Читать книгу: «Der Tag, an dem der Tod starb»
Manfred Glimm
DER TAG, AN DEM DER TOD STARB
Eine Betrachtung biblischer Prophetie
Engelsdorfer Verlag
Leipzig
2013
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Copyright (2013) Engelsdorfer Verlag Leipzig
Alle Rechte beim Autor
Fotos: Manfred Glimm (Privatarchiv)
www.engelsdorfer-verlag.de
1. digitale Auflage 2013: Zeilenwert GmbH
ISBN 978-3-95-488957-0
Inhalt
Cover
Titel
Impressum
Zitat
Vorwort
Die Einzigartigkeit Jesu Christi
Israel – das Volk Gottes
Israel in der Prophetie
Gog von Magog
Das Zeitalter der Gemeinde
Die Zukunft der Gemeinde
Die Wiederkunft Jesu Christi
Der Anstatt-Christus
Die siebenjährige Trübsalszeit
Die siebzigste Jahrwoche Daniels
Das tausendjährige Friedensreich Christi
Das Weltgericht
Literaturverzeichnis
Vom Autor bereits im Engelsdorfer Verlag erschienen:
„Umso fester haben wir das prophetische Wort, und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen. Und das sollt ihr vor allem wissen, dass keine Weissagung in der Schrift eine Sache eigener Auslegung ist. Denn noch nie ist eine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht, sondern getrieben von dem heiligen Geist haben Menschen im Namen Gottes geredet.“
2. Petrus 1, 19-21
Vorwort
Unaufhaltsam rückt der Zeiger der Uhr an der Wand meines Krankenzimmers vor. Ich liege hier zur Beobachtung, nachdem ich einen Tag zuvor plötzlich leblos zusammengebrochen war. Zu jenem Zeitpunkt konnte ich gerade noch mein Unwohlsein äußern, dann wurde es dunkel.
Ich empfand eine angenehme Kühle, hatte jedoch darüber hinaus keine besonderen Wahrnehmungen. Weit entfernt hörte ich auf einmal Stimmen, die sich mehr und mehr näherten. Es waren meine Frau Heike und mein Sohn Daniel, die heftig im Gebetskampf für mich vor Gott eintraten, damit Er mein Leben erhalten möge. Als ehemaliger Polizeibeamter wusste mein Sohn recht gut, wann jemand tot war. Doch Gott gab Gnade zum Weiterleben.
Meine weit geöffneten Augen begannen nach kurzer Zeit wieder zu sehen, und ich hatte auch keinerlei Ausfallerscheinungen oder Gedächtnislücken. Auch der inzwischen alarmierte Notarzt konnte keine Besonderheiten feststellen. Kein Schlaganfall, keine Herzattacke, keine Epilepsie. Es war, als wäre nichts gewesen.
An jenem 28. August 2010 hätte ich plötzlich und unerwartet vor meinem Schöpfer gestanden. Nicht im Traum hätte ich am Morgen daran gedacht, als ich noch problemlos auf den nahe gelegenen Feldern kilometerweit joggen war, dass mich wenige Stunden später das Unerwartete treffen würde.
Das Unerwartete bezieht sich jedoch nicht nur auf das Leben des Einzelnen, sondern auch auf den Verlauf der Menschheitsgeschichte insgesamt. Die Zeit schreitet immer weiter fort, und die in der Bibel vorhergesagten Ereignisse vollziehen sich teilweise schon vor unseren Augen. Schauen wir daher gemeinsam in das Wort Gottes und hören auf den, der da kommen wird „wie ein Dieb in der Nacht“.
Manfred Glimm, Karfreitag 2011
Die Einzigartigkeit Jesu Christi
Keine Persönlichkeit der Weltgeschichte hat einen derartigen Einfluss auf unser Dasein ausgeübt wie Er, und das, ohne auch nur ein einziges selbst geschriebenes Wort hinterlassen zu haben. Wir kennen die ägyptischen Hieroglyphen, die Keilschrifttafeln aus Mesopotamien und auch Cäsars Schilderung des „Gallischen Krieges“, mit dem sich fast jeder Gymnasiast im Fach Latein herumplagen muss. Doch von Jesus ist persönlich nichts Schriftliches vorhanden. Nur als Er beim Ergreifen der Ehebrecherin von den Pharisäern gefragt wurde, was denn mit ihr geschehen solle, da sie nach dem jüdischen Gesetz hätte gesteinigt werden müssen, schrieb Er mit dem Finger auf die Erde (vgl. Joh. 8, 6) und wandte sich an ihre Ankläger mit den Worten:
„Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.“ (Joh. 8, 7)
Welche Worte Er in den Sand geschrieben hat, ist uns nicht überliefert, wir können es daher nur vermuten. In Jeremia 17, 13 heißt es beispielsweise:
„Denn du Herr, bist die Hoffnung Israels. Alle, die dich verlassen, müssen zuschanden werden, und die Abtrünnigen müssen auf die Erde geschrieben werden.“
Hat Jesus möglicherweise die Schriftgelehrten gemeint, die nur eine äußere Form der Frömmigkeit zeigten, aber Ihn, den im menschlichen Körper erschienenen Erlöser und Heiland mit der Vollmacht zu vergeben nicht erkennen wollten?
Als zwei Jünger nach dem Passahfest auf dem Weg in das zu Fuß zwei Stunden entfernte Emmaus waren, gesellte sich Jesus zunächst unerkannt zu ihnen (vgl. Luk. 24, 13-15). Sie waren darüber erstaunt, dass der Fremde offensichtlich nicht wusste, was sich in diesen Tagen dort zugetragen hatte. Doch dieser legte ihnen die Schrift aus von Mose an bis zu den Propheten, was darin von ihm gesagt war (vgl. Luk. 24, 27).
Doch auch hierbei erkannten sie Ihn noch nicht. Erst in dem Augenblick, als sie den Ort erreicht hatten und zu Tische waren, wurden ihre Augen aufgetan, während Er das Brot brach. Da erkannten sie Ihn, und im selben Moment verschwand Er vor ihren Augen.
Bibelkritiker vermuten hier möglicherweise einen Fall von orientalischer Übertreibung. Wie kann denn jemand plötzlich unsichtbar werden? Die Antwort ist: Jesus war als Mensch gewordene Person der Gottheit sowohl vor, als auch nach seiner Auferstehung niemals an die Gesetze der physikalischen Welt gebunden. Er, der die Naturgesetze schuf, kann sie gelegentlich auch außer Kraft setzen, z. B. über das Wasser gehen (vgl. Mt. 14, 25). Wie wir noch sehen werden, ist Er nicht der Einzige, der diese im Bedarfsfall umgangen hat.
Was ist das für ein Geheimnis, das den Nazarener umgibt? „Jesus von Nazareth“ wird Er in Anlehnung an die Berichte der Bibel in der Geschichte genannt.
Schon Seine Geburt ist phänomenal, ist sie doch ein Ereignis, das mit der üblichen Menschwerdung nicht konform geht. Der Prophet Jesaja weissagt uns bereits etwa 700 Jahre vor der Geburt Jesu folgendes (Jes.7, 14):
„Darum wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie nennen Immanuel“ (d.h. Gott mit uns).
Maria, die Mutter Jesu, war nicht nur eine junge Frau, sondern tatsächlich eine Jungfrau im biologischen Sinn. Dies wird an ihrer Frage überaus deutlich, als ihr ein Engel die Menschwerdung Gottes in ihrem Körper ankündigt (Luk.1, 34):
„Wie soll das zugehen, da ich doch von keinem Manne weiß?“
Diese Frage macht alle heutigen theologischen Spitzfindigkeiten zunichte, die die Geburt Jesu durch eine Jungfrau in Zweifel ziehen.
Doch auch ihr Verlobter Joseph hatte damit ein Problem, denn sie waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht verheiratet, und er musste mit ansehen, wie die von ihm nicht verursachte Schwangerschaft mit jeder Woche deutlicher zutage trat. Was mag in diesem Mann vorgegangen sein? Es bedurfte einer göttlichen Offenbarung in Gestalt eines Engels, um Joseph im Traum zu verdeutlichen, seine Braut auf keinen Fall wegen der unerklärlichen Schwangerschaft zu verstoßen (vgl. Mt. 1, 18-25). Alles geschah, „auf dass die Schrift erfüllt würde“.
