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Sara Jacob
Das Sex-Phantom
Erotischer Roman
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Unglück? Freiheit!
Voyeur im Glück
Lieber allein, als böse…
Die Schulfreundin
In vollen Zügen
Ich sehe was, was du nicht siehst
Mein Geist will immer nur das Eine
Geile Geisterjagd
Die Stimmen im Kopf
Solo für drei
Filmreifes Comeback
Impressum neobooks
Unglück? Freiheit!
1.
Ich arbeitete als freier Wissenschaftsjournalist in Berlin. Wildschutz durch Computer, Gesichtsscanner am Flughafen, Geothermiekraftwerk in Brandenburg – die Themen fanden sich im gleichen Maße leicht, wie sie schwer zu verkaufen waren. Meine Beiträge versuchte ich auf den Wissenschaftsseiten der Tageszeitungen unterzubringen, aber die Konkurrenz war groß, das Geld knapp, die Arbeit unbefriedigend.
Und im heißesten Frühling seit Beginn der Wetteraufzeichnungen (darüber musste man einfach eine Reportage schreiben, das dachten sich jedenfalls meine Konkurrenten) machte sich der Frust über meine berufliche Situation auch in meiner Beziehung zu meiner langjährigen Freundin Katrin bemerkbar.
Nur wegen ihr war ich nach Berlin gezogen, weil sie einen unglaublich guten Job in einem Bundesministerium bekommen hatte. Sie bezahlte unsere Wohnung, unseren Urlaub, unser Leben. Und ich hoffte auf den Aufstieg in einer Branche, die von Selbstausbeutung lebte.
Es war der Abend vor einer neuen Recherche, als sie ihre Koffer packte und aus unserer stickigen Wohnung auszog. Der Schnitt, so überraschend er auch gezogen war, folgte einer schmerzvollen Konsequenz. Katrin hatte sich nicht in einem Ausbruch von Wut und Enttäuschung für die Trennung entschieden: Dieser Schritt war wohlüberlegt. Kein Heulen, kein Flehen ging unserem Abschied voraus.
Mit einer nüchternen Analyse, wie ich sie von Katrin erwartet hatte, bilanzierte sie die letzten Monate und zog daraus den logischen Schluss. Ich hatte versagt, hatte mit dem Schwanz gedacht und nicht mit dem Kopf, hatte nur daran gedacht, mit anderen Frauen ins Bett zu steigen und so zu werden wie mein Vater. Ich war nie besser gewesen.
Es war alles in meinem Kopf.
Wir waren zu Minensuchern geworden, und der andere war das Minenfeld. Jede falsche Bewegung löste eine Explosion aus und nahm sich mehr von unserer Liebe. Am Ende waren wir uns fremd. Früher wollte ich mich ändern, weniger dem Schwanz als vielmehr den Kopf das Denken überlassen, und früher wollte Katrin sich ändern, sensibler mit mir umgehen.
Doch um beim Bild zu bleiben: Ihre Hände begannen immer mehr zu zittern, und mein Zünder reagierte immer sensibler auf Fehlgriffe. Ich reagierte explosiv, unbeherrscht, nichts konnte sie richtigmachen, jede ihrer Fragen war ein Vorwurf, jede Bemerkung ein Seitenhieb auf mein berufliches Versagen. Ich warf ihr Arroganz vor und Überlegenheitsgefühl, und war doch nur geprägt von Minderwertigkeitskomplexen und unzufrieden mit mir selbst.
Als Katrin ging, brach die Welt noch nicht zusammen. Das tat sie erst ein paar Stunden später in der Hitze der Nacht. Ich hatte gesoffen, in der Kneipe die Straße runter, jeder Flirt ertrank dabei in einem neuen Bierglas.
Lasst mich doch in Ruhe, hatte ich nur gedacht und nicht gesagt, denn niemand war da gewesen, um mit mir zu ficken. Also hatte ich den Rest der Nacht im Internet nach Pornos gesucht, bis mir die Hand und der Arsch wehtaten. Der Alkohol betäubte nur meinen Schwanz, nicht den Schmerz.
Hohl und leer legte ich mich in unser, in mein Bett, in das leere Bett.
Die Nacht zog schmierige Schlieren, die hektisch zitternd verblassten.
Ich war frei, nein, ich war verlassen. Ich konnte alles tun, was ich wollte, konnte endlich, konnte was? Ich war wie mein Vater, ich war unfähig zu einer Beziehung, ich war unfähig, mit etwas anderem als mit meinem Schwanz zu denken.
Schluchzend wälzte ich mich auf einem schweißnassen Laken, spürte eine nie gekannte Einsamkeit, Hoffnungslosigkeit, Traurigkeit. Schlaflos starrte ich zum Mond, der durch das offene Fenster unseres Schlafzimmers schien. Warme Luft an meiner Haut. Mein Leben würde nie wieder so sein, wie es war.
Pläne hatten ihre Gültigkeit verloren. Abmachungen waren wertlos geworden. Ficken, mit allem ficken, was jetzt in meine Nähe kam -das konnte ich noch, doch was hatte das für einen Sinn?
Jetzt konnte ich, doch jetzt wollte ich nicht mehr. Ich ekelte mich vor mir selber, vor dem Mann, der nur Schwanz war und nicht Kopf.
Katrins letzte Worte klangen wie die Warteschleife in einer Telefonanlage. »Ich habe versucht, dir zu helfen, aber du suhlst dich in deinem Selbstmitleid«, sagte Katrin immer und immer wieder.
Selbstmitleid. Wenn es nur das wäre. Ich hasste mich.
Bald wich das Dunkel über der Stadt einem blassen Schimmer und einem hässlich heißen Morgen. Ich zog mich schwankend an, schlich die Treppe hinunter auf die Straße, kaufte mir einen Kaffee und setzte mich mit brennenden Augen in die S-Bahn. Mein Blick wollte ins Leere gehen und fing sich doch als blasse Reflexion in der Scheibe des Wagens.
Das Gesicht kam mir seltsam fremd vor.
2.
Im Hahn-Meitner-Institut in Berlin-Wannsee wurde ich erwartet. Mein Name auf der Liste war falsch geschrieben. Welcher Idiot schrieb Leon mit einem W? Vom Pförtner bekam ich eine Plakette, an der die Strahlungsbelastung abzulesen war. Eine Physikerin namens Horkheimer begrüßte mich. In einem Fahrstuhl fuhren wir in das dritte Untergeschoss.
Es ging bei diesem Artikel um Forschungen an Bildern. Mittels einer speziellen radioaktiven Strahlung wollten Wissenschaftler in Zusammenarbeit mit Kunsthistorikern herausfinden, wie viele Farbschichten sich unter einem Bild von Tizian wirklich verbargen. Ich konnte den Erläuterungen von Dr. Horkheimer nicht zuhören.
In Gedanken war ich ständig bei Katrin. Der Kloß in meinem Hals schwand nicht. Wir gingen durch einige Türen und Gänge. Neonröhren an den Decken, grünes Linoleum auf dem Boden, weiße Wände. Schließlich gelangten wir zu einer schweren Stahlkammer. Das gelb-schwarze Zeichen für Radioaktivität darauf beeindruckte mich mehr als erwartet. Als sich die Tür hinter uns schloss, wirkte es wie das Finale in einem Film, wenn sich die letzten Menschen in einem Atomschutzbunker versteckten und die Atomraketen abgeschossen wurden.
Ein halbes Dutzend Wissenschaftler wirbelte um den Forschungsreaktor herum. Der Kontrollraum hatte bemerkenswert wenig Ähnlichkeit mit dem, was ich aus Filmen erkannte. Keine große Schalttafel, sondern viele herkömmliche Computer, Monitore, unbekannte Maschinen. Ich musste zugeben – ich war schlecht vorbereitet auf dieses Experiment. Außerdem war mir übel.
Ob die Menschen um mich herum bemerkten, dass ich noch immer besoffen war? Ich hatte keine Ahnung, was genau dort vor sich ging. Bei den Telefonaten mit Frau Dr. Horkheimer hatte ich die Pressemitteilung vorliegen, und ich verstand, was die Wissenschaftler dort machten. Aber vom Wie hatte ich keine Ahnung. Ich war Journalist, kein Physiker. Jetzt fehlten mir die Infos der Mitteilung, und außerdem fochten Bier und Tequila einen unfairen Kampf gegen mich.
Bald tauchte die Mitarbeiterin der Gemäldegalerie mit dem Bild auf. Neben ihr ein muskelbepackter Wachmann. Und schließlich gerieten die Wissenschaftler in Wallung. Drückten hier einen Knopf und gaben dort Befehle ein. Als Frau Dr. Horkheimer ankündigte, die Untersuchung würde um eine halbe Stunde verschoben, verlor ich den Kampf. Die Stahltür öffnete sich nur für mich, ich wankte in den Korridor dahinter. Dann fiel die schwere Pforte wieder ins Schloss. Die Toilette war ein erstaunlich schmuddeliger Raum. Penible Wissenschaftler waren wohl nur zu Hause und im Labor penibel, nicht jedoch in fremden Toiletten.
Das weiße Toilettenbecken nahm mir nur zu gerne meine Buße ab. Mit zitternden Händen umklammerte ich die Keramik und spürte, wie sich mein Magen wieder entkrampfte. Erschöpft hockte ich mich auf den Boden. Nach ein paar Minuten konnte ich mein Bild im Spiegel wieder klar fixieren, einen Schluck Wasser aus dem Hahn nehmen und mit festem Griff die Tür zum Korridor öffnen.
Die roten Lichter auf dem Weg zurück zur Kammer fand ich zunächst nur überraschend. Als dann jedoch die Sirenen zu dröhnen begannen, packte mich die Panik. Die letzte Kurve vor der Stahltür nahm ich schon mit zitternden Knien.
Mir brach der Schweiß aus. Was schiefgelaufen war, hat mich später nicht interessiert. Das Bild jedoch von der durchsichtigen Stahltür und den brennenden Menschen dahinter werde ich nie vergessen. Die Wissenschaftler, die Mitarbeiter, die Frau aus dem Museum, der Wachmann – sie alle rissen sich verzweifelt die lodernde Kleidung vom Körper. Ihre Haare brannten.
Und die Stahltür: Sie war durchsichtig, doch man konnte die Konturen weiter erkennen. Sie wirkte wie aus Glas, brach das Licht, verzerrte die Perspektive auf das Drama dahinter. Der Schock riss mir fast die Füße weg. Als dann mein Hemd und meine Hose zu qualmen begannen, konnte ich nur noch mein Leben retten. Ich riss mir die schmelzenden Schuhe von den Füßen, zog mir das bereits brennende Hemd über den Kopf, warf die Hose ab.
Die Menschen hinter der Stahltür waren zusammengebrochen, als ich das nächste Mal hinsah. Ich wollte fliehen und wusste nicht wohin. Meine Boxershorts wurden brennend heiß. Sie folgten als nächste.
Das Linoleum unter meinen Füßen wurde warm, wellte sich, löste sich auf. Ich rannte nackt den Korridor hinauf, als ich den Knall hörte. Etwas riss mich von den Füßen, ich prallte gegen eine Tür. Diese sprang auf, ich stürzte in den dunklen Raum dahinter und stieß mir den Kopf. Dann verlor ich das Bewusstsein.
3.
Zitternd wachte ich auf. Anfangs wusste ich nicht, wo ich war, hielt einen Feudel für mein Kopfkissen und ein altes Handtuch für meine Decke. Dann spürte ich den Besen in meinem Rücken. Es war noch immer dunkel in der Besenkammer. Notbeleuchtung im Korridor. Rotes Blinken.
Die Ruhe war brutal.
Ich rappelte mich auf. An meinen Füßen spürte ich den warmen Boden, im Gesicht den heißen Luftzug im Korridor, ich schmeckte den Rauch in der Luft und roch meinen eigenen Schweiß. Ich wagte kaum, den Blick zurück in den Korridor zu werfen. Doch es war weniger schlimm als befürchtet.
Dort, wo der Forschungsreaktor gewesen war, gähnte ein tiefes Loch, in dem ein kleines Feuer flackerte. Rohre, verbogen wie krumme Äste, ragten aus der Wand, Kabel griffen ausgefranst ins Leere. Keine verbrannten Reste von Menschen, kein Blut, keine Knochen.
Die Stahltür war verschwunden, meine Kleidung auf dem Boden zu Asche verbrannt und mit dem Linoleum verschmolzen. Meine Brieftasche ein schwarzer Klumpen. Als ich mich bückte und danach griff, fasste ich ins Leere.
Und dann bemerkte ich es. Der Schock überrollte mich wie ein Güterzug. Ich glaubte erst an eine optische Täuschung, blinzelte, wollte mir mit der Hand die Augen reiben und wurde noch panischer. Mein Herz raste wie eine Ratte in ihrem Käfig. Da war keine Hand, waren keine Finger. Ich konnte meine Hände nicht sehen, nicht meine Füße, nicht meine Beine.
Verblüfft fiel ich zurück auf meinen Hintern. Wieder blieb mir die Luft weg. Ich hob das, was ich als Hände spürte, vor meine Augen und sah durch sie hindurch. Ich führte sie näher an meine Augen und berührte plötzlich mein Gesicht. War ich tot? Ein Geist? Mein Herz raste, meine Knie zitterten, der Kater war verschwunden.
Ich musste mich berühren, meine Hände kneten um mich zu vergewissern, dass sie noch da waren. Ich fasste meine Füße an, meine Knie, meine Oberschenkel, tastete nach meinem Penis und meinen Hoden, spürte erleichtert das Schamhaar, beruhigend den Bauch, meine Oberarme, mein Gesicht, meine Haare.
Langsam erhob ich mich und griff erneut nach meinem verkohlten Portmonee im Linoleum. Die Koordination einer unsichtbaren Hand stellte mein Hirn vor eine schwere Aufgabe. Zweimal, dreimal griff ich daneben. Dann schließlich konnte ich die Lücke im Bild ersetzen und den steinharten schwarzen Klumpen, in dem meine Kreditkarten, mein Ausweis, mein Leben steckten, ungläubig betasten.
Mir wurde schwindelig. Schmerzen nur im Kopf, ansonsten ging es mir gut. Und jetzt? Wo sollte ich hin? Was sollte ich machen? Hier war ein Reaktor explodiert. Das mussten doch Feuerwehr und Polizei, Katastrophenschutz und THW bemerkt haben? Vorsichtig lief ich barfuß den Gang hinauf.
Wie hatte das geschehen können?
Warum war ich nicht verbrannt wie die anderen?
Und wie konnte ein Atomreaktor Materie unsichtbar machen?
So viele banale Fragen von einem, der keine Ahnung hatte. Ich zog eine Tür auf, ging durch einen weiteren Gang und stand schließlich wieder vor dem Fahrstuhl. Er war außer Betrieb. Ich wollte nur hier raus aus diesem Labyrinth, geriet beinahe in Panik und fand schließlich die Tür zum Treppenhaus.
Als ich im Erdgeschoss anlangte, war noch immer niemand zu sehen oder zu hören. Der Empfang war geräumt. Doch draußen auf der Straße standen eine Menge Menschen etwa 100 Meter vor dem Gebäude des Instituts in der prallen Sonne. Ich sah sie durch die Glastüren der Lobby.
Fahrzeuge der Polizei, der Feuerwehr, des THW, Ambulanzen, Sanitäter, Männer in weiß, grün, blau sowie eine Menge Schaulustige. Durch eine offene Tür wehte heiße Sommerluft herein. Umschmeichelte mich.
Da stand ich. Nackt. An einem Ort des größten anzunehmenden Unfalls. War am Leben und fühlte mich gut. Niemand konnte mich sehen.
Mir pochte mein Herz bis zum Hals.
Was würde passieren, wenn ich mich zu erkennen gab? Welche Experimente würde man mit mir machen? Wieder sah ich an mir herab und sah – nichts. Ich war unsichtbar. Ich war alleine. Ich hatte kein Geld, keine Freundin und keine Ahnung, wie es weitergehen sollte.
Meine Welt war zusammengebrochen. Es gab nur noch die Welt um mich herum. War es Zufall? Schicksal? Fantasie oder der Tod? Was es war, wusste ich nicht. Es war, und das begriff ich: Es war. Ich traf meine Entscheidung im Bruchteil einer Sekunde.
4.
Bevor die Feuerwehr in Schutzanzügen das Institut betrat, hatte ich mich durch die Tür ins Freie geschlichen. Die Hitze eines regelwidrig sommerlichen Junitages raubte mir beinahe den Atem. Wie lange war ich bewusstlos gewesen? Die Sonne fühlte sich nach Mittag an. Sirenen heulten, Motoren brummten, Funkgeräte schnarrten Durchsagen.
Die Sonne war immer noch gelb, die Bäume vor dem Institut grün, der Himmel blau und der kochende Asphalt auf der Straße schwarz. Nur ich war unsichtbar. Niemand bemerkte mich, niemand ahnte auch nur, dass ich über den Platz vor dem Institut zur Absperrung lief. Auf den Lippen der Ruf: »Hallo, hier bin ich, etwas Schreckliches ist passiert! Helft mir!«
Doch ich sagte ihn nicht, war sprachlos. Vor mir die Welt. Und in mir nichts als der Wunsch, mein altes Leben hinter mir zu lassen.
Ich holte tief Luft und fing das neue Leben an.
Meine nackten Füße gaben auf den warmen Granitplatten anfangs kleine, platschende Geräusche von sich, doch nach ein paar Schritten ging ich beinahe geräuschlos. Das Gefühl der Verlorenheit schwand mit jedem Zentimeter, den ich zurücklegte, und die Aufregung, die ich zuletzt in einem Kindheitstraum gespürte hatte, wuchs.
Es war wie in dem Traum, den ich oft als Teenager hatte. Darin flog ich nackt und wie ein Vogel mit ausgebreiteten Armen in einer warmen Sommernacht über die Dächer meiner Kleinstadt, spähte durch hell erleuchtete Fenster in fremde Zimmer und spürte die Lust daran, im Schutze der Dunkelheit eine Erektion zu bekommen.
Die Realität war jedoch nie so schön. Manchmal überkam mich die Lust, wenn ich in unserem Viertel Zeitungen austrug und von der Dunkelheit eingeholt wurde, und ich fummelte in einer dunklen Ecke einer kaum befahrenen Straße meinen harten Schwanz aus der Hose, um zu masturbieren.
Ich konnte mich auch daran erinnern, wie ich mit 13 zum letzten Mal mit meinen Eltern Skifahren war und die Lust auf der Skipiste zu groß wurde, um ihr zu widerstehen. Dann glitt ich von der Piste in den Fichtenwald, schnallte die Skier ab und setzte mich hinter einen Baum um zu wichsen. Aber ich kam nie an dieses Gefühl in meinem Traum heran, in dem ich die warme Luft überall an meinem nackten Körper spürte und ich meine Erektion stolz unter mir zur Schau trug.
Das Prickeln in der Lendengegend wurde überraschend stark. Doch nicht die Katastrophe geilte mich auf, sondern die Aussicht, einen Traum wahr machen zu können.
Ich war frei. Katrin hatte mich verlassen, weil ich nur Schwanz und nicht Kopf war.
Na und?
Dann war ich eben nur Schwanz.
Ich stellte mich vor starrende Feuerwehrleute, nervöse Polizisten und schreiende Wissenschaftler. Keiner reagierte auf mich.
Ich stellte mich hüpfend vor eine wartende Sanitäterin. Sie sah durch mich hindurch zur Tür des Instituts.
Die Wärme an meinen Füßen erinnerte mich wieder daran, dass ich war. Die Sonne schien es jedoch nur zu ahnen. Ich sah hinter mich: kein Schatten. Die Sonnenstrahlen jedoch brannten auf meiner Haut, wärmten mich. Nur das sichtbare Licht ging durch mich durch. So würde ich also noch einmal nahtlos braun werden in meinem Leben, und niemand konnte es sehen. Schade.
Die warme Luft umschmeichelte mich. Ich ging nahe an die Sanitäterin heran. Sie sah auf ihre Uhr, suchte nach etwas in der Tasche ihrer roten Weste und griff dann in die Taschen der weißen Hose. Sie hatte ihre blonden Haare zu einem Zopf gebunden. Unruhig stand sie hinter dem weißroten Plastikband der Absperrung.
Ein paar Feuerwehrleute in Schutzanzügen gingen jetzt mit Messgeräten zum Eingang. Was auch immer nach der Explosion des Reaktors ausgetreten war – weit schien die Strahlung nicht gekommen zu sein, sonst hätte man das ganze Viertel geräumt.
Die Sanitäterin fand schließlich, wonach sie gesucht hatte, wickelte den Kaugummi aus und steckte sich den Streifen in den Mund. Auf einmal fand ich ihren Mund sehr sinnlich. Ihr Gesicht war rund, ein wenig zu blass nach meinem Geschmack. Sie war vielleicht Mitte zwanzig, einen Kopf kleiner als ich, schlank und doch mit einem großen Hintern in der Hose. Ich musterte sie, ging ganz nah an sie heran, und versuchte, kaum zu atmen, damit sie mich nicht hörte.
Jetzt konnte ich den schwachen Geruch wahrnehmen, der sie umgab. Sie roch warm, ein wenig nach frischem Deo und ein wenig nach Pfefferminz. Ich hörte das leise Schmatzen, ihr Atmen, ein paar Silben eines Selbstgesprächs. Dann drehte sie den Kopf, sah zu einem Sanitätswagen hinüber. Neben mir begannen zwei Feuerwehrleute eine Unterhaltung. Dann sah die Sanitäterin wieder durch mich hindurch.
