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Ralph Dietze
Die dunklen Machenschaften
Die Gier nach Macht und Geld
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Inhaltsverzeichnis
Titel
1. Kapitel
2. Kapitel
3. Kapitel
4. Kapitel
5. Kapitel
6. Kapitel
7. Kapitel
8. Kapitel
9. Kapitel
10. Kapitel
11. Kapitel
12. Kapitel
13. Kapitel
14. Kapitel
15. Kapitel
16. Kapitel
17. Kapitel
18. Kapitel
19. Kapitel
20. Kapitel
Impressum neobooks
1. Kapitel
Frank schreckte durch das Klingeln seines Weckers hoch. Nach dem er ihn ausgemacht hatte, denkt er, noch fünf Minuten liegen bleiben würden nicht schaden. Ihm fiel der Streit von gestern Abend ein. Monika hatte ihm zum wiederholten Male vorgeworfen, schuld am Tod ihres Sohnes zu sein. Wie immer nach solchen Auseinandersetzungen flogen zuerst böse Worte und dann knallten die Türen.
Beide tranken wortlos ihren Kaffee und machten sich für die Arbeit fertig. Gerne würde er sie jetzt in den Arm nehmen, aber sie war immer noch sauer und lehnte jede Annäherung ab.
„Komm lass uns frühstücken, ehe es noch zu melancholisch wird. Was liegt heute bei dir an?“, fragte Monika sehr nüchtern und auf Distanz bedacht.
„Wenn nichts dazwischenkommt, bin ich 18 Uhr heute Abend zu Hause, aber du weißt ja, Monika, die Kunden machen nie was ich möchte.“ Dabei lachte er Monika an.
„Dann können wir ja noch Einkaufen fahren und müssen uns morgen nicht so hetzen.“ Frank nickte kurz.
„So, ich gehe noch schnell duschen, bevor ich mich los mache.“
„Mach das, ich räume den Tisch ab und mache mich dann auch fertig.“
30 Minuten später saßen beide im Auto und fuhren Richtung Stadt. Die Stille im Auto war wie jeden Tag zum Zerreißen angespannt. Keiner sagte etwas oder wollte was reden. Frank hielt kurz an der Haltestelle, damit Monika aussteigen konnte und weiter mit der Straßenbahn zu ihrer Arbeit fahren konnte. Mit einem flüchtigen Kuss verabschiedete sie sich von ihm. Normal könnte er sie bis zu ihrer Arbeit fahren, ohne einen großen Umweg zu seiner Arbeit. Als Monika ausgestiegen war, fuhr er, ohne sich noch einmal umzusehen, zügig weiter. Eigentlich war er erleichtert, dass Monika nicht weiter mitfuhr, obwohl er sich wünschte, dass es wieder so wird wie es einmal war, als sie noch eine glückliche Familie waren. Diesen Gedanken verwarf er aber sofort wieder und versuchte, schnell zu seiner Arbeit zu kommen.
Einige Zeit später war Frank in seinem Büro. In Gedanken vertieft saß er schon einige Minuten, als ihn Klaus durch ein „klopf, klopf“ aus seinen Gedanken riss.
„Bist du schon aufgeregt wegen des Meetings beim Chef?“
„Warum sollte ich, meine Zahlen stimmen, und deine?“
„Hör auf, zwei Kunden sind letzte Woche abgesprungen. Angeblich waren die Zahlungen zu hoch.“
Dann hättest du es korrigieren müssen und so anpassen, dass es passend ist für sie. Das weißt du doch selber.“
„Hast ja recht.“, antwortet Klaus.
„Dann nerve mich nicht mit so was am Morgen.“
Frank schaute auf seine Uhr und gab Klaus ein Zeichen, dass es Zeit wird zu gehen. Nachdem Frank wieder alleine war, ging er noch einmal seine Unterlagen fürs Meeting durch. Bevor er sein Büro verließ, schaute er auf das Foto auf seinem Schreibtisch. Da waren sie noch eine Familie, geht es ihm durch den Kopf. Wäre er damals nicht noch in die Bar gegangen, um seinen Geschäftsabschluss zu feiern, wäre sein Sohn heute noch am Leben. Frank verharrte einige Zeit in diesen Gedanken und merkte nicht, wie die Zeit verging.
„Herr Kunze, Herr Kunze!“, hörte er auf einmal seine Sekretärin.
,,Ja?“
„Man wartet auf Sie im Besprechungsraum.“
„Danke Frau Schmidt.“
Der Chef erwartete ihn schon und polterte los: „Fünf Minuten zu spät! Was gab es Wichtigeres als dieses Geschäftsmeeting, Herr Kunze? Ich hoffe, Sie haben eine gute Ausrede.“
„Ähm?“
„Gut, setzen Sie sich, damit wir anfangen können. Meine Herren, ich habe die Zahlen, mit denen vom letzten Monat verglichen. Dabei ist mir aufgefallen, dass einige von ihnen ihr Ziel diesen Monat verfehlen werden. Woran liegt das, Herr Fischer?“
Der Chef fixierte ihn dabei und merkte, wie Fischer errötete.
„Ich warte, Herr Fischer!“
„Was soll ich sagen?“
„Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit, oder denken Sie, dass man hier nur zum Spaß arbeitet?“
„Das denke ich nicht, aber…“
„Hören Sie mit dem aber auf. Wenn Sie schon keine Eier haben, die Kunden so zu beraten, dass Sie ihre Unterschrift unter den Vertrag bekommen, dann sagen Sie das. Sind Sie so ein Loser oder tun sie nur so? Vielleicht wollen Sie mich nur auf die Probe stellen und schauen, wie weit Sie das ausreizen können? Wenn das so ist, bin ich sehr gespannt, was Sie in der Hinterhand haben.“
Frank merkte, wie Klaus immer unruhiger auf seinem Stuhl wurde und sich hilfesuchend im Raum umschaute.
„Darf ich dazu was sagen, Herr Petersen?“
Der schaute Frank an und gab ihm ein Zeichen.
„Wie sie ja wissen, hat Herr Fischer immer geliefert. Durch familiäre Umstände ist er etwas aus der Bahn geraten.“
Klaus fing an zu schluchzen wie ein kleines Kind. Auch das noch.
Petersen schrie ihn an: „Mann, reißen Sie sich zusammen. Das fehlt mir noch, dass meine Leute wie Waschfrauen anfangen zu heulen. Also was ist los, Herr Kunze? Sie können sich wieder zurücknehmen. Ich denke, dass Herr Fischer für sich selber antworten kann.“
Klaus schaute Petersen an und erklärte ihm seine Lage. Als er damit fertig war, lehnte sich Petersen in seinem Stuhl zurück und sah einige Minuten auf die vor ihm liegenden Blätter.
