Читать книгу: «Puls des Lebens»

Шрифт:

Robert C. Fulford

Puls des Lebens

Touch of Life

Aus dem Amerikanischen

übersetzt von

Ilka Rosenberg


Dr. Fulford’s Touch of Life

Pocket Books, New York, 1996

1230 Avenue of the Americas, New York, NY 10020

©1996, Robert C. Fulford, D. O.

ISBN 0-671-55600-2

Puls des Lebens

von Dr. Robert Fulford

© 2008, JOLANDOS

Am Gasteig 6 – 82396 Pähl

978-3-936679-48-9 (Buch)

978-3-941523-23-4 (mobi)

978-3-941523-45-6 (epub)

BESTELLUNG

HEROLD Lositsik Service GmbH

Raiffeiesenallee 10 – 820041 Oberhaching

order@jolandos.de

ÜBERSETZUNG

Ilka Rosenberg

UMSCHLAGGESTALTUNG

Anette Page

SATZ

post scriptum,

www.post-scriptum.biz

DRUCK

Buchproduktion Thomas Ebertin

Goethestra.e 9, 78333 Stockach

www.buchproduktion-ebertin.de

EBOOK-GESTALTUNG

Zeilenwert® GmbH

Schwarzburger Chaussee 74 – 07407 Rudolstadt

www.zeilenwert.de

Jede Verwertung von Auszügen dieser deutschen Ausgabe ist ohne Zustimmung von JOLANDOS unzulässig und strafbar. Dies gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Mikroverfilmungen und Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Medien.


Robert C. Fulford (1905 – 1997)

Inhalt

Cover

Titel

Impressum

Vorwort des Herausgebers

Vorwort des Autors

1 – Die Grundlagen der Osteopathie

2 – Eine kurze Darstellung des Universums

3 – Gesundheit in der heutigen Zeit

4 – Bessere Gesundheit in modernen Zeiten

5 – Pass’ gut auf Dich auf!

6 – Der Pfad des Lebens

7 – Die menschliche Seele

8 – Übungen

9 – Anmerkungen zum weiterführenden Nachdenken und Lesen

Fußnoten

Vorwort des Herausgebers

„Die Kunst des Liebens ist die Fähigkeit in jeder Person das innere Wesen zu erkennen und zu respektieren.“

Robert Fulford

Robert Fulford, D. O. (1905 – 1997) galt als eine der wichtigsten und rätselhaftesten Figuren in der Osteopathie des späten 20. Jahrhunderts. Er glaubte zutiefst an die osteopathische Philosophie, so wie sie A. T. Still (1828 – 1917) 1874 der Welt vorgestellt hatte und in deren Mitte der triune man stand – der Mensch in seiner dreifach differenzierten Einheit: Körper, Verstand und Seele.

Nachdem er von den medizinischen Ausbildungsstätten abgewiesen wurde, entschloss er sich, das Studium der Osteopathie am Kansas City College of Osteopathy aufzunehmen. Nach erfolgreicher Graduierung im Jahr 1941 kam es zur schicksalhaften Begegnung mit W. G. Sutherland (1873 – 1954), dem Begründer der Kraniosakralen Therapie. Fulford beschreibt dieses Zusammentreffen als glücklichste Fügung in seinem gesamten beruflichen Leben. Er genoss nicht nur das Privileg, als einer der ersten Osteopathen überhaupt Sutherlands geradezu revolutionäre Erweiterung der traditionellen Osteopathie Stills in dessen eigenen Vorträgen zu erlernen. Durch Sutherland sollte er auch den Zugang zur faszinierenden Gedankenwelt des amerikanischen Universalgenies Walter Russell (1871 – 1963) bekommen. In ihr begegnete er den universellen Gesetzen der Polarisierung, des Ausgleichs und der geistigen Entwicklung, welche später das Zentrum seines gesamten therapeutischen Denkens und Handelns werden sollten.

Es folgten Jahrzehnte ausgedehnter und vorurteilsfreier Forschungsarbeit in natur- und geisteswissenschaftlichen Gebieten der westlichen und östlichen Welt. Aryuvedische Medizin, Buddhismus, Psychoanalyse, Bioluminiszenz, Quantenphysik, elektromagnetische Lebensfelder, Humanismus etc., alles wurde begierig aufgesogen und moduliert in seine Behandlungen integriert. Auf diese Weise erweiterte Fulford das organische und humanistische Konzept seiner Vorgänger Still und Sutherland insbesondere im spirituellen Bereich und begründete damit seinen Ruf als einer der ersten und bedeutendsten Vertreter der so genannten Biodynamischen Medizin.

Gerade aufgrund seines immens umfassenden therapeutischen Wissens und Könnens erscheint es umso erstaunlicher, dass Fulford bis kurz vor seinem Tod nicht ein einziges Buch geschrieben hatte. Es ist daher als absoluter Glücksfall für die Osteopathie zu werten, dass er sich schließlich in seinen 90ern doch noch entschloss, die Quintessenz seines beruflichen Lebens in diesem kleinen Buch zu veröffentlichen.

Lassen Sie sich vom Umfang und der einfachen Sprache nicht täuschen – das Buch hat es wirklich in sich. In wenigen Worten gelingt es Fulford, die wesentlichsten Aspekte des Gesundheitswesens, der Arzt-Patienten-Interaktion, des Menschseins und des Lebens humorvoll und verständlich darzulegen. Außerdem finden Sie eine Menge bestechend einfacher und nützlicher Tipps, wie Sie Ihre Gesundheit erneuern und erhalten können.

Als Arzt und Physiotherapeut hat mich besonders sein offenes und selbstbewusstes, aber niemals aufdringliches Bekenntnis zu Liebe, Spiritualität, Respekt und Fürsorge gegenüber allen Menschen und sein Konzept des Gebens und Zurückgebens bewegt. Hier steht er ganz in der Tradition Albert Schweitzers (1875 – 1965), und wie dieser besticht auch Fulford in seinen Erzählungen durch eine geradezu fesselnde Glaubwürdigkeit. Sie zu erlangen gelingt nur jenen Menschen, die ihrem Gewissen und ihren Idealen gegen alle Widerstände treu bleiben und ihre Überzeugungen, anstatt sie laut in die Welt zu posaunen, still und hingebungsvoll leben.

Ich wünsche Ihnen viel Freude bei der Lektüre.

Christian Hartmann Pähl, August 2005

Vorwort des Autors

Kürzlich erhielt ich einen Anruf von einem 45-jährigen Mann, der dringend Hilfe benötigte. Er hatte seit einigen Monaten unter den Symptomen eines Herzinfarktes gelitten, seine Ärzte konnten ihm jedoch nicht helfen. Das Problem bestand darin, dass alle an ihm durchgeführten medizinischen Tests und Elektrokardiogramme keinerlei Befunde am Herzen aufwiesen. Die meisten Ärzte verlassen sich bei ihrer Diagnostik gänzlich auf Tests und Apparate und stehen vor einem Rätsel, sobald die Testergebnisse besagen, dass das Herz scheinbar normal arbeitet.

Die Bitte des Mannes, jemand möge seinen gesamten Körper nach der Ursache der Beschwerden untersuchen, wurde jedoch abgelehnt. Gäbe es ein Problem mit dem Herzen, müsse sich die Erklärung dafür auch im Herzen befinden, und das war das Ende vom Lied.

Das passiert meinen Patienten sehr oft: Sobald kein anderer irgendeine Lösung finden konnte, werden sie an mich überwiesen.

Bei der Untersuchung des jungen Mannes entdeckte ich, dass er sich vor einigen Jahren den rechten Oberschenkel gebrochen hatte. Nachdem die Chirurgen sein Bein wieder hergestellt hatten, bildete sich eine ganze Menge Bindegewebe und beeinträchtigte bestimmte Muskeln, die hinauf zum Nacken führen. Diese Nackenmuskeln haben sich möglicherweise zusammengezogen oder sie sind derart locker und elastisch geworden, dass sie die umliegenden Knochen nicht mehr richtig abstützen konnten. Wie auch immer, bei dem Mann herrschte eine Disbalance, die zu einer Verdrehung der Halswirbelsäule am Ursprung der Nervenversorgung des Herzens nahe der Schädelbasis führte. So konnte das Herz nicht richtig arbeiten; nicht aufgrund einer Erkrankung, sondern weil das Bein viele Jahre zuvor verletzt worden war.

Nach vier Sitzungen mit osteopathischen Techniken hatte der Mann seine ausgezeichnete Gesundheit wiedererlangt. Jetzt, Monate später, drängen ihn die Ärzte zu weiteren Untersuchungen. Sie weigerten sich zu glauben, dass mit dem Herzen alles in Ordnung sei. Sie weigerten sich ebenso zu glauben, dass irgendetwas anderes als die ihnen vertraute Kategorie der Medizin ihm helfen konnte.

Hier noch eine andere Geschichte über einen kleinen Jungen, den ich erst vor ein paar Monaten kennen gelernt habe.

Seine Mutter hatte massive körperliche Beschwerden während der Schwangerschaft ausgehalten, und das Kind konnte kaum atmen als es geboren wurde – was, wie Du bald erfahren wirst, gleichbedeutend mit einer Gesundheitskrise unmittelbar von Beginn an ist.

Kurz nach der Entbindung wurde der Junge krank, und in den nächsten Jahren lag er ständig mit Lungenentzündung und anderen Erkrankungen danieder. War er nicht krank, raste er im Haus wild umher, stieß gegen Wände und Vasen, grabschte Aschenbecher von den Tischen und warf sie auf den Boden. Zu alledem kam noch, dass er kaum sprechen konnte, und seine Eltern befürchteten er sei geistig behindert.

Weder ihr Kinderarzt noch ein Kinderpsychologe konnten dem Jungen in irgendeiner Form helfen. Die Eltern waren verzweifelt.

Kurz nach seinem vierten Geburtstag brachten sie den Jungen zu mir. Just in dem Moment als ich die Tür meines Hauses im ländlichen Ohio öffnete, in dem ich noch immer praktiziere, rannte der Junge wortlos rein. Er preschte hinüber zum Telefon, begann am Kabel zu ziehen und versuchte es auf den Boden zu zerren.

Es war nicht einfach den Jungen dazu zu bringen, ruhig auf meinem Behandlungstisch zu liegen, aber schließlich ließ er sich nieder und wir hatten eine gute Sitzung. Meine erste Aufgabe bestand darin, sein Steißbein mit meinen Händen zu lösen, und so konnte ich den vorderen recto-respiratorischen Reflex befreien. Dieser erstreckt sich in jenem Bereich vom Becken bis zum oberen Brustkorb, der als lymphatisches Abflussgebiet für die Ohren dient. Wenn sich dieser Reflex nicht im Einklang mit dem übrigen Körper befindet, stagniert der Lymphfluss. Obwohl der Junge einer meiner schwierigsten Fälle war, zeigt er deutliche Zeichen der Besserung. Er beginnt nun richtig zu atmen und während er das tut, wird er zusehends ruhiger. Seine Eltern sind für beide Ergebnisse sehr dankbar. Besonders interessant aber ist, dass das Sprachniveau des Jungen fast das altersentsprechende Niveau erreicht hat. Welche Befürchtungen seine Eltern bezüglich einer möglichen Geisteskrankheit auch hatten, sie sind zerstreut.

