Читать книгу: «Methoden in der Frühpädagogik»

Die Herausgeberin:

Prof. Dr. Nataliya Soultanian ist Leiterin des Forums Frühkindliche Bildung Baden-Württemberg (FFB). Sie war an der SRH Hochschule in Heidelberg an der Fakultät für Sozial- und Rechtswissenschaften als Professorin tätig und leitete dort den Studiengang »Kindheitspädagogik«.
Nataliya Soultanian (Hrsg.)
Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und für die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Die Wiedergabe von Warenbezeichnungen, Handelsnamen und sonstigen Kennzeichen in diesem Buch berechtigt nicht zu der Annahme, dass diese von jedermann frei benutzt werden dürfen. Vielmehr kann es sich auch dann um eingetragene Warenzeichen oder sonstige geschützte Kennzeichen handeln, wenn sie nicht eigens als solche gekennzeichnet sind.
Es konnten nicht alle Rechtsinhaber von Abbildungen ermittelt werden. Sollte dem Verlag gegenüber der Nachweis der Rechtsinhaberschaft geführt werden, wird das branchenübliche Honorar nachträglich gezahlt.
Dieses Werk enthält Hinweise/Links zu externen Websites Dritter, auf deren Inhalt der Verlag keinen Einfluss hat und die der Haftung der jeweiligen Seitenanbieter oder -betreiber unterliegen. Zum Zeitpunkt der Verlinkung wurden die externen Websites auf mögliche Rechtsverstöße überprüft und dabei keine Rechtsverletzung festgestellt. Ohne konkrete Hinweise auf eine solche Rechtsverletzung ist eine permanente inhaltliche Kontrolle der verlinkten Seiten nicht zumutbar. Sollten jedoch Rechtsverletzungen bekannt werden, werden die betroffenen externen Links soweit möglich unverzüglich entfernt.
1. Auflage 2021
Alle Rechte vorbehalten
© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Print:
ISBN 978-3-17-036314-4
E-Book-Formate:
pdf: ISBN 978-3-17-036315-1
epub: ISBN 978-3-17-036316-8
mobi: ISBN 978-3-17-036317-5
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Buchstruktur
2 I Gesellschaftliche, pädagogische und methodische Perspektiven auf die frühkindliche Bildung und elementar-ästhetisches Bildungsverständnis
3 1 Gesellschaftlicher Wandel und Herausforderungen für die Kitas
4 Nataliya Soultanian
5 1.1 Methodische Handlungskompetenz der pädagogischen Fachkräfte
6 1.2 Das Verständnis von Bildungsprozessen im frühkindlichen Bereich
7 2 Frühkindliche Entwicklung und frühes Lernen: philosophisch-anthropologische Anhaltspunkte
8 Robert Soultanian
9 2.1 Bewegung: körperliche und motorische Entwicklungsaufgaben
10 2.2 Kommunikation und Interaktion: Soziale Entwicklungsaufgaben
11 2.3 Die Anderen im Kopf: Selbstentwicklungsaufgaben
12 2.4 Literatur (Kapitel 1 und 2)
13 3 Elementar-ästhetische Perspektive auf Bildung
14 Christian Widdascheck
15 3.1 Theoretisch-konzeptuelle Grundlagen und einführende Einordnung des Beitrags
16 3.2 Relevanz von Erfahrungsräumen jenseits geklärter Normen
17 3.2.1 Die Relevanz der Anderen
18 3.2.2 Die Relevanz des Anderen
19 3.2.3 Professionelle Haltung für ästhetische Erfahrungsräume
20 3.3 Eine bildungsbereichsübergreifende Perspektive
21 3.4 Vor oder am Anfang aller Kompetenzbildung
22 3.5 Literatur
23 II Methodische Kompetenz nach Bildungsbereichen
24 1 Ästhetische Bildung und Kunst
25 Christian Widdascheck
26 1.1 Theoretisch-konzeptuelle Grundlagen. Was ist und was will ästhetisch-künstlerische Bildung?
