Читать книгу: «Christusliebe»

Die Bibelstellen sind nach der im gleichen Verlag erschienenen „Elberfelder Übersetzung“ (Edition CSV Hückeswagen) angeführt.
© 1. Auflage 2022 der eBook-Auflage by
Christliche Schriftenverbreitung
An der Schloßfabrik 30
42499 Hückeswagen
www.csv-verlag.de
Umschlaggestaltung:
Sonja Faschinger www.sonja-faschinger.at
eBook-Erstellung:
ceBooks Verlag Alexander Rempel
In der Klaus 18
52379 Langerwehe
www.ceBooks.de
ISBN 978-3-89287-273-3 (eBook)
ISBN: 978-3-89287-423-2 (Buch)
Inhalt
Impressum
Ein Wort vorab
Unveränderliche Liebe
Zu viele Bücher für diese Welt
ergebung für Unwissende
Verheißung für Glaubende
Versorgung für Heilige
Verlassenheit des menschensohnes
Verlangen nach Trinken
Vollendung des Werkes
Vertrauen im Sterben
Gaben vor Gott bringen
Wie durch ein Teleskop
Mit aufgedecktem Angesicht
Aus dem Fresser kam Fraß
Die erste Weissagung
Zwei großartige Wörter
Der Tod ist im Topf
Das verborgene Manna
Er will und Er kann
Absolut heilig
Er überragt alles
In seiner Liebe bleiben
Viele verschiedene Vorbilder
Vom Geist Gottes gezeugt
In der Hälfte der Tage
Schuldlos schuldig
Von Angesicht zu Angesicht
Eine beeindruckende Niedrigkeit
An Ihm scheiden sich die Geister
Im Anfang war das Wort
Die richtige Blickrichtung
Gewaltsam wie der Tod
Viele Vorbilder – eine Erfüllung
Es geht um Ihn!
Die Worte über dem Kreuz
Wie ein Apfelbaum
Das vollkommene Beispiel
Keine Rücksicht
Präzise und vielseitig
Die stadtbekannte Sünderin
Er erscheint in Herrlichkeit
Zwei unterschiedliche Szenen
Er blieb am Kreuz
Von Gottes Sohn geliebt
Zum Gedächtnis
Ein besonderer Platz
Eine unwiderstehliche Beweisführung
Der Ort für sein Haupt
Er sah die Verwesung nicht
Ein schwerer Weg
Ein besonderer Tag
Eine besondere Begräbnisstätte
Eine göttliche Trilogie
Wo aber ist das Lamm?
Von der Erde erhöht
Steigende Bewunderung
Motivation zum Dienst
Leben und Lehre
Völlige Abhängigkeit
Ein herrlicher Preis
Vor dem Hintergrund des Versagens
Ausgezeichnet vor Zehntausenden
Eine Akzentverschiebung
Gespräch am Jakobsbrunnen
Licht und Finsternis
Die Tränen des Sohnes Gottes
Schreiende Steine
Drei übernatürliche Zeichen
Eine lautlose Herrlichkeit
Geöffnete Schleusen der Gnade
Das schlafende Schwert
Was Er für Sünder getan hat
Das Speisopfer
Hoheit in Knechtsgestalt
Anerkannt groß
Bald ist es soweit
EIN WORT VORAB
Die Bibel zeigt uns die vielfältigen Herrlichkeiten Christi, die aus seinem Leben und Sterben hervorleuchten. Wenn wir uns damit beschäftigen, werden wir glücklich und dankbar. Gleichzeitig wächst unsere Liebe zu Christus, der uns zuerst geliebt und sich am Kreuz für uns hingegeben hat.
Dieses Buch will durch 75 Andachten jeden Christen anspornen, mehr auf den Herrn Jesus zu sehen und sich täglich im Sonnenschein seiner Liebe aufzuhalten. Das wird nicht ohne Auswirkungen für unser Leben bleiben: Unsere oft so trägen Herzen werden für Ihn brennen und wir können etwas von seiner Herrlichkeit widerspiegeln.
Christus hat uns geliebt
und sich selbst für uns hingegeben.
Epheser 5,2
Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat.
1. Johannes 4,19
UNVERÄNDERLICHE LIEBE
Christus – der vollkommene Bräutigam
Ich bin meines Geliebten,
und nach mir ist sein Verlangen.
Hohelied 7,11
Salomo war ein begnadeter und eifriger Dichter. Er verfasste 3000 Sprüche und 1005 Lieder (1. Kön 5,12). Von seinen Sprüchen sind viele erhalten geblieben, von seinen Liedern nur ein einziges: das „Lied der Lieder“, auch Hohelied genannt.
Dieses Lied zeigt eindrücklich die Liebe zwischen der Braut Sulamith und ihrem Bräutigam Salomo. Dabei fällt auf, dass die Liebe der Braut nicht so reif und beständig ist wie die Liebe des Bräutigams. Diesen Unterschied wollen wir jetzt etwas näher beleuchten. Wir tun es unter dem Blickwinkel, dass die Braut auf uns und unsere mangelnde Liebe hinweist, während der Bräutigam ein Bild des Herrn Jesus ist, der uns stets mit vollkommener Liebe umgibt.
Die Worte
Die Worte der Braut nehmen in diesem Bibelbuch einen deutlich größeren Raum ein als die Worte des Bräutigams. Sie kommuniziert nicht nur mit dem Bräutigam, sondern auch viel mit anderen, zum Beispiel mit den Töchtern Jerusalems (Hld 1,5.6; 5,16 etc.). Der Bräutigam dagegen redet ständig zu seiner Geliebten und offenbart ihr seine Liebe. Lediglich zweimal wendet sich der Bräutigam nicht an seine Braut (Hld 5,1b und 6,8.9). Zeigt uns das nicht, wie sehr der Bräutigam die Braut liebt und wie viel ihm daran liegt, dass sie um seine Liebe weiß?
