Читать книгу: «Technik zur Vegetationsbrandbekämpfung»
[1]Rotes Heft 110
Dipl.-Ing. (FH) Thomas Zawadke
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1. Auflage 2021
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© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Print:
ISBN 978-3-17-038861-1
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pdf: ISBN 978-3-17-038863-5
epub: ISBN 978-3-17-038864-2
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[3]Vorwort
Der Klimawandel stellt an die Feuerwehren und Hilfsorganisationen neue Herausforderungen. So müssen in kurzer Zeit viele Einzelereignisse oder im unwegsamen Gelände großflächige und komplexe Einsätze abgearbeitet werden. Dazu gehören insbesondere Vegetationsbrände, die an Ausmaß und Intensität zugenommen haben. Speziell in Deutschland haben wir in vielen Regionen zunehmend mit Bränden auf Feldern mit Monokulturen (Stichwort: Biogasanlagen) und in Wäldern mit munitionsbelasteten Flächen zu kämpfen.
Dieses Rote Heft soll eine Hilfestellung bieten, wie mit einfachen Mitteln Norm- oder Serien-Fahrzeuge aufgewertet werden können oder welche Anforderungen an die Persönliche Schutzausrüstung gestellt werden müssen. Es wurde bewusst nicht auf die taktische Vorgehensweise eingegangen, da dies den Rahmen dieser Veröffentlichung sprengen würde. Dazu muss auf andere Literatur, z. B. Die Roten Hefte, Band 107 »Wald- und Vegetationsbrände« von Birgit Süssner verwiesen werden. Ausdrücklich vermerkt wird, dass gerade bei Flächenbränden die Taktik entscheidend für den Einsatzerfolg ist. Gemäß dem Motto von Heinrich Schläfer: »Die Technik hat der Taktik zu folgen«, ist dieses Rote Heft nur ein »Mosaikstein« im großen Bild der Abwehrtechnik von Vegetationsbränden. An Hand von Beispielen aus anderen Ländern (speziell in südlichen EU-Ländern und den USA) wird beschrieben, wie dort auf Anforderungen in Bezug auf Vegetationsbrände reagiert wurde, ohne den Anspruch oder gar die Forderung, diese Technik »blind« zu übernehmen.
[4]Bedanken möchte ich mich bei allen, die sich in den letzten Jahren engagiert haben, ihre Erfahrungen aus Übungen und Einsätzen zum wichtigen Thema »Vegetationsbrandbekämpfung« zu veröffentlichen und die dazu beitragen, die aktiven Einsatzkräfte der deutschen Feuerwehren dafür zu sensibilisieren. Insbesondere gilt mein Dank den engagierten Mitgliedern des Vereins @fire, der, neben anderen, maßgeblich an der Verbesserung der Ausbildung kommunaler Feuerwehren in Deutschland beteiligt ist.
Aber auch Landesfeuerwehrschulen, Institute der Feuerwehr und sogar mancher Vertreter der Politik haben die Dringlichkeit erkannt und unterstützen die Feuerwehren durch Anpassung der Lehrpläne und Unterlagen zur örtlichen Schulung sowie durch die Bereitstellung von Geldern zur Beschaffung von Geräten und Ausrüstung.
Wir sollten, neben der Beschaffung von spezieller Ausrüstung, die Ausbildung und Unterlagen immer kontinuierlich auf den Prüfstand stellen, neue Erkenntnisse harmonisieren und diese Verbesserungen auch allen Beteiligten mitteilen. Einsätze in anderen Ländern (z. B. Kalifornien oder Australien) zeigen sehr deutlich, dass Flächenlagen nur durch harmonisierte und aufeinander abgestimmte Technik und vor allem Taktik beherrschbar werden.
So bin ich sehr gerne auch zukünftig für Ergänzungen, Erfahrungen oder Hinweise dankbar und werde diese wieder einarbeiten oder in Beiträgen in der Fachzeitschrift BRANDSchutz/Deutsche Feuerwehr-Zeitung veröffentlichen.
[5]Noch eine Anmerkung:
Ohne Zweifel bereichern Frauen und Mädchen die Feuerwehren seit vielen Jahren und ohne sie ist das bewährte flächendeckende ehrenamtliche Feuerwehrsystem in Deutschland längst nicht mehr zu erhalten. Ich habe versucht, geschlechtsneutrale Bezeichnungen zu verwenden. Im Sinne der besseren Lesbarkeit habe ich, wo dies nicht möglich war, auf die weibliche Form verzichtet. Bei der Bezeichnung Feuerwehrangehörige(r) sind selbstverständlich Angehörige der Feuerwehr beiderlei Geschlechts gemeint.
Ich wünsche ihnen viele neue Erkenntnisse bei der Lektüre.
Neu-Ulm 2021
Thomas Zawadke
[7]Inhaltsverzeichnis
1 Vorwort
2 1 Persönliche Schutzausrüstung 1.1 Besondere Anforderungen und Empfehlungen 1.2 Schutzkleidung zur Brandbekämpfung 1.2.1 Sicherheits- bzw. Schutzschuhwerk 1.2.2 Kopfschutz 1.2.3 Augenschutz 1.2.4 Handschuhe 1.2.5 Weitere sinnvolle Ausrüstung 1.3 Schutzkleidung für Motorsägenführer 1.4 Schutzkleidung für Flughelfer 1.5 Absturzsicherung in Hanglagen 1.6 Atemschutz, Filtergeräte 1.7 CO-Warner 1.8 Getränkeversorgung 1.9 Fire Shelter
3 2 Handwerkzeuge und Ausrüstung 2.1 Werkzeuge zum Graben, Kratzen und Trennen 2.2 Feuerpatschen 2.3 Ausrüstung zum Tragen 2.4 Motorsense 2.5 Luftgebläse und Laubbläser 2.6 Besonderheiten beim Einsatz von Motorsägen 2.7 Flämmkanne und Zündtechnik
4 3 Löschgeräte 3.1 Rucksackspritzen 3.2 Tragbare Pumpen zur Vegetationsbrandbekämpfung 3.3 Schläuche, Armaturen und Schlauchmanagement 3.4 Düsenschläuche, Hydroschilde, Sprinkler 3.5 Sprenglöschverfahren 3.6 Löschlanzen und Erdbohrer zur Wurzel- und Moorbrandbekämpfung 3.7 Turbinenlöscher, LUF, Ventilatoren 3.8 Löschmodule – Slide On Unit 3.9 Schaumsysteme und Schaumeinsatz
5 4 Besonderheiten der Wasserversorgung 4.1 Wasserversorgung über Pendelverkehr 4.2 Wasserversorgung über Schiene 4.3 Mobile Löschwasserlagerung – Falttanks (Typen, Größen) 4.4 IBC-Behälter mit Tragkraftspritzen 4.5 Wechselbehälter für Vollernter und Rücketraktoren
6 5 Messgeräte und Warnsysteme 5.1 Früherkennungs- und Warnsysteme 5.2 Sattelitenbilder 5.3 Wettermessgeräte 5.4 Signalhorn, Sirenen
7 6 Kommunikations- und Führungstechnik 6.1 Funktechnik 6.2 Luftbeobachter und -führung 6.3 Einsatzkarten 6.4 Wegkennzeichnung 6.5 Drohnen zur Luftaufklärung und Überwachung 6.6 Personenkennzeichnung 6.7 Fahrzeugkennzeichnung
8 7 Fahrzeugtechnik der Feuerwehr 7.1 Ergänzungen für kommunale Löschfahrzeuge 7.2 Technik für TLF-W 7.3 Anforderungen an Führungs- und Erkundungsfahrzeuge 7.4 Anforderungen an Logistik- und Nachschubfahrzeuge 7.5 Fahrzeuge für besondere Anwendungen 7.6 Konzepte für Aufbauten und Kabinen
9 8 Sonderfahrzeuge und -techniken 8.1 Kettenfahrzeuge 8.2 Panzer der Bundeswehr 8.3 Nutzbare Forstmaschinen (Harvester, Rücketraktoren, Bodenfräsen) 8.4 Nutzbare landwirtschaftliche Technik (Balkenmäher, Pflug, Grubber, Scheibenegge) 8.5 Bauhoffahrzeuge mit Tankaufsatz und Zapfwellenpumpe 8.6 Radlader, Bagger, Dozer 8.7 All Terrain Vehicle, Quad, Pick-up 8.8 Funkfernbediente Technik 8.9 Technik bei munitionsbelasteten Flächen
10 9 Luftfahrzeuge 9.1 Flugzeuge 9.2 Helikopter 9.3 Drohnen 9.4 Außenlastbehälter 9.5 Erforderliches Zubehör für Luftverlegung mit Hubschrauber
11 Fazit
12 Literaturnachweis
[11]1 Persönliche Schutzausrüstung
1.1 Besondere Anforderungen und Empfehlungen
Die DGUV Vorschrift 49 (UVV Feuerwehr ist in Deutschland die Grundlagen für die Ausstattung von Feuerwehrangehörigen mit Persönlichen Schutzausrüstung (PSA)) beschreibt in § 12 (1) die Mindestausrüstung:
Feuerwehrschutzanzug
Feuerwehrhelm mit Nackenschutz
Feuerwehrschutzhandschuhe
Feuerwehrschutzschuhwerk
Dies ist für die Vegetationsbrandbekämpfung bereits eine gute Grundausrüstung, die nur noch um wenige Elemente ergänzt werden muss.
1.2 Schutzkleidung zur Brandbekämpfung
Die Gefahren müssen bekannt sein, um sich davor schützen zu können – da wären:
Feuer:
Hitze z. B. durch Strahlungswärme, heiße Luft (kann u. a. zu Atemwegsverletzung führen), Glutpartikel durch Funkenflug, [12]Flammen (thermische Zersetzung der Vegetation) oder Rauch (Rauchgasintoxikation, gereizte Augen)
Mechanische Verletzungen:
Vegetation (beim Gehen durch Buschwerk mit Verletzungen durch Dornen, abgebrochene Zweige, aber auch Stolpern, Ausrutschen o. ä.), Umgang mit (Hand-)Werkzeugen (auch von anderen Einsatzkräften), Hochspritzen von scharfkantigem oder splitterartigem Boden- oder Vegetationsmaterial durch Einsatz von Wasser unter hohem Druck und Hochschleudern von Material durch Bodenfräsen.
Idealerweise wird für die Vegetationsbrandbekämpfung besonders geeignete Kleidung verwendet, wie sie z. B. in der DIN EN ISO 15384 beschrieben ist. Der Unterschied dieser Bekleidung zur »üblichen« Feuerwehrschutzkleidung besteht darin, dass das Gewicht deutlich geringer und atmungsaktiver ist. Das liegt in erster Linie daran, dass der mehrlagige Aufbau nicht notwendig ist. Wichtig ist, dass die Arm- und Beinabschlüsse enger geschlossen werden können, um ein Eindringen von brennbaren Gasen oder Flammen zu vermeiden. Es ist nicht zwingend erforderlich, spezielle Einsatzkleidung zu beschaffen. Die herkömmliche Feuerwehreinsatzkleidung kann so optimiert werden, dass sie für gelegentliche Einsätze bei Vegetationsbränden ebenso einsatztauglich ist.
Die immer wieder (in Veröffentlichungen dokumentiert) zu beobachtende Verwendung von »Überbekleidung zur Brandbekämpfung in Räumen mit Durchzündungsgefahr« (HuPF 1 bzw. 4 bzw. DIN EN 469) ist bei der Vegetationsbrandbekämpfung (auch bei höheren Temperaturen) im Freien weder not[13]wendig noch sinnvoll. Sie gefährdet bei längerer und harter Arbeit bei Vegetationsbränden aufgrund des Wärmestaus unter der Kleidung die Einsatzkräfte durch Überhitzung bzw. erhöhten Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen. Es muss auch davon ausgegangen werden, dass die Arbeit bei der Bekämpfung eines Flächenbrandes wesentlich länger dauert als die begrenzte Arbeit unter Atemschutz im Innenangriff.
Nach Erfahrungen von @fire und spezialisierten Einheiten zur Vegetationsbrandbekämpfung in Europa und den USA ist eine zweilagige Schutzkleidung zur Waldbrandbekämpfung optimal. Diese sollte bestehen aus:
[14]einer enganliegenden, den Körperschweiß weiterleitende Schicht, z. B. in Form von langer Baumwoll-Unterwäsche und
einer flammhemmenden Schicht, die gleichzeitig auch ausreichend mechanisch stabil ist.