„Gut, sie haben also keine Lösung, Herr Fischer?“
Petersen schaute in die Runde und sagte dann in Richtung Klaus: „Ich gebe ihnen zwei Wochen, um das zu bereinigen. Sollten Sie das nicht hinbekommen, sind sie gefeuert. Das Meeting ist zu Ende meine Herren.“
Alle standen auf und verließen eilig den Besprechungsraum.
Beim Rausgehen schnappte sich Frank Klaus. „Komm in mein Büro! Mach die Tür zu! Wie willst du vorgehen?“
Klaus fing an zu reden: „Er kann mir doch nicht kündigen, nur weil ich einmal nicht das Ziel schaffe?“
„Klaus, höre auf damit, du weißt doch selber, es zählen nur die Zahlen von heute und nicht die von gestern. Also wir haben zwei Wochen, um das zu korrigieren. Ich helfe dir dabei, gemeinsam schaffen wir das. Lass uns anfangen, hole alle Unterlagen und Anträge der letzten vier Wochen, auch die abgelehnten. Wir werden alles noch einmal durchgehen und rufen die Kunden an, um einen neuen Termin zu bekommen. Ich werde bei den Beratungen deiner Kunden dabei sein.“
Als Klaus aufstand, um die Unterlagen zu holen, schaute er Frank an. „Warum machst du das?“
„Du bist mir nicht egal, und außerdem sind wir doch Freunde, dachte ich.“ Dabei grinste er.
Klaus grinste auch und nickte nur, dann verließ er Franks Büro.
Als Frank alleine war, sah er in seinen Terminkalender, welche Termine er diese Woche schieben kann. Dann ging er zu seiner Sekretärin.
„Frau Schmidt, Sie müssen die rot markierten Termine auf nächste Woche schieben. Schauen Sie wo es am besten rein passt und bitte nicht zu eng legen.“
„Was soll ich den Kunden sagen, Herr Kunze?“
„Ihnen fällt schon was ein, Frau Schmidt.“
„Da bist du ja, lass uns loslegen.“ Er schloss seine Bürotür.
Es wurde schon langsam dunkel. Frank und Klaus saßen immer noch über den Verträgen.
Frank schaute auf seine Uhr und musste feststellen, dass es schon spät war. Er sah Klaus an und fragte: „Wollen wir noch was trinken gehen?“
Kaum gesagt, verließen beide sein Büro und gingen geradewegs in die nächste Bar.
Nach einigen Drinks und Stunden später bestellten sie ein Taxi und fuhren jeder für sich nach Hause.
2. Kapitel
Es war schon ziemlich spät als Frank zu Hause die Haustür aufschloss. Er versuchte dabei so leise wie nur möglich reinzugehen, damit Monika nicht aufwachte und ihm vielleicht noch eine Szene machte, weshalb er nachts angetrunken mit einem Taxi heimkommt. Kaum war er im Wohnzimmer, stand Monika im Nachthemd da und legte los:
„Wenn du schon saufen gehst und angetrunken heimkommst, kannst du auch in deinem Büro schlafen. Dann sehe ich es wenigstens nicht.“
Frank wollte sich erklären, aber er kam nicht dazu. Monika verschwand, kam kurz darauf mit seinem Bettzeug zurück und warf es ihm vor die Füße. Dann ging sie ohne ein Wort ins Schlafzimmer. Frank stand wie ein begossener Pudel da und wusste nicht was er sagen sollte. Er nahm wortlos sein Bettzeug und richtete sein Nachtlager auf der Couch ein. Als er endlich lag, hörte er Monika weinen. Er wollte zu ihr, um sie zu trösten, aber diesen Gedanken wischte er schnell wieder weg. Irgendwann muss er auch eingeschlafen sein. Am nächsten Morgen war Monika schon verschwunden, Frank duschte und fuhr dann mit einem Taxi in die Firma, wo Klaus schon aufgeregt auf ihn wartete.
„Da bist du ja.“
„Was ist los?“
„Wir haben 10 Uhr einen Termin bei der Kruckern GmbH.“
„Das sind doch die von voriger Woche?“
„Ja sind sie. Jetzt verstehst du auch, warum ich so aufgeregt bin. Wenn die Kruckern GmbH unterschreibt, bin ich wieder im Soll.“ Klaus umarmte Frank herzhaft.
„Lass gut sein, du erdrückst mich noch.“
Punkt 10 Uhr waren beide bei der Kruckern GmbH am Empfang.
„Wir haben einen Termin mit dem Vorstand.“
„Wen darf ich Frau Siegbert anmelden?“, fragte die freundliche Stimme am Empfang.
„Klaus Fischer und Frank Kunze vom Bankhaus Fisch & Sohn.“
Nach einem kurzen Telefonat der Empfangsdame, kam Frau Siegbert mit festen Schritten aus dem Fahrstuhl auf Klaus und Frank zu. Mit einem Lächeln begrüßte sie erst Klaus und dann Frank.
„Kommen Sie meine Herren, Sie werden schon erwartet.“
Im Fahrstuhl betrachtet Frank Frau Siegbert aus dem Augenwinkel. Er dachte, was für eine heiße Frau. Bei diesen Gedanken merkte er, dass er leicht erregt war, und versuchte dies in Griff zu bekommen. An der Tür zum Konferenzraum angekommen öffnete sie diese mit einem freundlichen Lächeln, durch eine bestimmende Handbewegung untermauerte sie ihre Aufforderung noch.
Nachdem man sich vorgestellt hatte, übernahm Frank das Gespräch. Die ganze Zeit merkte er, wie ihn Frau Siegbert immer wieder fixierte, dabei aber vermied, süffisant zu lächeln. Frank nahm dies wahr und versuchte sich beim Gespräch zu konzentrieren. Er hatte schon viele dieser Gespräche geführt und erfolgreich abgeschlossen. Warum sollte das hier schief gehen?, dachte er beiläufig. Man tauschte sich schon einige Stunden aus und näherte sich langsam der Ziellinie. Frau Siegbert nutzte die kurze Unterbrechung von Frank.
„Herr Kunze?“
„Ja“ Frank war irritiert, dass sie ihn auf einmal ansprach.
„Sagen sie uns doch einfach was uns der Kredit von ihrer Bank kostet.“
Frank wollte noch einmal ausholen, aber Frau Siegbert fiel ihm sofort ins Wort.
