube bin

Es ist ein Leben wie auf einem Silbertablett

von Kameras umgeben, auf dem Präsentierparkett

und ich denk’ mir, heut’ bleib ich lieber im Bett

Wenn er dann rausgeht, stolpert er über die Fans

die im Hausflur auf ihn warten

Er setzt sich dazu, bemalt Arme und Beine

und verteilt seine Hochglanzkarten

Und in den Kneipen haut man ihm auf die Schulter

so dass sie ihm fast bricht

doch er weiß, wie das gemeint ist

und deshalb weint er nicht

Manchmal träumt er, er wär’ wie früher

ein Mister Nobody

Und er streunt durch die Gegend

und hängt rum in dunklen Cafés

und wilden Separees

Keiner fragt, wer er ist, selbst wenn er dreist

der Serviererin in das Strumpfband beißt

Er wär ein Nobody, ein Mister Nobody

Er fragte sich schon bei mancher Frau

die ihm so unterkam

war es sein Name, der Ruhm, die Kohle

oder war es sein privater Charme?

Und manche große Liebe ergab sich leider nicht

denn hinter all den Postern

sahen sie nie sein echtes Gesicht

Manchmal träumt er, er wär’ wie früher

ein Mister Nobody

Und er streunt durch die Gegend

und hängt rum und schläft im Stadtpark

Keiner fragt, wer er ist, selbst wenn er kühn

sein Lasso nach dem Mond schmeißt

um den runterzuzieh’n

Er wär ein Nobody, ein Mister Nobody

Er hätte sicher nicht ganz so viele Freunde

doch falsche Freunde gibt es sowieso zuviel

Vielleicht nur einen, der total zu ihm hält

mit dem er die Welt auf den Kopf stellt

Er wär ein Nobody, ein Mister Nobody

(1977)

Höllenfahrt

Er steht auf der Bühne

und sie nennen ihn Rock ’n’ Roll-Raubtier

Und er hat ja auch die Leopardenhose an

Was er säuft und schluckt und raucht

wieviel’ Bräute er verbraucht

steht in jeder Zeitung drin

Und heute ist er hier

doch er ist nur so ’ne Art Traum-Dompteur

und das Spot-Light erhitzt ihn sehr

und er gibt ihnen die Peitsche

und sie fressen ihn auf

jeden Tag ein bisschen mehr

Er brannte wie ein Feuerwerk

das glitzert und funkelt und knallt

Zwischen Suff und Drogen ist er abgestürzt

er war erst zweiunddreißig Jahre alt

Im Autobahn-Hotel wacht ein Typ morgens auf

und neben ihm liegt dieser schreckliche Monster-Kater

Und dann geht das Telefon

und die Presse wartet schon

auf ’nen neuen Skandal

oder irgend so ’n Kommerztheater

Sie verkaufen seinen Kopf und seine Gefühle

täglich Stück für Stück

Doch was nützt ihm das Konto

er fühlt sich allein

und was er gibt, kriegt er nie zurück

Er brannte wie ein Feuerwerk

das glitzert und funkelt und knallt

Zwischen Suff und Drogen ist er abgestürzt

er war erst zweiunddreißig Jahre alt

Er war erst zweiunddreißig Jahre alt

(1978)

Angelika

Baby, willst du meine goldenen Schallplatten putzen

und willst du ihn mal fahr’n, meinen Chevrolet?

Baby, willst du mein Autotelefon benutzen

und deiner Mutti sagen: „Es ist alles okay“

Oder findest du solche Sprüche auch ziemlich idiotisch

und wenig erotisch?

