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Sylvia Luetjohann

Das Schwarzkümmel-Heilbuch

Die bewährtesten Heilanwendungen

Gesundheitstips und Rezepte


Die in diesem Buch angeführten Informationen sind sorgfältig recherchiert und nach bestem Wissen und Gewissen weitergegeben worden. Gleichwohl übernehmen Verlag und Autor keinerlei Haftung für Schäden irgendeiner Art, die direkt oder indirekt aus der Anwendung oder Verwertung der Angaben in diesem Buch entstehen. Die Informationen in diesem Buch sind für Interessierte und zur Weiterbildung gedacht und nicht als Therapie- oder Diagnoseanweisungen im medizinischen Sinne zu verstehen.

Windpferd Taschenbuch

10007

7. Auflage 2016

6. Auflage 2014

5. aktualisierte und erweiterte Auflage 2012

Die Erstausgabe ist unter dem Titel

Das große Schwarzkümmel-Handbuch

im Windpferd Verlag erschienen

ist ein Imprint der

Windpferd Verlagsgesellschaft mbH

© 1997 Windpferd Verlagsgesellschaft mbH, Oberstdorf

Alle Rechte vorbehalten

Umschlaggestaltung: Marx Grafik & ArtWork GbR,

unter Verwendung eines Fotos von W. Arnold

Illustrationen im Innenteil: Elisabeth Pabst

Fotos im Innenteil: S. 15 – Lavendelfoto/Beat Ernst; S. 22 – Dr. Diab Refai

Layout: Marx Grafik & ArtWork GbR

ISBN 978-3-89385-624-4

eISBN 978-3-86410-303-2

www.windpferd.de

Inhaltsverzeichnis

Danksagung

Vorwort zur Neuauflage (2012)

Einführung

Schwarzkümmel: ein wiederentdecktes Wundermittel?

Wissenswertes aus der langen Tradition einer alten Heil- und Gewürzpflanze

Die orientalischen Wurzeln

Die europäische Überlieferung (1. Teil)

Botanische und andere Streifzüge durch die wichtigsten Schwarzkümmelarten

Nigella sativa

Die verschiedenen Schwarzkümmel-Arten

Nigella damascena

Nigella arvensis

Die europäische Überlieferung (2. Teil)

Was passiert, wenn Samen auf die Reise gehen?

Die mutmaßlichen Folgen einer Verpflanzung

Schwarzkümmel blüht und gedeiht nicht nur in Ägypten

Tradition und Moderne wirken zusammen

Wissenswertes über Anbau, Samengewinnung und Ölpressung

Kaltpressung ohne Lösungsmittel

Die Gefahren des Sauerstoffs

Schwarzkümmel: wie er wirkt und warum er heilt

Die wirksamsten Inhaltsstoffe

Das fette Öl

Die essentiellen Fettsäuren

Die Prostaglandine

Prostaglandin E1

Prostaglandine sind nicht gleich Prostaglandine

Das ätherische Schwarzkümmelöl

Ein natürliches Antioxidans

Geistig-seelischer Lichtblick

Homöopathie mit Nigella sativa

Ein starkes Stück: Bitterstoffe und Saponine

Die Anwendungsbereiche

Altüberlieferte Erfahrung und neueste Forschung

Das Immunsystem

So funktioniert es im Normalfall

Die geschwächte Immunabwehr

Die aggressive Immunabwehr

… und so greift Schwarzkümmel regulierend ein

Neueste wissenschaftliche Forschungsansätze

Ein oder kein Krebsmittel?

Diabetes

Hormonsystem (am Beispiel PMS)

Neurodermitis

Mögliche Therapieeinschränkungen und Nebenwirkungen

Die richtige Dosierung und weitere Einnahmeempfehlungen

Fahrpläne für die Einnahme von Schwarzkümmelöl

Vorbeugen ist besser als heilen

Schwarzkümmel als Immunkur und zur Darmentgiftung

Ölschlürfen mit Schwarzkümmelöl

„Eure Nahrungsmittel sollten Heilmittel sein“

Heilanwendungen und ausgewählte Spezialrezepturen

Allgemeine Abwehrschwäche

Allgemeine Abwehrschwäche mit vegetativer Erschöpfung

Potenzstörungen als Ausdruck allgemeiner Schwäche

Abwehrschwäche mit autoaggressiver Immunreaktion (allergische und rheumatische Symptome)

Entzündliche und allergisch bedingte Hauterkrankungen (Dermatitis und Ekzeme)

Der „Sonderfall“ Neurodermitis

Mykosen

Hautpilze

Darmpilze

Scheidenpilze

Allergische und infektiöse Erkrankungen der Atemwege

Grippe und Erkältungskrankheiten

Weitere Anwendungen „rund um den Kopf“

Zahnschmerzen und Zahnfleischentzündung

Augenschmerzen

Kopfschmerzen

Konzentrationsschwäche

Hyperaktivität bei Kindern

Schlafstörungen

Frauenbeschwerden

Stoffwechselstörungen

Magen-Darm-Beschwerden

Parasiten, Pilze & Co. im Darm

Leber- und Gallebeschwerden

Erhöhter Cholesterinspiegel

Nieren- und Blasenleiden

Diabetes

Hämorrhoiden

Rheumatische Erkrankungen und Gelenkschmerzen

Prellungen und Verletzungen

Schön mit Haut und Haar

Schwarzkümmel in der Kosmetik, Körperpflege und zur Hygiene

Die Haut

Haarpflege

Schwarzkümmel zur Hygiene

Schwarzkümmel in der Tierheilkunde

Schwarzkümmel in der Küche

Von Brotwurz bis Kalonji

Kochrezepte

Suppen und Eintöpfe

Salate und Vorspeisen

Hauptgerichte

Beilagengerichte

Rohkostrezepte

Backrezepte

Köstliche Getränke

Das Keimen von Schwarzkümmel-Sprossen

Anhang

Literaturverzeichnis

Index

Danksagung

Als ich mich auf die streckenweise ebenso schwierige wie verwirrende Spurensuche nach dem in jeder Hinsicht sehr vielseitigen Schwarzkümmel begab, ließ mich eine glückliche Fügung auf Dr. Diab Refai treffen, einen Mediziner syrischer Herkunft. Ihm habe ich zu verdanken, daß viele Informationen aus allererster Hand über die arabische Überlieferung, Heilanwendungen und Qualitätsmerkmale in dieses Buch einfließen konnten. Seine Begeisterung und sein eigener Einsatz haben die Arbeit ganz entscheidend inspiriert.

Außerdem danke ich Elisabeth Pabst, die mit ihrem reichen botanischen Wissen und ihren den Geist der Pflanze widerspiegelnden Illustrationen ebenfalls viel zum Gelingen dieses Buches beigetragen hat; „Nigellina“, Renate Spannagel, für ihr warmherziges und erfolgreiches Engagement nicht nur in der Türkei; und meiner Verlegerin, Monika Jünemann, die nicht nur wesentlich an der Initialzündung beteiligt war, sondern fast unermüdlich äußeren Beistand leistete und innere Wogen glätten half.


Vorwort zur Neuauflage (2012)

Ab Mitte der Neunzigerjahre ist es unvermittelt zu einem regelrechten Schwarzkümmel-Boom gekommen, doch in diesem Falle ist es nicht nur bei einer vorübergehenden Modeerscheinung geblieben. Seitdem hat Schwarzkümmel sich nicht nur einen festen Platz in vielen Naturpraxen und Hausapotheken erobern können, sondern läßt sich mit Fug und Recht auch als eines der beliebtesten und am weitesten verbreiteten Naturheilmittel bezeichnen. Schwarzkümmel ist beileibe kein Nischenprodukt geblieben, sondern pro Jahr werden allein in Deutschland geschätzte sechs Millionen Packungen Schwarzkümmelöl in Fläschchen oder in Kapseln verkauft. Auch in den USA ist die Nachfrage nach Schwarzkümmelöl als Nahrungsergänzung überproportional stark gestiegen. Nicht nur seine stärkende und harmonisierende Wirkung auf das Immunsystem und – damit verbunden – eine Abnahme der Neigung zu Allergien wird immer bekannter, sondern über den medizinischen Bereich der Immunologie hinaus auch seine Schutzfunktion beispielsweise bei Krebs und Diabetes. Um der weiter steigenden Nachfrage gerecht werden zu können, ist sogar in Zusammenarbeit mit der UNICEF ein Projekt angelaufen, um durch Anbau von hochwertigem Schwarzkümmel auf der nördlichen und der südlichen Hemisphäre der Erde die Erntemenge zu verdoppeln, so daß ganzjährig geerntet werden kann. Es wird zunehmend auf kontrolliert biologischen Anbau geachtet, und häufig wird auch der ganze Samen aus den Anbauländern exportiert, um beispielsweise in Deutschland frisch zu Öl gepreßt zu werden und damit einer möglichen Oxidation vorzubeugen.

Die Geschichte der Araberstute „Baronesse“, die Mitte der Neunzigerjahre unter massiven asthmatischen Beschwerden litt, darf als allgemein bekannt vorausgesetzt werden. Das Turnierpferd und sein Besitzer konnten damals schon bald wieder erleichtert aufatmen: Bei Pferdezüchtern im Vorderen Orient wurde Schwarzkümmelöl als lange erprobtes und äußerst wirksames Antiallergikum aufgespürt, das im Unterschied zu dem üblicherweise eingesetzten Cortison zudem noch ohne Nebenwirkungen ist. Die erfolgreiche Behandlung von „Baronesse“ führte bei uns zur Renaissance des Schwarzkümmels als Heilmittel. Nicht lange danach gab es auch einen berühmten zweibeinigen Patienten: den ehemaligen bundesdeutschen Innen- und späteren Verkehrsminister Dr. Friedrich Zimmermann, der ebenfalls unter schwerem Asthma litt und nachts an ein Sauerstoffgerät angeschlossen werden mußte. Seine Beschwerden besserten sich mit der Gabe von Schwarzkümmelöl ganz signifikant.