„Die Kosten, Herr Kunze.“
Dabei schauten ihre blauen Augen ihn fest an, so dass Frank fast hypnotisiert war. Er konnte sich diesen Augen einfach nicht entziehen.
„25 Millionen auf 10 Jahre.“
„Danke, Herr Kunze.“
Dabei zog sie sich zurück und kommunizierte über Augenkontakt mit dem Inhaber, der dann das Gespräch an sich riss.
„Wir danken Ihnen für ihre aussagekräftige Einschätzung. Wir werden uns beraten und ihnen dann unsere Entscheidung mitteilen.“
Frank schaute etwas verwirrt Klaus an, der auch nicht wusste, was gerade passiert ist.
Frank fand als erstes seine Stimme wieder und fragte Richtung Geschäftsführer s , wann er mit einer Entscheidung rechnen könne.
„Frau Siegbert wird Sie über unsere Entscheidung informieren, sobald wir eine getroffen haben.“
„Ich danke Ihnen für ihre Zeit und ihr Angebot. Alles weitere mit Frau Siegbert.“
Darauf verließ er den Raum.
Es herrschte eine eisige Stille, die einem die Luft zum Atmen nahm. Frau Siegbert durchbrach sie, indem sie Frank ihre Visitenkarte reichte.
„Ich denke, dass Sie ab sofort mein Ansprechpartner sind?“
„Ja“, antwortete er.
„Schön, dann können wir uns ja duzen, nachdem wir das geklärt haben.“
Dabei streckte sie Frank ihre Hand entgegen.
„Ich bin Hannelore.“
Frank zögert noch kurz und schaute zu Klaus hinüber, der immer noch bewegungslos auf seinem Stuhl wie festgeklebt saß. Dann ergriff er ihre Hand und sagte: „Ich bin Frank.“
Dabei schauten sich beide tief in die Augen und vergaßen was um sie herum war.
„Du kannst meine Hand jetzt wieder loslassen, außer du möchtest sie mir brechen, damit ich den Vertrag nicht unterschreiben kann.“
„Oh entschuldige bitte, das war nicht meine Absicht.“
Sie lachte und rieb ihre Hand kurz, dabei sah sie zu Klaus, um sich zu vergewissern, dass sie auch mit dem Richtigen verhandelte.
Dann drehte sie sich um und ging zur Tür, dort angekommen drehte sie sich wieder um und beobachtete, wie Frank seine Sachen in die Tasche packte und mit Klaus zur Tür kam. Nachdem Hannelore beide wieder zum Empfang gebracht hatte, verabschiedete sie sich. Frank schaute ihr hinterher wie ein Hund, der von seinem Frauchen irgendwo angeleint zurückgelassen wurde.
Erst Klaus‘ Worte brachten ihn wieder in die Realität zurück, beim Verlassen schimpfte er wie ein Rohrspatz: „Bist du von allen guten Geistern verlassen? Du kannst doch nicht so ein Angebot machen, ich glaube es einfach nicht.“
Frank unterbrach Klaus. „Sag mal, wer ist eigentlich diese Hannelore Siegbert?“
„Was?“
„Wer ist Hannelore Siegbert, kennst du sie?“
„Was heißt kennen. Ich habe mit ihr verhandelt, mehr nicht. Sie war es auch, die den Inhaber vom Vertrag abgeraten hat.“
„Ich denke, dass wir das Ändern“, sagte Frank beim Verlassen der Firma.
Beide fuhren zurück in die Bank, um ihre weitere Strategie festzulegen. Frank war die ganze Zeit mit seinen Gedanken bei Hannelore. Sie hat ihn in seinen Bann gezogen, ihre blauen Augen haben so eine starke Ausstrahlung, der man sich schwer entziehen kann.
„Hörst du mir überhaupt zu, Frank?“
„Was sagtest du gerade Klaus?“
„Du hast nicht zugehört. Wo bist du mit deinen Gedanken nur?“
Nach einer kurzen Pause sagte er: „Sie hat dir aber ganz schön den Kopf verdreht.“
Klaus schaute Frank an und fragte ihn: „Möchtest du meine ehrliche Meinung dazu hören?“
Frank seufzte nur.
„Nein, wahrscheinlich nicht. Ich halte sie für den eigentlichen Inhaber und nicht Krug. Er hält nur seinen Kopf hin, sollte etwas schief gehen.“
Frank sah Klaus an.
„Wir sollten das vielleicht untersuchen, wenn du da einen Verdacht hast, nicht dass wir in etwas investieren was uns beide den Kopf kosten könnte zum Schluss.“
„Darf ich dir einen unparteiischen Rat geben Frank?“
„Ja natürlich.“
„Ich rate dir, die Sache genau zu verfolgen, aber wenn wir noch tiefer graben und nichts finden, ist nicht nur unser Ruf geschädigt, das muss uns klar sein. Wir haben keine Beweise.“
„Nur wenn es dir gut geht, geht es auch der Bank gut.“
Frank blickte Klaus nur an, dann stand er auf und ging zum Fenster. Er beobachtete einige Minuten die hastigen Menschen auf der Straße. Er drehte sich zu Klaus um und sagte: „Wenn man von hier so auf die Straße schaut, hat man einen guten Blick auf das, was da draußen los ist. Weißt du aber, wo man einen noch besseren Blick auf die Straße hat?“
Klaus schüttelte etwas irritiert seinen Kopf. Frank kam auf Klaus zu, dabei sagte er: „Vom Büro neben der Geschäftsleitung.“
„Kann sein“, sagte Klaus. „Da war ich noch nie.“
„Siehst du, das unterscheidet uns. Ich denke groß, und du klein.“
Klaus wunderte sich immer mehr und wollte was sagen, da unterbrach ihn Frank.
„Wir sollten rausfinden, ob sie göttlich ist oder ein Mensch.“
„Oh, es ist schon 19 Uhr. Ich werde jetzt heimfahren und so tun, als ob ich ein harmonisches Eheleben führe.“
Mit diesen Worten verließ er sein Büro und ließ den immer noch irritierten Klaus sitzen.
3. Kapitel
Hannelore hatte es sich im Sessel mit einem Buch und einem Glas Rotwein gemütlich gemacht und wollte so den Tag ausklingen lassen. Sie war so vertieft in ihr Buch, dass sie erschrak, als es an der Tür klingelte. Wer kann das jetzt noch sein?, dachte sie beim Gang zur Tür. Bevor sie öffnete, schaute sie durch den Türspion und wunderte sich nur. Dann öffnete sie die Tür und bat Hans-Peter herein: “Was führt dich um diese Zeit zu mir?“
Im Wohnzimmer sagte er etwas nervös: „Wir müssen reden.“
Hannelore ging zum Schrank und holte ein zweites Weinglas.
