Читать книгу: «Investieren in Edelsteine»

Dr. Thomas Schröck:
Investieren In Edelsteine
Alle Rechte vorbehalten
© 2021 edition a, Wien
www.edition-a.at
ISBN gedruckte Ausgabe 978-3-99001-517-9
ISBN E-Book 978-3-99001-518-6
E-Book-Herstellung und Auslieferung:
Brockhaus Commission, Kornwestheim
www.brocom.de
INHALTSVERZEICHNIS
Die Habsburger und die Edelsteine
Vorwort
Dank
Einleitung
Warum Edelsteine als Investment?
Rubin
Saphir
Smaragd
Diamant
Andere Edelsteine als Investment
Für wen eignen sich Edelsteine als Investment
Edelsteine als alternative Investments
Alternative Investments im wirtschaftlichem Umfeld
Fluchtwährung
Edelsteine – bzw. Was ist ein Edelstein?
Ethik und Nachhaltigkeit des Edelsteinhandels
Welche Edelsteine eignen sich als Investment?
Rubin
Saphir
Smaragd
Diamant
Andere Edelsteine
Behandlungen
Behandlung bei Rubin und Saphir
Behandlung bei Smaragd
Behandlung bei Diamant
Synthesen
Synthesen des Diamanten
Synthesen des Korunds
Synthesen des Smaragds
Imitationen
Imitationen des Diamanten
Imitationen des Rubins und Saphirs
Imitationen des Smaragds
Zertifikate oder die Echtheitsprüfung
Zertifikate vom Diamanten
Zertifikate vom Farbedelstein
Schliffarten
Schliffe bei Diamanten
Schliffe bei Farbedelsteinen
Der Kauf von Edelsteinen und Schmuck
Die Preise von Edelsteinen
Die Wertentwicklung von Edelsteinen
Preisindex für Diamanten
Preisindex für Farbedelsteine
Zusammenfassung zu den Preisdarstellungen
Steuerliche Behandlung bei Kauf und Verkauf
Umsatzsteuer
Einkommenssteuer
Die Lagerung von Edelsteinen
Anlagedauer
Der Verkauf von Edelsteinen
Glossar
Literatur
DIE HABSBURGER UND DIE EDELSTEINE
Die Habsburger haben über viele Jahrhunderte das Familien- sowie das Staatsvermögen in Edelsteinen gesichert. Edelsteine wurden in der Familiengeschichte als Bankkonto angesehen, Gold- und Silbermünzen waren das Bargeld.
Das vielleicht berühmteste Beispiel ist Kaiser Maximilian zusammen mit Reichsgraf Jakob Fugger von der Lilie. Kaiser Maximilian hinterlegte Edelsteine und Ländereien als Pfand bei Fugger, um die Finanzierung der Staatspolitik zu sichern. Edelsteine galten dabei als Wertanlage und wurden als Pfand verwendet, um Kredite abzusichern.
Gold und Silber sind Metalle, die einen hohen Vertrauenswert haben. Sie sind praktische und relative günstige Materialien, die leicht in Münzen geprägt werden konnten und können und als einfaches Zahlungsmittel dienten und dienen. Edelsteine dagegen sind im Verhältnis zu Ihrem Gewicht und Volumen um ein Vielfaches wertvoller und seltener als die genannten Edelmetalle. Gleichzeitig ist jeder Edelstein ist einzigartiges Unikat der von der Natur aus über einen sehr langen Zeitraum entstanden ist.
Wenn es in der Geschichte darum ging, ein Vermögen für sein Land aufzubauen und abzusichern, dann wurde es in Form von Edelsteinen getan. Die ästhetische Gestaltung in Form von Schmuck wurde verwendet, um Wirkung zu erhöhen. Die sogenannten »Kronjuwelen« dienten der Präsentation und Repräsentation eines Landes, so wie dies heute noch in monarchisch regierten Staaten demonstriert wird.
In der Schatzkammer zu Wien sowie in den diversen Museen sind die Kronjuwelen und Edelsteine aus der K. u. K. Monarchiezeit noch immer zu bewundern.
Anbei sehen sie einige Fotos meiner Großmutter Prinzessin Ileana von Rumänien und Urgroßmutter Königin Marie von Rumänien, Enkelin von Queen Viktoria von England. Sowie den Österreichischen Erzherogshut aus dem Hause Habsburg.
In der heutigen Zeit besinnt man sich wieder zu dieser Wertanlage, waren doch Edelsteine in der Neuzeit überwiegend zu Schmuckstücken verarbeitet und in Verbindung mit Luxus dargestellt worden, sind Edelsteine heute wieder eine solide Anlageform mit einer Werthaltigkeit wie anno dazumal.
Aus Familienerzählungen kann ich bestätigen, dass die in guten Zeiten erworbenen Edelsteine das Überleben von vielen Familien in Krisen- und Kriegszeiten sicherten.
Ich möchte meinen Dank an Dr. Thomas Schröck aussprechen für seinen Einsatz, dieses besonders Werk »Edelsteine als Investment« zu verfassen.
Sandor Habsburg

Österreichischer Erzherzogshut
Fotograf: Stekovics
© Stift Klosterneuburg

Königin Marie von Rumänien
© public domain

Prinzessin lleana von Rumänien
© public domain

VORWORT
Farbedelsteine sind das älteste Anlageprodukt der Erde, älter als Gold. Seit 5.000 Jahren werden Preziosen als verdichtete Wertspeicher verwendet. Dennoch geriet diese Anlageform in den letzten sechzig Jahren in Vergessenheit.
Dynastien überlebten durch die einfache Transportfähigkeit und Tauschbarkeit von Edelsteinen. Menschen »bezahlten« ihre Fluchtmöglichkeit vor den Nationalsozialisten mit Diamanten. Ungarische Aristokraten konnten nach der Flucht aus Ungarn in den 1950er Jahren im Ausland ein neues Leben beginnen.
Soviel zur weltlichen Historie. Wie sieht es mit der quantitativen Seite aus – mit der Wertsteigerung?
Unbehandelte Rubine1 sind in den letzten 25 Jahren im Durchschnitt um acht Prozent pro Jahr im Wert gestiegen, blaue Saphire und Smaragde um vier bis sechs Prozent pro Jahr.
Ein wichtiger Punkt noch: Edelsteinabbau und -handel haben in den letzten Jahrzehnten wichtige Schritte in Richtung »Nachhaltigkeit und Konfliktfreiheit« getan, Sie finden dazu ein Kapitel in diesem Buch, das sich mit dem Abbau und Handel aus ökologischer und sozialer Sicht beschäftigt.
Mich selbst begleiten Edelsteine als Mineralien und als geschliffenes Endprodukt nun seit vierzig Jahren. Ich erlaube mir, Sie in das Gebiet des wohl schönsten und gleichzeitig wertkomprimiertesten Anlageprodukts der Erde zu geleiten.

Dr. Thomas Schröck
DANK
Ich bedanke mich bei meinen Eltern Irma und Karl Schröck. Mein Vater brachte mir, als ich rund acht Jahre alt war, vom Jagen am österreichischen Felber Tauern einen Bergkristall mit, der mich restlos begeisterte.
Dieses Mineral war der Beginn meiner Leidenschaft für Mineralien und kurz darauf für Edelsteine. Meine Eltern gingen mit mir in die Alpen »Steine klopfen«, also Mineralien suchen und begleiteten mich auf Mineralienmessen. Den ersten Bergkristall, es ist eher ein weißer Quarz, gibt es immer noch.