Mick Jagger, Alfred Dregger, Rod Stewart, James Hunt

nur große Namen sind interessant für

Angelika aus Winsen an der Luhe

die lässt nämlich keinen Star in Ruhe

und Bodo, der Roadie, sagt:

„Ey, wenn du nur eine Nacht bei mir wohnst

dann mach ich dich bekannt mit all

den Beatles den Bee Gees und den Stones“

Bei jedem Konzert sieht man dieses wilde Kind

und dann zeigt sie den Stars

wo die erogenen Zonen sind

Und dann nach der Schau

besteigt diese Frau den Band-Bus

mit losem Reizverschluss

Dann geht alles sehr schnell

im Hotel

Sie schiebt sich unter ihren Traum

der besoffen ist und stumm

und küsst den Sternenstaub

von seiner schwitzigen Haut

und denkt, sie umarmt das Universum

Angeilika aus Winsen an der Luhe

die lässt nämlich keinen Star in Ruhe

den unbekannten Jungen, der neben ihr steht

den übersieht sie voller Hohn

Sie macht es nicht unter einem Beatle

’nem Bee Gee oder Stone

(1978)

Astronaut

Einsam wie ein Astronaut

im All gestrandet, endlos verflogen

die Bodenstation schweigt und er begreift:

Du bist verloren und ganz alleine hier oben

So ’n Gefühl, das hab’ ich manchmal

wenn ich hier auf der Bühne steh’

vom Spot geblendet, dunkler Saal

und nichts mehr auf dem Kontrollschirm seh’

Und ich sing’ mein S.O.S.

und ich hoffe so, heute bist du hier

und ich seh’ dich nach der Show

Ey, ich warte so auf ein Zeichen von dir

Oder glaubst du auch wie die meisten Leute

so ’n Popstar hat mindestens zehntausend Bräute

und er könnte dich für ein Groupie halten

Kommst du deswegen nicht?

Ey, glaub’ mir, ich will doch nur dich

Nach den heißen Konzerten

die kalten Hotels

allein – und ich denk’ an dich

Irgendwo und irgendwann

werden wir uns gegenüberstehen

vielleicht schon bald zum ersten Mal

und es wird so sein

es wird so sein

wie ein Wiedersehen

(1982)

„Wenn die Heizer kommen und total aufdreh’n Als ob sie nicht von dieser Welt wär’n“
Panik
Vollgas
Rock ’n’ Roll-Lifestyle
Alles klar auf der Andrea Doria

Bei Onkel Pö spielt ’ne Rentnerband

seit 20 Jahren Dixieland

’n Groupie hab’n die auch

die heißt Rosa oder so

und die tanzt auf’m Tisch

wie ’n Go-Go-Go-Girl

Und dann Paula aus St. Pauli

die sich immer auszieht

und Lola hat Geburtstag

und man trinkt darauf

dass sie wirklich mal so alt wird

wie sie jetzt schon aussieht

Und überhaupt ist heute wieder alles klar

auf der Andrea Doria

Gottfried heißt der Knabe da hinten am Klavier

und für jede Nummer Ragtime kriegt er ’n Korn und ’n Bier

Ein Typ in der Nische schockiert seine Braut

und Bernie Flottmann denkt, er wär’n Astronaut

Jetzt kommt noch einer rüber aus der Dröhndiskothek

und ich glaub’ , dass unser Dampfer bald untergeht

Aber sonst ist heute wieder alles klar

auf der Andrea Doria

Es kommt mal wieder gar nicht so drauf an

und Leda träumt von einem Pelikan

Und überhaupt ist alles längst zu spät

und der Nervenarzt weiß auch nicht mehr, wie’s weitergeht

Aber sonst ist heute wieder alles klar

auf der Andrea Doria

(1973)

