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Maria Lohmann

Natürliche Hausmittel

Bewährte Erfolgsrezepte aus der Naturheilkunde

Verlag Neuer Merkur GmbH

Impressum

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Alle Seitenangaben im Buch beziehen sich auf die gedruckte Ausgabe.

Maria Lohmann

Natürliche Hausmittel – Bewährte Erfolgsrezepte aus der Naturheilkunde

ISBN 978-3-941717-53-4

April 2013 /Januar 2019

Titelgestaltung: Martina Stolzmann

Titelfoto: Fotolia/djama

Autorenfoto: Manfred Schür, München

Layout: Martina Stolzmann

E-Book: Mirjam Hecht

Inhalt

Impressum

Vorwort

1. Krankheiten und Beschwerden – Die besten naturheilkundlichen Rezepte und Heilmittel

1.1 Immunsystem

1.2 Augen

1.3 Kopf

1.4 Gelenke, Muskulatur und Rücken

1.5 Frauenbeschwerden

1.6 Haut und Schleimhaut

1.7 Herz, Kreislauf und Gefäße

1.8 Nervensystem und Psyche

1.9 Stoffwechsel

1.10 Verdauungssystem

1.11 Mund und Zähne

2. Soforthilfe aus der Naturapotheke

2.1 Beulen

2.2 Eingewachsene Zehennägel

2.3 Gerstenkorn

2.4 Insektenstiche

2.5 Nagelbett- und Nagelfalzentzündung

2.6 Nasenbluten

2.7 Pseudokrupp

2.8 Quallenalarm

2.9 Raucherentwöhnung

2.10 Sonnenbrand

2.11 Verbrennungen / Verbrühungen

2.12 Wadenkrampf

2.13 Zahnschmerzen

3. Gut aussehen / Schönheitspflege

3.1 Kleopatra-Bad

3.2 Ganzkörperpeeling

3.3 Gesichtspflege

3.4 Vitaminreiches Öl

3.5 Trockene Lippen

3.6 Schuppen und juckende Kopfhaut

3.7 Packung für luftige Haare

3.8 Haarspülungen

4. Wirkstoffe aus der Natur für die Hausapotheke

4.1 Einfache Heilmittel aus Küche und Vorratskammer

4.2 Einfache Heilmittel selbst herstellen

5. Natürliche Heilmittel und Heilmethoden

5.1 Akupressur – kleine Punkte, große Wirkung

5.2 Wasser als Heilmittel

5.4 Packungen

5.5 Eigenurintherapie - äußere Anwendung

5.6 Homöopathie

Glossar

Literatur

Adressen

Register

Vorwort

Mehr und mehr Menschen versuchen, sich bei einfachen Alltagsbeschwerden selbst zu kurieren. Angesichts knapper Kassen im Gesundheitswesen gewinnen präventive und unkomplizierte, aber wirkungsvolle Behandlungsmethoden zunehmend an Bedeutung. Dazu kann auch dieses Buch einen kleinen Beitrag leisten. Mit verblüffend einfachen Mitteln, die wenig oder nichts kosten, lassen sich viele harmlose Beschwerden rasch in den Griff bekommen. Oft können die Mittel auch helfen, die Zeit bis zum Besuch bei einem Arzt oder Heilpraktiker zu überbrücken.

Gesundheit für Eilige

Gehören Sie auch zu den Menschen, die wenig Zeit haben, aber trotzdem Wert auf eine naturheilkundliche Behandlung legen? Dieses Buch macht es Ihnen leicht. Es enthält keine aufwendigen Teemischungen, keine komplizierten Hausmittel, deren Zubereitung und Anwendung mit viel Mühe verbunden sind; auch mit hohen Apothekenrechnungen oder großangelegter Vorratshaltung müssen sie nicht rechnen – hier geht es um schnelle, zuverlässige und preiswerte Hilfe auf natürlichem Wege.

Grenzen der Selbstbehandlung

Dieses Buch hilft bei der Selbstbehandlung, zeigt aber auch ihre Grenzen auf. So sollten Sie einen Arzt oder Heilpraktiker aufsuchen, wenn Ihre Beschwerden trotz sorgfältiger Behandlung unverändert anhalten oder sogar schlimmer werden. Warten Sie mit einem Arztbesuch nicht zu lange; denken Sie daran, dass sich hinter zunächst harmlos erscheinenden Beschwerden auch ernsthafte Erkrankungen verbergen können. Eine frühzeitige medizinische Behandlung durch einen Fachmann oder eine Fachfrau kann verhindern, dass aus einer kleinen Störung ein chronisches Leiden wird. Auch wenn eine Krankheit sehr plötzlich auftritt und mit großen Schmerzen einhergeht, sollten Sie einen Arzt oder Heilpraktiker konsultieren.

Einfache Heilmittel mit großer Wirkung

Die Zusammenstellung von Rezepten und Tipps, die Sie in diesem Buch finden, hat ihre Geschichte: Ich habe sie über einen längeren Zeitraum zusammengetragen und getestet. Seit über 20 Jahren beschäftige ich mich mit natürlichen Heilmitteln. Viele Rezepte werden in unserer Familie schon seit Generationen weitergegeben. Andere Heilmittel habe ich von Reisen mitgebracht oder von meinen naturheilkundlichen Lehrerinnen und Lehrern gelernt.

Maria Lohmann

1. Krankheiten und Beschwerden – Die besten naturheilkundlichen Rezepte und Heilmittel

1.1 Immunsystem
1.1.1 Fieber

Fieber tritt im Rahmen von Infektionen auf. Es ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Abwehrmechanismus unseres Körpers, um gegen feindliche Angreifer (Bakterien und Viren) vorzugehen. Aus diesem Grund sollte man Fieber nicht frühzeitig unterdrücken und dem Bedürfnis nach Ruhe und Schlaf Folge leisten.

