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Erfolg mit Werten - Führungskräfte setzen Impulse

Harald Danne / Oliver P. Müller

A. Francke Verlag Tübingen


© 2017 • Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG

Dischingerweg 5 • D-72070 Tübingen

www.francke.de • info@francke.de

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E-Book-Produktion: pagina GmbH, Tübingen

ePub-ISBN 978-3-7720-0004-1

Inhalt

  Vorwort

  Geleitwort

  Dr.-Ing. E.h. Friedhelm Loh

  Fritz Müller

  Wolfgang Dondorf

  Dr. Wolf-Otto Reuter

  Eberhard Flammer

  Dr. Dietrich Heine

  Hans-Joachim Selzer

  Dr. Peter Hanker

  Norbert Müller

  Ulrich Jakobi

  Stefan Koch

  Dr. Uwe Schäkel

  Helmut Hund

  Roland Mandler

  Fritz Jürgen Weg

  Uwe Hainbach

  Doris Süß-Schnadmann

  Manfred Bender

  Gerhard Federer

  Andreas Tielmann

  Jens Mohr

  Marion Gottschalk

  Wilfried Schmied

  Dr. Thomas Steffen

  Gerhard Röhm

  Friedhelm Pfuhl

  Dr. Torsten Müller-Kramp

  Reiner Block

  Volker Zimmermann

  Wolfgang Schuster

  Frank Sommerland

  Thomas Fehling

  Sabine Bender-Suhr

  Dr. Regine Pfeiff

  Wolfram Dette

  Dr. Thomas Zipp

  Dr. Reinhard Kubat

  Dr. Uwe Röndigs

  Werner Stubenrauch

  Eckardt Franz

  Michael Parsch

  Hartmut Groos

  Rainer Kirchhübel

  Ulrich Jung

  Bildnachweis

Vorwort

Die Vorgeschichte dieses Buches reicht bis in das Jahr 2004 zurück. In diesem Jahr war erstmals eine bedeutende Unternehmerpersönlichkeit Gast des Moduls „Ethik- und Unternehmergespräch“. Während des Gesprächs erhielten die Studierenden wertvolle Einblicke in sehr persönliche ethische Grundsätze, und die jungen Menschen konnten vom reichhaltigen Erfahrungsschatz eines Unternehmers profitieren. Über vierzig Mal standen inzwischen Entscheidungsträger aus Wirtschaft und Politik den Studierenden beim Unternehmergespräch Rede und Antwort. Die vielfältigen Einblicke haben nicht nur unsere Studierenden und zukünftigen Fach- und Führungskräfte nachhaltig beeindruckt, sondern stießen auch in der Presse auf große Resonanz. Die außergewöhnlichen Gespräche und vielfältigen Impulse und Anregungen möchten wir mit dieser Publikation festhalten und einem breiten Leserkreis zugänglich machen.

Jeder Mensch braucht für eine sinnhafte Lebensführung wie für eine verantwortliche Berufsausübung Orientierungshilfen bei ethischen Entscheidungen. Das ist nicht neu, tritt aber angesichts der vielen aktuellen spektakulären Skandale und Krisen um beispielsweise Korruption, Steuerhinterziehung, Abgasskandal oder Sozialbetrug verstärkt ins Bewusstsein. All das wirft grundlegende, ja existentielle Fragen nach den Fundamenten des Zusammenlebens auf. Die Frage, was unsere Gesellschaft trägt und was sie nachhaltig zusammenhält, berührt die tiefe Sehnsucht jedes Menschen nach einem verantwortlichen und wahrhaftigen Leben.

Dieses Buch bietet keine Standardlösungen oder Patentrezepte. Vielmehr soll es dem Leser zu gedanklicher Klarheit verhelfen, seine Urteilsfähigkeit schärfen und dazu beitragen, sich eine eigenständige Meinung darüber zu bilden, welche Werte und Regeln bei Problemlösungen auch im interkulturellen Umfeld hilfreich sein können.

Die Vielzahl erfolgreicher Rat- und Impulsgeber lässt den Leser an vielen Praxisbeispielen erkennen, wie Führungspersönlichkeiten souverän und mit kreativen Ideen konkret an schwierige Fragen herangehen. Es wird deutlich, wie situativ und komplex die Herausforderungen jeweils sind und dass es für ethische Fragenstellungen nie nur die eine richtige Lösung geben kann. In diesem wohlverstandenen Sinne können die Impulsgeber eine Vorbildfunktion einnehmen. Vorbilder sind nie perfekt, auch sie haben Fehler und Schwächen. Sie zeigen uns damit unsere eigene Begrenztheit und inspirieren uns, an unseren Einstellungen zu arbeiten. Sie fordern uns implizit auf, Dinge besser zu machen, eigene Schwächen zu überwinden und die eigenen Stärken sinnerfüllt einzusetzen. Sie zeigen, dass „es“ machbar ist und können dazu motivieren, selbst an seinen Zielen und Träumen zu arbeiten. Dieses soziale Lernen ist vielfach umfassender und schneller als über Versuch und Irrtum; Biographien sind aus diesem Grund die ewigen Bestseller.

Alle Entscheidungen, und damit auch die unternehmerischen, werden von Menschen mit ihren jeweils sehr persönlichen Werten getroffen. Noch nie zuvor wurden Entscheidungen so schnell, so vielfältig, so kritisch und mit einer solchen Reichweite beurteilt wie heute – noch nie war die Verantwortungsdichte so hoch. Aufgabe eines werteorientierten Hochschulstudiums ist es daher, neben der Vermittlung des fachlichen Wissens auf höchstem Niveau gleichzeitig die verantwortliche Urteils- und Entscheidungsfähigkeit des Einzelnen zu stärken.

Wir danken den Autoren für Ihr Vertrauen in das Konzept des Moduls und die Zeit, die Sie sich genommen haben, um den Studierenden Einblicke in Ihre persönlichen Biographien und Wertvorstellungen zu geben und Ihre Gedanken zum schier unerschöpflichen Themenfeld Ethik mit uns zu teilen. Ebenso gilt unser Dank für die engagierte Manuskripterstellung. Die Autoren haben uns ihr Lebensmotto und die wichtigste Kernbotschaft für junge Menschen mitgeteilt. Aus einem Fragenkatalog von sieben Fragen haben sie sodann eine, mehrere oder alle Fragen beantwortet. An den Antworten wird deutlich, dass es für ethische Probleme und interkulturelle Besonderheiten nicht immer einfache Lösungen gibt und dass auf dieselbe Frage eine ganze Reihe von Antworten „richtig“ sein kann. Auf die in dieser Publikation besonders betonten „Impulse“ haben uns unsere Studierenden in der Reflexion aufmerksam gemacht. An unsere gemeinsamen Unternehmergespräche erinnern wir uns gerne und mit großer Freude zurück; sie standen jeweils unter einem Jahresmotto: u.a. „Preis der Ethik – Ethik ohne Grenzen?“; „Verantwortung und Verbindlichkeit“; „Fairness und Werte in der Krise“; „Werteorientierung – Ein Balanceakt zwischen Anspruch und Wirklichkeit“; „Bewusstsein Wohlstand“ und „Leben ohne Vorschriften und Regeln – Wo liegen die Grenzen der Toleranz?“ Der Abschnitt „Profil“ fußt auf der Pressemitteilung, die im Anschluss an das Kamingespräch verfasst und von der regionalen Presse veröffentlicht wurde; die Pressemitteilung wurde für diese Veröffentlichung teilweise aktualisiert und ergänzt.

Die Vorstandsvorsitzenden des Wirtschaftsvereins der Partnerunternehmen Herr Dr. Uwe Schäkel (bis 2013) und Herr Norbert Müller haben das Ethikmodul mit seinen interkulturellen Aspekten und die Unternehmergespräche intensiv begleitet und befördert, hierfür sprechen wir unseren tiefen Dank aus. Ebenso herzlich danken wir dem ehemaligen Präsidenten der Technischen Hochschule Mittelhessen Herr Professor Dr. Günther Grabatin (2006–2016), der mit seiner Unterstützung für das Ethikmodul klar gezeigt hat, welch hohen Stellenwert die Thematik in der Hochschulbildung genießt. Dies gilt gleichermaßen für den seit 2016 amtierenden Präsidenten Herrn Professor Dr. Matthias Willems, dem wir zudem für das Geleitwort zu diesem Buch sehr verbunden sind.

Den Wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Frau Harciye Agirman-Ortac, Frau Nina Wiche und Frau Kristina Barchfeld sind wir für die Mitgestaltung und Begleitung des Ethikmoduls und Frau Janika Wiesner für die vielfältige und umfassende Unterstützung bei der redaktionellen Erstellung des Buches zu großem Dank verpflichtet.