Rock ’n’ Roll-Band

Ich bin Trommler in ’ner Rock ’n’ Roll-Kapelle

ich bin Sänger in ’ner Rock ’n’ Roll-Band

Dich zu kennen, das ist groß

doch ich muss jetzt wirklich los

mit meiner Rock ’n’ Roll-Band

Mädchen, ich muss doch jetzt geh’n

ich find’ das auch nicht so schön

doch du musst das versteh’n

Aber Mädchen, das ist doch erregend

wir spielen bestimmt mal wieder hier in der Gegend

Bis dahin hör dir unsere Platten an

oder Deutsches Fernsehen, Viertes Programm da seh’n wir uns wieder,

da seh’n wir uns wieder

Ich bin Trommler in ’ner Rock ’n’ Roll-Kapelle

ich bin Sänger in ’ner Rock ’n’ Roll-Band

Meine Welt, das sind Bühnen

und eingehauene Trommelfelle

fremde Betten und Straßen und heiße Lieder

und abends der Korn gegen’s Lampenfieber

Und überhaupt ist mein Leben reichlich turbulent

Ich bin Trommler in ’ner Rock ’n’ Roll-Kapelle

ich bin Sänger in ’ner Rock ’n’ Roll-Band

Dich zu kennen, das ist groß

doch ich muss jetzt wirklich los

mit meiner Rock ’n’ Roll-Band

(1973)

Honky-Tonky-Show

Wenn die Mütter morgens in der Zeitung lesen

dass wir kommen, kriegen die ’n Schock

und sie sagen: „O Tochter, geh da bloß nicht hin

die spielen doch diesen wilden, animalischen Rock

Die Musik, die die machen, ist chaotisch

nachher findest du das auch noch erotisch

Bitte, geh da nicht hin, tu mir das nicht an

es gibt doch heute Abend

auch ’n schönes Fernsehprogramm“

Honky-Tonky-Show

und abends läuft die Honky-Tonky-Show

Die Mutter guckt alleine Krimi oder Quiz

und die Tochter ist da, wo die Action ist

Honky-Tonky-Show

und abends läuft die Honky-Tonky-Show

Wo die Lautsprecher steh’n, sind die Mädchen

weil da die heiße Luft vibriert

und das finden sie so

oh, oh, oooh

sie sind fasziniert, fast hypnotisiert

Im Saal ist es heiß wie in ’ner Sauna

und es sind auch wieder

so ’n paar ganz scharfe Frau’n da

die sammeln Autogramme, aber ganz speziell

die schreiben wir mit ’m Lippenstift auf die nackte Haut

nachts um drei im Hotel

Honky-Tonky-Show

und abends läuft die Honky-Tonky-Show

Seit sieben Wochen rollt unsere Show

so ’ne Tournee macht einen reichlich k.o.

Der Banddoktor sagt: „Das ist ja ’n Marathonlauf“

und er macht seinen Koffer auf

und er gibt uns die Sachen, die uns kräftig machen

Denn unsere Show will jeder seh’n

und deshalb muss sie weitergeh’n

(1974)

Alles im Lot auf dem Riverboat

Es ist alles im Lot auf dem Riverboat

und jetzt fahren wir los nach Cuxhaven

Die Sklaven im Keller, die rudern los

sie sind frisch und ausgeschlafen

Der Kapitän Zäsar Zechmann verspricht

dass er nicht wieder so besoffen wird

wie letztes Mal, denn da wär’ beinah

ein Schiffsunglück passiert

Der Steuermann kichert und stiert auf den Kompass

weiß kaum noch, wie er gucken soll

und jetzt merk’ ich, die ganze Crew

ist sowieso schon wieder voll

Es ist alles im Lot auf dem Riverboat

alles im Lot

Und wenn’s untergeht, is’ auch egal

mit ’m U-Boot fahren wollt’ ich immer schon mal

Der Sprit macht uns fit

und die Jazzmusik tönt angenehm in unseren Ohr’n

und Chris, der Trompeter

pustet den Blues in sein verbeultes Nebelhorn

Die Passagiere saufen wie die Tiere

und fordern die Kapelle auf:

„Spielt doch endlich ,Ice Cream‘

mit ’m schönen Tubalauf“

Der Heizer und die Stewardess

verkriechen sich im Rettungsboot

und plötzlich hör’ ich ihren Schrei:

„Baby, du heizt mich halbtot!“

Es ist alles im Lot auf dem Riverboat

alles im Lot

Und wenn’s untergeht, is’ auch egal

mit ’m U-Boot fahren wollt’ ich immer schon mal

Den Ozean-Dampfer am Kai Nummer 10

hat der Kapitän leider nicht mehr geseh’n

Schon wieder ein Schiffsuntergang

wir werden immer nasser

jetzt singen wir unter Wasser:

„Es is’ alles im Lot…

gluck, gluck, gluck!“

(1975)

Sympathie für den Teufel

Erlauben Sie, dass ich mich vorstell’

Ich bin ein Mann von Welt und Stil

ich gehe um seit einer Ewigkeit

raube Seelen, kenne kein Gefühl

Ich war da, als Jesus voller Zweifel war

und er rief in seiner Qual

Und als Pilatus sich die Hände wusch

erfüllte sich sein Schicksal

Angenehm, erraten Sie, wer ich bin?