Sie hatte schöne Zähne, die immer wieder im Sonnenlicht aufblitzten. Je länger ich sie anstarrte, umso mehr gefiel sie mir. Ich bekam, Lust, sie zu berühren, sie zu küssen. Ich hatte Katrin so gerne geküsst. Und in diesem Moment fehlte sie mir plötzlich. Oder fehlte mir die Nähe? Mein Herz schlug schneller.
Ich überlegte, etwas zu sagen wie: He, ich bin unsichtbar.
Rasch verwarf ich den Gedanken wieder. Denn als ich so vor der Sanitäterin stand, mit dem Verlangen nach Katrin und dem Wissen, dass alles vorbei war, dass es keine Möglichkeit gab, dort weiter zu machen, wo wir aufgehört hatten, bekam ich plötzlich eine Erektion. Langsam richtete sich mein Schwanz auf.
Nur Schwanz.
Der heiße Wind an meinem Körper, die warmen Steine unter den Füßen, das Wissen, vollkommen nackt unter Dutzenden von Menschen zu stehen und nicht gesehen zu werden, erregte mich plötzlich. Die Erregung überfiel mich regelrecht. Sie ließ mein Herz schneller schlagen, beschleunigte meinen Atem und pumpte Blut in meine Lenden.
Und dann fiel alles, fielen die ganze Traurigkeit, die Angst und die Unsicherheit von mir ab. Ich war am Leben. Ich war unsichtbar.
Frei, ich war frei. Ich konnte all das machen, was ich schon immer machen wollte, ohne dabei erwischt zu werden. Konnte nur Schwanz sein, nur Geilheit, ohne dass mich jemand verurteilen würde.
Konnte mich wichsend auf den Alexanderplatz stellen, in den besten Hotelbetten schlafen, in die Zimmer anderer Leute gucken, mich in den besten Restaurants vollfressen, gratis ins Kino gehen, Frauen unter den Rock sehen.
Ich hing am Gängelband der Gene? Ich war wie mein Vater? Natürlich war ich das. Und es war okay. Ich hatte einen dicken Schwanz und immer Lust, ich war Voyeur und liebte es, nackte Frauen anzusehen, ich wollte mir immer und überall einen runterholen und konnte keine Beziehung führen.
Als Unsichtbarer, so wurde mir jetzt bewusst, konnte ich alles und musste ich nichts.
Unsichtbar.
Langsam bekam das Wort für mich einen neuen Geschmack im Mund.
Ich trat einen Schritt zurück. Meine Erektion wuchs weiter. Ich konnte nicht anders als meine Hand daranlegen und mit ein paar schnellen Bewegungen zu kontern. Es war unglaublich. Ich stand vor so vielen Menschen und holte mir einen runter. Ich ging wieder zur Sanitäterin.
Sie hatte inzwischen ihr Poloshirt unter der Weste aufgeknöpft. Deutlich war jetzt die Wölbung ihrer Brüste zu erkennen. Sie trug eine dünne Kette aus Silber um den Hals. Ich stellte mich vor sie, ganz nah. Die Gespräche der Feuerwehrleute neben ihr übertönten das leise Klatschen meiner Hand am Schwanz.
Plötzlich ging die Sanitäterin in die Knie und öffnete ihre Tasche, die zwischen ihren Beinen auf dem Boden stand. Ich konnte der Frau jetzt von oben in den Ausschnitt sehen. Ihr Kopf war mit meinem Schwanz auf gleicher Höhe. Fast hätte sie mir einen blasen können. Ich führte meinen Steifen ganz nah an ihren Kopf. Uns trennten nur noch ein paar Zentimeter. Sie bewegte ihren Kopf auf und ab, während sie in ihrer Tasche wühlte.
Ein paar Mal wichste ich lautlos vor ihr. Wirre Gedanken schossen mir in den Kopf. Ich wollte ihr meinen Schwanz ins Gesicht pressen, in den Mund, zwischen die Lippen. Doch was dann? Mit Sicherheit würde sie mir keinen blasen, so viel verstand ich. Sie wartete nicht darauf, den Schwanz eines Unsichtbaren zu lutschen.
Wieder starrte ich ihr in den Ausschnitt.
Auch die Titten anfassen ging nicht. Darauf wartete sie noch weniger. Mein Herz pochte aufgeregt.
Narrenfreiheit, ja, aber mit Bedacht.
Leise ging ich um sie herum. Ihre Pobacken spreizten sich in der Hocke, die enge weiße Hose spannte sich über den Halbmonden. Das Poloshirt war aus der Hose gerutscht und entblößte einen dünnen Streifen Haut.
Vorsichtig ging ich hinter ihr in die Knie. Ich konnte ihr Deo riechen, die Härchen auf dem dünnen Streifen Haut zwischen den Säumen. Ich beugte mich vor und ließ die unsichtbare Hand ganz vorsichtig von hinten zwischen ihre gespreizten Beine gleiten, ohne sie zu berühren. Von unten musste mein Mittelfinger jetzt Millimeter unter der Naht schweben, die sich über ihrer Scham spannte. Meine Nase berührte beinahe ihren Rücken. Ich starrte in den Spalt zwischen Hosenbund und Rücken und erkannte den schwarzen Gummibund ihres Slips.
Vorsichtig legte ich meinen Mittelfinger auf die Naht, berührte sie zwischen den Beinen. Hauchdünn war die Bewegung, doch sie elektrisierte mich, als hätte ich in einen Weidestromzaun gefasst.
Die erste Berührung einer anderen Frau seit Jahren.
Ich hätte am liebsten meinen Mund auf den Rücken der Sanitäterin gepresst, sie geküsst, sie umarmt, ihr meine Hände in die Titten gegraben und ihr von hinten meinen harten Schwanz, der irgendwo an meinen unsichtbaren Oberschenkeln zitterte, zwischen die Beine geschoben.
Langsam glitt meine Fingerkuppe von vorne nach hinten über die Naht. Die Sanitäterin zuckte zusammen, drehte erschrocken den Kopf und starrte mich an, nein, starrte durch mich hindurch.
Sie konnte mich nicht sehen, nur spüren.
Vor Aufregung wurde ich beinahe ohnmächtig. Ich stand vorsichtig mit wippendem Penis auf und ging wieder um sie herum nach vorne.
Nach einer langen Schrecksekunde drehte sie den Kopf wieder nach vorne und wühlte weiter in ihrer Tasche.
Mehr konnte ich nicht ertragen. Wieder griff ich zu, doch diesmal ohne Zurückhaltung, Mein Schwanz war warm und fest. Ich stellte mir vor, wie die Vorhaut die Eichel freilegte, wie sich die rotglänzende Spitze meines harten Schwanzes aus der Haut schälte, bereit, das Sperma rauszurotzen, das längst in meinen Hoden kochte.
Wieder ging ich ganz nah an die Sanitäterin heran, bis ich beim Wichsen beinahe ihre Stirn berührte, ihr gescheiteltes Haar.
Sieh hoch, dachte ich, damit ich deinen Mund sehen kann, deine Augen. Doch das brauchte ich gar nicht mehr.
Zu geil war die Tatsache, dass ich mir hier in aller Öffentlichkeit einen runterholte und niemand daran Anstoß nahm.
Vielleicht keuchte ich zu laut, vielleicht spürte sie die Bewegung. Sie sah auf einmal hoch, erstaunt, überrascht, erschrocken. Ihr Mund vor meinem Schwanz, reglos, eine Handbreit entfernt. Das runde Gesicht, die blassblauen Augen, die vollen Lippen. Und plötzlich kam ich. So schnell, dass ich gar nicht mehr reagieren konnte.
Der erste unsichtbare Spritzer musste sie genau auf den Mund getroffen haben. Sie zuckte zurück, schloss erschrocken die Augen, die Hand fuhr zu den Lippen. Rasch drehte ich mich zur Seite. Die nächste Ladung spritzte ich auf die heißen Gehwegplatten. Und noch eine. Mir lief unsichtbares Sperma über meine unsichtbare Hand.
Ich Idiot! Wie konnte ich so leichtsinnig sein? Was, wenn sie jetzt laut aufschrie, auf mich aufmerksam machte, in Panik geriet und meine Tarnung aufflog, weil jemand damit rechnete, dass sich hier ein Unsichtbarer herumtrieb? Vorsichtig, obwohl mir die Beine zitterten, ging ich ein paar Schritte zurück.
Die Sanitäterin sah überrascht und ein wenig angewidert nach oben, spuckte erneut aus, sah auf ihre Hand, wischte sich noch einmal über den Mund und sah wieder in die Luft. Dort oben kreisten ein paar Möwen.
»Was war das denn?«, fragte sie verwirrt. Ob sie den Geschmack wiedererkannt hatte, ungläubig. Die Männer von der Feuerwehr neben ihr unterbrachen das Gespräch. Die Sanitäterin stand auf, sah auf ihre Hand.
»Ist was?«, fragte einer der Männer.
»Hab ich was im Gesicht?«
»Ich sehe nichts.«
»Ich hatte das Gefühl, ein Vogel...«
Der zweite Mann beugte sich vor. »Außer zwei wunderschönen Augen kann ich nichts Ungewöhnliches erkennen.«
Er lachte. Sie zögerte, lachte dann auch. Leise entfernte ich mich. Erleichtert, noch immer erschrocken aber noch viel erregter. Ein Vogel. Sie hatte nichts gesehen, keinen Verdacht geäußert. Bevor eine hübsche Frau auf die Idee kam, ein Unsichtbarer hätte ihr sein Sperma ins Gesicht gespritzt, musste die Welt erst einmal von mir hören. Bis dahin waren kackende Vögel, unvorsichtige Biertrinker und überraschende Regenschauer zwar falsch aber viel naheliegender.
Langsam schrumpfte mein Schwanz, aber nicht vollständig. Eine andauernde Erregung blieb. Vorsichtig lief ich an der Absperrung entlang, bis die Menschen dahinter weniger wurden. Schließlich endete das Plastikband an einem hohen Metallzaun. Dahinter stand niemand. Ich bückte mich und glitt unter dem Plastikband hindurch. Dann war ich frei.
Berlin war jetzt mein Spielplatz.
Voyeur im Glück
1.
Ich war unsichtbar und Berlin jetzt mein Spielplatz. Nur bei welchem Spielgerät fing ich an? Erst einmal musste ich weg vom Institut. Weg aus dieser Gegend.
Das Institut lag am Ende einer exklusiven Wohnsiedlung. Deshalb hatten sich auch nur einige wenige Schaulustige eingefunden. Hinter einer zweiten Absperrung standen Männer mit Bierbäuchen, alte Frauen in hässlichen Kleidern, kleine Kinder und dann auch ein paar vom Wohlstand verwöhnte Teenager und Twens, mit knappen Tops und engen Hosen.
Ich überlegte, zurückzugehen und ein wenig an der Rettungssanitäterin zu fummeln, doch dann wurde mein Wunsch zu groß, so schnell wie möglich diese Gefahrenzone hinter mir zu lassen.
Die Hitze umschmeichelte mich wie ein warmes Tuch. Ich kam mir vor, als sei ich in der Sauna. Nackt und schamlos, mit dem kleinen Unterschied, dass ich mich auf offener Straße befand.
Winzige Steinchen bohrten sich in meine Fußsohlen, an manchen Stellen war der Asphalt so heiß, dass ich Angst hatte, mich zu verbrennen. Auf dem Weg zur S-Bahn kam ich an den ersten Wohnhäusern vorbei. Hohe Hecken vor großen Gärten, dahinter alte Villen und schicke Einfamilienhäuser mit teuren Autos auf der Auffahrt.
Ich hatte Durst. War neugierig. Und der Weg war mein Ziel.
Je länger ich unterwegs war, umso deutlicher wurde mir, dass ich mit diesem Schicksal den Hauptgewinn gezogen hatte. Niemand wusste, dass ich noch lebte. Meine Brieftasche auf dem Boden, meine Kleidung – all das waren deutliche Indizien, dass ich nicht mehr am Leben war, offiziell. Dabei war ich einfach nur unsichtbar und konnte alles machen, was ich wollte, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden.
Ich konnte gratis im Zug fahren, in fremde Häuser sehen.
Mit jedem Schritt fielen mir neue Dinge ein.
Ich hatte alles verloren, meine Freundin, mein altes Leben, meinen Job, mein Aussehen. Ich war endlich frei.
Ich konnte ins Bundeskanzleramt, in die Zentralstellen der Macht, ich konnte in die Hotels eindringen und Prominente, Schauspieler, Musiker beobachten und sehen, wie die Stars aussahen, wenn sie die Tür hinter sich zumachten.
Was wirst du machen, wenn du weißt, dass du nicht mit der Konsequenz leben musst? Gilt der kategorische Imperativ?
Die Vielfalt der Möglichkeiten machte mich schwindelig. All die verschütteten Wünsche kamen in mir hoch. Doch was würde ich machen, wenn ich sie sah. Nur zusehen? Oder anfassen? Wie konnte ich anfassen, ohne entdeckt zu werden?
Ratlos blieb ich stehen. Es war Sommer, wir hatten bestimmt 33° Celsius – wenn von diesen Villen nicht mindestens jede zweite mit einem Pool ausgestattet war, würde ich meinen Namen in Chevy Chase ändern.
Ich betrat über die erste Auffahrt, die nicht mit einem Tor gesichert war, ein großzügiges Anwesen. Das Problem, vor das ich mich dann gestellt sah, war ein ganz banales: Auch als Unsichtbarer konnte ich nicht durch geschlossene Türen gehen. Und hinter das Haus, so stellte ich schnell fest, führte der Weg nur über einen spitzen Zaun.
Diese Mühe wollte ich mir nicht machen, also versuchte ich es beim nächsten Haus nebenan. Dort gelangte ich zwar hinter das Haus auf die Terrasse, doch niemand war zuhause und alle Türen waren verschlossen.
Es war nicht so einfach wie gedacht, anderer Leute Privatsphäre zu missachten.
Beim nächsten Haus öffnete mir der Zufall die Tür. In dem Moment, in dem ich über das niedrige Tor klettern wollte, fuhr ein Teenager mit dem Rad vor. Sie schloss das Tor zur Auffahrt mit einem Schlüssel auf, und ich schlüpfte hinter ihr ebenfalls auf das Grundstück, bevor das Tor krachend ins Schloss fiel.
Das Mädchen trug einen Rucksack und schien gerade von der Schule zu kommen. Sie war ein Teenager mit kurzen blonden Haaren, einem hübschen Gesicht mit frechen Augen, großen Brüsten und langen schlanken Beinen. Sie öffnete die Garage mit einem elektronischen Sender, der in seinem Rucksack steckte. Das Tor rollte sich auf, ich folgte ihr leise auf Zehenspitzen, obwohl sie beim Abstellen des Rades Lärm wie ein rostender Ritter bei einem Tjost machte.
Beide Stellplätze waren leer. Durch eine Tür am Ende der Garage betrat er das Haus.
Diesmal wurde es knapp für mich, und fast hätte mich die schließende Tür erwischt.
Meine Füße hinterließen kleine feuchte Spuren in Form eines Fußes auf den spiegelblanken, kalten Fliesen in einer Eingangshalle, die größer war als meine letzte Wohnung.
Unsere letzte Wohnung, sollte ich besser sagen, nein, Quatsch, dachte ich. Katrins Wohnung, sie hatte sie schließlich bezahlt.
Die Spuren verschwanden wie Eis in der Sonne. Das Mädchen hatte aber ohnehin dafür keinen Blick.
»Mama? Tim?«
Sie legte ihren Rucksack in eine Ecke und betrat die Küche, die so weiß war, dass sie gut in einem Film über himmlische Köche eine Rolle hätte spielen können. Sie trug ein hellblaues T-Shirt, das den Bauchnabel frei ließ. Darunter zeichnete sich deutlich ein BH ab. Die weiße Hose war eng und betonte den festen und sehr runden Po. Mein Schwanz richtete sich sofort auf. Sie war wunderschön. Eine Stupsnase in einem ovalen Gesicht, ein paar vorwitzige Sommersprossen. Die Haut seidenweich und makellos. Die Wölbung ihrer Brüste war atemberaubend, die ihres Pos umwerfend. Mit einer schnellen Handbewegung machte ich meine Eichel frei. Die Erregung ließ mich erschauern.
Niemand antwortete.
Das Mädchen machte auf der Stelle kehrt und nahm von der Eingangshalle eine breite Treppe in den ersten Stock. Leichtfüßig sprintete sie hinauf, so schnell, dass ich beinahe nicht hinterherkam. Der enge Stoff ihrer weißen Hose betonte ihre köstlichen Pobacken. Ich folgte ihr langsam in einen hellen Flur, von dem mehrere Türen abgingen.
Sie nahm die erste Tür, donnerte in ihr Zimmer. Verärgerung ließ die Tür weit in den Raum aufschwingen und gegen die Wand stoßen. Glück für mich. Ich huschte hinter ihr ins Zimmer. An den Wänden hingen Poster von Avril Lavigne, von Green Day und Anastacia. Ohne die Namen unter den großformatigen Bildern hätte ich das allerdings nie herausgefunden.
Wie alt musste man sein, um das zu hören? 16? Jünger? Älter?
Ein Plakat mit der berühmten ‚I have a dream-Rede’ von Martin Luther King klebte neben einer Landkarte der Welt. Ein selbstgebautes Hochbett, darunter ein Schreibtisch, daneben eine Couch. Überall lagen Klamotten auf dem Boden. Ein großes Fenster gab den Blick frei zum Garten. Eine Tür führte zu einem Balkon. Anna nahm die Tür und knallte sie ins Schloss.
An einer Seite des großen Zimmers hing ein großer Spiegel an der Wand. Während das Mädchen eine CD einlegte, stellte ich mich vor den Spiegel. Wieder staunte ich darüber, wie vollständig ich verschwunden war. Nicht ein Schemen war von mir zu entdecken. Und zum ersten Mal fragte ich mich auch, wie ich mit durchsichtiger Netzhaut überhaupt sehen konnte.
Sie hörte irgendeinen Popstar, den ich mal gehört hatte, aber niemals beim Namen nennen konnte. Sie kam auf mich zu, ich wich zurück, stellte sich vor den Spiegel und betrachtete sich. Ein paar Male drehte sie sich vor dem Spiegel hin und her, legte die Hände an den Kopf, posierte für eine unsichtbare Kamera, machte einen Schmollmund, zerzauste sich das kurze, blonde Haar, rümpfte die freche Nase und zog sich ganz ohne Vorwarnung das T-Shirt über den Kopf.
Mir blieb die Luft weg. Mein Schwanz wippte aufgeregt. Der BH war eng und drückte ihre Brüste weit nach oben. Sie betrachtete sich im Spiegel, griff nach hinten und knöpfte den BH auf. Die Titten fielen saftig und fest heraus. Die hielten keinen Bleistift. Von solch perfekten Brüsten hatte ich bisher nur geträumt. Vorsichtig ging ich einen Schritt näher, um diese Pracht näher zu betrachten.
Das Mädchen legte ihre Hände unter die Titten, wog sie, drückte sie zusammen. Die Nippel waren groß, wiesen nach oben und hoben sich leicht erregt von den hellen Warzenhöfen ab. Der Sänger übertönte locker mein Keuchen, das die hemmungslose Manipulation an meinem Schwanz begleitete. Ihre flachen Hände glitten am Bauch entlang zum Bund ihrer Hose. Schlanke Finger öffneten den Knopf, zogen den Reißverschluss herunter. Ein blauweiß gestreifter Slip kam zum Vorschein. Sie schob die Hose herunter und stieg heraus. Das Paar Beine war glatt und wundervoll geformte. Ich hätte bereits jetzt abspritzen können. Das Mädchen schien es nicht so eilig zu haben, ins Wasser zu kommen. Stattdessen ging sie zur Balkontür, öffnete sie und ließ heiße Luft herein. Wie kühl es im Zimmer gewesen war, stellte ich erst jetzt fest, als mir die Hitze entgegenschlug.
Sie stellte sich wieder vor den Spiegel, hängte die Daumen in den Slip und sah sich an. Am liebsten hätte ich sie angefasst, ihre festen Brüste, den prallen Po. Doch das Risiko konnte ich nicht eingehen. Sie würde schreien, um Hilfe rufen, und dann wäre das Drama da. Doch auch so fand ich es erregender, als ich es mir in meinen kühnsten Träumen hatte vorstellen können.
Und dann, endlich, streifte sie ihr Höschen herunter. Über den dunklen Busch ihres Schamhaares, die beiden prallen Hälften ihres Pos, die festen Oberschenkel und die schmalen Füße. Der Slip fiel zu Boden, sie stieg heraus, schleuderte ihn mit einer schnellen Fußbewegung in eine Zimmerecke, in der schon weitere Kleidungsstücke lagen, und stellte sich mit leicht geöffneten Beinen splitterfasernackt vor den Spiegel.
Die Arme hinter dem Kopf verschränkt, die Finger in das blonde Haar vergraben, drehte sie sich vor dem Spiegel, betrachtete ihren nackten Körper. Dann glitten ihre Hände von oben über ihre Titten und den Bauch zwischen ihre Schenkel. Sie legte den Kopf in den Nacken und schloss die Augen.
