Читать книгу: «Sportpädagogik»

Die Herausgebenden
Prof. Dr. Eckart Balz ist Hochschullehrer für Sportpädagogik am Institut für Sportwissenschaft der Bergischen Universität Wuppertal; seine Arbeitsschwerpunkte sind Planungsdidaktik (z. B. Mehrperspektivität), Schulsportforschung (in Differenzstudien) und Sportentwicklung (u. a. informeller Sport).
Prof. Dr. Sabine Reuker ist Hochschullehrerin für Sportpädagogik und Sportdidaktik am Institut für Schulsport und Sportdidaktik der Deutschen Sporthochschule Köln. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Professionalisierung von Sportlehrkräften (z. B. Entwicklung des Professionellen Blicks), Inklusion und Umgang mit Heterogenität (Konzepte und Lehrkompetenzen) sowie sozialerzieherische Lehr- und Lernprozesse (u. a. erlebnispädagogische Maßnahmen).
Prof. Dr. Volker Scheid ist Hochschullehrer am Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Kassel. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Programmevaluation (u. a. Kooperation Schule und Verein), Entwicklung und Förderung (u. a. Ballsport im Grundschulalter) sowie Lehrer*innenbildung (u. a. Lehr-Lern-Labor Sportpädagogik).
Prof. Dr. Ralf Sygusch ist Leiter des Arbeitsbereiches Bildung im Sport an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Seine Schwerpunkte sind Kompetenzorientierung (insbesondere Schüler- und Trainer*innenbildung), psychosoziale Ressourcen (Kinder- und Jugendsport im Verein) sowie Gesundheit (Sportunterricht).
Eckart Balz, Sabine Reuker, Volker Scheid, Ralf Sygusch (Hrsg.)
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1. Auflage 2022
Alle Rechte vorbehalten
© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Print:
ISBN 978-3-17-037591-8
E-Book-Formate:
pdf: ISBN 978-3-17-037592-5
epub: ISBN 978-3-17-037593-2
Inhalt
1 Einführung
2 Eckart Balz, Sabine Reuker, Volker Scheid & Ralf Sygusch
3 I Sportpädagogische Ausgangspunkte
4 1 Grundbegriffe der Sportpädagogik
5 Volker Scheid & Verena Oesterhelt
6 1.1 Definitionsansätze und Merkmale der Sportpädagogik
7 1.2 Erziehung und Bildung als zentrale Grundbegriffe
8 1.3 Entwicklung, Lernen und Sozialisation als Grundbegriffe
9 1.4 Sportpädagogik und Sportdidaktik
10 2 Genese der Sportpädagogik
11 Michael Krüger
12 2.1 Einführung
13 2.2 Die Anfänge der Sportpädagogik bei den Philanthropen
14 2.3 Turnen als Mittel der Volks- und Nationalerziehung
15 2.4 Die Reform der Turnpädagogik durch Gymnastik, Leibeserziehung, Spiel und Sport
16 2.5 Körperliche Erziehung im Nationalsozialismus und in der DDR
17 2.6 Sportpädagogik und Sportwissenschaft in der Bundesrepublik Deutschland
18 2.7 Sport, Sportwissenschaft und Sportpädagogik im vereinten Deutschland
19 2.8 Resümee
20 3 Systematik der Sportpädagogik
21 Detlef Kuhlmann & Günter Stibbe