Unsere Herzen sind oft nicht völlig auf den Herrn Jesus ausgerichtet. Das können unsere Worte auf verschiedene Weise offenbar machen. Er aber ist uns immer zugeneigt und unermüdlich bemüht, unsere Herzen auf sich und seine Liebe zu lenken (vgl. 2. Thes 3,5).
Die Erfahrungen
Was wir soeben gesehen haben, wird noch klarer, wenn wir einen weiteren Unterschied zwischen Braut und Bräutigam ins Auge fassen: Die Braut ist immer wieder mit sich und ihrer Vergangenheit beschäftigt, in der nicht alles glattgelaufen ist. Sie redet von ihren vielfältigen Erfahrungen, die sie gemacht hat, als der Bräutigam nicht an ihrer Seite war (Hld 1,5; 3,1-5; 5,2-8).
Bei dem Bräutigam ist das anders. Alles dreht sich bei ihm um die Braut. Am Tag der Vermählung ist er nicht mit seiner herrlichen Prachtsänfte und seiner schönen Krone beschäftigt, sondern ihn fesselt die Schönheit seiner Braut (Hld 3,9-4,1). Und als die Braut vor seinen Ohren davon spricht, dass sie den Ertrag ihres Weinbergs – immerhin 1000 Sekel Silber – ihrem Bräutigam geben möchte, geht er darauf gar nicht ein. Er will nicht die Silbersekel sehen, sondern ihre Stimme hören (Hld 8,12.13).
Wir sind zu oft mit uns selbst und unseren schmerzlichen Erfahrungen beschäftigt. Wir sollten mehr von uns und von allem anderen wegsehen, hinschauend auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens (Heb 12,2).
Der Herr Jesus zeigt uns vollkommen, was es bedeutet, völlig zu lieben. Besonders deutlich wird das in den letzten Stunden seines Lebens auf der Erde. Als der Heiland darüber bestürzt war, dass einer seiner Vertrauten Ihn überliefern würde, sagte Er zu den Jüngern: „Euer Herz werde nicht bestürzt“ (Joh 13,21; 14,1). Und als Er verhört wurde und Ihn viele hasserfüllte Augen anstarrten, blickte Er seinen gestrauchelten Jünger Petrus an und bahnte ihm damit den Weg zur Wiederherstellung. Am Kreuz hängend, betete Er für seine rücksichtslosen Feinde, sorgte für seine Mutter und tröstete den bußfertigen Schwerverbrecher mit der Aussicht auf das himmlische Paradies. Das ist selbstlose Liebe!
Das Aussehen
Von der Braut lesen wir, dass sie einen Makel hat: Sie beklagt die starke Bräunung und Verbrennung ihrer Haut, die sie sich bei unfreiwilligen Arbeiten in den Weinbergen zugezogen hat (Hld 1,5). Von dem Bräutigam aber wird gesagt, dass er „weiß und rot“ sei; er sieht gesund und vital aus, die Sonne hat ihn nicht verbrannt (Hld 5,10; vgl. Klgl 4,7.8). Der Bräutigam redet jedoch niemals über das, was ihn an der Braut stören könnte. Er sagt vielmehr: „Ganz schön bist du, meine Freundin, und kein Makel ist an dir“ (Hld 4,7).
Wir wissen, dass wir nicht makellos sind. Die Sünde ist in uns und wir alle straucheln oft (1. Joh 1,8; Jak 3,2). Die Spuren unseres Versagens können wir nicht leugnen. Der Herr Jesus, der selbst völlig ohne Makel ist, übersieht gewiss nicht die Flecken und Runzeln seiner Braut (Eph 5,27). Aber ist es nicht die Freude seines Herzens, uns immer wieder durch sein Wort auf die herrliche Position hinzuweisen, in die Er uns durch sein vollkommenes Opfer gebracht hat (vgl. Heb 10,14; Eph 1,4)? Und nicht nur das: Seine Liebe stellt auch gern das heraus, was in unserem Leben zu Gottes Ehre ist. So sagte Er zu den Jüngern, nachdem sie sich gestritten hatten, wer für den Größten zu halten sei: „Ihr seid es, die mit mir ausgeharrt haben in meinen Versuchungen“ (Lk 22,28). Diese Liebe ist heute ebenso bereit, jede moralische Schönheit in den Seinen anzuerkennen!
Die Erkenntnis
Die Braut weiß manchmal nicht, wo sich ihr Bräutigam befindet. Sie fragt darum nach, wo er in der Mittagszeit weidet, wo er lagert (Hld 1,7). Zweimal irrt sie sogar zu später Stunde in der Stadt umher, wo sie ihren Geliebten verzweifelt sucht (Hld 3,1-3; 5,6-8). Der Bräutigam ist nicht unwissend – er weiß immer, wo sich seine Braut aufhält, und im passenden Augenblick taucht er auf. Der Bräutigam ist offensichtlich völlig mit den Gedanken und Gewohnheiten seiner Geliebten vertraut.
Weil wir die Gedanken unseres Herrn nicht gut verstehen, irren wir manches Mal durchs Leben, ohne die enge Gemeinschaft mit Ihm zu genießen. Wir gehen, wie die Emmaus-Jünger, niedergeschlagen durch die Zeit. Doch Er kennt uns, ist mit allen unseren Wegen vertraut und sucht die Gemeinschaft mit uns. Dabei drängt Er sich nicht auf: Er wartet darauf, dass wir Ihm die „Türe öffnen“ (vgl. Hld 5,2.4; Lk 24,28.29; Off 3,20).
Die Beständigkeit
Bei der Braut sehen wir Fortschritte: Sie lernt, die Liebe des Bräutigams immer mehr wertzuschätzen. Drei Stellen aus dem Hohelied zeigen ihr Wachstum: „Mein Geliebter ist mein, und ich bin sein, der unter den Lilien weidet“ (Hld 2,16). Und: „Ich bin meines Geliebten; und mein Geliebter ist mein, der unter den Lilien weidet“ (Hld 6,3). Schließlich rückt das, was sie in ihm hat, aus dem Gesichtskreis: „Ich bin meines Geliebten, und nach mir ist sein Verlangen“ (Hld 7,11).