Eine der Lektionen, die ich während meiner Arbeit gelernt habe, besteht darin, dass das körperliche mit dem seelischen System verbunden ist. Wenn Patienten meine Praxis nach einer erfolgreichen Behandlung verlassen, fühlen sie sich nicht nur körperlich besser, sondern auch psychisch. Körper und Geist bilden mit Sicherheit eine Einheit, und die Hilfe für einen Teil verschafft üblicherweise auch dem anderen Erleichterung.

Ein anderer aktueller Fall, auf den ich später detaillierter eingehen möchte: Es handelt sich um die Geschichte eines Arztes und seiner Frau, die sich schon viele Jahre auf ihren fünfzigsten Geburtstag gefreut hatten. Und was für Pläne geschmiedet worden waren! – zu Reisen, zum Entspannen, ihr Leben zu genießen, nachdem sie so viele Jahre ums Überleben kämpfen mussten. Aber kurz bevor sie so weit waren, zeigten sich bei der Frau die ersten Anzeichen der Alzheimer-Krankheit. Der Arzt, obwohl versiert und fähig, konnte doch nur hilflos zusehen, wie sie in den vegetativen Zustand hinüber dämmerte. Schließlich war er gezwungen sie in einem Pflegeheim unterzubringen.

Da er sich ständig um seine Frau gekümmert hatte, erschütterte die ganze Angelegenheit den Arzt sowohl seelisch als auch körperlich zutiefst. Zu jenem Zeitpunkt, als sie in das Heim zog, war er gänzlich entkräftet, sein Gemüt teilnahmslos und sein Geist geschwächt.

Mutter Natur brauchte nicht lange um den Job zu beenden. Der Arzt entwickelte bald eine kongestive Herzinsuffizienz und wäre in seinem Sessel tot zusammengebrochen, hätte sein Sohn ihn nicht gerade noch rechtzeitig besucht und ihn im Eiltempo in ein Krankenhaus gebracht.

Heute hat sich der Mann gut erholt und sein Arzt sagt, er könne noch viele weitere Jahre erleben. Aber ich weiß, was den Mann fast umgebracht hätte – nicht sein schwaches Herz, sondern die Depression, die er über den Gesundheitszustand seiner Frau empfand. Sie schwächte seine Psyche derart, dass sein Körper und Geist angreifbar für jene Attacke wurden. Er erholte sich erst ab jenem Moment, als er den Entschluss fasste, sich mit dem Problem, das sein Herzversagen ausgelöst hatte, auseinanderzusetzen: Er hatte begonnen, sich für das Befinden seiner Frau verantwortlich zu fühlen. Natürlich machte ihn das traurig. Aber sobald er erkannt hatte, alles in seiner Macht stehende für sie getan zu haben, und dass sie von ihm gewollt hätte, so gesund wie möglich zu sein, gelang es seiner Seele und seinem Herzen wieder zu gesunden.

Der menschliche Körper ist viel komplizierter, als eine Anatomievorlesung Dich glauben ließe. Neben den jedermann bekannten Systemen und Prozessen besteht der Körper auch aus einem komplexen System ineinander fließender Energien. Werden diese Energiebahnen blockiert oder eingeengt, büßen wir das physische, emotionale und geistige Fließvermögen ein, welches uns potentiell zur Verfügung steht. Besteht die Blockade lange genug oder ist sie groß genug, wird das Ergebnis Schmerz, Unwohlsein, Krankheit und Leid sein.

Meine Aufgabe als Arzt ist es, meinen Patienten zu helfen, diese Energieblockaden zu lösen. Denn sobald die Energien ungehindert fließen können, ist der Körper in der Lage, seinen eigenen Heilungsprozess in die Wege zu leiten. Der hyperaktive vierjährige Junge zum Beispiel reagierte zwar gut auf meine Behandlung, aber es waren seine eigenen Selbstheilungskräfte, die es, einmal aktiviert, seinem Körper ermöglichten sich selbst zu normalisieren.

Diese Freigabe der Energien kann dem Körper, dem Geist und auch der Seele helfen.

Unglücklicherweise glauben das die meisten Ärzte nicht. Als Ergebnis findet sich die heutige Medizin in einer Krise wieder. Sie beharrt darauf, den Menschen lediglich als ein wissenschaftliches Objekt zu betrachten. Dies aber stellt eine einseitige symptombezogene Annäherung bei der Behandlung dar. Symptome müssen auf jeden Fall verstanden und nicht nur bekämpft werden.

Der medizinische Berufstand basiert auf wissenschaftlicher Forschung, und obwohl die wissenschaftliche Forschung per se wertvoll ist, ist es wichtiger zu heilen als die Testergebnisse der modernen Studien zu rezipieren. Es gibt einfach Aspekte der Menschlichkeit, welche die Wissenschaft niemals erklären können wird, und diese umfassen Moral, Liebe, Geist und die Seele. Es ist die Aufgabe unseres Zeitalters die Menschheit in ihrer Ganzheitlichkeit wieder zu erkennen – jeder einzelne von uns als ein Wesen aus Seele, Geist und Körper –, ohne das Wissen, das wir durch die Wissenschaft erlangt haben über Bord zu werfen. Indem wir die Wechselwirkungen jener drei Bereiche detailliert untersuchen, wird es uns möglich sein zu erkennen, dass die individuelle Materie den physikalischen Träger für die geistige und spirituelle Substanz darstellt.

Falls uns das gelingt, wird man in den Patienten nicht mehr nur Krankheitsprozesse sehen, die zum Stillstand gebracht werden müssen. Man wird sie nicht als Problemfälle betrachten, die gelöst werden müssen, sondern vielmehr als Menschen, die Unterstützung brauchen um ihre physischen, mentalen und seelischen Anteile zu harmonisieren. Ohne Zweifel sollte dies der neue Weg der modernen Medizin sein, und er ist längst überfällig.

– 1 –
Die Grundlagen der Osteopathie

Das letzte halbe Jahrhundert hindurch habe ich als Osteopath gearbeitet. Dieser Beruf erfüllte mich sehr, und ich habe mit großem Erfolg Tausende Patienten behandelt.

Dennoch bin ich immer wieder über das geringe Ansehen der Osteopathie erstaunt.

Die Wenigsten wissen weder, worum es dabei geht, noch sind ihnen die fantastischen Dinge, zu denen sie in der Lage ist, bewusst.

Die Osteopathie und die osteopathische Manipulation wurden von Andrew Taylor Still (1828 – 1917) entwickelt, einem Amerikaner in der vierten Generation, mit schottischer Abstammung. Er war ein früher Befürworter des Wahlrechts für Frauen und ein Gegner der Sklaverei. Er kämpfte im Sezessionskrieg für die Nordstaaten und diente ihnen sowohl als Soldat wie auch als Feldchirurg.

Als er jedoch nach Kriegsende zu seiner konventionellen Medizinpraxis zurückgekehrt war, wurde Dr. Still unzufrieden mit der zeitgenössischen Medizin. Diese bestand zu jener Zeit grundlegend aus drei Lehrmeinungen: Homöopathie, Allopathie und der eklektischen Medizin.

Die Homöopathie, durch Dr. Samuel Hahnemann (1755 – 1843) begründet, basiert auf der Vorstellung, dass Krankheiten durch Verabreichung kleinster Dosen von Medikamenten, die bei den Patienten die gleichen Symptome hervorrufen wie die Krankheiten selbst, geheilt werden können.

Allopathie bleibt die bis heute am häufigsten angewandte Form der Medizin. Zu Dr. Stills Zeit waren Allopathen bezüglich des Kurierens von Krankheiten für ihr elementares Vertrauen in die Arzneimittel bekannt.

Die eklektische Lehre wurde, wie ihr Name schon sagt, aus vielen anderen Lehren zusammengesetzt, locker gehandhabt und unregelmäßig praktiziert.

Dr. Still war mit allen diesen Ansätzen unzufrieden, und er stand insbesondere der Begeisterung des neunzehnten Jahrhunderts für Arzneimittel skeptisch gegenüber. Stattdessen erforschte er die Möglichkeit einer Behandlungsmethode, die auf körpereigenen und natürlichen Selbstheilungskräften beruht. Dr. Still beobachtete, dass wenn er eine Krankheit bei einem Patienten entdeckte, er auch Störungen an dessen Bewegungsapparat vorfand. Er vermutete die Ursache in einer Dysbalance im Kreislauf- und Nervensystem. Sein Lösungskonzept bestand folglich in einer manuellen Manipulation des Körpers, um einen einwandfreien Kreislauf wieder herzustellen. Dr. Still war überzeugt davon, ein wertvolles Instrument als Hilfe für die Menschheit entdeckt zu haben, und er nannte es Osteopathie, nach den griechischen Wortstämmen osteon (Knochen) und pathos (Leiden).

Als noch wenige Leute seine Theorien akzeptierten, wurde Dr. Still sein eigener Missionar. Er reiste in den 1870ern und 1880ern quer durch Amerika, um seine neuen Techniken zu demonstrieren. Schließlich hatte er genügend Fürsprecher gewonnen, um die American School of Osteopathy in Kirksville, Missouri, zu gründen. Dieses College gewährte den akademischen Grad des Doktors der Osteopathie (DO), im Gegensatz zu dem allopathischen Doktor der Medizin (MD). Das war 1892. Hauptsächlich durch Mundpropaganda begann die Osteopathie von diesem Zeitpunkt an zu florieren.

Während der ersten zwei Jahrzehnte des zwanzigsten Jahrhunderts begann man, die bis dahin in Amerika im Grunde genommen unbeaufsichtigte medizinische Ausbildung einer genauen Überprüfung zu unterziehen.

Und nachdem die allopathischen Ärzte zur politisch mächtigsten Fraktion gewachsen waren und sich in der einflussreichen American Medical Association (AMA) vereint hatten, drängten ihre Lehren bald alle anderen in den Hintergrund.

Insbesondere kämpfte die AMA gegen ihren führenden Rivalen, die Osteopathie, welche die allopathischen Ärzte als Quacksalberei bezeichneten. Schließlich gelang es ihnen die Osteopathie fast gänzlich zu unterdrücken.

Zu einer ihrer Taktiken gehörte zu verkünden, wenn es Osteopathen gestattet sei, während des ersten Weltkrieges für das Militär zu praktizieren, würden die allopathischen Ärzte sämtliche Dienste ablehnen.

Eine ähnliche Strategie wurde ebenso während des zweiten Weltkrieges angewandt, wenngleich sich diese Haltung ironischerweise als günstig für die Osteopathie erwies.

Denn die Praxen der Zurückgebliebenen florierten.

Viele Amerikaner, die sonst möglicherweise niemals mit der Osteopathie in Berührung gekommen wären, probierten sie in der Abwesenheit der Ärzte aus und wurden erfolgreich behandelt.

Dennoch kämpfte die Osteopathie noch immer gegen zahlreiche staatliche Gesetze an, die entweder ihre Anwendung einschränkte oder sie gar verbot.