22 3.1 Einleitung: Zur Begründung einer Systematik der Sportpädagogik
23 3.2 Zur Systematik des Aufgabenspektrums
24 3.3 Zur Systematik der Arbeitsgebiete
25 3.4 Zur Systematik der Betrachtungs- und Zugangsweisen
26 3.5 Zur Systematik der Erkenntnisgewinnung
27 3.6 Ausblick: Sportpädagogik – Grenzen und Herausforderungen
28 II Sportpädagogische Grundlagen
29 4 Bildungstheoretische und anthropologische Grundlagen
30 Christian Gaum, Alexander Ratzmann & Sebastian Ruin
31 4.1 Einführung
32 4.2 Anthropologische Grundannahmen
33 4.3 Bildungstheoretische Grundlagen
34 4.4 Fazit
35 5 Entwicklungstheoretische Ansätze
36 Nils Neuber & Volker Scheid
37 5.1 Entwicklungsbegriff
38 5.2 Theoretisch-konzeptionelle Perspektive
39 5.3 Empirische Perspektive
40 5.4 Ausblick – Entwicklungsaufgabe als sportpädagogisches Konzept
41 6 Sport- und bewegungskulturelle Grundlagen
42 Eckart Balz & Jürgen Schwier
43 6.1 Sport- und Bewegungskultur – Versuch einer theoretischen Einordnung
44 6.2 Typisierte Bewegungskulturen in einer Theorie der Leibeserziehung
45 6.3 Bewegungskultur und Schulsport – ein phänomenologischer Ansatz
46 6.4 Elementarisierung des Sports: ein Vier-Felder-Modell
47 6.5 Exkurs zu jugendlichen Trendsportkulturen
48 6.6 Ausblick
49 III Sportpädagogische Orientierungen
50 7 Orientierung an der Sache
51 Norbert Gissel & Stefan König
52 7.1 Einleitung
53 7.2 Die Frage nach der Sache in der aktuellen sportpädagogischen und fachdidaktischen Diskussion
54 7.3 »Der Lehrer sei […] Sachwalter der kulturellen Ausdrucksform und ihrer Gehalte.«
55 7.4 Orientierung an der Sache – diskutiert am Beispiel Fußball
56 7.5 Schlussbetrachtung
57 8 Orientierung am Individuum – formale Bildung
58 Tim Bindel & Jan Erhorn
59 8.1 Einleitung
60 8.2 Das Individuum und sein Leib als Bezugspunkte einer formalen Bildung
61 8.3 Individuumszentrierte didaktische Konzeptionen
62 8.4 Formale Bildung und empirische Bildungsforschung
63 8.5 Zusammenfassung und Ausblick
64 9 Orientierung an der Synthese von Sache und Individuum
65 Sebastian Ruin, Alexander Ratzmann & Christian Gaum
66 9.1 Einführung
67 9.2 Zur Idee einer Synthese
68 9.3 Synthetische Positionen des Schulsports
69 9.4 Über den Schulsport hinausweisende Konzepte und Ansätze
70 9.5 Fazit
71 IV Sportpädagogische Forschung
72 Zur Einführung in Kapitel 10 und 11
73 Hans Peter Brandl-Bredenbeck, Erin Gerlach, Elke Grimminger-Seidensticker & Claus Krieger
74 10 Forschungsmethodische Zugänge
75 Elke Grimminger-Seidensticker & Claus Krieger
76 10.1 Entwicklungsetappen in der Sportpädagogik
77 10.2 Zentrale forschungsmethodische Zugänge
78 10.3 Fazit
79 11 Systematik zentraler Forschungsansätze
80 Erin Gerlach & Hans Peter Brandl-Bredenbeck
81 11.1 Einleitung – was umfasst sportpädagogische Forschung?
