Читать книгу: «Guten Morgen, Leben!»
SANDRA KÖNIG
GUTEN MORGEN,
LEBEN!
Deine Morgenroutine. Dein Yoga.
Dein perfekter Start in den Tag.
Mit Fotografien von Petra Kamenar
und Illustrationen von Astrid Fuchs-Levin

INHALT
Cover
Titel
Impressum
GUTEN MORGEN!
ZAUBER DES MORGENS
MORGENROUTINEN FÜR RUHE UND KRAFT
DER FRÜHE MORGEN UND SEIN VERSPRECHEN AN DEN TAG
YOGA
MEHR ALS EIN TRENDSPORT
VIER WEGE ZUM GLÜCK
YOGA AM MORGEN
DER SCHÖNSTE START IN DEN TAG
5-MINUTEN-YOGA-FLOW
10-MINUTEN-YOGA-FLOW
20-MINUTEN YOGA-FLOW
MEDITATION
RUHE BRINGT SCHWUNG
MEDITATION »GUTEN MORGEN, LEBEN«
HERBST-MEDITATION
HERZ-MEDITATION
BAUSTEINE FÜR DEINEN MORGEN
ROUTINEN FÜR EINEN KLAREN GEIST
ZEIT FÜR GENUSS
REINIGUNG FÜR KÖRPER UND SEELE
LASS DIE SONNE REIN!
ROUTINEN: DAS SAGT DIE WISSENSCHAFT
DIE GUTE MACHT DER GEWOHNHEIT
DER SECHS-WOCHEN-PLAN
DEIN NEUER YOGA-MORGEN
WOCHE 1: AUF DIE MATTE, FERTIG – NAMASTÉ!
WOCHE 2: DEN MORGEN-FLOW ETABLIEREN
WOCHE 3: DU ÄNDERST DICH UND DEIN UMFELD
WOCHE 4: DURCHHALTEN! DRANBLEIBEN!
WOCHE 5: ES WIRD LEICHTER. ES WIRD GEWOHNHEIT
WOCHE 6: WARUM EIGENTLICH AUFHÖREN?
UND ZUM SCHLUSS …
GUTEN MORGEN!
Mein Name ist Sandra König, ich bin Radiomoderatorin und Yogalehrerin. Beides aus Leidenschaft, denn ein Morgen, ohne mich in alle Richtungen durchzustrecken, ist für mich genauso undenkbar wie ein Morgen ohne Musik. Beides lässt mich lächelnd in meinen Tag starten, voller Vorfreude auf alles, was da noch kommt.

Dieses Buch ist kein Ratgeber. Ich sehe es eher als Inspirationsgeber. Vielleicht denkst du schon lange daran, morgens Yoga zu machen, oder du hast dir vorgenommen, früher aufzustehen und zu meditieren, vielleicht bist du auf der Suche nach kleinen, gesunden Ideen, um deine Tage mit mehr Energie zu beginnen. Meine Zauberformel, all das morgens unter einen Hut zu bringen, lautet: Routine. Klingt langweilig? Ist es nicht!
Ich bin sehr dankbar dafür, dass mein Morgen »automatisch« abläuft. Stell dir vor, du müsstest jede noch so kleine Entscheidung bewusst treffen – mit welchem Fuß du zuerst aus dem Bett steigst, ob du erst die linke oder die rechte Socke anziehst oder ob du genügend Zahnpasta auf deine Zahnbürste gedrückt hast. Unser Gehirn schaltet für diese Vorgänge auf »Morgenprogramm«. Jeder von uns hat eines, nicht immer tut es uns gut. Wie sich dieses Programm erweitern und abwandeln lässt, um dich freudvoll in den Tag starten zu lassen, möchte ich dir auf den folgenden Seiten zeigen. Meine Bausteine dazu sind Yoga, Meditation und ein gutes, kraftspendendes Frühstück. Dass das alles nicht zeitaufwendig ist, möchte ich dir auch zeigen: Schon ein paar Minuten täglich schenken dir Ruhe und Gelassenheit, halten dich fit und gesund und helfen dir, Balance zu finden – auf der Yogamatte und im Leben.
Herzlich willkommen in meinem Morgen! Können wir loslegen?
ZAUBER
DES MORGENS
Dieses Buch ist eine Liebeserklärung. Eine Liebeserklärung an meine Lieblingszeit des Tages, den Morgen. Denn an jedem Tag unseres Lebens öffnen wir – der eine früher, die andere später – unsere Augen, atmen ein, atmen aus und haben es selbst in der Hand: Was für ein Tag wird das heute? Vielleicht ein richtig guter.
Möge die Macht über deinen Morgen mit dir sein!

MORGENROUTINEN
FÜR RUHE UND KRAFT

Ich verrate dir ein Geheimnis: Der frühe Wurm hat gar keinen Vogel. Und sich morgens Zeit für sich zu reservieren, um bewusst mit wohltuenden kleinen Routinen in den Tag zu starten, ist nicht egoistisch, sondern wertvoll und wegweisend.
Ja, es gibt sie. Tage, an denen du und ich voller Vorfreude aufstehen. Die Sonne scheint. Treffen mit lieben Menschen sind vereinbart. Du riechst frisch aufgesetzten Kaffee aus der Küche. Das Leben könnte nicht besser sein! Mit richtig viel Tatendrang und Vorfreude springst du aus dem Bett und stellst dich allen Herausforderungen, die im Laufe des Tages auf dich zukommen. Aber dann gibt es auch diese anderen Tage, an denen nicht alles mühelos und leicht von der Hand geht. Tage, an denen du genervt von Termin zum Termin hetzt. Spätestens mittags sagst du: »Heute bin ich mit dem falschen Fuß aufgestanden.«
Vielleicht beginnen diese Tage so: Das Smartphone weckt dich, nur kurz Nachrichten und Mails checken, aus dem Bett ins Bad, anziehen, schnell ein Kaffee, die Kinder versorgen. Die trödeln rum, du pflaumst sie an. Du hast deswegen ein schlechtes Gewissen, aber nicht mal dafür ist Zeit. Weiter zum Bus. Der ist schon weg. Während du auf den nächsten wartest, tauchen Zweifel auf: Hab ich zuhause zugesperrt? Ist der Herd aus?