Die zweite Hälfte des Jahrhunderts war der Osteopathie wohlgesonnener. Trotz andauernden Widerspruches seitens der AMA begannen die Staaten nach und nach die Osteopathie zuzulassen; inzwischen sind alle 50 Staaten diesbezüglich einig, und es wurden zahlreiche osteopathische Hochschulen gegründet, die unter der Gerichtsbarkeit der staatlichen Ausschüsse stehen. Im Jahre 1969 – 70 eröffnete Michigan das erste staatliche College für Osteopathie; 1972 gründete der Staat Oklahoma das College of Osteopathic Medicine and Surgery, und bald darauf wurden etliche weitere Schulen unter der Schirmherrschaft der staatlichen Regierungen eingerichtet. Gegenwärtig praktizieren ca. 30.000 Osteopathen in Amerika, mehr als doppelt so viel wie noch vor 25 Jahren. Die Studenten können eine von fünfzehn Schulen für Osteopathie besuchen, deren Lehrplan jenem ihrer allopathischen Kollegen ähnelt, mit dem Unterschied, dass die meisten Studenten darüber hinaus manuelle Techniken erlernen.

Heute haben die allopathischen und die osteopathischen Kräfte Frieden miteinander geschlossen, und man kann in vielen Krankenhäusern beide Arten von Ärzten Seite an Seite miteinander arbeiten sehen.

Und tatsächlich ist mir aufgefallen, dass fast alle meiner Patienten von Ärzten und weniger von anderen Osteopathen überwiesen werden.

Heute glauben zu viele Ärzte daran, dass der Körper aus Tausenden zusammenhanglosen Systemen besteht. Sie agieren wie auf einer Baustelle, wo sich der Zimmermann beim Einbau eines Dachsparrens weigert, die Lage von Kabeln zu verändern, um sie nicht falsch zu verlegen. Er muss einen Elektriker rufen.

Mit der allopathischen Medizin verhält es sich gleichermaßen. Kränkelt das Herz, überweist einen der Internist zum Kardiologen. Liegt das Problem im Magen, geht man zu einem Gastroenterologen. Aber diese Ärzte schauen nicht auf den gesamten Körper, und deswegen übersehen sie häufig die wahre Ursache des Problems.

Osteopathen bevorzugen eine ganzheitliche Betrachtungsweise. Wir glauben, dass jeder menschliche Körper aus vielen „Körpern“ zusammengesetzt ist, so wie der Körper der Blutgefäße, der Körper des Nervensystems, der Körper der Muskulatur, der Körper des Knochengerüstes und so weiter und so fort. Alle diese Körper sind grundsätzlich miteinander verbunden und man kann nicht in einem von ihnen gesund sein, ohne es in allen anderen auch zu sein. Das Herzstück der Osteopathie ist der Glaube, dass das Wohlergehen vom Erhalt des einwandfreien Verhältnisses zwischen den verschiedenen Körpersystemen abhängig ist.

Daher konnte ich jenem besagten Mann helfen, der zu mir kam, damit ich mir sein krankes Herz ansehen sollte. Es war aber nicht sein Herz, das die Beschwerden verursachte.

Und „helfen“ ist ein Schlüsselbegriff. Ein Osteopath glaubt, dass der Körper die Fähigkeit hat, sich selbst zu heilen. Wir erledigen alle diese Arbeit nicht selbst. Wenn wir fertig mit unserer Arbeit sind, übernimmt der Körper das Kommando.

Auch wenn Osteopathen und Mediziner1 viele vergleichbare Behandlungsmethoden wie beispielsweise Arzneimittel, Röntgenstrahlen und Chirurgie anwenden, behandeln wir Osteopathen den menschlichen Körper darüber hinaus mit unseren Händen in einer Weise, die Dr. Still Manipulation2 genannt hat.

Jenen Teil des Körpers, den wir behandeln, bezeichne ich als Knochengerüst (obwohl dieser Tage viele Menschen ihn Bewegungsapparat nennen). Er besteht aus Knochen, Muskeln, Sehnen, Gelenken und Geweben. Dieses System bildet den Stützapparat für den übrigen Körper. Wenn man ein Haus baut, müssen die Dachsparren fertig gestellt und stabil sein, bevor das Dach gedeckt werden kann. Ebenso kann man sich ohne ein gut abgestimmtes, kräftiges Knochengerüst keiner guten Gesundheit erfreuen, denn Defekte in dieser Struktur haben Auswirkungen auf die natürlichen Funktionen des Körpers.

Wie reagiert der Körper aber nun auf osteopathische Manipulationen? Die manuellen Techniken stimulieren den Fluss der zerebrospinalen Flüssigkeit, welche die Oberfläche des Gehirns und des Rückenmarks umspült. Sie steigern auch die Körperatmung, wobei mehr Sauerstoff in den Blutstrom gelangt, und regen die Verdauung an, wodurch die Energie viel effizienter in den Körper gelangt. Osteopathische Techniken stellen somit die Balance zwischen Verdauung, Atmung, Kreislauf und Gehirnfunktionen wieder her.

Wahrscheinlich war der Hauptgrund dafür, dass ich Osteopath wurde, den allopathischen Ärzten zu beweisen, dass sie einen Fehler begangen hatten, als sie mir die Zulassung auf ihrer medizinischen Schule verweigerten. Die Fakultät der University of Louisville, gegenüber von jenem Flussufer des Ohios, an dem ich aufwuchs, hatte versprochen mich aufzunehmen, falls ich einen Kurs in organischer Chemie belegen würde. Und so tat ich dies. An meinem letzten Kurstag schickte mich mein Professor jedoch zum Dekan der medizinischen Ausbildungseinrichtung. Ich kam in sein Büro, er bat mich Platz zu nehmen, redete ein bisschen um den heißen Brei herum und teilte mir schließlich mit, dass er glaubte, ich würde einen viel besseren Zahnarzt abgeben als einen Arzt.

Bis heute habe ich nicht herausgefunden, wie er zu diesem Schluss gekommen war, aber ich wusste, dass damit gemeint war, ich wäre nicht mehr länger an dieser Schule willkommen.

Diese Ablehnung war schmerzlich, aber ein paar Jahre später erzählte mir ein Freund, der zuvor die Kansas City School of Osteopathic Medicine besucht hatte, von Dr. Stills Fachgebiet und seiner Philosophie. Kurz entschlossen packte ich meine Sachen und erschien zwei Wochen nach Kursbeginn in Kansas City.

Das Lehrerkollegium schaute in meine Akte und alles, was sie dazu sagten, war, dass ich den Kurs in organischer Chemie nicht zu belegen bräuchte.

Zu dieser Zeit legte das Kansas City College besonderes Gewicht auf die Entwicklung der sensiblen Palpation, welche die Studenten benötigen um die osteopathischen Techniken geschickt auszuüben.

Um uns dabei zu helfen, nahmen unsere Professoren menschliche Knochen, wickelten sie in Decken ein und übergaben uns das Bündel.

Wir wurden aufgefordert zu beschreiben, was wir erfühlten, ohne dabei hineinzusehen. So entwickelten wir die Fähigkeit, mit unseren Händen dasjenige im Körper zu erspüren, was die Osteopathen als Läsionen oder Störungen bezeichnen.

Diese Art von Training bestimmte einen erheblichen Teil unserer Ausbildung. Zum Zeitpunkt meiner Ausbildung absolvierten die medizinischen Ärzte 3.800 Stunden und die Osteopathen 4.200 Stunden. Diese zusätzlichen Stunden wurden der Vermittlung osteopathischer Techniken gewidmet.

Meine Klassenkameraden und ich haben oft miteinander geübt. Ich war ziemlich robust, aber wir lernten sehr schnell vorsichtig zu sein, sobald wir eine derart mächtige Technik anwandten. Eines Tages probierte ein Klassenkamerad eine bestimmte Technik an meiner linken Schulter aus und löste damit bei mir eine schreckliche Grippe aus. Es stellte sich heraus, dass er fälschlicher Weise die Lymphbahnen zu meinem linken Lungenflügel blockiert hatte.

Bei einer anderen Unterrichtsübung nahmen wir ein menschliches Haar, legten es auf ein leeres Blatt Papier und legten ein weiteres Blatt darüber. Es durften sich weder Schrift noch Linien, die uns führen konnten, auf dem Blatt befinden. Dann wanderten wir mit allen Fingern über das Papier, bis wir jene kleine Erhöhung, die das Haar verursacht hatte, ertasten konnten. Und sobald wir dazu mit allen zehn Fingern in der Lage waren, legten unsere Professoren ein weiteres Blatt Papier auf das andere und wir übten weiter und weiter, bis es nicht mehr weiter ging.

Mein Ruf, jemand zu sein, der die geringste Unebenheit durch Papier hindurch erspüren konnte, wuchs, bis ich eines Tages eine Vorlesung im Krankenhaus von Tucson, Arizona, hielt. Ein Arzt unter den Zuhörern zupfte der Dame, die neben ihm saß, ein Haar aus ihrem Kopf – ich konnte sehen, wie sie zusammenzuckte, als er das tat – und kam dann hoch zum Podium. Er legte das Haar unter achtzehn Blatt Papier und forderte mich vor dem Publikum auf, es zu erfühlen.

Nun, natürlich gelang es mir, aber ich konnte Zeit meines Lebens nicht herausfinden, warum er sich nicht ein Haar von seinem eigenen Kopf gerupft hatte.

Ich habe niemals damit aufgehört diesen Tastsinn weiter zu entwickeln. Heute sind meine Hände sensibel genug um festzustellen, wo ein Knochen vor Dutzenden von Jahren gebrochen sein könnte. Ich lasse nur meine Hand an der Extremität herunterwandern, bis ich einen kleinen rauen Vorsprung fühle, einen Widerstand in der Muskulatur und das aufgelagerte Kalzium, das sich bei der Heilung des Knochens geformt hatte.

Nach meiner Promotion in Kansas City kam ich zum Praktizieren nach Ohio. Mit den Jahren sah ich Tausende von Patienten im Alter von drei Tagen bis zu fünfundachtzig Jahren. Jetzt, wo ich meine zehnte Dekade beginne, bevorzuge ich es ausschließlich mit jungen Leuten zu arbeiten. Das liegt nicht daran, dass ich sie lieber mag, obwohl ich das Strahlen eines Kindes doch sehr genieße. Stärker wiegt, dass ich einfach nicht mehr das körperliche Stehvermögen habe, um Tag für Tag mit Erwachsenen zu arbeiten. Erwachsene strahlen weniger Energie aus als Kinder; während man ihnen alles gibt, geben sie nur wenig zurück, was verursacht, dass ich mich erschöpft fühle. Kinder, die mehr ausstrahlen, absorbieren meine Energie nicht so sehr.

Als ich meine Praxis eröffnete, konnte ich die osteopathischen Techniken noch nicht so oft ausüben, wie ich gerne wollte. Da die meisten allopathischen Ärzte im Zweiten Weltkrieg in Übersee dienten, musste ich zwischen achtzehn oder zwanzig Stunden am Tag arbeiten, in denen ich alles Mögliche tat um jedem zu helfen, der mich brauchte. Zu alledem hatten wir nicht genügend Ärzte um den Bedarf der Patienten zu decken. So mussten wir behandeln, wenn uns ein Patient rief, egal zu welcher Tageszeit.