Liebe Leserinnen und Leser, seien Sie bereit für Inspiration. In diesem Buch geht es nicht um Wissensfragen und auch nicht um objektiv überprüfbare Antworten, vielmehr sollen Sie die Fragen und Antworten dazu anregen, spannenden und facettenreichen Fragen des menschlichen Miteinanders – auch unterschiedlicher Kulturen – offen und reflektiert zu begegnen und nach eigenen Antworten zu suchen. Es geht inhaltlich um die Königsfragen, die sich in allen Lebenslagen stellen und die keinen Menschen loslassen. Wir hoffen daher, dass die Impulse die Fragen möglichst vieler Leserinnen und Leser treffen.

Prof. Dr. Harald Danne; Oliver P. Müller, M.A.

Herausgeber

Geleitwort

„Was soll ich tun?“ Auf Kants klassische Grundfrage der Ethik können die Wirtschafts- und Ingenieurwissenschaften keine Antwort geben. Betriebswirte und Techniker brauchen aber für eine verantwortliche Praxis Orientierung bei ethischen Entscheidungen. Das ist nicht neu. Es tritt allerdings angesichts aktueller Skandale in der deutschen Wirtschaft verstärkt ins Bewusstsein.

Die Liste der einst renommierten Unternehmen, die systematisch gegen Gesetze verstoßen haben, wird immer länger. Angesichts der jüngsten Skandale von Deutscher Bank und Volkswagen kommt die Wochenzeitung „Die Zeit“ zu dem Schluss: „Der traditionelle Glaube an die Rechtschaffenheit deutscher Manager und Funktionäre ist weitgehend zerstört.“ Selbst der ADAC, lange Zeit die vertrauenswürdigste Institution der Deutschen, und der Fairness propagierende Deutsche Fußballbund haben sich offenbar gravierende Fehler zu Schulden kommen lassen.

Dax-Unternehmen richten Vorstandsressorts für Compliance (Integrität und Recht) ein, um die Probleme in den Griff zu bekommen. Dabei geht es nicht nur um das gute Gewissen von Führungskräften und Mitarbeitern, sondern um viel Geld. Denn wer erwischt wird, dem drohen Strafen und hohe Schadenersatzforderungen.

Dass klare ethische Grundsätze für den nachhaltigen Unternehmenserfolg wichtig sind, ist an der TH Mittelhessen herrschende Lehrmeinung. Wir wissen ebenso, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fähig sein müssen, diese Grundsätze in der betrieblichen Praxis zu beherzigen. Und uns ist auch klar, dass Führungskräfte hier eine Vorbildfunktion haben. Das gilt in gleicher Weise für das erfolgreiche Zusammenleben unterschiedlicher kultureller Identitäten.

Deshalb bietet die TH Mittelhessen in ihren fünf grundständigen dualen Studiengängen bei StudiumPlus seit mehr als zehn Jahren ein verbindliches Modul „Ethik und Unternehmergespräche“ an. Das Lehrkonzept der Veranstaltung realisiert den Anspruch von StudiumPlus, Lehrinhalte fachlich auf höchstem Niveau und gleichzeitig praxisnah zu vermitteln. Durch eine Vielfalt von Arbeitsformen fördert es zugleich soziale wie interkulturelle Kompetenzen, die Voraussetzung für Erfolge in Beruf und Privatleben sind. Das Modul „Ethik und Unternehmergespräch“ ist bei StudiumPlus für alle dual Studierenden verbindlich in den Lehrplan integriert; womit der TH Mittelhessen insoweit eine bundesweite Pionierfunktion in der deutschen Hochschullandschaft zukommt.

StudiumPlus ist ein innovatives duales Studienangebot, an dem mittlerweile über 700 Unternehmen der Region als Kooperationspartner beteiligt sind. In den Bachelor- und Master-Studiengängen bereiten sich zurzeit mehr als 1200 Studentinnen und Studenten an der Hochschule und im Betrieb auf ihre Berufstätigkeit vor. Das Studium vermittelt praxisnahes Fachwissen. Die Entwicklung außerfachlicher Kompetenzen gehört ebenfalls zum Studienprogramm. Denn nicht nur Wissen, sondern auch Werte und Kompetenzen sind Voraussetzung für ein erfolgreiches Berufsleben und die Integration in ein Sozialgefüge, das zunehmend interkulturell bestimmt wird.

Für das Modul „Ethik und Unternehmergespräche“ ist als Ziel definiert, dass „die Studierenden (…) die Bedeutung von persönlichen Einstellungen und Verhaltensmustern, von Erfahrungswerten bei Problemlösungen und – z.B. interkulturell bedingten – Interessengegensätzen im täglichen Miteinander (erkennen). Sie verlassen hergebrachte Denkmuster und begreifen neue Herausforderungen als Chance“. Wie das gesamte duale Studium setzt auch die Ethikveranstaltung darauf, Lernen auf solider theoretischer Grundlage praxisnah und eigenverantwortlich zu gestalten.

Zentraler Bestandteil des Ethikmoduls ist ein zweitägiger Workshop. Er bietet den Seminarteilnehmern Ruhe und optimale Arbeitsbedingungen. Sie erproben das bisher Gelernte in Übungen, Gruppenarbeit und Reflexionsrunden. Übungsspiele, die zum Beispiel Dilemmastrukturen auflösen sollen oder Einigungszwänge unter Zeitdruck simulieren, gehören ebenfalls zum Programm.

Höhepunkt des Workshops ist das abendliche „Unternehmergespräch“, zu dem jeweils ein Unternehmer oder hochrangiger Manager eingeladen wird. Die Studierenden haben in diesem Gespräch Gelegenheit, Fragen der Ethik im unternehmerischen Alltag mit denjenigen zu diskutieren, die tatsächlich Entscheidungen von großer Tragweite für Menschen, Unternehmen und Umwelt treffen.

Über 40 dieser erfolgreichen Führungskräfte, die alle engagiert und mit großer Ernsthaftigkeit das Kamingespräch geführt haben, kommen in diesem Buch noch einmal zu Wort. Wir haben sie nach ihrem Lebensmotto gefragt und nach den wichtigsten Botschaften, die sie jungen Menschen mit auf ihren Lebensweg geben möchten.

Das vorliegende Buch ist nicht nur für Studentinnen und Studenten, die sich auf ihr Berufsleben vorbereiten, eine anregende Lektüre; ein jeder wird es mit Gewinn lesen.

Prof. Dr. Matthias Willems

Präsident der Technischen Hochschule Mittelhessen

Dr.-Ing. E.h. Friedhelm Loh

„Mit Begeisterung Zukunft verantwortlich gestalten!“

Friedhelm Loh, Dr.-Ing. E.h.

Inhaber und Vorstandsvorsitzender

Friedhelm Loh Stiftung & Co. KG

Jahrgang 1946

verheiratet, drei Kinder

Berufliche Laufbahn

seit 1974: Gesellschafter und Vorsitzender der Geschäftsführung der Rittal GmbH & Co. KG, Herborn

seit 1989: Inhaber und Vorstandsvorsitzender Friedhelm Loh Stiftung & Co. KG, Haiger

Mitgliedschaften/Ehrenämter

Ehrenpräsident Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V. (ZVEI)

Aufsichtsratsmitglied Deutsche Messe AG Hannover

Aufsichtsratsmitglied KUKA Aktiengesellschaft

Senator Fraunhofer Gesellschaft

Vorstandsvorsitzender der Stiftung Christliche Medien

Vorstand Bibellesebund

Stiftungsratsmitglied Stiftung Volkenroda

Aufsichtsratsmitglied der Klöckner & Co SE

u.a.

Auszeichnungen

Bundesverdienstkreuz

Hessischer Verdienstorden

Samariterkreuz in Gold

Dieselmedaille

Ehrenmedaille THM-StudiumPlus

u.v.a.

Aktivität bei THM-StudiumPlus: Gründungsmitglied

Impulse

„Werte spielen in Unternehmen eine bedeutende Rolle und müssen von den Führungskräften permanent vorgelebt werden, damit sie sich auch bei den Mitarbeitern langfristig durchsetzen.“

„Unternehmenswerte auf dem Papier sind mir nicht wirksam genug.“

„Ehrlichkeit wird als Grundsatz verwässert, wenn man Notlügen zulässt und hier und da ein Auge zudrückt. Besser ist es, einen Fehler einfach zuzugeben.“

„Sehen Sie Arbeit nicht nur als Mittel, um Geld und Wohlstand zu erlangen, sondern auch als wertvollen Lebensinhalt.“

„In meiner Bibel steht nirgendwo was von Rente. Da steht was von Gaben und dem Einsetzen von Gaben. Solange mir Gott die Kraft gibt, werde ich weitermachen.“

„Langfristige Werte schaffen Vertrauen, das sich auszahlt.“

Profil

„Ethik ist der Umgang miteinander, orientiert an einer gemeinsamen Lebensform.“ So einfach und treffend definierte Friedhelm Loh, Unternehmer und Vorstandsvorsitzender des Friedhelm Loh Group mit Sitz in Haiger, den scheinbar schwer zu fassenden Begriff.