Immer wieder finden wir in der Bibel diese und ähnliche Formulierungen, und das, obwohl zwischen Prophezeiung und endlicher Erfüllung oft Jahrhunderte liegen.
Obgleich die Bücher der Bibel zu so unterschiedlichen Zeiten geschrieben wurden, bilden sie doch ein Ganzes und stehen einander in Beziehung.
Den ersten Hinweis auf den Erlöser finden wir bereits in der Genesis, dem 1. Buch Mose. Nach dem Sündenfall sagt Gott zur Schlange (Gen.3, 15):
„Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau und zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen; d er soll dir den Kopf zertreten und du wirst ihn in die Ferse stechen“.
An dieser Stelle haben wir bereits einen Hinweis auf Gottes Heilsplan: Der Nachkomme der Frau wird dereinst das Böse besiegen, jedoch dabei verletzt werden, und, wie wir wissen, endete dieser Kampf zunächst tödlich, als der Gottessohn als Nachkomme der Frau am Kreuz von Golgatha sein Leben für uns dahingab. Dieser Sieg war und ist das endgültige Aus für Satan und seine Dämonen sowie alle Fürstentümer der Finsternis. Niemand kann ermessen, was es Gott gekostet hat, dieses Opfer für uns zu bringen, damit wir nicht in der Ewigkeit von Ihm getrennt sein müssen. Alle unsere Bekundungen des Dankes reichen nicht aus, um auch nur annähernd dieses Gnadenangebot an uns zu würdigen.
Aber auch ein Hinweis auf noch jemanden findet sich bereits: der Same der Schlange. Dies ist niemand anders als die spätere Inkarnation Satans, der Antichrist, den der Apostel Paulus im 2. Thessalonicherbrief Kap. 2, 3-10 beschreibt:
„Lasset euch von niemand verführen in keinerlei Weise; denn zuvor muss der Abfall kommen und der Mensch der Bosheit offenbart werden, der Sohn des Verderbens. Er ist der Widersacher, der sich überhebt über alles, was Gott oder Gottesdienst heißt, sodass er sich in den Tempel Gottes setzt und vorgibt, er sei Gott … Denn es regt sich schon das Geheimnis der Bosheit; nur muss der, der es jetzt noch aufhält, weggetan werden; und dann wird der Böse offenbart werden. Ihn wird der Herr Jesus umbringen mit dem Hauch seines Mundes … Der Böse aber wird in der Macht des Satans auftreten mit großer Kraft und lügenhaften Zeichen und Wundern und mit jeglicher Verführung zur Ungerechtigkeit bei denen, die verloren werden, weil sie die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben, dass sie gerettet würden.“
Die Welt sehnt sich nach einer Persönlichkeit, die in der Lage ist, endlich den ersehnten Frieden von globaler Auswirkung zu bringen, jemand, der die Finanzprobleme zu lösen in der Lage ist, der es schafft, alle Völker unter seine Herrschaft zu bringen. Wie dies im Einzelnen jedoch erfolgen wird, können wir u. a. in der Offenbarung des Johannes lesen. Doch davon später mehr.
Die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus und sein Opfertod sind das zentrale Bekenntnis des christlichen Glaubens. Der ewige, unsichtbare Gott, der das All aus dem Nichts ins Dasein gesprochen hat, macht sich klein und gering, um alle Phasen des Menschseins selbst zu erleben. Der Jünger Johannes schreibt (Joh. 1, 1-14):
„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht ergriffen. … Das war das wahrhaftige Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen. Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn gemacht, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, und die Seinen nahmen ihn nicht auf . … Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“
Dieser Vorgang ist einzigartig und entzieht sich allem menschlichen Verstehen. Wäre Maria keine Jungfrau gewesen und auf normalem Wege durch einen Mann schwanger geworden, wie hätte dieses Kind die Welt erschaffen können, die ja schon längst existiert hat? Sein Kommen ist durch die Propheten in vielen Einzelheiten vorhergesagt worden, nicht allein die Geburt durch eine noch unberührte Frau, sondern auch der Geburtsort Bethlehem sowie Jesu spätere Hinrichtung durch Kreuzigung werden in der Bibel Jahrhunderte vorher beschrieben. So weissagt beispielsweise der Prophet Micha etwa 500 v. Chr. (Micha 5, 1):
„Und du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist.“
Der hebräische Name Bethlehem bedeutet übersetzt Haus des Brotes und weist hier schon auf Jesus hin, der sich selbst als das Brot des Lebens bezeichnet (vgl. Joh.6, 35). Sein Dasein hat nach diesen Worten seinen Ursprung in der Ewigkeit und nicht in der Welt von Zeit und Raum. Aus dieser Sphäre unbeschreiblicher Herrlichkeit heraus erniedrigt sich der Schöpfer des Universums und macht sich in der Gestalt eines Menschen seinen Geschöpfen gleich.
Die Qualen der Hinrichtung durch Kreuzigung und das Losen um sein Gewand, wie es die römischen Legionäre später taten, werden rund eintausend Jahre (!) vor dem tatsächlichen Geschehen von König David beschrieben. Dazu auszugsweise einige Verse aus dem 22. Psalm:
„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne. … Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, ein Spott der Leute und verachtet vom Volke. Alle, die mich sehen, verspotten mich, sperren das Maul auf und schütteln den Kopf: <Er klage es dem Herrn, der helfe ihm heraus und rette ihn, hat er Gefallen an ihm.> … Ich bin ausgeschüttet wie Wasser, alle meine Knochen haben sich voneinander gelöst; mein Herz ist in meinem Leibe wie zerschmolzenes Wachs. Meine Kräfte sind vertrocknet wie eine Scherbe, und meine Zunge klebt mir am Gaumen, und du legst mich in des Todes Staub. Denn Hunde (Anm.: Heiden, Nichtjuden) haben mich umgeben, und der Bösen Rotte hat mich umringt; sie haben meine Hände und Füße durchgraben. … Sie teilen meine Kleider unter sich und werfen das Los um mein Gewand.“
Interessant ist meines Erachtens hier die Tatsache, dass die Art der Hinrichtung durch die Nagelung an Händen und Füßen (an ein Kreuz) durch die römischen Soldaten (Nichtjuden) beschrieben wird, obwohl Rom zum Zeitpunkt der Niederschrift des 22. Psalms noch gar nicht existierte. Wie die meisten wissen, ist Rom nach der Überlieferung erst etwa zweihundertfünfzig Jahre später (753 v. Chr.) gegründet worden. Ferner schildert der Psalmist hier sehr deutlich die bei einer Kreuzigung auftretenden körperlichen Leidenssymptome.
Doch auch andere Aussagen der Bibel verdeutlichen die Tatsache der Gottheit Jesu. Im Johannesevangelium Kap. 8 spricht Jesus davon, dass Er von Gott ausgegangen ist (vgl. V. 42) und bezieht sich einige Verse später in anderem Zusammenhang auf den Stammvater des jüdischen Volkes, Abraham. Dies veranlasst die Leute zu der Frage (V.57): „Du bist noch nicht fünfzig Jahre alt und hast Abraham gesehen?“ Darauf antwortet Jesus mit einem alles klärenden Satz (V.58):
„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe Abraham wurde, bin ich.“
Die Leute um ihn herum wussten nur zu genau, dass Abraham bereits zweitausend Jahre vor ihnen gelebt hat. Jesus gebraucht hier die Zeitform des Präsens BIN ICH, die in diesem Zusammenhang ebenfalls auf den Namen Gottes JHWH (ICH BIN, der ICH BIN) hinweist. Eine ähnliche Feststellung trifft Johannes der Täufer, als er von Jesus sagt (Joh. 1, 29+30):
„Am nächsten Tag sieht Johannes, dass Jesus zu ihm kommt und spricht: Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt! Dieser ist’s, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der vor mir gewesen ist, denn er war eher als ich.“
Nach den Aussagen der Schrift ist Johannes der Täufer jedoch noch einige Monate vor Jesus geboren worden (vgl. Luk. Kap. 1), gleichwohl weist er auf die oben zitierte Tatsache hin.
