Читать книгу: «Kein Stress!»
Zum Buch
Es gibt kein Leben ohne Stress, er gehört zum Menschsein. Doch zu viel Stress verursacht Angstgefühle und Krankheiten. Mit suggestiven Bildern und kompetenten Texten hilft dieses Buch, Stress abzubauen und richtig damit umzugehen.
In den Anfängen der Menschheit diente das Stressempfinden dazu, besser auf Gefahren reagieren zu können: Stress half beim Fliehen oder beim Kämpfen. Auch heute ist ein gewisses Stresslevel nützlich, es motiviert uns dazu, Dinge zu erledigen. Ein zu hohes Stresslevel jedoch führt zu Anspannung, Angstgefühlen, Energie- und Schlaflosigkeit. Starker, permanenter Stress gilt als Ursache von Herzkrankheiten, Schlaganfällen und Krebs. Wie erkennt man Stressfaktoren im Alltag? Mit welchen Methoden lässt sich Stress vermindern? Und wie können wir lernen, damit umzugehen? Matthew Johnstone und Dr. Michael Player gehen diesen Fragen nach und zeigen, wie man die Denkmuster erkennt, die zu Stress führen, und sich daraus befreien kann. Sie stellen wirksame Entspannungsmethoden vor und erklären, wie ein anderer Umgang mit unserem Körper, unserer Zeit und unseren Beziehungen positiv auf das eigene Stressempfinden wirkt. Dieses Buch hilft, Stress so zu begegnen, dass er uns nicht schaden kann.
Stress verstehen und bewältigen – humorvoll illustriert, leicht verständlich und wissenschaftlich auf dem neuesten Stand.
Über die Autoren
Matthew Johnstone wurde 1964 in Australien geboren. Er ist Autor zahlreicher, sehr erfolgreicher Bücher: Neben den beiden Bänden zum Thema Depression – Mein schwarzer Hund (2008) und Mit dem schwarzen Hund leben (2009) und einer illustrierten Einführung in die Meditation (Den Geist beruhigen, 2012) erschien zuletzt Resilienz. Wie man Krisen übersteht und daran wächst (2015). Johnstone lebt als Kreativberater, Autor und Illustrator mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern in Sydney. Mehr auf matthewjohnstone.com.au
Michael Player ist promovierter Psychologe. Er behandelt vor allem Patienten mit Depressionen und Angstzuständen. Stressreduktion ist ein zentrales Feld seiner Tätigkeit als Arzt und Vortragender. Zudem forscht Dr. Player am Brain and Mind Centre der University of Sydney.
Mehr auf michaelplayerpsychology.com.au

MATTHEW JOHNSTONE & DR. MICHAEL PLAYER
KEIN STRESS!
WIE SIE STRESS UND ANGSTGEFÜHLE BEWÄLTIGEN UND GELASSENER WERDEN
AUS DEM ENGLISCHEN VON VIOLA KRAUSS
KUNSTMANN
Die Last wird leicht, wenn mit Geschick man sie trägt.
OVID
Für unsere Familien,
unsere Freunde und
alle Gestressten dieser Welt.


INHALT
UNSERE GESCHICHTEN VOM STRESS
EINLEITUNG
1 WAS IST STRESS?
Anzeichen, Symptome und Auslöser von Stress
2 GEHIRN UND GEIST
Glanzleistungen, Fallgruben und Fakten
3 ANGST
Die körperlichen Auswirkungen von Stress verringern
4 ZEIT
Mit weniger mehr erreichen
5 GESUNDHEIT
Sich um den eigenen Körper kümmern
6 PARTNERSCHAFT
Den Beziehungsstress herunterfahren
7 ENERGIE
Ihr Bestes zum Vorschein bringen
SCHLUSSWORT
DANKSAGUNGEN
LITERATURHINWEISE UND QUELLEN
Unsere Geschichten vom Stress

von Matthew Johnstone
Früher hatte ich welliges dunkelbraunes Haar, heute sehe ich ungefähr so aus wie eine Zigarette, deren Asche jeden Moment weggeschnipst wird. Zum Teil liegt das an meinen Genen und am Älterwerden, doch Tatsache ist, dass mein Haar im Lauf eines bestimmten Jahres Mitte dreißig die Farbe verloren hat – dank des unerbittlichen, wachsenden Stresses, den ich mir größtenteils selbst machte.
Nachdem ich etwa drei Jahre lang als Art Director in der Werbung gearbeitet hatte, wusste ich, was es heißt, wirklich gestresst zu sein. Ein Teil des Problems war mein Job. Der andere mein Perfektionismus. Ein bisschen Perfektionismus ist nicht schlecht, genau wie ein bisschen Stress auch. Er lässt uns stolz auf unsere Arbeit sein, motiviert uns und bringt unsere Stärken zum Vorschein. Problematisch wird es, wenn er alles bestimmt. Ich legte die Latte derart unerreichbar hoch, dass mich sämtliche Arbeitsergebnisse enttäuschten und ich meinen Kolleginnen und Kollegen nichts mehr zutraute. Keineswegs war ich der beste Art Director der Welt, aber ich nahm die Sache verdammt ernst – denn »man darf sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen«.
Ich weiß noch genau, wie meine Schlafstörungen begannen. Es fühlte sich an, als ob elektrisch geladene Drähte durch meine Arme liefen, und eine Zeit lang blitzte es in meinen Augenwinkeln immer wieder stroboskopisch auf. Mittlerweile weiß ich, dass Stress sich auf viele verschiedene Arten äußern kann, und dass permanenter, nicht nachlassender und unbehandelter Stress unweigerlich beträchtliche psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen nach sich zieht. Und für unsere körperliche Gesundheit ist er auch nicht gerade förderlich. Einer meiner Brüder arbeitet als Psychiater, ein anderer hat Psychologie studiert, also hätte ich es wirklich besser wissen sollen. Aber ich bin ein Mann, hatte ein großes Ego und arbeitete in der Werbebranche, also drückte ich meine Gestresstheit weg und ertränkte sie in Arbeit, Alkohol und Freizeitdrogen. Das nahm den Druck weg und linderte die Qual, aber nur zeitweilig. Weil ich nicht auf mich geachtet hatte, war ich am Ende entsetzlich deprimiert. Seither widme ich mein Leben dem Thema psychische Gesundheit und versuche, anderen zu zeigen, wie sie nicht in die gleiche Falle geraten wie ich. Denn ich denke: Vorbeugung ist die beste Therapie.
Das vorliegende Buch enthält viele wichtige Infos des klugen Psychologen Dr. Michael Player, der sich allem, was mit Stress zu tun hat, mit größter Leidenschaft verschrieben hat. Viele Jahre lang hat er das Phänomen Stress als praktizierender klinischer Psychologe sowie als Wissenschaftler erforscht. In diesem evidenzbasierten Buch erklären wir, was genau Stress ist, und was dazu beiträgt, ihn zu lindern. Dazu gibt es jede Menge Bilder von mir, damit während des Lesens kein Stress aufkommt. Hier und da erzähle ich Geschichten aus meinem eigenen Leben, über Stress und andere Katastrophen. Diese »Kurzen Lektionen in Sachen Stress« bilden hoffentlich eine gute Ergänzung zu Michaels erhellenden Ausführungen.
Wenn Stress in Ihrem Leben eine große Rolle spielt, sollten Sie ihn nicht ignorieren und hoffen, dass er von alleine weggeht. Abschaffen können wir den Stress nicht, so schön es auch wäre. Aber wir können lernen, damit umzugehen, ihn zu verringern … und mit ihm zu tanzen. Betrachten Sie den Stress als ein eingebautes Alarmsignal dafür, dass in Ihrem Leben nicht alles in Butter ist. Betrachten Sie ihn als Verbündeten: Hören Sie ihm gut zu, und dann ändern Sie in aller Ruhe ein paar Dinge und schalten einen Gang herunter.
Kein Stress! Ich hoffe sehr, dass Ihnen dieses Buch dafür die richtigen Anregungen gibt.