Oder eventuell auch so: Abends bei einem Serienmarathon hängengeblieben. Die Nacht war kurz. Der Kopf brummt. Acht Mal die Schlummertaste gedrückt. Jetzt wird die Zeit knapp. Duschen, Zähneputzen, Frühstück ist gestrichen, dafür eine halbe Stunde im Stau. Da war ein Unfall im Frühverkehr. Mit jeder Minute, mit jedem Bremslicht steigt das Stresslevel. Zu spät, zu spät, schon wieder zu spät! Zu spät in der Arbeit, zu spät beim ersten Termin, die Mittagspause fällt flach, dafür stellt sich das Gefühl ein, ständig unter Druck zu stehen. Nichts geht mehr.
Du hättest das gern anders? Dann bist du hier richtig!
»DIE ERSTE MORGEN-STUNDE IST DAS STEUERRUDER DES TAGES.«
AURELIUS AUGUSTINUS
DEN MORGEN ZURÜCKEROBERN
Du kennst das sicher: Immer erreichbar sein, immer funktionieren – wir leben in einer Welt, die das von uns verlangt. Scheinbar jedenfalls. Wir sollen über die Vergangenheit nachdenken und uns um die Zukunft sorgen, nachhaltig leben und effizient kommunizieren, dabei immer freundlich sein. Wir sollen möglichst sofort auf Nachrichten und Posts reagieren und natürlich Likes auf Instagram und Facebook sammeln. Das alles kann uns schon mal an unsere Grenzen bringen. Was aber, wenn wir morgens für einen Moment die Stopptaste drücken? Wenn wir versuchen, den Tag im Hier und Jetzt zu beginnen, uns auf die Gegenwart zu konzentrieren? Wenn wir uns eine kleine Routine zurechtlegen, die uns eine Atempause verschafft, unsere Intuition und unseren inneren Kompass wiederzufinden? Und darauf zu vertrauen, dass uns dieser Kompass einen Weg zeigt, mit allem fertig zu werden, was uns im Laufe des Tages begegnet.
Gerade weil sich unsere Arbeitszeiten immer mehr ausdehnen, zum Teil schon auf dem Weg ins Büro beginnen und am Abend mit Hausarbeit enden, bleibt sehr wenig Zeit für uns selbst. Ich habe eine Möglichkeit gefunden, die ersten Momente des Tages für mich selbst zu reservieren. So gewinne ich Zeit, in der ich mich ungestört meiner Welt und mir selbst widmen kann. Dabei geht es mir nicht unbedingt um Selbsterkenntnis und Selbstentfaltung, sondern um ein Ja-Sagen zu mir und meinen Bedürfnissen. Um einen achtsamen und wertschätzenden Umgang mit mir selbst, der mir hilft, mich besser zu spüren – von der ersten Minute des Tages an.
ZURÜCK AN DEN START
Du wachst auf, weil das Vogelgezwitscher immer lauter wird. Die ersten Sonnenstrahlen blitzen durch den Vorhang. Du atmest tief ein und tief aus. Kommst langsam zu dir. Streckst dich einfach mal durch. Du bist ganz still und hörst nur zu, wie die Welt um dich herum langsam aufwacht. Ein unberührter Tag liegt vor dir. Ein Tag mit 1.000 Möglichkeiten, ihn zu einem großartigen Tag zu machen. Was hast du zu tun? Was willst du tun? Und wie legst du los? – Alles liegt vor dir. Wie wunderbar!
Zugegeben: An jedem Morgen, an dem mein Wecker um 4 Uhr morgens läutet und mich aus dem Tiefschlaf reißt, denke ich: »Echt jetzt? Nein!« Magisches Erwachen fühlt sich definitiv anders an. Nur bin ich erstens an den meisten Tagen schon ein paar Minuten davor munter. (Danke, innere Uhr!) Und zweitens ist das tatsächlich nur der allererste Gedanke. Sobald ich das kuschelige Bett verlassen habe, freue ich mich auf den neuen Tag. Auf neue Möglichkeiten, neue Erlebnisse, neue Gespräche, neue Erfahrungen, liebe Menschen, aber zu allererst auf meine liebe, vertraute Morgenroutine.
Ich habe mir nämlich einen kleinen Ablauf zurechtgezimmert, der mir die Energie bringt, mich all den kleinen und großen Herausforderungen zu stellen, die im Laufe des Tages auf mich zukommen. Gerade morgens nicht nachdenken zu müssen, in aller Ruhe einen gewohnten Schritt nach dem anderen zu machen, eine erprobte Aktion nach der anderen zu setzen, hilft mir dabei, mich zu fokussieren und mühelos und entspannt zu starten. Genau das ist bei meinem Job wesentlich.
Wie soll ich im Radio ab 5 Uhr morgens gute Laune verbreiten, wenn ich mich selbst fühle, als hätte mich jemand durch den Fleischwolf gedreht? Derart früh aufzustehen erfordert, ich geb’s zu, etwas Disziplin, und genau die erleichtere ich mir durch Organisation, die schon am Vorabend beginnt. Ja, ich plane meinen Tag im voraus. Und zwar ganz genau, mit dem guten alten Hausmittel »Liste«. Schon abends schreibe ich auf, welche Termine am nächsten Tag anstehen, was ich einkaufen muss und kochen werde. Ich lege mir sogar meine Kleidung für den nächsten Tag raus. An Tagen, an denen ich keine Sendung habe, mache ich es nicht anders, zelebriere aber jeden einzelnen Schritt. Genüsslich nehme mir etwas mehr Zeit für Yoga und Meditation und den ersten Kaffee auf der Couch oder am Fenster bei Sonnenaufgang. Auch wenn meine gesamte Familie zu Hause ist, versuche ich vor allen anderen und in Ruhe aufzustehen. Wobei ich gerade die ersten noch verträumten Minuten mit meinen Kids besonders genieße. Prinzipiell ändert sich an meiner Morgenroutine also nichts, abgesehen von der Dauer und dem Startpunkt. Vor allem das ruhige Aufstehen, die Zeit auf der Yogamatte, das Visualisieren geben mir die Kraft, meinen Job, meine Familie, meine sportlichen Ambitionen und all meine Projekte unter einen Hut zu bringen.