Die Heilige Schrift ist voll von Hinweisen und Aussagen über die Gottheit Jesu, doch leider werden diese oft überlesen. In seinem hohepriesterlichen Gebet kurze Zeit vor seiner Hinrichtung überliefert der Jünger Johannes folgende Worte Jesu (Joh. 17, 1-5):
„So redete Jesus und hob seine Augen auf zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da: Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrliche, denn du hast ihm Macht gegeben über alle Menschen, damit er das ewige Leben gebe allen, die du ihm gegeben hast. Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen. Ich habe dich verherrlicht auf Erden und das Werk vollendet, das du mir gegeben hast, damit ich es tue. Und nun, Vater, verherrliche du mich bei dir mit der Klarheit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war.“
Der Schöpfer des Universums wird dem Menschen in seinem begrenzten Denken immer unverständlich bleiben. Wie soll allein der Begriff der Ewigkeit gedanklich nachvollzogen werden? Unser Dasein ist geprägt von der Tatsache, dass alle Dinge ein Ende und meistens auch einen Anfang haben, aber Gott, der beides nicht hat, also weder Anfang noch Ende, ist im Grunde unvorstellbar. Als Hilfestellung zur Wahrnehmung des Ewigen gibt im Neuen Testament u. a. der Brief des Paulus an die Römer Auskunft. Er weiß, dass der ungläubige Mensch ein Problem mit dem Unsichtbaren hat, da er nur das akzeptiert, was messbar, erfassbar und wahrnehmbar ist. Aber gerade dort hakt Paulus ein und betont, dass Gottes unsichtbares Wesen und Seine Allmacht wahrgenommen werden an Seinen Werken, so dass sie keine Entschuldigung haben (vgl. Rö.1, 20). Hier wird im Grunde genommen das wissenschaftlich anerkannte Prinzip von Ursache und Wirkung verdeutlicht. Da es eine sichtbare Wirklichkeit gibt, die sinnvoll und präzise nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten funktioniert, muss es einen Ursprung von diesem allem geben. So, wie ein Kunstwerk Rückschlüsse auf die Fertigkeit des Meisters zulässt, so lässt die Natur Rückschlüsse auf Gottes Allmacht zu. Wer genau hinsieht, wird erkennen, dass das sinnvolle Zusammenwirken der Elemente und anderer Komponenten in der Natur kein Zufallsprodukt sein kann. Die Logik allein würde einen solchen Gedankenansatz schon verbieten. Der Naturwissenschaftler und Autor Erich Hitzbleck hat sich in seinem Buch „Wie ich die Welt verstehe“ (R. Brockhaus Verlag Wuppertal, Ausg. 1974, Bd. 218) gründlich mit der Frage der Schöpfung aus dem Unsichtbaren befasst und diese Tatsache sehr anschaulich und logisch nachvollziehbar dargestellt. Einige seiner Überlegungen mögen daher auch hier zum besseren Verständnis unseres Daseins beitragen.
Ein Haus beispielsweise besteht vor der Bauausführung erst auf dem Papier. Es ist noch nicht in das Sichtbare getreten, doch in den Gedanken des Architekten ist es bereits existent. Dann beginnen die Bauleute mit in diesem Fall vorhandener Materie, also Steine, Beton und Zement oder Holz, um ein vom Architekten durchdachtes, geordnetes System zu schaffen, dass in der Fertigstellung eines Hauses mit allen damit verbundenen Funktionen wie Elektrik, Wasserver- und -entsorgung sowie Wärmebereitung gipfelt. Dasselbe gilt für unser System Erde. Ohne zu weit auszuholen, möchte ich dem geneigten Leser kurz nur einige Beispiele für die sinnvolle Funktionalität unserer Umwelt vor Augen führen, über die er vielleicht noch nie so richtig nachgedacht hat. Glaube ist nämlich geheiligtes Denken.
Der Abstand der Erde zur Sonne ist so bemessen, dass sie einerseits nicht zu kalt, andererseits aber auch nicht zu warm wird. Doch trotz des richtigen Abstandes würde dieser Effekt dennoch eintreten, da eine Seite ständig von der Sonne beschienen würde, die andere bliebe kalt und dunkel. Sinnvoll ist somit die Erdrotation, die für eine gleichmäßige Erwärmung und Abkühlung sorgt, so, wie wir ein Hähnchen auf dem Grill gleichmäßig drehen, damit es nicht anbrennt. Gleichzeitig haben wir Tag und Nacht, in der der Mensch tätig sein aber auch ausruhen kann.
Obwohl wir uns etwa mit der Geschwindigkeit einer Gewehrkugel um die Sonne bewegen, dauert ein Umlauf ein Jahr. Durch die Neigung der Erdachse zu dieser elliptisch geformten Umlaufbahn von rund 23, 5 Grad entstehen sowohl auf der Nord-, als auch auf der Südhalbkugel jeweils im Wechsel die Jahreszeiten. Mal ist durch die Neigung zur Sonne die Nordhalbkugel stärker beschienen, mal die Südhalbkugel. Bei einer senkrechten Position zur Umlaufbahn wäre dies so nicht möglich und hätte sehr wahrscheinlich katastrophale klimatische Auswirkungen.
Jeder Gärtner weiß, wie gut Regenwasser für die Pflanzen ist. Auf der Erde gibt es genug Wasser, doch ist es wegen des Salzgehaltes nicht für den Garten geeignet.
Nun geschieht etwas Sinnvolles: Durch die Sonnenwärme bedingt verdunstet das Wasser der Meere zu Wolken, die vom Wind auf das Land getrieben werden, dort als Süßwasser abregnen und das Land bewässern. Ist das nicht genial? Ich empfehle in diesem Zusammenhang die Lektüre des 38. und 39. Kapitels des Buches Hiob im Alten Testament. Dass es sich bei unserer Erde um eine Kugel handelt, ist der Bibel ebenfalls zu entnehmen. Das hier gebrauchte hebräische Wort des Urtextes heißt chug ha erez, was nicht Erdkreis, sondern Erdball bedeutet.
Schauen wir nunmehr im Neuen Testament auf die Worte des Briefes an die Kolosser, wie sie uns Paulus, der Völkerapostel, überliefert hat. Diese Verse bewegen mich immer wieder aufs Neue zutiefst und lassen Jesus als die eine große Ursache aller Dinge in den Vordergrund treten (Kol.1, 15-23):
„Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor aller Schöpfung. Denn in ihm ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Mächte oder Gewalten; es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen. Und er ist vor allem, und es besteht alles in ihm.“
Jesus ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes. Daher kann Er auch sagen (Joh.14, 9): „Wer mich sieht, der sieht den Vater“, bzw. Joh.10, 30: „Ich und der Vater sind eins.“
Ich möchte dieses Wort Jesu anhand eines Beispiels verdeutlichen, dass der gläubige Gelehrte, Mediziner und Wissenschaftler Prof. Dr. mult. A.E. Wilder-Smith in seinem herausragenden Buch „Herkunft und Zukunft des Menschen“ (Hänssler-Verlag, 5. Auflage 1980, S.63+64) als Zitat des englischen Wissenschaftlers Sir James Jeans beschreibt:
„Die modernen wissenschaftlichen Theorien zwingen uns zu der Vorstellung eines Schöpfers, der außerhalb von Raum und Zeit arbeitet, ebenso wie der Künstler sich außerhalb seiner Leinwand befindet. Non in tempore, sed cum tempore, finxit Deus mundum“ (Anm.: Nicht in der Zeit, aber mit der Zeit hat Gott die Welt gemacht).
