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Renate Kazempour, Jahrgang 1944, geboren und aufgewachsen in Regensburg, Mutter eines Sohnes, lebt mit ihrem Mann, einem iranischen Arzt, in einer südhessischen Kleinstadt. Seit Jahren schreibt sie für eine Zeitung Reiseberichte und die Kolumne »Tipps vom Fips«, in der sich der Vierbeiner sozusagen von Mensch zu Mensch unterhält.

Renate Kazempour

TIPPS VOM FIPS

Ein Labrador berichtet

Engelsdorfer Verlag

Leipzig

2015

Bibliografische Information durch die Deutsche Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

Copyright (2015) Engelsdorfer Verlag Leipzig

Alle Rechte beim Autor

Hergestellt in Leipzig, Germany (EU)

www.engelsdorfer-verlag.de


Alf und Fips


Neele

INHALT

Cover

Titel

Impressum

Vorwort

Januar

Februar

März

April

Mai

Juni

Juli

August

September

Oktober

November

Dezember

Nachwort

VORWORT

Darf ich mich kurz vorstellen? Mein Name ist Fips. Ich bin ein ziemlich gut aussehender, stattlicher Labrador Rüde im besten Alter und obendrein die wichtigste Institution einer Redaktion. Dort sorge ich erfolgreich für ein harmonisches Miteinander unter den Beschäftigten.

Überdies erlaubt man mir, regelmäßig meinen Senf zu verschiedenen Themen beizusteuern. Man nimmt mich ernst, mein Wort hat durchaus Gewicht, nicht zuletzt deshalb, weil ich oftmals den Finger, pardon, die Pfote in die berühmte Wunde lege.

Außerdem habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, Menschen, die uns Vierbeinern nicht gerade wohl gesonnen sind, eines Besseren zu belehren. Dies ist mir, ohne mich jetzt rühmen zu wollen, bereits das ein oder andere Mal trefflich gelungen.

Wieso ich das weiß? Nun, mein Herrchen liest mir dann stets die dankbaren Reaktionen diverser Leser auf meine offensichtlich sehr geschätzten „Tipps vom Fips“ vor.

Er ist, nebenbei bemerkt, glaube ich mächtig stolz auf mich. Verständlich oder? Damit Sie aber eine Vorstellung von dem haben was genau ich da leiste, begleiten Sie mich am besten durch ein komplettes Jahr. Sie werden bald registrieren, wie tierisch ernst ich meinen Job nehme und wie sehr mir viele Dinge am Herzen liegen.

Ach, und bevor ich es vergesse, ich habe zwei wirklich beste Freunde. Von denen ist, damit es nicht allzu langweilig wird, mitunter auch die Rede, sogar eine recht lustige.

Also dann, los geht’s!

JANUAR

Hallo, meine sehr verehrten Herrschaften,

ich hoffe doch sehr, Sie sind heil rüber gekommen ins „Neue Jahr.“ Dieses Mal konnte man den obligatorischen „guten Rutsch“ genau so wenig wörtlich nehmen, wie die stets heiß ersehnte „White Christmas“. Aber was soll’s. Hauptsache die kommenden zwölf Monate bringen nur Erfreuliches und halten unangenehme Überraschungen möglichst fern. Das möchte ich Ihnen nämlich nochmals von ganzem Herzen wünschen.

Die weiße Pracht kam dann, kaum waren die Feiertage vorbei, über Nacht und zwar heftig. Mir macht das ja überhaupt nichts aus. Im Gegenteil, ich liebe dieses Wetter. Wobei, so habe ich mitbekommen, bei sehr frostigen Temperaturen Hundebesitzer auf ausgiebige Spaziergänge mit ihrem Tier verzichten sollten, denn schon bei minus zehn Grad leiden Ohren und Schwanzspitzen. Vor allem bei starkem Wind sind Erfrierungen vorprogrammiert und die will nun wirklich keiner. Der Auslauf sollte daher bei Kälte auf maximal eine dreiviertel Stunde begrenzt werden. Dafür kann man dann natürlich mehrere Runden über den Tag verteilt einplanen.

Also ich persönlich finde solche Vorsichtsmaßnahmen ehrlich gesagt leicht ätzend, da meine Wurzeln in recht rauen Gefilden zu suchen sind. Labrador, der hohe Nordosten Kanadas ist meine ursprüngliche Heimat, von daher ist meine Rasse ziemlich robust.

Dann natürlich gibt es zart besaitete Wesen, wie beispielsweise meine allerliebste Freundin Neele, deren Vorfahren in Afrika zur Löwenjagd eingesetzt wurden. Kein Wunder also, dass diese „Rhodesian Ridgebacks“ folglich mit dieser Witterung absolut nichts am Hut haben. Das verstehe sogar ich.

Neele hasst diese Jahreszeit aus tiefstem Hundeherzen. Anstatt sich wie unsereins mit Wonne in den herrlich weichen Flockenteppich zu stürzen um sich ausgiebig darin zu wälzen, steht sie mit angezogenem Vorderlauf und eingeklemmtem Schwanz auf drei Beinen und starrt mit Todesverachtung auf die arktische, blendend helle Landschaft. Selbst das, pardon, „Häufchen machen“ wird für sie dann zur schier unüberwindbaren Hürde. „Ich glaube“, so hörte ich einmal ihr Frauchen stöhnen, „ich muss für die sensible Dame bis auf weiteres ein Stück Kunstrasen mitschleppen.“

Allerdings hat so ein strenger Winter, das muss ich gestehen, auch unangenehme Seiten, denn die Ballen an unseren Pfoten können bei längerer Feuchtigkeit und Kälte spröde oder gar rissig werden. Zudem greifen Streusalz und Rollsplitt permanent die Haut an. Bei langhaarigen Genossen bilden sich sogar mitunter Eisklumpen zwischen den Zehen. Auch nicht gerade das Wahre. Diesem Problem kann man natürlich mit entsprechenden Pflegemitteln, die im Fachhandel erhältlich sind, leicht zu Leibe rücken. Hilfreich ist es außerdem, nach längeren Wanderungen die Pfoten in lauwarmem Wasser zu reinigen und anschließend gut abzutrocknen. Aber ich glaube, dieses Prozedere müssen ohnehin die meisten von uns über sich ergehen lassen, da unsere Herrschaften generell keinen Dreck in Haus und Wohnung schätzen, insbesondere wenn er Kilo weise von uns angeschleppt wird.

Nun, während wir uns hier mehr oder minder zu Tode bibbern, herrscht in Australien derzeit richtiger Hochsommer. Der allerdings hat ebenfalls seine Tücken. In Sydney zum Beispiel trug sich einmal das Folgende zu:

Ein Vierbeiner, der in Strand Nähe ausgelassen mit einem Seelöwen (man stelle sich das einmal bildlich vor) spielte, entfernte sich dabei, stets seinem neuen Kumpel folgend, immer weiter vom sicheren Ufer. Sage und schreibe vier Kilometer vor der Küste, fischten schlussendlich Rettungsschwimmer den völlig entkräfteten kleinen Spinner aus dem Wasser und brachten ihn wohlbehalten zu seinem total verzweifelten Herrchen zurück.

Dann schon lieber mit Karacho Schnauze voraus durch Meter hohe Schneeverwehungen baggern, denn wer will schon, was dem Knallkopf ja ohne weiteres hätte passieren können, mit einem Hai Bekanntschaft machen!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen nochmals ein gesundes, friedliches, glückliches, erfolgreiches, zufriedenes und was immer Sie wollen „Neues Jahr“.