Bild 1: Links: Beispiel von einem Feuerwehrschutzanzug (nicht für den Atemschutzeinsatz vorgesehen), der für die gelegentliche Vegetationsbrandbekämpfung geeignet ist. Rechts: (leichte einlagige) Einsatzjacke und Waldbrandhemd (kann auch ohne Jacke im Einsatz getragen werden) von @fire.
Für das Tragen der Feuerwehrschutzkleidung im Vegetationsbrandeinsatz ist zu beachten:
Bündchen an der Hose (soweit vorhanden) und Jacke sowie Reißverschlüsse immer geschlossen halten.
Die Hosenbeine werden über den Stiefeln getragen!
Wenn keine Bündchen vorhanden sind, kann man sich mit Bändern behelfen, um die Beine an den Stiefeln eng zu schließen. Es muss verhindert werden, dass heiße Brandgase, Asche, Funken bzw. Glut von unten in die Hosenbeine schlagen können.
Der Jackenkragen ist aufgestellt und dicht am Hals geschlossen zu tragen.
Die Handschuhe müssen je nach Ärmelabschluss und Stulpen entweder über oder unter den Ärmeln, möglichst dichtschließend, getragen werden.
Es muss darauf geachtet werden, dass die Handschuhe auch zum längeren Arbeiten mit Handwerkzeugen geeignet sind.
In jedem Fall muss die PSA-Auswahl für den Feuerwehreinsatz im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung erfolgen. Vergleiche dazu DGUV Information 205-014.
[15]1.2.1 Sicherheits- bzw. Schutzschuhwerk
In unwegsamen Waldgebieten und auf Feldern empfiehlt sich die Verwendung von Feuerwehrsicherheitsschuhen (vgl. DIN EN 15090) in Form von Schnürstiefeln, weil diese sich besser an den Fuß anpassen lassen. Damit ist die Gefahr umzuknicken deutlich geringer als bei reinen Schaftstiefeln.
Im abschüssigen oder gar felsigen Gelände bieten normale Feuerwehrschutzstiefel keinen ausreichenden Halt, zudem sind sie für einen längeren Fußmarsch ungeeignet. Hier sind gut angepasste stabile Bergstiefel meist die bessere Lösung. Hierzu ist aber unbedingt eine Gefährdungsbeurteilung notwendig, weil ein Bergstiefel nicht allen Anforderungen eines Feuerwehrstiefels gerecht wird.
Das Problem bei Vegetationsbränden ist sehr häufig der sehr heiße Boden auf dem länger gestanden und gearbeitet werden muss. Hier heizen sich die Metalleinlagen der Durchtrittsicherungen der üblichen Feuerwehrschuhe unangenehm auf und führen eventuell zu Schäden an den Schuhen bzw. erzeugen Verletzungen (z. B. Blasen) an den Füßen. Sicherheitsschuhe für Müllwerker oder auch Waldarbeiter sind ebenfalls mit durchtrittsicheren Sohlen und Schutzkappen (teils mit stabilen Schnittschutz gegen laufende Kettensägen!) ausgestattet und müssen ebenfalls eine gewisse Hitzebeständigkeit aufweisen. Dieses Schuhwerk bietet in den meisten Fällen einen geeigneten (wenn auch nicht immer einen kostengünstigen) Kompromiss. Eine separate Beschaffung ist aber nur bei häufiger Verwendung sinnvoll. Für seltene Einsätze können die üblichen Sicherheitsschuhe der Feuerwehr verwendet werden.

