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Dr. Michael Kunze &

Dr. Silvia Jelincic:

Der Glückskompass – Das ganze Wissen

der Welt über Glück in einem Buch

Mitarbeit:

Raphaela Lang &

Michaela Koffler

Lektorat:

Andreas Görg

Alle Rechte vorbehalten

© 2021 edition a, Wien

www.edition-a.at

Cover: Isabella Starowicz

ISBN gedruckte Ausgabe 978-3-99001-479-0

ISBN E-Book 978-3-99001-480-6

E-Book-Herstellung und Auslieferung:

Brockhaus Commission, Kornwestheim

www.brocom.de

INHALT

WAS SIE ERWARTET EINLEITUNG VON DR. SILVIA JELINCIC

WAS IST GLÜCK?

GRUNDEINSTELLUNG

WIEVIEL KOSTET DAS GLÜCK?

SELBSTFÜRSORGE

SICH WEITERENTWICKELN

GLÜCK MIT ANDEREN

STRATEGIEN DES GLÜCKS

NACHWORT VON PROF. DR. MICHAEL KUNZE

EIN GLÜCKLICHER ZUFALL

Sie wollte mich zum Thema Glück interviewen. Sie, Silvia Jelincic, die Journalistin, die Glück gehabt hatte. Beim Flug über den Atlantik. Bei dem schrecklichen Gewitter. Nicht in dem Flugzeug zu sitzen, das abgestürzt war, sondern in einer anderen Maschine, unweit dahinter, das war schon großes Glück. Auch wenn es sich anfühlte wie ein Schock. Der Schock war ihr auf dem Foto im Internet anzusehen. Weit aufgerissene Augen, als sie vom Absturz erfuhr. Ich hatte ein wenig zu ihrer Person recherchiert. Schließlich wollte ich ja wissen, mit wem ich gleich die Ehre haben würde.

Das moderne Kaffeebistro, das sie als Ort für unsere erste Begegnung vorgeschlagen hatte, verströmte kecke Behaglichkeit. Die hellen Holztische vor den großen Fensterflächen hielten das herbstliche Grau draußen. An diesem frühen Nachmittag war es angenehm ruhig hier. Die Kellnerin trug etwas vorbei, das sehr liebevoll angerichtet aussah, aber ich hatte schon zu Mittag gegessen. Also bestellte ich nur einen Kaffee.

Wie üblich war ich zu früh dran. So blieb mir Zeit, mich für das Interview zu sammeln. Eigentlich absurd. Ich sollte mich sammeln, obwohl gerade das Sammeln in diesem Fall mein Problem war. Gesammelt hatte ich zur Glücksforschung über die Jahre viel zu viel. Wo sollte ich anfangen? Noch nie hatte mich jemand zum Thema Glück interviewen wollen. Wie sie wohl auf mich gekommen war? Konnte sie einen Hinweis aus der Presseabteilung bekommen haben? Das wäre typisch. Wenn die Pressestelle der Medizinischen Universität eine ungewöhnliche Anfrage bekam, war die erste Ansprechstation immer der Professor Kunze. Als Sozialmediziner war ich quasi für alles zuständig, wofür es keine Spezialisten gab.

Wie auch immer. Jedenfalls hatte Silvia Jelincic mit mir genau den Richtigen erwischt. Seit sechs Jahrzehnten befasste ich mich mit der Glücksforschung. In diesen Jahrzehnten hatte ich stapelweise Studien zum Thema Glück gelesen. Aber aufgearbeitet hatte ich das ganze Material nie. Das hatte ich immer vor mir hergeschoben, zumal andere Aufgaben stets drängender und näher an dem waren, was von einem Professor für Sozialmedizin erwartet wurde.

Ich hatte mich mit Blickrichtung U-Bahn-Station ans Fenster gesetzt, da ich annahm, dass meine Gesprächspartnerin aus dieser Richtung kommen würde. Hätte ich dieses Interview ablehnen sollen? Eine Stunde hatten wir dafür anberaumt. Für eines der riesigsten Themen überhaupt. Kein Tag verging, ohne dass in irgendeinem Magazin irgendjemand irgendeine neue Glücksstudie verwurstete. Meist ohne die Studie gelesen zu haben. Welches Essen und welche Diät machen glücklich? Wie werden Beziehungen und Singles glücklich? Welcher Extremsport und welche Schweigemeditation führen zum Glück? Lauter sensationelle Eintagsfliegen.

Ich konnte nur hoffen, dass mich Silvia Jelincic nicht zum Erzeuger einer solchen Eintagsfliege machen wollte. Professor Kunze enthüllt das wahre Geheimnis des Glücks. Ein Graus. Für einen solchen Artikel wollte ich meinen Namen jedenfalls nicht hergeben.

Da sah ich sie schon in einem langen Herbstmantel heraneilen. Sie war pünktlich.

Zum Glück hatte ich die U-Bahn gerade noch erwischt. Professor Kunze sei alte Schule und doch unorthodox, hatte mir ein gemeinsamer Bekannter erzählt. Alte Schule bedeutete jedenfalls, dass Pünktlichkeit bei dieser ersten Begegnung wichtig war.

Als ich dem Professor am Telefon gesagt hatte, dass ich zum Thema Glück recherchiere, hatte er sich etwas reserviert angehört. Vielleicht hatte er zu diesem Thema wenig zu sagen. Schließlich war er Mediziner. Er erwähnte eine berufliche Erfahrung, die er Mitte der 1960er-Jahre gemacht hatte. Das verwirrte mich. »Wie alt sind Sie denn?«, fragte ich ihn unumwunden.

In zwei Jahren würde er achtzig sein, lautete seine Antwort, die mich weiter verwirrte. Erst nach dem Telefonat sah ich mir seine Vita an. Ich war schon sehr gespannt auf diesen Professor, Jahrgang 1942, der immer noch an der Abteilung für Sozial- und Präventivmedizin der Medizinischen Universität Wien tätig war.

Eigentlich hätte ich erwartet, bei meinen Recherchen zunächst an einen Psychologen zu geraten. Die Studien zur Glücksforschung, die mir bis jetzt untergekommen waren, stammten alle von Psychologen. Allerdings nicht von heimischen. Vielleicht war das der Grund dafür, dass ich bei einem Sozialmediziner gelandet war. Auch gut. Dann konnte ich zunächst die körperlichen Aspekte des Glücks abklären. Aber inhaltlich erwartete ich von diesem Interview nicht allzu viel. Mich interessierte mehr die Person, die ich gleich treffen würde.

Da sah ich ihn auch schon am Fenster sitzen. Breites sympathisches Lächeln, das war ein guter Anfang. Und doch bemerkte ich in seinem Blick auch die Skepsis, die mir schon am Telefon aufgefallen war. Für so etwas hatte ich als Journalistin einen sechsten Sinn. Innerlich musste ich seufzen. Wenn ich die Katze aus dem Sack ließ, würde seine Skepsis bestimmt noch wachsen. Dass aus meinen Recherchen ein Buch werden sollte und dass ich eigentlich auf der Suche nach einem wissenschaftlichen Supervisor war, hatte ich ihm wohlweislich nicht verraten. Denn das verhieß Arbeit. Davor scheuten die Herren Professoren, die ich bisher kennengelernt hatte, zurück. Ganz zu Recht, denn über zu wenig Arbeit konnte sich in höchsten akademischen Kreisen niemand beschweren. Aber wahrscheinlich kam ein Sozialmediziner ohnehin nicht für meine Zwecke infrage.

Ich ließ meinen Mantel an der Garderobe hängen, wo ich ihn im Blick haben würde.

Der Professor erhob sich und deutete eine leichte Verbeugung an. »Guten Tag, Frau Jelincic, freut mich sehr. Sie haben mir noch gar nicht verraten, warum Sie eigentlich zum Thema Glück recherchieren.«

Autsch! Der Mediziner kam gleich zum wunden Punkt. »Guten Tag, Herr Professor.« Ich spürte seinen bohrenden Blick. »Vielleicht wird es etwas Größeres«, versuchte ich auszuweichen.

Er zog seine Stirn in tiefe Falten. Sein Blick wurde noch bohrender. »Sie meinen eine Artikelserie?«

Ich schüttelte den Kopf. »Noch größer«, sagte ich ein wenig verschämt, denn ich fühlte mich ertappt. »Aber von Ihnen brauche ich nur diese eine Stunde, Ehrenwort!«, schob ich nach, damit er nicht gleich dichtmachte.

»Noch größer als eine Artikelserie? … Sie meinen ein Buch. Ein Buch über Glück!«

Ich seufzte und nickte. Was dann geschah, überraschte mich.

Der Professor setzte sich an den Tisch, sichtlich entspannt, breit grinsend. Auch die tiefen Falten auf seiner Stirn waren verschwunden. »Glück ist ein großes Thema«, hob er an. »Vielleicht neben der Liebe das größte überhaupt. Dafür ist mir eine Stunde Interview zu wenig. Wenn Sie die Sache seriös angehen wollen, …«

WAS SIE ERWARTET

Einleitung von Dr. Silvia Jelincic

Sind Sie glücklich? Haben Sie sich diese Frage schon einmal gestellt? Was bedeutet Glück für Sie und was tun Sie für Ihr Glück?

Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich vor etwa fünf Jahren mit meinem kleinen Sohn auf einem Spielplatz stand und eine zierliche ältere Dame beobachtete. Sie hatte ein Lachen, das sich schwer mit Worten beschreiben lässt, das ansteckend war, stark und ehrlich. So fühlt sich Glück an, dachte ich mir.

