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AMERICAN FOOTBALL


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Umschlag: Imago

Innenteil:

Brinke, M./Kränzle, P.: 18, 19, 21, 34, 35, 38/39, 44, 55, 62, 70, 78, 93, 119

Clemson University; Moriarty, J.: 36

DSF: 24

Georgia Tech; Davis, D.: 49

Imago: 2/3, 4/5, 6/7, 8/9, 10, 12/13, 20, 22/23, 25, 26, 28, 29, 30/31, 32/33, 37, 40/41, 43, 45, 46, 51, 53, 58, 59, 61, 71, 72/73, 76/77, 81, 83, 85, 89, 91, 94/95, 97, 98, 100/101, 103, 105, 107, 108/109, 110, 112, 113, 114/115, 122, 124/125

kansas_city_royalty of flickr: 92

NFL Photos: 38, 82

Layout/DTP-Produktion: Gaby Herbrecht

Grafik: Anneli Nau, München

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen National bibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

8., aktualisierte Neuauflage 2018

© 2002, 2006, 2009, 2012, 2014, 2016, 2017, 2018

Copress Verlag in der

Stiebner Verlag GmbH, Grünwald

Alle Rechte vorbehalten. Wiedergabe, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlags.

Printed in Hungary

ISBN: 978-3-7679-2053-8

www.copress.de


Inhalt

Huddle up!

Das Spiel

Was ist American Football?

Das Spielfeld

Spielfeldmaße

Die Endzonen

Die 10-Meter-Linien

Die Hashmarks

Die Teamzone

Der Spielablauf

Kickoff

Der Snap

Downs und Touchdowns

PAT und Conversion

Fourth Down

Fieldgoal

Interception und Fumble

Der Safety

Die 10-Meter-Kette und die Chain Crew

Ende eines Spielzugs

Blocken und Tackeln

Die Spielzeit

Die Ausrüstung

Der Ball

Der Helm

Der Körperschutz

Schulterpolster

Hosen, Unterleibsschutz und sonstige Schutzpolster

Handschuhe

Trikots und Nummern

Schuhe

Schiedsrichter-Ausstattung

Die Akteure

Die Offense

Spieler der Offense

Offense-Playbook

Die Defense

Spieler der Defense

Defense-Playbook

Special Teams

Die Trainer

Die Schiedsrichter (Officials)

Schiedsrichterzeichen und Strafen

Cheerleading

American Football in Nordamerika

College Football

Was ist College Sport?

Zuschauermagnet College Football

Die NFL (National Football League)

Historischer Überblick

Super Bowl, eine amerikanische Institution

Super Bowl-Übersicht

Die NFL-Teams

Canadian Football

Radically Canadian

Der etwas andere Football

Die CFL-Teams

Arena Football

»Pro Football Hall of Fame«

American Football in Deutschland

Die GFL (German Football League)

Der Unterbau

Umfangreicher Ligabetrieb

Die Nationalmannschaft

Die NFL Europe und ihr Ende

American Football als Breitensport

Jugend-Football

Flag Football

So spielt man Flag Football

Frauen-Football

American Football von A bis Z

Anhang

Wichtige Adressen

American Football im Internet – eine Auswahl

Lesestoff


HUDDLE UP!



Der Quarterback des erfolgreichsten deutschen Teams, dem elfmaligen Meister New York Lions aus Braunschweig, ist bereit zum Pass.

Wer einmal vom »Football-Virus« befallen ist, den lässt diese faszinierende Sportart nicht mehr los. Zum Glück sind jene Zeiten längst vorbei, als Akteure und Fans noch müde belächelt wurden, und Football als »Exotensport« mit Lederei, praktiziert von harten Männern ohne Geist, galt.