Als die anderen Ärzte nach dem Krieg zurückgekehrt waren, ließ ich mich als Osteopath in Cincinnati nieder. In den ersten drei Monaten schaute überhaupt niemand bei mir vorbei. Ich saß einfach nur da, wartete und las Dutzende von Büchern. Dann besuchte ein Prediger aus der Nachbarschaft den Herrensalon gegenüber und fragte den Barbier, was er über mich wüsste. Dieser erwiderte, dass er überhaupt nichts über mich wisse.

Daraufhin kam der Prediger herüber und stellte sich mir vor. Wir wurden bald Freunde und verbrachten einige Abende zusammen in den Lokalen auf der anderen Seite des Flusses in Kentucky. Der Prediger schien die Tür für meine Praxis zu öffnen, denn dank seiner Empfehlungen hatte ich nie wieder Zeit für mich selbst. Schließlich nahm ich zu viele Patienten an und musste sie einem Assistenzarzt übergeben, mit dem ich die Praxisräume teilte.

Zweifelsohne war das Highlight meiner Karriere die positive Reaktion meiner Patienten. Jede Woche erhalte ich Karten und Briefe von Menschen, die für meine Arbeit dankbar zu sein scheinen. Nichts kann mir ein besseres Gefühl verschaffen als die Gewissheit, dass die Leute, die ich betreut habe, diese Leistung anerkannt haben.

In den Jahren des politischen Kampfes der Osteopathie um offizielle Anerkennung begann unser Metier der allopathischen Medizin nachzueifern. Die Argumentation dafür könnte die gewesen sein, dass die Chancen auf Anerkennung stiegen, wenn die Osteopathen den Medizinern ähnlicher wären. Und vielleicht war diese Strategie sogar erfolgreich.

Aber ich glaube, dass die Meinen den falschen Weg einschlugen, denn die Osteopathen begannen ihre manuelle Ausbildung abzuwerten, und von den Studenten wurde nicht mehr gefordert so versiert in ihnen zu sein, wie wir es sein mussten, als ich die Schule besuchte.

Heute ändert sich dies. Die Osteopathie hat sich etabliert und viele Studenten wenden sie an, da sie ihre Hände benutzen wollen, um mit dem Körper in dieser effizienten Weise zu arbeiten.

Das Erfreulichste für mich ist, dass so viele junge Ärzte zu den Wurzeln ihres Berufstandes zurückkehren wollen und lieber ihre Hände benutzen um die Patienten zu behandeln, als ihnen Arzneimittel zu verschreiben.

Natürlich denken nicht alle Osteopathen so wie ich. Doch finde ich es ermutigend, dass es heute vor allem die Jungen sind, die mir höchstwahrscheinlich beipflichten werden.

Ich glaube, dass die Osteopathie eine große Zukunft hat. Denn das Universum folgt bestimmten Gesetzmäßigkeiten, die zusammengenommen eine Philosophie begründen. Auch die Osteopathie hat eine Philosophie, die diese universalen Gesetze widerspiegelt. Als Osteopath zu arbeiten, bedingt die Anwendung dieser Gesetze auf die Menschen. Dies befähigt einen Osteopathen, sich bis in die verborgensten Ursachen eines medizinischen Problems zu vertiefen. Das vorliegende Buch wird versuchen, etwas von dieser Philosophie darzulegen.

Abgesehen von der Philosophie ist Osteopathie auch eine Kunst. Die Kunst ist die Fertigkeit oder die Fähigkeit gewisse Handlungen auszuführen.

Und Osteopathie ist eine Wissenschaft. Wissenschaft ist eine systematisierte Kenntnis der Natur und ihrer physikalischen Gesetze.

Der osteopathische Berufsstand ist wie ein Saatkorn gewachsen. Zuerst hat es seine Wurzeln im Erdboden – in der Gesellschaft – verankert. Dann hat es den Erdboden aufgebrochen – die staatliche Anerkennung erlangt. Der Keim des Saatgutes ist gerade durch den Boden gebrochen. Jetzt ist die Zeit der Osteopathie gekommen um zu reifen und aufzublühen. Denn ihre Philosophie, Kunst und Wissenschaft basieren auf der Förderung der Gesundheit, der Verhinderung von Krankheiten und einer natürlichen Herangehensweise an den Patienten.

Ich bin überzeugt, dass die Osteopathie ihre volle Blüte im einundzwanzigsten Jahrhundert erreichen wird.

– 2 –
Eine kurze Darstellung des Universums

Das stoffliche Universum ist derart miteinander verbunden, dass es eine Einheit bildet. Seine verschiedenen Anteile sind so voneinander abhängig wie unsere eigenen Lebensfunktionen. Keine einzelne von ihnen kann in Mitleidenschaft gezogen werden, ohne den gesamten Körper zu beeinflussen. Deswegen sind die Menschen nicht bloß Bürger dieser Welt, sondern des ganzen Universums mit seinen ganzen Anteilen, den sichtbaren und auch den unsichtbaren.

Um unsere Gesundheit verstehen zu wollen, müssen wir uns ein grundsätzliches Verständnis der Welt um uns herum aneignen. Nur wenige Menschen erkennen, wie sehr die Natur und ihr eigener Körper tatsächlich miteinander interagieren. Und das, obwohl den meisten von uns die Studien bekannt sind, die zeigen, dass der zu- und der abnehmende Mond eine prinzipielle Rolle in dem 28-tägigen Menstruationszyklus der Frau spielt. Ebenso beeinflusst uns das Ansteigen und Abfallen des Barometers.

Gerade jetzt, während ich dieses schreibe, bläst ein Sturm über die Ebene hier in Ohio, und gleichzeitig fällt es mir schwerer zu atmen und mein Geist wird immer müder. Ein fallendes Barometer wirbelt meine innere Chemie auf und tonisiert meinen Organismus.

Welchen Nutzen kann man aus dem Wissen über unsere Verbindung mit dem Universum ziehen? Zum einen verstehen wir, wie die Natur funktioniert, wir wissen sie mehr zu würdigen, und eine höhere Anerkennung der Natur führt zu einem besseren Verständnis unseres eigenen Ortes in ihr, welches wiederum zu einem umfassenderen Verstehen unserer Gesundheit führt.

Ein Geschäftsmann würde vielleicht entgegnen: Das ist ja alles gut und schön, aber ich möchte einfach nur Geld verdienen. Darauf würde ich antworten: Wirst Du das Geld mitnehmen oder wirst Du es zurücklassen? Das, worüber ich spreche, ist etwas, das Du mitnehmen wirst.

Das Lebensfeld

Nach mehr als einem halben Jahrhundert des Lesens, Debattierens, Fragens und des Überlegens bin ich der festen Ansicht, dass den menschlichen Körper etwas umgibt, was ich das Lebensfeld nenne. Dieses Lebensfeld durchdringt den physischen Körper durch und durch und reicht sogar um viele Zentimeter darüber hinaus. Um sich vorzustellen wie es wohl aussehen mag, könntest Du an eine farbige Aura denken, die den Körper umgibt. Sie könnte grün, rot oder gelb sein – oder irgendeine andere Farbe haben, das hängt ganz von dem Einzelnen ab.

Mir ist gesagt worden, dass mein eigenes Lebensfeld einen bläulichen Farbton hat, was nahe legt, dass ich eher eine heilende als eine spirituelle Person bin. So jemand hätte wohl eine violette Aura.

Wäre das Feld sichtbar, würde es einem menschlichen Schatten gleichen, sein Umriss würde den Kopf umgeben, sich um die Schultern herum ausbreiten und enger um die Taille werden. Es würde sich die Beine herunter zu den Füßen verjüngen.

In mancherlei Hinsicht könnte man das Lebensfeld als die andere Körperhälfte ansehen. Der räumliche Teil ist der Anteil, den wir üblicherweise für das stoffliche menschliche Wesen halten, wohingegen die andere Hälfte dieses unsichtbare Feld darstellt.

Früher konnten die Forscher dieses Feld nur einen halben Zentimeter vom Körper entfernt ausmachen, doch neueste Experimente ergaben, dass es sich weiter als 75 Zentimeter ausbreitet.

Dieses Lebensfeld führt dem physischen Körper die Lebenskraft zu und versorgt Dich mit Deinem spirituellen Geist. Wann immer Du eine Beeinträchtigung oder eine Verletzung spürst, manifestiert das Lebensfeld seinen Schock durch eine Verringerung der Energie im physischen Körper. Dieses Defizit kann, wenn man es nicht aufhält, zu Dysfunktion, Erkrankung und letztendlich zum totalen körperlichen Zusammenbruch führen; wenn jedoch das Defizit entdeckt und wieder ausgeglichen worden ist, kann der Körper zu seinem verlorenen gesunden Zustand zurückkehren.

Das deutlichste Zeichen für ein unharmonisches Lebensfeld ist Dein eigener Gesundheitszustand. Je schlechter dieser ist, desto schlechter geht es Deinem Feld.

Erstmalig erfuhr ich von diesem Lebensfeld durch die Arbeit von Dr. Harold Saxon Burr, ehemals Professor für Neuroanatomie an der Yale University School of Medicine. Er fand heraus, dass der menschliche Körper von Energie in Form von Elektrizität durchströmt und umgeben ist.

1935 erdachte er sich ein Experiment, in dem er Spannungsmesser an einem Pfirsichbaum vor seiner Küche anbrachte. Dies erlaubte ihm, die elektromagnetische Aktivität aufzuzeichnen, die in dem Baum und um ihn herum stattfand.

Er verkabelte noch zwei weitere Bäume, die etwa 75 km voneinander entfernt standen, und beobachtete sie viele Jahre hindurch.

Durch seine Untersuchung entdeckte Dr. Burr, dass jeder Baum von einem elektromagnetischen Feld umgeben ist und dass dieses Feld deutlich auf den Lebensweg des Baumes reagiert. Wenn der Baum blühte oder das Laub abwarf, veränderte sich die Spannung, und sie reagierte auf bedeutende Wetterumschwünge, auf das Wandern der Sonnenflecke, den zu- und abnehmenden Mond genauso wie auf Regen, Schnee, Graupelschauer und Hagelstürme. Alle diese Naturgewalten beeinflussten das elektrische Spannungspotential der Bäume. Mal verringerten, mal steigerten sie es.

Dr. Burr fand auch heraus, dass die Spannung eines der Bäume, der zu verkümmern begann, stetig und beständig abfiel, bis sie den Nullpunkt erreichte. Das war der Moment, in dem der Baum starb.

Auch andere Pflanzen reagierten auf diese verschiedenen kosmischen Kräfte mit Schwankungen in ihren elektrischen Spannungsbildern. Daher war Dr. Burr überzeugt, dass der menschliche Körper ebenso auf dieselben Kräfte reagieren muss. Das führte ihn zu Versuchen, die seine Theorien bestätigten. Bei seinen nachfolgenden Forschungsergebnissen kam heraus, dass das elektrische Spannungsfeld einer Frau während des Eisprunges dramatisch ansteigt. Dr. Burr fand auch heraus, dass sich die menschliche Stromspannung während des Ablaufes eines Krankheitsprozesses verändert und dass einige dieser Veränderungen schon in erheblichem Umfang auftreten, bevor die Krankheit überhaupt klinisch erkannt werden kann.