Wir kamen rasch ins Gespräch. Sie erzählte mir, sie passe mittwochs immer auf ihre Enkelin auf und genieße die Zeit mit der Kleinen. Seit sie als Single lebe, sei alles, ihr ganzes Leben, viel besser. Sie habe sich von ihrem Mann getrennt und wolle sich nie wieder binden.

Hatte ich richtig gehört? Nie wieder? Sie wollte alleine bleiben? Ist es nicht gerade eine innige Partnerschaft, die sich so viele Menschen wünschen und die wahres Glück bedeutet?

Diese Frau zu beobachten und wenige Minuten mit ihr zu sprechen, öffneten mir in so mancher Hinsicht die Augen. Das sollte ich allerdings erst Jahre später merken. Erst meine intensive Auseinandersetzung mit der Glücksforschung lehrte mich, wie recht diese Frau mit ihrer Einstellung hatte und wie recht auch jeder Mensch mit genau der gegenteiligen Einstellung haben konnte.

Dass ich mich mit der Glücksforschung auseinandersetzte, hatte einen Grund.

Noch Anfang 2020 hätten die wenigsten von uns für möglich gehalten, was alles passieren kann, schnell und ohne Vorboten. Als wir damals von Corona hörten, interessierte es uns nicht sonderlich. Wir dachten, China sei so weit weg. Heute wissen wir es besser. Wir leben alle auf demselben Planeten und sind stärker miteinander verbunden, als uns bewusst ist.

Viele Menschen hat die Situation vor nie dagewesene Schwierigkeiten gestellt. Sie verloren ihre Arbeit, waren mit Kindern und Lebenspartnern überfordert und stießen an ihre gesundheitlichen Grenzen. Bekannte und Freunde, die immer stark und optimistisch durchs Leben gingen, fühlten sich hilflos und klagten über Depressionen.

Das Ausmaß dieses glücklosen Zustandes fiel mir zum ersten Mal auf meinem Internetportal auf. Ich bin Journalistin und betreibe eine Bloggingplattform. Dort gebe ich Menschen die Möglichkeit, über all das zu schreiben, was sie bewegt, über ihr Leben und ihre Lieben, über ihre Sorgen und Nöte. So finden sich Gleichgesinnte und interessierte Menschen, die teils sehr persönliche Themen diskutieren.

Ich erinnere mich an den Beitrag einer Mutter, die offen schrieb, sie könne ihre Kinder daheim kaum noch ertragen. Wir Eltern sollten uns nichts vormachen. Das Gezanke, Geplärre und Herumgezapple den ganzen Tag und dieser Druck, den Kindern entgegen den eigenen Überzeugungen Spielkonsolen und Handyspiele geben zu »müssen«, all das war an manchen Tagen tatsächlich unerträglich. Ein Leben ohne Schule und die Kinder fast immer daheim – für viele Eltern war das ein Alptraum, über den sie erst nach einer Weile offen und ohne Angst vor Maßregelung sprechen konnten.

Corona war und ist für viele von uns ein Härtetest, aber auch eine Art Ventil. Ich habe manchmal das Gefühl, als wäre vieles ohne das Virus gar nicht an die Oberfläche gedrungen. Nicht alles, was das Virus gebracht hat, ist schlecht. Menschen öffneten ihre Seelen und erzählten von Ängsten, die sie plagten. Von Ängsten, Freunde und Verwandte zu verlieren, vor Krankheit, Ausgrenzung, sozialem Abstieg und Überwachung oder schlicht davor, dass die guten alten Zeiten nie wiederkommen würden. Reisefreiheit, Bewegungsfreiheit, alles vorbei. Corona hat Millionen Menschen unglücklich gemacht.

Corona war auch die Zeit der Gurus, die uns einfache Glücksformeln servierten, nach dem Muster: »Tu dir Gutes und sei glücklich – es ist doch ganz einfach«, oder: »Denk positiv, dann wird es besser!«

Diese platten Sprüche braucht in Krisenzeiten wirklich niemand. Sie nerven. Wenn ich selbst unglücklich war und jemand so etwas zu mir sagte, empfand ich es als empathielos, manchmal geradezu als aggressiv. Auch deshalb fing ich an, darüber nachzudenken, was Glück eigentlich ist und wie wir es wieder in unser Leben bringen können, wenn wir es einmal verloren haben.

Es gibt Dinge im Leben, die passieren einfach. Darauf haben wir wenig oder gar keinen Einfluss. Ist es also Schicksal, ob wir glücklich sind oder nicht? Schließlich gibt es Menschen, denen fällt das Glück anscheinend ständig in den Schoß. Sie bekommen die besseren Partner, die besseren Jobs, die braveren Kinder. Und nebenbei gewinnen sie auch noch im Lotto oder zumindest eine dieser sündhaft teuren Reisen.

Sie mögen diese Leute nicht? Fein, ich auch nicht. Aber vielleicht haben sie es ja auch verdient. Glück ist ja angeblich oft auch ein Begleiter der Tüchtigen und Mutigen. Auch ein Lottogewinner ist in gewisser Weise tüchtig und mutig. Er kauft immerhin einen Lottoschein. Er traut sich. Er macht es und geht das Risiko ein, zu verlieren, vielleicht sogar Woche für Woche, er gibt in Summe viel Geld aus und irgendwann hat er dann eben auch Glück. Wohlverdient, oder etwa nicht?

Aber ist es wirklich so, dass wir Glück erreichen können, wenn wir uns darum bemühen, genauso wie um eine schlanke Linie, eine gute Note in der Schule oder ein Lob vom Chef?

Als ich mich damit zu befassen begann, stieß ich zunächst auf noch mehr Gurus und Esoteriker, die ihre Rezepte über YouTube-Kanäle oder Webinare verkauften. Allesamt machen sie einen meiner Meinung nach unverzeihlichen Fehler: Sie präsentieren ihre Rezepte als allgemeingültig und tun so, als würde alle Menschen das Gleiche glücklich machen. Ich brauche nur meine Kinder zu beobachten, um zu wissen, dass das nicht stimmen kann.

Also fragte ich mich als nächstes, ob es in Sachen Glück auch so etwas wie eine objektive Wahrheit gibt. Idealerweise eine, aus der jeder Mensch für sich seine eigenen Rezepte ableiten konnte. Eine wissenschaftlich fundierte Wahrheit, die frei von spirituellem Firlefanz ist und die einfach funktioniert. Für Pragmatiker des Glücks sozusagen, für Menschen, die ihr Leben gerne selbst in die Hand nehmen.

Ich begann zu recherchieren und geriet durch einen glücklichen Zufall an Prof. Dr. Michael Kunze. Bei der ersten Begegnung wurde mir klar: Mit diesem Menschen möchte ich zusammenarbeiten. Er strahlte Optimismus aus. Corona dominierte nach wie vor die Welt. Da war diese Begegnung ein kleiner Segen.

Kunze beschäftigte sich sein bisheriges Berufsleben lang mit Sozial- und Präventivmedizin. Dass er all jene Fragen, die sich um Glück, Zufriedenheit und Wohlbefinden drehen, auch als Teil seines Aufgabenbereiches sah, war mir anfangs gar nicht bewusst.

Zum ersten Gespräch hatte ich natürlich auch seine Vita als Teil meiner Rechercheunterlagen mitgebracht. Ich deutete auf die lange Liste der anspruchsvollen Funktionen, die er neben seiner ärztlichen Tätigkeit im österreichischen Gesundheitswesen innehatte. »Wie schaffen Sie das eigentlich alles?«, fragte ich ihn.

»Ach wissen Sie…«, antwortete er, »Ich bin glücklich.«

Er meinte, dass er vor allem deshalb glücklich sei, weil er keinen Grund habe, unglücklich zu sein. Er sei gesund. Das Leben gebe ihm alles, was er brauche, um glücklich zu sein. Eine Familie und Arbeit, beides erfülle ihn.

Vielleicht denken Sie sich jetzt, dass Kunze zu den Gesegneten gehört, die auf die »Butterseite« des Lebens gefallen sind. Aber so ist es nicht. Auch in seinem Leben gibt es das Unglück. Nur kommt er damit offensichtlich gut zurecht.

Als ich mehr über das Glück von ihm erfahren wollte, nannte er Forschungsergebnisse zum Thema. Teilweise klangen sie wie etwas, das wir alle auch selbst entdecken können, aber er mahnte mich, genau hinzuschauen und die Konsequenzen scheinbar banaler Erkenntnisse zu bedenken. Teilweise handelte es sich um umfangreiche, jahrelang oder sogar jahrzehntelang durchgeführte Studien, die zu überraschenden Ergebnissen kamen.

Kunze und ich beschlossen, aus dem verfügbaren, wissenschaftlich belegten Wissen der Welt über Glück ein Buch zu machen, aus dem Glücks-Pragmatiker ihre eigenen Rezepte ableiten können.

Die Fülle der vorhandenen Forschungsergebnisse überraschte mich, während ich mich durch zahlreiche, nicht immer besonders spannend zu lesende und dann auch noch in trockenem Wissenschafts-Englisch gehaltene Studien arbeitete. Und noch etwas überraschte mich: Schon allein die Beschäftigung mit dem Glück machte mich glücklich. Dieser Effekt motivierte mich zusätzlich bei der Arbeit. Ich hoffe, diesen Effekt an alle Leserinnen und Leser weitergeben zu können, selbst an jene, die nur mal eben in diesem Buch blättern.