Bild 2: Beispiel eines nicht angepassten Schuhs,
die Sohle hat sich während der Löscharbeiten auf heißem Boden abgelöst. Ein Weiterarbeiten in diesem Zustand kann sehr gefährlich werden! (Foto: @fire)
[17]1.2.2 Kopfschutz
Offene Hautpartien (speziell im Halsbereich) sind am besten durch eine Flammschutzhaube bzw. durch ein dicht schließendes Nackentuch (Hollandtuch) zu schützen. Ein Nackenschutz hilft vor heißen Glut- oder Ascheteilchen, aber auch vor unangenehm spitzen Baumnadeln oder Holzpartikeln.
Für längere bzw. häufige Einsätze bei Vegetationsbränden empfiehlt es sich, einen möglichst leichten Helm zu wählen. Die europäische Norm DIN EN 16471 beschreibt Feuerwehrhelme für Wald- und Flächenbrandbekämpfung. Normale »Bauarbeiterhelme«, Fahrrad- oder Kletterhelme (diese haben keine geschlossene Oberschale und besitzen meist einen Styroporkörper als Stoßabsorber) sind nicht zulässig und sogar gefährlich.
Bisher verwenden Feuerwehren im deutschsprachigen Raum mit Ausnahme weniger spezialisierter Einheiten (z. B. @fire und Flughelfer) kaum spezielle Helme zur Brandbekämpfung im Freien, sondern solche, die für die Brandbekämpfung im Innenangriff optimiert sind. Diese Helme sind aber für längere Einsätze bei der Vegetationsbrandbekämpfung ungeeignet.
Gründe sind vor allem:
diese sind zu schwer (Schwitzen und Ermüdung),
eingeschränkte Kommunikation (durch die geschlossene Helmform im Seitenbereich),
meist keine Möglichkeit, eine dichtschließende Brille zu verwenden,
und letztendlich auch der hohe Preis.
[18]Gut geeignet ist der gute alte »Einheitshelm« aus Aluminium. Er hat einen ausreichend bequemen Tragekomfort, sitzt durch seine Kreuzgurtung im Nacken stabil, auch bei heftigen Bewegungen beim Arbeiten und Laufen, er lässt eine dichtschließende Brille zu, es kann ohne Probleme auch eine Flammschutzhaube darunter getragen werden bzw. es kann ein Hollandtuch verwendet werden, das auch im vorderen Bereich geschlossen werden kann und leicht genug ist, um über längere Zeit getragen zu werden. Man kann daher nur dringend empfehlen, dass die ausgemusterten Helme für diese Einsatzvariante weiterhin erhalten bleiben. Das Hollandtuch ähnelt dem amerikanischen Shroud, einem Tuch, das den Hals-, Nacken und Gesichtsbereich vor Strahlungshitze und Glutpartikel schützt. Unterschied zu einer Flammschutzhaube ist, dass das Shroud fest mit dem Helm verbunden ist und vor dem Mund-Nasebereich geschlossen werden kann.
1.2.3 Augenschutz
Eine dringende, geradezu unerlässliche Empfehlung für die Bekämpfung von Vegetationsbränden ist eine dicht schließende Schutzbrille, um die Augen vor Rauch, Funkenflug und Wärmestrahlung zu schützen. Steht eine solche nicht zur Verfügung, sollte ein Augenschutz (z. B. Schutzbrille) aus dem Bereich des Rettungsdienstes oder der TH-Anwendung verwendet werden. Natürlich bietet auch eine Atemschutzvollmaske einen Augenschutz, allerdings ist der Tragekomfort bei sehr warmen Temperaturen im Vergleich zur reinen Schutz[19]brille sehr eingeschränkt und aufgrund des Gewichtes auch ermüdend.
| Merke: Schutzvisiere, wie wir sie heute an modernen Feuerwehrhelmen finden, können eine dichtschließende Brille nicht ersetzen, sind aber als Schutz vor Funkenflug und Hitzestrahlung immer noch besser als gar kein Schutz der Augen. Wichtig in diesem Zusammenhang ist der Schutz vor Rauch und der ist eben nur mit dichtschließenden Brillen zu erreichen. |
Wenn Brillen neu beschafft werden, sollte auf drei Dinge Wert gelegt werden:
1 Die Brille muss zu den vorhandenen Helmen getragen werden können.
2 Die Brille muss dicht an den Augen abschließen (ähnlich einer Taucherbrille).
3 Die Brille sollte eine gewisse Hitzebeständigkeit aufweisen (Arbeitsschutzbrillen nach DIN EN 166 bzw. Schweißerschutzbrillen nach DIN EN 169 erfüllen diese Anforderung).
1.2.4 Handschuhe
Auch den Handschuhen ist besondere Aufmerksamkeit zu schenken, denn diese müssen nicht nur einen Schutz vor Hitze und mechanischer Belastung aushalten, sondern sie müssen auch handschonend sein im Umgang mit Werkzeugen. Schutzhandschuhe müssen DIN EN 659 entsprechen. Bei Einsätzen [20]mit Handwerkzeugen wird über einen erheblich längeren Zeitraum mit den Werkzeugen gearbeitet als bei sonst üblichen Einsätzen der Feuerwehr. Es ist ein Unterschied, ob ein paar Minuten mit einem Besen eine Ölspur gekehrt wird oder mit einem Hack- oder Grabwerkzeug mehrere Stunden ein Wundstreifen angelegt werden muss. Die Handschuhe sollten wie gute Schuhe »eingearbeitet« sein, um Blasenbildung zu verhindern.
Neben einem guten Sitz sollten sie zum Jackenärmel einen dichten Abschluss bilden. Dieser kann durch ein Bündchen unter dem Ärmel oder durch eine lange Stulpe über dem Ärmel sichergestellt werden. Dies ist von dem jeweiligen Jackenmodel und dem persönlichen Empfinden des Trägers individuell abhängig und sollte durch eigenes Ausprobieren optimiert werden.
1.2.5 Weitere sinnvolle Ausrüstung
Signalpfeife
Diese sollte für jede Einsatzkraft vorhanden sein, um bei einer Lageänderung oder plötzlich auftretenden Gefahren auch unter schwierigen Verhältnissen eine schnelle Räumung des gefährdeten Bereichs durchführen zu können. Dazu muss vorher ein eindeutiges Rückzugssignal vereinbart werden, das auch allen Einsatzkräften bekannt gemacht wird. Entsprechende Schallsignale (dazu können auch Fahrzeughupen genutzt werden) sind daher auszubilden oder wenigstens vor Einsatzbeginn klar zu vereinbaren.
| [21]Achtung: Signalpfeifen können Leben retten, aber nur wenn diese am Körper, erreichbar getragen werden. |
Bild 3 zeigt eine Auswahl an sinnvoller Ausrüstung. Die beiden linken Helme sind nicht geeignet, da sie keine geschlossenen Brillen zulassen und zu schwer sind. Die beiden rechten Helme sind in Verbindung mit Flammschutzhaube und dicht am Auge schließenden Brillen (im Vordergrund und auf dem roten Helm aufgesetzt) geeignet für den Einsatz.