Bergkristall
Felber Tauern, Österreich
Foto: © The Natural Gem
Ein sehr großer Dank gilt meinem indischen Lehrmeister Subhash Soni, den ich mit zwanzig Jahren kennenlernen durfte. Seine Familie ist seit rund achtzig Jahren im indischen Edelsteinhandel tätig. Du hast mich vieles zu Edelsteinen gelehrt, ich habe allerdings auch immer die Gespräche zu hinduistischer Philosophie genossen. Subhash, du hast mich in deine Familie aufgenommen, dafür ein herzliches »Danke«.
Danke an SKKH Sandor Habsburg-Lothringen für unsere Gespräche zu Familien- und Machtsymbolen im Bereich der Edelsteine.
Danke an Maria Stadler und Patrick-Noël Herold-Gregor, die an der zweiten Version dieses Buches umfangreich mitgearbeitet haben.
Abschließender Dank gilt dem Team des Verlages edition a, welcher dieses Buch auf den Markt bringt.
EINLEITUNG
Wer jemals den Ausstrahlungswechsel eines sehr guten Rubins von einem intensiven Rot bei Tageslicht auf ein von innen heraus glühendes und funkelndes Rot im Kerzenlicht, die tiefblauen Lichtreflexe eines Saphirs oder das intensive Grün eines Smaragds mit seinen feinen Einschlüssen gesehen hat, den wird diese von der Erde geschaffene Schönheit nie wieder loslassen.
Dass bei Menschen2 Faszination für die Schönheit, gepaart mit dem Glauben an den Wert von Edelsteinen vorliegt, mögen die drei folgenden kurzen Geschichten illustrieren:
Am 12. Mai 2015 wird bei Sotheby‘s in Genf einer der größten und besten Rubine der Welt versteigert. Als der Hammer fällt, wird ein neuer Höchstpreis von 30,42 Mio. US-Dollar für einen 25,59 ct.3 schweren Stein geboten.
Bevor Kaiser Karl I, Kaiser von Österreich und König von Ungarn, nach seinem Regierungsverzicht seine Wirkungsstätte Wien endgültig verlässt, sendet er in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November 1918 seinen Oberstkämmerer in die Schatzkammer der Hofburg, um den Familienschmuck der Habsburger zu entnehmen. Darunter den »Florentiner«, einen 137,2 ct. großen gelben Diamanten. Zu dieser Zeit ist dieser Stein der viertgrößte bekannte Diamant der Welt.
Menschen, deren Eltern gerade noch erfolgreich vor den Nationalsozialisten flüchten konnten, erzählen, dass der Erhalt eines Reisepasses gegen die Übergabe eines Halb-Caräter Diamanten pro Person möglich war.
Die Gemeinsamkeit der drei Geschichten: menschliche Faszination und Wertschätzung für kleine, glitzernde und glänzende Steine, sowie Werterhalt und Wertkonzentration auf kleinstem Raum. Eine einfache Rechnung: ein Kilo Feingold hat einen Wert von rund 50.000 Euro (Stand: Mai 2021), ein halbes Kilo 2 ct. schwerer Rubine guter Qualität hätte einen Wert von rund 100 Mio. Euro (ebenfalls Stand Mai 2021). Einen Wert für ein Kilogramm Rubine in der feinsten Qualität kann ich nicht nennen, da ich nicht weiß, woher diese Menge zu beziehen wäre. Damit möchte ich gleich mit einem Mythosaufräumen: der seltenste der bekanntesten Edelsteine in feiner Qualität (Rubin, Saphir, Smaragd und Diamant) ist nicht der Diamant – sondern der RUBIN!
Seitdem wir Aufzeichnungen der menschlichen Geschichte haben, kommen in diesen Schriften immer wieder Edelsteine vor: sei es bei den legendären Minen der Königin von Saba, der Brustplatte des Hohepriesters mit den zwölf Steinen im Alten Testament der Bibel, oder auch in den letzten Jahrhunderten die Geschichte eines Diamanten, der Unglück bringen soll, dem »Koh-i-Noor«.
Was macht einen Edelstein aus? Die Antwort ist einfach: seine Seltenheit und seine Begehrtheit. Je seltener und je begehrter etwas ist, desto höher wird sein Preis sein, egal ob in der Kunst, bei Oldtimern oder bei Edelsteinen.
Edelsteine sind der wohl emotionalste Bereich der Wertaufbewahrung. Nichts anderes von Wert wird so nahe am Körper getragen und damit wird auch nichts anderes so oft am Tag berührt.
Viele Bücher wurden zu Schmuck und Edelsteinen im Besitz von Herrscherhäusern und auch zur Mineralogie und Gemmologie4 geschrieben. Wenig Literatur existiert zum Thema »Investieren in Edelsteine«. Diese Lücke möchte das vorliegende Buch schließen.
Daneben werden Sie in diesem Buch Tipps zum »richtigen«, also effektiven und effizienten Schmuckkauf finden. Bevor man einen Juwelier mit dem Satz »Ich möchte einen Verlobungsring kaufen und dieser soll (nach amerikanischer Sitte) drei Monatsgehälter kosten« aufsucht, ist Vorbildung zum Thema Diamantkauf sehr hilfreich. Wenn Sie den Unterschied zwischen den Bezeichnungen »H SI1 IGI vg gd vg faint« und »D IF GIA 3ex non« bereits kennen, können Sie das Kapitel zum Diamanten überblättern, sonst mag es einige interessante Einsichten bringen.
Die Fragen »Kann ich mit Edelsteinen langfristig Geld verdienen? Oder zumindest bei Schmuck den Wert halten?« sind eindeutig mit »Ja« zu beantworten, wenn man einige Dinge beachtet.
Das Wichtigste vorweg: Der heutige weltweite Schmuck- und auch Edelsteinmarkt wird dominiert von erhitzten, bestrahlten, mit Materialien gefüllten Steinen, die nur mehr wenig mit dem Original, wie es aus der Erde kommt, gemeinsam haben. Der Grund dafür ist einfach. Es gibt nicht mehr genug Edelsteine für den Schmuckmarkt, die Minenförderung geht zurück beziehungsweise sind viele früher berühmte Fundstätten erschöpft.
Einige Beispiele für Behandlungen im Schmuckhandel:
Fast alle Rubine und Saphire sind hitzebehandelt, hatten also von Natur aus nicht die gewünschte Farbe oder Reinheit und wurden so künstlich verbessert.
Blauer Topas im Handel ist nahezu immer bestrahlt und danach zusätzlich erhitzt.
Aquamarin, Tansanit, Turmalin und Zitrin werden ebenfalls durch Hitze und teilweise durch Bestrahlung in der Farbe verändert.
Risse in Steinen werden durch Öle, Harze oder Glas geschlossen und gefüllt, die Reinheit damit verbessert.
Einschlüsse in Diamanten werden mittels Laser aus dem Stein »herausgebohrt«.
Jeder gute Juwelier oder Edelsteinhändler sollte Sie nach internationalem Übereinkommen auf diese Veränderungen beim Kauf aufmerksam machen. Getan wird es sehr oft nicht. Hinzu kommen dann ausgesprochen betrügerische Tricks, vor allem beim Einkauf im Urlaub:
Bei »Schnäppchen« in Touristenläden, zum Beispiel in Hongkong oder Bangkok, werden gerne Diamanten mit abgebrochenen Spitzen oder Facetten verkauft. In der Fassung ist das für den Kunden nicht zu sehen und der Stein hat nicht einmal ein Fünftel des Werts, den er haben sollte.
Sehr oft bringen Urlauber zum Beispiel aus Sri Lanka oder Indien nur eine Handvoll Synthesen, aber nicht die gewünschten Edelsteine nach Hause.
Als Investment eignen sich all diese Steine nicht. Gewissenhafte Investoren kaufen nur »unbehandelte«, also naturfarbene Steine. Diesem Trend tragen die internationalen Auktionshäuser seit einigen Jahren Rechnung. Schlagen Sie einen Auktionskatalog zum Beispiel von Christie‘s, Sotheby‘s und Bonhams, Artcurial oder Dorotheum auf und Sie sehen einen Rubin-, Smaragd- oder Saphirring, bei dem nur Größe und Gewicht des Edelsteins sowie sein Schätz- und Rufpreis angegeben sind, dann gilt dieser Edelstein als behandelt. Bei naturfarbenen Steinen finden Sie Anmerkungen wie »no indication of treatment«5.
Diese unbehandelten, naturfarbenen Edelsteine steigen aufgrund ihrer Seltenheit schneller im Wert und sind deshalb für ein Investment geeignet. Nach Expertenschätzungen hat heute aber schon ab der Mine nur mehr ein einziger von tausend Steinen Naturfarbe. Alle anderen werden an Ort und Stelle, zum Beispiel in Burma, Mosambik oder Sri Lanka, behandelt.
Welche Edelsteine eignen sich für ein Investment? Dies sind naturfarbene Rubine, Saphire und Smaragde sehr guter bis ausgezeichneter Qualität ab 1 ct. Gewicht aufwärts, sowie Diamanten (der Brillant ist eine Schliffform) ab einem halben Carat Gewicht. Die Qualität, Naturfarbe und Unbehandeltheit ist auf jeden Fall vom Verkäufer durch ein internationales Zertifikat nachzuweisen. Die Bestätigung eines lokalen, wenn auch großen Juweliers, zählt nicht als Zertifikat. Dieses internationale Zertifikat erleichtert Ihnen als Besitzer den Verkauf, sollten Sie diesen ins Auge fassen.
Edelsteine haben auch immer eine starke emotionale Komponente. Jeder Farbstein ist einzigartig, offenbart seinen Charakter etwas verschieden unter unterschiedlichem Licht, oder lässt durch seine Einschlüsse das Licht auf ganz einzigartige Weise spielen. Edelsteine werden auch seit Jahrtausenden dicht am Körper als Schmuck getragen. Es gibt nichts von derart hohem Wert, das wir so oft berühren.
Wichtig: Es gibt auf dem Edelsteinmarkt keine Billigangebote oder »Schnäppchen«, was es aber sehr wohl gibt, sind angemessene Preise.
Ob Sie nun planen, einen Verlobungsring mit einem ein-carätigen Diamant oder einen schönen Rubinring zu kaufen beziehungsweise Sie sich mit dem Gedanken eines Investments in Edelsteine auseinandersetzen: Folgen Sie diesem Buch auf einem Pfad durch die Edelsteinkunde, vorbei an Mythen und Anekdoten, über Märkte bis hin zum Erkennen von Fälschungen und verbessernden Maßnahmen.
Eine Anmerkung noch: Alle Edelsteine in diesem Buch werden in Hinsicht auf ihre Fähigkeit als Investmentobjekt beurteilt beziehungsweise der Schmuckkauf in Hinsicht auf Effektivität und Effizienz dargestellt. Es wird weniger mineralogischen Gesichtspunkten gefolgt, daher werden auch viele Varietäten von Edelsteinen nicht behandelt, wenn sie keine oder nur geringe Bedeutung am Investmentmarkt haben.
ALLE PREISBEISPIELE IN DIESEM BUCH ERFOLGEN NACH AKTUELLEM STAND (MAI 2021) UND IN BESTEM WISSEN, JEDOCH STETS OHNE GEWÄHR.

