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SCHLANGENKOPFFISCHE
DIE GATTUNGEN CHANNA UND PARACHANNA
Nora Brede & Pascal Antler

Bildnachweis
Titelbild: Channa sp. „Ice & Fire“ Foto: H. Evers
Bild Seite 1: Channa bleheri Foto: P. Antler
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eISBN: 978-3-86659-313-8
© 2009 Natur und Tier - Verlag GmbH
An der Kleimannbrücke 39/41
48157 Münster
www.ms-verlag.de
Geschäftsführung: Matthias Schmidt
Lektorat: Kriton Kunz
Layout: Malte Rommel
Inhalt
Vorwort
Biologie
Systematik
Haltung
Die benötigte Aquariengröße
Eine Channa-gerechte Einrichtung
Gesellschafts- oder Artbecken?
Futter und Fütterung
Wissenswertes
Krankheiten und Verletzungen
Vermehrung
Maulbrüter
Offenlaicher
Artenteil
Asiatische Arten
Afrikanische Arten
Unbestimmte Arten und Händlernamen
Außer Konkurrenz
Wo kann man Schlangenkopffische erwerben?
Literatur

Channa asiatica droht mit abgespreiztem Kehlsack und aufgestellten Flossen. Dadurch wirkt der Fisch besonders schlecht gelaunt.
Foto: N. Brede
Vorwort
Es ist schon seltsam. In der Aquaristik sind Schlangenkopffische schon seit einigen Dekaden zu finden. Zwar würden wir sie nicht in einem Zooladen mit Standard-Sortiment erwarten, aber einige Arten werden sogar schon im „Mergus Aquarienatlas, Band 1“ besprochen. Jedoch findet man kein einziges Buch, das sich ausschließlich mit den beiden Gattungen Channa und Parachanna befasst. Das heutige Wissen über Schlangenkopffische ist ein Resultat aus Haltungserfahrungen, die entweder am Stammtisch oder im Internet zu finden sind. Und wie so oft ist das Vermittelte im weltweiten Netz oft keiner Korrektur und keiner Kritik ausgesetzt. Deswegen schreiben wir dieses Buch – es ist nicht der Weisheit letzter Schluss, aber der Versuch eines vorsichtig-wissenschaftlichen Umgangs mit dem Thema, dazu Aquarianer-Latein, gepaart mit eigener Erfahrung.
Die Gerüchte, die sich um Schlangenkopffische ranken, haben diesen Tieren ein schlechtes Image verpasst, das sie nicht verdienen. Nicht ganz unbeteiligt am Bild des „Killer Snakehead“, wie es in Billigproduktionen der Filmindustrie unter den Titeln „Frankenfish“, „Snakehead Terror“ oder „Swarm of the Snakehead“ dargestellt wird, sind die US-Regierung und ihre Ämter, die nach den ersten invasiven Vorkommen verschiedener Schlangenkopffisch-Arten beispielsweise in den Florida Keys eine regelrechte Hetzkampagne starteten, um auf die Gefahr durch Faunenverfälschung aufmerksam zu machen, die diese anpassungsfähigen Gattungen mit sich bringen. Heutzutage ist die Haltung dieser Tiere in den USA strikt verboten. Dass dies erst einmal wenig mit dem „Killerinstinkt“ der Tiere zu tun hat, vergisst der eine oder andere schnell, wenn erneut einer der bemerkenswert schlechten Filme läuft. Anders als dort überzeugend dargestellt, frisst Channa übrigens weder größere Haustiere noch ausgewachsene Männer und auch keine hübschen, vollbusigen, in Hochfrequenz schreienden Frauen.
