Читать книгу: «Frau mit Vogel sucht Mann mit Käfig»
Maja Siffredi
Frau mit Vogel
sucht
Mann mit
Käfig

www.Elysion-Books.com
ELYSION-BOOKS
1. Auflage: Mai 2017
VOLLSTÄNDIGE AUSGABE
ORIGINALAUSGABE
© 2017 BY ELYSION BOOKS GMBH, LEIPZIG
ALL RIGHTS RESERVED
UMSCHLAGGESTALTUNG: Ulrike Kleinert
www.dreamaddiction.de
FOTO: © Bigstockphoto/Katalinks
LAYOUT &WERKSATZ: Hanspeter Ludwig
www.imaginary-world.de
ISBN (vollständiges Ebook) 978-3-96000-0327
ISBN (vollständiges Buch) 978-3-96000-0310
Inhalt

13.3.2015
25.3.2015
1.4.2015
18.4.2015
3.5.2015
2.6.2015
5.6.2015
6.6.2015
8.6.2015
10.6.2015
11.6.2015
15.6.2015
22.6.2015
1.7.2015
10.7.2015
12.7.2015
16.7.2015
17.7.2015
22.7.2015
28.7.2015
30.7.2015
2.8.2015
15.8.2015
22.8.2015
1.9.2015
6.9.2015
10.9.2015
13.11.2015
23.11.2015
2.12.2015
25.12.2015
13.1.2016
Immer noch der 13.1, einige Stunden später:
2.2.2016
23.2.2016
25.2.2016
1.3.2016
2.3.2016
10.3.2016
16.3.2016
1.5.2016
20.5.2016
3.6.2016
4.6.2016
17.6.2016
23.6.2016
1.7.2016
10.7.2016
3.8.2016
13.3.2015

Lola rennt meets Snnopahontas
Der Typ an der Theke sieht aus wie ein Mix aus Snoop Dog und Pocahontas. Was ihn sofort in mein Beuteschema passen lässt – lange Haare, dunkle Haut und eine gangsterhafte Ausstrahlung. Gott ist der geil.
Obwohl es keine zwei Stunden her ist, seit ich einen Schwanz in mir hatte, werde ich immer wuschiger, erstaunlich dass ich noch nicht sabbere. Nicht dass meine Nachmittagsbeschäftigung in Form von Mr. VAWK* (*Mister Vollarschwichskopf) nicht gut ficken würde; aber es war gerade mal so lang, um mich anständig aufzuheizen. Anstatt mich Gentleman-like zuerst kommen zu lassen, hat er mir nach geschätzten drei Minuten ins Gesicht gewichst. Er müsse los, hätte noch Arbeit. Und bitte ja nicht kuscheln.
Naja, dann darf er sich nicht drüber beschweren, dass ich mir den Höhepunkt woanders hole.
Der kleine Club mitten in Wien ist verraucht, eng und laut. Süßlicher Qualm vermengt sich mit dem Geruch von billigem Parfum wie in einer Hurenhütte, lullt den Haufen feiernder Druffies in eine Nebelwolke. Wäre ein Drogenhund hier, würde er vermutlich einen epileptischen Anfall bekommen.
Musikalisch unterstrichen von»Smoke Weed everyday« bahne ich mir den Weg durch die tanzende Menge, konzentriert-fokussiert auf Snoopahontas.
Ich lasse den Kerl keine Sekunde aus den Augen, einen ungeschickten Fummelversuch eines Milchgesichts quittiere ich mit dem Fass-mich-nicht-an-sonst-muss-ich-dich-umbringen-Blick. Auch wenn Sex mit einem 18jährigen ganz oben auf der muss-ich-unbedingt-machen-Agenda steht, heut habe ich was anderes im Visier.
Das Objekt meiner Begierde nippt gelangweilt an seinem Getränk, lässt seinen Blick suchend durch den Club wandern, touchiert mich dabei und auf einmal weicht seine Rastlosigkeit tiefer Ruhe, entspannt zieht er seine Mundwinkel nach oben und grinst in meine Richtung. Noch ehe ich entscheide, ob es meine Ausstrahlung ist, oder ob ich für Männer wie eine läufige Hündin rieche, steht der Afroamerikaner neben mir.
»Hi, ich bin Rahim.«
»Und ich bin betrunken. Willst du mal ziehen?«
Ich halte ihm einen brennenden Joint vor die Nase, er quittiert das Angebot mit einem dankbaren Nicken, als hinter ihm plötzlich eine Frau auftaucht und ihn erwartungsvoll anglotzt. Ihre halblangen Haare haben dieselbe Farbe wie die Bloody Mary, die Snoopahontas in seiner Hand hält, Lola hat sich verrannt und sieht ziemlich durch aus. Ihr Tank Top klebt an ihren riesigen Brüsten als wäre sie eben durch einen Regenschauer gelaufen, ihre rote Mähne steht verwuschelt in alle Himmelsrichtungen und ihre Augen bestehen nur noch aus Pupillen. Ich kann nicht aufhören, ihr ins Dekolleté zu starren, zu beeindruckend sind die Dinger und passen in der Relation so überhaupt nicht zu ihrer zierlichen Gestalt.
»Rahim, ich will nach Hause«, ruft sie genervt über seine Schulter.
Erschrocken zuckt er zusammen, dreht sich in ihre Richtung und legt ihr seinen Arm um die Schultern. Verdammt, hätte ich mir denken können, dass der nicht alleine hier ist. Hätte ich mich mal lieber von dem Teenager abschleppen lassen.
Zu meiner Überraschung guckt Mrs. Snoopahontas ein wenig entspannter, als er uns einander vorstellen will.
»Claudia das ist … Wie heißt du eigentlich?«
»Maja, sehr erfreut.«
Claudia verraucht den Rest des Ofens, während Mister Lover Lover eine Flasche Puffbrause ordert und uns beide an zwei Security Typen vorbei in einen abgesperrten Teil der Spelunke führt. Hier ist die Musik nicht so laut wie vorne, man kann sich tatsächlich unterhalten, ohne dabei zu schreien, ein schwarzer Theatervorhang trennt den Raum vom Rest des Lokals. Gedimmtes Licht fällt auf die herumstehenden Ledersofas, die der Farbe von Claudias Haarpracht ähneln, außer drei Kerlen im Anzug, die sich auf Kroatisch miteinander unterhalten, sind wir die einzigen Gäste in der Chillout Zone.
Rahim lässt sich zwischen seiner Freundin und mir auf die Couch fallen, während eine Kellnerin den Moet öffnet und uns einschenkt.
»Wie lange seid ihr zwei schon zusammen?«
Kichernd nippt das Busenwunder am Champagner, ehe sie mir auf die Frage antwortet:»Überhaupt nicht.«
»Aber ich dachte …«
Rahims Hand wandert auf meinen Oberschenkel, er dreht den Kopf in meine Richtung.
»Falsch gedacht, Maja.«
Die beiden werfen sich verstohlene Blicke zu, als sie wieder das Wort übernimmt:»Ich bin eine Pornodarstellerin, er ist mein ehemaliger Produzent.«
Na, dann bin ich ja beruhigt. Ich hatte schon Angst, die beiden wären verheiratet. Sie erzählt mir, dass sie schon ewig im Geschäft ist und mit ihm seit über zehn Jahren eine Affäre hat, die sich aus einem»geschäftlichen« Treffen entwickelt hätte. Eine beinahe-Lovestory in Pretty-Woman Manier. Pretty Woman in der PornoRomanzen-Version-für-ganz-Arme.
Wie auch immer, ich bin nicht wirklich interessiert an ihrer Lebensgeschichte, allerdings an ihren Brüsten. Und selbstverständlich an dem Ding, dass mittlerweile immer heftiger von innen gegen Rahims Jeans drückt und dessen Kontur sich deutlich unter dem Stoff der Hose abzeichnet. Vorsichtig taste ich mich in dessen Richtung, beobachte dabei viel mehr ihre als Snoopahontas´ Reaktion auf den Annäherungsversuch.
Doch da scheint kein Anflug von Eifersucht in Claudias Augen, sie tut es mir augenblicklich gleich und packt Rahim energisch am Schwanz, noch bevor ich dort ankomme öffnet sie seinen Reißverschluss und holt das Prunkstück aus seiner viel zu eng gewordenen Verpackung.
Unterdessen ist seine Hand unter meinem Rock angekommen, treibt die dortige Feuchtigkeit immens nach oben und kommentiert das Fehlen meines Höschens mit einem sofortigen Schnurren.
Amüsiert blicken die drei Balkan-Schlipsträger in unsere Richtung, als ich mich über Rahim beuge und mit der Zunge über die befreite Schwanzspitze lecke. Sein Keuchen verrät, dass es ihm gefällt, von zwei Frauen gleichzeitig bedient zu werden. Claudias Hand greift fest um den Schaft, während ich meine Lippen um die Eichel schließe und daran sauge, fickende Finger unter dem Ledermini heizen mir ordentlich ein.
»Langsam, langsam …«
Scheinbar ist Snoopahontas schon jetzt kurz vorm Explodieren, ich nehme seinen Schwanz aus dem Mund und bemerke einen der Kerle vom Nebentisch in unsere Richtung kommen. Irritiert starre ich den riesigen Mann an, gespannt was wohl als nächstes passieren wird. Die beiden anderen bemerken ihn erst nicht, da Rahim damit beschäftigt ist, Claudias Mordstitten unter dem Top hervorzuholen und daran zu saugen. Erst als der Unbekannte im Anzug zu reden beginnt, lässt er von ihr ab, und schaut so verwirrt, wie ich.
»Brauchst du Hilfe mit den Beiden?«
Ich glaub mein Schwein pfeift und noch ehe ich Rahim»Ja, bitte« sagen höre, habe ich das nächste Turbogerät vor meinem Gesicht. Der Schwanz ist so riesig wie dessen Eigentümer, der sich als Senad vorgestellt hat. Claudia lässt sich ihre Brüste vom ehemaligen Freier bearbeiten, ich lutsche unterdessen den kroatischen Prügel, die beiden Kollegen stehen daneben, lassen ebenfalls die Hosen runter und legen Hand an.
Senad raunt irgendwas ausländisch klingendes in ihre Richtung, sie kommen einen Schritt weiter zu uns. Als plötzlich mit einem lautem Klirren ganz in der Nähe Glas zersplittert, halten alle inne und blicken in das perplex aussehende Gesicht der Kellnerin.