27 1.2 Aus der Forschung
28 1.3 Die Einstellung gegenüber ästhetisch-künstlerischer Bildung
29 1.4 Rahmenbedingungen und pädagogische Haltung für ästhetisch-künstlerische Bildung
30 1.4.1 Material und Medium
31 1.4.2 Technik
32 1.4.3 Künstlerische Handlungsformen
33 1.4.4 Rezeptiv-produktives Vorgehen
34 1.4.5 Thema
35 1.5 Praktische Empfehlungen und Übungen
36 1.5.1 Tonerde
37 1.5.2 Variationen mit Farben
38 1.5.3 Papier
39 1.5.4. Wildes Basteln
40 1.5.5 Spielmaterial gestalten
41 1.5.6 Handwerken
42 1.5.7 LandArt
43 1.5.8 Antworten auf Kunst
44 1.5.9. Künstlerisches Arbeiten zu einem Alltagsphänomen
45 1.6 Literatur zum Weiterlesen
46 1.7 Literatur
47 2 Beziehungsaufbau und soziale Kompetenz
48 Stephanie Nock & Lukas Nock
49 2.1 Theoretisch-konzeptuelle Grundlagen und Forschungsüberblick
50 2.1.1 Emotionale Entwicklung als Fundament der Sozialkompetenz
51 2.1.2 Bindungsentwicklung und Feinfühligkeit
52 2.1.3 Entstehung und Förderung von sozialen Kompetenzen
53 2.1.4 Pädagogische Relevanz der sozial-emotionalen Entwicklung
54 2.2 Haltungen, Einstellungen und Rahmenbedingungen
55 2.2.1 Beziehungsqualität und -angebot
56 2.2.2 Strukturqualität
57 2.3 Praktische Empfehlungen und Übungen
58 2.3.1 Möchtest Du mit mir spielen?
59 2.3.2 Die heiße Kartoffel
60 2.3.3 Gefühlskarten
61 2.3.4 Das Spiegelbild
62 2.3.5 Das Spielzeug hat heute Urlaub
63 2.3.6 Ich folge Dir
64 2.3.7 Ich sehe was, was Du auch siehst
65 2.3.8 Wie geht’s dir und wie geht’s mir?
66 2.3.9 Ich krabble dich frei!
67 2.3.10 Die Wut-Rakete
68 2.4 Tipps zum Weiterlesen
69 2.5 Literatur
70 3 Sprachliche Bildung, Literacy und Mehrsprachigkeit
71 Nataliya Soultanian
72 3.1 Sprachtheoretische Grundlagen und Forschungseinblicke
73 3.1.1 Der Sprach-Weg der Kinder
74 3.1.2 Zu den Verläufen des Zweitspracherwerbs
75 3.2 Sprachbildung in Kindertageseinrichtungen
76 3.2.1 Förderung von Literalität – Erzählen und Bilderbuchbetrachtung
77 3.2.2 Entwicklung von Erzählkompetenz und Gesprächsführung
78 3.3 Methodeneinsatz und Rahmenbedingungen im Kindergarten-Kontext
79 3.4 Praktische Empfehlungen und Übungen
80 3.4.1 Portfoliobesprechung mit einem bis zwei Kindern
81 3.4.2 Sprache und Ton
82 3.4.3 Sprache und Kunst (Besprechung eines Gemäldes mit Kindern)
83 3.4.4 Grammatikförderung (Plural, Präpositionen)
84 3.4.5 Die Welt der Wörter: semantische Elaborationen
85 3.4.6 Die Förderkraft des Morgen- und Stuhlkreises
86 3.4.7 Freies Erzählen anhand einer Bildergeschichte
87 3.4.8 Gestaltung einer förderlichen Lernumgebung: Wissensvitrinen der Kulturen
88 3.4.9 Erstsprachen miteinbeziehen: Sprachen im Kita-Alltag sichtbar und spürbar machen!