OB MEIN START IN DEN TAG IMMER SO POSITIV WAR?
Ganz ehrlich? Nein. Jahrelang habe ich mir Sorgen gemacht, mit Selbstzweifeln gekämpft und hatte das Gefühl, nicht genügen zu können. In der Öffentlichkeit zu stehen und Tag für Tag beurteilt und bewertet zu werden, hat mir schlaflose Nächte bereitet. Dementsprechend kaputt war ich morgens. Irgendwann hat mein Körper nicht mehr mitgespielt und das Ergebnis war eine Autoimmunerkrankung. Der Stress hat Lichen ruber ausgelöst, eine Hautkrankheit, die schubweise kommt und geht und gegen die die klassische Medizin kein Mittel kennt. Ich war ausgelaugt, müde und krank. Ich habe mich in meiner Haut im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr wohlgefühlt. Also bin ich von einem Arzt zum nächsten gelaufen. Praktische Ärzte, Hautärzte, Allergiezentren, Homöopathen, ganzheitliche Mediziner – ich habe nichts ausgelassen. Ich habe alle Cremes und Salben probiert, sogar Nahrungsmittelunverträglichkeiten ausgetestet und auf ein Lebensmittel nach dem anderen verzichtet. Das einzig wirksame Mittel gegen diese juckenden roten Punkte am ganzen Körper war, Kortison zu schlucken, mit all seinen Nebenwirkungen. Auf Dauer war das keine Lösung. Also habe ich nach Alternativen gesucht. Eine Krankheit, so dachte ich, die von meinem eigenen Körper ausgelöst wird, muss doch auch von mir selbst in den Griff zu bekommen sein. Also habe ich mich auf die Suche gemacht und einen Weg gefunden, mich wieder wohlzufühlen, wieder in Balance zu kommen und meine Kraft und Energie wiederzufinden.
Stress verursachte die Auto-Immunkrankheit, die Auto-Immunkrankheit verursachte Stress. Aus so einem Teufelskreis herauszufinden, ist schwer. Aber es ist mir gelungen!
Den Anstoß zu dieser Veränderung hat mir eine TCM-Ärztin gegeben. Sie malte mir das Yin-Yang-Zeichen auf und sagte: »Sandra, siehst du das? Yang ist das aktive, impulsgebende Prinzip und wird als männlich bezeichnet. Es steht für Sonne, Tag, Licht und Bewegung. Yin verkörpert die passive, nach innen gerichtete Energie und gilt als weiblich. Yin steht für Nacht, Dunkelheit und Stille. Beide Teile haben einen gleich großen Anteil. Sieh das Zeichen als Uhr: 12 Stunden Aktion, 12 Stunden Ruhe. Wie ist dein Tag? Wann herrscht bei dir Erholung und Stille und wie lange?« Das hat mir zu denken gegeben. Ich schlief damals fünf, sechs Stunden, hatte also durchschnittlich sechs Stunden zu wenig Ruhe und Erholungsphase. Mit einer großen Portion Motivation, einer Idee von meinem »neuen« Leben und einem TCM-Ernährungsplan bin ich von der Ärztin nach Hause gegangen. Ich habe meine Ernährung umgestellt, lebe seit 2017 vegan und habe Yoga als Ruhepol in mein Leben integriert. Das Allerwichtigste aber war Struktur – und deshalb beginne ich jeden Tag mit meiner geliebten Morgenroutine. Diese Routine möchte ich gerne mit dir teilen. Vielleicht bringt sie ja auch dich in Schwung – egal wo du gerade stehst.

Yin und Yang, Licht und Dunkelheit, Bewegung und Ruhe. Gegensätze, die einander brauchen. Wie ist dein Tag aufgeteilt?
DER FRÜHE MORGEN
UND SEIN VERSPRECHEN AN DEN TAG

Nachteule oder Lerche – das ist natürlich immer die Frage. Aber macht es Sinn, seinen Tagesrhythmus zu überdenken? Ganz sicher.
Entweder man ist ein Morgenmensch oder eben nicht. Darüber gibt es unzählige Studien. Aber Frühaufsteher zu sein, hat viel für sich. Jeder kennt den Spruch: »Der frühe Vogel fängt den Wurm«, und auch: »Morgenstund’ hat Gold im Mund.« Leidenschaftliche Langschläfer denken sich an dieser Stelle: »Ja, eh.« – Frühaufsteher, so sagt man, sind erfolgreicher. Vielleicht, aber darum geht es mir gar nicht. Die Frage, die ich mir stelle, ist: Bin ich, wenn ich den Morgen für mich nutze, zufriedener und fokussierter? Fühle ich mich dann wohler? Von meiner Seite kommt dazu ein klares Ja! Und außerdem haben gerade die frühen Morgenstunden für mich einen ganz besonderen Zauber.
DIE WISSENSCHAFT DES FRÜHAUFSTEHENS
Unser Schlaf-Wach-Rhythmus wird vom Tageslicht beeinflusst. Gehen wir früh schlafen und stehen wir auch früh auf, sollten wir prinzipiell besser schlafen. Dafür sorgt das Zusammenspiel des Schlafhormons Melatonin und des Stresshormons Cortisol. Die sogenannte Zirbeldrüse in unserem Gehirn steuert unsere innere Uhr, reguliert den Schlaf und erhöht unsere Intuition. Diese kleine Drüse schüttet in der Nacht bzw. bei Dunkelheit vermehrt Melatonin aus. Mit Tagesanbruch sinkt der Melatoninspiegel, verbunden mit einem gleichzeitigen Anstieg des Cortisolspiegels. Cortisol ist ein Hormon, das in der Nebennierenrinde gebildet wird. Je nachdem wie lang die Tage sind, ob Sommer oder Winter, ist der Höhepunkt der natürlichen Cortisolproduktion etwa um 6.30 Uhr erreicht. Genau dann, wenn auch nur noch wenig Melatonin in unserem Blut vorhanden ist. Aus hormoneller Sicht ist das der Zeitpunkt, um durchzustarten. Nutzen wir dieses frühe Hoch für Bewegung und Meditation, können wir die Konzentration und Motivation für den ganzen Tag steigern.
FRÜHAUFSTEHEN ALS SCHLÜSSEL ZU MEINEM TAG. AUCH ZU DEINEM?