Dr. Michael Player
Da ich mich sowohl wissenschaftlich als auch praktisch mit geistiger Gesundheit beschäftige, bekomme ich einen sehr speziellen, genauen Einblick, welche Folgen Stress für unseren Geist, unseren Körper und unser Verhalten hat. Ich habe den biologischen Auswirkungen permanenten Stresses nachgeforscht: Er zerstört Zellen und lässt wichtige Hirnregionen schrumpfen und verkümmern. Und ich hatte Menschen in Behandlung, die derart gestresst waren, dass sie weder essen, schlafen, sich konzentrieren noch Entscheidungen treffen oder ihrer Arbeit nachgehen konnten. Manche waren nicht einmal in der Lage, das Haus zu verlassen.
Ich habe selbst erfahren, dass wir mithilfe bestimmter Techniken funktionierende Strategien für unser Wohlergehen entwickeln, auf diese Weise zu guter Gesundheit zurückfinden und ein ausgeglichenes Leben führen können. Diese Techniken stellen wir Ihnen hier vor. Wir statten Sie mit einem Bewusstsein für die Auslöser und Symptome Ihres Stresses aus und unterstützen Sie dabei, eine tragfähige Strategie zu erarbeiten, wie Sie besser mit Stress umgehen können, um sich wieder lebendig und gut zu fühlen!
Seit unserer gemeinsamen Arbeit für das Black Dog Institute sind Matthew und ich dicke Freunde, tauschen Gedanken und schlechte Witze aus und treten manchmal miteinander auf. In meine Vorträge baue ich gern Matthews Illustrationen ein, und die Leute lassen mich jedes Mal wissen, wie sehr diese Bilder sie berühren und wie viel es ihnen bedeutet, dass jemand genau weiß, was sie durchmachen. Matthew ist ein außerordentliches Talent, dessen Arbeiten mich stets aufs Neue inspirieren und erstaunen, und für mich ist es eine große Ehre, seine Illustrationen mit Worten begleiten zu dürfen.
Stress hat bei mir immer wieder zu Sorge und Angst, innerer Unruhe, Trauer und sogar Depressionen geführt. Bei vielen wichtigen Lebensentscheidungen und Bewältigungsmechanismen stand der Stress, den ich zu dieser Zeit empfand, im Mittelpunkt. Ich hatte eine Reihe stressiger Jobs – ich arbeitete in gefährlichen Funktionen auf Baustellen (um mir das Geld für die Uni zusammenzusparen), als Börsenmakler und Händler für Termingeschäfte in den volatilen Märkten der Neunziger- und frühen Nullerjahre sowie in fordernden Unternehmen mit übereifrigen, aber ahnungslosen Leitungsteams. Lange Zeit haben diese stressigen Jobs meine Gesundheit ernsthaft beeinträchtigt und mich dazu gebracht, mein Elend mithilfe der üblichen Verdächtigen verringern und verscheuchen zu wollen.
Den größten Stress aber erlebte ich während des Studiums meiner wahren Liebe – der Psychologie. Eigentlich hätte das die reine Freude sein sollen, aber mein selbst geschaffener innerer Druck brachte mich dazu, meinen Master zu machen, während ich gleichzeitig an meiner Doktorarbeit schrieb und Teilzeit (heißt: Vollzeit!) am Black Dog Institute arbeitete. Nie hatte ich so viel zu tun wie damals, und um ehrlich zu sein, zerbrach ich daran irgendwie.
Etwas hat sich während dieser Zeit in mir verschoben, und ich war danach ein anderer als zuvor. Ich musste sogar einen zweiwöchigen »Notfall«-Urlaub einlegen, um wieder auf die Beine zu kommen. Damals bekam das keiner mit, aber mir ging es wirklich schlecht.
Meine umfassende Kein-Stress!-Strategie, die mit den besten Techniken zur Stressbewältigung arbeitet, wird Sie nicht gegen Stress immunisieren können. Aber sie hilft Ihnen, die Symptome in den Griff zu kriegen, bis Sie irgendwann wissen, worauf es wirklich ankommt. Kleiner Tipp: Ihre Gesundheit.
Ich hoffe, dieses Buch wird Sie dabei unterstützen, Ihre persönlichen Erfahrungen zu nutzen und eines zu lernen: Kein Stress!
IHR MANTRA FÜR DIESES BUCH:
Wenn nicht jetzt, wann dann?
Einleitung
»Nicht der Stress bringt uns um, sondern unsere Reaktion darauf.« HANS SELYE
Hans Selye, der Vater der Stressforschung, hat Stress im Jahre 1936 – in einer Zeit, als dieser noch nicht als Ursache für viele Krankheiten unserer Zeit erkannt war – folgendermaßen definiert: »Die unspezifische Reaktion des Körpers auf jegliche Anforderung.« Später änderte er seine Definition von Stress als den »Anteil an Belastung und Verschleiß«, was meiner Meinung nach besser umschreibt, wie wir uns nach einer Stressperiode fühlen: müde, alt und zerschlagen.
Beginnen wir mit einigen vernichtenden Daten. Stress gilt inzwischen als einer der entscheidenden auslösenden Faktoren für nahezu alle ernsten Erkrankungen sowie für fünf der sechs häufigsten Todesursachen – Herzleiden, Krebs, Schlaganfälle, Erkrankungen der unteren Atemwege sowie Unfälle. Je nachdem, welche Studie wir zurate ziehen, ist Stress für 75 bis 90 Prozent unserer Besuche beim Allgemeinmediziner verantwortlich. Und die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass stressbedingte psychische Erkrankungen, u. a. Depressionen und Angststörungen, bald noch weiter verbreitet sein und Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Ursache Nummer 1 für Erwerbsunfähigkeit im Jahr 2030 überholt haben werden. Ganz schön alarmierend, finden Sie nicht auch?
Wenn Stress uns derart schlecht bekommt, sollten wir uns einfach davon fernhalten! Leider hat die Forschung gezeigt, dass die fünf Hauptstressoren (Dinge, die uns Stress verursachen) unsere finanzielle Situation, unsere Gesundheit, Beziehungen, das Führen eines gesunden Lebenswandels sowie die Gesundheit unserer Liebsten sind. Wer kann denen schon entkommen?
Je mehr Stress wir erfahren, desto mehr wird zudem unser Stresspfad (eine bestimmte Kombination miteinander verbundener Zellen im Gehirn) getriggert, und desto wahrscheinlicher ist es, dass wir mit wenig konstruktiven Taten und Gedanken reagieren, die uns nur noch mehr stressen. Je öfter dieser neuronale Pfad aktiviert wird, desto mehr verfestigt er sich im Lauf der Zeit. Das heißt, er lässt sich durch immer niedrigschwelligere Ereignisse triggern – was zu Überreaktionen führen kann (man nennt das »Stress-Sensibilisierung«). Das können wir tagtäglich beobachten: Leute, die völlig ausrasten, weil sie einen Bus verpasst oder Kaffee verschüttet haben. Obwohl der Auslöser an sich also nicht weiter dramatisch ist, muss man mit noch einer weiteren Sache klarkommen, und in der Summe wird es dann irgendwann zu viel.
Sobald wir Stress als unvermeidlichen Bestandteil des Lebens akzeptieren, der sich nicht einfach an- und abstellen lässt wie ein Wasserhahn, können wir lernen, damit umzugehen (aus der Welt schaffen können wir ihn nicht). Dieses Buch zeigt Ihnen, wie. Es gibt ein paar einfache Regeln dabei: Hören Sie nicht auf Ihren Verstand! Probieren Sie alles aus und schauen Sie, was für Sie passt. Nehmen Sie sich jetzt etwas Zeit und bemühen Sie sich darum, die besten Methoden zu erlernen, um Ihr Verhältnis zum Stress in den Griff zu bekommen – denn dieses Verhältnis ist eines, das Ihnen bleibt.
Alle Techniken in KEIN STRESS! habe ich auf ihre Wirksamkeit erprobt. Jede ist in gewisser Weise nützlich, doch welche für Sie persönlich die richtigen sind, finden Sie nur durch Ausprobieren heraus. Sie können sich nicht vorstellen, wie viele große, bullige LKW-Fahrer es gibt, die nach einem langen Tag auf der Autobahn nichts lieber tun, als sich auf einer Wolke schwebend zu imaginieren und sich dabei zu entspannen. Legen Sie sich während des Lesens ein NOTIZBUCH zurecht, damit Sie festhalten können, was Ihnen wichtig erscheint oder Sie inspiriert. Das, was wir zu Papier bringen, setzen wir nämlich eher in die Tat um.
Auf ein weniger gestresstes Leben! Gehen Sie es an, haben Sie Geduld und bleiben Sie dran. Sie sind es sich wert, und Ihr zukünftiges Ich wird es Ihnen danken!
WICHTIGE BOTSCHAFT DER AUTOREN
Wunderbar, dass Sie dieses Buch gekauft haben. Falls Ihnen der Stress momentan jedoch total über den Kopf wächst, sollten Sie nicht davor zurückscheuen, sich die nötige Hilfe und Unterstützung zu suchen.
Unterhalten Sie sich erst einmal mit einer Person, der Sie vertrauen: einem Freund, Ihrem Hausarzt oder jemandem in der Personalabteilung … Sie müssen das nicht alleine durchstehen. Geteiltes Leid ist halbes Leid, und das Leben ist einfach zu kurz, um sich ständig mies zu fühlen.

1 WAS IST STRESS?
ANZEICHEN, SYMPTOME UND AUSLÖSER VON STRESS
In diesem Kapitel zeigen wir Ihnen:
Warum und wie wir uns gestresst fühlen
Die Anzeichen, Symptome und Auslöser von Stress
Wie Sie Ihren Stresspegel im Auge behalten und in den Griff kriegen



WARUM FÜHLEN WIR UNS GESTRESST?
Stress kann alles sein, was uns körperlich, geistig oder emotional beansprucht. Er gehört zum Leben dazu, und ein moderater Stresspegel tut uns sogar gut. Er motiviert uns und schenkt uns die nötige Energie, etwas zu erledigen.
So würden wir zum Beispiel nicht für eine Prüfung lernen oder uns für eine wichtige Präsentation ins Zeug legen, wenn wir uns wegen des Resultats nicht ein wenig stressten. Dr. Kelly McGonigal von der Universität Stanford zufolge belastet uns gar nicht der Stress selbst, sondern die Art, wie wir darüber denken. Ihre Studien ergaben: Wenn wir glauben, dass uns der Stress schadet, dann tut er das auch!
Wenn wir uns bedroht fühlen (egal, ob wir es tatsächlich sind), zündet der Sympathikus ein Feuerwerk körperlicher Symptome, bekannt als »Kampf-oder-Flucht-Reaktion«. In grauer Vorzeit war das für uns Menschen lebensnotwendig, um den zahlreichen natürlichen Feinden entkommen zu können. Wenn ein solcher in die Nähe kam, aktivierte das Alarmsystem des Gehirns quasi einen automatisch vorprogrammierten Fluchtplan und half uns zu überleben.
Das steckt noch immer in uns. Das Herz schlägt schneller, um Blut in unsere Gliedmaßen zu pumpen, wir atmen tiefer, damit unsere Muskeln mit mehr Sauerstoff versorgt werden, wir schwitzen stärker, um den Hitzeverlust zu beschleunigen, wir verlangsamen weniger wichtige Körperfunktionen wie die Verdauung, unsere Pupillen weiten sich, damit wir fokussierter sind, und es werden Adrenalin und Cortisol ausgeschüttet, damit wir zur Tat schreiten können. Je nach Art der Bedrohung bedeutet das: fliehen oder dableiben und kämpfen.
Das Problem besteht darin, dass unser Alarmsystem heutzutage Dinge als »Bedrohung« ausmacht, die unser Leben gar nicht wirklich in Gefahr bringen: ein Abgabetermin, der Streit mit einer Kollegin, oder ein 1:0 für die gegnerische Mannschaft eine Minute vor Abpfiff.
In diesen Fällen ist es falscher Alarm, denn es besteht keinerlei körperliche Gefahr, dennoch reagiert unser Körper so als ob. Bei dieser Stressreaktion konzentriert sich unser Gehirn ausschließlich auf die unmittelbare Bedrohung; der rationale Teil des Gehirns wird ausgeklinkt. Wir verlieren also das große Ganze aus den Augen, wodurch wir schlechter ruhig bleiben, logisch denken und die Probleme vernünftig lösen können.
Wenn wir besser mit Stress umzugehen lernen, aktivieren wir genau das Gegenteil unserer Kampf-oder-Flucht-Reaktion – die besänftigende »Entspannungsreaktion« nämlich, die vom Parasympathikus gesteuert wird.

WIE SICH STRESS ÄUSSERT UND WIE ER SICH ANFÜHLT
Schauen Sie sich diese Liste mit Symptomen gründlich durch und beurteilen Sie, ob sich eins oder mehrere davon regelmäßig bei Ihnen bemerkbar machen. Sie wissen dann, wo der größte Handlungsbedarf besteht. Schreiben Sie diese Symptome in Ihr NOTIZBUCH. Sich darüber klar zu werden, ist der entscheidende erste Schritt in Richtung Besserung.