Wie immer Sie dieses Buch benutzen – denn zum Benutzen ist es gemacht –, ich wünsche Ihnen viel Freude dabei, viele Inspirationen und dass es Ihnen hilft, als Pragmatiker oder Pragmatikerin des Glücks den Grundton Ihres Lebens aufzuhellen.

Mag. Dr. Silvia Jelincic, MA, Februar 2021

WAS IST GLÜCK?

Was uns Driss und Philippe, zwei Menschen, die aufgrund ihres Schicksals auf keinen Fall glücklich sein dürften, über das Glück lehren, welchen Missverständnissen über das Glück wir aufsitzen und was Sie in diesem Buch erwartet.

Driss und Philippe könnten kaum unterschiedlicher sein. Driss ist in der Pariser Vorstadt aufgewachsen. Seine Vorfahren kommen aus dem Senegal. Wie viele andere junge Männer aus seinem Viertel hat auch er bereits ein paar Jahre seines Lebens im Gefängnis verbracht. Auf dem Arbeitsmarkt hat er mit diesem Hintergrund kaum eine Chance. Nur die Arbeitslosenversicherung bewahrt ihn davor, gleich wieder in die Kriminalität abzurutschen. Allerdings reicht die staatliche Unterstützung nicht einmal für eine eigene Wohnung. Driss muss bei seiner alten Mutter Unterschlupf suchen. Wie soll er die Träume eines jungen Mannes verwirklichen? Bleibt ihm nur die Tristesse zwischen Drogen und Kleinkriminalität? Wie kann er jemals ein wirklich glückliches Leben führen?

Philippe hingegen hat alles, was sich ein Mensch wünschen kann. Er ist Multimillionär, wohnt in einem Palais im Zentrum von Paris, besitzt einen Privatjet und fährt sportliche Luxusautos. Er genießt das Leben in vollen Zügen. Bis ihn zwei Schicksalsschläge treffen: Seine Frau stirbt an Krebs. Als er sich von diesem Unglück halbwegs erholt hat, stürzt er beim Paragliding ab. Er überlebt, allerdings ist er fortan vom dritten Halswirbel abwärts gelähmt.

Der Unfall ändert für Philippe alles. Er, der reiche, erfolgreiche und intelligente Geschäftsmann, kann ohne die Hilfe anderer nicht einmal aufs WC. Zu allem Übel überfällt ihn auch noch eine lebensgefährliche Atemnot, immer wieder ohne Vorwarnung. Was nützt ihm sein ganzer Reichtum, wenn er sich nicht einmal selbst die Sauerstoffmaske aufsetzen kann? Rund um die Uhr benötigt Philippe jemanden an seiner Seite und ist dennoch ständig in Lebensgefahr. Die Menschen um ihn herum sind voller Mitleid für dieses schreckliche Schicksal. Kann er jemals wieder glücklich werden?

DIE GROSSEN GLÜCKS-IRRTÜMER

Für viele ist Glück die große Liebe. Andere träumen von einem Lottogewinn, vom Traumjob, von einem Haus mit Garten. Diese Aufzählung ließe sich endlos fortsetzen. Bis hin zu den kleinen Dingen, die uns glücklich machen: ein Spaziergang im Wald, auf den wir uns schon die ganze Woche freuen, die neueste Staffel unserer Lieblingsserie oder einfach ein heißes Bad. All diese Dinge können uns glücklich machen. Wohlgemerkt können.

Es gibt auch Menschen, die sich durch eine große Liebe beengt fühlen würden, denen ein Lottogewinn nichts bringen würde, was sie schon haben, die am liebsten gar keinen Job haben, und die mit einem Garten vor allem mühselige Arbeit verbinden.

Was Glück ist, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Je nach Ausgangslage, Persönlichkeit und Einstellung zum Leben weicht das persönliche Glück von dem ab, was die Mehrheit als Glück betrachten würde. Wobei die Dinge, die gemeinhin als Quellen des Glücks gelten, nicht unbedingt tatsächlich glücklich machen. Auch die Mehrheit kann sich irren.

So denkt die Mehrheit, es mache glücklich, ein paar Millionen Euro auf dem Konto zu haben. Dies, weil die Mehrheit aus Mittel- und Kleinverdienern besteht. Für sie ist es natürlich, von Reichtum zu träumen. Ihre sozioökonomische Ausgangslage erzeugt ihren Traum. Im Lotto zu gewinnen, steht für einen der größten Glücksmomente überhaupt. Aber entspricht das der Realität? Sind Lottogewinner wirklich glücklichere Menschen?

Am anderen Ende der verbreiteten Glücksskala stehen traumatische Erfahrungen: der Tod von geliebten Menschen, ein schwerer Unfall oder eine schwere Krankheit mit bleibenden körperlichen Schäden, Behinderung. Beim Gedanken an solches Unglück kommen Zweifel auf, ob wir je wieder glücklich sein könnten. Doch auch hier stellt sich die Frage: Wie ist es wirklich um die Glücksgefühle von Menschen bestellt, denen so etwas wiederfährt?

Der Psychologe Philip Brickman und seine Kollegen von der Northwestern University in Illinois verglichen diese beiden extremen Lebenssituationen. Für ihre Studie interviewten die Wissenschaftler einerseits Lottogewinner. Nur einer von ihnen hatte erst vor weniger als einem Monat gewonnen. Bei den anderen lag der Gewinn länger zurück, aber nicht mehr als eineinhalb Jahre. Außerdem interviewten die Forscher bleibend schwer beeinträchtigte Unfallopfer. Als Kontrollgruppe interviewten sie auch Menschen, die weder im Lotto gewonnen, noch einen Unfall oder andere traumatische Erlebnisse gehabt hatten.

Das Ergebnis dieses Vergleichs relativiert die allgemeinen Annahmen über Glück. Die Lottogewinner berichteten zwar von positiven Veränderungen – dazu gehörten finanzielle Sicherheit, mehr Freizeit und ein höherer sozialer Status – allerdings ergab die Auswertung aller ihrer Antworten, dass sie insgesamt nicht glücklicher waren als die Kontrollgruppe. Auch für die Zukunft sagten sie sich kein gesteigertes Wohlbefinden voraus.

Die Forscher benannten auch die Gründe dafür. Die Lottogewinner empfanden verschiedene alltägliche Aktivitäten als weniger beglückend als die Kontrollgruppe. Ein liebevoll angerichtetes Frühstück, mit Freunden zu plaudern, ein gemütlicher Fernsehabend, das alles war den Lottogewinnern weniger wert.

Wenn wir unversehens zu viel Geld kommen, hat das nicht nur positive Auswirkungen. Andere positive Ereignisse in unserem Leben können dadurch bedeutungsloser werden. Am Ende sind wir nach dem Geldsegen womöglich sogar unglücklicher als zuvor.

Bei den Unfallopfern zeigte sich ein ähnliches Bild, nur andersherum. Sie waren im Durchschnitt recht glücklich, wenn auch nicht ganz so glücklich wie die Lottogewinner und die Kontrollgruppe. Besonders an die Zeit vor ihrem Unfall zurückzudenken, löste bei ihnen vor allem Wehmut aus.

Die Mühen ihrer Behinderung hätten nahegelegt, dass sie auch in der Gegenwart eher unglücklich waren. Diese Annahme erwies sich jedoch als falsch. Die Unfallopfer freuten sich zwar weniger als die Kontrollgruppe an kleinen Dingen des Alltags, aber dramatisch war der Unterschied nicht. Die Unfallopfer lagen mit ihren Antworten im Schnitt immer noch deutlich auf der glücklichen Seite. Ihre Zukunftsaussichten bewerteten sie ähnlich positiv wie die anderen beiden Gruppen.

Das Fazit des Vergleichs lässt sich in zwei einfachen Erkenntnissen zusammenfassen.

Erstens. Glück ist relativ. Je nach Ausgangslage steigern unterschiedliche Dinge unser Glücks- und Unglücksempfinden.

Zweitens. Wir gewöhnen uns mit der Zeit an neue Lebenssituationen, egal ob sie eine Veränderung zum Besseren oder zum Schlechteren gebracht haben, egal wie extrem die Veränderung war. Auf Dauer sind wir trotz Veränderung weder wesentlich glücklicher noch wesentlich unglücklicher. Das Glück pendelt sich immer wieder ein. Ein Grund mehr, immer zuversichtlich in die Zukunft zu blicken.

GLÜCK IST IMMER MÖGLICH

Kehren wir damit zurück zu Philippe und Driss. In unserer Geschichte mit diesen beiden Helden hat sich Phillippes Glücksgefühl nach den beiden Katastrophen in seinem Leben noch nicht wieder eingependelt. Es ist davon sogar noch weit entfernt, als er eines Tages einen neuen persönlichen Assistenten braucht. Mit den Bewerbern ist er jedoch unzufrieden. Am meisten stoßen ihn jene ab, die Lebenssinn für sich selbst suchen, indem sie behinderten Menschen helfen.

Auch Driss bewirbt sich bei Philippe, allerdings mit einem ganz anderen Motiv. Driss rechnet sich gar keine Chancen auf den Job aus. Er will damit nur die Streichung seiner Arbeitslosenunterstützung durch das Sozialamt verhindern. Von Philippe braucht er nur eine Unterschrift. Mitleid hat er nicht mit ihm. Er begegnet Philippes Behinderung vielmehr mit Humor und klaut ihm nebenbei ein paar Wertsachen.