Mich hat das Wissen um die hormonellen Vorgänge in meinem Körper enorm erleichtert.
Mich hat das Wissen um die hormonellen Vorgänge in meinem Körper enorm erleichtert. Es bedeutet nämlich, dass ich im Prinzip alles in mir habe, um morgens richtig losstarten zu können. Ich muss es nur nutzen. Ich muss es sozusagen für mich »zähmen«, dann bekomme ich viel geschenkt: Zeit, um lang zu duschen zum Beispiel, Lieblingsmusik oder den Lieblingsradiosender zu hören und mich gemütlich anzuziehen. Zeit, um gut und ausreichend zu frühstücken, um meinem Stoffwechsel den Takt für den restlichen Tag vorzugeben. Zeit, um mit Optimismus und Dankbarkeit auf das zu schauen, was um mich ist. (Dankbarkeit hat übrigens eine ähnliche Wirkung wie die Einnahme von Antidepressiva – das nur nebenbei.) Zeit für den Partner und die Familie, dafür, mit dem Herzensmenschen und dem Nachwuchs zu frühstücken, sich über den anstehenden Tag auszutauschen. Zeit, dafür zu sorgen, dass die Kleinen auch mit richtig gepackter Schultasche losziehen. Und da gibt es sicher noch viel mehr. Noch Lust, die Schlummertaste zu drücken?
WIE WÄRE ES MIT EINEM SELBSTVERSUCH?
Du könntest das frühe Aufstehen ja mal ein paar Tage ausprobieren und schauen, ob sich etwas verändert, ob dir ein Leben im Einklang mit der Sonne – also aufzustehen, wenn es hell wird, und zur Ruhe zu kommen, wenn es dunkel wird – guttut. Aber ich halte es auch für wichtig, rücksichtsvoll mit dir zu sein. Wenn Frühaufstehen für dich der absolute Horror ist, dann quäle dich nicht. Wenn du den Morgen aber für dich als Ressource nutzen möchtest, musst du unter Umständen doch über deinen Schatten springen. Es ist gar nicht so schwer. Ich habe fünf ganz einfache Tipps für dich, wie du leichter aus den Federn kommst:
1. Gib der Snooze-Taste keine Chance!
Wenn du früh aufstehen möchtest, stellst du dir natürlich den Wecker. Der Haken an der Sache ist nur, dass er sich wahrscheinlich direkt neben deinem Bett und damit in Greifdistanz befindet. Sobald das nervige Ding morgens losgeht und deinen Schlaf abbrechen möchte, ist die Versuchung riesig, den Wecker einfach auszuschalten und weiterzudösen. Damit das nicht passiert, könntest du dein morgendliches Lärmgerät am Abend vorher auf die andere Seite des Zimmers stellen. Auf diese Weise bist du gezwungen aufzustehen, um den Weckton auszuschalten – und die Snooze-Taste hat keine Chance.
2. Lass den Tag rein!
Jeder von uns ist schon mal abends eingeschlafen und hat vergessen, die Jalousien runterzuziehen. Wie wäre es, wenn du absichtlich »vergisst«? Lass die Vorhänge offen, die Jalousien oben. Wenn du geweckt wirst, weil dein Zimmer bereits hell ist, ist Weiterschlafen gar nicht mehr so einfach. Den gleichen Effekt erzielst du, unabhängig vom Sonnenstand, wenn du die Zimmerfenster offen lässt. Wenn deine Umwelt erwacht, wirst auch du munter – egal ob dich Vogelgezwitscher oder der Berufsverkehr in der Stadt weckt.
3. Schreib dir einen Schummelzettel!
Nimm dir fünf Minuten Zeit und erstelle eine Liste mit allen Vorteilen, die du dadurch hast, dass du früher in den Tag startest. Notiere dir jede Kleinigkeit! Du wirst überrascht sein, wie lang die Liste ist. Gehe sie eine Woche lang täglich durch, wahrscheinlich fallen dir immer neue Dinge ein. Dadurch kann sich dein Wunsch nach frühem Aufstehen in deinem Unterbewusstsein verankern.

Listen sind genial! Sie helfen, den Überblick zu bewahren und sie motivieren. Schreibe alle Vorteile nieder, die dir ein früher Start in den Tag bringt.
4. Mach den Morgen harmlos!
Das frühe Aufstehen ist manchmal deshalb so schwer, weil du keine Lust auf das ganze Prozedere am Morgen hast. Deshalb könntest du am Abend, bevor du schlafen gehst, schon einige Schritte für den nächsten Morgen vorbereiten: die Wäsche rauslegen, den Frühstückstisch decken, das Bad vorbereiten oder die Yogamatte ausrollen. Nimm dir schon am Vorabend Arbeit für den kommenden Morgen ab. Dadurch wirkt der Aufstehprozess harmloser und einfacher.
5. Und jetzt: Alles Routinesache!
Wenn deine ersten Schritte am Morgen schon feststehen, bevor du dein gemütliches Bett in die große unsichere Welt verlässt, wird das Aufstehen garantiert einfacher. So bist du vor Überraschungen gefeit (Morgenmuffel hassen unvorhergesehene Dinge unmittelbar nach dem Aufstehen!), und schon ist es da – dein festes Morgenritual als perfekte Basis für einen ruhigen, sicheren Start in den Tag.
»LAUFE NICHT DER VERGANGENHEIT NACH, VERLIERE DICH NICHT IN DER ZUKUNFT. DIE VERGANGENHEIT IST NICHT MEHR. DIE ZUKUNFT IST NOCH NICHT GEKOMMEN. DAS LEBEN IST HIER UND JETZT.«
LAOTSE
ZUR MORGENSHOW-MODERATORIN GEBOREN
Seit 2007 ist es mein Beruf – nein, meine Berufung – Österreich im Radio in den Tag zu begleiten. Ein Job, der mir auf den Leib geschneidert ist, denn ich gestehe: Ich war schon immer eine Frühaufsteherin. Schon als kleines Mädchen habe ich mich in den Ferien vor allen anderen aus dem Bett geschlichen, um ja nichts vom Tag zu verpassen. Sobald die Sonne durch den Vorhang geblitzt hat, war es für mich eine Qual, liegen bleiben zu müssen. Was könnte ich nicht schon alles erleben? Und dieses wunderbare Gefühl, dass jeden Morgen ein noch unbeschriebenes Kapitel meines Lebens vor mir liegt, habe ich noch immer.
