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Svea Dunnabey

Sea of Flames

Wendepunkt

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Kapitel I

Kapitel II

Kapitel III

Kapitel IV

Kapitel V

Kapitel VI

Kapitel VII

Kapitel VIII

Kapitel IX

Kapitel X

Kapitel XI

Kapitel XII

Kapitel XIII

Kapitel XIV

Kapitel XV

Kapitel XVI

Kapitel XVII

Kapitel XVIII

Kapitel XIX

Kapitel XX

Kapitel XXI

Kapitel XXII

Kapitel XXIII

Kapitel XXIV

Kapitel XXV

Kapitel XXVI

Kapitel XXVII

Kapitel XXVIII

Kapitel XXIX

Kapitel XXX

Kapitel XXXI

Kapitel XXXII

Kapitel XXXIII

Kapitel XXXIV

Kapitel XXXV

Kapitel XXXVI

Kapitel XXXVII

Kapitel XXXVIII

Kapitel XXXIX

Impressum neobooks

Kapitel I

Evelyn

>> Guten Morgen Schneeflocke.<< begrüßte mich Dr. Lawrence und sah bei mir erneut nach dem Rechten, da er anscheinend wieder einmal Dienst hatte.

>> Morgen Dr. Lawrence.<<

>> Wie geht es Ihnen?<<

>> Genau so wie gestern, also darf ich endlich gehen und wieder arbeiten?<< fragte ich direkt, da ich bereits seit fünf Tagen hier festgehalten wurde und nun endlich hier raus wollte.

>> Darüber könnten wir reden, wenn Sie ihren Ton ändern würden!<< ermahnte er mich streng und setzte sich auf die Seite des Betts. Während ich mich versuchte zusammenzureißen, untersuchte er meine Blessuren im Gesicht, bevor er auch die Würgemale noch einmal näher betrachtete.

>> Die Wunden heilen gut, da wird man später nichts mehr von sehen. Wie sieht es mit ihrer Psyche aus? Haben Sie Alpträume, Panikattacken oder sonst irgendetwas in dieser Richtung?<<

>> Nein, weil ich den Mist schon einmal durchgemacht habe und ich seit gestern weiß, dass der miese Wichser gestorben ist.<< sagte ich mit starker Stimme und fühlte immer noch eine enorme Erleichterung, da Adam es nicht überlebt hatte. Anders als beim letzten Mal lief er nicht mehr da draußen herum, konnte mich nicht wieder finden und erneut angreifen. Somit konnte er mir nie wieder so etwas antun und ich konnte mit der ganzen Sache endlich endgültig abschließen.

>> Sollten Sie doch irgendwas merken, dann wenden Sie sich bitte an einen Psychologen Dr. Chamberlain, in Ordnung?<< fragte er noch einmal nach und sah mich dabei durchdringend an, da er mir anscheinend nicht glaubte.

>> Werde ich machen.<< versicherte ich ihm, woraufhin er aufstand und einige Dinge in meiner Akte notierte. Währenddessen schweifte mein Blick zu den vielen Blumen, die auf meiner linken Seite standen und den kompletten Tisch füllten.

Blake schickte mir jeden Tag welche und schrieb mir dazu Karten, dass er den Abend bereue, an dem er sich von mir getrennt hatte und dass er überreagiert hätte, dass ich ihm vergeben solle und wir noch einmal von vorne anfangen sollten. Doch wozu?

Es war kein Fehler gewesen, weil wir gemerkt hatten, dass wir beide verschiedene Dinge vom jeweils anderen erwarteten. Es wäre nur eine Frage der Zeit, bis es wieder zu einer Trennung käme, weil ich für meinen Beruf lebte und er sich nicht hinten anstellen konnte, wollte und sollte.

Auch Dan, Lewis und Jen hatten mir Blumen geschickt und mir eine nette Karte mit Genesungswünschen geschrieben, während Dan persönlich vorbeigekommen war und sich nach mir erkundigt hatte. Es tat ihm Leid, dass Blake und ich uns getrennt hatten, mischte sich da jedoch nicht ein und hatte mich auch kein einziges Mal versucht umzustimmen, was ich ihm hoch anrechnete.

Laura ließ sich nicht mehr blicken, da es mehrere Male zwischen uns gekracht hatte. Sie wollte einfach nicht verstehen, weshalb die Trennung zu Blake für mich endgültig gewesen war. Stattdessen schrieb sie die ganze Zeit mit ihm und klärte ihn über alle möglichen Einzelheiten meines Zustandes auf, bis ich es ihr verboten und damit gedroht hatte, sie anzuzeigen, da sie ihre Schweigepflicht verletzte. Es hatte deswegen einen riesigen Streit gegeben, der sicherlich über den ganzen Flur zu hören gewesen war. Seitdem war sie eingeschnappt und hatte mich in Ruhe gelassen, was hoffentlich auch noch anhalten würde, da ich sie im Moment nicht ertrug.

>> Kann Sie denn heute jemand abholen?<< fragte mich plötzlich Dr. Lawrence und blickte mich fragend an, während ich nachdachte. Meine Geschwister hatten sich verabschiedet und waren zu ihrem Vater gezogen, Blake und ich hatten uns getrennt, Laura sprach nicht mehr mit mir und Charly musste arbeiten, also blieb niemand übrig.

>> Nein, aber ich kann mir ein Taxi nehmen.<< schlug ich direkt vor und hoffte, dass er es akzeptieren würde.

>> Wohnen Sie denn allein?<<

>> Ja.<<

Er seufzte, was nichts Gutes hieß, da es ihm anscheinend nicht passte, dass ich allein war und niemand ein Auge auf mich werfen konnte. Somit wäre keiner zur Stelle, wenn doch noch einmal etwas mit mir passierte, doch was sollte schon passieren? Meine Verletzungen waren gut verheilt und meine Psyche war auch in Ordnung, jedenfalls wesentlich mehr als beim letzten Mal. Doch das sah Dr. Lawrence anscheinend nicht so, weswegen ich schon damit rechnete, dass ich hier bleiben müsste.

>> Gut, ich werde Sie heute Nachmittag entlassen, falls es Ihnen den Tag über heute gut geht. Bitte bewegen Sie sich und seien Sie ehrlich zu sich selbst. Wenn irgendetwas ist, bringt es nichts, wenn ich Sie nachher entlasse.<< redete er mir ins Gewissen, weswegen ich ihm zustimmte und nickte. Hauptsache ich durfte hier endlich raus.

>> In Ordnung. Ich werde jetzt noch eine Kieferrekonstruktion durchführen und anschließend komme ich wieder zu Ihnen.<<

Ich verabschiedete mich noch von ihm, wobei ich zu gerne mit ihm gekommen wäre, da ich endlich wieder in einem Operationssaal stehen und operieren wollte. Ich beneidete ihn für diese Operation, auch wenn es keine Herzoperation war, fand mich jedoch schnell damit ab, dass ich mich ausruhen musste und ging eine Runde im Krankenhaus spazieren.

Den ganzen Tag über bewegte ich mich, ging die Flure auf und ab, redete mit den Schwestern und Helfern, damit die Zeit schneller verging, bis ich schließlich wieder in meinem Zimmer saß und die neuen Blumen entdeckte. Seufzend ging ich zu dem Strauß und nahm die Karte heraus.

„ Wieder eine Nacht und einen Tag ohne dich... Du fehlst mir unheimlich, vor allem nachts, wo ich immer deine Nähe, deine Wärme und deinen Duft genossen habe. Bitte Evelyn, spring über deinen Schatten und gib mir noch eine Chance... Du bist mein Leben!“

Ich schluckte meine Tränen herunter, die aufkamen, da es mir nicht anders ging und dennoch war ein Neuanfang sinnlos. Für ihn bedeutete ich das Leben, alles drehte sich bei ihm um mich, während dies für mich meine Arbeit war, was er nicht hinnehmen konnte und weshalb es zwischen uns nicht funktionierte. Dennoch steckte ich die Karte zu den anderen in meine Tasche und betrachtete die schönen roten Rosen.

>> Wieder neue Blumen?<< fragte mich eine Schwester und sah ebenfalls auf den Strauß, der noch wesentlich größer war, als die anderen.

>> Mhm.<<

>> Sie müssen echt einen tollen Verehrer haben Dr. Chamberlain.<<

>> Mag sein. Verteilen Sie die Sträuße ruhig nachher, wenn ich entlasse werde.<<

>> Sie wollen die nicht mitnehmen?<< fragte sie mich ungläubig und sah mich mit großen Augen an. Zum einen wusste ich nicht, wie ich die mitnehmen sollte und zum anderen würden sie mich nur an Blake erinnern, weswegen mein Entschluss fest stand.

>> Nein, ich lasse sie hier. Blumen soll man doch nicht mitnehmen.<<

Sie nickte nur, bevor sie meinen Blutdruck und meinen Puls überprüfte und schließlich wieder den Raum verließ. Ungeduldig sah ich auf die Uhr, die erst drei Uhr nachmittags anzeigte, weswegen ich schon mal anfing meine Tasche zu packen. Anschließend sah ich noch ein wenig fern, bevor um halb sechs endlich Dr. Lawrence zu mir kam und mich sofort anlächelte.

>> Wie ich sehe, sind Sie schon bereit?<<

>> Ich hatte nichts zu tun.<< verteidigte ich mich und blickte zusammen mit ihm auf die Tasche auf meinem Bett.

>> War denn heute alles in Ordnung?<<

>> Alles perfekt. Keine Schmerzen, keine Schwindelanfälle, keine Panikattacken, nichts.<< versicherte ich ihm, woraufhin er nickte und wieder etwas in die Akte schrieb.

>> Also gut. Ich mache noch den Brief fertig und dann können Sie gehen. Warten Sie noch kurz hier.<< sagte er, bevor er den Raum verließ und ich in der Zwischenzeit meine Schuhe anzog. Zum Glück hatte Charly mir vor ein paar Tagen einige Sachen gebracht, da sonst niemand Zugang zu meiner Wohnung hatte, weswegen ich nicht in den kaputten Kleidern vom Überfall nach Hause gehen musste.

Als ich mir grade meinen Mantel überzog, kam Dr. Lawrence zurück, wobei er nun keine Arztkleidung mehr trug, sondern ebenfalls Alltagskleidung und einen Mantel. Nachdenklich sah ich ihn an, als er auch schon meine Tasche vom Bett nahm und damit zur Tür ging.

>> Dann wollen wir mal Dr. Chamberlain. Kommen Sie?<<

>> Wie...?<< fragte ich ihn irritiert, während er zu schmunzeln anfing und weiterhin auf mich wartete.

>> Ich bringe Sie nach Hause.<<

>> Das brauchen Sie nicht. Ich kann mir ein Taxi nehmen.<<

>> Entweder Sie kommen mit mir, oder Sie bleiben im Krankenhaus. Ihre Entscheidung.<<

Ich rollte genervt mit den Augen, da er mich selbstgefällig angrinste und wusste, dass ich keine Chance hatte, weswegen ich mich in Bewegung setzte und nachgab. Er saß nun mal am längeren Hebel und hatte die Macht darüber mich zu entlassen.

>> Geht doch.<<

>> Erpresser.<< grummelte ich, als ich an ihm vorbeiging und wir zusammen zu den Aufzügen gingen. Immerhin durfte ich selbst gehen, da ich es nicht akzeptiert hätte, wenn er mich im Rollstuhl nach draußen gefahren hätte. Angespannt sah ich auf die Anzeige vom Aufzug und spürte Dr. Lawrences Anwesenheit neben mir nur zu deutlich, da er meinen Arm zur Sicherheit festhielt und mich stützte.

Es dauerte nicht lange, als einer hielt und sich die Türen öffneten, wo ich Laura erblickte, die mich finster ansah. Es schien mir, als wollte sie etwas sagen, bevor sie es jedoch dabei beließ, da sie einem weiteren Streit und Zickenkrieg lieber aus dem Weg gehen wollte. Trotzdem spürte ich ihre Blicke und sah, wie sie immer wieder finster zwischen Dr. Lawrence und mir hin und her sah.

>> Haben Sie schon Feierabend Dr. Lawrence?<< fragte ihn plötzlich eine junge Schwester, die ihn mit ihren großen Augen anstrahlte und ihr schönstes Lächeln herausgekramt hatte, um ihn anzuhimmeln. Wieder einmal verdrehte ich die Augen, da ich solch ein Verhalten einfach nur peinlich fand.

>> Ja, ich muss heute früher gehen, weil ich mich um Dr. Chamberlain kümmern muss.<<

>> Sie müssen nicht...<< wandte ich flüsternd ein, wofür ich einen giftigen Blick und Kniff in den Arm von ihm erntete, als auch schon die Türen aufgingen und wir in die Eingangshalle traten.

Ohne noch einmal zu Laura zu sehen, ging ich mit ihm hindurch, da auch er auf der Flucht zu sein schien. Zwar nicht vor Laura, aber vor den Schwestern, die ihn sonst belagert hätten. Wir gingen durch die Eingangshalle, die um diese Uhrzeit ziemlich voll war, bis ich plötzlich vor der Drehtür stand.

Ein wenig ängstlich sah ich durch die Glasfassade nach draußen und bemerkte, wie sich mein Körper dagegen wehrte nach draußen zu gehen. Ich zitterte leicht, was immer stärker wurde, mein Puls beschleunigte sich, meine Atmung wurde flacher und mir wurde plötzlich flau im Magen. Alles in mir sträubte sich dagegen durch die Tür nach draußen zu gehen. Auch Dr. Lawrence schien es zu merken, da er mich auf einmal stirnrunzelnd ansah.

>> Alles in Ordnung?<<

Mein Blick war weiterhin nach draußen gerichtet, wo ich die Menschen beobachtete, die Autos und es mir vorkam, als wäre ich dort draußen nicht sicher. Als müsste ich hier drinnen bleiben, im sicheren Käfig, da ich draußen in der Natur, in einer Art Dschungel, auf mich allein gestellt wäre und ums Überleben kämpfen müsste.

>> Er... Er ist wirklich... gestorben?<< hakte ich noch einmal nach und sah ihm panisch in die Augen, da es für mich enorm wichtig war, dass er mir die Wahrheit sagte.

>> Ja, ist er. Warum?<<

>> Ich... Ich...<< stotterte ich und war nicht mehr in der Lage einen richtigen Satz zu formulieren, während mein Körper immer stärker zitterte. Sofort zog mich Dr. Lawrence an seine Seite und ging mit mir zurück zu den Aufzügen. Ich wollte schon protestieren, dass er mich nicht wieder zurückbringen solle und ich das schon schaffen würde, als ich sah, wie er auf die zweite Kelleretage drückte und sich daraufhin wieder die Türen schlossen.

Er sagte keinen Ton, auch nicht, als wir ausstiegen und wir zur Pathologie gingen. Ich kannte mich hier aus, wusste, was er vorhatte und schätzte ihn für diese einfühlsame Geste.

>> Guten Abend Cate.<< begrüßte er die Pathologin beim Vornamen, die sich sofort umdrehte und ihn angrinste.

>> Hi Robert. Was machst du denn hier?<<

>> Ihr habt hier glaube ich noch Adam Mitchell liegen und ich hatte gehofft, dass Dr. Chamberlain kurz einen Blick auf ihn werfen könnte.<< sagte er bittend und deutete dabei mit einem Nicken auf mich.

>> Das darf ich nicht machen Robert, dass weißt du doch.<<

>> Warten Sie kurz hier.<< bat er mich und ging mit ihr in einen anderen Raum, wo er ihr wahrscheinlich erklärte, weshalb ich Adam sehen wollte. Ich wartete einige Sekunden, die ich auf der laut tickenden Uhr über mir verfolgte, bis die beiden endlich zurückkamen und mich zu sich winkten.

>> Das ist aber wirklich eine Ausnahme.<< sagte sie streng, weshalb ich nickte und mit ihr zu dem Fach Nummer 27 ging, das sie daraufhin entriegelte.

>> Hier haben wir Adam Mitchell.<< verkündete sie und zog die Leiche heraus. Dr. Lawrence stützte mich immer noch, hielt mich so gut es ging fest, während ich auf Adam blickte und tief durchatmete.

Er war blass, was vollkommen normal war, hatte eine heftige Kopfverletzung, die von meinem Retter kommen musste, was sein Erscheinungsbild ein wenig verändert hatte, aber dennoch war er unverkennbar. Dieses Gesicht würde ich niemals vergessen. Ich starrte ihn an, dachte an unser erstes Aufeinandertreffen, daran, wie er mich vergewaltigt, geschlagen und mich gewürgt hatte und wie stark ich anschließend unter den Folgen gelitten hatte.

Wie viel Angst ich gehabt hatte, dass er mich wieder finden würde, was er letztlich ja auch getan hatte. All das hatte nun ein Ende, da er wirklich gestorben war und hier, genau vor mir, sah ich den Beweis. Wenn die anderen es mir nur versichert hätten, hätte ich immer den Zweifel gehabt, ob sie mich nicht einfach nur beruhigen wollten, doch jetzt konnte ich es glauben. Wie hypnotisiert brannte ich mir sein Bild, wie er da lag und gestorben war, in meinen Kopf ein, was unendlich gut tat.

>> Ist er es?<< fragte mich plötzlich Dr. Lawrence, weswegen ich nickte und meine angehaltene Luft ausblies.

>> Danke.<< sagte ich zur Pathologin, woraufhin sie ihn wieder zurück in sein Fach schob und es verriegelte.

>> Er kann Ihnen nichts mehr anhaben. Nie wieder Dr. Chamberlain.<< versicherte mir Dr. Lawrence, als er mich an sich drückte und mir Halt gab, da ich meine Tränen nun nicht mehr zurückhalten konnte und eine starke Schulter bitter nötig hatte. Die Erinnerungen, die Gefühle und die Erlebnisse waren einfach zu viel für mich gewesen.

Wir blieben noch eine Zeit lang dort stehen, während uns die Pathologin allein ließ und ich die Reaktionen meines Körpers so langsam wieder unter Kontrolle bekam, bis ich mich nach einer gefühlten Ewigkeit wieder von ihm löste und tief durchatmete.

>> Wollen Sie doch noch hier bleiben und einen Psychologen sprechen?<< fragte er mich und sah mich besorgt an.

>> Nein, es geht schon... Es ist nur... Ich kann das noch nicht so ganz glauben, ebenso wenig, dass ich das überlebt habe.<< gestand ich ihm, während wir bereits zurück zu den Aufzügen gingen und er wieder einmal den Knopf drückte.

>> Es war ja auch mehr als knapp, immerhin mussten Sie wiederbelebt werden und wenn ich an ihre Würgemale denke...<<

>> Ich weiß.<< unterbrach ich ihn, da ich jetzt nicht daran denken wollte. Ich wollte und musste das alles unbedingt hinter mir lassen und neu anfangen. Jetzt war der perfekte Zeitpunkt dafür, allerdings wusste ich, dass es nicht so einfach werden würde.

Ich atmete noch einmal tief durch, bevor wir in den Aufzug einstiegen und nach oben fuhren, bis ich wieder vor der Drehtür stand und dieses Mal hindurch ging, wobei ich mich ziemlich fest an Dr. Lawrence klammerte. Zum Glück stand sein Wagen nicht weit weg, weswegen wir sofort einstiegen und er losfuhr. Ich war so in meine Gedanken vertieft, dass ich überhaupt nicht auf die Gegend um mich herum achtete.

Immer wieder versuchte ich zu begreifen, dass Adam gestorben war und ich nicht, so wie letztes Mal, Angst haben musste, nach draußen zu gehen. Es war wie eine endlos Platte, die sich immer wieder in meinem Kopf abspielte, in der Hoffnung, dass ich es irgendwann verstand.

>> Wir sind da Dr. Chamberlain.<< sagte Dr. Lawrence ruhig, weswegen ich aufblickte und mich richtig umsah.

>> Hier wohne ich aber nicht.<<

>> Ich weiß. Sie bleiben erst einmal bei mir.<< erklärte er mir, wobei er sich sofort erklärte, da ich schon protestieren wollte.

>> Sehen Sie Dr. Chamberlain. Sie leben allein und nach ihrer Reaktion eben im Krankenhaus, dass Sie erst nicht rausgehen wollten, panische Angst hatten und dann am ganzen Körper zitterten... Nein, Sie bleiben erst einmal bei mir und verarbeiten das und wenn Sie jemanden zum Reden brauchen, dann bin ich für Sie da.<<

Ohne auf eine Antwort von mir zu warten, stieg er aus, ging um das Auto herum und öffnete mir die Tür, woraufhin er mir heraushalf und mit meiner Tasche über der Schulter ins Haus trat. Es war ein großes, modernes Gebäude, das auch einen Fahrstuhl besaß auf den wir nun warteten.

Oben angekommen öffnete Dr. Lawrence die Tür zu seiner Wohnung, die sehr modern eingerichtet war. Als erstes trat ich ins Wohnzimmer, das eine Essecke mit einem Glastisch besaß, an dem ich vorbei ging und mich auf die große, rote Eckcouch setzte. Vor mir war ein riesiger Fernseher, der perfekt in die Schrankwand passte, die ebenfalls zu einem großen Teil aus Glas bestand.

Dr. Lawrence war währenddessen in die Küche gegangen, weswegen ich erst einmal alleine dort saß und inzwischen ziemlich erleichtert und froh darüber war, dass ich nicht allein in meiner viel zu großen Wohnung saß, wo mich auch noch alles an meine Geschwister und Blake erinnerte.

>> Hier ist eine heiße Schokolade für Sie. Die wird Ihnen gut tun.<<

>> Danke Dr. Lawrence.<<

>> Ich heiße Robert.<< klärte er mich auf und grinste, während er seine Tasse nahm und einen Schluck trank.

>> Evelyn.<< antwortete ich, woraufhin er nickte und sich neben mich setzte.

>> Gut Evelyn. Du kannst hier erst einmal bleiben. Ich habe ein Gästezimmer, wo du später deine Sachen auspacken und dich wie zu Hause fühlen kannst. Wenn du irgendetwas brauchst, dann frag mich einfach, ok?<<

>> Danke. Ich weiß gar nicht, wie ich dir danken soll...<<

>> Das ist selbstverständlich.<<

>> Selbstverständlich?<< fragte ich ungläubig, da es meiner Meinung nach alles andere als selbstverständlich war, da wir uns bisher nur flüchtig als Kollegen kannten.

>> Ja, für mich schon. Wir sind Kollegen und dir ging es grade mehr als schlecht. Ich hätte keine ruhige Minute gehabt, wenn ich wüsste, dass du nach so einem Vorfall und so einer Panikattacke allein zu Hause wärst.<<

>> Danke Robert.<<

Ich zwang mich zu einem kleinen Grinsen, bevor ich mich weiter im Wohnzimmer umsah und einige Bilder entdeckte, die ihn zusammen mit seiner Tochter zeigten. Doch bevor ich sie näher betrachten konnte, räusperte Robert sich, weswegen ich wieder zu ihm blickte.