Bild 3: Auswahl an geeigneten (rechts) und ungeeigneten (links) Helmen, geeigneter Brillen sowie Handschuhe und Trillerpfeifen
[22]Tragegurt
Ein einfacher stabiler Gürtel mit Taschen für die nötigen persönlichen Utensilien und einem Köcher für eine Trinkflasche reichen für gelegentliche Einsätze im Freien aus.
Back-Pack, Forstwirtschafts-Rucksack
Wer häufiger und vor allem über einen längeren Zeitraum zur Brandbekämpfung im Gelände unterwegs ist, wird ein Back-Pack verwenden, das den Tragekomfort eines guten Tourenrucksacks hat. Unterschied dazu: Die speziellen Back-Packs der Forest Fire Fighter bestehen aus mehreren Taschen, die bevorzugt auf der Hüfte getragen werden. Das verteilt das Gewicht nach unten und belastet den Rücken und die Schultern deutlich weniger bei gebückter Arbeitshaltung (z. B. beim Arbeiten mit Bodenbearbeitungswerkzeugen). Es hat zudem den Vorteil, dass zusätzliches Werkzeug (z. B. Motorsäge) oder Rückentragesysteme wie Rucksackspitze oder Kraxe zum Transport von Geräten im Gelände auf dem Rücken getragen werden können, ohne auf die persönliche (z. B. Trinksystem, San-Material oder Handy) bzw. lebensnotwendige Ausrüstung (z. B. Fire Shelter) verzichten zu müssen.

Bild 4: Beispiel einer optimierten Schutzkleidung einer @fire-Handcrew mit speziellen (rucksackähnlichen) Tragesystemen, die im Wesentlichen auf der Hüfte getragen werden zum Transport von Flüssigkeit, Energieriegeln, Kleinteilen, Messgeräte, kleine Werkzeuge usw. (Foto: @fire)
Brusttasche
Die Brusttasche oder auch Funk-Brustgurt ist praktisch, speziell zum Tragen der Funkausrüstung und Messgeräte. Diese kann auch zusätzlich zu Back-Packs, Rucksäcken oder Kraxen getragen werden und behindert kaum bei gebückter Arbeit. Es gibt Brusttaschen in verschiedenen Ausführungen und sie lassen sich auch für die Versorgung mit Getränken verwenden.

