Читать книгу: «Stimmtraining»
Patric P. Kutscher
Stimmtraining
…und plötzlich,
hört dir jeder zu

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Projektmanagement:
Ute Flockenhaus, Fischerhude
Lektorat:
Babro Garenfeld, Greven
Umschlaggestaltung:
Martin Zech Design (www.martinzech.de)
Umschlagfoto:
Nicolas Larento/Fotolia.com
Art Direction, Design und Satz:
Koemmet Agentur für Werbung, Wuppertal
©2016 GABAL Verlag GmbH, Offenbach
Das E-Book basiert auf dem Buch „Stimmtraining“ von Patric P.Kutscher, ©2009 GABAL Verlag GmbH, Offenbach.
4. Auflage 2011
© 2002 GABAL Verlag GmbH, Offenbach
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages.
ISBN Buchausgabe: 978-3-86936-247-2
ISBN epub: 978-3-86200-558-1
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Vorwort
//Die Stimme liegt als Bedeutungsträger jeder Botschaft zugrunde
Danke den sieben Frauen!
Sicher gibt es auch Männer, bei denen ich mich bedanken könnte. Bei meinen Kollegen, dem Diplom-Sprechwissenschaftler Günter Wirth und bei Professor Dr. Coblenzer. Aber gerade weil ich selbst ein Mann bin, möchte ich den Frauen danken, die mich inspiriert und unterstützt haben:
Meiner geliebten Frau Caroline, die ihre Zeit einsetzte und mir stets zur Seite stand, um dieses Buch möglich zu machen, meiner Mutter, ohne die es mich nicht gäbe, sowie meiner flexiblen und mitdenkenden Sekretärin Anne Freitag. Ein weiteres Dankeschön gilt der Stimmbildnerin A. Kuypers, deren Arbeit die Grundlage für dieses Werk bildet. Bei ihr habe ich wunderbare Übungen gefunden.
Dankbar bin ich auch meiner leider inzwischen verstorbenen Stimmlehrerin Ursula von Kalben aus München.
Dank gilt auch meiner geschätzten Kollegin Dr. rer. med. Reni Berg, die mir zum Thema »Physiologie der Stimme« mit Rat und Tat zur Seite stand. Und, last but not least, Dr. Christa M. Heilmann, die mich zu viel mehr inspiriert hat, als zur Übung »Warm up Voice«!
//Drei Sätze, drei Stimmen, drei Welten!
Eine sympathische Stimme erklingt mit den Worten: »Liebling, schön, dass du endlich wieder daheim bist!« An einem anderen Ort werden gerade die bedächtigen Worte geäußert: »Pssst, das Baby ist eben eingeschlafen.« Und auf einer Baustelle brüllt der Polier: »Tempo, beeilt euch, die Arbeit muss heute noch fertig werden!«
Drei Sätze, drei Stimmen, drei Welten!
Sprechen Sie diese drei Aussagen doch einmal nach. Versetzen Sie sich kurz in die jeweilige Situation. Hören Sie, wie verschieden Ihre »eine« Stimme klingen kann? Was haben Sie getan, bevor Sie den jeweiligen Satz gesagt haben? Sie haben sich in die entsprechende Situation versetzt. Welche Gefühle verbinden Sie mit dem ersten Satz: »Liebling, schön, dass du endlich wieder daheim bist!«?
Jemand sehnte sich danach, dass sein Liebling wieder nach Hause kommt. Wir können förmlich fühlen, mit welch einer Wärme und Herzlichkeit diese Worte gesagt wurden. Das kleine Wort »endlich« zeigt außerdem die Sehnsucht, die beim Sagen dieser Worte mitklingt.
Beim zweiten Satz: »Pssst, das Baby ist eben eingeschlafen«, können wir nachvollziehen, dass die Worte leise gesagt wurden. Leise, aber doch bestimmt.
Sie können diesen Satz leise und bestimmt und dennoch freundlich oder unfreundlich sagen. Interessant, oder?
Beim dritten Satz: »Tempo, beeilt euch, die Arbeit muss heute noch fertig werden!«, befinden wir uns in einer ganz anderen Welt. Lauthals wird gebrüllt. Die Arbeiter werden unter Druck gesetzt. Der Polier sagt auch nicht »wir müssen uns beeilen«, sondern »beeilt euch«. Der Gemeinschaftssinn wird hier aufgrund diverser Umstände, offensichtlich nicht zuletzt wegen Zeitnot, völlig außer Acht gelassen. Dieser Satz entspricht eher einem Befehl.
Mit diesen erklärenden Gedanken im Sinn sagen Sie diese drei Sätze doch noch einmal. Nicht »noch einmal«, sondern »noch einmal«. Erkennen Sie den Unterschied? Im doppelten Sinne? An einem einzigen Tag »spielen« wir viele verschiedene Rollen. Hauswirtschafter, Erzieher, Pfleger, Freund, Lehrer, Ratgeber und vieles mehr. Ist Ihre Stimme erst einmal »gestimmt«, sprich gebildet, dann wird sie sich Ihrer Rolle, Ihrer jeweiligen Situation und der Absicht, die Sie verfolgen, anpassen.
Übrigens, auch keine konkrete Absicht zu haben, ist eine Absicht.
Deshalb, schon in der Einleitung, die erste wichtige Grundsatzfrage:
Welcher Gedanke löst die Worte aus, die Sie sagen wollen?
Oder etwas anders formuliert:
Welche Intention steckt hinter Ihren Worten?
Machen Sie sich diese Frage, und natürlich die dazugehörige Antwort, immer wieder bewusst.
Wissen Sie, Sie müssen dieses Buch natürlich nicht lesen, denn wenn Sie es lesen, werden Sie erleben, wie Ihr Einfluss mit dem Anwenden des Gelernten spürbar wächst.
Welches Wort hat Sie im letzten Satz ein wenig irritiert? Das Wort »denn«, nicht wahr? Überlegen Sie einmal, warum.
Allein der neue Klang Ihrer Stimme wird Ihnen zu deutlich mehr Aufmerksamkeit verhelfen, beruflich und privat gleichermaßen!
→ WUV – die Warm-up-Voice-Übung
//Erwärmen Sie Ihre Stimme
Um Ihre Stimme zum Schwingen zu bringen, um sie wie beim Sport aufzuwärmen, empfehle ich Ihnen folgende Übung. Machen Sie sie jeden Tag einmal – Ihre Stimme wird es Ihnen danken.
01. Strecken und Gähnen. Sie liegen zu Beginn des Tages, oder als Pause zwischendurch, auf dem Bett oder dem Boden. Dabei strecken Sie sich nach Herzenslust und gähnen dabei. Das ist Entspannung hoch 3!