Anscheinend war die kleine Alkoholtransportschlampe nicht auf den Anblick eines kopulierenden Menschenhaufens vorbereitet, weswegen ihr wohl das Missgeschick mit dem Tablett passiert sein dürfte, das ihr mitsamt einiger Gläser und einer neuen Flasche Moet zu Boden gekracht ist.
Kreidebleich stammelt sie eine Entschuldigung in Richtung der Kroaten und verschwindet so schnell wie sie gekommen war. Völlig unwissend, welche Hände mich an der Hüfte packen und den Rock nach oben schieben, mache ich mich ans Weiterblasen, lechze nach Luft als ich endlich einen Schwanz in meiner Mitte spüre. Nicht mal einen Meter daneben stöhnt Claudia so laut, dass man sie bis auf die Tanzfläche hören müsste. Ihre Brunftschreie bringen mich weiter in Fahrt, ich versuche den Schwanz so tief wie möglich in den Rachen gleiten zu lassen. Senad krallt seine Finger in meine Haare, zieht meinen Kopf fest an seinen Schoß, zuckt kurz auf und spritzt mir mit einem lauten»Arrrrgghh« in den Mund. Ich hab noch nicht mal runtergeschluckt, da steht schon der nächste vor mir, wartet dass sich Senad aus mir zurückzieht, damit er zum Zug kommt. Der andere Balkanmensch vögelt mir inzwischen keuchend, doch munter das Hirn raus, seine Stöße werden zunehmend härter und bringen mich beinahe zum Verzweifeln.
Mit einem ohrenbetäubenden Brüller macht uns Rahim auf seinen Höhepunkt aufmerksam, auch wenn es sich eher so anhört als hätte er sich wehgetan. Doch ein kurzer, prüfender Blick in seine Richtung bestätigt, dass er sich keine Verletzung zugefügt hat. Relaxed mit einem Lächeln im Gesicht und einer Kippe im Mundwinkel schmiegt er sich an seine Gespielin, die aussieht, als hätte sie mit dem Finger in die Steckdose gegriffen plus ein bisschen Sperma im Gesicht. Elektrisierendes Gefühl.
Spuckgeräusche hinter mir erhärten den Verdacht, dass ein Kurswechsel ansteht. Wie befürchtet findet der Unbekannte gefallen an meinem Arsch, und in meinen Arsch. Zentimeterweise drückt er sich in mich, bis er vollkommen verschwindet, insgeheim bin ich froh, dass er Weißer ist.
Und gerade als er sich in Fahrt hämmert, feuert uns ein Security Typ aus dem kollektivem Bumskoma, als er laut schreiend und heftig gestikulierend hereingerannt kommt.»Chef, Polizei vor diese was ist Türe. Nix gut ausschauen, haben viele was ist wie große Katze.«
Senad ist der einzige der seinen Schwanz schon wieder verstaut hat, praktisch, dass er derjenige ist, der mit»Chef« gemeint war.
»Das sind Hunde, du Vollidiot. Wie oft soll ich dich noch zum Deutschkurs schicken? H-U-N-D-E, und nix was ist wie große Katze.«
Demütig schaut Mister-sollte-mal-wieder-deutsch-üben zu Boden, streift mit seinem Blick dabei meinen nackten Arsch und wirkt plötzlich recht indisponiert.
»Ja, Chef. Nix mehr was ist wie Katze groß, Unde, ja?«
»HHHHHunde! Du Trottel bist so sinnvoll wie Hundescheiße, geh mir aus den Augen!«
Bingo, jetzt passt seine Gesichtsfarbe zu Claudias´ Chaosfrisur und der Einrichtung dieses illegalen Untergrund- Swinger-Clubs. Wütend feuert der Chef sein Feuerzeug gegen die Wand, Millimeter vom Gesicht des unglückseligen Überbringers der schlechten Nachricht entfernt. Der zuckt genauso heftig wie der, der mir den Hintern vögelt, und läuft wie auf Speed wieder hinaus.
Ich frag mich mittlerweile ob»mein« Kerl Viagra genommen hat, unablässig und mit der Präzision eines polnischen Strauchdiebs rammelt er meinen Hintereingang.
Der Unglücksrabe, der nach wie vor mit halbsteif angewichstem Schwanz vor mir steht, wird genauso heftig von seinem Boss angebrüllt, wie der von der Security vorhin. Da ich kein Kroatisch verstehe, kann ich nur ahnen, dass es was mit der Polizei vor der Tür zu tun hat. Als würde man während man dem Vögeln einen Krimi anschauen, sich auf beides zu konzentrieren ist was für Fortgeschrittene.
Mich macht die Situation so an, dass ich die Fassung verliere, erst nur leise wimmernd, doch immer heftiger knallt die Hitzewelle durch mich, ich schließe die Augen, die Oberarme versagen ihren Dienst, langsam sinkt mein Körper nach unten. Die Hände des Kerls hinter mir halten mich fest und ziehen mich mittig in Richtung seiner Latte, er stößt noch einige Male tief in mich, krallt sich fest und nach drei Sekunden ist auch er am höchsten Punkt des Abends angekommen.
Irritierend fühlt sich die Totenstille an, die allzu rasch über uns hereingebrochen ist, weswegen ich die Augen wieder öffne, obwohl ich immer noch im Fickkoma herumschwirre und folglich auch keine wirkliche Lust habe, dort wieder zu verschwinden. Es ist nämlich schön dort.
Im Gegensatz zu hier: Familie Snoopahontas, Senad und die ungebumste Halberrektion starren uns beide schockiert an.
»Was schaut ihr denn alle so bescheuert drein?«, frage ich in die Runde.
»Maja, das hat ausgesehen, als würde er dich dabei umbringen«, entgegnet die Frau mit den dicken Dingern.
Prüfend mustere ich alle meine Körperteile, ich kann keine Schrammen erkennen und ich fühle mich auch nicht so, als hätte mich jemand versucht zu töten.»Wo denn?«
»Haben geschrien wie eine läufige was ist wie große Katze.«
Wo zum Henker kommt der denn schon wieder her?
Ist auch egal, zumindest sind alle Augen jetzt auf den Security gerichtet und ich kann den Schwanz unbemerkt aus meinem Arsch ziehen, nachdem dessen Besitzer hinter mir eingeschlafen ist.
»Chef Polizei suchen nach du. Alle schon hier bei diese was ist Uftata-Mensch.«
Ein Irrenhaus ist ein Kindergeburtstag gegen diese Aufführung hier.
»Was? Sie sind beim DJ-Pult?«
Mittlerweile haben Senads Pupillen die gleiche Größe wie die von Claudia, wobei ich nicht denke, dass auch er auf einem Trip ist, eher steht er unter Strom, wegen der Inkompetenz seiner Mitarbeiter. Hastig stürmt er zwischen den Vorhängen hindurch, zumindest schien es sein Plan zu sein, bevor der blonde Junge durch die Gegenseite genau in ihn kracht, beide mit den Köpfen zusammenstoßen und augenblicklich zu Boden gehen.
Ich zähle laut bis zehn, klatsche dabei mit der flachen Hand auf den geschmacklosen Teppichboden, um das Ganze mit einem»Aus« zu beenden. Unentschieden durch K.O. in der ersten Runde.
Danach zentriere ich meinen String, ziehe den Rock Richtung Knie, schüttle mir den Staub vom Kopf.
»Na klasse. Jetzt liegen die zwei größten Verbrecher in dem Club bewusstlos zwischen uns«, Rahim wirkt nervös, als er sich das Malheur aus der Nähe ansieht.
»Wer ist der Kerl?«, fragt Claudia.
»Das gewesen diese was ist Ufftata Mensch«, antwortet der resigniert aussehende Security, der immer noch wie angewurzelt am gleichen Fleck steht.
»Du meinst DJ?«
»Ja, diese was ist DJ.«
Rahim fasst Claudia an der Hand.
Da ich aufgrund der spannenden Allgemeinsituation alles was davor passiert ist, vergessen habe, falle ich vor Schreck fast genauso um, wie der Chef und Mister Ufftata, als hinter mir jemand von den Scheintoten aufersteht.
Ah ja, der der mir den Arsch gefickt hat. Mit hinuntergelassener Hose kämpft er sich zurück in die Vertikale und spaziert an uns vorbei nach draußen. Na gut, bei dem winzigen Ding könnte er Glück haben und unbemerkt damit davonkommen. Da mich sein Schwanz nicht länger fesselt, springt die Aufmerksamkeit wieder auf essentiellere Dinge. Wie die Frage, wo mein Gras eigentlich geblieben ist. Praktischerweise stolpere ich um ein Haar über meine Handtasche und mir fällt die Antwort auf die Frage ein, die ich schon wieder längst vergessen habe.»Jungs und Mädels hauen wir ab!«
Entschlossen winke ich Rahim und Claudia in meine Richtung, als ich ein Fenster entdecke, das groß genug ist, um uns ohne Umwege aus dem Laden rauszubringen, ohne mit den Bullen zusammenzukrachen.
»Baby, wie hast du es bloß geschafft so viel Marihuana in diese winzige Handtasche zu stopfen?« Claudias Mund steht so weit offen, es wäre ein Leichtes das Gras in ihre Klappe um zuparken. Plus einem halben Kilo Haarspray und ein wenig Sperma, quasi der exakten Inhalt des Beischlafutensilienkoffers. Zumindest wäre ich dann aus der Schusslinie, sollten uns die Bullen doch noch erwischen.
»Wir schießen Raketen zum Mond, es wird wohl möglich sein bisschen Spaß zu den richtigen Menschen zu bringen, oder?«
Ich boxe gegen die Fensterabsperrung, und tatsächlich – das Schloss springt knatternd auf, mit ein bisschen Nachdruck stehen wir auf der ebenerdigen Terrasse. Auf Augenhöhe stehender Vollmond treibt den Kitschfaktor des Moments unaufhaltsam nach oben.
Raus, nichts wie weg von hier. Wir nehmen die Beine in die Hand, stolpern, laufen, rennen.
Haben Sie Wien schon bei Nacht gesehen?
25.3.2015

Wachsende Aufregung vermischt sich mit Ungeduld, was soll ich anziehen? Eine Million Mal entscheide ich mich um, bis die Wahl auf einen schwarzen Rock, ein rotes Oberteil aus Satin, schwarze Strapse und Unterwäsche fällt.
Die Sonne ist gerade untergegangen, einsetzender Frühsommer fegt eine warme Brise durchs geöffnete Fenster. Ich bin kurz davor mich mit einem Mann zu treffen, den ich vor zwei Wochen über eine Handy-App kennengelernt habe. Seinem Profiltext zufolge heißt er Andreas, arbeitet als Fotograf, ist Ende dreißig, durchtrainiert, etwas kleiner als ich und hat kurzes blondes Haar. Ich steh auf Blondinen.