Der Unternehmer steht 78 Gesellschaften mit weltweit über 11000 Beschäftigten vor – darunter der Systemanbieter für Gehäuse- und Schaltschranktechnik Rittal GmbH & Co. KG. Die Unternehmensgruppe ist insbesondere in den Bereichen Maschinenbau, Elektrotechnik/Automation, Informationstechnologie, Prozessindustrie und Verkehrstechnologie aktiv. Gegründet im Jahr 1961 von Friedhelm Lohs Vater wurde aus dem mittelständischen Familienunternehmen über die Jahre ein Global Player mit 18 internationalen Produktionsstätten in Europa, Asien sowie Nord- und Südamerika.

Friedhelm Loh stellte sich differenziert und stets authentisch auch unbequemen Fragen: „Haben sie schon einmal einen Mitarbeiter persönlich entlassen müssen?“ Der gläubige Christ antwortete ehrlich und gerade heraus. Entlassungen seien immer das Schwierigste. Vor dem Hintergrund der aktuellen Wertefragen im Wirtschafts- und Gesellschaftsbereich wurde nicht nur diskutiert, was Ethik im eigentlichen Sinne bedeutet, sondern auch, ob es generelle Verhaltensregeln für eine erfolgreiche Unternehmensführung gebe. Darauf antwortete Loh mit dem Stichwort „Verbindlichkeit“: Werte wie Ordnung, Ehrlichkeit, die Einhaltung von Spielregeln und soziale Kompetenz seien das A und O. Und ein gutes Betriebsklima habe immer mit gegenseitigem Vertrauen zu tun.

„Wichtig ist, dass Führungskräfte die Grundsätze selbst leben und immer wieder in die Diskussion hineinbringen“, so Loh. Wichtig sei es außerdem, gemeinsame Ziele und Werte zu definieren. Wer einen Grundsatz über Bord werfe, bloß weil er selber einmal einen Fehler gemacht habe, wirke nicht mehr glaubhaft.

„Am Menschen macht man immer wieder Fehler – auch ich habe oft Fehler gemacht. Es muss einem dann gelingen, zuzugeben: Das war falsch!“ Einhundertprozentige Konsequenz sei der Weg zum Erfolg.

[Das Gespräch fand am 7. Mai 2004 statt.]

Aktuell nachgefragt!

Welche Kernbotschaften möchten Sie jungen Menschen mit auf den Weg geben?

Arbeit sollte mehr sein als nur ein Mittel, um Geld und Wohlstand zu erlangen. Wirklich erfolgreich ist, wer im Beruf auch Sinn, Erfüllung und wertvollen Lebensinhalt findet. Dazu braucht es Begeisterung, Offenheit, Veränderungsbereitschaft und den Mut, immer wieder neue Chancen zu ergreifen.

Welches ist für Sie der wichtigste Wert?

Vertrauen, Verbindlichkeit und Verantwortungsbewusstsein. Ich selbst bin stark durch christliche Werte geprägt, die in meiner Überzeugung auch im betrieblichen Kontext gelebt werden müssen. Gewinn und Moral schließen sich nicht aus. Im Gegenteil: Erst durch werteorientiertes Handeln können sich vertrauensvolle Beziehungen zu Mitarbeitern und Kunden entwickeln, die letztlich Basis sind für einen langfristigen Erfolg.

Wie werden in Ihrem Unternehmen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Thema Ethik sensibilisiert?

In unserer unternehmenseigenen Akademie haben wir vielfältige Möglichkeiten durch Trainings, Seminare, Workshops oder Coachings die Unternehmenswerte zu transportieren und für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter greifbar zu machen. Die Sensibilisierungsarbeit ist ein dauerhafter Prozess. Sie beginnt bereits bei unseren Auszubildenden und setzt sich fort bis zum Top-Management. Im Alltag sind die wichtigsten Vermittler unserer Unternehmensethik die Führungskräfte, die aber nicht nur durch Reden, sondern vor allem durch ihr Handeln erkennen lassen müssen, worauf es uns in Sachen Ethik und Moral ankommt.

Diese Welt wäre ein besserer Ort, wenn …?

die christlichen Werte in unserer Gesellschaft wieder mehr Gewicht bekämen. Aus diesem Grund habe ich u.a. die Stiftung Christliche Wertebildung ins Leben gerufen, die jungen Menschen eine am christlichen Menschenbild orientierte Erziehung ermöglichen soll.

Fritz Müller

„Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“ (Reinhold Niebuhr)

Fritz Müller, Dipl.-Verwaltungswirt

Vorstandsvorsitzender

AOK Hessen

(bis 2015)

gegenwärtige Position: im Ruhestand

Jahrgang 1948

verheiratet, zwei Töchter

Ausbildung/Studium: Diplom-Verwaltungswirt

Hobbies: Wandern, Trekking, Reisen, Wein und Essen

Berufliche Laufbahn

seit 1993: Mitglied der Geschäftsführung der AOK Hessen

seit 1996: Mitglied des Vorstands

seit 2002: Vorstandsvorsitzender

Mitgliedschaften/Ehrenämter

Beirat Willy Robert Pitzer Stiftung

Aktivitäten bei THM-StudiumPlus: Gründungsmitglied, Mitglied des Kuratoriums, Dozent

Impulse

„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“

„Ethische Grundsätze werden einem von der Wiege an mitgegeben und durch Vorbilder geprägt.“

„Was du nicht willst, was man dir tut, das füg auch keinem anderen zu.“

„Du musst durch Täler gehen, um Höhen zu erreichen.“

„Offenheit ist die Grundvoraussetzung menschlichen Miteinanders und somit für gute Führung.“

„Du musst den Standort auch mal wechseln, um einen neuen Blickwinkel zu bekommen.“

„Veränderung fängt bei mir an.“

Profil

Schließen Wirtschaft und Ethik einander aus? Dies war eine der Kernfragen, mit denen sich die Studierenden auseinander zu setzen hatten. Vorrangig ging es dabei um Unternehmensethik in Zeiten leerer Kassen, „ein zeitlos aktuelles Thema“, so Fritz Müller, der Vorstandsvorsitzende der AOK Hessen (im Amt bis Ende 2015).

Gegründet wurde die AOK Hessen 1993. Sie entstand aus dem Zusammenschluss von 20 selbstständigen hessischen AOKn mit dem damaligen Landesverband. Die AOK Hessen ist die mitgliederstärkste Krankenkasse in Hessen. In Bad Homburg vor der Höhe hat die Kasse ihren Hauptsitz. In 53 Beratungscentern sowie über Callcenter werden die über 1500000 Versicherten (davon ungefähr 1100000 Mitglieder) und etwa 100000 Firmenkunden betreut. Damit ist gut ein Viertel der hessischen Bevölkerung AOK-versichert.

Es soll eine Welt sein, die von mehr Menschlichkeit, Verständnis und Offenheit geprägt ist, berichtete Müller. Eine klare Absage erteilte er also der gegenwärtigen Kälte in den meisten Betrieben. Auch das Instrumentarium auf dem Wege dorthin legten die einzelnen Projektgruppen vor. Von Verantwortung und der sie tragenden Säule war da viel die Rede. Diese sind nach Ansicht der Studenten unter anderem Wertschätzung und Risikobereitschaft, Vertrauen, Nähe, aktive und passive Kritikfähigkeit, Gleichbehandlung und Teamfähigkeit.

Dem Lernziel entsprechend hatte sich natürlich auch ein Team mit der Verantwortung in der medizinischen Versorgung zu befassen. Dabei scheuten sich die Teilnehmer nicht, die verschiedenen Faktoren zu hinterfragen, welche die medizinische Versorgung beeinflussen. Sie stellten Qualität und Wirtschaftlichkeit gegenüber und suchten die Balance zwischen Leistungsbeschränkung, Gewinnmaximierung und Budgetierung. Sicher kein leichtes Unterfangen angesichts diverser Schieflagen auf diesen Feldern.

[Das Gespräch fand am 5. Juni 2004 statt.]

Aktuell nachgefragt!

Welche Kernbotschaften möchten Sie jungen Menschen mit auf den Weg geben?

Das Reden muss deckungsgleich mit dem Handeln sein – und führen Sie immer so, wie Sie gerne geführt werden würden.

Welches ist für Sie der wichtigste Wert?

Wertschätzung gegenüber allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Keine „Härte“, aber konsequentes Führen ist wichtig.

Was zeichnet aus Ihrer Sicht eine „anständige“ Führungskraft aus?

Man muss Menschen mögen und mit Freude führen. Auch in Stresssituationen sollte man stets fair bleiben. Jeder Mitarbeiter hat ein ganz spezielles Potenzial, dieses gilt es zu entwickeln. Ein guter Führungsstil entsteht nicht durch vermeintlich allgemeingültige Theorien, sondern durch einen situativen Führungsansatz. Entscheidend ist es, als Person authentisch zu sein.