Auch wenn der zweite Anlauf der NFL Europe – einstiges Tochterunternehmen der berühmten US-Liga → National Footbal League NFL – gescheitert ist, hat sich gezeigt, dass American Football in Deutschland keineswegs ein Mauerblümchen-Dasein fristet. Dank der unermüdlichen Arbeit der »Football-Besessenen« in den Vereinen des AFVD (American Football Verband Deutschland) verfügt die Sportart inzwischen über eine stetig wachsende Anhängerschaft, und Deutschland gilt sogar als die American-Football-Hochburg außerhalb des Mutterlandes der Sportart, den USA.

Das zeigen auch die Live-Übertragungen im Free-TV. So werden neben NFL-Spielen am Sonntag (ProSieben-MAXX) inzwischen auch College Football-Partien am Samstag (Sport1) im deutschen Fernsehen live übertragen. Highlights sind alljährlich das Finale im College Football und der Super Bowl. Zu letzterem veranstalten viele deutsche Vereine sogar eine eigene Football-Party, deren Höhepunkt die Live-Übertragung ist – und das stets nach Mitternacht!

Das vorliegende handliche Taschenbuch soll allen Sportinteressierten und Footballfans, die sich einen schnellen Überblick verschaffen wollen, als Leitfaden dienen. Zunächst werden die Grundlagen des Spiels, die Ausrüstung und die Akteure vorgestellt, anschließend folgt ein Blick auf die Szene im Mutterland USA und in Deutschland. Ein umfangreiches Glossar mit den wichtigsten Fachbegriffen und ein Anhang mit Adressen und Webpages runden die Einführung in die packende Sportart American Football ab.

Die Autoren, im Januar 2018

DAS SPIEL


»American Football … hat mich Geduld gelehrt, Geben und Nehmen. Aber vor allem hat es mir gezeigt, wie man in einer harten Welt überlebt,« meinte Sam Huff, früher selbst guter Football-Spieler und später Vizepräsident einer großen Hotelkette. Vielleicht ist es genau diese Einstellung, die viele Eltern dazu gebracht hat, ihre Kinder – wohlgemerkt auch Mädchen – American Football spielen zu lassen: Football als Lehrstunde für Durchsetzungsvermögen und Teamgeist – nach dem Motto »Jeder ist auf den anderen angewiesen«. Selbst die gefeierten Stars des Sports vergessen nie, dass sie ohne die Unterstützung ihrer Teamkollegen aufgeschmissen wären, und so lud beispielsweise Brett Favre, einstiger → Quarterback der Green Bay Packers, seine → Offense Line als Geste der Dankbarkeit nach jedem Spiel zum Essen ein.

Für Millionen von Amerikanern gleichen die Regeln des American Football denen des Alltags. Hier wie dort kommt es in erster Linie auf zwei Sachen an: Auf das Können des Einzelnen und das Zusammenwirken Mehrerer im Team. Es scheint, als träfen beim American Football die beiden »uramerikanischen« Eigenschaften zusammen, die mitgeholfen haben, das riesige Land zu erschließen: Uneingeschränkter Individualismus, der jedem seine Chance gibt und bei entsprechendem Einsatz auch Erfolg, im gegenteiligen Fall aber rasch zum Absturz führen kann, und Teamgeist. Dieser sorgt dafür, dass sich der Einzelne einem gemeinsamen Ziel unterordnet und die ihm zugeteilte Rolle im großen Räderwerk übernimmt. Teamgeist und Talent sind Eigenschaften, die ein American-Footballer mitbringen muss, aber nicht die einzigen: Kraft und Kondition, Kampfgeist und Konzentrationsvermögen spielen daneben wichtige Rollen.

Dass die erwähnten Eigenschaften natürlich nicht amerikanischen Staatsbürgern vorbehalten sind, beweist die Begeisterung, die American Football in zunehmendem Maße an anderen Orten der Welt entgegengebracht wird, besonders in Japan und Deutschland. In diesen beiden Ländern ist die Fan- und Aktivengemeinde in den letzten Jahren enorm gewachsen und sie haben sich zu den wichtigsten Hochburgen außerhalb der USA entwickelt.