Der Mythos von der einzigartigen Wirksamkeit des „Original ägyptischen Schwarzkümmelöls“, vorzugsweise mit Nofretete-Konterfei vermarktet, hat sich als äußerst zäh und langlebig erwiesen und geistert immer noch durch die Produktwerbung. Mit der weiten Verbreitung des Schwarzkümmels aufgrund seiner überzeugenden Heilwirkung hat sich allerdings auch bestätigt, daß nicht nur Schwarzkümmel aus Ägypten, sondern auch aus der Türkei, aus Syrien, dem Irak und Indien heilkräftig ist. Inzwischen ist hier also eine Revision im Gange – ja, die syrische Sorte „Kara siva“ gilt bei Experten sogar als die beste. Das daraus gewonnene Öl ist besonders mild und zeichnet sich durch eine sehr gute Verträglichkeit aus.

Ebenso ist offenbar auch die dekorativere blaue Blume der „Jungfer im Grünen“ nach wie vor ein für die Produktwerbung weitaus beliebteres Bildmotiv anstelle der unauffälligeren weißlichen Blüten des Echten Schwarzkümmels; diese, wissenschaftlich als Nigella damascena bezeichnete Schwarzkümmel-Art enthält das Alkaloid Damascenin, das bei einer Überdosierung giftig wirkt, weshalb die Pflanze heutzutage weder in der Küche noch als Heilmittel mehr Verwendung findet.

Heute vertreiben Dutzende verschiedener Firmen Schwarzkümmel in Form von Öl, Kapseln, als Tee, Gewürz oder auch in Pflegeprodukten für Haut und Haar verarbeitet. Dadurch haben nicht nur die praktischen Erfahrungen mit diesem heilsamen Öl bei immer mehr Anwendern zugenommen, sondern es wurden auch weitere wissenschaftliche Forschungen durchgeführt und veröffentlicht. Insbesondere konnte Schwarzkümmelöl sich als einer der Hauptpfeiler bei der Allergiebehandlung etablieren. Schwarzkümmel und vor allem das aus ihm gewonnene Öl heilt nachweislich allergische Erkrankungen bei bis zu 70 % aller Patienten. Dazu gehören Pollen- und Hausstauballergie, Neurodermitis und Asthma. Inzwischen liegen sogar Gerichtsurteile vor, die Krankenkassen dazu verdonnert haben, die Kosten für den Einsatz von Schwarzkümmelöl bei Patienten zu übernehmen. Diese Urteile werden damit begründet, seine Wirkung sei ebensogut wie bei einem zugelassenen Medikament – aber frei von Nebenwirkungen und zudem weniger kostenintensiv!

Zu weiteren Indikationen, welche ebenfalls die große Breitenwirkung erklären, gehören eine allgemeine Abwehrschwäche, Infektanfälligkeit, Erkältungen, Sommergrippe sowie antibakterielle und antimykotische Wirkungen, die sich in der medizinischen Praxis bestätigt haben und Schwarzkümmel für die Bekämpfung entzündlicher Prozesse empfehlen.

Für die vorliegende Neuauflage des Buches wurde die Gelegenheit genutzt, einige Aktualisierungen und Ergänzungen bei verschiedenen Anwendungsbereichen vorzunehmen und auch bestimmte Marktentwicklungen kritisch unter die Lupe zu nehmen. Da Schwarzkümmel auf Märkten, in türkischen Geschäften, in Gewürzläden und im Naturkosthandel nahezu überall erhältlich ist, wurde auch der kulinarische Rezeptteil stark erweitert.

Der bedeutende Heilpflanzenkenner Wilhelm Pelikan hat schon vor über fünfzig Jahren in seiner dreibändigen Heilpflanzenkunde davon gesprochen, daß eine Pflanze plötzlich medizinisches und auch kommerzielles Interesse weckt, wenn durch chemische Analysen dieser oder jener einzelne Wirkstoff darin nachgewiesen werden kann. Im Unterschied zu diesen Ergebnissen aus der Suche nach einer oder auch mehreren isolierten Leitsubstanzen, wie sie selbst von der herkömmlichen „rationalen“ Phytotherapie betrieben wird, setzt sich allgemein immer mehr eine ganzheitliche Sichtweise von pflanzlichen Heilmitteln durch. Pflanzen bieten nun einmal natürliche Vielstoffgemische mit einer Fülle von Substanzen in unterschiedlicher Gewichtung, deren Wirkung sich meistens nicht auf einen Hauptinhaltsstoff reduzieren läßt. Auch beim Schwarzkümmel liegt ein komplexes Zusammenspiel teils bekannter, teils noch nicht identifizierter Inhaltsstoffe vor, und nur aufgrund dieser natürlichen Synergie kann sich die volle Wirkkraft entfalten.

Schob Pelikan vermittelt uns auch, daß eine sich ausschließlich auf die Wirkstoffe stützende Betrachtungsweise die Zusammenhänge zwischen Heilpflanze und Mensch immer mehr aus den Augen verliert. Mögen wir daher lernen, die Helfer aus der Pflanzenwelt nicht nur unter Nützlichkeitserwägungen zu sehen, sondern ihnen voller Achtung zu begegnen und eine lebendige Anschauung von ihrem Wesen und ihrer Verbindung zu uns zurückzugewinnen.

Nigella sativa

Einführung
Schwarzkümmel: ein wiederentdecktes Wundermittel?

In den Mittelmeerländern und im Vorderen Orient gilt Schwarzkümmel seit Tausenden von Jahren als sagenhafte Heilpflanze und das Öl aus seinem Samen als „Wundermittel“. Der von dem Propheten Mohammed überlieferte Ausspruch Schwarzkümmel heilt jede Krankheit – außer dem Tod hat gewiß entscheidend dazu beigetragen, daß Schwarzkümmel in den meisten islamischen Ländern eine lebendige Tradition hat und bis heute als äußerst vielseitig einsetzbare „Medizin des Propheten“ in hohem Ansehen steht.

Früher einmal war der Schwarzkümmel auch in unseren Breitengraden als Heil- und Gewürzpflanze unter dem botanischen Namen Nigella sativa sehr geschätzt, seit langem aber verschönert nur noch die Varietät mit dem botanischen Namen Nigella damascena als besonders attraktive „Jungfer im Grünen“ unsere Bauerngärten. In jüngster Zeit ist Schwarzkümmel jedoch auch bei uns als Heilpflanze wiederentdeckt worden, und die moderne Forschung sucht nun den wissenschaftlichen Nachweis für das zu erbringen, was bislang dem Bereich reiner Erfahrungsheilkunde zuzurechnen war. Das heißt: Seit wenigen Jahren geht man den Erfahrungen der alten assyrischen und ägyptischen Heilkundigen mit modernen medizinischen und biochemischen Forschungsmethoden auf den Grund.

Da es sich bei Schwarzkümmel – wie bei vielen vergleichbaren Heilpflanzen – um ein ausgesprochenes Komplexmittel mit mehr als hundert Inhaltsstoffen handelt, die synergetisch zusammenwirken, sind die Forschungen noch längst nicht abgeschlossen. Etwa 6 % der Bestandteile des aus den Samen gepreßten wertvollen Öls sind noch nicht einmal genauer bekannt, gerade sie könnten hochwirksam sein. Trotzdem läßt sich schon jetzt sagen, daß das Ergebnis der bisherigen Studien in USA und Europa die Erwartungen bereits übertroffen hat. Dies betrifft vor allem die Wirkung von Schwarzkümmelöl auf das Immunsystem und damit zum Beispiel auf sonst fast als untherapierbar geltende Allergien. Allergiker benötigen eine erhöhte Zufuhr an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, die in Schwarzkümmelöl in hoher Konzentration enthalten sind. Aus diesen als Grundbausteinen werden im Organismus bestimmte Gewebshormone (Prostaglandine) gebildet, die nicht nur entzündungshemmend und bronchienerweiternd wirken, sondern auch einen regulierenden und harmonisierenden Einfluß auf das Immunsystem haben. Außerdem ist eine herabgesetzte Körperabwehr nicht nur Ursache für eine erhöhte Infektanfälligkeit, sondern von einem geschwächten Immunsystem sind auch fast alle an chronischen Krankheiten leidenden Menschen betroffen.

Durch schädliche Umwelteinflüsse und Stoffwechselstörungen aufgrund von Ernährungsfehlern ist unsere Immunabwehr starken Belastungen ausgesetzt und vor große Herausforderungen gestellt. Hier kann Schwarzkümmelöl als Nahrungsergänzung wertvolle Dienste leisten – auf natürliche Weise, ohne Nebenwirkungen oder Unverträglichkeit mit einer anderen medizinischen Behandlungsart. Sein Wirkungsspektrum ist damit noch lange nicht erschöpft: Verdauungsstörungen und Nierensteine, Prämenstruelles Syndrom und Beschwerden der Wechseljahre, Schlafstörungen und Konzentrationsschwäche sowie auch der Gebrauch als Hautpflegemittel und Küchengewürz sollen nur stellvertretend für die vielen Anwendungsmöglichkeiten genannt sein, die dem Schwarzkümmel seinen fast legendären Ruf als altes orientalisches „Wundermittel“ eingebracht haben.