Wie werden in Ihrem Unternehmen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Thema Ethik sensibilisiert?

Grau ist hier alle Theorie: Ethische Grundsätze sollten auf Führungsebene vorgelebt werden.

Wo sehen Sie die Grenzen der Unternehmensethik in einer globalisierten Welt?

Zwischen Marktorientierung und ethischen Grundsätze kann eine Diskrepanz entstehen. Dieser sollte man sich bewusst sein und nicht von seinen ethischen Grundsätzen abweichen.

Diese Welt wäre ein besserer Ort, wenn …?

zwischenmenschliche Wertschätzung und Respekt seltener vernachlässigt würden.

(Wolfgang Dondorf

„Carpe diem! Genieße den Tag in all seinen Facetten.“

Wolfgang Dondorf, Dipl.-Ingenieur

Vorstandsvorsitzender

Pfeiffer Vacuum AG

(bis 2007)

gegenwärtige Position: im Ruhestand

Jahrgang 1944

verheiratet

Ausbildung/Studium: Studium der Elektrotechnik an der RWTH Aachen

Hobbies: Flugzeuge fliegen mit europäischer und amerikanischer Pilotenlizenz, Segeln, Reisen, Lesen, Handwerkern

Berufliche Laufbahn

1971–1978: Technischer Leiter Sprague Electric, Rheydt und Genf

1979–1982: Geschäftsführer Square D, Gummersbach

1983–1989: Geschäftsführer Pulsotronic, Gummersbach

1990–1994: Geschäftsführer King Plastic, Gummersbach

1994–1996: Geschäftsführer Balzers-Pfeiffer, Aßlar

1996–2007: Vorstandsvorsitzender Pfeiffer Vacuum AG, Aßlar

Aktivität bei THM-StudiumPlus: Gründungsmitglied

Impulse

„Von meinen Mitarbeitern fordere ich viel Leistung. Dabei ist es aber wichtig, dies selber vorzuleben.“

„Man muss von innen brennen, um andere anzustecken.“

„Wer lügt muss ein gutes Gedächtnis haben.“

„Jede Führungskraft bekommt die Mitarbeiter, die sie verdient.“

„Entscheidend ist es, die Verantwortung für seine Fehler zu übernehmen, denn den Hauptverantwortlichen sehe ich morgens beim Rasieren im Spiegel.“

„Bei schwierigen Entscheidungen setze ich auf die Vier-Fragen-Probe von Rotary: Ist es wahr? Ist es fair für alle Beteiligten? Wird es Freundschaft und guten Willen fördern? Wird es dem Wohl aller Beteiligten dienen? Kann ich alle vier Fragen mit ja beantworten, weiß ich, dass ich diese Entscheidung mit gutem Gewissen treffen kann.“

Profil

In Krisenzeiten entließ er keine Mitarbeiter, sondern reduzierte ihre Arbeitszeit vorübergehend auf vier Tage pro Woche bei der Weiterzahlung des vollen Gehalts. Ethik und Werte gehören für ihn zum normalen menschlichen Verhalten. Darin bildet das Geschäftsleben keine Ausnahme. Den schlechten Ruf, den die Wirtschaft mittlerweile „genießt“, hält er für begründet, denn der 61-Jährige kennt noch Zeiten, in denen Gespräche per Handschlag abgeschlossen werden konnten. Wolfgang Dondorf ist Vorstandvorsitzender der Aßlarer Pfeiffer Vacuum Technology AG (im Amt bis Ende 2007).

Der international tätige Maschinenbaukonzern Pfeiffer Vacuum Technology AG ist insbesondere im Geschäftsfeld Entwicklung, Herstellung und Vertrieb von Vakuumpumpensystemen bzw. -komponenten aktiv. Der Konzern hat seinen Hauptsitz in Aßlar in Mittelhessen und betreibt weltweit mehr als 20 Tochtergesellschaften. Gegründet wurde das Unternehmen 1890 von Arthur Pfeiffer, der die Öl-Luftpumpe erfand. Bis 1926 avancierte Pfeiffer zum führenden Unternehmen der Vakuumtechnik. Pfeiffer Vacuum ging im 1996 an die New Yorker Börse und war der erste deutsche Mittelständler, der diesen direkten Schritt wagte. Im 1998 ging Pfeiffer Vacuum auch an die Deutsche Börse in Frankfurt am Main, im Segment Neuer Markt (heute TecDAX). Mit 2258 Mitarbeitern erwirtschaftete das Unternehmen 2014 einen Umsatzerlös von rund 406 Mio. Euro.

„Den Hauptschuldigen habe ich heute Morgen beim Rasieren im Spiegel gesehen.“ Mit diesem Satz fasste Dondorf sein Verständnis von Verantwortung zusammen. „Wenn jeder immer nur mit dem Finger auf andere zeigt, kommt man kein Stück weiter.“ Als Chef von so vielen Mitarbeitern sieht er sich verpflichtet, auch in moralischen Fragen mit gutem Beispiel voranzugehen. Ethik verstehe er als verbindliches und verantwortungsvolles Handeln und als Respekt vor anderen Menschen.

Den langjährigen Erfolg seines Unternehmens führt Dondorf auf ehrliches Geschäftsgebaren und den gesunden Menschenverstand zurück. Einer Ethik, verstanden als Luxus, für den die Grundlagen erst erwirtschaftet werden müssten, steht er skeptisch gegenüber, bedeutet sie doch, dass Betriebe, wenn es ihnen finanziell schlecht gehe, weniger moralisch agierten. Für den Vorstandsvorsitzenden ist Ethik etwas, das die Mitarbeiter von außen in die Betriebe hineinbringen und grundlegend für den Bereich der Arbeit ist.

Der Umgang mit Menschen sei ein Schlüsselfaktor für die gelungene Zusammenarbeit. Wenn er etwas mit einem Mitarbeiter besprechen wolle, bestelle er ihn niemals zu sich ins Büro, sondern begebe sich auf dessen Territorium. Dies sei für ihn die Rahmenbedingung für ein offenes Gespräch. „Auf das Chefsein gebe ich nicht viel. Wenn man die Kreativität seiner Mitarbeiter nutzen will, muss man ihnen auf gleicher Augenhöhe begegnen“, sagte er. „Besonders wichtig bei auftretenden Problemen ist, das Selbstwertgefühl seines Gegenübers nicht zu verletzen. Die Arbeit soll ja weiterhin Spaß machen. Das geht nur, wenn Menschen nicht dauernd ein schlechtes Gewissen wegen eines Fehlers oder ständig Angst um ihren Arbeitsplatz haben.“

[Das Gespräch fand am 29. April 2005 statt.]

Aktuell nachgefragt!

Welche Kernbotschaften möchten Sie jungen Menschen mit auf den Weg geben?

Was immer Du tust, tu’ es mit großem Engagement.

Wie schaffen Sie die richtige Balance zwischen Arbeit und Privatleben?

Es kann keine wirkliche Balance zwischen Beruf und Privatleben geben. Der größte monolithische Block des Wachseins sind die acht bis zehn Stunden im Unternehmen. Das Privatleben kann deshalb nur eingeschränkt stattfinden. Diese knappe Zeit gilt es dann bewusst und entspannt mit der Familie zu erleben. Dabei tritt die reine Zahl der Freizeitstunden in den Hintergrund.

Welches ist für Sie der wichtigste Wert?

Aufrichtigkeit, Geradlinigkeit und Verlässlichkeit

Welche betriebsethische Entscheidung ist Ihnen besonders schwer gefallen?

Was ist eine betriebsethische Entscheidung? Am schwersten ist mir immer gefallen, Mitarbeiter entlassen zu müssen.

Was zeichnet aus Ihrer Sicht eine „anständige“ Führungskraft aus?

Engagement, Ehrlichkeit, Geradlinigkeit, Kommunikationsfähigkeit und jederzeit ein Vorbild sein.

Wie werden in Ihrem Unternehmen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Thema Ethik sensibilisiert?

Ich bin heute Rentner, aber zu meiner aktiven Zeit habe ich immer versucht, durch vorbildliches Verhalten, die Mitarbeiter zur Nachahmung anzuhalten.

Ist Unternehmensethik heute nur ein Modebegriff zur Imagepflege oder mehr?

Der Begriff ist zwar auch ein Modebegriff, aber ein Unternehmen ohne ein solides Fundament mit ethischen Grundsätzen hat auf Dauer keine Chance.

Wo sehen Sie die Grenzen der Unternehmensethik in einer globalisierten Welt?

Für eine klare Linie mit nachvollziehbaren ethischen Verhaltensweisen gibt es keine Alternative. Auch wenn die Trickser manchmal kurzfristigen Erfolg verbuchen, werden sie am Ende alle scheitern.

Diese Welt wäre ein besserer Ort, wenn …?

es weniger Egoismus, Arroganz und Ignoranz gäbe.