Zum Glück sind jene Zeiten, in denen American Football hierzulande als »Randsportart« belächelt und mit dem Etikett »brutal und exotisch« versehen wurde, vorbei. Als noch die deutschen Teams der NFL Europe – die bis 2007 in Europa angesiedelte Nachwuchsliga der NFL – spielten, pilgerten regelmäßig weit über 20 000 Fans in die Stadien, aber inzwischen locken auch die Topspiele der deutschen Bundesliga GFL (German Football League) tausende begeisterter Zuschauer an.

Dabei ist Football hierzulande gerade einmal ein halbes Jahrhundert alt: Erst durch die in Deutschland stationierten US-Soldaten und durch den zunehmenden USA-Tourismus erlebt der uramerikanische Sport seit den späten 1970ern einen Boom.

Was ist American Football?

Doch nun zum Spiel selbst und seinen Regeln, die natürlich in einem Band, wie dem vorliegenden, nur in ihren Grundzügen dargestellt werden können. Wer erstmals ein American-Football-Spiel sieht, schüttelt verwundert den Kopf über das scheinbare Durcheinander auf dem Rasen. Man möchte kaum glauben, dass die jeweils elf gepolsterten Giganten, die da auf dem Spielfeld aufeinander losgehen, irgendwelchen Regeln folgen. Doch genau das ist der Fall und über ihre Einhaltung wachen gleich sieben Schiedsrichter, die → Officials (siehe Kapitel »Die Akteure«), gekleidet in weiße wadenlange Hosen und schwarz-weiß längsgestreifte Hemden.

Begeht ein Spieler eine Regelwidrigkeit, werfen die Schiedsrichter ein gelbes Tuch, die »Flag«, auf den Spielfeldrasen. Nach kurzer Rücksprache gibt der Hauptschiedsrichter, erkennbar an der weißen Kappe, vielfach laut über das Stadion-Mikrophon die Art des Vergehens und die Strafe kund.

»Schach auf dem Rasen« nennen es die einen, »Krieg auf dem Rasen« abschätzig die anderen. Und wie so oft, steckt in beiden Behauptungen ein wahrer Kern. Wie in keiner anderen Sportart wird im American Football jeder Spielzug genauestens einstudiert und der Situation entsprechend vom Cheftrainer bekannt gegeben. Während seine Spieler versuchen, die Anweisungen umzusetzen, bemüht sich die verteidigende Mannschaft an der Aufstellung des Gegners zu erkennen, welche Aktionen zu erwarten sind. Eine ganze Reihe von Assistenztrainern ist damit betraut, den Überblick zu bewahren; einige von ihnen verfolgen das Spiel von hoch oben auf den Rängen und melden über Funk ihre Beobachtungen an den Trainer weiter.

Die Akteure der angreifenden Mannschaft versuchen, angeführt vom → Quarterback (Spielmacher), die Theorie auf dem Spielfeld in die Praxis umzusetzen. Vor jedem Spielzug stellen sich die Angreifer um den Quarterback im Halbkreis, dem → Huddle, auf und erhalten Weisung, wie der nächste Spielzug auszusehen hat. Obwohl nur verschlüsselte Wort-Zahlen-Kombinationen ausgetauscht werden, weiß jeder sofort Bescheid, welcher Spielzug gemeint ist und welche Rolle er selbst dabei zu übernehmen hat. Schließlich verfügt jedes Team über ein dickes Buch mit allen Spielzügen; sie werden zu Saisonbeginn erstellt und einstudiert.

Das Spielfeld

Ein American-Football-Spielfeld ist leicht von anderen zu unterscheiden, denn derart viele Linien auf dem Rasen gibt es in keiner anderen Sportart. Diese Eigentümlichkeit hat zum Spitznamen des Spielfelds geführt: Wegen der parallelen Linien in regelmäßigen Abständen nennen es die Amerikaner auch → Gridiron (Bratrost).