Wir haben uns die Wochen davor gegenseitig sehr viele Mails geschickt, er macht einen sympathischen Eindruck. Ich mag seinen trockenen Humor und seine großen blauen Augen. Jedes Mal wenn eine neue Nachricht von ihm im Posteingang landet, kann ich es kaum erwarten sie zu öffnen.
Für den Abend sind wir für ein Fotoshooting verabredet. Je näher der Termin kommt, desto mehr kann ich die Anspannung in mir spüren, trotzdem packt mich die Neugier, ich strotze vor Vorfreude als ich mich auf den Weg mache.
Kurz nach neun treffen wir uns in einer gut besuchten Pizzeria am Stadtrand, sein charmantes und aufmerksames Benehmen lassen auf einen interessanten Verlauf des Abends schließen.
Er hält mir die Tür auf und nimmt mir die Jacke ab, bevor uns die Kellnerin zu unserem Tisch begleitet. Wir nehmen Platz, ordern Pizza und Wein. Während wir warten, zeigt er mir einige Aufnahmen auf seinem Tablet.
»Also ich find das hier richtig gut, dass könnten wir auch machen.« Er deutet dabei auf ein Bild auf dem eine sehr attraktive und nackte junge Frau mit gespreizten Beinen zu sehen ist, die ihr Allerheiligstes mit der Hand verdeckt.
»Wow. Das ist richtig schön.« Begeistert von der Ästhetik der Aufnahme, kann ich nicht aufhören auf den Display zu starren.
»Ja, find ich auch. Sowas können wir auch hinbekommen!« Enthusiastisch zwinkert er mir zu.
»Na, da bin ich ja mal gespannt. Hast noch paar Ideen?«
»Klar …« Mit wenigen Bewegungen wischt er über den Bildschirm.»Was hältst davon?«
Auf dem nächsten Beispielbild liegt eine gefesselte Frau auf dem Boden, im Mund einen Knebel, die Augen weit aufgerissen.
Ihre Hände sind hinter dem Rücken fest verschnürt, die Beine waren angewinkelt, an den Knöcheln zusammengebunden und mit den Fesseln der Hände verknüpft. Sie scheint ihrem Peiniger hilflos ausgeliefert, sowie völlig bewegungsunfähig zu sein. Dennoch hat ihre Mimik einen Hauch von:»Ist das wirklich alles?«
»Cooles Pic, Andreas. Aber schon sehr düster für die Jahreszeit. Hast du das fotografiert?« Souverän überspiele ich die aufkeimende Nervosität. Irgendein kleines Detail an der ganzen Szene lässt mich fast wahnsinnig werden, auch wenn ich noch nicht weiß, welches. Ob Andreas meine Unsicherheit spürt? Das Restaurant füllt sich immer weiter mit Studenten und alternativ aussehenden jungen Leuten, die Musik wird von den Nebengeräuschen der vielen Menschen übertönt. Ich schiebe meine Bedenken zur Seite und konzentrierte mich wieder auf das Gespräch mit diesem überaus gut aussehenden jungen Kerl.
»Nein, das ist keins von meinen, ich bin Hochzeitsfotograf. Schau mal, wie findest die?«
Nach dem geschätzt fünfhundertsten Beispielbild, das digital vor unseren Drinks flimmert, favorisieren wir eine Handvoll davon, trinken aus und machen uns auf den Weg ins Studio. Mittlerweile nieselt es, wir spazieren durch die erfrischende Abkühlung zu dem nahegelegenem Häuserblock.
»Komm wir sind schon da, Maja. Hier geht’s rein … « Andreas deutet auf den schmale Hinterhofeingang, der in einigem Abstand in einen lichtleeren Raum mündet.
»Willst du mich jetzt im Keller einsperren? Typisch Österreich.« Kichernd folge ich ihm zum Fahrstuhl.
»Nein. Wenn dann im Dachboden, der müsste nämlich dringend mal sauber gemacht werden …«
Ich fühle seine Blicke, als sich die Aufzugtür schließt; mit jeder Sekunde schnellt die Hitze der Atmosphäre nach oben – genauso wie auch wir. Kribbelnde Sprachlosigkeit endet zeitgleich mit der Fahrt, die auf direktem Weg ins Penthouse führt.
»Voila´, da sind wir. Willkommen im Studio.«
Außer dem schwarzen Hintergrund, der knapp neben einem Schreibtisch über die Wand verläuft, sowie dem aufgestellten Blitz, erinnert hier nichts an ein Fotostudio.
Begeistert von der großzügigen Glasfront lasse ich mich von dem Ausblick auf die Stadt fesseln:»Was für ein Panorama.«
Fasziniert von dem Anblick abertausender Lichtern unter uns, starre ich wie gebannt über die Dächer.
»Was darf ich dir zu trinken anbieten?« Andreas´ Frage schafft es, meine Aufmerksamkeit zurück auf ihn zu lenken.
»Du willst mich doch nur wehrlos und gefügig machen …«, mit gespielter Entrüstung drehe ich mich zu ihm um.
»Ja, das war der Plan. Das mach ich mit all meinen Internet-Bekanntschaften.«
»Find ich gut. Ich bleib bei Rotwein.«
Als er aus der Küche wiederkommt, stehe ich in Unterwäsche vor ihm. Unbeeindruckt stellt er den Wein auf den Schreibtisch, um mit der freien Hand nach der Kamera zu greifen.
»Sehr schön … Geh mal etwas näher zum Licht.«
Klick. Klick.
Langsam bewege ich mich vor ihm, drehe mich ohne ihn aus dem Fokus zu verlieren.
»Gut so?«
Klick. Klick.
»Perfekt. Dreh den Kopf mehr nach links.«
»Den Satz hat noch nie ein Mann zu mir gesagt …«
Klick.
Andreas Gelassenheit steckt mich an, er legt die Canon zur Seite um eine Pause einzulegen, streckt mir eins der Gläser entgegen.
»Cheers.«
Seine Augen blitzen für den Bruchteil einer Sekunde eiskalt auf:»So und jetzt zieh dich ganz aus und setzt dich auf den Hocker da hinten. Wir versuchen das, was wir uns vorhin angesehen haben, in Ordnung?«
Ich lege das Oberteil ab und nehme noch einen Schluck Wein. Andreas beobachtet mich, wie ein Raubtier seine Beute kurz vorm Angriff.
»Alles ausziehen«, der bestimmende Unterton in seiner Stimme bringt mich nicht aus der Ruhe.
»Ja, das haben schon mehrere Männer zu mir gesagt.«
»Na dann los … Und dann auf den Hocker dort.«
Mit weit gespreizten Beinen setzte ich mich, rufe mir das Bild, das er mir in der Kneipe gezeigt hat in Erinnerung. Eine meiner Hände lege ich in den Nacken, mit der anderen verdecke ich die Sicht auf meine Mitte.
»Ja, gut so. Leg deinen Kopf in den Nacken. Ja, gut so.« Andreas feuert mich an, er ist sichtlich zufrieden:»Komm und mach die Beine weiter auf …«
Ob er gemerkt hat, wie mir meine Lust an den Oberschenkeln hinabläuft?
»Und jetzt fang an, an dir herumzuspielen …«
Ich öffne kurz die Augen, um ihn anzusehen. Noch immer ist die Linse auf mich gerichtet, dennoch entgeht mir seine ausgebeulte Jeans nicht. Wieso ist es auf einmal so heiß?
»Los. Fang endlich damit an, du kleines geiles Luder. Ich kann deine Fotze bis hierher tropfen hören.«
Im gleichen Maße wie die Dominanz in seinem Tonfall steigt auch mein Verlangen. Hemmungslos wichse ich vor ihm, schnell und hart zuckende Finger treiben mich an den Rand der Besinnungslosigkeit.
»Tiefer rein! Gut so … Nimm einen zweiten dazu … Komm schon, das geht aber tiefer. Beine weiter auseinander, ich kann ja nix sehen …«
Wie auf Kommando folge ich seinen Anweisungen, wage nicht zu widersprechen, auch wenn es mich reizen würde, bis an die Grenzen zu gehen.
»So das war gut. Leg dich mal auf den Boden.«
Auf dem Rücken liegend öffne ich die Schenkel, verdecke das Gesicht mit den langen Haaren, während ich weiterhin an mir herumspiele.
»Stopp! Hör sofort damit auf es dir selbst zu machen, du läufige Hure!«
Unerwartet und plötzlich reißt er meinen Arm in die Höhe, packt mich grob im Nacken und schnauzt mich an:»Dir muss wohl noch jemand Benehmen beibringen, was?«
»Aber …«, stammele ich in seine Richtung, doch weiter komme ich nicht. Um mich zum Schweigen zu bringen, steckt er seine Hand in meinen Mund.
»Ich glaube nicht, dass ich dir eine Frage gestellt habe. Das war eher eine Feststellung. Du musst noch so einiges lernen.«
Mit dem letzten Wort zieht er sie wieder heraus, holt tief aus und klatscht mir auf den Arsch. Ich winsle laut auf, als ich das Brennen spüre.
»Na na … Das gefällt dir doch …« er flüstert mir ins ins Ohr, dreht mich auf den Bauch und schiebt mir zwei Finger hart und unbarmherzig von hinten rein.
In dem Punkt hat er wohl Recht, ich genieße die Mischung aus Erregung und Angst die seine dominante Art bei mir auslöst. Längst schon habe ich die Kontrolle der Situation aus den Händen gegeben.
»Los steh auf! Willst du hier die ganze Zeit am Boden liegen?«
Mit einem lauten Klatschen landet seine Handfläche auf meinem Hintern, mit der anderen krallt er sich in meine Haare und zieht mich zu sich nach oben.
»Gib deine Hände mal her«, seine Stimme klingt wieder gelassener als noch vor einer Minute, er fährt mit den Fingerspitzen über die Konturen meiner Unterarme. Plötzlich packt er zu, hält mich mit seiner Linken fest.
Aus einer Kommode knapp neben uns fischt er mit der Rechten eine Rolle Isolierband, um mich damit an den Handgelenken zu fesseln. Als hätte er´s geplant, hängt zufällig über uns ein Haken mit einem Karabiner an der Decke.
Ein wenig perplex starre ich ihn an, als er mich dort festbindet:»Hey, was …«, erschrocken raune ich ihn an.
Doch viel weiter komme ich nicht, eine Sekunde später klatscht er einen Klebestreifen über meinen Mund und bringt mich damit zum Schweigen.