Dieses Buch folgt ganz bewußt der Grundidee, so viele Informationen wie möglich und derzeit verfügbar einzufangen und weiterzugeben. Es spannt daher einen Bogen von alter Volkstradition und überliefertem Heilwissen über neueste medizinische Erkenntnisse und gaschromatographische Analysen bis zu kosmetischen und kulinarischen Rezepten – ein Bogen, den diese „Pflanze für unsere Zeit“ offenbar gut auszuhalten vermag … Entscheiden Sie selbst, ob es sich bei diesem äußerlich eher bescheidenen Gewächs um die Wiederentdeckung einer Heilpflanze handelt, die Ihre Beachtung verdient. In Streifzügen durch Geschichte und Botanik, illustriert durch alte Rezepturen aus verschiedenen Überlieferungen der Volksmedizin, durch moderne Forschungsergebnisse und Weiterentwicklungen auf den gegenwärtigen Wissensstand gebracht und durch persönliche Erfahrungen und Fallgeschichten ergänzt, können Sie Bekanntschaft mit ihr schließen.


Wissenswertes aus der langen Tradition einer alten Heil- und Gewürzpflanze



Typische orientalische „Kräuter-Apotheke“

Die orientalischen Wurzeln

Schwarzkümmel, eine Pflanze aus der Familie der Hahnenfußgewächse, stammt aus dem Mittelmeerraum und ist in Ländern Nordafrikas, Vorderasiens und Südosteuropas heimisch. Die früheste Kultivierung und Verwendung läßt sich mehr als 3000 Jahre bis in das Reich der Assyrer (das heutige Syrien und Teile des Irak) und in das Alte Ägypten zurückverfolgen. Doch auch Indien wird bisweilen als Herkunftsland des legendären schwarzen Samens genannt.

In einem assyrischen Kräuterbuch wird Schwarzkümmel oder „schwarzer Tin-Tir“ als Heilmittel genannt, dem bereits eine vielseitige Anwendung nachgesagt wird: innerlich für den Magen, äußerlich für die Behandlung von Augen, Ohren und Mund sowie von den unterschiedlichsten Hautproblemen, wie Juckreiz, Ausschläge, Geschwüre und Flechten. Auch die später noch bei Plinius aufgeführte Erste Hilfe, bei dem Biß von Schlangen bzw. dem Stich von Skorpionen eine Mischung aus zerstoßenem Schwarzkümmelsamen, Essig und Honig in die Wunde zu streichen, ist bereits seit altersher erprobt worden.

Aus dem Reich der Pharaonen ist die Verwendung von Schwarzkümmel als Digestif nach üppigen Gelagen sowie als Heilmittel bei Entzündungen und bestimmten überempfindlichen Reaktionen des Körpers überliefert, für die wir heute den Begriff „Allergien“ verwenden. Der Nachweis für die Wirksamkeit bestimmter Substanzen bei entzündlichen und allergischen Prozessen ist durch moderne Forschungsergebnisse bereits erbracht worden. Außerdem wird der sprichwörtliche „Bronzeteint“ der alten Ägypter auf die pflegenden Eigenschaften des Schwarzkümmelöls zurückgeführt, die auch der wegen ihrer Schönheit gerühmten Königin Nofretete schon 1350 Jahre vor unserer Zeitrechnung bekannt gewesen sein dürften.

Über den Fund eines Fläschchen Schwarzkümmelöls in der Grabkammer des Tut-enkh-amun ist – ganz wie es einer Wunderpflanze zukommt – schon reichlich spekuliert worden. Sie wurde sogar als Begleiterin für ein Leben nach dem Tode erhoben, obwohl sie diesen ja offenbar nicht hatte verhindern können. Vielleicht wurde das Öl einfach für eine kostbare Grabbeigabe gehalten?

Die Kopten, als die christlichen Nachfahren der alten Ägypter, sorgten dafür, daß die Tradition der Kräutermedizin lebendig blieb, und gaben ihre Kenntnisse auch an andere Völker der arabischen Welt weiter. Im Arabischen heißt der schwarze Kümmel kamûn asvad, im Hocharabischen auch shouniz; außerdem trägt er die Namen habbe sôda, „schwarzer Samen“, oder habbe el-barake, der „unerschöpflich reiche Samen“. Die letztere Bezeichnung leitet sich von dem bereits zu Anfang erwähnten Lob des Propheten Mohammed ab: „Schwarzkümmel heilt jede Krankheit – außer dem Tod“, das in dem Hadith „El Buchari“ aufgezeichnet ist. Zweifellos hat dieses Zitat zur großen Verbreitung des Schwarzkümmels in den islamischen Ländern beigetragen.

Zu Anfang des 11. Jahrhunderts wird Schwarzkümmel von dem berühmten persischen Arzt und Philosophen Ibn Sina (auch als Avicenna bekannt) in seiner großen medizinischen Abhandlung Kitabasch schifa („Buch der Genesung“) ausführlich mit den folgenden Wirkungen erwähnt:

•innere Reinigung und Entgiftung des Körpers

•Entschleimung und Kräftigung der Lungen

•Hausmittel bei Fieber, Husten, Schnupfen, Zahn- und Kopfschmerzen

•Mittel bei Hautleiden und für die Wundbehandlung

•Mittel gegen Darmparasiten und Würmer, auch gegen Bisse und Stiche von giftigen Tieren.

Im Orient überliefert und durch viele Rezepte belegt ist außerdem seine vorwiegend schmerzstillende und krampflösende Wirkung bei Magen-Darm-Beschwerden, Blähungen, Durchfall und Verstopfung, Gelbsucht und Gallenkoliken, für die Anregung der Nieren und eine vermehrte Harnausscheidung, gegen Infektionen, Verschleimung und Bronchialleiden, bei Menstruationsbeschwerden und zur Förderung der Milchsekretion, gegen Hautparasiten und vor allem bei Kindern als Wurmmittel. Im Volk ist auch die Verwendung als hautpflegendes Mittel sowie gegen Schuppen und Haarausfall überliefert. Bis heute ist er überall in den orientalischen Gewürzbasaren zu finden. Der türkische Name Çörekotu, der sich etwa als „Gras(samen) für kleines Gebäck“ übersetzen läßt, weist auf einen seiner Verwendungszwecke hin. Er wird auch, ähnlich wie Mohn oder Sesam, auf Brotfladen gestreut. Viele Mohammedaner nehmen jeden Morgen zur Stärkung nicht nur der Manneskraft eine Prise des Samens in Honig zu sich. Und nicht zuletzt gilt der Samen auch als „Segen des Propheten Mohammed“ für die Rede.

Aus der Türkei ist die Verwendung als Räuchermittel sowie auch der Volksbrauch überliefert, genau 41 Samen des Schwarzkümmels in bunte Stoffsäckchen einzunähen und mit einer Sicherheitsnadel an der Kleidung von Kindern zu befestigen. Dieser Talisman soll sie beschützen. Die Samen werden auch wie Perlen an Schnüren aufgereiht und, mit bunten Stoffetzen verziert, im Fenster aufgehangen. Ein solches Nazarlik soll gegen den „Bösen Blick“ schützen. Auch in Indien gilt dieses blauschwarze Gewürz des dunklen Planeten Ketu, geformt wie eine Träne, als Beschützer gegen das böse Auge. Aus dem Jemen ist der Volksbrauch überliefert, Schwarzkümmel als Amulett zur Vertreibung böser Geister zu tragen.

Von Südosteuropa (Griechenland und Bulgarien) und Nordafrika (Sudan, Äthiopien, Ägypten) über die vorderasiatischen Mittelmeerländer, Syrien, die Türkei, das alte Zweistromland, Persien und Pakistan ist der Schwarzkümmel bis nach Indien und sogar nach China gelangt. In Indien wird Schwarzkümmel vor allem in den Regionen Punjab, Himachal Pradesh, Bihar und Assam kultiviert. Als Brot- und Speisegewürz oder in Rezepturen der indisch-ayurvedischen Medizin verwendet, galt und gilt Kalonji, der „schwarze Zwiebelsamen“, als wohlschmeckendes Gewürz zur Unterstützung des Stoffwechsels sowie als Heilmittel bei Verdauungsstörungen und den gefürchteten Durchfallerkrankungen, wie Amöben- und Bakterienruhr. Außer den Samen und dem fetten Öl wird hier auch traditionell das ätherische Schwarzkümmelöl verwendet.

Nach der ayurvedischen Überlieferung und der Typenlehre von den drei Doshas vermindert Schwarzkümmel Vata und Kapha und vermehrt Pitta. Daraus wurde die Behandlung auch bei ungewöhnlichen Indikationen, z. B. bei Magersucht, bestimmten Störungen des Nervensystems, Ausfluß und venerischen Krankheiten entwickelt. Eine besondere Rolle spielt weiterhin die Frauenheilkunde, wo Schwarzkümmel aufgrund seiner uteruskontrahierenden Wirkung auch bei zu schwachen Wehen und bei Kindbettfieber eingesetzt wurde, wegen der Möglichkeit einer Früh- oder Fehlgeburt allerdings nicht während der Schwangerschaft eingenommen werden sollte. Dementsprechend gilt Schwarzkümmel auch als „pflanzliches Verhütungsmittel“ und taucht in zahlreichen indischen Pflanzenrezepturen mit abortivem Wirkungspotential auf.

Außerdem wird den Samen eine allgemein anregende, tonisierende und stimmungsaufhellende Wirkung zugeschrieben.

In ganz Indien gibt es im Volk den Brauch, zwischen Stoffe und Tücher zerstoßene Kalonji-Samen zur Insektenabwehr zu streuen. Bekannt ist auch die antibakterielle und daher für die Nahrungskonservierung nützliche Wirkung der Samen.