Stufe mit Smaragd auf Muttergestein
Foto: © The Natural Gem

Smaragd
3,202 ct., Kolumbien minor oil
Zertifikat: GRS, GII, GLA
Foto: © The Natural Gem

Padparadscha Saphir
4,063 ct., Sri Lanka Naturfarbe, unbehandelt
Zertifikat: GRS, EGL, GLA
Foto: © The Natural Gem

Paraiba Turmalin
2,293 ct., Brasilien erhitzt (handelsübliches Verfahren)
Zertifikat: SSEF, GRS, AIGS, GLA
Foto: © The Natural Gem

Rubin
8,056 ct., Mosambik Pigeon Blood, Naturfarbe, unbehandelt
Zertifikat: SSEF, Gübelin, GRS, GLA
Foto: © The Natural Gem

Blausaphir
4,452 ct., Burma Royal Blue, Naturfarbe, unbehandelt
Zertifikat: GII, GLA
Foto: © The Natural Gem

Pinksaphir
2,080 ct., Sri Lanka Naturfarbe, unbehandelt
Zertifikat: CGL, GLA
Foto: © The Natural Gem

Smaragd
5,823 ct., Sambia no oil
Zertifikat: GRS, GLA
Foto: © The Natural Gem

Blausaphir
13,833 ct., Sri Lanka Royal Blue, Naturfarbe, unbehandelt
Zertifikat: SSEF, GRS, GLA
Foto: © The Natural Gem

Rubin-Paar
ges. 6,078 ct., Burma Pigeon Blood, Naturfarbe, unbehandelt
Zertifikat: GRS, GLA
Foto: © The Natural Gem

Gelbsaphir
21,156 ct., Sri Lanka Golden Yellow, Naturfarbe, unbehandelt
Zertifikat: Gübelin, CGL, GLA
Foto: © The Natural Gem

Tansanit
41,109 ct., Tansania erhitzt (handelsübliches Verfahren)
Zertifikat: GIL, GLA
Foto: © The Natural Gem

Water Melon Turmalin
18,649 ct., Afghanistan
Zertifikat: GLA
Foto: © The Natural Gem
WARUM EDELSTEINE ALS INVESTMENT?
Wann ist etwas wertvoll? Wenn es selten und begehrt ist. Für Edelsteine ist noch zu ergänzen: Wenn sie vom Material hart und widerstandsfähig sind. Daraus ergibt sich für ein Investment in Edelsteine schon die nächste Frage: »Welche Edelsteine sind selten UND begehrt?« Die Antwort ist einfach: Rubine, Saphire, Smaragde und Diamanten.
»Die Sultanin von Sulu besaß eine Kette wundervoller Perlen. Wenn Besucher versuchten, ihr diese abzukaufen, sagte sie jedes Mal: »Warum sollte ich sie verkaufen?« Die Antwort der Besucher war: »Wir geben dir Geld dafür«. Sie sagte darauf: »Was soll ich mit dem Geld machen? Wenn die Feinde kommen, ist das Geld zu schwer, um damit zu fliehen. Meine Perlen kann ich immer mit mir nehmen und wenn ich Geld brauche, kann ich jedes Mal eine Perle verkaufen.«
C. F. Kunz, 1921,
»International economic importance of precious stones in times of war and revolution.«
Es hilft nichts, wenn ein Edelstein so selten ist, dass die meisten Menschen ihn nicht kennen. Haben sie schon einmal den Namen »Cordierit« gehört? In bester Qualität ein wunderschöner, tiefblau funkelnder Stein. Optisch zu vergleichen mit den besten Qualitäten des Saphirs, mit dem man ihn durchaus verwechseln könnte. Das Problem mit diesem Stein: Er ist eher weich und kaum jemand kennt ihn, wobei sich die Bekanntheit eines Edelsteins sehr rasch ändern kann. 1967 wurde in Tansania blauer Zoisit entdeckt. Rasch wurde festgestellt, dass der Name »Zoisit« in englischer Aussprache ähnlich klingt wie »suicide« (»Selbstmord«). Verständlicherweise war dies der Vermarktung nicht zuträglich. Daher wurde diese Varietät des Zoisits in »Tansanit« umbenannt. Nach einer sehr erfolgreichen Werbe- und Marketingkampagne eines großen US-amerikanischen Juweliers stieg dieser recht weiche (Härtegrad 6,5 bis 7) Farbstein sehr rasch in der Kundengunst und erzielt heute hohe Preise.
Das gleiche geschah bei einer grünen Varietät des Granats aus Ostafrika, dem »Tsavorit« oder auch »Tsavolith«. Auch dieser Stein erreichte rasch hohe Preise. Bei manchen Edelsteinen wurde ein regelrechter Hype ausgelöst. Bestes Beispiel dafür ist der Paraiba-Turmalin, ein durch Kupfer türkis gefärbter und nahezu immer erhitzter (gebrannter) sehr schöner Stein, für den extrem hohe Preise gezahlt werden.
NOCH ZWEI TIPPS:
Erstens. Kaufen Sie nur Edelsteine, die Ihnen »sympathisch« sind. Wenn Sie die Farbe Grün absolut nicht mögen, hat die Erfahrung gezeigt, dass sich Käufer dann mit einem Investment in Smaragde oft nicht wohlfühlen und auch größere Schwierigkeiten bei einem möglichen Wiederverkauf haben können.
Zweitens. Kaufen Sie nur Edelsteine, die »leben«. Dieser Ausdruck bedeutet, dass sie im Licht funkeln, Reflexe aussenden, interessant wirken und man sie einfach gerne betrachtet. Auch hier zeigt die Erfahrung, dass ein Stein, der »lebt«, Freude bereitet und auch, falls notwendig, leichter zu verkaufen ist.
Zurück zum Kerngebiet des Buches: dem Investment in weithin begehrte und seltene Edelsteine, die eine große Widerstandsfähigkeit aufweisen. Es folgt eine Kurzdarstellung, mehr zu den einzelnen Edelsteinen finden Sie weiter hinten im Buch. Wollen Sie sich einen Überblick verschaffen, reicht es, diese Kurzdarstellungen zu lesen. Wollen Sie mehr wissen, lesen Sie das jeweilige Kapitel weiter hinten.
In der BBC-Dokumentation »The Coronation« wird Queen Elisabeth II. selbst interviewt. Der Experte für das britische Königshaus, Alistair Bruce, spricht mit ihr darüber, dass in der Zeit des Zweiten Weltkrieges der Vater der derzeitigen Monarchin, König Georg VI. anordnete, Teile der Kronjuwelen in einer Keksdose hinter einem Notausgang von Schloss Windsor im Garten zu vergraben, um sie nicht in unbefugte Hände fallen zu lassen.

Reichskrone, Westdeutsch, 2. Hälfte des 10. Jahrhunderts. Sehr schön zu sehen ist, dass die verwendeten Edelsteine noch nicht facetiert werden konnten, sondern dass mugelige, polierte Zurichtungen vorherrschen.
Foto: © KHM-Museumsverband

Ring, Saphir, Venedig (?), um 1400. Eines der wenigen Beispiele weltweit, wo ein kompletter Ring aus einem reinen blauen Saphir angefertigt wurde. Es treffen sich hohe Handwerkskunst mit einem sehr seltenen Edelstein.
Foto: © KHM-Museumsverband

Szepter, 1615, Gold, Narwahlzahn, Edelsteine, Gewicht: 1640 g. Der große Saphir an der Spitze ist ebenfalls poliert, nicht facetiert.
Foto: © KHM-Museumsverband
Diese drei Artefakte sind ausgezeichnete Beispiele dafür, dass in Mittelalter und Neuzeit Edelsteine einerseits als Machtsymbole – eventuell verbunden mit spiritueller Bedeutung bei einzelnen Steinen – sowie als Wertspeicher verwendet wurden.
RUBIN
Die rote Varietät des Korunds ist der über lange Zeit (mehr als 5.000 Jahre) meist begehrte Edelstein der Erde. Steht er doch seit alter Zeit für Macht, Durchsetzungskraft und Ausstrahlung. In alter Zeit, in etwa bis zum Jahr 1400, konnte Diamant nicht facettiert werden, hatte also noch nicht den Rang inne, den er heute hat. Ganz anders beim Rubin. Er ist weicher als der Diamant und konnte damit bearbeitet werden.
Welche Rubine sind geeignet für ein Investment? In erster Linie jene Steine mit einem Gewicht über 1 ct., besser über 2 ct. Aber auch lebhaft rote, funkelnde Steine mit wenigen Einschlüssen. Bei den Farbsteinen sind kleine Einschlüsse erlaubt, diese erhöhen sogar die Attraktivität eines Steines. Die genannten Eigenschaften sollen nur in Rubinen vorkommen, die unbehandelt sind (Schleifen gilt nicht als Behandlung!). Keine Hitzebehandlung, keine Rissfüllung, keine Färbung des Steins durch den Menschen! Das alles ist von einem internationalen gemmologischen6 Labor in einem Zertifikat zu bestätigen.

Rubin
4,092 ct., Mosambik Pigeon Blood, Naturfarbe, unbehandelt
Zertifikat: GRS, GLA
Foto: © The Natural Gem
WAS SPRICHT FÜR RUBINE ALS INVESTMENT:
Große Tradition, weltweit beliebt
Extrem seltener Edelstein, auch immer seltener werdend
Große Wertsteigerung in den letzten Jahren (8–10 Prozent pro Jahr über die letzten 25 Jahre)
Die Minen in Burma sind, wie es scheint, am Ende ihres Lebenszyklus angekommen
WAS SPRICHT GEGEN RUBINE ALS INVESTMENT:
Keine international standardisierte Reihe von Farbschattierungen

Stufe mit Rubin auf Muttergestein
Foto: © The Natural Gem
SAPHIR
Dieser Sammelbegriff umfasst alle Farben des Korunds, solange diese nicht Rot sind. Für ein Investment wird zuerst die Farbe Blau in Frage kommen, sie ist die weltweit am meisten gefragte. Die Anmerkungen, welche Steine sich für ein Investment eignen, sind die gleichen wie bei einem Rubin, mit einer Ausnahme: Da gefundene Saphir-Rohsteine meist größer sind als jene von Rubinen, geht die Empfehlung beim Saphir dahin, Investmentsteine erst ab einem Gewicht von 2 ct. zu kaufen, mit Ausnahme höchstqualitativer Steine aus dem Kaschmir-Gebiet und aus Burma, hier beginnt die Investmentqualität bei einem Gewicht von 1 ct.