Ihr Fips

*

Liebe Leserinnen und Leser,

es ist gar nicht so leicht, sich nach derartigen „Schlemmertagen“, an denen auch ich von meinen Lieben rührend umsorgt wurde, wieder an den schnöden Alltag zu gewöhnen. Genau so wie bei Ihnen, waren auch für mich der Hl. Abend und Silvester die absoluten Highlights, insbesondere kulinarisch gesehen. Allerdings wurde mir letzteres, je später die Stunde, dann doch etwas zu heftig, so dass ich mich irgendwann dem Trubel entzog und in eine stille Ecke verkroch um ein Nickerchen zu machen. Aus dem wurde ich, Sie kennen es ja, um Mitternacht ziemlich unsanft aus seligen Träumen gerissen.

Ehrlich gesagt, habe auch ich mich noch nicht so richtig an diese Wahnsinnsknallerei gewöhnt. Aber für euch Zweibeiner scheint es tatsächlich kein gutes Jahr zu werden, wenn ihr nicht wie die Bekloppten eure Raketen und Böller abfeuern könnt. Dabei durchfährt mich jedes Mal aufs Neue der Gedanke, was man mit dem im wahrsten Sinn des Wortes in die Luft geblasenen Geld Gutes tun könnte.

Waisenhäuser und Tierheime unterstützen, Obdachlosen und diversen karitativen Einrichtungen helfend unter die Arme greifen und... und … und. Der Möglichkeiten gäbe es unendlich viele. Aber wie gesagt, da predige ich wohl gegen Wände, da ihr euch um nichts auf der Welt von diesem Ohren betäubenden Brauch trennen wollt.

Was mich persönlich betrifft, arrangiere ich mich zwar mit diesem Höllenlärm so weit es geht, aber wie nicht von der Hand zu weisen, gibt es unzählige verschreckte Wesen, die ganz furchtbar darunter leiden. Mein Kumpel Alf zum Beispiel. Er fällt jedes Mal, sobald das schreckliche Getöse beginnt, vor lauter Entsetzen schier ins Koma. Seine „angeheiratete“ Schwester, meine liebe Neele hingegen, lässt dieser Trubel tatsächlich völlig kalt, was wieder einmal deutlich vor Augen führt, dass die holde Weiblichkeit, so hilfsbedürftig sie manchmal auch scheinen mag, generell härter im Nehmen ist als das so genannte „starke Geschlecht“.

Doch nun bin ich ja völlig vom Thema abgewichen. Zurück zum Alltag. Kaum wieder im Büro, erwartete mich eine außerordentliche Überraschung. Ich wurde nämlich zum „Ober-Redaktions-Hund“ befördert, was für meine Begriffe jedoch nicht sonderlich achtenswert ist, befindet sich außer mir doch kein Schwein, Verzeihung, kein anderer Vierbeiner in diesen geheiligten Hallen. Herrchen aber ist fest davon überzeugt, dass ich mir diesen noblen Titel ehrlich verdient hätte, würde ich doch meine Klappe immer dort aufreißen wo es angebracht ist, mitunter sogar ohne Rücksicht auf Verluste.

Außerdem würdigte er bei dieser Gelegenheit mein unermüdliches Engagement in Sachen Tierschutz – und dass ich immer wieder aufs neue versuche, den Ängstlichen unter Ihnen die Panik vor Hunden generell zu nehmen.

Nun ja, ohne überheblich zu sein, ganz untätig war ich wirklich nicht und meine Aufklärungsarbeit ist mitunter sogar auf fruchtbaren (nicht furchtbaren) Boden gefallen. Mag ja sein, dass ich mich im Eifer des Gefechtes so ab und an wiederhole, aber bestimmte Dinge kann man einfach nicht oft genug erklären.

Ein bissiger Hund beispielsweise ist keinesfalls aggressiv von Haus aus, sondern er wird durch völlig falsche Behandlung oder was viel schlimmer ist, mit Absicht dazu erzogen. Unverantwortlich beides in gleichem Maße.

Jedenfalls war es ein sehr erhabener Moment, als mir mein Herr und Meister in Anwesenheit der gesamten Belegschaft anstelle eines nutzlosen Blechordens, feierlich einen Ring köstlich duftender Fleischwurst um den Hals hängte. Der himmlische Geruch ließ mich derart dahin schmelzen, dass ich seine salbungsvollen Worte nur noch vage vernahm.

Es dürfte sich aber bei meiner Beförderung zum „Ober-Sonst-Was“ um die höchste Auszeichnung handeln, die man in diesem Laden ergattern kann.

Auch wenn ich jetzt aufgrund der ausgiebigen lukullischen Genüsse, die es von allen Seiten aus gegebenem Anlass regnete, ein bisschen träge bin, werde ich mich umgehend wieder voll ins Zeug legen. Dazu fühle ich mich jetzt regelrecht verpflichtet. Schließlich will ich das in mich gesetzte Vertrauen nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Zudem ist es auf Dauer gesehen wirklich mehr als öde, nur faul wie die Made im Speck herum zu liegen. Deshalb auf zu neuen Taten. Aber erst gönne ich mir nach all der Aufregung ein erholsames Nickerchen, das Sie mir sicherlich zugestehen, nehme ich einfach mal an.

Ihr Fips

*

Alf an Fips

Na, mein Alter,

hast du’s auch gut angefangen das neue Jahr? Abgesehen von der dämlichen Knallerei zu Silvester, die mich stets an den Rand des Wahnsinns treibt, verlebten Neele und ich drei wundervolle Wochen in unserem obligatorisch und hinlänglich bekannten Feriendomizil. Unsere Herrschaften fanden es nämlich an der Zeit, sich einmal einen ausgiebigen Luxus – Abenteuer - Urlaub zu gönnen, was uns nur recht sein konnte, wussten wir doch, dass wir aufgrund ihrer Reiselust schon bald wieder maßlos verwöhnt würden.

Aber dann fiel doch ein Schatten auf die ansonsten ungetrübte Idylle unserer Wahlheimat. Ausgerechnet am Heiligen Abend. Ersatzfrauchen und -herrchen ließen uns an besagtem Tag für kurze Zeit alleine, um einen kranken, an den Rollstuhl gefesselten Nachbarn, dessen Ehefrau zu allem Unglück vor kurzem starb, zu besuchen. „Seid schön artig“, bläuten sie uns ein, „wir sind bald wieder zurück.“

Natürlich waren wir brav, bis Neele, es tut mir leid, aber ich muss sie einfach denunzieren, schnuppernd den Kopf hob, sich aus ihrem bequemen Körbchen schälte und zielstrebig in die Küche marschierte. Die Tür der angrenzenden Speisekammer war nur angelehnt. Augenblicklich schwante mir, der ich alarmiert hinter ihr her trottete, nichts Gutes. Bevor ich überhaupt intervenieren konnte, hatte sie sich schon durch den Spalt gezwängt, stellte sich auf ihre langen Hinterbeine und räumte gnadenlos und gezielt ab.