Basierend auf seinen Forschungsergebnissen stellt Dr. Burr fest: „Wo auch immer sich Leben befindet, da findet man auch elektrische Eigenschaften.“

Folglich ist das Lebensfeld ein elektrisch geladenes Feld mit einer hohen Frequenz. Dr. Burr sprach darüber immer als das „organisierende Feld“ des physischen Körpers und behauptete, dass das Lebensfeld sogar noch vor dem physischen Körper selbst entsteht, mit der Aufgabe, die Atome und Moleküle eines heranwachsendes Organismus an die für sie vorgesehenen Orte und Stellen zu führen.

In gewisser Hinsicht bildet die elektromagnetische Matrix eine Gussform, die schließlich mit Materie gefüllt wird, was zu einem greifbaren, materiellen Körper führt. Beide, sowohl der materielle Körper als auch das Feld haben ihre eigenen „Gehirne“, aber das Gehirn des Lebensfeldes ist nicht mit dem physischen Gehirn vergleichbar. Es besteht eher aus einem organisierenden Muster, das die Struktur eines Organismus erhält und auch die neuen Zellen des Körpers – diejenigen, welche die Zellen ersetzen, die regelmäßig in uns absterben – anleitet, wohin sie im menschlichen Körper gehören. Wie sollten sonst die Zellen wissen, wo sie hingehören, in die Leber, in die Muskulatur oder in die Lunge?

Die Lektüre von Dr. Burrs Arbeit und über das Lebensfeld brachte mich dazu, einiges von dem Wissen, das ich mir in der Schule angeeignet hatte, in Frage zu stellen. Damals in den frühen 40er Jahren hatte ich die Ehre, bei einer Lesung über dieses Lebensfeld anwesend zu sein, die Dr. Leonard Ravitz, einer von Dr. Burrs Assistenten hielt. Dr. Ravitz war so freundlich, die Apparate aus Yale mitzubringen, die Dr. Burr benutzt hatte um das Lebensfeld zu untersuchen. Dies gab mir die Gelegenheit, diese Arbeit aus erster Hand kennenzulernen.

Dr. Ravitz lud jeweils vier von uns in sein Hotelzimmer ein, in dem er seine Apparate aufgebaut hatte. Er schloss die Instrumente an unseren Zeigefinger an und tauchte sie in eine Salzlösung ein. Er zeigte uns an den Messgeräten, wie sich die Spannung veränderte – und dass jeder von uns eine unterschiedliche elektrische Spannung besaß.

Eine der Messungen, die Dr. Burr und Dr. Ravitz während ihrer Versuche miteinander verglichen hatten und die Dr. Ravitz uns nun enthüllte, war der Spannungsunterschied zwischen der rechten und der linken Hand. Wenn ein Individuum ausgeglichen ist, wird die Spannung in beiden Händen gleichermaßen auf beiden Seiten erfasst, wie bei einem Wechselstrom.

Das war bei uns Vieren, die wir uns vor fünf Jahrzehnten in diesem Hotelzimmer befanden, der Fall.

Hätte sich die Spannung der beiden Seiten, in welcher Art auch immer, voneinander unterschieden, hätte es einen bevorstehenden Krankheitsprozess aufdecken können. In etwa so, als würde man zwei elektrische Kabel aneinander halten und sie sprühen eher Funken als dass sie ein Licht entzünden, was auf ein Problem in dem Schaltkreis der Kabel hinweist.

Ich war bei diesen Demonstrationen wie vom Donner gerührt. Meine Ausbildung hatte mich davon überzeugt, dass sich alle Antworten in den Standardtexten über Anatomie, Physiologie und Pathologie befanden. Ich hatte keinen Platz für solch neues Gedankengut. Aber wenn etwas so sonderbar Anmutendes auftaucht, wäre es – trotz der Versuchung, der Sache aus Bequemlichkeit keinen Glauben zu schenken – eine bessere Alternative, sich der Möglichkeit zu öffnen, dass Deine Überzeugungen zu Recht in Frage gestellt werden.

Und wenn weitere Betrachtungen nur dazu dienen, die Richtigkeit der neuen Informationen zu belegen, ist es an der Zeit sie anzunehmen, auch wenn das eine Veränderung Deiner Weltanschauung bedeutet. Irgendetwas in meinem Inneren sagte mir, dass diese Erfahrung auf den eigentlichen Weg für mein Lebenswerk hindeutete. Und dieser entpuppte sich tatsächlich als äußerst erfolgreich.

Jenseits der westlichen Welt ist der Begriff der Lebensenergie schon seit Tausenden von Jahren anerkannt. Die Chinesen nennen es das Chi, die Japaner nennen es Ki und die Hindus Prana. Unglücklicherweise haben wir in Amerika keinen passenden Ausdruck dafür.

Lange Zeit schenkten nur wenige Menschen Dr. Burrs Experimenten Glauben, da sie sich erheblich von den konventionellen wissenschaftlichen Erkenntnissen unterschieden. In der Tat, wäre Dr. Burr nicht der Herausgeber des Yale Journal of Biology and Medicine, wäre er wahrscheinlich nicht in der Lage gewesen überhaupt irgendein Forum zu finden, genauso unwahrscheinlich wäre es, dass eine andere medizinische Fachzeitschrift seine Arbeit veröffentlicht hätte. Doch in dem letzten Jahrzehnt wurde auf diesem Gebiet viel Forschungsarbeit betrieben, und jetzt hat das Feld sogar einen Namen: energetische Medizin.

Viele andere haben dieses Lebensfeld erforscht, darunter Dr. Valerie V. Hunt, während sie in den achtziger Jahren an der University of California in Los Angeles gewesen ist. Ihre Forschungsergebnisse besagen, dass der komplette Körper tatsächlich ein elektromagnetisches Feld sein könnte. Dr. Hunt arbeitete mit einem Tänzer in einem speziellen Raum, der so ausgestattet war, dass sein magnetisches Feld vermindert und sein elektrisches Feld abgesenkt werden konnten und umgekehrt. Immer wenn das magnetische Feld abnahm, bewegte sich der Tänzer hektisch, zerstreut und unkoordiniert. Der Einfluss des übrigen ihn umgebenden elektrischen Feldes erzeugte beim Tänzer eine neurologische Störung und eine Desorientierung im Raum. Wurde das magnetische Feld jedoch angehoben, wurden die Bewegungen des Tänzers koordinierter.

Heute ist der Nutzen der Elektrizität als diagnostische Hilfe allgemein anerkannt; der weit verbreitete Einsatz von üblichen Gerätschaften wie dem EKG und dem EEG sind Bestätigungen einiger Ideen von Dr. Burr.

Doch jetzt muss die Medizin das volle Potential der Arbeit Dr. Burrs anzapfen, um zusätzliche Befindlichkeiten voraussagen und diagnostizieren zu können.

Es gibt einige, die glauben, dass man viele der Phänomene in lebenden Organismen als simple physikalische und chemische Vorgänge betrachten kann. Der Biologe behauptet, was noch unerklärlich geblieben ist, werde eines Tages bekannt sein, wenn wir nur mehr über die biologischen Abläufe lernen.

Der Chemiker, dem es nur um die chemischen Prozesse geht, glaubt wenn wir erst in unserer chemischen Bildung fortgeschritten sind, werden wir verstehen.

Der Physiker freut sich auf weitere Entdeckungen im subatomaren Bereich.

Leben ist für diese Leute ein interessanter Spielplatz für molekulare Strukturen.

Aber es gehört mehr zum Leben als bloße Mechanismen, denn diese Erklärungsansätze sind niemals vollständig. Ihnen fehlt jenes entscheidende Element: das Lebensfeld, die kreative Kraft des Universums.

Ein Beispiel: Ich habe einen Stuhl vor mir stehen und ich kann versuchen die Elemente zu analysieren, aus denen der Stuhl zusammengestellt worden ist. Die Hersteller rundeten das Holz ab um die Beine zu bauen, anderes Holz wurde so geformt, dass ich bequem darauf sitzen kann. Zum Schluss wurde der Stuhl so zusammengefügt, dass er nicht zusammenbricht, wenn er mein Gewicht aushalten muss. Letztendlich wissen wir jedoch recht wenig darüber, wie das Holz, welches den Stuhl repräsentiert, an den Anfang des Entstehungsprozesses gelangte. Die Wissenschaftler können uns heutzutage keine Antwort liefern und vielleicht werden sie dazu niemals in der Lage sein.

Die Lebenskraft

Das Lebensfeld, welches den Körper einhüllt und umgibt, besteht aus elektromagnetischer Energie. Diese Energie existiert auch innerhalb des Körpers in einer Form, die ich die Lebenskraft nenne.

Meine Auffassung von dieser Lebenskraft geht nicht aus komplexen metaphysischen oder philosophischen Doktrinen hervor. Sie basiert auf simplen Beobachtungen und einem alltäglichen Verstehen, vollkommen zugänglich für jedermann, und es ist etwas, das mir meine jahrelangen Erfahrungen mit Patienten sagen, es ist die Wahrheit.

Der bedeutende Psychoanalytiker Wilhelm Reich beschrieb einst die Wahrnehmung der Lebenskraft als ein prickelndes Gefühl. Nach zahlreichen Untersuchungen kam Reich zu der Überzeugung, dass diese Energie nicht nur im Inneren des menschlichen Organismus existiere, sondern auch außerhalb von ihm, in Form von kosmischen Kräften.

Dr. Burr und Reich haben unter anderem über die Lebenskraft geschrieben, aber sicherlich ist ein Grund, warum ich an ihre Existenz glaube, dass ich in meiner Praxis mehr und mehr auf sie angewiesen war.

Ohne meine Kenntnis über die Lebenskraft hätte ich den Leuten einfach nicht helfen können.

Aufgrund meiner Erfahrungen mit den osteopathischen Techniken sind meine Hände mit den Jahren derart empfindsam geworden, dass sie spüren, ob diese Energie ungehindert durch den Körper fließt oder ob sie blockiert ist.

Viele Leute haben mich gefragt, wie sich die Lebenskraft unter meinen Fingern anfühlt. Es gibt keine Worte um dieses Empfinden zu beschreiben. Das Beste, was ich machen kann, ist zu fragen ob Du jemals Deinen Körper prickeln gespürt hast. Das kommt dem nahe, was ich fühle, genau wie Reich es beschrieben hat. Wenn ich meine Hände über einen Patienten mit einer gesunden, pulsierenden Lebenskraft laufen lasse, fange ich dasselbe Prickeln in meinen Händen auf. Wenn meine Finger jedoch eher stecken bleiben als zu gleiten, dann ist der Körper statisch und die Lebenskraft ist blockiert.