Stellen wir uns nun einen Künstler vor, der in seinem Atelier arbeitet: Mit dem Pinsel befindet er sich in einem dreidimensionalen Raum, entweder im Atelier selbst oder in der Natur. Er nimmt Farbe (Materie) und wirkt nach seiner Kunstfertigkeit aus der dreidimensionalen Umgebung auf eine zweidimensionale Fläche, der Leinwand, ein. Er schafft ein Kunstwerk: Er malt z.B. eine Landschaft mit Bergen, Bäumen, Gewässern und Menschen. Diese sind jedoch nicht in der Lage, ihren Maler zu sehen, weil sie eben nicht dafür geschaffen sind. Der Maler hingegen kann sie sehen, zwangsläufig übersieht er natürlich sein gesamtes Werk, das er gestaltet. Nun die Frage: Was muss der Maler tun, wenn er wegen des wunderbaren Gelingens seines Werkes selbst Bestandteil seines Bildes werden möchte? Antwort: Er muss sich selbst in das Bild hineinmalen! Ebenso verhält es sich mit Gott und uns. Er hat sich aus der für uns nicht sichtbaren Wirklichkeit in unsere Daseinsform begeben, hat sich in Jesus klein, verletzbar und begrenzt gemacht. Durch den Körper einer Jungfrau nahm der Ewige die Gestalt eines Menschen an und durchlief alle Phasen des menschlichen Daseins, sogar bis zum Tod. Der dem o.a. Beispiel entsprechende Bibeltext findet sich im Brief des Paulus an die Philipper, Kap. 2. V. 5-11:
„Seid so unter euch gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht: Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt. Er erniedrigte sich selbst und war gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr sei, zur Ehre Gottes, des Vaters.“
In diesem Zusammenhang möge ein letztes Beispiel an dieser Stelle die Gottheit Jesu verdeutlichen. Er ist Alpha und Omega, Anfang und Ende. Er ist der Auferstandene, der alles Leben nach Seinem Plan und Willen geschaffen hat. Durch Seinen Geist ist Er nicht nur auf der Erde, sondern auch im gesamten Universum gegenwärtig. Die Erde ist von einer Lufthülle umgeben, die uns das Leben in ihrer chemischen Zusammensetzung erst ermöglicht. Die Luft entweicht nebenbei gesagt nicht in das Hochvakuum des Universums, da die Schwerkraft der Erdmasse die Luft an die Erde bindet.
Das griechische Wort für Luft ist pneuma und bedeutet auch gleichzeitig Geist. Genauso, wie die Luft unserer Atmosphäre jeden Raum auf der Erde ausfüllt, ebenso ist Gott überall gegenwärtig und nimmt gleichzeitig und zu jeder Zeit jede Bewegung eines Menschen, seine Taten und seine Gedanken wahr. Dies mag schwer vorstellbar sein, ist aber die Wahrheit. Eine nicht hinreichende aber ein wenig einleuchtende Erklärung ist etwa der Vergleich mit einem Rechner: In Millionen Haushalten ist ein Computer vorhanden, mit dem ich mich bei einer Suchmaschine einloggen kann. Gleichzeitig tun das tausend andere Nutzer auch, und zwar zur selben Zeit wie ich. So ist es auch mit Gott: Er kann jederzeit von jedem Menschen angerufen werden und individuell auf mein aufrichtiges Gebet antworten. Lassen wir zuletzt die Eingangsworte zum Brief an die Hebräer im Neuen Testament sowie einige Verse aus dem Propheten Jesaja zu uns sprechen (Hebr.1, 1-3):
„Nachdem Gott vorzeiten vielfach und auf vielerlerlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn, den er eingesetzt hat zum Erben über alles, durch den er auch die Welt gemacht hat. Er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens und trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort und hat vollbracht die Reinigung von unseren Sünden und hat sich gesetzt zu der Rechten der Majestät in der Höhe ...“
In dem alten bekannten Weihnachtslied Es ist ein Ros’ entsprungen nimmt der Komponist Praetorius im 17. Jahrhundert Bezug auf den Propheten Jesaja:
„Das Röslein, das ich meine, davon Jesaja sagt, hat uns gebracht alleine, Marie, die reine Magd. Aus Gottes ew’gem Rat hat sie ein Kind geboren, welches uns selig macht.“
Nicht nur der hier zugrunde liegende Bezug auf das 11. Kapitel des Buches Jesaja, sondern auch die Aussagen im 9. Kapitel VV 5+6 sind zu beachten:
„Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter, und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst; auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er’s stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Solches wird tun der Eifer des Herrn Zebaoth.“
Es fasziniert mich immer wieder aufs Neue, wenn ich diese Worte lese und auf mich wirken lasse. Knapp 800 Jahre vor der Geburt Jeshuas (Jesus) wird von einem Kind gesprochen, das u. a. als „Ewig-Vater“ und „Gott-Held“ bezeichnet wird. Deutlicher kann eine Weissagung zur Göttlichkeit Jesu nicht sein. Jesus ist aus dem Volk Israel hervorgegangen und wird einst auch als Messias dorthin zurückkehren. Die Bibel hat bislang immer recht behalten. Wie wir noch sehen werden, spielt auch die Erwählung des jüdischen Volkes allen Zweiflern und Kritikern zum Trotz im eschatologischen Kontext eine wesentliche Rolle. Es sind noch sehr viele Hinweise auf das Kommen und Leiden des Messias im Alten Testament enthalten, doch darf zuletzt eine Prophezeiung nicht unberücksichtigt bleiben, die ebenfalls von Jesaja beschrieben wird: das 53. Kapitel. Hier stehen die Worte, die den Auftrag, ja den Zweck Seines Erscheinens auf Erden überhaupt beschreiben. Sogar die Einzelheit, dass Er den Verbrechern gleichgestellt sein sollte und Er nach Seinem Tod ein Grab bei einem Reichen haben würde (vgl. Jes.53, 9). Doch hören wir auf die Worte Jesajas, die im Präsens und Imperfekt geschrieben sind, obwohl sie die Zukunft beschreiben (Jes.53, 5-7):
„Aber er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf das wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der Herr warf unser aller Sünde auf ihn. Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird.“
Dies ist auch der Text, den der Kämmerer aus dem Reich der Kandake auf seinem Wagen liest und nicht gleich versteht, wie es uns in Apostelgeschichte 8 ab Vers 26 beschrieben wird. Erst durch den Evangelisten Philippus wird ihm der Inhalt dieses Textes verdeutlicht.
Alle in diesem Kapitel genannten Einzelheiten sind lange vor ihrer Erfüllung vorausgesagt und belegen die Wahrheit und Zuverlässigkeit des Wortes Gottes. Genauso werden auch die zukünftigen Ereignisse nicht ausbleiben.
Israel – das Volk Gottes
In unserem so genannten christlichen Abendland ist den meisten Menschen die von dem Evangelisten Lukas überlieferte Weihnachtsgeschichte hinreichend bekannt. Millionen kennen die Worte: „Es begab sich aber zu der Zeit ...“
Es ist historisch erwiesen, dass zur Zeit der Geburt Jesu Judäa von den Römern besetzt war. In Jerusalem war während des öffentlichen Wirkens Jesu die 10. Römische Legion „Fretensis“ stationiert, und Statthalter des in jenen Tagen regierenden Kaisers Tiberius war bekanntlich Pontius Pilatus.
Damit die Schrift erfüllt würde setzte der damalige Vorgänger des Tiberius, Kaiser Augustus – ohne natürlich die Weissagung des Propheten Micha zu kennen – das gesamte damals bekannte Imperium in Bewegung, um sich durch eine Volkszählung einen Überblick über zu erwartende Steuereinnahmen zu verschaffen. Zu diesem Zweck mussten Joseph und seine Verlobte Maria in den Heimatort Josephs nach Bethlehem, „darum, dass er von dem Hause und Geschlechte Davids war“ (vgl. Luk.2, 4). Hier kam nun Jeshua, wie der Name Jesus auf Hebräisch heißt, gemäß des Prophetenwortes als Kind jüdischer Eltern zur Welt. Damit ist auch hinreichend deutlich, dass Judentum und Christentum eindeutig gemeinsame Wurzeln haben. Der Apostel Paulus greift diese Tatsache in seinem Brief an die Römer mit den Worten auf: „Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich“ (Rö.11, 18).
Die Wurzeln des jüdischen Volkes jedoch reichen zurück bis zu dessen Stammvater Abraham, der zunächst mit seiner Familie in Ur in Chaldäa (heute Irak) lebte. Zu dieser Zeit hieß er jedoch noch Abram, denn die Änderung seines Namens erfolgte später in einem besonderen Zusammenhang. Zum Verständnis der biblischen Prophetie und Gottes Heilshandeln an den Menschen ist es daher unerlässlich, den Blick auf die Entstehung des jüdischen Volkes zu richten.