02. Gesicht rubbeln/massieren. Sie haben sich im Bad gerade mehrmals frisches Wasser ins Gesicht gewischt und reiben sich dabei genüsslich die Wangen.

03. Gesicht trocken schütteln, weil kein Handtuch da ist. Ihre Gesichtsmuskulatur und Ihr Unterkiefer, die durch nächtliche Aktivitäten, z. B. Zähneknirschen, oft sehr verkrampft sind, werden gelockert.

04. Mit kleinen schnellen Schritten aus dem Bad zum Frühstück. Das regt Ihren Kreislauf an.

05. Tee schlürfen. Mit beiden Händen die Tasse fassen und den Tee genussvoll schlürfen. Mit einem erleichternden Aaahhhh ausatmen. Dreimal – vertieft die Atmung!

06. Brötchen kauen. Ins Brötchen beißen und kauen. Dabei auf mmmnnnn genussvoll brummeln. So kommen Sie schnell in den Normalsprechtonbereich.

07. Wieder Tee schlürfen.

08. Wieder Brötchen kauen.

09. Ihre Zunge sucht den gesamten Mundbereich nach Brötchenresten ab. Sie ertastet dabei jeden Winkel des Mundes. Nebenbei wird untersucht, ob noch alle Zähne da sind. So wird Ihre Zungenbeweglichkeit enorm erhöht.

10. »Kutscher-Schnauben« mit Ton. Hört sich an, als wenn die Lippen flattern und dabei ein P nach dem anderen herauswerfen. (Kinder machen das oft, wenn sie Autogeräusche imitieren.)