Was gestern war, ist vorbei, heute ist jetzt und neu und bietet so viele Möglichkeiten. Jeder von uns erlebt Zeiten, die von Sorgen und Ängsten geprägt sind, von Verlusten und Krisen. Aber sich die Decke über den Kopf zu ziehen und einfach liegen zu bleiben, ist in den seltensten Fällen ein Lösungsansatz, der uns dauerhaft weiterbringt. Wie heißt dieser Spruch noch mal? »Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitergehen.« Na gut, wirst du dir jetzt vielleicht denken, eine Frau mit Traumjob und zwei gesunden Kindern hat leicht reden. – Ich bin aber nicht nur die Frau mit dem Traumjob. Ich bin auch noch das kleine Mädchen, das mit zehn Jahren ihren geliebten Vater verloren hat. Herzinfarkt, ganz plötzlich. Ein Verlust, der für mich und mein Leben prägend war. Wenn das Leben schon in jungen Jahren von heute auf morgen vorbei sein kann, worauf soll ich dann warten? Warum kann ich nicht einfach loslegen? Warum soll ich nicht probieren, meine Leidenschaften und Hobbys zu meinem Job zu machen? Warum soll ich der Vergangenheit nachhängen, wo die Sonne doch jeden Tag neu aufgeht?
Ich habe schon als kleines Mädchen für mich entschieden, lächelnd nach vorne zu blicken – ganz sicher auch, weil mich der Blick zurück traurig gemacht hat. Aber auch, weil mein Vater garantiert nicht gewollt hätte, dass ich verzweifle. Er hätte sich gewünscht, dass seine kleine Tochter fröhlich die Welt erobert und ihre Träume verwirklicht. Ich bin mir da absolut sicher. Gemeinsam haben wir morgens immer Radio gehört, gefrühstückt und unsere Tage geplant. Jetzt bin ich die, die aus dem Radio spricht, die informiert, die zu motivieren versucht und hoffentlich ein Lächeln in das Gesicht der Hörer zaubert. Die Liebe meines Vaters zur Musik und zum Radio hat sich auf mich übertragen und ist zu meinem Beruf geworden. Ein Beruf, der mir Freude bereitet und mit dem ich Freude bereiten kann. Jeden Morgen.
YOGA
»Für Yoga bin ich zu unbeweglich.« – »Namasté, ja sicher. Ich trinke lieber Kaffee.« – »Beim Yoga sind alle anderen so viel besser.« Ich habe schon sehr viele Gründe gehört, warum Yoga nicht das Richtige ist. Liebe Yoga-Muffel, ihr verpasst etwas Großartiges!

MEHR ALS EIN
TRENDSPORT

Flexibilität, Stabilität, Leichtigkeit, Gleichgewicht und Klarheit – das wünschen wir uns in Beziehungen und im Leben. All das sind Qualitäten, die wir im Yoga üben. Jede Minute auf der Yogamatte ist eine gewonnene Minute. Probier es doch mal aus!
Meist habe ich das Yogastudio mit einer Antwort verlassen – der Antwort auf die eine wirklich wichtige Frage aus der Problemwolke in meinem Kopf.
»Yoga, hmmm. Na gut, warum nicht mal ausprobieren?« – Nie und nimmer hätte ich mir träumen lassen, was in meiner ersten »Schnupperstunde« auf mich zugekommen ist: 90 Minuten Bikram-Yoga, 26 Positionen bei fast 40 Grad Raumtemperatur. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so geschwitzt! Den Hot Room, den aufgeheizten Yogaraum, nicht fluchtartig zu verlassen, war eine echte Herausforderung – und meine Bewunderung für die Yogis in der ersten Reihe grenzenlos. Atmung und Bewegung perfekt abgestimmt. Jede Position trotz Hitze exakt ausgeführt. Aber ich habe durchgehalten und bin wiedergekommen. Wieder und wieder und wieder. Zu Beginn nicht regelmäßig. Mal waren die Kinder krank, mal konnte ich einfach nicht zwei Stunden von zuhause weg, mal war es mir zu heiß, mal war ich zu müde. Trotzdem habe ich von der ersten Stunde an gespürt, wie gut mir Yoga tut. Wie ausgepowert ich nach einer Yogaklasse bin, aber auch wie gelassen und ruhig. Oft hatte ich vor einer Yogastunde den Kopf voll mit Fragen und Problemen, die mich gerade beschäftigten. Ich hatte das Gefühl zu explodieren! Meist habe ich das Yogastudio dann mit einer Antwort verlassen – der Antwort auf die eine wirklich wichtige Frage aus der Problemwolke in meinem Kopf.
Der langen Rede kurzer Sinn: Ich habe angebissen – und nicht mehr losgelassen.
WAS YOGA FÜR DICH TUN KANN
Yoga ist im 21. Jahrhundert, was Aerobic in den 1980ern war. Es gibt Kurse in jedem Fitnessstudio und stylische Yoga-Outfits in jedem Sportgeschäft. Dabei ist Yoga so viel mehr als ein Trendsport. Das Wort Yoga leitet sich vom Sanskrit-Wort Yuj (anjochen, zusammenbinden, anspannen) her und wird oft mit »Einheit von Körper und Geist« übersetzt. Schon seit 5.000 Jahren wird Yoga in Indien praktiziert. Warum aber laufen gerade in den 2020er-Jahren immer mehr Menschen auf der ganzen Welt mit Yogamatten herum? Und warum lächeln diese Yogis so glückselig?
Menschen, die regelmäßig Yoga praktizieren, sind nicht nur fit und meist auch gesund, sie wirken strahlend, lächeln oft, sind positiv eingestellt und scheinbar rundum zufrieden – sogar wenn einmal etwas schiefläuft.
WAS MACHT DEN YOGA-GLOW AUS?