82 11.2 Forschung zu fachlich relevanten Rahmenbedingungen
83 11.3 Forschung zu Geschichte und Theorie
84 11.4 Inhaltsforschung
85 11.5 Programm- und Entwicklungsforschung
86 11.6 Akteur*innenforschung
87 11.7 Lehr-Lernforschung
88 11.8 Ausblick
89 V Sportpädagogische Anwendungsbezüge
90 12 Bildungssettings
91 Tim Bindel, Erin Gerlach & Ina Hunger
92 12.1 Sportunterricht
93 12.2 Kindertagesstätten
94 12.3 Vereinssport
95 12.4 Informeller Sport
96 12.5 Fazit
97 13 Professionalisierung in sportpädagogischen Settings
98 Ilka Lüsebrink & Sabine Reuker
99 13.1 Tätigkeitsfelder in sportpädagogischen Settings
100 13.2 Theoretische Positionen
101 13.3 Pädagogische Professionalität in sportpädagogisch relevanten Tätigkeitsfeldern
102 13.4 Konsequenzen für die Aus- und Fortbildung
103 13.5 Zukünftige Herausforderungen
104 14 Diversität und Differenzkategorien
105 Judith Frohn & Heike Tiemann
106 14.1 Diversität in der Sportpädagogik
107 14.2 Zentrale Differenzkategorien
108 14.3 Dekategorisierungsdiskurs
109 14.4 Fazit und Ausblick
110 15 Bildungsthemen
111 Ralf Sygusch, Petra Guardiera & Anne Kerstin Reimers
112 15.1 Leistung und Leisten
113 15.2 Gesundheit
114 15.3 Soziales Handeln
115 15.4 Fazit
116 16 Herausforderungen der Sportpädagogik
117 Eckart Balz, Lena Gabriel & Jonas Wibowo
118 16.1 Bisherige Herausforderungen
119 16.2 Aktuelle Herausforderungen
120 16.3 Zukünftige Herausforderungen
121 16.4 Schlussbetrachtung
Einführung
Eckart Balz, Sabine Reuker, Volker Scheid & Ralf Sygusch
Vorbemerkungen
Mit dieser Einführung möchten wir unseren Band zur Sportpädagogik vorstellen. Das Kapitel hat die Funktion, in den Band überblicksartig einzuführen, ohne eine thematisch umfassende Einleitung leisten zu wollen und vorwegzunehmen, was die Kapitel 1 bis 17 jeweils noch besteuern. Wir beschränken uns daher zur Einordnung des Bandes nach diesen Vorbemerkungen auf drei weitere Abschnitte: über bisherige Grundlagenwerke zur Sportpädagogik (Vorläufer des Bandes), über den aufwändigen Prozess der Entstehung (Genese des Bandes) und über strukturierende Schwerpunkte (Inhalt des Bandes).
Was macht den vorliegenden Band zur Sportpädagogik aus? Seine Charakteristik besteht darin, als ein Grundlagenwerk den State of the Art der Sportpädagogik darzulegen, um sie damit nach innen wie außen sichtbar zu machen – und zwar nicht im Sinne einer bestimmten Lesart, Position oder Theorie, sondern übergreifend für die gesamte wissenschaftliche Teildisziplin der Sportpädagogik mit vereinten Kräften von vier unterschiedlich ausgerichteten Herausgeber*innen und 25 verschiedenen einschlägigen Mitautor*innen. Wir bieten sozusagen im zeitgemäßen Querschnitt ein möglichst differenziertes und tragfähiges Bild der Sportpädagogik.
Der Sammelband soll zeigen, was die Sportpädagogik ist und tut, was sie weiß und diskutiert. Mit dieser Intention richten wir uns an sportpädagogisch interessierte Personen, die als Studierende und Lehrende an Hochschulen sowie als Akteure in zahlreichen sportpädagogisch relevanten Tätigkeitsfeldern – von der Schule über den Sportverein bis zum informellen und kommerziellen Sport – verantwortungsvoll und reflektiert handeln möchten. Sämtliche Kapitel sind in Umfang und Darstellungsweise, trotz oft komplexer Zusammenhänge, möglichst zugänglich gehalten.
Bedanken möchten wir uns an dieser Stelle ausdrücklich bei allen Mitwirkenden, insbesondere bei den beteiligten Autor*innen für ihre ambitionierte Erarbeitung der qualitätsbewussten Beiträge. Deren Begleitung hat uns als Herausgebenden einige Arbeit und zugleich Freude gemacht. Wir sind nun überzeugt, dass sich das Produkt sehen lassen kann. Dem Verlag sei für seine Bemühungen und den passenden Publikationsort gedankt.
Vorläufer des Bandes
Wie oben bereits beschrieben, versteht sich der vorliegende Band als Grundlagenwerk, das übergreifend für die Sportpädagogik einen zeitgemäßen Querschnitt, geordnet in fünf große Themenfelder, bieten möchte. Dabei stellt sich die Frage, welche anderen Kompendien zur Sportpädagogik diesem Band vorausgehen und worin Gemeinsamkeiten und Unterschiede bestehen.