>> Hat es dir geholfen ihn zu sehen?<<

>> Ja, sehr sogar. Danke, wirklich, dass habe ich gebraucht, sonst hätte ich ihn weiterhin überall vermutet und gesehen.<<

>> Für andere wäre der Anblick erschreckend gewesen...<<

>> Für uns Ärzte aber nicht, immerhin wissen wir, wie Leichen aussehen und wenn ich nur auf die Worte von anderen hätte bauen müssen, wäre immer der Zweifel da gewesen, ob sie mich nicht einfach nur beruhigen und schützen wollten und er vielleicht doch noch lebte. So kann ich mir jetzt sicher sein, weil ich ihn selbst dort liegen gesehen habe.<<

Er nickte nur und sah auf die Uhr vor uns, die bereits acht Uhr abends anzeigte.

>> Ich bin sofort wieder bei dir, aber ich muss kurz bei meiner Tochter anrufen und ihr eine gute Nacht wünschen, sonst kann sie nicht einschlafen und dann reden wir weiter.<<

>> Natürlich.<<

Er stand direkt auf und ging auf den Balkon, während auch ich mein Telefon herauskramte und auf das Display sah. Ich überlegte lange hin und her, wägte das für und wider ab, bis ich schließlich Blakes Nummer wählte und sich alles in mir anspannte.

Kapitel II

Blake

>> So ein großes Objekt, wie ihr es sucht, habe ich zur Zeit nicht im Angebot. Da müsstet ihr euch entweder bei den anderen Maklern umsehen, oder aber ihr wartet noch ein wenig.<< erklärte Hannah grade Lewis und Jen, die wohl so schnell wie möglich zusammenziehen wollten und sie deshalb mal darüber ausgefragt hatten.

Wir saßen gemütlich beisammen bei Dan, nachdem wir eben noch gemeinsam gekocht hatten. Ich hatte lange überlegt, ob ich herkommen sollte, da der Anblick von zwei verliebten Paaren eventuell zu viel für mich gewesen sein könnte, allerdings konnte ich mich nicht ewig davor drücken. Zudem waren es meine besten Freunde, die alles für mich machten und immer für mich da waren, weswegen ich solch einen Abend schon schaffen würde.

Vor allem Dan war es wichtig gewesen, da er mir seine neue Freundin vorstellen wollte und meine Meinung zu ihr hören wollte. Hannah war eine tolle, lebenslustige und lockere Frau, die Dan auf Trab hielt und ihm gut tat. Jedenfalls war es das, was ich bisher beobachten konnte. Äußerlich passten sie ebenfalls super zusammen, weswegen ich ihm sein neues Glück gönnte und nicht als Griesgram alles kaputt machen wollte.

>> So eilig haben wir es ja nicht. Wir werden einfach mal alles im Blick behalten und falls du irgendwas in der Richtung hereinbekommst, kannst du uns ja Bescheid sagen.<< schwindelte Lewis, da ich wusste, dass er am liebsten gestern schon mit Jen zusammengezogen wäre, als auch nur eine einzige weitere Minute warten zu müssen.

>> Natürlich.<< versicherte sie Lewis, der daraufhin zufrieden grinste und Jen verliebt ansah. Sofort dachte ich an Evelyn, an unsere verliebten Blicke, die wir oft ausgetauscht hatten, daran, wie es war, neben ihr zu sitzen und ihre Anwesenheit zu spüren. Niedergeschlagen trank ich noch einen Schluck, um mir nichts anmerken zu lassen und meine Gefühle für sie zu betäuben.

Doch es funktionierte nicht. Meine Gedanken kreisten immer wieder um Evelyn, was mich so langsam in den Wahnsinn trieb. Was sie jetzt wohl machte? Ob sie noch im Krankenhaus war? Ob sie meine Blumen heute bekommen und die Karte gelesen hatte? Ob sie auch an mich dachte? Ich konnte sie einfach nicht aufgeben, so sehr ich es auch wollte, es ging einfach nicht.

>> Wer hat Lust auf einen Nachtisch?<< fragte Jen plötzlich in die Runde, woraufhin sie in der Küche verschwand und die Schokoladenküchlein holte, da so gut wie alle Lust darauf hatten. Zwar hatte ich keinen Appetit, aber ihr zu Liebe würde ich auch das noch in mich hineinstopfen und in einigen Minuten nach Hause fahren. Immerhin hatte ich drei Stunden mit ihnen überstanden und hatte somit erst einmal wieder Ruhe, um meine Trennung zu verarbeiten.

>> Du auch Blake?<< fragte mich Jen, als sie neben mir stand und mir einen Teller hinhielt.

>> Danke.<<

Sie nickte nur und setzte sich wieder, als ich mir den ersten Bissen nahm und die Schokolade auf meiner Zunge zergehen ließ.

>> Es schmeckt wirklich sehr gut.<< lobte ich sie, weswegen sie mich warmherzig anlächelte, wobei sie ihr Mitleid nicht verstecken konnte.

>> Das freut mich.<<

Sie wollte noch etwas sagen, als mein Telefon klingelte und ich es eilig aus meinem Jackett nahm. Mein Herz blieb beinahe stehen, da dieser Klingelton nur zu einer Person passte. Hastig drückte ich auf annehmen und stand bereits auf, um in den Garten zu gehen und dort ungestört zu telefonieren.

>> Evelyn, hi!<< begrüßte ich sie, weswegen mich sofort alle im Raum ansahen, doch das ignorierte ich und öffnete die Tür in den Garten.

>> Hi, störe ich grade?<<

>> Nein, überhaupt nicht. Wie geht es dir?<< versuchte ich so neutral und locker zu sagen, wie es ging, wobei es sicherlich total verkrampft und verzweifelt klang.

>> Na ja, nicht toll, aber es wird besser und dir?<< hakte sie nach, wobei ihre Stimme zitterte und sehr leise war.

>> Ähnlich.<< gab ich zu, woraufhin eine kurze Pause entstand, da wir beide ziemlich fertig waren und ich auch nicht wusste, was ich sagen sollte.

>> Ich... Ich wollte dich auch nicht lange stören, ich hätte nur zwei Sachen, die ich gern mit dir bereden würde.<< erklärte sie mir, während ich hoffte, dass sie ewig mit mir telefonieren würde, da der Klang ihrer Stimme mich dermaßen glücklich machte, wobei der Satz nichts Gutes vermuten ließ.

>> Dann fang mal an.<< antwortete ich, nachdem ich tief durchgeatmet hatte und versuchte so gleichgültig wie möglich zu klingen.

>> Der Mann, der Adam von mir weggerissen hat, war das einer deiner Männer?<< hakte sie nach, wobei ihre Stimme bei der Frage kaum noch zu hören war, da sie das ganze wohl doch noch ziemlich mitnahm.

>> Ja, es war Dimitrij. Einer meiner Leibwächter, wieso?<<

>> Könntest du ihm im Namen von mir danken, oder könntest du mir seine Nummer geben, damit ich das selbst machen kann? Immerhin hat er mich vor ihm gerettet.<<

>> Gerettet ist gut... Es hätte gar nicht so weit kommen dürfen, dass Adam dich auch nur hätte anfassen können.<< knurrte ich und spürte bereits wieder die Wut in mir aufsteigen.

>> Mag sein, aber er hat...<<

>> Er hat was?<< hakte ich nach, da sie nicht mehr weitersprach und ich ungeduldig war.

>> Er... Er hat mich auch in Zukunft vor ihm gerettet, er kann mir nie wieder etwas antun und dafür kann ich ihm gar nicht genug danken.<<

>> Ist er gestorben?<< fragte ich nach, da ich diese Information noch nicht bekommen hatte. Seitdem Laura einen ziemlich großen Streit mit Evelyn gehabt hatte, erzählte sie mir nichts mehr, da sie sonst ihren Beruf aufs Spiel setzte, was nicht grade leicht für mich gewesen war.

>> Ja, vor zwei Tagen. Ich habe ihn heute Abend noch gesehen, um mich selbst davon zu überzeugen.<<

>> Wie denn?<<

>> In der Leichenhalle.<<

>> Du warst in der Leichenhalle?<< fragte ich schockiert nach und hatte sofort die Bilder aus irgendwelchen Filmen oder Serien im Kopf. Wie konnte jemand da freiwillig hingehen?

>> Ich musste ihn sehen, um wirklich sicher gehen zu können.<<

>> Verstehe. Ich werde es Dimitrij ausrichten, es war zwar sein Job, den er auch hätte besser machen können, aber ich richte es ihm aus.<< versicherte ich ihr und war überaus erleichtert, dass Adam Dimitrijs Schläge nicht überlebt hatte. Immerhin das hatte er richtig gemacht.

>> Danke.<<

>> Was ist denn das zweite?<< fragte ich nach und wartete einige Sekunden auf ihre Antwort, da es ihr anscheinend schwerer fiel.

>> Blake, ich... Du weißt hoffentlich, dass ich dich liebe und dass ich finde, dass du ein außergewöhnlicher und toller Mann bist, aber das mit uns, dass.... Wir wollen unterschiedliche Dinge und die Frau, die du gerne hättest, die du an deiner Seite brauchst, die werde ich niemals für dich sein können, so sehr ich das auch wollte, aber es funktioniert nicht, also bitte akzeptier das endlich und hör auf mir Blumen und Nachrichten zu schicken. Das macht das alles doch nur noch schwerer für uns beide.<< erklärte sie mir mit einer zittrigen Stimme und schluchzte dabei ein wenig, was mich fertig machte.

Ich konnte Evelyn noch nie weinen sehen oder hören, da ich dann immer das Bedürfnis verspürte, sie zu trösten und sie in den Arm zu nehmen, weil sie dann immer so klein und verloren wirkte, aber das konnte und durfte ich jetzt nicht. Mein Herz zog sich dabei zusammen und schmerzte, woraufhin ich versuchte einen klaren Gedanken zu fassen, was ein wenig dauerte.

>> Es ist wirklich endgültig für dich? Hast du keine Zweifel daran, dass ich einen Fehler gemacht haben könnte, dass wir eigentlich doch zusammengehören und wir das schaffen könnten? Vermisst du mich nicht?<< fragte ich sie direkt und wollte ihre Antwort eigentlich schon nicht mehr hören, da ich sie mir schon denken konnte.

>> Natürlich vermisse ich dich, sehr sogar, aber es war die richtige Entscheidung von dir. Also ja, es ist endgültig.<<

>> Wenn das so ist...<< begann ich den Satz, sprach ihn jedoch nicht zu Ende, da ich diesen endgültigen Strich einfach nicht wahrhaben wollte.

>> Ich bin sicher, dass du eine tolle Frau finden wirst, die dir das gibt, was du brauchst und bei der du an erster Stelle stehst Blake. Glaub mir, sie wird kommen und du wirst mich schnell vergessen und es einsehen...<< sagte sie, während sie immer lauter weinte, was ich nicht ertrug. Evelyn leiden zu hören, war für mich zu viel des Guten, aber sie hatte ihren Standpunkt klar gemacht, weswegen ich auflegte, um nicht noch verzweifelter nach einer weiteren Chance zu betteln, die es niemals gäbe.

Zudem ertrug ich es einfach nicht, sie leiden zu hören und hätte nichts mehr sagen können, ohne ihr das Gegenteil von dem zu sagen, was sie hören wollte. Ich wollte sie und brauchte sie, nur wollte sie das nicht mehr, weswegen ich es akzeptieren musste. Auch wenn sie litt, weinte und es ihr schwer fiel, brachte es nichts mehr, da ich wusste, wie stur sie war. Nachdem ich so abrupt aufgelegt hatte, bereute ich es, allerdings war es dafür nun zu spät.

Vollkommen mitgenommen blieb ich im Garten sitzen und versuchte meine Gefühle wieder unter Kontrolle zu bekommen, was gar nicht so einfach war. Ich hatte um sie gekämpft, hatte versucht sie umzustimmen, doch nun musste ich akzeptieren, dass ich sie verloren hatte und darin war ich eine Niete.

Um nicht direkt wieder reingehen zu müssen, schrieb ich Laura noch eine Nachricht, in der ich ihr für alles dankte, was sie für mich getan hatte, aber dass ich das Aus der Beziehung zu Evelyn akzeptieren müsse. Anschließend legte ich das Telefon wieder ins Jackett und schloss für einen kurzen Moment die Augen, als ich hinter mir die Schiebetür zum Garten hörte.

>> Telefonierst du noch?<< fragte mich Dan und kam schließlich zu mir, wo er sich neben mich auf eine Liege legte und so wie ich auf den Pool blickte.

>> Nein, schon länger nicht mehr.<<

>> Willst du drüber reden?<< fragte er mitfühlend und hielt mir ein Glas Whisky hin, das ich jedoch ablehnte. Ich wollte meine Gefühle, meine Trauer, meine Wut und meinen Selbsthass nicht mit Alkohol vernebeln. Ich wollte leiden und den Mist verarbeiten, um darüber hinwegzukommen.

>> Ich soll sie in Ruhe lassen, weil es für sie vorbei ist.<< klärte ich ihn auf, woraufhin er seufzte und mich nachdenklich ansah.

>> Wirst du dich daran halten?<<

>> Mir bleibt nichts anderes übrig. Ich habe sie verloren und nun muss das Leben weitergehen.<<

>> Ihr seid zwei so sture Dickschädel...<< fluchte er resigniert, bevor er einen großen Schluck Whisky trank und den Kopf schüttelte.

>> Evelyn noch viel mehr als du und das hätte ich nie für möglich gehalten, das jemand noch sturer und dickköpfiger sein könnte als du Blake. Ehrlich... Dass sie nicht sieht, dass du perfekt zu ihr passt, dass ihr toll harmoniert und dass sie sich nicht eingestehen will, wie viel du ihr wirklich bedeutest, denn ganz ehrlich, ich glaube, dass du ihr viel mehr bedeutest, als ihr Job, aber aus irgendeinem Grund, kann sie das nicht zugeben und tritt ihr eigenes Glück dadurch lieber mit Füßen und so lange kannst du da nichts dran machen. Ich hoffe einfach für Evelyn, dass sie das irgendwann einsieht und dann werdet ihr wieder zusammenkommen.<< versicherte er mir, doch den Glauben hatte ich so langsam verloren. Dieses ganze hin und her hatte mich mürbe und überaus müde gemacht.

>> Und was soll ich so lange tun?<<

>> Nichts. Du arbeitest und genießt dein Leben, denn vielleicht wird sie es auch nie begreifen und dann hättest du dein Leben weggeworfen.<< sagte er und wartete auf eine Reaktion von mir, doch dafür war ich einfach zu ausgelaugt. Ohne Evelyn das Leben zu genießen, passte einfach nicht und machte keinen Sinn, was ich aber erst jetzt verstand. Ich verfluchte den Abend vor einer Woche und meine Kurzschlussreaktion, wo ich mich von ihr getrennt hatte, egal wie richtig es anscheinend gewesen war.

>> Und bevor du an dir selbst zweifelst... Dein Schlussstrich war richtig.<< redete er mir ins Gewissen und sah mich dabei scharf an.

>> Ich hätte mich nicht von ihr trennen sollen...<< widersprach ich ihm, was ihn in helle Aufregung versetzte.

>> Doch! Das war nötig, denn du warst nicht glücklich in der Beziehung, musstest immer hinten an stehen und oft zurückstecken und so sollte es nicht sein. Beide sollten glücklich sein und deswegen war diese Trennung so wichtig. Damit sie sieht, dass du unglücklich warst, sieht, dass du oft zurückgesteckt hast, dass es so nicht in Ordnung war... Damit sie aufwacht und merkt, wie viel du ihr bedeutest und dass sie dich braucht. Ich bin der festen Überzeugung, dass sie das irgendwann einsieht und dann wird sie zu dir kommen und um eine zweite Chance bitten. Glaub mir.<< bat er mich und sah mich durchdringend an.

So sehr ich seine Worte auch glauben wollte, momentan konnte ich sie nicht glauben. Evelyn war ein Sturkopf und zwar ein sehr stolzer, der sicherlich niemals zu mir kommen und um eine zweite Chance bitten würde. Das passte einfach nicht zu ihr. Eher würde sie ein Leben lang allein und unglücklich bleiben, als sich und vor allem jemand anderem gegenüber einen Fehler einzugestehen.

>> Was hältst du davon, wenn wir nächstes Wochenende mal wieder rausfahren? Nur Lewis, du und ich? Ein Männerwochenende, damit du auf andere Gedanken kommst und mal abschalten kannst?<< fragte Dan mich schließlich, da ich nichts mehr zu seinem Vortrag gesagt und stattdessen wieder lieber das Wasser im Pool beobachtet hatte.

>> Klingt gut.<< mischte sich plötzlich Lewis ein, der ebenfalls in den Garten gekommen war und sich direkt zu uns setzte.

>> Das ist lieb gemeint, aber genießt doch lieber die Zeit mit euren Freundinnen. Ehrlich. Mir geht es gut. Ich glaube, dass ich erst mal ein wenig Zeit für mich allein brauche, um das alles zu verarbeiten.<<

>> Dann hast du aber keine Freude und denkst die ganze Zeit nur an sie und das zieht dich dann extrem runter. Wir lassen dir keine Wahl. Nächstes Wochenende schleppen wir dich einfach mit.<< besiegelte Lewis mein Schicksal, wobei ich mich auch nicht mehr wehrte. Zum einen waren es noch einige Tage hin, bis wir wirklich segeln wollten und zum anderen konnte sich bis dahin noch eine Menge ändern, weswegen ich nichts mehr dazu sagte.

>> Hat sie denn noch irgendetwas gesagt?<< hakte Dan auf einmal nach und sah mich wieder nachdenklich an.

>> Nur, dass ich Dimitrij danken soll, dass er sie gerettet hat.<< sagte ich, während Dan lautlos auflachte, da er nach der ganzen Sache genau so sauer auf Dimitrij gewesen war, wie ich.

Am nächsten Morgen hatte Dan ihn zusammen mit dem anderen Personenschützer zur Rede gestellt und sie abgemahnt, da ihr Verhalten inakzeptabel gewesen war. Auch wenn ein Schichtwechsel stattfand, musste man die zu beschützende Person im Auge behalten, was sie nicht gemacht hatten und das nicht nur für einen kurzen Augenblick, sondern länger, da es einige Zeit gedauert hatte, bis sie Evelyn mit Adam gefunden hatten.

Diese Unachtsamkeit hatte Adam ausgenutzt und dadurch war es ihm gelungen Evelyn wieder so heftig zu verletzen und zuzurichten. Zum Glück hatte er es nicht geschafft sie zu vergewaltigen oder zu ermorden, denn sonst hätte ich die beiden gefeuert oder noch schlimmeres getan, wenn Evelyn es nicht geschafft hätte.

>> Wofür danken? Dass er nicht auf sie geachtet und sie dadurch so viel abbekommen hat? Dass Adam sie verletzen, fast erwürgen und beinahe vergewaltigen konnte?<< sagte Dan ironisch, während seine Mimik seine Äußerung stark untermauerte.

>> Dafür, dass Adam ihr nicht noch mehr antun konnte und dafür, dass er vor zwei Tagen gestorben ist.<< klärte ich Dan auf und sah wie auch Lewis mich auf einmal wieder interessiert ansah.

>> Er hat es nicht geschafft?<<

>> Nein, er ist gestorben.<<

>> Zum Glück. Dieser miese Wichser.<< fluchte Dan, woraufhin Lewis ihm Recht gab und zustimmend nickte.

>> Dann braucht sie jetzt keine Angst mehr zu haben, dass er wieder kommen und sie wieder verletzen oder vergewaltigen könnte.<<

>> Mhm.<< stimmte ich Lewis zu und fuhr mir mit den Händen durchs Gesicht, da ich komplett fertig war.

>> Ich werde ihn morgen anrufen und es ihm ausrichten, wenn ich in der Firma bin und genau das ist mein Stichwort. Ich hoffe, dass ihr mir verzeiht, wenn ich jetzt schon gehe.<< entschuldigte ich mich und stand bereits von meiner Liege auf, was auch Dan und Lewis taten.

>> Kein Problem. Es war schön, dass du hier warst und dass du Hannah mal kennengelernt hast.<<

>> Sie ist wirklich nett und ein guter Fang, also mach es besser als ich bei Evelyn.<< riet ich ihm, bevor ich mich von Dan und Lewis verabschiedete und wir gemeinsam wieder ins Haus gingen. Dort verabschiedete ich mich noch von Jen und Hannah, bevor ich in meinen Sportwagen stieg, tief durchatmete und nach Hause eilte.

Ich wollte nur noch zu meiner Wohnung, die Tür hinter mir schließen und die komplette Welt draußen lassen. Die Musik anmachen, die Augen schließen und mich auf das Bett werfen, um die Ruhe zu genießen und meine Gedanken kreisen zu lassen, wobei mich niemand stören konnte.

Um das möglichst schnell zu erreichen, fuhr ich so schnell es ging, trat auch bei gelben Ampeln noch aufs Gaspedal und benutzte etliche Abkürzungen, bis ich schließlich in die Parkgarage bog und mit dem Aufzug nach oben in mein Apartment fuhr.

Kaum war ich in meiner Wohnung, stellte ich mein Telefon ab, zog mir die Krawatte und das Jackett aus und ließ mich auf mein Bett fallen. Mit der linken Hand suchte ich nach der Fernbedienung, womit ich die Musikanlage so laut stellte, dass ich meine eigenen Gedanken nicht mehr hören musste, doch die Musikanlage konnte da nicht mithalten.

Kapitel III

Evelyn

>> Hast du auch schon Post bekommen?<< fragte mich Laura von der Seite, als ich grade eine Akte unterschrieb und sie daraufhin ansah.

>> Mhm.<< murmelte ich, trug noch schnell die Sachen ein, bevor ich die Akte weglegte und ihr meine Aufmerksamkeit schenkte.

>> Und?<<

>> Ich habe bestanden und du?<< fragte ich sie, wobei ich schon von den anderen gehört hatte, dass sie auch bestanden hatte.

>> Auch.<<

>> Glückwunsch.<< gratulierte ich ihr so aufrichtig wie möglich, wobei zwischen uns immer noch eine gewisse Eiszeit herrschte, obwohl inzwischen drei Monate vergangen waren. Wir sprachen immer noch nicht viel miteinander, da sie mir nicht verzeihen konnte, dass ich sie wegen Blake so unter Druck gesetzt und ihr damit gedroht hatte, sie wegen der Schweigepflicht zu verpfeifen.

Sie verstand einfach nicht, weshalb es mich so gestört hatte, dass sie ihm alles über mich und meinen Gesundheitszustand erzählt hatte. Zudem hatte ich herausbekommen, dass sie ihm auch meine Arbeitszeiten genannt hatte, was einfach zu viel des Guten gewesen war.

Zusätzlich konnte sie Robert nicht ausstehen und hasste es, dass ich mich so gut mit ihm verstand und wir uns öfter trafen. Die ersten zwei Wochen nach dem Überfall von Adam hatte ich bei ihm verbracht, bis ich eine Wohnung gefunden hatte, weswegen wir viel Zeit miteinander verbracht und uns inzwischen recht gut angefreundet hatten, da es nicht mehr viele Personen in meinem Freundeskreis gab.

Es waren einfach so viele Dinge, weswegen Laura und ich immer wieder aneckten und es nicht hinbekamen, dass wir unseren Streit beilegten. Vielleicht lag es auch daran, dass wir beide kaum Zeit gehabt hatten, da wir in den letzten Wochen rund um die Uhr für die Abschlussprüfungen gebüffelt hatten, was sich nun geändert hatte.

