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Lise Gast

Das Waldhorn

Saga

Das Waldhorn

© 1978 Lise Gast

Alle Rechte der Ebookausgabe: © 2016 SAGA Egmont, an imprint of Lindhardt og Ringhof A/S Copenhagen

All rights reserved

ISBN: 9788711508831

1. Ebook-Auflage, 2016

Format: EPUB 3.0

Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für andere als persönliche Nutzung ist nur nach Absprache mit Lindhardt und Ringhof und Autors nicht gestattet.

SAGA Egmont www.saga-books.com – a part of Egmont, www.egmont.com.

„... und so habe ich beschlossen, mit Vater zu fahren. Allein würde ihm der sonnigste Süden nichts nützen, und er macht ja die Reise, um endlich wieder gesund zu werden. Um Dich aber, Carola, um Dich tut es mir leid. Du bist immer so gern in Dein weihnachtliches Kinderland zurückgekehrt, zu uns, auch wenn Du Dich das ganze runde Jahr woanders herumtreibst. Weihnachten kamst Du nach Hause, und immer gern, ich weiß. Hast an der Tür gehorcht, ob eine Nuß herunterfällt, während ich den Baum schmückte, und ich weiß noch, wie entrüstet Ihr beide wart, Frank und Du, wie ihr es weit von Euch wieset, den Christbaum einmal selbst zu schmücken. Nein, Ihr wolltet alles so haben „wie früher“.

Frank wäre dieses Jahr sowieso nicht gekommen. Er hat vor, vom zweiundzwanzigsten an Ski zu laufen, sein Urlaub ist ja immer kurz, und so würde es sich nicht lohnen, wenn er erst nach dem Heiligabend führe. Es spielt da wohl auch ein weibliches Christkind eine Rolle mit, eine Christine, soviel ich weiß, das seine Anziehungskraft ausübt. Nun, obwohl Ihr mich immer als neugierige Mutter mit kommenden Schwiegermutteraugen hinstellt, ich habe – Hand aufs Herz! – nicht gefragt. Mag er Ski laufen, wenn es ihm lieber ist, das Glück sieht für jeden Menschen anders aus, und wenn es Franks Glück ist ...

Du aber, mein Carlchen, hast bisher keine fernheimatlichen Pläne geäußert, und deshalb fällt mir dieser Brief recht schwer. Daß Du verstehen wirst, weiß ich. Daß es trotzdem für Dich nicht leicht ist, weiß ich auch. Hoffen wir, daß Vater sich richtig und endgültig erholt – er ist ja eine Stehaufmännchennatur wie wir alle – und daß wir nächstes Jahr umso schöner wieder zusammen feiern können. Nichts ist ja so tröstlich wie das alte Kinder-Weihnachtslied: ‚Alle Jahre wieder‘, das Du immer so geliebt hast.

Immer liebt Dich

Deine Mutter.“

„Weiß ich doch“, sagte Carola halblaut vor sich hin, „jaja.“ Und dann schnupfte sie, wischte sich über die Augen und versuchte, tapfer zu lächeln, was ein wenig mißriet. Zum Glück sah es niemand, sie war allein. Und sie heulte auch nicht.

Carola war einundzwanzig Jahre alt und besuchte die Pädagogische Hochschule. Und wie viele Menschen hatte sie, gute und sehr gute Freunde, männliche und weibliche, Kollegen, Kameraden, Kumpels und sehr Geliebte, nur eben der am meisten Geliebte ... Aber davon wollen wir nicht sprechen, weil es wehtun würde.

Wir wollen nicht einmal mit einem Gedanken daran rühren. Es ist ja so: man hat zehn Finger, aber wenn einer davon entzündet ist, stößt man sich bestimmt an keinem der anderen neun, sondern immer an dem zehnten. Und wenn das Herz an einer Stelle eine Wunde hat, stößt man bestimmt mit jedem Gedanken dort an und nirgends sonst. Hände weg also und nicht daran gerührt.

Lieber sollte man an die anderen Freunde denken, die eben auch nett und lieb und reizend sind, und bei denen Weihnachten zu feiern, sicherlich eine schöne Sache wäre. Carola, aus der Stehaufmännchen-Familie stammend, hielt sich nicht mit langem Bedauern auf, sondern begann bereits in dieser Minute – und es war ja noch nicht einmal Advent, Pläne zu schmieden. Weihnachten einmal ganz anders, es konnte doch auch einmal ganz anders schön werden!

„Ich möchte Weihnachten immer ein Kind sein“, sagte einmal eine Bekannte zu Carola. Sie dachte über diesen Satz nach. Ging es ihr auch so? Seit einiger Zeit nicht mehr. Aber mit Kindern zusammen feiern, mit erwartungsvollen, selig gespannten, noch ganz im Märchenalter stehenden Kindern – das mußte doch das Zweitbeste sein. Das Zweitbeste, denn das Beste, das, was sie sich so sehr wünschte ... nein, wie gesagt, an Wunden soll man nicht rühren. Wenn man sie ganz, ganz in Ruhe läßt, schließen sie sich vielleicht einmal. Mit Kindern also Weihnachten feiern. Carola wußte sogleich, mit welchen. Eine Kusine von ihr, etwas älter als sie, hatte sehr jung geheiratet, sie wohnte in der gleichen Stadt und besaß schon drei Kinder. Diese Kusine würde sie sicherlich einladen, wenn sie hörte, daß ihre Eltern zum Fest nicht da sein würden. Carola fand diesen Plan außerordentlich vielversprechend und nahm den ersten freien Nachmittag wahr, um mit Weihnachtsaugen durch die Stadt zu spazieren. Am ersten Advent wollte sie Lotte besuchen und einmal vorfühlen. Dazu wollte sie den Kindern einen Adventskalender mitbringen und jedem außerdem etwas ganz Hübsches. Warum sollte man nicht schon zum ersten Advent etwas schenken? Dabei konnte sie herausbekommen, was sie zu Weihnachten mitbringen könnte, den Erwachsenen und den Kindern.

Welch ein Genuß, mit bestem Gewissen wieder einmal einen Spielzeugladen betreten zu können! Jeder Mensch bleibt irgendwo ein Kind, und jedes Kind zieht es um diese Zeit zu den Läden hin, in denen puschelige Teddybären, klobig-drollige Holzpferdchen, rasante Eisenbahnen und berittene Indianer auf Käufer warten. Carola hatte den Anorak mit der pelzgefütterten Kapuze und die bunten Fausthandschuhe angezogen, alles sollte ‚richtig‘ sein, vielleicht besann sich auch der Wettergott und sandte ein bißchen Schnee.

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490,45 ₽
Возрастное ограничение:
0+
Дата выхода на Литрес:
05 мая 2025
Объем:
20 стр. 1 иллюстрация
ISBN:
9788711508831
Издатель:
Правообладатель:
Bookwire
Формат скачивания:

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