Die europäische Überlieferung (1. Teil)

Schwarzkümmel ist nicht nur in der Bibel, wo er Ketzah heißt, als vielseitig verwendbares Gewürz für Brot und Kuchen erwähnt, sondern auch allen naturheilkundlichen Autoren der griechischen und römischen Antike bekannt. Der griechische Arzt Hippokrates (5. Jh. v. Chr.) verwendet die Namen melánthion („Schwarzblatt“) oder meláspermon („Schwarzsame“) dafür. Die schwarzen Samen haben der Pflanze auch ihren botanischen Namen gegeben, nämlich Nigella (von lat. niger = „schwarz“ bzw. nigellus = „schwärzlich“). Im 1. Jahrhundert unserer Zeitrechnung wird er von Plinius Secundus d. Ä. in seiner umfangreichen Naturalis historia („Naturgeschichte“) ausführlich behandelt. Hier taucht als Name übrigens Git oder Gith auf, eine in den antiken lateinischen Schriften oft verwendete Bezeichnung, die sich wahrscheinlich aus dem Arabischen ableitet und der wir später auch in den alten deutschen Quellen noch mehrmals begegnen werden. Eine offenkundig ebenfalls arabisierte Namensform des Schwarzkümmels, nämlich „Salusandriam“, verwendet nur wenig später als Plinius der griechische Arzt Dioskurides in seiner fünfbändigen Arzneimittellehre De materia medica, die weit über das Mittelalter hinaus die Pflanzenheilkunde beeinflussen sollte.

Plinius nennt eine Reihe von Heilanwendungen, von denen uns viele aus der arabischen Welt bereits bekannt sind, so natürlich die verdauungsfördernde Wirkung als Brotgewürz; ferner die schon erwähnte Behandlung von Schlangenbissen und Skorpionstichen, außerdem von Verhärtungen, alten Geschwulsten, Eiterwunden, Hautausschlägen und sogar von Sommersprossen. Eine ganze Reihe von Rezepturen mit Schwarzkümmel gegen Erkältungen und Entzündungen im Kopfbereich werden empfohlen, die noch viele hundert Jahre später fast unverändert in den großen deutschen Heilpflanzen-Enzyklopädien des 16.–18. Jahrhunderts auftauchen werden. Hier einige Kostproben aus der „Naturalis Historia“:

Zerstoßen und zum Riechen in ein leinenes Tüchlein gebunden, vertreibt er Nasenkatarrh, mit Essig aufgestrichen Kopfschmerzen, mit Irisöl in die Nase gestrichen Augenkatarrh und Geschwülste, mit Essig gekocht Zahnschmerzen, zerrieben und gekaut Mundgeschwüre, mit einem Zusatz von Natron getrunken Atembeschwerden …

Der Gebrauch des Schwarzkümmels als wohlschmeckendes und gleichzeitig heilkräftiges Brotgewürz hat sich in der Folgezeit offenbar auch in Deutschland durchsetzen können. Um das Jahr 794 wird sein Anbau im „Capitulare de vilis“ von Karl dem Großen für diesen Verwendungszweck empfohlen. Er wird hier mit den Namen „Römischer Kümmel“ oder „Schwarzer Koriander“ bezeichnet und erhält auch die arabischen und von Plinius überlieferten Heilwirkungen zugeschrieben. Im Jahre 816 wird Schwarzkümmel, der hier Gitto heißt, im „Hortus“ des St. Gallener Klosterplanes aufgeführt. In altdeutschen Glossen wird er als protvurz oder brotchrut bezeichnet. Die Einbürgerung des botanischen Namens Nigella im Mittelalter scheint vor allem auf die Schriften des Albertus Magnus zurückzugehen, er hat sich auch in der Pharmakologie eingebürgert.

Hildegard von Bingen, die im 12. Jahrhundert ihr berühmtes Doppelwerk über Natur- und Heilkunde verfaßt hat, scheint dem Schwarzkümmel dagegen eher mißtrauisch gegenübergestanden zu haben. Sie stuft ihn zwar sehr treffend als „Pflanze von warmer und trockener Qualität“ ein, handelt ihn aber dann auffallend kurz ab. Zu erwähnen ist vor allem die Verwendung von zerstoßenem Schwarzkümmelsamen mit gebratenem Speck als Heilsalbe gegen Kopfgeschwüre. Der Samen, mit Honig vermischt und an die Wand gestrichen, wird außerdem als todsicherer Fliegenfänger empfohlen! Was die Einnahme durch den Menschen betrifft, warnt Hildegard allerdings vor seiner möglicherweise giftigen Wirkung. Dies trifft auf manche Mitglieder dieser recht verzweigten Hahnenfußfamilie sogar zu. Da Hildegard aber den Ackerschwarzkümmel in ihrer „Physica“ mit dem botanischen Namen Githerum ratde benennt, liegt eher die Vermutung nahe, daß bereits hier die später sprichwörtliche Verwechslung mit der Kornrade (Agrostémma githago) passiert ist. Die Samen dieses von den Bauern gefürchteten Getreideunkrauts sind durch Saponine tatsächlich giftig und machen Mehl, Brot und Getreidekaffee nicht nur bitter, sondern sogar gesundheitsschädlich.

Trotzdem muß sich der Ruf des Schwarzkümmels als Heilmittel in der Volksmedizin im Laufe der nächsten Jahrhunderte stabilisiert und auch weiter verbreitet haben, denn als 1539 das „New Kreutterbuch“ des Hieronymus Bock erscheint, wird bereits eine beachtliche Wissensfülle über Nigella oder auch den „Schwartzen Coriander“ ausgebreitet, wie er nun allgemein genannt wird. Da sich unserer Spurensuche aber spätestens ab hier ein oft nur mühsam zu durchdringender Wildwuchs aus unterschiedlichen Pflanzen mit abweichenden Beschreibungen und immer phantasievolleren Namen in den Weg zu stellen scheint, muß an dieser Stelle ein Abstecher in die Welt der Botanik eingeschoben werden.

Botanische und andere Streifzügedurch die wichtigsten Schwarzkümmelarten

Schwarzkümmel ist eine einjährige Pflanze, die durch Aussaat vermehrt wird oder sich selbst vermehrt. Zu unserem Gewürzkümmel, Carum carvi, besteht trotz des Namens und teilweise ähnlicher Verwendung botanisch keine Verwandtschaft, und trotz häufiger Verwechslung gilt dies auch für den indischen Kreuzkümmel mit seinen Arten Cuminum cyminum und Cuminum nigrum. Im Unterschied zu diesen gehört Schwarzkümmel nicht zu den Doldenblütlern, sondern zu den Hahnenfußgewächsen (Ranunculaceae), die nach derzeitigen Erkenntnissen eine der alkaloidreichsten Pflanzenfamilien darstellen.

Die Untergruppe der Schwarzkümmelarten zeichnet sich besonders dadurch aus, daß die fünf Fruchtblätter, die bei den Ranunculaceen sonst getrennt nebeneinanderstehen, je nach Art mehr oder weniger in der Mitte miteinander verwachsen sind. Dadurch entsteht eine radförmige Samenkapsel oder sog. Sammelbalgfrucht, deren Fächer sich erst bei der Reife in der Mitte trennen. Während die Verwachsung bei unauffälligeren wilden Sorten nur bis zur halben Höhe reicht, geht sie bei den beiden bekanntesten Arten, dem Echten Schwarzkümmel und dem Damaszener Schwarzkümmel, bis zur Spitze, so daß die über den Umfang des Rades hinausragenden fünf Griffel die Figur eines Zackenrades bilden. Der volkstümliche Name „Rade/Radel“ (siehe unter Nigella arvensis) sowie auch die englische Bezeichnung Pinwheel („Feuerrad“ oder „Windrädchen“) erklären sich aus dieser zahnradförmigen Gestalt der Blüte.

Dies hat der Pflanze in Deutschland den Namen „St. Katharinenblume“ oder „St. Katharinenrädlein“ eingebracht, da die hl. Katharina in der Ikonographie stets mit einem Zackenrad dargestellt wird. Der Legende nach zerbrach nämlich das Rad, mit dem sie im Jahre 309 den Märtyrertod erleiden sollte, und sie mußte mit dem Schwert hingerichtet werden. Darum hält sie auf den Heiligenbildern auch nur das Bruchstück eines Rades in der Hand. Analog dazu zerbricht das Katharinenrädlein bei der Reife in fünf Teile und läßt die in zwei Reihen an der inneren Naht angewachsenen Samen herausfallen.

Ehe wir noch weiter in den Grenzbereich zwischen volkskundlicher Botanik und Legende abschweifen, sollen nun die drei wichtigsten Schwarzkümmelarten beschrieben werden.

Nigella sativa

Die grassierende Begriffsverwirrung bei der Benennung des Schwarzkümmels fand erst in der Mitte des 18. Jahrhunderts durch Linnés binäre Nomenklatur ein Ende. Bei der von ihm eingeführten lateinischen Doppelbezeichnung steht der erste Namensteil für die Gattungszugehörigkeit und der zweite für die Art. In unserem Fall bedeutet der Vorname Nigella „schwärzlich“, was sich auf die schwarzen Samen bezieht, und die Übersetzung des Nachnamens sativa lautet „angepflanzt“. Wir haben es hier also mit der zumeist kultivierten Schwarzkümmelart zu tun.

Der Echte oder Gemeine Schwarzkümmel ist eine 30–50 cm hohe, filigran wirkende Pflanze. Sie hat einen aufrechten, wenig verästelten, etwas rauhhaarigen Stengel. Die Blätter sind zwei- oder dreifach fiederschnittig und haben dadurch Ähnlichkeit mit Doldenblütern, wie Kümmel, Fenchel und Koriander, was sich in solchen Namensformen wie „Römischer Kümmel“, „Fennel Flower“ oder „Schwarzer Koriander“ niedergeschlagen hat. Aus den einzeln gipfelständigen Blüten, die milchigweiß sind und zur Spitze hin eine bläulich-grünliche Färbung annehmen, entwickeln sich nach der Blüte die mit rauhen Warzen bedeckten, kugelartigen Fruchtkapseln, die von fünf abstehenden, an Schnäbel erinnernde Spitzen gekrönt werden.