Spielfeldmaße

Gespielt wird American Football auf einem rechteckigen Spielfeld. Die reine Spielfläche ist 100 yards (91,44 m) lang. Mit jeweils einer → Endzone von 10 yards (9,14 m) an den beiden Schmalseiten ergibt es eine Gesamtlänge von 120 yards (109,73 m). Die Breite beträgt 53 yards (48,46 m). In Deutschland wird in der Regel auf Fußballplätzen gespielt, so dass sich ein Spielfeld von 100 Metern Länge und 50 Metern Breite ergibt. Hierzulande wird der Einfachheit halber ein Yard mit einem Meter gleichgesetzt.

Die Endzonen

Von jeder der beiden Null-Linien, der → Goal Line, die der Torlinie im Fußballfeld entspricht, wird ein 10 Yards bzw. Meter tiefes Zusatzareal zum Spielfeld gerechnet, die sogenannte → Endzone. In sie muss die angreifende Mannschaft den Ball tragen, um zu punkten. Da den Endzonen große Bedeutung zukommt, markieren außer Linien fluoreszierende Pylone (Schaumstoff oder leichter Kunststoff) ihre vier Ecken. Hinter jeder Endzone steht ein gabelförmiges, metallenes Torgestänge, bestehend aus einem galgenartigen, nach vorne geschwungenen Mittelpfosten, der im unteren Teil dick gepolstert ist, und einer Querlatte, deren Oberkante sich 10 Feet (3,05 m) über dem Boden befindet. An den Enden dieser Strebe ragen zwei Torpfosten im Abstand von 18 Feet 6 Inches (5,64 m) – in Deutschland sind zwischen 5,55 und 7,30 m Abstand erlaubt – 30 Feet (9,14 m) nach oben. Die Querlatte schließt mit dem hinteren Rand der Endzone ab.



Auf dem »Gridiron« ist angerichtet und die Fans der Oakland Raiders warten auf den Anpfiff.

Die 10-Meter-Linien

Das Spielfeld wird in Längsrichtung in Zonen von je 10 Yards/Meter Länge eingeteilt und mit Nummern versehen. Dabei werden Yards mit Metern gleichgesetzt, obwohl das eigentlich nicht ganz korrekt ist (10 Yards = 9,14 m). Alle 5 Yards/Meter wird eine weitere 4 Inches (10,16 cm) starke Linie gezogen, so dass der erwähnte »Grillrost« entsteht. Die Mittellinie ist die 50-Yards/Meter-Linie, und von ihr aus wird in beide Richtungen nach unten gezählt: So folgen beidseitig der Mittellinie die 40-Yards/Meter-Linie, dann 30 usw. Das eigentliche Spielfeld wird durch die 0-Yards/Meter-Linien oder → Goal Lines von der → Endzone abgetrennt. Damit die Markierungen gut erkennbar sind, stehen neben den Linien entweder die Zahlen auf dem Gras oder werden am Spielfeldrand durch Marker angegeben.

Die Hashmarks

In einem Abstand von 12 Yards (12 m, die Maße variieren zwischen Profi- und sonstigen Ligen), von den beiden Seitenlinien (Sidelines) gemessen, laufen zudem zwei Linien der Länge nach durch das Spielfeld, die sogenannten Hashmarks. Sie werden nicht durchgezogen, sondern nur durch kurze Striche angedeutet. Im Abstand von einem Yard/Meter gesetzt, helfen sie den Schiedsrichtern, den Ball nach einer Aktion wieder richtig zu platzieren. Wer das Spielfeld genau betrachtet, wird noch zwei weitere kurze Linien entdecken: Jeweils drei Meter vor der → Endzone, parallel zur → Goal Line genau in der Mitte, ist eine meterlange Linie aufgezeichnet. Von hier startet die Mannschaft, die einen → Touchdown erzielt hat, ihren Zusatzversuch.