Es sind nicht die schwierigsten Positionen, die diese Glücksgefühle auslösen – weder die Krähe noch der Kopfstand. Es ist vor allem die innere Haltung, die regelmäßig Yoga praktizierende Menschen auch in schwierigen Situationen den Fokus auf das Wesentliche richten lässt. Teilweise unmöglich erscheinende Dehn- und Kraftpositionen werden immer wieder geübt. Und während wir ruhig atmen und uns achtsam bewegen, entdecken wir uns selbst und die Welt rund um uns herum völlig neu. Es ist faszinierend: Yoga lehrt uns zu akzeptieren, was wir nicht ändern können, und plötzlich sehen wir klarer und es öffnen sich neue Türen und Möglichkeiten. Was vorher selbstverständlich war, erscheint uns danach überholt. Was unmöglich umsetzbar erschien, trauen wir uns nun zu. Wo wir vorher unsere Schwächen gesehen haben, entdecken wir jetzt unsere Superkräfte. Und wir fühlen uns so gelassen und stark, dass wir auch ganz sanft und verletzlich sein dürfen. Und vielleicht fühlen wir uns nach einer Stunde auf der Yogamatte ohne erkennbaren äußeren Anlass richtig tief erfüllt und zum Weinen glücklich.
Yoga kräftigt, dehnt und streckt nicht nur den Körper, Yoga verändert auch den Fokus und lässt uns den Blick auf das Wesentliche richten.
Yoga baut tatsächlich Glücksinseln, auf die wir uns flüchten können. Und noch mehr: Diese Stärke und Ruhe hilft im Alltag. Das heißt nicht, dass Yogis durchs Leben schweben, sich nie wieder über Kleinigkeiten aufregen und diese – wie wir alle manchmal – zu großen Problemen dramatisieren. Aber Einheit und Frieden, diese morgendlichen Mini-Erleuchtungen, können dir zeigen: Aha, so kann sich das Leben also auch anfühlen. Einfach gut!
Es ist schwer zu sagen, was genau an Yoga diese magische Wirkung entfaltet – zu unterschiedlich und persönlich ist das, was jede/r aus ihrer/seiner eigenen Praxis zieht. Aber es gibt einige Anhaltspunkte:
1. Yoga macht achtsam
Volle Konzentration auf jede einzelne Bewegung und jeden Atemzug. Achtsamkeit setzt dem sorgenvollen Wirrwarr im Kopf ein Ende. Nach ein paar Minuten voller Konzentration auf deine Yogaübungen hörst du ganz von allein auf, Pläne zu schmieden, und durchbrichst unnötig rotierende Gedankenspiralen. Im Yoga gibt es nur das Jetzt, nur den Moment. Jede einzelne Bewegung und jede Position wird so aufmerksam wie möglich ausgeführt. Verlierst du den Fokus, verlierst du auch die Balance.
2. Unser Atem als Motor
In der yogischen Sichtweise spendet, transportiert und harmonisiert der Atem, Prana, die Lebensenergie. Kombiniert man den Atem mit der Bewegung, wirkt er wie ein Katalysator. Diese Verbindung zeigt sich auch in unserer Sprache: Dir stockt der Atem, wenn etwas Heftiges auf dich zukommt – sei es positiv oder negativ –, oder du atmest auf, wenn etwas Belastendes vorbei ist. Je nachdem was wir gerade brauchen, beruhigen wir mit unserer Atmung den Geist oder wir beleben ihn. Wir lenken damit unsere Lebensenergie.
3. Kannst du dich sehen?
Wenn du dich ganz in deine Yogapraxis vertiefst, beginnst du irgendwann, dich selbst zu beobachten. Dieser innere Beobachter ist unser bester Freund – das ist eine Wahnsinnserkenntnis! Denn dieser innere Beobachter hat auch eine Botschaft: Du bist deinen Gefühlen und Stimmungen nicht hilflos ausgeliefert. Deine Gedanken und Gefühle und du – das sind zwei unterschiedliche Baustellen. Auf der Yogamatte lernst du tatsächlich, einen Schritt zur Seite zu treten und dich aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Situationen, in die du dich normalerweise so richtig reinsteigerst, schrumpfen plötzlich zu Kleinigkeiten.
4. We are one!
Yoga bedeutet Einheit und Verbindung – zum einen unsere Verbindung nach innen, also die Einheit von Körper, Geist und Seele, zum anderen die Verbindung nach außen. Wie gefällt dir dieser Gedanke? Menschen, Tiere, Pflanzen – alles Lebendige – sind Einzelformen des Lebens, die gemeinsam ein harmonisches Ganzes bilden. Wie ein Puzzle, in dem jeder Teil gleich wichtig ist.
5. Alles ist schon da
Yoga macht Freude, und Freude ist der Stoff, aus dem wir gemacht sind. Der Kern unserer Existenz ist unser Bewusstsein. Manche nennen es die Seele, andere das »Göttliche« oder das »Licht« in uns. In der Yogalehre heißt es, dass dieser menschliche Kern in fünf »Körper« oder »Hüllen« eingepackt ist: die fünf Koshas. Die äußerste Hülle ist unser aus Nahrung bestehender Körper. Darunter liegt eine Hülle aus Lebensenergie, dann der Geist, darunter unser Intellekt und ganz nah am Kern schließlich meine Lieblingshülle – die Glückseligkeit. In der yogischen Sichtweise steckt das Glück in uns drin, es ist ein Teil von uns.
6. Herz über Kopf
Der Geist, Citta, ist die Stimme der Vernunft, unser Denken und Empfinden. Er wird im Yoga für fast all unser Leid verantwortlich gemacht. Denn Citta warnt uns vor Gefahren, schätzt Situationen ein und lässt uns Sorgen und Ängste fühlen. Das macht Sinn und schützt uns vor vielem. Aber die Yogaphilosophie besagt, wir sollen dieses Auf und Ab des Geistes nicht immer so ernst nehmen. Wir sind nicht, was wir denken und fühlen, und das Leben ist nicht immer das, was der Geist uns vorgaukelt. Egal was er dir einflüstern möchte: Du bist gut genug. Du darfst glücklich sein. Du musst nicht um Liebe kämpfen. Es ist viel mehr möglich, als du dir vorstellen kannst. Es lohnt sich, auf dein Herz zu hören.