„Wenn du mich schon um diese Zeit störst, musst du mit mir auch was trinken.“
Dabei grinste sie etwas unterkühlt.
Nachdem sie die Gläser gefüllt hatte, lehnte sie sich zurück in ihrem Sessel und prostete Hans-Peter zu. Nach dem ersten Schluck fragte sie ihn: „Also was ist so wichtig, dass es nicht bis morgen warten kann?“
„Was hältst du von dem Angebot von diesem Kunze?“
„Deshalb kommst du zu mir nach Hause? Ich glaube es ja nicht“, sagte Hannelore mit ruhiger Stimme und schaute dabei in ihr Weinglas.
„Ich denke, dass wir das lieber privat bereden und nicht in der Firma. Die Wände haben Ohren“, antwortete Hans-Peter.
Hannelore schwenkte ihr Glas, als ob sie die Antwort im Wein suchte. Dann sah sie ihn an. „Das Angebot für die Firma ist in Ordnung, aber für das Grundstück nicht.“
Hans-Peter fragte etwas aggressiv: „Wie muss ich das jetzt verstehen?“
„Die Firma ist eigentlich pleite, das weißt du am besten. Die Zahlen sind doch alle nur geschönt für die Banken. Einer Tiefenprüfung würden die nicht standhalten.“
„Deshalb macht ihr ja die ganzen dreckigen Geschäfte über meine Firma.“
„Genau aus diesem Grund müssen wir das Grundstück vergolden, um keine, wie sagtest du gerade ‚dreckigen Geschäfte‘ mehr machen zu müssen.“
„Das ist kriminell“, antwortet Hans-Peter und trank dabei sein Glas in einem Zug leer.
„Da mache ich nicht mit. Ich habe schon zu lange zugeschaut, wie ihr meine Firma für eure Geschäfte nutzt. Irgendwann muss damit Schluss sein. Wenn du das nicht beenden kannst, beende ich es.“ Hans-Peter wollte aufstehen.
„Setzt dich!“, sagte Hannelore mit fester Stimme. Dabei sah sie ihn ernst an.
„Du meinst also, dass es kriminell ist, wenn man einem Geschäftspartner Geld gibt und er damit seine Firma an die Wand fährt.“
Hans-Peter wollte sich rechtfertigen, was Hannelore sofort im Keim erstickte.
„Wer ist vor fünf Jahren zu mir gekommen und hat mir die Ohren vollgeheult? Du warst damals schon tief in den roten Zahlen und keine Bank auf der Welt hat auch nur einen Cent in deine Firma investiert. Denkst du etwa, dass wir die Heilsarmee sind und dir das ganze Geld schenken? Da bist du aber gewaltig auf dem Holzweg, mein Lieber. Wenn wir nicht Geld in die Hand genommen hätten, wäre die Kruckern GmbH schon längst bankrott. Natürlich muss ein Unternehmen auch einmal Gewinn machen. Deshalb wollen wir das auch mit dem Bankhaus machen“, sagte Hannelore, dabei stand sie auf und ging zum Kamin, um ihre Hände aufzuwärmen.
„Danach bist du uns los und kannst mit deiner Firma machen was du möchtest.“
„Wie soll das gehen? Wenn ich unterschreibe, wollen die das Geld von mir.“
Nach einigen Minuten drehte sie sich um. „Wenn du mir nicht dazwischenfunkst, wirst du fein aus der Sache rauskommen ohne auch nur einen Euro zu zahlen.“
Hans-Peter war klar, dass er da nicht wieder rauskommt und schaute zu Boden. Hannelore nahm die Flasche und goss ihm Rotwein nach.
„Lass mich das nur machen mit diesen Bankheinis. Du wirst sehen, sie zahlen. Natürlich bekommst du deinen Teil, der dir zusteht.“ Dabei prostete sie ihm zu.
Hans-Peter stieg bei diesen Gedanken das Blut zu Kopf, er wurde rot, was Hannelore zum Lachen anregte. Sie ging zu ihm und streichelte seine Wange. Aus heiterem Himmel gab sie ihm eine Ohrfeige.
„Reiß dich gefälligst zusammen und flenne hier nicht rum.“
„Hast ja recht“, antwortet Hans-Peter, trank sein Glas wieder leer und wollte es auf dem Tisch abstellen, als Hannelore seine Hand ergriff und lächelte.
„Wenn du nicht immer so viel Ärger machen würdest, könnten wir noch viel mehr aus dem Laden rausholen.“
Hans-Peter verspürte auf einmal einen stechenden Schmerz in seiner Hand. Er wollte sie von Hannelore wegziehen, was ihm aber nicht gelang. Das Gegenteil passierte, Hannelore hielt seine Hand noch fester umklammert und drückte seinen Daumen immer weiter nach hinten. Die Schmerzen wurden immer unerträglicher und sein Daumen musste jede Sekunde brechen unter dem Druck Hannelores.
„Merke dir eins, wir sagen was gemacht wird und nur wir entscheiden, wann wir uns zurückziehen. Hast du das verstanden? - Ob du das verstanden hast?“
Sie ließ seinen Daumen los und erhob sich. Vor ihm stehend ohrfeigte sie ihn rechts und links.
„Hast du das verstanden?“
„Ja, ja, hör auf mich zu schlagen!“, schrie Hans-Peter ganz klein in seinem Sessel.
Hannelore ließ von ihm ab und sortierte sich.
„Gut, dann haben wir uns ja verstanden und alles Wichtige geklärt.“
Hans-Peter nutzte eine Atempause und sprang auf, um zur Tür zu laufen. Dort drehte er sich zu ihr um.
„Wenn ihr denkt, dass ihr mich fertig machen könnt, habt ihr euch gewaltig geschnitten. Sollte ich untergehen, werdet ihr genauso mit untergehen.“
Er verließ die Wohnung und knallte die Tür wütend zu mit der Hand, die Hannelore bearbeitet hat, was ihn schmerzhaft daran erinnerte. Hannelore quittierte dies nur durch Abwinken.
„Wo die Tür ist, weißt du?“
Da war er aber schon draußen.
4. Kapitel
Frank war in seine Akten zum Fall Kruckern GmbH so vertieft, dass er das Klopfen nicht hörte. Erst als seine Sekretärin ‚Herr Kunze‘ rief und etwas lauter klopfte reagierte er.