WOHER KOMMT UNSER GANZER STRESS?
Die Frage klingt vielleicht merkwürdig, aber wie konnten wir es bloß zulassen, so verdammt gestresst zu werden? Tatsächlich stellt unsere moderne Lebensweise eine Bedrohung für das Leben selbst dar. Kaum zu fassen, wo wir im Westen doch in den sichersten und wohlhabendsten Gesellschaften und in der friedlichsten Epoche unserer Geschichte leben.
Noch dazu hat die Automatisierung unser Leben angeblich vereinfacht, die globale Vernetzung hat die Beziehungspflege erleichtert, wir haben mehr Wahlmöglichkeiten, besseren öffentlichen Nahverkehr, größere Fernseher und klügere Telefone. Und dennoch fühlen wir uns so gestresst und unglücklich wie nie zuvor. Was läuft bloß falsch?
Es lohnt sich, darüber Überlegungen anzustellen. Schreiben Sie sich auf, ob einer dieser Punkte zu Ihrem persönlichen Stresspegel beiträgt.
Obwohl wir über mehr »Freunde« und dank der Technik über eine bessere »Vernetzung« verfügen, sind unsere persönlichen Beziehungen und sozialen Bindungen schwächer geworden. Die evolutionäre Psychologie zeigt, dass menschliche Beziehungen und familiäre Bande Angstgefühle verringern können. Doch das vergessen wir gern aufgrund der folgenden Tatsache.
Unsere Ziele tendieren mehr in Richtung Geld, Ruhm und Image, was in eindeutigem Zusammenhang mit Angststörungen und Depressionen steht.
Wir saugen wesentlich mehr Informationen in uns auf, und eine Menge davon ist Panikmache. Wir leben in einer Kultur, in der Angst dazu benutzt wird, uns zu motivieren. Ständig sind wir einem Trommelfeuer von Warnungen ausgesetzt – vor Terrorismus, einer stagnierenden Wirtschaft, erhöhter Kriminalität, Migration usw.
Wir kämpfen gegen unangenehme Gefühle an, anstatt ihnen freien Lauf zu lassen. Wir weichen Situationen aus, die uns nervös machen, und versuchen, uns von jedem unangenehmen Gefühl abzulenken oder es zu betäuben.
Wir haben zu hohe Erwartungen, vermutlich weil in unserer Gesellschaft gerne betont wird, dass wir alles sein und erreichen können, was wir uns vornehmen. Deshalb verspüren wir den Druck, mehr sein und mehr tun zu müssen.
Stress wird dadurch verursacht, dass du ›hier‹ bist, während du eigentlich ›dort‹ sein möchtest.
ECKHART TOLLE
WAS IST DIE HAUPTURSACHE FÜR IHREN STRESS?
Wovon fühlen Sie sich jetzt, im Moment, am meisten gestresst? Gehen wir zuerst die Lebensbereiche durch, die potenziell Probleme bereiten, dann wird es Ihnen leichter fallen herauszufinden, welche der nachfolgenden Interventionen für Sie passen.
FINANZEN
Glauben Sie, Sie kommen nie auf einen grünen Zweig, egal was Sie auch tun? Sind Sie am Monatsende stets im Minus, nehmen Sie an Lotto- und Gewinnspielen teil, oder haben Sie sich damit abgefunden, auf den Tod eines Familienangehörigen warten zu müssen, bis Sie sich den Kredit für ein Eigenheim leisten können?
ARBEIT
Gibt es eine Diskrepanz zwischen den an Sie gestellten Erwartungen und dem, was Sie sich zutrauen? Haben Sie mit schlechter Zeiteinteilung und Prokrastination zu kämpfen? Müssen Sie sich mit unfreundlichen oder narzisstischen Kollegen herumschlagen oder gar mit einem Kontrollfreak als Vorgesetzten? Ist die Angst vor Kündigung für Sie ein Thema?
GESUNDHEIT
Machen Sie sich Sorgen wegen Ihres Ess- und Trinkverhaltens, Ihres Schlafpensums oder irgendwelcher anderer ungesunder Angewohnheiten? Kriegen Sie den Sport, den Sie unbedingt treiben sollten, nicht unter, etwa weil Arbeit und Pendeln so viel Zeit in Anspruch nehmen?
MENSCHEN
Bereiten Ihnen die Menschen in Ihrer Umgebung Schwierigkeiten? Werden Sie gemobbt? Sind Sie umgeben von Menschen, die Ihre Gutmütigkeit ausnutzen? Verbringen Sie viel Zeit allein? Evolutionspsychologisch betrachtet, befinden sich Einzelgänger in ständiger Alarmbereitschaft, weil keiner da ist, der sie beschützen kann; deshalb schütten sie mehr Stresshormone aus.
FAMILIE
Bereitet Ihnen Ihre Familie nicht die Freude, die sie Ihnen eigentlich bereiten sollte? Sind Ihnen die Nächsten nicht immer auch die Liebsten?
SOZIALLEBEN
Haben Sie das Gefühl, Sie müssten den Bildern von einem »perfekten« Körper oder bester Charaktereigenschaften entsprechen? Müssen Sie andauernd die sozialen Medien füttern, um dabei zu sein, »gemocht« und »geteilt« zu werden, toll auszusehen, toll zu sein oder einfach nur akzeptiert zu werden? Früher hörte das Mobbing am Schultor auf. Heute kann es uns bis nach Hause und tief in die Nacht hinein verfolgen.
ELEKTRONISCHE GERÄTE
Sind Sie süchtig nach Ihrem Smartphone? Durch das Internet haben wir Zugang zu einem Haufen Informationen über einen Haufen Dinge, deretwegen wir uns unnötigerweise sorgen. Und da wir auch noch süchtig nach unseren Geräten sind, kommen wir niemals zur Ruhe.
KONKURRENZ
Machen Sie sich Sorgen über Prüfungen, eine Beförderung, einen Berufswechsel? Bereitet Ihnen das moderne Mantra »Stillstand bedeutet Rückschritt« Unbehagen?
VERÄNDERUNGEN
Fühlen Sie sich überfordert von gesundheitlichen Problemen, dem Verlust Ihres Jobs, Ihres Partners oder Haustiers oder von Ihrem Umzug?
UMWELT
Leben Sie in einer lauten Wohnung, mit wenig Natur in der Nähe? Wenn wir von zu vielen Menschen und von Menschenhand geschaffenen Dingen umgeben sind, fällt die Entspannung schwer. Die Menschheit hat sich in natürlichen weiten Flächen entwickelt, deshalb können wir bei natürlichem Licht, umgeben von Pflanzen und Tieren, so gut loslassen.
DIE ZUKUNFT
Machen Sie sich Sorgen, ob Sie es jemals zu etwas bringen werden, oder fürchten Sie, das sowieso alles sinnlos ist?
WOZU ALL DIESE BELASTUNGEN FÜHREN
SIE VERÄNDERN UNSERE
Gedanken
Gefühle und Stimmungen
Fähigkeit, Probleme zu lösen
Motivation und Energie
Verhaltensweisen
Allgemeine Gesundheit


DIE ALLTÄGLICHEN AUSLÖSER VON STRESS
Die meisten von uns führen ein schnelles, dichtes, atemloses Leben und bewältigen die folgenden Stressauslöser vermutlich ohne Probleme! Jeder einzelne für sich allein bringt uns vielleicht nicht zum Ausrasten oder Zusammenbrechen, aber sie tragen zu unserem Stress und einem höheren Risiko bei, wenn auf einmal ein paar davon zusammenkommen oder plötzlich etwas sehr Schlimmes geschieht. Schreiben Sie Ihre persönlichen Auslöser in Ihr NOTIZBUCH, dann wissen Sie, worauf Sie achten müssen.
TRAGEN DIESE AUSLÖSER ZU IHREM STRESS BEI?
Alltägliche Ärgernisse – Autoschäden, Zugverspätungen, Versäumen eines Termins
Große Veränderungen – Wohnungswechsel, neuer Job
Arbeitspensum, Bangen um den Arbeitsplatz, Überstunden
Ihr Chef ist unzufrieden mit Ihrer Arbeit
Probleme in Freundschaft und Partnerschaft
Sie haben zu viel um die Ohren
Körperliche Erkrankungen – Grippe oder Erkältungen, Schlappheit
Ein ungesunder Lebenswandel – nicht genügend Bewegung, nicht genügend Schlaf, ungesunde Ernährung, Alkohol- und/oder Drogenkonsum
Sie haben nicht genügend Auszeiten – Urlaub und Freizeitaktivitäten, die Ihnen Spaß machen
Sie können Rechnungen, Miete oder Hypothek nicht bezahlen
Sie müssen Schlange stehen oder auf irgendetwas oder irgendjemanden warten
Schwierige oder laute Nachbarn
Probleme mit den Kindern oder der Kinderbetreuung
Streit mit jemandem, der Ihnen wichtig ist
Sie erhalten eine schlimme Nachricht
Zeitdruck oder unmögliche Abgabetermine
Sie haben Schuldgefühle wegen etwas, das Sie getan haben
Jemand ist wütend oder sauer auf Sie
Sie leiden unter einem schwierigen Kollegen oder Vorgesetzten
Sie stecken im Verkehr fest
Sie finden keinen Parkplatz
Sie sind zu spät dran
Sie haben schlecht geschlafen
Fortwährender Baustellen- und anderer Lärm
Jemand sagt etwas Ärgerliches oder Verstörendes zu Ihnen
Sie sagen etwas Gemeines zu jemand anderem
IHR STRESSOMETER
Ein äußerst wichtiger Hinweis: Selbstbeobachtung hilft Ihnen, sich weniger gestresst zu fühlen. Je bewusster Sie sich Ihres Stresslevels sind, desto besser können Sie ihn kontrollieren. Der Stressometer kann Ihnen dabei helfen – er ist ein Thermometer für Ihren Stress!
Tragen Sie jeden Tag drei Messungen in Ihr NOTIZBUCH ein – morgens, mittags, abends. Nutzen Sie hierfür eine Skala von 1 bis 10: 10 bedeutet irre angespannt, wie eine jeden Moment zuschnappende Bärenfalle, und 0 heißt so gechillt, dass Ihnen beinahe die Augen zufallen.
Überprüfen Sie damit in der kommenden Woche, wann Ihr Stressometer in die Höhe schnellt. Sie werden bald merken, wann Sie alles im Griff haben und wann Sie sich gestresst fühlen. Und Sie werden dahinterkommen, bei welchen Gelegenheiten Ihr Stressometer hochschnellt und sich »erhitzt« – oder eben wann er fällt und »abkühlt«. Sie können dann den Stresspegel bewusst niedriger halten, indem Sie bei Bedarf einige abkühlende Aktivitäten einplanen oder die erhitzenden reduzieren. Sie können sogar, was noch besser ist, vorbauen: Wenn ein stressiges Ereignis bevorsteht, planen Sie einige abkühlende Aktivitäten ein, um Ihr Stresslevel schon im Vorhinein zu senken. Das verschafft Ihnen einen gewissen Spielraum und die Gewissheit, dass Sie cool bleiben werden, wenn nicht alles nach Plan läuft.
Natürlich hängt unser Stressempfinden nicht nur von einem oder auch ein paar Stressauslösern ab. Vielmehr ist es unsere Antwort darauf, die aus einem Auslöser eine extreme Stresserfahrung macht. Diese Antwort liegt im wortwörtlichen Sinne in unserer Verantwortung, es geht also um eine richtige und angemessene Reaktion von unserer Seite.


Selbstbeobachtung hilft Ihnen, sich weniger gestresst zu fühlen!
VERHALTENSWEISEN UND AKTIVITÄTEN, DIE DEN STRESS IN DIE HÖHE TREIBEN
Einige dieser Verhaltensweisen mögen Ihnen sofortige Erleichterung oder direkten Trost verschaffen, doch auf lange Sicht bescheren sie Ihnen nichts als Probleme. Machen Sie sich bewusst, dass diese kurzzeitigen Tricks Ihren Stresspegel letztendlich erhöhen. Unser Stressempfinden können wir nur ändern, indem wir klug reagieren und uns um abkühlende Maßnahmen bemühen.

VERHALTENSWEISEN UND AKTIVITÄTEN, DIE DEN STRESS SENKEN
Entwickeln Sie ein Bewusstsein dafür, was Sie in Aufregung versetzt und was Ihnen hilft, wenn Sie unter Druck stehen. Erstellen Sie eine Liste mit den Dingen, die Ihr Gemüt erhitzen, und eine zweite Liste mit den Dingen, die Ihnen einen kühlen Kopf bescheren. Das ist bei jedem anders. Denken Sie daran: Wissen ist Macht.

Aus meinem Leben: Kurze Lektionen in Sachen Stress
1 | EINE LEKTION ÜBERS SCHWIMMEN
von Matthew Johnstone
Nach einer Silvesterfeier in Byron Bay vor vielen Jahren beschlossen meine beiden Freunde und ich, am Kings Beach im Freien zu übernachten. Unter einem Ast bauten wir mithilfe einer Plane einen simplen Unterschlupf. Und bei der warmen Sommerluft und dem Rauschen der Wellen schliefen wir auch schnell ein.
Gegen fünf Uhr wurde ich vom Sonnenaufgang und dem Ruf der Natur geweckt. Das Meer lag vor mir, perfekt wie auf einer Postkarte, also entschloss ich mich, die anderen ihrem Schönheitsschlaf zu überlassen und nackt hineinzuhüpfen. Kaum war ich ins Wasser gehechtet, erfasste mich eine heftige Strömung.
Ich bin kein sonderlich guter Schwimmer, geriet sofort in Panik und ruderte in Richtung Küste, aber es war, als sei ich an einem Laternenpfahl festgebunden, während mir jemand zuruft, ich solle wegrennen. Ich schlug wild um mich und schrie nach meinen schlafenden Freunden, doch sie waren einfach zu weit weg. Langsam machte sich Erschöpfung breit, ich schluckte Wasser und mir schoss durch den Kopf: »Das war’s dann wohl … und ich bin auch noch splitternackt!«
Während ich ein letztes Mal vergeblich versuchte, Richtung Küste zu schwimmen, tauchten plötzlich eine schwache Erinnerung und eine leise Stimme in meinem panischen Hirn auf: »Niemals gegen die Strömung, sondern mit ihr schwimmen.« Also drehte ich mich auf den Rücken, blickte in den Morgenhimmel, beruhigte meinen Atem und ließ mich treiben. Ich wurde ein gutes Stück aufs Meer hinausgezogen, bevor die Strömung einen Bogen zurück zum südlichen Teil des Strands machte. Irgendwann schaffte ich es heraus und an Land, wo ich eine Zeit lang wie ein Sandschnitzel dalag und völlig erschöpft darüber nachdachte, was gerade passiert war. Seither ist mir klar, dass in einer stressigen Situation zu stecken, sich ganz ähnlich anfühlt, wie von einer Strömung erfasst zu sein.
Auch der Stress beraubt uns sämtlicher Energie, Klarheit, Kreativität und Rationalität. Er bringt uns um unsere Problemlösungskraft und ist eine echte Gefahr für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden.
»Akzeptanz« ist es, was wir in die Gleichung mit einbringen müssen. »Ja, ich stehe ganz schön unter Druck. Im Moment passt alles nicht so richtig. Ich probiere jetzt mal etwas Neues, damit mein Geist zur Ruhe kommt und mein Stress nachlässt.«
Diese Akzeptanz und die bewusste Kursänderung berauben den Stress seiner Macht und bringen uns in ruhigere Gewässer.
DIE MORAL VON DER GESCHICHTE
Wogegen du dich wehrst, das bleibt bestehen.