89 3.4.10 Mit Kindern philosophieren als Gesprächsführungskultur
90 3.5 Tipps zum Weiterlesen
91 3.6 Literatur
92 4 Sport und Bewegung
93 Tim Posawatz
94 4.1 Theoretische Grundlagen und Hintergrund
95 4.1.1 Motorische Basiskompetenzen
96 4.1.2 Forschungsüberblick
97 4.2 Trainingsmethoden
98 4.2.1 Grundlegendes über sportliches Training
99 4.2.2 Trainingsmethoden im Vorschulalter
100 4.2.3 Fertigkeits- und Techniktraining
101 4.2.4 Training der koordinativen Fähigkeiten
102 4.2.5 Training der konditionellen Fähigkeiten
103 4.3 Praktische Anwendungsbeispiele
104 4.3.1 Techniktraining in der Praxis
105 4.3.2 Koordinationstraining in der Praxis
106 4.3.3 Krafttraining in der Praxis
107 4.3.4 Schnelligkeitstraining in der Praxis
108 4.3.5 Ausdauertraining in der Praxis
109 4.3.6 Beweglichkeitstraining in der Praxis
110 4.4 Tipps zum Weiterlesen
111 4.5 Literatur
112 5 Den Spaß am Forschen fördern – Naturwissenschaften und Co in der Kita
113 Annette Schneider
114 5.1 MINT im vorschulischen Bildungsbereich
115 5.1.1 Was ist MINT?
116 5.1.2 Bildungsauftrag im Elementarbereich – mit Blick auf die MINT-Disziplinen
117 5.1.3 Gründe für eine frühe MINT-Bildung – Ziele und Kompetenzentwicklung
118 5.1.4 Hemmnisse bei der Umsetzung von MINT-Angeboten
119 5.2 Lernbiologische Aspekte
120 5.2.1 Learning by doing
121 5.2.2 Was sagt die Forschung?
122 5.3 Methodische und didaktische Aspekte
123 5.3.1 Voraussetzungen für eine erfolgreiche Implementierung von MINT-Bildungsangeboten
124 5.3.2 Naturwissenschaftliche Experimente – was ist zu beachten?
125 5.3.3 Naturwissenschaftsdidaktische Konzepte
126 5.4 Praxisbeispiele
127 5.4.1 Experimente aus dem Themenbereich »Luft«
128 5.4.2 Experimente aus dem Themenbereich »Wasser«
129 5.5 Tipps zum Weiterlesen
130 5.6 Literaturverzeichnis
131 6 Praxistransfer und Ausblick
132 Nataliya Soultanian
133 Die Autorinnen und Autoren
Einleitung und Buchstruktur
Dieses Buch möchte all denen, die im frühkindlichen Bereich tätig sind, wissenschaftliche Grundlagen und praktisch-methodische Empfehlungen für einzelne frühkindliche Bildungsbereiche vermitteln. In den letzten Jahrzehnten wurde die Kindheitsforschung international und im deutschsprachigen Raum weiterentwickelt, es liegen viele Forschungsergebnisse zu den einzelnen Entwicklungsbereichen und Themen der Kindheitspädagogik vor. Hier wäre zum Beispiel die Reihe »Forschung in der Frühpädagogik« von den Herausgebern Fröhlich-Gildhoff, Nentwig-Gesemann und Strehmel zu erwähnen. Mittlerweile sind in dieser Reihe 23 Bände erschienen. Die darin vorgestellten Forschungsergebnisse und Evaluationen zeigen, wie wichtig die begleitende Praxisforschung für eine nachhaltige und kontinuierliche Qualitätssicherung der kindheitspädagogichen Praxis ist.
Das Buch ist in zwei Abschnitte unterteilt. Im ersten Abschnitt werden gesellschaftliche, pädagogische und methodische Perspektiven auf frühkindliche Bildung thematisiert und die wichtigsten Entwicklungstendenzen und Schwerpunkte vorgestellt. Weiterhin wird in eine breit angelegte Konzeption von kindlicher Bildung und kindlichen Entwicklungsaufgaben eingeführt, die unter anderem aus einer elementar-ästhetischen Perspektive entwickelt wird.