Ein heißer Windhauch wehte durch die offene Balkontür ins Zimmer. Der Popstar krähte ins Mikro. Meine Hand klatschte auf meinen Bauch. Das Mädchen seufzte. Ich konnte mich an ihr nicht satt sehen. Diese runden Schenkel, diese vollen Brüste, das hübsche Gesicht, die prallen Pobacken, das dunkle Schamhaar.
Plötzlich schien sie aus ihrem kurzen Traum zu erwachen, ging auf Zehenspitzen zur Tür, drehte vorsichtig den Schlüssel im Schloss und hastete mit hüpfenden Brüsten zu ihrem Schreibtisch. Dort lag eine Ausgabe eines Teenagermagazins. Auf dem Titelblatt prangte ein Foto eines Sängers. Sie nahm das Heft, küsste das Bild und setzte sich mit dem Magazin auf das Sofa.
„Du bist einfach zu geil“, seufzte sie, spreizte ihre Beine und vergrub augenblicklich eine Hand in ihrem Schoß. Der Kopf fiel nach hinten auf die hohe Lehne, die Hand mit dem Magazin folgte ihrem Blick, der jetzt zur Decke gerichtet war.
Ein Finger massierte ihren Kitzler, rieb ihn durch das dunkle Gestrüpp ihres Schamhaares. Dann zog sie die Beine an, setzte die schmalen Füße auf die Sitzfläche des Sofas und machte den Blick frei.
Ich hätte in der Zwischenzeit bestimmt dreimal kommen können, so geil war die Situation. Immer hektischer wichste ich mich bis kurz vor den Höhepunkt, bis ich beinahe abspritzte, und verschnaufte dann einige Sekunden. Das Mädchen rieb jetzt nicht nur ihre feuchte Spalte, sie steckte sich auch einen Finger zwischen die prallen Schamlippen. Seufzen wurde zum Stöhnen.
Das Klatschen ihrer nassen Finger war jetzt deutlich auch über die Musik zu hören. Ich ging auf die Knie, brachte mein Gesicht ganz nach an ihre Möse. Ich sah jedes Haar, jede Falte, das Glitzern der Feuchtigkeit, den hektisch ein- und ausfahrenden Finger, die Wölbungen ihrer Pobacken auf dem roten Sofa. Wie schön wäre es, sie zu lecken, ihr meine Finger ins Loch zu schieben, meinen Schwanz.
„Ach“, jammerte sie, wichste ihre Möse schneller und schneller, krümmte sich auf dem Sofa. Wir kamen beide gleichzeitig.
Sie zappelte und zuckte, und presste ihren süßen Hintern in die Couch. Ich wichste ein letztes Mal und spritzte dann quer über das Parkett. Zwei, drei dicke Spritzer, die ich leider nicht sehen konnte, schlugen auf das Holz wie Wasserbomben. Mir wurde schwarz vor Augen.
Das Mädchen sackte auf der Couch zusammen. Ihre Beine rutschen von der Sitzfläche, bis ihre Füße den Boden berührten. Ich rutschte mit letzter Kraft von dem nackten Mädchen nach hinten und streckte mich auf dem Boden aus. Mein erster Tag als Unsichtbarer fing gut an.
2.
Es war, als hätte ich nur an den falschen Türen gerüttelt. Kaum war ich zur Gartenseite hin aus dem Haus geschlichen und über den Zaun auf das angrenzende Wassergrundstück geklettert, der mir beinahe meine unsichtbaren Weichteile abgerissen hätte, wurde ich auf das Angenehmste überrascht.
Der Bau schien recht neu. Ein Architektenhaus mit viel Glas, geraden Linien, weißer Fassade. Ich erwartete eine alte Frau beim Kaffeetrinken oder einen Opa beim Blättern in einer ADAC-Motorwelt, doch kaum war ich um eine hohe Hecke gebogen, die nach links und rechts die Blicke abschirmte, empfing mich nackte Haut.
Sie lag in einem Liegestuhl, dessen Sitzfläche an den Knien endete. Die Füße berührten den mit hellen Platten belegten Boden. Die Frau war viel zu blond, aber sie hatte ein paar verdammt hübsche, perfekt geformte Titten, die von dunklen Warzen gekrönt waren. Ihre leicht geöffneten Beine bargen ein ausrasiertes Delta. und ich spürte die Geilheit zurückkehren.
Nackte Haut ganz ohne Monitor. Nicht als JPG verpixelt, keine Glasscheibe zwischen uns. Haut, Nähe, Wahnsinn. Komplett nackt schien sie sich ihrer Sache sehr sicher zu sein. Kein Nachbar konnte von hier auf das Grundstück blicken.
Mein Mund wurde trocken.
Penetration. Nichts wäre geiler als das.
Meine Hand fand auch in der Unsichtbarkeit ihr Ziel und machte mit zwei wenigen kurzen Bewegungen aus schlaffem Fleisch eine harte Stange.
Auf einem Tischchen neben ihrem Stuhl lagen eine Frauenzeitschrift und ein Handy, dazwischen glitzerten halbgeschmolzenen Eiswürfel in einem hohen Glas, in dem ein Strohhalm knickte.
Sie trug eine Sonnenbrille und las in einem Taschenbuch, vermutlich ein Thriller. Ich hoffte für sie, dass sie genug Sonnencreme aufgetragen hatte. Und sollte sie das noch nicht getan haben, so würde ich ihr gerne dabei zusehen. Dabei und bei all den anderen Dingen, die eine solche Traumfrau mit Modelmaßen noch so tun konnte.
Wie eindimensional ich doch dachte.
Allerdings, so musste ich zu meiner Enttäuschung feststellen, fand auch der einzige sichtbare Mann kein Interesse an ihr, der auf der anderen Seite der Terrasse unter einem riesigen Sonnenschirm saß.
Der Mann, Ende 30, mit nacktem, sehr durchtrainiertem und mit einer Tätowierung geschmücktem Oberkörper, tippte auf seinem Laptop herum, blaffte immer wieder aufgeregt in sein Handy, das er zwischen Kopf und Schulter geklemmt hatte, und hielt in der freien Hand eine Zigarette, an der er ab und zu hektisch sog. Der Aschenbecher quoll über.
Zu gerne hätte ich jetzt die beiden beim Ficken beobachtet und an der einen oder anderen Stelle ganz unbemerkt zugegriffen.
Unsichtbar.
Mein Gott, hoffentlich blieb das noch eine Weile so. Und hoffentlich traten nicht noch Nebenwirkungen aus. Immerhin war ich doch verstrahlt.
Die junge Frau ließ das Buch sinken, schob die Sonnenbrille in die Stirn und betrachtete ihren Freund. Ein spöttisches Grinsen löste sich von ihren Lippen.
Der Mann sprach offensichtlich mit einem Geschäftspartner, der einen Termin mit Geldgebern vereinbaren sollte und es nicht geschafft hatte. Aus Verärgerung wurde Wut wurde laut wurde erregtes Aufspringen.
»Dann mach es auch«, bellte er noch in das Handy, bevor er sich zum kleinen Tisch vorbeugte, die Zigarette in den Aschenbecher presste und das Hand in der geballten Faust schwang, als wolle er es in den Oleander werfen.
»Alles klar, Ben?«
Der Mann drehte sich zu ihr um und sah sie abwesend an.
»Weiß ich noch nicht.«
»Kann ich was für dich tun?«
»Hast du 5 Millionen übrig? Nein? Dann nicht.«
Die Frau machte einen Schmollmund und schloss die Augen. Der Mann rieb sich mit der Hand über sein Kinn. Ich hörte, wie der Dreitagebart an seiner Haut kratzte.
Fick sie doch, dachte ich, ist gut gegen Stress. Doch ich wusste, dass Stress auch der größte Sexkiller sein konnte. Wenn er es wie ich sah, würde er sich eher in der Sauna einen runterholen.
Er nahm das Handy in die Hand, pendelte unruhig zwischen seinem Stuhl und der Terrassentür hin und her, und schien zu überlegen.
Der Frau hingegen sank der Kopf zur Seite.
Eine Minute später war sie ganz offensichtlich eingeschlafen. Ich wusste es, weil ich in dieser Minute so nah an den Liegestuhl herangetreten war, dass ich die Poren der Haut auf ihren prächtigen Titten sehen konnte.
Ich näherte mich der Frau so weit, wie ich keiner Frau mehr gekommen war, seit ich die Fremde in der U-Bahn geküsst hatte. Ich sah nackte Haut aus einer Nähe, die mir seit dem letzten Sex mit Katrin nicht mehr vergönnt gewesen war.
Die Gier wuchs.
Mit der freien Hand wichste ich leise, dabei nahm ich den Anblick der rosa Nippel auf, des Bauchnabels und der runden Schenkel, ließ meine Hand über der gebräunten Haut schweben und meine Zungenspitze nur wenige Zentimeter über der rasierten Scham zwischen den leicht geöffneten Schenkeln tanzen.
Konnte ich es riskieren?
Mein Fluchtweg war frei, niemand hielt sich in der Nähe auf und der Mann war noch nicht zurückgekehrt.
Nur einmal den Kontakt herstellen, nach so vielen Jahren zum ersten Mal wieder fremde Haut anfassen.
Mein Körper brannte, und das lag nicht an der Sonne.
Die Blonde schmatzte schläfrig, ihre Augen waren noch immer geschlossen, also riskierte ich es.
Vorsichtig kniete ich mich an das Fußende des Stuhls, beugte mich vor und presste meine Lippen auf die leicht geöffnete Möse.
Mit der linken Hand griff ich nach vorne an ihre rechte Brust.
Kontakt.
Ich hätte in dieser Sekunde abspritzen können, so geil war ich. All die Jahre hatte ich darauf verzichten müssen, all die Jahre hatte ich mich danach gesehnt, nackte Haut zu berühren, die nicht Katrin gehörte. All die Jahre hatte ich es vermisst, einfach nur meinen Trieb zu stillen, ganz ohne Verpflichtungen, ohne Kompromisse, ohne den Gedanken an Beziehungsstress, Abwasch und nicht geschlossene Zahnpastatuben.
Ich schob meine Zunge zwischen die wulstigen Schamlippen. Eine salzige Perle zerplatzte auf meiner Zungenspitze. Die Berührung meines Mundes mit der Möse war satt und voll und ohne Kompromiss.
In meiner Handfläche spürte ich die Brustwarze hart werden. Ich knetete das feste Fleisch. Die samtweiche Haut schmiegte sich an meine Handfläche.
Endlich. Endlich
Ich hatte erwartet, sie würde aufschreien, erschrocken und panisch, würde von der Liege springen und sich mit angewidertem Blick schütteln, als sei ihr eine Spinne über den Bauch gekrabbelt, doch sie tat genau das Gegenteil.
»Ben, du Sau«, stöhnte sie. Ich schielte nach vorne, über ihren Bauchnabel und zwischen den Hügeln ihrer Titten hindurch, den Mund noch immer auf ihre Möse gepresst.
Ihre Hände krallten sich in die Armlehnen, die Augen blieben geschlossen. »Endlich machst du mal was Vernünftiges mit deinem Mund, nicht immer nur schreien und schimpfen.«
Unvermittelt zog sie die Beine an, setzte die Füße auf die Stuhlkante, drückte die Knie mit beiden Händen weit auseinander, so dass sich ihr Geschlecht wie eine Blume öffnete. Ich nahm den Mund von ihrer Möse und steckte einen Finger, nein, gleich zwei hinein.
Der Anblick war faszinierend.
Ihre Möse dehnte sich im wahrsten Sinne wie von Geisterhand, als hätte ich ihr einen durchsichtigen Dildo eingeführt. Die Sonne schien sogar hinein und riss rosa Lustfleisch aus dem Dunkel, das sonst diese intime Stelle dominierte.
Wieder presste ich meine Lippen auf den Kitzler, leckte die Falte, nahm den salzigen Mösensaft von meinen hinein und heraus orgelnden Fingern auf, brummte wie ein geiler Bär und hoffte, dass mein Brummen meine Sprachlosigkeit für ein paar Sekunden länger vertuschen konnte.
»Du machst das gut«, seufzte sie und griff mit beiden Händen an ihre Brüste, auf denen die aufgerichteten Nippel thronten. Ihre Daumen rieben die rosa Warzen, und ihr Mund entließ ein langgestrecktes Seufzen, als ich meine Zungenspitze über die glitzernde Falte ihres Kitzlers tanzen ließ, die Augen immer auf die Frau gerichtet.
Als ich meine Finger aus ihr zog, war die totale Unsichtbarkeit einer Halbtransparenz gewichen. Mösensaft machte meine Finger sichtbar.
Mein Herz schlug rascher. Sollte jetzt jemand außer uns beiden kommen, gäbe es einen Skandal.
Ich wichste sie schneller, bis das erste feuchte Schmatzen hörbar wurde. Mit der freien Hand drückte ich ihren linken Schenkel noch weiter zurück, so dass sich unter der mit meinen unsichtbaren Fingern gefüllten Muschi die Pobacken öffneten und einen geilen Blick auf ihren Hintereingang erlaubten.
»Ich komm gleich«, seufzte sie, und ich wusste, ahnte, sie würde zuvor noch Blickkontakt aufnehmen. Frauen sind doch so, oder nicht?
In diesem Moment ertönten Schritte im Haus. Die Frau öffnete die Augen. Ich zog meine Hand zurück und ließ ihr Bein los. Meine transparent gewordenen Finger wurden in der Sonne rasch wieder unsichtbar.
Ich stand nach hinten auf und ging ein paar Schritte zurück. Meine Erektion pulsierte machtvoll und ich wusste, auch wenn ich sie nicht sah, wie groß sie sich vor Erwartung aufbäumte.
Mit unsichtbarer Hand griff ich zu und erfreute mich am Anblick der nackten Frau im Liegestuhl. Noch immer hatte sie ihre Beine angezogen, die Möse weit geöffnet, an den Titten ihre Hände.
»Ben?«
Durch die Terrassentür trat Ben, in der Hand eine Flasche Bier. Er stutzte.
»Was machst du denn da?«
Irritiert blinzelte die Frau in meine Richtung, und für einen Moment hatte ich wieder diese Angst davor, plötzlich sichtbar zu sein, doch als ich an mir herunterblickte, erkannte ich wieder nur die Steinplatten der Terrasse.
»Hast du mich eben gerade nicht…«
Der Mann setzte sich in seinen Liegestuhl. Dass seine Freundin oder Frau hier nackt mit gespreizten Beinen und zum Sex bereit in einem Liegestuhl lag, schien ihn nicht zu beeindrucken.
Ich hingegen konnte mich kaum sattsehen.
»Ich habe jetzt keine Zeit für sowas…«
Sie nahm die Füße von der Stuhlkante und ließ ihre Titten los.
Ohne sie noch eines Blickes zu würdigen, hob er sein Handy ans Ohr und begann ein neues Telefonat. Termine, sagte er, dringend, komm, jetzt gleich? Sagte warte, kann nicht, Tine, egal, bist du sicher, okay, ich fahr los.
Gerade hatte ich mich wieder an die verwirrt und zugleich verärgert dreinblickende Frau, die vermutlich Tine hieß, angeschlichen, stand der Mann auf.
Sein Bier, von dem er kaum einen Schluck getrunken hatte, ließ er auf dem Tisch stehen.
»Ich muss los, Tine, bestell dir was zu essen, ich weiß nicht, ob ich es heute Abend noch schaffe, eher nicht, ich muss nach Frankfurt. Diese Wichser…«
Er drückte ihr einen Kuss auf den Mund und verschwand im Haus.
Tine verschränkte die Arme vor der Brust und schmollte.
Sekunden später griff sie zum Handy.
»Stör ich?«, sagte sie, ohne ihren Namen zu sagen. Ganz sicher ihr Lover, ein feuriger Latino mit langen Haaren und heißem Hüftschwung. »Ich weiß, ich hab gesagt, ich könnte nicht, aber Ben musste kurzfristig… Ja, wieder mal… Kommst du?«
Jetzt wird es spannend, dachte ich.
3.
Es klingelte. Tine hatte sich den Bikini, der über dem Sonnenstuhl hing, in einer Geschwindigkeit angezogen, die mir keine Chance zum Höhepunkt gelassen hatte. Aber vielleicht war das auch nicht nötig, so hoffte ich, als ich mich in der Küche umsah, die Teil des großen Wohn-Ess-Bereichs war.
Bereich war untertrieben. Palast. Landschaft.
Schränke mit schwarzen Fronten um eine Kücheninsel, die größer als das Badezimmer in manchen Sozialwohnungen war. Chromblitzende Abzugshaube über Induktionskochfeldern.
Es herrschte eine angenehme Kühle im Haus, und mir wurde erst in diesem Moment wieder bewusst, wie heiß es draußen war.
Tine ging mit unter dem knappen Bikini wippenden Brüsten an den Kühlschrank und holte eine Flasche Prosecco heraus. Ich konnte gerade noch erkennen, dass es bei weitem nicht die einzige war und zudem je eine angebrochene Weißwein-und Roséflasche in der Tür standen.
Aus einem Oberschrank nahm Tine zwei Gläser. Knallend flog der Korken quer durch die Küche. Die Flasche knallte singend auf die Arbeitsplatte aus schwarzem Marmor.
Die Türklingel schellte. Tine verschwand.
Wie lange hatte ich nichts mehr gegessen? Mein Magen knurrte. Ich griff nach der Flasche und setzte sie an meine Lippen.
Der kalte Schaumwein sprudelte in meinen Hals. Als ich an mir heruntersah, entstand mitten in der Luft, dort, wo sich mein Magen befinden musste, ein ovaler Tropfen aus gelber, schäumender Flüssigkeit.
Ich stellte die Flasche zurück auf die Arbeitsfläche.
Schock.
Ich war plötzlich sichtbar, auch wenn es nur ein kleiner Teil von mir war. Wenn das jemand sah, war ich aufgeschmissen. Doch nur Sekunden später verschwand der Prosecco, als hätte mein Körper die Eigenschaft, alles, das ich ihm einverleibte, ebenfalls unsichtbar zu machen.
Die Tür knallte. Stimmen. Lachender Besuch. Das war keine Männerstimme.
Ich nahm rasch noch einen zweiten Schluck, der ebenfalls schnell unsichtbar wurde, spürte bereits einen leichten Schwindel, und stellte die Flasche zurück auf den feuchten Ring auf der Arbeitsplatte.
Die Stimmen wurden lauter, Tina und ihr Gast traten durch eine doppelflügelige Tür in das Wohnzimmer.
Kein Lover, dachte ich enttäuscht, nur eine Freundin.
Tinas Gast wirkte optisch beinahe wie ein Double, nur dass ihre Haare schwarz waren. Auch sie war sehr hübsch und, wie ich ahnte, unter einem dünnen Sommerkleid sehr üppig gebaut.
Meine Fantasie schlug wieder Purzelbäume.
Ich beschloss, die beiden erst einmal alleine zu lassen und mich im Haus nach Essbarem umzusehen.
»Geh schon mal raus«, sagte Tine und machte einen kleinen Umweg über die Küche, schnappte sich die Flasche Prosecco und die Gläser, und folgte ihrer Freundin dann auf die Terrasse.
Ich wartete, bis die Stimmen gedämpft klangen, bis Gläser klirrten, und öffnete den Kühlschrank. Ich fand das ganze Sortiment eines Feinkostladens vor, von Edelschimmelkäse bis zu hauchdünn geschnittener Salami, Oliven und frische Butter.
Ich schnappte mir von allem etwas und holte es aus dem Kühlschrank.
Die fliegenden Lebensmittel brachten mich zum Staunen, auch die Fettflecke auf den Fingern, die wie flimmernde Luft wirkten.
Aufregung explodierte in meinem Magen, als ich nicht wusste, wo ich meine Beute zwischenlagern sollte, um mich nach Brot umsehen zu können. Ich wählte die blitzblank polierte Spüle aus Edelstahl. Schublade um Schublade öffnete ich, bevor ich endlich ein paar Scheiben vorgeschnittenes Brot fand.
Ich legte es in einen Brotkorb, warf die Feinkost hinzu, und noch bevor ich mich aus der Küche stahl, brandete Lachen von der Terrasse herüber.
Ich öffnete das stromverschlingende Kühlmonster ein weiteres Mal, nahm die angebrochene Roséflasche heraus und verzog mich in die obere Etage des Hauses.
Auf einem noch von der vergangenen Nacht zerwühlten Doppelbett sitzend, in dem vielleicht der Workoholic seine blondierte Modelfreundin seit Tagen vor Stress nicht angerührt hatte, stopfte ich mir gierig die mitgebrachten Lebensmittel in den Bauch.
Beim ersten Anblick der zerkauten Masse, die sich in der Luft sammelte, wurde mir ein wenig flau im Magen, und ich zwang mich, woanders hinzusehen. Ich konnte ja nicht einmal die Augen schließen, da meine Lider ebenfalls unsichtbar, also durchsichtig waren.
Ich zog den Korken aus der Flasche und stillte meine Lust auf Alkohol, die längst den Kater vertrieben hatte, der noch am Morgen mein Lebensretter gewesen war. Ohne ihn hätte ich schließlich nie die Toilette aufgesucht und wäre wie die Wissenschaftler verbrannt.
Der Alkohol auf nüchternen Magen zeigte Wirkung. Bald war ich heftig beschwipst, aber leicht, luftig, wie nur ein Rausch mit kühlem Rosé sein kann.