Wir sehen bei der Braut nicht nur, dass ihre Liebe sich entwickelt, sondern auch, dass ihre Liebe schwankt. So sagt sie einerseits zweimal zu den Töchtern Jerusalems, dass sie vor Liebe krank sei (Hld 2,5; 5,8); andererseits lesen wir zwischen diesen Worten, dass sie wenig liebevoll ihren Bräutigam abweist, der erwartungsvoll an die Tür ihres Hauses klopft und um Einlass bittet (Hld 5,2).
Bei dem Bräutigam bemerken wir weder Wachstum in der Liebe noch erkennen wir Schwankungen: Die Flamme seiner Liebe brennt beständig mit voller Intensität (vgl. Hld 8,6.7). Als seine Braut ihm aus Bequemlichkeit die Tür nicht öffnet, gibt er ihr sofort ein deutliches Zeichen seiner Liebe (Hld 5,5). Und als die Braut ihn einige Zeit später findet, macht er ihr keine Vorwürfe, sondern spricht wertschätzende Worte zu ihr, die denen entsprechen, die er vor ihrer Zurückweisung geäußert hat (siehe Hld 6,4-9; vgl. Hld 1,15; 4,1-5).
Wenn wir an wechselhafte Liebe denken, gehen unsere Gedanken rasch zu dem Apostel Petrus. Dieser Mann war „krank vor Liebe“, als er seinem Herrn Treue bis in den Tod schwor und Ihn mit dem Schwert in aussichtsloser Lage verteidigen wollte. Doch gerade er war es auch, der seinen Herrn dreimal schmählich verleugnete und keinen Funken Liebe zeigte. Als der Meister ihn nach seiner Auferstehung dreimal fragte, ob er Ihn liebe, antwortete er schließlich traurig: „Herr, du weißt alles; du erkennst, dass ich dich lieb habe“ (Joh 21,17). Es ist, als würde Petrus sagen: „Ich habe dich lieb, obwohl ich das nicht gezeigt habe und es für niemand sichtbar war. Aber weil du allwissend bist, erkennst du unter dem Schutt meines Versagens doch meine Liebe, die du durch deine eigene Liebe in mir entfacht hast.“ Auch wir sollten solche Empfindungen haben, denn unsere Liebe ist oft kalt, schwankend und manchmal unsichtbar.
Aber die Liebe des Herrn Jesus ist unveränderlich, denn Er ist derselbe gestern und heute und in Ewigkeit (Heb 13,8). Die Liebe, die Er heute zu uns hat, ist die Liebe, die Er „gestern“ am Kreuz gezeigt hat und mit der Er uns bald in der Herrlichkeit ewig umgeben wird. Nur wenn wir in seiner Liebe bleiben, wird unsere Liebe zu Ihm wachsen und nicht mehr so vielen traurigen Schwankungen unterworfen sein.

ZU VIELE BÜCHER
FÜR DIESE WELT
Was Christus alles getan hat
Es sind aber auch viele andere Dinge,
die Jesus getan hat, und wenn diese einzeln
niedergeschrieben würden, so würde, denke ich,
selbst die Welt die geschriebenen Bücher nicht fassen.
Johannes 21,25
Am Ende des Evangeliums nach Johannes sagt der Apostel, dass es unmöglich gewesen wäre, alles aufzuschreiben, was der Herr Jesus getan hat. Die Welt wäre nach seiner Überzeugung zu klein, um die daraus hervorgehenden Bücher fassen zu können.
Die meisten Dinge, die der Herr Jesus getan hat, sind uns unbekannt. Wir wissen nur, dass sich in allen seinen Handlungen die gleiche moralische Herrlichkeit und Vollkommenheit gezeigt haben muss. Mehr können wir dazu nicht sagen. Denn der Glaube nimmt nicht nur an, was Gott gesagt hat, sondern respektiert auch sein Schweigen.
In der Bibel ist alles zu finden, was wir wissen müssen, was wir für unseren Glaubensweg benötigen. Ihr Umfang ist beschränkt – doch ihr Reichtum unergründlich. Wollen wir uns nicht neu aufmachen, uns mit diesem faszinierenden Buch und mit der wunderbaren Person des Herrn Jesus zu beschäftigen?
ERGEBUNG FÜR UNWISSENDE
Das erste Wort Christi am Kreuz
Und als sie an den Ort kamen, der Schädelstätte
genannt wird, kreuzigten sie dort ihn und die Übeltäter, den einen auf der rechten, den anderen auf der linken Seite. Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun! Sie verteilten aber seine Kleider unter sich und warfen Lose darüber.
Lukas 23,33.34
Worte, die jemand in den letzten Stunden seines Lebens sagt, sind von besonderer Bedeutung. Das gilt auch für unseren Herrn Jesus Christus. Wir finden in den Evangelien sieben „Worte“, die Er am Kreuz auf Golgatha gesprochen hat: drei Aussprüche vor den drei Stunden der Finsternis, einen während der Finsternis und drei nachher.
Als der Herr Jesus ans Kreuz genagelt wurde, muss ein furchtbarer Schmerz durch seinen Körper gegangen sein. Und doch betete Er direkt nach der Erhöhung aufs Kreuz – noch bevor seine Kleider von den Soldaten verteilt wurden – um Vergebung für die, die sich an seinem Tod schuldig gemacht haben. Das waren in erster Linie die Juden mit ihren eifersüchtigen und kaltblütigen Anführern.
Der Herr begründete seine Bitte um Vergebung damit, dass seine Feinde nicht wussten, was sie taten. Sie waren deswegen nicht unschuldig, aber sie waren unwissend und verstanden nicht, dass Jesus von Nazareth „der Herr der Herrlichkeit“ ist (Apg 3,17; 1. Kor 2,8). Weil sie in Unkenntnis handelten und der Herr in Gnade für sie betete, konnte das sofortige Strafgericht Gottes ausbleiben.