»Ich sagte doch du sollst still sein.«
Andreas holt sich seine Kamera, schiebt einen Hocker neben mich und stellt sich darauf.
Klick. Klick. Klick.
Für eine Weile lässt er mich zappeln, steigt wieder herunter und starrt mich amüsiert an:»Zu einem wildfremden Mann, den du nur übers Internet kennst, ins Studio kommen? Bei Nacht? Zum Aktfotos machen?«
Er ohrfeigt mich, Panik befällt mich, und doch fühle ich ein unbändiges Verlangen auf ihn. Meine Wange brennt, es durchfährt mich wie ein Stromschlag, als ich seinen Atem im Nacken bemerke und er meine Brüste knetet.
Die Ausweglosigkeit meiner eingeschränkten und handlungsunfähigen Lage und seine Berührungen machen mich verrückt. Auch wenn sich meine Handgelenke schon taub von den Fesseln anfühlen, ich will ihn in mir spüren, will, dass er mich richtig hart rannimmt.
Ich schreie durch den Knebel, doch statt»Fick mich« kommt nur ein unverständlicher Ton hindurch.
»Versuchst du mir etwas zu sagen?« Immer noch steht er hinter mir, drückt mir plötzlich seinen Prügel durch den Stoff seiner Jeans gegen den Arsch.»Ich weiß genau, was so eine kleine Drecksau wie du braucht.«
Ruckartig öffnet er den Reißverschluss, einen Augenblick später reibt er seine Schwanzspitze zwischen meinen vollgetropften Schenkeln, quälend langsam wandert er damit weiter nach oben. Als er am Ende meiner Oberschenkel ankommt, harren wir beide für einen Moment atem- und bewegungslos aus. Er scheint das gierige Zucken in mir zu bemerken, dringt als Antwort darauf mit einem Ruck in mich, wispert mir zu:»Du kleines Miststück bist derartig geil.«
Ob sich mein Verstand vor meinen Knien auf Nimmerwiedersehen verabschieden wird?
Mit aller Kraft versuche ich nicht wegzuknicken, als das Riesenteil den Kurs wechselt und ganz hinten wieder in mir versinkt.
Andreas vögelt mir die letzten Gehirnzellen raus, er reißt das Klebeband von meinen Lippen, um mit seinen Fingern dazwischen Platz zu haben. Behutsam lässt er sie in meinen Mund gleiten, ich stöhne benommen auf, immer heftiger die Muskelkontraktionen meines Körpers, es ist gleich soweit.
Ich winsle erlösend auf, zittere vor Benommenheit, als auch er den Höhepunkt erreicht und in meinen Arsch spritzt.
»Genau das hast du verdient …«, bemerkt er gelassen, keuchend zieht er mich an den Haaren. Ich versuche einen Blick nach unten zu werfen, was da wohl auf den Fußboden tropft? Mein Verdacht bestätigt sich – es sind seine Kinder in spe.
Andreas bemerkt das Malheur unter mir, zwickt meine Nippel und küsst mich. Verwundert über so viel Zärtlichkeit entspanne ich mich. Kaum hat er sich von mir gelöst, legt er den Kopf schief und den Schalter wieder um:»Die Schweinerei wirst du wegmachen, du nutzloses Fickstück.«
Erstaunt über die neuerliche Wendung, gebe ich klein bei:»Ja, mach ich. Bitte binde mich los, es ist alles wie taub unter dem Isolierband.« Ich bettle um Erbarmen und er befreit mich tatsächlich.
»Hier, trink erstmal was.«
Gierig leere ich das Glas Wasser in einem Zug, er nimmt es mir ab und wirft einen Blick auf die eben befreiten Handgelenke:»Halb so schlimm, bis morgen ist alles wieder o. k., versprochen.«
Unsicher, ob ich ihm das glauben kann, antworte ich vorsichtig:»Glaubst du wirklich?«
»Ja, deine Arme sind o. k. aber dein Hintern könnte einbisschen blau werden.«
Kaum hat er es angesprochen, bemerke ich das Brennen auf meiner Rückseite. Das hatte ich beinahe wieder vergessen.
»Du wirst jetzt hier saubermachen oder die restliche Nacht an diesem Haken verbringen.« Sein Finger deutet auf die Anhängevorrichtung über mir, von der er mich gerade erst losgemacht hatte.
Gedemütigt widerstehe ich dem Impuls zu widersprechen, verunsichert wegen seiner Unberechenbarkeit, senke ich den Kopf und zögere.
»Los! Auf die Knie mit dir … Und wehe es bleibt auch nur ein einziger Tropfen übrig.«
Andreas zieht mich an den Haaren nach unten, presst mein Gesicht zu Boden und wird wieder laut:»Mach schon. Leck es auf!«
Um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen presst er mir seinen Finger in das wundgevögelte Loch. Weder Jammern noch Schreien besänftigen ihn, er scheint gerade wieder in Fahrt zu kommen. Demütig tue ich, was er von mir verlangt, säubere das spermabefleckte Parkett mit der Zunge.
»So ist es brav. Warum denn nicht gleich so?« Grinsend spielt er weiter an mir herum, meine sofortige Reaktion darauf bleibt ihm nicht verborgen.
»Du bist ja schon wieder völlig fickerig«, abschätzig schnauzt er mich an, zieht sich aus mir zurück und steht auf.
»Bitte mach weiter …«, flehe ich ihn an, mich noch einmal zu benutzen.
»Du wirst dich jetzt anziehen und nach Hause fahren.«
Das ist nicht sein Ernst, oder?
Ich stehe auf und suche meine Klamotten zusammen, behutsam fasst er an meine Taille und zieht mich an sich. Sein Kuss schmeckt nach mehr, vielleicht will er ja doch, dass ich bleibe?
»Mach das du hier raus kommst«
Nein, wohl doch nicht. Na dann kann ich jetzt wohl meinen Slip anziehen? Ich entdecke ihn auf dem Hocker, doch kaum hab ich ihn mir gekrallt, brummt Andreas laut auf:»Die Unterwäsche brauchst du nicht mehr. Kannst du hier lassen. Und auch in Zukunft ist es dir streng verboten welche zu tragen. Hast du verstanden?«
»Ja.« Ich lasse den Tanga wieder fallen.
»Ja, was?«
»Ja, ich habe verstanden.« Fügsam ziehe ich mir meinen Rock und das Top an und lasse Slip, Strümpfe und BH liegen.
»Du wirst mir sooft zur Verfügung stehen wie ich es dir befehle, kapiert?«
»Ja, ich hab´s kapiert«
»Und du fickst keine anderen, außer wenn ich es so will. Wehe du hältst dich nicht daran, dann gibt’s keine Gnade mehr.«
Der drohende Unterton mahnt mich zur Vorsicht.
»Ich werde mich daran halten.«
»Das hoffe ich für dich. Und jetzt mach, dass du hier verschwindest.«
Er begleitet mich zur Tür, kneift mir durch das Shirt in die Brustwarze und verabschiedet sich:»Gute Nacht, Maja. Träum was Schönes. Wir werden uns bald wiedersehen, du gehörst jetzt mir.«
»Bis bald, Andreas.« Ich drehe mich um, steige in den Fahrstuhl und weiß, dass ich ihn nie wieder sehen werde.
1.4.2015

Mir ist langweilig, ich hänge seit Stunden vor dem Laptop, surfe ziellos durch die unendlichen Weiten des WeWeWe, doch auch nach dem dreihundertsten Mal Link-Anklicken finde ich nichts, das mich länger als einige Minuten beschäftigt. Habe mittlerweile sieben Mal masturbiert, weswegen auch»youporn« keine wirkliche Alternative zum Zeitvertreib oder der allgemeinen Entspannung mehr ist.
Eigentlich wollte ich ja bügeln, Fenster putzen, ein Buch lesen, Sport machen; kurz ein besserer Mensch werden. Eigentlich.
Es schüttet wie aus Kübeln, der Himmel ist genauso grau wie der letzte Schnee, der auf der Straße liegt, und macht sich durch allgemeine Nicht-Motivation bemerkbar. Ja, das ist gut – schuld ist nur das Wetter. Niemand mutiert zu einem Superhelden, wenn’s draußen arschkalt ist, oder?
Bei Spiderman war sicher auch Sonnenschein? Ich bin sogar so unmotiviert, dass ich noch nicht mal aufs Klo gehen will, obwohl es sich mittlerweile anfühlt, als würde meine Blase gleich platzen. Klicke mich schneller und schneller durchs Netz um mich davon abzulenken, dass ich meinen Arsch hochkriegen sollte.
Das klappt so gut, dass ich mich irgendwann frage, wieso ich meinen Lebensunterhalt nicht als Pornodarstellerin verdiene, so wie Misses Snoopahontas. Da ich praktischerweise eh schon im größten Sündenpfuhl dieser Welt feststecke, bitte ich Doktor Google um Hilfe.
Drei Stunden, fünf Bier, drei Joints, eine Thunfischpizza und zwei Mal onanieren später hab ich die Bewerbung für einige Pornoproduktionsfirmen fertig getippt. Eher aus Spaß, als aus seriösem Interesse schicke ich den Kram tatsächlich weg, ehe ich einige Minuten später auf ein Inserat stoße, dass mich wirklich neugierig macht:»Berlin sucht die abgefahrensten Sexstorys aus ganz Deutschland – die besten werden verfilmt«
Boom. Das ist genau meins, ich spüre es nicht im kleinen Finger, aber dort wo´s wirklich lustig ist.
Ich drucke mir die Seite aus, klebe sie auf meinen Badezimmerspiegel, um sie nicht zu vergessen und beschließe erst mal meinen Rausch auszuschlafen.
Fünf Tage und geschätzte vier Millionen Ausrede, wieso ich jetzt noch nicht zu schreiben anfangen kann, später, parke ich meinen Prachtarsch tatsächlich auf der Couch, schreibe eines meiner schrägsten Sex-Erlebnisse auf und schicke die Story an einen Unbekannten in die große deutsche Stadt.
Demoliertes Kurzzeitgedächtnis sei Dank, als am nächsten Morgen das Telefon klingelt, hab ich erst mal keinen Plan, welcher Unmensch mich zu dieser Unzeit anruft. Da das Schlafzimmer immer noch dunkel ist und ich mich fühle als wäre ich fünfhundert Jahre alt, schätze ich die Uhrzeit auf neun Uhr. Ekelhaft. Doch mein anfänglicher Zorn wandelt sich im Nullkommanichts in Neugierde, als ich die angenehme Stimme am anderen Ende der Leitung höre.