Was Sie irritiert, ist mein Handeln ohne Sinn

Ich schlich herum in St. Petersburg

an jenem Oktobertag

riss den Zar von seinem Thron

Anastasia schrie und unterlag

In vielen Kriegen war ich Panzergeneral

und machte aus der Welt ein blutiges Tal

Angenehm, erraten Sie, wer ich bin?

Was Sie irritiert, ist mein Handeln ohne Sinn

Ich lachte laut, weil die Lügner regier’n

sie schaffen Götzen, für die ganze Völker krepier’n

Ich hab’ gebrüllt: „Wer hat die Kennedys gekillt?“

Waren es denn eigentlich nicht du und ich?

So erlauben Sie, dass ich mich vorstell’

ich bin ein Mann von Welt und Stil

Für Sänger leg’ ich Fallen

sie sterben in kalten Musikhallen

Angenehm, erraten Sie, wer ich bin?

Was Sie irritiert, ist mein Handeln ohne Sinn

So wie der Frömmste fallen kann

und jeder Sünder heilig ist

nenn du mich Engel Luzifer

weil man den wahren Namen zu oft vergisst

So hab Respekt, wenn du mich triffst

mach’s mit Sympathie und Verstand

und zeige mir, wie höflich du bist

oder ich hab’ deine Seele in der Hand

Angenehm, erraten Sie, wer ich bin?

(1978)

Der Amerikanische Traum

„Hello, here speaks Franz Josef Mayr from New York

we want to have a big party

and we want the Udo here

the German musician“

Neulich rief ein Mr. Mayr aus New York an

ob er den Udo mal engagieren kann

denn die hätten da, wie jedes Jahr

einen Heimatball à la Bavaria

außerdem gäb’s tausend Dollar

Ich sag’: „Okay, ich bin Ihr Mann“

Und so flogen wir nach Manhattan, Deutsche Kolonie

so geweint haben die noch nie

denn sie brach zusammen, ihre heile Welt

sie drehten voll durch in ihrem Bayernzelt

Denn da hatten sie doch leider den falschen Udo bestellt:

Sie wollten Udo Jürgens

Nein, sie wollten keine Panik, und sie wollten keinen Punk

und sie fraßen Leberknödel den ganzen Tag lang

Und dann wollten sie schon schmeißen mit ’ner Maß Bier

ich sag’: „Avanti, Galoppi, nix wie weg hier

Es gibt auch andere Möglichkeiten in USA

unbegrenzte sogar“

Und dann rockten und rollten wir los in Max’s Kansas City

im Bottom-Line und im CBGB’s

Und die Amis flippten aus

und sie sagten: „Sehr extrem

so was Rausgeröntges haben wir ja noch nie gesehen“

Und dann im Madison-Square-Garten

hatten sie nicht genug Eintrittskarten

Und wir brachten unsere Panik

und wir peitschten unseren Punk

und wir heizten von Küste zu Küste, monatelang

Ja, wir waren in Chicago und in Miami

Los Angeles und Boston und Washington DC

doch trotzdem haben wir nicht viel gesehen

auf der Tour, immer nur

Highways, Airports, Football-Stadien

Tausend Motels und Cheeseburger-Imbiss

Wir brachten unsere Panik

und wir peitschten unseren Punk

doch die Show-Business-Maschine

sie machte mich krank

Und eines schönen Morgens

als der Manager noch schlief

da machte ich mich auf die Socken

wie ein Detektiv

Denn ich wollte einfach wissen:

Was ist denn genau los mit Amerika

was ist denn hier Hollywood

und was ist wirklich wahr?