„Was gibt es, Frau Schmidt?“
„Sie sollen sofort zu Herrn Petersen ins Büro kommen.“
Er erschrak und dachte nur, warum soll ich jetzt auf einmal zu ihm kommen?
Beim Verlassen seines Büros bedankte er sich noch bei seiner Sekretärin.
„Was würde ich nur ohne sie machen?“
Dabei lief ihm ein Lächeln über die Wangen.
„Da sind sie ja endlich, Kunze, kommen sie rein und schließen sie die Tür.“
Petersen war deutlich anzusehen, dass er schlechte Laune hatte.
„Was gibt es so Wichtiges am frühen Morgen?“
Das sollte witzig rüberkommen, was ihm aber nicht gelang, wie er feststellen musste.
„Die Kruckern GmbH macht mir Sorgen, und dass mein bester Mann dabei ist, etwas zu machen was ihm nicht gut bekommen könnte. Wenn das passiert, was ich da denke“, fing Petersen das Gespräch an. Eiskalte Stille herrschte im Raum, Frank musste tief schlucken, bevor er antworten konnte, sagte aber nichts. Petersen lehnte in seinem Arbeitssessel.
„Erklären Sie mir einmal, was ihre Zielgruppe ist.“
Frank erinnerte sich sofort an ein Seminar in seinem Studium, wo man sich konkret über Zielgruppen unterhalten hatte.
„Unter Zielgruppen verstehe ich eine bestimmte Anzahl von Marktanteilen, zum Beispiel Marktteilnehmern, die gewisse Gemeinsamkeiten haben und auf bestimmte kommunikative Signale homogen reagieren.“
Petersen schaute ihn an.
„Wenn Sie so denken, frage ich mich ernsthaft, was Sie dann mit der Kruckern GmbH vorhaben. 20 Millionen für 5 Jahre. Das Grundstück alleine ist mehr wert. Hören Sie auf mit diesem Unsinn. Sie wissen doch selber, dass wir nicht auf Grundstücke spekulieren, wo man nicht weiß, wer der eigentliche Besitzer ist.“
„Die Kruckern GmbH ist der Eigentümer und an die halten wir uns, wenn es hart auf hart kommt“, erwiderte Frank.
„Lassen wir das erst einmal. Ich hoffe Sie wissen, was Sie da machen, denn Ihre Unterschrift steht unter dem Vertrag, und ich entscheide am Ende, ob das Geschäft gemacht wird oder nicht. Was ich Ihnen aber ganz genau sagen kann …“
Petersen machte eine lange Pause, bevor er weiter sprach.
„Am Ende wirst du tief fallen und keiner wird sich um dich kümmern, ist es das wert? Frank, du bist mein bester Mann, und ich möchte dich nicht verlieren, nur weil dieser Fischer unfähig ist. Ich hätte Fischer schon längst feuern sollen, diesen Waschlappen.“
„Was hat Fischer damit zu tun?“
„Das weißt du ganz genau, und lass diese arrogante Frage gefälligst. Ich bin nicht einer deiner Laufburschen.“
„Gibt es noch was Wichtiges, Herr Petersen? Wenn nicht, ich habe den Tisch voller Arbeit.“
Petersen schaute Frank sehr ernst an.
„Du möchtest das nicht verstehen. Machen wir es so, ab sofort geht alles im Fall Kruckern GmbH über meinen Tisch. Wenn ich der Meinung bin, da ist was nicht in Ordnung, ist das Projekt gestorben.“
„Ist in Ordnung, Herr Petersen.“
„Du kannst jetzt gehen, aber mach deinen Kunden klar, dass wir eine Tiefenprüfung veranlassen werden.“
„Das werde ich der Firma Kruckern mitteilen.“
„Gut, das war es dann fürs Erste.“
Vor Wut schäumend kam Frank in seinem Büro an. Er hörte nicht einmal, dass Frau Schmidt ihm noch sagte, dass Frau Siegbert angerufen hatte und einen Rückruf verlangt hatte.
Als er sich an seinen Schreibtisch gesetzt hatte, holte er die Flasche Whisky aus seinem Schreibtischfach von ganz unten, machte sein Glas voll, und schüttete auf ex in sich, um sich gleich noch ein zweites zu gönnen. Er lehnte sich weit in seinem Sessel zurück und versuchte das Gespräch mit der Kruckern GmbH noch einmal Revue passieren zu lassen. Dabei merkte er die aufsteigende Wirkung des Whiskys, der ihn daran hinderte, einen klaren Gedanken zu fassen.
„Du sollst Frau Siegbert anrufen“, sagte Klaus, als er Franks Büro betrat.
„Früher hat man mal angeklopft, bevor man in einen Raum gekommen ist“, murmelte Frank und legte die Flasche in das Schreibtischfach zurück.
„Gibt es was zu feiern?“, fragte Klaus.
„Ja, gibt es. Ich war gerade bei Petersen. Er hat mir klar gemacht, dass wir die Finger von der Sache lassen sollen.“
Klaus sah ihn an. „Was hast du ihm gesagt?“
„Dass ich ein Spieler bin und nichts weiter. Das bin ich und das werde ich immer sein. Jemand, der professionell Gewinnchancen abschätzt für die Bank, die dadurch ihre Kunden in den Bann zieht und nicht mehr loslässt, ob es ihnen gefällt oder nicht.“
Klaus stand mit offenem Mund da. „Das hast du ihm gesagt?“
„Habe ich natürlich nicht, er hätte mich sonst sofort zum Nervenarzt geschickt mit meiner Kündigung.“
Beide lachten.
„Aber mal ernsthaft, was wissen wir genau über diese Firma und diese Frau Siegbert?“
„Eigentlich nichts, außer dass ihre Bilanzen nicht zu 100 Prozent stimmen. Ich weiß nicht, ob die einer Tiefenprüfung standhalten.“
„Wir müssen es herausfinden und unbedingt mit dieser Frau Siegbert noch einmal unter vier Augen reden. Mein Gefühl sagt mir, dass da noch viel mehr hinter steckt.“
„Du hast ihr doch gesagt, dass wir eine Tiefenprüfung veranlassen werden.“
„Habe ich, aber hast du gesehen, wie sie reagiert hat?“, fragte er Klaus.
„Nein, habe ich nicht.“
„Aber ich, und da war keine Regung, geschweige eine Art Widerspruch. Nur ein kurzer Augenkontakt zu ihrem Chef.“
„Weißt du, was ich denke?“, fragte Frank Klaus mit fester Stimme.