(Dr. Wolf-Otto Reuter

„Fair play“

Wolf-Otto Reuter, Dr. rer. nat.

Vorstandsvorsitzender

Leica Microsystems

(bis 2008)

gegenwärtige Position: Ruhestand, selbstständiger Berater – Strategie, Innovation, Markenmanagement

Jahrgang 1945

verheiratet, zwei Kinder

Ausbildung/Studium: Diplom-Biologe, Dr. rer. nat. – Biophysik, Justus Liebig Universität Gießen

Hobbies: Sport generell, Alpinismus, Ski alpin und Skilanglauf, Fotografie

Berufliche Laufbahn

Wissenschaftlicher Mitarbeiter Universität, Optische Industrie und Messtechnik,

vom Entwickler bis zum Vorsitzenden der Geschäftsführung Leica Microsystems

Mitgliedschaften/Ehrenämter

IHK Innovationsforum

Vorstand Netzwerk OEM Wetzlar

Vorstand Industrieverband Spectaris

Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft

Aktivität bei THM-StudiumPlus: Gründungsmitglied, Dozent

Impulse

„Ein entscheidender beruflicher Erfolgsfaktor ist Flexibilität.“

„Fehler sollte man akzeptieren können – bei sich und bei anderen.“

„Seinen Sie auf Wechsel eingestellt!“

„Familie ist ein wichtiger Bestandteil des Lebens.“

„Bei internationalen Kontakten im Berufsleben ist es unerlässlich, kulturelle Unterschiede zu akzeptieren.“

„Wahrer Wohlstand ist für mich Frieden, Gesundheit, Familie und schließlich Erfolg.“

„Bei der Berufswahl sollte man seinen Leidenschaften folgen.“

Profil

„Unternehmensethik ist auch Ausdruck unterschiedlicher Kulturkreise und Unternehmenskultur“, so der langjährige und erfahrene Vorstandsvorsitzende von Leica Microsystems, Wolf-Otto Reuter. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Wetzlar entwickelt und produziert Mikroskope und wissenschaftliche Instrumente für die Analyse von Mikro- und Nanostrukturen. In den Geschäftsfeldern der klassischen Lichtmikroskopie und Stereomikroskopie, Digitalmikroskopie, Konfokalmikroskopie, Operationsmikroskopie sowie Probenvorbereitung für die Elektronenmikroskopie gehört das Unternehmen zu den Marktführern. Leica Microsystems betreibt zehn Produktionsstätten in acht Ländern sowie Vertriebs- und Serviceorganisationen in 19 Ländern mit insgesamt über 4000 Mitarbeitern. In über 100 weiteren Ländern übernehmen Partner den Vertrieb. Leica Microsystems ging 1997 als eines von drei Nachfolgeunternehmen aus der 1869 von Ernst Leitz gegründeten Firma Leitz in Wetzlar hervor.

Das Thema Ethik stellt sich für Reuter aus verschiedenen Perspektiven dar. Zum einen habe er in seiner langen Zeit bei Leica unterschiedliche Inhaber erlebt. Zum anderen hat der gebürtige Wetzlarer während seiner langjährigen Karriere auch viele unterschiedliche Kulturen kennen gelernt. Der Wechsel vom Familienbetrieb zu Investmentgesellschaften habe, so Reuter, immer zu anderen Wertschwerpunkten in der Unternehmenskultur geführt. „Familienbetriebe agieren stärker unter langfristigen Zielsetzungen, während Investmentgesellschaften Firmen aufkaufen, ihre Prozesse optimieren, um sie dann wieder zu verkaufen. Im Falle von Leica hatte beides Vorteile“, erklärte er.

Seine Eindrücke zum Thema Wirtschaftsethik brachte auf einen Nenner: „Meistens sind es Großkonzerne, deren Management mit unethischen Schlagzeilen in der Zeitung steht. Der Mittelstand hingegen verhält sich meist werteorientiert.“ Werte stellen sich in verschiedenen Kulturen jeweils unterschiedlich dar. „Was bei uns unehrenhaft ist, mag in China ehrenhaft sein“, sagte Reuter. „Wir dürfen nicht den Fehler machen, alle unsere Werte zu Regeln für alle anderen Kulturen zu erheben.“

Das Lernen neuer Regeln verglich der studierte Biophysiker mit dem Versuch-und-Irrtum-Prinzip der Natur. „Durch Fehler und Beobachtung lernen und nicht unbedingt auf den eigenen Regeln beharren, sondern Flexibel auch neue Wege gehen, ohne sich dabei selbst zu verlieren“, hielt er für einen richtigen Weg.

„Mir haben meine Erfahrungen in Russland geholfen“, erzählte Reuter. Über zehn Jahre war er im Verkauf und in der Technologieberatung für Leitz und Leica in der ehemaligen Sowjetunion tätig. „Hier musste man das Thema Verkauf ganz anders angehen als im Westen, und ich musste lernen, mich einer anderen Kultur und ihren Spielregeln gegenüber zu öffnen.“

[Das Gespräch fand am 18. Mai 2006 statt.]

Aktuell nachgefragt!

Wie schaffen Sie die richtige Balance zwischen Arbeit und Privatleben?

Konsequentes Freihalten von Zeit für Familie und Hobbies

Welches ist für Sie der wichtigste Wert?

Vertrauen

Welche betriebsethische Entscheidung ist Ihnen besonders schwer gefallen?

Betriebsbedingte Kündigungen

Was zeichnet aus Ihrer Sicht eine „anständige“ Führungskraft aus?

Ausgewogene Vertretung der Interessen von Eigner und Mitarbeitern. Ehrlichkeit.

Wie werden in Ihrem Unternehmen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Thema Ethik sensibilisiert?

Durch Kultur des Unternehmens und des Shareholders sowie durch die Vorbildfunktion des Managements

Ist Unternehmensethik heute nur ein Modebegriff zur Imagepflege oder mehr?

Ja und Nein. Das hängt sehr vom Unternehmen und den beteiligten Personen ab. Idealerweise sollte Ethik ein Element gemeinsamer sozialer Verantwortung von Eigner, Management und allen Mitarbeitern gegenüber ihren jeweiligen inner- und außerbetrieblichen Partnern, Kunden und der Gesellschaft sein, das sowohl das Unternehmen, die Mitarbeiter und Stakeholder in ihren jeweiligen sozialen aber auch wirtschaftlichen Zielen stützt.

Wo sehen Sie die Grenzen der Unternehmensethik in einer globalisierten Welt?

Unterschiedliche Definition und Positionierung des Begriffs in verschiedenen Kulturen

Diese Welt wäre ein besserer Ort, wenn …?

aus historischen Fehlern gelernt würde …

(Eberhard Flammer

„Steter Tropfen höhlt den Stein.“

Eberhard Flammer, Dipl.-Kaufmann

Geschäftsführer

Elkamet Kunststofftechnik GmbH

Jahrgang: 1953

verheiratet, vier Kinder

Ausbildung/Studium: Eberhard Flammer absolvierte nach seinem Abitur und einer Banklehre in Heilbronn ein Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität München. Seit 1981 ist er geschäftsführender Gesellschafter der Firma Elkamet, die heute rund 1000 Mitarbeiter an Standorten in Biedenkopf und Dautphetal (Mittelhessen), Tschechien und in den USA hat.

Mitgliedschaften/Ehrenämter

Präsident der Industrie- und Handelskammer Lahn-Dill

Auszeichnungen

Ehrenmedaille THM-StudiumPlus

Aktivitäten bei THM-StudiumPlus: Gründungsmitglied, Mitglied im Vorstand des CCD

Impulse

„Wir lernen aus Fehlern und feiern Erfolge!“

„Wir sind keine Abenteurer. Wir sind bodenständig.“

„Seien Sie aufrichtig mit ihren Mitarbeitern.“

„Geduld haben ist wichtig!“

„Es lohnt sich immer, jungen Menschen bereits früh Verantwortung zu übertragen.“

Profil

Eberhard Flammer, Geschäftsführender Gesellschafter der Elkamet Kunststofftechnik GmbH, sieht den Erfolg des Mittelstandes insbesondere auch in der Bewahrung althergebrachter und allgemein anerkannter Werte.

Das 1955 gegründete Familienunternehmen fertigt Extrusionsprofile aus technischen Polymerwerkstoffen für die Fahrzeug- und Beleuchtungsindustrie sowie Tanks für Kraftstoff- und Hydrauliksysteme, die bei Nutzfahrzeugen und Motorrädern zum Einsatz kommen. 2015 schrieb das Unternehmen einen Jahresumsatz von mehr als 106 Mio. Euro mit einem Exportanteil von über 50 Prozent. Aktuell beschäftigt die Elkamet Kunststofftechnik GmbH an den vier Standorten in Biedenkopf, Dautphetal sowie Myslinka, Tschechien und East Flat Rock, NC, USA, mehr als 950 Mitarbeiter, darunter 85 Auszubildende.