Viel trinken heißt jetzt die Devise. Bei Fieber ist der Flüssigkeitsbedarf deutlich erhöht: Pro Grad Temperaturerhöhung benötigt der Körper etwa 0,5 Liter mehr Flüssigkeit.

Kalte Abreibung

Ein Klassiker der Fiebertherapie sind kühle Wadenwickel. Einfacher ist eine Abreibung mit kühlem Wasser: Dazu den überhitzten Körper mit einem nassen Waschlappen abreiben, ganz leicht abtrocknen und ab ins Bett. Über das Schwitzen wird das Fieber ausgeleitet.

Körpertemperatur und Fieber

36,0 bis 37,5 °C = normale Temperatur

37,6 bis 38,0 °C = erhöhte Temperatur

über 38,0 °C = Fieber

über 39,0 °C = hohes Fieber

1.1.2 Fieber bei Kleinkindern

Kalte Füße und Hände deuten darauf hin, dass das Fieber noch im Steigen ist. Warme Füße und Hände sind dagegen ein Indiz, dass das Fieber seinen Höhepunkt erreicht hat.

Fußauflagen

Ein Tipp für die ganz Kleinen: Legen Sie eine mit der Schale geriebene rohe Kartoffel auf die Fußsohlen. Mit Socken fixieren.

Abkühlbad

Das Abkühlbad (für Kinder ab einem Jahr) hat bei hohem Fieber oft einen besseren Effekt als Wadenwickel: Wasser in die Badewanne füllen und das Kind vorsichtig hineinlegen. Die Temperatur sollte etwa ein Grad kühler sein als die Körpertemperatur des Kindes. Nun so lange kaltes Wasser nachlaufen lassen, bis die Temperatur noch lauwarm ist (ca. 30 °C). Dauer: etwa 5 bis maximal 7 Minuten. Anschließend das Kind abtrocknen und ins Bett bringen. Darf nur bei gutem Allgemeinzustand gemacht werden. Nicht gegen den Willen des Kindes!

1.1.3 Infektanfälligkeit / Abwehrkräftemangel

Schon der Morgen beginnt mit Stress: zu spät aufgestanden und ohne Frühstück aus dem Haus. Ernährungsfehler, wenig Bewegung und starke Belastungen wie Stress sind bei Erwachsenen wichtige Auslöser für das wiederholte Auftreten von Infekten. Folgende Maßnahmen helfen dem Immunsystem wieder auf die Sprünge:

Immunstimulation

Massieren Sie über einen längeren Zeitpunkt mehrmals täglich den Energiepunkt »Gebogener Graben« (Dickdarmpunkt 11). Winkeln Sie dazu einen Ellbogen an, greifen Sie mit der anderen Hand an die beiden seitlichen Enden der Beugefalte und massieren Sie sanft. Die Massage wirkt immunstimulierend und hilft bei Infektanfälligkeit.

Anregung der Thymusdrüse

Diese Übung stammt aus der Kinesiologie: Klopfen Sie morgens einige Minuten auf die Mitte des Brustbeins. Das regt Ihre Thymusdrüse an.

Die Thymusdrüse befindet sich hinter dem Brustbein. Bis zur Pubertät wächst die Drüse, danach bildet sie sich allmählich zurück. Sie ist Teil des Immunsystems und produziert einen Stoff, der die Bildung von weißen Blutkörperchen anregt.

Ergänzende Tipps

• Raus bei jedem Wetter! Sorgen Sie für viel Bewegung an der frischen Luft.

• Wechselduschen (siehe Seite 95) trainieren das Immunsystem.

• Ernährung: Vitamin C stärkt die Arbeit der körpereigenen Fresszellen, die Bakterien abtöten (enthalten in Johannisbeeren, Zitrusfrüchten, Paprika etc.). Zink beeinflusst ebenfalls das Immunsystem. Es kommt vor in Fleisch, Fisch, Datteln, Milchprodukten und Eiern.

1.1.4 Erkältung im Anmarsch

Sie spüren schon das Kratzen im Hals? Und die Kollegen um Sie herum schniefen und husten? Allerhöchste Zeit, sofort etwas zu unternehmen, damit die drohende Erkältung an Ihnen spurlos vorbeizieht.

Ansteigendes Fußbad

Ein ansteigendes Fußbad wirkt manchmal wahre Wunder: Schüssel oder Fußwanne mit warmem Wasser füllen. Die Anfangstemperatur liegt bei etwa 35 °C und wird innerhalb von 20 Minuten durch zufließendes Wasser auf 40 bis 42 °C gesteigert. Anschließend abtrocknen. Nicht anwenden bei Venenerkrankungen!

Ingwertrunk

Stammt aus der chinesischen Medizin: Frische Ingwerwurzel raspeln, 1 Teelöffel davon mit dem Saft einer Zitrone und einer halben Tasse Wasser erhitzen, mit etwas Honig süßen und so heiß wie möglich langsam in kleinen Schlucken trinken.

Anschließend ab ins Bett und gut zudecken, etwas zum Trinken bereitstellen und am nächsten Morgen (hoffentlich) gesund und fit aufstehen.

Ergänzender Tipp

Um andere Menschen nicht anzustecken, nicht in die Hand niesen oder husten, sondern in die Armbeuge bzw. den Ärmel. Denn wer in die Hände niest, verbreitet die Viren bei jedem Handgriff weiter.

1.1.5 Grippaler Infekt

Zwar sind Erkältungen meist harmlos, die Beschwerden können jedoch äußerst lästig sein. Auf chemische Keulen können Sie getrost verzichten – mit einfachen Mitteln lassen sich die Symptome erheblich lindern oder sogar ganz abwehren.