Die verschiedenen Schwarzkümmel-Arten


Nigella sativa, der echte Schwarzkümmel


Nigella damascena, der Gartenschwarzkümmel


Nigella arvensis, der Ackerschwarzkümmel

Die schwarzen Samen der Nigella sind dreikantig und querrunzlig, sie sehen Zwiebelsamen zum Verwechseln ähnlich. Die Ähnlichkeit der Fruchtkapsel mit der Mohnpflanze hat wohl zu dem botanischen Namen Papaver nigrum, also „Schwarzmohn“ beigetragen, und die Samen sind früher sogar mit denen des Stechapfels (Datura) vermischt worden, die im Volk „Schwarzkümmel“ hießen.

Nur die Samen und das aus ihnen gepreßte Öl werden als medizinisch wichtige Bestandteile der Pflanze angesehen; diese Einschätzung schlägt sich beispielsweise auch in dem alten Namen „Nardensamen“ nieder. Sie riechen beim Zerreiben sehr aromatisch – allerdings nicht nach Kümmel, sondern eher nach Fenchel oder Anis und erinnern auch an Muskat. Die englischen Namensformen „Fennel Flower“ oder „Nutmeg Flower“ sind davon inspiriert worden. Der Geruch hat auch schon Assoziationen an Kampfer oder sogar Kajeput geweckt. Vom Geschmack her sind die Samen würzig, leicht bitter und von angenehmer Schärfe, so daß sie früher gerne anstelle von gewöhnlichem Kümmel verwendet wurden und auch als Pfefferersatz dienten. Poivrette (etwa mit „kleiner Pfeffer“ zu übersetzen) heißt in Frankreich denn auch das zu Pulver zerstoßene arabische Gewürz Abésodé.

Aus den Samen läßt sich durch Extraktion, aber auch durch Kaltpressung das fette Öl mit seinen wertvollen Inhaltsstoffen gewinnen, aus dem die Samen zu ca. 35–45 % bestehen. Dem Schwarzkümmelöl wird eine konzentriertere Wirkung als dem unverarbeiteten Samen nachgesagt. Mittels Destillation kann aus den Samen auch ätherisches Öl gewonnen werden, von dem in Nigella sativa ca. 0,5–1,5 % enthalten sind. Es ist von gelblicher bis brauner Farbe, hat einen etwas strengen Geruch und ist auch daran zu erkennen, daß es nicht fluoreszierend ist.

Die ihr zugeschriebenen Heilwirkungen verdankt die Nigella sativa wohl der Tatsache, daß ihr ein Inhaltsstoff fehlt – nämlich das Alkaloid Damascenin, das beispielsweise in den beiden nachfolgend beschriebenen Arten Nigella damascena und Nigella arvensis enthalten ist, aber nur in hochkonzentrierter Form genossen schädlich sein soll.

Mindestens 20 verschiedene Varietäten und Kreuzungen des Schwarzkümmels sind in den Küstenländern des Mittelmeers und in den angrenzenden Gebieten sowohl wildwachsend als auch kultiviert verbreitet, darunter Nigella aristata und Nigella orientalis, die sich durch auffallend hellgrüne Blätter und rotgepunktete gelbe Blüten hervortut und auch gelbliche Samen hat. Überhaupt können sich die verschiedenen Nigella-Arten in ihrem Aussehen ziemlich voneinander unterscheiden: So hat der syrische Schwarzkümmel gegenüber dem ägyptischen recht große, hellblaue Blüten und längere, feinere Blätter. Wir wollen damit zur nächsten Verwandten der Nigella sativa übergehen – der Nigella damascena.

Nigella damascena

Der Damaszener oder Türkische Schwarzkümmel (engl. „Damask Fennel“), auch als Gartenschwarzkümmel bekannt, ist ebenfalls in den Mittelmeerländern und im Vorderen Orient heimisch. Die Namensgebung verweist hier besonders auf die Türkei und Syrien mit seiner Hauptstadt Damaskus. Diese Nigella-Art wurde aus ihrer ursprünglichen Heimat verpflanzt, wobei sich verschiedene Schmuckformen entwickelten. Sie ist etwa seit dem 16. Jahrhundert zu einer beliebten mitteleuropäischen Gartenzierpflanze geworden. Auch in den Beschreibungen, die man in den alten Kräuterbüchern findet, genießt sie wegen ihrer Attraktivität größere Beliebtheit als die Nigella sativa: Sie wird nicht nur häufiger abgebildet als diese, sondern durch das Himmelsblau ihrer rosenähnlichen Blüten und die auffallende Fülle ihrer haarfein wirkenden Blättchen als „hübscher und lustiger“ beschrieben. Vor allem aber weckt sie die Assoziation an zarte Mädchen, weshalb sie in der Volksbotanik viele poetische Namen erhalten hat und von Sagen und Legenden umrankt ist. „Lieb Kind hat viele Namen“ lautet eine alte Volksweisheit über die Vorzüge der Pflanzenwelt, und gewiß hat die schöne Damaszenerin entscheidend zu den rund 80 Bezeichnungen beigetragen, die es für die Schwarzkümmelarten gibt.

Der Damaszener Schwarzkümmel wird bis zu 75 cm hoch und hat einen aufrechten Stengel mit dunkelgrünen, sehr fein zerschlitzten Blättern mit langen Zipfeln. Diese erinnern nicht nur an Dillkraut, sondern auch an ein zartes Wurzel- oder Haargeflecht. Außerdem werden die Blüten von einem sogenannten Involukrum, einer Hochblatthülle aus fünf ähnlich zerschlitzten Blättern, umgeben, dessen Ähnlichkeit mit einer Spinne in der Schweiz zu der Bezeichnung „Spinnblume“ oder „Spillmugge“ geführt hat. Die Kelchblätter haben einen milchigweißen Grund, sind aber zur Spitze hin lichtblau gefärbt. Auf den ersten Blick könnte man sie für Blütenblätter halten, doch an ihrer etwas derberen adrigen Beschaffenheit und der ins Grünliche gehenden Farbe sind sie als Kelchblätter zu erkennen.

Vor allem ihrem feinen Blattwerk, das Schlüsse auf ihre empfindsame Natur zuläßt, hat die Nigella damascena viele ihrer sehr weiblichen Namen zu verdanken. So ist sie in Deutschland vor allem als die Gartenpflanze „Jungfer im Grünen“ bekannt. Damit verknüpft ist die Sage um den Tod des deutschen Kaisers Friedrich I. durch Ertrinken während eines Feldzugs in Kleinasien:

Auf einem Heereszug in das Heilige Land hatte Kaiser Friedrich Barbarossa sein Lager am Ufer des Flusses Kalikaduus aufgeschlagen. Dort ging er des Nachts spazieren und erfreute sich am Gesang einer verführerischen Nixe. Als er ihrer ansichtigwurde – grüne Locken umwallten ihr wunderschönes Gesicht, und sie trug ein blaues Gewand – und nach ihr griff, um ihren Schleier zu lüften, wurde er von ihr mit in die Tiefe gerissen. An der Stelle, wo er verschwunden war, fand König Richard Löwenherz eine Blume, lieblich wie eine Undine – mit feinem grünem Haar und blauem Blütenkleid.

Der Ursprung des Namens „Gretel im Busch“ (auch „Gretchen im Grünen“ oder „Gretchen in der Heck“) wird durch eine alte österreichische Sage erhellt:

In einem Dorfe lebte einmal ein reicher, aber sehr geiziger Bauer, der eine schöne Tochter namens Grete hatte. Gegenüber wohnte ein leider sehr armer Bauer, der einen Sohn namens Hans hatte. Die beiden jungen Leute liebten sich, doch Gretes Vater wachte streng darüber, daß sie sich nicht näherkamen. Da blickte Grete so lange aus ihrem Garten nach dem Burschen und Hans vom Weg aus so lange nach dem Mädel, bis beide in Blumen verwandelt wurden: nämlich zu „Gretel im Busch“ und zu „Hansel am Weg“ – dies ist der volkstümliche Name für den Vogelknöterich (Polygonum aviculare).

Vielleicht ist auch das englische „Love in a Mist“ eine Reminiszenz an diese traurig-schöne Geschichte?