Die Teamzone

Alle Spieler, die nicht zu den elf Akteuren auf dem Feld gehören, sowie Trainer und Betreuer müssen sich in einer markierten Zone an der Seitenlinie aufhalten, der sogenannten Teamzone. Die zwei Teamzonen befinden sich auf beiden Seiten des Spielfelds zwischen den beiden 32-Yards/Meter-Linien.

Der Spielablauf

Beim American Football geht es darum, einen eiförmigen Lederball in die → Endzone zu tragen. Um dieses Ziel zu erreichen bzw. den Gegner daran zu hindern, wird jede Mannschaft in ein Angriffs- (→ Offense) und ein Abwehrteam (→ Defense) mit jeweils elf Spielern unterteilt. Ausgewechselt werden darf dabei während Spielunterbrechungen beliebig. Die Offense versucht durch Laufen und Passen den Ball in die Endzone des Gegners zu transportieren, während der Defense die eigene Endzone verteidigt (siehe auch Kapitel »Die Akteure«).


Nummerntafeln markieren klar die 10-Yards-/Meter-Linien.

Kickoff

Mit dem → Kickoff an der »eigenen« 35-Yard/Meter-Linie beginnt das Spiel: Der → Kicker der zuvor gelosten Mannschaft schießt den Ball von einer kleinen Plastikhalterung, die auf der Linie befestigt wird, mit dem Fuß in die Spielhälfte des Gegners. Dort wird der Ball von einem Gegenspieler gefangen und dieser versucht, ihn so weit wie möglich in die Gegenrichtung zu tragen. An der Stelle, an der der Ballträger zu Fall gebracht wird, startet seine Mannschaft den ersten von vier Versuchen, die zum Ziel haben, den Ball über 10 Yards bzw. 10 Meter vorwärts zu tragen oder zu werfen.

Der Snap

Bevor der Ball ins Spiel kommt, nachdem der Schiedsrichter das Signal zur Freigabe gegeben hat, stehen sich → Offense der einen und → Defense der anderen Mannschaft an der → Line of Scrimmage gegenüber. Beim → Snap reicht der → Center den Ball durch seine gespreizten Beine hindurch nach hinten zum → Quarterback, der den Spielzug einleitet.


Mit dem Kickoff an der 35-Meter-Linie beginnt das Spiel.


Kurz vor dem Snap: Der Quarterback (Nr. 19) der Uni Alabama gibt letzte Anweisungen.

Downs und Touchdowns

First, Second, Third und Fourth → Down heißen die vier Versuche, die der → Offense zur Verfügung stehen, um zehn Yards/Meter mit dem eiförmigen Ball zu überbrücken. Das kann entweder mit Ballträgern oder durch einen Pass des → Quarterbacks auf einen der Fänger geschehen. Gelingt es der angreifenden Mannschaft, erhält sie vier neue Downs und rückt weiter vor, ansonsten wechselt das Angriffsrecht und die bislang verteidigende Mannschaft greift an. Das Ziel der Angreifer ist, den Ball in die gegnerische → Endzone zu befördern und so einen → Touchdown zu erzielen. Für diese gelungene Aktion werden der Offense sechs Punkte gutgeschrieben.


Dem Running Back der Tampa Bay Buccaneers gelingt es, trotz Störversuche zweier Gegenspieler der New Orleans Saints, einen Touchdown zu erzielen.

Ein → Touchdown kann auf folgende Weise erzielt werden:

›Ein Spieler der → Offense läuft mit dem Ball in die → Endzone.

› Ein Spieler der Offense kann den ihm zugepassten Ball in der Endzone fangen (beide Beine müssen dabei die Endzone berühren).

›Ein Spieler der → Defense schnappt sich einen freien Ball (nach einem → Fumble) oder fängt einen Pass eines Angreifer ab (→ Interception) und läuft damit in die gegnerische Endzone.