Setzen Sie auf Salz

Inhalationen mit Salzwasserdampf machen die Atemwege frei, lassen die Schleimhäute abschwellen und befeuchten Nase und Rachenraum: 1 Esslöffel Meersalz in 1 Liter heißem Wasser auflösen, den Kopf über die Schüssel halten und den Dampf tief einatmen. Dabei Kopf und Schultern mit einem Handtuch abdecken. Dauer: etwa 7 bis 10 Minuten, zwei- bis dreimal täglich.

Vitamin C

Ihr Körper braucht jetzt verstärkt Vitamin C: 2 bis 3 Gramm täglich in Form von vitaminreicher Kost wie Zitrusfrüchten, Johannisbeeren, frisch gepressten Säften, Paprika und Petersilie. Abwehrstärkend wirkt auch Vitamin-C-Pulver (Herstellung siehe Seite 90).

1.1.6 Husten

Es gibt verschiedene Arten von Husten: Zu Beginn einer Erkältung leiden wir meist unter einem trockenen Reizhusten, der besonders gut auf Wasserdampf und Inhalationen (siehe oben) anspricht. Danach entwickelt sich häufig ein sogenannter produktiver Husten mit Auswurf und Schleim.

Russischer Heiltrunk

Warmes Bier am Abend lindert den Husten. Erhitzen Sie 250 ml Bier mit 2 Esslöffeln Honig und trinken Sie es möglichst warm. Übrigens: Schmeckt nicht so schlimm, wie es sich vielleicht anhören mag.

Akupressur

Im Grübchen am oberen Rand des Brustbeins liegt der Energiepunkt »Himmelskamin« (Konzeptionsgefäß 22). Mit dem Fingernagel mehrmals täglich hineindrücken.

1.1.7 Bronchitis

Die Schleimhautentzündung der Bronchien wird meist durch Viren hervorgerufen und tritt als Folge von grippalen Infekten oder auch bedingt durch äußere Faktoren wie Rauchen auf. Beruhigend auf die Bronchien wirken:

Bronchial-Packung

Dieses alte Rezept des berühmten römischen Arztes Dioskurides macht die Bronchien frei: 1 Teelöffel Honig, 1 Teelöffel Meersalz und 1 Teelöffel Apfelessig in 1 Liter warmem Wasser lösen, ein Tuch darin tränken, ausdrücken und noch feucht auf die Brust legen. Mit einem Handtuch und der Bettdecke abdecken.

Salz-Zitronen-Inhalation

1 Teelöffel Meersalz mit 2 Esslöffeln frisch gepresstem Zitronensaft und einigen Tropfen (Sonnenblumen-)Öl in 1 Liter heißem Wasser lösen. Dreimal täglich damit inhalieren.

1.1.8 Halsschmerzen

Sowie es im Hals anfängt zu kratzen, wird es Zeit für Gegenmaßnahmen, denn Halsweh ist oft der erste Vorbote für einen grippalen Infekt. Abhilfe schaffen:

Gurgeln mit Salzlösung

Desinfizierend und entzündungshemmend wirkt eine Halsspülung mit einer 1-%-igen Salzlösung (1 Teelöffel Salz auf 1 Glas Wasser) oder auch mit Zitronenwasser (Saft einer frischen Zitrone mit wenig Wasser verdünnt). Dreimal täglich eine Minute gurgeln.

Halswickel

Ein altes Originalrezept aus der Volksmedizin ist der Schmalzwickel. Dazu tragen Sie 2 bis 3 Esslöffel Schweineschmalz auf ein Tuch auf und wickeln es sich um den Hals. Als Schutz für die Kleidung mit einem zweiten Tuch abdecken.

Auch gut: Ein Tuch in 125 ml Obstessig tauchen, auswringen und um den Hals wickeln. Darüber kommen ein trockenes Tuch und ein Wollschal.

1.1.9 Heiserkeit

Heiserkeit kann durch Überbeanspruchung der Stimmbänder oder im Rahmen einer Erkältung auftreten. Auch der Aufenthalt in verrauchten Räumen ist Gift für die Stimmbänder. Wenn gar nichts anderes im Haus ist: Trinken Sie heiße Milch mit Honig. Das beruhigt die angegriffene Schleimhaut.

Gegen den Frosch im Hals hilft der sogenannte Rachenschmeichler: Geben Sie 1 Teelöffel Zimt in 200 ml heißes Wasser und lassen Sie das Ganze 15 Minuten ziehen. Dann warm in kleinen Schlucken trinken, bei Bedarf mit etwas Honig süßen.

1.1.10 Ohrenschmerzen

Die häufigste Ursache von Ohrenschmerzen sind Mittelohrentzündungen, von denen vor allem Kinder betroffen sind. Der Grund dafür ist die noch kurze Verbindungsröhre zwischen Rachen und Mittelohr. Oft gehen dem Ohrenweh grippale Infekte voraus. Spezielle Wärmeanwendungen können die Schmerzen lindern.

Zwiebelsäckchen

Warme Zwiebelauflagen gehören zu den alten Bauernrezepten bei Ohrenschmerzen: Eine Zwiebel schälen, klein schneiden und in einem Topf leicht dünsten, um die ätherischen Öle freizusetzen, dann noch warm in ein Tuch packen und auf das schmerzende Ohr legen. Das Tuch mit einem Schal oder mit einem Stirnband fixieren. Das Zwiebelsäckchen kann bei Bedarf auch über Nacht liegen bleiben, wenn Ihr Kind während der Anwendung einschläft.

Wann zum Arzt?