Grenzsituationen der Ethik stellten die Studierenden im Rollenspiel dar – und zwar in den Bereichen Umwelt versus Arbeitsplätze, Beschäftigung versus Gewinnmaximierung und Auftragsakquise versus Schmiergeldzahlungen. Darüber hinaus kamen Themen wie das Gleichstellungsgesetz und die Globalisierung zur Sprache. Eberhard Flammer bezeichnete die genannten Situationen als „sehr ungewöhnlich im mittelständischen Geschäftsalltag“. Als Unternehmer führt er die Geschäfte zusammen mit seinem Kollegen so, dass derartige Konflikte vermieden werden. „Zwar wird man vom Leben hin und wieder geprüft, doch dann soll man zu seinen Grundsätzen stehen“. Arbeitsplatzabbau könne so beispielsweise durch gute strategische Unternehmens- und Produktentwicklung vermieden werden.

Den Begriff „Ethik“ fand der gebürtige Schwabe „zu hochgestochen“. „Verantwortung ist der eigentliche Begriff dafür. Wenn ich die Versprechen, die ich der Belegschaft gebe, nicht einhalte, fällt das auf mich selbst zurück“, erklärte er. Glaubwürdigkeit und Bescheidenheit seien ihm wichtig. „Die Mitarbeiter merken, wenn sie korrekt behandelt werden.“ Werte würden zudem nicht erst in der Wirtschaft geboren, sondern die Menschen brächten sie aus ihrer Erziehung mit. „Den Unterschied von gut und schlecht muss jeder in sich haben. Dieses wichtige Messgerät darf nicht in Vergessenheit geraten“, erklärt er. Es sei Aufgabe des Elternhauses, und nicht erst die der Schule, hierfür den Grundstein bei ihren Kindern zu legen.

[Das Gespräch fand am 27. November 2006 statt.]

Aktuell nachgefragt!

Welche Kernbotschaften möchten Sie jungen Menschen mit auf den Weg geben?

Große Ziele werden mit langem Atem erreicht. Kurzfristige Nutzenoptimierung kann dabei hinderlich sein.

Welches ist für Sie der wichtigste Wert?

Vertrauen!

Welche betriebsethische Entscheidung ist Ihnen besonders schwer gefallen?

Ich bin dankbar, dass ich vor solchen Entscheidungen während 35 Jahren weitgehend bewahrt worden bin.

Was zeichnet aus Ihrer Sicht eine „anständige“ Führungskraft aus?

Von anderen nicht mehr zu verlangen als von sich selbst.

Wie werden in Ihrem Unternehmen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Thema Ethik sensibilisiert?

Persönliches Gespräch und Vorleben: „Führen durch Vorbild“.

Ist Unternehmensethik heute nur ein Modebegriff zur Imagepflege oder mehr?

Wir müssen Ethik in der Wirtschaft ständig thematisieren, weil zentrale Werte in Gefahr sind und bewahrt werden müssen.

Wo sehen Sie die Grenzen der Unternehmensethik in einer globalisierten Welt?

Die Teilnahme am Welthandel ist keine Begründung für faule Kompromisse.

Diese Welt wäre ein besserer Ort, wenn …?

jeder vor seiner eigenen Tür kehren würde.

(Dr. Dietrich Heine

„Optimistisch bleiben“

Dietrich Heine, Dr. agr.

Vorstandsmitglied

Vereinigte Hagelversicherung VVaG

(bis 2013)

gegenwärtige Position: in Neuorientierung

Jahrgang 1956

verheiratet, fünf Kinder

Ausbildung/Studium: 1978–1980: Volkswirtschaftslehre Uni Kiel; 1981–1983: Agrarökonomie ebendort; 1984–1985: Wissenschaftlicher Mitarbeiter Institut für Tierzucht ebendort

Hobbies: Segeln, Ski, Politik

Berufliche Laufbahn

1986–1989: Uelzener Allgemeine Versicherung, leitender Handlungsbevollmächtigter

1990–1993: R+V Versicherung Wiesbaden, Prokurist

1994–2013: Vereinigte Hagelversicherung Gießen, Vorstand

2013–2015: Deutsche Saatveredelung Lippstadt, Vorstand

Mitgliedschaften/Ehrenämter

Mitglied Aufsichtsrat in Start-up RapidEye AG (Satellitenfirma)

Vorsitzender des Beirates der Vereinigung hessischer Unternehmensverbände in Mittelhessen

Mitglied im Präsidium Vereinigung hessischer Unternehmensverbände, Frankfurt

In Gremien des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft

Aktivität bei THM-StudiumPlus: Gründungsmitglied

Impulse

„Jeder Mensch braucht eine klare ethische Verortung.“

„Ethisches Verhalten im Privatbereich ist die Basis für entsprechendes Verhalten im Betrieb.“

„Mitarbeiter brauchen Menschen, auf die sie sich verlassen können: Daher sollte man konsequent zu getroffenen Entscheidungen stehen.“

„Wichtig ist es, nicht stehen zu bleiben, sondern mental flexibel und wendig zu sein.“

„Ethisches Verhalten zeigt sich besonders in sozialem Engagement oder z.B. in der Tätigkeit in Vereinen und Verbänden.“

„Für das erfolgreiche Bewältigen komplexer Aufgaben ist die richtige Team-Zusammensetzung entscheidend.“

„Werte sind die Gene eines Unternehmens.“

Profil

„Respekt und Demut sorgen für nachhaltigen Erfolg in der wirtschaftlichen Praxis“, postulierte Dr. Dietrich Heine, Mitglied des Vorstandes der Vereinigten Hagelversicherung VVaG.

Die Vereinigte Hagelversicherung VVaG ging 1993 durch Fusion der beiden bisherigen deutschen Marktführer Norddeutsche Hagelversicherung VVaG und Leipziger Hagel VVaG hervor. Der Verein verfolgt den Geschäftszweck, seine Mitglieder gegen Ertragsausfälle im Bereich der Produktion von landwirtschaftlichen und gärtnerischen Erzeugnissen, insbesondere durch Hagel und andere Elementargefahren, zu versichern. Versicherungsnehmer sind Landwirte, Gärtner, Winzer, Hopfenpflanzer, Obst- und Gemüsebauern. Die Vereinigte Hagelversicherung ist sowohl deutscher als auch europäischer Marktführer und bietet Versicherungsschutz auch in Dänemark, Italien, Litauen, Luxemburg, den Niederlanden und Polen an.

Ethik biete zwar eine wichtige Entscheidungsbeihilfe für Unternehmer, sie sei dennoch kein Modell, das sich eins zu eins auf alle konkreten Handlungen übertrage ließe. Nach langen Überlegungen vor seinem protestantischen Hintergrund hat sich der aus Hermannsburg stammende Niedersachse für eine liberalistische Position entschieden. „Jeder kann so lange alles frei tun, was er will, solange er damit nicht die Freiheit anderer einschränkt“, erläuterte er. Darin sieht der Familienvater von fünf Kindern auch eine Grenze der Ethik: „Es ist nicht produktiv, wenn man Ethik dazu benutzt, andere Menschen oder sich selbst so lange zu zerlegen, bis man sie völlig schlecht gemacht hat. Es ist oft die Suche nach der Nadel im Heuhaufen, und Ethik wird hier tyrannisch“, sagte er. Sein eigenes liberales Handeln hat er aus dieser freiheitlichen Sicht für sich auf zwei Grundwerte reduziert: „Respekt im Umgang mit Menschen und Demut, damit man nicht abhebt.“ Behänge man sich mit zu vielen Tugendmaßstäben, könne man nicht mehr offen auf Menschen zugehen, sei seine Erfahrung. Erdung habe bei ihm einen hohen Stellenwert, da man bei Mitarbeitern nicht immer mit kritischen Gesprächen konfrontiert werde. Erst im Privatleben und in der Familie erhalte er häufiger offene Gegenmeinungen, die es ihm ermöglichten auch objektiv auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben.

Die Grenzen der Ethik ergäben sich zudem aus ihrer Reichweite. Am Beispiel der Versicherungsbranche verdeutlicht er dies: „In einigen Bereichen entstehen hier zukünftig Versicherungsfabriken, die vorwiegend über Internetplattformen agieren. Das wird zu massiven Stelleneinsparungen führen, was jetzt schon absehbar ist“, erklärte er. Angesichts solcher betriebswirtschaftlichen Entwicklungen werde die Ethik selbst nicht weit greifen, denn sie hat ihre Reichweite vor allem im Handeln des Einzelnen.

[Das Gespräch fand am 24. November 2006 statt.]

Aktuell nachgefragt!

Welche Kernbotschaften möchten Sie jungen Menschen mit auf den Weg geben?

Die Dinge unverkrampft angehen.

Wie schaffen Sie die richtige Balance zwischen Arbeit und Privatleben?

Das war immer schwierig, meine Ehefrau hat mich stets unterstützt.