Im Kapitel 1 geht es vor allem um gesellschaftliche Veränderungen und den daraus resultierenden pädagogischen Anforderungen für die Arbeit im frühkindlichen Bereich. Der beschleunigte gesellschaftliche Wandel der letzten Jahre hat immense Auswirkungen auf die sozialpädagogische Arbeit. Mittlerweile ist es beinahe eine Selbstverständlichkeit, dass Kinder früh, tendenziell bereits ab dem zweiten Lebensjahr, institutionell betreut werden. In diesem Kontext entstand eine gesellschaftliche und fachliche Diskussion, was denn eine gute institutionelle Kinderbetreuung ausmacht und welche Kompetenzen und Qualifikationen die pädagogischen Fachkräfte in zunehmend komplexeren Gesellschaftsverhältnissen und bei entsprechend steigenden Anforderungen mitbringen müssen. Kindheit in unseren Gesellschaften ist kulturell heterogener und sozial komplexer geworden. Um diesen gestiegenen Ansprüchen der institutionellen Betreuung und Sozialisation gerecht werden zu können, brauchen pädagogische Fachkräfte nicht nur zusätzliche Fortbildungen und multiprofessionelle Zusammenarbeit, sondern eine gut ausgeprägte methodische Handlungskompetenz im Arbeitsalltag. Ohne Zweifel ist die Realisierung der methodischen Handlungskompetenz nur dann systematisch möglich, wenn die strukturellen und organisatorischen Rahmenbedingungen dazu günstig sind und ein arbeitsfähiges Grundgerüst liefern, um pädagogisches Handeln täglich professionell leben zu können.
Im Fokus des Buches steht deshalb die professionelle Kompetenz der pädagogischen Fachkräfte, alle Kinder möglichst individuell und thematisch differenziert zu begleiten und die Bildungs- und Lernprozesse reflektiert und nachhaltig zu gestalten. Gerade vom methodischen Geschick der Fachkräfte, von Techniken und Einstellungen zur Wissensvermittlung hängt eine ganzheitliche, systematische und individualisierte Förderung jedes Kindes ab.
Kapitel 2 des ersten Abschnittes des Buches bietet einen Exkurs in die frühkindliche Entwicklung und frühes Lernen aus philosophisch-anthropologischer Sicht. Lernen wird als Bewältigung von Entwicklungsaufgaben begriffen, welche die Kinder aktiv bewältigen müssen. Hier werden drei zentrale Entwicklungen skizziert: Körperliche und motorische Entwicklungsaufgaben, Kommunikation und Interaktion und Selbstentwicklung. Die kindlichen Aufgaben in diesen drei Bereichen sind untrennbar miteinander verbunden und stehen in komplexer Wechselwirkung zueinander. Ohne die Entwicklung von Bewegungskompetenz und inneren Bewegungsplänen gäbe es beispielsweise kein sich selbst kontrollierendes »Handlungsselbst«, ohne nonverbale und verbale Kommunikation mit Anderen könnte die »Affordanzstruktur« (Gibson, 1950) der Lebenswelt, also der Aufforderungscharakter der Gegenstandswelt, nicht vermittelt werden etc.
In Kapitel 3, welches den ersten Abschnitt des Buches abschließt, wird der ästhetisch-künstlerische Zugang zur Bildung beleuchtet. Der Begriff des Ästhetischen spielt seit den 1990er Jahren im frühpädagogischen Diskurs eine immer größere Rolle. Neben philosophischen Konzeptionen von kindlicher Erkenntnis und Bildung als ästhetische Erfahrung wächst zunehmend auch das Interesse der Forschung an der Bedeutung der ästhetischen Erfahrung für Bildungsprozesse in der Kindheit (Dietrich, Krinninger & Schubert, 2013, Staege, 2016). Diese Perspektive hebt die Relevanz sinnlicher Erfahrungsräume hervor und sieht Bildung als Wechselspiel von Selbst- und Welterfahrung, in dessen Rahmen sich Bildungs- und Lernhandeln überhaupt erst entwickeln kann.
Im zweiten Abschnitt werden fünf Entwicklungs- und Bildungsbereiche aus wissenschaftlichen und methodisch-praktischen Perspektiven dargestellt und mit vielen praktischen Hinweisen und Vorschlägen versehen.
In Kapitel 1 wird ästhetische Bildung und Kunst dargestellt. Der Beitrag geht den Fragen nach, was ein ästhetisch-künstlerisches Handeln ist und welche Bildungserfahrungen in und durch ästhetisch-künstlerisches Handeln gemacht werden können. Darauf aufbauend werden Einstellungen und Haltungen der pädagogischen Fachkräfte und die Rahmenbedingungen angesprochen, die notwendig sind, damit ästhetisch-künstlerischen Erfahrungen für die Kinder bildsam werden. Die kindliche sinnliche Wahrnehmung ist im Vergleich zu der von Erwachsenen viel offener und vorurteilsfreier, weniger geprägt durch stereotype Vorstellungen und verinnerlichte Wahrnehmungsmuster. Im explorierend-gestalterischen Spielen klären Kinder für sich viele Natur- und Weltphänomene und bilden dadurch ein Bild von der Welt und von sich selbst.