Ich aß die letzte Scheibe Brot, ließ mir Schinken und Käse auf der Zunge zergehen und durchsuchte das Schlafzimmer. Neben einem überdimensionierten Flachbildfernseher stand eine Videokamera. Ich schaltete sie an, spielte den letzten Clip ab und war rasch gelangweilt von einem nichtssagenden Urlaubsfilm an irgendeinem weißen Strand.
Als die Flasche geleert und die Köstlichkeiten aufgegessen waren, suchte ich das Badezimmer auf, das mit Regendusche, Whirlpool und Doppelwaschbecken wie der Rest des Hauses beneidenswert überdimensioniert war. Schwankend schlug ich mein unsichtbares Wasser in das Luxusklo ab und hüpfte leichtfüßig die Treppe hinab.
Ich stellte die leere Flasche in den Kühlschrank.
Im Wohnzimmer war es deutlich wärmer als oben, was an der weit geöffneten Terrassentür lag. Draußen jedoch schlug mir die Hitze wie die heiße Luft aus einem Backofen entgegen. Nackt wie ich war stellte ich mich in die Tür und sondierte die Lage.
Die beiden Frauen saßen noch immer auf der Terrasse, inzwischen hatten sie sich allerdings unter den Sonnenschirm verkrochen.
Sie kicherten und lachten. Auf dem Tisch stand eine leere Proseccoflaschen, eine zweite war fast zur Hälfte geleert. Gerade goss Tine ihrer Freundin, die mit schwerer Zunge vergeblich ablehnte, noch ein Glas ein
»Oh Gott, hör auf, ich bin schon total betrunken. Ich muss noch fahren.«
»Quatsch, Laura, du kannst dir doch ein Taxi nehmen. Oder hier übernachten.«
»Und Ben? Der hasst es doch, wenn ich hier übernachte.«
»Der kommt heute ganz sicher nicht zurück. Prost.«
Sie stießen an. Kicherten. Tranken. Tine trug noch immer ihren knappen Bikini, Laura ihr Sommerkleid mit dünnen Trägern. Ich trat ganz nah an sie heran, so dass ich ihr Parfum riechen konnte, das tapfer gegen die Hitze ankämpfte.
Laura wirkte weitaus natürlicher, selbst wenn ihre Haare ebenfalls nicht mehr die ursprüngliche Farbe hatten. Mit ihrem feinen, glatten Gesicht hätte sie gut auf einen Laufsteg gepasst. Wie Tine schätzte ich sie auf etwa Ende zwanzig.
Unter ihrem einfarbigen Kleid schien sie weder Top noch BH zu tragen, denn ihre Brustwarzen bohrten sich deutlich durch den Stoff. Im Schritt jedoch, wo sich das Kleid eng an ihre runden Hüften schmiegte und das Venusdelta andeutete, hoben sich die Nähte eines knappen Slips hervor.
Ich ging leise um die beiden angetrunkenen, kichernden, schwatzenden Frauen herum, immer darauf bedacht, dass meine nackten Füße nicht laut auf die Steine klatschten. Zum Glück hinterließ ich auch keine Schweißflecken auf den Steinen.
Was jetzt? Warten, bis ihre Freundin ging, bis sich beide zum Sonnen noch einmal auszogen, oder doch weiter, zum nächsten Haus? Was fing ich an mit meiner Unsichtbarkeit? Was sollte ich tun?
»Ben arbeitet viel zu viel. Im Bett läuft gar nichts mehr. Ich bin so ausgehungert, ich habe mir vorhin im Halbschlaf beim Sonnen schon vorgestellt, er würde mich lecken. Es war so realistisch.«
Laura nippte Prosecco.
»Warum suchst du dir nicht einen Freund?«
»Ich liebe ihn ja, ich will ihn nicht mit einem anderen Mann betrügen.«
»Du sollst ihn ja auch nicht mit einem Mann betrügen.«
»Soll ich eine platonische Freundschaft mit meinem Friseur schließen?«
Die Brünette schüttelte den Kopf. »Die Betonung lag nicht auf betrügen, sondern auf Mann.«
Oha. Schweigen. Laura nahm einen hastigen Schluck aus ihrem Glas, als wollte sie herunterspülen, was sie gerade gesagt hatte.
»Entschuldigung«, murmelte sie.
Die beiden Frauen starrten sekundenlang vor sich hin. Tine stellte ihr Sektglas ab.
»Wie kommst du darauf, ich könnte auf Frauen stehen?«
Laura räusperte sich. »Ich glaube, das war wohl eher Wunschdenken.«
Irgendwo im Garten zeterte eine Elster. Über den nahen See dröhnte ein Bootsmotor. Mir lief der Schweiß den Körper hinab.
Tine nahm einen großen Schluck Prosecco. Laura knipste nervös mit den Fingernägeln. Wer stand als erste auf? Würde Tine ihre Freundin empört zur Rede stellen, rauswerfen, nie wieder anrufen? Die eigene Freundin anbaggern, das taten Mädchen doch nur als Teenager, wenn sie noch nicht wussten, auf welche Seite sie gehörten.
Aber kannte ich die beiden? Wusste ich, wie lange sie schon Freundinnen waren, was sie voneinander wussten? Nicht jeder war so oberflächlich wie du.
Tine blieb verdammt ruhig. Ich sah genauer hin. Auf ihrem Sektglas bildeten sich kleine konzentrische Kreise. Ihre Hand zitterte. Ich ging noch näher an Tine heran. Tatsächlich. Ihre Nippel bohrten sich deutlich durch den Bikini.
Tines Stimme war hart, härter als erwartet.
»Also, ich glaube, du musst dich mal abkühlen. Du hast wohl einen Sonnenstich. Oder ist das der Prosecco?«
Laura stand auf. Der Stuhl schabte laut über die Steine. »Entschuldigung. Ich glaube, ich geh besser.«
Sie beugte sich vor, hob schwankend ihre Sandalen vom Boden auf und nahm das Handy vom Tisch.
Tine erhob sich ebenfalls unsicher aus ihrem Stuhl, während Laura bereits auf halbem Weg nach drinnen war.
»Na los«, sagte Tine. »Ich hol dir ein Handtuch. Du kennst dich ja hier aus.«
An der Terrassentür blieb Laura stehen, die Miene versteinert.
»Du willst nicht, dass ich gehe?«
Tine schluckte, und jetzt konnte zumindest ich erkennen, wie nervös sie war. »Doch, und zwar in die Dusche.«
Noch immer schien Laura nicht zu verstehen oder nicht verstehen zu wollen. »Hier? In eure Dusche?«
»Mein Gott, bist du heute schwer von Begriff. Geh schon mal vor, ich bring dir ein Handtuch.«
Laura blieb noch eine Sekunde regungslos an der Tür stehen. Tine scheuchte sie mit den Händen ins Haus, kicherte plötzlich. »Los, los.«
Was tat sie da? Welch seltsame Reaktion auf ein so eindeutiges Angebot. War sie von diesen Avancen so überrascht, dass sie nicht wusste, ob sie darauf wütend oder erfreut reagieren sollte? Wollte sie sich Zeit kaufen? Geh duschen.
»Du bist mir eine Nudel«, kicherte Laura. Ich ging vor und sie folgte mir.
Ich wusste ja, wo das Bad war.
4.
Auf dem Weg nach oben blieb Laura stehen, sah sich um, irritiert. Ich bewunderte den Hintern unter dem Sommerkleid.
Tine kam nicht nach. Ich hörte eine Tür knallen, vermutlich die Terrassentür, das Klingeln von Gläsern. Laura nahm die letzten Stufen und ging durch den Flur ins Bad. Ich ließ sie vorbei, musste langsam gehen, weil meine Füße zu laut auf das Parkett klatschten.
Bevor Laura die Tür zum Bad schließen konnte, schlüpfte ich hinter ihr hinein, doch Laura hatte gar nicht die Absicht. Die Tür schwang auf und blieb so. Laura streifte die Träger von den Schultern und bewies meine Vermutung, dass sie keinen BH trug.
Perfekt, dachte ich, einfach perfekt. Groß, schwer, rund und mit dunklen Höfen. Und auch die Hüften unter einer schmalen Taille passten ins Bild. Ihr Schamhaar war bis auf einen schmalen Streifen abrasiert.
Das Kleid fiel dort, wo sie stand, auf die schwarzen Fliesen. Ihr Po ein Gedicht, die Beine gerade. Die Hand an der Tür zur Duschkabine, nein: zum Duschpalast. Über ihr eine Regendusche. Hinter ihr die Glastür.
Beide Augen auf ihrem Hintern. Wasser rauschte. Tropfen behinderten die Sicht. Die Scheibe beschlug. Ich war dennoch im siebten Himmel.
Zitternd vor Erregung und Geilheit beobachtete ich Laura hinter der Scheibe, ergötzte mich an dem, was ich sah, und an dem Gedanken an das, was mir verborgen blieb.
Hinter mir ertönten Schritte.
Ich trat zur Seite. Tine war gekommen. Sie lehnte sich gegen die Tür, atmete tief durch.
»Du bist verrückt«, flüsterte sie sich zu. Das Wasser rauschte.
Sie wollte auf der Schwelle umdrehen, warf einen Blick zur Duschkabine, deren Scheibe mittlerweile gänzlich beschlagen war und nur noch schemenhaft die Konturen des weiblichen Körpers erkennen ließen.
Tine spielte mit ihren Fingern, rieb die Hände über ihren Körper. Nervös? Erregt? Aura schien sie nicht zu bemerken.
Ein Ruck ging durch sie. Tine streifte das Bikinoberteil ab und stieg aus dem Höschen. Was für ein Körper, dachte ich.
Wieder zögerte sie.
Mach schon, schrie ich ihr in Gedanken zu, die Hand am Schwanz. Geh rein.
Sie sah zu Boden, atmete tief durch und öffnete die Tür. Laura hob den Kopf, die Hände am Bauch, überall Schaum.
»Ich bin doch noch gar nicht fertig.«
Tine schluckte. »Ich brauch auch ne Dusche. Ist noch Platz?«
»Natürlich. In eurer Dusche könnte man ganze Orgien feiern.«
Die Tür fiel hinter den beiden zu, so dass ich nur noch von Wassertropfen und Dunst gebrochen sehen konnte, wie Tine sich unter das Wasser stellte.
»Und das Handtuch haste auch vergessen. Du bist mir eine.«
»Ich bin so durchschaubar«, sagte Tine. Sie sahen sich an, atmeten schwer, das Wasser prasselte auf ihre Köpfe, Schultern, Brüste, Bäuche, Schenkel.
»Du wirst Ben nichts sagen?«
»Und du sagst Silken nichts?«
Tine nickte und endlich küssten sich die beiden. Anfangs noch vorsichtig, später stürmisch und schließlich atemlos. Tine fasste den Kopf ihrer Freundin an den Wangen, Laura ließ ihre Hände über Tines Rücken wandern.
»Wir sind verrückt«, flüsterte Tine, und ich konnte es kaum verstehen, weil das Wasser so laut prasselte.
»Weil wir mal nicht an die Konsequenzen denken?«, flüsterte Laura zurück und schob ihre Hände zwischen die beiden Körper, um sie mit festem Griff um Tines Brüste zu schließen.
Durch die beschlagene Glasscheibe sah ich, wie Tine den Po ihrer Freundin mit beiden Händen packte, knetete und teilte, wie sich die Fingerspitzen zwischen die beiden Hälften schoben.
Laura stöhnte.
»Das habe ich mir so lange gewünscht.«
Und ich erst, dachte ich, und erhöhte das Tempo. Die beiden küssten sich drehend, küssten sich mit Zunge und fingerten sich gegenseitig. Fest presste eine ihre Hand in den Schoß der anderen.
Zuckend bäumten sie sich auf, beugten sich vor, spreizten die Beine, drehten sich um, so dass die eine der anderen von hinten die Hand zwischen die Beine schieben konnte.
Jammernd empfing eine die Massage der anderen, um ihr es gleich darauf in voller Münze heimzuzahlen.
Ich bin im Paradies, dachte ich, um mich sofort zu korrigieren. Das Paradies wäre es gewesen, hätte ich mitmachen dürfen. Immerhin, so redete ich mir ein, war dies echt, war dies nicht wie früher als Datei auf meinem Rechner oder durch die mangelhafte Internetverbindung in unansehnliche Häppchen geteilt.
Und diesmal war ich frei.
Die beiden kamen kreischend, seufzend und stöhnend, ich spritzte mein unsichtbares Sperma gegen die Glasscheibe und bedauerte wieder, dass ich den Anblick nicht genießen konnte.
Mit weichen Knien setzte ich mich auf die Toilette und wartete, bis die beiden Damen die Dusche verließen, um sich lachend und einander neckend abzutrocknen.
Laura rieb ihrer Freundin mit dem Handtuch über das Gesicht. Ihre Bewegungen waren behutsam, fast zärtlich, und ihre Stimme war leise, als habe sie Angst, dass der Zauber dieser Situation zu schnell verflog.
»Das war aber erst der Anfang, oder?«
Tine strich sich eine nasse Haarsträhne aus den Augen.
»Der Anfang wovon?«
»Von heute.«
Laura hielt in der Bewegung inne. Tine zog ihre Freundin am Kopf zu sich und küsste sie sanft.
»Gehen wir ins Schlafzimmer, okay?«
»Von mir aus können wir es überall machen.«
»Ich nehme dich beim Wort.«
»Ich hoffe es.«
Wieder kicherten sie und rieben sich mit dem Handtuch trocken.
Schlafzimmer.
Mir kam eine Idee.
Sex ohne Konsequenzen? Na wartet.
Rasch lief ich vor ins Schlafzimmer. Hinter mir Seufzen, Kichern, Knutschgeräusche. Die Videokamera stand noch immer neben dem Fernseher. Tine war darauf zu sehen gewesen, also konnte ich davon ausgehen, dass Ben sie benutzt hatte und es wieder tun würde.
Ich klappte den Monitor an der linken Seite auf. Das Lachen der beiden Frauen wurde lauter. Ich drückte und klickte.
Wie zum Teufel ging die Scheißkamera an?
Ein lautes Lachen übertönte das leise Piepsen, mit dem die Videokamera ansprang. Ein kleines rotes Licht erschien vorne, doch ich war mir sicher, dass die beiden es nicht bemerkten. Zu sehr waren sie damit beschäftigt, sich zu küssen und ihre Körper zu entdecken.
»Wie lange schleppst du diesen Gedanken schon mit dir herum?«, flüsterte Tine, als sie eng umschlungen das Schlafzimmer betraten.
»Seit wir uns kennen«, keuchte Laura in Tines Mund. Diese erwiderte den Kuss.
»Ich glaube, wir haben wieder etwas gemeinsam.«
Erneut trafen sich ihre Münder, ihre Zungen spielten miteinander. Eng pressten die beiden ihre Körper aneinander, die Brüste quollen dazwischen hervor wie zwei mit Wasser gefüllte Ballons.
Tine zog wieder die Pobacken ihrer Freundin auseinander, so dass ich alles sehen, konnte, was sonst dazwischen verborgen blieb, und ich konnte gerade noch die Kamera auf das Bett ausrichten und den Zoom so einstellen, dass kein Zentimeter des Bildes verschwendet wurde.
Lachend fielen die beiden auf die knarzende Matratze. Die Kissen sprangen hoch. Tine löste sich aus der Umarmung, schob sich rückwärts bis zum Kopfende des Bettes, lehnte sich mit dem Kopf in ein riesiges Kissen und zog die Beine an. Ihre Knie kippten zur Seite und legten ihre Möse frei.
Laura krabbelte die letzten Zentimeter in einem Tempo, als sei sie auf der Flucht vor einem wilden Tier im Schlafzimmer, und vergrub ihren Kopf zwischen den gespreizten Schenkeln. Ich versuchte, von der Seite und ohne auf die Matratze zu steigen, etwas von den Details zu erkennen, doch Tines Schenkel verbargen, was ich so gerne gesehen hätte. Dafür hob Laura ihren nackten Po an und gestattete mir Einblick auf beide Öffnungen.
Sie hatte die Hände um Tines Oberschenkel geschlungen und leckte sie wie eine Katze. Tine knetete sich die Titten, rieb die Brustwarzen und stöhnte hemmungslos.
»Oh, mein Gott, machst du das gut«, seufzte sie. »Ben hat das noch nie so gemacht.«
Laura sah auf. »Naturtalent, ist das erste Mal für mich.«
Tine drückte Lauras Kopf wieder zwischen ihre Beine. »Dann dreh noch ein paar Übungsrunden. Das geht bestimmt noch besser.«
Ich hockte mich ans Fußende des Bettes und starrte auf Lauras Po, der auf dem Laken auf und nieder hüpfte. Der Schamhügel presste sich gegen den weißen Stoff, die Möse öffnete sich. Dann streckte Laura den Po nach oben, so dass sich die Pobacken wölbten und die enge Öffnung dazwischen freigaben.
Ich wichste manisch. Die Gier nach Fleisch, der Wunsch, sie zu berühren, wurden immer stärker. Laura hob wieder den Kopf.
»Und, wie ist es? Besser als in deiner Fantasie vorhin?«
Tine sah zu ihrer Freundin hinab. »Viel besser.«
He, wollte ich sagen, ich glaube, es hackt. Doch dann besann ich mich eines Besseren.
Und als Laura eine Hand vom Schenkel ihrer Freundin löste, um sich die Punze zu massieren, wurde ich vor Geilheit beinahe wahnsinnig.
Einmal nur ficken, endlich, nach so vielen Jahren wieder einmal eine andere Frau ficken, ihr meinen Schwanz ins Loch schieben. Doch ich konnte nicht, die Angst vor der Entdeckung war zu groß. Vor mir lagen zwei rattenscharfe Frauen, die sich einem lesbischen Abenteuer hingaben, und ich konnte nur zusehen. Wie in den letzten Jahren. Ansehen, nicht anfassen.
Laura schob sich den Mittelfinger zwischen ihre Schamlippen, tauchte ihn tief in das nasse Loch und zog ihn feucht glänzend wieder hervor, um sich damit den Kitzler zu massieren.
Ihr Po tanzte in der Luft, Tine stöhnte, wand sich unter der Zunge der anderen Frau, die ihre Pobacken anspannte und lockerte, die in immer schnellerer Folge ihre Möse penetrierte und den Kitzler mit dem Finger rieb, mit allen Fingern.
Das Bett knarrte und das Laken raschelte. Die beiden Frauen seufzten und stöhnten und ich versuchte, diesen Anblick so intensiv wie möglich in mich aufzunehmen.
Als die beiden kamen, spritzte ich meinen Saft auf den Teppich.
Noch ehe sie eng umschlungen nebeneinander in die Kissen sanken, stellte ich die Kamera aus. Das Piepen war kaum hörbar.
Ohne Konsequenzen konnte nur einer Unfug anstellen. Ich.
Befriedigt verließ ich die beiden Frauen.
5.
Draußen empfing mich die brüllende Hitze des späten Nachmittags. Den letzten Orgasmus in den Knochen schlich ich über den Rasen. Am liebsten wäre ich in den See gesprungen. Von irgendwo erscholl Musik. Ich kletterte über den Zaun und landete im Garten eines Familienanwesens mit Spielsachen auf dem Rasen. Daran hatte ich kein Interesse.
Meine Neugier, jenseits der erotischen Spielereien, war neu erwacht, und das Gefühl der Narrenfreiheit war stärker denn je. An einem halben Tag als Unsichtbarer hatte ich so viel erlebt, wie ich mir bisher nur erträumt hatte, und es schien nicht, als habe der Spaß so schnell ein Ende.
Der Lärm nahm zu, und nach einer weiteren überwundenen Grundstücksgrenze erreichte ich die Quelle. Im Garten einer großen Villa mit Pool fand eine Grillparty statt. Viele gut angezogene Menschen saßen mit Flaschen, Gläsern, Tellern auf teuer aussehenden Gartenmöbeln. Zwischendurch lief ein Hund.
Am Grill stand ein Mann, der wie der Herr des Hauses aussah. Lachen, Musik, Konversation. Viel zu viel für mich. Ein Englisch sprechender Depp trat mir beim Vorbeigehen auf den Fuß und merkte es nicht einmal, ein anderer Snob rannte mich beinahe um.
Eine Party ist kein guter Ort für einen Unsichtbaren.
Vor allem nicht ab dem Moment, an dem mich der Hund witterte und mich anbellte. Knurrend hockte er vor der Terrasse. Es sah zum Glück aus, als belle er den Grillmeister an.
Ich schlich um den Grill herum, das blöde Vieh folgte mir. Der Herr des Hauses fluchte, der Hund bockte. Unauffällig stupste ich eine Wurst von einem Teller, auf dem sich das Fleisch türmte. Der Hund kannte, kläffte, schnappte sich die Wurst, der Hausherr schimpfte noch lauter und trat nach dem Köter, der jaulend verschwand.
Blödes Vieh.
Unter dem großen Proteststurm einiger anwesender Tierfreunde, den beschwichtigenden Worten des Grillmeisters und einem anschließenden Prösterchen (auf alle aussterbenden Tierarten, die nicht gegessen werden können) schnappte ich mir ein Schnitzel und verkroch mich in den Schatten einer Buchenhecke.
Dort verschlang ich gierig das Schnitzel, vermied jeden Blick auf meinen Magen oder besser: auf den Ort, an dem er sich befinden musste, wischte mir die Finger an Blättern ab und streunte fürs Erste gesättigt weiter.