Ein weiterer, sehr bildhafter Name, „Braut in Haaren“ (frz. auch cheveux de Vénus = „Venushaar“), zeugt davon, daß früher der Übergang vom ledigen zum ehelichen Stand für die Frau mit einem Wechsel der Haartracht verbunden war, z. B. durch eine andere Art des Einflechtens oder der Kopfbedeckung. Bis ins 18. Jahrhundert hinein galt für vornehme Bräute der Brauch, bei der Hochzeit als Zeichen der Jungfräulichkeit „in Haaren“ zu gehen, d. h. in aufgelöst herabwallendem Haarschmuck, wie es die folgende Gedichtstrophe beschreibt:

Zur Zeit, als es die Sitte war,

Daß Jungfrauen gingen mit losem Haar,

Da nannte man das „in Haaren gehen“;

Daraus der Name ist leicht zu verstehen

Der Blume „Braut in Haaren“ …

Aus den recht großen, einfachen oder gefüllten, manchmal weißen, meistens aber hellblauen Blüten, die von ihrer Gestalt her mit Rosenarten wie der „Persian Rose“, „Miss Jekyll“ oder „Double Blue“ Ähnlichkeit haben, entwickelt sich die stark aufgeblasene, bis taubeneigroß werdende Samenkapsel, die durch die bis zur Spitze verwachsenen Fruchtknoten mit waagrecht abstehenden Griffeln fünf Hörner aufgesetzt bekommt. Von dieser auffallenden kapuzenähnlichen Form leitet sich wahrscheinlich die Bezeichnung „Kapuzinerkraut“ ab, und es ließe sich weiter spekulieren, ob sich der volkstümliche englische Name „Devil in the Bush“ aus Angst vor diesen vielen Hörnern erklären läßt …

Die in der Balgfrucht enthaltenen Samen sind ebenfalls schwarz, dreikantig und querrunzlig, sie könnten daher von ihrem Aussehen her leicht mit den Samen der Nigella sativa verwechselt werden. Beim Zerreiben riechen sie jedoch weniger streng wie bei der Nigella sativa nach Muskat oder Kampfer, sondern angenehm nach Erdbeeren oder Ananas, was der Pflanze auch den Namen Erdbeer- oder Ananaskümmel und den Samen die Verwendung als Gewürz in der Konditorei sowie in der Fruchtäther- und Schnupftabakfabrikation eingebracht hat.

Auch das ätherische Öl, dessen Anteil bei 0,37–0,55 liegt, besitzt einen angenehmen Geruch und Geschmack nach Walderdbeeren und erinnert zudem ein wenig an Moschuskörneröl. Das Öl ist gelb und fluoresziert zu einem prachtvollen Blau. Dieses Kennzeichen kann auch zur Unterscheidung zwischen verschiedenen Schwarzkümmelsamen herangezogen werden, die oft miteinander verwechselt und auch vermischt werden: Bei Untersuchung unter gefiltertem UV-Licht fluoresziert nur das Samenpulver von Nigella damascena stark bläulich.

In späteren Kapiteln, die sich mit den Anbaugebieten sowie den Qualitätsmerkmalen beschäftigen, wird auf die Unterschiede bei den Schwarzkümmelsamen noch näher eingegangen.

Nigella arvensis

Der Acker- oder Feldschwarzkümmel, auch Wilder Schwarzkümmel, Haber- oder Roßkümmel genannt, soll hier als eine dritte botanische Sorte etwas ausführlicher erwähnt werden. Diese Varietät erreicht nur eine Größe bis zu 20 cm. Der aufrechte, haarlose Stengel ist von unten an verästelt, so daß sich ein kleiner Busch bildet. Er hat wechselständige gezipfelte Blätter und endständige Blüten mit einem fünfblättrigen Kelch, die hellblau und auf der Außenseite grünlich gestreift sind. Die Verwachsung der 3–5 Fruchtblätter bei der Samenkapsel reicht nur bis zur halben Höhe. Diese ist – im Unterschied zu den beiden anderen Arten – weder rauh noch kugelig aufgebläht, sondern eher länglich mit den schon bekannten Hörnchen, die ihr auch den wissenschaftlichen Namen „Nigella arvensis cornuta“ eingebracht haben.

Die Samen des Ackerschwarzkümmels sind ebenfalls schwarz, etwas rauh und dreikantig. Sie haben beim Zerreiben nicht den lieblichen Geruch der reizvolleren „Jungfer im Grünen“, sondern erinnern mehr an den würzig herben Charakter der Nigella-sativa-Samen. Vermutlich handelt es sich hierbei auch am ehesten um diejenigen Schwarzkümmelsamen, die von den Landleuten zum Räuchern gegen kriechendes Ungeziefer und giftige Tiere eingesetzt wurden – vorzugsweise gegen Spinnen, Skorpione und Schlangen, doch in diesem Zusammenhang werden sogar Hexen erwähnt. Die Blüten überreichten die jungen Mädchen einem ungeliebten Freier, um ihm „durch die Blume“ verstehen zu geben, er könne „abschieben“ – daher der drastische Volksname „Schabab“!

Wir kommen hiermit auch in den Grenzbereich, wo der Ackerschwarzkümmel als „Unkraut“ in den Getreidefeldern wuchert und entsprechend bekämpft wird. Seine Samen galten als bitter- und seifenstoff- sowie alkaloidhaltig und wurden aus dem Getreide ausgesiebt, damit sie nicht ins Mehl gelangten. Der volkstümliche deutsche Name „Radel“, in Zedlers Universallexikon mit dem lateinischen Namen Nigella arvensis gleichgesetzt, führt jedoch auf eine andere Spur: Als Kornnäglein, Nägleinrose oder Marienrose noch anmutig umschrieben, ist die Kornrade ein echtes Ackerunkraut auf Roggen- und Weizenfeldern, das durch die darin enthaltenen Saponine tatsächlich giftig ist und das Mehl bitter macht. Der schon bei Hildegard von Bingen erwähnte Namen Githerum ratde für den Ackerschwarzkümmel ist ein Hinweis auf eine solche Verwechslung mit der Kornrade, deren botanischer Name in tückischer Verwirrung Agrostémma githago lautet. Dieser Name setzt sich aus agros, „Acker“ für den Standort, stemma, „Kranz“ wegen der runden Blütenform, und gith, also dem alten arabischen und antiken Namen für „Nigella“ zusammen. Auch in anderen Sprachen zeigt sich diese Namensverschiebung vom Schwarzen Ackerkümmel zur Kornrade: Der italienische Name für die Kornrade lautet gitto, und im Französischen wird nigelle zu nielle – ein echtes Getreideunkraut, das nielle du blé, die „Gicht des Weizens“, verursacht.

Durch flächendeckende Bekämpfung ist der Ackerschwarzkümmel heutzutage, jedenfalls bei uns, inzwischen fast völlig verschwunden.

Die europäische Überlieferung (2. Teil)

Mit diesem botanischen Rüstzeug versehen, können wir die Spurensuche des Schwarzkümmels seit der Neuzeit und bis in die Gegenwart hinein wieder aufnehmen. Dabei soll an dieser Stelle nur ein allgemeiner Überblick über die Geschichte und Verbreitung dieser Pflanze gegeben werden. Einzelne Rezepturen aus der deutschen Volksmedizin werden später mit den Erfahrungen aus der arabischen und indischen Tradition sowie neueren Einnahmeempfehlungen in das Kapitel über spezielle Heilanwendungen aufgenommen.

Das „New Kreutterbuch“ des Hieronymus Bock aus dem Jahre 1539 und auch die sich rasch anschließenden Kompendien seiner Nachfolger und Epigonen können sich sowohl auf die antiken Quellen, denen wir bereits begegnet sind, als auch auf die inzwischen schon recht verzweigte mündliche Volksüberlieferung stützen.

Nigella sativa, die sich nach und nach zu immer mehr verschiedenen Arten ausmultipliziert, findet sich nun auch als „schwartzer zahmer Coriander“ wieder, so daß wir konstatieren können: Bei den Nigella-Arten wird nun botanisch zwischen „zahmen“ (d. h. kultivierten) und „wilden“ Sorten unterschieden; außerdem hat eine dieser zahmen Sorten aufgrund ihrer offenkundigen Ähnlichkeit mit den schmalen oberen Blättern des Korianders bei dieser Gewürzpflanze eine Anleihe gemacht, und womöglich hat auch der Volksmund berechtigten Einfluß auf die geschmackliche Zuordnung genommen.

Erstmals wird bei Hieronymus Bock erwähnt, daß die „schönst Nigella“, als die wir unschwer die Nigella damascena erkennen, „in die Lustgärten gepflanzet“ wird, wo sich der Geruch und Geschmack der Samen abzuschwächen beginnt, da sie auch zunehmend verwildert. Nigella arvensis dagegen, der eigentlich wilde schwarze Kümmel bzw. Koriander, wird botanisch zwar als „Pseudomelanthium“ entlarvt, in seiner Heilwirkung dem „Melanthium sativum“ jedoch an die Seite gestellt – bis die bereits erwähnte Verwechslung mit der Kornrade ihm zum Verhängnis werden sollte …

Etwa 200 Jahre nach Hieronymus Bock erscheint 1731 mit dem „Neu vollkommen Kräuter-Buch“ von Jacobus Theodorus Tabernaemontanus die letzte große Heilpflanzen-Enzyklopädie. Sie bietet den umfassendsten Wissensstand dieser Zeit auch über das Heil- und Unkraut Nigella, das hier zwar noch Namen mit den Zusätzen „Koriander“ oder „Melanthium“ trägt, vor allem aber „Nardenkraut“ oder „Nardensamen“ genannt wird – als „Narden“ werden von altersher besonders wohlriechende Pflanzen bezeichnet. Auch von einer Nigella hispanica oder Nigella cretica als lokalen Pflanzen ist nun nicht mehr die Rede, sondern man hat die Vorzüge des böhmischen Nardus bohemica erkannt.

Die verschiedenen Varietäten werden nur unter botanischen Gesichtspunkten, nicht aber nach ihrer offizinellen Wirksamkeit unterschieden. Alle kräuterkundigen Autoren erkennen diese Heilkraft an und stimmen auch darin überein, daß die Samen weder grün noch zu viel oder unnötig eingenommen werden sollen, da sie sich sonst sogar schädlich auswirken können. Bisweilen findet sich sogar die Empfehlung, die „hitzigen und trockenen“ Samen nicht trocken einzunehmen, sondern nur in Brot zu backen, wodurch sie eine Wirkung wie Koriander entfalten.