>> Ich gehe nachher noch mit einigen Kollegen zu Adrian, wo wir unsere Prüfung feiern, falls du also Lust hast, kannst du gerne vorbeikommen.<< lud sie mich plötzlich ein, wobei es eher wie eine formale Frage geklungen hatte und ich nicht das Gefühl hatte, dass sie mich wirklich dort haben wollte.

>> Danke, ein anderes Mal vielleicht.<<

>> Musst du wieder arbeiten?<< fragte sie mich und spielte dabei auf das Strippen an, was ich immer noch machte.

>> Nein, aber Robert wollte nachher mit ein paar Freunden und mir Essen gehen und da kann ich jetzt nicht mehr absagen.<< entschuldigte ich mich, während sie genervt die Augenbrauen nach oben zog und ein zerknirschtes Gesicht zog.

>> Na dann, viel Spaß.<<

>> Laura...<< seufzte ich, da sie beleidigt und wieder einmal eifersüchtig auf Robert war, was mir langsam auf die Nerven ging.

>> Du machst überhaupt nichts mehr ohne ihn. Gar nichts! Merkst du das nicht? Seid ihr ein Paar?<<

>> Nein, wir sind nur befreundet!<< rechtfertigte ich mich, doch das glaubte sie eh nicht mehr. Wir sahen uns einige Sekunden verärgert an, bevor sie sich abwandte und ging, während ich meinen Ärger herunterschluckte und zu meinem Spind ging, da ich Feierabend hatte.

Ich war wirklich gespannt, ob wir es irgendwann noch hinbekamen wieder halbwegs vernünftig miteinander zu reden. Vielleicht wurde es jetzt wirklich besser, weil der Druck von unseren Schultern genommen worden war und wir wieder mehr Zeit hatten, aber so wie wir grade miteinander umgegangen waren, war das ziemlich schwierig.

>> Soll ich dich mitnehmen?<< fragte Robert mich plötzlich, als ich bei den Aufzügen stand und auf den Knopf gedrückt hatte.

>> Fährst du nicht noch zu Lilly?<< hakte ich nach, da ich eigentlich davon ausgegangen war, dass er seine Tochter noch besuchen wollte.

>> Doch, aber ich kann dich auf dem Weg ja irgendwo absetzen.<<

>> Danke, aber das brauchst du nicht, außerdem wäre es ein beachtlicher Umweg. Ich fahre noch kurz zu einem Freund und dann komme ich direkt ins Restaurant.<<

>> Wie du willst.<<

Ich nickte, als wir schließlich in den Fahrstuhl einstiegen und nach unten fuhren, wobei wir nicht miteinander redeten, da es ziemlich voll war und wir auf unterschiedlichen Seiten standen.

>> Dann bis um acht im Leatons.<< verabschiedete sich Robert, weswegen ich nickte und den Weg zur Bushaltestelle einschlug. Doch kaum wollte ich mich setzen und auf den Bus warten, entdeckte ich bereits ein Auto, das auf der anderen Seite stand und ging hinüber.

>> Ich hätte auch mit dem Bus fahren können.<< begrüßte ich Charly und umarmte ihn kurz, bevor ich mich anschnallte und er losfuhr.

>> Ich weiß, aber ich hasse es immer noch, wenn du allein unterwegs bist.<<

>> Adam ist gestorben.<< versuchte ich ihm wieder einmal klar zu machen, doch da blockte er sofort wieder ab.

>> Das bedeutet nicht, dass es nicht auch andere miese Kerle in Seattle gibt.<<

>> Lass uns das Thema wechseln. Wie geht’s dir?<<

>> Gut und dir?<<

>> Auch. Ich habe die Prüfung bestanden.<< verkündete ich ihm, woraufhin er mich mit großen Augen ansah, kurz anhielt und mich in seine Arme riss.

>> Das ist ja großartig. Mensch Eve, Glückwunsch... Ich bin total stolz auf dich.<<

>> Danke.<<

>> Darauf stoßen wir gleich an!<< versprach er mir und fuhr wieder weiter, während ich mich zurücklehnte und die ruhige Autofahrt genoss. Anders als bei Laura, verstand ich mich mit Charly wieder richtig gut. Wir hatten uns nach dem Vorfall ausgesprochen und uns zusammengerauft, was ziemlich lange gedauert hatte.

Ich hatte akzeptiert und eingesehen, warum er so besorgt gewesen war um mich, war einige Kompromisse eingegangen, weswegen mich Kean nach dem Strippen immer nach Hause gebracht hatte, da Charly darauf bestanden hatte. Auf der anderen Seite hatte er akzeptieren müssen, dass ich mein eigenes Leben lebte und nicht ständig von ihm wie ein kleines Kind behandelt werden wollte.

Natürlich fiel es uns beiden immer noch schwer, weswegen es ab und an auch noch zu Reibereien kam, aber die bekamen wir dann schnell wieder in den Griff. Der größte Streitpunkt wäre eh bald aus der Welt, wenn ich das Strippen endlich an den Nagel hängen konnte, da ich ab sofort mehr verdiente und somit sehr bald die restlichen Schulden abbezahlen konnte.

>> Wo gehst du nachher Essen?<< fragte Charly mich plötzlich und riss mich damit aus meinen Gedanken, weswegen ich mich erst mal wieder konzentrieren musste.

>> Ins Leatons, wieso?<<

>> Dann fahre ich zu einer Bar, die da in der Nähe ist, da können wir anstoßen und du hast es dann nicht mehr so weit ins Restaurant später.<< erklärte er mir, während ich stutzig wurde.

>> Wieso fahren wir denn nicht zu dir? Ist alles in Ordnung bei Maggie und dir?<<

>> Mhm. Aber sie ist bei ihren Eltern, um sich weiterhin auszuruhen und ich brauche mal einen Tapetenwechsel.<<

Ich nickte, da es plausibel klang und ich wusste, dass Maggie sich weiterhin schonen musste, damit sie das Kind nicht verlor. Sie war inzwischen fast im siebten Monat, wobei es schon mehrere Situationen gegeben hatte, bei denen sie gedacht hatten, dass sie es verlieren würden.

Dies war auch der Grund gewesen, weshalb ich Emily öfter genommen hatte, da Charly öfter ins Krankenhaus zu Maggie gefahren und nicht in der Lage gewesen war für Emily zu sorgen. Da meine Wohnung in einem wirklich schlechten Viertel lag, weil ich die günstigste Möglichkeit gewählt hatte und auch von innen ziemlich heruntergekommen war, passte ich in deren Wohnung auf Emily auf. Alles andere hätte ich ihr nicht antun können.

>> Geht es ihr und dem Baby denn so weit gut?<<

>> Im Moment ja, warten wir es mal ab.<< sagte er knapp, da er anscheinend nicht darüber reden wollte, dennoch hakte ich noch einmal nach.

>> Ist Emily auch bei ihr?<<

>> Ja.<<

Ich beließ es dabei und überlegte, wie ich ihn ablenken könnte, damit er auf andere Gedanken kam, da er ziemlich finster und nachdenklich aussah, doch da bog er schon auf einen Parkplatz ab und stellte das Auto auf einen freien Platz.

Da es draußen inzwischen in Strömen regnete, liefen wir schnell hinein und suchten uns einen freien Tisch, wo wir uns setzten und unsere Jacken auszogen. Charly bestellte uns sofort etwas zu Trinken, als wir auch schon die Gläser hoben.

>> Auf deine bestandene Prüfung Eve. Du glaubst gar nicht, wie stolz ich auf dich bin Dr. Chamberlain!<< sagte er aufrichtig und stieß schließlich mit mir an.

>> Ohne dich hätte ich das aber nie geschafft.<< gab ich ihm zu bedenken, woraufhin er mich stirnrunzelnd ansah und ich es näher ausführte.

>> Du hast mir immer zur Seite gestanden und bist mit mir durch dick und dünn gegangen. Vor allem nach der Sache mit Adam... Hätte ich dich nicht gehabt, hätte ich alles abbrechen müssen.<<

>> Das habe ich gern gemacht Eve. Wirklich. Egal, was mit dir ist, ich mache alles für dich.<<

>> Ich weiß, danke Charly.<<

Er nickte und schien für einen kurzen Moment in seine Gedanken vertieft zu sein, bevor er mich wieder ansah und mich an seine Seite zog.

>> Jedes Mal, wenn ich Maggie und Emily ansehe, dann kann ich mein Glück kaum fassen und frage mich immer, womit ich das verdient habe...<<

>> Weil jeder einen Neuanfang verdient hat und du hast deinen genutzt.<<

>> Und wann nutzt du deinen?<< fragte er mich und sah mich nun fragend an, während ich ihm nicht folgen konnte.

>> Wie meinst du das?<<

>> Ganz einfach. Dir wurde deine Mutter aufgezwungen, ein Pflegefall und zwei kleine Kinder, um die du dich kümmern musstest. Du hattest keine Wahl und hast es gemacht. Deine Mutter ist jetzt nicht mehr da, deine Geschwister sind glücklich bei eurem Vater, du hast deine Ausbildung beendet, hast Blake hinter dir gelassen, ob das nun klug war oder nicht, sei mal dahingestellt, aber dies sollte endlich der Zeitpunkt für deinen Neuanfang sein. Also, was machst du daraus?<< fragte er nach, während ich immer noch mit meinen Gedanken bei Blake war, da er eben seinen Namen erwähnt hatte.

Blake hatte aufgehört mich umzustimmen und mir Blumen und kleine Geschenke zu schicken, weil ich ihn darum gebeten hatte, was mir dann jedoch auch nicht wirklich gepasst hatte. Ich hatte immer gedacht, dass es besser wäre, wenn er mich ignorieren würde, doch stattdessen hasste ich es und vermisste ihn gewaltig.

So oft hatte ich mir die Frage gestellt, ob ich damals richtig reagiert hatte, ob ich nicht doch um ihn hätte kämpfen sollen, doch das wäre egoistisch gewesen. Natürlich wollte ich ihn, aber dann hätte ich ihn unglücklich gemacht, da er jemanden brauchte, bei dem sich alles um ihn drehte und seitdem verbot ich mir an ihn und uns zu denken.

>> Eve?<< unterbrach Charly meine Gedanken, weswegen ich seufzte, meine Gefühle für Blake wieder hinter Schloss und Riegel brachte und ihn ansah.

>> Ich bin noch nicht bereit für einen Neuanfang. Ich habe das zwar alles hinter mir gelassen, aber die Sache mit Blake ist für mich noch nicht richtig verarbeitet, das dauert noch.<<

>> Du liebst ihn immer noch, mhm?<<

>> Sehr, aber das ist nicht genug.<<

>> Du bist so dumm und stur...<< seufzte Charly, während er den Barkeeper um eine weitere Runde bat und sein leeres Glas wegstellte.

>> Ich bin nicht dumm und stur. Stell dir vor, Maggie liebt dich abgöttisch und leidet die ganze Zeit über, weil du nicht die Menge an Gefühlen erwiderst, die sie bräuchte, weil du anders tickst als sie und du kannst das nicht ändern. Würdest du dann so egoistisch sein und sie bei dir halten, ihr Leid ertragen und all die Streitereien, oder würdest du die Beziehung aufgeben und hoffen, dass sie irgendwann den Richtigen kennenlernt, der ihr perfekter Deckel ist?<<

>> So ist es bei dir und Blake aber nicht. Du liebst ihn so, wie er es braucht, nur kannst du das nicht zugeben, weil du Angst hast zuzugeben, dass er dir so wichtig ist, weil du niemandem mehr diese Macht geben möchtest, nachdem dein Vater das so missbraucht hat und das kann ich verstehen. Aber damit du wieder glücklich werden kannst, musst du dringend das mit deinem Vater überwinden, denn sonst hat niemand die Chance dich glücklich zu machen, niemals!<< redete er mir ins Gewissen und traf damit einen wunden Punkt, weil er Recht hatte. Wir hatten schon etliche Gespräche darüber geführt und waren jedes Mal aneinander geraten.

>> Das braucht Zeit...<<

>> Das sagst du immer. Weißt du Eve, du hast mich damals zu einer Therapie überredet und das mache ich jetzt auch mit dir, denn sonst wird das nie etwas.<<

>> Die brauche ich n...<<

>> Du wirst sie machen, basta!<< sagte er bestimmt und sah mich zornig an, weswegen ich vorsichtig antwortete.

>> Ich habe für so etwas kein Geld. Lass mich erst einmal die Schulden abbezahlen.<<

>> Wie lange dauert das noch?<<

>> Ein bis zwei Monate.<<

>> Gut, aber mehr als zwei Monate gebe ich dir nicht!<<

Zum Glück kamen unsere neuen Getränke, weswegen ich schwieg und stattdessen einen großen Schluck trank. Es war das erste Mal seit sehr, sehr langer Zeit, dass ich wieder Alkohol trank, weswegen ich ihn auch direkt merkte und sicherlich kein weiteres Glas mehr trinken würde, immerhin musste ich gleich auch noch zum Essen mit Robert und seinem besten Freund und dessen Freundin, weswegen ich dort nicht angetrunken auftauchen würde.

Charly wechselte zum Glück das Thema, weswegen wir über belanglose Dinge redeten, bevor ich um viertel vor acht zum Restaurant lief, wohin mich Charly natürlich begleitete, bevor wir uns vor dem Eingang verabschiedeten. Kaum war ich drinnen, entdeckte ich schon Robert, der mit Zack und Susan bereits am Tisch saß und einen Aperitif trank.

>> Hi Eve.<< begrüßten sie mich nacheinander, bevor ich mich setzte und den Aperitif vor mir sah.

>> Ich habe den schon mal für dich mitbestellt, immerhin müssen wir auf deine bestandene Prüfung anstoßen.<<

Ich seufzte und hoffte, dass ich den noch überstand, da ich wirklich schon den Alkohol spürte, wobei ich noch keinen Rausch hatte, doch das wollte ich auch auf keinen Fall.

>> Danke, aber nur den einen hier.<< stellte ich sofort klar und stieß mit den anderen an, bevor wir uns etwas zu Essen bestellten und anschließend locker und ausgelassen den Abend genossen. Es tat gut, da es mich von meinen eigenen Problemen und meinem elendigen Leben ablenkte, doch ich wusste, dass ich nachher wieder einsam wäre.

Die beiden waren wirklich nett und nicht abgehoben, weswegen es leichter für mich war, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Sie wussten, dass Robert und ich nur befreundet waren und zusammen arbeiteten, weswegen auch keine dummen Kommentare kamen, wie ich sie sonst von Laura gewohnt war.

Als es schließlich schon elf Uhr war, fuhren Zack und Susan nach Hause, während Robert uns noch einen Cocktail bestellte und wir uns an die Bar setzten. Da wir auch schon während des Essens Wein getrunken hatten, hatte ich inzwischen schon einige Probleme, da der Cocktail auch noch einige Promille hatte.

An der Bar lernte Robert eine hübsche Blondine kennen, weshalb sie sich angeregt unterhielten und ich irgendwann nur noch alleine da saß, was ich schon von ihm kannte. Er ließ nichts anbrennen und genoss sein Singleleben in vollen Zügen, was ich immer wieder mitbekam.

Da ich nicht länger das fünfte Rad am Wagen sein wollte, verabschiedete ich mich, ging noch schnell auf Toilette, wo sich alles drehte, bevor ich das Restaurant verließ und die frische Luft genoss. Ich ging ein paar Schritte, um eine Bushaltestelle zu finden, als ich kurz das Gleichgewicht verlor, kurz zur Seite schwankte und in die Arme eines Mannes lief, der mich sofort stützte.

>> Evelyn?<< fragte er mich plötzlich irritiert, weswegen ich aufsah und wie erstarrt stehen blieb.

>> Dan... Hi.<<

>> Geht es dir gut? Hast du getrunken?<< hakte er sofort nach, als ich die hübsche Frau neben ihm entdeckte, die mich ein wenig mürrisch ansah.

>> Ja, aber nicht viel.<<

>> Du hast doch sonst nie etwas getrunken.<<

>> Ich hatte halt etwas zu feiern.<< verteidigte ich mich, wobei ich nicht wusste, wieso ich das Gefühl hatte mich verteidigen zu müssen.

>> Und was?<<

>> Meine bestandene Prüfung. Ich bin jetzt fertige Ärztin. Der Brief kam heute.<<

>> Das freut mich für dich, Glückwunsch!<<

>> Danke.<<

Er nickte und sah mich weiterhin besorgt an, als die Frau neben ihm langsam unruhig wurde.

>> Ich gehe schon mal rein, du kannst ja gleich nachkommen.<< sagte sie und ging ins Restaurant, während Dan mit mir draußen stehen blieb.

>> Ist das Hannah mit der du damals zusammengekommen bist?<<

>> Ja, wir sind immer noch ein Paar und wollten ein paar Drinks mit ihren Brüdern trinken.<<

>> Dann geh lieber rein, ich geh mal weiter die Bushaltestelle suchen.<< sagte ich und ging bereits los, als Dan plötzlich seinen Arm um mich schlang und mich stütze, da ich doch schon ziemlich schwankte.

>> Ich bringe dich schnell nach Hause.<<

>> Nein, das brauchst du nicht. Deine Freundin wartet.<<

>> Das macht nichts und ich könnte da drinnen dann eh nicht ruhig sitzen. Du und Bushaltestellen, das ging noch nie gut aus, vor allem nicht, wenn du jetzt auch noch betrunken bist.<<

>> Ich bin nicht...<<

>> Keine Widerrede. Ich bringe dich nach Hause.<< sagte er streng und lenkte mich zu seinem Wagen, wo er mir die Beifahrertür öffnete und nach einer kurzen Nachricht an jemanden auch einstieg und losfuhr.

>> Wo soll ich dich hinbringen?<< fragte er mich, während ich überlegte, ob ich ihm wirklich die richtige Adresse nennen sollte. Zum einen schämte ich mich für die Gegend, in der ich lebte und zum anderen hatte ich ein ungutes Gefühl dabei, da er sie auch Blake nennen könnte. Doch warum sollte er das tun? Es war nett von ihm, dass er mich nach Hause brachte, also sollte ich mir nicht so viele Gedanken machen.

>> Evelyn? Die Adresse?<< hakte Dan noch einmal nach und sah mich fragend an. Ich nannte ihm die Adresse meiner neuen Wohnung, während ich mich zurücklehnte und versuchte wieder nüchtern zu werden.

Es war mir vollkommen unangenehm, dass Dan mich so angetroffen hatte, da es einfach nur erbärmlich aussehen musste. Ich fühlte mich wie eine Frau aus den Serien im Fernsehen, die nach einer falschen Entscheidung in ihrem Leben, nur noch Pech hatte und immer weiter abstürzte.

Bis auf den kleinen Unterschied, dass ich keine Drogen nahm und nicht abhängig war, konnte das auf mich so übertragen werden. Wobei ich immerhin betrunken war und Dan sich daraus zusammenreimen konnte, was er wollte. Vielleicht nahm er ja an, dass ich Alkoholikerin geworden wäre, was sicherlich auch mit meiner Wohngegend zusammenpassen würde, wenn er sie gleich sah.

Fakt war, seit ich mich von Blake getrennt hatte, stürzte ich immer weiter ab und ich wusste nicht, wie ich das in den Griff bekommen sollte. Zwar war ich keine Alkoholikerin und ich hatte auch noch einen guten und festen Job, aber der Rest meines Lebens ging den Bach runter, auch wenn ich mir das nicht eingestehen wollte und es so gut es ging verdrängte, was so lange funktionierte, bis ich wieder alleine zu Hause hockte.

>> Wie geht es dir denn?<< fragte mich Dan plötzlich und sah mich dabei durchdringend an, während wir an einer roten Ampel warteten.

Ich atmete noch einmal tief durch, sprang über meinen Schatten und versuchte so nüchtern wie möglich mit ihm zu reden.

Kapitel IV

Blake

>> Na, alles gut gegangen?<< fragte mich Lewis, als ich grade in die Firma zurückkam, nachdem ich eine Kundin begleitet hatte, da ihr Personenschützer im Urlaub war. In den letzten Wochen und Monaten hatte ich mehrere Jobs selbstständig übernommen, da es mich ablenkte und es mir immerhin ein wenig Freude bereitete.

>> Mhm. Morgen begleite ich sie auch noch mal.<<

>> Ich kann auch jemanden anderes dazu beauftragen, dann hast du ein wenig Ruhe und kannst dich anderen Dingen widmen.<< schlug mir Lewis vor, während ich mir einen Kaffee eingoss und ihn müde ansah.

>> Und was?<<

>> Du könntest mal wieder deine Freizeit genießen, ok Sport treibst du genug, immerhin siehst du langsam aus wie ein Berg, aber was ist mit segeln, Familie, Urlaub?<<

>> Kein Interesse.<< schnaubte ich und ging in das Büro von Dan, der noch am Schreibtisch saß, während Lewis mir folgte und wir uns alle auf das Sofa setzten.

>> Du musst mal wieder mehr für dich tun und dein Leben genießen.<< redete mir Lewis noch einmal ins Gewissen, bevor er Dan mit einem Blick um Unterstützung bat.

>> Tue ich doch. Dass ich viel arbeite, heißt doch nicht, dass ich mein Leben nicht genieße. Ich treibe viel Sport, ja, aber nur, weil es mir Spaß macht, mich glücklich macht. Ich arbeite wieder mehr als Personenschützer, weil ich auch das liebe. Evelyn mochte es nur nicht, deswegen hatte ich es vorher kaum noch gemacht, aber jetzt...<<

>> Lass ihn doch, wenn er zufrieden ist mit seinem Leben.<< unterstütze mich Dan, weswegen Lewis den Kopf schüttelte.

>> Du bist auf seiner Seite? Ehrlich? Schau ihn an. Arbeitet wie ein Pferd, funktioniert lediglich und lacht kaum noch, während Evel...<< stoppte er plötzlich und fluchte, während ich augenblicklich hellhörig wurde und ihn entgeistert ansah.

>> Was ist mit ihr?<<

>> Nichts.<<

>> Lewis!<< fuhr ich ihn barsch an und zwang ihn zu einer Antwort, allerdings schaute dieser nur zu Dan.

>> Du bist so ein Idiot Lewis. Halt doch einfach deine Klappe, verdammt!<< sagte dieser und sah Lewis wütend an, bevor er aufstand und sich ebenfalls einen Kaffee einschüttete.

>> Könntet ihr mich bitte mal aufklären?<<

>> Dan hat Evelyn vor ein paar Tagen getroffen und nach Hause gebracht.<< klärte Lewis mich nach einigen Sekunden auf, was ihm anscheinend schwer gefallen war.

>> Was? Wieso? Warum erzählst du mir das nicht!<<

>> Weil ihr euch getrennt habt und es dich nur herunterziehen würde.<<

>> Und warum lasst ihr mich das nicht selbst entscheiden? Ich dachte, ihr seid meine Freunde!<<

>> Sind wir auch und genau deswegen habe ich es dir nicht erzählt. Du hättest dir nur Sorgen gemacht und das brauchst und sollst du nicht mehr, weil sie nicht mehr zu deinem Leben gehört.<<

>> Wieso Sorgen?<< fragte ich ihn direkt, da mir dieses Wort in Verbindung mit Evelyn überhaupt nicht gefiel. In meinem Kopf überschlugen sich bereits mehrere Möglichkeiten, während Dan mich immer noch ansah und anscheinend überlegte, wie er anfangen sollte. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, ehe er nach einem tiefen Atemzug endlich anfing zu sprechen.