Durch die Fürbitte Christi wurde das Volk der Juden quasi von dem Status von Mördern in den Status von Totschlägern versetzt. Während Mörder nach dem Gesetz Moses getötet werden mussten, konnten Totschläger dem Bluträcher entkommen. Dazu mussten sie sich zu einer der sogenannten Zufluchtsstätten begeben. Dort waren sie sicher vor der Ausführung der Todesstrafe (4. Mo 35).
So wurde das Volk der Juden nicht unmittelbar von Gott gerichtet, sondern ihnen konnte nach dem Tod und der Auferstehung des Herrn und dem Herabkommen des Heiligen Geistes das Evangelium der Gnade Gottes verkündigt werden. Diese wunderbare Botschaft nahm ausgerechnet in der Stadt ihren Anfang, die mit dem Blut des Gottessohnes befleckt ist: Jerusalem (Apg 1,8).
Wer persönlich in den Genuss der Vergebung der Sünden kommen will, muss Buße tun und an den glauben, der in der größten Not um Gnade für seine Feinde und Peiniger gebetet und das Werk der Sühnung am Kreuz vollbracht hat. Von dem Kreuz auf Golgatha, das das Böse des Menschen völlig offenbar gemacht hat, strömt bis heute Vergebung und Gnade für Sünder hervor!
VERHEIßUNG FÜR GLAUBENDE
Das zweite Wort Christi am Kreuz
Einer aber der gehängten Übeltäter lästerte ihn und sagte: Bist du nicht der Christus? Rette dich selbst und uns! Der andere aber antwortete und wies ihn zurecht und sprach: Auch du fürchtest Gott nicht, da du in demselben Gericht bist? Und wir zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsere Taten wert sind; dieser aber hat nichts Ungeziemendes getan. Und er sprach zu Jesus: Gedenke meiner, Herr, wenn du in deinem Reich kommst! Und er sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.
Lukas 23,39-43
Der gekreuzigte Jesus wurde mehrfach von den Umstehenden aufgefordert, sich selbst zu retten, um seine Macht als Messias zu demonstrieren. Einer der mit ihm Gekreuzigten stimmte in diesen Hohn ein und wünschte sich zugleich die Rettung aus den eigenen Qualen. Der andere Verbrecher, der zunächst ebenfalls gespottet hatte (Mt 27,44), ergriff daraufhin das Wort und verteidigte den stillen Dulder in der Mitte.
Seine Worte sind bemerkenswert und zeigen, dass Gott in seiner Seele gewirkt hat: Er ehrt Gott, verurteilt sich selbst und anerkennt die Sündlosigkeit Jesu. Im Rachen des Todes versteht sein Glaube, dass Jesus einmal wiederkommen und in seinem Reich regieren wird. „Gedenke meiner, Herr“, sagt er vertrauensvoll, „wenn du in deinem Reich kommst.“
Doch die Antwort des Herrn geht weit über diese Bitte hinaus! Der reumütige Verbrecher wollte, dass der Herr an ihn denken würde, wenn Er in dem kommenden Zeitalter auf der Erde sein Reich gründen würde. Stattdessen sollte er noch am selben Tag mit dem Herrn Jesus zusammen im himmlischen Paradies sein! „Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“
Morgens war dieser Mann ein zum Tode Verurteilter, der Christus lästerte. Mittags war er jemand, der die Gnade Christi erlebte. Und abends war er in der Herrlichkeit bei dem, an den er in den letzten Stunden seines Lebens geglaubt hatte! Er war eine Frucht der Mühsal der Seele dessen, der am Kreuz unter die Gesetzlosen gerechnet wurde und der seine Seele in den Tod ausgeschüttet hat (Jes 53,11.12).
Der Verbrecher am Kreuz konnte keine guten Taten vorweisen und auch keine mehr tun. Aber er glaubte mit seinem Herzen und bekannte mit seiner Zunge (vgl. Röm 10,10). Weil er sein Vertrauen auf Jesus setzte, wurde ihm das Paradies geöffnet. Und alle die, die an den glauben, der sich nicht selbst gerettet hat, sondern am Kreuz geblieben ist, werden einmal im Himmel bei ihrem Retter sein.
VERSORGUNG FÜR HEILIGE
Das dritte Wort Christi am Kreuz
Bei dem Kreuz Jesu standen aber seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Kleopas, und Maria Magdalene. Als nun Jesus die Mutter sah und den Jünger, den er liebte, dabeistehen, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann spricht er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm der Jünger sie zu sich.
Johannes 19,25-27
Der Jünger Johannes und vier Frauen standen beim Kreuz Jesu. Beim Anblick seiner Leiden wurde die Seele seiner Mutter mit einem Schwert durchbohrt (Lk 2,35). Marias Kinder waren in dieser notvollen Stunde nicht an ihrer Seite. Die Frage drängte sich auf, wie die Witwe Maria getröstet und wie es mit ihr weitergehen sollte. Wer würde für sie sorgen?
Dem erstgeborenen Sohn kam nach jüdischer Gepflogenheit in dieser Frage eine besondere Verantwortung zu. Und wie vollkommen hat der Herr Jesus ihr entsprochen! Obwohl Er selbst in größten Schmerzen war, dachte Er an seine Mutter und befahl sie seinem geliebten Jünger Johannes an, der sowohl charakterlich als auch geistlich für diese Aufgabe bestens gerüstet war.
Johannes, der die Worte der Liebe Jesu im Schatten des Kreuzes hörte, kam dieser Bitte nach und nahm Maria „in jener Stunde“ zu sich. Womöglich führte Johannes die Mutter Jesu direkt von dem Kreuz zu der Wohnung, die er vorübergehend in Jerusalem bezogen hatte, und ersparte Maria damit weitere Leiden der Seele.