Im Kapitel wird sowohl auf die Forschungsergebnisse wie auch auf die pädagogische Haltung und die Rahmenbedingungen für ästhetisch-künstlerische Bildung eingegangen. Gezielt werden Materialien und Medien, Techniken und künstlerische Handlungsformen vorgestellt. Danach werden Beispiele und Empfehlungen für den künstlerischen Bereich für die Arbeit mit Kindern angeboten. Konkret geht es hier um Themen wie Beschäftigung mit Ton, kreative und sinnliche Erfahrungsarbeit mit dem Material Papier oder künstlerisches Arbeiten über Alltagsphänomene.
Kapitel 2 geht auf die sozial-emotionale Entwicklung im Kindesalter ein. Der Mensch als soziales Wesen gestaltet sein Leben in einer Gemeinschaft, indem er vom Säuglingsalter an soziale Bindungen und Beziehungen aufbaut und stabilisiert. In diesem Kapietel wird auf Begriffe wie Sozialkompetenz, Empathie und emotionale Intelligenz, die bei der Persönlichkeitsentwicklung eine zentrale Rolle spielen, aus bindungstheoretischer Perspektive eingegangen. Welche Rolle bei der sozial-emotionalen Entwicklung die pädagogischen Fachkräfte spielen können, ist ein weiterer thematischer Schwerpunkt dieses Kapitels. Hier stehen die Begriffe des empathischen Umgangs von Seiten pädagogischer Fachkräfte und die Beziehungs- und Interaktionsgestaltung im Zentrum der Betrachtung. Außerdem wird hier auf die Entstehung und Förderung der sozialen Kompetenzen bei Kindern eingegangen und die Bedeutung der Strukturqualität für diesen Prozess hervorgehoben. Eine Auswahl von Übungen und Spielen, die sich in der Praxis gut bewährt haben und sozialen Zusammenhalt und emotionale Ausdrucksfähigkeit stärken, schließt das Kapitel ab.
Kapitel 3 hat die sprachliche Bildung, Literacy und Mehrsprachigkeit zum Thema. Es ist im fachlichen Bildungsdiskurs unumstritten, dass die Sprachkompetenz eine zentrale Rolle im menschlichen Leben einnimmt und auch für kognitive Leistungen wie Lernen und Gedächtnisentwicklung grundlegend ist. Verstärkt durch die zunehmende kulturelle und sprachliche Vielfalt unserer Gesellschaften haben pädagogische Fachkräfte gerade in diesem Bereich eine komplexe Bildungsaufgabe, nämlich die Kinder in ihrer Sprachentwicklung systematisch und konsequent zu begleiten und zunehmend gezielt zu unterstützen. Im theoretischen Teil dieses Beitrages wird auf den Sprachlernweg eingegangen, den die Kinder von der Geburt bis zum Schuleintritt zurücklegen müssen. Weiterhin wird das Thema der institutionellen Sprachbildung in Kitas behandelt und auf Gestaltungsaspekte und Sprachförderverhalten von Fachkräften eingegangen. Das Thema wird durch die Förderung der Erzählkompetenz und die Ermöglichung von frühen literalen Erfahrungen, die auch für die weitere Ausbildung einer mehr formalen Bildungssprache in der Schule fundamental wichtig sind, eingegangen. Bei den praktischen Empfehlungen finden sich leicht umsetzbare Beispiele sowohl für die Förderung der Grammatik, der Satzstrukturen und der Erweiterung des Wortschatzes als auch zur Gestaltung von dialogischen Situationen und von Gesprächsführung.