Eine überaus aufschlussreiche Begebenheit im Zusammenhang mit dem Heilshandeln Gottes an den Menschen ist die Glaubensprüfung Abrams. Zunächst hatte Gott sich ihm in dem Ort Haran offenbart und ihn angewiesen, mit seinen Angehörigen seine Heimat zu verlassen, um in das Land Kanaan zu ziehen, das Gott ihm und seinen Nachkommen zu ewigem Besitz zu geben gedachte (vgl. Gen.12, 1-9). Zwar hatte er die Stimme Gottes wahrgenommen, doch hatte er solches möglicherweise noch nie erlebt. So musste er sich an den halten, den er nie gesehen hatte und der Anweisung folgen. War es nur eine Sinnestäuschung oder hat Gott wirklich akustisch gesprochen? Aber er hielt sich an den, den er nicht sah, als sähe er ihn (vgl. Heb. 11, 8+27).
Im Vertrauen auf den, den er nicht sah, machte er sich auf den Weg, den er nicht wusste in ein Land, das er nicht kannte. In Genesis 17, VV1-8 heißt es:
„Als nun Abram neunundneunzig Jahre alt war, erschien ihm der Herr und sprach zu ihm: Ich bin der allmächtige Gott; wandle vor mir und sein fromm. Und ich will meinen Bund zwischen mir und dir schließen und will dich über alle Maßen mehren.“ Da fiel Abram auf sein Angesicht. Und Gott redete weiter mit ihm und sprach: „Siehe, ich habe meinen Bund mit dir, und du sollst ein Vater vieler Völker werden. Darum sollst du nicht mehr Abram heißen, sondern Abraham soll dein Name sein; denn ich habe dich gemacht zum Vater vieler Völker. Und ich will dich sehr fruchtbar machen, und will aus dir Völker machen, und auch Könige sollen von dir kommen. Und ich will aufrichten meinen Bund zwischen mir und dir und deinen Nachkommen von Geschlecht zu Geschlecht, dass es ein ewiger Bund sei, sodass ich dein und deiner Nachkommen Gott bin. Und ich will dir und deinem Geschlecht nach dir das Land geben, darin du ein Fremdling bist, das ganze Land Kanaan zu ewigem Besitz, und will ihr Gott sein.“
Erstaunt nimmt Abraham zur Kenntnis, dass er mit seiner zu diesem Zeitpunkt neunzig Jahre alten Frau Sara noch einen Sohn zeugen und ihn Isaak (d.h. das Lachen) nennen soll. Dies hat seinen Zusammenhang in der Tatsache, dass Sara, als sie von Gottes Verheißung hörte, lachen musste, denn nach dem Bericht der Bibel ging es ihr in ihrem Alter nicht mehr nach der Frauen Weise, d.h., sie hatte keine Periode mehr (vgl. Gen.18, 11). Doch Gott ist nichts unmöglich. Er schafft Leben aus den Toten und lässt Verdorrtes wieder erblühen. Er ist als Schöpfer der allmächtige Herr über Mensch und Tier, über belebte und unbelebte Materie.
Doch nun zu dem Ereignis, an dem Gott im Leben von Abraham als Vorbild seinen Heilsplan für die Menschheit verdeutlicht.
Die Jahre vergehen, und der Knabe Isaak wächst heran. Abraham freut sich und ist begeistert von seinem Sohn. Er liebt ihn als den von Gott Selbst verheißenen Nachkommen, aus dem einmal ein großes Volk entstehen soll. Was jedoch eines Tages geschieht, übersteigt alles menschliche Verstehen. Der Allmächtige wendet sich zu einer bestimmten Zeit wiederum an Abraham und spricht zu ihm (Gen.22, 1+2):
„Nimm Isaak, deinen einzigen Sohn, den du liebhast, und geh hin in das Land Morija und opfere ihn dort zum Brandopfer auf einem Berge, den ich dir sagen werde.“
Was muss in jenem Moment in diesem Mann vorgegangen sein, als Gott mit dieser Forderung an ihn herantrat? Wie hätten wir uns in dieser Situation verhalten? Es kann doch nicht sein, dass Gott, der die Menschen geschaffen hat und liebt, kein Tieropfer oder die Darbringung von Feldfrüchten, sondern sogar ein Menschenopfer verlangt!
Gott erwartet von Abraham, was bei einigen heidnischen Völkern gängige Praxis war, und so etwas sollte er tun? Hat er sich vielleicht verhört und Gottes Stimme nicht richtig wahrgenommen? Macht Gott doch damit wieder Seine Verheißung zunichte, aus Abraham ein großes Volk zu machen, Nachkommen so zahlreich wie die Sterne am Himmel! Doch wie reagiert dieser schwer geprüfte Mann? Die Bibel berichtet weiter (Gen.22, 3):
„Da stand Abraham früh am Morgen auf und gürtete seinen Esel und nahm mit sich zwei Knechte und seinen Sohn Isaak und spaltete Holz zum Brandopfer, machte sich auf und ging hin an den Ort, von dem ihm Gott gesagt hatte.“
Nach drei Tagen Fußmarsch gelangten sie in die Nähe des Berges Morija, der Ort, an dem später Jerusalem entstand und der Tempel Salomos errichtet wurde. Zur Zeit Jesu befand sich dort der Herodianische Tempel. Heute erhebt sich über diese Stätte der Felsendom. Da hier in Jerusalem zwei große Glaubensrichtungen aufeinandertreffen, ist dieser Ort der brisanteste weltweit. Weshalb, werden wir noch sehen.
Die Knechte mögen darüber nachgedacht haben, welches Tier wohl geopfert werden sollte, denn Abraham hatte außer dem Holz nichts dergleichen mitgenommen. Selbst wenn er ihnen seine Absicht mitgeteilt hätte, hätten sie ihm mit Sicherheit nicht geglaubt und ihn womöglich von seinem Vorhaben abgehalten.
Interessanterweise lässt Abraham nun die Knechte mit den Worten zurück:
„Bleibt ihr hier mit dem Esel. Ich und der Knabe wollen dorthin gehen, und wenn wir angebetet haben, wollen wir wieder zu euch kommen“ (Gen.22, 5).

Tempelberg in Jerusalem und Felsendom
Weshalb sagt Abraham „wir“? Er weiß doch, dass er allein ohne seinen Sohn zurückkehren würde oder ahnt er vielleicht schon, dass ihm Gott in Seiner Allmacht aus der Asche einen neuen Sohn schenken könnte?
Der Brief an die Hebräer gibt später über die Gedanken Abrahams Auskunft:
„Durch den Glauben opferte Abraham den Isaak, als er versucht wurde, und gab den einzigen Sohn dahin, als er schon die Verheißung empfangen hatte und ihm gesagt worden war: >Was von Isaak stammt, soll dein Geschlecht genannt werden.< Er dachte: Gott kann auch von den Toten erwecken, deshalb bekam er ihn auch als Gleichnis dafür wieder.“ (Hebr.11, 17-19)
Welches Szenario mag sich vor Abrahams innerem Auge abgespielt haben? Er muss den unschuldigen kleinen Jungen fesseln, ihn auf den inzwischen hergerichteten Altar legen, mit einem Messer seine Kehle durchtrennen und dann das aufgeschichtete Holz anzünden, das sein Sohn selbst auf den Berg getragen hatte. Wie konnte er den angstvollen, fragenden Blick ertragen: „Vater, was machst du?“ Hätte Abraham es ausgehalten zu sehen, wie die Flammen den toten Körper seines geliebten Sohnes fraßen oder hätte er sich in unvorstellbarem Schmerz abgewandt und gefragt: „Gott, was nun?“
Wie uns die Bibel berichtet, hat Gott den Opfervorgang rechtzeitig unterbrochen und es nicht zum letzten Ende kommen lassen. Aber Abraham ging aus dieser Prüfung gestärkt und geläutert hervor. Das, was ihm erspart blieb, hat Gott später an sich Selbst durch den Opfertod Jesu vollzogen. Einst trug der Sohn Isaak das Opferholz auf den Berg, auf dem er geopfert werden sollte, doch zweiundvierzig Generationen danach trug der Sohn Gottes das Holz auf den Hügel Golgatha, auf dem er am Kreuz Sein Leben für uns ließ, um uns vor dem „zweiten Tod“, der ewigen Verdammnis und Gottesferne, zu retten. Nach dem oben zitierten Text aus dem Hebräerbrief ist dieser Teil der Geschichte Abrahams ein Zeichen des Zukünftigen: die Kreuzigung und Auferstehung Jesu.