Bild 5: Insbesondere für Führungskräfte sind solche Brusttaschen sinnvoll, um alle erforderlichen Utensilien (wie z. B. Kompass, Kestrel, Taschenmesser) und das Funkgerät griffbereit und übersichtlich verfügbar zu haben.
Erste-Hilfe-Ausstattung
Es dürfte selbstverständlich sein, dass auf den Fahrzeugen und in der Ausstattung von Handcrews eine Erste-Hilfe-Ausstattung verfügbar ist. In Bezug auf den Einsatz im Gelände und bei Vegetationsbränden sollt diese Ausstattung auf zu erwartende Unfälle ergänzt werden. Insbesondere in Bezug auf »starke Blutung« z. B. bei Unfällen mit Motorsäge oder Schneidwerkzeugen, Verbrennungen, übermäßige Rauchintoxikation oder klassische Unfälle durch »Umknicken« oder Verdrehen des Fußgelenkes sollte reagiert werden können, da der Regelrettungsdienst in diesem Fall etwas länger braucht, um helfen zu können.
Somit ist auch die Frage des fachgerechten und schonenden Transportes des Patienten wichtig, denn es muss davon [25]ausgegangen werden, dass diese auch über eine längere Strecke im Gelände transportiert werden müssen. Verschiedene Tragehilfen für Verletzte in unwegsamen Gebieten sollten verfügbar sein. Eine kraftschonende und schnelle Methode, eine Person liegend im Gelände zu transportieren, sind Akia der Bergwacht oder Radsätze für Schleifkorbtragen.
1.3 Schutzkleidung für Motorsägenführer
Der Betrieb von Motorsägen im Einsatz bei Vegetationsbränden unterschiedet sich vom üblichen Einsatz (z. B. Beseitigung von Sturmschäden) bei der Feuerwehr in der Regel nur dadurch, dass unter teils erheblichem Zeitdruck gearbeitet werden muss und tatsächlich Fällungen von Bäumen erfolgen und nicht nur Teilen von gestürzten Bäumen. Das kann zu einer erhöhten Gefährdung des Bedieners und seines Umfeldes führen.
Im Einsatz zum Freischneiden von Wegen und Schneisen sind meist zwei Einsatzkräfte unterwegs. Eine Person schlägt mit einer Axt oder Buschhacke Äste und Büsche ab, um für den Motorsägenführer Platz zu schaffen. Selbstredend müssen dabei die Sicherheitsabstände eingehalten werden. Durch die Konzentration auf das eigene Werkzeug bzw. die eigene Arbeit kann es dann zu gefährlichen »Annäherungen« kommen (man muss bedenken, dass dabei auch ein Gehörschutz getragen wird!). Zur Sicherheit sollten beide Einsatzkräfte komplette Schutzausrüstung tragen und in diesem Fall nicht [26]nur eine Schnittschutzhose, sondern zusätzlich auch Schnittschutzjacke und Handschuhe, wie sie bei Arbeiten im Korb einer Drehleitern vorgeschrieben wird.
In Deutschland wird der Einsatz vermutlich nicht direkt an der Flammenfront erfolgen (sondern nur rückwärtig zur Vorbereitung einer Schneise), wie dies im Gegensatz dazu in nordamerikanischen Ländern praktiziert wird. Sollte doch einmal an der Flammenfront agiert werden müssen, wird dringend empfohlen, dass der Schnittschutz ölfrei und hitzebeständig ist. Synthetische Stoffe können schnell schmelzen bzw. abbrennen und die Träger der Kleidung gefährden. In den USA werden dazu spezielle »chaps« getragen. Eine Art geteilter Beinschutz (nicht als Beinlinge umlaufend ausgeführt, sondern hinten offen), der nur für die Zeit der Arbeit mit der Motorsäge über die normale Schutzkleidung getragen wird. Durch die Einlage aus Kevlar und einen hitzebeständigen Oberstoff sind diese deutlich zweckmäßiger und sicherer für diese Anwendung.
1.4 Schutzkleidung für Flughelfer
Auch an die Bekleidung eines Flughelfers werden spezielle Anforderungen gestellt. So sollte der Träger gut erkennbar sein (möglichst auffällige Signalfarbe) und die Kleidung möglichst eng anliegen, um beim Downwash durch den Hubschrauber nicht zu »flattern« oder den Träger bei der Arbeit zu behindern. Sie muss auch genügend Bewegungsfreiheit zulassen, da in allen Körperlagen (gebückt, kniend, liegend) gearbeitet werden muss.
[27]Um jederzeit ansprechbar zu sein und die Kommunikation mit dem Piloten sicherzustellen, müssen die Flughelfer über Sprech-/Hörgarnituren für den Funk im Helm verfügen, auch um die Hände für die erforderlichen Arbeiten frei zu haben.

Bild 6: Flughelfer bei der Arbeit unter dem schwebenden Hubschrauber
[28]1.5 Absturzsicherung in Hanglagen
Sobald Absturzgefahr der Einsatzkräfte besteht, müssen adäquate Maßnahmen umgesetzt werden. Arbeiten unter diesen Umständen sind in der Regel nur bei Nachlöscharbeiten (englisch: mop up) sinnvoll. Da in der Regel immer von oben gearbeitet wird, muss das Feuer sicher eingedämmt bzw. gelöscht sein. Ansonsten besteht Lebensgefahr bei Flammen unterhalb der Abseilstelle. Arbeiten in der Nacht sollten auch die absolute Ausnahme sein, obwohl diese bei einer »normalen« Brandbekämpfung im flachen Gelände oft bevorzugt wird (in der Nacht ist es kühler, die Glutnester sind besser zu erkennen usw.). Die Brandbekämpfung sowie Nachlöscharbeiten in der Nacht dürfen daher nur nach Arbeiten tagsüber im gleichen Gebiet oder nach erfolgter Erkundung am Tag durchgeführt werden.
Das Anbringen von »Geländerseilen« horizontal oder vertikal, kann zur Einzelsicherung der Kräfte sehr effektiv sein. Dabei kann das aktive oder passive Abseilen angewendet werden. Arbeiten am hängenden Seil sind möglichst zu vermeiden. Zum sicheren Arbeiten mit Werkzeugen muss immer Bodenkontakt (mit den Füßen) bestehen. Die Anforderung an einen Festpunkt sind mindestens 10 kN (1 Tonne Haltekraft). Dazu können z. B. Felsen, Strukturen oder Bäume dienen (Fahrzeuge sind dazu ungeeignet!). Bäume müssen gesund sein und einen Brusthöhendurchmesser von mindestens 30 cm aufweisen. Arbeiten im absturzgefährdeten Bereich sind aber nur durch entsprechend ausgebildete Kräfte (Rope-Squads oder Bergwacht mit Sonderausbildung) und mit entsprechen[29]dem Material auszuführen. Als Sicherungseile sollten nur Kevlarseile (diese sind hitzebeständiger!) verwendet werden.
Bei Arbeiten mit Tools, Handwerkszeug oder Kettensägen muss zwingend ein »Vorfach« aus Stahlseil verwendet werden. D. h. es muss von der arbeitenden Person bis zum Sicherungsseil ein Stahlseil (Seilstropp) mit ca. 2 m Länge eingebaut werden, um sicherzustellen, dass beim Ausrutschen oder versehentlichen Berühren mit dem Werkzeug oder der Kettensäge das Seil nicht durchtrennt werden kann.
Es muss bei Arbeiten am Berg/am Hang auch die Kameradenrettung aus schwierigem Gelände im Blick behalten werden. Daher ist genügend zusätzliches Material und Personal vorzuhalten und erfahrene Spezialkräften (Bergführer, Bergretter, Forstfachleute usw.) zur Sicherung bereit zu stellen. [30]Mehr Informationen dazu sind im Bericht »Gebirgsbrandbekämpfung – Einsatz in schwierigem Gelände« in der BRANDSchutz/Deutsche Feuerwehr-Zeitung Ausgabe 10/2017 ab Seite 803 zu finden.