>> Ich hab sie vor dem Leatons getroffen, als ich mit Hannah und ihren Brüdern dort war. Ich wollte grade reingehen, als eine Frau ein wenig schwankend gegen mich stieß, also fing ich sie kurz auf.<<

>> Hatte Evelyn getrunken?<< fragte ich sofort nach, wobei ich mir das nicht vorstellen konnte, da Evelyn sonst nie getrunken hatte. Warum also jetzt?

>> Ja, ordentlich. Sie hatte wohl mit anderen gefeiert, dass sie ihre Prüfung bestanden hatte und wollte grade zur Bushaltestelle gehen, aber da habe ich sie mir lieber geschnappt und sie nach Hause gebracht.<<

>> Danke.<< sagte ich zu ihm gewandt, woraufhin er nickte und ich mir Sorgen machte. Natürlich hatte es einen Anlass gegeben, weswegen sie getrunken hatte, aber trotzdem sah es ihr ganz und gar nicht ähnlich, wenn sie sonst nie auch nur einen einzigen Tropfen angerührt hatte.

>> Hat sie während der Fahrt irgendwas erzählt?<<

Dan nickte nur und schien das Gespräch noch einmal im Kopf durchzugehen und zu überlegen, was er mir davon erzählen sollte, doch ich wollte alles wissen und hören.

>> Willst du das wirklich wissen Blake?<<

>> Ja, wieso? Ist es so schlimm?<<

>> Egal was ich dir erzählen würde, es ändert nichts daran, dass die Trennung für sie endgültig war, also renn jetzt nicht zu ihr und versuch sie umzustimmen. Ich musste ihr versprechen, dir nichts davon zu erzählen.<<

>> Versprochen.<<

>> Ich verlass mich auf dich Blake!<<

>> Du weißt, dass du mir vertrauen kannst, also erzähl schon.<< drängte ich ihn, da ich es unbedingt hören wollte. Seit drei Monaten hatte ich nichts mehr von ihr gehört, weswegen ich nun komplett unruhig war. Mein Herz schlug automatisch schneller und meine Gedanken kreisten nur noch um sie.

>> Also gut. Wie gesagt, sie hat ihre Ausbildung abgeschlossen und das ziemlich gut, aber den Vertrag in ihrem Krankenhaus hatte sie ja schon vorher unterschrieben. Sobald die erste Gehaltszahlung als richtige Ärztin an sie überwiesen wurde, wird sie endlich das Strippen aufgeben, weil sie dann den Rest ihrer Schulden bezahlen kann.<< erzählte er, als er sich nach vorn beugte und einen Schluck Kaffee trank.

>> Also strippt sie im Moment immer noch?<<

>> Ja, aber sie möchte nicht mehr, weil es sie nur noch anwidert und sie sich jeden Abend dazu überwinden muss, da wieder hinzugehen. Seit Charly nicht mehr auf sie aufpasst, ist es wohl ziemlich schlimm geworden, da die Besucher anscheinend so gut wie alles dürfen und sie sich wie ein Stück Fleisch fühlt, aber das hat ja bald ein Ende.<<

>> Zum Glück... was sonst?<< fragte ich ungeduldig, wobei es mir das Herz zusammenzog, dass es so schlimm für sie war zu strippen, da Charly nicht mehr auf sie aufpasste. Zumal ich den Gedanken kaum ertrug, dass die Kunden machen durften, was sie wollten und es mich in sekundenschnelle eifersüchtig machte.

Ich versuchte mir vorzustellen, was die Gäste jetzt alles machten und durften, wie es für Evelyn war und was sie ertragen musste, doch es war ihre Entscheidung gewesen, wieder strippen zu gehen. Dennoch hoffte ich, dass sie es so schnell wie möglich aufgeben und endlich ein normales Leben führen konnte.

>> Ansonsten wohnt sie jetzt woanders, weil ihre Geschwister ja zu ihrem Vater nach San Francisco gezogen sind und sie die große Wohnung nicht mehr brauchte und die zu teuer war. Aber die Gegend und das Haus, wo ich sie abgesetzt habe... man das war alles so heruntergekommen und schäbig, so dreckig und widerlich.<<

Ich nickte nur und fragte mich sofort, wo sie jetzt wohnte, wobei er mir das mit Sicherheit nicht sagen würde, als Dan meine Gedanken schon wieder unterbrach.

>> Sie hat auch nach dir gefragt, wie es dir geht. Natürlich habe ich gesagt, dass es dir gut ginge, wobei sie bei dem Thema sehr ruhig wurde. Sie hat wohl gesehen, mit wem du in letzter Zeit so ausgegangen bist, weil die Zeitungen voll damit waren und meinte dann nur, dass sie ja Recht gehabt hätte.<<

>> Inwiefern Recht?<<

>> Dass du über sie hinwegkommen würdest und dich schnell nach neuen Partnerinnen umsehen würdest, um glücklich zu werden, um die richtige Frau für dich zu finden.<<

>> Wenn sie wüsste...<< murmelte ich und lachte innerlich in mich hinein. Es stimmte, ich hatte in letzter Zeit einige Abende mit Frauen verbracht, allerdings waren das alles rein geschäftliche Termine gewesen, da ich diese Frauen beschützte.

>> Hat sie denn schon jemand Neuen kennengelernt?<<

>> Nein, jedenfalls meinte sie es nicht. Sie sagte nur, dass sie sich in letzter Zeit auf die Prüfung vorbereitet hätte und die restliche Zeit gearbeitet oder geschlafen hätte, weswegen sie überhaupt keine Zeit und auch nicht das Bedürfnis gehabt hätte. Ich fragte sie dann, ob sie sich keinen Mann an ihrer Seite wünschen würde, dass es doch schöner wäre, gemeinsam durchs Leben zu gehen, aber da wurde sie ziemlich ruhig. Sie... Sie hat zugegeben, dass sie dich vermisst, dich immer noch liebt, aber dass sie nicht gut genug für dich wäre, weil du eine bessere Frau an deiner Seite brauchst.<<

>> Das ist so ein Quatsch!<< fuhr ich ihm dazwischen und konnte einfach nicht fassen, wieso sie es uns so schwer machte. Sie liebte mich und ich sie, warum konnten wir dann nicht einfach zusammen sein und unser Glück genießen?

>> Das habe ich ihr auch gesagt, aber so weit ist sie immer noch nicht. Es ist ihre Meinung und da lässt sie sich nicht reinreden. Als ich fragte, ob sie glücklich sei, Gott, dass war hart...<< seufzte er und lehnte sich weiter zurück.

>> Was hat sie gesagt?<<

>> Sie meinte, dass es nicht immer nur ums Glück gehen würde, dass viele Leute immer das Glück als Ziel des Lebens ansehen würden, sie aber schon früh gelernt hätte, dass das Ziel im Leben wäre zu überleben und das tut sie. Glück wäre Luxus und Luxus kenne sie nicht.<<

>> Das ist so heftig.<< stimmte ihm Lewis bei, der die ganze Zeit über ruhig neben uns gesessen hatte, während ich starr war und nicht wusste, was ich machen sollte. Es war einfach zu heftig, zu traurig, weswegen ich am liebsten zu Evelyn fahren und sie glücklich machen wollte. Verdammt, sie hatte es verdient und auch ich hatte es endlich wieder verdient glücklich zu sein. Die letzten Monate hatte ich mich zwar von der Trennung erholt und hatte es wieder geschafft zu funktionieren und auch gewisse Dinge in meiner Freizeit zu genießen, doch glücklich? Nein, das war ich nicht mehr, seit Evelyn und ich uns getrennt hatten.

>> Ich meine klar, sie war betrunken, aber...<<

>> Da sagt man die Wahrheit.<< fiel ihm Lewis ins Wort, als mich beide nachdenklich ansahen und auf eine Regung von mir warteten, die ich immer noch nicht geben konnte.

>> Denk dran, Blake! Du hast mir versprochen sie in Ruhe zu lassen, nicht zu ihr zu fahren, denn eigentlich weißt du nichts davon!<<

Ich nickte nur und kippte einen Schluck Kaffee herunter, während ich daran dachte, dass man Evelyn zu ihrem Glück zwingen müsste. Wie konnte sie so eine Haltung haben? Am liebsten wäre ich jetzt wirklich zu ihr gefahren und hätte sie so lange geschüttelt, bis sie zur Vernunft kommen würde, da das nicht ihr ernst sein konnte. Das Ziel des Lebens war es doch nicht zu überleben, dass war es früher vielleicht mal gewesen, als Primat, aber doch jetzt nicht mehr.

>> Sag was. Du machst uns Angst.<< forderte Lewis, weswegen ich tief durchatmete und ein falsches Lächeln auflegte.

>> Was soll ich denn sagen? Wie dumm sie ist? Wie sie so dumm sein kann und wirklich glauben kann, dass der Sinn des Lebens im Überleben liegt? Dass sie so dumm ist und nicht wahrhaben möchte, dass wir perfekt für einander sind? Das sie so dumm ist und nicht sieht, dass sie glücklich sein könnte, wenn sie uns noch eine Chance geben würde? Dass sie so dumm ist und lieber unglücklich ist, als die Augen zu öffnen und das Glück mit den Händen zu greifen?<< fuhr ich die beiden an und stand auf, um nach Hause zu fahren. Ich musste unbedingt allein sein und wieder einen klaren Kopf bekommen.

>> Blake, du hast...<<

>> Ich weiß Dan! Ich werde nicht zu ihr gehen, werde sie nicht anrufen und nichts sagen!<< sagte ich verärgert und ging aus dem Büro hinaus zu den Aufzügen, die zum Glück schon auf unserer Etage waren und fuhr damit schnellstens nach unten. Eilig stieg ich in meinen Wagen und fuhr in Rekordgeschwindigkeit nach Hause, wo ich direkt in mein Büro ging und mich in den Sessel fallen ließ.

Sofort wanderte mein Blick zu den vielen Bildern von Evelyn, die inzwischen an der Wand hingen, da ich sie nicht aus meinem Leben verbannen konnte. Es waren wunderschöne Bilder von ihr. In Las Vegas, beim Segeln, beim Schlafen, in meinen Armen, eins wo wir uns küssten und mein Lieblingsbild, wo sie auf der Yacht stand, ihr der Wind um die Ohren und ihre Locken ins Gesicht wehte, während sie sich zur Kamera umdrehte und schüchtern lächelte.

Beim Anblick spürte ich, wie sich mein Herz schmerzhaft zusammenzog und ich die Sehnsucht in mir nach ihr spürte. Die letzten Wochen hatte ich es geschafft sie so gut es ging zu verdrängen, doch nun war sie wieder präsenter denn je und mehr denn je, hatte ich den Wunsch zu ihr zu fahren, den ich krampfhaft zu unterdrücken versuchte.

Um mich abzulenken, ging ich ins Bad und gönnte mir eine kalte Dusche, damit ich wieder einen klaren Kopf bekäme. Anschließend zog ich mich an und machte mich für den heutigen Abend bereit, da ich wieder einmal ein Model zu einer privaten Geburtstagsfeier begleiten musste.

Ich hatte bereits zwei Mal auf sie Acht gegeben und sie zu einem öffentlichen Auftritt und einer Gala begleitet. Sie war nett und höflich, allerdings hielt sie sich nicht immer ganz an die Abmachungen, die wir getroffen hatten, damit ich sie so gut es ging beschützen konnte. Ab und an wurde sie ziemlich persönlich und baggerte mich an, was ich jedoch immer abgeblockt hatte, da ich kein Interesse an ihr hatte.

Ich schob meine Gedanken beiseite und seufzte, sah noch einmal in den Spiegel und überprüfte noch ein letztes Mal mein Aussehen. Nachdem ich noch meine Haare zusammengebunden und meine Uhr wieder angelegt hatte, verließ ich schließlich meine Wohnung und fuhr zu Violett, um sie abzuholen.

Wie immer war sie noch nicht fertig, weswegen ich bei ihr im Wohnzimmer wartete und bereits hoffte, dass der Abend schnell vorüber gehen würde. Allerdings kam ich bei meinen Gedanken direkt ein schlechtes Gewissen, da es nicht professionell war, als sie auch schon zu mir kam.

>> So, ich bin fertig. Sollen wir los?<<

>> Gern.<<

>> Gut. Vorher muss ich aber noch das Geburtstagsgeschenk in der Galerie abholen.<< bemerkte sie, als sie sich grade ihre Pumps anzog und mich neugierig musterte.

>> Kein Problem, dein Fahrer weiß sicher Bescheid.<<

>> Ja, natürlich. Alles in Ordnung bei dir? Du bist so angespannt.<< fragte sie mich nachdenklich und kam näher, während ich einen Schritt zurücktrat und noch einmal tief durchatmete.

>> Ja, alles bestens. Sollen wir los?<<

Sie nickte lediglich, nahm ihre Tasche und ihrem Mantel, als sie darauf wartete, dass ich die Tür öffnete und zuerst hinausging, um nach dem Rechten zu sehen.

Kapitel V

Evelyn

>> Hi Eve.<< begrüßte Kean mich und öffnete mir bereits die Tür zum Club.

>> Na, alles gut bei dir?<<

>> Alles bestens. Heute ist es ziemlich voll, wird also viel Trinkgeld geben.<<

>> Hoffentlich.<< murmelte ich, atmete noch einmal tief durch und ging schließlich hinein, wo ich direkt nach hinten durchging und mich an meinen Platz setzte.

Nur noch zwei Wochen maximal, dann würde ich das hier hinter mir lassen, wobei ich schon die Tage zählte. Es konnte mir nicht schnell genug gehen, doch noch brauchte ich das Geld, weswegen ich mich zusammenriss und gute Miene zum bösen Spiel machte.

Als hier noch die anderen Mädels getanzt hatten und Charly aufgepasst hatte, war es noch wesentlich angenehmer gewesen, doch nun war es einfach nur noch schäbig, billig und widerlich. Kean musste an der Tür stehen bleiben und konnte nicht zwischendurch in den Club kommen, um nach dem Rechten zu sehen, da Ed auch keinen neuen Türsteher nach Charly angestellt hatte. Für ihn zählte nur noch das Geld und wo er etwas einsparen konnte, machte er es auch.

Auch bei den neuen Mädels hatte er gespart und welche genommen, die so verzweifelt waren und alles machten, was er wollte, da sie froh über diesen Job waren. Sie ließen sich anfassen, begrabschen und erniedrigen ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Das einzige, was wir nicht machen mussten, war mit den Typen hier zu schlafen, aber spätestens da hätte ich einen Schlussstrich gezogen.

Ich ekelte mich ja so schon extrem vor mir selbst, da ich es zuließ, wie ein Stück Vieh behandelt zu werden. Es war nicht so, dass ich das wollte, doch ich hatte keine andere Chance, da die anderen Clubs genügend Mädels hatten und somit keinen Job für mich anbieten konnten.

So gern ich Ed auch noch vor ein paar Monaten gehabt hatte und so sehr ich ihm auch dankbar für den Job gewesen war, aber so wie er sich hier verändert hatte, machte es mich fertig und ich verabscheute ihn inzwischen. Charly hatte ich von all dem nichts erzählt, da er sonst den Laden hier aufgemischt hätte, weswegen auch Kean mir versprechen musste, den Mund zu halten.

Seufzend sah ich in den Spiegel, sah, dass ich schrecklich aussah, doch wen interessierte das schon. Im Krankenhaus arbeitete ich so viel ich konnte, da zu Hause eh niemand war, der auf mich wartete und ich so wenig wie möglich dort sein wollte. Es war wirklich eine Bruchbude. So oft es ging, kam ich in den Club und tanzte, um die letzten 15.000 Dollar noch abzubezahlen.

Es würde nicht mehr lange dauern und ich könnte den Club hinter mir lassen und mir eine andere Wohnung suchen. Robert hatte mir angeboten zu ihm zu ziehen, doch das Zimmer wäre viel zu teuer gewesen, da er in einem ziemlich guten Viertel wohnte und sowieso hatte ich keine Lust ständig seine ganzen Frauen mitzubekommen.

>> Eve, ich bezahle dich nicht fürs Träumen. Mach dich fertig, du hast nur noch fünf Minuten!<< schrie Ed mich an und ging sofort wieder, während ich endlich die Schminke herausholte und mein Gesicht zukleisterte.

Nach und nach hatte ich wieder meine Maske aufgesetzt, zog meine normale Kleidung aus und dafür die Dessous an, als ich auch schon zum Vorhang ging und mich neben Ed stellte.

>> Ich möchte, dass du heute da raus gehst und strahlst, egal wie es dir geht, denn das interessiert hier niemanden! Du sollst strahlen und den Gästen das Gefühl geben, dass du es gern machst, sonst schmeiß ich dich raus!<< raunte er mich an, doch das ignorierte ich. Wir hatten schon einige Unterhaltungen deswegen gehabt und kamen einfach nicht auf einen gemeinsamen Nenner.

Ed wollte, dass ich strahlte, doch das ging nicht, wenn ich mich wie ein Vieh fühlte, dass man benutzen konnte, wie man wollte. Die Regeln, die wir noch hatten, als Charly hier gewesen war, wollte er nicht hören, da er ohne diese wohl mehr Gäste anlockte, die mehr Geld umsetzten.

>> Dann schmeiß mich raus.<< antwortete ich gleichgültig, da ich einfach keine Kraft mehr hatte. Ich spürte, dass ich am Ende war, weswegen mir inzwischen alles egal war. Ich war nur noch ein leere Hülle, die funktionierte, doch der Mensch, die Evelyn von früher, war nicht mehr da.

Es war in der Zwischenzeit zu viel passiert. Erst die Tatsache, dass mein Vater wieder aufgetaucht war und mir dann meine Geschwister weggenommen hatte und die ich seitdem nicht mehr gesehen hatte, wobei auch die Telefonanrufe immer weniger geworden waren. Sie fühlten sich dort wohl, hatten neue Freunde gefunden, lebten ein perfektes Familienleben und ich war einfach so ersetzt worden. All die Jahre für nichts.

Dann die Sache mit Blake, die Trennung, die ich am Anfang als vernünftig und richtig angesehen hatte, doch die ich inzwischen als größten Fehler ansah. Ich war vorher nie ehrlich zu mir selbst gewesen, wollte mir nicht eingestehen, dass er mir wichtig war, das ich ihn brauchte und liebte, dass ich ohne ihn nicht komplett war, doch dafür war es nun zu spät, da er weitermachte, sein Leben weiterführte und bereits neue Frauen an seiner Seite hatte.

Dann meine Wohnung, die eine einzige Absteige war und in der man sich nicht erholen konnte, vor allem nicht bei den Nachbarn, die ich hatte. Jede Nacht schrien Leute im Haus, stritten sich, machten Party oder nahmen Drogen und drehten durch, weswegen ich auch dort keinen richtigen Schlaf bekam.

Dann noch die Arbeit im Krankenhaus, die Schichten und der wenige Schlaf, da ich ja auch noch hier arbeitete. Die Schulden, die mich auffraßen und mir schlaflose Nächte bereiteten. Der Streit mir Laura und auch der wenige Kontakt mit Charly durch die Sorgen um Maggie. Zwar sahen wir uns weiterhin ab und zu, aber da wollte ich ihn auch nicht mit meinem Sorgen belästigen.

All das sorgte dafür, dass ich mich immer mehr einigelte und alles mit mir allein ausmachte. Ich hatte niemandem, dem ich mein Herz ausschütten konnte, der mich einfach mal in den Arm nahm und mir sagte, dass alles gut werden würde. Jemand, der mir Kraft gab und mich aufbaute, weswegen ich es aufgegeben hatte positiv nach vorn zu blicken.

>> Jetzt geh erst mal raus und versuch es Eve! Wirklich sonst war das heute deine letzte Schicht!<< drohte mir Ed noch einmal und schubste mich auf die Bühne.

Ich versuchte zu Grinsen, ging lasziv zur Stange und arbeitete meine Choreographie mechanisch ab, wobei ich mir wirklich Mühe gab wenigstens so auszusehen, als ob es mir Freude bereitete. Doch als ich wieder die Hände der Gäste spürte, spürte wie sie mir an meinen Hintern, an meine Oberschenkel und meinen Schritt fasten, wie sie meine Brüste begrabschten, konnte ich meinen Ekel nicht mehr verbergen.

Sofort ging ich zur nächsten Stange und hoffte, dass es dort besser wäre, dass dort anständigere Typen säßen, doch auch dort musste ich wieder das gleiche über mich ergehen lassen. Plötzlich spürte ich wie mir jemand auf den Hintern schlug, bevor ich sah, wie er sich vor seinen Freunden deswegen brüskierte. Ich wollte am liebsten die Bühne verlassen, doch da sah ich Ed durch einen Spalt am Vorhang, der mir unmissverständlich klar machte, dass ich unbedingt weitermachen solle.

Ich riss mich zusammen, tanzte und räkelte mich weiter, zog meinen BH aus und flirtete so gut es ging mit den Typen, als mich am Ende auf einmal jemand am Fuß packte und von der Bühne aus auf seinen Schoß zog. Sofort nahm er meinen Nippel in seinen Mund, bevor ich auch nur irgendwie reagieren konnte, was mich so sehr schockierte, dass ich ihm aus Reflex eine Ohrfeige verpasste und mich von ihm wegdrückte, was gar nicht so einfach war, da er mich immer noch ordentlich festhielt.

Seine Freunde buhten mich aus, während ich so schnell ich konnte wegrannte und nur noch nach hinten wollte, um meine Sachen zu holen. Tränen stiegen bereits in mir auf, die ich nicht mehr länger kontrollieren konnte, weswegen ich froh war, fast an meinem Ziel zu sein, als ich plötzlich gegen einen Mann lief, der sich mir in den Weg gestellt hatte.

Sofort legte er eine Jacke um mich und hob mich hoch, als ich endlich in das Gesicht des Mannes sah und dadurch nur noch mehr Tränen zum Vorschein kamen. Diese dunklen, langen Haare, die zum Knoten gebunden waren, dieser maskuline Vollbart und diese durchdringenden blauen Augen.

>> Ich hab dich. Beruhig dich Evelyn.<< flüsterte er mir beruhigend ins Ohr, während er mich nach draußen trug. Ich schaffte es nicht, ihm etwas zu sagen, da mein Körper nur noch schluchzen konnte und alles herausließ, was ich die letzten Wochen unterdrückt hatte.

Plötzlich öffnete Blake eine Autotür und setzte mich behutsam auf den Beifahrersitz, bevor er mich mitleidig ansah.

>> Bitte bleib hier sitzen Evelyn. Ich geh noch mal kurz rein und hole deine Sachen, ok?<<

Da ich immer noch nicht sprechen konnte, nickte ich nur und schluchzte weiter, weswegen er tief durchatmete und die Tür schloss. Ich sah noch, wie er wieder in den Club ging, während ich mich weiter in den Sitz kuschelte und auf ihn wartete.