2 GEHIRN UND GEIST
GLANZLEISTUNGEN, FALLGRUBEN UND FAKTEN

In diesem Kapitel zeigen wir Ihnen:
Wie die Physiologie des Gehirns Ihren Geist und Ihre Handlungen beeinflusst
Wie Sie Ihren Geist beruhigen und den Stresspegel senken
Wie Sie komplizierte Gedanken, die Sie blockieren, stressen und sich mies fühlen lassen, in den Griff kriegen

DEM VERSTAND KANN MAN NICHT TRAUEN
In diesem Kapitel bringen wir Ihnen die Neurobiologie Ihres Gehirns nahe und erklären, wie es auf Stress reagiert und ihn bewältigt, und welche Verhaltensweisen daraus resultieren. Dadurch wird besser verständlich, wieso wir oft zu Verhaltensweisen getrieben werden, die unseren Stress nur noch vergrößern. Anschließend beschäftigen wir uns mit einigen Methoden, die mithilfe von Achtsamkeit unseren Stressometer abkühlen.
Ich behandele unseren Verstand dabei als eine Art separate Entität, die mit unserem wahren Selbst, unserem Bewusstsein, unserer Seele – oder wie auch immer Sie unser innerstes Wesen auch nennen mögen – nichts zu tun hat. Und ich werde Ihnen zeigen, dass der Verstand nicht der vertrauenswürdige Verbündete ist, für den wir ihn vielleicht halten. Um zu verstehen, wieso uns der Verstand derartigen Stress macht, obwohl er weiß, wie schlecht das für uns ist, müssen wir zunächst seine Funktion unter die Lupe nehmen.
Aber der Verstand hält uns doch am Leben …
In grauer Vorzeit waren wir weder so wild wie ein Säbelzahntiger noch so schnell wie ein Gepard oder so stark wie ein Nilpferd. Deshalb mussten wir besser aufpassen und unsere irdischen Rivalen im Denken übertreffen, wenn wir nicht als irdische Mahlzeit enden wollten. Der Psychologe Dr. Russ Harris beschreibt unser Gehirn als eine »Nicht-getötet-werden-Maschine«, dieses Ziel hat oberste Priorität. Da es damit auch sehr erfolgreich war (schließlich sind wir noch nicht ausgestorben), übertrugen wir ihm mehr und mehr Verantwortung für unser Leben. Bald wurde das Gehirn zu einem übergroßen Diktator, der auch dort Probleme macht, wo gar keine Probleme sind – es versetzt uns in Angst und Schrecken, wenn wir vor einer Gruppe Kollegen sprechen sollen, oder lässt uns in kalten Schweiß ausbrechen, wenn die Chefin an unserem Schreibtisch vorbeispaziert.
Je mehr Angst der Verstand in uns auslöst, desto mehr Macht besitzt er über uns, wir hören nämlich tendenziell eher auf ihn, wenn er so etwas wie »Geh da bloß nicht hin« oder »Lass das besser sein« sagt. Je mehr Angst wir haben, desto gestresster fühlen wir uns. Und bald schon richten wir uns ausschließlich nach unserem Verstand, machen keinen Gebrauch von unserer Gabe der Einsicht (der Fähigkeit, in uns hineinzuhorchen), und es geht nur noch um das Überleben statt um das Leben.
Wieso entmachten wir unseren Verstand nicht einfach – schließlich wissen wir, dass es uns nicht guttut, ständig unter Stress und Angstgefühlen zu leiden. Vermutlich weil er ein äußerst charmanter und überzeugender Diktator ist: Er kann uns alles Mögliche einreden und möchte Veränderungen um jeden Preis verhindern. Stellen Sie sich diesen kleinen Diktator vor, wie er am Kopf eines Konferenztischs hockt und sagt: »Unter meiner Führung geht es uns doch gut, oder? Lass uns bloß nichts daran ändern!«
Der Verstand mag sich Änderungen oft verweigern, doch es gibt genügend Gründe, sozusagen über seinen Kopf hinweg zu handeln. Dies ist eine der Schlüssellektionen, die Sie aus diesem Buch mitnehmen können: dahinterzukommen, wie der Verstand funktioniert und mit welchen Tricks er es schafft, uns in einer unglücklichen Situation verharren zu lassen.
DAS MENSCHLICHE GEHIRN
Unser Gehirn hat sich von unten nach oben entwickelt, und es weist viele Gemeinsamkeiten mit dem unserer tierischen Verwandtschaft auf. Ganz unten sitzt das Reptiliengehirn (oder der Hirnstamm), an der Stelle, wo die Schädelbasis in das Rückenmark übergeht. Es ist von Geburt an aktiv und steuert das, was wir bereits als Säuglinge können: Hunger, Schmerz und Temperaturempfinden. Es sorgt dafür, dass wir weinen, essen, schlafen, Pipi und Kacka machen können – also sämtliche lebensnotwendigen Funktionen beherrschen, die automatisch ablaufen müssen. Hirnstamm und Hypothalamus kontrollieren Herz und Lunge, sie sorgen von Geburt an für das Gleichgewicht unserer Körperfunktionen, die sogenannte Homöostase.

Die Hauptaufgabe des Körpers besteht darin, das Gehirn spazierenzutragen.
THOMAS A. EDISON
Darüber liegt das Säugergehirn (oder limbisches System), das Zentrum für Lernen und Emotionen.
Zu seinen Aufgaben gehört es, Gefahren aufzuspüren, zu bewerten, was uns Angst oder Glück bereitet, und festzustellen, was wichtig für uns ist oder was wir außer Acht lassen können. Diese Hirnregion wird von unseren Erfahrungen und Handlungen überformt. Während der ersten sechs Lebensjahre ist diese Fähigkeit des Lernens aus Erfahrungen – genannt Neuroplastizität – besonders wichtig, weil wir da eine Menge neuer Erfahrungen sammeln und in unserem Gehirn die meisten Verknüpfungen und Pfade ausbilden. Der Nachteil: Wird ein bestimmter Pfad wiederholt aktiviert – zum Beispiel in schwierigen Situationen aufgeben und dicht machen (also hilflos reagieren) –, kann er zu unserem Standard-Betriebsmodus werden und uns dauerhaft Probleme machen.
Diese beiden Gehirne bilden das sogenannte emotionale Gehirn, den Schlüsselteil des zentralen Nervensystems, das nahezu alle unserer Gefühle, Verhaltensweisen und Reaktionen auf die Umwelt steuert. Das emotionale Gehirn soll hauptsächlich für unsere Sicherheit sorgen und wird alles dafür tun, dass wir es bis ins reproduktive Alter schaffen und unser Erbgut weitergeben. Es sendet sogar ein chemisches Signal, wenn ein potenzieller Partner in unserer Nähe ist – diese überwältigende Verlegenheit, Sie wissen schon.
Ganz oben sitzt das rationale Gehirn (der Neocortex). Andere Säugetiere besitzen zwar ebenfalls einen Neocortex, doch der des Menschen ist deutlich weiter entwickelt. Unser rationales Gehirn ist komplexer als unser emotionales. Während das emotionale Gehirn die automatisch ablaufenden, vorprogrammierten muskulären und physiologischen Reaktionen steuert, ist der Neocortex das Zentrum unserer außergewöhnlichen exekutiven Funktionen. Sie machen uns einzigartig, indem sie uns ermöglichen, zu denken und zu handeln, statt nur zu reagieren, unsere Emotionen zu kontrollieren, logisch zu denken, uns Dinge vorzustellen und vorauszusehen, zu planen und zu reflektieren.
Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Sie befinden sich gerade in der Stadt und hören einen Knall, der klingt wie ein Schuss. Ihr emotionales Gehirn reagiert als Erstes, scheucht Sie auf und zündet das Angst-Feuerwerk. Mit kurzer Verzögerung kommt Ihr rationales Gehirn ins Spiel, verarbeitet die Tatsachen – Stadt, tagsüber, keine gefährliche Gegend, keine sichtbar bewaffneten Menschen zu sehen – und kommt zu dem Schluss, dass es sich wohl eher um einen Auspuffknall handelt. Sie fahren also wieder herunter. So sind also beide Gehirne lebensnotwendig.
EMOTIONEN VERSUS GEFÜHLE
Die meisten verwenden die Begriffe »Emotionen« und »Gefühle« als seien sie Synonyme; doch obwohl sie eng miteinander verknüpft sind, bedeuten sie etwas Grundverschiedenes.
Emotionen können wir uns als eine in Bewegung befindliche Energie vorstellen – sie sind instinktiv und körperlich und gehen Gefühlen voraus. Es handelt sich dabei um biologische Signale wie schwitzende Hände oder Herzrasen; sie lassen sich also objektiv feststellen, indem wir Durchblutung, Hirnaktivität und Hautleitfähigkeit messen.
Gefühle setzen ein, nachdem wir eine Emotion hatten – sie sind die mentale Interpretation der physischen Reaktionen. Sie resultieren daraus, dass unser Gehirn eine Emotion wahrnimmt und ihr Bedeutung verleiht. Obwohl Gefühle gedanklichen Input benötigen, laufen sie häufig unterbewusst ab und lassen sich deshalb kaum exakt messen.
Um es auf das vorherige Beispiel mit dem Knall zu übertragen: Die körperliche Angsterfahrung entstammte hier unserem emotionalen Gehirn und das Gefühl von Furcht unserem rationalen Gehirn.
Emotionen haben wir zwar jeden Augenblick unseres Lebens, doch meist ist unser Geist derart beschäftigt, dass wir sie gar nicht wahrnehmen und ihnen deshalb ausgeliefert sind – und genau das bereitet uns Stress! Wenn wir also wirklich etwas ändern wollen, müssen wir die enormen Auswirkungen unserer Emotionen auf Gesundheit, Wohlbefinden, Selbstvertrauen, Erfolg, Versagen, Motivation und wichtige Lebensentscheidungen im Blick haben. Wenn wir nichts über die Funktionsweise unserer Emotionen wissen, können wir kaum zum Kapitän unseres Lebens werden.