Bild 7: Hier ist das Prinzip des »Vorfaches« in Form eines Seilstropps (zur besseren Darstellung gewickelt dargestellt) zwischen Halteseil und Sitz- oder Brustgurt dargestellt.
1.6 Atemschutz, Filtergeräte
Bei Vegetationsbränden werden die üblichen Brandgase beim Abbrand organischer Stoffe freigesetzt, wenn nicht von »wilden Müllkippen« ausgegangen werden muss. Dazu entstehen noch Ruß, Asche sowie mitgerissene Schwebteilchen (Staub). Die Menge und Gefährlichkeit dieser Stoffe ist für viele Einsatz- bzw. Führungskräfte schwer einzuschätzen und wird oft über- oder unterschätzt. Es muss nicht grundsätzlich mit umluftunabhängigen Atemschutz gearbeitet werden.
[31]Neben dem richtigen taktischen Vorgehen (mit dem Wind!) sind Filtergeräte meist ausreichend.
Dazu gibt es entsprechende Atemfilter (spezielle Tücher mit einer Filterfunktion, Halbmasken oder ggf. auch Vollmasken mit Filter), wenn es nicht gelingt, die Brandrauch-Belastung der Einsatzkräfte grundsätzlich zu vermeiden. FFP2- und FFP3-Maske sind im Normalfall schon ausreichend, um Staub, Aschepartikel und Glutteilchen fernzuhalten.

Bild 8: Links: Beispiele von Partikelfiltermasken; rechts: eine für die Vegetationsbrandbekämpfung entwickelte Filtermaske, passend zur geschlossenen Schutzbrille der Firma Vallfirest (Foto: Vallfirest)
1.7 CO-Warner
Auch CO-Warner können eingesetzt werden. Die Erfahrungen bzw. Versuche zeigen aber, dass diese bereits sehr früh ansprechen, auch wenn die Einsatzkraft beispielsweise nur in einer Rauchfahne außerhalb des kritischen Bereichs steht. Dies führt eher zur Verunsicherung als zum korrekten Einschätzen der Situation. Trotzdem sollten diese z. B. durch eine Person im Trupp getragen werden und auf höherer Warnstufe eingestellt sein.
Beim Pump-and-Roll-Betrieb mit einem Fahrzeug zum Ablöschen eines Feuersaums ist es sinnvoll, in der Kabine des Fahrzeugs einen CO-Warner mitzuführen. Hier wird empfohlen, dass alle Fenster geschlossen sind und die Lüftung auf Umluft zu stellen ist, damit keine Rauchgase in die Kabine eingesaugt werden. Trotz dieser Maßnahmen kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich eine CO-Konzentration in der Kabine ansammelt. Der Fahrer kann so frühzeitig gewarnt werden.
[32]1.8 Getränkeversorgung
Um eine Dehydrierung zu vermeiden, sollten Einsatzkräfte bis zu einem Liter Flüssigkeit (Mineralwasser ohne/wenig Kohlensäure, Apfelschorle – keine alkoholischen Getränke) pro Stunde in mehreren kleinen Portionen trinken. Einsatzkräfte müssen hierzu regelmäßig abgelöst werden oder mit Feldflaschen/Trinksystemen ausgestattet sein.
| Praxis-Tipp: Wenn Getränke auf Fahrzeugen mitgeführt werden, ist es einfacher und sicherer anstelle großer Glasflaschen, kleinere (0,5 l) PET-Flaschen mitzuführen, die im Einsatzfall auch mal in einer Jackentasche oder Pattentasche der Hose verstaut werden können. |
Sollten Trinksysteme in Backpacks (wie sie z. B. Marathonläufer verwenden) eingesetzt werden, muss auf die hygienischen Verhältnisse geachtet werden. Bewährt haben sich auch Schlauch-Trink-Systeme, die an ganz normalen PET-Flaschen angeschraubt werden können. Der Vorteil liegt, neben dem deutlich geringeren Preis in der leichten Reinigung und der Verwendung immer frischer Flaschen.
Schlauch-Trink-Systeme haben gegenüber den einfachen Flaschen den Vorteil, dass die Arbeit nicht durch Entnahme der Flaschen aus den Taschen oder Rucksäcken unterbrochen werden muss und somit auch sichergestellt ist, dass immer kontinuierlich Flüssigkeit aufgenommen wird.

Bild 9: Anstelle von Trinkblasen sind PET-Flaschen mit Schlauchsystem (und unterschiedlichen Adaptern) ebenso gut geeignet. Vorteil ist die einfache und hygienische Reinigung (notfalls wird eine neue Flasche verwendet). (Foto: @fire)
1.9 Fire Shelter
In Deutschland sind Maßnahmen zur Schaffung eines Fluchtraums für Einsatzkräfte völlig unbekannt. In Frankreich werden hierzu die Fahrzeugkabinen der Waldbrand-TLF (TLF-W) mit Schutzdüsen versehen (siehe Kapitel 7.2), in den USA und z. B. auch in Teilen von Portugal stattet man die Waldbrand-Ein[34]heiten mit Fluchtzelten (Fire-Shelter) aus, die einen Schutz in Notsituationen, in denen keine Flucht mehr möglich ist, bieten sollen. Dies ist aber sehr von der Vegetationsform abhängig. Feuerwehren z. B. in Kanada und Schweden verwenden keine Fire-Shelter, da Versuche bei Vollfeuer im Hochwald sich als wirkungslos erwiesen haben.
Fire-Shelter können zwar einen guten Schutz vor Hitzestrahlung und kurzfristig sogar vor direkter Flammeneinwir[35]kung bieten (Hinweis: im Inneren entsteht dann eine trockene Luft bei ca. 90° – ähnlich einem Saunagang ohne Aufguss!), aber es fehlt über einen längeren Zeitraum ausreichend Luftsauerstoff. Bei realen Einsätzen insbesondere in den USA wurden Einsatzkräfte nach einem »Feuerüberlauf« ohne Brandverletzungen unter den Sheltern gefunden, aber sie sind aufgrund von Sauerstoffmangel erstickt.
Es müsste also, ähnlich den Nottauchgeräten für Arbeitstaucher oder den Fluchtgeräten für Untertagearbeiter, ein »Minipressluftatemgerät« vorhanden sein, um die Überlebenschance deutlich zu erhöhen. Gewicht, Kosten und Unbeweglichkeit im Einsatz sprechen hier allerdings dagegen.
Bild 11 zeigt den Prototyp eines »Zeltes« in dem 4 Personen Platz finden und in dem auch eine Luftversorgung vorhanden ist. Das Packmaß ist dabei etwa so groß wie ein Rucksack oder ein kleiner Rollkoffer. Die Konstruktion soll im Einsatzfall wie ein »Wurfzelt« bzw. ähnlich einer Rettungsinsel selbstaufblasend sein.