„Nun sag schon.“
„Der Chef ist nur ein Platzhalter, und sie ist die eigentliche Person, die das Sagen hat.“
„Denkst du das wirklich?“
„Ja.“
„Lass uns aufhören, sentimental zu werden. Was hast du bis jetzt herausbekommen über die Kruckern GmbH?“
„Deshalb bin ich zu dir gekommen. Es ist eine Firma mit Tradition, sie reicht bis 1888 zurück. Er hat sie von seinem Vater 1970 übernommen. Alles lief gut, bis vor sechs Jahren. Da ging es auf einmal ständig bergab. Bis Frau Siegbert vor vier Jahren als Prokuristin in der Firma erschien. Ab da ging es wieder aufwärts, aber der Geldfluss ist nicht nach vollziehbar. Ich habe mich da mal über diese Frau Siegbert etwas schlau gemacht.“
„Hast du was gefunden?“
Klaus grinste. „Nun sag schon.“
„Pass auf, die Siegbert ist immer wieder in Firmen eingestiegen, die kurz vor dem Bankrott standen. Ich habe versucht, mit den ehemaligen Eigentümern zu reden, nur wollte das keiner so richtig. Was ich aber erfahren habe, dass sie über die Firmen Geld gewaschen hat.“
„Was?“
„Sie hat die Firmen für ihre Geschäfte benutzt. Das bedeutet, dass sie die Firmen übernimmt und die Chefs abhängig von sich macht mit irgendwelchen Geldern aus Schwarzgeldgeschäften oder sogar aus kriminellen Machenschaften.“
„Wir werden die liebe Frau Siegbert erst einmal weiter in Sicherheit wiegen und schauen, was sie ausheckt.“
„Frank, wir sollten lieber die Finger davon lassen und mit dem, was wir wissen, zur Polizei gehen.“
„Nein“, sagte Frank „Warum sollen wir nicht die Arbeit der Polizei machen. Wir können doch nichts dafür, dass sie es nicht hinbekommen, eine so gewiefte Person dingfest zu machen.“
Er lehnte sich weit in seinem Stuhl zurück und holte seine Zigarrenschachtel heraus. Dann entnahm er sich eine und drehte sie zwischen seinen Fingern.
„Weißt du, was diese Zigarre mit unserer Frau Siegbert gemeinsam hat?“
„Nein, weiß ich nicht“, sagte Klaus.
„Zuerst wickelt man sie um den Finger mit Komplimenten und unterbreitet ihr ein Angebot. Dann schneidet man sie an“, was er mit seinem Zigarrenschneider demonstrativ machte, „danach holt man ein Streichholz raus und zündet sie an. Dabei passt man auf, dass sie nicht verbrennt. Wenn du das gemacht hast, rauchst du sie genussvoll und behandelst sie wie ein rohes Ei. Am Ende entsorgst du den Stummel, genau wie unsere Frau Siegbert.“
Dabei blies er den Rauch in Richtung Klaus, der einen Hustenanfall bekam. Frank lachte.
Frank beugte sich zu Klaus. „Das bleibt erst einmal unser Geheimnis.“
5. Kapitel
Frank lag auf seiner Terrasse im Liegestuhl und versuchte, die Sonne aufzusaugen. Immer wieder zog er genussvoll dabei an seiner dominikanischen Zigarre. Er sah dem Rauch hinterher, der sich nach einigen Sekunden in Luft auflöste und nur noch einen süffisanten Geruch hinterließ. Er wurde von Monika dabei unterbrochen.
„Da ist eine Frau Siegbert an der Tür. Sie fragt ob du Zeit hättest für sie.“
„Ja, lass sie rein, und Monika, kannst du uns Kaffee kochen und einige deiner leckeren Kekse dazu reichen?“
Sie lächelte ihn an. „Nicht dass dies noch zur Gewohnheit wird.“
Frank wollte ihr einen Kuss geben, aber Monika ging schon Richtung Eingangstür.
„Kommen Sie bitte rein, Frau Siegbert, mein Mann ist auf der Terrasse, aber seien Sie vorsichtig, er verpestet gerade die Luft mit seiner Zigarre.“
„Danke, Frau Kunze, es wird auch nicht lange dauern.“
Frank kam ihr schon von der Trassentür entgegen.
„Kommen Sie, Frau Siegbert, nicht, dass meine Frau Ihnen noch was erzählt, was sie verschreckt.“
Dabei reichte er ihr seine Hand.
„Grüße Sie, Frau Siegbert. Lassen Sie uns auf die Terrasse setzen und dabei einen Kaffee trinken. Sie trinken doch einen mit?“
„Ja gerne.“
Nachdem sie es sich im Sessel auf der Terrasse bequem gemacht hatten und Monika den Kaffee serviert hatte, tauschten sie noch ein paar Nettigkeiten aus, bevor sie zum Kern des Gespräches kamen.
„Also was führt Sie am Samstag zu mir nach Hause, Frau Siegbert?“
„Es sieht so aus, dass Sie sehr beschäftigt sind und nicht einmal Zeit haben für einen Rückruf. Deshalb dachte ich mir, dass ich doch einmal zu Ihnen komme und schaue, wie Sie so wohnen.“
„Nur deshalb sind Sie doch nicht zu mir gekommen, Frau Siegbert?“
„Waren wir nicht beim Du, Frank?“
„Hast recht, Hannelore, also was kann ich für dich tun?“
„Wir haben dein Angebot geprüft und sind zum Entschluss gekommen, dass dein Angebot noch nicht passt.“
„Wie meinst du das?“
„Die Firma und das Grundstück sind viel mehr Wert.“
„Das könnte stimmen, aber wir sehen ja die Bilanzen und da steht was anderes.“
„Bilanzen hin oder her. Lass mal die Bilanzen außen vor. Wenn ich Krug bewegen soll, muss der Preis stimmen.“
„Was bedeutet das, Hannelore?“
Sie drehte sich elegant zur Seite, als ob sie dachte, dass jemand sie verfolgt e . Dann sagte sie: „80 Millionen für 10 Jahre.“
Frank sprang auf und schrie: „Denkst du, dass ich geisteskrank bin?“
Daraufhin kam Monika auf die Terrasse. „Ist alles in Ordnung, Schatz?“
„Ja alles in Ordnung. Lass uns bitte alleine.“
Dabei schob er Monika ins Wohnzimmer zurück und schloss die Trassentür hinter ihr. Er hielt für einige Minuten an der Tür inne, um das erst einmal sacken zu lassen. Nachdem er sich wieder im Griff hatte, drehte er sich um und ging zu ihr. Hannelore saß immer noch ohne eine Regung zu zeigen im Sessel, er beugte sich zu ihr.