Sein Name ist Gernot, er hat eben meine Mail von vergangener Nacht erhalten, findet meine Geschichte gut und würde mich gerne kennenlernen, um alles Weitere zu besprechen.
Ich bin sprachlos; damit hätte ich ebenso wenig gerechnet, wie mit einem Anruf des Pornokönigs; noch während ich überlege, wann und wie ich nach Berlin komme, reißt mich die hocherotische Stimme aus meinem Gedankenwirrwarr zurück auf den Boden der morgendlichen Realität.»Ich fliege heute nach Wien, wir könnten uns am Abend treffen?«
Er will, dass ich ein Kleid und hohe Schuhe trage – sehr praktisch, das hätte ich auch ohne Aufforderung gemacht. Gespannt, wie er aussieht, suche ich ihn auf Facebook; und tatsächlich – sein Gesicht passt zu der Stimme.
Der Kerl ist hübsch, und das weiß er auch; Gernot strahlt auf den Bildern eine Souveränität und Dominanz aus, die mir bis dato noch nicht untergekommen ist. Mit jeder Stunde steigen die Aufregung und Vorfreude auf ihn, auch wenn das nicht mein erstes Blind Date ist.
Aber es ist das erste Mal mit einem Kerl, der meine intimsten sexuellen Erlebnisse und Begierden kennt, bevor er auch nur den Bruchteil eines Eindrucks von mir und meiner Person erhaschen konnte. Immerhin hab ich ihm vierundzwanzig Stunden davor eine detailgetreue Beschreibung meiner allerersten BDSM-Session geschickt, die absolut nichts mit Mister Grey und dem von ihm ausgelöstem Hype zu tun hatte.
Menschenleere Straßen sind in unheimliche Dunkelheit gehüllt als ich unter einer der Brücken neben dem Donaukanal auf ihn warte. Wieso bin ich zu früh?
Einige Rasta-Typen schlendern an mir vorbei, von einer süßlichen Duftwolke verfolgt und laut kichernd. Sie klingen wie ein Haufen pubertierender Schulmädchen, die in der Umkleide zum ersten Mal einen Pimmel gesehen haben. Das Geräusch des Gelächters will so überhaupt nicht zu der Erscheinung von zwanzigjährigen, halbstarken Kiffern passen.
Sie ziehen an mir vorüber, in einiger Entfernung spaziert ein langhaariger Mann entspannt in meine Richtung. Während der Takt meines inneren Motors immer schneller wird, glaube ich ein Lächeln auf dem Gesicht des Unbekannten zu erkennen.
Völlig gechilled kommt er vor mir zum Stehen, während ich versuche so gelangweilt wie möglich zu tun, stellt er sich nur einige Zentimeter vor mein Gesichtsfeld und fixiert mich mit seinem fesselnden Blick.
Ich brauche meine ganze Kraft, um meine Knie am Zittern zu hindern, erwidere seinen Blick, auch wenn die Vernunft zur Vorsicht mahnt. Und noch bevor ich»scheißewiegeilistdasdenn« denken kann, berühren sich unsere Lippen, öffnen sich, vorsichtig spielende Zungen, packende Hände an meiner Hüfte, Sekunden bevor er mit seinen Fingern über meinen Rücken streichelt und sie am Nacken zur Ruhe kommen lässt.
Die Berührung fühlt sich an wie millionenfache Bienenstiche direkt über der Wirbelsäule, während jemand mein Zentrum mit Brennnesseln traktiert, aber ich drücke mich so nah wie möglich an den Fremden, betörender als sein Geschmack ist nur sein Geruch.
Ich sauge ihn auf, als wär’s das letzte Mal, um plötzlich von ihm abzulassen. Tranceähnlich ist der Zustand, als ich mich von ihm löse, um in seine Augen zu sehen; der Energiestrom zwischen ihm und mir ist überwältigend und nicht zu leugnen.
»Schön dass du gekommen bist, Maja.«
Mit weit geöffnetem Mund, und dem Gesichtsausdruck einer gehirnamputierten Gummipuppe starre ich ihn an; alles woran ich denken kann, ist sein Schwanz in mir:»Du auch.«
Schmunzelnd nimmt er mich an die Hand, wortlos doch emotionsbeladen spazieren wir über die Brücke. Auf der anderen Seite des Kanals ragt ein hell beleuchtetes Hochhaus in die sternenklare Nacht, er steuert direkt darauf zu, bemerkt mein Zögern:»Lass uns ein Glas Wein bei mir trinken. In dieser Gegend gibt es keine guten Kneipen. Ok?«
Von seiner Empathie angetan, und ein wenig von der Abenteuerlust gepackt, lasse ich mich darauf ein; habe kein ungutes Gefühl bei der Sache, und so genieße ich einige Minuten später wunderbar fruchtigen Merlot mit einem atemberaubenden Blick auf die schlafende Hauptstadt bei Vollmond.
Mitten in der offenen Wohnküche steht ein schwarzes Ledersofa, rundherum zahllose Bücher die in die Höhe gestapelt recht chaotisch dastehend aussehen. Blickt man länger hin, scheint es, als stecke ein penibel angeordnetes System dahinter, nicht unordentlich, ganz im Gegenteil.
Die mit zahllosen schwarz-weiß Aufnahmen gesäumten Wände bilden einen ungewollt scheinenden Kontrast zu dem bunt-vollgeräumten Regal in der Ecke, die mächtige Glasfront unterbricht die Unruhe mit ihrer Klarheit inmitten von zufällig drapierten Gegenständen.
Ich fühle mich sicher und folge seiner Einladung Platz zu nehmen. Beobachte ihn dabei, wie er eine Flasche Wasser öffnet, nie zuvor war mir die Ästhetik dieser banal wirkenden Handlung bewusst.
Wie eine zweite Haut legt sich die schwarze Hose um seine Genitalien, vermutlich auch um den Rest, doch mein Betriebssystem ist längst heruntergefahren. Schulterlange Haare fallen neben blitzblauen Augen über seine stark aussehenden Schultern, als hätte er einen explodierten Strohballen auf dem Kopf, den man mit Superkleber direkt über sein Kleinhirn gepickt hätte. Irgendwie wie ein nicht existenter Sohn aus Dieter Bohlen und Britney Spears nach dem elektrischen Stuhl, aber dennoch sehr sexy.
Die nach Sandelholz, Kaffee und einer undefinierbaren Note duftende Nuance seiner Haut hinterlässt wuchernde Gänsehaut auf meinem Rücken. Der aufkeimender Schauer ängstigt mich kein bisschen, ganz im Gegenteil. Als würde die»Jetzt-geht’s-los« Stimmung die Schirmherrschaft übernehmen.
Das Plätschern der Wasserflasche verstummt, langsam dreht er sich um und ein zutiefst provokanter Blick trifft mich.
»Ich möchte, dass du jetzt dein Höschen ausziehst.«
Ruhig, jedoch ohne Zweifel an seiner ernsten Absicht reicht er mir eins der aufgefüllten Wassergläser. Kaum habe ich es ihm abgenommen und er somit eine Hand frei, streichelt er zärtlich über meinen Hals. Ich genieße die Berührung, schließe die Augen um das Gefühl zu intensivieren. Doch noch ehe das Kribbeln in mir den Höhepunkt erreicht und sich in sämtlichen Fasern meines Körpers ausbreitet, zieht er sich unerwartet zurück; instinktiv fasse ich nach ihm, aber es ist mir unmöglich ihn zu erreichen. Mit einem lauten Knall landet die flache Hand, die eben noch die sensible Stelle unter meinem Kinn liebkost hat, mitten in meinem Gesicht. Wieder und wieder ohrfeigt er mich mit der einen, während die andere den Weg zwischen meinen Schenkeln närrisch nach oben tippelt, von Zeit zu Zeit kurz innehält, um mir seine Finger durch die Spalte zu ziehen.
Mein Slip fungiert mittlerweile als Knöchelwärmer, den Rock hab ich auch schon längst bis zum Bauchnabel hochgeschoben, das Wechselspiel aus Schlägen und Zärtlichkeit fordert seinen Tribut, völlig von Sinnen lasse ich mich treiben, wie benebelt nehme ich Berührungen wahr, deren Reminiszenzen sich ihre Bahn in meinem halb offenen Mund suchen.
»Du wirst dich jetzt ausziehen und dort drüben auf den Boden knien«
Unfähig zur Widerrede befolge ich seine Ansage, drehe ihm den Rücken zu, wortlos. Ruckartig zieht er den Reißverschluss meines fick-mich-Fetzens nach unten, streift es über meine Schultern. Lautlos gleitet es zu Boden, splitterfasernackt stehe ich vor ihm.
Gernot packt mich an den Haaren, reißt den Kopf nach unten, lässt auf einmal los und zeigt zu Boden.
»Hinknien hab ich gesagt.«
18.4.2015

Mit jedem Schritt, den ich die Treppe hinunter nehme, schlägt mein Herz ein wenig schneller. An einem kleinen Tisch sitzend entdecke ich ihn. Gedankenversunken spielt er auf seinem Handy herum und bemerkt mich erst, als ich direkt neben ihm stehe.
»Na da kann ich dich ja lange oben an der Bar suchen, wenn du dich hier unten versteckst.«
Sein Lächeln haut mich beinahe um, genauso wie der darauffolgende Kuss.
Jan sieht genauso fantastisch aus, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Ich liebe es, wenn ein Mann so viel größer ist als ich es bin, mit seinen knappen zwei Metern ist er eine wahre Erscheinung. Seine Augen blitzen in derselben Farbe wie der wolkenlose Himmel, graumelierte Locken tanzen verspielt über die Schläfen, verleihen ihn die Ausstrahlung eines wahren Womanizers.
»Das Kleid ist ebenso heiß wie du.«
Händchenhaltend steigen wir in den Lift, auf der Fahrt nach oben möchte ich ihn am liebsten gleich den Anzug ausziehen, als er mit der Hand unter meinen weißen Fummel fährt und mich auf Touren bringt. Seine Zunge spielt mit meiner, ich streichle ihn und bemerke nicht, dass der Aufzug schon längst angekommen ist.
Wir können es kaum erwarten, endlich ins Zimmer zu kommen. Die Tür fällt ins Schloss – und wir übereinander her.
Ich öffne sein hellblaues Hemd, drücke mich immer heftiger an ihn, immer härter werdender Widerstand drängt durch seine Hose gegen meine immer feuchter werdende Mitte.