Philippe stellt ihn genau deshalb ein, obwohl Driss keine Ahnung vom Job eines persönlichen Assistenten hat. Er empfindet den Mangel an Mitleid als Voraussetzung dafür, dass sich sein Leben einmal mehr und diesmal wieder zum Positiven verändern kann. Durch Driss’ direkte und offene Art lernt Philippe, dass er seine Situation akzeptieren muss, um wieder ein glücklicher Mensch zu werden.

Umgekehrt genießt Driss das Leben im Luxus an der Seite des reichen Philippe, bis ihn seine Vergangenheit einzuholen droht. Die beiden trennen sich. Einmal mehr ist Philippe wieder umgeben von Menschen, die ihn bemitleiden und als hilflosen Patienten betrachten. Es ist diese Behandlung, nicht seine Behinderung, die Philippe die Lebenslust nimmt.

Als Driss vom schlechten Zustand Philippes erfährt, kommt er zurück. Um Philippe aufzumuntern, setzt Driss ihn kurzerhand in einen Sportwagen und rast los. Es dauert nicht lange, da liefern sie sich eine wilde Verfolgungsjagd mit der Pariser Polizei. Einer Bestrafung entgehen sie, indem Philippe einen Anfall vortäuscht.

Zuletzt fahren die beiden an den Ärmelkanal, wo Philippe endlich den entscheidenden Schritt in ein neues Leben setzt. Er trifft seine Brieffreundin Éléonore, die von seiner Behinderung nichts weiß. Lange ist er ihr aus dem Weg gegangen, aus Furcht, seine Behinderung könnte sie abschrecken.

Am Ende der Geschichte erkennt Philippe, dass es nicht seine Behinderung ist, die ihn davon abhält, glücklich zu sein. Es ist die damit verbundene Überzeugung, nicht mehr glücklich sein zu können. Die Menschen um ihn herum, die nicht wissen, wie sie mit ihm umgehen sollen, verstärkten lange diese Überzeugung. Erst Driss behandelte ihn ganz normal. Das machte die beiden zu mehr als zu Assistent und Kunde. Sie wurden ziemlich beste Freunde.

»Ziemlich beste Freunde« wurde in Frankreich zu einem der erfolgreichsten Filme überhaupt und erlangte auch international große Bekanntheit. Das Drehbuch beruht auf der Lebensgeschichte des Millionärs Philippe Pozzo di Borgo, der nach einem Paragliding-Unfall querschnittsgelähmt war, und seinem Assistenten, dem Algerier Abdel Sellou.

Was zeigt diese wahre Geschichte?

Glück ist immer möglich. Es wartet in jeder Lebenslage. Das bestätigen die unter dem Titel »Ziemlich beste Freunde« verfilmte Autobiografie von Philippe Pozzo di Borgo und die genannte Studie des Psychologen Philip Brickman und seiner Kollegen gleichermaßen.

DAS PRINZIP DER DREI MONATE

Wie positiv oder negativ sich bedeutende Lebensereignisse auf unser Glücksempfinden auswirken, das fragten sich auch der südkoreanische Psychologe Eunkook Suh von der Yonsei Universität in Seoul und die beiden amerikanischen Psychologen Ed Diener und Frank Fujita. Sie beforschten einen Zeitraum von vier Jahren.

Ihre Ergebnisse bestätigten das bisher Gesagte. Tatsächlich haben einschneidende Lebensereignisse nur vorübergehend Einfluss darauf, wie glücklich oder unglücklich wir sind. Danach verblasst ihre Wirkung. Wie lange das dauert, kann von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein, doch nach drei Monaten hatten die meisten Ereignisse ihre Wirkung auf das Glücksempfinden der Studienteilnehmer verloren. Länger wirkten sich nur besonders tragische Ereignisse, wie der Tod eines Familienmitglieds, aus. Das gilt auch für besonders positive Ereignisse wie Lottogewinne oder Hochzeiten. Unser weiteres Glücksempfinden hängt davon ab, wie sich unser Leben nach einem Lottogewinn oder einer Hochzeit weiter gestaltet und in welche Richtung wir es selbst beeinflussen.

Egal welches Unglück oder welches Glück uns zustößt, nach etwa drei Monaten hat sich unser Glücksempfinden wieder eingependelt. Womit wissenschaftlich belegt ist, dass alles Schlimme vorübergeht und dass es kein Happy End für immer gibt. Daran sollten wir immer denken, in den schlimmen genau wie in den schönen Momenten. Denn es macht uns widerstandsfähiger und dankbarer. Es hilft uns, im Moment zu leben und das macht unser Leben intensiver.

Die Erholung von negativen Ereignissen gelingt uns umso besser, je weniger wir uns negative Dinge aus unserer Vergangenheit ständig vergegenwärtigen. Verdrängung ist allerdings auch keine gute Lösung.

Um glücklicher zu werden, müssen wir das Negative zunächst an uns heranlassen, es eingehend betrachten, daraus lernen, ihm damit die Kraft nehmen und es dann loslassen, damit es uns loslässt.

Wir sollten uns weniger auf die Dinge konzentrieren, die waren. Vielmehr sollten wir Kraft aus dem schöpfen, was jetzt ist und was uns Freude bereitet. Konzentrieren wir uns vor allem darauf, dann finden wir auch etwas, das uns glücklich macht.

WELLENBEWEGUNG DES GLÜCKS

Interessanterweise hat die Langzeitstudie von Eunkook Suh auch ergeben, dass positive und negative Phasen unseres Glücksempfindens meist erstaunlich stabil sind. Eine Zeit lang war das Glück der Teilnehmer höher, dann wieder eine Zeit lang niedriger. Es scheint in Wellen von mehreren Monaten bis zu eineinhalb Jahren zu verlaufen. Je nach Persönlichkeit der Teilnehmer bewegten sich diese Wellen in den vier Jahren rund um einen Mittelwert eher im positiven, im mittleren oder im negativen Bereich des Glücksempfindens.

Persönlichkeit ist ein wichtiger Faktor für unser Glücksempfinden. Einen Teil unserer Persönlichkeit, etwa unsere Grundeinstellung zu uns selbst und unserer Umwelt, können wir nicht einfach so ändern, aber wir können sie mit der Zeit beeinflussen. Diese Fähigkeit versetzt uns am ehesten in die Lage, ein glücklicherer Mensch zu werden. Denn vor Unglück von außen sind wir zwar niemals sicher, doch wir können darauf hinwirken, dass der Mittelwert unseres Glücksempfindens sich tendenziell im positiven Bereich bewegt.

DAS RÄTSEL DER PHASEN

Noch etwas Bemerkenswertes zeigte sich in Eunkook Suhs Langzeitstudie. Einschneidende positive wie negative Lebensereignisse waren bei den Teilnehmern nicht etwa willkürlich über die vier Jahre verstreut. Stärkere positive und negative Lebensereignisse lagen vielmehr meist nahe aneinander. Wenn besonders schlimme Dinge passierten, passierten bald auch besonders gute, und umgekehrt. Dazwischen gab es längere Phasen, in denen den Teilnehmern weder besonders positive noch besonders negative Dinge wiederfuhren.

Warum das so ist, dafür gibt es noch keine rationale Erklärung. Die Forscher wissen es einfach nicht. Sie haben allerdings festgestellt, dass wir solche Verdichtungen normalerweise nicht wahrnehmen. Wir würden die Phasen nur wahrnehmen, wenn wir die Ereignisse, die uns prägen, über Jahre hinweg als Punkte auf einer Zeitachse eintragen. Da wir das nicht tun, glauben wir fälschlich, dass sich positive und negative Ereignisse ohne Plan und Muster über unsere ganze Lebenszeit verteilen.

Das Rätsel der Phasen sollten wir uns immer dann in Erinnerung rufen, wenn uns gerade etwas besonders Schlechtes oder etwas besonders Gutes widerfahren ist. War es etwas besonders Schlechtes, haben wir gute Chancen, dass bald etwas Gutes eintritt. War es etwas besonders Gutes, sollten wir eher bescheiden bleiben.

DIE GEOGRAFIE DES GLÜCKS

Die Frage, was Glück eigentlich ist, ist damit allerdings noch immer nicht beantwortet. Einstweilen wissen wir, dass jeder Mensch Glück und Unglück in jeder Lebenslage empfinden kann, egal ob Lottogewinner oder Unfallopfer. Deshalb scheint das Glück ein Phänomen der Gegenwart, des Moments zu sein. Wir fühlen Glück immer in der Situation, in der wir uns gerade befinden. Auch wenn wir von einer schönen Zukunft träumen, fühlen wir Glück nur im Hier und Jetzt. Ob die Zukunft wirklich so schön wie in unserem Traum wird, wird sich dann erst zeigen.

Dennoch scheint Glück mehr als nur ein flüchtiger Stoff zu sein, der von einem Moment zum anderen vergehen kann. Glück kann andauern, denn es vollzieht sich in Wellen, die mehrere Monate bis eineinhalb Jahre andauern können. Darüber hinaus kann Glück sogar ein anhaltendes Lebensgefühl sein, wenn wir lernen, unser Leben trotz Aufs und Abs als prinzipiell glücklich anzusehen.