Obwohl Schlangenkopffische definitiv Raubfische sind, besteht im Hobby keine Notwendigkeit, sie irgendwelche angedichteten Killerinstinkte ausleben zu lassen. Auch Tiere, die stets mit Totfutter ernährt wurden, zeigen sich in voller Pracht und produzieren mehr Nachkommen, als es einem manchmal lieb ist. Einst besaß ich (Nora Brede) ein Weibchen von Parachanna obscura, das sich bereitwillig von mir an den Flanken streicheln ließ. Eine, manchmal auch drei Minuten hielt das Tier vollkommen still und entfernte sich, wenn es genug hatte, in aller Ruhe und ohne jegliche Anzeichen von Stress.
Wie viele große Fische sind auch Schlangenkopffische Charaktertiere – wir würden sie eher nicht als überdurchschnittlich intelligent bezeichnen, aber wenn wir an dieser Stelle ein wenig vermenschlichen dürfen, dann würden wir behaupten, dass der Charme dieser Gattungen von ihrer nie enden wollenden Griesgrämigkeit herrührt. Es versüßt uns den Tag, wenn wir morgens in das Gesicht von Channa asiatica schauen dürfen – es ist eine Karikatur der Übellaunigkeit, des Menschenfeinds, vereint in der schuppigen Schnute einer Fischart. Auch nach Jahren mögen wir die Schlangenkopffische noch mehr als viele andere Arten, die auf den Markt sprangen, glänzten wie eine Super-Nova und wieder verschwanden. Sie verzeihen Fehler, benötigen keine übermäßige Pflege – und notfalls kann man Tiefkühlkost aus dem Supermarkt wie z. B. Frutti di Mare oder Shrimps, die man für sie im Gefrierschrank bereithält, unter die Spaghetti für das eigene Mittagessen mischen, wenn die Zeit mal wieder nicht für einen Einkauf gereicht hat …
Nora Brede & Pascal Antler Thalheim an der Thur, Schweiz,& Oberhausen, Deutschland, im Herbst 2009
Biologie
Schlangenkopffische (Familie Channidae; Ordnung Barschartige, Perciformes) sind zwar keine Labyrinthfische (Unterordnung Anabantoidei), aber nahe mit ihnen verwandt. Wie Labyrinthfische besitzen auch Schlangenkopffische ein Labyrinthorgan, also ein zusätzliches Atmungsorgan, mit dem sie atmosphärische Luft aufnehmen können. Und ebenfalls wie Labyrinthfische ertrinken Schlangenkopffische, wenn sie nicht die Gelegenheit bekommen, Luft zu atmen. Während beide Gruppen teilweise das Maulbrüten als Brutpflege-Strategie entwickelt haben, gibt es unter den Schlangenkopffischen keine expliziten Schaumnestbauer – eher sind es halbherzige „Komposthaufen“, die da unter der Wasseroberfläche konstruiert werden, um das Gelege aufzunehmen, oder die Tiere befreien die Wasseroberfläche schon fast zwanghaft von jeglichen Pflanzenteilen.
Gleich den Labyrinthfischen umschlingen sich Schlangenkopffische während der Verpaarung nach einem typischen Muster: Nach anfänglichem Balzen windet sich das Männchen um das Weibchen, das sich seinerseits windet und in den folgenden Sekunden die Eier abgibt, die vom Männchen befruchtet werden. Nach der Eiabgabe verfallen beide in eine Laichstarre, die sich beim Männchen früher löst. Während es die herabfallenden Eier aufsammelt, kann man das Weibchen dabei beobachten, wie es starr zu Boden sinkt. Diese Prozedur wiederholt sich mehrere Male, und nicht selten kann das Nest einer offen laichenden Art an die 1.000 Eier umfassen.