Hektisch suche ich nach dem Reißverschluss, befreie Jan erst noch vom Gürtel, taste mich unter seinen Slip und befreie das Teil, das mir dabei entgegenkommt.
Ich gehe auf die Knie, lecke langsam über die pulsierende Schwanzspitze, meine Hand hält den Schaft, während ich die Lippen schließe und ihn komplett im Mund verschwinden lasse. Dann hebe ich den Blick, schaue Jan dabei tief in die Augen und sehe, dass es ihm genauso gefällt wie mir. Hatte ich schon vergessen, wie gut er riecht und schmeckt.
Instinktiv packe ich ihn am Arsch, um seinen steinharte Latte noch weiter in mich hineinzudrücken, bekomme nicht genug von seinem Geschmack, bin nur noch kurz davor entfernt endgültig den Verstand zu verlieren.
Dabei fühle ich seine Hände auf meinem Kopf, wie sie zärtlich über meine Haare streicheln, kurz bevor er mich daran packt und in die Höhe zieht.
»Du weißt schon, dass du wieder zu spät warst?«
Ich bin so perplex, dass ich über meine eigenen Füße stolpere. Jan schlingt seine Arme um mich, hält mich und zieht mich aus.
»Ja, es tut mir leid. Das Navi hat mich ins falsche Hotel geschickt«
Seinem Gesichtsausdruck nach lässt er die Ausrede nicht gelten.»Ja, mir geht’s genauso. Ich bin auch ständig pünktlich, aber leider kommt mir meistens was dazwischen.«
Seine Hände fahren meinen Körper entlang und bleiben auf den Brüsten liegen. Langsam, doch sehr bestimmt fängt Jan damit an sie zu kneten. Immer schneller und immer heftiger, je fester er macht, umso lauter stöhne ich.
Plötzlich nimmt er meine Nippel zwischen die Finger und zieht daran, ich schreie vor Schmerz und Erregung laut auf, als er mir auch noch den Mund zuhält, drehe ich beinahe durch.
»Ich will, dass du dich jetzt auf das Bett kniest und wartest bis ich komme«, flüstert er mir ins Ohr, mich durchfährt ein eisiger Schauer und ich wage nicht zu widersprechen, als ich sehe wie er den Gürtel aus der Hose zieht.
3.5.2015

Als ich seine Mail im Posteingang entdecke, schlägt mein Herz Purzelbäume, ich freue mich wie ein kleines Kind auf den Osterhasen.
Da ich mit meiner besten Freundin in die Stadt gefahren bin, um zu shoppen, beginne ich spontan mitten auf dem Gehsteig zu tanzen.
»Hast jetzt deine fünf Minuten? Oder nur vergessen deine Tabletten zu nehmen?«, erkundigt sie sich.
Ich drehe mich einmal im Kreis und strecke ihr die Zunge raus.»Juhu… Er hat sich gemeldet.«
»Wer?«
»Na das Oberschnucki aus Klagenfurt. Weißt eh, der von letzter Woche.«
»Also bei deinen Männerverschleiß kann man schon mal den Überblick verlieren. Meinste den Womanizer?«
»Ja, genau den.«
Wir spazieren eine belebte Straße unweit des Bahnhofs entlang und bleiben vor dem Schaufenster eines italienischen Schuhladens stehen.
»Sag mal, hast dich ein bisschen verknallt, oder wieso strahlst du so?«
»Ach was. Das ist nur rein körperlich.«
»Nein, ich kenne dich. Wenn´s dir nur um Sex gehen würde, hättest du anders reagiert. Ganz ohne dabei zu tanzen. Jetzt zeig endlich was er geschrieben hat.«
Ich öffne die Mail und gebe Elena das Telefon, wir gehen in den Laden rein, sie liest die Nachricht laut vor:»Ich bin froh, dich kennengelernt zu haben und habe seit unserem Treffen jeden Tag an dich gedacht. Das Date war wunderbar. Hast du am Samstag Zeit? Liebe Grüße.«
Eine Verkäuferin kommt hinter der Kasse hervor und fragt ob sie uns helfen kann.
»Nein danke. Uns ist nicht zu helfen.«
Verstört und ein wenig angepisst zieht sie wieder ab und belästigt eine andere Kundin mit ihrem Helfersyndrom. So wie die aussieht, braucht sie allem Anschein nach eher Besuch von der Styling-Polizei. Wie kann man sich nur so gehen lassen? Da braucht es die Weiber nicht wundern, wieso die Kerle alle fremdgehen.
Elena hat sich einen weißen Stiletto gekrallt, um ihn zu begutachten.»Wenn ich die anziehe, bin ich fast so groß wie du. Geiles Teil.«
Ein vor der Tür wartender schwarzer Riese, der mich an Usain Bolt erinnert, lässt mir den Atem stocken, und den Mund offen stehen.»Geile Sau.«
»Wie bitte?«
Meine Freundin braucht nicht lange um zu begreifen, was der Auslöser für meinen»komm und fick mich«-Blick ist.
»Maja, nein. Das ist ja schlimmer als mit meinen Kindern im Spielzeugladen.«
»Wieso? Sind da auch so viele schwarze Männer?«
»Nein, aber die wollen auch alles haben, was sie sehen.«
Noch bevor ich habe was ich sehe, steigt das heiße Gerät in ein Taxi und verschwindet aus meinem Blickfeld.
»Sag mal, können wir nicht einfach nach Afrika in den Urlaub fliegen?«
Die Stilettos wandern zurück ins Regal, und Elena grinst mich an.»Ja genau, Misses Pornoprinzessin. Und wenn du nach drei Wochen alle Schwänze, die du hattest, zusammenlegst, hast du die Strecke von Kapstadt bis Klagenfurt.«
Ein älterer Herr der eben in das Geschäft gekommen ist, kriegt einen hochroten Kopf und hastet an uns vorbei.
Ich versteh nicht, wieso alle immer die Gesichtsfarbe wechseln, wenn man Gespräche über Genitalien führt. Was machen denn die, wenn sie nachmittags RTL gucken? Ausschauen wie ein Signalkrebs?
»Also jetzt übertreibst du aber schon ein bisschen. Sag mal willst die Schuhe jetzt kaufen oder hier einziehen? Ich bin durstig, lass uns was trinken gehen.«
Wir machen uns auf den Weg Richtung Innenstadt, unweit vom Rathaus ist ein kleiner Gastgarten. Ein schattiges Plätzchen suchend, lästern wir über vorbeilaufende Passanten und mustern den Arsch des Kellners, bevor wir zwei Aperol-Spritzer bei ihm bestellen.
»Also was machst du jetzt mit deinem Schnucki?«
»Dem hab ich schon längst zugesagt.« Beim Gedanken an den kommenden Samstag richten sich meine Nippel unter dem Shirt auf.
»Wann denn bitte?«
»Als du noch im Schuhkaufkoma warst.«
»Und was machst wegen deinem anderem Mister Schmetterlinge im Bauch?«
»Dem bin ich lange genug hinterhergelaufen. Das Ding ist durch, bringt doch eh nichts außer Ärger.«
Ich nehme einen großen Schluck vom Drink, als könnte das gegen die aufkommende schlechte Laune helfen.
»Nein, das ist sicher noch nicht vorbei.«
Ich verschlucke mich beinahe an der Orangenscheibe, immer dieses verfluchte Obst im Getränk, gemeingefährlich und hinterfotzig.
»Doch ist es. Ich kenn den doch im Grunde gar nicht.«
»Wann hast das letzte Mal an ihn gedacht?«
Scheiße, Fangfrage.
»Keine Ahnung.«
»Du lügst, und das weißt du auch.«
Vermutlich hat sie Recht und da ist noch etwas übrig. Doch alles woran ich im Moment denken will ist Mister Womanizer.
»Können wir nicht über etwas Schöneres reden? Syphilis zum Beispiel?«
»Du bist so blöd, aber das ist gut so.«
2.6.2015

Erwartungsgemäß zäh verstreichen die übrigen Tage bis zum ersehnten Treffen mit Jan, dem Mann der meine Welt rosa schimmern lässt und meine Aura zum Leuchten bringt.
Ich versuche alles um mich abzulenken und nicht permanent auf die Uhr zu sehen. Doch ganz egal was ich auch anstelle, meine Aufmerksamkeitsspanne ist verschwindend gering und reicht gerade mal für die ersten fünf bis maximal zehn Minuten jeder noch so angenehmen Tätigkeit. Spätestens nach Ablauf dieser Deadline kreisen meine Gedanken wieder um Jan, seine stechenden Augen und den Duft seiner Haut.
Auf dem Weg zur Videothek fahre ich an ihr vorbei, weil ich an nichts anderes als Jans Schwanz in meinem Mund denken kann. Bemerke den Irrtum nach guten anderthalb Kilometern und wende.
Gott, ich muss mich zusammenreißen!
Lange hält der Vorsatz nicht, schon wieder hab ich das Bild von Jan im verwirrten Schädel drinnen und verpasse zum zweiten Mal an diesem Tag die Einfahrt zum DVD-Laden.
Ich drehe nochmal um, und tatsächlich klappt es beim dritten Versuch, ich kann die geliehenen Filme zurückbringen.
»Das macht dann achtundzwanzig Euro.«
Ich glaub mein Schwein pfeift.
»Was? Ich will die Dinger ja nicht kaufen!«
»Tut mir leid, aber du hast sie zwei Wochen lang ausgeliehen.«
»So ein Mist, verdammt.«
Ich knalle dreißig Euro auf den Tresen und marschiere hinaus. Soll er sich doch den Rest in den Arsch schieben, blöder Filmwichser.
Kaum vor der Tür, schlägt die Wut in Verlangen um, die Erinnerung an Jans flacher Hand die auf meinen Hintern klatscht, heizt mich genauso auf, wie die hochstehende Sonne.
Erregung kämpft gegen Hunger. Unschlüssig ob ich erst einkaufen oder masturbieren sollte, fahre ich Richtung Wohnung zurück.
Doch noch bevor ich eine Entscheidung treffen kann, winken mich zwei Uniformierte an einer Bushaltestelle aus dem Verkehr.
Na großartig, das hat mir grade noch gefehlt. Kaum ist das Wetter wieder schön schießen diese lustigen Gestalten an jeder Ecke aus dem Boden, schlimmer als die Schwammerl im Wald.
»Sie sind sehr rasant unterwegs. Führerschein und Zulassung bitte.«
Wie soll ich denn meine Geschwindigkeit kontrollieren, wenn ich ständig aufm Handy herumdrücke? WhatsApp und Tacho beaufsichtigen ist einfach zu viel, da könnt ich ja so abgelenkt sein, dass ich noch einen Unfall verursache. Verfluchte Polizei, in welcher Welt leben die denn eigentlich? Nicken, lächeln und Arschloch denken.