GUTE UND SCHLECHTE BOTENSTOFFE DES GEHIRNS
Das nächste Puzzlestück für das Verständnis unserer Emotionen ist die chemische Kommunikation im Gehirn, denn diese steuert die Emotionen selbst sowie unsere Suche nach ihrer Bedeutung. Tatsache ist: In den viel zu seltenen (und kurzen) Momenten, in denen wir uns richtig gut fühlen, ist das nicht die direkte Folge von etwas, das wir oder eine andere Person getan haben. Es ist die Folge dessen, dass unser Gehirn die Ausschüttung eines »guten« Botenstoffs veranlasst hat – Dopamin, Serotonin, Oxytocin oder Endorphin. Wir machen uns vor, dass uns unsere Handlungen oder die Menschen in unserem Leben am Herzen liegen, dabei ist das Einzige, worum es uns wirklich geht, mehr von diesen Botenstoffen zu bekommen. Vielleicht empört Sie diese Aussage, aber lesen Sie bitte weiter.
SCHLECHTE BOTENSTOFFE
Bevor wir uns diesen »guten« Botenstoffen zuwenden, schauen wir uns zunächst die »schlechten« an, unsere Stresshormone – Adrenalin (oder Epinephrin) und das berüchtigte Cortisol. Diese beiden sind eigentlich nicht immer schlecht, sondern von entscheidender Bedeutung für unser Stresssystem, das eine blitzschnelle Reaktion auf Bedrohungen ermöglicht. Unter der Regie einer Gehirnregion namens Amygdala (unser »Rauchwarnmelder«) bereiten uns die beiden nämlich auf einen Kampf gegen den Feind oder die Flucht vor Gefahr vor. In hoher Dosierung schaden sie uns zwar, aber sie können uns buchstäblich das Leben retten.

ADRENALIN
Während der Kampf- oder Flucht-Reaktion sorgt das Adrenalin dafür, dass wir uns auf die Bedrohung fokussieren, und beschleunigt unseren Puls und unsere Durchblutung, damit wir eine drohende Gefahr bewältigen oder jemand anderen retten können oder weniger Schmerz empfinden, falls wir trotz einer Verletzung fliehen müssen. Manche Leute sind derart scharf auf dieses Gefühl, dass sie aus Flugzeugen springen, Bungeejumping machen oder Achterbahn fahren. Zu viel Adrenalin ist allerdings ungesund, schadet dem Herzen und führt zu Schlaflosigkeit und einer unangenehmen, nervösen Angespanntheit, die uns offensichtlich nur noch mehr stresst.
CORTISOL
Auch Cortisol ist wichtig für uns – wenn Anlass und Zeitpunkt stimmen. Cortisol hilft uns morgens aus dem Bett und beim Regulieren unseres Blutdrucks, Stoffwechsels und Blutzuckerspiegels. Es unterstützt Heilungsprozesse und sogar die Gedächtnisbildung, indem es uns lebenserhaltende Lektionen erteilt wie: Finger weg von der heißen Herdplatte! Cortisol wird ausgeschüttet, wenn wir eine Gefahr für unser Leben erkennen; es verursacht uns ein ungutes Gefühl und lenkt auf diese Weise unsere Aufmerksamkeit auf die Bedrohung. Dasselbe passiert aber auch, wenn wir eine Enttäuschung erleben, obwohl das gar keine echte Bedrohung darstellt. Sogar eine Erinnerung – etwa daran, wie Sie von einem geliebten Menschen verlassen wurden – kann Cortisol im Körper freisetzen. Und sofern wir uns nicht in einer echten Lebensgefahr befinden, setzt unser rationales Gehirn dann eine Kaskade negativer Gedanken und Gefühle über die anderen, die Welt und vor allem uns selbst in Gang, die eine noch höhere Cortisol-Ausschüttung zur Folge hat.
Heutzutage haben viele einen dauerhaft erhöhten Cortisolspiegel – und das macht uns krank. Mit zu viel Cortisol im Blut fühlen wir uns gereizt und leiden unter Stimmungsschwankungen, Gewichtszunahme, Benommenheit, Essattacken, Verspannungen und Müdigkeit. Doch sobald uns bewusst wird, wie schlecht wir uns fühlen, können wir diese Negativspirale durchbrechen, indem wir uns auf etwas Positives konzentrieren. Ablenkungen sind eine hervorragende Methode, unser Gehirn von seiner nervenaufreibenden Suche nach nicht lebensbedrohlichen Gefahren abzubringen, und sie helfen dem Körper, wieder zur Ruhe zu kommen.
CORTISOL IST SCHON NACH ETWA 20 MINUTEN ABGEBAUT. VERSUCHEN SIE ALSO, RUHIG ZU BLEIBEN – WAS NICHT GERADE LEICHT IST, WENN DER VERSTAND KREISCHT:

GUTE BOTENSTOFFE
Die Ausschüttung der guten Botenstoffe passiert in kurzen Schüben von nur wenigen Minuten, was einem ziemlich ungerecht erscheinen mag. Doch die Natur hat ihren eigenen Plan: Um mehr zu kriegen, müssen wir auch mehr tun.
DOPAMIN
Dopamin beschert uns ein Hochgefühl, wenn eine Belohnung in Sicht ist. Schon die Annäherung an eine mögliche Belohnung setzt eine kleine Menge Dopamin frei. Natürlich wäre es schön, wenn wir uns ständig in diesem Hochgefühl suhlen dürften, nur würden wir uns dann um nichts bemühen. Das Dopamin signalisiert uns, wann wir auf dem richtigen Weg sind und Gas geben müssen, um es bis zur Belohnung zu schaffen. Wenn der Dopaminspiegel wieder sinkt, meinen wir oft, irgendetwas fehle in unserem Leben oder stimme nicht. Unser Hirn ist jedoch darauf programmiert, erst einmal auf null zurückzuschalten und auf die nächste Gelegenheit zu warten, sich einer wichtigen Aufgabe zu stellen. Selbst wenn wir also das größte Kunststück der Welt vollbracht haben, fällt der Dopaminspiegel bald wieder ab, und wir müssen uns eine neue große Herausforderung suchen, um wieder einen Treffer zu landen.
Lassen Sie sich von diesen Dompamintiefs nicht herunterziehen. Befolgen Sie lieber die folgenden Tipps von Dr. Loretta Breuning, die zum Thema Glückshormone umfassend geforscht hat:
Spaß an Neuem haben
Unser Gehirn sehnt sich nach neuen Erkundungen. Wenn wir dieses Bedürfnis also mit unseren sonstigen Zielen verknüpfen, tun wir etwas für unseren Dopaminhaushalt. Bemühen Sie sich darum, neue Dinge zu lernen, zu erleben und zu sehen, und die Hochs sind Ihnen garantiert.
Nach kurzen und langfristigen Zielen suchen
Halten Sie den Dopaminfluss am Laufen, indem Sie sich sowohl schnell erreichbare als auch langfristige Ziele setzen. Schon das Erreichen einer Etappe beschert Ihnen ein Hoch, Sie müssen es also gar nicht gleich bis zum Ende schaffen.
Nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig wollen
Bei einem zu hoch gesteckten Ziel wird kein Dopamin ausgeschüttet, denn Sie rechnen nicht mit einer Belohnung. Zu leicht erreichbar darf das Ziel aber auch nicht sein, weil es dann keine neuen Erfahrungen mit sich bringt.
SEROTONIN
Im Urwald wird den ranghöheren Tieren der größte Respekt entgegengebracht, sie können sich häufiger paaren und ihr Erbgut dementsprechend häufiger weitergeben. Daher ist unser Gehirn versessen auf Respekt und belohnt diesen mit Serotonin. Aus demselben Grund suchen viele auf so tragische Weise nach gesellschaftlicher Anerkennung (z. B. im Reality-TV), und es ist auch der Grund dafür, dass wenig attraktive, jedoch reiche oder berühmte Männer schöne Partnerinnen abkriegen.
Serotonin ist das Signal unseres Gehirns an uns, dass es uns gut geht; es gibt uns das wunderbar beruhigende Gefühl, dass wir in der Lage sind, unsere Bedürfnisse zu stillen. Allerdings wird Serotonin innerhalb weniger Minuten verstoffwechselt, weshalb unser Gehirn ständig auf der Suche nach neuen Wegen ist, mehr davon zu bekommen. Was wir haben, halten wir dementsprechend für selbstverständlich, und uns fallen überall Dinge auf, die nur die anderen haben. Der Jagd unseres Gehirns nach Serotonin entspringen solche Gedanken wie »Ich bin nicht gut genug« oder »Ich habe nicht genug«. Als Reaktion darauf setzt das Gehirn wiederum Cortisol frei, woraus Angst, Panik und ein Gefühl von Dringlichkeit erwachsen. Unserem rationalen Gehirn wird damit mitgeteilt, dass es nach Bedrohungen Ausschau halten soll, und schon wird die Negativspirale in Gang gesetzt. Bald glauben wir, mit unserem Leben stimme etwas nicht: Wir finden uns wahlweise zu dick / alt / arm / dumm. Kleine Enttäuschungen wachsen zu großen Sorgen um die Zukunft, die Welt und uns selbst … Hallo, Depression!

Wenn sich dieses Gefühl in Ihnen breitmacht, halten Sie inne und sagen Sie sich, dass es nicht mehr ist als eine chemische Reaktion, die wir aus grauer Vorzeit geerbt haben. Freuen Sie sich an dem, was Sie haben.
OXYTOCIN
Das auch als »Kuschelhormon« bekannte Oxytocin wird durch Berührung und Vertrauen freigesetzt. Es strömt, wenn wir uns sicher und geborgen und von einem oder mehreren Menschen unterstützt fühlen. In der Wildnis konnte man ohne die Unterstützung einer Gemeinschaft kaum überleben, deshalb hat sich durch natürliche Selektion ein Gehirn herausgebildet, das uns mit einem wunderbar warmen Gefühl belohnt, wenn wir soziale Bindungen eingehen.
Sind wir mit jemandem beisammen oder berührt uns eine Person, der wir vertrauen, löst das einen Oxytocin-Schub aus. Wird dieses Vertrauen enttäuscht, kommt es zu einem Cortisol-Schub.
Oxytocin soll und kann nicht zu einem dauerhaften Vergnügen werden, aber wir bekommen mehr davon, wenn wir:
vertrauensvoll und gleichzeitig behutsam auf neue Menschen zugehen, das Vertrauen zu ihnen Schritt für Schritt aufbauen.
uns die Wonnen einer Massage gönnen.
lernen zu erkennen, wann wir grundsätzlich in Sicherheit sind. Beim gegenteiligen Gefühl handelt es sich meist nur um einen chemischen Überlebensmechanismus unseres Körpers. Lassen Sie los … es geht vorüber.

ENDORPHIN
Endorphin senkt unser Schmerzempfinden, indem es ein euphorisches Gefühl auslöst, das dem des Schmerzmittels Morphium ähnelt. Evolutionsgeschichtlich betrachtet ermöglichte es einem verletzten Tier, seinem Angreifer zu entfliehen. Diese Linderung hält etwa 20 Minuten an, dann kehrt der Schmerz umso heftiger zurück, damit sich Ihr Verstand wieder auf Ihre Blessuren konzentriert, Sie diese reparieren und sich anschließend fortpflanzen und Ihre Gene weitergeben … Alles klar?
Einer der besten Methoden, um die Endorphinproduktion anzukurbeln, ist sportliche Betätigung. Übermäßiges Trainieren bis hin zu Schmerzen und zum Läuferhoch schießt allerdings weit über das Ziel hinaus. Zumal sich ein ähnliches Stimmungshoch auch einfach durch Meditieren erreichen lässt, wie wir in Kürze sehen werden.
Unsere moderne Gesellschaft kann uns dazu verleiten, mit der Macht der Endorphine unsere Schmerzen zu vergessen. Dabei fahren wir besser damit, die Höhen und Tiefen des Lebens einfach zu akzeptieren, statt die Realität in einer Woge der Glückseligkeit wegzuspülen!
JAGEN SIE DEM GLÜCK NICHT HINTERHER
Der »Glückskult« unserer heutigen Gesellschaft schreibt uns vor, dass wir ständig happy sein müssen. Da unsere guten Botenstoffe allerdings nur wenige Minuten lang wirken, ist diese Jagd kraftraubend und führt zu nichts. Wenn wir hingegen unsere evolutionär geprägte Physiologie einfach akzeptieren, macht uns das zufriedener, lässt uns weniger schlechte Hormone produzieren und dadurch weniger Stress empfinden.
Sie können die Endorphinproduktion ankurbeln, indem Sie:
lachen
Freundschaften pflegen
Zeit in der Natur verbringen
Sport treiben – ohne dabei ins Extrem zu gehen.