11. Stimmjogging beim Summen. Sie beginnen mit einem tiefen Ton und ziehen ihn stufenlos höher, um dann wieder tiefer zu werden. Hört sich an wie eine Sirene. Ihre Zwerchfelltätigkeit und Stimmlippenfunktion werden koordiniert.

12. Einsprechen, z. B. mit einem Text mit vielen Ks. Das schafft Weite. Wie wär's mit »Kiki, die knackige Kokotte...« aus dem Film »Die Studentin« mit Sophie Marceau?

»Kiki, die knackige Kokotte, klettert wie eine Klette an Koko, dem Kakaopflücker. Kiki, die Kokotte, wünscht sich ein Khakijäckchen mit einem Karakulkragen. Koko, der knackige Kakaopflücker, hatte nur ein Khakijäckchen ohne Karakulkragen, oder Karakulkragen ohne Khakijäckchen, der arme Koko. Der klapprige König, der von Kikis keckem Kokottenkichern entzückt war, machte aus dem Jäckchen ohne Kragen und dem Kragen ohne Jäckchen ein Jäckchen mit Kragen. Und so kam es, dass Kiki, die knackige Kokotte, nicht mehr mit Koko, dem Kakaopflücker, kokettierte.«
→ Das Werkzeug
Auf die Atmung kommt es an
//Man hört nie eine Stimme, man hört immer einen Menschen
Die Grundvoraussetzung für erfolgreiches Sprechen ist die richtige Atmung. Die Atmung ist der Träger der Stimme! Wenn sich Ihre Atmung verändert, wird sich dies auf Ihre Stimme auswirken. Und durch eine wohltuende, fließende Atmung verändert sich automatisch auch Ihre Sprache!
Übungen zur Lautbildung und Artikulation werden Ihre »neue« Stimme »klangvoll« machen.
Entspannen Sie sich!
//Beim guten Redner sieht der Zuhörer mit den Ohren
Bevor es losgeht, nur noch eines: keine Hetze! Dazu möchte ich Ihnen eine kleine Geschichte erzählen:
König Wind und König Schlaf wollten herausfinden, wer von beiden der Mächtigere sei. Als die beiden gerade darüber diskutierten, wie sie das am besten testen könnten, sahen sie auf einer großen Wiese einen kleinen Jungen, der ein Stück Brot in seiner Hand hielt.
Da sagte König Wind: »Jetzt zeige ich dir einmal, wie schnell ich das Brot diesem kleinen Jungen wegnehmen kann.«
»Da bin ich aber gespannt«, sagte König Schlaf.
Und schon ging es los! König Wind begann zu blasen.
Als der kleine Junge den starken Wind spürte, hielt er sein Brot umso fester. Daraufhin begann König Wind zu stürmen. Der kleine Junge suchte sofort Schutz hinter einer alten Eiche und hielt sein Brot noch fester. König Wind, inzwischen sehr zornig, begann sich weiter aufzublasen und stürmte mit aller Macht. Der kleine Junge war hinter der alten Eiche jedoch gut geschützt und hielt sein Brot mit aller Kraft in seinen beiden Händen.
Da ertönte plötzlich eine Stimme.
»Halt! Lass mich mal«, sagte König Schlaf. Und König Schlaf »fiel« über den kleinen Jungen.
Der Kleine begann sich die Augen zu reiben, und je mehr König Schlaf über den kleinen Jungen »fiel«, desto müder wurde er. Er begann zu gähnen, rieb sich weiter die Augen, setzte sich behutsam und ließ sich langsam auf die eine Seite fallen. Während er einschlief, öffnete sich die Hand, die eben noch mit aller Macht das Brot gehalten hatte, und ließ es langsam herausrollen.
Offensichtlich war in diesem Fall König Schlaf der Mächtigere. Warum erzähle ich Ihnen diese Geschichte? Wenn es um Ihre Stimme und Ihre Sprache geht, dann werden wir mit Gewalt, Hetze und Eile ganz sicher nichts erreichen. Genauso wenig wie König Wind aus unserem Beispiel.