Blausaphir
5,435 ct., Burma Royal Blue, Naturfarbe, unbehandelt
Zertifikat: GRS, GLA
Foto: © The Natural Gem
WAS SPRICHT FÜR SAPHIRE ALS INVESTMENT:
Große Tradition, weltweit beliebt
Seltener Edelstein, auch immer seltener werdend
Wertsteigerung in den letzten Jahren (6 Prozent pro Jahr über die letzten 25 Jahre)
Die Minen in Burma sind, wie es scheint, am Ende ihres Lebenszyklus angekommen
WAS SPRICHT GEGEN SAPHIRE ALS INVESTMENT:
Nicht international standardisiert, Reihe von Farbschattierungen
SMARAGD
Bei diesem Edelstein handelt sich um die grüne Varietät des Berylls. Andere Farben des Berylls umfassen unter anderem Aquamarin (hellblau bis mittelblau), Heliodor (gelb) oder Morganit (lachsfarben).
Anders als beim Rubin oder beim Saphir bringt ein Erhitzen des Steines keine Qualitätsverbesserung. Das wichtigste Merkmal hinsichtlich eines Investments in Smaragd ist, neben seinem Gewicht und seiner möglichst intensiven, grünen Farbe, die Homogenität des Edelsteins. Anders ausgedrückt: Smaragd ist ein sehr spröder Stein, der sehr oft noch in der Mine behandelt wird. Die Behandlung bestand früher im Einbringen von Zedern-Öl in den Stein, um Risse unsichtbar zu machen. Heute wird dazu häufig Kunstharz verwendet. Für ein Investment eignen sich vor allem Steine, die im Zertifikat bei der Behandlung zumindest »no oil«, »insignificant oil« oder »minor oil« angeführt haben.
Am höchsten bewertet werden Smaragde aus Kolumbien7, gefolgt von jenen aus Sambia, Brasilien und Russland.

Smaragd
7,951 ct., Sambia Vivid Green, Naturfarbe, unbehandelt
Zertifikat: Gübelin, GII, GLA
Foto: © The Natural Gem
WAS SPRICHT FÜR SMARAGDE ALS INVESTMENT:
Große Tradition, weltweit beliebt
Seltener Edelstein, auch immer seltener werdend
Wertsteigerung in den letzten Jahren (4–5 Prozent pro Jahr über die letzten 25 Jahre)
Die Minen in Kolumbien sind, wie es scheint, am Ende ihres Lebenszyklus angekommen. Sambia liefert weiterhin gute Qualität.
WAS SPRICHT GEGEN SMARAGDE ALS INVESTMENT:
Nicht international standardisiert, Reihe von Farbschattierungen. Viele stark behandelte Steine am Markt.

Stufe mit Smaragd im Muttergestein
Foto: © The Natural Gem
DIAMANT
Diamanten werden im Edelsteinhandel als »weiße« Ware bezeichnet. Warum »weiß« unter Anführungszeichen? Weil weiß nicht gleich weiß ist. Es geht gemäß internationalem Handelsbrauch in der Farbfeststellung von reinem blauweiß bis hin zu getöntem weiß.
Daneben gibt es die »Farbdiamanten« oder »Fancy Diamonds« in Farben von gelb über orange, pink, grün, blau hin zu rot. Diese Steine stellen ein Sondergebiet dar. Auf der einen Seite erzielen Farbdiamanten bei Auktionen regelmäßig die höchsten Carat-Preise aller Edelsteine (mit Ausnahme des Rubins), andererseits sind diese Steine für viele Käufer nicht mehr erschwinglich, sobald sie ein Gewicht von zumindest einem halben Carat haben, farbintensiv und möglichst rein sind. Ein Preisbeispiel: Ein Halb-Caräter in Bestqualität (D IF GIA 3ex non), also feinstem blau-weiß, lupenrein, GIA-Zertifikat, mit dreimal exzellentem Schliff, ohne Fluoreszenz, mag rund 4.000 Euro (pro Stein, nicht per ct.) kosten, ein intensiv rosa Diamant mit gleichem Gewicht und sehr kleinen Einschlüssen kann einen Preis von 60.000–90.000 Euro erreichen.
Diamanten sind weltbekannt, können also überall verkauft werden, wenn man das möchte. Sehr viele Existenzen wurden, zum Beispiel nach der Flucht vor den Nationalsozialisten, auf dieser Form des Kohlenstoffs aufgebaut.
Für ein Investment gibt es zwei Möglichkeiten: Man investiert in höchste Qualität oder man kauft Schmuckqualität, also zum Beispiel Farbe H mit Reinheit SI1, da sich diese leichter verkaufen lässt. Ein Beispiel dazu: ein Halb-Caräter in Schmuckqualität mit exzellentem Schliff und GIA-Zertifikat kostet 2021 ca. zwanzig Prozent mehr als eine Feinunze Gold, damit das 1,2-fache einer Philharmoniker-Münze und lässt sich so im Notfall auch gut im alltäglichen Leben einsetzen und eintauschen.
Nur eines muss dem Käufer bewusst sein. In den letzten zehn Jahren sind weiße Diamanten nicht im Wert gestiegen, langfristig gelten sie als wertstabil. Sie eignen sich zur Wertkonzentration mit Werterhalt auf engstem Raum.

Ring mit einem Diamanten im Brillantschliff
0,53 ct., Qualität H/SI1 Schliff 3x »exzellent« keine Fluoreszenz gefasst in 750-Palladium-Weißgold
Zertifikat: GIA
Goldschmied: Norbert Graf
Foto: © The Natural Gem
WAS SPRICHT FÜR WEISSE DIAMANTEN ALS INVESTMENT:
Weltweit bekannt und gehandelt
Standardisiert und leicht beschreibbar
Minenertrag geht zurück, man geht immer tiefer und komplexer vor, um an die Rohsteine zu gelangen; daher ist eine Preissteigerung mittelfristig zu erwarten
Diamanten sind in Röntgengeräten durch den Umstand, dass sie aus Kohlenstoff bestehen, unsichtbar
WAS SPRICHT GEGEN WEISSE DIAMANTEN ALS INVESTMENT:
Nicht so selten wie in der Öffentlichkeit propagiert
Der Markt und damit der Preis wird noch immer von wenigen sehr großen Spielern beeinflusst, Stichwort De Beers
Diamanten sind in den letzten zwölf Jahren im Preis gefallen; langfristig (zwanzig-25 Jahre) gelten sie als wertstabil
ANDERE EDELSTEINE ALS INVESTMENT
Andere Edelsteine wie Alexandrit, Tsavorit, Tansanit, Aquamarin, Turmalin oder Spinell können als Investment gut geeignet sein, wenn man:
Rubin, Saphir und Smaragd schon besitzt und/oder
sich mit Edelsteinen schon länger beschäftigt hat.
Aus Sicht des Autors ist es nicht empfehlenswert, ein Investment mit derartigen Raritäten, bei denen man auch mit großer Marktenge rechnen muss, zu beginnen. Hat man jedoch schon eine gute Basis aus Rubin, Saphir und Smaragd geschaffen, kann ein Beimischen Sinn machen.

Spinell rot
3,258 ct., Burma Naturfarbe, unbehandelt
Zertifikat: Lotus, GLA
Foto: © The Natural Gem

Tsavorit
3,621 ct., unbek. Herkunft1 Naturfarbe, unbehandelt Zertifikat: GII, GLA Foto: © The Natural Gem
1 »unbekannte Herkunft«: Aufgrund der Mineralogie ist das Edelsteinlabor nicht in der Lage, den Herkunftsort mit Sicherheit festzustellen.