Manchmal hatte ich Patienten, in denen ich kaum etwas von der Lebenskraft fühlen kann. Ich bezeichne diese Leute als leer, denn so fühlen sie sich für mich an: Die Lebenskraft fließt nicht und deshalb spüre ich ein Ziehen, wenn ich meine Hand über ihre Körper laufen lasse, und meine Hand will nicht über einen gewissen Punkt hinaus weiter gleiten. Ein großer Teil des Flusses der Lebenskraft wird durch den Bewusstseinszustand beeinflusst. Wie ich später noch erklären werde, kontrolliert der Geist den Körper, und daher können die emotionalen Reaktionen des Individuums den körperlichen Anteil anspannen oder blockieren. Solche Menschen lassen sich lieber von ihren Instinkten als von ihrer Ratio leiten.

Zu anderen Zeiten berühre ich Patienten, deren Körper derart vor Lebenskraft übersprudeln, dass ich mich in ihrer Gegenwart ganz aufgekratzt fühle. Unglücklicherweise kommt dies aber nur selten vor.

Jeder Mensch mit ausreichend sensiblen Händen kann dieses magnetische Feld fühlen. Denjenigen, die diesen Sinn entwickeln möchten, empfehle ich die Art und Weise, in der ich es lernte. So wie ich immer noch junge Ärzte ausbilde: Lege ein Haar unter eine Seite Papier und lasse die Finger langsam darüber laufen, bis Du das Haar erfühlen kannst. Diese Methode wird alle Nervenfasern in den Fingern stimulieren. Es hat sogar bei einem Studenten gewirkt, dessen Hände einst so rau waren wie die eines Bergarbeiters. Er führt jetzt eine sehr erfolgreiche pädiatrische Praxis in Tucson.

Hier ein Beispiel, wie ich mit der Lebenskraft meiner Patienten interagiere. Vor kurzem sah ich einen Mann Anfang Fünfzig, der in schrecklicher körperlicher Verfassung war. Lustlos, arbeitsunfähig, bereit zu sterben. Er hatte bereits etliche Mediziner konsultiert und trotz wiederholter Untersuchungen konnte keiner die Ursache seiner Problematik lokalisieren. In Ermangelung einer Lösung schickten sie ihn in ein Krankenhaus; dort entschied man, das Problem könnte in seiner Gallenblase liegen, und deshalb wurde diese entfernt.

Aber die Gallenblase war nicht die Antwort. Der Gesundheitszustand des Mannes verschlechterte sich zusehends, und da die Ärzte nicht mehr weiter wussten, schickten sie ihn nach Hause. Nicht lange danach rief der Mann mich an und fragte mit ganz dünner Stimme, ob ich ihn empfangen könnte. Obwohl ich zu diesem Zeitpunkt normalerweise nicht mehr mit Erwachsenen gearbeitet habe, war er dermaßen am Ende, dass ich mich verpflichtet fühlte, ihn zu behandeln.

Während der Behandlung bat ich ihn, mir von allen Unfällen, die er in seiner Vergangenheit erlebt hatte, zu erzählen. Denn durch die Untersuchung seines Körpers kam ein Trauma in der Rippengegend ans Tageslicht. Er antwortete, einigermaßen erstaunt, dass er siebzehn Jahre zuvor, als er eine Straße an einem steilen Hügel hinauffuhr, mit einem ihm entgegenkommenden Fahrzeug zusammengestoßen war.

Ich wusste sogleich, dass der Schock dieses Unfalles immer noch in seinem System steckte und er die Lebenskraft in dieser ganzen Zeit eingeschlossen hatte; daher verfiel der Mann langsam.

Ich behandelte ihn etwa zehn Minuten lang. Direkt danach sagte er, er könne starke Energie durch seinen Körper rauschen fühlen. Nach ein paar Minuten konnte er sich selbstständig vom Tisch erheben. Innerhalb der nächsten halben Stunde stand er auf, sichtlich das Werk der Lebenskraft genießend.

Wenn ein Autounfall, wie jeder andere Unfall auch, Dich Deinen Atem anhalten lässt, bedeutet das eigentlich, dass Du den Energiefluss durch Deinen Körper blockierst. Bei vielen kehrt dieser Fluss niemals ganz zurück.

Neulich kam ein anderer Patient zu mir, nachdem er Symptome entwickelt hatte, die sein Arzt als Vagotonie (dauerhafte Verschiebung des vegetativen Gleichgewichts) diagnostizierte. Dies verursacht ein Gefühl ähnlich dem eines Herzinfarktes. Er hatte in einem Sessel gesessen und ferngesehen, als er plötzlich, ohne Vorwarnung, einen schrecklichen Schmerz in seiner Brust fühlte. Sein Arzt hatte ihn sofort in die Notaufnahme geschickt, aber keiner konnte irgendein Problem diagnostizieren.

Als er sich auf meinen Behandlungstisch gelegt hatte, begann ich ihn zu untersuchen. Ich konnte sofort spüren, nur indem ich seine Fußknöchel berührte, dass sich nur wenig Leben in seiner linken Seite befand. Ich stellte ihm meine Lieblingsfrage: Waren sie jemals als Kind in einen Unfall verwickelt? Der Mann antwortete, dass er einen Unfall hatte; sein linkes Bein war gebrochen und die Ärzte hatten es operiert.

Da liegt ihr Problem, sagte ich. Wir begannen nun das fibröse Gewebe, welches sich im Behandlungsgebiet gebildet hatte, aufzubrechen, und wir harmonisierten sein Becken, indem wir sein linkes Hüftgelenk ein wenig entlasteten. Es stellte sich heraus, dass das Narbengewebe in der Muskulatur die Lebenskraft in seiner linken Seite blockiert hatte. Dies führte aufgrund einer geringen Verkrümmung der Wirbelsäule zu einer Stauchung, welche eine Kompression jener Nerven bewirkte, die das Herz versorgten.

Nachdem wir fertig waren, atmete der Mann tief und lang ein. Ich schickte ihn mit ein paar Übungen nach Hause, die seine Atmung wieder verstärkten, und von diesem Tage an erlitt er nicht einen einzigen Rückfall.

Seit Anbeginn der Geschichte hat jede Zivilisation danach gestrebt, die spirituelle Seite des Lebens zu erklären. Diese Bemühungen haben zu unterschiedlichen Ergebnissen geführt, von einem Pantheon der anthropomorphen Götter zu der Verehrung der Urnatur oder eines einzigen, großen Gottes.

Meiner Meinung nach ist das Spirituelle in der Welt die universelle Quelle dieser kosmischen elektrischen Energie, diese Lebenskraft, die uns alle am Leben erhält.

Ich halte es für gut möglich, dass diese universale Lebenskraft ein anderer Name für Gott, oder den universellen Schöpfer sein könnte. Und daher glaube ich, dass Gott in allen von uns existiert, verkörpert in dieser Energie. Den meisten Menschen von heute wurde beigebracht zu glauben, dass Gott eher ohne sie als in ihnen selbst existiert. Ich halte das für falsch.

Wenn Du glaubst, dass Gott in Dir ist, wirst Du sicherlich anfangen, viel besser auf Deinen Körper zu achten, denn Dein Körper ist wahrhaftig Dein Tempel.

Schwingungen

Nichts steht still. Alles schwingt. Alles, auf manch subtile Weise, bewegt sich. Was bringt das Korn dazu aus der Erde zu schießen, wenn Du die Saat gepflanzt hattest? Wie kommt ein Huhn aus seiner Eierschale? Alles ist schwingungsfähig.

Jedes lebende Ding pulsiert mit dem Fluss der elektrischen Lebenskraft, die das Universum durchdringt. Diese Schwingung kann man nicht sehen, aber man kann sie spüren, mit seinen Händen, mit seinen Fingern. Ich habe mich bis zu dem Punkt entwickelt, an dem ich diese Schwingung sogar spüren kann, wenn ich meine Hände an irgendeinen Baum lege, auf Hunde und Katzen und, natürlich, auf den menschlichen Körper.

Die meisten Leute verstehen das Konzept der Schwingungen an Hand eines Farbspektrums, in dem jede Farbe nach ihren Schwingungen aufgeteilt ist. Jeder Schüler einer High School, der einen Grundkurs in Naturwissenschaften abgelegt hat, hat Kenntnisse über die Farben des Regenbogens und weshalb Rot und Violett sich an entgegengesetzten Enden des Spektrums befinden. Schwingungen verursachen außerdem Töne, Musik und Worte. In der Tat ist jede menschliche Resonanz von schwingender Natur.

Wir reagieren auf die meisten Schwingungen oder, wie ich vorziehe, wir nehmen die Arbeit von Mutter Natur mit unseren Sinnen wahr – Sehen, Schmecken, Riechen, Hören und Tasten. Aber jeder von uns reagiert auf diese Schwingungen ganz individuell, denn wir sind in unserer Sensitivität ihnen gegenüber verschieden. Deine Beurteilung einer wundervollen Aussicht könnte ganz unterschiedlich zu meiner ausfallen. Vielleicht bist Du ja ein kleines bisschen empfindsamer als ich es bin und kannst eine höhere Schwingung aufnehmen, die verursacht, dass Dir die Farben intensiver erscheinen als mir.

Die Farbe Rot mag für Dich anders aussehen als für mich, so wie zwei Personen die gleiche Musiknote anders hören könnten. Dies bewahrheitet sich sogar in Gesprächen. Wir hören nicht immer die gleichen Worte auf die gleiche Weise, nicht aufgrund ihrer Interpretation, sondern aufgrund der Schwingung. Ebenso schmecken wir durch Schwingung. Und so wie Du zum Beispiel Süßes schmeckst, so ist es nicht unbedingt das Gleiche, wie ich es schmecke.

Diese Schwingungen können ebenso zu Problemen führen, genau wie zur Freude, wenn unsere Wünsche diesem Bild entsprechen. Ein wunderschönes Lied dringt in Dein Bewusstsein durch Schallwellen ein und Du magst es so sehr, dass Du Dich dazu entscheidest, es besitzen zu müssen. Solche Schwingungen zu hören, stimuliert eine Sehnsucht in Deinem Bewusstsein, und manchmal kann diese Art des Begehrens ziemlich ungesund sein. Eine Aufnahme des Liedes ist leicht zu erstehen, aber was ist, wenn es ein Schokoladenkuchen ist, der Dich anzieht, oder gar ein Goldbarren? Dies mögen verlockende Schwingungen sein, aber es könnte nicht immer klug sein, ihnen nachzugeben.

Schwingungen beeinflussen die Gesundheit eines Menschen ebenfalls. Wenn ich mit Patienten gearbeitet habe, die sich im Laufe der Anwendung geöffnet haben, begannen ihre Körper zu prickeln. Dies bedeutet, dass sich das Lebensfeld des Patienten mit dem materiellen Körper ausgleicht, und sie spüren diese Schwingung.

Jeder befindet sich immer in Schwingung, aber wenn ein Teil des Körpers nicht richtig schwingt, fließt die Lebenskraft nicht reibungslos. Das sind die Momente, in denen ich einen Widerstand im Körpergewebe spüre, wenn ich meine Hand darüber bewege.