Golgatha
Um Leben und Tod geht es auch bei einem anderen Ereignis, welches uns die Bibel schildert und das bis ins Detail auf das Erlösungswerk Jesu prophetisch hinweist: der Auszug des Volkes Israel aus der ägyptischen Knechtschaft. Wie war es dazu gekommen?
Ein erster Hinweis auf diese Entwicklung findet sich in Genesis im 15. Kapitel.
Bevor Gott mit Abram einen Bund schließt, fordert Er ihn auf, einen Blick an den Himmel zu werfen und die Sterne zu zählen, was Abram natürlich nicht vermag. So zahlreich wollte der Ewige ihn mehren. Nach diesen Worten und dem Bundesschluss weist Gott jedoch auf ein Geschehen hin, das Abrams Nachkommen als Volk treffen sollte (Gen.15, 12-16):
„Als nun die Sonne am Untergehen war, fiel ein tiefer Schlaf auf Abram, und siehe, Schrecken und große Finsternis überfiel ihn. Da sprach der Herr zu Abram: Das sollst du wissen, dass deine Nachkommen werden Fremdlinge sein in einem Lande, das nicht das ihre ist; (Anm.: Ägypten) und da wird man sie zu dienen zwingen und plagen vierhundert Jahre. Aber ich will das Volk richten, dem sie dienen müssen. Danach sollen sie ausziehen mit großem Gut. Und du sollst fahren zu deinen Vätern mit Frieden und in gutem Alter begraben werden. Sie aber sollen erst nach vier Menschenaltern wieder hierher kommen, denn die Missetat der Amoriter ist noch nicht voll.“
Zu jener Zeit wurde Sarai, Abrams Frau, jedoch nicht schwanger, und die Zeit verging. Von Ungeduld geplagt entschloss er sich, auf Anraten seiner Frau zu ihrer Magd Hagar einzugehen, und mit ihr einen Nachkommen zu zeugen. Ein Schritt, der bei Kinderlosigkeit damals durchaus üblich war. Doch hatte sein Zweifeln an Gottes Verheißung derart weitreichende Folgen, dass sich diese bis in unsere Zeit hinein auswirken. Hagar gebar einen Sohn, der Ismael heißen sollte. Zu diesem Zeitpunkt war Abram sechsundachtzig Jahre alt (vgl. Gen. 16). Auf Ismael legte Gott das Versprechen, auch ihn zu einem großen Volk zu machen, doch war Ismael nicht der Sohn der eigentlichen Verheißung. Die Söhne Ismaels sind die heutigen Araber, und wir erleben insbesondere seit der Staatsgründung Israels im Jahre 1948 ständig oft blutige Konflikte. Dies scheint nach fast viertausend Jahren kaum glaubhaft, doch die Tatsachen sprechen für sich.
Im Alter von nunmehr neunundneunzig Jahren wendet sich Gott erneut an Abram und verheißt ihm einen Sohn, wie bereits weiter oben beschrieben. Isaak, der nicht tatsächlich geopfert werden musste, zeugte die Söhne Jakob und Esau (vgl. Gen. 25). Von Jakob stammen wiederum zwölf Söhne, die ihrerseits die Väter der Stämme des jüdischen Volkes bilden: Ruben, Simeon, Levi, Dan, Naphtali, Asser, Isaschar, Sebulon, Joseph, Juda, Manasse und Benjamin. Manasse und Ephraim waren Söhne, die Joseph später in Ägypten geboren wurden. Joseph hat die Gabe, Träume von Gott deuten zu können. In diesem Zusammenhang hat er eines Nachts einen Traum, dessen Auslegung die Eifersucht und den Neid seiner Brüder weckt (vgl. Gen. 37). Außerdem ist er noch Jakobs Lieblingssohn, und bekommt von ihm aus Zuneigung einen bunten Rock geschenkt.
Eines Tages beschließen Josephs Brüder, sich ihres ungeliebten Bruders zu entledigen: Beim Weiden der Schafe werfen sie ihn in eine Grube, nehmen ihm den bunten Mantel ab, beschmieren diesen mit Blut und lassen später ihrem Vater Jakob mitteilen, ein wildes Tier habe Joseph getötet. Zwischenzeitlich nähert sich eine Karawane, die auf dem Weg nach Ägypten ist. Sie ziehen ihren Bruder aus der Grube und verkaufen ihn für zwanzig Silberstücke an die Midianiter. In Ägypten angekommen, verkaufen diese wiederum Joseph an Potiphar, einen hohen Beamten am Hofe des Pharao (vgl. Gen. 37, 23-36).
Genesis Kap. 39 beschreibt nun das weitere Schicksal Josephs. Die Bibel hält uns hier einen Spiegel vor Augen, indem sie zeigt, wozu wir Menschen fähig sind. Der Mensch hat sich in Jahrtausenden in seinem Herzen nicht geändert – die äußeren Verhältnisse schon.
Gottes Gnade ist mit Joseph, und so gelingt ihm alles, was er in die Hände nimmt. Potiphar hat Gefallen an seinem Diener, so dass er ihn zum Obersten über sein gesamtes Haus macht. Eines Tages jedoch treibt sexuelle Begierde die Frau des Potiphar dazu, Joseph zu bedrängen, um mit ihm den Beischlaf zu vollziehen. Joseph hingegen, als aufrichtiger und gottesfürchtiger Mann, flieht aus ihrer Umklammerung, verliert dabei jedoch sein Gewand. Ihrem Mann schildert sie aus verletztem Stolz einen völlig anderen Sachverhalt und teilt ihm mit, Joseph habe sie vergewaltigen wollen und zeigt ihm dessen Gewand (vgl. Gen. 39, 11-18). Nun kommt, was kommen muss: Potiphar glaubt der Lüge seiner Frau, ist enttäuscht und entsetzt und lässt Joseph in das Gefängnis werfen.
Doch auch im ägyptischen Gefängnis ist Gott mit ihm. Anhand dieser Geschichte wird deutlich, dass negative äußere Umstände mitunter zu Gottes Plan gehören, auch wenn sie für uns nicht immer gleich nachvollziehbar sein mögen. Joseph sitzt unschuldig im Gefängnis, doch fragt er nicht, wie wir es oft tun: Warum lässt Gott das zu? Gott lässt so manches zu, weil es dereinst einen Tag geben wird, an dem alles, was Menschen je getan haben, von Ihm gerichtet werden wird. In Jesu Gleichnis vom Unkraut im Weizen (vgl. Matth.13, 24-30) sät der Feind über Nacht Unkraut zwischen die gute Saat, um den Ertrag zu verderben. Als die Saat endlich aufgeht, wollen die überraschten Knechte das Unkraut ausjäten, doch der Hausvater hindert sie, da sie sonst auch den guten Weizen beschädigen würden. So soll alles wachsen bis zur Ernte, und dann wird ausgesondert: Der Weizen wird in die Scheune gebracht, das Unkraut wird verbrannt. Das ist einer der Gründe, weshalb Gott manche mitunter auch unfassbar furchtbare Dinge in dieser Welt zulässt. Würde Er bei jeder üblen Tat auf der Welt sofort eingreifen, hätte der Mensch nicht mehr die ihm gegebene absolute Freiheit und würde nur unfreiwillig Gott gehorchen, wobei dann Unschuldige u.U. in Mitleidenschaft gezogen würden. Das Böse und Gemeine muss ausreifen wie ein Geschwür, das immer mehr schmerzt, bis es eines Tages aufgeschnitten wird und die Heilung einsetzen kann.
Wie viele Jahre Joseph in Gefangenschaft verbracht hat, ist uns nicht überliefert. Die damalige Rechtsprechung und Beweisaufnahme unterscheidet sich allerdings gravierend von unserer heutigen.