Was Sie jetzt brauchen, ist Ruhe und Entspannung. Denn jede unnötige Anspannung, jeder unnötige Druck verhindern Vibration bzw. Resonanz. Lassen Sie deshalb bitte alles, was Sie ab jetzt kennen lernen, einfach auf sich wirken – wirken, wie der Schlaf auf den kleinen Jungen wirkte, der sich einfach nicht dagegen wehren konnte.
Stellen Sie sich Ihre Stimme als einen klingenden Körper vor, vergleichbar einem Instrument.
Ich will es Ihnen folgendermaßen veranschaulichen: Sie sitzen mit einem Freund, einer Freundin in Ihrem Lieblingslokal. Die voluminösen Rotweingläser sind vom Kellner gerade gefüllt worden. Sie stoßen auf einen angenehmen Abend an, jedoch das erwartete »Klingen der Gläser« bleibt aus. Sie schauen auf Ihr Glas und auf Ihre Hand, und » ...ach ja, ich halte das Glas ja direkt am Gefäß, anstatt nur den Stiel zu halten«. Bei Ihrem nächsten Versuch, Sie halten das Glas nun am Stiel, entsteht ein zauberhafter, klarer und nachhaltiger Ton.
In dem Moment, in dem das Glas keinen unnötigen Druck, keine unnötige Spannung erhält, ist es »frei« zu klingen. So ähnlich verhält es sich mit unserem Körper. Wie Sie Ihr Instrument, Ihre Stimme, sozusagen »befreien«, das werden Sie auf den folgenden Seiten erleben. Mit dem Anwenden des Gelernten werden sich auch Ihre Ausstrahlung und Ihre Anziehungskraft verändern – viel Freude dabei!
Das schönste Instrument ist die Stimme
//Wenn du sprichst, sollten deine Worte besser sein, als dein Schweigen gewesen wäre
Was ist Stimmbildung eigentlich?
Das Wort erklärt sich im Grunde aus sich selbst heraus. Bei der Stimmbildung geht es um die Bildung oder Ausformung der Stimme und um die Optimierung des Klanges. Dieser Vorgang ist vergleichbar mit dem Erlernen eines Instruments. Denn auch die Stimme ist ja ein Instrument, vielleicht sogar das schönste aller Instrumente. Natürlich nur, wenn sie richtig »gespielt« wird!
Heute ist es leider gang und gäbe, dass Stimme und Sprache nicht mehr funktionieren. Ventilation, Phonation und Artikulation harmonieren nicht. Die Ventilation, die Atmung, ist der Träger der Stimme. Auf ihr bzw. mit ihr wird phoniert, werden die Laute gebildet. Die Artikulation, die richtige Aussprache, entscheidet über die Qualität der Sprache.
Die Hauptregeln der Stimmbildung
Regel 1: Es ist wichtig, klar und sprechbezogen zu denken, denn jeder Gedanke verändert die Atmung, Stimmproduktion und Artikulation.
Regel 2: Eine aufrechte, aber wohl gespannte Körperhaltung ist entscheidend.
Regel 3: Eine unwillkürliche, fließende Atmung und die entsprechende Steuerung der Atmung bezüglich der Sinnpausen bestimmen den Redefluss.
Regel 4: Bewusstes Hören auf die Klangqualität der Stimme damit sich ein resonanzreicher Klang entwickeln.
Regel 5: Eindeutige und dadurch voneinander unterscheidbares Bilden der Vokale und Konsonanten.
Regel 6: Kehlkopf und Rachen sind entspannt.
Regel 7: Kiefer und Zunge werden gelockert und sorgen so für eine deutliche Artikulation.
Regel 8: Das Zusammenspiel von Stimmerzeugung und Artikulation wird trainiert.
Es stellte sich mir immer wieder die Frage, womit und in welcher Reihenfolge ich Sie an dieses spannende Thema heranführe. Denn wo immer man das Thema Stimme und Sprechen auch anfasst, ist es interessant!
»Von sich zurücktreten wie ein Maler von seinem Bild – wer das vermöchte.«