Als erstes plumpste ein frisches, verführerisch duftendes Toskanabrot, gespickt mit saftigen Oliven zu Boden. Dem folgten ein herrlich knuspriges, riesiges „Parisienne Baguette“ und einige leckere Vollkornbrötchen. Bei der pfeilschnellen Aktion riss sie dann, natürlich aus Versehen, ein Tongefäß mit Zwiebeln und Knoblauch aus dem Regal, das sofort in die Brüche ging und in tausend Scherben zersprang. Zwei Gläser mit eingelegten Gurken landeten ebenfalls auf dem Boden und verliehen somit der ganzen Sauerei eine pikante Note.

Ungeachtet all dessen, schleppte sie ihre Beute ins Wohnzimmer, wobei ich solidarisch behilflich war und machte sich, nachdem sämtliche Verpackungen zerfetzt waren, mit Heißhunger und Appetit über die Leckereien her. Hatte ich eine Wahl? Ich kannte dieses Prozedere ja bereits zur Genüge von früher. Außerdem, hätte sie diese gewaltigen Berge alleine vertilgt, wäre sie bestimmt gestorben. Kein Magen, und sei er noch so trainiert, hält solche Fressorgien aus. Ergo opferte ich mich großzügig und futterte tapfer mit. In trautem Einvernehmen mampften wir daher laut schmatzend die Köstlichkeiten und leckten selbst die winzigsten Krümel vom Teppich.

Dann hörten wir sie kommen. Mein Schwesterherz lag kugelrund und völlig erschöpft auf ihrem weichen Kissen, ich verzog mich vorsichtshalber unter den Tisch. Es bedarf natürlich keiner großartigen Fantasie um sich auszumalen, was jetzt folgte.

Ersatzfrauchen war, als sie das Malheur erblickte, zuerst wie gelähmt, dann sichtlich geschockt und schließlich nur noch wütend auf uns „gefräßigen Monster“, aber auch verärgert über ihren eigenen Leichtsinn, die Türe nicht einbruchssicher verschlossen zu haben.

„Damit ihr’s jetzt ein für alle mal wisst“, drohte sie mit erhobenem Zeigefinger, „ab sofort wird gefastet – und zwar lange.“ Zu allem Überfluss zeigte sie uns dann noch zwei riesige, saftige Rinderbeinscheiben, wohl ein Teil unseres Festtagmenüs. „Die“, fuhr sie dann genüsslich fort, „essen wir nun selber.“

Tja lieber Fips, soweit unsere ureigenste Weihnachtstragödie. Ziemlich dumm gelaufen, oder?

Zum Glück ging aber alles gut. Außer unförmig angeschwollenen Blähbäuchen bekamen wir weder Dünnpfiff, noch Darmverschluss, noch kotzten wir (entschuldige bitte die unfeine Ausdrucksweise) unkontrolliert in irgend eine Ecke. Allerdings entgingen uns natürlich etliche Gaumenfreuden, die an solchen Tagen auch für uns eingeplant waren.

Vielleicht kannst du bei unserem nächsten Treffen deiner gierigen Herzensdame einmal ins Gewissen reden, auf mich hört sie nämlich ohnehin nicht. Dass ich gepetzt habe, nehme ich gerne in Kauf angesichts der Tatsache, sie könnte sich ansonsten eines schönen, nicht allzu fernen Tages um den Verstand oder gar ihr Leben fressen.

In der Hoffnung, dass wenigstens dir ein vorzügliches Mahl zuteil wurde, verbleibe ich bis demnächst

dein Alf

P.S: Küsschen von Neele, die ich jetzt heimlich „unsere Fressmaschine“ nenne.

*

Hallo Ihr Lieben,

na, das war ja wohl der Hammer, den meine Freunde sich da leisteten. Aber Strafe muss sein, wenn man dermaßen unbeherrscht ist. Allerdings, und da bin ich jetzt wirklich ehrlich, weiß ich tatsächlich nicht, wie ich mich in einer solchen Situation verhalten würde. Wahrscheinlich hätte ich ebenso selbstlos gehandelt wie mein Kumpel Alf und Neele vor dem sicheren „Überfressungstod“ gerettet. Aber Schwamm drüber.

Apropos Winter. Da fällt mir spontan das Wort „Lawine“ ein, womit wir dann auch schon beim heutigen Thema, nämlich den Rettungshunden wären, die ich aufrichtig bewundere.

Die Ausbildung habe ich mir sagen lassen ist langwierig und erfordert ein überaus sicheres und wesensfestes Tier, bar jeglicher Aggression.

Neben dem am häufigsten zum Einsatz geeigneten „Deutschen Schäferhund“, sind auch durchaus Labrador, Golden Retriever und andere Rassen vertreten. Diese großartigen Geschöpfe werden speziell für Lawinen- und Erdbebensuche ausgebildet, wobei zahlreiche Verschüttete ihrem untrüglichen Geruchssinn und Feingespür tatsächlich das Überleben verdanken. Einfach fantastisch.

Auch im Polizeidienst, beim Grenzschutz und Zoll, kann oder will man ohne uns Vierbeiner nicht mehr auskommen. Und weil wir gerade vom Zoll sprechen, möchte ich Ihnen in diesem Zusammenhang eine echt witzige Begebenheit nicht vorenthalten. Witzig für Sie und mich, für die Beteiligten im ersten Moment wohl weniger.

Also: Bekannte, die kürzlich nach einem stundenlangen Nachtflug in aller Herrgottsfrühe am Frankfurter Flughafen eintrafen, warteten nebst zahlreichen anderen Passagieren auf ihr Gepäck. Während die Leute gähnend auf das noch unbewegliche Förderband starrten, erschienen zwei Uniformierte mit einem Prachtexemplar von Schäferhund, der weithin sichtbar einen „Body“ mit der Aufschrift „Zoll“ trug. Die drei flanierten gemessenen Schrittes durch die Menge. Als unsere Freunde dann nach Ewigkeiten endlich ihre sieben Sachen eingesammelt hatten, strebten sie aufatmend in Richtung „Exit“. Dass man durch diesen dann keinesfalls so mir nichts dir nichts marschieren kann, ist hinlänglich bekannt, erwarten einen dort in der Regel doch ständig Typen vom Zollamt. Gerade als unsere Protagonistin sagen wollte: „Wir haben nichts zu deklarieren“, tippte ihrem Begleiter ein sehr dezent gekleideter Herr auf die Schulter, outete sich als ziviler Zollfahnder und bat das Paar samt Reiseutensilien in einen Nebenraum. Dort wurde umgehend akribisch durchsucht. Die beiden fielen, wie man sich lebhaft vorstellen kann, aus allen Wolken.

Nachdem das Handgepäck durchwühlt war und nichts Anrüchiges zum Vorschein kam, erfuhren sie alsbald den Grund ihrer „Sonderbehandlung“. Sie werden es nicht erraten, auch ich war platt. Der vierbeinige Schnüffler blieb nämlich, mucksmäuschenstill und ohne dass es vor allem irgendjemandem aufgefallen wäre, noch während sie auf ihre Koffer warteten, vor ihrem „Bordcase“ sitzen, den sie neben sich stehen hatten.

„Ich dachte“, sagte unsere Bekannte immer noch leicht geschockt, „dass sich das Tier im Falle einer Ungereimtheit auffällig benehmen würde. Aber nein, das absolute Gegenteil trat ein. Der Kerl gab nicht den leisesten Laut von sich.“

Also liebe Leserinnen und Leser, wenn sie demnächst wieder einmal verreisen sollten, überlegen Sie gut, was Sie alles in Ihre Taschen stopfen, denn selbst harmlose Hustentropfen wie in diesem geschilderten Fall, deren Geruch wohl identisch mit irgend einem Dopingmittel war, können, wie man sieht, zu einer unangenehmen Überraschung führen.