Über die nachfolgend benannten Einführungen in die Sportpädagogik hinaus, sei an dieser Stelle auch an ältere Einführungswerke erinnert (etwa von Bernett, Mester, Schmitz, Widmer und Röhrs), die rückblickend zugleich die Entwicklung unseres Faches markieren. Prohl (1991, S. 47–85) zeichnet diesen Weg der 1960er- bis 1980er-Jahre von der Theorie der Leibeserziehung zur Sportpädagogik differenziert nach.
Seit Mitte der 1980er-Jahre lassen sich in chronologischer Abfolge sechs Werke hervorheben, die sich um eine Einführung und Grundlegung der Sportpädagogik als Teildisziplin der Sportwissenschaft bemüht haben. Dabei ist nur eines der Werke auch als Herausgeberband gestaltet, die anderen sind entweder als Monografie oder von zwei Autoren verfasst:
• Einen wesentlichen Ausgangspunkt stellt die Monografie Hauptprobleme der Sportpädagogik von Eckhard Meinberg (1984; 3., unveränderte Auflage 1996) dar. Er entdeckt früh in der durchaus begrüßenswerten »thematischen Horizonterweiterung der Sportpädagogik« auch die Gefahr eines »ausufernden Vielerlei«, die den Blick auf das »Ganze« verstellt (Vorwort). Seine Einführung soll für sportpädagogische Problemstellungen sensibilisieren, Orientierung geben und verschiedenartige Erkenntnisse systematisieren und überblickhaft darstellen. Inhaltlich geschieht dies in sieben Hauptkapiteln, wobei im Anschluss an eine Standortbestimmung die sechs Problemfelder Bildung, Erziehung, Sozialisation, Lernen, Hochleistungssport sowie Spiel und Spielen aufgearbeitet werden.
• Zu Beginn der 1990er-Jahre erscheint das Grundlagenwerk Sportpädagogik der beiden Verfasser Knut Dietrich und Gerhard Landau (1990; 2., unveränderte Neuauflage 1999). Sie schreiben ausdrücklich nicht in systematischer Absicht, sondern mit Blick auf die Veränderungen im Sport aus einer problemorientierten Perspektive. Anliegen ihres Buches ist es, »Anleitungen zur praxisorientieren sportpädagogischen Analyse von Handlungsfeldern des Sports zu geben« (Vorwort). Als wichtigste Bezugspunkte der sportpädagogischen Gegenstandsbetrachtung werden Bewegung und Entwicklung gesehen. In sechs Hauptkapiteln werden historische Quellen, Grundpositionen und Betrachtungsweisen sowie der Gegenstand der Sportpädagogik behandelt, gefolgt von bewegungstheoretischen und erziehungstheoretischen Grundlagen sowie Ansatzpunkten sportpädagogischer Untersuchungen.
• Ein bis in die Gegenwart beachtetes Standardwerk stellt die Einführung in die Sportpädagogik von Ommo Grupe und Michael Krüger dar, das erstmals 1997 erschienen ist. Seit 2019 liegt das Buch in einer vierten, von Michael Krüger in Gedenken an den Nestor der Sportpädagogik Ommo Grupe (1930–2015) gestalteten Neubearbeitung vor. Das Anliegen war es von Anfang an, mit der Einführung einen Kompromiss zu finden, »der eine Brücke zwischen Sport und Pädagogik schaffen« und verdeutlichen soll, dass es um mehr als die Vermittlung von Sportarten und die Durchführung von Sportstunden geht (Vorwort zur ersten Auflage). In fünf Hauptkapiteln werden zunächst Gegenstand und Grundbegriffe der Sportpädagogik geklärt, ehe die Geschichte, die Institutionen und Handlungsfelder sowie die anthropologischen Grundlagen behandelt werden.