Ohrenschmerzen sollten vom Arzt abgeklärt werden. Zeichen einer Verschlimmerung der Erkrankung sind hohes Fieber, ein schlechter Allgemeinzustand, Ausfluss aus dem Ohr oder eine Schwellung hinter dem Ohr.

1.1.11 Schnupfen

Die Nase beginnt zu laufen, die Nasenschleimhäute schwellen an. Schnupfen ist ein klarer Fall für die Hausapotheke. Wichtig ist, dass die Nase frei wird und das Sekret abfließen kann.

Richtige Nasenpflege

Vermischen Sie 1 Teelöffel Natron und 1 Teelöffel Meersalz in einer halben Tasse lauwarmem Wasser. Dann tauchen Sie ein Wattestäbchen hinein und tupfen Ihre Nase innen vorsichtig damit ab. Das lässt die Schleimhäute abschwellen.

Eine noch intensivere Wirkung hat folgende Anwendung: 1 Teelöffel Meersalz in ¼ Glas warmem Wasser auflösen, mit einer Pipette aufziehen und wie Nasentropfen in die Nase geben. Das verdünnt den zähen Schleim und spült die Nase frei.

Dampfinhalationen

Apfelessig und Wasser im Verhältnis 1:1 mischen und die Mischung erhitzen bis es dampft. Den Dampf durch die Nase einatmen.

Ergänzende Tipps

• Am Ansatz der Nasenflügel rechts und links in einer Grube liegt der Energiepunkt »Meister des Duftes« (Dickdarmpunkt 20), der schleimhautabschwellend wirkt. Eine Minute mit den Mittelfingern massieren oder drücken.

• Bei Säuglingsschnupfen hilft eine hochprozentige Kamillen-Zucker-Lösung. Dazu versetzen Sie einen starken Kamillentee mit so viel Zucker, bis sich nichts mehr löst. Diese leicht visköse Lösung wird mit einer Pipette vorsichtig in die Nase eingeführt.

1.1.12 Verstopfte Nase

Im Rahmen von Erkältungskrankheiten kommt es bei Kindern leicht zu einer verstopften Nase. Mundatmung sollte aber vermieden werden, weil sie die Schleimhäute austrocknet und weitere Infekte begünstigt. Wichtig: Für feuchte Raumluft sorgen!

Duftlampe

Streuen Sie in die mit Wasser gefüllte Schale einer brennenden Duftlampe etwas Meersalz. Das befeuchtet die Luft auf angenehme Weise.

Auch gut: Hängen Sie feuchte Tücher, die mit Kamillentee getränkt sind, im Kinderzimmer auf. Das sorgt für eine bessere Raumluft und tut den Atemwegen gut.

Nasenmassage

Mit dem rechten und linken Zeigefinger abwechselnd den Bereich zwischen Nase und Oberlippe quer reiben. Das macht die Nase frei und verbessert den Geruchssinn.

1.1.13 Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis)

Entzündungen der Nasennebenhöhlen sind ausgesprochen unangenehm. Typische Symptome sind Druckgefühl, Kopfschmerzen, Atembehinderung und allgemeines Krankheitsgefühl mit Abgeschlagenheit. Am besten lassen Sie es erst gar nicht so weit kommen. Wirksame Helfer bei den ersten Anzeichen sind:

Asiatische Heilkompresse

Dazu reiben Sie etwa 2 Esslöffel frischen Ingwer, erhitzen ihn kurz in wenig Wasser, schlagen ihn in ein Tuch ein und legen es sich auf die Nebenhöhlen. Nach dem Abkühlen entfernen. Bei Bedarf wiederholen. Achtung: Die Haut kann sich leicht röten.

Nasenspülung

Etwas heroisch, aber wirkungsvoll: Füllen Sie eine Schale mit 200 ml physiologischer Kochsalzlösung (Herstellung siehe Seite 90). Dann halten Sie sich ein Nasenloch zu, tauchen Ihre Nase in die Flüssigkeit und ziehen diese durch das freie Nasenloch hoch. Anschließend ausspucken. Abwechselnd wiederholen.

Ergänzende Tipps

• Als vorbeugende Maßnahme täglich Nasenduschen mit Salz (1 Teelöffel auf ein Glas lauwarmes Wasser) durchführen, das reinigt und stabilisiert die Schleimhaut.

• Machen Sie beim Niesen laut »Hatschi«. Auf keinen Fall sollten Sie nach innen niesen, indem Sie sich die Nase zuhalten, so wie das viele Menschen aus Höflichkeit tun. Sonst besteht die Gefahr, dass der Schleim in die Nebenhöhlen gedrückt wird und dort Entzündungen hervorruft.

1.1.14 Heuschnupfen

Kaum fliegen die ersten Pollen, geht es auch schon los mit den Niesanfällen und den roten Augen. Erle, Hasel und Birke sowie Beifuß und Spitzwegerich führen bei Allergikern zu einer erhöhten Produktion von Histamin, das die Blutgefäße erweitert und die Bronchien verengt. Für Erleichterung sorgen:

Nasenspülung mit Vitamin C

Dazu geben Sie etwas Wasser in Ihre hohle Hand, saugen es mit der Nase auf und spülen die Pollen aus. Das kann etwas unangenehm sein. Einfacher geht es mit einem selbst hergestellten Nasenspray: Ein Gramm Vitamin C mit 20 ml physiologischer Kochsalzlösung (Herstellung siehe Seite 90) mischen und mehrmals täglich einen Sprühstoß in die Nase geben. Hintergrund: Vitamin C dichtet die Kapillaren ab und wirkt entzündungslindernd.

Akupressur

Der Spezialpunkt »Meister des Duftes« (Dickdarmpunkt 20) liegt rechts und links direkt neben den Nasenflügeln in einer Vertiefung. Mehrere Minuten kreisend mit den Mittelfingern massieren oder drücken.