Nicht nur wegen guter Führung, sondern auch wegen anderer positiver Eigenschaften erhält Joseph im Gefängnis eine privilegierte Position. Auch legt er Mitinhaftierten Träume aus, die sich später bewahrheiten. Einer seiner Mitgefangenen ist der Mundschenk des Pharao, der nach seiner Entlassung aus dem Gewahrsam wieder in seine ehemalige Stellung am Hofe kommt. Als nun der Pharao zwei Jahre später einen Traum hat, mit dem sowohl er, als auch seine Wahrsager nichts anfangen können, besinnt sich der Mundschenk auf Joseph, an den er sich plötzlich wieder erinnert und empfiehlt seinem Herrn, diesen rufen zu lassen (Gen.41, 14-36):
„Da sandte der Pharao hin und ließ Joseph rufen, und sie ließen ihn eilends aus dem Gefängnis. Und er ließ sich scheren und zog andere Kleider an und kam hinein zum Pharao. Da sprach der Pharao zu ihm: Ich habe einen Traum gehabt, und es ist niemand, der ihn deuten kann. Ich habe aber von dir sagen hören, wenn du einen Traum hörst, so kannst du ihn deuten. Joseph antwortete dem Pharao und sprach: Das steht nicht bei mir; Gott wird jedoch dem Pharao Gutes verkünden. Der Pharao sprach zu Joseph: Mir träumte, ich stand am Ufer des Nils und sah aus dem Wasser steigen sieben schöne, fette Kühe; die gingen auf der Weide im Grase. Und nach ihnen sah ich andere sieben dürre, sehr hässliche und magere Kühe heraussteigen. Ich hab in ganz Ägyptenland nicht so hässliche gesehen. Und die sieben mageren und hässlichen fraßen die sieben ersten, fetten Kühe auf. Und als sie die hineingefressen hatten, merkte man’s ihnen nicht an, dass sie die gefressen hatten, und waren hässlich wie zuvor. Da wachte ich auf. Und ich sah abermals in meinem Traum sieben Ähren auf einem Halm wachsen, voll und dick. Danach gingen auf sieben dürre Ähren, dünn und versengt. Und die sieben dünnen Ähren verschlangen die sieben dicken Ähren. Und ich habe es den Wahrsagern gesagt, aber die können’s mir nicht deuten.“
Aber Joseph kann. Er deutet mit von Gott gegebener Weisheit die beiden Träume und empfiehlt in diesem Zusammenhang dem Pharao, Vorsorgemaßnahmen zu treffen, da auf Ägypten sieben fette und sieben magere Jahre zukommen würden. Pharao ist begeistert von der Weisheit Josephs und macht ihn daraufhin zum zweiten Mann im Staate. Die ihm vom Pharao übertragene Macht kommt in den Worten zum Ausdruck:
„Ich bin der Pharao, aber ohne deinen Willen soll niemand seine Hand oder seinen Fuß regen in ganz Ägyptenland“ (Gen.41, 44).
Das ist Gottes Handschrift! Er schafft Gerechtigkeit und fügt Umstände über Bitten und Verstehen.
Es geschieht alles so, wie Joseph gedeutet hatte. Es kommen die sieben fetten und danach die sieben mageren Jahre, die sich auch in den umliegenden Ländern extrem auswirken. Das ägyptische Volk kann dank Joseph nicht nur die zuvor angelegten Vorräte für sich selbst nutzen, sondern sogar das Getreide an die Hungernden aus der Umgebung verkaufen.
Diese Hungersnot ist auch in Kanaan, wo Jakob mit seiner Familie wohnt, zu spüren. So sendet er seine Söhne nach Ägypten, um dort Getreide einzukaufen.
Die Bibel schildert sehr bewegend die Begegnung zwischen Joseph und seinen Brüdern, die ihn Jahre zuvor dorthin verkauft hatten. Auf ihrer ersten Tour erkennen sie ihn noch nicht, doch als sie wiederum kommen müssen, um Getreide zu kaufen, gibt sich Joseph ihnen zu erkennen. Er fordert sie auf, ihren greisen Vater Jakob mit dem Rest der Familie nach Ägypten zu holen. Nach Rücksprache mit dem Pharao und seinen Großen bestehen gegen die Umsiedlung keine Bedenken, und so ergibt es sich, dass sich die zu diesem Zeitpunkt noch kleine Schar im Lande Gosen, nahe des fruchtbaren Nildeltas, ansiedelt.
Die Familie wächst und nimmt zu an Zahl. Im Laufe der Jahrzehnte werden sie zu einem großen Volk, was jedoch die Missgunst der inzwischen anderen Machthaber hervorruft, denen die Ausgangssituation mit Joseph und seiner Familie nicht mehr ganz so geläufig war. Die Bibel schildert dies in Exodus 1, 6-10:
„Als nun Josef gestorben war und alle seine Brüder und alle, die zu der Zeit gelebt hatten, wuchsen die Kinder Israel und zeugten Kinder und mehrten sich und wurden überaus stark, sodass von ihnen das Land voll ward. Da kam ein neuer König auf in Ägypten, der wusste nichts von Josef und sprach zu seinem Volk: Siehe, das Volk Israel ist mehr und stärker als wir. Wohlan, wir wollen sie mit List niederhalten, dass sie nicht noch mehr werden. Denn wenn ein Krieg ausbräche, könnten sie sich auch zu unseren Feinden schlagen und gegen uns kämpfen und aus dem Lande ausziehen.“
An dieser Stelle ist es zum besseren Verständnis erforderlich, den hier gebrauchten Namen Kinder Israel bzw. Volk Israel kurz zu erläutern. Jakob, der Vater der oben genannten späteren Stämme, hatte seinen Zwillingsbruder Esau mit List um dessen Erstgeburtssegen gebracht (vgl. Gen. 27, 1-40). Er flieht daraufhin nach Haran, um der möglichen Rache seines Bruders Esau zu entgehen. Allerdings kommt es Jahre später wieder zur Versöhnung. Auf dem Wege zur versöhnlichen Begegnung mit seinem Bruder kommt er mit den Seinen und viel Vieh als Geschenk an ihn an die Furt des Flusses Jabbok, einem östlich gelegenen Nebenfluss des Jordan. Hier lässt Jakob seinen Tross die Furt überqueren und bleibt zunächst allein zurück. Doch in der Nacht taucht plötzlich ein Unbekannter auf und greift ihn an. Sie ringen miteinander bis zum Anbruch der Morgenröte. Der geheimnisvolle Fremde will nun gehen, doch Jakob scheint zu ahnen, wen er da vor sich hat und sagt zu ihm (Gen.32, 28): „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.“ Daraufhin fragt ihn der Fremde (V.29-31):
„Wie heißt du? Er antwortete: Jakob. Er sprach: Du sollst nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel; denn du hast mit Gott und mit Menschen gekämpft und hast gewonnen. Und Jakob fragte ihn und sprach: Sage doch, wie heißt du? Er aber sprach: Warum fragst du, wie ich heiße? Und er segnete ihn daselbst. Und Jakob nannte die Stätte Pnuel (d.h. Angesicht Gottes), denn, sprach er, ich habe Gott von Angesicht gesehen, und doch wurde mein Leben gerettet.“
So kam Jakob zu seinem neuen Namen Israel, der Name, den das jüdische Volk und der wiedererstandene Staat auch heute noch tragen.
Der biblische Bericht zum Schicksal der Israeliten fährt fort (Ex.1, 11-14):
„Und man setzte Fronvögte über sie, die sie mit Zwangsarbeit bedrücken sollten. Und sie bauten dem Pharao die Städte Pithom und Ramses als Vorratsstädte. Aber je mehr sie das Volk bedrückten, desto stärker mehrte es sich und breitete sich aus. Und es kam sie ein Grauen an vor Israel. Da zwangen die Ägypter die Israeliten unbarmherzig zum Dienst und machten ihnen ihr Leben sauer mit schwerer Arbeit in Ton und Ziegeln und mit mancherlei Frondienst auf dem Felde, mit all ihrer Arbeit, die sie ihnen auflegten ohne Erbarmen.“
Aus dem Verlauf der Geschichte wissen wir, dass Frondienst und Zwangsarbeit bis hinein in unsere Zeit als probates Mittel der Unterdrückung zur Anwendung gekommen sind.
Der Ruf nach einem Erlöser wird unter den Israeliten immer lauter. Natürlich hat Gott in Seiner Weisheit vorgesorgt, um Seinen Plan zur Erfüllung zu bringen. Da die hebräischen Hebammen aus Ehrfurcht vor Gott dem Befehl Pharaos, die männlichen Neugeborenen zu töten nicht befolgen und demzufolge das Volk weiter an Zahl zunimmt, entschließt sich dieser, wie sich später erweisen soll, zu einem für ihn folgenschweren Schritt: Alle neugeborenen Söhne der Hebräer sollen von den Ägyptern in den Nil geworfen werden (vgl.Ex.1, 22).