• Eine nachhaltige Wirkung auf den gegenwärtigen sportpädagogischen Diskurs kann der von Robert Prohl verfassten Monografie Grundriss der Sportpädagogik (1999; 3., korrigierte Auflage 2010) zugesprochen werden. Er verfolgt mit seiner Einführung in die Theorie der Sportpädagogik eine doppelte Zielstellung, indem sie als »Kompaktlehrbuch Orientierungshilfen« geben und zugleich mit ihrer Argumentationsfolge »eine Grundlegung der Sportpädagogik und ihres Ortes innerhalb der Sportwissenschaft« entfalten soll (Einführung). Der Grundriss umfasst drei große Teile (mit insgesamt 18 Kapiteln), wobei in Teil A die problemgeschichtliche (vom 18. Jh. bis in die Gegenwart), in Teil B die bildungstheoretische (kritische und konstruktive Funktion der Bildungstheorie) und in Teil C die erziehungswissenschaftliche Perspektive der Sportpädagogik (Forschungsprofil) eingenommen wird.
• Das 2001 erschienene Handbuch Sportpädagogik (2., erweitere Auflage 2009) wurde von Herbert Haag und Albrecht Hummel herausgegeben und zielt darauf ab, »den aktuellen Erkenntnis- und Wissensstand« der Teildisziplin darzustellen und zusammenzufassen (Vorwort). Die von 57 Autor*innen verfassten 51 Überblicksartikel sind in vier große Themenfelder geordnet, in welche jeweils recht kurz eingeführt wird: Grundlagen der Sportpädagogik, Struktur sportpädagogischer Prozesse, Orientierungen von Bildungs- und Erziehungsprozessen sowie Lebenslauf- und Zielgruppenperspektive.
• Ein ebenfalls erfolgreiches Einführungswerk Sportpädagogik wurde 2003 (5., unveränderte Auflage 2015) von Eckart Balz und Detlef Kuhlmann als Lehrbuch in 14 Lektionen verfasst. Sie bieten weder »ein umfassendes Grundlagenwerk« noch »einen enzyklopädischen Überblick«, sondern vielmehr ein Lehrbuch, dass denjenigen Einblicke in die Teildisziplin geben soll, »die im Rahmen ihres Studiums gerade damit beginnen, sich mit sportpädagogischen Fragestellungen zu beschäftigen« (Einführung). Die Kapitel sind in syntaktischer Frageform formuliert und suchen den referierenden Dialog mit den Leser*innen. Die Themenauswahl des Lehrbuches kommt in den Fragestellungen der drei Hauptkapitel, denen 14 Lektionen zugeordnet sind, zum Ausdruck: »Was zeichnet die Sportpädagogik aus?« (Selbstverständnis), »Worauf kann die Sportpädagogik bauen?«(Grundlagen) und »Was soll die Sportpädagogik empfehlen?« (Handlungsorientierungen).
In der Zusammenschau der vorliegenden Einführungswerke scheint es durchaus an der Zeit, im Jahr 2021 eine aktuelle sportpädagogische Grundlegung und Orientierung auf den Weg zu bringen. Die Komplexität dieser Aufgabenstellung lässt es zudem geboten erscheinen, in deren Umsetzung erfahrene, ausgewiesene Kolleg*innen miteinzubeziehen.
Genese des Bandes
Von damaligen Sprecherräten der dvs-Sektion Sportpädagogik und der DGfE-Kommission Sportpädagogik wurde 2016 das sog. Forum Sportpädagogik initiiert. Unter aktiver Beteiligung zahlreicher interessierter Kolleg*innen wurden 2016 und 2017 weitere Foren realisiert, auf denen Stärken und Schwächen, Potenziale und Perspektiven der Sportpädagogik diskutiert wurden. Übergeordnetes Ziel war es, die Sichtbarkeit und Anschlussfähigkeit der Sportpädagogik in wissenschaftlichen und sportpraktischen Feldern zu stärken. Als Kernthemen wurden u. a. die empirische Sportpädagogik, Internationalisierung und Publikationskultur, Sportlehrerbildung sowie das Selbstverständnis der Sportpädagogik identifiziert. Konkrete Aktivitäten wurden diskutiert, angestoßen und begleitet. Aus dem 3. Forum Sportpädagogik, einem offenen Arbeitskreis auf der dvs-Jahrestagung 2017 (Hannover), ist schließlich der endgültige Impuls zum vorliegenden Buch hervorgegangen.