Im Handschubfach nach dem verlangten Zeug suchend, fällt mir beinahe eine Tüte mit Gras auf den Beifahrersitz. Ich hab mich schon gewundert, wo der Geruch herkommt. Rätsel gelöst.
Ich drücke dem Ordnungshüter meine Fahrzeugpapiere in die Hand, zutiefst hoffend er möge den restlichen Inhalt den ich dezent zurückgeschoben habe, nicht riechen.
Seine Miene wird sehr ernst als er sich nach einem kurzen Blick in den Führerschein wieder mir zuwendet:»Ich lasse Sie diesmal mit einer Verwarnung davonkommen. Aber beim nächsten Mal, wird’s teuer.«
»Alles klar, ich bemüh mich.«
Ich schenke ihm mein unschuldigstes Lächeln und fahre weiter. Von wegen Verwarnung, der hatte sicher gerade Dienstende und wollte keinen Strafzettel schreiben, damit er pünktlich zum Feierabendbier kommt. Verfluchter Schwanzlutscher.
Apropos Oralverkehr. Ich bin völlig durch den Wind, was schönes Hartes im Gesicht könnte mich jetzt wirklich entspannen.
Kaum zu Ende gedacht, summt es auch schon am Beifahrersitz, lieber Gott lass es jemand mit einen Penis sein. Um einer weiteren Ermahnung durch den einzigen besten Freund und Helfer der nicht batteriebetrieben ist zu entgehen, fahre ich rechts ran um mein Handy zu checken.
»Hey ho. Was machst denn grade? Bin in der Nähe und würd dich gerne sehen.«
Jackpot, Baby!
Meine Gebete wurden erhört, der Absender hat einen großartigen Schwanz, außerdem weiß er, was man damit alles anstellen kann. Da er mich schon über ein Jahrzehnt rammelt, sind wir ein eingespieltes Team, er braucht keine Gebrauchsanleitung für meine Muschi mehr, die Funktionen der einzelnen Knöpfe sind ihm zur Gänze bekannt.
Mein Magen knurrt immer noch als ich zuhause ankomme. Ach ja, ich wollte doch noch was Essbares mitnehmen. Scheiß drauf, ich bin mir sicher, dass ich gleich was in den Mund bekommen werde.
Und tatsächlich; das Klingeln kündigt meinen Besucher an, noch bevor ich ihm öffne, hab ich außer dem String alles ausgezogen.
Funkelnde Augen für meinen Turbo-Strip erntend, erwischt mich Yves am Hintern, zieht mich eng an sich und küsst mich.
Er schmeckt nach Marihuana und Kaugummi, ich presse mich fest an ihn und bemerke, dass ich nicht die Einzige bin, die sich schon freut.
»Maja, du geiles Stück, du machst mich so an.«
Ich trete gegen die immer noch geöffnete Eingangstür, als ich den Nachbarn bemerke, der unserem Treiben entgeistert vom Stiegenhaus aus zusieht. Mit einem lauten Knall fällt sie ins Schloss.
Ist ja keine Peepshow hier!
Yves hebt mich hoch und trägt mich in die Küche. Er setzt mich auf die Anrichte, kniet sich vor mich hin, um mir mit einem Ruck den Tanga auszuziehen. Ich lasse meine Beine auseinanderfallen, als sich seine Zunge ihren Weg in mein Allerheiligstes bahnt. Erst nur die Innenseite meiner Oberschenkel küssend, wie zufällig streift er immer wieder an meiner feuchtesten Stelle. Mein Becken beginnt sofort mit den typischen Fickbewegungen, immer schneller geht es auf und ab. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreicht Yves mit der Zungenspitze endlich meinen Kitzler und schiebt mir zeitgleich einen seiner Finger in den Arsch. Benommen ächze ich auf:»Bitte fick mich durch.«
Unbeirrt leckt er mich weiter, bringt mich an den Rand des Wahnsinns. Ich kralle meine Fingernägel in seine Schultern, als ich nur noch einige Sekunden vor dem Höhepunkt bin. Plötzlich hört er auf, zieht mich auf den Boden und dreht mich auf den Bauch. Noch ehe ich kapiere was passiert, schiebt er mir seinen steinharten Schwanz in den Arsch.
Ich explodiere vor Lust, als er ihn ganz drinnen hat und mich langsam und bestimmt fickt. Der Fußboden ist genauso klitschnass wie der Rest von mir, ich schreie wie verrückt als es mir endlich kommt.
Yves packt mich an den Haaren, zieht meinen Kopf nach hinten und schaltet einen Gang höher. Härter und schneller werden seine Stöße, ich bin noch nicht mal über die erste Welle hinweg, als sich die zweite bemerkbar macht und ich noch mal komme.
Die angespannte Muskeln in seinen Oberschenkeln verraten mir, dass auch er soweit ist, doch auf einmal zieht er seinen Schwanz raus, dreht mich auf den Rücken und kniet sich über mein Gesicht.
»Mund auf!«
Ich öffne die Lippen, im gleichen Moment schießt mir die weiße Fontäne entgegen, er stöhnt benebelt auf, als ich ihn auch noch sauberlecke.
Lachend liegen wir nebeneinander auf dem Fußboden und schlafen beinahe ein, als uns mein Magenknurren aus dem Ficknirvana reißt.
»Hast du Bock auf Pizza?«
»Unbedingt.«
5.6.2015

Eigentlich wollt ich ja packen. Eigentlich wollt ich einen ruhigen Abend auf der Couch verbringen. Eigentlich wollt ich mein Auto putzen. Eigentlich wollt ich meine Kräfte für morgen Abend schonen. Eigentlich …
Doch wieder mal macht mir mein Kater einen dicken fetten Strich durch die Rechnung.
Hysterisch maunzt er mich an, lässt sich nicht beruhigen, nicht mal durch die Drohung, ich würde mir einen Rottweiler kaufen, wenn er nicht auf der Stelle aufhört mich mit seinem Geschnurre in den Wahnsinn zu treiben.
»Wie oft am Tag brauchst du Futter? Dreiundzwanzig Mal? Du schaust eh schon aus, als ob du bald explodieren würdest.«
Nein, es kümmert ihn einen feuchten Dreck, das Vieh ist genauso verfressen wie ich. Also gut, ich gebe mich geschlagen und mach mich auf den Weg, um eine halbe tote Kuh zu kaufen. Das dürfte dann erstmal reichen, um übers Wochenende zu kommen.
Im Einkaufswagen türmen sich unzählige Packungen mit Fleisch, ich schieße um die Ecke, um noch eine Flasche Rotwein zu suchen und krache gegen einen entgegenkommenden Kunden.
Dem fliegt vor Schreck die Tiefkühlpizza aus den Händen, er wankt kurz, fängt sich aber recht schnell wieder.
»Also für eine Vegetarierin hast du schon viele Tierleichen da drinnen«, grinsend zeigt er auf meinen Einkauf. Ich verstehe erst nicht, sehe ihn entgeistert an, bis ich bemerke, wer da vor mir steht.
»Hey Manuel, was tust du in Kärnten?«
Wir fallen uns um den Hals, haben uns eine Ewigkeit nicht mehr gesehen und doch sieht er noch so aus, wie ich ihn in Erinnerung habe; ausdrucksstarke blaue Augen, seine gekräuselten kurzen Haare hat er mittlerweile an einer Seite des Kopfes abgeschoren, gepiercte Unterlippe und beide Arme voll mit bunten Tattoos. Zerschlissene Jeans verpacken einen süßen Hintern, sein schwarzes»Sex Pistols«-Shirt ist genauso Punk wie er einmal war. Die Tatsache, dass wir beide kreative Freigeister sind, die sich nie in ein Schema pressen ließen, hat uns vor langer Zeit zu Freunden gemacht.
»Ich bin auf spontanem Heimaturlaub. Eben erst angekommen und gleich so eine angenehme Überraschung.«
»Ich sollte viel öfter mal jemand im Supermarkt umfahren. Das macht richtig Laune.«
»Ja, dein Fahrstil war immer schon äußerst umwerfend.«
Wir schlendern zur Kasse und verabreden uns für den Abend in einer kleinen Bar, in der ein Kumpel von uns auflegt. Alte Freunde und Geschichten, elektronische Musik und ein lauer Sommerabend; das Leben ist schön. Nur noch schnell zurück nach Hause, meine Fressmaschine füttern, ratlos vor dem Kleiderschrank stehen und mich nach einer halben Stunde überlegen für ein kurzes, dunkelblaues Kleid entscheiden. Meine Mähne steht chaotisch in alle Richtungen, ich lasse sie einfach so – sie passt gut zum Zustand in meinem Kopf.

Es hat eben zu dämmern begonnen als wir uns vor der Kneipe treffen, der Bass ist bis vor der Tür spürbar und obwohl es noch vor Mitternacht ist, gammeln schon einige Schnapsleichen hier draußen herum.
Wir bahnen uns einen Weg durch die verrauchte Bar, die Tanzfläche ist gerammelt voll, genauso wie die Theke und zwei Stunden später auch wir.
Der Champagner fließt in Strömen, wir haben uns so viel zu erzählen, trinken, tanzen, lachen, feiern uns selbst.
Als ich nach meinem Glas greife, streife ich seinen Arm, ein kurzer Blick bevor er plötzlich aufsteht und ohne ein Wort zu sagen geht.
Ich hinterher, Manuel dreht sich um, nimmt meine Hand und zieht mich in die Toilette.
Ein Betrunkener steht wankend am Waschbecken als wir nach einer freien Kabine Ausschau halten, dreckiges Lachen lässt seine Gedanken erahnen, als wir zu zweit in das einzige leere Klo verschwinden.
Manuel packt mich fest an den Titten, ich gehe vor ihm auf die Knie, packe das harte Ding aus und lasse es zwischen meinen Lippen verschwinden. Mit beiden Händen hält Manuel meinen Kopf, sanft dirigiert er den Rhythmus.
Ich lecke über die Spitze des dicken Teils, er zieht mich hoch, drückt mich gegen die Wand und schiebt mir den Rock nach oben.
Seine Finger fahren dorthin wo es richtig nass ist, ich verliere die Fassung als er den Schwanz ansetzt und mit einem Ruck in mich eindringt.
Ich schreie laut auf, immer heftiger fickt er mich, zwirbelt mir währenddessen die Nippel und zieht daran. Ich halte es nicht mehr aus, ächze, zucke, stöhne wie verrückt.