Mein Herz klopfte so laut und schnell, dass ich das Gefühl hatte, es würde gleich herausspringen, da ich schon lange nicht mehr dieses Glücksgefühl gespürt hatte. Blake war hier. Ich hatte seine Stimme gehört, seinen Duft eingeatmet und seine starken Arme um mich gespürt, weswegen ich mich zum erstem Mal hatte fallen lassen können. Zum ersten Mal seit Wochen hatte ich meine Mauer niedergerissen und das Gefühl der Geborgenheit und der Sicherheit kurz genossen.

Doch was wollte er hier? Weswegen war er hier in den Club gekommen? Wieso war er so lieb zu mir gewesen, nachdem ich ihm so viel Leid zugefügt hatte? Hatte Dan ihm doch was erzählt? Nein, das konnte nicht sein, immerhin hatte er es hoch und heilig versprochen. Doch bevor ich weiter darüber nachdenken konnte, kam Blake wieder aus dem Club und legte meine Sachen auf die Rückbank.

Mit einem lauten Seufzen setzte er sich auf den Fahrersitz und umklammerte das Lenkrad, wobei er den Schlüssel nicht drehte und keinerlei Anstalten machte loszufahren. Er sah mich noch nicht einmal an, blickte stur auf seine Hände, weswegen ich erneut zu schluchzen anfing.

>> Evelyn nicht... Das halte ich nicht aus.<< flüsterte er leise, bevor er meinen Kopf auf seinen Schoß zog und mir immer wieder liebevoll über die Schläfe strich. Mein Schluchzen wurde mit der Zeit immer weniger, da ich keine Kraft mehr hatte, weswegen er den Motor startete und losfuhr, wobei ich weiterhin auf seinem Schoß lag.

>> Wo soll ich dich hinbringen?<< fragte er nach einigen Sekunden, weswegen ich ihm kurz die Adresse nannte, den Kampf gegen meine Müdigkeit aufgab und kurz einschlief.

>> Evelyn... Evelyn... Wir sind da.<< weckte Blake mich schließlich wieder auf. Ich setzte mich auf und blickte auf meine heruntergekommene Nachbarschaft. Es war ein absolutes Ghetto mit eingeschlagenen Scheiben, besprühten Wänden, kaputten und zerstörten Läden und Bergen von Müll, doch es war billig.

Ohne ein Wort öffnete ich die Tür, zog den Mantel um mich noch enger und stieg schließlich aus, während Blake meine Tasche von der Rückbank holte und zu mir kam.

Er war so ruhig, höflich und lieb zu mir, seine bloße Anwesenheit tat mir so gut, weswegen ich über meinen Schatten sprang und einen Schritt auf ihn zuging.

>> Könntest du vielleicht noch mit rauf kommen, dann kann ich dir den Mantel zurückgeben.<< bat ich ihn und versuchte seinem Blick nicht auszuweichen, während erneut Tränen über meine Wangen rollten, die er eilig wegwischte, da sie ihm selbst Kummer bereiteten.

Er nickte nur, gab mir meine Tasche aus der ich den Schlüssel herausholte und ging zur Tür. Da ich zu sehr zitterte, schaffte ich es nicht den Schlüssel hineinzustecken, weswegen Blake ihn mir abnahm und es für mich übernahm. Wir liefen die Stufen in den sechsten Stock, wo er erneut die Wohnung aufschloss und ich zuerst hineinging.

Es war mir unendlich peinlich ihn hereinzubitten, da es ein Loch war und ich hier nur das Nötigste stehen hatte. Als ich aus meiner alten Wohnung ausgezogen war, hatte ich das meiste verkauft, da ich mir einen Umzugswagen nicht leisten konnte und ich Charly zu dem damaligen Zeitpunkt nicht darum bitten wollte. Auch Robert sollte nicht sehen, in welches elendige Viertel ich zog, weswegen ich wirklich alles verkauft hatte.

Ich sah wie Blake sich umsah und seine Augen sich vor Schock weiteten. Die Wohnung bestand nur aus einem Zimmer, in dem wir grade standen. Gerade durch war eine kleine Küchenzeile mit einem Herd und einem Kochfeld, sowie einem Kühlschrank, wobei die Küche auch schon bessere Zeiten gesehen hatte. Ich hatte alles versucht sauber zu schrubben, doch das war vergeblich gewesen.

Links von uns stand ein kleiner Tisch, wobei es eigentlich ein Karton gewesen war, den ich umfunktioniert hatte und ein Hocker, der als Stuhl diente. Rechts lag eine Matratze, die mein Bett war, was ich auch verkauft hatte, da ich nur die Matratze hatte tragen können. Meine Kleidung hing dahinter an einer Stange an der Decke, da ich noch nicht einmal einen Schrank besaß, oder lag auf dem Boden. Es lohnte sich nicht einen zu kaufen, da es auch so ging.

Hinten rechts war noch eine Tür, die zum Bad führte, die grade geschlossen war, die Blake jedoch im nächsten Moment öffnete. Es war ein winziger Raum, in den nur eine Toilette und eine kleine Dusche passten. Selbst ein Waschbecken hatte ich nicht, weswegen ich immer die Dusche zum Händewaschen nutzen musste. Auch das hatte ich alles so gut es ging geputzt, doch das hatte, ähnlich wie in der Küche, nichts gebracht.

Zudem zeigten die Wände und die Böden, was diese Wohnung schon alles für Bewohner gehabt hatte und was sie alles durchgemacht hatte, da niemand sich hier die Mühe gab, die Wohnung anschließend in einem angemessenen Zustand zu verlassen.

Es dauerte keine fünf Sekunden, bis Blake wieder zurückkam, die Tür schloss und mich schockiert ansah. Ich wandt mich sofort ab, ging zu der Stange mit der Kleidung und nahm mir eine bequeme Hose, Unterwäsche und noch ein Shirt.

>> Ist es ok, wenn ich kurz dusche und dir dann den Mantel wiedergebe?<< fragte ich halb erstickt und zwang mich dazu ihn anzusehen.

>> Natürlich.<<

Ich nickte und ging ins Bad, schloss die Tür und zog den Mantel aus, den ich vorsichtig an den Haken an der Tür hing. Eilig schminkte ich mich ab, stieg unter die Dusche und wusch mir all den Dreck und all die Erinnerungen vom Club heute herunter, wobei ich insgeheim hoffte, dass Blake zu mir käme, doch der ließ mir meine Privatsphäre. Ich sehnte mich nach der Geborgenheit, der Sicherheit und den Schmetterlingen bei ihm.

Zu gern wollte ich mich endlich wieder lebendig fühlen, ihn streicheln, küssen und spüren, doch ich war mir nicht sicher, ob er das auch wollte. Die ganze Zeit über war er zwar höflich und nett, allerdings auch auf Abstand zu mir. War er über mich hinweg und kümmerte sich nur um mich, weil ich ihm mal etwas bedeutet hatte? War er vielleicht schon wieder in einer festen Beziehung?

Schnell trocknete ich mich ab und zog mir die bequeme Kleidung über, kämmte noch meine Haare und trocknete sie. Ich sah noch ein letztes Mal in mein Spiegelbild, atmete tief durch, bis ich schließlich wieder ins Zimmer ging und den Mantel mit mir nahm, um ihn Blake wiederzugeben.

>> Danke für alles heute.<< flüsterte ich, da ich in seiner Gegenwart nichts herausbekam und reichte ihm seinen Mantel, den er sofort annahm.

>> Ich habe dir etwas zu Essen bestellt.<< sagte er und deutete auf den Tisch aus Karton, wo eine Pizza lag, die sicherlich köstlich schmeckte, doch allein der Geruch machte mich fertig.

>> Danke, aber ich habe keinen Hunger.<<

>> Du bestehst nur noch aus Haut und Knochen! Du musst etwas essen.<< bemerkte er und sah mich durchdringend an, was ich einfach nicht ertrug.

Wieder kamen Tränen hoch, die ich nicht so schnell unterdrücken konnte, da es alles zu viel für mich war. Kraftlos ließ ich mich auf die Matratze sinken und rollte mich ein, versuchte gegen meinen Kummer anzukämpfen, doch das gelang mir nicht. Ich hörte, wie Blake durch den Raum ging, immer wieder auf und ab, bevor ich spürte, wie die Matratze auf der anderen Seite nach unten gedrückt wurde und er sich an meinen Rücken kuschelte.

Ohne auf die vielen Zweifel in meinem Kopf zu hören, kuschelte ich mich noch enger an ihn, nahm seinen Arm, legte ihn um mich und genoss das Gefühl seiner Nähe und Wärme.

>> Ich vermisse dich so sehr.<< flüsterte ich, nachdem ich all meinen Mut zusammengenommen hatte, doch ich hatte eh nichts mehr zu verlieren. Ich setzte alles auf eine Karte und das war die Wahrheit, die Blake endlich verdiente.

>> Schlaf jetzt Evelyn. Ich bin hier.<< hauchte er und küsste mich liebevoll auf meinen Kopf, was eine so winzige Berührung, aber gleichzeitig eine so große Geste war.

Ich wollte ihm noch so viel sagen und gestehen, doch dafür war ich nach den letzten Tagen und Wochen einfach zu müde, weswegen ich aufgab und mich dem Schlaf opferte, den ich so dringend benötigte.

Kapitel VI

Blake

Vorsichtig versuchte ich meinen Arm aus Evelyns Umarmung zu ziehen, was gar nicht so einfach war, da ich nicht wollte, dass sie aufwachte. Es war inzwischen sieben Uhr morgens und ich musste dringend zur Arbeit, obwohl ich lieber hier geblieben wäre.

Es tat so unendlich gut Evelyns Nähe zu spüren, doch gleichzeitig tat es so dermaßen weh zu sehen, was sie grade durchmachte. Sie gestern in diesem Club tanzen zu sehen, hatte mir die Kehle zugeschnürt. Schon damals hatte sie es nicht gemocht zu tanzen, doch gestern war es um Welten schlimmer gewesen. Es war als würde sie gezwungen werden zu tanzen und dann auch noch die Typen, die mit ihr machen durften, was sie wollten. Dan hatte nicht untertrieben mit dem, was Evelyn ihm darüber erzählt hatte.

Ich hatte den Typen, der es gewagt hatte Evelyn auf seinen Schoß zu ziehen und an ihre Brüste zu gehen grade eine verpassen wollen, als Evelyn das schon selbst getan hatte und daraufhin tränenüberströmt durch den Club gerannt kam. Zu sehen, wie sie weinte, wie sie litt und wie wenig Kraft sie nur noch hatte, hatte mich fertig gemacht.

Was war nur in den letzten Wochen mit ihr passiert? Am liebsten wollte ich ihr meine Liebe gestehen, ihr sagen, dass alles gut werden und dass ich mich um alles kümmern würde, doch ich wusste, dass das nichts brachte. Evelyn musste von sich aus auf mich zu kommen und so lange musste ich eben Geduld haben.

Das war auch der Grund gewesen, weswegen ich bisher so auf Abstand geblieben war und nichts in der Richtung gesagt hatte, auch wenn es mir mehr als schwer gefallen war. Dennoch hatte es sich gelohnt, da sie von sich aus zugegeben hatte, dass sie mich vermisste. Diese Worte waren eine enorme Erleichterung gewesen und ließen mich hoffen.

Ich seufzte noch einmal, stand schließlich auf und betrachtete sie noch einmal. Sie sah so verloren aus, da sie wirklich enorm viel abgenommen hatte, weswegen mein Blick wieder zum Pizzakarton wanderte. In der Küche entdeckte ich einen Block und einen Stift, weswegen ich leise dort hinging und ihr noch eine Notiz schrieb.

Guten Morgen Evelyn,

ich hoffe, du konntest gut schlafen. Es tut mir Leid, aber ich musste zur Arbeit. Bitte tu mir und dir den Gefallen und iss noch die Pizza, denn du musst dringend etwas zu dir nehmen!

Wenn du mich brauchst, weißt du, wo du mich findest.

Blake

Leise schlich ich mich aus Evelyns Wohnung, oder besser gesagt aus ihrer Baracke, denn nichts anderes waren diese Räume und schloss hinter mir die Tür. Auch im Treppenhaus gab ich mir alle Mühe leise zu sein, wobei es hier eh so laut war, dass meine Tritte auf der Treppe nicht weiter auffallen würden.

Die ganze Nacht über hatten die Nachbarn miteinander gestritten, geschrien, oder Party gefeiert, was man nur zu deutlich hören konnte, da die Wände sehr hellhörig waren und es hier niemanden scherte, wer was mitbekam. Eine Gänsehaut durchfuhr mich, als ich daran dachte, wo Evelyn hier gelandet war.

Draußen vor der Tür holte ich tief Luft, stieg in meinen Wagen ein, der, zu meiner Verwunderung, noch da war und verband mein Telefon direkt mit dem Bordcomputer, da ich telefonieren musste.

>> Guten Morgen Mr Humphrey.<< begrüßte mich meine Assistentin, die mir inzwischen sehr viel Arbeit abnahm und gut war in ihrem Job.

>> Guten Morgen Jennifer. Ich bräuchte einmal ihre Hilfe.<<

>> Natürlich. Was kann ich für Sie tun?<<

>> Könnten Sie bitte einmal heraussuchen bei welcher Krankenversicherung, oder welchem Krematorium, egal wo eine gewisse Dr. Evelyn Chamberlain noch Schulden hat?<<

>> Kein Problem, das kriege ich hin. Sonst noch was?<<

>> Wenn Sie das herausgefunden haben, dann begleichen Sie die Schulden bitte von meinem Konto.<<

>> Egal wie viel?<< hakte sie noch einmal nach, während ich im Hintergrund schon hörte, wie sie etwas in den Laptop eingab.

>> Ja. Egal wie viel und bitte überweisen sie auf Dr. Chamberlains Konto noch 10.000 Dollar als Express-Überweisung. Es soll noch heute drauf sein.<<

>> Wird gemacht Mr Humphrey.<<

>> Danke, dann bis nachher.<< sagte ich noch und legte auf, bevor ich an der nächsten Ecke hielt und mir einen Kaffee holte, den ich nach der schlaflosen Nacht dringend benötigte.

Als ich die letzten Meilen zur Arbeit fuhr, sah ich immer wieder auf den Beifahrersitz, wo Evelyn gestern noch gesessen hatte. Ich spürte immer noch ihren Kopf auf meinem Bein, spürte immer noch, wie ich ihr immer wieder über die Schläfe gestreichelt hatte, damit sie sich beruhigte, während sich alles in mir nach ihr sehnte und verzehrte.

Vollkommen fertig und durch den Wind parkte ich das Auto schließlich, atmete noch einmal tief durch und fuhr mit dem Aufzug nach oben ins Büro, wo ich mir einen weiteren Kaffee gönnte und den ersten Schluck trank. Angespannt ging ich in mein Büro und sorgte dafür, dass heute jemand anderes Mrs Taylor bewachte, da ich mich dafür heute nicht in der Lage fühlte.

Zum Glück hatte sich die Lage hier in Seattle entspannt, sodass wir genügend Personenschützer zur Verfügung hatten. Nachdem ich jemanden für sie zugeteilt hatte, nahm ich mir einen neuen Anzug aus meinem Schrank, da ich mich unbedingt frisch machen und neue Kleidung anziehen musste.

Anschließend versuchte ich so gut es ging zu arbeiten, wobei ich immer wieder an Evelyn und an das Gefühl dachte, wie sie so kraftlos in meinem Arm gelegen hatte, weswegen ich noch einmal meine Assistentin anrief.

>> Hi Jennifer, haben Sie die Dinge wegen Dr. Chamberlain erledigt?<< fragte ich sie direkt, da ich sah, dass eine Verbindung hergestellt worden war.

>> Hallo Mr Humphrey, die 10.000 Dollar sind bereits auf ihrem Konto gutgeschrieben. Die Schulden bei der Krankenversicherung sind beglichen, das waren noch 12.900 Dollar etwa. Beim Krankenhaus hatte sie keine Schulden mehr und die beim Krematorium sind auch beglichen, das waren noch 2.400 Dollar.<< erklärte sie mir, während ich im Geiste nachrechnete und es bemerkenswert fand, dass Evelyn bereits so viel zurückgezahlt hatte.

>> Vielen Dank Jennifer.<<

>> Gern geschehen.<<

>> Haben Sie denn auch schon die Berichte für die Verlage durchgesehen?<<

>> Noch nicht ganz. Das mit Dr. Chamberlain hat ziemlich lange gedauert.<< entschuldigte sie sich, weswegen ich sie sofort beruhigte.

>> Kein Problem Jennifer. Das andere war wichtiger. Melden Sie sich einfach, wenn Sie so weit sind.<<

>> Mache ich.<<

Ich legte auf und sah wie Dan an meinem Büro vorbeiging, bevor er anhielt und zu mir kam.

>> Solltest du heute nicht Mrs Taylor bewachen?<< hakte er nach und lehnte sich an den Türrahmen.

>> Ja, aber ich habe jemand anderen dafür beauftragt. Ich bin heute nicht ganz auf der Höhe.<<

>> Sieht man. Ehrlich gesagt, siehst du ziemlich scheiße aus.<<

>> Danke.<<

>> Ist denn alles ok bei dir?<< fragte er mich, als ich plötzlich jemanden hinter ihm entdeckte und ungläubig aufstand. Sofort drehte Dan sich um und sah in die gleiche Richtung wie ich, wo Evelyn stand und mich unbeirrt ansah.

>> Oh... hi Evelyn, schön... dich zu sehen. Dann gehe ich mal und lasse euch in Ruhe.<< entschuldigte sich Dan und ging, während Evelyn noch einmal tief durchatmete und zu mir kam.

>> Hi.<< zwängte sie sich heraus, während sich ihre Augen schon wieder mit Tränen füllten.

>> Hi, komm rein und setz dich.<< bot ich ihr an, was sie auch tat, während ich die Tür schloss, um genügend Privatsphäre mit ihr zu haben. Anschließend verdunkelte ich die Fenster und setzte mich zu ihr.

>> Möchtest du einen Kaffee?<< fragte ich sie, woraufhin sie den Kopf schüttelte und unbeirrt auf ihre Hände sah. Es entstand eine lange Pause, da sie nicht sagte, was sie wollte, weswegen ich irgendwann doch den Anfang machte.

>> Hast du die Pizza gegessen?<< hakte ich nach, da es ein neutrales Thema war, bei dem sie sich hoffentlich wohl fühlte.

>> Nein, ich kriege einfach nichts runter. Schon gar nicht seit gestern.<<

>> Wieso?<<

>> Weil ich... weil ich viel zu durcheinander bin, fertig bin und dann warst da du...<< stammelte sie und sah mich endlich an, wobei es mir direkt wieder das Herz zuschnürte, da die Tränen schon ihre Wangen herabrannen.

>> Was ist mit mir?<<

>> Die ganze Zeit habe ich versucht dich zu ignorieren, dich in eine hintere Ecke in meinem Kopf zu verbannen, sah die ganzen Frauen, mit denen du ausgegangen warst, sah wie glücklich du warst und jetzt warst du gestern bei mir...<< schluchzte sie, weswegen ich ihr ein Taschentuch reichte.

>> Scheiße... Ich bin so schlecht darin und ich habe solche Angst, dass...<<

>> Dass was?<< versuchte ich nachzuhaken, damit ich irgendwie schlauer daraus wurde.

>> Ich habe dir gestern schon gesagt, dass ich dich vermisse und du hast nichts darauf erwidert, also geht es dir vielleicht nicht so, weil dein Leben weiter ging, ohne mich und es vielleicht besser ist seitdem und ich kein Recht dazu habe, dich mit meinen Gefühlen zu belasten... aber ich... ich vermisse dich unheimlich! Jeden Morgen, wenn ich ohne dich aufwache, jeden Abend, wenn du mich nicht von der Arbeit abholst und ich allein durch deine Anwesenheit, durch dein Grinsen und durch deine Wärme neue Kraft tanken kann. Jede Nacht, wenn ich mich nicht an dich kuscheln und mich geborgen fühlen kann. Jeden freien Tag, wenn ich mich nicht mit dir unterhalten, nicht mit dir rumalbern und nicht mit dir kuscheln kann. Ich bin ein nichts ohne dich, ich brauche dich und ich will dich, möchte endlich wieder glücklich sein, aber du... Du brauchst mich nicht...<< sagte sie in den Raum, als ich es nicht mehr länger aushielt, sie zu mir auf meinen Schoß zog und in meine Arme schloss. Ich drückte sie so stark ich konnte, da ich es immer noch nicht fassen konnte, dass sie hier war und mir grade ihre Gefühle gestanden hatte. Ich konnte nur erahnen, was für ein riesiger Schritt es für sie gewesen sein musste, auf mich zuzugehen und mir ihr Herz auszuschütten.

Stürmisch zog ich ihren Kopf zurück und küsste sie, während ihre Hände sich in meine Haare gruben und ich ihre Tränen an meiner Wange spüren konnte. Evelyn zitterte heftig, als unsere Zungen sich zaghaft neckten, auf Tuchfühlung gingen und schließlich immer wilder wurden. Ich hatte das Gefühl, dass mein Bauch gleich explodierte, da ich vor lauter Glücksgefühlen überhäuft wurde.

Evelyn zu spüren, sie endlich wieder in meinen Armen zu halten, sie zu küssen, zu schmecken und sie zu riechen, war einfach zu viel des Ganzen. Ich spürte, wie mein Schritt hart wurde, eine Reaktion, die ich bei Evelyn nicht unter Kontrolle hatte.

>> Evelyn...<< murmelte ich, als wir nach Luft schnappten und uns endlich wieder in die Augen sahen.

>> Ich brauche dich Blake.<< hauchte sie, als sie mir liebevoll über den Bart strich und mich erneut küsste. Der Kuss wurde schnell leidenschaftlicher, während Evelyn sich an meinem Schritt rieb und unsere Atmung immer schneller und lauter wurde.

Am liebsten wollte ich sie stoppen, da wir noch so viel bereden mussten, wir hatten noch so viel zu klären, doch unsere Körper, unsere Lust hatten die Oberhand genommen, weswegen wir uns nicht mehr bremsen konnten.

>> Ich will dich endlich wieder spüren, deine nackte Haut,... deine Wärme,... deine Muskeln...<< presste sie zwischen einzelnen Küssen hervor, während ich ihre Jeansjacke abstreifte und ihr anschließend die Bluse Kopf für Knopf öffnete.

Kaum hatte ich alle Knöpfe geöffnet, streifte ich sie ihr ab und strich ehrfürchtig über ihr üppiges Dekolleté, was trotz ihrer Gewichtsabnahme noch ziemlich riesig war und mich enorm anmachte. Meine Hand wanderte weiter nach unten zu ihrem Bauchnabel und weiter, bis ich ihre heiße Mitte erreichte und Evelyn begann zu zittern.

>> Wie lange ist es her?<< fragte ich sie neugierig und streichelte immer wieder über ihren Venushügel.

>> Was?<<

>> Sex.<<

>> Vor drei Monaten mit dir in deiner Wohnung.<< gestand sie mir, was mich innerlich freute. Ich glaubte ihr, da sie mich noch nie angelogen hatte, außer der Sache mit dem Strippen, wobei das eher verheimlichen war.