„Du hörst mir jetzt mal gut zu.“
„Was fällt dir ein, so mit mir zu reden?“, antwortet Hannelore.
„Ich rede so mit dir, wie es dir zusteht.“
„Auf so ein Niveau lass ich mich nicht ein“, sagte Hannelore und wollte aufstehen. Frank drückte sie in den Sessel zurück.
„Du bleibst dasitzen und hörst mir jetzt zu, was ich dir zu sagen habe.“
Hannelore sah ihn verstört an und erkannte in seinen Augen, dass er es ernst meinte.
„Lass hören, was du anzubieten hast.“
„Wir wissen, dass du diejenige bist, die bei der Kruckern GmbH das Sagen hat und nur du entscheidest, was da passiert.“
Frank machte eine kurze Pause und beobachtet dabei Hannelore, bevor er weitersprach.
„Das wird wahrscheinlich so laufen wie es sonst auch läuft, und deshalb schlage ich dir einen Deal vor.“
„Was meinst du genau, Frank?“
Frank lachte und setzte sich in seinen Sessel, dann reichte er ihr die Kekse von Monika.
„Koste einmal die leckeren Kekse. Hat meine Frau gebacken. Sie sind so lecker, dass man mehr davon möchte.“
„Was haben die Kekse damit zu tun?“
„Koste und du verstehst genau, was ich dir damit sagen möchte.“
Hannelore schaute ihn an und wusste nicht, was er damit meinte.
„Mein Vorschlag an dich. 50 Millionen für, sagen wir mal, weil du es bist, für 7Jahre. Warte, ich bin noch nicht fertig. Ich bekomme für meine Arbeit 10 Millionen. Das ist mein Angebot. Überlege es dir oder lass es sein.“
Hannelore lachte. „Entschuldige, dass ich lachen muss, aber du musst geisteskrank sein.“
„Nenne es wie du möchtest, mein Angebot steht.“
„Nie und nimmer werde ich das unterschreiben.“
„Dann werde ich am Montag die Akte Kruckern GmbH schließen und meinem Chef sagen, dass die Firma am Ende ist.“
Hannelore verging das Lachen. Nach einer Pause sagte sie: „Weißt du eigentlich, mit wem du dich anlegst?“
„Ich bin ein Spieler“, erwiderte Frank. „Ich möchte jetzt gerne meine Zigarre weiter rauchen, ohne von dir gestört zu werden.“
Hannelore sprang von ihrem Sessel hoch und auf ihn zu.
„Du kleiner Wicht!“
Dabei gab sie ihm eine schallende Ohrfeige.
„Man sollte dir die Haut abziehen und dich in kleine Scheiben schneiden.“
„Es könnte sein, dass es Leute gibt, die dies bestimmt gerne machen würden“, antwortete er ihr, „nur bin ich nicht dafür geeignet, dass man mir die Haut abziehen kann. Dafür musst du dir einen anderen suchen.“
„Du weißt nicht, mit wem du dich anlegst.“
„Du wiederholst dich, Hannelore.“
Wütend riss sie die Terrassentür auf und wollte gehen. Frank rief in Richtung Monika, die noch in der Küche stand und nichts vom Gespräch mitbekommen hatte: „Frau Siegbert haben deine Kekse sehr gut geschmeckt. Würdest du ihr noch ein paar einpacken für zu Hause?“
Dabei konnte er sich ein Lächeln nicht verkneifen.
„Das freut mich zu hören, ich packe ihr ein paar ein.“
„Danke mein Schatz.“
Als Monika mit den eingepackten Keksen auf die Terrasse kam, sagte sie: „Oh, sie ist ja schon gegangen.“
„Sie musste schnell weg. Ich werde sie ihr am Montag geben, wenn wir uns im Büro treffen.“
Bei diesen Gedanken zog er einen tiefen Zug von seiner Zigarre und inhalierte mit einer Genugtuung über das Gespräch. Im Unterbewusstsein streichelte er über seine Wange, die Hannelore mit einer Ohrfeige etwas gerötet hatte. Irgendwie hat das was, ich sollte mal mit Monika darüber reden, ob wir das im Schlafzimmer mal ausprobieren. Vielleicht kommt so unser Sexleben wieder in Ordnung? Je länger er darüber nachdachte, desto mehr erregt es ihn.
6. Kapitel
Das Wochenende ging für Frank im Streit aus. Er hatte doch tatsächlich gedacht, dass er mit so etwas das Sexleben wieder in Schwung bringen könnte. Aber ihre Reaktion hat Frank zutiefst verletzt. Sie meinte nur, dass er doch gleich zu einer gehen kann, die ihn zusammenschlägt, damit er noch einen hoch bekommt. Für so etwas ist sie sich zu schade, und sie weiß nicht, ob er noch der Richtige für sie ist.
„Was kommt dann noch?“, hatte sie ihn gefragt.
„Erst schlagen, dann vergewaltigen und zum Schluss machen wir Sachen, die unserem Geist nicht einmal im Ansatz gut tun würden.“
Das Ende der ganzen Diskussion war, dass Frank ab jetzt im Gästezimmer schlief und Monika kein Wort mehr mit ihm sprach. Heute früh lag ein Zettel in der Küche.
"Wenn dir nur im Ansatz unsere Ehe noch etwas wert ist, dann gehe zu einem Psychologen und lass dich behandeln. Was du da verlangst, ist abartig und hat nichts mit einem normalen Zusammenleben, geschweige denn mit normalem Sex von Frau und Mann zu tun. Wenn du es nicht für mich machst, dann mache es wenigstens für unseren verstorbenen Sohn."
Er las diesen Zettel immer und immer wieder. Wo bin ich da nur reingeraten, dachte er.
Ich bin doch normal und kein Geisteskranker. Was ist dabei, wenn Frau ihren Mann im Schlafzimmer mal fester anpackt oder ihn ohrfeigt?
Er konnte keinen klaren Gedanken fassen. Nur gut, dass ein Meeting das andere jagte und er so abgelenkt war. Am Abend saß er noch im Büro, um Statistiken auszuwerten. Da kam Klaus rein. „Du noch hier?“
Er blickte auf seine Uhr.
„Es ist bereits 18 Uhr, wartet Monika nicht auf dich?“
„Hör mir bloß damit auf.“
„Was ist los?“
Frank überlegte, ob er ihm erzählen sollte, dass Hannelore bei ihm zu Hause war und wie das Gespräch eine Wendung genommen hatte, die beide in Gefahr bringen könnte.