Glück hat dabei unendlich viele Gesichter und Facetten. Der Rausch beim Erklimmen eines Berggipfels, Schokoladenkuchen mit Vanilleeis und Erdbeeren, der Moment einer wichtigen Erkenntnis, das Lachen mit Freunden, der tolle Urlaub, die Beförderung, die Pakete unter dem Weihnachtsbaum und die großen Kinderaugen – all das kann Glück sein. Gibt es angesichts dieser Vielfalt überhaupt eine Antwort auf die Frage, was Glück nun eigentlich ist?

Viele berühmte Menschen, Philosophen, Künstler und Politiker haben auf diese Fragen wohlklingende, in inspirierten Momenten entstandene Antworten gegeben. Wir haben einige davon zur Inspiration in kleinen Kästen über dieses Buch verteilt. Doch diese Antworten bleiben letztlich immer persönlich und subjektiv. Sie schenken uns das eine oder andere Aha-Erlebnis. Wenn wir darüber hinaus versuchen, das Glück zu begreifen und mehr für uns daraus machen wollen, geht das mit diesen kurzen Antworten meist nicht.

Wenn wir uns an die Glücksforschung halten, wird die Sache kaum einfacher. Das Phänomen Glück lässt sich wissenschaftlich schwer eingrenzen. Es entzieht sich sogar so pragmatischen Methoden wie standardisierten Fragebögen, die Studienteilnehmer ausfüllen müssen. Versuche in diese Richtung gibt es genug und die Fragen beziehen sich meist auf die drei gleichen Bereiche:

Erstens. Die Einschätzung des eigenen Glücks im Vergleich zu jenem der anderen

Zweitens. Konkrete Gefühle und Momente des Glücks oder Unglücks

Drittens. Hintergrund des Glücks: Sinn, Ziele und deren Erreichbarkeit, Zugehörigkeit, Autonomie, Selbstwertgefühl und so weiter

Eine Studie von der Psychologin Gwendolyn Gardiner an der University of California zeigte, dass mit diesen Fragebögen immer ein Problem verbunden ist. Sie messen nicht das Glück an sich. Sie messen bloß, was in der Kultur der jeweiligen Forscher und der Testpersonen als Glück gilt.

So etwa funktionieren amerikanische Fragebögen in Amerika und in Europa. In Asien hingegen führen die im Westen entwickelten Fragebögen zu mehrdeutigen Antworten. Dort funktionieren Fragebögen etwa aus Japan viel besser. Weder die japanischen noch die amerikanischen Fragebögen erzielen jedoch im arabischen und afrikanischen Raum brauchbare Ergebnisse. Dementsprechend gibt es keinen Fragebogen, mit dem sich messen ließe, wo in der Welt die Menschen am glücklichsten sind.

Fragebögen und andere Erhebungsmethoden der Glücksforschung sind also durch die jeweilige Kultur verzerrt. Der kulturell geprägte Diskurs über das Glück ermöglicht es, über das Glück nachzudenken, schränkt dieses Denken aber gleichzeitig ein.

Glück ist überall etwas anderes. Es gibt keinen global einheitlichen Maßstab für Glück, keine einheitlichen Fragebögen, mit denen sich Glück quantifizieren und regional vergleichen lässt. Was wir als Glück wahrnehmen, hängt also auch davon ab, in welche Kultur wir geboren sind.

So etwa sind die westlichen Länder durch eine protestantische Ethik geprägt, die Glück mit Erfolg gleichsetzt. Die Antworten der Testpersonen sind stets von diesem Diskurs gefärbt und verzerrt. Im Gegensatz dazu steht etwa das Glücksempfinden der Filipinos. Obwohl die Philippinen zu den ärmsten Ländern der Welt gehören und regelmäßig von Naturkatastrophen, Korruption und politischen Konflikten betroffen sind, erhielten sie beim World Value Survey den höchsten Platz Asiens im subjektiven Wohlbefinden. Anstelle von materiellen Gütern und Erfolg haben für die Einwohner nämlich familiärer Zusammenhalt und Gesundheit die höchste Priorität.

DIE BIOLOGIE DES GLÜCKS

Wenn wir die Sache biochemisch betrachten, wird es etwas einfacher. Glück ist dann schlicht die Ausschüttung größerer Mengen an bestimmten Botenstoffen im zentralen Nervensystem. Diese Ausschüttungen sind so etwas wie der kleinste gemeinsame Nenner des Glücks.

Biochemisch betrachtet sind wir glücklich, wenn unser Nervensystem für ein gutes Niveau an Glückshormonen sorgt.

Diesen natürlichen und eigentlich unwillkürlichen Vorgang können wir beeinflussen, und zwar ganz ohne Medikamente oder Drogen. Denn unser Glücksempfinden entsteht aus einer Kette komplexer Wechselwirkungen zwischen Reizen, Geist und Körper. Die Kette dieser Wechselwirkungen kann sich entweder in eine für uns gute, neutrale oder in eine für uns schlechte Richtung entwickeln. Sie kann auch zunächst eine Richtung einschlagen und später in eine andere abbiegen.

Entwickelt sich die Kette in die für uns gute Richtung, fühlen wir uns zunächst wohl. Das macht uns aufmerksam, weil sich das Wohlgefühl ja zu einem richtigen Glücksgefühl steigern lassen könnte. Also gehen wir den Reizen nach, die zu dem guten Gefühl geführt haben. Wir aktivieren also willentlich biochemische Systeme, die bestimmte Botenstoffe herstellen und ausschütten.

Diese Botenstoffe, auch Neurotransmitter genannt, dienen der Kommunikation zwischen den Nervenzellen. Zusätzlich zu den rein elektrischen Impulsen übermitteln sie chemische Informationen. Wenn alles gut läuft und uns nichts zwischendurch frustriert, schüttet unser Nervensystem immer mehr dieser Botenstoffe aus. Es handelt sich um Dopamin, Opioide und Oxytocin, die sogenannten Glückshormone. Sind genug davon in unseren Nervenbahnen, empfinden wir Glück. Das kann sich bis zum Glücksrausch steigern. Was genau bewirken diese Hormone? Hier ist ein kurzer Überblick.

Dopamin. Unser Nervensystem schüttet es bereits aus, wenn wir etwas begehren. So entsteht Vorfreude. Es hat einen ähnlichen Effekt wie aufputschende Drogen. Wir fühlen uns motiviert, optimistisch und unser Selbstvertrauen steigt. Wir sind konzentrierter und handlungsbereiter, insbesondere bei neuen Herausforderungen. Dopamin macht uns zusätzlich wacher, neugieriger, lernfähiger und kreativer. Unser Gehirn schüttet Dopamin bereits aus, wenn wir uns konzentrieren. Dopamin gilt deshalb als das Hormon des Wollens, der Erregung und des Lernens.

Opioide. Sie schüttet unser Nervensystem aus, wenn wir bekommen, was wir begehrt haben. Opioide (zum Beispiel Endorphine, Enkephaline und Dynorphine) entstehen häufig auch bei starker körperlicher Anstrengung und Stress und wirken schmerzlindernd. Unter anderem sind sie die Ursache für das sogenannte Runner’s High, das Läufern das euphorische Gefühl gibt, unendlich lange weiterlaufen zu können.

Unsere körpereigenen Opioide schütten wir aber auch bei positiven Erfahrungen aus. Sie stärken unser Ich-Gefühl, unser Gedächtnis und unser Lernvermögen. Sie sorgen für das Glücksgefühl nach einer bestandenen Prüfung oder nach einer Beförderung. Wohlbefinden und Lebensfreude machen sich mit ihnen breit. Einen solchen Effekt haben auch Drogen wie Opium oder Heroin, allerdings gepaart mit den bekannten problematischen Neben- und Folgewirkungen.

Oxytocin. Es bildet den biochemischen Hintergrund zwischenmenschlicher Bindungen und des Vertrauens. Oxytocin ist sowohl Ursache als auch Wirkung von Bindungserfahrungen mit Freunden, Familie oder Partnern. Es macht uns kooperativer, partnerschaftlicher, fairer und treuer, entspannter und weniger ängstlich. Dieses angenehme Gefühl bewegt uns dazu, neue Beziehungen einzugehen, zusammenzuarbeiten und bereits bestehende Beziehungen zu pflegen. Stabile Partnerschaften sorgen am ehesten für ein hohes Niveau an Oxytocin-Ausschüttung.

In der menschlichen Natur liegt nicht, wie oft behauptet, das eigennützige Verfolgen von Zielen. Vielmehr drängt uns unsere Körperchemie zur Teilhabe an sozialen Gemeinschaften und zur Bildung von Beziehungen mit anderen Individuen. Als ursprünglich schwaches Glied in der Nahrungskette hätte sich die Spezies Mensch anders auch gar nicht durchsetzen können. Deshalb können wir in der Interaktion mit anderen das meiste Glück finden.

Wie wir die Ausschüttung der glücksbringenden Botenstoffe im Detail beeinflussen können, davon handeln die folgenden Kapitel.

GLÜCK LESEN

Der kleinste gemeinsame Nenner des Glücks ist also ein biochemischer Vorgang, ausgelöst durch bestimmte Reize. Welche inneren und äußeren Reize wir wahrnehmen, wie wir sie wahrnehmen und wie wir sie verarbeiten, hängt zu einem großen Teil von unseren Einstellungen ab. Die Reize von außen, die unser Glück befeuern, spielen auch eine Rolle, allerdings eine geringere, als wir gemeinhin annehmen. Es ist also nur ein Teil der Wahrheit, wenn wir denken, das Glück liege auf der Straße, irgendwo da draußen. Damit übersehen wir leicht unsere beste Chance, glücklich zu werden: indem wir selbst das Richtige dazu beitragen. Wir können die Ausschüttung der Glückshormone in uns selbst begünstigen und sogar provozieren. Wie das funktioniert, zeigt dieses Buch.