PAT und Conversion

Nach erfolgtem → Touchdown kann die angreifende Mannschaft sich noch einen Bonus verdienen. Eine Möglichkeit ist, dass der → Kicker in Aktion tritt und versucht, den Ball über das Torgestänge zu schießen. Dabei wirft der → Center von der 3-Yards/Meter-Linie dem → Holder, der an der 10-Yards/Meter-Linie kniet, den Ball zu, dieser setzt ihn auf den Boden auf und lässt den Kicker schießen. Die ganze Aktion läuft innerhalb weniger Sekunden flüssig ab, denn schließlich versucht die Abwehr den Schuss abzublocken. Gelingt es dem Kicker, den Ball über dem Gestänge zu platzieren, gibt es einen Bonuspunkt (→ Point after Touchdown oder PAT). Als Alternative zum Torschuss kann auch ein neuer Spielzug von der 3-Yard/Meter-Linie aus gestartet werden, um so den Ball noch einmal in die → Endzone zu befördern: Für diese Aktion gibt es zwei Zusatzpunkte und man spricht von einer → Conversion.


Der Lauf des Ballträgers der Green Bay Packers wird hier jäh gestoppt.

Im Idealfall kann man mit einem Touchdown acht Punkte erzielen; gelingen PAT oder Conversion nicht, bleibt es bei sechs Punkten.

Fourth Down

Beim → Fourth Down hat die an - greifende Mannschaft verschiedene Optionen, die in erster Linie von der Entfernung zur gegnerischen oder eigenen → Endzone abhängen: → Punt, vierter Versuch oder → Fieldgoal (siehe unten). Befindet man sich noch in der eigenen Spielhälfte und bestehen kaum Chancen, die erforderlichen 10 Yards/Meter noch zu schaffen, übergibt man dem Gegner den Ball mit einem Punt. Dabei wird der Ball vom Punter mit dem Fuß möglichst weit in die andere Hälfte geschossen, wo ihn der Gegner wie beim → Kickoff fängt und zurückträgt. Wo er zu Boden geht, beginnt der Gegner dann mit seinen eigenen vier Versuchen.

Steht die angreifende Mannschaft vor dem vierten Versuch schon nahe der gegnerischen → Endzone, kann sie versuchen, die noch zehn fehlenden Yards/Meter im vierten Versuch zu überbrücken. Das wird meist dann praktiziert, wenn es sich nur mehr um wenige Zentimeter oder einen Meter handelt. Das Risiko dabei ist, dass bei Nichtgelingen der Gegner an der Stelle, wo man gescheitert ist, den Ball übernimmt.

Fieldgoal

Ein → Fieldgoal zu versuchen, bietet sich immer dann an, wenn es zu riskant wäre, im vierten Versuch den benötigten Raumgewinn »regulär« zu erreichen, andererseits aber die → Endzone schon nahe ist. Dazu schickt die → Offense ihren → Kicker aufs Spielfeld. Wie beim → PAT wird der Ball platziert und der Kicker schießt ihn mit dem Fuß in Richtung Tor. Falls es ihm gelingt, den Ball zwischen die Pfosten und über die Querstange zu kicken, werden seinem Team drei Punkte gutgeschrieben.

Interception und Fumble

Natürlich versucht die jeweils abwehrende Mannschaft, das Vorrücken des Gegners zu verhindern. Gelingt ihr das, geht der Ball an sie über und sie erhält Gelegenheit, Boden gut zu machen und zu punkten. Die Abwehr kann jedoch auch regelgerecht während der Angriffe des Gegners in Ballbesitz kommen oder sogar selbst punkten. In Ballbesitz gelangt man auf zweierlei Art: durch eine → Interception oder eine → Fumble Recovery. Ersteres ist ein von einem Verteidiger abgefangener Pass der angreifenden Mannschaft. Von Fumble spricht man, wenn der balltragende Angreifer den Ball unbeabsichtigt fallen lässt. Dann ist der Ball frei und wer ihn als Erster zu fassen bekommt (Fumble Recovery), dessen Mannschaft ist mit dem Angreifen am Zuge. Kann ein Verteidiger den Ball ohne gegnerische Berührung aufnehmen, darf er sogar sofort selbst versuchen, die gegnerische → Endzone zu erreichen und einen → Touchdown zu erzielen. Ähnlich verhält es sich bei einer Interception.