WIE WIR AUF STRESS REAGIEREN
Obwohl unsere biologischen Grundlagen die gleichen sind, reagiert jeder Mensch aufgrund seines genetischen Erbes und seiner Erfahrungen unterschiedlich auf Stress.
Tierversuche haben ergeben, dass im Gehirn des Nachwuchses gestresster Mütter bleibende Schäden entstehen, die eine höhere Anfälligkeit für Stress bewirken. Das Verhalten der Eltern beeinflusst nämlich die Empfänglichkeit ihrer Kinder für Stress und auch die Art, wie diese ihn bewältigen. Kinder folgen den Taten, nicht den Worten ihrer Eltern, und dank der Neuroplastizität hinterlässt das, was wir in unseren prägenden Jahren lernen, bleibende Spuren. Wenn ein Kind mit Angststörungen zu mir in die Praxis kommt, muss ich deshalb oft zuerst den unter Ängsten leidenden Elternteil behandeln, bevor ich mich um das Kind kümmern kann.
Junge Menschen sind außerdem mit einer stressigeren Welt konfrontiert. Der Druck, den Gruppenzwang, soziale Medien, Schule, Prüfungen, Selbstwertgefühl, familiäre Probleme und die Jobsuche in einer wettbewerbsorientierten, volatilen Wirtschaft ausüben, ist heute meist schwerer auszuhalten als damals bei uns. Die Veränderungen des Hormonhaushalts und der eigenen Rolle sorgen bei Heranwachsenden für zusätzlichen Stress, Angstgefühle und sogar Depressionen. Ja, die Belastungen, die das simple »Erwachsenwerden« mit sich bringt, sind sehr stark mitverantwortlich für das Ausbilden psychischer Störungen. Der WHO zufolge machen psychische Erkrankungen weltweit bei den 10- bis 24-Jährigen etwa die Hälfte aller Krankheiten aus. Wir sollten uns daher bewusst machen, wie wir uns verhalten, und welchen Belastungen unsere Kinder ausgesetzt sind, dann können wir sie dabei unterstützen, gesund zu bleiben und alles gut zu bewältigen.
EIN MODELL FÜR UNSERE STRESSREAKTION
Das transaktionale Stressmodell von Lazarus und Folkman macht unseren Stress an den Interaktionen mit unserer Umwelt fest. Diesem Modell zufolge beinhaltet unsere Reaktion auf jeden Stressor:
die Bewertung seines Schweregrads
die Beurteilung, wie gut wir mit ihm umgehen können.
Mir gefällt dieses Modell, weil es berücksichtigt, dass eine bestimmte Bedrohung für jeden von uns etwas anderes bedeutet. Es ist unsere Wahrnehmung, die daraus einen Rückschlag, eine Herausforderung oder eine gute Gelegenheit macht. Außerdem kann man das Modell zur Erklärung stressbasierter Erkrankungen heranziehen. Menschen mit einer Angststörung (also mit krankhaftem Stress) etwa haben eine verzerrte Wahrnehmung der Welt. Je stärker sie von negativen Ereignissen ausgehen und je mehr sie davon überzeugt sind, diese nicht meistern zu können, desto schwerwiegender sind ihre Symptome. Sobald sie ihre Wahrnehmung vermeintlicher Bedrohungen ändern und/oder an ihren Bewältigungsstrategien arbeiten, geht es ihnen besser.

Aus meinem Leben: Kurze Lektionen in Sachen Stress
2 | EINE LEKTION ÜBER HUNDE
von Matthew Johnstone
Auf einer Reise durch die USA wurde ich zu einer Surftour nach Baja California in Mexiko eingeladen, der kleinen Landzunge, die südlich an San Diego und Tijuana grenzt. Baja ist karg und trocken … man kann aber hervorragenden Hummer essen und Wellen reiten. Bedauerlicherweise konnte ich nicht Wellenreiten.
Eines Nachmittags machte ich mich auf zu einer langen Wanderung entlang eines felsigen Küstenwegs. Nach etwa einer Stunde stieß ich auf ein auf einer Felskuppe gelegenes Häuschen mit Blick aufs Meer. Um die Wanderung fortzusetzen, musste ich durch den Hinterhof, und da ich nicht unbefugt eindringen wollte, rief ich freundlich »Hola!«. Die Antwort waren wütendes Gebell und Pfotengescharre. Auf einmal kamen zwei kleine Pudel und ein riesiger Pitbull auf mich zugerast. Die Pudel ließen sich zurückfallen und kläfften: »Unser Kumpel wird dich richtig fertigmachen!«
Der Pitbull hatte die Ohren angelegt, fletschte die Zähne und knurrte. Da ich mit Hunden aufgewachsen bin, wusste ich, dass sie Angst spüren und darauf reagieren. Während er mich umkreiste, holte ich also tief Luft und sagte so ruhig und aufmunternd wie irgend möglich: »Buen muchacho, buen muchacho!« (Braver Hund, guter Hund.) Hunde reagieren wohl eher auf den Tonfall als auf Worte – mein Glück, denn mein Spanisch ist miserabel! Anstatt mir meinen Fuß zu amputieren, beschnüffelte er ihn, hob das Bein und pinkelte mir auf die Turnschuhe. Das hielt ich ehrlich gesagt für einen ziemlich guten Ausgang, und so sagte ich noch einmal: »Buen muchacho!« Mit hoch erhobenem Kopf trottete der Pitbull mit seinen kleinen Amigos von dannen.
Nach Weiterwandern war mir nun nicht mehr zumute, also stapfte ich mit schmatzenden Schuhen zurück ins Lager.
DIE MORAL VON DER GESCHICHTE
Bekommen wir in einer stressigen Situation die eigene Reaktion auch nur ein Stück weit in den Griff, wendet das alles zum Guten.

DIE GESCHICHTE VON CARL WOZU STRESS DIE MENSCHEN BRINGEN KANN
Unsere Bewältigungsstrategien haben einen ebenso starken Einfluss auf unser Stressempfinden wie unsere biologischen Voraussetzungen. Wie mein ehemaliger Klient Carl mit seinen Belastungen umging, hat – wie er selbst sagt – beinahe sein Leben ruiniert. Seine Geschichte ist ein abschreckendes Beispiel dafür, wie wir nicht versuchen sollten, Stress zu bewältigen.
Mit 35 war Carl ein profilierter leitender Angestellter eines börsennotierten Unternehmens und trug die Verantwortung für einen Jahresumsatz von 250 Millionen Dollar. Als ich ihn kennenlernte, war er von seiner Frau, mit der er 14 Jahre verheiratet gewesen war, und seinen beiden kleinen Kindern weggezogen. Er lebte aus dem Koffer im Wohnzimmer seines Cousins. Dort war gerade genug Platz für ein schmales Bett und einen Sessel, den er als Nacht-, Frisier- und Ablagetisch für sämtliche übrig gebliebenen Habseligkeiten nutzte.
Carls Persönlichkeit war beeindruckend – charmant, besonnen und charismatisch. Er konnte super mit Menschen umgehen, war der geborene Verkäufer und inspirierte seine Mitmenschen, es ihm gleichzutun. Wegen seiner durchgängig herausragenden Verkaufsleistungen wurde er zum landesweiten Vertriebsleiter befördert. Kurz bevor ich ihn kennenlernte, hatte ihn allerdings sein gesunder Menschenverstand verlassen. Einige Stressoren hatten sich bei ihm aufbauen und vervielfachen können, denn er war alles andere als gut mit ihnen umgegangen. Er hatte begonnen, den jeweils einfachsten Weg zu nehmen, hatte mehr Zeit im Büro und weniger Zeit daheim verbracht und seine Familie gemieden, weil er das Gefühl hatte, er würde ihr nicht gerecht.
Er meinte, er mache sich innerlich ständig Druck, als fleißig und erfolgreich dazustehen, deswegen habe er sich nie Zeit für sich selbst genommen. Er ist nicht mehr ins Fitnessstudio gegangen, hat sein Basketballteam verlassen und keine Abendspaziergänge mehr mit Frau und Kindern gemacht. Er aß nur noch unregelmäßig, viel Fertigkram und wenig nährstoffreich. Er wandte sich Alkohol und Drogen zu, um die obligatorische »Kundenbespaßung« besser durchzustehen. Von seiner Frau fühlte er sich missverstanden und entfremdet, und er begann eine Affäre mit einer Kollegin allein aus dem Grund, dass »wir so viel Zeit zusammen verbrachten und sie mich zu verstehen schien«. Er erzählte, er habe sich derart geschämt, dass er sich jeden Abend mit noch mehr Alkohol und Drogen betäuben musste.

Carls Tage waren lang, hart und ohne Pause. Sein Telefon begann um 7 Uhr früh zu klingeln und verstummte erst wieder gegen 8, 9 Uhr abends. Er hatte das Gefühl, »allem verzweifelt hinterherzuhecheln« oder »alles mechanisch zu erledigen, ohne jemals vorwärtszukommen«. Obwohl er im Büro noch immer »der Erfolgreichste« war, fühlte er sich so elend wie nie zuvor. Die Sonntage, seine einzigen freien Tage, verbrachte er mit seinen Kindern und unternahm hin und wieder Ausflüge mit ihnen, doch für keinen war das eine wirklich lustige oder bereichernde Erfahrung. Seine ganze Familie wurde in Mitleidenschaft gezogen.
Eines Tages hatte Carl wieder einmal einen Mahnbescheid wegen Geschwindigkeitsüberschreitung in der Post, doch diesmal entzog man ihm die Fahrerlaubnis für drei Monate, weil er zu viele Punkte angesammelt hatte. Für Carl war das die totale Katastrophe – er brauchte seinen Führerschein, denn er musste sich regelmäßig mit den Vertriebsleitern im ganzen Land treffen. Das setzte Carl noch mehr unter Druck, und so heckte er den Plan aus, einen Kollegen eine eidesstattliche Erklärung unterschreiben zu lassen, dass dieser der Raser gewesen sei, nicht er selbst.
Wie jeder weiß, machen Lügen alles nur noch schlimmer. Carl diskutierte seinen Plan mit dem Firmenanwalt, der ihm bei der Führerscheinrettung behilflich sein sollte. Was Carl nicht wusste: Die Firma wollte den Anwalt kündigen, also nutzte dieser Carls Lügengeschichte, um seiner Abfindungsforderung Nachdruck zu verleihen. Daraufhin wurde Carl mit Kündigung gedroht, wenn er die Dinge nicht ganz schnell wieder in Ordnung brachte.
Die folgenden Wochen waren für Carl »die absolute Hölle« – alles, wofür er in der Vergangenheit so hart gearbeitet hatte, schien zusammenzubrechen. Polizei und Vorstand musste er den Betrugsversuch beichten, wodurch er und sein Kollege in ernsthafte Schwierigkeiten kamen und ihre Vertrauenswürdigkeit verloren. Aufgrund seiner schlechten Bewältigungsstrategien und der miesen Entscheidungen, die er in der stressigen Situation getroffen hatte, schien der tiefe Fall von der Spitze, für die er Gesundheit, Familie und Selbstachtung geopfert hatte, unvermeidlich.
Carls Geschichte zeigt uns, wie anfällig der Stress uns dafür macht, wichtige Menschen wegzustoßen und Notlösungen zu suchen, welche die Probleme nur vergrößern. Schuld daran ist ein Konstruktionsfehler unseres Gehirns – die für die rationale Entscheidungsfindung zuständige Hirnhälfte wird im Rahmen der Stressreaktion blockiert.
WIE WIR MIT STRESS UMGEHEN
Die Art, wie wir Stress bewältigen, kann unsere Entscheidungsfähigkeit also beeinträchtigen und unseren Stress dadurch noch verschärfen. Werfen wir einen Blick auf die Forschung zum Thema Bewältigungsstrategien (auch »Coping-Strategien« genannt), um zu sehen, ob Sie persönlich Ihren Stress verringern oder verschlimmern.
BEWÄLTIGUNGSSTRATEGIEN
Die Wissenschaft unterscheidet zwischen zwei Formen von Bewältigung oder »Coping« – aktiver und passiver (mehr dazu auf der Seite gegenüber). Wir pendeln zwar zwischen beiden hin und her, doch eine davon ist unser Standardmodus.
Wenn wir uns gestresst fühlen, würden wir am liebsten solange den Kopf in den Sand stecken, bis das Problem verschwindet, doch diese passive Herangehensweise macht meistens alles schlimmer. Dann flattern letzte Mahnbescheide ins Haus, verschärft sich die finanzielle Notlage, verschlechtern sich die Beziehungen noch weiter, und unsere Sorgen werden immer größer.
Männer wie Frauen verdrängen gerne ihren Stress, doch die Art und Weise, wie sie ihn verdrängen, unterscheidet sich voneinander. Männer schauen üblicherweise Sport oder Pornos, während Frauen eher shoppen gehen oder sich mit Freundinnen auf einen Kaffee oder einen Wein treffen. Gestresste Männer, insbesondere diejenigen, die ohnehin schon niedergeschlagen sind, betäuben gerne ihre Gefühle oder spielen mit dem Feuer. Sie trinken oder nehmen Drogen, zocken um Geld, gehen fremd oder prügeln sich. Beide Geschlechter greifen gern zu Alkohol und Zigaretten, Frauen neigen außerdem zu übermäßigem Essen, um mit Stress fertigzuwerden.
PASSIVE BEWÄLTIGUNGSSTRATEGIE
Hier tun wir nicht viel, sondern warten und hoffen, dass die Situation besser wird oder sich von alleine auflöst. Wir umgehen das Problem, verkriechen uns oder tun so, als ob alles nicht so schlimm wäre. Auch Vermeidungsverhalten wie Alkoholoder Drogenkonsum, Frustessen oder übermäßig viel Schlaf gehören dazu.