>> Und selbst befriedigt?<<

>> Blake... Ich...<<

>> Sag es mir Evelyn!<<

>> Bevor ich dich überhaupt kennengelernt habe. In letzter Zeit hatte ich einfach nicht die Kraft dafür und auch keine Lust, weil es...<<

>> Weil was?<< fragte ich nach und erhöhte den Druck auf ihren Venushügel, weswegen sie kehliger atmete und ihre Wangen sich langsam rot färbten.

>> Weil ich immer nur dich wollte und es mit dir verbockt hatte, weil ich das nicht verdient hatte, nachdem, was ich kaputt gemacht hatte.<< sagte sie und wollte sich grade von mir wegdrücken, da sie sich anscheinend wieder die Schuld für alles gab, weswegen ich sie packte und fest an mich drückte.

>> Also seit drei Monaten keinen Orgasmus?<<

>> Nein.<<

Sofort stieß ich sie zur Seite und setzte sie aufs Sofa, während ich mich vor sie kniete und ihre Beine auseinanderdrückte.

>> Dann sollten wir das schnellstens ändern.<< sagte ich noch, schob ihren Rock nach oben und küsste ihre feuchte Mitte, weswegen Evelyn lautlos aufstöhnte. Mit meinem Daumen penetrierte ich sie durch den Stoff ihres Tangas hindurch und massierte immer wieder ihre Klit, während ich einzelne Küsse auf die Innenseiten ihrer Schenkel verteilte und ab und an leicht hineinbiss.

Evelyn wandt sich unter meinen Berührungen, streichelte sich und knetete ihre Brüste durch den BH hindurch, was für mich ein enorm geiles Bild war. Mein Schwanz zuckte in freudiger Erwartung, doch das musste noch Zeit haben, denn erst sollte Evelyn kommen.

>> Zieh dir den BH aus, ich möchte deine prallen Brüste sehen.<< befahl ich ihr, was sie sofort tat und ich ihre harten Nippel sehen konnte. Sie hatte wirklich perfekte runde und volle Brüste, auf die ich mich am liebsten gestürzt hätte, um sie zu liebkosen, doch stattdessen erhöhte ich erst einmal den Druck an ihrer Klit.

>> Knete sie für mich, zieh an deinen Nippeln, schlag sie aneinander...<< forderte ich sie auf, während sie langsam zu zittern begann und ihre Atmung lauter und kehliger wurde.

>> Mehr Blake!<<

Ich tat ihr den Gefallen, erhöhte den Druck noch einmal und sah ihr dabei zu, wie sie ihre Brüste immer härter knetete und ihre Nippel zwischendurch immer stärker zwischen den Fingern drehte. Immer wieder bäumte sie sich vor Lust auf, schloss kurz die Augen, um mich dann wieder zu betrachten und mir dabei zuzusehen, wie ich es ihr besorgte.

>> Blake...<< stöhnte sie plötzlich, ließ ihren Kopf in den Nacken fallen und bäumte sich mit jeder Welle meinen Bewegungen entgegen.

>> Lauter Evelyn, genieß es!<< forderte ich sie auf, da sie sich nicht zurückhalten sollte. Die Wände hier waren ziemlich dick und wenn man etwas hörte, war mir das scheißegal.

Als ihr Stöhnen leiser wurde, riss ich ihren Tanga durch, teilte sie mit meiner Zunge und kostete ihren herrlichen Saft. Normalerweise war ich kurz nach einem Orgasmus sanfter, da sie noch so sensibel war, doch heute konnte ich mich nicht zurückhalten. Nicht, wenn es schon so lange her war. Mit meinen Händen hielt ich ihre fest, damit sie mich nicht wegdrückte und leckte sie immer wieder über ihre Klit und an ihrem Loch.

>> Blake, das ist zu viel... Ich...<<

>> Ich kann nicht anders Evelyn. Es ist zu lange her und du schmeckst so herrlich.<< entschuldigte ich meine Gier, bevor mein Daumen wieder ihre Klit bearbeitete und meine Zunge an ihrer Öffnung flatterte und sie neckte.

>> Du bist zu heftig, das bin ich nicht mehr gewohnt... Lass mich wenigstens meine Brüste kneten, sonst halte ich das nicht aus...<< flehte sie mich an, weswegen ich nachgab und meine Hände unter ihren Hintern grub, den ich fest packte und knetete.

Als ich im Augenwinkel eine leere, geschlossene Whiskyflasche auf dem Couchtisch neben uns sah, kam mir eine Idee, weswegen ich sie schnell nahm, als Evelyn ihre Augen vor Lust geschlossen hatte. Ich umklammerte eine Zeit lang den Hals der Flasche, damit sie nicht mehr so kalt war, während ich sie weiterhin penetrierte.

Als die Flasche warm genug war, legte ich sie an ihre Öffnung und begann sie langsam in Evelyn einzuführen und sie immer wieder rein und rauszugleiten. Evelyn stutzte kurz und sah nach unten, wo sie die Flasche entdeckte.

>> Genieß es!<< beschwichtigte ich sie, ließ den Flaschenhals wieder in sie gleiten und leckte an ihrer Klit, wobei sie inzwischen schon sehr sensibel und nah am Höhepunkt war. Meine freie Hand drückte sich immer wieder in die Innenseiten ihrer Oberschenkel, da Evelyn dort sehr leicht erregbar war und sie deshalb jedes Mal leicht aufstöhnte.

Immer schneller und tiefer ließ ich die Flasche in sie gleiten, während ich inzwischen an ihrer Klit knabberte und saugte. Evelyn spannte ihre Beckenbodenmuskeln so stark an, bäumte sich mir so weit entgegen, hielt ihren Orgasmus aber noch zurück, was ich schon von ihr kannte, damit er noch explosiver wurde.

Ich liebte es, dass sie es hinauszögerte, was mir das Zeichen gab, sie noch einmal so stark wie möglich zu reizen, damit sie keine Chance mehr hatte und die Kontrolle über sich und ihren Körper verlor. Sie spannte alles an, zitterte heftig, als ich die Flasche komplett herausholte und an ihrer Öffnung damit spielte.

>> Steck sie wieder rein.<< flehte sie mich an und keuchte laut.

>> Gleich!<<

>> Bitte Blake!<<

>> Gedulde dich...<< folterte ich sie noch ein wenig, was Evelyn anscheinend verzweifeln ließ, da ihr gesamter Körper so unter Spannung stand und erlöst werden wollte.

Meine Zunge leckte nur noch ganz leicht an ihrer Klit, bis ich nach einigen Sekunden die Flasche hineinstieß und heftig an ihrer Klit knabberte und saugte. Zeitgleich kniff ich mit meiner Hand in ihren Oberschenkel, weswegen Evelyn keine Chance mehr hatte, sich ein Kissen schnappte und laut hineinstöhnte.

Ihr lautes Stöhnen turnte mich dermaßen an, dass ich es selbst nicht mehr aushielt, ich nach einigem Stöhnen aufstand, mir mein Shirt auszog und schnell aus meiner Hose schlüpfte.

Ich wollte grade meine Boxershorts ausziehen, als Evelyn mir zuvorkam und sie mir ehrfürchtig abstreifte.

>> Du hast noch mehr Muskeln bekommen.<< bemerkte sie und strich mir demütig über mein Sixpack, bis sie an meinem harten Schwanz ankam und ihn mit ihren Fingerspitzen neckte.

>> Leck ihn ab.<< befahl ich ihr, was sie direkt machte und mir dabei tief in die Augen sah. Ich genoss das Gefühl wieder in ihrem Mund zu sein und das Spiel ihrer Zunge zu spüren, während sie ihn immer wieder so tief wie möglich in sich aufnahm und ihn liebevoll liebkoste, als wäre es etwas höchst kostbares.

Mit der Zeit wurde sie fordernder und wilder, bearbeite meinen Schwanz zusätzlich mit ihren Händen und saugte stark an ihm, bis ich es nicht mehr aushielt und mich ihr entzog.

>> Leg dich auf mich.<< bat sie mich und legte sich bereits aufs Sofa.

>> Wirklich?<<

>> Ja.<<

Ich folgte ihrer Bitte, positionierte mich über ihr und spürte direkt wieder, wie angespannt sie war. Nachdem ich gesehen hatte, was Adam beim letzten Mal mit ihr gemacht hatte und was er wohl beim ersten Mal getan hatte, konnte ich das nur zu gut verstehen, weshalb ich Evelyn nicht unter Druck setzen wollte.

>> Wir müssen das nicht machen.<<

>> Ich möchte es aber. Ich möchte, dass du oben liegst und in mir kommst. Es geht mir gut.<< versicherte sie mir, weswegen ich sie mit einem liebevollen Kuss versuchte abzulenken. Nach einigen Sekunden legte ich meinen Schwanz an ihre Öffnung, als sie sich mir entgegen bäumte und ich somit ein Stück in sie eindrang.

Ich ließ mir Zeit und ließ ihn langsam Stück für Stück in sie gleiten, während sie mir tief in die Augen sah und ich ihr immer wieder liebevoll über die Schläfe strich. Als ich komplett in ihr war, verharrte ich erst einmal in ihr, damit sie sich an das Gefühl gewöhnen konnte. Wieder küssten wir uns, als sie ihre Arme um mich legte und meinen Rücken streichelte.

>> Ich liebe dich.<< hauchte sie erstickt, als eine Träne an ihrer Schläfe herabrann und aufs Sofa tropfte.

>> Ich dich auch mein Engel.<< sagte ich, woraufhin sie grinste und mich fester an sich zog, ihren Kopf in meiner Halsbeuge vergrub und ihre Beckenbodenmuskeln so heftig anspannte, dass ich aufstöhnte und kam, da mich meine Gefühle und das Gefühl in Evelyn zu sein und das nach so langer Zeit überrollten. Dabei biss ich ihr leicht in den Nacken, während sie ihre Beine um mich klammerte und mich somit festhielt.

Es war das erste Mal, dass ich über ihr sein durfte beim Sex und dass ich in dieser Position gekommen war, weswegen ich nicht glücklicher hätte sein können. Immer wieder streichelte sie mir über den Rücken, während ihr Zittern verschwunden war und sie gleichmäßig und ruhig atmete.

>> Bitte gib mir noch eine Chance. Ich kann mich bessern. Ich verspreche es dir.<< wisperte sie, weswegen ich mich ein Stück erhob und sie wieder ansah.

>> Bitte.<< flehte sie mich erneut an und sah mich mit ihren viel zu großen Augen an.

>> Nur unter einer Bedingung.<<

>> Egal welche, ich mach’s.<<

>> Du gehst jetzt mit mir Essen und du isst so viel, wie ich dir bestelle. Ehrlich mein Engel. Wie viel hast du abgenommen?<< fragte ich sie direkt, da ich beim Sex bemerkt hatte, wie knochig sie geworden war.

>> Gute sieben Kilogramm.<< gab sie zu, weswegen ich seufzte, sie an mich drückte und mich mit ihr hinsetzte, da ich sonst Angst hatte sie zu zerdrücken. Immerhin wog ich mit meinen Muskeln gute 120 Kilogramm, während sie vielleicht um die 45-50 Kilogramm wog.

>> Du wirst zunehmen. Verstanden?<<

Sie nickte und klammerte sich sofort wieder an mich, was ich nur all zu sehr genoss, da es mein sehnlichster Wunsch der letzten Monate gewesen war. Nach einem tiefen Atemzug ihres Dufts, küsste ich sie noch einmal zärtlich, bevor wir uns sauber machten und anzogen.

Kapitel VII

Evelyn

>> Worauf hast du Lust? Pizza, Pasta, Steak, Indisch?<< fragte mich Blake während er grade seinen Gürtel schloss und ich immer noch fasziniert von seinen Muskeln war.

>> Auf dich.<<

>> Erst, wenn du etwas gegessen hast!<< knurrte er und ließ keinen Zweifel daran, dass er es ernst meinte.

>> Dann Pizza im Bett.<<

>> Dann aber in meinem Bett, denn in deiner Wohnung wirst du keine weitere Nacht bleiben!<< legte er fest, weswegen ich gar nichts dagegen sagen brauchte. Er würde es eh nicht akzeptieren und ich konnte es zu gut nachvollziehen, da selbst ich dort nicht mehr hin wollte.

>> Ich müsste dann aber noch meine Sachen holen.<< antwortete ich vorsichtig, woraufhin Blake mich scharf ansah und nach einem kurzen Zögern nickte.

>> Wir holen deine Kleidung, kündigen die Wohnung und dann ziehst du zu mir.<<

>> Zu dir?<<

>> Zu schnell?<<

>> Ein wenig.<< gab ich zu, als ich noch einmal tief durchatmete und meine Panik unterdrückte.

>> Lass und erst mal etwas essen und reden.<< schlug Blake vor, als ich meine Jeansjacke aufhob und dabei den kaputten String entdeckte.

>> Du schuldest mir noch einen neuen String.<<

>> Ich gehe liebend gern in einen Dessousladen mit dir.<< sagte er schmunzelnd, kam zu mir und nahm mich in seine Arme. Wir küssten uns zärtlich, wovon ich einfach nicht genug bekam, bis ich den String wegwarf und auf Blake wartete, der sich noch sein Jackett anzog und zu mir kam.

Er ergriff meine Hand, öffnete die Tür und ging mit mir zum Aufzug, wo er auf den Knopf drückte und mich eng an seine Seite zog. Kaum öffneten sich die Türen, drückte Blake auf den richtigen Knopf, stieg mit mir ein und drückte mich gegen die Wand, um mich wieder in einen leidenschaftlichen Kuss zu reißen.

Ich genoss das Spiel seiner Zunge, sein Verlangen und seinen Herzschlag, der genauso schneller wurde wie meiner, was ich merkte, als ich meine Hand auf seine Brust legte. Schnell wanderte meine Hand weiter nach oben, um meine Hände um seinen Hals zu legen, als er mich hoch hob und auf den Handlauf setzte. Mechanisch schloss ich meine Beine um ihn, klammerte mich regelrecht an ihm fest und spürte bereits wieder mein inneres Verlangen nach ihm.

Doch bevor wir unsere Lust weiter ausleben konnten, öffneten sich die Fahrstuhltüren wieder, weswegen Blake mich sanft herunter ließ, meine Hand ergriff und mit mir zu seinem Wagen ging. Wie ein Gentleman öffnete er mir wieder die Tür, was ich noch von ihm kannte und stieg ein, bevor er sie schloss und er auf der Fahrerseite einstieg.

>> Was für eine Pizza möchtest du essen?<< fragte er mich, als er den Wagen startete und ausparkte.

>> Nichts Besonderes. Einfach nur eine Margherita.<<

Er nickte, betätigte seinen Bordcomputer und bestellte uns zwei Pizzen und ein Tiramisu als Nachtisch, während ich nach draußen sah und mich endlich wieder lebendig fühlte. Zum ersten Mal seit drei Monaten entwickelte sich mein Leben mal wieder in die positive Richtung, weswegen ich den Moment einfach nur genoss und all die Zweifel und Ängste hinten anstellte. Da Blake noch telefonierte und irgendwas mit seiner Assistentin besprach, legte ich meine Hand auf seinen Oberschenkel, streichelte ihn liebevoll und betrachtete weiterhin die vorbeiziehende Landschaft.

Ich hätte niemals gedacht, dass dieser Tag so enden würde, da ich eher damit gerechnet hatte, dass Blake mich abblitzen lassen würde, aber ich hatte keinen anderen Ausweg mehr gesehen, als es zu versuchen und ehrlich zu sein. Zum ersten Mal seit drei Monaten war ich gestern ruhig und ohne Ängste eingeschlafen, hatte mich vollkommen und ganz gefühlt und das war etwas, was ich nicht mehr missen wollte.

Lieber nahm ich das Risiko in Kauf, dass er meine Zuneigung und Liebe, die ich ihm gestand und nun offen zeigte, missbrauchte, als sie gar nicht erst auszuleben. Nur weil mein Vater dies getan hatte, bedeutete es nicht, dass Blake genauso war. Er war es immerhin gestern gewesen, der mich im Club aufgefangen und nach Hause gebracht hatte, wo er mich liebevoll umsorgt hatte.

>> Alles in Ordnung?<< fragte Blake plötzlich, da er das Telefonat mit dieser Jennifer anscheinend beendet hatte.

>> Mhm.<<

>> Ich muss dir was gestehen und ich sage dir das am besten gleich, damit du später nicht vollkommen ausflippst.<<

>> Was denn?<< fragte ich neugierig nach und spürte ein leichtes Ziehen in meinem Bauch, da ich Angst vor der Wahrheit hatte.

>> Als ich heute Morgen zur Arbeit fuhr, habe ich etwas in die Wege geleitet, was dich nicht freuen wird.<<

>> Jetzt sag es doch einfach.<< bat ich ihn, da er mich nicht mehr länger auf die Folter spannen sollte.

>> Bitte hör es dir bis zum Ende an, bevor du etwas sagst.<<

>> In Ordnung.<<

>> Gut. Ich habe meine Assistentin darum gebeten herauszufinden, wo du noch Schulden hast und habe sie gebeten die in meinem Namen zu begleichen, weil ich es nicht ertragen hätte, wenn du weiterhin in solch einer Baracke gewohnt und bei diesem schmierigen Wichser gearbeitet hättest, wobei er dich gestern eh gefeuert hat. Wenn du unbedingt darauf bestehst, dann kannst du es mir zurückzahlen, wenn du genug zusammen hast, aber das musst du nicht.<<

Ich dachte über seine Worte nach, daran, dass er das über meinen Kopf hinweg entschieden hatte, doch er hatte es nicht aus Boshaftigkeit getan, oder um mir eins auszuwischen, sondern um mir zu helfen und mir etwas Gutes zu tun, da ich somit nicht mehr zu Ed musste und eventuell in eine andere Wohnung ziehen konnte.

>> Danke Blake.<< sagte ich lediglich, woraufhin er mich entgeistert ansah, da er meine Antwort anscheinend nicht glauben konnte.

>> Und ich... ich habe 10.000 Dollar auf dein Konto überwiesen, damit du weniger Sorgen hast, allerdings hatte ich da auch nicht damit gerechnet, dass wir so schnell wieder zusammen finden würden.<<

>> Ich brauche nicht so viel Geld.<< verteidigte ich mich, wobei mir auch das egal war. Wenn es ihn beruhigte, sollte er es tun. Ich konnte es ihm ja bei Gelegenheit zurücküberweisen.

>> Ich weiß, aber es ließ mich ruhiger werden.<<

Ich nickte, als Blake in die Tiefgarage fuhr, das Auto abstellte und wir zum Aufzug gingen. Anders als eben hielt er sich zurück, da er noch eine Nachricht schrieb, bevor wir oben ausstiegen und zu seiner Wohnung gingen.

Drinnen sah alles noch so aus wie beim letzten Mal, weswegen ich mich direkt wieder wohl fühlte und zur Fensterfront ging, um mir die Stadt von oben anzusehen. Blake war inzwischen in die Küche gegangen, um alles für das Essen vorzubereiten, als es auch schon an der Tür klingelte und er aufmachte.

>> Kommst du?<< fragte er mich und stellte die Kartons auf dem Tresen ab, weswegen ich zu ihm ging und mich auf den Barhocker setzte.

>> Danke für die Pizza.<<

>> Hör bitte auf dich für alles zu bedanken mein Engel. Es ist ja auch in meinem Interesse, dass du etwas isst und um auf eben zurückzukommen... Die wird aufgegessen.<<

Ich nickte nur, nahm mir ein Stück und biss hinein, was einfach nur köstlich war. Das Essen schmeckte vollkommen anders, wenn man glücklich war, weswegen ich mir direkt das zweite nahm und herzhaft hineinbiss.

Blake sah mir streng dabei zu, wie ich aß, während er meine linke Hand nicht losließ und sie immer wieder streichelte. Anscheinend hatte er Angst, dass ich gehen könnte und alles nur ein Traum gewesen war, weswegen er so an mir festhielt.

>> Kann ich die letzten beiden Stücke nachher essen?<< fragte ich ihn nach einigen Minuten und hoffte, dass er ja sagen würde, da ich Papp satt war.

>> Meinetwegen.<< murmelte er, aß seinen letzten Bissen und ging mit mir zum Sofa, wo ich mich an seine Seite kuschelte.

>> Es ist alles so unwirklich und so schön.<<

>> Mhm.<<

>> Ich habe das gar nicht verdient nach dem Abend damals.<<

>> Wie meinst du das?<< fragte er mich und stand auf, um uns einen Wein einzuschütten.

>> Es gab vieles, was ich dir an dem Abend damals am liebsten gesagt hätte, aber das konnte ich nicht. Ich dachte einfach, dass du ohne mich besser dran wärst und ich sowieso vollkommen verkorkst wäre. Seitdem meine Eltern mich mit 13 im Stich gelassen haben, habe ich einfach nie wieder jemanden so nah an mich herangelassen, weil ich nie wieder so enttäuscht werden wollte wie damals. Aber dich habe ich an mich herangelassen und dann...<< erklärte ich ihm, während er mit den Gläsern zurückkam, mir eins gab und sich neben mich setzte, wobei er mich nun ansah und wieder meine Hand hielt.

>> Und dann stoße ich dich weg.<< sagte er und trank einen Schluck.

>> Es war dein gutes Recht, aber es hat mir ein Stück weit den Boden unter den Füßen weggerissen und dann haben mich auch noch Maya und Toby verlassen, direkt am nächsten Tag und dann war ich zum ersten Mal seit 27 Jahren vollkommen allein.<<

>> Warum hast du nichts gesagt, als ich im Krankenhaus bei dir war?<<

>> Weil ich dafür zu stolz war. Ich hätte niemals eine Schwäche zugeben. Es gab so viel, was ich dir damals sagen wollte, aber nicht konnte. Zumal mein Hals damals einfach noch zu sehr von den Würgemalen schmerzte.<<

Er verkrampfte sich bei den Worten, da er sicherlich an meinen Anblick, an meine Verletzungen und daran dachte, was Adam mit mir gemacht hatte.

>> Tu mir einen Gefallen Evelyn und erzähl mir endlich die ganze Geschichte. Erzähl mir das mit diesem Kerl.<< bat er mich, weswegen ich nickte, meine Knie anwinkelte und zumindest einen Arm darum schloss, um mich sicherer zu fühlen. Blake hatte Recht, er musste es langsam mal erfahren, zumal wir dieses Mal nur eine Chance als Paar hatten, wenn wir offen zueinander waren.

>> Ich habe Adam vor vier, fast fünf Jahren in einer Bar kennengelernt. Damals feierten wir Lauras Geburtstag und gingen von einer Bar in die nächste. In der letzten traf ich ihn und plauderte mit ihm, während die Mädels tanzten. Irgendwie tat er mir Leid, da er nicht besonders herausragend aussah und von allen ignoriert wurde. Ich dachte mir einfach, dass ich lieber mit ihm reden könne, als weiterhin zu tanzen und mich zu besaufen, da ich darauf keine Lust mehr hatte. Irgendwann ging ich auf Toilette und als ich wiederkam, hatte Adam mir ein neues Getränk bestellt. Ich wollte jedoch nichts mehr trinken, weshalb ich immer nur daran nippte und mich weiterhin mit ihm unterhielt. Als er dann schließlich auf Toilette ging, ließ ich das Getränk vom Barkeeper auskippen, damit er nicht gekränkt war und behauptete dann, dass ich es ausgetrunken hätte. Laura und ihre Freundinnen tanzten immer noch wie verrückt und hatten nicht vor nach Hause zu gehen, weshalb ich gegen vier Uhr allein aufbrach und mich von Adam verabschiedete. Er wollte mich nach Hause bringen, doch ich lehnte es ab, da er mich einfach nicht interessierte und ich ihm keine falschen Hoffnungen machen wollte. Auf dem Weg nach Hause, sah ich, dass Charly mich mehrmals versucht hatte anzurufen, weshalb ich ihn zurückrief. Das hat mir wahrscheinlich das Leben gerettet.<<

>> Inwiefern?<< fragte Blake interessiert nach und starrte mich wie gebannt an.