Christian Morgenstern
Machen Sie sich im Sinne des Morgenstern’schen Zitats einmal bewusst, wie Sie eigentlich sprechen. Dazu benötigen Sie nur einen Cassettenrecorder mit Aufnahmefunktion und einen Spiegel.
Nehmen Sie sich einmal auf, während Sie Ihre Personalien und Ihre Telefonnummer auf Band sprechen. Aber erschrecken Sie beim Anhören bitte nicht. Ja, das ist Ihre Stimme! Allerdings sind Sie der einzige Mensch, für den dieser Klang ungewöhnlich und neu ist. Alle anderen, die Sie kennen, sind an eben diesen Klang gewöhnt.
Warum sich das für Sie so anders anhört? Nun, wenn Sie sich selbst hören, nehmen Sie Ihre Stimme über das Ohr und über die Leitung der Töne Ihrer Kopfleisten, sprich Knochen, wahr. Die Leitung der Stimme über die Kopfleisten fehlt Ihnen jedoch, wenn Sie sich vom Band hören.
»Alles ist schön, was man mit Liebe betrachtet.«
Christian Morgenstern
Wenden Sie diese Worte bitte auf Ihre Stimme an. Betrachten Sie Ihre Stimme mit Liebe und Wohlwollen, denn es ist Ihre Stimme. Und bitte behalten Sie Ihre erste Aufnahme. Löschen Sie sie nicht! Vielleicht möchten Sie jetzt auch noch eines Ihrer Lieblingsgedichte oder eine Kurzgeschichte aufzeichnen? Bitte tun Sie das!
Wenn Sie das Buch dann einmal ganz durchgearbeitet haben, nehmen Sie die gleichen Texte bitte noch einmal auf – mit Ihrer »neuen« Stimme. Und wenn Sie dann vor lauter Erstaunen den Mund nicht mehr zubekommen, dann fertigen Sie bitte je eine Kopie (vorher/nachher) für mich an und schicken Sie mir diese.
Übrigens: Die besten Tonbeispiele werden mit einem Seminar in Stimmbildung und Sprecherziehung prämiert! Dann können wir uns zusammen freuen!
Lassen Sie uns mit der Schatzsuche beginnen. Der Schatz ist Ihre natürliche, klingende Stimme – und die werden Sie mithilfe dieses Buches bald gefunden haben und für immer besitzen.
»Nichts sieht so einfach aus wie eine verwirklichte Utopie.«
Wernher von Braun
Sie glauben, Sie schaffen das nicht? Denken Sie an den Satz, den Sie gerade gelesen haben. Natürlich sind alle Dinge zunächst schwer, bevor sie leicht werden. Aber Ihr Unterbewusstsein weiß, dass Sie Ihr Ziel, nämlich eine klangvolle und anziehende Stimme zu haben, erreichen können. Oder hat Sie irgendjemand gezwungen, dieses Buch zu lesen? Der libanesische Schriftsteller Khalil Gibran (1883–1931) sagte einmal: »Niemand kann euch etwas eröffnen, das nicht schon im Dämmern eures Wissens schlummert.«
Ohne Konsonanten und Vokale keine Wörter
//Alles Gesprochene besteht aus Konsonanten und Vokalen
Die Sprachlaute
Die Sprachlaute lassen sich in sechs Gruppen aufteilen:
01 Strömungslaute
02 Halbklinger
03 Klinger
04 Explosive
05 Hauchlaute
06 Vokale
01 Strömungslaute sind Konsonanten, die ohne Stimme, also stimmlos, gesprochen werden: f, s, sch, vorderes ch (wie bei ich) und hinteres ch (wie bei ach)
02 Werden diese Strömungslaute mit Stimme ergänzt, also stimmhaft gesprochen, dann heißen sie Halbklinger.
Testen Sie einmal! Bilden Sie ein f und unterlegen Sie es mit Ihrer Stimme. In diesem Fall wird aus dem f ein w. Aus dem stimmlosen s (wie in Wasser) wird ein stimmhaftes s (wie in Sonne), aus dem stimmlosen sch (wie in Schloss) wird ein stimmhaftes sch (wie der Anlaut bei Genie), aus dem vorderen ch (wie bei ich) wird ein j, und aus dem hinteren ch (wie bei ach) wird ein r. Interessant, nicht wahr?