7. Sich dem Leben hingeben
Man könnte meinen, Hingabe bedeute, so leidenschaftlich wie möglich zu leben. Aber sich hinzugeben heißt auch, dass wir unsere Ängste, festen Vorstellungen und auch Widerstände aufgeben dürfen – und akzeptieren, was ist. Das bedeutet nicht, dass du Dinge, die dich belasten und unglücklich machen, hinnehmen musst. Es bedeutet, dass du dich für dein Glück öffnen und zugreifen solltest, wenn es vor dir steht. Alles wird gut.
8. Loslassen und annehmen
Davon ist im Yoga oft die Rede. Spannungen, negative Gedanken – alles soll losgelassen werden. Ich habe mich so oft gefragt (vor allem am Beginn meines Yogaweges), wie das eigentlich gehen soll. Stress, Verspannungen und Schmerzen verschwinden nicht einfach, weil wir das jetzt möchten. Aber wir können die Idee ziehen lassen, immer sofort glücklich sein zu müssen, niemals Schmerzen haben zu dürfen und dass es uns nie schlecht gehen darf. Wenn wir wirklich von ganzem Herzen akzeptieren, was wir gerade nicht ändern können, sind wir schon einen wesentlichen Knoten im Kopf los. Loslassen bedeutet, alles bewusst zu spüren und auch den unangenehmen Seiten in uns liebevolle Aufmerksamkeit zu schenken. Ehrlich anzunehmen, was ist.
9. Let love flow
Jede Minute, jede Stunde auf der Yogamatte ist ein Liebesbeweis an uns selbst. Wir nehmen uns Zeit für uns, achten auf jeden Atemzug, jede Bewegung und lassen alles andere mal beiseite. Und das Schönste ist: Je leidenschaftlicher wir dabei sind, desto mehr Liebe und Mitgefühl empfinden wir auch für die Welt rund um uns herum.
10. Der Gruß der Yogis
Namasté – der Gruß der Hindus drückt Respekt und den Wunsch nach Verbindung aus. Wörtlich übersetzt heißt er: »Verehrung dir!« Aber im Sanskrit sind die Worte noch vielschichtiger. Namasté steht für: »Das Licht in mir verneigt sich vor dem Licht in dir.« Oder auch: »Das Göttliche in mir verneigt sich vor dem Göttlichen in dir.« Anstatt die Unterschiede und das Trennende zwischen uns hervorzuheben, führen wir unsere Hände vor dem Herzen zusammen. Namasté.
»YOGA IST EINE REISE DES SELBST, DURCH DAS SELBST, ZUM SELBST.«
AUS DER BHAGAVAD GITA
VIER WEGE ZUM
GLÜCK

Yoga. Fast jeder hat schon mal davon gehört und ein Bild von sich verbiegenden Menschen im Kopf. Viele haben es auch schon ausprobiert. Aber nur wenige wissen, worum es dabei wirklich geht.
In unserer westlichen Welt verstehen viele unter Yoga einfach Körperübungen, wie wir sie als Angebot im Fitnessstudio und auch in immer mehr Yogastudios finden. Ursprünglich hatten diese Übungen aber ausschließlich den Zweck, die Körper der Yogis auf stundenlange Meditationen vorzubereiten. Das lässt ahnen, dass mehr dahintersteckt. Auch mein eigener Yogaweg hat im Fitnessstudio begonnen: Ich war auf der Suche nach einem sportlichen Ausgleich zu meinem stressigen Alltag zwischen Job und Familie. Gefunden habe ich nicht nur meine Balance auf einem Bein auf der Yogamatte, sondern auch meine innere Balance im Alltag. Nach wie vor stelle ich fest, dass selbst große Yoga-Zweifler, die sich nur in Yogastunden »verirren«, doch immer wiederkommen. Vielleicht auch ein Hinweis dafür, dass Yoga mehr kann, als uns »bloß« fit zu halten. Aus eigener Erfahrung weiß ich: Auch wenn du dich vorerst nur auf einen kleinen Teil des Yogaweges einlässt, können sich neue Verhaltensweisen und Denkmuster etablieren – und das geht ganz von allein.
DIE VIER YOGAWEGE
Jeder von uns ist anders, hat andere Gefühle, Gedanken, Ziele und Vorlieben. Deshalb gibt es auch vier Yogawege, vier Möglichkeiten, Yoga zu praktizieren. Grundsätzlich heißt es im Yoga, unser Selbst – Atman – entstammt dem höchsten Selbst – Paramatma. Das höchste Selbst ist Glückseligkeit – Ananda. Und da unser inneres Selbst Teil des Höchsten ist, strebt auch jeder Mensch danach, glücklich zu sein.
Ja, wir alle wollen glücklich sein – so weit, so klar. Aber ehrliche und vor allem dauerhafte Glückseligkeit können wir in der äußeren Welt nicht finden, sondern nur in uns selbst.
1. Karma-Yoga: der Weg der Tat
Alles, was wir tun, hat eine Auswirkung auf unseren Körper, Geist und unser Bewusstsein und bringt ein Ergebnis, das der Absicht entspricht, mit der wir gehandelt haben. Jede Handlung hat eine Folge.
2. Bhakti-Yoga: der Weg der Hingabe und Liebe
Im Zentrum unseres Lebens sollte Liebe stehen. Die Liebe zu Gott, zur gesamten Schöpfung, zu den Menschen genauso wie zu den Tieren und Pflanzen – zur gesamten Natur.
3. Raja-Yoga: der »königliche Weg des Yoga« oder der »achtstufige Pfad«
Dabei geht es um Selbstdisziplin und die tatsächliche Yogapraxis. Raja-Yoga umfasst die uns bekannten Yogatechniken wie Asana (Körperübung), Pranayama (Atemübung), Meditation und Kriya (Reinigungstechniken).
4. Gyana-Yoga: der philosophische Weg
Beim Yoga geht es immer um Körper und Geist. Es geht darum zu üben, zu spüren, zu fühlen, aber auch zu erkennen. Yoga als Weg zur Selbsterkenntnis.
Diese vier Yogawege gehen Hand in Hand: Wenn wir liebevoll mit unseren Mitmenschen und der Natur umgehen, sind wir Bhakti-Yogis. Karma-Yogis sind wir, wenn wir anderen helfen. Wenn wir über den Sinn des Lebens nachdenken, sind wir Gyana-Yogis, und wenn wir unsere Yogaübungen machen, sind wir Raja-Yogis. So können wir alle vier Yogawege an jedem Tag leben … oder es zumindest versuchen.