Neulich sah ich mir eine junge Frau an, deren Ziel es war, eine professionelle Golferin zu werden. Sie war sehr talentiert, aber eines Tages verletzte sie sich am Handgelenk als sie ihren Golfschläger schwang und der Schmerz wollte nicht nachlassen. Als ihr kein anderer Arzt helfen konnte, kam sie zu mir.

In dem Moment, in dem ich mit ihrer Untersuchung begann, konnte ich den Widerstand auf der ganzen Strecke von ihrer Schulter bis zu ihrer Hand spüren. Dort gab es keinerlei Schwingung, was bedeutet, das etwas mit ihrer Muskulatur nicht in Ordnung war. So setzte ich sie hin, applizierte ein paar osteopathische Handgriffe, befreite ihre Lebenskraft und brachte ihr Handgelenk in seinen Normalzustand zurück. Binnen kürzester Zeit konnte sie zurück auf den Golfplatz gehen.

Alle Menschen schwingen in ihrer eigenen Frequenz. In dem Werk von Dr. Valerie Hunt werden persönliche Frequenzen als Indikator für das körperliche Leistungsvermögen angesehen. Jemand mit einer niedrigen Frequenz kann Karriere als Footballspieler machen oder schwere Fässer heben. Doch jemand mit einer mittleren Frequenz wird einen zierlicheren Körper haben. Seine Stärken liegen im mentalen Bereich und im komplexen Denken.

Eine sehr intuitive Person wird eine sehr hohe Frequenz innehaben. Je höher die Frequenz, desto spiritueller die Person.

Ich erkläre meinen jungen Patienten immer wieder, dass es nicht an der Zeit ist Leichtathletik zu praktizieren, wenn ihr Körper nicht zu der Sorte gehört, die mit dem Stress umgehen kann. Ich habe niemals verstanden, warum solche Leute stets darauf beharren, harte Sportarten auszuüben.

Wenn Deine Schwingungen gut sind, bist Du gesund. Wenn Dein Schwingungsgrad niedrig ist, machst Du gerade einen Krankheitsprozess durch. Es ist zu schade, dass so wenige Leute ihre optimale körperliche Schwingungsrate erkennen können. Ich war immer der Ansicht, dass die beste Methode dies zu erreichen die Meditation ist. Weil sie den Geist beruhigt und einen mit dem inneren Rhythmus in Berührung bringt (siehe Kapitel 5). Aber die meisten sind nicht bereit, regelmäßig zu meditieren.

Ein anderer Weg, den Grad Deiner Schwingungen zu prüfen, ist natürlich, einen guten Osteopathen zu besuchen.

Atmung

Die Menschheit ernährt sich nicht vom Brot allein, sondern auch durch das Atmen. Das Brot, das in den Magen gelangt, ernährt die Muskeln und das Blut, wohingegen der Atemzug, der in die Lunge gebracht wird, das Nervensystem ernährt.

Ein Leben wird vom Atmen bestimmt: Du tust Deinen ersten Atemzug, sobald Du geboren bist, und den letzten in dem Moment, in dem Du stirbst.

Der Nahrungskreislauf dauert 24 Stunden. Dies entspricht dem Verdauungszeitraum der Nahrung vom Eintreten bis zum Verlassen Deines Körpers. Der Atemkreislauf oder die „Verdauung“ von Luft dauert etwa drei Sekunden.

Atmung ist das Hilfsmittel, durch das Du mit dem Universum in Verbindung stehst: Ohne den Atem gäbe es kein Bewusstsein. Die Atmung bildet und erneuert die Struktur des physischen Körpers, und sie erhält eine Balance zwischen dem Baumaterial und den Abfallstoffen aufrecht, die andernfalls nicht abgebaut werden können.

Du kannst die essentielle Bedeutung der Atmung anhand der Tatsache beurteilen, dass Du einige Wochen ohne Nahrung überleben kannst, ohne Flüssigkeit ein paar Tage, aber ohne Luft kannst Du nur ein paar Minuten lang leben. Du kannst auch vorübergehend das Bewusstsein verlieren, wie im Tiefschlaf oder unter Narkose, aber Du kannst nicht aufhören zu atmen solange Du lebst.

Die Atmung ist die einzige Lebensfunktion, die trotz ihrer Unabhängigkeit von Deinem normalen Bewusstsein, dennoch willentlich gesteuert werden kann.

Im Gegensatz dazu hast Du nur ganz wenig Einfluss auf Deine Verdauungsprozesse oder auf das Schlagen Deines Herzens, auf den Kreislauf Deines Blutes, auf den Energiefluss in Deinen Nerven, die Abläufe von Assimilation, Sekretion etc.

Atmen ist anders. Es wird andauern, auch wenn Du Dir dessen nicht bewusst bist und gleichzeitig, wenn Du einen tiefen Atemzug nehmen willst, kannst Du das ganz bewusst tun.

Das bedeutet, dass Du die Fähigkeit hast, mit der Intelligenz Deines Bewusstseins Deine Atmung zu steuern, um mehr von der Lebenskraft in Deinen Körper aufzunehmen.

Atmung stellt für Dich die beste Möglichkeit dar, den höchst wichtigen Fluss der vitalen Lebenskraft in Deinem Körper und in Deinem Leben zu regulieren und zu maximieren.

Fähigkeit und Verantwortung – Du schuldest es Dir selbst richtig zu atmen. Ich werde Dir erklären wie.

Jeder einzelne Deiner Atemzüge besteht aus vier Anteilen: dem physischen Atemvorgang, der Form der Atmung, dem Lebenshauch und dem Lichtatmen.

Die Mehrheit der Leute bewegt beim Atmen ihr Diaphragma und nimmt Luft auf, aber das ist es auch schon. Der physische Atemvorgang ist den Menschen am besten vertraut; er erhält den physischen Körper und gibt Dir die Möglichkeit aktiv zu sein.

Der zweite Anteil des Atmens, die Form der Atmung, hilft die Struktur des Körpers zu erhalten, sie bedingt die Struktur des Körpers. Wenn Du schlecht einatmest, könnten zum Beispiel Deine oberen Rippen nach vorne gebogen werden und Du könntest daraus einen Haltungsfehler entwickeln. Ich habe Hunderte von Kinder gesehen, deren Körperhaltung sich drastisch verbesserte, nachdem sich ihre Rippen durch eine osteopathische Anwendung geöffnet hatten.

Der dritte Anteil des Atmens ist der Lebenshauch, der Leben in den Körper bringt. Er fließt mit Deinem ersten Atemzug, den Du als Baby tust, in den Körper ein und hilft dabei, den Körper sein ganzes Bestehen lang mit Leben zu erfüllen.

Du kannst dieses Atmen in den Augen einer anderen Person sehen: es gleicht einem Leuchten, das von innen ausgestrahlt wird. Personen, die sehr viel Leben in sich haben, strahlen es immer aus, und das kommt durch den Lebenshauch.

Schließlich gibt es den Lichtatem, den ich den Atem nenne, der die Seele ernährt. Diese Energie ist Teil der spirituellen Kraft, der universellen Energie, und sie fließt mit jedem Atemzug in Deinen Körper hinein.

Natürlich nimmt jeder etwas Luft zu sich, aber Du solltest alle vier angeführten Anteile zu Dir nehmen, damit der gesamte Körper richtig arbeiten kann, und die einzige Möglichkeit das zu tun, ist tiefes, volles Atmen. Mit anderen Worten, obwohl Du nicht sehen kannst, wie diese vier Atmungen in Deinen Körper hineinfließen, so tun sie es doch immer, wenn Du einatmest, vorausgesetzt Du atmest richtig und tief.

Um zu sehen, ob Du richtig einatmest, halte einen Spiegel unter Deine Nase und beobachte den feuchten Niederschlag, der sich auf der Oberfläche des Spiegels bildet, wenn Du ausatmest. Wenn eine gleich große Menge davon unter jedem Nasenloch erscheint, atmest Du höchstwahrscheinlich richtig.

Während eines Tagesablaufes atmet eine Durchschnittsperson annäherungsweise 28.000 Mal. Bei genauer Beobachtung wirst Du herausfinden, dass jeder dieser Atemzüge dem Verstand einen neuen Gedanken zuführt oder einen alten Gedanken in eine neue Richtung lenkt. Bei einem angemessenen Atemzug stimuliert der Lebenshauch die Gehirnzellen und hilft somit den Geist zu erhellen.

Wenn Dein physischer Körper gestresst worden ist und Du Dich erschöpft fühlst, kannst Du durch tiefes Inhalieren durch die Nase, Anhalten der Luft für eine paar Sekunden und anschließendem plötzlichen Ausstoßen selbiger ebenfalls durch die Nase Deine unerwünschten Gefühle aus Deinem Körper loslösen und ihn in einen Zustand der Balance und des Wohlbefindens bringen.

Merke: Versuche immer durch die Nase zu atmen und nicht durch Deinen Mund, denn die Luft muss die Geruchsnerven kontaktieren um Dein Gehirn zu stimulieren und es in seinen natürlichen Rhythmus zu bringen. Wenn Du nicht durch die Nase atmest, bist Du in gewissem Sinne nur halb lebendig.

Wie eine Person atmet, so ist diese Person.

Zu Zeiten, in denen eine Person schlecht atmet, deutet dies auf einen schlechten Gesundheitszustand hin und auf wenig Energie. Dies bewahrheitet sich insbesondere nach einem Trauma, welches die Lebenskraft blockiert, indem es den Atem davon abhält, richtig durch den Körper zu fließen. (Siehe Kapitel 4)

Für viele ist die Geburt das erste große Trauma. Der Säuglingskörper nimmt für die Geburt eine kompakte Form an, und nach einer sanften Geburt, wenn das Baby seinen ersten gesunden Atemzug getan hat, wird der Körper reorganisiert und entfaltet.

Unglücklicherweise ereignet sich dieser Prozess bei vielen Geburten nicht richtig und der Körper dehnt sich nie richtig aus, was ihn empfänglich für Unausgeglichenheit und Verformung macht.

Die Leute schädigen den Atmungsprozess auch durch physische oder psychologische Traumata, welche einen Schock verursachen, der die meisten von uns dazu bringt, die Luft anzuhalten und einzuschließen. Ich glaube, dass dieses vielleicht mehr als jeder andere Faktor bedingt, dass ein derartiger Schock einen traumatischen Effekt zur Folge haben kann. Wenn die Atmung blockiert ist, ist Deine Lebensenergie in dem Moment, in dem Du sie am meisten brauchen würdest, geschwächt. Dieses Trauma führt zu einem andauernden Muster anormaler Reaktionen, welches in den Körper sickert, dort bleibt und sich negativ auswirkt.

Also je freier das Atmen, desto geringer die Auswirkungen eines Traumas.

Schlechtes Atmen kann auch zu schlechten Leistungen und sogar zu Lernunfähigkeiten bei Kindern führen.

Wenn der Atemzug nicht tief genug geht und nicht gänzlich das Diaphragma erreicht, werden die Gifte, die sich im Blut befinden, nicht über den ausgehenden Atem ausgeleitet. Dies kann eine Menge Probleme im Gehirn auslösen, denn seine Funktionen sind abhängig vom Erhalten einer sauberen Blutzufuhr.