Parachanna obscura bei der Balz. Scheinpaarungen dienen der Synchronisation des Paares. Die Umschlingungen gleichen denen der Labyrinthfische, auch wenn Schlangenkopffische kein beeindruckendes Schaumnest bauen.
Fotos: N. Brede

Landgang. Channa gachua watschelt für die Kamera Richtung Wunschhabitat.
Fotos: N. Brede
Schlangenkopffische sind dafür bekannt und gefürchtet, dass sie über Land gehen können. Auch wenn sich „gehen“ im Zusammenhang mit Fischen auf den ersten Blick seltsam liest, wird der eine oder andere Halter schon überrascht festgestellt haben, dass Channa zu Lande wirklich ausgesprochen wendig und schnell sind. Die Tiere stützen sich auf ihre Brustflossen, stemmen sie nach vorne und ziehen den Körper nach. Noch effektiver wird dies durch eine koordinatorisch perfekt abgestimmte Schlängelbewegung des Hinterkörpers, und bevor man sich versieht, ist der Fisch unter dem Aquarienschrank verschwunden. Die Tiere laufen gezielt in eine Richtung, und man tut gut daran, sie nicht allzu lange zu bewundern, sondern sie möglichst schnell wieder in ihr Aquarium zu setzen.

Die Heimat von Channa striata – in einem Reisfeld ist dieses Tier unterwegs zu tieferen Stellen.
Foto: J. Sawatan
Diese Art der Fortbewegung ist eine Anpassung an ihre Lebensweise, genau wie ihr Labyrinthorgan. Viele Arten kommen in flachen, kleinen Gewässern vor, auf Reisfeldern und in Abwasserkanälen. Ihre Lebensräume sind stets von Austrocknung bedroht und erfordern von den Tieren, sich notfalls eine neue Pfütze zu suchen. Soweit uns bekannt ist, folgen die Tiere in solch einer Situation allerdings keinem visuellen oder geruchlichen Reiz, sondern laufen nach unseren Beobachtungen mehr oder weniger geradeaus. Offensichtlich hat sich dieses Verhalten bewährt, sonst würde es heute so nicht mehr existieren. Zwar führt es wahrscheinlich nur in einigen wenigen Fällen zum Erfolg – allerdings erscheint es uns relativ irrelevant, wo man austrocknet: bei dem Versuch, ein neues Gewässer zu finden, oder im eigenen, austrocknenden Tümpel. Die Exemplare aber, die es schaffen, können dann für den Fortbestand der Art sorgen.
Außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets sind Schlangenkopffische potenziell invasive Arten, sie können sich also aufgrund ihrer Lebensweise auch in solchen Habitaten halten und vermehren, in denen sie ursprünglich nicht vorkamen. Vielerorts wurden sie als begehrte Speisefische bewusst ausgesetzt, etwa auf Madagaskar, Neuguinea und Japan. Als Exoten beeinflussen sie das Gefüge eines Habitats dann mitunter massiv, denn möglicherweise gibt es hier keine Fressfeinde, Parasiten oder Krankheitserreger, die ihren Bestand dezimieren. Beutetiere haben keine Vermeidungsstrategien gegen die „Neuen“ entwickelt, und ökologisch gleichgestellte Arten werden durch die starke Konkurrenz aus ihren Habitaten verdrängt. Auch wenn dieses Szenario nicht auf jeden Exoten zutrifft, sind dies die Hauptgründe, weshalb so viele Neobiota außerhalb ihres Ursprungsgebiets so erfolgreich sind.
Wussten Sie schon?
Das Riechen funktioniert unter Wasser ähnlich wie in der Luft, indem chemische Stoffe über Sinneszellen aufgenommen und im Gehirn verarbeitet werden, um ein bestimmtes Verhalten auszulösen.
Wussten Sie schon?
Als Neobiota bezeichnet man solche Pflanzen (Neophyten) und Tiere (Neozoen), die nach 1492, also dem Jahr der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus, außerhalb ihres ursprünglichen Verbreitungsgebietes durch menschliche Verschleppung oder Aussetzung Fuß bzw. Wurzel gefasst haben und sich dort als sog. invasive Arten ausbreiten. Dabei kann es zu explosionsartiger Vermehrung kommen, weil das ökologische Gefüge nichts entgegenzusetzen hat.
Wir weisen auf diese Problematik hin, weil einige Schlangenkopffisch-Arten durchaus mit niedrigeren Temperaturen zurechtkommen – und die Zeit, in der wir leben, ist durch einen steten Anstieg der mittleren Jahrestemperatur gekennzeichnet. Wir sind wohl eine der letzten Generationen, die zumindest theoretisch noch vereiste Polkappen hätten begehen können. In den Regionen, in denen Schlangenkopffische exotisch vorkommen, haben sie einen nicht unbeträchtlichen Beitrag zur Faunenverfälschung geleistet – der Hype in den USA kommt nicht von ungefähr. Wir rufen jeden Halter von Channa- und Parachanna-Arten zu einem verantwortungsvollen Umgang mit einem Bewusstsein für das ökologische Potenzial dieser Arten auf.
Systematik
Zu Schlangenkopffischen gibt es bis jetzt nur eine Publikation (LI et al. 2006), die sich mit den Verwandtschaftsverhältnissen innerhalb der gesamten Gruppe beschäftigt. Überraschend an den Ergebnissen dieser Studie war, dass sowohl bestimmte Schuppenstrukturen als auch das Fehlen der Bauchflossen mehrmals und unabhängig voneinander in dieser Familie auftreten. Während C. bleheri und C. burmanica keine Bauchflossen besitzen, hat die nächstverwandte Art, C. barca, sehr wohl welche. Ähnlich verhält es sich zwischen C. gachua (Bauchflossen vorhanden) und C. orientalis (nicht vorhanden).
Wussten Sie schon?
Die Morphologie zeigt Unterschiede im Körperbau von Arten auf. Bei Fischen werden dazu beispielsweise die Anzahl der Flossenstrahlen in der Rückenflosse oder die Anzahl der Schuppen entlang dem Seitenlinienorgan als sog. diagnostische Merkmale herangezogen. Wie die Molekulargenetik auch, verlassen sich morphologische Studien nie auf nur ein Merkmal. In der Molekulargenetik werden Artunterschiede an dem Ausmaß der Abweichungen des Erbgutes festgemacht. Die Kombination beider Wissenschaften liefert ein hervorragendes Bild des Status quo.