Im folgenden Teil werden Sie sehen, wie unsere inneren Einstellungen und die daraus resultierenden Handlungen unser Glück bewirken oder verhindern können. Dabei geht es auch um eine der Kehrseiten des Glücks, die Enttäuschung. Wie gehen wir mit Enttäuschungen so um, dass sie unser Glück möglichst wenig beeinträchtigen?

Außerdem lesen Sie in diesem nächsten Teil über einfache Praktiken wie Dankbarkeit, Freundlichkeit und das Leben im Moment, die uns helfen, gute Gefühle in uns selbst und bei anderen hervorzurufen. Gute Gefühle gehen mit der Ausschüttung von Glückshormonen einher. Je konsequenter und gekonnter wir gute Gefühle schaffen, desto eher können wir unser Glücksempfinden sogar dauerhaft verbessern.

Im dritten Abschnitt geht es um Geld. Wie viel Geld brauchen wir, um glücklich zu sein? Brauchen wir überhaupt Geld dafür? Wen macht Geld glücklich und wen nicht?

Der vierte Abschnitt dieses Buches beschäftigt sich mit Selbstfürsorge. Hier ist nachzulesen, womit wir uns selbst besonders guttun können. Wir können unser Wohlbefinden steigern, indem wir auf bestimmte Dinge achten, wie etwa Ernährung, Sport, Verspieltheit, Humor, Meditation, Aufenthalte in der Natur, gesunden Schlaf, der Entwicklung einer Zufriedenheit mit dem eigenen Körper und einem guten Umgang mit dem Altern.

Im fünften Abschnitt geht es um unsere persönliche Weiterentwicklung. Welche Art von Zielsetzung bringt uns Glück? Bringt Erfolg automatisch Glück? Wie verhält es sich mit dem Lernen, mit guten Noten, Erkenntnissen, beruflicher Selbstverwirklichung und Leidenschaft in der Arbeit? Sie werden überrascht sein, auf welche Weise und wie sehr das alles mit unserem Glück zu tun hat.

Im sechsten Abschnitt schließlich behandeln wir das Glück, das wir mit anderen Menschen erleben können. Überall, wo wir interagieren, ist das Potential für Glückserfahrungen hoch, aber genauso die Gefahr der Enttäuschung und Verletzung. Worauf also sollten wir besonders achten, damit eine Beziehung glücklich werden kann? Was haben Sex, Kinder, körperliche Berührung, Freundschaft, Begegnungen auf der Straße und Soziale Medien mit Glück zu tun?

Zum Abschluss ziehen wir ein Fazit. Das Wissen der Welt über Glück läuft auf Empfehlungen hinaus, die sich in einigen wenigen Leitsätzen zusammenfassen lassen. Eine Empfehlung vorweg.

Lesen Sie das Folgende mit dem Bewusstsein, dass Sie selbst mehr als Sie glauben zu Ihrem Glück beitragen können, und zwar unabhängig von den Fährnissen des Lebens. Benutzen Sie es als Kompass, denn um Ihnen als solcher zu dienen, ist es gemacht. Versuchen Sie aber nicht, Glück damit zu erzwingen. Das würde nicht funktionieren. Warum, das erfahren Sie im nächsten Kapitel.

GRUNDEINSTELLUNG

Der Weg zum Glück ist gepflastert mit guten Ratschlägen. Oft kommen sie von Menschen, die für sich selbst einen Weg gefunden haben, glücklicher zu werden, und glauben, dass er auch für alle anderen funktioniert. Doch was sagt eigentlich die Forschung? Tausende Studien hat sie bereits zum Thema Glück hervorgebracht. Der Großteil davon ist schwer verständlich, voller langmächtiger wissenschaftlicher Ausführungen. Doch bei genauerer Betrachtung ergibt sich ein nachvollziehbares Grundwissen über das Glück. Außerdem empfiehlt uns die Forschung einige einfache Glücksübungen.

Stellen Sie sich vor, Sie organisieren bei sich zu Hause eine Geburtstagsfeier für Ihren besten Freund. Es ist ein runder Geburtstag. Viele andere Freunde und Verwandte haben sich angekündigt. Alle freuen sich auf das Fest. Das Organisieren macht Ihnen Spaß. Die meisten warmen Speisen bereiten Sie selbst zu, das kalte Buffet sowie Kuchen und Torten steuern Ihre Gäste bei.

Nur die große Geburtstagstorte mit der Aufschrift aus Zuckerguss und den Verzierungen mit Marzipanfiguren überlassen Sie lieber Profis. Die Torte soll richtig spektakulär werden, zumal sich das Geburtstagskind für große Torten begeistert. Nach langer Detailplanung erteilen Sie einer renommierten Konditorei den Auftrag, das süße Kunstwerk nach Ihren Skizzen anzufertigen.

Am Festtag, einem Sonntag, sind Sie schon seit den Morgenstunden mit den Vorbereitungen beschäftigt. Kurz nach Mittag treffen die ersten Gäste ein. Der Buffettisch füllt sich zusehends. Nur der Platz in der Mitte, wo die große Torte stehen soll, ist nach wie vor leer.

Sie rufen bei der Konditorei an und erreichen eine freundliche Mitarbeiterin, die versichert, die Torte sei unterwegs. Aber sie kommt nicht. Es ist wie verhext. Trotz weiterer Telefonate keine Torte. Bei der Konditorei muss etwas schiefgegangen sein, was die Angestellten dort jedoch nicht zugeben wollen. Offenbar spielen sie auf Zeit.

Schließlich meinen einige Gäste, sie müssten bald aufbrechen. Es bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als zu improvisieren. Die größte der vorhandenen kleinen Torten muss – behelfsmäßig mit Kerzen geschmückt – als Geburtstagstorte herhalten, damit alle noch das Happy Birthday anstimmen können.

Wie würden Sie sich in dieser Situation fühlen? Wäre Ihr Tag verdorben? Oder würden Sie achselzuckend denken, so ist das Leben? Irgendwo dazwischen können Sie sich jetzt einordnen.

In diesem Kapitel widmen wir uns den kleinen Dingen in unserem Leben, die einen großen Unterschied für unser Glück machen. Dazu zählt unter anderem unser Umgang mit den Torten, die im Leben so oft ausbleiben.

ERWARTUNGEN UND ENTTÄUSCHUNGEN

Wenn Sie eher zu jenen Menschen gehören, die sich überwiegend über den Fehler und die Hinhaltetaktik der Konditorei ärgern, statt das Fest trotzdem in vollen Zügen zu genießen, beachten Sie bitte folgende Warnung.

Erwartungen, Vorfreude und Hoffnungen sind eine Gefahr für Ihr Glück. Sie können immer enttäuscht werden.

Wenn wir uns auf etwas Besonderes freuen, konsumieren wir Glücksgefühl auf Basis unserer Phantasie, die der Realität voraus ist. Sollte die Realität dann vom Erträumten negativ abweichen, produziert das Unglück. Wir haben uns sprichwörtlich zu früh gefreut. Wir erleben eine Enttäuschung, also das Gegenteil von Glück.

Je höher Erwartungen, Vorfreude und Hoffnungen sind, desto größer ist auch das Potential für eine Enttäuschung.

Wir sind gut beraten, unsere Erwartungen mit genau dem Abstand zu betrachten, den wir zur Zukunft haben. Zwischen uns und der Zukunft liegt immer eine Menge Ungewissheit. Zu sehen, was uns möglicherweise unglücklicher macht, ist ebenso wichtig wie zu sehen, was uns möglicherweise glücklicher macht.

Glücklicher werden ist keine Einbahnstraße. Wir sind ständig in Gefahr, Rückschläge und Enttäuschungen zu erleben.

Das bedeutet nicht, dass wir ohne jegliche Erwartungen, ohne Vorfreude und ohne Hoffnungen leben sollen. Eine prinzipiell optimistische Lebenseinstellung ist laut Studien förderlich für unser Glücksempfinden, weil wir damit in der Gegenwart positive Emotionen in Bezug auf die Zukunft haben. Wir sollten aber einen guten Umgang mit der Gefahr der Enttäuschung finden.

Dafür gibt es verschiedene Optionen.

Es ist gut, wenn wir uns eine schöne Zukunft ausmalen. Dennoch sollten wir damit rechnen, dass es anders kommt, weil das Leben zum Glück voller Überraschungen steckt. Wenn wir uns gerade schönen Hoffnungen hingeben, sollten wir immer auch an den schlechtesten Fall denken. Einfach als Ausgleich. Wenn wir am Ende irgendwo dazwischen landen, wird sich unsere Enttäuschung in Grenzen halten und unsere Chance, dann doch zufrieden zu sein, ist am größten.

Optimismus ist gut, solange wir uns nicht an das Eintreten bestimmter Ereignisse in der Zukunft klammern.

Vermeiden wir es so gut wie möglich, uns zu früh zu freuen. Konzentrieren wir unsere Freude nicht auf das, was noch fehlt, also zum Beispiel auf die große Torte. Freuen wir uns vor allem über die Vergangenheit und über die Dinge, die schon da sind. Über das volle Buffet, die vielen Gäste und das schöne Fest. Das entspricht einer Haltung der Dankbarkeit.