Ergänzender Tipp

Nicht rauchen – zusätzliche Belastung für die Schleimhäute!

Wann zum Arzt?

Bei schweren Allergien besteht ein erhöhtes Risiko für Asthma. In diesem Fall unbedingt einen Arzt aufsuchen.

1.2 Augen
1.2.1 Geschwollene Augenlider

Die Gründe für geschwollene Augenlider sind meist harmlos: Da das Gewebe um die Augen herum sehr locker ist, kann es leicht zu Flüssigkeitsansammlungen kommen – vor allem morgens.

Kleine Lymphdrainage

Schließen Sie die Augen und streichen Sie mit den Fingerspitzen fünfmal sanft von der Nasenwurzel über Ober- und Unterlid in Richtung Schläfen. Das fördert den Lymphfluss sowie den Abtransport von Schlackenstoffen.

Kartoffelauflage

Eine rohe Kartoffel pürieren, auf zwei Mullstreifen auftragen und für etwa 10 bis 15 Minuten auf die geschlossenen Augen legen. Wenn’s schnell gehen muss: Einfach rohe Kartoffelscheiben auflegen.

Auch gut: Teebeutel von Schwarztee im Kühlschrank abkühlen lassen. Dann etwa 10 Minuten auf die Lider legen.

Ergänzende Tipps

• Das Kopfkissen sollte nicht zu flach sein. Eine leichte Erhöhung fördert den Lymphabfluss.

• Abends kurz vor dem Schlafengehen nicht zu viel trinken.

Wann zum Arzt?

Wer ständig unter geschwollenen Augenlidern leidet, sollte zum Arzt gehen, da auch Nieren- oder Kreislauferkrankungen der Grund sein können.

1.2.2 Überanstrengte Augen

Haben auch Sie einen Bildschirmarbeitsplatz, bei dem Ihre Augen stark beansprucht werden? Folgende Übungen eignen sich zur Entspannung und Entlastung:

Palmieren

Legen Sie die Hohlhandflächen für etwa drei Minuten über die geschlossenen Augen, ohne dabei die Lider zu berühren; die Arme sind aufgestützt. Palmieren ist eine wohltuende Übung, um die Augenmuskeln zu entspannen.

Die Augen schweifen lassen

Meistens schauen wir geradeaus, das lässt die Sehmuskeln verkümmern. Blicken Sie während des Lesens oder bei der Arbeit immer wieder einmal kurz auf und bewegen Sie die Augen entspannt und ohne Anstrengung in alle Richtungen. Unterbrechen Sie jede Stunde für etwa fünf Minuten die Bildschirmarbeit.

Ergänzender Tipp

Zwinkern und blinzeln Sie häufig mit den Augenlidern: Durch den Lidschlag wird der Tränenfilm auf der Hornhaut erneuert und gleichmäßig verteilt.

1.3 Kopf
1.3.1 Kopfschmerzen

Ursachen für Kopfschmerzen gibt es viele. Wetterwechsel, Medikamente oder Stress können die Beschwerden auslösen. Während bei Migräne der Schmerz meist als pulsierend oder pochend beschrieben wird, ist der Spannungskopfschmerz dumpf drückend – ein Gefühl wie im Schraubstock. Oft schneller und besser als so manche Kopfschmerztablette helfen folgende Maßnahmen:

Schmerzen wegdrücken

Etwa daumenbreit oberhalb der Augenbraue können Sie eine Vertiefung ertasten, die schmerzempfindlicher ist als ihre Umgebung: »Yang-Weiße« (Gallenblasenpunkt 14). Diesen Punkt auf beiden Seiten mit dem Daumenknochen etwa 1 bis 2 cm nach rechts, links und oben mit leichtem Druck massieren. Erfahrungsgemäß reicht oft eine Pressur von siebenmal pro Seite. Danach sind die Beschwerden meist für den Rest des Tages verschwunden. Bei Bedarf wiederholen. Weitere gute Akupressurpunkte sind:

Finger in die Schläfengrube legen und den dort liegenden Energiepunkt »Tai Yang« im Uhrzeigersinn massieren. Dabei die Augen nach oben, unten und seitlich rollen.

»Geschlossenes Tal« (Dickdarmpunkt 4), Lage siehe Seite 93.

Eiswasserkompresse

Wirkt ableitend und entspannend. In eine Schüssel mit kaltem Wasser und Eiswürfeln ein mehrfach gefaltetes Baumwolltuch tauchen, leicht ausdrücken und auf die schmerzende Stelle legen. Mit einem weiteren Tuch fixieren. Kompresse erneuern, sobald sie warm geworden ist. Bei Bedarf mehrmals wiederholen.

Ergänzende Tipps

• Eine Tasse starker Kaffee oder Espresso mit einem Schuss Zitrone (Koffein verengt die Blutgefäße und hemmt Entzündungsstoffe; Zitrone fördert die körpereigene Schmerzdämpfung).

• Ein ansteigendes Armbad (von 35 °C auf 40 bis 42 °C innerhalb von 15 Minuten) bewirkt eine reflektorische Gefäßerweiterung und Kreislaufentlastung. Diese Anwendung hilft auch bei Erkältungskopfschmerz, weil sie den Schleim löst.

• Pflanzliche Fettsäuren wirken schmerzblockend. Essen Sie beispielsweise eine Avocado, 2 Esslöffel Olivenöl, Oliven oder 2 Esslöffel Leinöl.

• Pfefferminzöl in langsam kreisenden Bewegungen auf die Schläfe massieren und danach mindestens zehn Minuten bequem ausruhen.