Welches ist für Sie der wichtigste Wert?

Zwei wichtige Werte (Tugenden) können einer Führungskraft als „Leitplanke“ dienen. Sich immer wieder auf die christliche Tugend „Demut“ besinnen. Nicht im Sinne von Unterwürfigkeit oder Zurückhaltung, sondern in der Vermeidung von Hochmut und Selbstüberschätzung. Auf der anderen Seite die menschliche Tugend „Respekt“ beachten. Personelle Entscheidungen haben oft ein hohes Konfliktpotenzial. Genau erklären, warum so entschieden werden musste. Mitarbeiter aber nicht verletzen, sondern Alternativen aufzeigen.

Welche betriebsethische Entscheidung ist Ihnen besonders schwer gefallen?

Schwere betriebsethische Entscheidungen waren jeweils Trennungsgespräche mit Führungskräften sowie Loyalitätskonflikte innerhalb des Vorstandes bei Meinungsverschiedenheiten.

Was zeichnet aus Ihrer Sicht eine „anständige“ Führungskraft aus?

Die anständige Führungskraft kommuniziert Entscheidungen klar und liefert Begründungen. Das erfordert Mut und erzeugt beim Mitarbeiter u.a. Wut. Das muss man aushalten können. Wichtig ist, Mitarbeitern Chancen für Verbesserungen einzuräumen.

Wie werden in Ihrem Unternehmen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Thema Ethik sensibilisiert?

Sensibilisierung von Mitarbeitern zum Thema Ethik erreicht man am besten durch Vorleben anstatt Vorgeben.

Ist Unternehmensethik heute nur ein Modebegriff zur Imagepflege oder mehr?

Unternehmensleitung sollte schriftlich Stellung beziehen im Leitbild, in Erklärungen zu Corporate Governance und Compliance. Mitarbeitern die Möglichkeit geben, ethische Grundsätze des Unternehmens zu erfahren.

(Hans-Joachim Selzer

„Ehrlich währt am längsten.“

Hans-Joachim Selzer, Dipl.-Wirtschaftsingenieur

Geschäftsführender Gesellschafter

Selzer Fertigungstechnik

(bis 2007)

gegenwärtige Position: Rentner im Unruhestand

Jahrgang 1943

verheiratet, zwei Kinder

Ausbildung/Studium: 1961: Abitur Johanneum Gymnasium Herborn; 1961–1964: Studium der Theologie (ohne Abschluss) in Tübingen; 1964–1969: Studium zum Diplom-Wirtschaftsingenieur an der TU Berlin

Berufliche Laufbahn

1969–1973: Assistent der Geschäftsleitung der Dräger-Werke Lübeck

1974–2007: Geschäftsführender Gesellschafter der Selzer Fertigungstechnik

Mitgliedschaften/Ehrenämter

Aufsichtsrat der Indus AG

Stellvertretender Vorsitzender des Trägervereins der Freien Theologischen Hochschule (FTH), Gießen

Vorsitzender der Hans-Joachim-Selzer-Stiftung

14 Jahre Vizepräsident der Industrie und Handelskammer Dillenburg; heute Ehrenmitglied

Elf Jahre Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes Metall Mittelhessen; heute Ehrenvorsitzender

u.a.

Auszeichnungen

Bundesverdienstkreuz, u.a.

Aktivitäten bei THM-StudiumPlus: Ehemaliges Mitglied im Vorstand des CCD, Gründungsmitglied

Impulse

„Als Unternehmer ist man immer auch Vorbild für die Mitarbeiter.“

„Christliche Werte sind für mich persönlich für die Unternehmensführung von großer Bedeutung.“

„Meine Familie und mein Glaube an Gott geben mir Ruhe und Sicherheit.“

„Ein Unternehmer hat insbesondere auch eine Verantwortung für die Menschen in der Region – sei es im Bereich der Nachwuchsförderung oder im Einsatz für wohltätige Projekte.“

„Mittelständisch zu denken, heißt auf langfristige Entwicklungen und Beziehungen zu setzen.“

„In einem Unternehmen sollten ältere Mitarbeiter genauso geschätzt werden wie jüngere, denn ein Betrieb braucht sowohl Erfahrung als auch neue Ideen.“

Profil

„Ethik hat viel mit Marktwirtschaft zu tun“, sagt Hans-Joachim Selzer, Geschäftsführer der Firma Selzer in Driedorf-Roth im Gespräch mit den Studierenden. Selzer leitet das 1923 gegründete Familienunternehmen Selzer Fertigungstechnik GmbH & Co. KG in dritter Generation. Das Unternehmen mit Sitz in Driedorf-Roth ist Zulieferer von Präzisionstechnik für die Automobilindustrie und hat ca. 600 Mitarbeiter. Die Selzer Fertigungstechnik GmbH & Co. KG ist ein mittelständisches Unternehmen mit internationaler Ausrichtung. Das Unternehmen entwickelt und fertigt Komponenten und Baugruppen aus Metall für Getriebe, Motoren, Bremsen und Industrie.

Eigentlich wollte Hans-Joachim Selzer zunächst einen anderen Weg einschlagen und begann ein Theologiestudium. Nach fünf Semestern entschied er sich jedoch, Wirtschaftsingenieur zu werden und beschäftigte sich intensiv mit der Frage, ob man als Christ auch Unternehmer sein könne.

Die Antwort darauf ist für Selzer ein klares Ja. Denn als Unternehmer trage man Verantwortung für viele Menschen. Man sei verpflichtet, Arbeitsplätze zu erhalten und zu schaffen. „Der Unternehmer muss mehren, damit schafft er Wohlstand“, erklärte er. Er sei ein klarer Verfechter des Standorts Deutschland.

Sieben Leitsätze erarbeitete Selzer mit seinen Mitarbeitern, und alle, die im Unternehmen arbeiten, seien entsprechend dieser Leitsätze geschult worden. Leistungsbereit und kundenorientiert sollen Selzer-Mitarbeiter sein, aber auch ein menschlicher Umgang miteinander ist eine der Leitlinien.

Und die gilt auch für den Chef. So sei es ihm sehr schwer gefallen, 1993 zwanzig Mitarbeiter entlassen zu müssen. Eine solche Entscheidung müsse persönlich mit den Betroffenen besprochen werden. Und wer Probleme habe, beispielsweise Alkoholiker sei, der bekomme bei ihm dreimal eine Chance. Wer diese vergebe, müsse jedoch gehen.

Ganz wichtig ist Selzer Ehrlichkeit den Mitarbeitern gegenüber, was die Geschäftslage angeht. Auch die Kontaktpflege bedeutet ihm viel, obwohl es ihm an der Zeit fehle, so oft an den Arbeitsplätzen zu erscheinen, wie er es sich wünsche.

Erfolg bedeute für ihn Wachstum und langfristige Beziehungen zu Geschäftspartnern – also letztlich auch das, was Arbeitsplätze sichere. Trotz der klaren Aussage, dass die Firma im Mittelpunkt seines Lebens stehe, will sich Hans-Joachim Selzer im Sommer aus der Geschäftsleitung zurückziehen. Dann will er sich intensiver einer sozialen Stiftung und dem von ihm gegründeten Institut für Ethik und Werte widmen.

[Das Gespräch fand am 20. April 2007 statt.]

Aktuell nachgefragt!

Welche Kernbotschaften möchten Sie jungen Menschen mit auf den Weg geben?

„Ehrlich währt am längsten“ – das ist nicht nur ein schönes Sprichwort, sondern hat sich auch in meiner Berufspraxis immer bewährt. Wer ehrlich seine Geschäfte führt, erntet Vertrauen – ein Mega-Wert für jedes Unternehmen. Mit ehrlichen Menschen macht man gerne Geschäfte, ist man gerne zusammen. Und: Der Ehrliche hat ein gutes Gewissen. Damit kann man sich morgen auch noch selber im Spiegel anschauen.

Wie schaffen Sie die richtige Balance zwischen Arbeit und Privatleben?

Das war und ist immer eine Herausforderung, der ich nicht immer gerecht geworden bin. Meine Familie weiß davon ein Lied zu singen. Zumindest habe ich versucht, den Sonntag zu „heiligen“. Mein Tipp an die Studierenden aber heißt eindeutig: Opfern Sie nicht Ihre Familie auf dem Altar Ihres Berufes.

Welches ist für Sie der wichtigste Wert?

Neben der Ehrlichkeit ist es der Wert Zuverlässigkeit. Man muss zu seinen Worten stehen, verlässlich sein, loyal, integer. Der andere muss wissen, wo er bei mir dran ist. Dazu zählt auch, Absprachen einzuhalten, möglichst pünktlich zu sein, verbindlich. Und da das niemand hundertprozentig erreichen kann, gilt es auch, sich entschuldigen zu können. Führungskräften fällt das oft sehr schwer.

Wo sehen Sie die Grenzen der Unternehmensethik in einer globalisierten Welt?