Lerne tief und gut zu atmen – probiere die Übungen in Kapitel 8 aus – und am allerwichtigsten, atme auf eine liebevolle Art. Wenn wir alle zusammen atmen, werden wir eins in Gedanken und Sein.

Gedanken sind Substanz

Das Lebensfeld ist ein Netz aus Energieströmen, mit Bahnen aus Licht und Kraft, und es sendet Farben aus, abhängig von Deiner spirituellen Entfaltung.

Darüber hinaus verändert sich das Feld immer dann, wenn Du Deine Gedankenmuster veränderst oder Du emotional gerührt wirst.

Wenn Du Dich zum Beispiel allzu sehr einem Gedankenmuster, durchtränkt mit hoch emotionalem Inhalt, hingibst, wird dieses Gedankenmuster in Dein Lebensfeld eingeschlossen. Das wird eine Reaktion in Deinem physischen Körper verursachen, so wie ein Plumpsen auf die Schultern, eine Stauchung des Beines oder ein Ziehen des Augenmuskels.

Wenn diese Muster über einen längeren Zeitpunkt andauern, werden sie chronisch und dauerhaft in die Form des Körpers integriert.

Eines der Experimente, durchgeführt von Dr. Ravitz, Dr. Burrs Assistenten, bestand darin, Patienten zu hypnotisieren und ihnen einen einfachen Gedanken zu implementieren. Dr. Ravitz fand heraus, dass diese eingeprägten Gedanken die Stromspannung des Lebensfeldes drastisch veränderten. Er fand auch heraus, dass gewisse Geisteshaltungen in Menschen, die bei vollem Bewusstsein sind, sowie die Entwicklung eines unausgesprochenen Gedankens oder einer Vorstellung die Stromspannung ebenfalls beeinflussen.

Mit anderen Worten, Deine Gedanken haben physische Konsequenzen. Daher solltest Du auf Deine Gedanken achten und aufpassen, wie Du Dich diesen Gedanken gegenüber verhältst.

Ein Beispiel: Vor kurzem kam eine junge Mutter mit ihrem fünfjährigen Kind, das unter merkwürdigen Beschwerden litt, die kein Arzt lindern konnte, zu mir.

Immer, wenn die Eltern das Kind [ein Junge] auf einen Spaziergang mit nach draußen nahmen, riss er sich los, lief zu Fremden hin und biss diese.

Bevor ich mit meiner Untersuchung begann, fragte ich die Mutter, ob irgendwelche körperlichen oder emotionalen Traumata während ihrer Schwangerschaft stattgefunden hatten. Sie verneinte. Die Mutter wusste nur, dass das Kind, seitdem es laufen konnte, Leute gebissen hat.

Aber nachdem wir uns eine Weile unterhalten haben, offenbarte sie mir, dass sich zwei Selbstmorde in der entfernten Verwandtschaft zugetragen haben, kurz bevor das Kind geboren wurde.

Mir war klar, dass sich sein Beißen aus der emotionalen Reaktion der Mutter auf die Selbstmorde ergab. Das Kind mochte die Gedanken seiner Mutter nicht, und die Wut und der Schmerz befanden sich immer noch in ihm.

Durch die Behandlung des Knochengerüstes des Jungen beseitigten wir den Schock und lockerten sein Rückgrat.

Als die Behandlung beendet war, stieg der Junge vom Behandlungstisch, krabbelte auf den Schoß seiner Mutter und schlief ein. Soweit ich weiß, hat er nie wieder jemanden gebissen.

Einige schwangere Frauen seien gewarnt, dass sich ihre Gedanken, so wie die des Vaters, auf das Kind auswirken (siehe Kapitel 6). Es ist für beide, Mutter und Vater, absolut natürlich, während einer Schwangerschaft alle Arten von negativen Gedanken zu haben – niemand kann neun Monate lang bedrückende, unerfreuliche Momente abwehren. Doch Eltern, die während einer Schwangerschaft besonders schwerwiegende psychische oder emotionale Traumata erlitten haben, sollten gewarnt sein, dass die sich daraus ergebenden Gedanken im Kind etabliert sein könnten. Sie produzieren physische oder psychische Symptome ohne ersichtliche Beziehung zu ihrem Ursprung, die aber behandlungsbedürftig sein könnten. Eltern von Kindern mit unerklärlichen, wiederkehrenden Symptomen sollten über die Zeit der Schwangerschaft nachdenken, um zu sehen, ob irgendwelche dauerhaft negativen Gedanken für den gegenwärtigen Zustand verantwortlich sein könnten.

Neben einer osteopathischen Untersuchung ist eine weitere Empfehlung um Kindern zu helfen, die Verwendung von Kinderreimen und Schlafliedern. Durch Singen des Singsangs, den Rhythmus der Verse wie „Rock-a-Bye, Baby“ können die Eltern dabei helfen, den Rhythmus der Lebenskraft in das Kind zurückzugeben.

Eine andere Form von Gedanken, das Begehren, kann auch eine Krankheit entstehen lassen.

Mal angenommen, Du hast das Verlangen etwas zu bewerkstelligen, und Du hegst dieses Verlangen über eine gewisse Zeit, nährst und schürst es, bis sich eines Tages etwas ereignet, was Deine Pläne durchkreuzt. Diese Störung kann die Chemie Deines Körpers durcheinander bringen und Du könntest einer Erkrankung für ein oder zwei Tage erliegen oder Dich so krank fühlen, dass Du zu Bett gehen solltest, ob Du nun willst oder nicht. (Oftmals unterlassen dies gerade jene Leute, die nach einem Dämpfer eigentlich auf ihren Körper achten sollten. Sie glauben, dass es wichtiger sei zu arbeiten als sich auszuruhen, denn ihr Begehren besteht darin Geld zu verdienen und dem Boss zu gefallen. Selbst wenn sie zu Hause bleiben, können sie sich nicht entspannen und sie tun alles, außer ruhig liegen zu bleiben.)

Sagen wir mal, ein Teenager wünscht sich ein neues Auto. Vielleicht war die Erwartungshaltung des Jungen ein Jahr lang sehr groß und er malte sich in dieser Zeit aus, wie das Auto wohl aussehen würde, wie sehr er es genießen wird, es zu fahren und was seine Freunde denken werden. Aber dann sagt der Vater „nein“, er kann dem Jungen kein Auto kaufen. Entweder akzeptiert der Junge die Entscheidung seines Vaters, was selten vorkommt, oder er begibt sich in einen depressiven Zustand. Warum will sein Vater ihn nicht dieses Auto haben lassen? – fragt er sich immer wieder in seinen Gedanken. Indem er das tut, stört er allmählich die Balance in seinem Nervensystem. Solche Prozesse können ein Leben lang anhalten. Ich habe öfters Patienten, die über Wehwehchen klagend ankommen, aber wenn ich sie dazu bringe, sich zu öffnen, beginnen sie die Gedankenmuster zu begreifen, die in der Kindheit begonnen haben, werden sich klar darüber, wie eng ihre Krankheit mit den alten Mustern verknüpft ist, die sie niemals durchbrochen haben, die Themen, mit denen sie sich niemals befasst haben. Erst wenn dieses geschehen ist, besteht eine gute Chance, dass sich ihr Gesundheitszustand verbessert.

Ich wünschte, ich könnte sagen, dass ich vielen Beispielen begegnet wäre, in denen dieser Prozess anders abläuft, indem die Leute in der Lage wären ihre Körperchemie durch positive Gedanken zu korrigieren.

Ich bin ihnen nicht begegnet. Aber ich tröste mich selbst mit dem Gedanken, dass es solche Leute gibt, aber sie haben einfach keinen Grund mich zu konsultieren, da sie ja wissen, wie sie sich um sich selbst kümmern.

Wann immer Du glaubst, Dein Körper habe Energie abgegeben, beobachte die Leute, die versuchen ihre Ansichten mit ihren Händen verständlich zu machen. Sie übertragen ihr Lebensfeld um Deines zu beeinflussen. Das ist im Grunde genommen das, was ein guter Verkäufer tut. Und da die Mehrheit ihrer Kunden nicht die Sensibilität hat, das Feld bewusst zu erfühlen, schreiben diese Verkäufer oft ihre Aufträge nieder, bevor irgendjemand weiß, wie ihm geschieht.

Es ist unerlässlich den Geist in einem Zustand von Balance und Kreativität zu halten. Wir erlernen nicht die Ausgeglichenheit des Geistes zu steuern, weil wir von Kindheit an trainiert werden, unser Gehirn eher für analytische, alltägliche Prozesse zu benutzen als für Kreativität.

Wir leben in einer Gedankenwelt. Man lebt durch seinen Geist, nicht durch seinen Körper. Der Geist kreiert die Wirklichkeit. Jeder Missklang oder jede Disharmonie, denen im Bewusstsein zu existieren gestattet wird, wird wahrscheinlich eine unglückselige Auswirkung auf den physischen Körper haben.

Vor etwa einem Jahr kam eine sehr niedergeschlagene 32-jährige Frau zu mir, die über Schmerzen im unteren Rückenbereich und eine Schwere in ihrer kompletten Hüftregion klagte. Ich bat sie sich an irgendein traumatisches Erlebnis in ihrer frühen Kindheit zu erinnern, und nach einigem Zögern berichtete sie schließlich eine traurige Geschichte von sexuellem und physischem Missbrauch, welcher stattgefunden hatte als sie acht Jahre alt war.

Im Verlaufe ihrer Untersuchung fand ich heraus, dass ihre Lebenskraft in ihrer Hüftregion blockiert war und nicht in die Beine herunter fließen konnte. Dort fühlte sich ihr Körper wie ein Stein an, ein Ergebnis des Missbrauchs. Wir arbeiteten etwa zwei Monate an ihrer Hüfte und es lief gut; ihre Schmerzen waren nur noch minimal und sie begann ihr Leben wieder zu genießen.

Bevor sie sich vollständig erholt fühlen konnte, ereignete sich jedoch ein Todesfall in ihrer Familie. In der Aussegnungshalle warf die Frau einen Blick auf den Körper des Verschiedenen – der Mann, der sie missbraucht hatte – und alle ihre Symptome stürzten wieder auf sie ein, bevor sie ihr zu Hause an diesem Abend erreichte. In ihr befanden sich immer noch die Gedankenmuster – Erinnerungen, Seelenqualen – eingeschlossen innerhalb des Nervensystems, den Fluss der Lebenskraft blockierend.

In der nächsten Woche kam sie zu mir und mit etwas mehr Arbeit waren wir in der Lage ihren Körper von ihren Blockaden zu befreien, dieses Mal vielleicht für immer.

Jeder von uns ist eingekleidet in seine Gedanken und die Qualität und die Beschaffenheit unserer Energien ist aus den Gedankenmustern gewebt, die wir uns ersinnen.

Gedanken sind, in der Tat, Substanz.

Бесплатный фрагмент закончился.

1 172,26 ₽
Возрастное ограничение:
0+
Дата выхода на Литрес:
22 декабря 2023
Объем:
206 стр. 11 иллюстраций
ISBN:
9783941523456
Издатель:
Правообладатель:
Автор
Формат скачивания:

Похожие книги