Dieser Heiland, der am Kreuz in göttlicher Liebe für seine verwitwete Mutter sorgte, denkt heute ebenso an die, die Ihm angehören. Er kennt unsere Situation genau. Er weiß, was wir brauchen, und stellt Glaubensgeschwister an unsere Seite, die uns unterstützen. Diese schöne Gemeinschaft der Familie Gottes haben wir dem zu verdanken, der für uns aus Liebe ans Kreuz gegangen ist.
VERLASSENHEIT DES
MENSCHENSOHNES
Das vierte Wort Christi am Kreuz
Aber von der sechsten Stunde an kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde.
Um die neunte Stunde aber schrie Jesus auf mit lauter Stimme und sagte: Eli, Eli, lama sabachthani?, das ist: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Als aber einige der Dastehenden es hörten, sagten sie: Dieser ruft Elia.
Matthäus 27,45-47
Und als die sechste Stunde gekommen war, kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde; und zur neunten Stunde schrie Jesus mit lauter Stimme: Eloi, Eloi, lama sabachtani?, was übersetzt ist:
Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Und als einige der Dabeistehenden es hörten, sagten sie: Siehe, er ruft Elia.
Markus 15,33.34
Die Menschen hatten Jesus Christus geschlagen, bespuckt, auf das Kreuz erhöht und verlästert. Aber dann geschah um die Mittagszeit etwas, das nur Gott bewirken konnte: Es kam eine Finsternis übers ganze Land. Gott, der zu rein ist, um Böses anzuschauen, wandte seinen Blick von Jesus ab, der in diesen drei dunklen Stunden der Sündenträger wurde (Hab 1,13; 1. Pet 2,24, 2. Kor 5,21).
Am Ende dieser drei Stunden der Finsternis öffnete der Herr Jesus seinen Mund. Er redete nicht den Vater an, wie bei dem ersten und letzten Ausspruch am Kreuz, sondern Er wandte sich an Gott, dem Er als Richter über die Sünde begegnet war. Seine Worte sind von so immenser Bedeutung, dass sie uns zweimal – und auch in der Originalsprache – übermittelt worden sind.
Sie zeigen das unerschütterliche Vertrauen des Herrn Jesus in Gott, den Er zweimal mit „mein Gott“ ansprach. Seine Frage, warum sein Gott ihn verlassen habe, macht deutlich: Christus wurde nicht wegen Sünden verlassen, die Er getan hatte und die ihn innerlich quälten, sondern wegen fremder Schuld. In seinem Verhalten gab es keinerlei Ursache für das göttliche Gericht.
Wenn Menschen einmal unter das Verdammungsurteil Gottes fallen und die ewige Nacht sie ergreift, können sie die Warum-Frage nicht stellen, denn sie werden völlig zu Recht in der Gottverlassenheit sein. Aber der Herr hat als der Gerechte in den drei Stunden der Finsternis für uns, die Ungerechten, gelitten, um uns in Gottes Nähe zu bringen (1. Pet 3,18).
Kaum hatte der Herr diesen lauten Schrei der Not seiner Seele von sich gegeben, wurde es wieder hell über Golgatha und der Herr trat ein in den wolkenlosen Genuss der Gemeinschaft mit seinem Gott und Vater. Die Menschen aber, unberührt von dem übernatürlichen Geschehen, verdrehten seine Worte und redeten spöttisch davon, dass Elia kommen würde, um Ihn vom Kreuz herabzunehmen (Mt 27,49; Mk 15,36).
Doch der Herr Jesus blieb am Kreuz: Er stieg nicht herab und es kam niemand, um Ihn aus seinen Qualen zu befreien. Jesus sollte dort am Kreuz den Lohn der Sünde, den Tod, in seiner ganzen Bitterkeit um unseretwillen schmecken. Nur in Ehrfurcht können wir an das Wunderbare denken, das dort am Kreuz auf Golgatha zu unserer Rettung geschehen ist. Herr Jesus, dir sei ewig Dank!
VERLANGEN NACH TRINKEN
Das fünfte Wort Christi am Kreuz
Danach, da Jesus wusste, dass alles schon vollbracht war, spricht er – damit die Schrift erfüllt würde –:
Mich dürstet! Es stand nun ein Gefäß voll Essig da.
Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und legten ihn um einen Ysop und brachten ihn an seinen Mund.
Johannes 19,28.29
Die drei Stunden der Finsternis waren vorüber. Der Herr Jesus wusste, dass alles vollbracht war. Aber eine Prophezeiung aus dem Alten Testament musste noch erfüllt werden: dass Er in seinem Durst mit Essig getränkt würde (Ps 69,22). Deshalb bat der Herr, dessen Zunge an seinem Gaumen klebte, unmittelbar vor seinem Tod seine Feinde demütig um etwas gegen seinen schrecklichen Durst.
Man hatte Christus bereits vor der Kreuzigung und kurz danach etwas zum Trinken angeboten (Mt 27,34; Lk 23,36). Dabei wurde Galle in ein Getränk gemischt, wodurch sich der erste Teil von Psalm 69,22 erfüllte: „Sie gaben in meine Speise Galle.“ Er aber nahm nichts an, was seine Qualen betäubt hätte, und machte keinen Gebrauch davon, dass Umkommende starkes Getränk nehmen durften (Spr 31,6). Er ertrug alles in der Kraft seiner Ergebenheit.
Jetzt aber wollte Christus trinken um der Heiligen Schrift willen. Und was wurde dem gegeben, der alle Wasser dieser Erde mit seiner hohlen Hand gemessen hat und der das Wasser in die Wolken bindet (Jes 40,12; Hiob 26,8)? Er bekam einen Schwamm gereicht, aus dem Er einige Tropfen Weinessig saugte! So erfüllte sich der zweite Teil von Psalm 69,22: „In meinem Durst gaben sie mir Essig zu trinken.“
Wenn im Johannesevangelium von Durst die Rede ist, hat dieser Durst immer eine tiefere Bedeutung (Joh 4,14; 6,35; 7,37). Wir denken hier daran, dass den Herrn Jesus nach Gott dürstete (Ps 42,2; 63,2). Und wir wissen auch um sein Verlangen nach dem Heil verlorener Sünder. Um dieses Heil zu erkämpfen, nahm der Herr die großen Leiden auf sich, von denen schon die Propheten geredet hatten. Ihm sei Ehre!