Werte brauchen immer eine weltanschauliche Basis. Für unser Land war das über Jahrhunderte der christliche Glaube mit seiner Sicht vom Menschen als Ebenbild Gottes und als Sünder zugleich. Das hat unsere Ethik geprägt, auch meine. In anderen Kulturen kann man daran nicht automatisch anknüpfen. Das ist die eigentliche Herausforderung der Globalisierung. Hier sensibel mit anderen umzugehen, ohne die eigene Wertebasis aufzugeben, ist die Herausforderung für alle weltweit agierenden Unternehmen. Dafür muss man aber erst einmal eigene Werte haben. Sonst hat man keine eigene Orientierung.

Diese Welt wäre ein besserer Ort, wenn …?

wir uns unserer christlichen Wurzeln wieder mehr bewusst würden. Der Glaube an Gott gibt uns so viel: Identität, auch jenseits von Karriere und Erfolg, realistische Selbsteinschätzung – auch unabhängig vom Applaus der anderen – moralische Werte, die einen Unterschied machen. Vor allem aber eine Beziehung zu dem, der allein diese Welt besser machen kann. Das bewahrt vor Selbstüberschätzung und Allmachtsphantasien.

(Dr. Peter Hanker

„Es muss ein schlechter Schüler sein, der seinen Lehrer nicht übertrifft.“ (Leonardo da Vinci)

Peter Hanker, Dr.

Vorstandssprecher

Volksbank Mittelhessen

Jahrgang 1964

Ausbildung/Studium: Bankkaufmann; Studium der Betriebswirtschaft; Promotion

Berufliche Laufbahn

Nach der Ausbildung zum Bankkaufmann: verschiedene Stationen im Bankwesen

1997–1999: Vorstand Berliner Volksbank

seit 2000: Vorstand Volksbank Gießen

seit 2001: Vorstandssprecher Volksbank Gießen (heute: Volksbank Mittelhessen)

Mitgliedschaften/Ehrenämter

Aufsichtsrat der DZ Bank AG sowie zahlreiche Ehrenämter im Genossenschaftswesen und im Mittelstand

Aktivität THM-StudiumPlus: Gründungsmitglied

Impulse

„Eine gute Führungspersönlichkeit sollte die Mitarbeiter motivieren und in ihrem Handeln stets konsequent sein.“

„Vertrauen, aber auch die notwendige Härte machen den Erfolg einer Führungskraft aus.“

„Für nachhaltigen Erfolg ist eine gute Vernetzung unabdingbar.“

„Als genossenschaftliche Bank setzen wir auf gleichberechtigte Partnerschaft.“

„Eng mit Mittelhessen verwurzelt übernehmen wir gesellschaftliche Verantwortung und unterstützen regionale Initiativen sowie soziale und gemeinnützige Einrichtungen.“

„Bei nachhaltigem Vertrauensverlust muss man sich von einem Mitarbeiter trennen.“

„Wertschätzung für die Kunden ist eine Haltungsfrage.“

Profil

Das Wort „Vertrauen“ ist ein Kernbegriff, wenn Dr. Peter Hanker, Vorstandssprecher der Volksbank Mittelhessen, über seine Arbeit spricht. Vertrauen gegenüber Mitarbeitern und auch gegenüber den Kunden. Er macht aber auch keinen Hehl aus der Härte, die man in seiner Position zeigen muss, um die Bank – und damit deren Kunden – vor Schaden zu bewahren.

Die Volksbank Mittelhessen eG ist eine deutsche Genossenschaftsbank mit Sitz in Gießen. Die 1858 als Gewerbebank Gießen gegründete Volksbank Mittelhessen eG zählt nach zahlreichen Fusionen mit insgesamt 164 ursprünglich selbständigen Banken zu den größten und mitgliederstärksten Volksbanken Deutschlands. Die Volksbank Mittelhessen eG verfügt über eine Bilanzsumme von 6,8 Mrd. Euro. Sie beschäftigt 1400 Mitarbeiter und betreut in 91 Filialen ca. 335000 Kunden.

„Lässt sich das Ziel, Kunden zu umwerben, die möglichst keine Kosten verursachen, mit ethischen Grundsätzen vereinbaren“, war eine Frage, die Dr. Hanker gestellt wurde. Er fand deutliche Worte: „Ethik darf sinnvollem betriebswirtschaftlichem Handeln nicht entgegenstehen.“ Doch auch wenn man in seinem Metier natürlich nach wirtschaftlichen Zielen ausgerichtet sei, stehe das Vertrauen in den Kunden im Vordergrund. Als genossenschaftliche Bank gehöre die Volksbank nicht nur den Kunden, sie sei auch fest in der Region verwurzelt.

„Geht es der Region gut, geht es auch der Bank gut“, sagte der 52-Jährige. Und: „Kein Unternehmen kann nur nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen geführt werden.“ Seine Mitarbeiter seien schließlich bestrebt, denjenigen, die sie am Vortag beraten hätten, auch am nächsten Tag auf dem Sportplatz noch in die Augen sehen zu können.

Ob man als „Saubermann“ in seine Position kommen könne? „Wenn man merkt, dass das Vertrauen, das man in ein Unternehmen gesetzt hat, missbraucht wird, dann muss man dementsprechend reagieren.“ Der Erfolg der Bank, der Erfolg der Mitarbeiter dürfe nicht gefährdet werden. „Man wird abgebrüht“, räumte er ein. Das Anspruchsdenken mancher Unternehmer, die Volksbank sei doch schließlich ihre Bank und Bilanzen zählten da nicht, könne er nicht hinnehmen. Schließlich gehöre die Bank den Kunden, man müsse also über Gewinne und Verluste Rechenschaft ablegen. Auch bei den Privatkunden werde vor der Kreditvergabe genau hingesehen. „Denn wenn wir den Kredit geben und es geht schief, bekommen wir die Schuld zugewiesen.“

Vertrauen setzt er auch in die Mitarbeiter der Bank. Gefragt, wie denn das Verfehlen von Zielsetzungen sanktioniert werde, erklärte er: „Es macht keinen Sinn, bloß an Stichtagen zu sehen, wie viele Bausparverträge verkauft wurden.“ Wichtiger sei es, die Menschen zu motivieren, von sich aus ihr Bestes zu geben.“

[Das Gespräch fand am 25. Mai 2007 statt.]

Aktuell nachgefragt!

Welche Kernbotschaften möchten Sie jungen Menschen mit auf den Weg geben?

Bleiben Sie authentisch! Verbiegen Sie sich nicht! Die meisten von uns haben ein natürliches Gespür dafür, was richtig ist und was falsch. Doch allzu oft unterdrücken aufstrebende Nachwuchskräfte ihr eigenes Gewissen zu Gunsten vermeintlicher beruflicher Vorteile. Doch das lohnt sich nicht! Wer mit dem, was er im Job oder auch privat zu verantworten hat, nicht vollumfänglich im Reinen ist, wird nicht glücklich. Irgendwann wird es zur Belastung und kann gesundheitliche Auswirkungen nach sich ziehen. Daher meine Bitte: Wissen ist ein machtvolles Instrument. Das theoretische Rüstzeug für Ihre Karriere eigenen Sie sich mit dem Studium an. Setzen Sie dieses Wissen sorgsam ein. Hinterfragen Sie immer wieder Ihre Rolle. Welche Verantwortung möchten Sie tragen? Stehen Sie hinter dem, was Sie tun? Können Sie guten Gewissens in den Spiegel sehen? Opfern Sie Ihre Ideale nicht in der Hoffnung auf die schnelle Karriere!

Was zeichnet aus Ihrer Sicht eine „anständige“ Führungskraft aus?

Menschlichkeit, Fairness, Ehrlichkeit und Transparenz. Diese Eigenschaften zeichnen meiner Ansicht nach wirklich gute Führungskräfte aus. In exponierter Position müssen Führungskräfte teils Entscheidungen treffen, die massive Auswirkungen auf ihre Mitmenschen haben. Und ja, diese Entscheidungen können auch schmerzhaft sein. Wichtig ist es, auch in einer solchen Situation, nicht zu vergessen, dass es immer um Menschen geht, deren Gefühle und Belange es zu respektieren gilt. Fairness bedeutet für mich, mit gutem Beispiel voranzugehen. So entgegne ich den Anliegen aller Kolleginnen und Kollegen, vom Auszubildenden bis zum Bereichsleiter, immer mit Respekt und stehe für sie gerne zur Verfügung. In schwierigen Situationen währt Ehrlichkeit am längsten. Mitarbeiter und Kunden spüren sehr genau, ob man ihnen ehrlich gegenübertritt oder nicht. Unter Transparenz verstehe ich vor allem, nachvollziehbare Entscheidungen zu treffen. Führungskräfte, die nach Gutsherrenart über Wohl und Wehe entscheiden, sind auf Dauer nicht erfolgreich.

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9783772000041
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