03 Die Konsonanten m, n, ng und l sind so genannte Klinger. Bilden Sie diese Konsonanten einmal, indem Sie sie »summen«. Spüren Sie die Resonanz im Kopfbereich?
04 Der Konsonant h ist ein so genannter Hauchlaut. Die Luft wird ohne jeglichen Widerstand abgegeben, geführt durch die Atemmuskulatur.
05 Die Konsonanten p, t, k, b, d, g sind so genannte Explosive. P, t, k sind harte Explosive und b, d, g sind weiche.
06 Die Vokale sind a, e, i, o, u und werden durch die Umlaute ä, ö, ü (= y) ergänzt.
Sprechen Sie die nun angeführten Konsonanten und Vokale bitte laut aus, während sie weiterlesen:
p, b, m werden mit den Lippen gebildet.
f, v, w werden mit der Unterlippe und der oberen Zahnreihe gebildet. s und z werden mit den Ober- und Unterzähnen gebildet. t, d, l, n, r werden mit der Zungenspitze und dem harten Gaumen gebildet.
k, g, j, ch werden mit dem harten Gaumen gebildet, wobei die Zunge gewölbt ist.
Lassen Sie die Sprache »vorn« im Mund klingen, hinter der oberen Zahnreihe und am harten Gaumen!
Die Aussprache der Konsonanten oder die Konsonantenstütze
Wie wichtig ist der Anschlag der Tasten beim Spielen eines Klaviers? Sie haben Recht, alles hängt vom richtigen Anschlag ab! Den Anschlag beim Klavierspiel könnte man mit der Bildung der Konsonanten beim Sprechen vergleichen. Werden die Konsonanten nicht vorn im Mund richtig gebildet, so leidet die Anregung der Resonanz darunter. Auch die schönsten Vokale nutzen dann wenig, denn ihr Ton kann sich nicht richtig entfalten.
Wenn man z. B. bei der Aussprache der Konsonanten d, l, n, r und t den Unterkiefer bewegt, anstatt lediglich mit der Zunge bzw. Zungenspitze zu artikulieren, so verengt man den Resonanzraum vor der Kehle, sprich den Bereich oberhalb des Kehlkopfes. Die Resonanzanregung wird dadurch gestört. Der Anschlag des Vokals bleibt entsprechend der Bewegung des Unterkiefers ohne Klang.
Der Artikulation der Konsonanten kommt weit mehr Bedeutung zu als allgemein angenommen. Werden die Konsonanten nicht richtig gebildet, ist die Resonanzanregung zu schwach. Die Stimme kann ihren Klangteppich, der dem Sprechen zugrunde liegen soll, nicht entfalten. Es wird weniger Klang erzeugt!
Die Bildung der Vokale a, e, i, o, u
Für die Bildung der Vokale bedarf es der richtigen Mund- und Zungenstellung. Im Grunde genügen die Stimme und das Gehör dazu. Das a wird mit einer ovalen Mundstellung gebildet, wobei die Lippen unter den Zähnen ruhen, die Zähne etwa halb zu sehen sind und die Zunge entspannt im Zungenbett liegt. Der Mund soll so weit geöffnet sein, dass zwei aufeinander gelegte Finger zwischen die Zähne gelegt werden könnten.
Beim Bilden von e und i ist der Mund etwas breiter gestellt als beim a. Jedoch ist darauf zu achten, dass kein Lippenbreitzug entsteht.
Beim Bilden von o und u ist der Mund rund geformt. Der Zwischenraum zwischen der oberen und der unteren Zahnreihe ist fingerbreit.
Die Bildung der Diphthonge au, ai, ei, eu und äu
Bei der Bildung von au geht die ovale Mundstellung des a in die runde Mundstellung des u nahtlos über. Achten Sie darauf, dass das u kurz und deutlich klingt.
Entsprechend bilden Sie das ai und ei durch die nahtlose Veränderung der ovalen Mundstellung des a (denken Sie daran, dass die Zähne zwei Fingerbreit auseinander stehen) in die des etwas breiter geformten i.