Tansanit-Paar
ges. 23.809 ct., Tansania erhitzt (handelsübliches Verfahren)
Zertifikat: GII, GLA
Foto: © The Natural Gem
FÜR WEN EIGNEN SICH EDELSTEINE ALS INVESTMENT
Für Menschen, die bereits andere Anlageformen besitzen.
Für Menschen, die an langfristigem Kapitalaufbau interessiert sind.
Für Menschen, die etwas besitzen wollen, das seit Jahrtausenden ohne Unterbrechung weltweit geschätzt wird.
Für Menschen, die etwas besitzen wollen, das leicht transportabel ist und ganz einfach weitergegeben werden kann, gerade auch von Generation zu Generation.
Für Menschen, die ein (komplementäres) Investmentprodukt suchen, das keine Aufmerksamkeit benötigt: keine speziellen klimatischen Bedingungen wie Gemälde, keine Instandhaltungskosten wie Oldtimer und keine speziellen Lagerbedingungen wie Wein.
Für Menschen, die ihr Investment möglicherweise auch gerne als Schmuck tragen möchten.
Etwas Wichtiges noch vorweg: Auch wenn es immer wieder schnelle Gewinnmöglichkeiten bei einzelnen Edelsteinen gibt, um die ein Hype entsteht, sind diese Naturprodukte als langfristiges Investment mit einem Anlagehorizont von zumindest fünf bis zehn Jahren zu sehen. Als Spekulationsobjekt eignen sie sich nicht.
EDELSTEINE ALS ALTERNATIVE INVESTMENTS
Würde jemand all sein Geld beispielsweise in nur einen Aktientitel investieren, so hätte er sowohl ein hohes Gewinn- als auch Verlustrisiko. Steigt der Aktienkurs, verdient der Anleger gutes Geld, fällt der Kurs der Aktie, geht damit auch viel von seinem Geld verloren.
Um ein »Einzelrisiko« zu vermeiden, diversifizieren Anleger, das heißt, sie verteilen ihre Mittel auf verschiedene Anlagemöglichkeiten oder -klassen. Was bedeutet das? Die erste Möglichkeit wäre, sein Geld nicht nur in die Aktie eines Unternehmens zu investieren, sondern in Aktien verschiedener Firmen. Hier steht nun die Frage an, wie stark sich die Aktien verschiedener Unternehmen bei einem Börsenanstieg oder -fall in die gleiche oder in die gegensätzliche Richtung bewegen. Üblicherweise wird man davon ausgehen können, dass zum Beispiel Aktien der Nahrungsmittelindustrie sich gemeinsam in eine Richtung bewegen. Man spricht dann davon, dass die Aktien »korreliert« seien.
Etwas weniger Korrelation wird vorliegen, wenn jemand zum Beispiel in Aktien der Nahrungsmittelindustrie und jene der Pharma- oder Automobilindustrie investiert. Eines ist in diesem Zusammenhang festzustellen. Wird in mehrere Anlageprodukte oder -klassen investiert, wird Risiko reduziert. Gleichzeitig wird auch die Gewinnmöglichkeit innerhalb einer bestimmten Bandbreite festgemacht. Der Grund dafür ist, dass wenn Anlageprodukte wenig korreliert sind, sich also in verschiedene Richtungen bei einer bestimmten Wirtschaftssituation bewegen, eines oder mehrere der Anlageprodukte im Wert fallen werden, während andere aufgrund der geringen Korrelation steigen. Es kommt also nicht nur zu einer »Risikoausgleichssituation«, sondern auch zu einer »Gewinnausgleichssituation«.
Verschiedene Anlagemöglichkeiten werden in unterschiedliche Anlageklassen zusammengefasst. Die bekanntesten sind:
Bargeld
Spareinlagen und Sparbücher aller Art
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ALTERNATIVE INVESTMENTS IM WIRTSCHAFTLICHEN UMFELD
Die Finanzkrise und das wirtschaftliche Umfeld der letzten Jahre haben allerdings dazu geführt, dass vor allem Immobilien und alternative Investments, wie eben Edelsteine, immer stärker in das Interesse der Anleger gerückt sind.
Die mit dem Fall der US-amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers einsetzende Finanz- und Wirtschaftskrise (Oktober 2008) stellte Sparer vor Herausforderungen. Die entscheidenden Fragestellungen einer erfolgreichen Veranlagung – Ertrag und Sicherheit – ließen sich immer weniger miteinander vereinbaren, zumindest im Bereich bewährter Sparformen. Am deutlichsten wird dies anhand einer Übersicht über die Veränderung der Leitzinssätze der vergangenen zwanzig Jahre sichtbar:

Quelle: Österreichische Nationalbank, Stand: 27.11.2020
(https://www.oenb.at/isaweb/report.do?lang=DE&report=10.4)
Die Grafik zeigt sehr anschaulich, dass herkömmliches Sparen infolge der Finanzkrise keine Erträge abwirft.
Die Niedrigzinsen führten etwa in Deutschland oder der Schweiz zur grotesken Situation, dass Sparer teilweise dafür zahlen müssen, dass sie Geld bei Banken einlegen (Negativzinsen). Eine ähnliche Entwicklung konnte auch bei Anleihen beobachtet werden. Bei Anleihen »sicherer« Emittenten akzeptieren Anleger ebenfalls Negativzinsen oder einen Nullzins.
Nur risikoreiche Anleihen von schlechter beurteilten Staaten oder Unternehmen liefern noch eine attraktive Verzinsung.
Dazu kommen Themen wie hohe Staatsverschuldung, in manchen Staaten seit Ausbruch der Finanz- und der COVID-Krise stark gestiegene Arbeitslosigkeit, lange Zeit schwaches Wirtschaftswachstum und eine rasche Erhöhung der Geldmenge.
Um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln, griffen die Federal Reserve Bank (FED) in den USA und die Europäische Zentralbank (EZB) neben dem Herabsetzen der Zinssätze auf ein weiteres geldpolitisches Maßnahmenpaket zurück: die Ausweitung der Geldmenge. Dahinter steht der wirtschaftliche Glaube, dass die Konsumenten und die Sparer auf die Ausweitung der Geldmenge mit Konsum und Geldausgabe, also allgemein positiv, reagieren und das so das Wirtschaftswachstum angekurbelt wird.
Als der Autor dieses Buches noch an der Wirtschaftsuniversität Wien studierte, wurde von den Lehrenden darauf hingewiesen, dass ein solches Vorgehen allerdings zu zwei negativen Auswirkungen führen kann: zu einer Destabilisierung der Wirtschaft und mittel- bis langfristig zur Inflation. Die Gefahr solcher Auswirkungen scheint heute vergessen zu sein.
Gemessen wird das Geldmengenwachstum an der sogenannten »Geldmenge M3«: Diese beinhaltet vereinfacht ausgedrückt alles Geld in der europäischen Volkswirtschaft; also Bargeld, Einlagen von Privaten, Einlagen von Banken und so weiter.
Nachstehend eine Übersicht des Wachstums der Geldmenge M3 im Euro Raum seit dem Jahr 2000:
ÜBERSICHT DES WACHSTUMS DER GELDMENGE M 3 IM EURO-RAUM VON 2000 BIS 2021

Quelle: Geldmenge M3 und Gegenposten im Euroraum;
(https://www.oenb.at/isaweb/report.do?report=1.3.1; Abfrage 25.03.2021, eigene Berechnung)
Treffen mehrere der beschriebenen Faktoren wie hohe Staatsverschuldung oder starkes Geldmengenwachstum zusammen, zeigt sich eine Erhöhung der Nachfrage nach Investments abseits der »klassischen Pfade«, nach »alternativen« oder »komplementären« Investments.
FLUCHTWÄHRUNG
Einen Vorteil haben Edelsteine im Lauf der Geschichte eindeutig bewiesen: Wenn Märkte zusammenbrechen und/oder wenn Menschen fliehen müssen gibt es außer Bargeld wohl keine andere Währung, die so einfach mitzunehmen ist, wie Edelsteine. Außerdem bekommt der Edelstein überall auf der Welt Anerkennung als wertvolles Objekt, sei es in Wien, Mumbai, New York oder Peking.
Ein Kilogramm Feingold hat zur Zeit der Entstehung dieses Buches8 einen Wert von rund 50.000 Euro. Ein Rubin von der Größe des kleinen Fingernagels kann leicht den doppelten Wert speichern. Gold ist zudem einfach zu finden (schwer an Gewicht, im Röntgen oder durch Metalldetektoren sofort aufspürbar).
Die Besonderheit bei Edelsteinen: Solange nicht in Schmuck gefasst, sind sie nahezu unsichtbar und innerhalb der Europäischen Union unterliegen sie keiner Anonymitätsgrenze (bei Gold in Österreich EUR 10.000, in Deutschland EUR 2.000) und keiner Deklarationspflicht. Deutschland hat, bisher als einziges Land der Europäischen Union, Edelsteine als »alternatives Zahlungsmittel« eingestuft.
DEMONETARISIERUNG INDIENS
Am 8. November 2016 tritt um 20.00 Uhr Ortszeit der Premierminister Indiens, Narendra Modi, vor die Kameras und verkündet, dass ab dieser Nacht alle 500- und 1.000-Rupien-Banknoten der indischen Währung ihre Gültigkeit verlieren. Außerdem werden Abhebungen vom Bankomaten auf ein Minimum herabgesetzt und die Banken werden für zwei Tage geschlossen.
Die Begründung des Premierministers: Er will Schwarzgeld aus dem Markt nehmen und höhere Steuereinnahmen erzielen. Die Aktion ist hinsichtlich der Geheimhaltung gut geplant und gut durchgeführt: Rund 1,3 Mrd. Menschen werden davon völlig überrascht.
Von der Durchführungsseite muss dann fast der Notstand ausgerufen werden: Zu jener Zeit sind die 500- und die 1.000-Rupien-Banknoten die Banknoten mit höchstem Wert und gleichzeitig sind zu wenige 50- und 1009-Rupien-Noten verfügbar. Da die Banken geschlossen wurden und die Geldautomaten nur Kleinmengen Geld herausgeben, muss die Regierung innerhalb kürzester Zeit sogar Lebensmittelkarten verteilen, um die Bevölkerung versorgen zu können. Das Ergebnis ist Chaos und Lähmung der indischen Wirtschaft für fast zwei Wochen.
Die Folge: Sofort schießen die Preise für Gold und Edelsteine bis Mitternacht des gleichen Tages um dreißig Prozent nach oben, da die Menschen versuchen, auf »Notwährungen« umzusteigen.