• Bei Kopfschmerzen, die durch Anspannung oder Verspannungen im Kieferbereich ausgelöst worden sind, hilft die folgende Übung: Gerade hinsetzen, tief einatmen. Danach beim Ausatmen die Zunge so weit wie möglich herausstrecken und gleichzeitig die Augen weit aufreißen. Mehrmals wiederholen.

1.3.2 Kopfschmerzen oder Migräne?
Drei einfache Fragen lösen das Rätsel.

Statt umfangreicher Tests lässt sich schon anhand von drei einfachen, gezielten Fragen mit hoher Wahrscheinlichkeit herausfinden, ob Sie unter Migräne oder »nur« unter Spannungskopfschmerzen leiden. Das hat ein bekannter amerikanischer Neurologe in einer großangelegten Untersuchung mit über 500 Patienten herausgefunden.1 Auch in der täglichen Praxis haben sich diese drei Fragen bewährt. Bei Migräne ist es ratsam, einen Spezialisten aufzusuchen.


Die drei FragenKopfschmerzenMigräne
1. Tritt Übelkeit auf?NeinJa
2. Tritt Lichtempfindlichkeit auf?NeinJa
3. Verändern sich die Schmerzen durch Bewegung (z.B. Bücken)?3a. Ist die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt?Schmerzen verstärken sich nicht durch körperliche AktivitätNein, nicht beeinträchtigt bzw. eingeschränktSchmerzen verstärken sich durch körperliche AktivitätJa, arbeitsunfähig

1.3.3 Migräne

Bei Migräne hilft ein pflanzliches Mittel aus Pestwurzextrakt, das, kurmäßig über mehrere Monate eingenommen, die Migräneanfälle reduzieren kann. Ebenfalls hilfreich und sehr gut verträglich ist eine natürliche, hochdosierte Kombination aus Magnesium, Vitamin B2 (Riboflavin) und Coenzym Q10, wie Studien gezeigt haben. Die Mikronährstoffe über die Ernährung in der notwendigen Dosierung aufzunehmen, ist nicht zu schaffen. So sind für die Migränebehandlung 400 mg Vitamin B2 täglich notwendig, wie in Studien festgestellt wurde. Üblicherweise nimmt man über die Ernährung etwa 1,5 mg Vitamin B2 pro Tag zu sich, das u.a. in Milch und Milchprodukten, Vollkornbrot und grünem Gemüse zu finden ist.

Ergänzende Tipps

• Sinnvoll ist die Mitgliedschaft in einer Patientenorganisation wie der MigräneLiga e.V., die Selbsthilfegruppen, Informationen und Kontakte vermittelt. Nähere Informationen unter www.migraeneliga.com.

• Achten Sie auf einen geregelten Schlaf-wach-Rhythmus. Stehen Sie möglichst auch am Wochenende zur gleichen Zeit auf wie in der übrigen Woche.

• Essen Sie gesund und regelmäßig. Auch Hunger oder ein niedriger Blutzuckerspiegel kann eine Migräneattacke auslösen. Wichtig ist zudem, ausreichend zu trinken (Wasser, Fruchtsaftschorlen, Kräutertee).

1 R.B. Lipton et al.: A self-administered screener for migraine in primary care. The ID Migraine validation study. Neurology 61 (2003): 375-382.

1.4 Gelenke, Muskulatur und Rücken
1.4.1 Das 5-Minuten-Programm für die Gelenke

Auch wer nicht viel Zeit hat, kann zwischendurch mit dem 5-Minuten-Gelenk-Programm seine Gelenke beweglich und locker halten, sei es am Schreibtisch bei der Arbeit oder zu Hause.

1. Arme über den Kopf strecken und genüsslich räkeln.

2. Kopf langsam dreimal nach rechts und nach links drehen, so weit, wie es angenehm ist.

3. »Windmühle«: Arme schulterhoch seitlich ausstrecken, beugen, Handflächen locker auf die Schultern legen. Mit beiden Ellbogen Kreise beschreiben, 15-mal vorwärts und 15-mal rückwärts.

4. »Teetasse«: Im Stehen, ein Arm gebeugt vor dem Körper, Handfläche nach oben. Stellen Sie sich vor, Sie müssten eine Tasse balancieren. Führen Sie den Arm seitlich an der Hüfte vorbei nach hinten. Jetzt die Hand drehen, eine Acht beschreiben und über den Kopf wieder in die Ausgangsposition. Dreimal pro Seite.

5. Hände soweit spreizen wie möglich, dann zur Faust ballen, langsam wieder locker lassen.

6. Im Sitzen abwechselnd ein Bein strecken, das Knie durchdrücken, locker lassen und Fuß kreisen. Dann abwechselnd ein Bein mit abgewinkeltem Knie so hoch wie möglich heben, sodass die Hüfte möglichst weit gebeugt wird.

7. Im Sitzen Füße hin und her wippen (abwechselnd von der Ferse auf die Zehen).

8. Übung für die Kiefergelenke (auch im Kiefergelenk sind Arthrosen möglich!): Fünfmal den Mund so weit öffnen, wie Sie können. Dann mit geöffnetem Mund vorsichtig den Unterkiefer ganz leicht zur Seite, nach vorne und hinten schieben.

9. Auf der Stelle gehen, Arme einsetzen, Oberschenkel soweit wie möglich hochnehmen. 3 bis 5 Minuten

10. Im Stehen: Füße schulterbreit, Oberkörper langsam nach vorne beugen, Fingerspitzen berühren leicht den Boden. Oberkörper leicht hin und her schwingen lassen. Anschließend in Zeitlupe wieder aufrichten, Wirbel für Wirbel.

1.4.2 Gelenkbeschwerden (Arthritis und Arthrose)

Bei einer Arthrose handelt es sich um einen degenerativen Gelenkverschleiß mit zunehmendem Verlust des Knorpels. Typisch bei einer Arthrose sind der Anlaufschmerz zu Beginn einer Bewegung, die morgendliche Steifigkeit sowie eine Bewegungseinschränkung.