Jedenfalls hat dieser Kamerad, das muss ich hiermit neidlos gestehen, meine grenzenlose Hochachtung.

Bevor ich dieses Mal zum Schluss komme, fällt mir noch etwas Wichtiges ein, das mir wirklich sehr am Herzen liegt. Sollte es bei Ihnen ein Tier als Weihnachtsgeschenk gegeben haben, was ich in der Regel überaus verabscheue, da man ein Lebewesen nicht wie eine x-beliebige Ware handeln und nach Gutdünken verscherbeln kann, bitte, geben sie diesem ein liebevolles, dauerhaftes Zuhause.

Es ist leider eine überaus traurige Tatsache, dass in ständig wiederkehrendem Rhythmus, hunderte von Haustieren im Heim landen, weil sie unüberlegt angeschafft, schnell lästig wurden. Das Fest der Liebe wird somit zum Horrortrip für die armen Geschöpfe. Es tut mir leid, aber ich muss einfach immer wieder auf diese traurigen Umstände hinweisen, in der Hoffnung auf sorgfältiges Abwägen und Vernunft vor einem solchen Schritt.

So, und das war’s aber jetzt wirklich.

Ich grüße Sie bis demnächst

Ihr Fips

*

FEBRUAR

Hallo liebe Freunde,

ich habe es ja tatsächlich geschafft, trotz des noch immer hartnäckigen Winterwetters und Herrchens Stress, Alf und meine heimlich Angebetete zu treffen.

Ich, fein herausgeputzt mit einem nagelneuen, taffen Halsband, sah sie schon von weitem. Alf, der Blödmann schmiss sich erst einmal in Positur und zerrte mit wütendem Knurren an seiner Leine, bis er schließlich beim Näherkommen raffte, wen er da vor sich hatte. Allem Anschein nach ist der Gute leicht schneeblind.

Und Neele? Noch bezaubernder als ich sie in Erinnerung hatte, stand sie unbeweglich vor mir und blickte mich mit ihren sanften, braunen Augen, deren Ausdruck ich beim besten Willen nicht deuten konnte, unverwandt an. Und gerade, als ich sie voller Freude auf das herzlichste begrüßen wollte, drehte sie sich, das Haupt stolz wie eine Königin erhoben, einfach um und zeigte mir die kalte Schulter.

„Was um alles in der Welt hat sie denn“, raunte ich völlig verdutzt meinem Kumpel ins Ohr.

„Keine Ahnung“, kam’s zurück, „Weiber halt. Da siehst du mal, was ich mitunter auszuhalten habe“.

Es wurde dann trotzdem noch ein sehr vergnügliches „Gassigehen“, bei dem wir reichlich Spaß hatten und die anfänglich Unnahbare mehr und mehr auftaute. Soweit der Einblick in meine Privatsphäre.

Und nun Themenwechsel. Wissen Sie eigentlich warum wir Hunde oftmals eine heftige Aversion gegen Postboten hegen? Fragen Sie mich aber jetzt nicht, wie ich ausgerechnet darauf zu sprechen komme. Nun, die Erklärung hierfür liegt quasi auf der Hand, liefert sie uns doch ein plastisches Beispiel für die Kombination von erlernter und angeborener territorialer Aggression. Letztere hat ihren Ursprung in der Verteidigung unseres Eigentums, sprich Haus, Garten, Wohnung etc., die durch den Briefträger, der die Grenze wohl oder übel verletzt, scheinbar bedroht ist. Und da der arme Kerl logischerweise immer wieder verschwindet sobald er seine Pflicht erfüllte, also Briefe, Päckchen und dergleichen auftragsgemäß ablieferte, fühlen wir uns wiederum in unserem Verhalten bestätigt, den Eindringling durch unser Gebaren verjagt zu haben.

An diesem Punkt ist nun zweifelsohne wieder der Hundebesitzer gefordert, indem er uns klar macht, dass der Postmann durchaus erwünscht ist. Dabei müssen wir selbstverständlich für freundliches Verhalten belohnt werden. Im umgekehrten Fall dagegen ist aggressives Benehmen bereits am Anfang konsequent zu unterbinden.

Ich hoffe, sie konnten meinen hochgeistigen, wissenschaftlichen Ausführungen folgen. Dabei gäbe es da einen total simplen Trick. Den hat nämlich unserer drauf. Er bringt mir jedes Mal ein tolles Leckerli mit und somit sind wir zwischenzeitlich gute Freunde geworden. Zur Nachahmung seinen Kollegen wärmstens empfohlen. Ach, soeben klingelt es. Das ist bestimmt Werner unser Briefträger. Mal sehen, was er heute Feines für mich hat.

Also bis demnächst.

Ihr Fips

*

Hallo meine lieben Leserinnen und Leser,

weil ich heute besonders gut drauf bin, erzähle ich Ihnen eine Geschichte, die Sie hoffentlich herzhaft zum Lachen bringt, auch wenn dies mehr oder weniger auf meine Kosten geht. Sie brauchen die Story ja nicht unbedingt an die große Glocke hängen.


Meine liebe Familie flog mit Kind und Kegel nach dem ungeheuren Weihnachtsstress für zwei Wochen ins Warme. Ich durfte dann, genau wie Alf und Neele, in meine sehr vertraute, komfortable „Privathundepension“. Ebenso wie meine beiden Freunde, besitze auch ich ein absolut entzückendes Ersatzfrauchen, das mich maßlos verwöhnt, was ich natürlich bis zum „Geht nicht mehr“ genieße. Dieses Mal begab es sich obendrein, dass ihr „geschätzter Herr Gemahl“ eine etwas längere Geschäftsreise antreten musste, weshalb unserer trauten Zweisamkeit nichts und niemand im Wege stand.

Schon am allerersten Abend durfte mein ausladendes Körbchen an der Seite ihres Bettes stehen, aber auch nur deshalb, weil der „geschätzte Herr Gemahl“ nicht anwesend war. Erschöpft und wunschlos glücklich begaben wir uns nach einem aufregenden Tag mit langem Gassigehen und Spielen relativ früh zur Ruhe. Sie im, ich neben dem Ehebett.

Doch irgendwann erwachte ich plötzlich aus seligem Schlummer und hörte zu meinem Entsetzen „EF“ (steht künftig der Einfachheit halber für Ersatzfrauchen) erbärmlich stöhnen. Alarmiert spitzte ich die Ohren. Was war hier los? Hatte sie vielleicht Schmerzen oder fühlte sie sich einfach nur einsam und verloren auf dem riesigen Nachtlager? Ich tendierte logischerweise zu letzterem. Leise erhob ich mich, schlich geräuschlos auf die andere Seite der Ruhestätte und ließ mich so vorsichtig wie nur möglich in die weichen Kissen sinken. Genüsslich machte ich es mir dann, nachdem alles ruhig blieb, sehr bequem. Es war himmlisch. Auf einer Ebene mit ihr fiel ich alsbald in tiefen Schlummer und federleichte Schäfchenwolken trugen mich ins Hundetraumparadies.