Ring mit Turmalin
ca. 20 ct., Madagaskar verarbeitet mit Diamanten in zwei Brauntönen und Rhodolith Ring in 750-Gelbgold
Foto: © The Natural Gem
Ältere Kunden erzählen immer wieder, dass die Nationalsozialisten, als die Ausreise aus Deutschland für Menschen jüdischen Glaubens noch möglich war, einen »Halb-Caräter« Diamanten pro Kopf für einen Reisepass als »nicht offizielle Bezahlung« verlangten.
Danach wurde das neue Leben, zum Beispiel in den USA, sehr oft mit Haib- und Ein-Carätern begonnen, die vor der Flucht einzeln in den Mantelsaum am unteren Ende des Mantels eingenäht wurden. Auch das Einschmelzen von Diamanten in das Wachs von Opferkerzen war aufgrund der Ähnlichkeit des Materials (Kohlenstoff im Wachs, Kohlenstoff in Diamanten) eine Methode der Wahl.
Der gesamte Diamantendistrikt in New York verdankt seine Existenz der Wanderbewegung dieser Diamanten.
EDELSTEINE – BZW. WAS IST EIN EDELSTEIN?
Was wird von Menschen als wertvoll angesehen? Etwas, das
selten,
schön und
von vielen begehrt ist.
Alle Begriffe treffen auf Edelsteine zu. Aus werttechnischer Sicht könnte man dann noch die Frage stellen: »Wo ist die Abgrenzung zu den Mineralien? Warum ist zum Beispiel Ametrin10 kein Edelstein?«
Die Antwort ist einfach: Weil beim Edelstein zusätzlich zur Seltenheit noch die Härte (Ametrin hat Härte 7) dazu kommt. Üblicherweise werden Edelsteine erst ab Härte 8 (also ab Smaragd und Topas) auch als Edelsteine geschätzt. Wobei sich in der jüngeren Vergangenheit hier auch Ausnahmen herauskristallisiert haben: Turmalin, beispielsweise. Paraiba-Turmalin11 (Härte 7–7,5), Tsavorit12 (Härte 6,5–7) und Tansanit13 (Härte 6,5–7). Ametrin zählt zu den Schmucksteinen.
Warum spielt die Härte eine Rolle? Weil »harte« Edelsteine auch gut in Schmuck tragbar sind. Über die Jahrhunderte wurde die »Anlageform Edelstein« gerne am Finger, am Ohr, an der Hand oder am Hals getragen. Daher spielen die Härte und »Unzerstörbarkeit« eine große Rolle.
Ein weiterer Grund, weshalb die Härte des Edelsteins wichtig ist: Je härter ein Stein ist, desto besser lässt er sich polieren und umso mehr funkelt er.
BIS HEUTE WIRD IN INDIEN GERNE FOLGENDE GESCHICHTE ERZÄHLT
Die Edelsteine werden deswegen so selten, weil sie von den Menschen heute zu schnell abgebaut werden, sodass sie nicht genug Zeit bekommen, in der Erde nachzuwachsen. Das sei in früheren Zeiten, als man noch nicht maschinell und damit langsam abgebaut hatte, anders gewesen.
Diese Geschichte ist aus heutiger mineralogischer Sicht eher zu verneinen, brauchen Edelsteine doch mehr als ein paar hundert Jahre für ihre Entstehung.
Sehr interessant ist die Frage, was in Edelsteinen Farbe erzeugt und die Antwort ist eine verblüffende: Es sind nur acht Elemente, die für Farbeffekte zuständig sind und meist als Spurenelemente in einem Edelstein vorliegen:
Titan
Vanadium
Chrom
Mangan
Eisen
Kobalt
Nickel
Kupfer
Diese im Periodensystem nebeneinander liegenden Elemente werden »Übergangselemente« oder »Übergangsmetalle« genannt und sind für die Färbung der Edelsteine verantwortlich. Üblicherweise ist die Färbung des Steines umso größer, je höher sein Gehalt an dem jeweiligen Übergangselement ist.
Bei der Färbung werden drei Einflussfaktoren unterschieden:
Farbe,
Ton und
Saturation oder Farbsättigung
Die Farbe beschreibt, ob ein Stein zum Beispiel blau oder rot ist. Der Ton beschreibt, wie dunkel ein Stein ist, also beispielsweise eher himmelblau oder eher tintenblau. Der dritte Begriff, Farbsättigung, oder auch oft mit dem englischen Wort »Saturation« bezeichnet, beschreibt, wie viel Farbe (zum Beispiel von blau), in einem Stein vorhanden ist. Grundsätzlich gilt: Je höher die Farbsättigung, desto wertvoller der Stein. Die einzige Ausnahme ist der »Padparadscha«, also der orange-lachsfarbene Saphir, der immer etwas rosa enthalten muss, um als echter »Padparadscha« zu gelten: Hier wird weniger Farbsättigung geschätzt. Ist der Stein zu dunkel-orange, wird er einfach als »oranger Saphir« bezeichnet.
WIE WERDEN HEUTE PROFESSIONELL EDELSTEINE AUFGESPÜRT?
… eine kurze Reise am Beispiel des Turmalins, es geht nach Namibia …
Es ist Ende 2016. Auf Nachbarfeldern in einem Gebiet in Namibia, das von der Sonne gebräunt ist, wurden Turmaline gefunden. Der Besitzer der noch landwirtschaftlich genutzten Fläche ordert ein Team von Prospekteuren eines britischen Unternehmens. Deren 14-tägige Reise nach Namibia wird ihn rund 80.000 Euro kosten.
Die beiden Herren des britischen Unternehmens reisen mit umfangreichem Gepäck: Sie werden das Gebiet mit Hilfe der »Magnetotellurik« untersuchen. Dies ist eine Methode der Geophysik, die mit Magnetfeldtechnik arbeitet. Es werden Magnetfeldänderungen in der Erde gesucht. Warum das? Turmalin weist im Vergleich zu dem ihn umgebenden Pegmatit einen höheren Mangangehalt auf, daher können noch im Boden befindliche Turmaline aufgespürt werden.
Die Hoffnung ist es, sogenannte »Pockets« zu finden, also größere, mit Turmalinen gefüllte Hohlräume. Diese Hohlräume messen in einem guten Fall rund 3 x 1,5 Meter. Ist ein solcher Hohlraum dank der Technik geortet, wird ein senkrechtes Loch hinab bis zur Edelsteintasche gegraben und dann lässt sich der Besitzer der Mine selbst in das Loch hinab. Er bohrt ein kleines Loch in das Pocket und leuchtet mit einer Lampe hinein. Wenn er Glück hat, strahlen ihm farbige Turmaline in Kristallform entgegen, wenn er Pech hat findet er nur schwarzen Turmalin, den sogenannten »Schörl«.
Nehmen wir an, er hat Glück gehabt, dann hat er eine sehr wichtige Entscheidung zu treffen: Ist der Fund mehr wert, wenn er nicht geschliffen, sondern als »Stufe« aus der Erde geholt und an Mineraliensammler verkauft wird? Oder soll er die Kristalle zerteilen und zu Schmucksteinen schleifen lassen?
Unser Minenbesitzer hatte übrigens Glück: Auf rund 800 Quadratmetern wurden acht Pockets mit farbigen Turmalinen gefunden … die Anreise der Techniker aus England hat sich für ihn bezahlt gemacht …