Im Kapitel 4 wird das Thema Sport und Bewegung ausführlich behandelt. Die Kinder machen ihre Erfahrungen mit und in der Umwelt, indem sie sich bewegen und »laufend« unterwegs sind. Die Auseinandersetzung mit der gegenständlichen Umwelt wäre ohne das Berühren und die damit verbundene kinästhetische Erfahrung stark erschwert, wenn nicht unmöglich, und widerspräche auch dem natürlichen kindlichen Erkundungsgeist. Auch der eigene Körper ist hierbei Gegenstand der Erkenntnis und wird sinnlich erfahren. Die Förderung der motorischen Entwicklung und die Ermöglichung von vielfältigen Bewegungsanlässen ist in der Arbeit mit Kindern sehr wichtig. Das Kapitel liefert deshalb einen Forschungsüberblick zum Thema und beschreibt die Entwicklung der motorischen Basiskompetenz. Ausführlich und differenziert wird dabei auch auf die Grundlagen des sportlichen, koordinativen und konditionellen Trainings eingegangen. Darüber hinaus beinhaltet das Kapitel eine strukturierte Beschreibung von Trainingsmethoden im frühkindlichen Bereich. Im praktischen Teil werden nützliche Empfehlungen und Übungen zu Technik-, Koordinations- und Krafttraining gegeben. Übungsvorschläge finden sich auch zum Training von Schnelligkeit, von Ausdauer und der Beweglichkeit insgesamt.
Kapitel 5 hat das Thema der MINT-Förderung zum Schwerpunkt. MINT befasst sich mit den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Die MINT-Frühförderung ist in allen Bildungsplänen der Bundesländer verankert, die Umsetzung dieser Themen ist aber in der Praxis sehr heterogen und unsystematisch. Hervorzuheben sind hier weitere wichtige Erkenntnisse und Erfahrungen beim Forschen, wie die Förderung der eigenen Meinung, das Erkennen von Zusammenhängen oder der Gewinn von differenzierten Einsichten in kausale Prozesse der Umwelt. All dies ist auch für die spätere aktive Beteiligung am gesellschaftlichen Leben und der Ausbildung eines differenzierten Weltzuganges von großer Bedeutung.
Im Beitrag werden die Ziele und Hemmnisse bei der Umsetzung einer altersangemessenen Förderung der MINT-Bereiche thematisiert. Betont wird hierbei, dass die Umsetzung dieser Bereiche in Kitas vielfältig ist und nicht auf reine Wissensvermittlung reduziert werden darf. Kinder sind Forscher und Philosophen von Natur aus, haben viel Spaß und zeigen viel Neugier beim Entdecken und Verstehen von Alltags- und Naturphänomenen. Die Beschäftigung mit den Mint-Disziplinen hilft den Kindern, eine forschende und fragende Haltung zu entwickeln; außerdem stärken die beim Forschen erlebten Erfolgs- und Aha-Erlebnisse die kindliche Selbstsicherheit und Selbstwirksamkeitsgefühle sowie Geduld und Kreativität. Zum besseren Verständnis von MINT-Disziplinen geht das Kapitel auch auf die biologischen Aspekte des Lernens und die methodische und didaktische Gestaltung von naturwissenschaftlichen Angeboten ein. Zahlreiche Beispiele für das Experimentieren mit Kindern beziehen sich auf die Themen Luft und Wasser, genaue Anleitungen zur Vorbereitung und Durchführung der Angebote leiten deren praktische Umsetzung an.
Dieses Buch möchte einer breiten pädagogischen Leserschaft entgegenkommen, was durch die einheitliche Struktur der einzelnen Kapitel, den Transfer von Wissenschaft in die Praxis und viele konkrete Anwendungsbeispiele gewährleistet werden soll. Es vermittelt sowohl auf wissenschaftlicher Forschung basierende Erkenntnisse zu den unterschiedlichen Entwicklungs- und Bildungsbereichen der Kindheitspädagogik als auch praktische Empfehlungen und Übungen für die konkrete Gestaltung der pädagogischen Arbeit mit Kindern. Das Buch kann in der Ausbildung der Erzieherinnen, im Studium der Kindheitspädagogik, von interessierten Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen, von Fachberatungen und in Kitas von pädagogischen Fachkräften eingesetzt werden und bietet eine Handreichung für die pädagogische Praxis.
Ich hoffe sehr, dass sie, geschätzte Leserinnen und Leser, viel Spaß beim Lesen dieses Buches haben werden und es ihnen einige spannende Einblicke in die kindliche Entwicklung und die pädagogische Förderung bieten kann. Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Ausprobieren der ein oder anderen Übung und der Orientierung an der ein oder anderen Empfehlung.