Verbreitung der Schlangenkopffisch-Arten in Asien (gelb) und Afrika (rot)
Etwas abseits steht die Art C. asiatica, die keine Bauchflossen aufweist, aber auch nur sehr locker mit C. argus und C. maculata gruppiert werden kann. Nah miteinander verwandt sind die folgenden Arten:
Channa punctata und C. panaw, C. bankanensis und C. lucius, C. micropeltes und C. pleurophthalma. Besonders Letzteres ist bemerkenswert, weil
C. pleurophthalma morphologisch mit kaum einer anderen Channa-Art zu vergleichen ist. Einzig C. striata besitzt keine nahen Verwandten unter den Schlangenkopffischen.
Die afrikanischen Arten setzen sich von ihren asiatischen Verwandten stark ab. LI et al. (2006) vermuten, dass die beiden Gattungen sich vor etwa 117 Mio. Jahren (± 13 Mio. Jahre) auftrennten und vertreten die Hypothese, dass sich die afrikanischen und die asiatischen Schlangenkopffische mit der Kontinentaldrift aufspalteten, als sich die indischmadagassische Platte von Gondwanaland löste.

Aussehen und Lage von Flossen und anderen Merkmalen. Darstellungen nach HAMILTON (1822) für P. insignis (oben) und BOULENGER (1916) für C. marulia (unten).