Rubine
Burma allesamt Naturfarbe, unbehandelt
Foto: © The Natural Gem

ETHIK UND NACHHALTIGKEIT DES EDELSTEINHANDELS
Bevor wir uns der Übersicht der für ein Investment geeigneten Edelsteine im Detail zuwenden, noch ein paar Worte zur ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit.
Edelsteine werden seit der frühen Menschheitsgeschichte abgebaut und oft wird die Förderung von Diamanten und Farbedelsteinen gleichgesetzt. Dies stimmt so aber nicht: Mehr als achtzig Prozent der Weltproduktion an Diamanten wird – ähnlich wie Gold – im industriellen Stil, hauptsächlich von inter- und multinationalen Großkonzernen (etwa De Beers, Rio Tinto und Alrosa) unter Einsatz von schwerem Gerät abgebaut. Bei Farbedelsteinen ist es genau umgekehrt – hier dominiert der kleinräumige, handwerkliche Abbau, ohne schweres Gerät. Statt Konzernen liegt der Betrieb in den Händen von Familien, kleinen Minenbetreibern oder Genossenschaften.
Zu Beginn der 2000er Jahre wurden unter anderem in Australien, Kolumbien, Mosambik und Sambia große Projekte zum großindustriellen Abbau von Farbedelsteinen lanciert. So haben dann auch die 32 Auktionen des Unternehmens Gemfields für Smaragde und anderen Beryll, die seit 2009 in der Kagem-Mine in Sambia abgebaut wurden, ein Gesamtergebnis von 589 Mio. US-Dollar erzielt. Die zwölf seit 2014 durchgeführten Gemfields-Auktionen für Rubine aus Mosambik brachten knapp 513 Mio. US-Dollar ein. Dieser zwischenzeitliche Trend hin zu großindustrieller Förderung geht jedoch wieder deutlich zurück, da sich viele der Förderländer der Regionalität und des Umweltschutzes bewusst werden.
Staaten wie Sri Lanka, Mosambik oder Burma haben den großmaschinellen Abbau verboten. Fundstellen werden wieder an einheimische Familien verpachtet, um deren Einkommen zu sichern. Die Bedeutung internationaler Konzerne hat beim Abbau von Farbedelsteinen sehr stark abgenommen, lokale Kooperationen nehmen zu. Ein weiterer wichtiger Punkt: Im Gegensatz zum Abbau von Metallen finden beim Abbau von Edelsteinen weder Säuren noch Quecksilber Verwendung. Der Grund dafür ist schlicht und einfach, dass diese Flüssigkeiten nicht notwendig sind. Auch die Verwendung von Explosivstoffen ist vor allem bei sekundären Lagerstätten unnötig und nicht angebracht. Sekundäre Lagerstätte bedeutet, dass das Gebirge, in dem die Edelsteine entstanden sind, von der Natur über Jahrmillionen erodiert (abgebaut) wurde und dass die Edelsteine nunmehr im Lehm früherer Flüsse abgelagert wurden. In diesem Schwemmland wird dann nach ihnen gesucht. Von einer primären Lagerstätte wird gesprochen, wenn sich der Edelstein noch im Muttergestein befindet.
Wenn Sie sich absolut sicher sein möchten, jeden Schritt des Edelsteinabbaus, der Verarbeitung und des Transports überblicken zu können, empfehlen wir Ihnen, Edelsteine aus Sri Lanka zu kaufen. In Sri Lanka findet Edelsteinabbau ausschließlich in sekundärem Abbau statt.
Da Sri Lanka den Einsatz von Großmaschinen verboten hat, um Menschen im Land Arbeit zu geben, werden diese Lehmschichten von Hand abgetragen und ausschließlich von Männern, da es sich um relativ schwere körperliche Arbeit handelt. Ein Arbeitstag dauert von 9.00 Uhr morgens bis 15.30 Uhr. Der Grund dafür: Im tropischen Abendlicht können Edelsteine nicht mehr von den sie umgebenden Kieselsteinen optisch unterschieden werden, daher endet der Arbeitstag im Laufe des Nachmittags, solange die Sonne noch ausreichend hoch steht.
Der Betreiber einer solchen Mine in Sri Lanka ist außerdem für das soziale Wohlergehen seiner Mitarbeiter und deren Familien verantwortlich. Er zahlt deren Arzt- und Krankenhausrechnungen, stellt auch eine Pensionskasse zur Verfügung und trägt die Kosten von Beerdigungen. Im Allgemeinen beträgt der Monatslohn eines Arbeiters in den Edelsteinminen das Doppelte des Durchschnittsgehalts in Sri Lanka. Tatsächlich sehen junge Männer das Arbeiten in den Minen in Sri Lanka als Entwicklungsschritt an, weil es ihnen durch den vermehrten Verdienst möglich ist, ein Eigenheim aufzubauen und ihren Familien, speziell den Kindern, ein gutes Leben zu ermöglichen.
Die Regierung von Sri Lanka hat außerdem verfügt, dass alle in Ceylon gefundenen Edelsteine im Land geschliffen werden müssen, um die Wertschöpfungskette zu verlängern. Darüber hinaus wurde ein sehr gutes lokales gemmologisches Labor eingerichtet (»Ceylon Gem Lab« – CGL), das jeden Edelstein, der aus Sri Lanka exportiert wird, für die Regierung kontrolliert, um den bekanntlich guten Ruf echter Edelsteine aus Ceylon im Ausland zu schützen.
FALLBEISPIEL SRI LANKA
Sri Lankas (Ceylon) reiche Schwemmlandvorkommen werden seit Jahrhunderten informell abgebaut und sind nach wie vor eine Quelle hochwertiger Saphire und anderer farbiger Edelsteine. Im Jahr 2014 wurden Farbedelsteine mit einem Wert von 141 Mio. US-Dollar exportiert, von denen Saphire einen Wertanteil von rund siebzig Prozent ausmachten. Über seine eigenen Ressourcen hinaus hat sich Ceylon zu einem globalen Zentrum für den Handel und die Verarbeitung von Farbedelsteinen entwickelt.
Der überwiegende Einsatz von Niedrigtechnologiemethoden und ein Verbot ausländischer Aktivitäten haben dazu beigetragen, tausende Menschen in ihren lokalen Lebensgrundlagen zu unterstützen und gleichzeitig das allgemeine Extraktionstempo zu mildern. Der lokale Abbau in Sri Lanka durch die eigenen Bürger hat sich parallel zum Agrarsystem des Landes entwickelt und dient als saisonale Beschäftigungsform für Landarbeiter und als zusätzliche Einkommensquelle für Landbesitzer. Die mit der Gewinnung von Edelsteinen verbundenen Kosten und Erträge werden geteilt, wobei Finanzier und Bergmann jeweils 35 Prozent des Erlöses aus dem Edelsteinabbau erhalten. Zwanzig Prozent erhält der Landbesitzer, zehn Prozent der Lizenzinhaber. Die Überwachung durch die Landbesitzer und die regelmäßigen Inspektionen durch die »National Gems and Jewellery Authority« haben den illegalen Bergbau begrenzt und die Verbreitung solider Gesundheits-, Sicherheits- und Umweltstandards gefördert. Mechanisierte Aktivitäten sind selten gestattet, und eine von der Behörde für die Dauer jeder Lizenz gehaltene Kaution fördert das Verfüllen stillgelegter Gruben. Im Gegensatz zu vielen anderen Abbaugebieten hat Sri Lanka auch eine robuste inländische Aufbereitungsindustrie geschaffen. Seit eine erste Generation nach internationalen Standards bei der (inzwischen aufgelösten) »State Gem Corporation« ausgebildet wurde, ist die Zahl der qualifizierten ceylonesischen Schleifer auf etwa 20.000 gestiegen – rund drei Viertel davon arbeiten mit farbigen Edelsteinen. Verschiedene steuerliche Anreize haben das Wachstum dieses wesentlichen Wirtschaftsbereichs unterstützt: Für Edelstein- und Schmuckprodukte wird auf Import- und Exportsteuern verzichtet, während Schleifer und Juweliere von der Einkommensteuer und (bis vor kurzem) der Mehrwertsteuer befreit sind. Ein staatlich verwalteter Schmuckentwicklungsfonds finanziert die Einführung moderner Technologien in der Schmuckindustrie.
Eine Reihe von Regierungsprogrammen hat den Aufstieg des Landes als Zentrum für Verarbeitung und Export unterstützt. Die Edelsteinindustrie wird von der »National Gems and Jewellery Authority« (NGJA) reguliert, einer finanziell autonomen Behörde, die eine Reihe von Industriedienstleistungen erbringt, darunter Prüfung, Kennzeichnung, Schulung und Exporterleichterungen. Die NGJA arbeitet eng mit dem »Export Development Board« (EDB) zusammen, welches auch größere internationale Werbemaßnahmen durchführt.
Sri Lanka hat es geschafft, »Edelstein-Governance« in Einklang mit der heimischen Wirtschaft zu bringen.
FALLBEISPIEL TANSANIA
Obwohl Tansania eine bedeutende Quelle für Diamanten, Rubine und Saphire ist, ist das Land vor allem deshalb bekannt, weil es der weltweit einzige Produzent des gleichnamigen blauen Edelsteins Tansanit ist. Die einheimischen Mineure bauen die überwiegende Mehrheit dieser farbigen Edelsteine ab. Die jüngste Mineralpolitik des Landes, die den Grundstein für den Bergbau 2010 legte, verpflichtet die Regierung, »die verstärkte Beteiligung der Tansanier am Edelsteinabbau zu erleichtern, zu unterstützen und zu fördern«, unter anderem durch die Entwicklung Tansanias als Edelsteinzentrum Afrikas, um sicherzustellen, dass kleine bis mittelgroße Edelsteinminen vollständig im Besitz von Tansaniern sind und von diesen auch betrieben werden.
Tansania hat seit 1997 konkrete Schritte zur Formalisierung des Bergbaus durch Einheimische unternommen, unter anderem durch Vereinfachung der Genehmigungsverfahren und Verbesserung des Zugangs zu Land und Erweiterung der Ressourcen, die den Bergleuten zur Verfügung stehen. Das Bergbaugesetz von 2010 sieht eine »primäre Bergbaulizenz« für die lokalen Unternehmer vor, für Abbaumaßnahmen, die weniger als 100.000 US-Dollar an Investitionen erfordern. Die Verfahren zur Erlangung einer primären Bergbaulizenz sind weniger anspruchsvoll als jene für allgemeine, reguläre oder spezielle Bergbaulizenzen, obwohl die Antragsteller verpflichtet sind, eine Umwelt- und Sozialuntersuchung des vorgeschlagenen Standorts durchzuführen. Die Lizenzen werden von »Zonal Mines Officers« und nicht vom »Commissioner for Minerals« in Daressalam erteilt.
Seit 2004 hat die Regierung mehr als 2.000 Quadratkilometer für Bergbau durch Einheimische bereitgestellt, darunter mehrere große Gebiete für den Edelsteinabbau. Die relative Konzentration der Bergbauaktivitäten in diesen »ausgewiesenen Gebieten« ermöglicht es dem Staat, die technische Hilfe, einschließlich der geologischen Kartierung, der Einführung effizienter Techniken und der Schulung zu Sicherheits- und Umweltstandards, effizient zu gestalten. Die Regierung bietet außerdem finanzielle Unterstützung für kleine Unternehmen.
Das Erkennen und Aufteilen der Ressourcen für den Edelsteinabbau kann jedoch auch potenzielle Nachteile haben. In Gebieten wie Merelani zum Beispiel. Dort steht die weltweit einzige große Tansanitmine (die als Joint Venture unter dem Namen »TanzaniteOne« betrieben wird). Die Lizenz für den Großabbau hat der Staat an TanzaniteOne vergeben. Zusätzlich hat der Staat kleine Lizenzen für den Abbau durch die Bürger vergeben. Die TanzaniteOne befindet sich somit direkt neben zwei kleinen, von Bürgern bearbeiteten Minen (»ausgewiesenen Blöcken«). Aufgrund der geografischen Nähe konnten dort immer wieder Konflikte zwischen Bergarbeitern und lokalen Mineuren beobachtet werden. Das zeigte sich in wiederholten ober- und unterirdischen Eingriffen durch illegale Bergleute in die TanzaniteOne-Konzession. Diese Zwischenfälle führten schließlich dazu, dass der Hauptinvestor Richland Resources 2014 aus dem Projekt ausstieg.