Eine Studie der Psychologin Iris Mauss und ihrer Kollegen an amerikanischen und israelischen Universitäten lieferte dafür den wissenschaftlichen Nachweis. Menschen, die es besonders hoch bewerten, glücklich zu sein, sind generell unglücklicher. Besonders hoch ist demnach die Gefahr, unglücklicher zu werden, in jenen Situationen, in denen wir uns besonders viel Glück erwarten. Personen, die mehr unternehmen, um glücklich zu sein, sind auch eher enttäuscht. Diese Enttäuschung lässt sie dann womöglich noch verbissener nach Glück streben. So führt das Streben nach Glück ins Unglück.

Diesen paradoxen Effekt des Strebens nach Glück gilt es zu vermeiden. Viele Menschen denken: Ich will glücklicher werden. Wenn wir uns allerdings nach Glück sehnen, stehen wir unserem Glück im Weg. Das wusste auch der englische Philosoph und Ökonom John Stuart Mill. In seiner Autobiografie 1873 schrieb er: »Glücklich sind nur jene, die ihre Gedanken auf etwas anderes fixieren als ihr eigenes Glück.«

Glück lässt sich nicht erzwingen. Je hartnäckiger wir das versuchen, desto mehr stoßen wir es ab.

Nehmen wir als Beispiel dieses Buch. Es vermittelt gesichertes Wissen über das Glück. Wenn wir dieses Wissen mit Bedacht einsetzen, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass wir unser Glücksniveau anheben und mehr Momente sowie längere Phasen des Glücks erleben. Empfehlenswert sind Aktivitäten, die mit höherer Wahrscheinlichkeit Glücksgefühle nach sich ziehen und bei denen sich Enttäuschungen gut vermeiden lassen. Diese Wahrscheinlichkeit ist wohlgemerkt das Gegenteil einer Garantie. Je mehr wir damit rechnen, dass Glück sich einstellt, desto größer ist unsere mögliche Enttäuschung. Wir sollten daher nie mit dem Glück rechnen.

Das Beste, was wir tun können, ist, dem Glück die Türen zu öffnen. Dieses Buch zeigt, welche Türen und Hintertüren das sein können. Wir sollten eine Tür nur öffnen, wenn sie zu uns passt. Dann lassen wir das Glück einfach kommen.

Unsere beste Einstellung zum Glück ist die gelassene Offenheit. Wenn es kommt, ist es wunderbar. Wenn es diesmal nicht kommt, kommt es vielleicht ein anderes Mal durch eine andere Tür.

Je gelassener wir sind, desto besser. Denn diese Gelassenheit ist selbst schon ein sanfter beglückender Zustand, der Enttäuschungen mildert.

ERFOLG UND DAS GLÜCK

Gelassenes Wahrnehmen von Möglichkeiten statt verbissenes Streben nach Ergebnissen empfiehlt sich auch aus einem anderen Grund: Lange galt als erwiesen, erfolgreiche Menschen seien glücklicher. Bis die Psychologin Lisa Walsh und ihre Kollegen vom Psychologie-Department der University of California und der Chapman University die betreffenden Studien genauer lasen. Die Forscher fanden heraus, warum sich diese falsche Annahme so lange halten konnte. Die Studien hatten Ursache und Wirkung verwechselt.

Nicht Erfolg führt zu mehr Glück, sondern Glück führt zu mehr Erfolg.

Positive Emotionen gehen dem beruflichen Erfolg voraus. Studienteilnehmer, die positive Emotionen erfuhren oder entwickelten, handelten im Gegensatz zu jenen mit negativen oder neutralen Emotionen kooperativer, setzten sich höhere Ziele und konnten bessere Leistungen erbringen. Außerdem schätzten sie sich selbst und andere positiver ein und verhielten sich im Allgemeinen sozialer. Sie waren auch eher originell, flexibel, kreativ, spielerisch und neugierig als der Rest.

Mit dem Glück als Rückenwind geht alles leichter. Hingegen ist es in einer Phase der Unzufriedenheit oder gar des Unglücks doppelt schwer, erfolgreich zu sein. Daher empfiehlt es sich, in schwierigen Phasen eher die Ruhe zu bewahren, Kraft zu sammeln, Neues auszuprobieren und auf gute Gelegenheiten zu warten. Nach Erfolg zu streben, um aus einer Phase des Unglücks herauszukommen und wieder glücklich zu werden, kann zwar auch gelingen, führt allerdings mit höherer Wahrscheinlichkeit zu Enttäuschungen und damit zu noch tieferem Unglück.

RICHTIGES ENTTÄUSCHUNGS-MANAGEMENT

Die neue Flamme hat sich als Flop erwiesen? Der Traumurlaub war in Regen und Nebel gehüllt? Befördert wurden nur zwei Kollegen? Unsere Kompetenz beim Umgang mit potentiellen und tatsächlichen Enttäuschungen spielt für unser Glücksniveau eine entscheidende Rolle.

Potentielle Enttäuschungen können wir mittels Realismus vorhersehen. Realismus ist die beste Basis, um vorausschauend zu handeln, um Enttäuschungen zu vermeiden oder zumindest ihre Wucht zu mindern.

Wir geben einer prinzipiell optimistischen Lebenseinstellung ein solides Fundament, wenn wir das Gute sehen, aber dennoch mit allem, auch mit dem Schlechten, rechnen.

Die rosarote Brille zu tragen, also nur das Positive zu sehen, ist dem Glücksempfinden abträglich, weil die Enttäuschungen uns umso wuchtiger treffen. Umgekehrt ist es allerdings genauso problematisch, gleichsam eine dunkelgrau getönte Brille zu tragen und nur das Negative zu sehen. Auch an Dingen, die auf den ersten Blick negativ erscheinen, gibt es eine positive Seite. Das Positive im Negativen zu sehen, ist eine Fähigkeit, die unserem Glücksempfinden zuträglich ist.

Sofern wir alles unternommen haben, um mögliche Enttäuschungen zu vermeiden, können wir tatsächliche Enttäuschungen im ersten Moment nur hinnehmen. Dieses Akzeptieren der eigenen Ohnmacht ist eine gute Basis, um die Enttäuschung in weiterer Folge zu überwinden.

Daraus unter anderem erklärt sich auch die positive Wirkung eines Glaubens, egal, ob an eine Religion oder ein anderes spirituelles Konzept. Zu denken, dass etwas so, wie es kam, göttliche Fügung oder Schicksal war, ist eine erprobte Methode des Enttäuschungs-Managements.

Die positive Wirkung eines Glaubens auf unser Glücksempfinden ist durch viele ganz unterschiedliche Studien belegt. Sie ist insbesondere damit erklärbar, dass der Glaube an eine höhere Macht uns dabei hilft, unsere Ohnmacht anzunehmen, ohne den Halt zu verlieren.

Auch wenn wir Menschen uns noch so sehr wünschen, alles unter Kontrolle zu haben und alles erklären und vorhersehen zu können, uns also gewissermaßen zur Gottheit aufzuschwingen, müssen wir doch immer wieder feststellen: Shit happens! Wir sind nicht allmächtig.

Das Hadern mit der eigenen Ohnmacht macht uns unglücklicher. Ein gewisses Maß an Schicksalsergebenheit tut uns daher gut. Wohlgemerkt aber nur ein gewisses Maß. Wer sich vollends dem Schicksal ergibt, wird zwar Enttäuschungen besser wegstecken, aber das allein reicht nicht. Glücklicher werden jene, die ihr Schicksal trotz allem in die Hand nehmen, also stets handlungsfähig bleiben und zum Beispiel versuchen, aus Krisen und Schicksalsschlägen zu lernen.

DIE MACHT DER DANKBARKEIT

Schon einfache kleine Aktivitäten, die wir ohne besonderen Zeitaufwand in unseren Alltag einbauen, können uns glücklicher machen.

Eine davon besteht darin, uns in Dankbarkeit zu üben.

»Sei doch dankbar für das, was du hast«, heißt es oft als Empfehlung gegen schlechte Laune und Unzufriedenheit. Das zu hören, mag in der falschen Situation frustrieren. Doch laut der Psychologin und Glücksforscherin Sonja Lyubomirsky von der University of California Riverside könnte Dankbarkeit tatsächlich einer der Universalschlüssel für ein glücklicheres Leben sein.

Die Forschung hat bereits belegt, dass dankbare Menschen hilfsbereiter, optimistischer und glücklicher sind und weniger häufig an Depressionen, Nervosität und Einsamkeit leiden. Lyubomrisky beschäftigte sich nun konkret damit, ob Menschen durch Dankbarkeit über lange Zeiträume hinweg glücklicher werden können.

Die Teilnehmer ihrer Studie führten sechs Wochen lang ein Tagebuch, in dem sie einmal pro Woche jeweils fünf Dinge notierten, für die sie dankbar waren. Und tatsächlich: Bei denjenigen Probanden, die diese Übung konsequent durchführten, stieg das Glücksempfinden signifikant an. Dabei reichten die Antworten von schönem Wetter bis zur bestandenen Prüfung oder der eigenen Gesundheit.

Nun könnte es sein, dass glückliche Menschen generell dankbarer sind, dass also Dankbarkeit, wie Erfolg, eine Folge des Glücks ist. Lyubomrisky musste also beweisen, dass Dankbarkeit tatsächlich die Ursache für ein stärkeres Glücksempfinden ist.