Channa burmanica, eine Art, die kaum im aquaristischen Handel auftaucht
Foto: K. Udomritthiruj

Channa bleheri. Diese Art gehört zu den am häufigsten in der Aquaristik vertretenen Schlangenkopffischen.
Foto: P. Antler
Auf dem asiatischen Kontinent sind Schlangenkopffische weit verbreitet und lassen sich in kühleren und warmen Gebieten genauso finden wie in Gebirgsregionen und in Brackwasserzonen im Küstengebiet – Einzelheiten dazu finden Sie bei den jeweiligen Artporträts. Wie schon anklang, teilen sich die Schlangenkopffische in zwei Gattungen auf, von denen Channa den asiatischen Raum bewohnt, Parachanna den afrikanischen. Die letztere Gattung ist, soweit wir wissen, nur durch drei Arten vertreten: Parachanna africana, P. obscura und P. insignis. Parachanna insignis findet man allerdings praktisch nie in der Aquaristik – importierte Tiere stellten sich letztendlich als P. obscura oder gar Channa punctata heraus. Nur wenige namhafte Aquarianer und Wissenschaftler behaupten steif und fest, P. insignis tatsächlich schon gesehen zu haben.

Parachanna obscura findet man recht häufig in Aquarien. Schon allein, weil eine Brut reicht, um den Bedarf Europas zu decken.
Foto: N. Brede
Abschließend lässt sich sagen, dass die genauen Verwandtschaftsverhältnisse aller bekannten Schlangenkopffisch-Arten noch nicht geklärt sind. Es ist nicht einmal bekannt, wie viele Arten vor allem die Gewässer Asiens noch beherbergen. Das macht es umso spannender, denn immer wieder werden neue Arten vorgestellt und gelangen – so sie denn nicht die 1-m-Grenze durchschlagen – auch in die Hände interessierter Aquarianer. Gerade letztes Jahr wurde die aquaristische Szene mit den Arten C. pulchra und C. ornatipinnis beglückt, zwei klein bleibenden Arten, die darüber hinaus auch noch wunderschön anzuschauen sind.
Haltung
Schlangenkopffische sind keine Anfänger-Fische. Der Grund hierfür liegt nicht in ihren Ansprüchen an die Wasserbeschaffenheit etc. Es scheint Schlangenkopffischen sogar ausgesprochen egal zu sein, ob sie – überspitzt gesagt – in Destillat oder Flüssigbeton leben. Wichtig ist nur, dass die Temperatur stimmt. Verschiedene Arten zeigen eindeutiges Unwohlsein, wenn es ihnen zu kühl wird, während sie Wärme weniger zu stören scheint. Einige Arten reagieren allerdings auch sehr empfindlich auf konstant hohe Temperaturen, und dennoch kann man verallgemeinern, dass sich die meisten Arten bei Wassertemperaturen zwischen 23 und 26 °C wohl fühlen. Im Artenteil dieses Buches werden wir auf Ausnahmen von dieser Regel hinweisen.

Ein Becken von 200 x 40 x 40 cm, besetzt mit acht halb erwachsenen C. melasoma. Die schwache Beleuchtung spart Strom, Fischnerven und sieht super aus.
Foto: N. Brede
Ein gewisser Erfahrungsschatz ist bei der Haltung von Schlangenkopffischen allerdings deshalb hilfreich, weil sie als Raubfische einen größeren Schaden anrichten können als der „herkömmliche Neonsalmler“. Hinzu kommt, dass das kräftige Futter und die entsprechenden Ausscheidungen schnell zu Algenwuchs führen können. Wer viel Wert auf ein sauberes und aufgeräumtes Aquarium legt, sollte sich daher zweimal überlegen, ob ein Schlangenkopf der richtige Fisch für die angestrebte Langzeithaltung ist.