AKTIVE BEWÄLTIGUNGSSTRATEGIE
Hier unternehmen wir entweder selbst etwas, um das Problem zu lösen, oder wir holen uns Hilfe und Unterstützung von anderen. Die aktive Bewältigungsstrategie ist so ziemlich das genaue Gegenteil der passiven. Anfangs fürchten wir uns womöglich etwas davor, aber diese Strategie verleiht uns das Gefühl, unser Leben selbst in der Hand zu haben. Sie schenkt uns das nötige Selbstvertrauen, um die richtigen, unsere Situation verbessernden Entscheidungen zu treffen und dadurch unserem Stress entgegenzuwirken.

Anfangs mag all dies das Leid erfolgreich lindern, doch da wir mit diesen Stressreaktionen negative Emotionen verknüpfen, entstehen ungute Bewältigungspfade im Gehirn. Diese bauen noch mehr Stress auf, sobald die positiven Effekte nachlassen – durch erhöhten Blutdruck, größere innere Unruhe, gestörten Schlaf oder noch mehr zwischenmenschlichen oder finanziellen Druck.
Sich abzulenken (Serien schauen, im Netz surfen, Musik hören, in den sozialen Medien unterwegs sein) oder sich abzuschotten, sind andere beliebte Verdrängungstaktiken. Sich die Decke über den Kopf zu ziehen, mag sich anfangs gut anfühlen, doch es macht uns einfach nur müde. Mit der daraus entstehenden Lethargie können wir uns schlechter fokussieren und sind noch weniger in der Lage, mit dem jeweiligen Stressor umzugehen. Wenn wir uns isolieren, bringen wir uns außerdem um Trost und Unterstützung von Seiten unserer Familie und Freunde. Und wir können unseren Stress nicht in einen Kontext einordnen – das Leben besteht aus so viel mehr als nur diesem einen Moment oder Umstand.

WIE WIR UNS NOCH MEHR STRESS HERBEIDENKEN
Selbst wenn wir die meiste Zeit eine eher aktive Bewältigungsstrategie verfolgen, können wir unserer Wahrnehmung zum Opfer fallen, die mitunter Probleme sieht, wo gar keine sind. Studien haben gezeigt, dass unser Verstand eine Menge Denkfehler und falscher Annahmen macht, d. h. viele unserer Stressoren sind nur eingebildete Stressoren, sie existieren nicht wirklich.
Der Trick besteht darin, zu erkennen: Es sind unsere Gedanken, nicht die realen Umstände, die die Emotion und die Stressreaktion herbeigeführt haben. Sobald wir unseren Gedanken nicht mehr uneingeschränkt glauben, kann die Emotion abflauen, der problemlösende Teil unseres Gehirns reaktiviert und letztendlich das Problem gelöst werden.
Es ist nicht ganz leicht, den wachsamen Pförtner für unsere Gedanken zu spielen, wenn uns jeden Tag Zehntausende davon durch den Kopf schießen! Die überwältigende Mehrheit unserer Gedanken ist, so wird vermutet, negativ und repetitiv. Unsere Gedanken sind also nicht nur negativ und kreisen um Dinge, die entweder gar nicht passieren oder uns keinen Schaden zufügen werden, sondern es sind auch noch die gleichen wie am Tag zuvor. Fazit: Wir müssen uns dessen bewusst sein, auf welche Weise der Verstand um Aufmerksamkeit buhlt.


FALSCHE ANNAHMEN UND DENKFEHLER
Hier ist eine Liste der falschen Annahmen und Denkfehler, die unser Verstand Tag für Tag produziert, Minute für Minute, Sekunde für Sekunde. Wie viele davon haben Sie heute schon abgehakt?
KATASTROPHISIEREN Alles über Gebühr aufblasen: aus einer Mücke einen Elefanten machen. Sie gehen vom Schlechtesten aus und denken sich die schlimmstmöglichen Katastrophen aus, die aus einer relativ kleinen Sache erwachsen könnten.
SCHWARZ-WEISS-DENKEN Auch Alles-oder-nichts-Denken oder dichotomes Denken genannt: ein Denken ausschließlich in Extremen, ohne Schattierungen und Zwischenstufen. Sie neigen dazu, sich selbst, die anderen und einfach alles als entweder komplett falsch oder komplett richtig, komplett gut oder komplett böse zu betrachten.
PERSONALISIEREN Zu denken: »Das ist alles mein Fehler«. Sie geben sich selbst die Schuld an allem, was falsch läuft, auch wenn Sie nur zu einem Teil oder überhaupt nicht verantwortlich sind.
VOREILIGE SCHLÜSSE ZIEHEN Auf der Basis von »Gedankenlesen« oder »Wahrsagen«. Sie gehen gewohnheitsmäßig von etwas Negativem aus, auch wenn es dafür keine wirklichen Anhaltspunkte gibt. Sie glauben, die (negativen) Gedanken oder Absichten anderer lesen zu können (»Sie hält mich für einen Versager«). Sie haben auch den Eindruck, eine Zukunft voraussehen zu können, in der alles übel kommen wird (»Ich werde garantiert gefeuert«).
SELEKTIVE AUFMERKSAMKEIT Nicht das große Ganze sehen. Sie fokussieren sich auf die negativen Aspekte einer Situation und vergessen, ignorieren oder leugnen sämtliche positiven Aspekte. Ein typisches Beispiel von »Tunnelblick«.
SOLLEN- UND MÜSSEN-SÄTZE Sie haben unrealistische Erwartungen und setzen sich selbst und die anderen unter unnötigen Druck. Sie benutzen die Formulierungen »Ich sollte« und »Ich muss«, um an diesen starren Erwartungen festzuhalten.
ETIKETTIEREN Sie geben sich oder anderen häufig aufgrund einiger weniger Vorkommnisse abfällige Bezeichnungen. Am häufigsten in etwa so: »Ich bin ein Idiot/Lügner/Betrüger« oder »ein schlechter Partner/Sohn« etc.
ÜBERGENERALISIEREN Sie übertragen ein bestimmtes Vorkommnis aus der Gegenwart oder Vergangenheit auf jede andere Situation. Sie verwenden Satzbausteine wie »Ich konnte noch nie …«, »Du machst andauernd …«, »Die lassen immer …«. Diese Generalisierungen treffen niemals zu.
EMOTIONALE BEWEISFÜHRUNG Die Welt ausschließlich durch eine emotionale Brille sehen. Sie lassen Ihre Gefühle bestimmen, wie Sie eine Situation oder sogar sich selbst einschätzen. Was kein Problem ist, wenn man ruhig und konzentriert ist, bei Stress und Niedergeschlagenheit jedoch zu einem echten Problem wird, denn dann leiten Sie alles aus Ihren Gefühlen ab und ignorieren dabei die Fakten: »Ich fühle mich wie eine Versagerin, also bin ich auch eine«.
MAXIMIEREN UND MINIMIEREN Sie lobpreisen das Können anderer und schmälern gleichzeitig Ihre eigenen Fähigkeiten und Leistungen, indem Sie sagen, das Erreichte sei Zufall oder Glück gewesen. Sie übertreiben die negativen Aspekte einer Situation, ihre positiven Aspekte hingegen ignorieren Sie oder spielen Sie herunter.
DENKFEHLER ÜBERLISTEN
Wenn Sie bemerken, dass ein Denkfehler Sie blockiert und Ihren Stressometer aufheizt, ist das hier Ihre Notfallmaßnahme.
ÜBUNG: GEDANKEN SIND KEINE FAKTEN
Stellen Sie sich ein Sofa vor. Nicht irgendeines, sondern das atemberaubend schönste und bequemste Sofa, das Sie herbeifantasieren können. Fangen wir mit der Farbe an – uni oder gemustert? Dann das Gestell – aus Metall oder Holz? Und welches Material – schweres Leder oder weicher Stoff? Wie viele Menschen finden darauf Platz? Welche Kissen liegen darauf? Hat es eine verstellbare Rücklehne oder eine Massagefunktion? Stellen Sie sich in den nächsten paar Minuten Ihr ganz persönliches Traumsofa vor, von Ihnen und für Sie designt.
Und dann setzen Sie sich auf dieses Sofa und lesen weiter … Was soll das heißen, Sie können das nicht?
Klar können Sie nicht. Trotz der ganzen Geistesarbeit ist dieses wunderbare Sofa natürlich nur ein Gedanke und damit – wie jeder andere Gedanke, den Sie jemals hatten oder haben werden – nicht echt.

Gedanken sind keine Fakten. Keine Befehle, die wir befolgen müssen. Keine universalen oder absoluten Wahrheiten, kein Grund zur Furcht. Sie sind lediglich das Resultat elektrischer Aktivität zwischen einer Anzahl von Neuronen (Nervenzellen) in unserem Gehirn, mit der wir eine Geschichte zusammenbauen. Und sämtliche Gedanken über uns selbst – wie schlecht oder unzulänglich wir sind – sind genauso real wie jenes Sofa. In stressigen Phasen, wenn unser Denken oft ziemlich irrational wird, produzieren wir noch mehr negative Gedanken über uns selbst, was auf die Stimmung drückt und uns noch mehr gefährdet.


STRESS UND DAS ABC-MODELL
Wir alle schieben unser Unglück hin und wieder (oder immer!) auf die anderen, die Umstände, die Gene oder gar den Staat. Im Fachjargon heißt das externale Kontrollüberzeugung, wir übernehmen also keine Verantwortung für das, was uns geschieht. So zu denken, ist problematisch, denn dann fühlen wir uns ganz tief im Innern der Gnade der Welt ausgeliefert und nicht als Herr unseres Schicksals. Ganz eng mit dieser Idee verknüpft ist auch der weit verbreitete Glaube, dass das, was uns geschieht, ein gutes, schlechtes oder anderweitiges Gefühl in uns auslöst. Dabei ist es unsere Interpretation des Geschehnisses, das ein bestimmtes Gefühl in uns auslöst.