>> Ich telefonierte mit ihm und er fragte, wo ich gerade sei, da er selbst grade Feierabend im Strip-Club gemacht hatte und es hasste, wenn ich allein in der Nacht unterwegs war. Ich erzählte es ihm und in welche Richtung ich gehen wollte, damit er mich aufgabeln konnte, als mich plötzlich jemand von hinten angriff und zu Boden riss. Charly hörte meine Schreie am Telefon, was mir aus der Hand geschleudert worden war und beeilte sich daraufhin. Er erzählte mir anschließend, wie panisch er gewesen war und welche Angst er durchlebt hatte, da er genau mitanhören musste, wie Adam mich vergewaltigte.<< erzählte ich ihm, wobei meine Stimme am Ende immer leiser geworden war. Es nahm mich zwar nicht mehr so mit wie am Anfang, dennoch ließ es mich nicht vollkommen kalt.

>> Jedenfalls Adam... Er... hatte mir eigentlich K.O. Tropfen in den Drink getan, weswegen er sich wunderte, wieso die nicht bei mir wirkten. Deswegen wurde er wütend, schlug und trat mich, zog mich grob von der Straße weg in ein Gebüsch und versuchte mich zu bändigen, damit niemand etwas mitbekam. Ich wehrte mich nach Leibeskräften, was ihn nur noch wütender und aggressiver werden ließ, weswegen er mich schließlich würgte... Er hatte viel Kraft, weswegen ich irgendwann aufgab, da ich keine Chance hatte und so tat, als wäre ich Tod, da dies meiner Meinung nach meine einzige Chance gewesen war, um zu überleben... Allerdings musste ich somit auch die Vergewaltigung über mich ergehen lassen, ohne mich zu rühren, ohne mich zu bewegen, ohne mich gegen seine schmierigen Hände und seinen... seinen widerlichen Schwanz zu wehren, damit er nichts merkte... Lassen wir lieber die Einzelheiten... Irgendwann kam Charly dann, der meine Sachen auf der Straße entdeckt und nach mir gesucht hatte. Er riss ihn von mir herunter und half mir, während Adam in der Zwischenzeit davonlief.<<

>> Fuck...<< war alles, was Blake herausbrachte, während sich in seinem Kopf die Gedanken zu überschlagen schienen.

>> Richtig. Fuck trifft es ganz gut. Charly kennt viele üble Typen und ich hatte noch was gut bei ihm, weil ich ihm ja auch mal ordentlich aus der Klemme geholfen hatte, weswegen er Adam ausfindig machte und ihn ordentlich zusammenschlagen ließ. Er musste etliche Knochenbrüche gehabt haben, als sie ihn in L.A. an den Straßenrand warfen und ihm eintrichterten, dass er mich nicht in L.A. suchen solle, da ich nun ein neues Leben beginnen würde. Frag mich nicht, wie sie ihm genau weiß gemacht haben, dass ich in L.A. leben würde, aber er hatte es geschluckt, immerhin ließ er mich vier Jahre in Ruhe.<<

>> Bis er die Fotos von uns sah.<< schlussfolgerte er, während ich wieder an den Abend dachte, wo er mich erneut gefunden hatte.

>> Genau. An dem Abend, an dem ich ihn wiedersah, hatten Maya und Toby mir erzählt, dass sie am nächsten Tag ausziehen würden, vorher hattest du dich von mir getrennt. Ich war einfach vollkommen fertig und brauchte mal eine Minute für mich, um meinen Tränen freien Lauf zu lassen, weil ich nicht möchte, dass das irgendjemand sieht. Ich zeige halt nicht so gern meine Schwächen, also ging ich in den Park und da fand er mich schließlich. Ich rannte vor ihm weg, doch irgendwann fiel ich hin und da packte er mich dann. Ich wehrte mich, doch er war wieder stärker und irgendwann begann er mich wieder zu würgen, wobei ich wusste, dass er dieses Mal auf Nummer sicher gehen und nicht so früh damit aufhören würde. Ich hatte einfach keine Kraft mehr und plötzlich war alles so ruhig um mich herum, während die Bäume über mir sich drehten. Es war einfach alles so friedlich und da musste ich an dich denken.<<

>> An mich?<< hakte Blake nach, als ich nickte und tief ein und aus atmete, bis ich mir einen Ruck gab und es ihm erzählte.

>> Ich dachte an dich, an unsere Zukunft, die ich gerne mit dir gehabt hätte, an all die schönen Stunden, die wir zusammen gehabt hatten, an deinen Duft, der für mich Geborgenheit und Liebe bedeutete, an deine Stimme, deren Klang so schön tief und wohltuend für mich ist, an deine Umarmungen, die mir so viel Kraft und Sicherheit gegeben haben, an dein Lächeln, das so verdammt ansteckend ist und schließlich daran, dass ich all das nicht mehr erleben würde, dass nun alles vorbei wäre, was ich aber nicht wollte.<<

>> Warum hast du im Krankenhaus nichts gesagt? Evelyn wir hätten uns das alles sparen können.<< sagte er resigniert und versuchte mich an sich zu ziehen, doch noch hatten wir noch zu viel zu klären, weswegen ich ihn abwehrte.

>> Weil es nichts an deiner Entscheidung geändert hätte. Ich war trotzdem noch die gleiche Person gewesen. Die Trennung war nicht von mir ausgegangen, sondern von dir. Ich hätte an mir arbeiten können, aber dann wäre ich immer noch nicht gut genug für dich gewesen. Jedenfalls dachte ich das. Ich redete mir einfach ein, dass ich dich nicht verdient hätte und deinem Glück nicht im Weg stehen dürfte. Außerdem wollte ich nicht, dass du mich aus Mitleid zurücknimmst.<<

>> Das wäre doch kein Mitleid gewesen. Evelyn ich liebe dich.<<

>> Ich dich auch und deswegen waren die letzten drei Monate auch so schlimm, da bin ich durch die Hölle gegangen.<<

>> Wieso?<< hakte er schließlich nach und sah mir dabei tief in die Augen.

>> Ich konnte in den letzten drei Monaten viel nachdenken und hatte etwa eine Million Mal mein Telefon in der Hand, um dich anzurufen und dir zu sagen wie Leid mir alles tat, vor allem das mit dem Strippen... Ich... Ich wollte dir das damals sagen, aber dann hast du mich mit dem Abendessen überrascht, da konnte ich dir wohl schlecht erzählen, dass ich wieder strippen würde. Und ja, ich hatte kurz daran gedacht, dich um Geld zu bitten, aber das ist einfach nicht mein Stil. Ich möchte die Dinge selbst schaffen, sonst wäre ich nicht mehr ich selbst und dazu noch deine Unterstellung vor unserer ersten Trennung, dass ich dich nur des Geldes wegen wollte....<<

>> Das habe ich dann auch irgendwann verstanden, aber in dem Moment fühlte es sich so an, als hättest du es mir verheimlicht. Ich fühlte mich hintergangen, weil das etwas war, was man eigentlich zusammen entscheidet. Ich fühlte mich einfach nicht wie dein Freund, sondern eher wie ein Bekannter.<<

>> Das warst du nicht. Niemals, deswegen habe ich auch so sehr gelitten und wollte dich anrufen, aber dann sah ich dich immer mit diesen Frauen und dachte, dass ich richtig gelegen hätte. Das du mich nicht bräuchtest und ich nicht gut genug wäre. Aber dann warst du gestern im Club, hast mich da raus gebracht und dich so lieb um mich gekümmert, hast mich in den Arm genommen und bist kuschelnd mit mir eingeschlafen...<<

>> Es waren alles Frauen, die ich bewacht habe, nichts anderes. Keine Dates, keine Freundinnen, keine Flirts.<< stellte er es klar, was mir ein Stein vom Herzen fallen ließ.

>> Hattest du seit unserer Trennung...<< begann ich den Satz, brachte es aber nicht fertig ihn zu Ende zu bringen, da ich solche Angst vor der Antwort hatte.

>> Sex?<< fragte Blake nach, weswegen ich nickte und gespannt auf seine Antwort war.

>> Keinen Sex, keinen Kuss, nichts, weil ich immer nur dich im Kopf hatte. Allerdings habe ich mir ab und an einen runtergeholt und dabei an dich gedacht.<< gestand er mir, weswegen ich grinsen musste und er mich daraufhin wieder an seine Seite zog.

>> Im Restaurant, als Laura mich nach dem besten Moment in meinem Leben fragte...<< begann ich, als ich spürte wie Blake sich verkrampfte.

>> Was ist damit?<<

>> Naja es stimmt, dass das die Notoperation deines Vaters war, aber das war nicht die ganze Geschichte gewesen. Ich mag einfach nicht vor allen über solch private Dinge reden.<<

>> Was fehlte denn noch?<<

>> Naja, der beste Moment war halt, als ich nach dem Riss im Herzen deines Vaters gesucht und ihm das Leben gerettet hatte und weil ich dich wiedergesehen hatte und du mein richtiges Leben sehen konntest. Weil ich dir beweisen konnte, was in mir steckt und ich nicht einfach nur eine dumme Stripperin war. Ich wusste, dass du mich nur wiedersehen wollen würdest, wenn ich deinen Vater retten würde, weswegen das so wichtig für mich gewesen war. So wichtig, dass ich im Krankenhaus blieb, obwohl ich Feierabend hatte. Ich war bei dir und konnte deinen Vater retten. Und mein schlimmstes Erlebnis. Es tut mir Leid, aber es war wirklich, als ich meinen ersten Patienten verloren hatte. Als meine Mutter starb, war es schlimm, aber es war abzusehen und die Trennung mit dir war auch schrecklich, aber das war nichts im Gegensatz zu meinem Erlebnis.<<

>> Wieso?<<

>> Ich war damals in der Notaufnahme und im ersten Jahr. Es war eine schreckliche Nacht, weil wir so viele Notfälle hereinbekamen, da in einem Stadion eine Tribüne eingestürzt war. Überall schrien die Patienten. Es war alles voller Blut, viele hatten abgetrennte Gliedmaßen, oder so schlimme Quetschungen, dass nichts mehr zu retten war und dann war da dieser Junge. Er war vier und eigentlich auf den ersten Blick nicht schwer verletzt. Ich checkte ihn durch, redete dabei die ganze Zeit mit ihm, da er so eine große Angst hatte und verzweifelt seinen Vater suchte. Da wir ihn nicht finden konnten, klammerte er sich an mich. Um sicherzugehen, dass er wirklich nicht schlimm verletzt wäre, schickte ich ihn zu einer Untersuchung, da ich den Verdacht auf innere Verletzungen hatte. Er wollte, dass ich mitkäme, da er Angst hatte ohne mich, doch ich musste schnell andere Patienten versorgen, weswegen eine Schwester ihn begleitete. Nach zwei Stunden hatte ich endlich Zeit für ihn, suchte ihn und fand ihn bewusstlos auf. Als ich die Untersuchungsergebnisse sah, brachte ich ihn sofort in einen OP, versuchte alles, aber da war es schon zu spät. Er war gestorben und das vollkommen allein und in einer fremden und angsteinflößenden Umgebung. Ohne seinen Vater, ohne mich...<<

>> Mein Engel...<< seufzte Blake, umarmte mich fester und streichelte mir liebevoll über den Rücken.

>> Das hatte ich nicht gewusst. An dem Abend war ich einfach zu wütend gewesen, aber du hättest es mir da schon erklären können, dann hätten wir nicht so unter der Trennung gelitten.<< säuselte er und küsste mich zärtlich.

>> Ich brauchte die drei Monate, um so offen sein zu können.<<

>> Die wirst du aber nie wieder kriegen.<< legte er fest und lächelte mich an.

>> Meinst du denn, dass das wirklich zwischen uns funktionieren wird? Ich meine, mein Job ist mir immer noch vollkommen wichtig, wobei ich mir Mühe geben und dir mehr Zuneigung schenken werde.<<

>> Ich habe die letzten drei Monate immer wieder darüber nachgedacht, wieso ich so heftig reagiert habe und ob mir irgendwas an dir fehlte. Aber du bist für mich die perfekte Frau. Sehe ich dich, kriege ich meinen Blick nicht mehr von dir los. Bin ich nicht bei dir, werde ich wahnsinnig vor Sehnsucht. Ich bin lieber an vierter Stelle bei dir, bekomme in der Öffentlichkeit lieber keine Zuneigung, als gar nicht bei dir sein zu können. Das musste ich wohl lernen.<<

>> Du bist nicht an vierter Stelle, aber damals war es mir irgendwie wichtig zu beweisen, dass du mir nicht so viel bedeuten würdest, um nicht so verletzlich zu sein, aber das war Quatsch.<<

>> Hauptsache du hast einen Platz für mich in deinem Leben. Wirklich Evelyn, ohne dich kann ich nicht leben.<<

Kapitel VIII

Blake

Ich betrachtete Evelyn genauer, da sie noch schlief und so glücklich wirkte. Wir hatten gestern noch lange geredet, uns ausgesprochen, was vorher noch nie möglich gewesen war. So offen wie gestern war sie bisher noch nie zu mir gewesen, weswegen es mich positiv in die Zukunft blicken ließ. Wir würden es dieses Mal schaffen, da war ich ganz sicher, da wir einfach nicht ohne einander konnten.

Plötzlich riss mich das Klingeln von Evelyns Telefon aus meinen Gedanken und weckte Evelyn auf, die schlaftrunken danach suchte.

>> Ja?<< murmelte sie und fuhr sich mit der Hand durchs Gesicht, als sie plötzlich mich ansah und grinste, was jedoch schnell verflog.

>> Wo bist du?... Wann?... Wie geht’s ihr?... Scheiße... Ich muss bis morgen früh arbeiten, aber klar... Bring sie mir dann... Dann hole ich sie dort ab. Kein Problem... Gott, richte ihr gute Besserung aus, ich drücke euch die Daumen... Bis dann.<<

Evelyn beendete das Telefonat, während sich auf ihrem Gesicht die Sorgen abzeichneten, die eben noch weit weg gewesen waren.

>> Alles in Ordnung?<< hakte ich nach, wobei ich wusste, dass irgendwas nicht stimmte.

>> Nein, Maggie ist im Krankenhaus, weil sie wieder vorzeitige Wehen hat. Die Schwangerschaft ist wirklich ziemlich schlimm, weil sie das Kind schon ein paar Mal fast verloren hat, deswegen nehme ich morgen Nachmittag Emily, dann kann Charly zu ihr.<< erklärte sie mir, als sie aufstand und ins Bad ging.

>> Und für wie lange?<< fragte ich noch einmal nach, da ich Evelyn am liebsten für mich allein hätte, nachdem wir so lange getrennt gewesen waren.

>> Ich hole sie um drei bei der Tagesmutter ab und dann bis abends irgendwann, dann arbeitet er nicht so lange und kann zu Maggie. Danach kommt er Emily dann abholen. Entweder ich gehe mit ihr in die Stadt, oder zu denen in die Wohnung, wenn das geht. Aber ich könnte sie notfalls auch in meine Wohnung mitnehmen, noch habe ich sie ja, dann hast du damit nichts zu tun.<<

Allein der Gedanke an ihre Wohnung verursachte bei mir eine Gänsehaut, weswegen ich ihr ins Bad folgte und über meinen Schatten sprang.

>> Nein, auf keinen Fall. Wir wäre es, wenn ich morgen auch früher Schluss mache, wir noch alleine mittags essen gehen und sie dann abholen?<<

>> Du musst das nicht Blake. Ich weiß, dass du es nicht so mit Kindern hast.<<

>> Du hast mich noch nie mit welchen gesehen.<< gab ich ihr zu bedenken und stieg zusammen mit ihr unter die Dusche, wo ich sie direkt an mich zog und sie küsste.

>> Dann lasse ich mich morgen überraschen Mr Humphrey.<< säuselte sie, legte ihre Arme um meinen Nacken und sah mir tief in die Augen.

>> Und nur damit das klar ist. Deine Wohnung betrittst du nicht mehr! An deinem Schlüssel ist meiner wieder dran. Morgen nach der Arbeit fährst du hier hin und legst dich hier hin zum Schlafen, nirgends sonst!<< stellte ich es klar, da ich Angst hatte, dass sie wieder in dieses Ghetto ging.

>> Versprochen.<<

Zufrieden packte ich sie, hob sie hoch und drückte sie gegen die Wand, während das warme Wasser auf uns niederregnete.

>> Schon wieder so geil Mr Humphrey?<< fragte Evelyn unschuldig und spielte damit auf den gestrigen Abend an, wo wir noch drei Mal übereinander hergefallen waren.

>> Ich habe viel aufzuholen und heute Abend bist du nicht da, also muss ich schon mal meinen Appetit von heute Abend nach dir stillen.<<

Sie grinste, griff mit ihrer Hand nach unten und ließ meinen Schwanz in ihr Loch gleiten, was ein unbeschreiblich schönes Gefühl war. Ihre Enge, ihre Hitze und ihr Verlangen zu spüren, davon würde ich nie genug bekommen.

>> Guten Morgen.<< begrüßte mich Dan und setzte sich auf das Sofa in meinem Büro, da er anscheinend über gestern reden wollte.

>> Hi.<< sagte ich nur und schrieb noch schnell die Mail zu Ende, die ich anschließend abschickte, bevor ich tief durchatmete und zu ihm ging. Dan sagte nichts und gab mir lediglich eine Tasse Kaffee, die ich dankend annahm.

>> Ich werde ab sofort wieder weniger als Personenschützer tätig sein. Nur, wenn es nicht anders geht.<<

>> Meinetwegen.<<

>> Und wegen morgen, da müsste ich euch absagen, aber ich glaube, ihr kommt auch mal gut einen Abend ohne mich zurecht.<< entschuldigte ich mich, da morgen wieder das wöchentliche Treffen mit Jen, Lewis, Hannah und ihm war, wo wir kochten und noch zusammensaßen. Ich freute mich eigentlich auf diese Abende, doch morgen wäre Evelyn da und höchstwahrscheinlich auch noch Emily, weswegen ich die Zeit lieber mit ihnen genoss.

>> Nennst du mir auch mal den Grund? Möchtest du nichts zu gestern sagen? Zu der Person, die hier gestern vor deinem Büro stand?<< hakte Dan schließlich nach und sah mich erwartungsvoll an.

>> Wir haben uns nur unterhalten...<<

>> Blake! Du hast mich noch nie angelogen und ganz ehrlich, so dick sind die Wände hier nun auch wieder nicht. Dass ihr nicht nur geredet habt, war nicht zu überhören.<<

Ich seufzte, da ich gehofft hatte, dass wir unsere Beziehung erst einmal allein genießen könnten, doch das war anscheinend nicht möglich.

>> Ich war vorgestern im Strip-Club.<< gestand ich ihm und wusste, dass er mir deswegen Vorwürfe machen würde, was auch nicht lange auf sich warten ließ.

>> Was? Du hattest mit versprochen, dass du nicht zu ihr rennen würdest. Jetzt denkt sie, dass ich dir alles erzählt hätte und vertraut mir dann nie wieder etwas an. Verdammt, Blake!<< fuhr er mich wütend an, was ich nur zu gut verstehen konnte.

>> Ich habe nichts über dich gesagt. Ich war nur im Club und sah, was dort abging. Sie tanzte und alle fassten sie an, begrabschten sie, bis einer sie auf ihren Schoß zog und sie ableckte, da hat sie ihm eine gescheuert und kam schluchzend durch den Club gelaufen, bis sie in meine Arme rannte und ich ihr einen Mantel umlegte. Ich trug sie raus in mein Auto, holte noch ihre Sachen und fuhr sie in ihre Wohnung. Ein übles Viertel, da hast du ziemlich untertrieben. Ich ging mit ihr rauf und sah, in was für einem Drecksloch sie hauste.<< erzählte ich ihm und machte kurz eine Pause, um einen Schluck zu trinken.

>> Ich wollte dir die Gegend, in der sie wohnt, nicht so genau beschreiben, weil ich wusste, dass du dir Sorgen machen würdest, aber die Wohnung selbst habe ich nicht gesehen. Ich habe sie nur unten abgesetzt.<<

>> Sei froh, die war schrecklich... Ich wollte sie da nicht alleine lassen und Evelyn wollte mich nicht gehen lassen, deswegen bin ich die Nacht über da geblieben und habe mich dann morgens rausgeschlichen und dann stand sie halt hier bei mir im Büro.<<

>> Und was wollte sie?<< fragte er mich, da ich nicht mehr weitergesprochen hatte, da ich den Rest lieber erst einmal für mich behalten wollte.

>> Reden und den Rest hast du ja gehört. Mehr sage ich dazu nicht, weil wir jetzt erst mal ein wenig Ruhe und Privatsphäre brauchen.<<

Dan sah mich einige Sekunden scharf an, bevor er nickte und tief ausatmete.

>> Ich hoffe nur, dass ihr das dieses Mal hinbekommt, denn noch eine Trennung verkraftet niemand von uns und vor allem nicht du.<<

>> Deswegen gebt uns die Zeit und lasst uns in Ruhe herausfinden, was wir wollen und wie wir das wollen. Ich möchte zu diesem Thema keine Ratschläge mehr hören, weil das beim letzten Mal dazu geführt hat, das ich mich von ihr getrennt hatte.<<

>> Ich habe nie gesagt, dass du dich trennen sollst.<< verteidigte er sich sofort, weswegen ich es noch einmal richtig stellte.

>> Nein, aber auch du hast mir da hineingeredet, dann noch Lewis, meine Schwester, mein Bruder, Evelyns Freundin, meine Mutter... Ich möchte dieses Mal einfach nichts darüber hören, es selbst in die Hand nehmen und auf meine innere Stimme und Gefühle hören, sonst nichts.<<

>> Also hältst du sie jetzt komplett von uns fern, obwohl ihr wieder zusammen seid? Keine Ausflüge mit der Yacht, keine gemeinsamen Abende, an denen wir kochen?<<

>> Das meinte ich nicht, natürlich können wir das alles machen, aber diese Woche möchte ich noch allein mit ihr verbringen, weil wir noch viel zu klären haben. Danach spricht ja nichts dagegen, nur rede mir da in nichts mehr hinein.<<

Dan nickte nur und sah mich abschätzend an, trank einen Schluck und überlegte anscheinend genau, ob er noch etwas sagen sollte.