Beim Bilden des eu (äu) wird die Mundstellung des o gewählt (wie beim Sprechen des Wortes Orchester), während man nahtlos zum kurzen i übergeht.
»Wer nicht bekommt, was er will, der will es entweder nicht ernsthaft genug oder er hat versucht, um den Preis zu feilschen.«
Rudyard Kipling
Beim Klavierspiel bemüht man sich, unter Verwendung der verschiedenen Finger und des Handgelenks alle Tasten, sprich Töne, gleichmäßig anzuschlagen. Bei der Artikulation der verschiedenen Konsonanten ist diese Gleichmäßigkeit ebenso wichtig.
Beim Klavierspiel stellt es sich als das Schwierigste heraus, den dritten und vierten Finger zu trainieren. Der erste Finger (Zeigefinger) lässt sich am leichtesten bewegen. Der Daumen dagegen schlägt anfänglich zu stark an, während der kleine Finger zu schwach ist.
Deshalb übt ein guter Pianist mit den einen Fingern mehr als mit den anderen, damit beim Spiel die ungleiche Veranlagung der Finger nicht mehr hörbar ist.
Ähnlich ist es bei der Übung der verschiedenen Konsonanten!
»Alle Schöpfer sind Schauer. Sie schauen das Fertige, bevor überhaupt etwas begonnen wird. Dann bilden sie es einfach nach.«
Sigmund Graff
In diesem Sinne stellen Sie sich bitte Ihre Stimme vor. Hören Sie Ihre Stimme, wie Sie sie gerne hätten. Verschaffen Sie sich eine Vorstellung des Stimmklangs, den Sie erreichen möchten. Holen Sie sich Stimmen in Ihr Bewusstsein.
Was zeichnet diese Stimmen aus? Es gibt klare Stimmen ebenso wie raue oder gepresste Stimmen. Es gibt laute oder schrille Stimmen, aber auch volle und weiche Stimmen. Wie soll Ihre Stimme sein? Sanft, zart oder ...?
Stellen Sie sich Ihre Stimme vor!
»Stimme kann krank machen, Stimme kann heilen, Stimme kann verzaubern –
... zu baden im Duft des Klangs deiner Stimme.«
Reni Berg
Der Körper sorgt für Resonanz
//Versetzen Sie Ihrer Stimme keinen Dämpfer
Bei dem Wort Resonanz denkt man zunächst an ein Instrument. Eine Geige, ein Cello, ein Klavier – aber auch an die Stimme. Für die Resonanz spielt der menschliche Körper eine große Rolle.
Voraussetzung für Resonanz ist das Mitschwingen von Körpern. Das geschieht, wenn die Anzahl bzw. Frequenz der erzeugten und einwirkenden Schwingung, sprich des Tones, den dazugehörenden Körper zum Mitschwingen veranlasst. Ist die Schwingungszahl des in Schwingung versetzten Körpers mit der einwirkenden Schwingung (des Tones) gleich oder nahezu gleich, ist das Mitschwingen (des Körpers), eben die Resonanz, sehr stark.
Die Resonanz ist um so stärker, je weniger der in Schwingung versetzte Körper gedämpft wird. (Denken Sie an das Beispiel mit den Gläsern.) Was bei der Stimmbildung Resonanz heißt, ist im Gebirge das Echo und in Gebäuden die Akustik.
Das Echo im Gebirge kann noch so gut sein, wenn die Stimme nicht ausreicht, es hervorzurufen, nutzt es wenig. So verhält es sich auch bei der menschlichen Stimme. Resonanz ist grundsätzlich vorhanden, aber eine nicht gebildete Stimme vermag sie nicht zu wecken.
→ Oh Täler weit ...
//Gähnen entspannt
In den ersten Übungen geht es darum, Räume zu öffnen bzw. zu befreien.
Strecken Sie sich bitte ausgiebig, nach allen Richtungen, die Ihnen angenehm sind. Bitte gähnen Sie dabei, genießen Sie es! Tun Sie dies auch zwischendurch immer wieder, es entspannt ungemein!
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