Dem hebräischen Ehepaar Amram und Jochebed, die zu dem Stamm Levi gehören, wird eines Tages Mose geboren. Der Bericht über seine Errettung und sein weiteres Schicksal werden im zweiten Kapitel des Buches Exodus beschrieben. Hier wird deutlich, dass Gottes Pläne nie zum Scheitern kommen können, was immer Menschen auch dagegen tun mögen.
Nach drei Monaten kann Jochebed das Kind nicht mehr verbergen und setzt es in einem Schilfkörbchen im Nil aus, in der Hoffnung, dass es jemand findet und sich seiner annimmt. Doch ausgerechnet die Tochter des Pharao findet später das Neugeborene und gibt ihm den Namen Mose, d.h. der aus dem Wasser Gezogene. Sie lässt sogar seine Mutter ausfindig machen, um es von ihr stillen zu lassen. Später geht der Knabe zur Tochter des Pharao zurück und wird als Sohn adoptiert. Dies alles geschieht, ohne dass ihr Vater den wahren Hintergrund erfährt.
Als von den Hebräern stammend wird Mose unerkannt als Sohn am Hofe des Pharao erzogen, doch bleiben ihm die Leiden und die Knechtschaft der Hebräer nicht verborgen. Nachdem er irgendwann die Wahrheit über seine Herkunft erfährt, geht er zu seinem geschundenen Volk in die Lehmgruben und lässt die Annehmlichkeiten des ägyptischen Hoflebens hinter sich.
Eines Tages wird Mose Zeuge, wie ein ägyptischer Aufseher einen seiner hebräischen Brüder schlägt. Er nutzt einen unbeobachteten Moment, erschlägt den Aufseher und verscharrt den Leichnam im Sand (vgl.Ex.2, 11+12). Jedoch bleibt seine Tat nicht unentdeckt, und aus Furcht vor den zu erwartenden Folgen flieht er aus Ägypten durch die Wüste in die Gegend von Midian. In der Glut der Wüste wird nun das Werkzeug bereitet, durch das Gott Sein Volk erlösen wird.
In Midian, im nordwestlichen Teil der arabischen Halbinsel nahe des Roten Meeres, hütet Mose die Schafe Jethros, dessen Tochter Zippora er inzwischen zur Frau genommen hat. Eines Tages gelangt er beim Weiden der Herde an den Berg Horeb und nimmt ein wundersames Ereignis wahr: Er sieht einen brennenden Dornbusch, der jedoch nicht verbrennt. Beim Näherkommen spricht ihn Gott aus der Flamme an und gibt sich ihm als der Gott seiner Väter Abraham, Isaak und Jakob zu erkennen.
Gott redet zu Mose mit den Worten (Ex.3, 5-12):
„Gott sprach: Tritt nicht herzu, zieh deine Schuhe von deinen Füßen; denn der Ort, darauf du stehst, ist heiliges Land. Und er sprach weiter: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Und Mose verhüllte sein Angesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen. Und der Herr sprach: Ich habe das Elend meines Volks in Ägypten gesehen und ihr Geschrei über ihre Bedränger gehört; ich habe ihre Leiden erkannt. Und ich bin herniedergefahren, dass ich sie errette aus der Ägypter Hand und sie herausführe aus diesem Lande in ein gutes und weites Land, darin Milch und Honig fließt, in das Gebiet der Kanaaniter, Hetiter, Amoriter, Perisiter, Hewiter und Jebusiter. Weil denn nun das Geschrei der Israeliten vor mich gekommen ist und ich dazu ihre Not gesehen habe, wie die Ägypter sie bedrängen, so geh nun hin, ich will dich zum Pharao senden, damit du mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten führst. Mose sprach zu Gott: Wer bin ich, dass ich zum Pharao gehe und führe die Kinder Israel aus Ägypten? Er sprach: Ich will mit dir sein. Und das soll dir das Zeichen sein, dass ich dich gesandt habe: Wenn du mein Volk aus Ägypten geführt hast, werdet ihr Gott opfern auf diesem Berge.“
Nach vielen Bedenken, die der Ewige ausräumen kann, ist Mose nunmehr bereit, den von Gott gegebenen Auftrag zu erfüllen. Die Bibel berichtet weiter, wie er mit seinem drei Jahre älteren Bruder Aaron vor den Pharao tritt und die Freilassung seines Volkes aus der Knechtschaft fordert. Doch dessen Herz ist verstockt, und er will die Hebräer nicht ziehen lassen. Dies führt zu insgesamt zehn harten Maßnahmen, die Gott anwendet, um den Worten des Mose Nachdruck zu verleihen. Zehn Plagen kommen über Ägypten, und selbst nach neun Heimsuchungen, Verwandlung der Gewässer in Blut (Anm.: auch das Wasser in den Gefäßen), eine Froschplage aus dem Nil bis hinein in die Häuser, danach Stechmücken wie Wolken in ganz Ägypten, dann Stechfliegen, Viehpest, Blattern (Anm.: schwarze Pocken) an Mensch und Vieh, Hagel, Heuschrecken und Finsternis, lässt er die Hebräer nicht ziehen.
Jedes Mal treten Mose und Aaron nach der Plage vor den Pharao und fordern ihn auf, das Volk ziehen zu lassen, doch er weigert sich noch immer. Nun aber erfährt er einen letzten, massiven Schlag, denn der Ewige Israels lässt sich nicht spotten: Alle Erstgeburt von Mensch und Tier in Ägypten soll sterben. Davon ausgenommen ist Gottes Volk unter einer besonderen Bedingung, einem Vorgehen, dass uns bis ins Detail den Opfertod Jesu vorab bewusst machen soll. Der Bericht der Bibel hierzu ist so gewaltig, dass er hier wiedergegeben werden muss. Gott gebietet (Ex. 12, 3-13):
„Sagt der ganzen Gemeinde Israel: Am zehnten Tage dieses Monats (Anm.: Abib bzw. Nisan) nehme jeder Hausvater ein Lamm, je ein Lamm für ein Haus. Wenn aber in einem Haus für ein Lamm zu wenige sind, so nehme er’s mit seinem Nachbarn, der seinem Hause am nächsten wohnt, bis es so viele sind, dass sie das Lamm aufessen können. Ihr sollt aber ein solches Lamm nehmen, an dem kein Fehler ist, ein männliches Tier, ein Jahr alt. Von den Schafen und Ziegen sollt ihr’s nehmen und sollt es verwahren bis zum vierzehnten Tag des Monats. Da soll es die ganze Gemeinde Israel schlachten gegen Abend. Und sie sollen von seinem Blut nehmen und beide Pfosten an der Tür und die obere Schwelle damit bestreichen an den Häusern, in denen sie’s essen, und sollen das Fleisch essen in derselben Nacht, am Feuer gebraten, und ungesäuertes Brot dazu und sollen es mit bitteren Kräutern essen. Ihr sollt es weder roh essen noch mit Wasser gekocht, sondern am Feuer gebraten mit Kopf, Schenkeln und inneren Teilen. Und ihr sollt nichts davon übriglassen bis zum Morgen; wenn aber etwas übrigbleibt bis zum Morgen, sollt ihr’s mit Feuer verbrennen. So sollt ihr’s aber essen: Um eure Lenden sollt ihr gegürtet sein und eure Schuhe an euren Füßen haben und den Stab in der Hand und sollt es essen als die, die hinwegeilen; es ist des HERRN Passa. Denn ich will in derselben Nacht durch Ägyptenland gehen und alle Erstgeburt schlagen in Ägyptenland unter Mensch und Vieh und will Strafgericht halten über alle Götter der Ägypter, ich, der HERR. Dann aber soll das Blut euer Zeichen sein an den Häusern, in denen ihr seid: Wo ich das Blut sehe, will ich an euch vorübergehen, und die Plage soll euch nicht widerfahren, die das Verderben bringt, wenn ich Ägyptenland schlage.“
Dies ist die Einsetzung des Passahfestes, das bis heute bei den Juden auf der ganzen Welt gefeiert wird: die Erinnerung an die Befreiung aus der Knechtschaft, so, wie der Gott Israels es damals geboten hatte. Passah bzw. im Englischen Passover bedeutet gnädiges Vorübergehen und soll daran erinnern, dass Gott an seinem Volk vorübergegangen ist und es vor der Plage geschützt hat.
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