Etwas seltener wird auch Melanthium Oleum erwähnt, also das aus den Schwarzkümmelsamen gepreßte Öl, sowie Oleum Nigellae, das durch die klassische Wasserdampfdestillation gewonnene ätherische Öl; beide sind allerdings noch um einiges vorsichtiger als der Samen zu dosieren. Die Fülle der beschriebenen Anwendungen und Rezepturen entspricht im wesentlichen dem traditionell überlieferten Wissen von der „echten Nigella der Alten“. Zu Beginn seines Kapitels über die „Nardensamen“ schreibt Tabernaemontanus:

Die Alten haben davon nur ein Geschlecht beschrieben; wir kennen sechs unterschiedliche. Sie haben jedoch fast einerlei Kraft und Wirkung, das eine übertrifft das andere höchstens in der Stärke und Güte …

Allerdings ist ihm die Verwechslung zwischen dem wilden Schwarzkümmel und der Kornrade durchaus bekannt, denn er schreibt sogar über die Samen der Nigella sativa:

Anstelle dieses Nardensamens ist von vielen Medicis und Apothekern der Samen der Kornrade gebraucht worden, und obwohl dieser Irrtum durch gelehrte Männer offenbar wurde und nunmehr „so klar wie die helle Sonne um den Mittag“, so sind doch noch viel Unerfahrene in der Erkenntnis der Kräuter so in diesem Irrtum verstockt, daß man sie nicht davon abbringen kann.

Ob dieser verhängnisvolle Irrtum mit dazu beigetragen hat, daß eine derart populäre Heil- und Gewürzpflanze wie der Schwarzkümmel etwa ab dem 18. Jahrhundert bis vor kurzem bei uns fast völlig in Vergessenheit geraten konnte? Diese Entwicklung wird interessanterweise auch mit dem sogenannten „Schabab-Brauch“ in Verbindung gebracht, der ein Sinnbild für verschmähte Liebe ist. Dieser alte Brauch, bei dem der ungeliebte oder verschmähte Verehrer in aller Öffentlichkeit einen Korb mit Schabab-Blumen überreicht bekommt, ist bis heute in den bekannten Redewendungen „etwas durch die Blume sagen“ und „jemandem einen Korb geben“ überliefert. Bei den Schabab-Kräutern spielen die Ranunkeln eine wesentliche Rolle, die Schabab-Blume schlechthin ist die Jungfer im Grünen; andere Pflanzen, die ebenfalls dazugezählt werden, sind beispielsweise Schafgarbe, Kornblume, Augentrost sowie auch die Kornrade, also der Ackerschwarzkümmel. Wie wir schon erfahren haben, wird die dekorativ blau blühende Garten-Nigella nur allzugern mit der optisch weniger spektakulären, dafür aber heilkräftigen Echten Nigella verwechselt.

Es ist auch noch eine weitere interessante Erklärung für die einstmals geringere Popularität des Schwarzkümmels im christlichen Abendland geliefert worden: In der Pflanzensignatur ist eine gewisse Ähnlichkeit zwischen Nigella- und Mohngewächsen festzustellen. Von daher wird ihnen unterschiedslos eine leicht narkotisierende Wirkung angehängt, weshalb die Samen in unserem Kulturkreis nicht ins Brot gelangen sollten und vielleicht sogar ein wenig als giftig „verteufelt“ wurden. Übrigens hat selbst das ausgesprochen populäre Bier zumindest zeitweise ein ähnliches Schicksal gehabt: Die Bezeichnung Pils leitet sich offiziell zwar von der Stadt Pilsen ab, wurde aber auch mit dem „Bilsenkraut“ assoziiert.

Wie dem auch sei – im Osten, von Ägypten über Syrien und die Türkei bis nach Indien und China, hat der Schwarzkümmel dagegen nichts von seinem sagenhaften Ruhm eingebüßt. Für diese offensichtlichen Unterschiede gibt es vielleicht aber auch noch eine weitere Erklärung, der wir im folgenden Kapitel nachgehen wollen.

Was passiert, wenn Samen auf die Reise gehen?
Die mutmaßlichen Folgen einer Verpflanzung

Bei dem Bekanntheitsgrad, den Schwarzkümmel in früheren Zeiten auch in unseren Breitengraden als würzige und heilkräftige Pflanze genoß, stellt sich natürlich die Frage, ob die geheimnisvollen Samen denn aus dem Morgenland importiert wurden. Dagegen spricht vieles: der Gebrauch beim einfachen Volk als Brotgewürz und als offenbar stets verfügbares Hausmittel; die Selbstaussaat der Pflanzensamen, die zu immer größerer Vermehrung, aber auch Verwilderung führte; und schließlich auch die notorische Verwechslung der Varietäten miteinander. Wenn man genauer nachforscht, stößt man in mehreren wissenschaftlichen Untersuchungen darauf, daß Nigella damascena nicht nur eine Gartenzierpflanze war und verwildert auf Komposthaufen oder Schutthalden vorkam, sondern ebenso wie Nigella sativa bereits zu Anfang des 16. Jahrhunderts auch in Mitteleuropa kultiviert und auf Feldern angebaut wurde. Die Verwendung des Schwarzkümmels als Gewürz mag hierfür vorrangig gewesen sein, doch die frühere offizinelle Nutzung als Heilmittel aufgrund von Wirkstoffen des ätherischen Öls ist ebenfalls in Studien über Arzneipflanzenkultur und Kräuterhandel belegt. Hinzu kommt die bereits erwähnte Verwendung von deutsch-damaszenischem Erdbeer-Schwarzkümmel zur Aromatisierung von Süßspeisen, leckeren Obsttörtchen, Likören und sogar Schnupftabak.

In Deutschland ist der feldmäßige Anbau beider Sorten vor allem in der Gegend um Erfurt belegt. In einem Fachbuch aus der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts werden die Anbaumethoden näher beschrieben. Wie es heißt, bevorzugt die Pflanze leichte lehmige Böden ohne frische Düngung. Sie wurde im Frühjahr ab März oder als Nachfrucht im Herbst eingesät. Etwa Ende August waren die Samen reif, was an einer dunklen Färbung der Samenkapseln erkennbar war. Nach der Ernte wurden die Pflanzen noch einige Tage gebündelt liegen gelassen, damit die Samen nachreifen und trocknen konnten. Wenn das Kraut dürr war, wurden sie wie Getreide ausgedroschen und kühl und trocken gelagert.

Im wesentlichen entspricht dies auch den heutigen Anbau- und Verarbeitungsmethoden des Schwarzkümmels in Nordafrika, Westasien und Indien. Wenn man allerdings bedenkt, daß dieses sonnenverwöhnte Gewächs am besten in sehr warmen und niederschlagsarmen Gegenden gedeiht und lockere Sandböden bevorzugt, stellt sich doch die Frage, ob die klimatischen Bedingungen und die Bodenverhältnisse in Mitteldeutschland für eine optimale Entwicklung der kraftvollen Inhaltsstoffe auf Dauer überhaupt geeignet sind bzw. waren. Eigentlich können nur trockene, luftige Umweltwirkungen solche fiederigen, „zerlufteten“ Blätter hervorbringen, wie der Kräuterpfarrer Weidinger es so treffend ausdrückt. Noch mehr von den äußeren Bedingungen betroffen sind allerdings die Samen. Schon in den alten Quellen reicht die Charakterisierung der Pflanze von „warm und trocken im zweiten Grad“ bis zu „hitzig und trocken im dritten Grad“. Wenn in Zedlers Universallexikon (18. Jh.) mehr als ein halbes Dutzend derjenigen Schwarzkümmelarten aufgezählt wird, die medizinisch am meisten verwendet werden, fehlt auch nicht der aufschlußreiche Hinweis:

Den Samen braucht man zur Artzney, und wird selbiger aus Italien verschrieben, weil er viel besser ist als der, so in Deutschland zu wachsen pfleget.

In nördlichen Ländern ist der Samenertrag deutlich geringer, und auch auf salzigen oder sauren Böden gedeiht die Pflanze wesentlich schlechter. Daher ist es nicht verwunderlich, daß sich aus syrischen Schwarzkümmelsamen, die vor einigen Jahren zur Probe in Deutschland ausgesät wurden, weniger kräftige Pflanzen entwickelten; die Samen waren kleiner und runzliger. Bei entsprechenden Versuchen mit ägyptischem Saatgut wurde eine ganz besonders schlechte Keimfähigkeit festgestellt. Damit könnten wir gleichzeitig auch den Schluß ziehen, daß eine deutsche Nigella damascena, die vom Mittelmeer oder aus dem Zweistromland an die Flußauen von Unstrut und Saale oder in rheinische Bauerngärten verpflanzt worden ist, sich von der „echten“ syrischen Urpflanze auch in ihrer Wirksamkeit erheblich unterscheiden muß. Zusammengefaßt läßt sich sagen, daß sich durch andere Böden, klimatische Verhältnisse und möglicherweise weitere Ursachen insbesondere die Ölqualität erheblich verändern kann. So konnte beispielsweise nachgewiesen werden, daß sich durch eine Kultivierung von Schwarzkümmel unter kühleren Bedingungen das Fettsäurespektrum zugunsten der gesättigten Fettsäuren verschiebt.