Bild 10: Fire-Shelter im Übungseinsatz bei @fire. Er wird im Einsatzfall mitgeführt (im Vordergrund fertig verpackt) und dessen Verwendung auch konsequent geübt. Hinweis: Übungs-Shelter haben nicht die übliche silberne Alu-Beschichtung, sondern sind zur Unterscheidung andersfarbig ausgeführt.

Bild 11: Prototyp eines »Zeltes« als Fire-Shelter
[37]2 Handwerkzeuge und Ausrüstung
2.1 Werkzeuge zum Graben, Kratzen und Trennen
Kenntnisse über die richtige Auswahl, Anwendung und auch die Grenzen der Handwerkzeuge zur Vegetationsbrandbekämpfung sind bei vielen Feuerwehren in Deutschland flächendeckend kaum vorhanden. Dies liegt vor allem an der fehlenden Ausbildung für die Verwendung von Handwerkzeugen im Einsatzfall und die Unkenntnis über die unterschiedlichen Bauvarianten der einzelnen Geräte (z. B. verschiedene Schaufelformen, die je nach Bodentyp gut oder weniger gut geeignet sind).
Bereits in der Standardbeladung der Einsatzfahrzeuge nach Norm gibt es viele Handwerkzeuge, die sich grundsätzlich gut für die Vegetationsbrandbekämpfung eignen.
Allgemein handelt es sich dabei um:
Geräte zum Graben, Schaufeln, oder Werfen von Sand, wie Schaufeln oder Spaten
Geräte zum Hacken, Harken
Feuerpatschen
Geräte zum Trennen wie Äxte, Sägen, Buschhacken (Brush-Hooks), Macheten
Einreißhaken zum Wegziehen von kleineren Bäumen oder Buschwerk (die als Feuerbrücken dienen würden)
[38]Tragbare Löschgeräte (Kübel- oder Rückentragespritze, auch tragbare Feuerlöscher)
Darüber hinaus gibt es Handwerkzeuge, die sich im Besonderen für die Vegetationsbrandbekämpfung entwickelt haben oder aus dem Bereich des Gartenbaus besonders geeignet sind. Dies wären z. B.:
Mc Leod: Grobzackiger Rechen einerseits und mit einer breiten Hackschneide andererseits mit einem Feuerrechen
Feuerrechen: Grobzackiger Rechen mit dreieckigen Schneiden
Gorgui: Portugiesisches bzw. Spanisches Multifunktionswerkzeug mit einer axtähnlichen Hacke, einem breiten und schmalen Kratzer und einem grobzackigen Rechen
Pulaski: Amerikanische Waldbrandaxt mit gegenüberliegender quer liegender (meist schmaler) Grabschneide
Wiedehopfhacke (Wiedehopfhaue): Deutsches Pflanzwerkzeug ähnlich der Pulaski mit längerem Stiel. Einerseits mit Axt und andererseits mit runder oder eckiger Hackschneide (Haue)
Sapie: Ist ein Rücke-Werkzeug aus der Holzbauwirtschaft und dient zum Drehen (Rollen) von Baustämmen oder Ziehen von kleineren/dünneren Stämmen
Handsäge: Hier haben sich vor allem Bügelsägen (umgangssprachlich auch »Schwedensäge«) in verschiedenen Längen bewährt und sind nach Norm auf vielen deutschen Feuerwehrfahrzeugen Ausrüs[39]tungsbestanteil. Die Sägeblätter müssen aber gewartet sein. Das heißt: geschärft, geschränkt und ausreichend vor Rostanfall geschützt. Hinweis: Eine »Fischschwanzzahnung« ist erheblich effektiver bei Frisch- oder Grünholzschnitt als eine »V-Zahnung«

Bild 12: Verschiedene Werkzeuge von links: Gorgui, Mc Leod, amerikanische (Waldbrand-)Schaufel, Brush-Hook mit geschwungenem Griff, Pulaski, Feuerpatsche mit Gummiblatt und Teleskopstil (Foto: @fire)

Bild 13: Wiedehopfhacke (links) im Vergleich zu einer Pulaski

Bild 14: Unterschied V-Zahnung (links) und Fischschwanzzahnung rechts); wichtig ist auf jeden Fall die Schränkung und Schärfe der Zähne.
Schaufel und Spaten:
Diese sind sehr effektiv einzusetzen, wenn diese als Grabschaufeln (spitz zulaufend und rundes/gewölbtes Blatt) gestaltet sind. Damit kann z. B. ein Bereich frei gekratzt werden, kleine Wurzeln abgestochen/abgeschlagen und Glutnester ausgegraben werden und man kann mittels Sandwurf eine Löschwirkung erzielen ähnlich der Pulverwolke eines Feuerlöschers. Hinweis: Ein Zudecken von Flammen oder Glutnestern mit Erde sollte unterbleiben, da unter der Erde Glutnester schwelen könnten und die Nachlöscharbeiten erschweren. Spaten sind besonders bei Nachlöscharbeiten zum Aufgraben tiefer Glutnester (insbesondere im Wurzelbereich) oder zum Abkratzen von glühenden Borkenteilen (an Baumstümpfen ähnlich der [42]Brush-Hook) geeignet. Zum Arbeiten in Steilhängen können Spaten (speziell Klappspaten) sinnvoller sein als Schaufeln.