>> Nur eines. Ich wünsche euch beiden ganz viel Glück und falls du doch mal jemanden brauchst, um dir einfach nur den Frust, die Bedenken, oder was auch immer von der Seele zu reden, dann bin ich für dich da, meinetwegen auch ohne einen Kommentar dazu abzugeben.<<

>> Danke.<<

>> Kommst du denn heute Abend zum Sport?<< fragte Dan noch einmal nach und erhob sich bereits, um wieder arbeiten zu gehen.

>> Mhm. Wird aber später bei mir, weil ich noch viel zu tun habe, da ich morgen Mittag schon weg muss.<<

>> Kein Problem. Um neun?<<

>> Klingt gut.<<

Dan verließ den Raum, weswegen ich mich wieder schnell an den Schreibtisch setzte und so viel wie möglich arbeitete, wobei ich jegliche Pausen ausließ. Gegen neun fuhr ich zu Dan und trainierte zwei Stunden mit ihm und Lewis, wo ich ihnen auch sagte, dass ich morgen wahrscheinlich überhaupt nicht kommen würde, da ich bereits alles für den morgigen Tag abgearbeitet hatte.

Kaum war ich zu Hause, bearbeitete ich noch die Unterlagen für den Verlag, die Jennifer mir zugeschickt hatte, bevor ich noch etwas für morgen plante, damit Evelyn, Emily und ich einen angenehmen Tag verbringen konnten. Ich wollte Evelyn unbedingt beweisen, dass ich auch so etwas hinbekam, bis ich um drei Uhr nachts das Arbeitszimmer verließ und ins Schlafzimmer ging. Ich wollte grade mein Telefon laden, als ich eine ungelesene Nachricht entdeckte und sie aufrief.

„ Hi mein Krieger, ich hoffe, dass du heute nicht als Zielscheibe dienst und ich nicht damit rechnen muss, dass du hier als Notfall eingeliefert wirst. Ich wäre jetzt zu gerne bei dir, würde mich an deine starke Seite kuscheln und deinem beruhigenden Herzschlag lauschen... Du fehlst mir! Dein Engel.<<

Ich las den Text immer und immer wieder und konnte es kaum fassen, dass sie mir wirklich geschrieben hatte. Noch nie hatte sie mir während der Arbeit etwas geschrieben und schon gar nicht so etwas liebes, weswegen ich diese Bestätigung umso mehr schätzte und genoss.

„ Guten Morgen mein Engel. Keine Angst, ich habe bis eben im Büro gesessen und langweiligen Papierkram erledigt. So lange kein Scharfschütze im Aktenschrank lauert, passiert mir nichts. Morgen früh hole ich dich ab und dann kuscheln wir uns zusammen ins Bett. Ich zähle schon die Minuten, also bis gleich. Dein Krieger.“

Müde legte ich das Telefon zur Seite und ging noch schnell ins Bad, um mich für das Bett fertig zu machen, wobei es sich nicht wirklich lohnte jetzt noch zu schlafen. Da ich allerdings die letzten beiden Nächte gar keinen, beziehungsweise wenig Schlaf bekommen hatte, legte ich mich doch hin, stellte mir den Wecker und kuschelte mich auf Evelyns Seite, da diese so herrlich nach ihr duftete.

>> Du bist nach der kurzen Zeit ehrlich wieder aufgestanden?<< fragte Evelyn mich ungläubig und begrüßte mich mit einem zärtlichen Kuss, als sie zu meinem Wagen kam.

>> Natürlich, aber ich werde sicherlich gleich noch ein wenig Schlaf nachholen.<<

Sie grinste und stieg ins Auto ein, weswegen ich die Tür schloss und mich auf meine Seite setzte. Sofort startete ich den Motor und fuhr los, da Evelyn und auch ich noch dringend Schlaf benötigten.

>> Wie war denn deine Schicht?<<

>> Ziemlich ruhig, deswegen habe ich auch zwei Stunden geschlafen. Nicht viel, aber immerhin.<<

>> Möchtest du denn noch etwas frühstücken, bevor du schläfst?<<

>> Nein, erst danach.<<

Ich nickte und hielt kurz an einer roten Ampel, als ich meine rechte Hand auf Evelyns Oberschenkel legte und ich mich zu ihr beugte, um sie zu küssen.

>> Danke übrigens, dass du mich abgeholt hast.<< sagte sie, nachdem ich wieder losgefahren war und sie liebevoll meine Hand auf ihrem Bein streichelte.

>> Das mache ich gerne.<< antwortete ich ihr und grinste sie kurz an, was sie sofort erwiderte, bevor sie zufrieden aus dem Fenster sah.

>> Ich mag dieses Lächeln und diese Unbeschwertheit an dir.<<

>> Ich auch.<< gestand sie mir, woraufhin sie sich auf meinen Schoß kuschelte und ich ihre Nähe genoss. Wir lauschten der Musik im Radio, während ich ihr immer wieder ihre Locken nach hinten strich und die letzten Straßen zu meiner Wohnung fuhr. Kaum fuhr ich in die Tiefgarage, erhob Evelyn sich wieder und stieg mit mir aus, um Arm in Arm mit mir zum Aufzug zu gehen.

Mit uns fuhr ein älteres Ehepaar nach oben, die Händchen hielten und liebevoll miteinander umgingen. Ich bemerkte, wie Evelyn die beiden musterte, ehe sie einige Stockwerke unter uns ausstiegen und sich die Aufzugtüren wieder schlossen.

>> Glaubst du an die ewige und einzigartige Liebe?<< fragte sie mich plötzlich und sah mich dabei interessiert an.

>> Mhm, tue ich. Du nicht?<<

>> Ich weiß es nicht. Ich habe einfach nie eine Beziehung gesehen, die wirklich bis zum Tode hielt. Mein Vater ließ meine Mutter im Stich, entsorgte sie wie Abfall, deine Eltern haben sich auch getrennt, du warst schon mal verheiratet, zwar bis zum Tode, aber auch Kelly war...<<

>> ... ein Miststück.<< vollendete ich ihren Satz, bevor ich weiterredete.

>> Die Paare, die sich trennen, haben einfach nicht den richtigen Partner gehabt, oder sich an den erst besten Menschen geklammert, weil sie dachten, dass da nichts Besseres mehr kommen würde.<<

>> Und wir? Immerhin haben wir uns schon zwei Mal getrennt.<< gab sie mir zu bedenken, als wir aus dem Aufzug ausstiegen und zu meiner Wohnung gingen.

>> Stimmt. Wären wir aber nicht füreinander gemacht, hätten wir einfach die Trennung akzeptiert und weitergelebt, aber das konnten wir nicht. Niemand hat in der Zwischenzeit jemand anderen an sich herangelassen, bis wir wieder zusammen waren. Wir beide können meiner Meinung nach nicht ohne einander leben. So sehe ich das jedenfalls.<<

Evelyn antwortete nichts darauf, was mich kurz verunsicherte, bevor ich meine Bedenken beiseite schob und mich auszog, um ins Bett zu gehen. Ich sah, wie Evelyn noch kurz ins Bad ging, während ich mich ins Bett kuschelte und sie wenig später zu mir kam. Sofort kuschelte sie sich an meine Seite, was sich unbeschreiblich gut anfühlte, da wir beide nackt waren. Zärtlich streichelte ich über ihren Rücken, während sie meinen Bauch streichelte und einzelne Küsse auf der Brust verteilte.

>> Es wäre dennoch schön, wenn die Trennung beim letzten Mal wirklich unsere letzte war, denn noch eine brauche und möchte ich nicht.<< flüsterte sie schließlich, weswegen ich sie stärker an mich drückte und sie liebevoll auf ihren Kopf küsste. Da war sie gewesen, meine Antwort, weswegen ich beruhigt aufatmete.

>> Ich auch nicht. Ich liebe dich mein Engel und jetzt schlaf.<<

Kapitel IX

Evelyn

>> Aufstehen mein Engel. Kaffee ist fertig.<< weckte mich Blake liebevoll, weswegen ich die Augen öffnete und ihn ansah. Er war bereits angezogen, was mich kurz ärgerte, doch sein Anblick machte das wieder gut. Er trug eine dunkle Anzughose mit einem Gürtel und darüber ein weißes Hemd, was enorm gut zu seinen dunklen, langen Haaren und seinem Vollbart passte. Am liebsten hätte ich ihn zu mir ins Bett gezogen, doch ich wusste, dass er stärker war.

>> Wie lange bist du schon wach?<< fragte ich ihn schläfrig und streckte mich, bevor ich den Becher Kaffee von ihm annahm und einen Schluck trank.

>> Nicht lange. Ich musste nur kurz ein Telefonat führen und jetzt habe ich den Rest des Tages frei.<<

>> Dann komm zu mir ins Bett, denn du siehst viel zu scharf aus...<<

Blake grinste, fuhr mit seiner Hand meinen Bauch entlang hinunter zu meiner Mitte, die ich bereitwillig öffnete, als er mich mit zwei Fingern teilte und meine Klit umrundete.

>> Mhm, so bereit für mich, aber es tut mir Leid mein Engel, da wirst du dich gedulden müssen, denn wir müssen los.<< folterte er mich und stand schnell und geschmeidig auf, während er mich teuflisch anlächelte und seine Finger ableckte.

>> Das ist nicht dein ernst!<< fauchte ich ihn an, doch anscheinend meinte er es wirklich so.

>> Wir müssen gleich Emily abholen und vorher gehen wir etwas Essen, also haben wir keine Zeit. Los steh auf, in zehn Minuten fahre ich los.<< sagte er noch, bevor er aus dem Schlafzimmer verschwand und ich mürrisch ins Bad ging, wo ich mich direkt unter die Dusche stellte. Als ich fertig war und mich anziehen wollte, fiel mir auf, dass ich noch nicht meine Sachen aus der Wohnung geholt hatte, weswegen ich nichts zum Anziehen hatte.

>> Blake?<< rief ich und sah frustriert auf meine Kleidung von gestern.

>> Was ist?<<

>> Ich habe nichts zum Anziehen, das ist alles noch in meiner Wohnung.<< erklärte ich ihm, als auch er mich ziemlich ratlos ansah.

>> Zieh dir irgendwas über, wir fahren shoppen.<<

>> Ich kann auch einfach kurz in meine...<<

>> Nein!<< unterbrach er mich sofort, weswegen ich die Sachen von gestern anzog und meinen Tanga wegließ. Anschließend ging ich zu Blake, der sofort mit mir nach unten fuhr und in eine Limousine einstieg, die ich noch nie gesehen hatte.

>> Wieso fahren wir nicht mit deinem Sportwagen?<<

>> Weil da kein Kindersitz reinpasst.<< antwortete er, als wäre es das schlüssigste auf der Welt, woraufhin ich nach hinten sah und auf der Rückbank den passenden Sitz für Emily sah.

>> Du denkst wirklich an alles, oder?<<

>> Anscheinend nicht, sonst hättest du jetzt etwas zum Anziehen.<< grummelte er, weswegen ich schmunzeln musste, seine Hand ergriff und ihm einen Kuss gab. Wir fuhren nicht weit, bis Blake an einem Geschäft anhielt, das ziemlich kostspielig aussah.

>> Bevor wir da reingehen, möchte ich eines klar stellen.<< begann Blake den Satz und sah mich dabei ernst an.

>> Ich zahle die Sachen und es ist vollkommen egal, was die kosten. Wenn mir oder dir etwas gefällt, dann wird es gekauft. Ist das klar? Ich möchte da drinnen keine Diskussionen haben!<<

Ich überlegte kurz zu protestieren, beließ es dann jedoch dabei, da ich jetzt keinen Streit deswegen anfangen wollte. Es war nur Geld und wenn Blake es glücklich machte, dann war es für mich in Ordnung.

>> Ich werde mich benehmen und Ihnen gehorchen Mr Humphrey.<< schmunzelte ich, weswegen Blake laut seufzte und meine Hand stärker drückte, bevor wir ausstiegen und zum Eingang gingen.

>> Guten Morgen Mr Humphrey.<< begrüßte ihn der Besitzer, bevor er mich begrüßte.

>> Ist das etwa die wundervolle Frau für die wir beim letzten Mal das roséfarbene Kleid ausgesucht haben?<<

>> Ja, das ist sie.<< bestätigte Blake, weswegen ich wieder an den Abend mit der Spendengala dachte und beim Gedanken an die Liebeskugeln augenblicklich rot wurde.

>> Ich habe ein Foto in der Zeitung gesehen, es hat wirklich fabelhaft an Ihnen ausgesehen.<<

>> Danke.<<

>> Was kann ich denn heute für Sie tun?<<

>> Meine Freundin bräuchte eine komplett neue Garderobe.<<

>> Das sollte kein Problem sein.<< sagte er mit einem Grinsen und führte mich durch das ganze Geschäft. Ich probierte den halben Laden an, jedenfalls fühlte es sich so an. Egal ob es Hosen, Röcke, Shirts, Kleider oder Blusen waren, wirklich alles musste ich anziehen und dann Blake zeigen, was ich so noch nie gemacht hatte.

>> Haben wir nicht langsam genug?<< fragte ich ihn nach einer Ewigkeit, da ich langsam keine Lust mehr hatte, woraufhin er den Kopf schüttelte und auf eine Stange mit Dessous deutete.

>> Die auch noch?<<

>> Mhm.<<

Ich probierte die an, die mir gefielen, bis ich eines fand, das ziemlich aufreizend wirkte. Es war eine Art Body, der aus schwarzer Spitze bestand. Das Höschen war ziemlich knapp, von wo aus zwei Bänder nach oben verliefen und am Bauchnabel durch eine Brosche zusammengezogen wurden. Von dort aus verliefen sie wieder getrennt und immer breiter werdend zu den Brüsten, die lediglich durch den Stoff aus Spitze bedeckt waren und so gut wie nichts verdeckten, bevor sie um den Nacken herum liefen und als Neckholder alles hielten.

>> Zeigst du mir das nächste, oder muss ich reinkommen?<< fragte Blake von draußen, da er anscheinend ungeduldig wurde.

>> Ich glaube, du solltest lieber reinkommen, wenn mich nicht jeder so sehen soll.<< schlug ich ihm vor, als er auch schon seinen Kopf durch den Vorhang steckte und mich mit offenem Mund anstarrte.

>> Gefällt es dir?<< fragte ich ihn und drehte mich kurz mit dem Rücken zu ihm, damit er es auch von hinten sehen konnte, wobei ich meinen Hintern extra in seine Richtung reckte, da er ihn liebte und ihm nicht widerstehen konnte. Es dauerte keine zwei Sekunden ehe er komplett in der Umkleide stand und ehrfürchtig über meinen Hintern strich, während ich mich mit den Händen an der Wand abstützte.

>> Verdammt Evelyn... Du bist zu heiß...<< raunte er, während er sich mit seinem bereits harten Schritt an mir rieb und versuchte sich zurückzuhalten. Anstatt ihm zu antworten, schob ich das Höschen im Schritt ein wenig zur Seite und stellte mich breitbeiniger hin.

>> Du bist so ein dreckiges Luder...<<

>> Nur ein geiles, was heute morgen nicht von dir befriedigt wurde.<< antwortete ich ihm, während ich das Öffnen seines Reißverschlusses hörte. Es dauerte keine fünf Sekunden, als er mir auch schon seinen harten Schwanz in einer Bewegung hineinstieß und ich lautlos aufschrie, da es an der Grenze des Erträglichen gewesen war. Normalerweise weitete er mich erst, sorgte erst dafür, dass ich mich an die Größe und Dicke seines Schwanzes gewöhnen konnte, doch dafür war hier keine Zeit.

Sofort ließ er ihn wieder herausgleiten, um ihn erneut heftig in mich hineinzurammen. Langsam gewöhnte ich mich an dieses Gefühl, weswegen ich mit meinem Zeigefinger an meiner Klit rieb, um möglichst schnell zu kommen, da auch ich diese Erlösung brauchte.

>> Alles in Ordnung bei Ihnen?<< fragte uns plötzlich der Verkäufer von draußen, weswegen mein Herz für einen Moment stehen blieb und ich erstarrte. Ganz im Gegensatz zu Blake, der gelassen wie immer klang und uns aus der Affäre zog.

>> Ja, alles in Ordnung. Sie probiert grade die Unterwäsche an und die darf nur ich sehen, deswegen bin ich kurz zu ihr rein gegangen.<< antwortete Blake für uns und das so ruhig, dass ich ihn wirklich dafür bewunderte.

>> Gut, dann sagen Sie Bescheid, wenn wir Ihnen wieder behilflich sein können.<<

>> Machen wir, danke.<< sagte er noch, während er mich weiter heftig nahm und seine Hände beim Griff um meine Hüfte in meine Leisten bohrte. Dieser Druck heizte mich enorm an, weswegen mein Finger an meiner Klit fordernder wurde und ich uns im Spiegel betrachtete.

Der Anblick, wie Blake hinter mir stand, mit seinem Hemd und der heruntergelassenen Anzughose, mich festhielt und mich immer wieder von hinten nahm, mich benutzte, da er seine Lust nicht mehr unter Kontrolle gehabt hatte, turnte mich unendlich an.

Auch er bekam den Blick von uns nicht los, betrachtete uns im Spiegel, als er sich schließlich zu meinem linken Ohr beugte und mir durch den Spiegel tief in die Augen sah.

>> Das sieht so geil aus, wenn mein Schwanz aus deiner nassen Fotze gleitet, wie er von deinem Saft glänzt und ich ihn dann wieder in dir versenke... Dazu noch deiner geiler, praller Arsch... Oh Evelyn...<< raunte er, ehe er mich noch unter meinem Ohr mit seiner Zunge neckte und sich langsam wieder richtig hinstellte. Nach einem kurzen Grinsen rammte er mir seinen Schwanz wieder in einer einzigen, heftigen Bewegung hinein, weswegen ich gut dagegen halten musste und das Prickeln an meiner Mitte spürte.

Ich spannte meine Beckenbodenmuskeln so stark wie möglich an, konzentrierte mich auf den Punkt, den Blake immer wieder mit seinem Schwanz penetrierte, erhöhte den Druck an meiner Klit und betrachtete uns weiter im Spiegel, bis sich sämtliche Muskeln in meinem Körper anspannten, zuckten und zitterten und ich schließlich losließ.

Um nicht laut aufzustöhnen, nahm ich meine Hand von meiner Klit und hielt mir den Mund zu, während Blake schnell seine Hand auflegte und mich weiter penetrierte, wobei er dabei schelmisch grinste. Ich genoss jeden einzelnen Schauer, genoss die Zuckungen in meinem Körper und dieses unbeschreibliche Glücksgefühl, als auch Blake kurz davor war zu kommen, weswegen ich mich ihm schnell entzog.

>> Evelyn, ich...<< protestierte er wütend, doch dann kniete ich mich schon hin und ließ seinen Schwanz in meinen Mund gleiten. Da er schon so weit war, umklammerte ich ihn mit meiner Hand, bewegte sie mit einem ordentlichen Druck auf und ab, während ich gleichzeitig stark an ihm saugte.

Der Anblick von Blake, wie er mit heruntergelassener Hose vor mir stand, wie er seinen Kopf vor Lust in den Nacken gelegt hatte und wie sein mächtiger Schwanz heiß in meiner Hand lag, war unbeschreiblich geil, weswegen ich mich nicht mehr zurückhalten konnte und gieriger als je zuvor an ihm saugte.

An meiner Hand spürte ich, wie sein Schwanz anfing zu pumpen, weswegen ich nach oben sah und Blakes Blick einfing, der mich gradewegs durchbohrte. Wie elektrisiert hielt ich seinem Blick stand, der mir zeigte, wie sehr er mich liebte und vergötterte.

Noch einmal saugte ich beim Hinausgleiten aus meinem Mund heftig an seinem Schwanz und drückte mit meiner linken Hand seine Eier zusammen, als ich spürte, wie sich der warme Saft seiner Erlösung auf meiner Zunge verteilte.

Ich sah, wie er den Kopf in den Nacken warf und wie sich seine Hände zu Fäusten geballt hatten, während ich die erste Ladung herunter schluckte, um auch noch den Rest in mich aufnehmen zu können. Als ich alles heruntergeschluckt hatte, ließ ich seinen immer noch harten Schwanz aus mir herausgleiten und liebkoste ihn noch einmal ganz zärtlich.

>> Womit habe ich dich nur verdient...<< hauchte er noch vollkommen benommen und zog mich kurz darauf wieder auf die Beine, als er mir einen liebevollen Kuss auf den Kopf gab und mich in seine Arme nahm. Ich genoss diese liebevolle Umarmung, nachdem wir eben so triebgesteuert gewesen waren und spürte diese innerliche Ruhe in mir.

>> Ich glaube, diesen Body müssen wir kaufen...<< flüsterte ich ihm nach einigen Sekunden amüsiert ins Ohr und trat einen Schritt zurück, da wir hier nicht ewig bleiben konnten.

>> Auf jeden Fall...<< grinste er und zog sich wieder an, während ich mich mit den Tüchern aus der Box säuberte, die hier in der Umkleide bereitstand.

>> Muss ich noch mehr anprobieren, oder können wir jetzt etwas Essen gehen, denn ich sterbe gleich vor Hunger.<< fragte ich ihn, nachdem ich den Body ausgezogen hatte und nackt vor ihm stand.

>> Nein, ich glaube wir haben genug. Zieh das an, was die gefällt und dann gehen wir essen.<<

Ich nickte, während Blake mich noch einmal zärtlich küsste und wieder nach draußen ging. Ich entschied mich für ein türkisgrünes Seidentop mit einer weißen Caprihose und Sandalen, als ich den Rest nach draußen gab. Während ich noch meine Schuhe anzog, bezahlte Blake alles und ließ es zu sich in die Wohnung schicken, woraufhin wir in ein italienisches Restaurant gingen, das nur einen Block entfernt war.

>> Du siehst wunderschön aus.<< sagte Blake, als wir uns gesetzt hatten und uns grade die Karten gebracht wurden. Ich grinste nur und sah in die Karte, da ich wirklich einen großen Hunger hatte.

>> Wissen Sie schon, was Sie trinken möchten?<< fragte uns die Kellnerin und sah dabei Blake mit einem Blick an, der mir nicht gefiel.

>> Ich hätte gerne ein großes Wasser und du Liebling?<< fragte ich ihn und grinste ihn dabei übertrieben lieb an, damit die Kellnerin verstand, dass sie ihn nicht anschmachten brauchte. Blake sah mich kurz irritiert an, bevor er verstand, was los war.

>> Für mich auch. Weißt du denn auch schon, was du essen möchtest mein Engel?<< fragte er mich amüsiert und verkniff sich ein Lachen.

>> Mhm... Ich hätte gerne die Gemüsepfanne toskanischer Art.<<

>> Und für mich die Nudeln mit dem Basilikum Pesto.<< bestellte Blake noch, bevor die Bedienung uns die Karten abnahm und ich sofort Blakes Hand ergriff, da ich unbedingt seine Nähe spüren wollte.

>> Hat da etwa jemand grade seine Krallen ausgefahren?<<

>> Nein, ich habe nur gezeigt, wo du hingehörst.<<

Er grinste, als mein Telefon plötzlich klingelte und ich es in meiner Tasche suchte. Kaum hatte ich es, sah ich Roberts Namen, weswegen ich ranging und mich mit einem Blick bei Blake dafür entschuldigte.

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440 стр. 1 иллюстрация
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9783738080278
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Третья книга в серии "Sea of Flames"
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