So entstand aus den gemeinsamen Diskussionen die anspruchsvolle Grundidee und Richtung: Es sollte eine in der Community kompromissfähige Grundlegung auf den Weg gebracht werden, die das Selbstverständnis der Sportpädagogik mit ihren ausdifferenzierten Positionen und damit verbundenen Widersprüchlichkeiten transparent darlegt. Daraus haben sich zwei Aufgaben für die Gestaltung des Bandes herausgebildet, denen wir uns als Herausgebende angenommen haben: Erstens sollte der Band nach dem Impuls aus dem Forum Sportpädagogik auch weiterhin in Kontakt mit der sportpädagogischen Community erarbeitet werden und diese sowohl inhaltlich als auch personell abbilden. Bspw. sollten sich der Herausgeberkreis und die Autorenteams aus Vertreter*innen unterschiedlicher sportpädagogischer Positionen und Ausrichtungen zusammensetzen. Zweitens wurde anvisiert, die Beiträge in Form von Reviews anzulegen, in denen unterschiedliche Zugänge und Befunde transparent werden, ohne eine dominierende Darstellung einzelner Positionen vorzunehmen.
Der Herausgeberkreis hat sich zu Beginn 2019 aus Kolleg*innen konstituiert, die alle in dvs-Funktionen tätig waren, als dvs-Vizepräsidenten Bildung Volker Scheid (2009–2013) und Eckart Balz (2017–2021), als Sprecherräte der Sektion Sportpädagogik Sabine Reuker (2016–2020) und Ralf Sygusch (2013–2020). Die o. g. Grundidee und Richtung haben die Herausgebenden in einem Exposé samt Gliederungsentwurf gebündelt, beim Kohlhammer Verlag eingereicht und im Mai 2019 das Go des Verlages für einen Herausgeberband Sportpädagogik erhalten. Im selben Monat erfolgte auf der dvs-Jahrestagung (Heidelberg) der nächste Schritt des Buchprojekts. In einem offenen Arbeitskreis wurde zunächst der Gliederungsentwurf mit interessierten Mitgliedern der Sektion diskutiert. Mit dem Ziel, ausgewiesene Kolleg*innen aus unterschiedlichen sportpädagogischen Schulen einzubeziehen und in zum Teil bunten Autorenteams zusammenzubringen, wurde anschließend zur Mitwirkung als Autor*in aufgerufen.
Nach der Zusammenstellung der Autor*innenteams erfolgte ein schrittweises Vorgehen, mit dem die o. g. Ansprüche abgestimmt und gesichert werden sollten. Zunächst haben die Autorenteams ein Exposé zu ihren vorgesehenen Beiträgen erstellt, die im Herausgebendenkreis u. a. im Hinblick auf die Ansprüche (u. a. Reviewcharakter) besprochen und rückgemeldet wurden. Auf dieser Basis wurden die Entwürfe der Beiträge erstellt. Im Herausgebendenkreis wurden alle Beiträge doppelt betreut, in zahlreichen Telefonkonferenzen diskutiert und mit Hinweisen, Empfehlungen und Wünschen an die Autor*innen versehen. Die finale Einreichung der Beiträge erfolgte bis zum Beginn des Jahres 2021.
Der vorliegende Herausgeberband zur Sportpädagogik ist in seiner Entstehung mit der dvs-Sektion bzw. DGfE-Kommission Sportpädagogik verbunden. Selbstverständlich ist dies kein Buch der Sektion bzw. der Kommission, sondern eines, das von den vier Herausgebenden verantwortet und vertreten wird. Wohl aber ist es ein Band, der aus einer Initiative der dvs-Sektion und der DGfE-Kommission Sportpädagogik hervorgegangen ist, über den auf unterschiedlichen Kanälen informiert und diskutiert wurde und der über das Mitwirken einer großen Anzahl an Autor*innen aus der sportpädagogischen Community realisiert werden konnte.