Eine Entzündung des Gelenks (Arthritis) äußert sich in Form von Rötung, Schwellung und Schmerz.

1.4.3 Wie unterscheiden sich Arthrose und rheumatoide Arthritis?


ArthroseRheumatoide Arthritis /Chronische Polyarthritis
Anzahl der schmerzenden Gelenkehäufig nur ein Gelenkmeist mehrere Gelenke
UrsacheAbnutzungserscheinung, VerschleißEntzündung, Autoimmunerkrankung
Betroffenes Gewebe im GelenkGelenkknorpelGelenkinnenhaut
Betroffene Gelenkeeher die großen Gelenke wie Knie oder Hüfteeher die kleinen Gelenke, z.B. die Finger
Art der SchmerzenAnlaufschmerz, BelastungsschmerzMorgensteifigkeit und Schmerzen

1.4.4 Naturgemäße Ernährung bei Gelenkbeschwerden

Wer unter Gelenkbeschwerden leidet, sollte auf eine gesunde Ernährung achten, damit die Gelenkflüssigkeit alle wichtigen Nährstoffe aus dem Blut erhält und der Stoffwechsel insgesamt im Gleichgewicht bleibt. Ungesunde und einseitige Ernährung hingegen belastet den Stoffwechsel oder bringt ihn aus dem Gleichgewicht. Das beeinflusst zwangsläufig auch die Gelenke.

Die Grundlagen einer vollwertigen und gesunden Ernährung

Obst und Gemüse: Fünfmal am Tag eine Handvoll Obst und Gemüse sind die ideale Basis einer gesunden Ernährung mit wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen.

Tipp: Eine Portion kann durch ein Glas Obst- oder Gemüsesaft ersetzt werden.

Die Qualität der Nahrung: Essen Sie bevorzugt saisonale und frische Produkte (am besten aus der Region). Immer mehr Obst und Gemüse stammt aus fernen Ländern, wird unreif geerntet und dann unter unnatürlichen Bedingungen zur Reifung gebracht. Wertvolle Mikronährstoffe bleiben da auf der Strecke. Auch auf Fertiggerichte und Konserven sollten Sie verzichten. Je naturbelassener die Nahrung, desto besser.

Flüssigkeit: Die ausreichende Aufnahme von Flüssigkeit ist Voraussetzung, dass alle Stoffwechselprozesse reibungslos funktionieren und Abfallstoffe weggeschafft werden können. Zu wenig Flüssigkeit hat auch Auswirkungen auf den Gelenkknorpel, weil sich die Versorgung mit Nährstoffen verschlechtert und Schadstoffe länger im Gelenk liegen bleiben. Der tägliche Bedarf liegt bei etwa zwei Litern Flüssigkeit. Gesunde Durstlöscher sind stille Wasser, Kräutertees sowie Fruchtschorlen.

Säure-Basen-Haushalt: Eine Übersäuerung des Körpers bringt man in Verbindung mit zahlreichen Erkrankungen wie Arteriosklerose, Störungen des Bindegewebes und eben auch Gelenkproblemen wie Arthrose und Arthritis. Um den Säure-Basen-Haushalt wieder ins Gleichgewicht zu bringen, sind einige Tage Heilfasten sowie eine basenreiche Ernährung sehr hilfreich. Basenbildende Nahrungsmittel sind Kartoffeln, Gemüse, Obst und Vollkorngetreide; während Fleisch, Wurst, Weißmehlprodukte und Zucker säurebildend sind.

1.4.5 Mit gezielter Ernährung die Gelenke stärken

Zwar gibt es keine spezielle Rheuma-Diät. Dennoch zeigen Untersuchungen und die jahrzehntelange Erfahrung, dass Patienten mit einer entzündlich rheumatischen Erkrankung ihre Therapie mit einer überwiegend laktovegetabilen Ernährung aktiv unterstützen können. In einer norwegischen Studie (Kjeldsen-Kragh, 1991) bei Patienten mit rheumatoider Arthritis wurde gezeigt, dass durch eine Kombination von sieben bis zehn Fastentagen mit einer anschließenden Umstellung auf eine laktovegetabile Ernährung eine deutliche Verbesserung hinsichtlich Morgensteifigkeit, Schmerzen und Beweglichkeit erreicht werden konnte. Auch die Entzündungswerte im Labor veränderten sich positiv. Die Studien-Teilnehmer profitierten auch noch zwei Jahre nach Einführung der vegetarischen Diät von diesen Verbesserungen, so die Ergebnisse einer Nachuntersuchung. Kehrten die Patienten allerdings zu ihren alten Ernährungsgewohnheiten zurück, kamen auch die Beschwerden wieder.

Ein direkter Zusammenhang zwischen Ernährung und Gelenkbeschwerden besteht auch bei der Gicht (siehe auch Seite 64 f.).

Hemmung der Arachidonsäuresynthese

Für die Auslösung chronischer Gelenkentzündungen wird die mehrfach ungesättigte Fettsäure Arachidonsäure mitverantwortlich gemacht. Sie wird ausschließlich über tierische Nahrungsmittel (siehe Tabelle) aufgenommen, nicht aber über pflanzliche Lebensmittel. Die Arachidonsäure führt im Organismus zur Entstehung von Entzündungsstoffen. Diese werden während des Entzündungsgeschehens im Gelenk freigesetzt und schädigen dort das Gewebe.

Patienten mit rheumatoider Arthritis sollten daher den Anteil tierischer Fette in ihrer Ernährung reduzieren, d.h. maximal zweimal pro Woche eine kleine Portion Fleisch essen und genauso oft Seefisch.