Der Versuchsaufbau für diesen Beweis war ähnlich: Die Probanden sollten nun täglich fünf Dinge notieren, für die sie dankbar sind. Die Kontrollgruppe hingegen sollte täglich fünf ärgerliche, beziehungsweise generell wichtige Ereignisse notieren. Auch hier fühlte sich die Gruppe, die sich in Dankbarkeit übte, nach zehn Wochen zufriedener und optimistischer. Zusätzlich nahmen körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen, Akne, Husten und Schwindel ab. Außerdem trieben diese Probanden mehr Sport.

Dankbarkeit als Grundeinstellung gilt weltweit und unabhängig von Land und Kultur als erstrebenswerte Eigenschaft. Zu Recht, denn die Wissenschaft lässt keinen Zweifel daran: Dankbarkeit macht uns glücklicher und gesünder.

Die Forschung hat Dankbarkeit nicht nur als individuelle Wahrnehmung des eigenen Lebens untersucht. Dankbarkeit in sozialen Beziehungen untersuchte 2008 ein Forscherteam der University of Virginia. An vielen amerikanischen Universitäten gibt es nicht nur von männlichen Studenten Verbindungen, sondern auch von Studentinnen. In diesen sogenannten Sororities ist der Brauch verbreitet, im Zuge der »Big Sister Week«, Aktivitäten und Geschenke für die neuen Mitglieder zu organisieren.

Die Forscher nahmen diese Form der institutionalisierten Beschenkung der jüngeren durch die älteren Studentinnen zum Anlass, um die Folgen von dankbarem Verhalten auf die Gruppe und deren Individuen zu analysieren. Die neuen und alten Mitglieder sollten ihre Beziehung zueinander nach dem Ende der Big Sister Week sowie einen Monat später bewerten.

Das Ergebnis war, dass Menschen, die dankbar für Freunde und Verwandte sind, eine engere und bessere Beziehung zu ihnen haben.

»Wenn wir dankbar für andere Menschen sind, behandeln wir sie automatisch besser«, sagte der Studienautor und Psychologe Robert Emmons. »Dies führt dazu, dass sich die Beziehung festigt und wir noch dankbarer dafür sind. So kann Dankbarkeit für die Beziehungen zu anderen Menschen unser Glück steigern.«

Das Aussprechen von Dankbarkeit, zum Beispiel abends vor dem Schlafengehen, ist ein erprobtes Ritual. Wenn wir uns täglich daran erinnern, was uns Gutes widerfahren ist, macht uns das nachweislich glücklicher.

Damit wecken wir bewusst gute Gefühle und sorgen dafür, dass unser Nervensystem Glückshormone ausschüttet. Hier ist keine Einbildung oder Autosuggestion am Werk. Wir erinnern uns an tatsächliche Begebenheiten und Umstände, für die wir dankbar sind. Das ist Realität.

Allerdings legen wir dabei den Fokus insbesondere auf die schönen Seiten der Realität. Das tägliche Ritual hilft uns bei dieser Fokussierung und beim Wiedererleben der positiven Gefühle.

GEFÜHLE VERARBEITEN

Im Alltag machen wir laufend gute und schlechte Erfahrungen. Im Laufe unseres Lebens erlernen und entwickeln wir verschiedene Methoden, diese zu verarbeiten. Mit ihnen beschäftigte sich ebenfalls die Glücksforscherin Sonja Lyubomirsky in einer Studie. Demnach erfordern gute Erfahrungen eine andere Verarbeitung als schlechte.

Bei schlechten Erfahrungen tut uns eine intensive Verarbeitung gut. Wir sollten über sie sprechen, sie analysieren und über sie schreiben. Studienteilnehmer, die schlechte Erfahrungen gemacht hatten, waren mit dieser Art der Verarbeitung nach vier Wochen zufriedener und psychisch und physisch gesünder als die Vergleichsgruppe, die sich nur beiläufig mit ihren schlechten Erfahrungen befasst hatte.

Aus allem Unglück, das uns zustößt, und allen Fehlern, die wir machen, lassen sich Lehren ziehen. Das ist leichter gesagt als getan. Wir können in unserem Leben tiefe emotionale Verletzungen erleiden, deren Heilung sich über Jahre oder sogar Jahrzehnte hinziehen kann.

In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, sich bei der Analyse professionelle Unterstützung durch eine passende Form der Psychotherapie zu suchen. Doch auch dabei sollten wir möglichst rasch zu einem Punkt kommen, statt uns im Negativen zu vergraben. Wir müssen wissen, was wir nächstes Mal besser machen würden, um weitere schlechte Erfahrungen der gleichen Art zu vermeiden. Damit kommen wir aus dem Gefühl der Ohnmacht heraus und werden wieder handlungsfähig.

Am schnellsten kommen wir zu diesem Punkt mit Personen, denen wir vertrauen und die uns kritisches Feedback geben, möglichst mit Humor, damit wir lernen, das Negative positiv zu verarbeiten. Wenn wir wegen der positiven Verarbeitung des Negativen Dankbarkeit empfinden, sind wir am Ziel. Dann können wir das Negative auch wirklich gut abschließen und sagen: Schwamm drüber.

Reden, Analysieren und darüber Schreiben helfen uns dabei, schlechte Erfahrungen zu verstehen und uns von negativen Gefühlen zu lösen.

Bei guten Erfahrungen verhält es sich, laut der Studie von Sonja Lyubomirsky, genau umgekehrt. Die Studienteilnehmer, die gute Dinge hinterfragten, intensiv beredeten und analysierten oder sogar darüber schrieben, waren weniger glücklich, als jene, die sich nur oberflächlich mit den guten Erfahrungen auseinandersetzten.

Gute Erfahrungen sollten wir nicht zerreden, sondern einfach annehmen und dankbar dafür sein.

Dieser Unterschied ist so groß und so wesentlich für unser Glücksempfinden, dass wir die Verarbeitung von guten und von schlechten Erfahrungen sorgfältig voneinander trennen sollten. Deshalb empfiehlt es sich, zwischen der Analyse schlechter Erfahrungen und dem Ritual der Dankbarkeit einen zeitlichen Abstand einzuhalten.

FREUNDLICH MACHT GLÜCKLICH

Freundlichkeit kann wie Dankbarkeit eine Übung sein, die uns glücklicher macht. Je nach Typ können wir anderen Menschen im Alltag mit einem Lächeln oder sogar mit Humor begegnen.

Wir können offen statt defensiv reagieren. Wir können anderen und auch uns selbst Fehler verzeihen. Wir können hilfsbereit sein, kleine oder größere Geschenke machen, Gefälligkeiten erweisen, gute Taten vollbringen. Es gibt viele Wege, freundliche Akte zu setzen.

Sonja Lyubomirsky hat dazu ein Experiment gemacht. Sie hat Studienteilnehmer gebeten, bewusst drei zusätzliche freundliche Akte pro Woche gegenüber anderen Personen zu setzen. Das konnten Kleinigkeiten sein, wie jemandem die Tür aufzuhalten. Es konnten aber auch größere Geschenke oder zeitaufwändige Gefälligkeiten sein. Das blieb den Teilnehmern überlassen. Eine andere Gruppe wies die Forscherin an, dreimal pro Woche bewusst gegenüber sich selbst freundlich zu sein. Die Teilnehmer jener Gruppe, die freundlich zu anderen waren, fühlten sich danach deutlich glücklicher und mit der Welt verbundener.

Warum Freundlichkeit gegenüber anderen Menschen glücklicher macht, ist leicht zu erklären. Wir wecken damit positive Emotionen in den Menschen, denen wir begegnen. Daher reagieren diese Menschen tendenziell positiv, was wiederum bei uns positive Emotionen hervorruft. Wir kennen das Sprichwort: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es zurück. Die Freundlichkeit, die wir ausstrahlen, kommt in der einen oder anderen Form zu uns zurück. Vielleicht nicht immer, aber doch häufig.

Das macht uns glücklich, allerdings dürfen wir dabei nicht Freundlichkeit gegen Freundlichkeit aufrechnen. Nur weil wir durchwegs freundlich sind, sind unsere Mitmenschen noch lange nicht durchwegs freundlich. Wahrscheinlich werden wir weniger Freundlichkeit zurückbekommen, als wir ausstrahlen. Das können wir ruhig in Kauf nehmen. Wichtig ist nur, dass wir durch unsere Freundlichkeit mehr Freundlichkeit als bisher zurückbekommen.

Das zeigt auch die Grenzen von freundlichem Verhalten. Sobald wir uns überwinden oder verstellen müssten, um freundlich zu bleiben, sind diese Grenzen erreicht. Manchmal sind Klarheit, Strenge und Tadel tatsächlich die bessere Wahl. Das ist allerdings seltener der Fall, als wir glauben. Oft sind es irgendwelche Ärgernisse, unsere Ungeduld oder unsere allgemein schlechte Laune, die uns unnötig unfreundlich machen. Diese unnötige Unfreundlichkeit können wir mit etwas Disziplin überwinden. Wenn wir uns über etwas ärgern, können wir uns daran erinnern, dass ein wesentlicher Teil der Freundlichkeit das Verzeihen von Fehlern ist.

Eine verzeihende, fehlerfreundliche Grundeinstellung ist das, was zutiefst freundliche Menschen von allen anderen unterscheidet. Solche Menschen müssen nicht auf Kritik verzichten. Sie praktizieren allerdings eine freundliche Art, Kritik zu üben, indem sie die Berechtigung ihrer Kritik erklären. So können sie auch in kritischen Situationen freundlich bleiben.

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