»YOGA IST DAS ZUR-RUHE-BRINGEN DER BEWEGUNGEN IM GEIST.«
PATANJALI

NANCY KRÜGER
PHILOSOPHIN, YOGALEHRERIN, FREIGEIST

Was bedeutet Yoga in unserer heutigen Zeit? Wie kann man eine 5.000 Jahre alte indische Philosophie ins Hier und Jetzt übersetzen und wie einen Nutzen für ein Leben in der westlichen Welt daraus ziehen? Nancy Krüger bildet nicht nur Yogalehrer aus, sie strahlt von morgens bis abends – dank Yoga.
Wenn Nancy über Yoga-Philosophie spricht, glitzern ihre Augen. Ihre Erzählungen alter indischer Mythen und Geschichten leuchten in allen Farben wie ein Tempel in Indien.
»Morgens wache ich auf, weil mein Sohn Pauli zu mir ins Bett kriecht. Jeden Tag sage ich dann: Nur noch fünf Minuten! Woraufhin er mir ein ›Kraftbussi‹ gibt – er ist davon überzeugt, dass seine Guten-Morgen-Küsse Zauberkräfte haben. Und das haben sie auch! – Meine eigene Morgenroutine beginnt erst, wenn ich Pauli in den Kindergarten gebracht habe. Dann setze ich mich auf meinen orangen Sessel und schaue aus dem Fenster. Das sind die einzigen fünf Minuten des Tages, in denen ich ganz still bin und nichts mache. Danach praktiziere ich Yoga. Früher wollte ich kreativ sein und jeden Tag etwas Neues ausprobieren oder üben. Jetzt mache ich jeden Morgen dieselben Positionen und versuche, sie nicht langweilig werden zu lassen. Routinen anders zu sehen, auf Details zu achten und ehrliche Freude dabei zu empfinden, das trainiere ich Tag für Tag auf meiner Yogamatte.
Ist es nicht so, dass wir üblicherweise zwischen Dingen hin- und herspringen, die wir entweder sehr oder gar nicht mögen? Dass wir uns stets auf das nächste Highlight freuen? Dabei nimmt doch eigentlich die Zeit zwischen diesen Highlights den größten Raum ein. Ich halte es für eine unglaublich starke Kraft zu sehen, dass das wahre Leben aus ganz simplen Dingen besteht. Wenn man nur auf die Besonderheiten wartet, verpasst man es.
Auch in einfachen Positionen liegt eine ganze Welt
Yoga ist extrem rituell. In traditionellen Yogaschulen in Indien wird jeden Tag zur selben Zeit das ganze Yogasutra, alle 195 Verse, rezitiert. Das Yogasutra des indischen Gelehrten Patanjali gilt als wichtigster Yoga-Leitfaden im alltäglichen Leben. Es ist wie ein tägliches Wiederkäuen. Yogis glauben, wenn man diese Botschaften im Körper verankern möchte, muss man sie durch die tägliche Wiederholung in eine festere Konsistenz bringen. Physisch ist das der Sonnengruß, der jeden Morgen wiederholt wird, wieder und wieder und wieder.
Gerade morgens ist es noch leicht, Klarheit zu finden, den Zauber zu sehen. Die Schwierigkeit liegt darin, über die Schwelle seiner Wohnungstür zu gehen und diese Qualität auch in den Tag mitzunehmen. Im Schnitt werden wir Mitteleuropäer 80 Jahre alt. Etwa 24 Jahre davon verbringen wir mit Schlafen, zwölf Jahre sitzen wir vor dem Fernseher, acht Jahre arbeiten wir, fünf Jahre widmen wir uns dem Essen, zwei Jahre und sechs Monate verbringen wir im Auto, ganze 16 Monate wird geputzt und neun Monate wird gewaschen und gebügelt. Wenn wir also den größten Teil unseres Lebens mit langweiligen Routinen verbringen, stellt sich mir die Frage, wie man dieses System im Kopf umkehren kann. Wie kann ich es schaffen, mich nicht nur auf die wenigen Momente zu fokussieren, in denen Höhepunkte passieren, sondern in allem anderen Freude zu finden?
»ROUTINEN ANDERS ZU SEHEN, AUF DETAILS ZU ACHTEN UND EHRLICHE FREUDE DABEI ZU EMPFINDEN, DAS TRAINIERE ICH TAG FÜR TAG AUF MEINER YOGAMATTE.«
NANCYS TIPPS FÜR TAGE, AN DENEN ES NICHT LÄUFT:
1. LASSE ANDERE MACHEN!
2. FÜHRE KEINE SCHWIERIGEN GESPRÄCHE!
3. SAGE TERMINE AB UND NIMM DIR DEINEN RAUM!
Manchmal gelingt meine Yogapraxis besser, manchmal schlechter – es gibt eben gute und weniger gute Tage. Aber die Kunst ist es, auch die weniger guten anzunehmen und nicht nur hinter sich zu bringen. Yoga hilft uns auch anzuerkennen, dass wir nicht jeden Tag herumreißen müssen, dass wir unsere Tagesverfassung auch einfach annehmen können und keine Widerstände erzeugen müssen.
Auch schlechte Tage drücken dich nicht nieder, wenn du diesen Zustand mit Gleichmut nimmst – und dich selbst nicht so wichtig. Du bist nur ein kleiner Teil des Universums und musst nicht jeden Tag in Bestform sein. Das Universum wird trotzdem funktionieren.
Wie sich die Welt verändern würde, wenn alle morgens fünf Minuten Yoga machten? Gute Frage. Dazu kann ich eines sagen: Ich kenne niemanden, dessen Leben durch die morgendliche Yogapraxis nicht ungemein bereichert wurde. Wie viel mehr ist möglich, wenn man im Inneren tief entspannt ist. Das Innere ist immer ein Ausgangspunkt für alles nach außen Gerichtete. Und selbst wenn es um Streit mit heftigen Emotionen geht, die richtig überkochen – Ausgangspunkt für deine Überzeugungskraft ist deine innere Ruhe. Und die kanalisierst du am besten in deiner gelernten und gelebten Routine.«
DIE WICHTIGSTEN
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