Ich pinkelte in den Pool des Nachbarhauses, streifte noch durch ein paar Gärten, rüttelte zunehmend frustriert an verschlossenen Türen und überlegte, zu Tine und Laura zurückzukehren, um vielleicht ganz unauffällig noch einen wegstecken zu können, verwarf den Gedanken und ging, müde geworden, auf dem Grundstück eines verschlossenen Hauses ans Ufer.
Dort ragte ein Gartenpavillon auf das Wasser. Ein Chaos empfing mich. Liegen, Sessel, Kissen, Handtücher. Da hatte wohl die Putzfrau frei. Ein laues Lüftchen wehte über den See. Motorboote, Segler, Kinderlachen. Ich spürte, wie das Adrenalin aus meinem Körper wich und die Müdigkeit in mich kroch.
Unsichtbar.
War ich das vorher nicht auch schon gewesen? Wer vermisste mich denn? Katrin? Die hatte mit mir abgeschlossen. Unsere Wohnung war gekündigt, und sie würde froh sein, wenn sie ihre Sachen abholen konnte, ohne dabei auf mich zu stoßen.
Meine Mutter? Die rief nur alle Jubeljahre an. Mein kleiner Bruder? Wir hatten nicht mehr viel Kontakt, seit er in die USA gezogen war und dort bei einem großen IT-Unternehmen als Programmierer Karriere machte.
Mein Vater? Bis der in seiner südfranzösischen Kommune von diesem Unglück erfuhr, konnten Wochen vergehen. Ihm fiel selten auf, dass ich mich wochenlang nicht meldete.
Suchte man im Institut nach mir? Sollte ich zur Polizei? Sollte ich mich stellen und das Risiko eingehen, dass mit mir Experimente angestellt wurden? Was, wenn ich krank war, wenn mich die Strahlung langsam tötete?
Na und, dachte ich, dann ist es halt so. Bis dahin, so beschloss ich, würde ich das Beste aus dieser Situation machen.
Nur ein kurzes Nickerchen, damit ich am Abend zu Tine und Laura gehen und ficken konnte. Ich legte mich in eine Liege, in der ein weiches Polster verhinderte, dass mir der Bambus das Blut abschnürte.
Hässliche Streifen, so wusste ich, würde er ja nicht hinterlassen.
Ich legte mich zurück und schloss die Augen. Die Helligkeit blieb.
So ein Scheiß.
Ich sah mich um, nahm ein gebrauchtes Handtuch von einem der anderen Sessel und legte es mir über die Augen, damit es dunkel wurde.
Wie spät mochte es sein? Die Sonne war hinter dem Haus versunken. Nach acht? Von Ferne brandete das Lachen der Party herüber. Noch immer war es heiß. Ich schwitzte und bekam Lust darauf, in den See zu springen und mich abzukühlen.
Was, dachte ich noch, wenn ich aufwache und wieder sichtbar bin? Was, wenn dann die Besitzer des Pavillons auftauchten und mich so, nackt, vorfanden?
Nur ein kurzes Nickerchen, ein Schläfchen, als Unsichtbarer.
Würde ich ein Loch im Wasser hinterlassen?
Über diesen Gedanken schlief ich ein.
Lieber allein, als böse…
1.
Ich träumte von Katrin, träumte von Kommandos, von unausgesprochenen Vorwürfen. Träumte von Forderungen, von Überforderungen und fühlte mich seltsam gefangen in meiner Beziehung.
Mein Herz raste, als mich die mir direkt ins Auge scheinende Sonne weckte. Ich starrte regelrecht in den hellgelben Ball, der über den Baumwipfeln stand.
Der Anblick schmerzte. Ich schloss die Augen, presste die Lider fest zusammen, das Bild blieb. Mein Arm, den ich vor die Augen hielt, brachte keine Linderung. Er war wie aus Glas. Dann erst wachte ich richtig auf.
Ich war unsichtbar. Mein Arm, meine Augenlider, mein Kopf – für niemanden mehr sichtbar, es sei denn, man würde einen Eimer Farbe über mich auskippen.
Das Experiment im Institut, die toten Wissenschaftler, die verbrannten Kleider und meine verlorene Identität. Das alles kam mir wieder zu Bewusstsein. Hier auf einer Hollywoodschaukel in einem Kleingarten, zwischen Gartenzwergen und Kinderplanschbecken. Ich zog die graue Pferdedecke, in die ich mich eingehüllt hatte, über den Kopf. Mich fröstelte ein wenig. Die Sonne schien gerade aufgegangen zu sein.
Wieso dachte ich an den letzten Sex mit Katrin? Ihren Ritt auf mir, ihre Pläne für mein Leben. Ich hockte mich auf den Rand des Planschbeckens und ließ die Beine ins Wasser baumeln. Vögel zwitscherten, zwei Eichhörnchen hüpften durch die Morgensonne. Es war beinahe romantisch.
Die Sonne stand ganz links von mir im Osten. Katrin. Sie hatte mich nicht mehr in den Arsch gefickt. Dass sie nur noch Sex mit mir wollte, wenn sie mich reiten konnte, war eine Sache. Aber sie hatte sich ansonsten auch nicht mehr für meine Bedürfnisse interessiert. Immer häufiger war der Gedanke daran, sie zu treffen, zu sehen, zu spüren, angenehmer als sie tatsächlich zu treffen, zu sehen, zu spüren.
Die Distanz war aufregender als die Nähe. Die Vision schöner als die Wirklichkeit. Die Wirklichkeit war anstrengend, war fordernd, war launisch und kniete sich nicht hin, hatte eine andere Meinung, war intelligenter, erfolgreicher, schöner, besser. Die Wirklichkeit war kritisch, mäkelnd und nie so willig, wie die Fantasie.
Ich dachte mit dem Schwanz, war mit dem Dildo im Arsch aufgewacht und mir meiner eigenen Unzulänglichkeit bewusst geworden.
Mein Studium hatte ich nie abgeschlossen, mein Leben hatte ich nie auf die Reihe bekommen. Stattdessen hatte ich mich an der Fantasie aufgegeilt, wie Katrin von einem anderen Mann gefickt wurde, in den Arsch, wie sie sich vor ihren Kollegen kniete oder es mit einer anderen Frau trieb.
Ich wollte mich überflüssig machen, weil ich überzeugt davon war, es seit langem zu sein und von Niemandem vermisst zu werden.
Doch nun, endlich, vermisste mich niemand. Jetzt war ich verschwunden. Jetzt musste ich niemandem Rechenschaft ablegen.
Ich konnte sein, was ich wollte, und wenn es bedeutete, wie mein Vater zu sein.
Mit den Füßen in angenehm kühlem Wasser starrte ich in die aufgehende Sonne. Ein lauer Wind kräuselte die Oberfläche des Swimmingpools.
Ficken, ohne an die Konsequenzen zu denken. Das eigene Leben leben, selbst wenn es nach oberflächlichen Reizen gierte.
Meine Augen brannten. Ich spürte, wie sich die Lider schlossen, aber der See verschwand nicht.
Wie spät es wohl sein mochte? Meine innere Uhr und der Sonnenstand, die Ruhe und die frische Luft ließen mich auf nicht einmal 7 Uhr tippen.
Die Nacht war warm geblieben. Trotz meiner Nacktheit hatte ich kaum gefroren und nur einmal zum Handtuch gegriffen, um meine unsichtbare Blöße zu bedecken.
Ich setzte mich auf. Eine Ente schwamm vorbei. Im Osten lugte die Sonne gerade über den Horizont. In einem kurzen Moment des Schrecks fürchtete ich, wieder sichtbar zu sein, sichtbar in einem Gartenpavillon einer Villa am Kleinen Wannsee.
Ich hätte es besser wissen müssen, schließlich konnte ich die Augen nicht schließen. Meine Hände waren unsichtbar, mein Bauch, meine Füße.
Ich konnte die Abdrücke sehen, die mein Körper auf dem Polster hinterließ, konnte sehen, wie sich der Schaumstoff ausdehnte, kaum dass ich das Gewicht verlagerte.
Ich fühlte mich wohl. Der Reaktorunfall zeigte noch keine unwillkommenen Begleiterscheinungen. Meine Haare waren noch auf meinem Schädel, ich spürte keine Übelkeit, nur Appetit. Mühelos konnte ich mich von meinem Nachtlager erheben und zusehen, wie das Gras von meinen unsichtbaren Füßen niedergedrückt wurde.
Langsam stieg die Sonne höher an einen wolkenlosen Himmel. Heiß würde es wieder werden, und ich hatte noch keine Ahnung, dass ich als Unsichtbarer die längste und extremste Hitzewelle erleben würde, die je Mitteleuropa heimgesucht hatte.
Ich bekam Lust, mich zu erfrischen, wenn ich schon keine Dusche nehmen konnte, und stieg über eine kleine Leiter in den See. Fasziniert beobachtete ich, wie mein unsichtbarer Körper das Wasser verdrängte, als hätte Moses das Rote Meer geteilt.
Das Wasser nahm meine Konturen an wie ein in den See geworfenes Aquarium, so dass ich bis auf den Grund sehen konnte, dort wo ihn meine Füße berührten. Zu einer Glocke geformt legte ich meine Hände auf das Wasser und drückte sie hinunter. Eine Luftblase bewegte sich durch das Wasser hinab, wo sie sich in viele kleine Bläschen aufteilte.
Ich kaum aus dem Staunen nicht heraus.
Die Sonne glitzerte bald auf dem Wasser und wurde von der Innenseite der Wasserwand reflektiert. Sie gingen durch mich hindurch und doch spürte ich wieder die Wärme.
Nach einer gefühlten Ewigkeit, in der ich plantschte, Wasser schweben und Luftblasen steigen ließ, wurde mir die Gefahr, entdeckt zu werden, zu gegenwärtig, und ich stieg wieder aus dem See.
Kaum an Land jedoch, bekam ich einen Schreck. Das Wasser lief nicht einfach von mir ab, es blieb an der Körperbehaarung hängen. Mein Schamhaar wurde sichtbar, die Härchen an meinen Beinen, meinen Armen, und ich war mir sicher, dass auch die Haare auf meinem Kopf sichtbar geworden waren.
Ich griff nach einem Handtuch.
Nach dem Abtrocknen wurde ich wieder vollständig unsichtbar.
Das beunruhigte mich. Ich beschloss, etwas dagegen zu tun.
Das Haus am See blieb mir verschlossen, aber kaum war ich über einen Zaun geklettert und auf die Straße getreten, wusste ich, wie spät es war: Es war Zeit, ins Büro zu fahren.
Schräg gegenüber öffnete sich ein breites Tor, und ein BMW fuhr heraus. Noch bevor ich reagieren konnte, schloss sich das Tor wieder. Ich drehte mich. Irgendwo klappte eine Tür. Ich rannte weiter über den kühlen Asphalt. Nackt. Ein geiles Gefühl.
Ich bin frei, schoss es mir wieder durch den Kopf, ich kann tun und lassen, was ich will.
In dieser Minute, in der ich in einem noblen Wohnviertel nackt über die Straße lief, um unerkannt in ein fremdes Haus einzubrechen, ging ich ganz in diesem Gefühl auf.
Frei.
Kurz darauf hörte ich Stimmen aus der Richtung, in die ich lief, ein Motor wurde angelassen, und ich sah, wie sich ein elektrisches Tor zur Auffahrt öffnete. Die Villa war alt, oder auf alt gemacht, mit Säulen vor dem Eingang, dahinter eine gelbe Fassade mit Sprossenfenstern unter einem Giebeldach. In einer Garage standen zwei Nobelkarossen. In der Tür, sehr schick, eine Frau, Handtasche und Schlüssel in der Hand.
Der erste Mercedes rollte aus der Garage, ein elektrischer Fensterheber summte. Eine Männerstimme aus dem Inneren des Fahrzeugs.
»Ich hab den Brief vergessen, kannst du? Liegt auf dem Küchentisch.«
Die Frau in der Tür hob die Hand und verschwand im Haus. Wieder der Fensterheber, das Aufheulen des Motors, das Rasseln des Tores.
Ja, dachte ich, wie geil ist das denn?
Ich rannte die letzten Meter, huschte durch das offene Tor auf das Grundstück, rannte zur Eingangstür. Der Mercedes rollte auf die Straße. Im Haus war es kühl. Schritte auf den Fliesen. Schlüsselrasseln. Die Frau, Ende 40, im Businessanzug, kam mir entgegen, einen Brief in der Hand. Sie stellte sich noch einmal vor den Spiegel im Flur, wischte sich über die Nase, presste die rotgeschminkten Lippen aufeinander.
Ich wich zurück, presste mich in an die Wand. Sie stand nur wenige Zentimeter entfernt, riss sich von ihrem eigenen Anblick los, verließ das Haus.
Die Türknallte. Ein Schlüssel wurde gedreht. Das Fenster, dachte ich erschrocken, ich kann durch ein Fenster raus. Ganz bestimmt.
Sekunden später klappten Türen, heulte ein Motor auf. Rattern, Garagentor, Einfahrt. Aus.
Im Haus war es still. Es roch sauber. Nach Putzfrauenwerk.
Ich schlenderte durch den Flur in die Küche.
Ein fremdes Haus, wieder einmal, aber diesmal reizte mich nicht die Suche nach Pornos, Schätzen, nackter Haut.
Ich hatte ganz andere Pläne.
Am Küchentisch jedoch blieb ich hängen. Die Schlagzeile der Morgenpost traf mich in den Magen wie ein Gammelfleisch-Döner.
»GAU in Berlin - 7 Tote bei Reaktorunglück«.
Mit einem Mal war sie wieder da. Die verdrängte Tatsache, dass ich, Leon Bloch, 34 Jahre alt, seit einem Unglück nicht nur unsichtbar, sondern jetzt, in der prallen Sonne eines frühen Berliner Morgen, feststellen musste, dass ich auch für tot erklärt worden war.
Ich blätterte die Zeitung auf und fand alle Infos vom Unfall im Institut am gestrigen Tag.
Über geringe Strahlung wurde berichtet, über tote Wissenschaftler, einen 34jährigen Journalisten, der bis auf seine Brieftasche restlos verbrannt war, bis zur andauernden Suche nach einer Ursache.
Tot. Ich war tot. Nicht nur für Katrin – für den Rest der Welt ebenfalls. Endlich.
Mir schossen Tränen in die Augen und für einen Moment genoss ich das Gefühl der Trauer. Doch nach wenigen Sekunden schon reichte es mir. Mein Selbstmitleid war wie die geheuchelte Zärtlichkeit eines Fremden.
Schluss.
Neuanfang. Wieder einmal.
Zur Sicherheit klapperte ich alle Zimmer ab, um auszuschließen, dass sich irgendwelche verpennten Teenager vor der Schule drückten, doch ich traf auf keinen anderen Menschen.
Das Bad war weniger protzig als erwartet und hatte seine letzte Renovierung bestimmt vor zehn Jahren gesehen. Der Rasierschaum stand vor dem Spiegel, der Ladyshave hing in der Dusche an einem kleinen Haken.
Ich riss die Schubladen auf und fand schließlich einen Rasierapparat mit Langhaarschneider. Ich stellte mich vor den großen Spiegel, bewunderte den schwebenden Rasierapparat, den Stecker, der sich von selbst in die Steckdose schob und den Schalter, der sich von ganz alleine auf an bewegte.
Vorsichtig schor ich mir den Kopf. Anfangs befürchtete ich noch, der angestrengt brummende Langhaarschneider würde seine Arbeit verweigern, doch langsam kam ich voran.
Eine gefühlte Stunde später stopfte ich die unsichtbaren Haare mit meiner unsichtbaren Hand in einen Kosmetikmülleimer und fuhr mir über die Stoppeln auf meinem Schädel.
Weiter.
Ich rasierte mir die Beine mit dem Langhaarschneider und schließlich auch die Haare rund um meinen Schwanz.
Anschließend stellte ich mich unter die Dusche und griff zum Rasierschaum.
Ich war gar nicht darauf vorbereitet, und so überraschte es mich, dass ich, je mehr Schaum ich auf meinen Beinen und meinem Schwanz verteilte, Stück für Stück wieder sichtbar wurde.
Bald sah ich aus wie der Marshmallow-Mann, in den ein Ladyshave breite Bahnen schnitt, durch die hindurch man die Duschkabine sah.
Keine Zentimeter ließ ich aus. Kopf, Gesicht, Achseln, Bauch, Scham, Beine, Po und sogar die Arme rasierte ich. Zweimal wechselte ich zwischendurch die Klinge. Die Schaumdose leerte ich komplett.
Bald wusch ich mit Seife die letzten Schaumreste ab, fuhr mir mit der Hand über den Körper und schauderte, so fremd fühlte ich mich an.
Fremd und gut.
Jetzt war ich wirklich nicht mehr Leon. Jetzt war ich niemand. Jeder. Unsichtbar.
2.
Auf dem Weg zur S-Bahn fühlte ich wieder diese Erregung. Ich war nackt. Ich war mitten in Berlin. Niemand konnte mich sehen. Und ich hatte Hunger. Die Straße vor den Villen war leer. Ab und zu fuhr ein Auto, meist war es ein teurer Wagen aus Werken in Bayern oder Baden-Württemberg, an mir vorbei.
Vergnügt und immer wieder über meinen glattrasierten Körper streichend schlenderte ich über den Bürgersteig. Kurz nach zehn erreichte ich die S-Bahnstation.
Backshop, Ticketautomat, Kiosk. Berlin, dich lob ick mir.
Die Sonne war längst heiß, der Himmel war blau, die Bäume grün und der Duft der Croissants im Backshop am Eingang zur S-Bahn einfach unwiderstehlich. Die Fliesen vor dem gläsernen Verkaufstresen waren angenehm kalt.
Hinter dem Tresen stand eine junge Dame, die meinen Penis sofort wieder zum Hüpfen brachte, und schob ein Tablett mit Backwerk in den Ofen. In der Auslage präsentierten sich Nuss-Nougat-Croissants, Apfeltaschen, Schokobrötchen und Brezeln. Mein Magen knurrte.
Ich brauchte nur ein paar Minuten auf der falschen Seite des Tresens zu warten, bis die Verkäuferin in den hinteren Teil ihres Ladens ging, um Teig aufzutauen. Dann schnappte ich mir eine Handvoll Croissants und Apfeltaschen, stopfte sie in eine große Tüte, schnappte mir eine Flasche Tafelwasser vom Tresen, und noch ehe die junge Dame wusste, wie ihr geschah, flüchtete ich bereits mit meiner Beute.
Es sah für mich schon seltsam aus, wie die Tüte vor mir Augen in der Luft schwebte. Wie muss es erst für andere ausgesehen haben? Doch bis auf ein paar kurzsichtige Omas und ein paar Alkis, die nur Augen für ihre Dose Bier hatten, wurde niemand Zeuge meines Mundraubes.
Nach einem ausgiebigen Mahl auf einer Bank am See ruhte ich so lange, bis sich der unansehnliche Klumpen Teig in meinem Magen aufgelöst hatte, und beschloss, in die erste S-Bahn, die nach Berlin-Mitte fuhr, zu steigen.
An der Tür rempelte mich ein Penner an, dem ich eigentlich aus dem Weg gehen wollte. Er merkte gar nicht, dass zwischen ihm und der Trennwand noch ein halber Meter Platz gewesen war.
Mit mir stiegen auch zwei hübsche Mädchen eins und blieben an der Tür stehen blieben, ihre Rucksäcke zwischen die Füße gestellt. Schülerinnen? Studentinnen? Turnschuhe, Jeans, ein Top, das den Bauch frei ließ und Brustwarzen, die den Stoff durchbohrten, als wäre er aus hauchdünner Seide.
Beide Mädchen waren stark geschminkt und hatten die langen Haare zu einem Zopf gebunden, der zwischen den nackten Schulterblättern baumelte.
Auf einen BH hatten sie verzichtet. Vorsichtig schlich ich mich bis auf einen halben Meter heran. Ich konnte die Farbe des Lippenstiftes als Schicht erkennen und den Atem der beiden auf meiner Haut spüren. Die eine beugte sich vor.
Ich konnte zwischen den eng zusammenstehenden Brüsten bis fast zum Bauchnabel sehen. Wieso erregte mich der Anblick so sehr, dass ich fast kam, ohne auch nur daran zu denken, in sie einzudringen? Diese makellose Haut zweier fleischiger Hügel machte mich derart an, dass ich beinahe zugegriffen hätte.
Die Bahn bremste ab. Nikolassee.
Die Teenager stiegen aus und ich hatte Zeit und Lust, also folgte ich ihnen.
War nicht heute Donnerstag? Gingen sie zur Schule? Je weiter wir kamen, die beiden voran, ich hinterher, umso mehr Menschen drängten sich auf dem Fußweg, der von der S-Bahnstation in den Grunewald führte. Aber erst als ich einen Wegweiser sah, dämmerte es mir.
Bei diesem Tag ging niemand in die Schule. Heute war Badetag im Strandbad Wannsee. Der beste Ort, zu spannen, sowohl am Strand als auch unter den Duschen. In Erwartung geiler Erlebnisse lief ich voraus, konnte ich doch sicher sein, die beiden Teens im Bad wieder zu sehen.
Während sie sich an der in die Schlange stellten, ging ich an den Wartenden vorbei, stieg die Stufen hinab und sah mich um.