Bild 15: Schaufelvarianten (von links): Spanische Schaufel zur Vegetationsbrandbekämpfung (grader Stiel mit balligem Knauf, stark gerundetes kleines Blatt) – sehr gut geeignet zum Sandwerfen, Bayerische Schaufel (Stechschaufel, stärker angewinkelt zu Stiel mit Trittkante ähnlich Spaten) – gut geeignet, Frankfurter Schaufel (Stechschaufel 5 nach DIN 20121) – bedingt geeignet, Holsteiner Schaufel (Sandschaufel nach DIN 20120) – ungeeignet

Bild 16: Spatenvarianten: älterer BW-Spaten mit kurzem Stiel, Pflanzspaten mit langem Stiel, Grabspaten mit T-Griff; der Stiel sollte für den Einsatz in der Vegetationsbrandbekämpfung nicht zu kurz und das Blatt möglichst spitz und scharf sein.
[44]Äxte, Buschhacken (Brush-Hooks), Macheten
Nachlöscharbeiten sind für den dauerhaften Einsatzerfolg sehr wichtig. Je schlechter das Gelände mit Fahrzeugen erreichbar ist und je weniger Wasser dafür eingesetzt werden kann, umso mehr muss manuell und mit sehr gezieltem, sparsamen Wassereinsatz gearbeitet werden. Das Auf- und Ausgraben von Glutnestern (z. B. in Baumstümpfen, in Torfgebieten) und das Abkratzen von brennender oder verkohlter Borke und Rinde erfolgt am besten (neben dem Einsatz von Spaten) mit Äxten, Buschhacken (englisch: Brush-Hook) und Macheten (lange und breite Schlagmesser). Der Stil einer Buschhacke sollte ähnlich einem Axtstil ausgeführt und darf nicht zu kurz sein. Er darf auch ergonomisch geschwungen sein. Gedacht und geeignet sind diese Werkzeuge zum Entasten und Entrinden bzw. Rücken von Holzstämmen (daher auch die »Hakennase«). Die Wiedehopfhacke gibt es mit gerader und gerundeter Klauenseite. Rund zum Graben bzw. Hacken vor allem für harte eher steinige Böden, gerade für weiche und saftige (Wiesen-)Böden sowie zum Trennen von Wurzeln. Für den Einsatz in der Vegetationsbrandbekämpfung in Deutschland ist daher die runde Klaue bei harten und steinigen Böden universeller geeignet.

Bild 17: Links zwei Buschhacken (Brush-Hook); der Stiel der rechten Buschhacke ist zu kurz, um ergonomisch sinnvoll damit arbeiten zu können. Rechts eine Wiedehopfhacke mit runder Klaue.
[46]Empfehlung von Handwerkzeugen bzw. Geräte (Mindestausstattung) für eine Gruppe:
3 bis 4 Waldbrandpatschen
2 Schaufeln (z. B. Bayrische Sandschaufel oder »Baumarktschaufel«) oder Spaten
3 bis 4 Hackwerkzeuge (z. B. McLeod, Gorgui, Wiedehopfhacke)
2 Wasserrucksäcke mit Befülleinrichtung
Motorsäge mit Zubehör inklusive geeignetem Schnittschutz (nicht ölgetränkt und hitzebeständig!)
Fernglas, Kompass, Kestrel für den Gruppenführer bzw. Beobachter
Signalpfeife für jeden Feuerwehrangehörigen (FA)
2.2 Feuerpatschen
Feuerpatschen gibt es in verschiedenen Ausführungen. Die bekannteste dürfte die fächerförmige Patsche mit Stahlstreifen und einem langen, geraden Stiel aus Holz oder einem Metallrohr sein. Dieser Stiel sollte ca. 1,8 bis 2 m lang sein, um eine möglichst ergonomisch und effektive Arbeitsweise zu erzielen. Diese Bauweise eignet sich vor allem für glatte, nadelübersäte und sandige Böden. Der Begriff »Patsche« ist eigentlich irreführend. Denn das Feuer soll damit nicht im großen Bogen »ausgeschlagen« werden, sondern im niedrigen Abstand über dem Boden in einer eher kreisenden Bewegung über den Flammenrand »gestrichen« werden. Diese Arbeitsweise ist deutlich effektiver und weniger ermüdend als das Aushohlen und kräftige Aufschlagen auf das Feuer. Mit dieser Methode [47]wird in vielen Fällen das Feuer eher angefacht bzw. es entsteht ein Funkenflug durch aufgewirbelte heiße Asche oder kleine brennende Teilchen, die das aufgeheizte, unverbrannte Material entzündet. Trotzdem kann es Situationen geben, in denen der Effekt des »Sauerstoffverdrängens« durch heftiges Schlagen zum Erfolg führt. Allerdings ist diese Methode sehr kräftezehrend. Die beste Wirkung wird durch einen kombinierten Angriff mit mehreren (mindestens zwei bis drei) Feuerpatschen direkt nebeneinander eventuell in Kombination mit einer Schaufel und/oder Rucksackspritze erzielt. Die Patschen sollten dabei im Takt auf eine Zählvorgabe des Truppführers/der Einsatzkräfte erfolgen. Auf einen ausreichenden Sicherheitsabstand muss geachtet werden. Um den Rostbefall von Stahlstreifen zu eliminieren und das Gewicht zu reduzieren, gibt es auch Feuerpatschen mit Gummiflächen und Kunststoffstielen.
| Merke: Die richtige Vorgehensweise mit der Feuerpatsche ist, wenn nicht geschlagen, sondern über die Flamme gestrichen wird. Das schont die Kräfte und ist wesentlich effektiver. Es sollten möglichst mehrere Einsatzkräfte gleichzeitig arbeiten, die Flammen sollte nicht höher als ein Meter (etwa hüfthoch) sein und es sollte mit dem Wind (meist aus dem schwarzen, schon abgebrannten Bereich) oder von einer Flanke gearbeitet werden. |
Für die steinigen Böden in Südeuropa gehen die Feuerwehren einen anderen Weg und verwenden selbst gebaute Feuerpatschen aus einem Stiel verbunden mit Streifen aus alten Druckschläuchen oder Hosenbeinen ausgemusterter Einsatz[48]hosen. Diese Bauweise passt sich deutlich besser dem Untergrund an und erhöht die abgedeckte Fläche (nur diese erstickt das Feuer!).
Die beste Feuerpatsche hilft aber nichts, wenn sie für einen eventuellen Einsatz im Feuerwehrhaus gelagert wird und im Einsatz vergessen wurde. Sie gehören auf das Fahrzeug und sollten auch schnell griffbereit gelagert werden. Als raumsparenden Ersatz gibt es die Möglichkeit, eine Schaufel kurzfristig zu einer Feuerpatsche umzufunktionieren. Somit können auch Schaufeln mit geradem Blatt verwendet werden, die als Grabschaufel ungeeignet, aber für Räumarbeiten auf den Fahrzeugen standardmäßig verladen sind.
[49]Dieser Überzug erweitert die Fläche des Schaufelblattes erheblich und passt sich auch dem Untergrund besser an.

Bild 18: Beispiel einer »Schaufelpatsche« (rechts) auf einer Schaufel (es passen alle Schaufelformen!) aufgesetzt. Daneben selbst gebaute Feuerpatsche aus alten Schläuchen oder Hosenbeinen (hier dargestellt) von Einsatzkleidung (preiswert und deutlich effektiver auf steinigen Böden) als Feuerpatschen mit Stahlfächer (links). Man beachte die unterschiedlichen Wirkflächen!
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