Omega-3-Fettsäuren

Forscher haben herausgefunden, dass bei Inuits entzündliche Gelenkerkrankungen, ebenso wie Herzinfarkt, nahezu unbekannt sind. Der Grund dafür liegt in ihrer fischreichen Ernährung. Fetter Seefisch – eines ihrer Hauptnahrungsmittel – enthält mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Diese sogenannten Omega-3-Fettsäuren, die auch in pflanzlichen Ölen vorkommen, besitzen einen positiven Effekt auf entzündete Gelenke. Sie hemmen die Umwandlung von Arachidonsäure in gelenkschädigende Entzündungsstoffe.

Nahrungsmittel und ihr Gehalt an Arachidonsäure (AA)


NahrungsmittelAA in mg pro 100 g Lebensmitteln
Schweineschmalz1700
Schweineleber870
Eigelb300
Hühnerei70
Leberwurst230
Schweinefleisch120
Rindfleisch70
Kalbfleisch50
Camembert35
Kuhmilch 3,5 % Fett4
Obst, Gemüse, Kartoffeln, Soja0
Pflanzliche Öle und Fette0

Heilfasten

Als Übergang in eine gesündere Ernährungsweise und zur allge­meinen Umstimmung des Körpers sind sehr gute Ergebnisse mit Heilfasten oder Rohkostdiät zu erzie­len, begleitet von einer Entsäuerung des Organismus. Durch das Heilfasten kommt es zu schmerzlindernden und entzün­dungshemmenden Effekten in den betroffenen Gelenken. Viele Patienten berichten über eine zeitweise deutliche Besserung ihrer Beschwerden, die jedoch nach Wiederaufnahme der gewohnten Ernährung bald wieder nachlässt. Diese Verschlechterung ist möglicherweise auf eine Überforderung des Immunsystems durch körperfremdes Eiweiß zu­rückzuführen.

Von langem Heilfasten wird heute eher abgeraten. Keinesfalls soll das Fasten eine Gewaltkur sein. Besser sind etwa vier bis fünf Tage Fasten ohne Zwang oder gemäßigte Formen wie Saftfasten oder Rohkosttage. In dieser Zeit ist es besonders wichtig, viel zu trinken, etwa drei Liter kohlensäurefreies Wasser und Kräutertees am Tag.

Ernährungsempfehlungen bei entzündlich rheumatischen Erkrankungen

• Gewichtsreduktion bei Übergewicht

• zeitweiliges Fasten (unter therapeutischer Aufsicht)

• Reduktion der Aufnahme von Arachidonsäure, d.h. tierische Fette reduzieren, dafür mehr hochwertige Pflanzenöle zu sich nehmen; maximal zweimal pro Woche eine kleine Portion Fleisch und ebenso oft Seefisch (z.B. Hering, Lachs) essen

• vollwertige Ernährung mit reichlich Obst und Gemüse

• ausreichende Aufnahme calciumreicher Lebensmittel, um einer Osteoporose vorzubeugen

• Verzicht auf Alkohol und Nikotin

1.4.6 Was hat Rauchen mit dem Gelenkstoffwechsel zu tun?

Rauchen beeinträchtigt Durchblutung und Mikrozirkulation, was wiederum die Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen verschlechtert. Außerdem fördert Rauchen die Entstehung von Freien Radikalen, die Zellen und Zellwände angreifen und die Gelenke schädigen können. Auch für Osteoporose ist Rauchen ein Risikofaktor, weil die Knochen schlechter durchblutet werden.

1.4.7 Wickel und Kompressen bei Gelenkbeschwerden

So werden sie gemacht

• Heublumenpackung: Einen Baumwollbeutel mit etwa 400 g Heublumen füllen und in einen Topf mit Einsatz legen. Die Heublumen sollen nicht direkt im siedenden Wasser liegen, sondern ca. 20 Minuten vom Wasserdampf durchzogen werden. So heiß wie möglich anlegen und mit einem Handtuch fixieren.

• Ölkompressen: Bei schmerzhaften Arthrosen helfen Ölwickel, die man über Nacht liegen lässt. Dazu tränken Sie ein Baumwolltuch mit angewärmtem Johanniskrautöl, legen es auf das betroffene Gelenk und fixieren es mit einem trockenen Tuch.

• Quarkwickel: 250 g kalten Quark verrühren, fingerdick auf ein Tuch streichen, auf das entzündete Gelenk legen und mit einer Binde locker befestigen. Nach etwa 20 Minuten erneuern.

• Kohlwickel: Aus einigen Weißkohlblättern die Mittelrippe entfernen und mit einer Glasflasche quetschen. Das setzt die Wirkstoffe frei. Nun schichten Sie die Blätter dachziegelartig auf das betroffene Gelenk und fixieren diese mit einem Tuch. Der Wickel kann auch über Nacht liegen bleiben.

• Kartoffelauflage: Dazu kochen Sie drei oder vier Kartoffeln in der Schale weich, zerdrücken diese in einem Küchentuch und schlagen sie in ein Stofftaschentuch ein. Anschließend legen Sie die Auflage so warm wie möglich auf die betroffene Stelle und fixieren das Ganze mit einem Tuch. Nach dem Erkalten entfernen.


Art der GelenkbeschwerdenHeilkompressen
Arthrose (Gelenkverschleiß)Ölkompressen, Heublumenpackung
Subakute GelenkentzündungKohlwickel
Akute GelenkentzündungQuarkauflage, Kältepack
Gelenkentzündung bei GichtKaltes Wasser, Eispack
Chronische Verspannungen im Bereich der Wirbelgelenke, z.B. im Nacken-Schulter-BereichKartoffelauflage, warme Bäder

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9783941717534
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