Er hält mir den Mund zu, doch als ich den warmen Strahl spüre, gibt es kein zurück mehr.
Sekunden nachdem er mich vollgespritzt hat, ist es auch bei mir soweit, zitternd erreiche ich den Höhepunkt und sacke benommen in seine Arme.
»Ich hatte fast schon vergessen, wie gut du das kannst«, keuche ich und streichle über seine Arme als er mir zärtlich den Nacken küsst.
»Ja, ich bin einfach eine Granate im Klo. Und für die zweite Runde suchen wir jetzt nach Verstärkung, ich denke ein zweiter Schwanz könnte dir nicht schaden.«
Freunde sind großartig, die wissen wie man tickt.
6.6.2015

Eitelkeit ist die größere Hure als Stolz. Das Schlafzimmer rotiert noch schlimmer als vor zwei Stunden. Scheißdreck. Vielleicht sollte ich mir einfach eingestehen, dass ich keine 18 mehr bin. Die ganze Nacht durchfeiern ist nicht mehr. Zumindest nicht, ohne einen Regenerationstag einzuplanen.
Aber nein; Misses Unkaputtbar weiß es wieder mal besser und gibt einen feuchten Dreck auf das was andere denken.
Das Resultat meiner Überheblichkeit äußert sich recht heftig, zwingt mich in die Knie, als ich den Versuch starte, wieder gesellschaftsfähig auszusehen. Kaum aus dem Bett raus, scheint das Oberstübchen Millimeter vor der Explosion zu stehen. Und ich dachte immer Migräne wäre ein Synonym für»kein Bock auf ficken«.
Falsch gedacht. Nur um ganz sicher zu gehen, fasse ich zwischen meine Beine … Keine Spur von keiner Lust. Ganz im Gegenteil.
Hatte ich nicht mal einen Kerl hier drinnen? Wohin ist der verschwunden?
Ich torkle Richtung Wohnzimmer, dort angekommen bestätigt sich mein Verdacht. In Embryonalstellung zusammengekauert kuschelt sich ein Nackter gegen eines der Raubtiere. Dessen Schnurren dürfte auch die Ursache meines Schwindels sein. Oder die Unmengen an Wodka Bull und Koks vergangene Nacht.
Schuld ist immer die Katze.
Gebannt beobachte ich die zwei Turteltauben, doch egal wie sehr ich mich auch anstrenge, ich komme nicht drauf, wer der Unbekannte auf dem Sofa ist.
Vielleicht hilft ja ein Kaffee. Ich starte die Maschine und stell mich erst mal in die Dusche; kaltes Wasser soll ja Wunder wirken.
Kokain auch.
Dann schlüpf ich in den Bademantel, den Rest des weißen Pulvers auf die Waschmaschine schüttend, hektisch und gierig suche ich nach einem Strohhalm. Und siehe da – tatsächlich macht es den Anschein, alles wäre in bester Ordnung.
Und trotzdem: Irgendetwas ist anders.
Stetig schneller steigt der Takt des roten Muskels unter meiner Brust, neurotisch gegen die Rippen hämmernd zwingt er mich zu Boden.
Blut tropft aus meiner Nase, scheiße, ich glaub diesmal hab ich es wirklich übertrieben, ich bekomme keine Luft mehr, das war’s dann wohl.
Verzweifelt versuche ich einen Punkt zu fixieren, mich von den Gedanken gleich zu krepieren zu verabschieden, doch es ist vergebens. Scheiße, ich kann jetzt nicht sterben, meine Wohnung sieht aus wie eine Müllhalde.
Außerdem bin ich heut Abend verabredet, ich muss ihn unbedingt wiedersehen.
Whoop. Whoop.
Verkrampft stemme ich mich auf das Waschbecken, klatsche mir eiskaltes Wasser ins Gesicht und versuche an was Schönes zu denken. Tief einatmen, das wird schon wieder.
Ich ziehe mir eine herumliegende Short und ein Top drüber, sollte einfach mal an die frische Luft gehen um wieder klar zu kommen.
Kaum dort angekommen, beginnt der Kampf von vorn. Höllisch brennt die Sonne in meinen blutunterlaufenen Augen, Herzjagen und das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen lassen mich in Panik ausbrechen. Kalter Schweiß läuft mir über die Schläfen und die ganze Welt beginnt sich wieder um mich zu drehen.
Zurück Richtung Eingang wankend höre ich das Klingeln, doch kann nicht mehr reagieren. Das Fahrrad erwischt mich frontal, ohne Möglichkeit ihm auszuweichen klatsche ich mit dem Hinterkopf auf den Asphalt.
Und plötzlich geht das Licht aus.
Als ich die Augen wieder öffne, blicke ich in zwei besorgt dreinschauende Gesichter, die mir beide irgendwie bekannt vorkommen. Es liegt mir auf der Zunge, und doch weiß ich nicht so recht wer diese Gestalten sind.
»Maja, ist alles in Ordnung?«
Was will der von mir? Ich liege auf der verdreckten Straße, höre die Sirenen immer näher kommen und hab keinen Plan was das alles soll.
»Du bist gestürzt, der Krankenwagen ist gleich hier«, als ob mich die Erklärungsversuche beruhigen könnten. Außerdem, wieso hingefallen? Ich dachte ich bekomme einen Herzinfarkt. Großartig.
Noch bevor ich mich drüber aufregen kann, ist wieder alles finster.
Wahnsinnige Träume geistern durch meinen ramponierten Kopf, ich bin auf der Flucht, doch schaffe es einfach nicht ihn abzuhängen. Der Abstand zwischen uns wird kleiner, ich traue mich nicht umzudrehen und ihn anzusehen, da ich ohnehin weiß wer es ist. Er wird nicht locker lassen, bis er mich zur Strecke gebracht hat und ich endgültig den Verstand verloren habe. Seine Schritte werden lauter, beinahe kann ich seinen Atem schon im Nacken spüren, als ich mit einem Mal erwache und mich aufrichte.
»Scheiße, wo bin ich hier?«
Erschreckt zuckt eine kleine Blondine in weißen Klamotten zusammen, als ich den ersten Brüller des Tages vom Stapel lasse.
»Sie sind im Krankenhaus, sie hatten einen Unfall. Der Arzt ist jeden Moment hier.«
Abgesehen von den Shorts bin ich völlig nackt. An meinem Oberkörper haben sie Saugnäpfe angebracht, neben mir steht ein Monitor, in der Armbeuge steckt eine Nadel, durch die eine Infusion tröpfelt.
Die zu Tode strapazierte Phrase vom bösen Erwachen erreicht auf einmal nie geahnte Dimensionen. Fuck, was zum Teufel ist denn passiert?
Kalter Schweiß sammelt sich in einer kleinen Falte, dort wo der Hals aufhört und die Schultern anfangen. Mein Fokus dreht sich immer schneller um die eigene Achse, mein Puls scheint auf dem besten Wege mein Herz zu zerbomben. Ununterbrochen denke ich nur an eine einzige Sache:»Du kannst jetzt nicht sterben.«
Wie ein unsichtbarer Schleier legt sich nackte Angst um mich herum, verheddert sich, weil ich nicht damit aufhöre dagegen anzukämpfen, raubt sie mir den Atem.
Mein verfluchtes Herz hat den Kopf geschrottet. Aber diesmal so richtig. Belangloser Dach- oder rauschgiftbedingter Kollateralschaden?
Wen interessiert’s.
Bitte liebes Gehirn, halt einfach mal die Fresse.
Jetzt, wär super.
Von einer Sekunde auf die andere kommen die Wände des Krankenzimmers immer näher, langsam doch spürbar weicht der ganze Sauerstoff aus dem Raum, mein Brustkorb hebt und senkt sich als ob ich eben die Ziellinie des Ironman-Wettbewerbs überquert hätte.
Das Blondchen steht auf einmal neben mir und fasst an meine Schulter und hält meine Hand.»Keine Sorge, Sie sind in guten Händen. Hier kann Ihnen nichts mehr passieren.«
Sie dreht an der Schraube des Tropfs und tatsächlich beruhige ich mich, als der Arzt vor mir auftaucht:»Na, da ist ja jemand wieder zu sich gekommen. Guten Tag.«
Ein hochgewachsenes Oberschnucki mit schwarzen Haaren und hellblauen Augen steht vor meiner Pritsche und schüttelt mir die Hand. Wäre ich nicht mit meiner Panik beschäftigt, könnte ich glatt auf böse Gedanken kommen.
»Hallo. Hab ich eine Herzattacke?«
Er mustert den Monitor und das Klemmbrett dass er in der Hand hält für einen Augenblick und setzt sich dann auf einen der Stühle.
»Sie haben eine Gehirnerschütterung, keinen Infarkt. Ihr Herzschlag ist viel zu hoch. Haben Sie irgendwelche Drogen genommen?«
»Ja.«
»Welche?«
»Alle.«
Mehr bringe ich nicht heraus, Tränen laufen mir über die Wangen. Warum bin ich so unendlich bescheuert?
»Wir warten die Laborergebnisse noch ab, ich komme dann wieder und möchte Sie diese Nacht zur Beobachtung hier lassen.«
Ich nicke stumm, vergrabe mein Gesicht unter den Händen. Ich hasse es vor anderen Menschen zu weinen.
Als er wiederkommt, bin ich gefasst, die Tatsache dass sich so viele Menschen hier um mich kümmern, lässt die Angst kleiner werden.
»Sie sollten einen Gang zurückschalten. Haben Sie schon mal daran gedacht einen Entzug zu machen? Wir haben eine ausgezeichnete Stadion im Haus.«
»Nein, danke. Ich schaff das auch alleine.«
»Sie sind auf beinahe alle Substanzen positiv getestet worden. Ich glaube, Sie machen sich was vor.« Seine Miene wird ernst, als er die Ergebnisse nochmal durchblättert.
»Hören Sie, ich war schon mal in der Psychiatrie. Und danach war ich noch irrer als davor. Alles was ich will, ist die Bestätigung, dass ich heute Nacht nicht sterben muss.«
»Diese Garantie kann ich niemandem geben. Tut mir leid. Überlegen Sie sich in Ruhe wie es weitergehen soll. Das ist eine Entscheidung, die sie nicht von heute auf morgen treffen können, so was muss gut vorbereitet werden.«
Ich versuche mich zusammenzureißen, doch es hilft nichts. Als er wieder geht, schluchze ich wie ein kleines Kind; das darf doch alles nicht wahr sein.
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