Gut, ich musste zugeben, dass der Anblick von Frauen im Bikini nicht wirklich neu für mich war. Ungewohnt jedoch waren die Nähe und die Tatsache, dass mich niemand blöd anmachte, weil ich zu offensiv gestarrt hatte. Nicht die Angestarrte, nicht der Freund und auch nicht Katrin.
Katrin. Wir waren am Ende, was Sex anging, nicht mehr kompatibel gewesen. Sie ritt mich wie einen lahmen Ackergaul, um ihre Stärke zu demonstrieren, und ich holte mir mein Stück Arsch, auf das ich so sehr stand, aus dem Internet. Pornos jeglicher Ausprägung und Spielart waren zu meinem Katalysator geworden, um nicht so zu werden wie mein Vater, nicht schwanzgesteuert.
Von Arschficken bis Zoophilie hatte ich alles durch, was man im Internet finden konnte. Nackte Haut im Überfluss, und immer wieder Arschficks. Ärsche, auf allen Vieren, Analdildos – ich hatte mein Hirn so vollgestopft, dass irgendwann echter Sex gar nicht mehr in Frage kam, mich nicht mehr reizte.
Zusehen, nicht anfassen – mehr brauchte ich nicht zu meiner Befriedigung. Und Katrin war am Ende sogar bei dem Wenigen, das sie von mir forderte, zu kurz gekommen. Jeder Sexclip, jedes JPG mit nackter Haut hatte mich weiter von Katrin entfernt. Natürlich war ich schwanzgesteuert wie mein Vater.
Wie schade, dass Katrin und ich es erst nach so langer Zeit akzeptierten.
Bevor mich die Erinnerung an meine Ex-Freundin, an den einzigen Anker, den ich in meinem Leben gehabt hatte, herunterziehen konnte, drehte ich mich nach den beiden Teens um. Sie bezahlten und kamen ebenfalls die Stufen hinab.
Ob sie sich umziehen mussten?
Meine Hoffnung wurde jäh enttäuscht, als die beiden an mir vorbei zum Strand gingen. Ich folgte ihnen, freute mich über wackelnde Pos und wippende Brüste.
Kaum jedoch hatte ich den Fuß in den Sand gesetzt, wusste ich, wie falsch meine Entscheidung gewesen war, hierher zu kommen. Jeder Schritt, den ich im Sand tat, wurde sichtbar. Sandkörner blieben verräterisch deutlich an meinen Füßen hängen, und im Gedränge, das mit jeder Minute zunahm, musste ich ständig damit rechnen, angerempelt zu werden.
Ins Wasser konnte ich nicht, die Erfahrung hatte ich bereits gemacht und ich wollte vermeiden, Panik auszulösen, weil jemand ein schwarzes Loch im Wannsee vermutete.
Das ganze Areal machte außerdem einen sehr heruntergekommenen Eindruck. Die Gebäude an der Promenade waren geschlossen, halb verfallen. Die Duschen machten einen ebenso miesen Eindruck. Aus den Toiletten roch es nach Urin, und nicht einmal über die Türen konnte ich spähen.
Außerdem war hier außer spielenden Kindern niemand zu sehen.
Enttäuscht ging ich wieder hinaus.
Mein Plan war so einfach gewesen: Ich wollte ein paar Bikinis aufknüpfen, Proleten ins Bier pinkeln und Zigaretten zerbrechen, aber ich kam gar nicht so nah heran.
Es war eine dumme Idee, herzukommen.
So geil die Teens und Twens in Bikini auch waren – mit jedem Blick stieg meine Frustration. Ich wollte anfassen, sollte penetrieren, wollte ficken. Doch hier, unter Tausenden Besuchern, die sich dicht an dicht drängten wie in einer Sardinenbüchse, hatte ich keine Chance, unbemerkt zuzugreifen.
Es war zudem nicht, was ich wollte. Gestern war ich weiter gekommen, als ich es hier jemals tun würde. Im Strandbad Wannsee hatte ich als Unsichtbarer schließlich Schiffbruch erlitten.
In diesem Moment kam eine junge brünette Dame, vielleicht Mitte zwanzig, vom Strandabschnitt. Sie trug einen Bikini, der einen perfekten Körper mühsam bedeckte. In den Händen hielt sie eine Tasche mit Badetuch und Buch sowie ein Handy Ihre Stimmung schien genau das Gegenstück zum sonnigen Tag zu sein.
Kaum war sie an mir vorbei, klingelte das Handy. Ihre Stimme war eisig.
»Ich bin auf dem Weg… Nein, ich muss noch zuhause vorbeifahren und mich umziehen…. Nein, mit der S-Bahn… Okay, wir treffen uns dann im Büro.«
Sie legte auf und seufzte.
Mein Herzschlag beschleunigte sich, und obwohl ich wusste, dass ich einen Gedanken gefasst hatte, der sich nicht zu Ende denken ließ, beschloss ich, ihr zu folgen.
An der Treppe nach oben hielt sie an, zog sich ein Hemd sowie eine kurze Sommerhose über und schlüpfte in Flipflops. Gemeinsam verließen wir das Bad.
Auf dem Weg zur S-Bahn bewunderte ich noch einmal, was unter Hemd und Shorts steckte, wippte, wackelte. Was wohlgeformt und gebräunt mit leichten Schritten über den Asphalt schwebte, was unter der Sonnenbrille verkniffen mit sich selbst redete und auf einen Thomas fluchte, Wochenende, Überstunden, Mist.
Über der Straße flirrte die Hitze. Ich schwitzte.
In der S-Bahn musste ich Reise nach Jerusalem spielen, um nicht getreten zu werden. Es roch schlecht in der S-Bahn. Zu viele Menschen, zu viel Schweiß.
Ich stellte mir vor, wie es mit ihr sein könnte, wie ich sie berührte und sie erstaunt über einen Geist die Beine spreizte.
Quatsch. Ich würde sie nicht anfassen dürfen, konnte nicht aus meiner Deckung. Nicht so, nicht hier.
Am Savignyplatz stieg sie aus. Ihre Wohnung lag in einem Altbau. Die sich schließende Haustür rammte mich an der Brust. Synchron knarrten wir die Stufen hinauf. Ich fror ein wenig vor ihrer Wohnung.
Sie stürmte voran in einen Flur, der mehr Schlauch war. Berliner Altbau. Schmales Bad, kleine Küche, zwei große Schlafzimmer. Möbel von IKEA.
Hinter uns fiel die Tür ins Schloss.
Was zum Teufel, dachte ich, hast du eigentlich vor?
3.
Ihr Hemd landete auf dem Boden. Die Shorts vor der Dusche. Neben der Waschmaschine stand ein tiefes Regal mit Handtüchern, Flaschen, Tuben, Döschen, Krimskrams. Auch IKEA.
Sie, nackt hinter einem weißen Duschvorhang, und ich, mit dem Schwanz in der Hand, auf der Hut vor dem Wasserdampf, durch die Lücke glotzend.
Sie rieb sich den Sand vom Körper, die Sonnencreme und die Blaualgen. Ihre Brüste waren nicht zu groß, die dunklen Nippel wiesen nach oben. Der Schamhügel war glattrasiert.
Das Wasser stoppte, der Duschvorhang ratschte. Ich zitterte ich vor Geilheit am ganzen Körper. Ich wichste nur Zentimeter von ihr entfernt und konnte mich kaum noch zurückhalten.
Eindringen, ficken, die Hitze des Inneren eines Körpers spüren, die Enge, den Kontakt. So lange hatte ich nicht mehr gefickt, so viele verdammte Monate. Ich konnte mir schon vorstellen, wie ich meinen Schwanz in ihre Möse schob und meine Eichel ihre Schamlippen dehnte, konnte ihre Brüste in meinen Händen spüren.
Mein Herz raste.
Ich kannte das Gefühl, es war wie damals, im Disneyland, als ich vergeblich meiner Zimmernachbarin Marijke nachstellte und sie mich hinhielt, erinnerte mich daran, wie mich diese Frustration beinahe um den Verstand gebracht hatte und ich mich, oder besser uns, nur dadurch hatte retten können, dass ich mich umgedreht hatte und nach Hause gewankt war, breitbeinig, um im Bett hemmungslos zu wichsen.
Aber jetzt konnte ich nicht mehr. Ich hatte genug vom Wichsen. Ich wollte ficken.
Sie stieg aus der Wanne und griff nach einem Handtuch, das über dem Heizkörper an einem Haken hing. Nur Zentimeter entfernt ich. Was für Titten, dachte ich, was für ein Arsch. Mein Körper brannte, und mein Schwanz gierte.
Sie trocknete sich ab, ich wich zurück, lautlos, durch den offenen Mund atmend, vorsichtig wichsend. Ihre Brüste wippten. Diese Nippel, diese Pobacken, diese glatte Haut.
Fass sie an, schrie es in meinem Kopf. Verschwinde, spritz ab, mach nichts, zu gefährlich, schrie eine andere Stimme.
Mir war kalt und heiß zugleich.
Nur einmal, nur ein einziges, kurzes Mal. Ich konnte doch nicht nur wichsen.
Mit zwei Schritten war sie am Regal. Noch immer schien sie in Eile. After-Sun-Lotion. Den abgeschraubten Deckel legte sie auf den Rand des Waschbeckens. Meine linke Hand schwebte über ihrem Rücken, den Schultern, dem Steißbein, den Pobacken. So fest und rund und perfekt und geil.
Knie dich hin, bitte, einmal, und ich kann abspritzen, gehen, durchatmen.
Ihre Hände auf den Titten, die Creme verteilend, die Nippel rutschten durch die Finger.
Knie dich hin, einmal, damit ich deine offene Möse sehen kann und deinen Arsch, nur kurz. Aber wie? Wieso sollte sie sich hinknien? Weil sie, weil etwas. Auf dem Boden. Heb auf, bück dich. Die Geilheit machte mich schier ohnmächtig.
Aufheben. Den Deckel. Den auf dem Waschbecken.
Mit dem Mittelfinger schnippte ich den Deckel hinunter, gerade als sie nicht hinsah, als sie sich das Dekolleté eincremte. Klackernd fiel er zu Boden. Ich bückte mich, gab ihm einen neuen Schubs, so dass er weiter rollte, führte ihn mit dem Finger, und schob ihn vor das Regal, an ihren Beinen vorbei, berührte sie beinahe am Unterschenkel mit meiner Schulter.
»Mist«, fluchte sie. Mein Herz blieb fast stehen. Der Deckel verschwand unter dem Regal.
Ich rutschte auf dem Boden zurück in die Ecke zwischen Badewanne und Heizkörper. Sah zu ihr hoch, sah auf ihren Hintern. Jetzt bück dich.
Sie seufzte, ging vor dem Regal in die Hocke. Ihr Arsch teilte sich. So geil, so gut. Das Licht im Bad ließ nichts verborgen. Auf die Knie. Und vorbeugen.
Jaaa, jubelte ich. Da war sie, auf allen Vieren, vor dem Regal.
Ihr Po teilte sich, wie auf den Bildern, wie bei den Pornos, die ich zu Tausenden angestarrt und mir gewünscht hatte, ich könne die Models nur einmal ficken, ohne Vorspiel, ohne Nachspiel, ohne Konsequenz. Einfach nur von hinten ficken.
»Oh, komm schon, du scheiß Deckel.«
Sie fluchte und streckte mir den Po noch weiter entgegen, griff unter das Regal, ging ins Hohlkreuz. Ihre Pobacken spreizten sich und die Möse darunter geöffnet, die Schamlippen geteilt, rosa lockte ihr Loch.
Ficken, dachte ich nur noch, jetzt ficken.
Sie wusste nicht, dass sie mir das Signal gab. Und dann übernahm der Schwanz das Denken.
In einer raschen Bewegung war ich hinter ihr, über ihr, auf ihr.
Als ich sie mit beiden Händen packte, eine auf dem Rücken, die andere am Hintern, drückte ich sie gegen das Regal, das klappernd wackelte. Ihr Kopf verschwand zwischen den beiden unteren Regalbrettern inmitten von Handtüchern. Ihre Schultern prallten gegen die Beine des Regals.
Sie schrie vor Schreck und Angst und Schmerz auf, doch das war mir egal. Ich musste sie jetzt ficken, jetzt und hier, oder ich verlor den Verstand. Falls ich ihn nicht bereits verloren hatte.
Mit meinen Knien drückte ich ihre Beine auseinander. Ihre hintere Öffnung weitete sich, und das machte mich noch geiler. Sie war komplett bewegungslos, konnte nicht einen Zentimeter nach links oder rechts ausweichen. Vor ihr das Regal, dessen oberstes Regalbrett hart in den Nacken drückte und auf der Haut eine rote Strieme zurückließ.
Ich drückte meine linke Hand in ihren Rücken und presste mich mit dem ganzen Gewicht gegen sie, so dass sich ihr Hintern an meinen Bauch schmiegte.
Jetzt eindringen, nur einmal.
In meinen Ohren rauschte das Blut, meine Hände waren wie mit Gas gefüllt. Von irgendwo kam Kreischen, hysterisch, ängstlich.
Sie schrie und jammerte und flehte um Hilfe. Ich hörte, wie ihre Fingernägel über die Fliesen kratzten. Wie Krallen einer Katze, eines gefangenen Tieres.
Mit dem Kopf schlug sie von unten gegen das Regal, ihre Hände fuchtelten.
»Tun Sie mir das nicht an, bitte«, bettelte sie. Das Regal bewegte sich aufwärts, die Döschen, Tuben, Flaschen kippten zur Seite, krachten scheppernd auf den Boden, Handtücher rutschten, ich fiel nach hinten, bevor die Frau vom Regal begraben wurde, unter Flanell und Plastik, unter einem Radiowecker, Modeschmuck.
Atemlos stand ich auf, benommen, schwankend. Mein harter Schwanz schimmerte in der Luft wie ein Fettfleck auf einer Fensterscheibe. Rasch griff ich nach einem Handtuch.
Die Frau lag kreischend unter dem Regal, wimmernd, hatte die Beine angezogen, sich unter dem Inhalt des Regals verborgen.
Ich spürte die Tür in meinem Rücken.
Oh, mein Gott, dachte ich, was hast du nur gemacht? Ficken, ohne an die Konsequenzen zu denken.
Du bist wie dein Vater, hallte es in meinen Ohren.
Ich war aus lauter Gier zum Vergewaltiger geworden. Genau deshalb ist es mit Katrin vorbei gewesen. Weil du nur mit dem Schwanz denkst.
»Hau ab, bitte«, rief sie mit tränenerstickter Stimme. »Ich ruf auch nicht die Polizei.«
Polizei, Gentest, Vergewaltiger, Gefängnis.
Polizei? Ich war ein Fall für das Irrenhaus.
Es war nicht so sehr der Gedanke an die Frau, der mich erschreckte, sondern die Angst vor dem, was es für mich bedeutete, und das erschreckte mich noch mehr.
Die Türklinke war kalt. Im Flur war es still. Die Wohnungstür knallte hinter mir. Der Kokosläufer auf der Treppe kratzte an meinen Fußsohlen. Was hatte ich nur gemacht?
Ich hätte beinahe eine Frau vergewaltigt, aus lauter Gier. Draußen empfing mich brüllende Hitze.
4.
Rasch entfernte ich mich vom Haus. Ich war doch nicht ganz dicht. Ich hatte die Kontrolle verloren.
Schwanzgesteuert, auf die schlimmste Art und Weise.
Sexuelle Frustration hatte mich zum um ein Haar dazu gebracht, eine Frau zum Sex zu zwingen. Das Schlimmste war, dass mich das Selbstmitleid mehr schmerzte, als irgendein Gedanke an die Verletzungen, die ich der Frau zugefügt hatte. Der Schreck, den ich ihr zugefügt hatte, die Demütigung, die Erniedrigung – nichts davon konnte ich nachfühlen. Ich konnte nur an mich denken und in Selbstmitleid zerfließen.
Über mir raste die S-Bahn und ich lief immer weiter, heulend, voller Scham. Passierte schwitzende Omas, glühende Briefkästen, glänzende Autos, flatternde Sonnenschirme.
Meine Füße klatschten auf das heiße Pflaster.
Immer wieder konnte ich die Fingernägel über die Fliesen kratzen hören, ihre Schreie. Wie eingebrannt in meinem inneren Auge war die rote Strieme, die das Regal mit der Kante in die Haut der Frau gezeichnet hatte.
Mit Gewalt.
Am liebsten hätte ich mich übergeben. Ich lief und fluchte und rannte, ganz instinktiv in eine Richtung, und merkte erst an der nächsten roten Ampel, die mich davor bewahrte, kopflos auf eine vielbefahrene Straße zu rennen, dass ich wieder auf dem Weg in unser altes Viertel war.
Zuhause. Das gab es nicht mehr.
Ich hatte kein Zuhause.
Katrin war ausgezogen, ich würde die Wohnung aufgeben müssen, eine Wohnung, die mir zu groß und zu teuer sein würde, alleine.
Natürlich war ich alleine, niemand konnte sich mit einem Menschen abgeben der nur mit dem Schwanz dachte.
Alleine war ich ohnehin besser dran.
Die Schreie der Frau. Die rote Strieme auf der Haut.
Grübelnd wanderte ich die Straßen entlang, wich Passanten, Scherben und Hundehaufen aus, vermied, von Rechtsabbiegern, die mich nicht sahen, überfahren zu werden, und erreichte ich schließlich, wonach ich gesucht hatte. Es gab in meinem Viertel am Nollendorfplatz, dort, wo ich fast zwei Jahre lang mit Katrin gelebt hatte, zwei Sexshops, von denen ich wusste.
Einer war ein großer Laden mit Cruisingarea, der bis weit nach Mitternacht geöffnet hatte. Der zweite schloss schon um 18:00 Uhr.
In dem einen war ich früher einmal gewesen, hatte mich durch Magazine, DVD-Hüllen und Dildos erregen lassen und mir damals schon gewünscht, einfach mal wieder meiner Lust endlosen Pornokonsum nachzugeben.
Einfach so. Weil es Spaß machte.
Alleine.
Vielleicht war es, was in dieser Situation am besten zu mir passte.
Kurz vor vier Uhr am Nachmittag trat ich über die Schwelle in den schummrigen, etwa 80 Quadratmeter großen Verkaufsraum.
Als ich mit mir alleine war, vor der Webcam und mit meinen Pornos, war die Idee, eine Nacht in einem Sex-Shop zu verbringen, ein geiler, aber unerfüllter, weil unrealistischer Traum gewesen.
Diesmal war alles anders.
Wie selbstverständlich ging ich am grauhaarigen Mann hinter dem Schalter vorbei und spürte sofort die Erregung. Mit kribbelnden Fingerspitzen marschierte ich durch den Sexshop.
Ich hatte Lust darauf, mich zu bestrafen. Auf die geilste Art, die ich mir vorstellen konnte.
Es hielten sich vielleicht drei oder vier Kunden im Laden auf. Sie blätterten durch die Pornos oder schlenderten, als seien sie zufällig und aus Versehen hier herein geraten, zwischen den Sexutensilien herum, nahmen hier etwas in die Hand und warfen dort einen neugierigen Blick.
In mehreren achteckigen Verkaufstruhen lagen stapelweise Pornohefte, in einem anderen Videos, in einem dritten Sexspielzeug, in einem weiteren wieder DVDs und so weiter. An den Wänden hingen Dildos aller Größen. In Regalen standen meterweise Pornobüchern, Magazine, Gleitcremes, noch mehr Dildos, Videos, Verpackungen mit künstlichen Vaginas, aufblasbare Sexpuppen, Analvibratoren.
Mein Schwanz stand schon wieder. Der Gedanke an die versuchte Vergewaltigung war jetzt nur noch schwach.
Ich hatte mich wieder unter Kontrolle, ich wusste jetzt wieder, wie ich meine Triebe beherrschen konnte.
Zuerst ging ich zu den Pornoheften in einer hinteren Ecke des Ladens. Dort stand ein ziemlich hässlicher, dicker Mann mit Schweißflecken unter den Armen und blätterte in einem Heft, das lesbische Teenager beim Sex zeigte.
Ich schlich leise heran und sah dem Mann über die Schulter. Zwei verdammt hübsche, blonde Mädchen fingerten sich gegenseitig ihre Löcher, zauberten auf der nächsten Seite einen Dildo hervor, bohrten ihn sich erst in die rasierten Mösen, dann in die engen Polöcher. Der dicke Mann schnaufte beim Lesen.
Ich schnaufte beim Wichsen. Klatsch, klatsch, klatsch.
Meine Hand schlug sachte auf einen Bauch. Der Mann roch nicht gut. Das Heft wollte ich mir alleine durchsehen. Ich beugte mich vor zu seinem Ohr.
»Ich kann dich sehen«, flüsterte ich leise, so dass nur er es hörte. Rasch zog ich den Kopf zurück. Der Mann zuckte erschrocken zusammen, klappte das Heft zu, sah sich hektisch und nervös um und legte das Magazin schnell zurück ins Regal. Wie erwartet suchte der Dicke das Weite. Sonst stand niemand bei den Pornoheften. Auch der Mann am Tresen sah in eine andere Richtung. Ich schlug das Heft auf. Es war faszinierend zu sehen, wie die Seiten von Geisterhand bewegt aufblätterten.