VOLLENDUNG DES WERKES
Das sechste Wort Christi am Kreuz
Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er:
Es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt
und übergab den Geist.
Johannes 19,30
Direkt nachdem Jesus den Essig genommen hatte, um die Schrift zu erfüllen, sprach Er aus, was Er in seinem Herzen wusste: dass das Werk vollbracht ist. Menschen, die in der Mitte ihrer Jahre aus dem Leben gerissen werden, haben in ihren letzten Stunden ihres Abschieds oft Worte der Enttäuschung auf ihren Lippen gehabt, Er aber rief triumphierend: „Es ist vollbracht!“
Der Herr Jesus hatte die Schrift erfüllt und vollkommen den Willen dessen getan, der Ihn gesandt hatte, und sein Werk vollbracht (vgl. Joh 4,34; 5,30; 6,38; 8,29; 17,4). Nun war Gott völlig verherrlicht und der Weg geöffnet, dass Gott seinen ganzen Segen über die ausschütten kann, die seinem Sohn vertrauen. Jesus hat alles vollendet, alles erfüllt, alles getan.
„Es ist vollbracht!“ Was für ein Ozean von Gedanken und Segnungen verbirgt sich hinter diesem Satz, den sein heiliger Mund am Kreuz ausgesprochen hat! Erst die Ewigkeit wird klarmachen, wie gewaltig die Auswirkungen dieses Erlösungswerks sind, das nur Er vollbringen konnte und welches nur Er vollbracht hat.
Wir Menschen können dem Sühnungswerk des Herrn Jesus nichts hinzufügen. Unsere Werke sind nicht gefragt, denn Er hat das große Werk am Kreuz ausgeführt und Sühnung für Sünden bewirkt. Wenn wir an das glauben, was Er getan hat, dürfen wir glücklich wissen, dass wir durch sein Opfer auf immerdar vollkommen gemacht sind (Heb 10,14).
VERTRAUEN IM STERBEN
Das siebte Wort Christi am Kreuz
Und Jesus rief mit lauter Stimme und sprach:
Vater, in deine Hände übergebe ich meinen Geist!
Als er aber dies gesagt hatte, verschied er.
Lukas 23,46
Wie bei allen sieben Aussprüchen des Herrn am Kreuz gibt es hier ebenfalls einen Anklang an das Alte Testament. Deutlich ist der Bezug zu Psalm 31,6, wo David betet: „In deine Hand befehle ich meinen Geist. Du hast mich erlöst, HERR, du Gott der Wahrheit!“ Der Herr fügt aber einerseits die Anrede „Vater“ hinzu, die David so nicht verwenden konnte. Andererseits lässt Jesus den zweiten Teil des Verses weg, weil Er nicht erlöst wurde, sondern selbst der Erlöser ist!
Als der Herr Jesus seinen Geist aufgab, rief Er ein zweites Mal mit lauter Stimme (vgl. Mt 27,46; Mk 15,34). Das zeigt sehr eindrucksvoll, dass Er nicht an Entkräftung gestorben ist. Er hat sein heiliges Leben freiwillig in den Tod gegeben. Niemand konnte Ihm das Leben nehmen, sondern Er hatte Gewalt, sein Leben nach dem Gebot des Vaters zu lassen – und Er hat es auch getan (Joh 10,18).
Der Herr Jesus übergab seinen Geist in die Hände des Vaters. Jesaja spricht prophetisch davon, dass Er seine Seele in den Tod ausgeschüttet hat (Jes 53,12). Und in Hebräer 10,10 lesen wir von dem ein für alle Mal geschehenen Opfer des Leibes Jesu Christi. Christus wurde wahrhaftig Mensch und hat einen Geist, eine Seele und einen Leib. Und dieser wahrhaftige Mensch ist wirklich in den Tod gegangen.
Obwohl der Herr in den drei Stunden der Finsternis die Strafe für unsere Sünden getragen hat, musste Er zur Sühnung auch noch sterben, weil der Lohn der Sünde der Tod ist (Röm 6,23). „Ohne Blutvergießung“, sagt der Schreiber des Hebräerbriefes, „gibt es keine Vergebung“ (Heb 9,22). Darum hat Er sein heiliges Blut vergossen, darum ist Er am Kreuz gestorben.
„Als aber der Hauptmann, der ihm gegenüber dabeistand, sah, dass er so schrie und verschied, sprach er: Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn“ (Mk 15,39). Dieser Mann blieb nicht der Einzige, der durch das Geschehen am Kreuz beeindruckt wurde. Und auch wir wollen immer wieder das Geschehen auf Golgatha bewundern!
GABEN VOR GOTT BRINGEN
Christus – unser großer Priester
Mache ein Blech aus reinem Gold und stich darauf mit Siegelstecherei: Heilig dem HERRN! Und tu es an eine Schnur aus blauem Purpur; und es soll an dem Kopfbund sein, an der Vorderseite des Kopfbundes soll es sein. Und es soll auf der Stirn Aarons sein,
und Aaron soll die Ungerechtigkeit der heiligen Dinge tragen, die die Kinder Israel heiligen werden bei allen Gaben ihrer heiligen Dinge; und es soll beständig an seiner Stirn sein, zum Wohlgefallen für sie
vor dem HERRN.
2. Mose 28,36-38
Das Volk Israel war dem Herrn ein heiliges Volk, das Er sich zum Eigentumsvolk aus allen Völkern erwählt hatte (5. Mo 7,6; 14,2). Das war ihre Position vor dem Herrn. Doch wenn die Kinder Israels ihre heiligen Gaben zum Zelt der Zusammenkunft brachten, taten sie es als Menschen, die mit Ungerechtigkeit behaftet waren. Wie sollte ein heiliger Gott solche Gaben annehmen?