Mit Ästen und Buchenlaub auf Sandboden kann man Habitate attraktiv nachstellen. Ein hoher Wasserstand ist für Schlangenkopffische nicht nötig.
Foto: N. Brede
Ein Filter mit hoher Leistung ist wünschenswert. Wer sich Nachwuchs von seinen Pfleglingen erhofft, sollte von einem Außenfilter mit Ansauger absehen und sich auf Hamburger Mattenfilter mit oder ohne Luftheber konzentrieren. Oberflächenbewegung ist vor allem bei Offenlaichern kontraproduktiv. Unbedingt nötig sind Abdeckscheiben – und da unglaublich viele Channa der frühe Tod ereilt, weil sie werktags während der allgemeinen Geschäftszeiten aus dem Aquarium springen konnten, werden wir nicht müde, darauf zu verweisen.
In den folgenden Unterkapiteln beschäftigen wir uns gesondert mit verschiedenen Aspekten der Channa-Haltung. Wir hoffen, dass dabei insbesondere verständlich wird: Die Haltung von Schlangenkopffischen sollte keine Spontankauf-Entscheidung sein.
Der Praxistipp
15-Watt-Energiesparlampen reichen für die Beleuchtung eines Aquariums für Schlangenkopffische völlig aus und geben ihm eine interessante Tiefe. Achtung! Wasser und Elektrizität sind eine gefährliche Mischung.
Alle Arbeiten müssen daher von einem dazu ausgebildeten Fachmann durchgeführt oder wenigstens abgenommen werden.
Die benötigte Aquariengröße
Über die Größe des Aquariums für Schlangenkopffische kann man sich natürlich streiten. Grundsätzlich sollte man aber mehrere Faktoren mit in die Rechnung einfließen lassen, wenn man sich zum Ziel gesetzt hat, diese Tiere artgerecht zu halten:
• Wie groß wird die Art, wenn sie ausgewachsen ist? Wichtig ist es, dabei nicht zu unter- und nicht zu übertreiben: Parachanna obscura mag bei dem einen nur 20 cm erreicht haben, dann aber im sehr kleinen Aquarium und bei schlechter Fütterung, ist aber auch mit mindestens 50 cm Körperlänge gesichtet worden, wenn nicht 60 cm. Der letzteren Aussage glauben wir allerdings erst, wenn wir ein Metermaß neben dem besagten Fisch sehen. Im genannten Fall handelte es sich um die Exemplare, die lange in einem Schaubecken des Berliner Aquariums schwammen – wir haben sie selbst gesehen, und keines der Tiere hatte unserer Einschätzung nach eine Länge von 60 cm, auch wenn es stattliche und überfütterte Tiere waren.

Channa marulioides wird groß – sehr groß!
Foto: N. Brede
• Wie viele Tiere sollen miteinander gehalten werden? Auch diese Frage ist nur bedingt zu beantworten – in der Regel lassen sich viele Schlangenkopffisch-Arten während der Jugend wunderbar zusammen pflegen. Werden sie aber geschlechtsreif, und ein Paar findet sich innerhalb der Gruppe, wird dieses so viel Platz für sich in Anspruch nehmen, dass dem Halter kaum eine andere Möglichkeit bleibt, als alle anderen Tiere auszuquartieren. Von dieser Regel gibt es Ausnahmen, wie eine Variante von Channa gachua („Sonnenbrillen“-Gachua), bei der sich die Artgenossen schon in mehreren Generationen ein Aquarium teilen und friedlich die Population vergrößern, oder wie C. pleurophthalma, deren Nachzucht unseres Wissens noch nicht geglückt ist und die sich in einer lockeren Schule weniger gestresst zu verhalten scheinen.

Ein C.-gachua-Männchen greift ein kleineres Tier an. Eingespielte Paare mögen sich vertragen, aber sehr schnell entstehen auch gravierende Verletzungen.
Foto: N. Brede
• Gehört die Art zu den Lauerjägern (wie Parachanna obscura) oder den aktiven Schwimmern (Channa pleurophthalma)? Oder ist es eine Art, die sich für keine der beiden Verhaltensweisen definitiv entscheiden möchte – und das ist die Mehrheit der uns bekannten und im Hobby gepflegten Arten.