Dazu ein Beispiel: Ihre Chefin behandelt Sie ungerecht – sie heimst nach einem erfolgreichen Projektabschluss die ganzen Lorbeeren allein ein, obwohl dieser Erfolg Ihrer harten Arbeit zu verdanken war. Eine mögliche Schlussfolgerung daraus wäre, dass Ihre Chefin Sie verärgert. Tatsache ist jedoch, dass nicht Ihre Chefin Sie verärgert. Sie war zwar respekt- und gefühllos, doch verärgert hat Sie allein Ihre Wahrnehmung, Ihre Interpretation der Geschehnisse. Es bedarf also immer eines Zwischenschritts. Ihrer Chefin gehen Sie jetzt vielleicht erst mal aus dem Weg oder Sie stecken nicht mehr so viel Arbeit in ihr nächstes Projekt – aber den Schlüssel zu Ihren Gefühlen sollten Sie ihr nicht aushändigen.
Die von Aaron Beck und Albert Ellis in den 1960er-Jahren entwickelte Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) liefert uns ein tragfähiges Gerüst, mit dem wir unsere Reaktionen auf Ereignisse überprüfen können, indem es jede Situation in klare Schritte zerlegt.
1. SCHRITT: AUSLÖSENDES EREIGNIS
Das Ereignis, das vorgefallen ist.
2. SCHRITT: BEURTEILUNG
Wie wir das Ereignis bewerten bzw. interpretieren.
3. SCHRITT: KONSEQUENZEN
Unsere Gedanken, Emotionen, Gefühle und Verhaltensweisen.
Wie wir das ABC-Modell anwenden
Wenn wir jedes Ereignis, das uns bekümmert, auf die grundlegenden ABC-Komponenten herunterbrechen, erkennen wir, wo unsere Denkweise ein wenig verzerrt ist und was daran uns womöglich Stress bereitet. Nutzen Sie die einfache Tabelle auf der gegenüberliegenden Seite zur Klärung Ihrer Gedanken und Gefühle, wenn ein Ereignis eine starke Emotion (und meist auch eine starke Reaktion) hervorruft.
Achten Sie auf all die Denkfehler (in Klammern), die unsere Emotionen und Gefühle steuern und damit unser Verhalten beeinflussen. Sie bringen uns dazu, den uns unterstützenden Menschen auszuweichen und die Aufgabe selbst zu verdrängen (also eine passive Bewältigungsstrategie zu nutzen). Sie können sich auch auf unsere Ruhezeiten auswirken und für körperlichen Stress sorgen.
Das Erlernen des neuen ABCs erfordert ein wenig Übung, besonders weil wir so gewohnt sind, auf das Ereignis zu reagieren und nach Umständen und Menschen zu suchen, denen wir die Schuld zuschieben können. Doch sobald Sie den Dreh raus haben, sind Sie merklich weniger reaktiv, haben Ihre Emotionen besser im Griff und fühlen sich viel weniger gestresst!

Bei Gedanken, Gefühlen und Emotionen handelt es sich keineswegs um Fakten.
SELBSTCOACHING: ÜBERPRÜFEN SIE IHRE GEDANKEN
Indem wir quälende Gedanken überprüfen, können wir ihren Einfluss auf unsere Stimmung und auf unser Handeln erwiesenermaßen verringern. Wenn wir überarbeitet, gestresst oder einfach nur müde sind, kann die Überprüfung der Gedanken den entscheidenden Unterschied bewirken, wie es uns damit geht.
Bevor Sie mit diesem Selbstcoaching beginnen, stellen Sie sich zunächst die folgenden beiden Fragen:
Löst dieser Gedanke in mir ein besseres oder ein schlechteres Gefühl aus?
Hilft mir dieser Gedanke beim Planen der nächsten Schritte oder entmutigt er mich und hält mich davon ab, etwas zu unternehmen?
Wie Sie Ihre Gedanken überprüfen
Wenn Sie feststellen, dass Ihnen der Gedanke ein schlechtes Gefühl gibt und Sie vom notwendigen Handeln abhält, ist das Überprüfen der Gedanken eine gute Maßnahme, um zu einer realistischeren Sichtweise auf sich selbst oder Ihre Situation zu gelangen. Holen Sie sich dafür Ihr NOTIZBUCH.
1. Schritt
Notieren Sie, was Ihnen auf die Stimmung schlägt
Zum Beispiel: »Mein Chef gab mir meinen Bericht mit einem Haufen Korrekturen zurück.«
2. SCHRITT
Notieren Sie, welche Gefühle das in Ihnen auslöst
Nehmen Sie die Wörter, die Ihnen sofort in den Kopf schießen, ob positiv oder negativ. »Beschämt« und »besorgt« könnten das bei obigem Beispiel sein. Andere typische Begriffe: erfreut, glücklich, zufrieden, akzeptierend, überrascht, bekümmert, verärgert, frustriert, gestresst, traurig oder wütend.
3. SCHRITT
Notieren Sie Ihre negativen oder nicht konstruktiven Gedanken
Was geht Ihnen durch den Kopf? Was genau beunruhigt Sie an dieser Situation? Zum Beispiel: »Mein Chef denkt bestimmt, dass ich nichts kann und nichts bringe. Was, wenn ich gefeuert werde? Wie soll ich dann Miete und Essen bezahlen? Das stellt mein ganzes Leben auf den Kopf!«
Sich ein paar vernünftige Fragen zu stellen, bringt unsere Gedanken wieder ins Gleichgewicht und trägt dazu bei, den Stress herunterzufahren.
4. SCHRITT
Beruhigen Sie sich und spüren Sie alle Ihre Denkfehler auf (vergleiche Seite 47)
Bei unserem Beispiel wären das: Katastrophisieren, das Ziehen voreiliger Schlüsse, außerdem Übergeneralisierung und zur Abrundung noch ein Schuss Schwarz-Weiß-Denken. Ganz schön viele Denkfehler für eine einzige Situation!
5. SCHRITT
Suchen Sie sich 3 Fragen aus dieser Liste aus
Notieren Sie anschließend Ihre Antworten.
Basieren Ihre Gedanken auf Fakten? Welche sind diese Fakten?
Ließe sich vernünftiger / ausgewogener / konstruktiver darüber nachdenken?
Ist die Situation wirklich so schlimm, wie Sie es sich gerade vorstellen?
Liegen Sie richtig, bloß weil Sie etwas vermuten?
Ließe sich alles auch in einem anderen Licht betrachten?
Wie würden andere Menschen die Situation sehen? Wie würden sie das Ganze bewerten?
Fokussieren Sie sich vielleicht auf die negativen Aspekte und ignorieren alles andere?
Welche positiven Aspekte haben Sie bislang nicht bemerkt?
Was könnten Sie unmittelbar jetzt unternehmen, um mit dieser Situation besser umgehen zu können?
Was wäre das Schlimmste, das passieren kann? Wie wahrscheinlich ist das? Und falls es passieren würde, wie könnten Sie damit fertigwerden?
Wie geht das Ganze im schlimmsten, im besten und im wahrscheinlichsten Fall aus?
Übergeneralisieren Sie vielleicht?
6. SCHRITT
Formulieren Sie eine ausgewogenere und realistischere Sichtweise Ihrer Situation
Verwenden Sie hierzu die Antworten auf die von Ihnen im 5. Schritt ausgewählten Fragen, zum Beispiel: »Mein Chef ist bislang immer zufrieden mit meiner Arbeit gewesen, also ist es wohl eher unwahrscheinlich, dass ich wegen dieses einen Berichts gefeuert werde. Korrekturen habe ich schon immer mal von ihm bekommen, wobei sein Feedback stets nützlich und niemals pingelig und kleinlich war. Einen persönlichen Hintergrund hatte es daher wohl kaum. Ich habe öfter zu hören bekommen, wie schwierig dieses Projekt doch sei, wenn mein Chef es mir anvertraut hat, wird er also kaum denken, dass ich nichts kann.«
Eine ausgewogenere Reaktion ist demnach: »Ich muss die Anmerkungen meines Chefs genau durchgehen und schauen, ob ich daraus etwas lernen kann. Wenn ich mir wegen irgendetwas nicht sicher bin, kann ich immer noch nachfragen.«
7. SCHRITT
Betrachten Sie Ihre Gefühle jetzt nochmals
Sie könnten zum Beispiel denken: »Ehrlich gesagt bin ich noch immer etwas enttäuscht, dass ich nicht gleich alles richtig gemacht habe – aber ich bin perfektionistisch veranlagt, also ist das kein Wunder. Ich kann die Rückmeldung nun besser annehmen und fühle mich tatkräftiger und weniger besorgt.«
Aus meinem Leben: Kurze Lektionen in Sachen Stress
3 | EINE LEKTION ÜBER EIN BUCH
von Matthew Johnstone
Im Jahre 2009 arbeitete ich wie wild an dem Buch The Alphabet of the Human Heart: The A to Zen of Life, das ich gemeinsam mit meinem Kindheitsfreund James Kerr schrieb, der mich übrigens auch dazu gebracht hatte, in die Werbung zu gehen. James ist ein hervorragender Autor, und in meinen Augen war er genau der Richtige für dieses Buch.
Es waren nur noch wenige Monate bis zum Abgabetermin bei unserem Verlag, und mein Perfektionismus und Stressgefühl hatten leider den Höhepunkt erreicht. Ich hatte zur Entlastung eine Grafikerin engagiert, doch – oh Wunder! – es klappte nicht mit ihr, also entließ ich sie. James arbeitete vor sich hin, aber ich hatte noch nichts davon gesehen, und das machte mich nervös. Da er in London lebt, konnten wir außerdem nur ganz früh morgens oder spätabends miteinander sprechen. Ich konzipierte, illustrierte, gestaltete, versuchte, mit John in Kontakt zu bleiben – und hatte zunehmend weniger Spaß.
Eines Abends rastete ich dann aus und knallte John folgende E-Mail hin: »Kann nicht schlafen. Macht mir alles keinen Spaß mehr. Abgabetermin wird nicht klappen, taugt bestimmt eh alles nichts. Hasse meine Zeichnungen.« Kleine Warnung: Bei loderndem Zorn oder akutem Stress bloß keine E-Mails verschicken, denn Tonfall kann man nicht lesen. Für James muss sie ziemlich überraschend gekommen sein, schließlich hatte ich bislang keine Zweifel geäußert.
Von Zeit zu Zeit haben wir Offenbarungen, uns überkommt etwas oder wir werden wie vom Blitz getroffen. Das passiert aufgrund eines zufällig mitangehörten Gesprächs, einer Überschrift oder eines Graffitos. Bei mir war es die wohlüberlegte Antwort von James. Seine E-Mail lautete ganz einfach: »Lies das verdammte Buch!«
Das war ehrlich gesagt ein äußerst kluger Ratschlag. James hatte absolut recht. Im Buch ging es um Sinnhaftigkeit, Zielgerichtetheit und Ausgeglichenheit, und ich setzte nichts von dem um, was ich schrieb. Keiner hämmerte an meine Tür und schrie: »Wo bleibt das Buch?«. James sagte nicht: »Deine Zeichnungen und Ideen sind totaler Mist!« Da war bloß ich, und ich quälte mich selbst.
Als ich die E-Mail las, musste ich laut loslachen. Ich fuhr sofort den Computer herunter und machte mich daran, mich um mich selbst zu kümmern. Ich schwor mir, nie wieder derart neben die Spur zu geraten, und das ist ehrlich auch nie wieder passiert.
DIE MORAL VON DER GESCHICHTE
In kurzen Sätzen steckt mitunter große Weisheit.


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