Wie lange dieser Zustand währte, kann ich nicht genau sagen. Jedenfalls riss mich irgendwann ein gellender Schrei unsanft aus meinem Garten Eden. Mit einem Satz war ich hellwach und beugte mich äußerst besorgt über „EF“. Die wiederum stierte mich, ungeachtet meiner Fürsorge, aus glasigen Augen mit irrem Blick an und röchelte schließlich: „Fips geh runter, runter, raus …!“

Da war ich dann doch ein wenig gekränkt. Das hatte ich nun wirklich nicht verdient, war ich doch felsenfest davon überzeugt, sie würde sich furchtbar freuen, nicht mehr alleine auf ihren zwei mal zwei Metern liegen zu müssen. Nun, dem war offensichtlich beileibe nicht so. Ich befürchtete das Schlimmste. Würde sie mich jetzt ebenfalls in den Flur verbannen wie der „geschätzte Herr Gemahl“?

Aber nichts dergleichen geschah. Mein Körbchen blieb erstaunlicherweise da wo es war, nämlich an ihrer Seite. Aber dann, kurz bevor es wieder Zeit für die „Heia“ war, geschah das schier Unglaubliche. Aus einem Abstellraum schleppte Madame im Schweiße ihres Angesichtes eine ca. zwei Meter lange Stehleiter nebst einem wuchtigen Bügelbrett und platzierte diese Ungetüme systematisch auf die derzeit unbenutzte Seite des Bettes. Darüber drapierte sie dann noch kunstvoll sämtliche Sofakissen derer sie habhaft werden konnte.

Ich war wie vom Donner gerührt. Diese schnöde Person errichtete tatsächlich einen Schutzwall, um mich auf Distanz zu halten. Von jenem schicksalsschweren Tag an, schliefen wir zu viert in diesem Raum. Mein wahnsinniges „EF“, die Stehleiter, das Bügelbrett und ich. Am schlimmsten aber war, dass sie mir jedes Mal vor dem „Gute-Nacht-Sagen“ mit diabolischem Grinsen den Kopf tätschelte.

Dann kam was einfach kommen musste. Der „geschätzte Herr Gemahl“ erschien früher als erwartet. Es blieb keine Zeit, die seltsamen Bettgenossen rechtzeitig zu entfernen. Als er diese erblickte, stutzte er zunächst, guckte ein wenig ratlos und etwas verwirrt, um dann in schallendes Gelächter auszubrechen. „Oh nein Fips“, keuchte er schließlich, „wolltest du tatsächlich meine Stelle einnehmen?“

Beschämt und ziemlich gekränkt ob seines unkontrollierten Heiterkeitausbruches, verzog ich mich in eine Ecke. Aus den Augenwinkeln sah ich gerade noch, wie der „geschätzte Herr Gemahl“ immer noch glucksend mein Körbchen wieder sorgsam in den Flur bugsierte. Spätestens hier verehrte Damen und Herren, dürfte Ihnen klar sein, weshalb er für mich nicht mein liebes Ersatzherrchen, sondern eben nur der „geschätzte Herr Gemahl“ ist.

Aber wie bereits eingangs betont, bin ich wegen dieser Episode nicht mehr beleidigt, sondern eher amüsiert und habe zumindest halbwegs eingesehen, Hunde gehören nun einmal nicht ins Menschenbett. Frage: „Wieso eigentlich nicht?“

Bis zum nächsten Mal

Ihr Fips

*

Hi Ihr Lieben,

war es beim letzten Mal noch ziemlich lustig, bin ich heute wütend, äußerst wütend sogar. Ich bin sauer, schrecklich sauer und ich bin in erster Linie traurig, unendlich traurig.

Warum? Herrchen erzählte mir wieder einmal über einen der grausamen, äußerst verabscheuungswürdigen Vorfälle, die leider keine Seltenheit sind.

Unbekannte hatten in der Nacht auf dem Gelände eines Vereines, einem der beiden dort untergebrachten Schafe radikal ein Ohr abgeschnitten. Nur dank der herrschenden Kälte ist das arme Geschöpf nicht verblutet. Eine mehrstündige Behandlung am folgenden Tag trug ebenfalls zum Überleben des Opfers bei. Ich bin noch immer so geschockt, dass mir die richtigen Worte fehlen.

Was treibt Menschen, falls diese Bezeichnung hier überhaupt angebracht ist, zu derart mörderischem Tun? Man kann es beim besten Willen nicht nachvollziehen. Wie herzlos, verroht oder hochgradig gestört muss man wohl sein, um eine hilflose, im wahrsten Sinne des

Wortes „lammfromme“ Kreatur derart zu quälen?

Ich bin wirklich ein absoluter Freund von euch Zweibeinern, aber Individuen wie diese verwerflichen Typen dürften mir, so wahr ich Fips heiße, beim allerbesten Willen nicht in die Quere kommen. Dann nämlich würde ich zum „Höllenhund“. Auge um Auge, Zahn um Zahn, Ohr um Ohr …, ohne Erbarmen, denn das ist denen ja offensichtlich ebenfalls fremd.

Leider hört man immer wieder von solch grässlichen Delikten. Da wurden nächtens Pferde in ihren Koppeln auf das widerlichste geschunden und verstümmelt, wurden und werden immer noch Giftköder für unser einen ausgelegt, denen schon so mancher meiner Artgenossen zum Opfer fiel, Kätzchen eingefangen und zu Tode gequält, und, und, und …

An dieser Stelle fällt mir soeben ein, dass mein Kumpel Alf, als er noch nicht einmal ein ganzes Jahr alt war, aufgrund eines „präparierten Leckerlis“, ebenfalls um ein Haar das Zeitliche gesegnet hätte.

Er drehte abends mit seinem Herrchen noch eine Runde im nahen Park und muss wohl auf etwas „Tolles“ gestoßen sein. Jedenfalls fing er in der Nacht an sich zu erbrechen, bekam Fieber und Schüttelfrost. Alarmiert raste sein Herr mit ihm in die Klinik. Dort kämpften dann zwei Veterinäre hingebungsvoll um sein Überleben, was ihnen wie bekannt, ja auch gelang. Es war der Schock hoch drei für sämtliche Familienmitglieder.

Ach ich will und kann es gar nicht mehr hören, es geht mir echt an die Nieren, macht mich krank. Kein Tier, und dafür lege ich meine vier Pfoten ins Feuer, wäre je zu solch barbarischem Handeln aus niedrigen Beweggründen in der Lage.

Und wenn sich tatsächlich einmal, was leider auch vorkommt, ein schlimmer Zwischenfall mit meinen Verwandten ereignet, so ist die Schuld in der Regel nicht dem jeweiligen Tier, sondern ausnahmslos seinem Besitzer anzulasten. Ihm und nur ihm obliegt die verantwortungsvolle Aufgabe einer strikten, aber nichts desto trotz liebevollen Erziehung. Werden diese beiden Komponenten penibel beachtet, wird ein Hund niemals zum Aggressor.

Über dieses Thema habe ich mir, soweit mein Erinnerungsvermögen reicht, bereits mehrmals die Schnauze fusselig geredet. „Wie der Herr, so sein Hund“, eine altbekannte Tatsache.

An dieser Stelle ziehe ich übrigens meinen Hut (natürlich bildlich gesehen) vor sämtlichen Tierschützern, die sich unermüdlich für unsere Rechte einsetzen. Solange diese hilflosen Geschöpfe, zu denen ja auch ich zähle, gesetzlich gesehen als „Sache“ abgehandelt werden, so dass den „Verbrechern“ außer einer geringfügigen Geldstrafe für ihr „Vergehen“ keine gravierenden Konsequenzen drohen, wird sich auf diesem Sektor vorerst nichts ändern.