Und so fuhr ich mit ’nem Chevy

durch die Staaten kreuz und quer

auf der Suche nach dem Amerikanischen Traum

Oder gibt’s den gar nicht mehr?

Von New Orleans nach Alaska

übern ganzen Kontinent

spielte Black Jack in Las Vegas

fuhr Karussell in Disneyland

hoch in die Rocky Mountains…

(1978)

Born to be wild

Hallo Mädchen, hör mal zu

morgen früh so gegen vier

komm’ ich, um dich abzuholen

warte an der Hintertür

Schreib noch einen Abschiedsbrief

kleb ihn an den Küchenschrank:

Liebe Eltern, tausend Dank

doch eure Welt, die macht mich krank

Wir fahren durch die leeren Straßen

weit raus auf die Autobahn

wo die zu Ende ist, fängt unser Horizont an

Und dann werden sie uns suchen

doch sie finden uns nie

und die Spießer fluchen:

Das ist Anarchie

Born to be wild

Born to be wild, yeah

Sieh dir doch die Typen an

Baby, ich hab’s kapiert

Moskau, Bonn und Pentagon

sie labern rum und nix passiert

Soll’n sie doch ihre Paläste schließen

und alle Waffen ins Weltall schießen

Doch sie klopfen nur falsche Sprüche

und machen den Planeten kaputt

Doch wir, wir sind ganz schön viele

und wir werden immer mehr

und zu unserem Sieg

brauchen wir keinen Krieg

No

Born to be wild

Born to be wild, yeah

Wir heizen durch die leeren Straßen

weit raus auf die Autobahn

und wo die zu Ende ist, fängt unser Horizont an

Born to be wild

Born to be wild, yeah

Und die Spießer werden fluchen

weil du für sie bist:

Affe, Sympathisant und Kommunist

Und die Spießer werden fluchen

weil du für sie bist:

Anarchist, Asozialer, Radikaler und Kriminaler

Born to be wild

Born to be wild, yeah

(1978)

Die Heizer kommen

Wir sind Rock ’n’ Roll-Zigeuner

ein Zuhause haben wir nicht

Wir sind so Easy Rider und Rumstreuner

steh’n auf Heavy Rock-Schwergewicht

Jeden Tag ’ne and’re Stadt

der Bandbus setzt sich in Bewegung

ob die Kripo da wohl wieder ’n Haftbefehl hat

wegen Erregung öffentlicher Erregung?

Wenn die Heizer kommen und total aufdreh’n

als ob sie nicht von dieser Welt wär’n

und es den Müttern mal wieder nicht gelungen ist

ihre Süßen einzusperren

Wenn die Heizer kommen und rocken und rollen

bis zur vollen Hysterie

Dann laden wir euch neue Power in die Batterie

Baby, heute sind wir wieder in eurer City

als wir uns hier zum ersten Mal trafen

sagt’ ich: „Nein, nein und nochmals Ja

man kann ja mal drüber schlafen“

Heute bringst du einen Freund mit

ich find’ den Spitze, und das merkste

du findst das komisch, na und?

Bi ist sowieso das Stärkste

Wenn die Heizer kommen und total aufdreh’n

als ob sie nicht von dieser Welt wär’n

und es den Müttern mal wieder nicht gelungen ist

ihre Süßen einzusperren

Wenn die Heizer kommen und rocken und rollen

bis zur vollen Hysterie

Dann laden wir euch neue Power in die Batterie

In welcher Stadt sind wir heute?

Weiß nicht, ist auch völlig egal

Hauptsache, es gibt hier ’ne Bühne

und ’n knallvollen Randale-Saal

Wir sind Rock ’n’ Roll-Zigeuner

wenn du ’n Gypsy ohne Heimat

bist bist du immer da zu Hause

da, wo grad der Larry los ist

(1980)

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895,71 ₽
Возрастное ограничение:
0+
Объем:
170 стр. 1 иллюстрация
ISBN:
9783863935092
Правообладатель:
Bookwire
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