Bald hatte ich nicht genug von dem einen und holte ein zweites hervor. Dann ein drittes. Und immer mehr. Es gab Hunderte Pornohefte, und alle wollte ich sehen. Es war der Overkill. Überall Pornos. Nackte Ärsche, Titten, Fotzen, rasiert und haarig, dick und schlank, knackig und fest. Lesbischer Sex mit Dildos, mit Fingern und Fäusten. Arschficks und normale Ficks. Zu zweit und zu dritt.
Ich hatte nicht so viele Hände, wie ich brauchte. Feste Titten, spitze Titten, pralle Titten und fast keine Titten. Mädchen, die sich hinknieten und die Pobacken spreizten, sich zwei, drei oder vier Finger in ihr feuchtes Loch schoben, die hübschesten Teenager, die sich gegenseitig leckten und die ganze zierliche Hand in die Mösen stopften, mit Dildos der verschiedensten Größen befriedigten. Andere blonde, brünette, schwarzhaarige Teenager ließen sich von vorne ficken, von der Seite, von hinten. In den Arsch und in die Möse und in beide Löcher gleichzeitig.
Dabei lutschten sie so besessen Schwänze, auch gerne zwei oder drei, und schluckten schließlich ganze Ladungen Sperma.
Ich wichste mich immer wieder kurz vor den Höhepunkt, warf ab und zu einen Blick hinüber zum Verkaufsschalter, wo der alte Mann gelangweilt einen Porno sah, und genoss es, abspritzen zu können, wann immer ich wollte, mitten in der Öffentlichkeit, während ich in meinen geliebten Pornos blätterte.
Die Lust am Zuschauen war schon immer stärker gewesen, als ich verstanden hatte. Die Distanz zu den Darstellerinnen beflügelte meine Fantasie mehr, als es die Nächte mit Katrin in Wirklichkeit taten. Die Erinnerung an meine italienische Freundin, die sich von hinten ficken ließ, war erregender, als mit Katrin zu schlafen. In Pornos im Internet zu suchen war aufregender als der Sex. Hier also war mein Paradies. Hier konnte ich bleiben.
Doch das war nicht alles, was ich mir vornahm. Ich schritt vorbei an den künstlichen Mösen und riesigen Dildos, an den Doppeldildos und den armlangen Dingern, an den Einläufen und den Tuben mit Gleitgel, an Sexpuppen und Objekten für jeden Fetisch.
Zwei Stunden lang malte ich mir aus, was ich tun konnte, wenn sich die Türen schlossen. Je mehr Zeit verstrich und je mehr Pornos ist ansah, ums so geiler wurde ich.
Es war erst fünf Uhr.
Also nahm ich mir, als der Verkäufer und ich alleine waren, in einem Moment, in dem der Typ nur auf das Buch in seiner Hand sah, einen Dildo aus dem Regal und ließ ihn durch die Luft schweben, stellte ihn hinter einem Regal so auf den Boden, dass der Typ ihn nicht sehen konnte, nahm mir etwas Gleitgel aus einem Regal, und ließ den glitzernden Kleck ebenfalls unauffällig in Bodenhöhe zum Dildo schweben.
Dort schmierte ich mir das Gleitgel auf den After und verteilte den Rest großzügig auf dem Dildo.
Mein Herz raste vor Aufregung.
Leon im Wunderland.
Ich spürte, wie mich das enorme Instrument dehnte. Jetzt eine künstliche Möse, mit Vibrationen, und ganz viel Gleitgel.
Ich wurde vor Lust beinahe ohnmächtig.
Mehr. Ich verlor alle Hemmungen, bohrte mir den Dildo immer tiefer in den Arsch und wichste dazu, während die Reize von hunderten Pornos auf mich einprasselten.
Um zehn nach fünf hatte ich den ersten Orgasmus. Um halb Sechs stellte ich sicher, dass genügend als Lustschnitten deklarierte Schokoriegel vorhanden waren und dass in der Personalküche trinkbares Wasser stand.
Um viertel vor Sechs hörte ich, wie der Mitarbeiter in einem privaten Gespräch ankündigte, pünktlich zu schließen und noch an den See zu fahren.
Um zwei Minuten vor Sechs schloss der Typ die Tür ab und begann mit dem Kassensturz. Um zehn nach Sechs machte er alle Lichter aus und verließ den Laden. Ich hörte, wie sich der Schlüssel drehte.
Dann war ich alleine.
Zwölf Stunden lang.
Hoffentlich bekam ich keinen Tennisarm.
5.
Ich wartete im Stockdunkel noch ein paar Minuten, bevor ich nach dem Lichtschalter tastete. Das Licht flammte auf. Um mich herum Geilheit in Regalen. Leon im Wunderland.
Zwei Stunden lang hatte ich mich inspirieren lassen, jetzt konnte ich es kaum noch erwarten.
Ich holte mir einen Karton mit einer künstlichen Vagina aus dem Schrank und probierte sie mit etwas Gel aus. Nicht schlecht, nach all der Zeit.
Schon immer hatte ich wissen wollen, wie sich der Sex mit einer Puppe anfühlte. Also blies ich eine auf.
Das Erlebnis war etwas hohl.
Bevor ich startete, brauchte ich auch Reize für die Augen. Mir stand der Sinn nach Teenies. Ich wühlte mich durch die DVD-Sammlungen und schob eine in das Vorführgerät. Teenie-Exzesse Teil 133.
Mein Schwanz bekam eine Ladung Gel ab. Er schimmerte in der Luft wie ein Fettfleck auf einer Fensterscheibe. Das erleichterte mir die Penetration des Plastiks.
Vorsichtig fickte ich mich mit der künstlichen Muschi. Es fühlte sich erstaunlich echt an. Sobald die ersten Bilder über den Fernseher flimmerten, penetrierte ich wieder eine künstliche Vagina und setzte den Dildo dort an, wo ich meinen After vermutete.
Es war ein Traum. Jeder Zentimeter fühlte ich so intensiv an und so geil. Diesmal jedoch kannte ich kein Ende.
Und mit einem Auge auf den Monitor und dem anderen auf der künstlichen Möse, in der mein Schwanz unsichtbar arbeite, brachte mich zum Höhepunkt. Und genau rechtzeitig zum Höhepunkt, als ich in die künstliche Möse spritzte, während vor mir auf dem Bildschirm die Cumshots einsetzten, kamen die Männer in die Münder der Teenager.
Erschöpft lag ich auf dem Boden
Nur ich. Me, myself and I. Besser für alle Beteiligten. Dann wurde niemand verletzt.
Nie wieder würde ich in die Versuchung geraten, mein eigenes Schicksal mit einer anderen Person zu verknüpfen. Wenn ich in den Abgrund stieg, durfte mir niemand folgen. Nicht Katrin und auch sonst niemand anders.
Doch was machte ich jetzt mit meiner neugewonnenen Freiheit? Schlich ich mich tatsächlich in das Kanzleramt und sah mir an, wie Gerhard Schröder so lebte? Irgendwie interessierte es mich nicht,
Doch ich war ja nicht nur unsichtbar, ich war frei.
Ich konnte Stars nackt sehen, in den Prominentenabsteigen in Berlin Mitte in die Hotelzimmer gehen und mir die Film- und Musikgrößen nackt ansehen. Aber all das interessierte mich nicht.
Es gab nur eine Person, die ich nackt sehen wollte, ganz nackt.
Sarah war über ein Jahr lang meine Fata Morgana gewesen, von der 12. Klasse bis zum Abitur und noch ein wenig darüber hinaus. Immer vor Augen und doch niemals greifbar.
Sie war der Boxer, der mich mit seinen Schlägen auf Distanz hielt. Gewinnen konnte ich den Kampf nie, doch ich hatte den Kampf nicht abbrechen können, weil ich meinen Gegner liebte.
Sarah. Knapp 180 Zentimeter große Sehnsucht. Begierde. Traum. Langes, schwarzes Haar, die schönsten Brüste und der perfekteste Po. Manchmal hielt ich es für Liebe, wenn ich nächtelang nicht schlafen konnte und dabei nur an sie dachte; wenn ich in der Schule versuchte, ihre Aufmerksamkeit auf mich zu lenken und sie dann mied, wenn es mir gelungen war, weil ich niemals erfolgreich sein konnte.
Vielleicht war es mehr Besessenheit als Liebe. Die Sehnsucht nach Zurückweisung. Erniedrigung. Nach Schlägen ins Gesicht. Am Ende trennten uns die Ringrichter, und ich trug am Kopf eine tiefe Wunde namens Sarah davon, die nie verheilte.
Ich hätte auf der Schule so viele andere Freundinnen haben können. Stattdessen verliebte ich mich unsterblich in eine, die genau wusste, dass ich niemals der richtige für sie sein würde. Sie mochte mich, und ich konnte ihr einen einzigen Kuss während der Abiturfeiern abringen.
»Ach Leon«, sagte sie einmal, »du bist nicht der, den ich mir vorstelle.« Wen sie sich vorstellte, sagte sie nicht. Doch ich wollte nicht, dass sie mich mochte. Ich wollte, dass sie mich liebte. So wie ich sie liebte. Und ich wollte mehr Küsse, wollte Berührungen, wollte sie besitzen, sie ficken.
»Wie willst du mich, damit du mich lieben kannst?«, fragte ich sogar einmal, als ich nächtelang nicht schlafen konnte. Wenn sie mich nicht als den liebte, der ich war, wollte ich so sein, wie sie es sich vorstellte. Doch sie gab mir keine Antwort. Und dann war die Schulzeit um, und wir sahen uns nicht mehr. Sie verschwand. Selbst zu den Treffen der Ehemaligen kam sie nicht.
Jahre später, als ich in Hamburg lebte, montierte ich Fotos mit ihrem Gesicht auf nackte Körper anderer Frauen und stellte mir vor, wie ich Sex mit ihr hatte. In allen Positionen.
In allen Situationen. In alle Öffnungen. Und vor allem auf der Interrailtour, die wir gemeinsam mit vier anderen Freunden gemacht hatten und nach der nichts mehr so war, wie zuvor. Nie wieder verschwand sie aus meinem Kopf. War immer da. Ein Ideal, das ich hochhielt und an dem ich jede andere Frau maß.
Ich glaubte an sie, weil sie Leidenschaft in mir entfachte, die mir sonst so häufig im Leben fehlte. Die Wunde namens Sarah, die ich so viele Jahre gekratzt hatte, weil ich den Schmerz genoss, verheilte nie. Erst später erfuhr ich, dass Sarah niemals vorhatte, ein normales Leben zu führen und nur einen einzigen Mann in ihrem Leben akzeptieren würde.
»Ach Leon«, wiederholte sie wieder, und endlich ergaben ihre Worte einen Sinn, »du bist nicht der, den ich mir vorstelle.«
Schlagartig begriff ich, warum ich nicht Mr. Right gewesen war und nie sein konnte.
Sarah.
Alles, was ich wollte, war ein Blick auf ihren nackten Körper um zu sehen, ob er so war, wie ich ihn in meinen Träumen gesehen hatte. Und auch wenn der Gedanke an die versuchte Vergewaltigung über allem stand, so war ich mir sicher, dass mein Schicksal mich zu dem Puzzleteil gemacht hatte, der in Sarahs Leben passte.
6.
Vorerst jedoch war ich noch einige Stunden im Sexshop gefangen. Und ich hatte nicht vor, hier Trübsal zu blasen.
Ganz im Gegenteil.
Ich gönnte mir keine Ruhepause. Ich fand die Imitation einer Möse mit einem darüberliegenden Arschloch und penetrierte das mit wachsender Neugier.
»Ich fick dich in den Arsch«, feuerte ich mich an, weil ich es geil fand.
Beim Blättern durch einen Porno fand ich eine Seite mit kostenpflichtigen Telefonnummern und hoffte, dass das Telefon hinter dem Tresen nicht gesperrt war.
Analversaute Spielchen war genau mein Ding.
Ein zerschlissener Bürostuhl, dessen Federung quetschte, bot mir besten Blick auf den Porno. Ich legte die Beine auf dem Tresen ab, so dass ich in der einen Hand den Hörer halten und mit der anderen Hand den Dildo bedienen konnte.
Nach dem zweiten Klingeln ging eine Frau ran. Ja, ich war einverstanden, dass diese Kosten über die Telefonrechnung abgewickelt wurden. Was sie so mache, fragte ich.
»Was willst du denn?«
»Ich will dich in den Arsch ficken.«
Ich führte mit der Plastikmöse die dazu passenden Bewegungen aus.
»Willst du nicht erst ein bisschen Vorspiel? Ich möchte, dass du mich ausziehst.«
Vorspiel. Ja, auf meine Kosten. Nein, korrigierte ich mich, auf die des Sexshops. Aber ich wollte doch genau das nicht. Das Fehlen eines Vorspiels war, was ich am virtuellen Sex so geil fand. Kein Davor, kein Danach, einfach nur Reize empfangen, den Kick im Kopf spüren und danach auflegen.
Ich spürte, wie die Lust sich in einen Winkel meines Kopfes verkroch und dort in einen Schlummer fiel.
»Wer ruft sie so an? Einsame Menschen? Fetischisten?«
»Auch. Manchmal sind es ganz normale Männer, Geschäftsleute, Familienväter. Ich erfahre nicht so viel über sie. Sie wollen meistens, dass ich rede und von mir erzähle. Was bist du?«
»Ich bin unsichtbar. Man sieht mich nicht.«
»Für mich sind sie alle unsichtbar.«
Ich lachte. Es tat gut, mit jemandem zu reden. Es war nicht einmal zwei Tage her, seit ich das letzte Wort gewechselt hatte, und nie hätte ich gedacht, dass es mir einmal fehlen könnte.
»Erzähl mir von deinen Wünschen.«
»Ich mag es in den Arsch. Ich will immer nur den Arsch. Von hinten ist es am geilsten, dann muss ich nicht reden oder sie ansehen oder an sie denken. Ich sehe nur den Arsch. Ich weiß nicht warum, ich habe vor allem Lust auf Distanz.«
Die Worte sprudelten nur so aus mir heraus, und ich merkte, dass mir die Fähigkeit fehlte, ihnen einen Sinn zu geben. Ich wusste nicht, was meine Wünsche waren. Ich wollte nackte Haut, ich wollte Sex, wollte den Kick im Kopf, den Orgasmus, wollte Pobacken massieren und eine Möse am Schwanz spüren, wollte Titten fühlen, aber ich wollte auch keine Nähe.
»Das klingt nicht einfach.«
»Ich weiß.«
Ich schwieg. Das war mir zu kompliziert.
»Also? Was ist? Willst du, dass ich es dir jetzt mache?«
»Am Telefon?«
»Deshalb hast du doch angerufen.«
»Stimmt.«
Sekundenlang schwieg ich.
»Also? Magst du es, wenn ich mich für dich hinknie?«
Ja, mag ich. Ich starrte auf den Porno, der über den Fernseher flimmerte. Ich hatte Lust, geile Dinge zu sagen. Ohne Konsequenz.
»Zieh deine Pobacken auseinander.«
»Mmmh, macht dich das an?«
»Willst du, dass ich dich in den Arsch ficke?«
Ich saß mit dem Telefonhörer auf dem Bürosessel und fickte mich dabei eine Plastikpuppe in den Arsch. Dazu flüsterte mir eine unsichtbare Frau die obszönsten Dinge ins Ohr. Es war geil. Und doch war es falsch. Es war unecht. Es war absurd.
Ich unterbrach ihr Säuseln.
»Wenn du unsichtbar wärest, wo würdest du hingehen, um Sex zu haben. Richtigen Sex. Nur den, nichts Anderes.«
»Unsichtbar? Wie meinst du das?«
»Wie im Film, man sieht mich nicht.«
»Du meinst, du willst unerkannt bleiben.«
Ich seufzte. Sie wollte mich nicht verstehen.
»Du hast gesagt, du magst es, einfach nur zu ficken. Ohne jemanden zu sehen. Warum gehst du nicht in einen Darkroom?«
Einen was? »Und das ist?«
»Ein dunkler Raum, in dem man ohne Licht einfach nur Sex hat.«
»Und wo gibt's die?«
»In Swingerclubs.«
Ich war wie vor den Kopf geschlagen. Na klar, mein Gott, wie doof war ich denn?
»Dann kannst du unerkannt bleiben, oder unsichtbar, wie du es nennst, und hast Sex auf Distanz. Das ist doch, was du willst, oder?«
Aber natürlich.
»Du bist ein Goldstück.«
Ihre Stimme bekam einen sehr erotischen Unterton. »Gerne.«
»Gut, dann haben wir noch ein paar Stunden, bis der Laden aufmacht und ich hier wieder raus kann. Erzähl mir etwas Geiles bis dahin, ich hoffe, du hast Zeit.«
»Was willst du hören?«
»Alles«, sagte ich. »Und noch viel mehr.«
Die Schulfreundin
1.
Das Rasseln eines Schlüssels weckte mich erst früh am Morgen. Ich hatte kaum geschlafen, fühlte mich erschöpft, ausgelaugt von zu vielen intensiven Träumen. Ich hatte geträumt, ich sei wieder in der alten Wohnung und wollte mit Katrin jeden, doch sie hatte mich nicht beachtet.
Dann war ich zurück in der Schule, und Sarah war da, Sarah in Arcachon, und sie war nackt, aber sie trug die Kleidung einer Nonne. Sie sagte, ich passe nicht zu ihren Plänen.
Sarah war meine Jugendliebe gewesen, eine unerwiderte Liebe. Ich hatte mich noch in der Schulzeit auf einer Interrail-Tour in sie verliebt, unsterblich, doch sie hatte mit ihrem Leben etwas anderes vorgehabt.
Jahrelang war sie mein Schönheitsideal gewesen und ich hatte nicht gemerkt, dass Katrin beinahe identisch aussah. Katrin sah aus, wie meine Traumfrau hatte aussehen müssen. Nur leider waren ihre Vorstellungen von Sex ganz andere gewesen als meine. Erst spät hatte ich mich gefunden, erst während des Studiums hatte ich mich ausgetobt und mir meine Träume wahrgemacht.
Als ich mit Katrin zusammenkam, dachte ich, ich hätte mich bereits ausgetobt.
Welch ein Irrtum.
Mit jedem Jahr war die Sehnsucht nach fremder Haut gewachsen. Mit jedem Jahr hatte ich vergeblich versucht, nicht so oberflächlich und auf Sex ausgerichtet zu sein wie mein Vater.
Es war alles nur in meinem Kopf gewesen. Dachte ich.
Es war alles nur in meinem Schwanz.
Und jetzt war ich alleine.
Während ich noch prüfte, ob meine Unsichtbarkeit anhielt, betrat ein alter Mann den Laden. Ich hatte in der Nacht noch aufgeräumt, hatte Plastikmösen, Videos, Pornohefte und all die anderen Spielsachen gewaschen und in ihre Verpackungen zurückgestopft. Ich glaubte nicht daran, dass irgendjemand die benutzten Artikel kauften würde, aber zumindest erfuhr so niemand auf den ersten Blick von meiner Anwesenheit.
Tatsächlich schaltete der Mann die Lichter an und ging in die Personalküche, ohne auch nur einen Blick auf die neue Ordnung in den Regalen, benutzte Tuben mit Gleitgel, zerstörte Sicherheitssiegel an DVD-Hüllen oder die unsichtbaren Flecke auf dem Bodenbelag zu werfen.
Ich hätte gerne ein paar der geilen Dinge mitgenommen, aber im Grunde war es doch genau der Ballast, der mich in den letzten Jahren so gefesselt hatte.
Ich brauchte nichts weiter, dort, wo ich hinwollte.
Sarah. Alleine bei dem Gedanken daran wurde ich schon wieder geil.
Ich warf noch einen letzten Blick über die Schulter, auf all die Spielzeuge, die mich eine ganze Nacht bei Laune gehalten hatten, und verließ den Sexshop.
Auf der Straße war der Tag noch jung, die Luft aber war bereits warm. Es kaum nach acht Uhr, aber die Temperatur hoch genug, damit ich nicht fror.
Sarah - das war für einen Augenblick alles, woran ich denken konnte. Je häufiger ich hübsche Frauen sah, umso größer wurde meine Lust auf Frauen, auf Brüste, rasierte runde Schenkel, einen weiblichen Po und eine feuchte Möse.
Ich hatte vergessen, wie man sich Frauen näherte. In den vergangenen Jahren war ich nur noch über Pornos an Frauen herangekommen. Alles, was ich in ihnen sah, war die Befriedigung meiner Triebe.
Eine Vergewaltigung als Resultat und einziges zwischenmenschliches Erlebnis war unangenehme Vorstellung. Ich sah ein paar hübsche Teenager vorbeigehen. Eine von ihnen hatte schwarze Haare, lange schwarze Haare. Wie Sarah. Wie damals, auf Interrail-Tour.
Sofort begann mein Herz zu schlagen. Meine Handflächen wurden feucht. Nach so vielen Jahren, die ich sie nicht gesehen hatte, die sie nur in meinen Träumen real gewesen war, nach so vielen Begegnungen mit anderen Frauen, war die Erinnerung an sie immer noch in der Lage, mich durcheinander zu bringen.
Von einer Sekunde zur nächsten wusste ich wieder, was ich zu tun hatte.
Nur eine Hürde hatte ich zu nehmen: Ich hatte keine Ahnung, wo ich Sarah fand. Ich wusste nicht einmal, wen ich anrufen konnte, um das herauszufinden. Meine einzige Information war, dass Sarah Nonne in einem Kloster geworden war. Nonne.