Er konnte es tun, weil das Volk von dem Hohenpriester repräsentiert und vertreten wurde. Am Kopfbund des Hohenpriesters war ein goldenes Blech befestigt, auf dem eingraviert war: Heilig dem Herrn. Wenn die Israeliten ihre Gaben zum Heiligtum brachten, blickte Gott auf den Hohenpriester in seiner heiligen Amtstracht und nahm die Gaben deshalb wohlgefällig an.
Als Christen wissen wir, dass wir für Gott geheiligt sind durch das ein für alle Mal geschehene Opfer des Leibes Jesu Christi (Heb 10,10). Diese Heiligung ist nicht nur äußerlich wie beim Volk Israel, sondern wir sind in völlige Übereinstimmung mit Gott gebracht worden und haben freien Zugang in seine Gegenwart auf dem „neuen und lebendigen Weg“ (Heb 10,19.20).
Doch unsere „geistlichen Schlachtopfer“, die wir Gott bringen wollen, sind mit unserer Schwachheit und Ungerechtigkeit verbunden. Wir würdigen das Opfer Christi nicht so, wie wir es sollten. Unsere Gedanken über den Sohn sind nicht immer seiner Heiligkeit angemessen. Unsere Formulierungen sind unzureichend und wir haben manchmal Mühe, das auszudrücken, was in unseren Herzen ist.
Was nun? Sollen wir besser unsere Anbetung zurückhalten, weil Gott nur das annehmen wird, was im Einklang mit seiner Heiligkeit ist? Sollten wir als Brüder in den Zusammenkünften lieber schweigen, damit wir nichts falsch machen und versehentlich einen Schatten auf Christus und sein wunderbares Sühnungswerk werfen?
Tausendmal nein! Denn wir haben einen großen Priester über das Haus Gottes, durch den wir Gott die Opfer unseres Lobes darbringen dürfen (Heb 10,21; 13,15). Weil dieser heilige Priester für uns vor dem Angesicht Gottes erscheint, wird Gott unsere Gaben annehmen, auch wenn sie den Stempel der Unvollkommenheit tragen.
Der Schreiber des Hebräerbriefes fordert uns auf, ohne Scheu in Gottes Gegenwart zu gehen: „Da wir nun, Brüder, Freimütigkeit haben zum Eintritt in das Heiligtum durch das Blut Jesu, auf dem neuen und lebendigen Weg, den er uns eingeweiht hat durch den Vorhang hin, das ist sein Fleisch, und einen großen Priester haben über das Haus Gottes, so lasst uns hinzutreten …“ (Heb 10,19-22).

WIE DURCH EIN TELESKOP
Christus soll erhoben werden
Ich weiß, dass dies mir zum Heil ausschlagen wird durch euer Gebet und durch Darreichung des Geistes Jesu Christi, nach meiner sehnlichen Erwartung und Hoffnung, dass ich in nichts werde zuschanden werden, sondern mit aller Freimütigkeit, wie allezeit, so auch jetzt Christus erhoben werden wird an meinem Leib,
sei es durch Leben oder durch Tod.
Philipper 1,19.20
Gott hat Christus hoch erhoben und ihm einen Namen gegeben, der über jeden Namen ist (Phil 2,9). Der Mensch Jesus Christus sitzt zur Rechten Gottes. Objektiv kann Christus nicht noch mehr erhoben werden: Gott hat Ihm den höchsten Platz bereits gegeben.
Wir haben zu dieser Erhöhung nichts beigetragen und können es auch nicht. Aber wir dürfen – wie der Apostel Paulus – durch unser Leben oder Sterben dafür sorgen, dass Christus in den Augen der Menschen erhoben wird. Das ist die subjektive Seite der Erhöhung Christi.
Wenn wir Christus zum Lebensinhalt haben und Ihn ehren, wird Er durch uns in den Augen der Menschen größer gemacht. Wir sind dann wie ein Teleskop, das den Stern zwar nicht vergrößert, aber im Auge des Betrachters größer erscheinen lässt.
Bist du jemand, der Christus vor Mitmenschen und Mitgeschwistern groß macht? Wird in deinem Umfeld der Name des Herrn Jesus erhoben (vgl. Apg 19,17)?
MIT AUFGEDECKTEM
ANGESICHT
Christus – verherrlicht im Himmel
Wir alle aber, mit aufgedecktem Angesicht die
Herrlichkeit des Herrn anschauend, werden verwandelt nach demselben Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, als durch den Herrn, den Geist.
2. Korinther 3,18
Am Berg Sinai wurden die Israeliten, die in einer äußeren Beziehung zu Gott standen, konfrontiert mit den heiligen Geboten Gottes, die in steinerne Gesetzestafeln eingegraben wurden. Dabei offenbarte Gott etwas von seiner Herrlichkeit. Diese Herrlichkeit, die sich eine Zeit lang im Angesicht Moses spiegelte, konnten die ängstlichen Israeliten nicht ertragen. Deshalb legte der Mittler Mose eine Decke auf sein Gesicht, um den Abglanz der Herrlichkeit vor den Augen des Volkes zu verbergen (2. Mo 34,34.35; 2. Kor 3,7-13).
Auch heute wird die Herrlichkeit Gottes von vielen Israeliten nicht wahrgenommen. Das liegt aber nicht daran, dass die Herrlichkeit, wie damals bei Mose, verdeckt wäre. Im Gegenteil: Die Herrlichkeit Gottes strahlt unverhüllt und beständig im Angesicht des Herrn Jesus Christus. Aber es liegt eine Decke auf dem Herzen des Volkes Israel. Sie wird erst entfernt werden, wenn Israel nach der Entrückung der Gläubigen über seine Sünden Buße tun und Christus als seinen Messias akzeptieren wird (2. Kor 3,14-16).
Wir, die wir in dieser Zeit an den Herrn Jesus glauben, sind in eine enge Beziehung zu Gott gebracht worden. Der Geist Gottes hat auf unsere fleischernen Tafeln des Herzens den wunderbaren Namen „Christus“ geschrieben, der am Kreuz unsere Sünden völlig gesühnt hat und danach in die Herrlichkeit eingegangen ist (2. Kor 3,3). Weil wir gerecht in Ihm sind, haben wir keine Angst vor Gott und können mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn im Himmel bewundern.