Parachanna obscura ist ein Lauerjäger. Mit dominanten und schnellen Fischen vergesellschaftet, kann diese Art kümmern und nicht ihr volles Verhaltensspektrum ausleben.
Foto: N. Brede.
Insgesamt lassen sich die Schlangenkopffische allerdings in drei Gruppen aufteilen: Zwerg-Schlangenkopffische, mittelgroße Arten und „Riesen-Viecher“. Keine der Arten sollte in einem Aquarium unter 160 l (100 x 40 x 40 cm) gehalten werden. Für Becken dieser Größe eignen sich die folgenden Arten:
Channa bleheri
Channa gachua
Channa orientalis
Wir nennen diese Arten hier explizit, weil besonders unerfahrene Interessierte nicht gerade mit einem 1.000-l-Aquarium beginnen möchten, um Vertreter der Schlangenkopffische kennen zu lernen. Alle drei Arten eignen sich hervorragend zur Haltung für auf dem Gebiet der Schlangenkopffische unerfahrene Aquarianer – C. bleheri sollte jedoch in den Wintermonaten eine Temperaturabsenkung erhalten.
Zu den mittelgroßen Arten gehören viele der anderen in der Aquaristik zu findenden Schlangenkopffische. Besonders Parachanna obscura hat sich etabliert, weil diese Art als Lauerjäger trotz der imposanten Endgröße von 40 cm für relativ kleine Aquarien ab 120 cm Länge geeignet ist, wobei die Tiefe 50 cm betragen sollte. Parachanna obscura ist unseres Erachtens ein sehr geeigneter Schlangenkopffisch für den unerfahrenen Halter – die Art ist imposant, aber dennoch friedlich.

Channa micropeltes wird zu groß für ein Aquarium. Auch wenn diese Art noch so hübsch aussieht, kann man sie nicht artgerecht unterbringen.
Foto: J.-F. Helias, www.anglingthailand.com
Der Farbenpracht wegen wird auch Channa aurantimaculata häufig gehalten. Aber obwohl diese Art die 40-cm-Marke ebenfalls nicht knackt, wird man hier mit mittleren Aquariengrößen nicht hinkommen, weil diese Tiere sehr aktiv sind und schnell verfetten. Weil sie darüber hinaus auch sehr aggressiv werden können und eine Winterruhe empfehlenswert ist, sollte man als Anfänger von der Haltung dieser und ähnlicher Arten unbedingt absehen. Hier liegen die Extreme in der Haltung mittelgroßer Schlangenkopffische. Vor dem Kauf sollte man sich über die Eigenheiten der ins Auge gefassten Art gut informieren, um sich nicht unnötigerweise den Spaß an diesen tollen Tieren zu verderben.
Arten wie Channa marulia, C. micropeltes und C. argus sind nichts für die Haltung im Aquarium. Leider tauchen besonders C. marulia und C. micropeltes immer wieder im Handel auf und beenden ihr Leben in den meisten Fällen, bevor sie auch nur annähernd ausgewachsen sind. Diese riesigen Fische sehen wunderschön aus, aber die Anzahl der existierenden Hobbyisten mit einem beheizten Swimmingpool ist einfach zu unrealistisch klein, als dass diese Arten auch nur diskutiert werden sollten. Wir müssen es trotzdem tun, damit unser Gewissen beruhigt ist, wenn wir wieder von einem Aquarianer hören, der stolz erzählt, dass er sich neulich aus dem Aquarienladen diese tollen Tiere mit dem roten Streifen mitgenommen hat (C. micropeltes und C. striata sind als Jungtiere unter 10 cm äußerst attraktiv gefärbt).
Der Praxistipp
Oft liest man von Channa in viel kleineren als den hier vorgeschlagenen Aquarien – es handelt sich dabei aber meist um Quarantäne- oder Übergangsbecken. Man sollte sich nicht verleiten lassen, den Tieren diese Behältnisse dauerhaft zuzumuten.
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