Es tut mir wirklich leid, dass ich aktuell derart schlecht drauf bin. Sie haben jedoch sicher jede Menge Verständnis dafür und sind ebenso erbost, wütend und traurig angesichts solcher UNMENSCHLICHGKEIT.

Bis zum nächsten, hoffentlich wieder heiteren „Wiederlesen“. Ihr immer noch sehr aufgebrachter Fips.

*

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

heute wieder zurück zur Normalität. Das heißt, so normal ist das was jetzt folgt auch nicht gerade oder hatten Sie eine Ahnung davon, dass die Japaner jährlich an die zwölf Milliarden Euro für Tiere ausgeben? Schon klar, dieses Volk ist ein bisschen anders gespult, aber dass man dann gleich eine Waschmaschine für Hunde erfinden muss, ist schon etwas krass, oder?

Rund 35 Minuten müssen Miezen und Wauzis ein wohl nicht gerade angenehmes Prozedere über sich ergehen lassen. Erst stürzen nämlich Massen mit Ozon angereichertem Wasser über die Armen, dann bläst ein 35 Grad warmer Tropenwind das pitschnasse Fell wieder trocken. Vorteil dieses Unterfangens, es ist total günstig. Normalerweise zahlen Kunden rund 50 Dollar für eine tierische Haarpflege per Hand. Mit Hilfe des Automaten dagegen fallen nur ca. 10 „Mäuse“ an.

Welch ein Irrsinn. Wasser ist zudem für viele Hunde, wenn sie nicht gerade meine oder ähnliche Gene aufweisen, wirklich nicht das Wahre. Was aber in diesem Land praktiziert wird, dürfte selbst für den abgebrühtesten Labrador zu viel des Guten sein. Zwar sind Japaner bekannt für ihre Vorliebe in punkto verrückter Hightech-Produkte, aber irgendwo ist meiner Meinung nach eine Schmerzgrenze.

Ich kann das Ganze ohnehin nicht nachvollziehen. Wenn ich einmal dezent dufte, weil ich mich zu meinem großen Vergnügen in irgend etwas Undefinierbarem, Anrüchigem gewälzt habe, werde ich kurzerhand in der Dusche abgebraust, im Sommer auch schon mal mit dem Gartenschlauch.

Aber es kommt noch toller. Für 612 Euro pro Monat können Vierbeiner nun bei „gesundem“ Essen unter Gleichgesinnten ihren Lebensabend verbringen. In diesem Seniorenheim für Tiere hat zudem ein Veterinär rund um die Uhr Bereitschaftsdienst. Ganz nach dem Motto, was dem Menschen recht ist, sollte dem Hund billig sein …!

Damit es dem geliebten Haustier auch im Alter an nichts fehlt, kennt der geschäftstüchtige Erfindergeist dieses Volkes offensichtlich keine Grenzen. Sauerstoffkuren in speziell dafür konstruierten Kästen und Windeln, die gänzlich der Hundeanatomie angepasst sind, stellen wohl nur einen Teil dieser, für den Produzenten sehr lukrativen Sparte dar.

Selbst die Wissenschaft macht diesbezüglich Fortschritte um die Lebenserwartung der tierischen Freunde zu verlängern. So gibt es beispielsweise eine Frischzellentherapie für Katzen, gewonnen aus Schweineföten. Egal wie man jetzt lästern mag, der Erfolg scheint diesem ausufernden Kult recht zu geben. Die Vierbeiner werden nachweislich immer älter und sind angeblich in Topform. Falls diese dann doch irgendwann nachlassen sollte, bin ich mir fast sicher, dass perfekte Gehilfen auf den Markt kommen, damit Hundi sein Frauchen oder Herrchen mit dem eigenen „Rollator“ weiterhin begleiten kann.

Natürlich stimmt es, dass unsere lieben Menschen leiden, wenn wir einmal alt, krank und schwach werden. Aber so ist das Leben halt. Stellt sich die Frage, ob solches Gebaren dann nicht doch etwas übertrieben ist. Aber nun ja, wer es braucht und sich diese Extravaganzen leisten kann, von mir aus …! So weit dieses Phänomen.

Dann jedoch gibt es andererseits im gleichen Land ein schreckliches, abscheuliches Extrem. Jährlich werden in japanischen Tierheimen an die 20.000 Hunde und Katzen getötet. Man vergast die Tiere qualvoll. Wer einmal ein Video mit dieser Schockenthüllung sah, ist fassungslos vor Entsetzen. Die verzweifelten Blicke der Todeskandidaten, die unruhig durch den Stahlkäfig tapsen, in den langsam Gas einströmt, brechen einem schier das Herz. Die Ärmsten spüren, dass sie soeben einem grausamen Ende nicht entgehen können, gefangen hinter Gittern. Rund 30 Minuten dauert dieses bestialische Verfahren.

Hintergrund dieser unfassbaren Massenmorde ist der ausufernde Tierzuchtwahn.

Landesweit gibt es 23 Millionen Haustiere und diese Zahl erhöht sich ständig. Jene „Exemplare“, anders werden sie wohl nicht eingestuft, die nicht verkauft werden können, weil sie gerade nicht der herrschenden Mode entsprechen oder kleine Schönheitsmängel aufweisen, kommen in eine der 108 Gaskammern, welche die Regierung betreibt, da sich in der Regel Tierärzte weigern, solche Tötungen vorzunehmen.

Ich möchte Ihnen dazu jetzt weitere Details dieser brutalen Handhabung ersparen. Es genügt, wenn sich mein Fell vor Empörung und blankem Horror sträubt.

Ein Trost aber zumindest hierzulande. Laut dem Präsidenten des deutschen Tierschutzbundes, wird bei uns niemals ein Tier aus Platz-oder Kostengründen getötet. Das ist streng verboten. Bleibt nur innigst zu hoffen, dass dies auch im Land der aufgehenden Sonne schnellst möglich Anwendung findet und die Menschen diesbezüglich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln sensibilisiert werden.

Das wünsche ich mir aus tiefster Hundeseele.

Ihr Fips

*

MÄRZ

Guten Tag liebe Leserinnen und Leser,

so, da bin ich wieder. Gerade ließ ich mir zum wiederholten Male Neeles und Alfs weihnachtlichen Mundraub durch den Kopf gehen, an den Sie sich natürlich auch erinnern. War schon extrem lustig.

Obwohl wir uns ja bereits wacker im neuen Jahr befinden, möchte ich nochmals kurz auf diese ganz spezielle Zeit zu sprechen kommen, in der trotz ausdrücklicher Warnungen und Hinweise, aus gegebenem Anlass besonders viele Welpen verschenkt werden. Skrupellose Züchter versuchen dann oftmals mit allen Mitteln und auf abstoßende Art, aus der Tierliebe ihrer Mitmenschen kräftig Kapital zu schlagen. Deshalb – Augen auf beim Hundekauf!

Dass es der sehnlichste Wunsch vieler Kinder ist, zum Fest der Liebe ein niedliches, vierbeiniges Wollknäuel in die Arme schließen zu können, ist nur zu verständlich. Nichts desto trotz darf man aber nie außer Acht lassen, dass gerade auf diesem Sektor profimäßig verfahren wird. Anders ausgedrückt, man scheut keineswegs vor Betrug zurück, so dass selbst die Herkunft von Tieren mit „einwandfreien“ Papieren zum Teil recht dubios ist.