Interception: Dem Abwehrspieler der Kansas City Chiefs (weißes Trikot) gelingt es, den für den Receiver der Los Angeles Rams bestimmten Ball abzufangen.


Hat es gereicht? Manchmal müssen die Schiedsrichter genau nachmessen, ob der nötige 10-Meter-Raumgewinn auch tatsächlich geschafft wurde.

Der Safety

Die Verteidigung (→ Defense) kann auch auf andere Art, ohne in Ballbesitz zu sein, punkten: mit einem → Safety. Dabei muss es einem Verteidiger entweder gelingen, den Ballträger der angreifenden Mannschaft in deren eigener → Endzone zu → tackeln. Oder ein abgeblockter → Punt bzw. → Kick rollt in die Endzone des angreifenden Teams und über die End- oder Seitenlinie aus dem Spielfeld. Dafür erhält die verteidigende Mannschaft zwei Punkte.

Die 10-Meter-Kette und die Chain Crew

Ein neuer → Down beginnt dort, wo die angreifende Mannschaft zuletzt von der Verteidigung gestoppt wurde. Damit man weiß, wie viele Yards/Meter schon zurückgelegt wurden und um welchen Versuch es sich handelt, gibt es am Spielfeldrand Schiedsrichterassistenten. Sie sind verantwortlich für eine exakt 10 Yards/Meter lange Metallkette, an deren Enden Stangen befestigt sind. Die eine davon wird an der Anspiellinie aufgesetzt, die andere markiert das Ziel, d. h. die 10 Yards/Meter. Allein die Spitze des Balls muss darüber hinausragen, damit es einen neuen → First Down gibt. Ein dritter Assistent der sogenannten → Chain Crew steht zwischen den beiden Stangen der straff gespannten Kette und hält nicht nur eine Tafel mit dem derzeit anstehenden Down (1, 2, 3 oder 4), sondern steht zugleich genau auf der Höhe, wo der nächste Spielzug beginnt. Wichtig ist diese Meterkette als Orientierungshilfe nicht nur für die Schiedsrichter, sondern auch für Spieler, Trainer und Zuschauer.

Ende eines Spielzugs

Ein Spielzug oder → Down endet durch den Abpfiff eines Schiedsrichters und der Ball gilt dann als »tot«.

Der Hauptschiedsrichter pfeift einen Spielzug ab, wenn

›die Angreifer einen → Touchdown, ein → Field Goal oder einen → Safety erzielen konnten, also gepunktet haben;

›der Ballträger durch ein → Tackling gestoppt wurde, d. h. zu Boden geht;

› der Ballträger oder der Ball die Seitenlinie überschreitet;

› der Ball nach einem Pass den Boden berührt, ehe er von einem Spieler gefangen werden konnte;

›der Ball nach einem → Punt oder → Kickoff auf dem Spielfeld zu liegen kommt, ohne dass ihn ein Spieler berühren konnte.


Blocken und Tackeln gehören zum erlaubten Körpereinsatz.

Blocken und Tackeln

Schon beim ersten Spielzug wird eines klar: Beim American Football darf man – wenn auch in genau fixierten Grenzen (siehe Kapitel »Die Akteure«) – richtig zupacken (to tackle). Maßgebend sind dabei zwei Grundregeln:

Die Angreifer dürfen einen Gegner nicht mit den Händen umwerfen, sondern müssen mit ihrem Körper bzw. ausgestreckten Armen »blocken«. Auf diese Weise werden Verteidiger weggedrückt, am Vorwärtskommen gehindert oder dem balltragenden Mitspieler eine Gasse freigeblockt.