Schwarzkümmel blüht und gedeiht nicht nur in Ägypten

An dieser Stelle scheint es angebracht, ein paar Anmerkungen zum Thema „ägyptischer Schwarzkümmel“ einzufügen. Wie aus den bisherigen Darstellungen bereits ersichtlich sein dürfte, hat der Schwarzkümmel nicht nur ein einziges arabisches Ursprungsland, sondern stammt aus einer zwar überschaubaren, aber dennoch ausgedehnten Herkunftsregion. Ebensowenig haltbar scheint die häufig propagierte These, daß ägyptischer Schwarzkümmel die beste Qualität und demnach auch die besten Heilwirkungen habe. In einer Broschüre der Firma Melasan, die sogar selbst ägyptischen Schwarzkümmel anbietet, findet sich ein sehr treffender Kommentar dazu:

„Die Heimat des Schwarzkümmels sind die sonnenreichen warmen Länder rund um das Mittelmeer. Die so oft strapazierte Werbeaussage, daß nur der ägyptische Schwarzkümmel bester Qualität entspricht, ist eine jener Geschichten aus 1001 Nacht!“

In der Tat fällt es auch schwer, die ebenfalls propagierten unterschiedlichen „landesspezifischen Wirkungsschwerpunkte“ festzustellen. Sollte demnach etwa ägyptischer Schwarzkümmel vorzugsweise krampflindernd auf die Bronchien wirken, syrischer Schwarzkümmel die Milchsekretion fördern und türkischer Schwarzkümmel „nur“ gegen Magendrücken helfen? Natürlich spielen unterschiedliche klimatische Bedingungen und die Bodenverhältnisse beim Anbau eine wichtige Rolle. Fast noch wichtiger ist jedoch die sorgfältige Selektion des Saatgutes, das aber nicht länderabhängig ist. Abweichungen bei den Analyse-Ergebnissen, zum Beispiel im Hinblick auf das Fettsäurespektrum oder den Anteil an Vitaminen und Mineralstoffen, lassen sich zum einen durch unterschiedliche Samenarten und möglicherweise sogar durch eine Fehlbestimmung von Varietäten als vermeintlich echtem Schwarzkümmel erklären; zum anderen sind sie aber auch auf die unterschiedliche Sorgfalt bei den Produktionsmethoden zurückzuführen, wie im folgenden Kapitel noch näher ausgeführt werden wird.

Auch das vom Berliner Arbeitskreis Immunologie (AI) vertretene Argument, wonach nur für den ägyptischen Schwarzkümmel bestätigte Heilwirkungen bekannt seien, kann leicht widerlegt werden. Abgesehen davon, daß solche Wirkungen schon lange aus der Erfahrungsheilkunde bekannt sind, wurde bereits in den Jahren 1991–1995 von den beiden syrischen Ärzten Dr. Refai und Dr. Yahia eine überwachte Studie mit Schwarzkümmel aus syrischem Anbau veranlaßt. Die dafür notwendigen klinischen Studien wurden sowohl in Deutschland als auch parallel dazu in Syrien, die Laboruntersuchungen nur in Deutschland durchgeführt. Hierfür wurde ein besonders schonend hergestelltes und auch entsprechend mildes, fast angenehm schmeckendes Schwarzkümmelöl verwendet. Darin fehlten weder besonders gehalt- oder wertvolle Inhaltsstoffe noch konnten bei den Wirkschwerpunkten irgendwelche gravierenden Abweichungen gegenüber ägyptischem Schwarzkümmelöl festgestellt werden.

Auch in der Türkei sind zahlreiche moderne wissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt worden, worüber das Literaturverzeichnis im Anhang des Buches Aufschluß gibt.

Im Vorderen Orient gibt es die Gleichsetzung von Nigella sativa mit ägyptischem Schwarzkümmel nachweislich nicht. Dagegen ist bekannt, daß von Ägypten bei Lieferengpässen Schwarzkümmel aus Syrien und der Türkei bezogen wird. Ebenso wird beispielsweise syrischer Schwarzkümmel in dem fruchtbaren Schwemmland am oberen Nil kultiviert. Nach Ägypten gibt es inzwischen auch in Syrien und Pakistan Schwarzkümmel (Öl) aus kontrolliert biologischem Anbau. Bei der großen Akzeptanz, die dieser wertvolle Helfer aus der Natur inzwischen auch im Westen genießt, wäre es wünschenswert, das Augenmerk zum Wohl der Allgemeinheit mehr auf höhere Qualitätsanforderungen als auf fragwürdige Werbestrategien gegen mißliebige Konkurrenten zu richten.

Tradition und Moderne wirken zusammen
Wissenswertes über Anbau, Samengewinnung und Ölpressung

Schwarzkümmel wird heute vor allem in Ägypten, im Sudan und in Äthiopien, in einigen Mittelmeerländern, in Syrien und der Türkei, im Irak, in Iran, Pakistan und Indien angebaut. Aufgrund der großen Nachfrage im Westen sind neuerdings auch die USA zu einem Anbauland avanciert. In den meisten dieser Länder herrschen ideale Wachstumsbedingungen, nämlich ein warmes, sehr sonniges und trockenes Klima sowie die geeigneten Bodenverhältnisse, damit die Pflanze die kraftvollen Inhaltsstoffe in ihren Samenkapseln optimal entwickeln kann. Schwere, fette Böden oder eine kalte Witterung bekommen der Pflanze nicht, durch zu große Luftfeuchtigkeit erhöht sich die Gefahr von Pilzbefall und anderen Pflanzenschädlingen. Der Anbau erfolgt häufig noch nach traditionellen Bedingungen, was bei den Produktangaben als „konventioneller Anbau“ bezeichnet wird. Nach anfänglichen Schwierigkeiten und Umstellungsproblemen, als der hiesige „Schwarzkümmel-Boom“ noch in den Kinderschuhen steckte, haben sich inzwischen jedoch auch biologische Methoden etablieren können. Zumindest in Ägypten, Syrien und Pakistan gibt es bereits Schwarzkümmel aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA), zum Teil in Demeter- und Naturland-Qualität und von Ecovert zertifiziert.

Mit zunehmender moderner Erforschung und wissenschaftlicher Untersuchung des Schwarzkümmels, seiner Anwendungsmöglichkeiten und Wirkungen sind auch die Erkenntnisse über geeignete Methoden beim Anbau und in der Ölgewinnung vielfältiger geworden. Schwarzkümmel kann von der Aussaat bis zur Endverarbeitung ohne Chemie auskommen, wenn bestimmte Regeln berücksichtigt werden, und bei der Ölgewinnung ist insbesondere auf Kaltpressung und Schutz vor Oxidation zu achten.

Schwarzkümmel ist eine einjährige Pflanze. Der Zeitpunkt für die Aussaat ist länder- und wärmeabhängig. Meistens erfolgt sie zwischen September und November, kann aber auch in den Winter hineinreichen und z. B. in Syrien bis in den Februar gehen. Regional bedingt, gibt es außerdem Länder mit zwei Ernten, im Frühjahr und im Herbst. Bis zur Blütezeit werden die Pflanzen bewässert, aber nicht mehr von dem Zeitpunkt an, wenn sich die Fruchtkapsel zu bilden beginnt, damit der Samen trocken bleibt. Im Sommer, meistens im Juli, kann nach der Blüte geerntet werden, sobald sich die Kapseln dunkel färben und die Pflanzen zwar noch grün sind, die Blätter aber bereits von unten her abzusterben beginnen – ein sicheres Zeichen dafür, daß die Kraft der Pflanze nun in die Samenkapsel übergeht.

Die Pflanzen werden 5 cm über dem Boden abgesichelt. Wichtig ist, daß sie abends oder vor Sonnenaufgang, wenn die Samenkapseln noch keinen Tau aufgenommen haben, geschnitten werden. Eher selten sind auch Hinweise auf den Zeitpunkt der Ernte zu bestimmten Mondständen zu finden. Die Pflanzen werden dann gebündelt und im Schatten auf großen Tüchern zum Trocknen ausgebreitet. In dieser Zeit sollen die Pflanzenbündel oft hin- und hergewendet werden. Nach etwa einer Woche springen die Samenkapseln von selbst auf, und die Samen können, wie Getreide, ausgedroschen werden. Das weitere Vorgehen hängt davon ab, ob sie als ganze Samen verkauft werden oder entweder direkt vor Ort oder im Verbraucherland zu Öl gepreßt werden.

Samenkapsel (vergr.) der Nigella sativa


Querschnitt der Samenkapsel (Sammelbalgfrucht)


Längsschnitt der Samenkapsel


Schwarzkümmelsamen (dreikantig und querrunzlig)

In Ägypten wird Schwarzkümmel auf großen Ackerflächen im Süden am oberen Nil sowie in ausgesuchten Oasen inmitten der arabischen Wüste angebaut. Das Interesse des gesundheitsbewußten Westens, wo vor allem Schwarzkümmelöl als Nahrungsergänzung Verwendung findet und durch entsprechende Analysen überprüft wird, dürfte eine gute Motivation für den Anbau und die Verarbeitung „nach biologischen Grundsätzen“ bieten. Die uralten Ölmühlen mit Quetschsteinen aus Rosengranit und hölzernen Handpressen (und die damit verbundenen Vorstellungen vom archaisch einfachen, aber dafür ganzheitlichen Leben) dürften mittlerweile – zumindest teilweise – der Vergangenheit angehören, denn zumal die westlichen Handelspartner haben ein Auge auf die hygienischen Verhältnisse, unter denen die hochempfindlichen Schwarzkümmelsamen zu dem für Oxidation sehr anfälligen Öl gepreßt werden. Das gleiche gilt für die Bedingungen beim Filtrieren und Abfüllen, bei der Lagerung und beim Transport.

Tatsächlich sind aus den traditionellen Erfahrungen mit Anbau und Weiterverarbeitung wertvolle Impulse zu übernehmen. Dazu gehört beispielsweise der natürliche chemiefreie Anbau von Schwarzkümmel im Fruchtwechsel mit Leguminosen, das heißt nicht als Monokultur, sowie die Verwendung von eigenem, sehr keimfähigem und ungebeiztem Saatgut. Erstrebenswert wäre hier die Verbindung von traditionell orientalischer Kultur mit dem westlichen Standard bestimmter Qualitätsanforderungen, die durch Laboruntersuchungen gestützt werden.

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