Das Problem wird insbesondere durch Welpen, die aus dem Ausland eingeführt werden noch zusätzlich verschärft. Diese stammen meist aus unkontrollierten Zuchtbeständen, die keinem Tierschutzgesetz unterliegen und für die sich zudem kein, pardon, Teufel interessiert.

Erschwerend schlagen hierbei obendrein die Transporte zu Buche, bei denen nicht selten die bedauernswerten Geschöpfe, eingepfercht in enge Käfige ohne Wasser und Nahrung, bereits nach der Ankunft aufgrund ihres erbarmungswürdigen Zustandes eingeschläfert werden müssen.

Besonders verwerflich finde ich daher auch die Tatsache, dass auch deutsche Züchter Hundebabys aus dem Ausland als ihre eigenen propagieren, einzig aus dem schnöden Grunde, der jeweiligen Nachfrage und Vorliebe ihrer Kunden schnellstens Rechnung tragen zu können. Von der Abzocke einmal ganz zu schweigen.

Unglaublich empörend ebenso Typen, die ihre Hunde unter qualvollen und hygienisch miserablen Bedingungen in verdreckte Zwinger pferchen oder bereits völlig ausgelaugte Muttertiere rücksichtslos immer wieder decken lassen, bis sie schließlich elend zu Grunde gehen. Mir sträubt sich ob solcher Brutalität und Herzlosigkeit im wahrsten Sinn des Wortes das Fell. Natürlich gibt es auch zahlreiche ehrbare und gewissenhafte unter ihnen, aber den wirklich rigorosen gehört schlicht und ergreifend das abscheuliche Handwerk gelegt.

Es geht hier um hilflose Lebewesen aus Fleisch und Blut, die der Willkür des Menschen ausgesetzt sind. Leider sind umfassende Kontrollen so gut wie unmöglich und Tierquälerei ist in vielen Fällen erst gar nicht nachzuweisen. Oh Gott, ich muss wirklich an mich halten, sonst werde ich zum … ich sag’s lieber nicht!

Selbst Welpen die von durchaus ehrbaren Züchtern erstanden werden, sind kein Garant dafür, dass man tatsächlich ein völlig gesundes Tier ohne Erbkrankheiten erhält. Deshalb, wer seinem Hund spätere Komplikationen weitgehend ersparen möchte, sollte frühzeitig Vorsorge treffen. Bereits im zarten Alter von einigen Wochen, kann man durch Röntgenaufnahmen oder einem CT, Anzeichen von Anomalien wie beispielsweise einer Hüftgelenksdysplasie erkennen. Mit relativ geringem medizinischen Aufwand und durchaus preisgünstig, lässt sich zu diesem Zeitpunkt der definitiv eintretende Krankheitsverlauf unterbinden. Es ist im Grunde wie bei euch Menschen. Prävention ist wichtig!

Wenn Sie aber mich fragen, ich plädiere ohnehin zur Alternative Tierheim. Ich weiß wirklich wovon ich rede, mussten auch mich meine Vorbesitzer aus zwingenden Gründen abgeben, obwohl es ihnen vermutlich schon schwer fiel. Ich wurde durch eine tolle Institution namens „Labradorhilfe“ weitervermittelt, wodurch mir ein Heimaufenthalt erspart blieb.

Was soll ich Ihnen sagen, ich hatte Glück, habe es super gut getroffen und nenne nun die beste und liebste Familie der Welt mein eigen, die mir Wärme und Geborgenheit im Übermaß schenkt. Und genau das wünsche ich meinen vierbeinigen Brüdern und Schwestern, die, weshalb auch immer, verlassen wurden und sehnsüchtig, oft über Jahre, erneut auf ein liebevolles Zuhause hoffen.

Vielleicht habe ich ja heute mit dieser meiner flammenden Rede, den ein oder anderen unter Ihnen zu einem unverbindlichen Besuch in einem Tierheim animiert. Und wer weiß … Ich würde mich wirklich tierisch darüber freuen. Pfote aufs Hundeherz.

Ihr Fips

*

Alf an Fips

Hi Fips,

wie du siehst, leben wir noch und das ziemlich gut sogar. Hast du uns wenigstens ein bisschen vermisst? Ja, ich weiß, es ist schon wieder ein Weilchen her seit wir uns trafen, aber genau wie du, kamen auch wir kürzlich erneut für sage und schreibe dreieinhalb Wochen in unser bekanntes und lukratives Feriendomizil, da unsere beiden Herrschaften wieder einmal die Flatter machten. Sie bedurften der Erholung ließen sie uns lapidar wissen. Uns sollte das nur recht sein, freuen wir uns doch jedes Mal total auf unsere Zweitfamilie.

Wegen deiner witzigen Bettgeschichte bei deinem Ersatzfrauchen haben wir Tränen gelacht. Das kann aber auch nur dir passieren! Im übrigen, damit du es weißt, werde ich ab sofort von deinem erfundenen Kürzel „EF“ (Ersatzfrauchen) Gebrauch machen, weil es a) sehr prägnant und präzise klingt und b) einfach genial ist.

Nun, Neele und ich hatten uns wirklich allen Ernstes vorgenommen, ausgesprochen lieb zu unseren „Pflegeeltern“ zu sein und keinerlei Stress zu verursachen. Rate mal ob es uns gelungen ist? Richtig, natürlich nicht …!

Schon am ersten Tag schickte sich mein ewig hungriges Schwesterherz an, zu Nacht schlafender Zeit die Speisekammer, deren Türe fataler Weise wieder einmal nur angelehnt war, gehörig zu plündern. Anscheinend hatte sie die Weihnachtsfressorgie bereits komplett vergessen oder aber erfolgreich verdrängt, was mir ziemlich dreist schiene. Illegal Nahrung zu beschaffen ist nämlich, außer stundenlangem Pennen, ihre große Leidenschaft. Wäre nicht eine Dose polternd auf den Boden gekracht, hätte sie vermutlich wieder einmal alles vertilgt was nicht niet- und nagelfest verpackt war. So aber kam „EF“, alarmiert durch den immensen Krach mit wehendem Nachtgewand angerannt und bugsierte die Übeltäterin wortlos in ihr Körbchen, nachdem sie die zu vor besagte Türe sorgsam verschlossen hatte. Ich habe mich sehr geschämt für diese „Lady Nimmersatt“ und ihr ordentlich die Leviten gelesen.

Meine Predigt muss dann anscheinend gefruchtet haben, zumindest teilweise. Zwar ließ sie die Vorratskammer jetzt in Ruhe, statt dessen sich aber etwas Neues einfallen. Kaum waren nämlich die Lichter aus und unsere Zweibeiner in ihren wohlverdienten Schlaf gesunken, schlich sich die exzentrische Dame leise an EF’s Bett, pustete ihr schnaubend mitten ins Gesicht, robbte mit dem Kopf unter ihre Decke (diese Gewaltkur hätte selbst Tote wieder zum Leben erweckt) und wollte auf Biegen und Brechen ausgiebig getätschelt werden.

Als dieses fragwürdige Ritual zu mitternächtlicher Stunde drohte in eine alltägliche Gepflogenheit über zu gehen, wurde natürlich ein Machtwort gesprochen. Auch ich stellte sie, wie man so schön sagt, gehörig in den Senkel. Seitdem ist Ruhe eingekehrt, was aber auch dringend nötig war. Tja, wenn ich nicht wäre …!