„Hör mal, hast du noch was über die Kruckern GmbH rausbekommen?“
„Nur das, was ich dir gesagt habe. Hat dich Petersen schon darauf angesprochen?“
„Er macht nur Druck, mehr aber nicht. Sind ja auch schon zwei Wochen vergangen. Wir werden für diese Woche einen Termin mit der Kruckern GmbH vereinbaren und dann entscheiden wir weiter. Ich werde morgen die Siegbert anrufen.“
„Mach das. Ich muss los, Gabi möchte heute mit mir in diesen neuen Kinofilm. Ich habe richtig Lust darauf.“
„Du schaffst das schon. Ich werde noch die Statistik auswerten und mich dann auch heim machen.“
„Mach‘s gut, bis morgen.“
Frank war schon wieder mit seinen Gedanken woanders.
„Mach’s gut“, sagte Frank nur nebenbei.
Nach 40 Minuten machte Frank auch endlich Feierabend und verließ sein Büro. Auf der Straße angekommen, schaute er auf seine Uhr und überlegte, ob er schon heimfahren oder in eine Bar gehen sollte. Er ließ eine Münze entscheiden, bei Kopf fährt er heim, bei Zahl geht er in die Bar. Kaum gedacht flog die Münze auch schon in die Luft. Sie blieb genauso liegen, wie er es sich erhofft hatte, auf Zahl. Mit einem zufriedenen Lächeln hob er seine Münze auf und ging in die nächste Bar. Nach dem dritten Whisky sah die Welt doch ganz anders aus. Schade, dass er keine Zigarre dabei hatte, dachte er sich so.
„Ich nehme noch einen Doppelten. Ich gehe mal kurz aufs WC, den Whisky können sie schon hinstellen.“
„Mache ich, Herr Kunze.“
Gut gelaunt kehrte Frank zurück und wollte sich gerade setzen.
„Herr Kunze?“, hörte er eine Frauenstimme fragen? Er drehte sich zur Stimme um.
„Wer möchte das wissen?“, fragte Frank.
„Entschuldigen Sie bitte, wenn ich Sie gerade bei wichtigen Sachen gestört habe. Ich bin Frau Singer.“
Dabei hielt sie ihm ihre Hand entgegen. Frank schaute etwas verwirrt und drehte sich hilfesuchend nach rechts und links um.
„Frank Kunze“, sagte er, als er ihre Hand kurz schüttelte.
„Wollen wir uns nicht etwas abseits setzten? Es muss ja keiner mithören, was wir zu besprechen haben.“
Mit seinem Whisky in der Hand folgte er der unbekannten Frau in den hinteren Teil der Bar an einen freien Tisch.
„Setzen sie sich doch, Herr Kunze.“
Nachdem Frank sich gesetzt hatte und einen weiteren Schluck aus seinem Whiskyglas genommen hatte, sagte die Frau: „Da ich jetzt weiß, dass sie der Richtige sind, können wir ja jetzt reden. Machen wir es kurz, Herr Kunze, eine gemeinsame Freundin hat mich um Hilfe gebeten, und da ich in der Nähe war, dachte ich mir, dass wir kurz reden könnten.“
„Wenn Sie Frau Siegbert meinen, kann ich Ihnen nur sagen, dass alles geklärt ist zwischen uns beiden.“
„Das sieht Frau Siegbert aber anders.“
Frank beugte sich etwas vor und lächelte sie an.
„Frau Siegbert hat mein Angebot, und nur sie kann entscheiden, was passiert.“
Frank lehnte sich zurück, trank seinen Whisky aus und zeigte dem Barkeeper sein leeres Glas.
„Gut, Herr Kunze, ich sage Ihnen jetzt etwas. Wenn sie denken, dass sie mit uns ein Spiel spielen können, muss ich ihnen …“, sie unterbrach kurz.
„Ihr doppelter Whisky, Herr Kunze.“
„Danke.“
„ … sagen, dass Sie es verlieren werden. Wir können auch anders, Herr Kunze.“
Sie stand auf und ging auf Frank zu. Vor ihm stehend beugte sie sich zu ihm und sprach leise, aber deutlich: „Sie haben eine schöne Frau, sie könnte auf einmal auf seltsame Weise verschwinden und nie wieder auftauchen. Das wollen Sie doch nicht wirklich?“
Beim Wegdrehen sagte sie: „Frau Siegbert hofft, dass der Vertrag in der nächsten Woche über die Bühne geht. Grüßen Sie unbekannterweise Ihre Frau von mir.“
Frank wollte noch etwas sagen, saß aber wie versteinert vor seinem Whisky. Langsam kam er wieder zu sich, trank sein Glas leer. Wieder am Tresen zahlte er. Bevor Frank die Bar verließ, fragte er den Barkeeper, ob er die Frau, mit der er gerade gesprochen hatte, schon einmal gesehen hätte.
„Nein, Herr Kunze.“
„Gut, das ist für Sie.“
„Einen schönen Abend Ihnen noch.“
„Das wünsche ich Ihnen auch, Herr Kunze.“
Auf der Straße hielt Frank nach einem Taxi Ausschau und wurde auch gleich fündig.
„Noch frei?“
„Ja.“
Er sagte dem Fahrer sein Ziel und nach 30 Minuten stieg er aus. Zuvor hatte er gezahlt und dem Fahrer ein üppiges Trinkgeld gegeben.
Er schloss die Tür schnell auf. Nachdem er drinnen war, schloss er die Eingangstür ab und aktivierte die Alarmanlage, dann schaute er nach Monika. Sie schlief schon tief und fest. Er setzte sich auf den Stuhl neben ihrem Bett und beobachte sie. Wie schön sie doch ist, dachte er und streichelte vorsichtig ihr Haar. Er möchte sie nicht verlieren, dafür liebte er sie zu sehr. Er weiß nicht, ob sie das auch weiß. Mit einer Träne im Auge ging er auf leisen Sohlen wieder raus, damit Monika ruhig weiterschlafen konnte.
Im Wohnzimmer holte er sich eine Zigarre und setzte sich in den Ohrensessel, der neben der Stehlampe am Fenster stand. Bevor er sie anzündete, rollte er sie durch seine Finger. Mit einem langen Streichholz zündetet er sie an und inhalierte den ersten Zug so tief, dass er dabei alles um sich vergaß.
Frank war klar, dass er Klaus morgen im Büro reinen Wein einschenken musste wegen der Kruckern GmbH, sonst flöge ihm die ganze Sache um die Ohren.
Er rauchte entspannt seine Zigarre.
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