Tansanit-Manschettenknöpfe
ges. 16 ct., Tansania gefasst in 750-Weißgold
Foto: © The Natural Gem
FALLBEISPIEL PAKISTAN
Pakistans bedeutende Edelsteinvorkommen, die hauptsächlich im Norden des Landes konzentriert sind, liefern Rubin, Saphir, Smaragd und viele andere Arten von Edelsteinen. Das erste staatliche Unternehmen des Landes, die »Gemstone Corporation of Pakistan« (GEMCEP), wurde 1974 gegründet, um die Exploration, Produktion und Vermarktung von Edelsteinen zu entwickeln. GEMCEP war jedoch nur teilweise erfolgreich und wurde in den 1990er Jahren aufgelöst, um privaten Unternehmen Platz zu machen.
Im Jahr 2006 machte eine von der »United States Agency for International Development« (USAID) unterstützte strategische Arbeitsgruppe mit mehreren Interessengruppen erneut auf den Edelstein- und Schmucksektor aufmerksam und bewertete, dass Pakistans weitgehend kleine und Low-Tech-Industrie »nicht in der Lage war, den internationalen Edelsteinmarkt signifikant zu durchdringen«. Zu den wichtigsten festgestellten Einschränkungen gehörten begrenzte Investitionen in Forschung, Entwicklung und Schulung, ein geringes technologisches Niveau, unterentwickelte schleiferische Einrichtungen und Fähigkeiten, schlechtes internationales Marketing und Branding, mangelhafte Designfähigkeiten, begrenzte Identifizierung und Zertifizierung sowie fehlende Kennzeichnung.
Ein neues Unternehmen, die »Pakistan Gem and Jewellery Development Company« (PGJDC), wurde im selben Jahr als Reaktion auf die von der Arbeitsgruppe festgelegte »Notwendigkeit einer institutionellen Plattform zur Umsetzung der Strategie, zur Bereitstellung von Marketing, Forschung und technischer Unterstützung« für den Sektor gegründet. Die PGJDC stellt die klassische Konzeption von Staatsunternehmen im Edelsteinsektor in Frage.
Die PGJDC ist zu 87,4 Prozent im Besitz des »Ministeriums für Industrie und Produktion« (MOIP) und zu 12,6 Prozent im Besitz der »Pakistan Industrial Development Corporation« (PIDC). Zu ihren Zielen gehören die Steigerung der Produktivität entlang der Wertschöpfungskette, die Verbesserung von Marketing und Branding, die Förderung von Strategien zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit, Investitionen in die Entwicklung von Arbeitskräften und Innovationsfähigkeit sowie die Stärkung der Kapazität von Industrieinstitutionen. Der Verwaltungsrat besteht neben MOIP und PIDC aus der »Handelsentwicklungsbehörde Pakistans« (TDAP) und der »Entwicklungsbehörde für kleine und mittlere Unternehmen« (SMEDA). Kommunalverwaltungen und Verbände des Privatsektors sind vertreten, darunter ein Sekretär der Abteilung für Bergbau und Mineralienentwicklung und ein Unternehmer aus jeder Region, der sich entweder auf die Herstellung oder die Vermarktung von Edelsteinen spezialisiert hat.
Seit ihrer Gründung hat die PGJDC die Formulierung neuer Richtlinien für den Edelstein- und Schmucksektor vorangetrieben, einschließlich der Einführung eines Kennzeichnungsgesetzes und eines strategischen Plans für Edelsteinexporte. Sie hat auch daran gearbeitet, den Handel durch die Einrichtung einer Edelsteinbörse zu fördern und zu formalisieren. Dazu gehörte die Schaffung von Test- und Kennzeichnungszentren in Karatschi und Lahore, die Organisation lokaler und internationaler Edelstein- und Schmuckausstellungen und die Förderung Pakistans als regionales Edelsteinzentrum. Im Jahr 2015 besuchten mehr als 600 Studenten Programme von PGJDC-geführten Schulungszentren in Karatschi, Lahore, Gilgit, Peshawar, Quetta, Sargodha und Muzaffarabad. Eine kürzlich durchgeführte Bewertung zeigt, dass ungefähr sechzig Prozent der Studenten, die Schulungen erhalten haben, im Edelstein- und Schmucksektor beschäftigt sind.
Der Edelsteinsektor ist weltweit noch immer von Klientelismus geprägt, und die pakistanische Industrie ist keine Ausnahme. Obwohl wichtige Herausforderungen bestehen bleiben, scheint das Design der PGJDC geeignet zu sein, um Überschneidungen und Interessenskonflikte zu verringern, die bei bestimmten anderen Staatsunternehmen, einschließlich des Vorgängers GEMCEP, auftreten sind. In dieser Hinsicht könnte Pakistans staatliches Unternehmen – das jüngste seiner Art im Edelsteinsektor – dazu beitragen, Ansätze für institutionelle Reformen zu schaffen.
FALLBEISPIEL THAILAND
Nur wenige Länder haben ihren Edelsteinreichtum erfolgreich genutzt, um eine sich selbst tragende Verarbeitungsindustrie aufzubauen. Obwohl Thailands einst umfangreiche Rubin- und Saphirvorkommen inzwischen weitgehend erschöpft sind, befinden sich mehr als 1.600 lokale Unternehmen innerhalb der Edelstein-Wertschöpfungskette. Edelsteine und Schmuck zählen mit einem geschätzten Handelsvolumen von 1,7 Mrd. US-Dollar für Diamanten und einer Milliarde US-Dollar für Farbedelsteine im Jahr 2015 zu den wichtigsten Exportgütern des südostasiatischen Landes. Von letzteren machten geschliffene Rubine und Saphire etwa fünfzig Prozent des Gesamtwerts aus.
Thailand hat sich einen guten Ruf als Zentrum für Edelstein-Know-how erarbeitet. Thailändische Schleifereien sind für ihre Qualität, ihren Einfallsreichtum und ihre speziellen Schliffe bekannt. Besonders bekannt ist die Expertise im Bereich der Farbbehandlung von Edelsteinen. Schätzungen zufolge werden achtzig Prozent der Steine, die eine Farbverbesserung erfahren, in Thailand verarbeitet. Bangkok verfügt über Einrichtungen, wie das öffentliche Edelstein- und Schmuckinstitut von Thailand (GIT) und ein mit dem »Gemological Institute of America« (GIA) verbundenes Zentrum. Es hat seinen Platz an der Spitze der weltweiten Ausbildung und Forschung zu Korund, also Rubin und Saphir, eingenommen. Das GIT beschäftigt sich auch mit der Verfeinerung der Bewertung, um die Qualität ständig zu verbessern und das Vertrauen der Verbraucher zu stärken. Das GIT hat zum Beispiel Mastersets für die Einstufung häufig mehrdeutiger Farbtöne für Rubine und Saphire entwickelt. Dies sind Sets aus Übersichtsfotos, -tabellen und Grafiken, die als Grundlage für die Farbbestimmung von Korund herangezogen werden. Mittlerweile hat das Institut Farbstein-Mastersets für acht Korundvarietäten erstellt. Dazu zählen Rubin, Blausaphir, Padparadschasaphir, Gelbsaphir sowie rosa, violetter, oranger und grüner Saphir. Außerdem gibt es eigene Mastersets für die berühmten Farben »Pigeon Blood« sowie »Royal Blue«. Das Ziel ist es, Standards zu schaffen, die eine genaue, zuverlässige Bestimmung von Farbedelsteinen gewähren und somit zur Stärkung des Vertrauens beitragen.
Spezielle Handelszonen und Ausstellungen haben thailändischen Unternehmen den Zugang zu globalen Märkten erleichtert. Die alle zwei Jahre stattfindende Edelstein- und Schmuckmesse in Bangkok zieht rund 17.000 Käufer aus der ganzen Welt an. Die Regierung unterhält außerdem »Gemopolis«, einen Industriepark für Edelsteine und Schmuck aus einer Hand, der sich neben dem Hauptflughafen des Landes befindet. In den kommenden Jahren plant Thailand die Entwicklung spezieller Exportzonen für Edelsteine und Schmuck (SEZ) an seinen Grenzen zu Myanmar (Burma) und Kambodscha.
Eine Reihe finanzieller Anreize unterstützt die Wettbewerbsfähigkeit. Beispielsweise hat die Investitionsbehörde des Landes für die jährliche »Bangkok Gems and Jewelry Fair« des Landes Steuerbefreiungen für Maschinen und Rohstoffe sowie den Erlass der Mehrwertsteuer genehmigt. Zu den Vorteilen für Investoren, die in diesen Sonderwirtschaftszonen tätig sind, gehören die vollständige Befreiung von der Körperschaftsteuer für die ersten acht Jahre und eine fünfzigprozentige Reduktion für weitere fünf Jahre, der Verzicht auf Einfuhrzölle bei Maschinen und Rohstoffen sowie die Erlaubnis, ausländische, auch ungelernte Arbeitskräfte zu beschäftigen.
Es ist wichtig anzumerken, dass das Wachstum der Edelsteinindustrie in Thailand durch aktives und koordiniertes Engagement verschiedener Regierungsinstitutionen unterstützt wurde, darunter das »Zentrum für Investitionen, Edelsteine und Schmuckindustrie« des Industrieministeriums, durch das »Ministerium für Internationalen Handel« und das »Gem and Jewelry Institute«. Branchenvertreter setzten sich erfolgreich für Steuervergünstigungen und die Einrichtung einer »Edelsteinbank« zur weiteren Unterstützung der Industrie ein.
Thailand war Vorreiter, allerdings sehen sich thailändische Unternehmen einer zunehmenden Konkurrenz aus Ländern wie Indien und China mit hoher Produktivität und Skalierbarkeit gegenüber. Gleichzeitig profitieren aufstrebende Konkurrenten wie Sri Lanka von lokaler Versorgung, Markenentwicklung, wettbewerbsfähigen Löhnen und zunehmendem Know-how bei der Verarbeitung farbiger Edelsteine.
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