Wenn wir auf Ihn blicken, erkennen wir nicht nur, wie wir sein sollten, sondern wir werden durch den Geist in sein Bild verwandelt: In unserem Leben kommen mehr und mehr die Charakterzüge des Herrn Jesus zum Vorschein. So war es bei Stephanus, der unverwandt zum Himmel blickte und Jesus zur Rechten Gottes sah. Als die Steine des rasenden Mobs auf ihn herabfielen, bat er für seine blutdürstigen Feinde, so wie es der Herr Jesus in den letzten Stunden seines Lebens getan hatte (Apg 7,55-60; Lk 23,34).
AUS DEM FRESSER
KAM FRAß
Christus bezwingt Tod und Teufel
Aus dem Fresser kam Fraß
und aus dem Starken Süßigkeit.
Richter 14,14
Simson begegnete auf seinem Weg zu den Philistern einem jungen brüllenden Löwen und besiegte diesen mit bloßen Händen, was einem Menschen eigentlich nicht möglich ist. Als Simson einige Zeit später an dem Gerippe dieses Löwen vorbeikam, entdeckte er darin einen Bienenstock, aus dem er Honig nahm (Ri 14,5-9). Dieses Erlebnis verpackte er in ein Rätsel, das er einigen jungen Philistern auf seiner Hochzeitsfeier vorlegte: „Aus dem Fresser kam Fraß und aus dem Starken Süßigkeit“ (Ri 14,14). Die Lösung lautet: „Aus dem Löwen, der viel frisst und die Bitterkeit des Todes bringt, kam die Süßigkeit des Honigs hervor.“ Die Philister konnten das Rätsel von sich aus nicht lösen.
Der Löwe ist hier ein Bild für den Teufel, der die Macht des Todes hat (1. Pet 5,8; Heb 2,14). Vor dieser Gewalt kann niemand bestehen. Darum verbringen die Menschen ihr ganzes Leben in der Knechtschaft der Todesfurcht. Doch Christus ist gekommen und hat am Kreuz den zunichte gemacht, der die Macht des Todes hat (Heb 2,15). Weil Christus am Kreuz triumphiert hat, fürchtet der Gläubige den Schrecken des „brüllenden Löwen“ nicht mehr und der Tod ist für ihn sogar zu einem Türöffner ins himmlische Paradies geworden. Der „natürliche Mensch“ kann nichts davon verstehen, aber der Glaube genießt täglich die herrlichen Folgen des Sieges Christi am Kreuz von Golgatha.
DIE ERSTE WEISSAGUNG
Christus – Gegenstand der Prophetie
Ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau und zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen; er wird dir den Kopf zermalmen, und du wirst ihm die Ferse zermalmen.
1. Mose 3,15
In der Bibel finden wir viele Prophezeiungen über Christus. Die Propheten weissagten durch die Jahrhunderte über Ihn. Gott hat es sich jedoch vorbehalten, die erste Prophezeiung über Christus selbst auszusprechen. Was Gott nach dem Sündenfall zu der Schlange gesagt hat, enthält im Keim wichtige Wahrheiten, die später in der Schrift noch breiter entfaltet werden:
Christus sollte „Nachkomme“ werden, also wahrer Mensch. Dabei ist von dem Nachkommen einer Frau die Rede, womit angedeutet wird, dass Christus nicht von einem Mann, sondern vom Heiligen Geist gezeugt werden würde.
Christus würde der Feindschaft der Schlange und ihrer Anhänger begegnen. Christus würde keineswegs den verführenden Worten der listigen Schlange sein Ohr leihen und sie wie einen Freund behandeln.
Christus, der seinen Fuß in Gnade auf die Erde setzen sollte, würde hier leiden und sterben: Die Schlange zermalmte die „Ferse Christi“ am Kreuz von Golgatha.
Christus würde den Sieg über die alte Schlange davontragen, indem Er ihr den Kopf zermalmt. Dies geschah, als Christus für sündige Menschen starb, um sie für immer aus den Fesseln Satans zu befreien.
Was für eine weitreichende Prophezeiung! Der Retter würde auf die Erde kommen und von einer Jungfrau geboren werden; Er würde angefeindet werden, würde leiden und sterben – und doch Sieger über den großen Menschenmörder sein.
Unmittelbar nachdem der „erste Adam“ im Garten Eden versagt und Fluch gebracht hatte, sprach Gott diese wunderbaren Worte über den „letzten Adam“, der uns den Segen sichern würde. Das ist eine unfassbare Gnade!
ZWEI GROßARTIGE WÖRTER
Christus – der Vollender
Es ist vollbracht.
Johannes 19,30
Es ist geschehen.
Offenbarung 21,6
Der Herr Jesus sagte am Ende seines Lebens auf dieser Erde: „Es ist vollbracht“ (Joh 19,30). Im Grundtext ist das nur ein Wort: tetelestai. Dieses herrliche Wort macht klar: Christus hat alles ausgeführt, was der Vater Ihm gegeben hat. So legte Er die Grundlage für jeden göttlichen Segen. Durch sein Erlösungswerk am Kreuz kann die Sünde abgeschafft und alles neu werden.
Wenn es einen neuen Himmel und eine neue Erde geben wird, wird Gott ausrufen: „Es ist geschehen“ (Off 21,6). Im Grundtext ist das auch nur ein Wort: ginomai. Dieses Wort macht klar: Alles wird vollendet werden, was Gottes Ratschluss vorgesehen hat. Das Universum wird in Einklang mit Gott gebracht werden und die Gläubigen werden ewiges Glück genießen.
Weil Christus am Kreuz leidend gerufen hat: „Es ist vollbracht!“, wird der, der auf dem Thron sitzt, einmal triumphierend sagen: „Es ist geschehen!“

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