Na ja, ganz so toll war ich dann ehrlich gesagt auch wieder nicht, weil mir nämlich sämtlichen Bemühungen zum Trotz, etwas höchst Unangenehmes passierte, das mir ziemlich peinlich war. Obwohl unser liebes „EF“ sich die Arbeit machte und extra leckere Dinge für uns kochte, damit wir auch genügend Abwehrkräfte in der kalten Jahreszeit haben, zeigte ich mich äußerst undankbar. Höre!

Als wir wieder einmal beim Gassigehen ausgiebig spielten und tobten, fraß ich ganz nebenbei völlig unkontrolliert dicke Bündel vergammelten Grünzeugs in mich hinein. Was heißt hier fraß …! Ich schluckte den Krempel einfach nur gierig hinunter, obwohl es noch nicht einmal sonderlich schmeckte. Natürlich lag mir das Zeug wie ein Stein im Magen.

Es kam wie es kommen musste. Kaum hatten wir uns alle zur Ruhe gelegt, drängte mein unverdauter Mageninhalt unter erbärmlichem Würgen wieder hoch. Das Mark erschütternde Geräusch muss „EF“ abrupt aus dem Tiefschlaf gerissen haben. Sie kam mit fliegenden Fahnen angestürmt, erfasste mit einem Blick die Situation – und – nein, es gab kein Donnerwetter, als sie die Bescherung auf dem Wohnzimmerteppich, beziehungsweise der in weiser Voraussicht darüber ausgebreiteten Decke sah. Stillschweigend entfernte sie das „Malheur“ und nahm mich dann tröstend in den Arm. In der Tat war mir immer noch speiübel, aber dank ihrer Anteilnahme fühlte ich mich bald wieder weitaus besser.

Neele schnarchte derweil wie drei Landsknechte im Gästezimmer, so dass sie von diesem doch recht peinlichen Vorfall nichts mitbekam. Und das war gut, ansonsten wäre womöglich meine Autorität bis auf weiteres im Einer.

Übrigens, und das kannst du deinem geschätzten Publikum mitteilen (mein Missgeschick hingegen behältst du bitte für dich), dass alle Herrchen und Frauchen in den Wintermonaten altbewährte Kräuter wie Minze, Melisse, Petersilie, Löwenzahn und Brennnessel in getrockneter Form von Zeit zu Zeit unter das Hundefutter mischen sollten. Dies würde nämlich auch bei uns Vierbeinern das Immunsystem stärken. Außerdem ist selbst bei kaltem und nassem Wetter viel Bewegung an der frischen Luft ganz wichtig. Auf diese Weise wird der Kreislauf permanent angeregt und die Bildung der sogenannten Killerzellen gefördert, die wiederum zahlreiche Erkrankungen verhindern helfen.

Und jetzt sag bloß, du könntest von mir nichts lernen. Halt die Ohren steif und dich fit, bis wir uns demnächst wieder sehen. Dann ist ja hoffentlich der Frühling voll ausgebrochen.

Dein Kumpel Alf

P.S. Wie üblich, Küsschen von Neele.

*

Ihr Lieben,

ich bin ein Held, ein Hero, ein Lebensretter. Ja, Sie haben richtig gehört, ich bewahrte nämlich ein Kätzchen vor dem sicheren Tod. Normalerweise habe ich mit diesen Spezies ehrlich gesagt nicht allzu viel am Hut, hat mir doch vor einiger Zeit so ein unverschämter Kater, als ich ihn lediglich ein wenig beschnuppern wollte, mit seinen ekelhaften Krallen ordentlich eins übergezogen. Seitdem genieße ich die Brüder mit Vorsicht. Aber dieser Fall hier war ja nun gänzlich anders gelagert.

Also, ich lag faul im Garten und frönte meiner mittäglichen Siesta, die bereits wunderbar wärmenden Strahlen der Märzsonne genießend. Plötzlich entdeckte ich in einiger Entfernung ein kleines Häufchen, das sich nur schwach bewegte. Neugierig geworden, näherte ich mich dem unbekannten Objekt, das sich bei genauerer Betrachtung als völlig verstörtes, herunter gekommenes und gänzlich entkräftetes Kätzchen entpuppte. Das arme Ding war so schwach, dass es noch nicht einmal „pip“, ich meine „miau“ sagen konnte. Für mich war schlagartig klar, hier ist dringend Hilfe von Nöten und zwar umgehend.

Ich rannte daher postwendend ins Haus und gebärdete mich wie wild, dabei ständig wieder nach draußen laufend. Frauchen, gerade beim Kochen, dachte wohl ich wollte spielen und schalt mich unfein einen „lästigen Quälgeist“. Mein Gott, manchmal seid ihr Menschen aber auch so was von begriffsstutzig. Unbeeindruckt von ihrem Gemeckere, ließ ich nicht locker, bis schließlich der berühmte Funken bei ihr zündete. Mit den Worten: „Oh, ist da vielleicht etwas Fips?“, rannte sie mit mir ins Freie, wo ich sie zielstrebig zu meinem „Findelkind“ lotste.

Von nun an ging alles sehr schnell. Frauchen entdeckte sofort, dass bei der armseligen Kreatur keine Zeit mehr zu verlieren war, packte das zitternde Geschöpf vorsichtig in eine weiche Decke und düste umgehend zum Tierarzt. Um es kurz zu machen, das Kätzchen wurde gerettet und weil es zudem noch ein Halsband mit anhängender Plakette trug, auf der die volle Adresse stand, konnte sie ihrer Besitzerin zurück gegeben werden. Diese war, wie man sich vorstellen kann, überglücklich, hatte sie doch tagelang Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt um ihren verschollenen Liebling wieder zu finden. Wie die Mieze allerdings an die 40 Kilometer hinter sich brachte und in unserer Gegend landete, bleibt wohl für immer ein Rätsel.

Für mich war man, das brauche ich nicht extra zu betonen, voll des Lobes und überhäufte mich mit Streicheleinheiten und Leckerlis. Angesichts dieser Episode ging mir ein Licht auf. Welch tolles Gefühl muss es tatsächlich sein, wenn wir unsere Lieben vor Schlimmem bewahren, seien es nun Schwelbrände, unliebsame Eindringlinge oder anderweitig garstige Dinge.

Dass wir Hunde zusätzlich einen positiven Effekt auf die körperliche und psychische Gesundheit der Menschen ausüben, ist zwischenzeitlich sogar wissenschaftlich untermauert und entstammt keineswegs einer Art übersteigertem Selbstwertgefühl meinerseits.

Aus Sicht der jeweiligen Besitzer tragen wir ohnehin zur Verbesserung der Lebensqualität bei. Wir verhelfen automatisch zu mehr körperlicher Bewegung und ermöglichen mitunter reizende Kontakte, die ansonsten nie zustande kommen würden. Besonders in Großstädten, deren Bewohner oftmals von anonymem Nebeneinander geprägt sind und deshalb zwischenmenschliche Kommunikationen eher zu den Ausnahmen zählen, entstehen allein durch unsere Existenz oft die wunderlichsten Bekanntschaften.

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Дата выхода на Литрес:
22 декабря 2023
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137 стр. 12 иллюстраций
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9783957447029
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