Vielleicht wusste Nicole, ihre beste Freundin aus der Schulzeit, wo Sarah zu finden war, aber ich hatte nicht einmal ihre Nummer. Ich wusste nur, dass sie noch in Northausen wohnte. Vielleicht konnte ich sie anrufen? Aber was würde ich sagen? War ich nicht tot? Konnte ich mit verstellter Stimme anrufen und mich als ein anderer ausgeben, der nach dem Aufenthaltsort ihrer ehemals besten Freundin fragte? Alles Quatsch. Und auch von einem Anruf bei ihren Eltern versprach ich mir nicht viel.
Es gab nur einen Weg – ich musste zu Sarahs Eltern nach Dabbergost fahren und in der Wohnung nach einem Brief, einer Adresse suchen.
Dabbergost. Northausen. Nicht nur Sarahs Eltern und die der meisten meiner alten Schulfreunde lebten noch dort – auch meine Mutter würde ich da vorfinden. Eine Aussicht, die mir gar nicht behagte.
Einen Augenblick lang überlegte ich, in unsere alte Wohnung zu gehen und dort nach Adressen zu suchen, aber ich wusste, wo Sarahs Eltern wohnten, ich hatte oft genug unten vor dem Haus gestanden und nach oben zu Sarahs Fenster gesehen, damals, nach der Interrailtour, als ich an meine Grenzen gekommen war.
Was ließ ich schon zurück? Meine Musik und meine Kleidung, meine Fotos und meine Bücher, meine DVDs und mein altes Leben. Ich konnte versuchen, in meine alte Wohnung zu kommen, meine Hosen anziehen und mich wie der Unsichtbare in den Filmen schminken. Konnte so tun, als wäre ich noch der alte, sichtbare Leon.
Doch der Wunsch, mein Leben wie ich es kannte, hinter mir zurück zu lassen, war zu stark.
»Nichts, was von dir ablenken kann«, sagte ich mir selbst. »Deck dich nicht mit Dingen zu, die verbergen, wer du wirklich bist.«
Keine DVDs, keine Musik, nur noch du.
Mein neues Ziel machte mir Hoffnung. Doch bis es so weit war, musste ich noch meinen Hunger stellen.
Also nahm ich die U-Bahn in Richtung Potsdamer Platz.
Die U-Bahn war leer. Die Touristen hatten noch nicht den Platz der Pendler eingenommen. Ich starrte einer vollbusigen Frau auf die Titten unter dem T-Shirt.
Nicht anfassen.
Ich merkte bald, dass ich im falschen Wagen stand, weil mit mir nur alte Menschen reisten, Rentner ohne Ziel und Kinder ohne Schule. Ich kam nicht mehr dazu, mich im Rest des Zuges weiter umzusehen, denn die U-Bahn erreichte den Potsdamer Platz.
Als erstes rempelte mich eine alte Oma an, die sich danach überrascht umsah und sich offensichtlich fragte, ob Luft jetzt doch Balken hatte. In letzter Sekunde konnte ich einem jungen Pärchen ausweichen, das mich sonst über den Haufen gerannt hätte. Lautsprecheransagen, hektische Menschen, die Kühle des Tunnels trieben mich hinaus.
Rasch lief ich über den Bahnsteig die Treppe hinauf, trat mir beinahe eine zerbrochene Bierflasche in den Fuß, kickte unbemerkt eine leere Hamburgerverpackung zur Seite und blieb schließlich an einem Kaugummi kleben. Fluchend musste ich mich vor die Bäckerei stellen, dicht über dem Boden den Kaugummi von meiner Fußsohle pulen und feststellen, dass dieser Ort lusttötend war wie Unterwäsche aus Feinripp.
Hektische, schwitzende Menschen, unfreundlich und aggressiv. Ellenbogen und Schreie, rumpelndes Gepäck und grölende Punks. Aber deshalb war ich ja auch nicht hergekommen. Mein Ziel lag woanders.
Ich verließ den Bahnhof und trat in die schon höher stehende Sonne. Die Granitplatten waren erst warm, bald würden sie heiß sein. Aus alter Gewohnheit stellte ich mich an die rote und ich wurde mir dessen erst bewusst, als mich ein Mann von hinten anrempelte.
Vorsichtig überquerte ich bei rot die Straße und lief zwischen den Passanten im Slalom am gläsernen Eingang zum S-Bahnhof vorbei in Richtung Arkaden. Am Brunnen vor dem Haus Huth, in dem zwei Fahrräder aus künstlerischen Gründen einen Handstand machten, beobachtete ich Studentinnen, die sich in den Schatten verzogen hatten und nicht erfreut darüber waren, als eine unsichtbare Hand sie an den leicht verhüllten Brüsten berührte.
Vor dem Eingang zu den Arkaden begeisterte japanische Touristinnen wenig, dass ich ihnen unter den Rock fasste, und wenig positive Resonanz erfuhr ich in einem H & M, als ich einer hübschen Kundin in der Umkleidekabine beim Anlegen eines T-Shirts auf den Po spritzte. Und auch ich wollte wieder mehr als nur der unerwünschte Spanner sein. Nach zwei Tagen als perfekter Voyeur wollte ich gegenseitiges Interesse.
Die Frage war: Wo bekam ich das? Wo konnte ich als Unsichtbarer den Kontakt zum Menschen herstellen, ohne Angst und Schrecken zu verbreiten? War Sarah überhaupt bereit für mich? Oder würde es wieder in der versuchten Vergewaltigung enden? Ich hatte eigentlich überhaupt keinen Plan.
Mein Magen knurrte. Beste Gelegenheit herauszufinden, wie ich am einfachsten in den Genuss einer kostenlosen Mahlzeit gelangen konnte.
Ich betrat das gerammelt volle Schnellrestaurant. Einem Spießrutenlauf gleich gestaltete sich der Weg hinter den Tresen. Gäste mit vollen Tabletts drohten, mich umzurennen. Drängelnde Kunden in der Schlange machten mir keinen Platz.
Und selbst hinter dem Tresen musste ich mich in Acht nehmen vor den Mitarbeitern. Der Boden war glitschig und kalt. Ich ekelte mich plötzlich. Wie stellte ich es an, mir eine Tüte mit Burgern voll zu stopfen und unbemerkt damit den Laden zu verlassen?
Als erstes erkundete ich den Ausgang. Am Ende der Küche führte eine Tür zu Lager und Hinterausgang. Dort stand ein Mitarbeiter und rauchte an der offenen Tür, die sich nur von innen öffnen ließ. Dahinter lagen eine schmutzige Zufahrt, die Laderampe und Hintereingänge der anderen Häuser.
Mein Fluchtweg.
Ich ging zurück in die grell erleuchtete Küche. Es roch nach gegrilltem Fleisch, sauren Gurken, Fett, angebranntem Brot, Hektik und Stress. Die Mitarbeiter riefen durch den engen Raum, rannten mich fast um, Signallampen blinkten und piepten. Fett spritzte.
An der Kontrolle wurden die Burger verpackt und eine Rampe zum Verkauf nach vorne geschoben. Dort stand ein leitender Mitarbeiter, verpackte die Burger von einem Tablett, forderte Nachschub, und andere Angestellte erfüllten seinen Wusch. Mein Magen knurrte immer heftiger.
Als der Teamleiter nicht hinsah, nahm ich einen frisch verpackten Burger vom Tablett und legte ihn, nur ein paar Zentimeter entfernt, an einer anderen Stelle ab. Er bemerkte es nicht sofort, doch noch bevor ich mir einen zweiten Burger nehmen konnte, nahm der Teamleiter den wandernden Bratklops zur Kenntnis, schnappte ihn sich und ließ ihn die Rampe hinunter nach vorne rutschen.
Ich wurde hibbelig. Kurz bevor ich verzweifelte, kam mir der Zufall zu Hilfe. Ein Mitarbeiter kam mit einer vollen Papiertüte nach hinten, stellte sich an die Fritteusen mit den Pommes, holte einen Korb mit Pommes aus dem heißen Fett und drehte mir den Rücken zu. Der Teamleiter an der Kontrolle sah nicht hin.
Ich schnappte mir die Tüte und stellte sie hinter einem hohen Wagen mit ungetoasteten Brötchen auf den Boden. Der Mitarbeiter drehte sich mit einer Portion Pommes in den Händen um, griff dorthin, wo vier Sekunden zuvor noch seine Burger gestanden haben und stutzte.
»He, wer hat meine Tüte weggenommen«, rief er und tat mir damit einen weiteren Gefallen. Denn jetzt sahen alle zum Mitarbeiter ohne Tüte, und ich konnte mit der Tüte, die ich ganz dicht über dem Boden trug, durch den Hintereingang verschwinden, ohne dass mich jemand sah. Als ich auf dem schmutzigen Hinterhof meine Beute verspeiste, die aus drei fetten BigMacs bestand, schwor ich mir, in Zukunft nie wieder zu McDonald's zu gehen.
2.
Auf der Straße empfing mich ein kaum zu ertragender Mix aus Abgasen und heißer Luft. Wieder vergaß ich einen Augenblick lang, dass ich unsichtbar war. Gleich als erstes wurde ich von einem jungen Mann mit Handy am Ohr über den Haufen gerannt. Er stürzte, ich taumelte, landete beinahe im Rinnstein.
Irritiert starrte der junge Mann ins Leere, rieb sich seinen aufgeschrammten Ellenbogen, sammelte sein Handy ein und rappelte sich auf. Vorsichtig ging ich den Bürgersteig hinunter zurück in Richtung S-Bahn.
Auf dem Weg zum Hauptbahnhof erfuhr ich wieder, wie wenig sich die Sichtbaren davon beeindrucken ließen, wenn ich mich ihnen sexuell näherte. Als ich aus dem Bus stieg und das erschrockene Zetern einer Geschäftsfrau hörte, der ich von hinten an die Titten gefasst hatte, freute ich mich auf Sarah.
Was auch immer ich tun musste, um Sarah nackt zu sehen, ihr noch einmal näher zu sein als ich es mir je hatte erhoffen können und sie vielleicht auch einmal zu ficken, notfalls mit fremder Hilfe, ich würde es tun.
Auch wenn ich mich dazu auf die dunkle Seite begeben musste.
Ich war unsichtbar. Vogelfrei. Verantwortungslos.
Ihre Eltern wohnten garantiert noch im gleichen Haus wie vor zehn Jahren. Schließlich war der Vater Beamter gewesen, so einer zog nicht um. Sie wohnten in Dabbergost, einem kleinen Ort in der Nähe von Northausen.
Als ich noch nicht in Sarah verliebt gewesen war, hatte Dabbergost einen schrecklichen Klang besessen, den Klang einer Krankheit. Es tut mir leid, sagt der Arzt zum Patienten, aber Sie haben Dabbergost.
Doch nach der Interrailtour war alles anders gewesen.
Die Tour, in der ich, wie ich mir Jahre später eingestehen musste, ein wenig die Kontrolle über Realität und Traum verloren hatte.
Nicht einen einzigen Kuss hatte ich von Sarah bekommen, nicht einmal nach dem Abitur. Keine Chance, nur eine unschuldige Umarmung. Sie hatte mich rundherum abgelehnt als jemanden, der nicht gewesen war, was sie sich vorgestellt hatte, wenn sie an Freund, Liebe, Familie, Zukunft dachte.
Es hatte mich beinahe umgebracht.
Am Hauptbahnhof hatte ich die Wahl zwischen einem Direktzug über Hannover, einem heruntergekühlen ICE, oder einer überhitzten Regionalbahn, bei der ich mehrfach umsteigen musste, aber ich nahm lieber das in Kauf, als eine Stunde lang zu frieren. Eine Erkältung war das Letzte, das ich gebrauchen konnte.
Der Zug war voller alter Leute, Radfahrer, Kinder. Kein Model auf Reisen weckte meine Neugier, keine nabelfreien Teenager. Meine Lust war fürs Erste gestillt. Ich hatte so viele Schwänze geblasen und mich von gesichtslosen, aber dauergeilen Typen ficken lassen, dass ich ein paar Stunden einen klaren Kopf behielt, auch wenn die Lust auf eine Möse größer wurde. Ich setzte mich auf einen freien Platz und starrte aus dem Fenster.
Kein Spiegelbild eines glatzköpfigen, sexsüchtigen Idioten störte den Blick auf die Landschaft. Und ich war froh darüber.
Northausen rückte mit jedem Halt auf in der Hitze flirrenden Regionalbahnhöfen näher. Ich war lange nicht mehr dagewesen. Nach meinem Abitur hatte ich die Stadt verlassen, um in Hamburg Karriere beim Film zu machen. Wie unrecht ich der Stadt getan hatte. Ich hatte gedacht, sie sei zu klein für mich gewesen, doch bei McDonald's hätte ich dort auch arbeiten können. Wie in Hamburg.
Was hatte ich gewonnen, seit meiner Flucht? Ein abgebrochenes Soziologiestudium und die Gewissheit, ein Arsch zu sein. Mich hatte niemand vermisst und ich war selbst schuld daran.
So viele Jahre hatte ich in der hübschen Stadt gewohnt, ohne sie eines Blickes zu würdigen. Von der Stadtmauer wusste ich nur, weil ich mein Rad ab und zu an sie gelehnt hatte, und den Gesundbrunnen kannte ich nur als einen tollen Ort, um zu kotzen. Fachwerkhäuser und die wunderschöne Lage am Harz waren an einen ignoranten Teenager verschwendet worden.
Freunde erwarteten mich dort nicht, nur meine Mutter, die es nicht geschafft hatte, in einer anderen Stadt neu anzufangen. Aber ich hatte nicht das Bedürfnis, sie zu sehen. Ich hatte sie nicht sehen wollen, als ich noch lebte. Tot hatte ich noch weniger Lust dazu.
Zwei Regionalbahnen später erreichte ich Northausen. Nach Dabbergost fuhr keine Bahn, ich musste den Bus nehmen, falls einer fuhr.
Am Bahnhofskiosk verhedderte sich mein Blick in der aktuellen Ausgabe der Northausener Nachrichten. Nicht die Schlagzeile über den Super-Sommer schockte mich – es war eine kleine Überschrift: Northausener unter den Berliner Reaktortoten.
Sekundenlang überlegte ich, wer außer mir noch im Forschungsreaktor gewesen war, als das Unglück geschah. Vielleicht stammte einer der Wissenschaftler aus meiner Heimatstadt, oder einer der Sicherheitsleute.
Erst als ich mich vor das Regal kniete, so dass mein Schwanz den kühlen Boden berührte, und die ersten Zeilen las, begriff ich, dass von mir die Rede war.
Ich war der Tote. Ich wurde vermisst.
Nachdem ich mich vergewissert hatte, dass niemand in meine Richtung sag, hob ich die Zeitung an und las den Artikel. Viel Neues erfuhr ich nicht, aber als ich meinen Namen las, erschrak ich tiefer als erwartet.
Leon Bloch wird beerdigt.
Tot. Kein Zurück. Mir kam das Lied von den Ärzten in den Sinn.
Dann bin ich ein Star, der in der Zeitung steht…
Tolle Leistung.
Als Jugendlicher hatte ich mich einmal auf den Friedhof an der Apostelkirche verirrt. Wir hatten zusammen gesoffen, mein bester Freund Alexander, seine Freundin Tine, ihre beste Freundin Claudia, in die ich verliebt gewesen war, und ich.
Besoffen waren wir in mondheller Nacht über den Zaun geklettert und ich hatte mich vor den Mädchen zum Affen gemacht, war mit gespieltem Buckel und gelähmten Bein wie ein deformierter Totengräber zwischen den Grabsteinen hin und her gehumpelt und hatte meine Freunde zum Lachen gebracht.
Ein Kuss wäre meine größte Belohnung gewesen, eine Umarmung, doch ich erntete nur Gelächter und die Bestätigung, ich sei ein lustiger Typ.
Am liebsten hätte ich mich damals begraben lassen, aus Scham, Trauer und Abscheu vor mir selbst. Ich hatte damals keine Ahnung, dass ich das 15 Jahre später einmal würde nachholen können.
Ich weiß nicht, was ich erwartete und was mich dazu trieb, Zaungast bei meiner eigenen Beerdigung zu sein. Wer würde dort sein? Mein Vater? Würde er aus Südfrankreich anreisen? Meine Mutter bestimmt, die wohnte schließlich um die Ecke. Mein jüngerer Bruder? Ich hatte so lange keinen Kontakt mehr zu ihm gehabt. Und sonst? Freunde hatte ich keine. Ich war nie der Typ gewesen, der Freundschaften pflegte. Nicht während des Studiums und nicht danach. Meine Schulfreunde hatten mich aus den Augen verloren.
Nachdem Alexander zum Skinhead geworden war, hatte Bastian, der den Platz meines besten Freundes eingenommen. Vor ein paar Jahren dann war er bei einem Unfall ums Leben gekommen, so hatte ich meine Mutter verstanden.
Das war alles, was ich über sein Schicksal wusste. Und die anderen – aus den Augen, aus dem Sinn. Ich war nicht einmal zur Beerdigung meiner Großeltern gefahren, die vor ein paar Jahren kurz hintereinander gestorben war. Es war, als habe mich ihr Tod nichts angegangen, als gehörte ich nicht dazu.
Jetzt würde ich die Konsequenzen meiner Verweigerungshaltung erfahren, meiner selbstgewählten Isolation. Niemand würde kommen außer meinen Eltern und meinem Bruder, und die war mir egal. Geschah mir Recht, dass mich auch im Tod niemand mochte. Ich mochte mich schließlich auch nicht.
Nach Mittag erreichte ich den Friedhof an der Apostelkirche. Wie meine Mutter es geschafft hatte, mir einen Platz auf dem Friedhof zu ergattern, konnte ich nur erahnen. Hätte ich nur etwas von ihrer Hartnäckigkeit und Sturheit, von ihrem Dickkopf und ihrer Dominanz geerbt, stattdessen war ich lediglich so unsensibel und berechnend wie sie geworden.
Auf dem Weg zum Friedhof geriet ich nicht nur aufgrund der steigenden Temperaturen ins Schwitzen. Der Gedanke, meine Familie wiederzusehen, vor allem meine Mutter, stresste mich mehr als gedacht. Seit ein paar Jahren hatte ich nur mit ihnen telefoniert, hatte keinen der drei gesehen.
Unsere Familie war so bilderbuchmäßig auseinandergebrochen, als mein Vater meine Mutter verlassen hatte, dass sich niemand die Mühe gemacht hatte, die Teile zusammenzukehren. Mein Bruder war bei unserer Großmutter in Bayern untergekommen, und mein Vater in einer schwulen Kommune in Südfrankreich.
Meine Mutter hatte mir das Leben in den Jahren, die wir zusammengelebt hatten, so zur Hölle gemacht, dass ich sie kaum noch besucht hatte. Weder während meines Studiums, noch in der Zeit, in der ich versuchte, in Berlin Fuß zu fassen. Unsere Kommunikation hatte sich hauptsächlich auf unbefriedigende Telefonate beschränkt.
Die mit meinem Vater waren etwas seltener, dafür länger gewesen. Doch auch er hatte mich eher als verbaler Abfalleimer benutzt, als eine Möglichkeit, sich Dinge von der Seele zu reden, die weder seine Kommunarden, noch seine Kunden hören wollten.
Mit meinem Bruder hatte ich nie ein enges Verhältnis gehabt. Zu verschieden waren wir. Er hörte Hiphop, fuhr Skateboard und flog zum Surfen nach Australien. Das Einzige, das wir gemeinsam hatten, war unsere eigenbrötlerische Art, der Wunsch, sich zurückzuziehen. Das brachte uns nur noch weiter auseinander.
Doch während sich meine Aggressionen gegen mich selbst richteten, hatte er mit exzessivem Hedonismus ein hautschonenderes Ventil gefunden. Reden konnten wir über die Trennung unserer Eltern nie. Früher dachte ich, er wolle nicht reden. Inzwischen war ich davon, dass sie ihn nie so sehr berührt hatte wie mich.
Erst dachte ich, mich geirrt zu haben, weil zwischen den Grabsteinen niemand zu sehen war, aber als ich um die Ecke bog wurde mir alles klar.
Kein Sarg, keine Blumenkränze, kein Grabstein.
Was mich erst überrascht hatte, erschien mir bei reiflicher Überlegung nur zu logisch. Was war mehr von mir übrig geblieben als ein Portmonee und meine Kleider?
Ein Sarg wäre Geldverschwendung gewesen, gerade für eine Frau, die Zeit ihres Lebens befürchtet hatte, zu kurz zu kommen. Meine Urne war schwarz und schlicht, und ich wusste, dass meine Mutter das billigste Modell gewählt hatte, dass der Bestatter im Angebot hatte.
Die Urnenwand war neu. Zu meiner Zeit hatte es an dieser Seite des Friedhofes nur einen Ständer mit Gießkannen gegeben. Jetzt reihten sich dort dutzende Din-A-4-große Fächer aneinander. Davor war die Trauergemeinde versammelt.
Ich hatte mich nicht geirrt. Die Anzahl der Personen war sehr übersichtlich. Doch außer meinen Eltern und meinem Bruder sah ich Katrin und eine andere junge Dame, die mir bekannt vorkam.
Während ich noch grübelte, überwand ich die Distanz. Unsichtbar und ohne die Absicht, einen der Anwesenden anzufassen.
Du solltest nicht hier sein, schoss es mir durch den Kopf, und das Bedürfnis zu gehen wurde unerträglich stark.
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