Ein Defensespieler darf hingegen härter hinlangen: Er kann den gegnerischen Ballträger mit Händen und Körper »tackeln«, d. h. packen und umwerfen. In keinem Fall erlaubt ist Festhalten.


Trotz regelgerechten Körpereinsatzes kann der Abwehrspieler nicht verhindern, dass der Wide Receiver beim All-Star-Spiel der NFL auf Hawaii den Ball sicher fängt.


Mit einem Hechtsprung versucht der Wide Receiver der Philadelphia Eagles im NFL-Spiel gegen die Arizona Cardinals den Ball doch noch zu fangen.

Die Spielzeit

Ein American Football-Spiel geht über 60 (→ NFL und College) bzw. 48 Minuten (Amateure) reine Spielzeit. Diese wird in viermal 15 bzw. 12 Minuten, in sogenannte → Quarter, unterteilt. Nach den beiden ersten Quarters, also nach 30 bzw. 24 Spielminuten, gibt es eine Halbzeitpause. Dass ein Spiel jedoch meist doppelt so lange dauert, liegt daran, dass die Uhr nach gewissen Unterbrechungen – beispielsweise wenn der Ball ins Seitenaus geht oder der Hauptschiedsrichter eine offizielle Unterbrechung nach einem Regelverstoß anzeigt – angehalten wird.

Die Mannschaft, die am Ende die meisten Punkte erzielt hat, ist Sieger. Bei einem Unentschieden wird in der NFL um maximal 15 Minuten verlängert, doch gilt dann das Prinzip des »Sudden Death«, d. h. wenn eine Mannschaft punktet (außer Field Goal), ist Schluss. Im College Football erhält jede Mannschaft in der Overtime hingegen einen Spielzug ab der 25-Meter-Linie. Sieger ist das Team, das dabei mehr Punkte erzielt.

DIE AUSRÜSTUNG


Wie Eishockey ist American Football ein sogenannter »Kontaktsport«, d. h., Körpereinsatz ist wesentlicher Bestandteil des Spiels. In der Tat prallen die Spieler bei vielen Aktionen mit voller Wucht aufeinander und auch das → Tackeln und → Blocken des Gegners sieht nicht eben sanft aus. Verletzungen wären vorprogrammiert, gäbe es nicht zum Schutz der Spieler eine mehrteilige Ausrüstung. Bevor die Spieler aufs Spielfeld laufen, sind erst einmal rund 10 kg an Schutzausrüstung anzulegen. Und noch etwas unterscheidet American Football von anderen Ballsportarten: das Spielgerät. Es ist kein runder Ball, sondern ein spitzovaler, der an einen Rugby-Ball erinnert.

Inzwischen sind die Tage längst vorbei, als sich Spieler noch selbst ihre Ausrüstungen bastelten. Hightech-Ausrüstung ist Standard und das Regelwerk des American Football schreibt sogar die Details der Schutzausrüstung vor. Unterschieden wird dabei zwischen Pflicht- (Mandatory Equipment) und optionaler Ausrüstung (Optional Equipment), wobei ein Komplettsatz zwischen 500 und 1000 Euro kostet. Hinter dem massig wirkenden Muskelprotz kann sich oft ein eher schmächtiger Junge verbergen, denn gerade die Schulterpolster oder »Pads« – was jegliche Art von Polstern bezeichnet – machen die Form aus, täuschen Breite und Muskeln vor, wo eventuell gar keine sind.


»Pille« oder »Pigskin« – der American Football ist kein »normaler« Ball.

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135 стр. 92 иллюстрации
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9783767920538
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Bookwire
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